Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Hoechberg Ort 266.jpg (74734 Byte)links: Gebäude der ehemaligen Präparandenschule in Höchberg (Foto vom Juli 2009)    
     
       

Höchberg (Marktgemeinde, Kreis Würzburg)
Texte/Berichte zur Geschichte der Israelitischen Präparandenschule

Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit Beiträgen zur Geschichte der Israelitischen Präparandenschule in Höchberg wurden in jüdischen Periodika gefunden.  
Die Texte sind chronologisch geordnet - weitere Texte werden bei Gelegenheit eingestellt. Hebräische Wendungen und Zitate in den Texten sind teilweise noch zu übersetzen. 
 
Links: Seite in der Website des Marktes Höchberg https://www.hoechberg.de/praeparandenschule/ 
Flyer: Informationen über die ehemalige israelitische Präparandenschule in Höchberg (Flyer zum Download)    
 
Im Gebäude der Präparandenschule (Sonnemannstraße 15) gibt es (neben der Facharztpraxis im Haus) in zwei Dokumentationsräumen eine Ausstellung zur Geschichte der Präparandenschule. Öffnungszeiten (aktuelle Zeiten gegebenenfalls erfragen) derzeit (Anfang 2026) jeden 1. und 3. Monat im Monat von 14 bis 17 Uhr. Führungen für Schulen und Gruppen nach Vereinbarung. Eintritt frei. Kontakt über Markt Höchberg www.hoechberg.de Mail: poststelle@hoechberg.de 
  
Literatur: Roland Flade: Lehrer, Sportler, Zeitungsgründer. Die Höchberger Juden und die israelitische Präparandenschule. Schriften des Stadtarchivs Würzburg, Heft 12. Würzburg 1998. 
 
 
Einführung in die Geschichte der Präparandenschule

Der in Höchberg seit 1828 als Ortsrabbiner tätige Lazarus (Elieser, Elosor) Ottensoser gründete 1841 eine Jeschiwa (Talmud-Tora-Schule, Beth haMidrasch) für junge Männer, die einige Zeit ihres Lebens ganz dem Torastudium widmen wollten. 
   
Lazarus Ottensoser ist 1798 in Weimarschmieden (nicht in Kleineibstadt) als Sohn des Naphtali Ottensoser geboren und zog mit seinen Eltern in jungen Jahren nach Kleineibstadt (nach Angaben von R. Flade, siehe Lit.). Der  Vater von Lazarus Ottensoser war (nach Forschungen von Elisabeth Böhrer) jüdischer Lehrer in Kleineibstadt, wo weitere Geschwister von Lazarus zur Welt kamen. Nach Abschluss seiner Ausbildung zum Lehrer war Lazarus Ottensoser vor Höchberg zunächst als Lehrer in Scheinfeld und Aub tätig.
  
Da die Jeschiwa Ottensosers bald einen hervorragenden Ruf weit über Bayern hinaus hatte, waren nach wenigen Jahren 20 bis 25 junge Männer ständig zum Lernen in Höchberg. Die Einrichtung lebte ganz von Spenden; die Schüler hatten keine Gelder für Unterkunft, Verpflegung oder Studium zu bezahlen. Seit 1861 wurde die Jeschiwa auf Anregung von Rabbiner Seligmann Bär Bamberger in eine Präparandenschule umgewandelt. 1863 erschienen mit Billigung der Regierung von Unterfranken die ersten Anstaltsstatuten. Die erfolgreich abschließenden Schüler wurden seit 1864 in die Israelitische Lehrerbildungsanstalt in Würzburg beziehungsweise in ein anderes Lehrerseminar (je nach Herkunft auch außerhalb Bayerns) übernommen. 1865 konnte Ottensoser ein neues Lehrhaus im Gebäude Sonnemannstraße 15 eröffnen, in dem die Schüler lebten und lernten.  
    
1876 starb der Gründer der Einrichtung Lazarus Ottensoser. Inzwischen wurde die Schule von fast 40 Schülern besucht. Es unterrichteten drei Lehrer in den unterschiedlichsten Fächern. Nach dem Tod Ottensosers übernahm Rabbiner Nathan Ehrenreich die Leitung der Präparandenschule. Auch er war zugleich Ortsrabbiner in Höchberg. Ehrenreich starb 1886. Nun übernahm der seit 1875 an der Präparandenschule unterrichtende Lehrer Nathan Eschwege die Schulleitung. Bis zu seinem Tod 1908 konnte er die erfolgreiche Arbeit der Präparandenschule im Sinne des Gründers fortsetzen. Von 1908 bis 1913 war Lazarus Gedalja Ehrenreich Schulleiter. 1913 übernahm der an der Präparandenschule bereits mehrere Jahre unterrichtende Selig Steinhäuser (geb. 1884 in Oberlauringen, ermordet 1943 in Auschwitz) die Leitung. In den 1920er- und 1930er-Jahren besuchten etwa 60 bis 70 Schüler die Schule, unterrichtet von bis zu sechs oder sieben Lehrern. Die Schule war seit 1918 attraktiver geworden, da für angehende Kaufleute auch eine fundierte Ausbildung in der Handelslehre möglich war (in einer "Bürgerschule"), verbunden mit einer Ausbildung in den Traditionen des Judentums. Nun unterrichteten bis zu zwölf Lehrer an der Schule, von denen die meisten in Würzburg lebten. Die Schule bestand in Höchberg bis 1931, wurde in diesem Jahr nach Würzburg verlegt und mit der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt (ILBA) verbunden. Selig Steinhäuser wurde an der ILBA als Seminarlehrer und stellvertretender Direktor übernommen. Trägerin der Präparandenschule war die Lazarus-Ottensoser Stiftung für die Israelitische Präparandenschule
 
 
Überblick über die Texte: 

Lob des jüdisch-religiösen Unterrichts in Höchberg (1846) 
Über die Präparandenschule (1866)  
Höchberg und die Schule leiden unter dem Krieg (1866)   
Ausschreibung einer Lehrerstelle (1866)   
Ausschreibung der zweiten Lehrerstelle (1869)  
Bericht von Lazarus Ottensoser über die Situation in der Anstalt (1871)  
Zum Tod von Rabbiner Lazarus Ottensoser (1876)   
Über die Situation der Schule (1879)   
Zum Tod von Rabbiner Jakob Ehrenreich (1886)   
Lehrer Nathan Eschwege wird Leiter der Präparandenschule - Rabbinatskandidat Pinchas Mosche Hänle Wechsler wird angestellt (1886)   
Zur Berufung von Pinchas Mosche Hänle (Elchanan) Wechsler an die Präparandenschule (1886)  
Zur Berufung von Pinchas Mosche Hänle Wechsler nach Höchberg (1887)   
Ausschreibung einer Lehrerstelle (1890)  
50-jähriges Jubiläum der Schule (1891)   
Zum 50-jährigen Bestehen der Präparandenschule (1891)   
Spende für die israelitische Präparandenschule (1892)     
Zur Beisetzung von Pinchas Mosche Elchanan Wechsler (1894)  
Erinnerung an Rabbiner Pinchas Mosche Elchanan Wechsler (gest. 1894, Beitrag von 1933)      
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers (1894)  
Jahresbericht 1893/94 
Jahresbericht 1897/98   
Neujahrsgrüße von Lazarus G. Ehrenreich (1898)     
Jahresbericht 1899/1900  
25-jähriges Dienstjubiläum von Lehrer Nathan Eschwege (1900)   
Trauerfeier für Freiherr W. C. von Rothschild (1901)  
Zum Tod von cand. med. Simon Eschwege, Sohn des Hauptlehrers Nathan Eschwege (1901) 
Jahresbericht 1900/01    
Spendenaufruf für die Präparandenschule (Talmud-Tora-Schule) in Höchberg (1901)         
Die Israelitische Präparandenschule im Jahr 1902  
Jahresbericht 1901/02     
A
usschreibung einer Lehrerstelle an der israelitischen Präparandenschule (1902  
Ausschreibung einer Lehrerstelle an der Israelitischen Präparandenschule (1903)  
V
ergleich der Ausbildungen in den Präparandenschulen Burgpreppach, Höchberg und Münster sowie in den Seminaren Köln, Münster und Würzburg (1904)   
25-jähriges Dienstjubiläum von Lehrer Lazarus Ehrenreich (1904)  
Zum Jahresbericht 1904/05 
Jahresbericht 1905/06  
Über die Präparandenschule in Höchberg (1906)    
Allgemeiner Bericht über Gemeinde und Präparandenschule (1906) 
Spendenaufruf für eine Renovierung der Schule (1907)  
Zum Tod des Leiters der Präparandenschule Nathan Eschwege (1908)   
Erinnerung an Nathan Eschwege, den "Vater" des Israelitischen Lehrervereins für Bayern (Artikel von 1927)     
Ausschreibung einer Lehrerstelle (1909)  
Die drei Lehrerbildungsanstalten im Kreis Unterfranken (Höchberg, Burgpreppach, Würzburg)  
Zum Tod von Direktor Lazarus G. Ehrenreich (1913)     
Zum Tod von Samuel Eldod (1920)   
Bericht über das "80. Schuljahr" (1920)   
Zum Tod von Bella Eldod, Witwe von Elias Eldod (1922)    
Jahresbericht der Präparandenschule (1922)   
Ausschreibung von Freiplätzen für Präparanden (1924)  
Ausschreibung der Israelitischen Präparandenschule für das Schuljahr 1925/26  
Ausschreibung der israelitischen Lehrerbildungsanstalten in Bayern (1925)     
Schwierige Situation der Präparandenschule (1927)  
Ausschreibung der Israelitischen Präparanden- und Bürgerschule für das Schuljahr 1928/29   
Ausschreibung der Bayerischen Lehrerbildungsanstalten für das Schuljahr 1929/30    
Präparandenlehrer Emanuel Eldod tritt in den Ruhestand (1929)     
Erinnerungen an die Präparanden- und Seminarzeit von Lehrer A. Strauß (Uffenheim) (1930) 
Umzug der Präparandenschule von Höchberg nach Würzburg (1931)  
Gründe für die Verlegung der Präparandenschule Höchberg nach Würzburg (1931)   
Hochzeitsanzeige von Gerson Katz und Sara geb. Eldod (1931)   
Nach Schließung der Präparandenschule: Bericht über das "stille Höchberg" (1931)      
Erinnerungen an Höchberg (1933)  
70. Geburtstag von Präparandenlehrer Emanuel Eldod (1933)     
     
