Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Eislingen (Kreis Göppingen)
 Jüdische Geschichte 

Übersicht:  

Zur jüdischen Geschichte in Eislingen 
Berichte aus der jüdischen Geschichte in Eislingen   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

   

Zur jüdischen Geschichte in Eislingen          
     
In Eislingen waren jüdische Personen im 16. und 20. Jahrhundert wohnhaft. Es kam jedoch zu keiner Zeit zur Bildung einer jüdischen Gemeinde. 
  
Im 16. Jahrhundert werden nach 1530 im Ortsteil Großeislingen unter dem Schutz der Herren von Rechberg genannt: die Juden Cappelmann (beziehungsweise Coppelmann, Kapellman, aus Erlangen 1530 aufgenommen, gestorben vor 1554), Schmul (Sohn von Cappelmann, war nach 1554 in Ichenhausen), Joseph (1546 genannt, evtl. auch Sohn von Cappelmann),  Abraham (aus Worms, aufgenommen 1551), Israel Wolff (aus Pfreimd in der Pfalz, aufgenommen 1551, nach 1554 in Ichenhausen), Hirsch (1544 genannt), Merlin (1551 genannt), Witwe Sarah mit Tochter Ruth (1554 genannt). 1551 lebte Jud Israel im "meir hauss zu understen im dorff", gemeint vermutlich die spätere "Untere Gasse" (heutige Ebertstraße). Hier lagen 1554 drei jüdische Wohnhäuser. In diesem Jahr wurden die Großeislinger Juden auf Druck von Herzog Christoph von Württemberg ausgewiesen, was zu jahrelangen Verhandlungen vor dem Reichskammergericht führte.        
  
  
Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts gab es am Ort mehrere Gewerbebetriebe im Besitz jüdischer Unternehmer: 
   
Papierfabrik Moritz Fleischer (1892 übernahm Moritz Fleischer die Firma "Krafft & Stapf", die Seidenpapier erstellte, seitdem "Firma Moritz Fleischer". Sie wurde sehr erfolgreich vor allem als Zigarettenpapierfabrik von Moritz Fleischer betrieben. Im Juni 1938 verließ die Fabrikantenfamilie Fleisch nach massivem Zwang, persönlichen Bedrohungen, Einschüchterungen und Repressalien Deutschland, die Firma wurde "arisiert". Im April 1940 wurde sie unter der Bezeichnung "Papierfabrik Fritz Kiehn" neu eröffnet. Nach 1945 kam die Firma 1957 an die Zellstofffabrik Waldhof, 1961 nach Angliederung Hermann Krebs von Mannheim: "Papierfabrik Fleischer-Krebs"); Firmengrundstück zwischen Schillerstraße, Rudolf-Straße und Hindenburgstraße. Die teilweise fünf- bis sechsstöckigen Fabrikgebäude wurden von Februar bis April 1988 abgebrochen. Auf dem Gelände wurden nach der Sanierung 70 Eigenheime für etwa 250 Einwohner erstellt (Wohngebiet Hölderlinstraße). Seit April 2007 erinnert eine Gedenktafel an die Familie Fleischer und ihre Papierfabrik (siehe Fotos unten). 
vgl. Presseartikel von Elke Berger vom 2. März 2013 in den "Göppinger Kreisnachrichten" (NWZ): "Papierfabrik adieu"
    
- Mechanische Strickwarenfabrik Brüder Krämer & Co. (Carl und Simon Krämer, Göppingen, bis um 1928). 
   
- Mechanische Strickwarenfabrik Willy Böhm AG (vor 1924 Mechanische Strickerei Carl Böhm AG in Kleineislingen). 
   
- Kalikofabrik Netter & Eisig (Göppingen, von 1928 bis 1938): Nathan Netter und Sigmund Eisig (aus Göppingen) wollten mit ihrer 1886 in Göppingen gegründeten Kunstlederfabrik expandieren und erwarben die Mehrheit der Eislinger Firma "Greiner & Lemppenau AG". Sie stellten in der Firma einen Bucheinbandstoff her, der auch unter dem französischen Begriff "Calicot" bekannt war. Dazu wurde eine Weberei betrieben (1930 170 Webstühle). In der NS-Zeit waren Netter und Eisig gezwungen, das Unternehmen zu verkaufen. Die beiden Inhaber emigrierten. 1938 fusionierte die "arisierte" Firma mit einer Fabrik in Kötitz bei Coswig in Sachsen und nannte sich nun "Göppinger Kaliko- und Kunstlederfabrik". Nach 1945 entwickelte sich "Göppinger Kaliko" zu einer bedeutenden Zulieferer-Firma in der Autoindustrie. Der Umsatz verlagerte sich mehr und mehr nach Eislingen. Zunehmend wurde Plastik verarbeitet. 1993 Zusammenschluss der Göppinger Kaliko mit der Firma J.H. Benecke aus Hannover zu "Benecke-Kaliko AG.".  2011 wurde eine neue Fertigungsanlage in Eislingen erstellt. In diesem Jahr konnte auch das 125-jährige Bestehen des Werkes Eislingen gefeiert werden.
vgl. die Seite zu "Benecke-Kaliko seit 1718" in der Website von www.benecke-kaliko.com    
vgl. Presseartikel von Axel Raisch vom 1. Juli 2011 in den "Göppinger Kreisnachrichten" (NWZ): "Eislingen. Ein Himmel aus Eislingen..."   
  
