Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Dertingen (Stadt Wertheim, Main-Tauber-Kreis) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge 
(erstellt unter Mitarbeit von Dieter Fauth, Wertheim)  

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte    
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde        
    
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts den Grafen von Löwenstein-Wertheim gehörenden Dertingen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1925. Zeugnisse jüdischer Familien am Ort reichen bis ins 17. Jahrhundert zurück. Der älteste Grabstein auf dem jüdischen Friedhof in Wertheim, der für einen Dertinger Juden gesetzt wurde, datiert von 1699 (nach der Dokumentation des jüdischen Friedhofes in Wertheim von Emily Rose. Berlin 1997 S. 2 und Nr. 366 Ms.). 
  
1825 wurden 46 jüdische Einwohner gezählt (5,6 % von insgesamt 825 Einwohnern). Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1850 mit 54 Personen erreicht.   
 
Unter den jüdischen Familien ist vor allem die Familie Schwarzschild zu nennen, deren Stammvater der ca. 1777/78 in Dertingen geborene Seligmann Jacob war, der den Namen Schwarzschild angenommen hatte. Von ihm abstammend gibt es elf Dertinger Urenkellinien, von denen es in drei Linien zu fünf Ermordeten in der NS-Zeit kam. Weiteres im Beitrag von Dieter Fauth siehe Literatur.    
   
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), neben der sich auch ein rituelles Bad und ein jüdische Schlachthaus befanden (heute Parkplatz). Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof in Wertheim beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorsänger tätig war (siehe Ausschreibungen der Stelle unten). Die Gemeinde wurde 1827 dem Rabbinatsbezirk Tauberbischofsheim, später Wertheim zugeteilt.  
  
Die jüdische Gemeinde wurde 1925 aufgelöst, weil nur noch acht erwachsene Männer in der Gemeinde waren und dies für keinen regelmäßigen Minjan mehr in der Synagoge ausreicht. Danach orientierten sich die verbliebenen jüdischen Familien nach Wertheim.
  
1933 lebte nur noch eine Familie Schwarzschild am Ort. 
   
Von den in Dertingen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Hilda Hammel geb. Fleischmann (1897), Adolf Schwarzschild (1882), Karoline (Lina) Schwarzschild (1879), Sophie Schwarzschild geb. Brückheimer (1881).   Weitere Angaben im Beitrag von Dieter Fauth siehe Literatur. 
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde                 
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer    
Ausschreibungen der Stelle des Lehrer und Vorsängers (1853 / 1855)         

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 24. September 1853 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Die mit einem festen Gehalte von 135 fl. und einem jährlichen Schulgelde von 48 kr. für jedes die Religionsschule besuchende Kind und dem Vorsängerdienste samt den davon abhängigen Gefällen, verbundene Religionsschulstelle bei der israelitischen Gemeinde Dertingen, Synagogenbezirks Tauberbischofsheim, ist zu besetzen.   
Die berechtigten Bewerber um dieselbe werden daher aufgefordert, mit ihren Gesuchen, unter Vorlage ihrer Aufnahmeurkunden und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel, binnen 6 Wochen, mittelst des betreffenden Bezirksrabbinats, bei der Bezirkssynagoge Tauberbischofsheim sich zu melden. 
Bei dem Abgange von Meldungen von Schul- oder Rabbinatskandidaten, können auch andere inländische befähigte Subjekte nach erstandener Prüfung bei dem Bezirksrabbiner zur Bewerbung zugelassen werden."    
 
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 12. Dezember 1855  (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Die mit einem festen Gehalte von 40 fl. nebst freier Kost und Wohnung und einem jährlichen Schulgelde von 48 kr. für jedes die Religionsschule besuchende Kind und dem Vorsängerdienste samt den davon abhängigen Gefällen verbundene Religionsschulstelle bei der israelitischen Gemeinde Dertingen, Synagogenbezirks Tauberbischofsheim, ist zu besetzen.   
Die berechtigten Bewerber um dieselbe werden daher aufgefordert, mit ihren Gesuchen, unter Vorlage ihrer Aufnahmeurkunden und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel, binnen 6 Wochen, mittelst des betreffenden Bezirksrabbinats, bei der Bezirkssynagoge Tauberbischofsheim sich zu melden. Bei dem Abhange von Meldungen von Schul- oder Rabbinatskandidaten, können auch andere inländische befähigte Subjekte nach erstandener Prüfung bei dem Bezirksrabbiner zur Bewerbung zugelassen werden."   

      
      
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Jüdische Schmiedemeister in Dertingen seit Ende des 18. Jahrhunderts 

Dertingen AZJ 24041896.jpg (24421 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. April 1896: "Von Interesse ist die Nachricht, dass in Dertingen (Amtsbezirk Wertheim in Baden) seit über 100 Jahre jüdische Schmiede leben, namens Schwarzschild, die fromm sind und für die Bauern arbeiten außer Sonnabend und Sonntag."  