     
     
Lob des jüdisch-religiösen Unterrichts in Höchberg (1846)  
   

Aus einem Artikel in "Der treue Zionswächter" vom 3. Februar 1846: "Ein gleichmäßig reges Streben gibt sich bei den Lehrern und Zöglingen in allen, des Herrn Rabbiners Bamberger (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Seligmann_Bär_Bamberger) Leitung und Aufsicht empfohlenen, nahe an 30 Religionsschulen kund, in welchen außer den gewöhnlichen Lehrgegenständen das Studium der Tora, der Propheten, der Mischnah und des Orach Chajim (vgl. https://en.wikipedia.org/wiki/Orach_Chayim) mit besonderem Fleiße und mit dem befriedigendsten Erfolge betrieben wird. Sogar in den talmudischen Wissenschaften zeichnen sich mehrere Lehrer, die in den die Kreishauptstadt Würzburg zunächst umgebenden Gemeinden angestellt sind, zu welchen vorzüglich die in Höchberg, Rimpar und Fuchsstadt mit lobender Anerkennung zu rechnen sind, durch ihre vortrefflichen Leistungen aus, und gleichwohl haben sich diese Talmudlehrer mit ihren einheimischen und auswärtigen Talmud lernenden Schülern des vollen Beifalls der Inspektoren der deutschen Schule zu erfreuen. "    

   
 
Über die Präparandenschule (1866)   
        
Hoechberg Israelit 30051866.jpg (83077 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Mai 1866: "Nicht weniger merkwürdig in ihrer Art ist die Erscheinung, welcher der Anspruchslose, allen Freunden des Heiligen Landes sehr wohl kannte, Rabbiner, unser Lehrer, der Herr und unser Meister Elieser Ottensoser in Höchberg darbietet. Derselbe leitet eine Jeschiwa (Talmud-Tora-Schule) von etwa 20 jüngeren Schülern, teilweise aus weiter Ferne, die spätere höhere Jeschiwot besuchten. Der Bedarf der Jeschiwa wird von ihm durch Erlangung von Spenden aufgebracht; ja, derselbe hat sogar durch unermüdliches Bestreben einen Fond herbeigeschafft, wodurch es ihm möglich wurde, einen Lehrer zum Unterrichte in den notwendigsten deutschen Disziplinen zu engagieren. Die sittlich moralische und religiöse Erziehung der Schüler leitet derselbe mit einer bewunderungswürdigen Vorsicht und Aufmerksamkeit, und erzielt dadurch die schönsten Resultate, wovon sich Schreiber dieses bei mehreren Schülern, welche später zu ihm kamen, mehrfach überzeugte." 

  
Höchberg und die Schule leiden unter dem Krieg (1866)  
Es ging um den sog. "Deutschen Krieg"  https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Krieg; im Juni 1866 u.a. mit dem "Mainfeldzug"  https://de.wikipedia.org/wiki/Mainfeldzug und dem "Gefecht bei Tauberbischofsheim" https://de.wikipedia.org/wiki/Gefecht_bei_Tauberbischofsheim, worauf angespielt wird "Gefechte, die sich vom Taubergrund bis hierher zogen"      
vgl. zur Situation 1866 auch die Erinnerungen von Lehrer Abraham Strauß 

Hoechberg Israelit 22081866.JPG (224263 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. August 1866: "Würzburg. Bei den Gefechten, die sich vom Taubergrund bis hierher zogen, wurde namentlich das Dorf Höchberg arg heimgesucht. Ein Besuch, den ich dieser Tage meinen sehr verehrten Lehrern, Herrn Rabbiner Ottensooser – sein Licht leuchte – und Herrn Rabbinatskandidaten Ehrenreich – sein Licht leuchte – abstattete, überzeugte mich von der Wahrheit der diesbezüglichen Zeitungsnachrichten. Nicht weniger als 25.000 Mann preußischer Truppen lagen drei Tage lang in und um Höchberg. Die Truppen waren von den anhaltenden Strapazen und Kämpfen so erschöpft und ausgehungert, dass selbst höhere Offiziere in das Haus des Rabbinen kamen und mit den inständigsten Worten um ein Stückchen Brot baten, ohne dass derselbe diesem Verlangen nachkommen könnte. – Das neu erkaufte Beth-Hamidrasch-Haus, das Herr Rabbiner Ottensooser bewohnt, mag es wohl gewesen sein, das durch seine Ansehnlichkeit die Aufmerksamkeit der hungrigen Truppen auf sich zog. In Folge dessen wurde dem Herrn Rabbinen ein sehr beträchtlicher Schaden zugefügt, der sich auf Hunderte beläuft. Der sämtliche Wein, der sich in dem Keller befand, wurde samt den Fässern fortgeschleppt. Mehr als für hundert Gulden Holz, teils den armen Schülern gehörig, ging dabei verloren. Fast alle Türen des großen Hauses wurden ausgehängt und vor das Dorf geschleppt, um daraus Zelte zu bauen; letztere wurden jedoch wieder zurückgestellt. Dabei folgen die Geschosse von der Feste Marienberg so zahlreich in das Dort, dass man von den Fenstern aus sehen konnte, wie preußische Reiter getroffen vom Pferde stürzten und manche Granate krepierte in den Straßen des armen Dorfes, ohne dass jedoch ein Menschenleben seitens der Einwohner zu bedauern wäre. – Die Felder der Umgegend tragen zum großen Teil mehr oder weniger die Spuren des Kampfes noch an sich. – Wahrhaft erhebend war es für mich, zu vernehmen, wie mein würdiger Lehrer, weniger den bedeutenden Verlust an seinem Vermögen bedauert, als es ihm leid tut, dass durch diese Kriegsschrecken das Studium der Schüler, deren Anzahl sich im verflossenen Semester bis auf 25 heute vermehrt hatte, auf einige Zeit unterbrochen wurde. So duldet ein frommer, gottergebener Mann. In Würzburg traf ich zufällig einen Soldaten vom 53. preußischen Infanterieregiment, der Sie, geehrter Herr Redakteur kennt und mich ersucht, Sie herzlich zu grüßen. Derselbe, Herr Meier aus Köln, erzählte mir, dass bei seinem Regiment, welches fast sämtliche Kämpfe der Mainarmee mitgemacht und dabei bedeutende Verluste erlitten hat, auch nicht ein einziger Israelit verletzt worden sei. Dagegen erzählt er mir, dass in seiner Vaterstadt 35 jüdische Familien die Trauerwochen abgehalten hätten. Gebe Gott, dass sich dergleichen Vorfälle in unserem teuren Vaterlande nicht wiederholen mögen. G."  