In Eislingen wohnte die Familie Moritz Fleischer sowie seit 1928 die Familie Dr. Bernhard Plawner (Prokurist bei Fa. Fleischer, Richard-Wagner-Straße 26/1).  

  
  
Von den in Eislingen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Bernhard Plawner (geb. 1898 in Oswiecim - Auschwitz, später wohnhaft in Eislingen und Göppingen, 28. Oktober 1938 nach Polen abgeschoben, im August 1942 deportiert und umgekommen), Minna Plawner geb. Gruber (geb. 1897 in Oswiecim - Auschwitz, später wohnhaft in Eislingen und Göppingen, wie ihr Mann nach Polen abgeschoben und nach Deportation umgekommen), Pnina Plawner (geb. 1926  in Haifa / Palästina, später wohnhaft in Eislingen und Göppingen, dasselbe Schicksal wie ihre Eltern), Dina Plawner (geb. 1934 in Stuttgart, wohnhaft in Eislingen und Göppingen, dasselbe Schicksal wie ihre Eltern). 
Zur Erinnerung an das Schicksal der Familie Plawner wurden im April 2007 "Stolpersteine" in der Richard-Wagner-Straße verlegt (zwischen den Gebäuden 24 und 26).   
   
Weiter ist der in Eislingen gebürtige Otto Nobert Julius Tugendhat umgekommen (geb. 1896 in Großeislingen als Sohn von Bronislaw Arthur Tugendhat und Friedricke geb. Geiringer, wohnhaft in Eislingen und Berlin; verheiratet in Hamburg seit 19.5.1923, am 1. Januar 1939 nach Frankreich emigriert; ab Drancy am 31. Juli 1944 nach Auschwitz deportiert, von dort am 28. Oktober 1944 in das KZ Stutthof, dann nach Hailfingen [Außenkommando KZ Natzweiler], wo er am 16. Dezember 1944 umgekommen ist). 
Zu Familie Tugendhat: Bronislaw Arthur Tugendhat (1870 - 1957) war Generaldirektor der Papierfabrik Unterkochen; seine Frau Friedericke geb. Geiringer (geb. 1872) starb am 18. Februar 1910 in Wien. Das Ehepaar hatte noch eine Tochter Stefanie (geboren um 1874, lebte 1920 in New York). Bronislaw Arthur Tugendhat übernahm 1895 die technische Leitung der Papierfabrik Fleischer in Großeislingen. 1899 wurde er dort abgeworben und zum Direktor der Papierfabrik Unterkochen berufen (bis 1930). Tugendhat wurde später Ehrenbürger in Unterkochen.   
Obige Informationen nach Angaben des Gedenkbuches des Bundesarchivs sowie vom Standesamt Eislingen, den Recherchen von Volker Mall, Gedenkstätte Hailfingen und den Recherchen von Winfried Vogt aus Unterkochen. 
    
    
    
Berichte aus der jüdischen Geschichte in Eislingen       
60. Geburtstag von Fabrikant David Fleischer und seine Ernennung zum Ehrenbürger Eislingens (1927)        

Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Oktober 1927: "Eislingen (Württemberg). Am 7. September feierte der Fabrikant David Fleischer, der Seniorchef der Firma Seidenpapierfabrik Moritz Fleischer, seinen 60. Geburtstag. Fleischer, der zum Vorstand der jüdischen Gemeinde Göppingen gehört, wurde aus Anlass seines Geburtstages in dankbarer Würdigung seiner Verdienste um die Gemeinde Groß-Eislingen von dieser zum Ehrenbürger ernannt. Die kunstvoll ausgeführte Ehrenbürgerurkunde wurde ihm durch den Gemeindevorstand überreicht."       

     
     
Fotos   

Enthüllung einer Gedenktafel für 
die Familie Fleischer im April 2007 
(Quelle: Artikel in eislingen-online.de
Eislingen Fleischer 02.jpg (129959 Byte) Eislingen Fleischer 01.jpg (73581 Byte)
  Bürgermeister Günther Frank enthüllt den Gedenkstein in Anwesenheit des Vertreters der Familie Fleischer, Prof. Mayer Tasch  
      

    
    
Links und Literatur   

Links:  

Website der Stadt Eislingen/Fils  

Literatur:  

Stefan Lang: Ausgrenzung und Koexistenz. Judenpolitik und jüdisches Leben in Württemberg und im "Land zu Schwaben" (1492-1650). Reihe: Schriften zur Südwestdeutschen Landesbunde. Band 63. Sigmaringen 2008. 
Martin Mundorff / Walter Ziegler (Hrsg.): Eislingen und seine Fabriken. Rainer Weiler zum Siebzigsten. Hrsg. im Auftrag der Stadt Eislingen. Weißenhorn 2001.  
Heinz Schmidt-Bachem: Aus Papier: eine Kultur- und Wirtschaftsgeschichte der papierverarbeitenden Industrie in Deutschland. De Gruyter. Berlin/Boston 2011. S. 868-869.     

     
      

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 12. Oktober 2015