      
Zur Goldenen Hochzeit von Nathan Schwarzschild und Rose geb. Rothschild (1927) 

Dertingen Israelit 10111927.jpg (42982 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. November 1927: "Dertingen bei Wertheim, 7. November (1927). Am 13. November begehen in voller Rüstigkeit die Eheleute Herr Nathan Schwarzschild, 79 Jahre und Frau Rose geb. Rothschild, 80 Jahre, das Fest der goldenen Hochzeit. Der Jubilar ist als Schmiedemeister hier tätig und übt heute noch sein Gewerbe aus. Wir wünschen den Eheleuten noch ein recht langes Leben bei voller Gesundheit."   

    
    
    
Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge                 
   
1814 wurde eine Synagoge erbaut, die bis 1925 in Gebrauch war. Über die Baugeschichte der Synagoge konnten keine Aktenbestände ausfindig gemacht werden. Nachdem die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder auf nur acht zurückgegangen war, wurde die Synagoge geschlossen, 1926 von der politischen Gemeinde erworben und zu einer Schule umgebaut (Kochschule für Mädchen, landwirtschaftliche Fortbildungsschule für Jungen). Seit 1942 diente das Gebäude als Altersheim des Landkreises Tauberbischofsheim. 
   
Nach 1945 war im Erdgeschoss zeitweise die Postvermittlung des Ortes eingerichtet. 1956 wurde das Synagogengebäude zu einem bis heute erhaltenen Wohnhaus umgebaut (Obere Straße 23)
.   
    
    
    
Fotos 
Historische Fotos:   

Historische Fotos sind nicht bekannt, Hinweise bitte an den 
Webmaster von "Alemannia Judaica", E-Mail-Adresse siehe Eingangsseite 

    
Fotos nach 1945/Gegenwart:

Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn) 
Dertingen Synagoge 009.jpg (50211 Byte) Dertingen Synagoge 010.jpg (39087 Byte)
  Das durch zahlreiche Umbauten 
veränderte ehemalige Synagogengebäude 
dass; Rückseite 
  
     
Dertingen Synagoge 011.jpg (38841 Byte) Dertingen Synagoge 012.jpg (34297 Byte)
  Vorderseite (Straße) mit Eingang  Eingangstor 
      
Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 22.9.2003) 
  
Dertingen Synagoge 152.jpg (48235 Byte) Dertingen Synagoge 150.jpg (42522 Byte) Dertingen Synagoge 151.jpg (36361 Byte)
Ansichten des ehemaligen Synagogengebäudes von der Oberen Straße  Eingangstür von der Oberen Straße 
   
Dertingen Synagoge 155.jpg (50031 Byte) Dertingen Synagoge 154.jpg (44883 Byte) Dertingen Synagoge 153.jpg (56636 Byte)
Rückseite 
des Gebäudes 
Seitenansicht 
von Westen  
Kellereingang von der Rückseite, 
vermutlich Zugang zum rituellen Bad 

     
     
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   

November 2011: Vierte Verlegung von "Stolpersteinen" in Wertheim und Dertingen    
Artikel von Alexander Gutmann in den "Fränkischen Nachrichten" vom 19. November 2011: 
"Stolperstein"-Verlegung: Der Fall der Maria Gegenwarth. Existenz "beendet". 
Wertheim.
Bei ihrer anhaltenden Aufarbeitung des Holocausts in Wertheim sind Dieter Fauth und seine engagierten Laienhistoriker während der Vorbereitung der vierten 'Stolperstein'-Verlegung auf zwei relativ außergewöhnliche Fälle gestoßen. Einer ist der der Maria Gegenwarth, welcher maßgeblich von der Schülerin Jael Steinbach recherchiert wurde, einer der der Familie Schwarzschild, die in Dertingen gelebt hat..." 
Link zum Artikel - auch eingestellt als pdf-Datei.      
 
 

     
      

Links und Literatur  

Links: 

Website der Stadt Wertheim  
Website der Ortschaft Dertingen  

Literatur: 

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 66. 
Dieter Fauth: Die jüdischen Bürger aus Dertingen. 2013. Eingestellt als pdf-Datei.   
Wertheim Lit 14005.jpg (162242 Byte) Dieter Fauth: Wertheim im Nationalsozialismus aus Opferperspektiven. Gedenkbuch zum Projekt Stolpersteine. Verlag Religion & Kultur. Zell am Main 2013. Gebundene Ausgabe: DIN A 4; 764 S., ca. 450 Abb. ISBN 978-3-933891-26-6, 48,00 €. 
Über das Buch siehe eingestellte pdf-Datei
.  Bestellmöglichkeit u.a. über den Verlag www.verlag-religionundkultur.de   
Kontakt zum Verfasser über E-Mail post[et]dieterfauth.de  

      

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 13. April 2015