 
Ausschreibung einer Lehrerstelle (1866)  

Hoechberg Israelit 24101866.jpg (82785 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Oktober 1866: "Offene Stelle. In Folge größeren Andranges von Zöglingen sieht sich der Unterzeichnete veranlasst, noch für dieses Semester und auf weiter einen Lehrer zu engagieren, der imstande ist, sowohl im Pentateuch, Propheten, Gemara, Raschi, Auslegung und Grammatik, als auch in deutscher Sprache und in den Realien gründlichen Unterricht zu erteilen. Das Honorar wird selbstverständlich zur Zufriedenheit des Anzustellenden nach Übereinkunft festgesetzt werden. Dessen ungeachtet findet man für wichtig, die Bemerkung beizufügen, dass im Hinblick auf den alleinigen Zweck der Anstalt, um die Tora groß zu machen und mächtig nur solche auf dieses Ausschreiben reflektieren mögen, welche mehr aus Liebe und Hingebung zu diesem Berufe, als des Gehaltes wegen die Stelle anzunehmen gedenken. Von diesem Grundsatze ausgehende Bewerber werden daher ersucht, längstens bis zum 1. kommenden Monats unter portofreier Einsendung empfehlender Zeugnisse sich bei dem Unterzeichneten zu melden. 
Höchberg, den 3. Oktober 1866. Lazarus Ottensoser, Rabbiner in Höchberg bei Würzburg in Bayern."

 
Ausschreibung der zweiten Lehrerstelle (1869)  

Hoechberg Israelit 29091869.jpg (54704 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. September 1869: "An der hiesigen Talmud- und Lehrervorbereitungsschule ist bis zum 15. Oktober die zweite Lehrerstelle vakant. Bewerber, die imstande sind, in Talmud und Tanach (Bibel), sowie in der deutschen Sprache und den Realien gründlichen Unterricht zu erteilen, wollen längstens bis zum 15. Oktober entsprechende Zeugnisse an den unterzeichneten Vorstand einsenden. 
Der jährliche Gehalt ist für einen Unverheirateten 400 Gulden und für einen Verheirateten 500 Gulden. 
Höchberg bei Würzburg, den 8. September 1869. Lazarus Ottensoser, Ortsrabbiner und Vorstand der Anstalt."  

 
Bericht von Lazarus Ottensoser über die Situation in der Anstalt (1871)  

Hoechberg Israelit 15111871.jpg (182706 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. November 1871: "Erinnerung und Bitte. Der Unterzeichnete, welcher mit Gottes Hilfe vor einigen Jahrzehnten eine Talmudschule dahier ins Leben rief und bisher unterhielt, hat seit ungefähr zehn Jahren sein Augenmerk hauptsächlich darauf gerichtet, dass darin solche Jünglinge unterrichtet und unterhalten wurden und werden, die sich dem Lehrfache widmen wollen, respektive für die israelitische Lehrerbildungsanstalt in Würzburg sich vorzubereiten wünschen. 
Mit der Hilfe des Allgütigen war das Bemühen des Unterzeichneten von sehr gutem Erfolge begleitet, sodass nicht nur eine erfreuliche Anzahl bereits in ihrem Berufe tätiger Lehrer aus der Anstalt hervorgingen, sondern auch alljährlich der bei weitem größere Teil der in die israelitische Lehrerbildungsanstalt zu Würzburg aufgenommenen Zöglinge von den dahier vorbereiteten genommen wurde. 
Dieser Umstand hat nun die natürliche Folge, dass der Andrang von Zöglingen sich – Gott sei Dank – immer steigert, und sohin auch die an die Unterstützungskassa der Anstalt gestellten Anforderungen in demselben Verhältnisse zunehmen, während die Zuflüsse teils aus Vergessenheit, teils aus Indifferentismus zu spärlich sind, um die nötigsten Bedürfnisse der oft ganz mitteillosen Zöglinge zu befriedigen, weshalb viele derselben genötigt sind, in dem nahe gelegenen Würzburg Unterstützung für sich zu erbitten, welcher Umstand aus vielen Gründen eine baldmöglichste Beseitigung wünschen lässt. 
Wäre der Unterzeichnete noch in der Lage, sich auf Reisen zu begeben, um Unterstützungsgelder zu sammeln, so wäre natürlich dadurch am leichtesten abzuhelfen; allein da dies für ihn die reinste Unmöglichkeit ist, so bleibt ihm zur Erhaltung dieser Anstalt kein anderer Weg übrig, als an die Wohltätigkeit seiner Glaubensbrüder auf eine solche Weise sich zu wenden, wobei er Niemandem lästig werden kann, da er nur die Gelegenheiten angibt, bei welchem man diese Anstalt bedenken kann, und das Gedeihen dieses Unternehmens dem himmlischen Vater überlässt, der mit seinen väterlichen, wohlwollenden Blicken auf dieses Beit HaMidrasch von Anbeginn schon huldvollst herabschaute und noch alle Unternehmenden, die Tora groß und mächtig zu machen, gelingen ließ, ebenso wird Er auch die Herzen seines Volkes hierauf lenken, dass sie von Zeit zu Zeit, wenn sich eine Gelegenheit dazu bietet, diese Anstalt zu der weder Geldgewinn noch Ehrgeiz die Triebfedern waren, wohlwollend bedenken. 
Die Wege, auf welchen man diese Anstalt bedenken und unterstützen kann, sind folgende: 
A. Momentane Unterstützungsbeiträge, und zwar: 
a) Ein beliebiger, wenn auch kleiner Anteil von dem bei Hochzeiten anfallenden Zehnten;
Hoechberg Israelit 15111871a.jpg (136378 Byte)b) an Fest- und Fasttagen, wo zuweilen im eigenen Wohnorte keine Gelegenheit geboten ist, Spenden anzubringen;
c) in Krankheitsfüllen, wo mancher sich sehnt, eine gute und zweckmäßig angewendete Gabe zu spenden. 
B. Jährliche Beiträge, aber natürlich ohne Gelübde
C. Legate im Betrage von mindestens Einhundert Gulden, wodurch für diejenigen, welche es selbst bewilligen, oder für die es bewilligt wird, am Jahrzeittage mit zehn Zöglingen ein Schiur (Lernstunde) mit vorherigem üblichem Gebete und nachfolgendem Kiddusch gelernt, sowie auch das gebräuchliche Licht angezündet und zweimal im Jahre das Seelen-Erinnerungs-Gebet vorgetragen wird, - und in der Tat sind solche Legate mit des Himmels Hilfe bereits schon von mehreren gestiftet worden. 
Zugleich fühlt sich der Unterzeichnete verpflichtet, die gewiss angenehme Mitteilung zu machen, dass für diejenigen, welche entweder selbst Spenden zu obigem Zweck verabreichen, oder von anderen solche erwirken, in Rücksicht auf das hohe Verdienst, welches sie sich dadurch erwerben, mehrmals des Jahres an drei gewöhnlichen Anlässen und an Jom Kippur in der Synagoge dahier ein Gebet vorgetragen wird, dessen Inhalt ist, dass der Allgütige Ihnen ein langes, gesundes und heiteres Leben und alles erdenkliche Gute zuteil werden lassen möge. 
Da nun diese Worte nicht für die Gegenwart allein bestimmt sind, sondern eine stete Erinnerung und bitte an die edelmütigen herzen Israels bezwecken sollen, so ist es unumgänglich notwendig, dass dieselbe in allen Synagogen als ein Erinnerungszeichen angeheftet werden, weshalb man die innigste Bitte an jeden Herrn Distriktsrabbiner, Ortsrabbiner, Kultusvorstand und Lehrer richtet, so wollen gütigst erlauben, dass diese Erinnerung und Bitte, die doch niemanden läst fallen kann, in ihren Synagogen für immer angeheftet werde. Wolle der Himmel seinen Beistand hiezu verleihen. Amen! Höchberg bei Würzburg im Marcheschwan 5632. 
Lazarus Ottensoser
, Ortsrabbiner und Vorstand der Anstalt." 

  
Zum Tod von Rabbiner Lazarus Ottensoser (1876) 
Anmerkung: die Angabe des Geburtsortes Kleinbardorf ist nicht richtig; Ottensoser ist 1798 in Weimarschmieden geboren als Sohn des Kultusbeamten Naphtali Ottensoser. Als Kind übersiedelte er mit seinen Eltern nach Kleineibstadt.   

Hoechberg Israelit 12101876a.jpg (319414 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Oktober 1876: "Rabbiner Lazarus Ottensoßer – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen -. Würzburg, im Tischri. Heute habe ich Ihren geschätzten Lesern keine angenehme Mitteilung zu machen. Am Dienstag, dem 3. Tag der Selichot (12. September 1876, da die Selichot am Sonntag, 10. September begannen) schied eine weit und breit rühmlichst bekannte Persönlichkeit aus dem irdischen Leben, der Ortsrabbiner und Vorstand der israelitischen Lehrer-Vorbereitungsschule zu Höchberg, Herr Lazarus Ottensoßer. Nach nur mehrtägigem Krankenlager hauchte er im 80. Lebensjahre seine reine Seele aus. Die vielen Verdienste, die vorzüglichen Eigenschaften, welche den Verblichenen zierten, gebieten es, dass sein Hinscheiden auch in weiteren Kreisen bekannt werde, und dass dabei nicht unterlassen werde, einen Blick auf die ganze Laufbahn seines irdischen Lebens zu werfen. 
Ottensoßer war geboren in einer kleinen Landgemeinde, zu Kleinbardorf, und genoss eine gute Erziehung. Die Verhältnisse seiner Eltern gestatteten jedoch nicht, ihm eine Ausbildung in den Wissenschaften angedeihen zu lassen. Er fing im 13. Lebensjahre einen Hausierhandel an, jedoch nur ganz kurze Zeit behagte ihm dies, er flehte zu Gott, dass ihm doch ein anderes Los beschieden werden möge, und sofort wurde sein Gebet erhört. Eine Lehrerstelle in einer kleinen Gemeinde wurde ihm übertragen. Hier fand er Gelegenheit, die wenigen Kenntnisse, die er besessen, mit der größten Gewissenhaftigkeit in dem kleinen Kreise der ihm anvertrauten Schulkinder zu verbreiten. An eine Bereicherung seines Wissens konnte er eben nicht denken, deshalb strebte er eine Stelle zu finden, wo er neben der Möglichkeit, das Nötige zu seinem Lebensunterhalt zu erwerben, auch die Gelegenheit finde, seine eigene Ausbildung zu bewerkstelligen. Diese Stelle war Scheinfeld. Dort benützte er seine Mußestunden mit dem größten Eifer, sich in unserer Heiligen Tora auszubilden und für den Besuch der Hochschule in Fürth sich vorzubereiten. Nachdem er die letztere mehrere Jahre mit bestem Erfolge besucht hatte, wurde er von Rabbiner Wolf Hamburg – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – als Schaz Maz (Vorbeter und Beisitzer im Rabbinatsgericht) nach Aub empfohlen, welche Stelle er auch sofort erhielt. Nachdem er dort vier Jahre segensreich gewirkt, wurde Ottensoßer als Ortsrabbiner nach Höchberg berufen. Hier lebte er nicht mehr für sich, sondern für die ganze Welt. 
Der Eifer und die Lust, welche er früher zur Tora besessen, entfalteten sich hier in der herrlichsten Weise. Fünf Jahre ununterbrochen stand er nachts um 2 Uhr vom Bette auf und lernte Gemara bis nachts um 10 Uhr; kaum dass er sich die Zeit zum Essen gönnte. Später ging er täglich bei Wetter und Wind hierher, um den Schiur bei unserem hoch verehrten Herrn Rabbiner Bamberger zu hören. Nachdem ihm das Hierhergehen zu beschwerlich ward, suchte er junge Leute um sich zu scharen, mit denen er Tag und Nacht lernte. Er sorgte nicht nur für ihre geistige Nahrung, sondern auch ihren Lebensunterhalt bestritt er mit größten Opfern. Durch sein unablässiges Streben gelang es ihm auch, die jetzt in schönster Blüte bestehende Vorbereitungsschule für Lehrer zu gründen. 
Seine herzinnige Art, zu beten, ist sprichwörtlich geworden; er betete sehr inbrünstig und war mit eiserner Gewalt bemüht, jeden Gedanken – der von außen kam – von sich zu entfernen. Was er für die Armen getan, ist nicht zu beschreiben, nicht nur dass er die, die zu ihm kamen, nach Kräften unterstützte, auch nach Auswärts schickte er nach Kräften. Als – damals existierte der 'Israelit' noch nicht – im heiligen Land Hungersnot war, reiste er ununterbrochen umher, um persönlich Gelder zu sammeln, was ihm auch in schönster Weise gelang. Auch bis zu seinem Hinscheiden war er ein Botschafter des Heiligen Landes, und hat er während seiner Tätigkeit mehr als 100.000 Gulden für unsere dürftigen Glaubensbrüder im heiligen Lande nach dort gesandt. 
Er konnte in der Tat viel entbehren, denn er kannte für seine Person keine Bedürfnisse. Er verzichtete gern auf jeden irdischen Genuss. Seine Mahlzeit würzte er mit Worten der Tora, und sein Tischgebet war herzerhebend zu vernehmen. Wer es hörte, glaubte, eine Salomonische Mahlzeit sei hier gehalten worden, obgleich nur ein uraltes Brötchen verzehrt worden war, das er in den drei Trauerwochen noch in Asche tauchte, die er stets bei sich trug. Während der ganzen Woche gönnte er sich keinen guten Bissen; dagegen heiligte er den Sabbat auch durch gute Speisen und Getränke. So war er mit jeder Mizwa (Gebet) im höchsten Grade sehr genau. Er hat an den ehrfurchtgebietenden Tagen allein als Vorbeter fungiert. Seine Laubhütte war ein Prachtbau.  
Hoechberg Israelit 12101876b.jpg (191245 Byte)Wollte ich Alles hier aufzählen, so würden Folianten nicht hinreichen. 
Die allgemeine Verehrung, die dieser Fromme genossen hatte, zeigte sich auch bei seinem Leichenbegängnis. Eine Reihe von Wagen rollte von hier der Höchberger Landstraße zu, und nicht nur von hier, aus der ganzen Umgegend strömten die Leute herbei. 
Im Sterbehause sprach zuerst der erste Lehrer der Anstalt, Herr Rabbinatskandidat Ehrenreich. Er leitete seine Rede ein mit den Worten der Weisen: 'Palmen schüttelten das Haupt über einen Zadik Katomor (vgl. Psalm 92,13: ein Gerechter, Palmen gleich). Wir wollen die Nächte dem Tag gleich machen über einen, der Nächte zu Tag machte im Dienste des Herrn.' Dann folgte eine gediegene Schilderung des ganzen Lebenswandels des Verblichenen und zum Schlusse eine herrliche Erklärung des Verses 'es wird vernichtet der Tod für immer', die der Redner im Namen des Verblichenen nachsagte. 
Ferner sprach der zweite Lehrer, ein Schüler des Verblichenen, Herr Nathan Eschwege, in schwungvoller Rede; anknüpfend an den Vers der Sidra 'atäm nezawim...' (5. Mose 29,9: 'ihr steht heute alle vor dem Ewigen...') schilderte er sein Wirken im Allgemeinen und insbesondere für die Jugendbildung, und schloss mit dem Wunsche, dass seine um ihn versammelten zahlreichen Schüler in Wort und Tat dem Verblichenen nachahmen mögen. 
Nach diesem bewegte sich der unabsehbare Zug zum Begräbnisplatze. Hier angekommen, besprach mit tief gerührter Stimme in der begeistertsten Weise unser hoch verehrter Herr Distrikts-Rabbiner S. B. Bamberger den Hintritt des Betrauerten durch drei Worte der heiligen Schrift. Nachdem derselbe nämlich die Unmöglichkeit, bei einem solchen Ereignisse eine ausführliche Rede zu entwickeln, aus einem Verse aus dem Buche Hiob deduziert, sprach er die kräftigen Worte: 'Die Säulen des Himmels erzitterten...' (Hiob 26,11) Der verehrte Redner setzte in meisterhafter Weise die großen Eigenschaften des Dahingegangenen, die bestanden in Tora, Gottesdienst und wohltätigen, auseinander und jeder der Anwesenden fühlte, wie treffend dieser Text gewählt war, und die Tränen flossen gleich Wasserbächen. Nach Beendigung dieser Rede wurde die Beisetzung vorgenommen, und ist hierbei besonders zu erwähnen, dass der Verblichene bereits vor mehreren Jahren sich eine ganze Kiste Staub des Heiligen Landes hatte kommen lassen, womit der ganze Sarg ausgefüllt wurde. 
Um mit einem guten Wort enden zu können, die vorläufige Notiz, dass die Anstalt, welche ohnehin unter Aufsicht des Herrn Distriktsrabbiner Bamberger steht, genau auf derselben Basis wie bisher, also in streng orthodoxem Sinne fortgeführt wird, und bürgt uns schon der Namen des Herrn Rabbinats-Kandidaten Ehrenreich, dem die Leitung der Anstalt übertragen ist, sowie des darin mitwirkenden Lehrers Herrn Eschwege dafür, dass das Ziel auch fernerhin sein soll: Schönheit der Tora verbunden mit respektvollem Umgang.'"  

 
Über die Situation der Schule (1879)  

Hoechberg Israelit 30041879.jpg (217740 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. April 1879: "Höchberg. Es sind schon über 2 ½ Jahre verflossen, seitdem Ihr geschätztes Blatt von der hiesigen Talmud-Tora-Schule berichtete. Da sich aber unter den verehrlichen Lesern dieses Blattes gar Manche befinden, die sich für diese vom weltberühmten Rabbi Elieser – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – begründete Anstalt interessieren dürften, erlaube ich mir im Folgenden Einiges über dieselbe zu berichten. 
Die Anstalt – von der hohen Königlichen Regierung den übrigen Präparandenschule des Landes gleichgestellt – wird gegenwärtig von 39 Jünglingen aus verschiedenen Gegenden Deutschlands besucht. 
Der Unterricht derselben umfasst in den Religionsgegenständen, Schriften, Propheten, Pentateuch mit Raschi, Grammatik, Gemara, Mischna, Chai Adam, in den profanen Fächern alle Diejenigen, welche für eine bayerische Präparandenschule vorgeschrieben sind. Derselbe wurde bisher von 2 ständigen Lehrern und einem Hilfslehrern erteilt. Da sich jedoch in den letzten Jahren sowohl die Schülerzahl als auch der Unterrichtsstoff vermehrte, so zeigte sich das Bedürfnis eines dritten ständigen Lehrers und ist es nun dem geehrten Vorstande gelungen, für diesen Posten einen bewährten Lehrer in der Person des Herrn Eldod in Kleinerdlingen zu gewinnen. 
Während die jüngste Jahresprüfung – wie in den Vorjahren – ein recht gutes Resultat ergab, traten mit Beginn des jüngsten Semesters 6 Zöglinge in die israelitische Lehrerbildungsanstalt zu Würzburg über. 
Für die Leistungen der Anstalt mag folgende Tatsache sprechen, dass sämtliche jüdischen Lehrer, die seit dem Jahre 1872 die Austrittsprüfung am königlichen Schullehrerseminare zu Würzburg mit der Hauptnote I bestanden, an hiesiger Anstalt ihre Vorbereitung erhielten. 
Seit ihrem Bestehen erhalten sämtliche Zöglinge unentgeltlichen Unterricht, ebenso auch freie Beheizung und Beleuchtung, wie auch teilweise unentgeltliches Logis und freie Bücherbenützung, wogegen die ärmeren Zöglinge eine monatliche Unterstützung von Mark 200 aus der Anstaltskasse erhalten. Seit seiner Gründung sind dem Beit HaMidrasch schon über 100 Stiftungen teils zu 100, 200 und 500 Gulden zugewandt worden, wogegen es die Verpflichtung übernommen, am 'Jahrzeitstage' der Stifter Schiur, Kaddisch etc. zu besorgen. 
Auch wurde der Anstalt in den jüngsten Jahren eine reichhaltige Bibliothek zugewandt und besitzt sie nun eine sehr große Büchersammlung jüdischer, wie auch eine angehende profane Literatur. Auch Lehrmittel für Naturgeschichte und Geographie, als Skelette, Abbildungen, Globen, Tellurium etc. sind zahlreich vorhanden. 
Am 29. Januar dieses Jahres unterwarf der königliche Seminarinspektor und Kreisscholarch, Herr J. N. Huber, die Anstalt einer außerordentlichen Visitation, wohnte dem Unterrichte während zweier Stunden bei und sprach sich infolge seiner Wahrnehmungen dahin aus, dass die Anstalt in Höchberg allen Anforderungen entspricht, welche an eine bayerische Präparandenschule gestellt werden." 

 
Zum Tod von Rabbiner Jakob Ehrenreich (1886)  

Hoechberg Israelit 07011886.jpg (71243 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Januar 1886: "Würzburg, 5. Januar (1886). Am Heiligen Schabbat Paraschat Waere verschied nach längerem Leiden der in weiten Kreisen bekannte, sehr verehrte Herr Rabbiner Jakob Ehrenreich, Vorstand der Israelitischen Vorbereitungsschule zu Höchberg. Die Beerdigung fand Sonntagnachmittag unter zahlreicher Beteiligung von Verwandten, Freunden, Verehrern und Schülern statt. Im Hause wurden drei, am Grabe fünf Reden gehalten, die alle dem Schmerze über den schweren Verluste des so früh Dahingeschiedenen Ausdruck gaben und Zeugnis von dem erhabenen Wirken und frommen Leben desselben ablegten. Rabbi Jakob Ehrenreich wurde in Autenhausen geboren, war ein Schüler von Rabbi E. M. Schüler, von HaGaon Rabbiner Seligmann B. Bamberger – seligen Andenkens – und Herrn Dr. Feuchtwanger – sein Licht leuchte. Er wirkte 28 Jahre an der Vorbereitungsschule in Höchberg und erreichte ein Alter von kaum 52 Jahren. Er hinterlässt eine trauernde Witwe und 5 Kinder, denen Gott seinen besten Trost senden möge!"  

     
Lehrer Nathan Eschwege wird Leiter der Präparandenschule - Rabbinatskandidat Pinchas Mosche Hänle (Hyle) Wechsler wird angestellt (1886)    

Hoechberg Israelit 04111886.jpg (57536 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. November 1886: "Würzburg. Die königliche Regierung bestätigte durch Entschließung vom 28. Oktober den Beschluss des Kuratoriums der israelitischen Präparandenschule zu Höchberg, dass dem Lehrer an genannter Anstalt, Nathan Eschwege, die Leitung derselben in stets widerruflicher Weise übertragen werde, und dass Eschwege Titel, Rechte und Pflichten eines Hauptlehrers an den staatlichen Präparandenschulen, ohne das Recht zu Mitwirkung bei der Verwaltung des Anstaltsvermögens erhalte. Gleichzeitig wurde genehmigt, dass der Rabbinatskandidat M.P.H. Wechsler aus Schwabach als Religionslehrer an genannter Anstalt aufgestellt werde."  

 
Zur Berufung von Pinchas Mosche Hänle (Elchanan) Wechsler an die Präparandenschule (1886) 
In dieser Anzeige werden - bei allem Respekt vor der Person Wechsler - Bedenken ausgesprochen, ob er der richtige Mann an der Präparandenschule sei, zumal er keine Autorisierung als Rabbiner hatte und somit nicht zugleich als Ortsrabbiner und als rabbinische Autorität in der Schule auftreten konnte.

Hoechberg Israelit 11111886.jpg (177740 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. November 1886: "Aus Franken. Zu meiner Freude lese ich in der jüngsten Nummer Ihres geschätzten Blattes, dass an der Präparandenschule Höchberg die Lücke, die durch das Ableben des verehrten Rabbiners Ehrenreich – er ruhe in Frieden – entstanden, ausgefüllt werden soll, indem der in jüdischen Gelehrtenkreisen rühmlichst bekannte Lamdan Herr P.M.H. Wechsler, zur Zeit Mitleiter der Talmud-Tora-Schule in Schwabach, vom Kuratorium gewählt und von der Hohen Königlichen Regierung bestätigt ist. Nun ist aber die oben erwähnte Korrespondenz nicht in Einklang zu bringen mit einem Zirkular, welches ich zufällig vor einigen Monaten sag und das vom Kuratorium der Höchberger Präparandenschule gezeichnet war. In demselben heißt es, man suche einen tüchtigen Lamdan und nur einen solchen, der Hattarat Horaa (Autorisierung zu rabbinischen Entscheidungen) hat, Jünger um sich versammeln kann, um Marbiz Tora BeIsrael zu sein, mit einem Worte, im Sinne des bekannten Gründers Rabbiner Elieser – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – zu wirken verstehe etc., also etwas andere als einen Religionslehrer, wie es in der Korrespondenz hieß, denn zu Religionslehrer wurden die bereits angestellten Lehrer genügen. – Wenn es nun gar keinem Zweifel unterliegt, dass das Kuratorium in Herrn Wechsler einen Mann gefunden hat, der die Eigenschaften, die im Sinne des Begründers der Anstalt lagen, im vollsten Maße besitzt, und der mit einer Hingabe für unsere Heilige Tora wie nur wenige, es versteht, sich die Liebe und Zuneigung von Jüngern zu erwerben und sie zum Studium der Tora anzueifern, so wirkt der Inhalt jüngster Korrespondenz um so mehr deprimierend, und bedarf einer Aufklärung des Kuratoriums, denn die Gönner und Spender der Anstalt müssen doch ebenfalls eine Garantie haben, dass auch wirklich nicht nur ein Lamdan hingesetzt wird, sondern dass diese Lamdan auch die nötige Macht und Befugnisse an der Seite bekommt, den jüdischen Charakter der Schule und Zöglinge im Sinne des Gründers und der Spender weiterzuführen, denn wenn auch heute die Schule eine Präparandie ist, so ist in erster Linie das Studium der Heiligen Tora zu pflegen, was keinesfalls ein Religionslehrer weder vom Standpunkte der Pädagogik noch vom Gesichtspunkte der Pietät für unsere Heilige Tora durchführen kann. Es ist deshalb gewiss allen Gönnern der Anstalt aus der Seele gesprochen, wenn ich das verehrliche Kuratorium bitte, sich in dieser öffentlichen Angelegenheit auszusprechen, da sie viele Gerüchte die Luft durchschwirren, dass es sehr geboten erscheint von … wegen."

 
Zur Berufung von Pinchas Mosche Hänle Wechsler nach Höchberg (1887)   

Hoechberg Israelit 14031887a.jpg (169257 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. März 1887 (leicht abgekürzt zitiert): "Schwabach, 7. März (1887). Wie den Lesern dieses geschätzten Blattes bekannt, wurde unser sehr verehrter Rabbi Hänle Wechsler zum Leiter der jüdischen Fächer der Präparandenschule Höchberg berufen, wohin er heute zog, um diesen ehrenvollen Posten anzutreten. Derselbe feierte ganz seiner Lebensweise entsprechend seinen Abschied in seinem engsten Wirkungskreise, in der Talmudschule dahier, nachdem er mit seinen Schülern einen Sijum auf … gemacht. Es ergriff in erster Linie unser verehrter Herr Rabbiner Wissmannsein Licht leuchte – das Wort, seinem Schmerze über den Wegzug des bewährten Mitarbeiters und Freundes, Worte verleihend, indem er schilderte, mit welcher Aufopferung Herr Wechsler die bestehende Schule gründete, und wiewohl es ihm bei seinem Berufe unmöglich war, sich ganz der Schule zu widmen, mit welcher peinlicher Gewissenhaftigkeit Herr Wechsler dem Unterricht oblag. Er führte weiter aus, welche Lücke Herr Wechsler in der Gemeinde verursachen werde. Herr Rabbiner Wissmann führte des Weiteren aus, dass Herr Wechsel gleich unserem Erzvater Abraham nur wegziehe an einen ihm von Gott angewiesenen Ort, da er nun in noch vergrößertem Maße, die Verbreitung unserer heiligen Lehre kultivieren werde. Es sprachen noch die übrigen Lehrer und verschiedene Schüler der Anstalt warme Worte des Danke und der Anerkennung für das Wirken des Herrn W. als Freund und Lehrer. Zum Schluss schilderte der zweite Vorstand der Kultusgemeinde, ein ehemaliger Schüler des Herrn Wechsler, den allgemeinen Schmerz der Gemeinde, über das Wegziehen eines solchen Mannes, der rastlos im Dienste Gottes und seiner Nebenmenschen, arbeitete und sich verdient machte; es wurde dankend in einer jüngsten Gemeindesitzung anerkannt, welches schöne Institut unsere hiesige Talmudschule sei, es sei nur der eine Trost übrig, dass Herr Wechsler in Höchberg ganz nach seinem Herzenswunsche noch mehr  
Hoechberg Israelit 14031887b.jpg (134086 Byte)Schüler an sich heranziehen kann, da er es ja versteht, als Lehrer liebevoll wie ein Vater zu sein. Möge er dort recht bald die ihm in so großem Maße gebührende Anerkennung finden. Herr Wechsler dankbare aufrichtig für diese liebevollen Beweise der Freundschaft, indem er die Anwesenden, insbesondere seine Schüler ermahnte, ausdauernd und treu den uns von der Tora vorgezeichneten Weg zu gehen. Zum Teil wird nun der jüdische Unterricht an der Talmudschule von einem sehr tüchtigen Talmudisten Herrn H. Trewisch weitergegeben, und setzt allerdings unser Herr Rabbiner, trotz seiner vielen Pflichten als Distriktsrabbiner, alles daran, die Schule nicht nur wie bisher zu erhalten, sondern sogar noch zu vergrößern. Es ist diese aufopfernde Tätigkeit unseres Herrn Rabbiners umso mehr zu bewundern, als er ja nicht nur keinen pekuniären Nutzen von der Schule hat, sondern trotz seines schweren Berufs und als schwacher Mann stets unterrichtet und sogar die Schüler durch Kosttage unterstützt. Möge Gott ihn uns als Krone unserer Gemeinde und als Zierde des ganzen Judentums auch weiter erhalten. An alle Freunde unserer heiligen Tora, ganz besonders an alle unsere Gemeindemitglieder richten wir zum Schlusse die Bitte mit aller Tatkraft, für Erhaltung dieser Schule durch Unterstützungen einzutreten, damit sich auch weiter mit solchem Ernste sich der Verbreitung der heiligen Gotteslehre widmen kann; das ist dann die schönste Anerkennung, die wir den Gründern zuteil werden lassen können."  

 
Ausschreibung einer Lehrerstelle (1890)  

Hoechberg Israelit 25081890.jpg (57949 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. August 1890: "Lehrer-Vakanz. 
An der israelitischen Präparandenschule Höchberg bei Würzburg ist die Stelle eines Lehrers bis Mitte Oktober dieses Jahres zu besetzen. 
Derselbe muss ein vorzüglicher Musiklehrer und befähigt sein, (außer in Gesang, Violin-, Klavier- und Harmonielehre) noch in Deutsch, Rechnen und Geschichte zu unterrichten. 
Bewerber wollen unter Angabe ihrer bisherigen Tätigkeit ihre entsprechenden Zeugnisse bis 1. September einsenden. 
Im Auftrage des Kuratoriums:
Hauptlehrer Eschwege." 

   
50jähriges Jubiläum der Schule (1891)  

Hoechberg Israelit 31081891.JPG (199148 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. August 1891: "Würzburg, 24. August (1891). Im kommenden Oktober sind es 50 Jahre, seitdem die israelitische Präparandenschule unseres Nachbarstädtchens Höchberg von dem inzwischen verstorbenen Ortsrabbiner daselbst Lazarus Ottensoser gegründet wurde. Die Anstalt stand damals in ihrer Art als die einzige und erste unseres deutschen Vaterlandes ja sogar ganz Mitteleuropas da. Ein großes Verdienst erwarb sich Herr Ottensoser während seiner 35jährigen Amtstätigkeit als Vorsteher der Anstalt, in welcher Zeit er das Wohl seiner Schule zu festigen wusste. Als er 1876 durch den Tod hinweggerafft wurde, übernahm der damalige Lehrer der Anstalt Herr Jacob Ehrenreich das Amt eines Vorstehers an der Anstalt, sowie das eines Ortsrabbiners. Auch dieser wusste sich durch seine Verdienste um die Schule einen ehrenvollen Namen in der Chronik derselben zu setzen. Nachdem nun auch dieser leider schon am 1. Januar 1886 das Zeitliche gesegnet hatte, folgte ihm der derzeitige Herr Hauptlehrer Nathan Eschwege, ein ehrwürdiger Schüler des Gründers der Anstalt, im Amte, der in den Fußstapfen seines Lehrers wandelt. Herr Eschwege verstand es, bis jetzt durch fleißiges Wirken zum Nutz und Frommen der Anstalt, durch Umsicht und Tatkraft dieser Schule ihren hervorragenden Platz zu wahren. So errichtete er u.a. der Anstalt einen schön und praktisch ausgestatteten Saal zum Unterbringen kranker Zöglinge; ferner eine 'Krankenkasse' zur Verpflegung derselben und zum Aufbringen der dazu nötigen Mittel, sowie auch eine umfangreiche Hausapotheke. Daher erblicken in ihm die Zöglinge nicht nur den verständigen Lehrer, sondern auch ihren wahren und teilnehmenden Pflegevater in der Fremde. An Lehrgegenständen besitzt die Anstalt jetzt zwei Klaviere, eine Lehrer- und Schülerbibliothek, eine umfangreiche Sammlung ausgestopfter Tiere, desgleichen eine Mineraliensammlung etc. etc. Die Schülerfrequenz beziffert sich auf 35 Zöglinge, die in drei Kurse verteilt sind. Das Lehrpersonal besteht außer dem bereits erwähnten Vorstande aus den Herren: Lazarus Gedaljah Ehrenreich, 2. Lehrer, Otto Zuber, 3. Lehrer, Volksschullehrer Vitus Gehler, 4. Lehrer, Religionslehrer Tinhaunes und M.H. Wechsler, 5. Lehrer. Deshalb erscheint der Wunsch und die Bitte nicht unbescheiden, dass von den ehemaligen Schülern der Anstalt, deren dieselbe bereits über 1.500 hatte, ein jeglicher einen kleinen Beitrag leiste, damit die Jubelfeier seines Bildungsheims, seines zweiten Vaterhauses, in dem er so manche freudige, angenehme Stunde seiner Jugendzeit verbrachte, sich zu einer würdigen, zu einer diesem nunmehr ein halbes Jahrhundert hindurch bestehenden Lehrhause im vollsten Sinne des Wortes gebührenden gestalten möge!" 

  
Zum 50jährigen Bestehen der Präparandenschule (1891)   

Hoechberg Israelit 07091891.jpg (191376 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. September 1891: "Aus Unterfranken. Der in Ihrem geschätzten Blatte gebrachte Artikel bezüglich des angeblichen 50jährigen Jubiläums der israelitischen Präparandenschule zu Höchberg bedarf zur Vermeidung von Irrungen mehrfacher Berichtigung. Zunächst ist zu bemerken, dass die Präparandenschule als solche noch nicht 50 Jahre, sondern erst seit 1861 besteht. Allerdings hatte der selige Rabbiner Ottensoser schon 1841 nach Art der damaligen Rabbinen zeitweise eine Anzahl 'Bachurim' um sich, mit denen er fleißig 'lernte'. Durch Inanspruchnahme der Privatwohltätigkeit ist es ihm gelungen, nicht nur für den Unterhalt der damaligen Schüler zu sorgen, sondern auch einen Fond anzusammeln, welcher den Fortbestand der Talmud-Tora-Schule sicherstellte. Zu diesem Zwecke bestimmt das Stiftungsstatut ausdrücklich, dass an der Anstalt stets ein talmudisch gebildeter, jüdischer Theologie – wenn tunlich, mit ritueller Autorisation zum Rabbinate – angestellt werden muss. Als solcher fungiert zur Zeit der Ortsrabbiner M.P.H. Wechsler. Diesem sind gleichzeitig die religiösen Obliegenheiten übertragen, welche mit den Legaten, Jahrzeitsstiftungen etc. verbunden sind. Der Verfasser oben erwähnten Artikels verrät eine Missachtung des Religionsunterrichts und des damit betrauten Herrn Ortsrabbiners, indem er demselben die letzte Stelle unter den übrigen Anstaltslehrern einräumt, während in jedem Lehrprogramme gerade der Religionsunterricht an die Spitze aller Disziplinen gestellt wird. Bezüglich des Jubiläums bemerken wir, dass es den Intentionen des edlen Gründers der Anstalt widersprechen würde, prunkhafte Feste zu Ehren der Anstalt zu begehen, wozu auch die jetzigen Zeitverhältnisse in verschiedener Hinsicht nicht angetan sind. Soll aber dennoch jetzt schon das 50jährige Bestehen der Talmud-Tora-Schule gefeiert werden, so könnte es würdiger und besser nicht geschehen, als durch materielle Förderung der so segensreich wirkenden Schule, deren Fortbestand durch den ihr landesherrlich verliehenen Stiftungscharakter gesichert ist. Hinsichtlich der Schulleitung sei bemerkt, dass es unter dem Lehrerpersonal gemäß der neuen Stiftungssatzungen keinen 'Vorstand', sondern nur einen 'Hauptlehrer' gibt. Die Vermögensverwaltung wird durch ein aus 7 Mitgliedern bestehendes Kuratorium betätigt, dessen Vorsitzender Herr L. Forchheimer in Würzburg ist, während die Kassierstelle Herr S. Eldod in Höchberg innehat. Als eine recht erfreuliche Wirkung des hiermit richtig gestellten Artikels wäre es zu begrüßen, wenn er Veranlassung gäbe, der Präparandenschule Höchberg recht viele opferfreudige Gönner zuzuführen." 

   
Spende für die Israelitische Präparandenschule (1892)  

Hoechberg Israelit 29091892.jpg (17537 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. September 1892: "In Höchberg bei Würzburg hat eine wohltätige 79-jährige Dame, Fräulein Amalie Falk, der dortigen israelitischen Präparandenschule ein Kapital von 75.000 Mark vermacht."          
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. September 1892: "In Höchberg bei Würzburg hat eine wohltätige 79-jährige Dame Fräulein Amalie Falk, der dortigen israelitischen Präparandenschule ein Kapital von 75.000 Mark vermacht."    

  
Zur Beisetzung von Pinchas Mosche Elchanan Wechsler (1894)

Hoechberg Israelit 12071894.JPG (274812 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Juli 1894: "Höchberg, 4. Juli (1894). Wie schon telegraphisch gemeldet, fand vorgestern die Beisetzung des großen Rabbiners Pinchas Mosche Elchanan Wechsler – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – statt. Hierzu hatten sich von Nah und Fern Schüler, Freunde und Verehrer desselben sehr zahlreich eingefunden, um dem edlen Verblichenen die letzte Ehre zu erweisen und damit auch kund zu tun, welche Hochachtung demselben im leben entgegengebracht wurde. Das kam auch in den gehaltenen Trauerreden zum Ausdruck. Nachdem in einem Nebenraum der Synagoge die Tahara (Leichenwaschung) vorgenommen war, sprach ein sehr intimer Freund und Studiengenosse des Verstorbenen – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – Herr Rabbiner S. Ansbacher – sein Licht leuchte – in Nürnberg in der Synagoge. In ergreifenden Worten entrollte er ein Lebensbild des Freundes, schilderte er den Eifer, mit welchem er sich sowohl beim Lernen als auch beim Lehren von unserer heiligen Tora hingab und pries, ihn mit Mosche Harabenu vergleichend, dessen große Bescheidenheit, indem er ganz unbekümmert um äußere Anerkennung seine höchste Befriedigung darin fand, für die Ausübung unserer heiligen Toravorschriften zu wirken. Als treuer Freund konnte Redner nicht unerwähnt lassen, dass der Verblichene in seinem Wirken vielfach verkannt wurde und er infolgedessen häufige Anfeindungen zu erdulden hatte, die er sich jedoch gerne gefallen ließ, wenn er nur seinen Hauptzweck der Festigung unserer heiligen Tora erreichte. Nach dieser Rede setzte sich der imposante Leichenzug in Bewegung. Auf dem Friedhof angelangt, ergriff Herr Distrikts-Rabbiner Bamberger – sein Licht leuchte – Würzburg das Wort und beklagte anlehnend an eine Talmudstelle den großen Verlust, den das Judentum durch die Abrufung dieses großen Gelehrten erlitten hat. Unter Zugrundelegung einer Jeruschalmi-Stelle schilderte hierauf in beredten Worten Herr Seminarlehrer Dr. Tachauer – sein Licht leuchte – Würzburg die große Gelehrsamkeit und hingebungsvolle Frömmigkeit des Dahingeschiedenen, der mit Hintansetzung seiner eigenen Person seine einzige Lebensaufgabe in Lernen, um zu Lehren und zu Bewahren und danach zu tun fand. Tief ergriffen setzte Herr Distriktsrabbiner Wissmann sein Licht leuchte Schwabach in längerer Rede auseinander, wie der Verblichene Tora und Gottesdienst und Wohltätigkeit in der peinlichsten Weise ausübte und hob dabei ganz besonders hervor, in welch hervorragender Weise er sich an der Errichtung und Erhaltung der Talmudschule Schwabach beteiligte. Herr Rabbiner Ansbacher, Nürnberg konnte sich in seinem tiefen Schmerze um den herben Verlust nicht zurückhalten, dem heimgegangenen Freunde noch einige Abschiedsworte nachzurufen. Herr Präparanden-Hauptlehrer Eschwege ließ sich durch Herrn Distrikts-Rabbiner Bamberger, Würzburg entschuldigen, dass er durch Heiserkeit am Sprechen gehindert sei. Wir schließen unseren Bericht mit dem Wunsche, dass Gott den tief betrübten Hinterbliebenen seinen Trost spenden, und dass es den dazu berufenen Persönlichkeiten gelingen möge, die im Lehrerkollegium der Präparandenschule Höchberg entstandene Lücke durch die Wahl eines würdigen Nachfolgers auszufüllen zum Heile der Schule und des ganzen Judentums."

    
Erinnerung an Rabbiner P. D. H. Wechsler (gest. 1894, Beitrag von 1933)
     

Hoechberg Israelit 04101933.jpg (235867 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Oktober 1933: "Ein prophetisches Wort vor 54 Jahren.
Am 1. Juli 1894 starb in Höchberg Rabbiner P.D.H. Wechsler - das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen -, allgemein bekannt und verehrt unter dem Namen 'Reb Hyle Wechsler'. Ein Enkel von Rabbi Mendel Rosenbaum - das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen - lernte er in seinen jungen Jahren bei Rabbi Jona Rosenbaum in Zell und später in Preßburg. In Höchberg galt er dann als einer der größten Talmudweisen und Gerechten des damaligen Bayern. Stets von einer großen Schar von Jüngern umgeben, für deren materielle Bedürfnisse er sorgte, füllte er den ganzen Tag und ein gut Teil der Nacht mit Lernen und Lehren aus. Zusammen mit dem damaligen Rabbiner von Schwabach, Rabbi Löb Wißmann gründete er dort die Talmud Tora-Schule. In Höchberg, wo er als Rabbiner fungierte, entfaltete er ein überaus segensreiche Lehr- und soziale Tätigkeit. Unter seiner Korrespondenz fand man auch Responsen von Kssaw Sofer in Preßburg, mit dem ihn eine Jugendfreundschaft verband. Erst später redete sich herum, dass Rabbi Pinchos Mosche Elchanan Wechsler bis in die tiefen Nachtstunden hinein auch Kabbala studierte, ohne mit jemand weiter darüber zu sprechen. Söhne des heimgegangenen Rabbi wirken als Gelehrte und Lehrer von Ruf in Jerusalem, in Alzenau und in Kolberg. So weit zur Charakteristik eines der letzten Rabbanim uZadikim im Bayern des vorigen Jahrhunderts.
Nun liegt uns ein Manuskript in sauberer Handschrift vor, (als Fragment auch gedruckt), und wir würden glauben, einen Tagesbericht zu lesen, sähen wir es nicht mit eigenen Augen, dass die Schrift vor über 50 Jahren abgefasst wurde. Es ist gar kein Zweifel. Ein Hellsehender hat die ganze Entwicklung unserer Zeit vorausgesehen, von dem Ausbruch des Weltkrieges, bis zu den Vorgängen der heutigen Tags.
Wenn wir in der Erzählung 'Licht aus dem Westen' den großen Chatam Sofer all das, was wir erleben und erleiden, in sich erleben und Voraussagen sehen, wofür der Autor gewiss eine Stütze in Urkunden hatte, so könnte es mancheinem als etwas zugestutzt, sozusagen eine 'nach rückwärts gerichtete Prophetie' erscheinen. Diese Prognosen eines alten bayrischen Rabbiners aus dem Geistesmilieu des Chatam Sofer ist die beste Rechtfertigung, ja eine konkrete Unterlage für das letzte Sterbekapitel in besagter Erzählung.
Das Manuskript betitelt sich: 'Ein Wort der Mahnung an Israel zur Beherzigung der Judenhetze und merkwürdige darauf bezügliche Träume von Jaschern Milo Debor." Das Wort Iaschern erklärt sich, nach ' einer von einem Sohne des Verfassers uns gegebenen Deu­tung, aus den Worten iw- Der Autor hatte das Be­streben und die Hoffnung, alle Welt w gerade und rechtschaffen zu machen. Da er in feiner Bescheidenheit' anonym bleiben wollte, fügte er den Titel hinzu male spreche nicht davon."
Man muss aber heute davon sprechen. Wenn man etwa auf Seite 6 die vom Verfasser vorausgesehene Perspektive liest: 'Nichts wird mehr vor dem Judenhass schützen, auch das Wasser der Taufe nicht, auch die Blutverbindung durch Mischehe nicht,' oder: 'Jude bleibt Jude beim Nichtjuden, mag er der Reform oder der Orthodoxie huldigen. Wir wollen also bilden ein Volk von Brüdern nach innen, wie wir es ja nach außen sind', so weiß man, wie richtig der bayrische Rabbi in die Zukunft gesehen hat. Von der Verwirrung in der Herzegowina sieht der Verfasser Krach auf Krach kommen (Sarajevo), sodass bald die ganze Welt in Flammen steht. Aus der Asche folgt der Judenhass. Palästina wird den Türken entrissen und' kommt nicht mehr in deren Hand. Nach längeren Geburtswehen ist aber Erez Israel Israels Land . . .
Hoffen darf man nur, dass in gleichem Maße wie diese Voraussagungen eingetroffen sind, sich auch all die im Werke ausgesprochene Hoffnungen recht bald erfüllen. Es wäre am Platze, die ganze Schrift, da die seinerzeit gedruckten Exemplars vollkommen vergriffen sind, noch einmal erscheinen zu lassen. Das Manuskript befindet sich in Händen des Herrn Lehrer Wechsler in Kolberg (Pommern)."        

  
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers (1894)  

Hoechberg Israelit 30071894.jpg (79584 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Juli 1894: "Durch Ableben des seitherigen Inhabers ist an der Präparandenschule in Höchberg die Stelle des Religionslehrers neu zu besetzen. Bewerber müssen, neben allgemeiner Bildung, durch Zeugnisse orthodoxer Rabbiner ihre Würdigkeit und Fähigkeit für genannten Posten nachweisen können, ganz besonders ihre Befähigung für den Unterricht in Gemara und Mischna. Dabei wird bemerkt, dass Zeugnisse nur in Abschriften eingesandt werden mögen. Als Besoldung sind 1.500 bis 1.800 Mark jährlich in Aussicht genommen. Bewerber mit Hattarat Horaa (Autorisierung zu rabbinischen Entscheidungen) haben außerdem noch Anwartschaft auf die stiftungsmäßige Ortsrabbinerstelle der Gemeinde Höchberg. Meldungen sind bis Ende August dieses Jahres an den Unterzeichneten zu richten. Würzburg, 24. Juli 1894. Das Kuratorium der Lazarus Ottensoser Stiftung zu Höchberg. L. Forchheimer, Vorsitzender."

 
Jahresbericht 1893/94

Hoechberg Israelit 03011895a.jpg (239347 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Januar 1895: "Höchberg. Dem Jahresbericht der Israelitischen Präparandenschule (Talmud-Tora) in Höchberg für das Schuljahr 1893/94 und Rechnungsauszug der Lazarus-Ottensoser-Stiftung in Höchberg nebst Spenden- und Legate-Verzeichnis pro 1893 entnehmen wir: Das Schuljahr 1893/94 ist das 53., seitdem die Anstalt – leicht die älteste bestehende israelitische Präparandenschule – gegründet worden ist. Es verlohnte sich gewiss der Mühe, auch über die entschwundenen 52 Jahre, so gut es eben noch möglich, einen Rückblick zu werden; gar vieles würde dem menschlichen Vergessen entrissen werden, was dem einen als Lehre, dem anderen zur Nachahmung dienen könnte. Dem menschlichen Vergessen! – Denn das Wirken und Streben des edlen, frommen Gründers der Schule, des seligen Ortsrabbiners Lazarus Ottensoser, wie all' derjenigen, die für dieselbe, derjenigen, welche in derselben vorteilhaft wirkten, steht sicher beim gütigen Himmel in einer Schrift verzeichnet, die ein Verblassen nicht zulässt; sind Denkmale geworden, die – dem menschlichen Auge wohl unerreichbar – für alle Zeiten errichtet sind und fortbestehen. Der Versuch, auch über die verflossenen Jahre eingehend zu berichten, soll einer späteren Arbeit vorbehalten bleiben; nur auf eines soll diesmal schon hingewiesen werden, darauf, was den 53 Jahren, auf die nunmehr die Höchberger Talmud-Tora-Präparandenschule zurückblicken kann, gemeinsam ist, worin deren Organe sich vollkommen eins wissen mit dem großen Gründer, das Streben, die Aufgabe: jüdische Knaben einzuführen in das Studium unseres Gottesgesetzes, sie anzuleiten, die hehren Lehren unserer göttlichen Tora aus dem Borne selbst schöpfen zu können, der sie vom Sinai her in reinster, klarster Weise zu uns leitet; in die Schachte selbst hinabsteigen zu können, die 'Fürsten gegraben und Edle des Volkes ausgehöhlt haben' und die ewigen erhabensten Schätze bergen – damit sie sich dereinst im Leben vermögen emporschwingen auf die Höhe reinster Gotteserkenntnis, auf die Empore wahrster Nächstenliebe, was allein erheben kann über alles Gemeine und Niedrige, über alles Laster und Böse. Hierdurch ist aber gleichzeitig schon seit Bestehen der Schule – also über einem halben Jahrhundert – einer Forderung in idealster Weise Rechnung getragen, die an die heutige Lehrerbildung in unserem engeren Vaterland – in Bayern – mit vollstem Rechte gestellt wird: der Erlernung einer fremden Sprache. Darüber obwaltet wohl keinen Zweifel, dass derselben bedeutende Bildungsmomente zu Grunde liegen. Der Gesichtskreis wird erweitert, der Sprachschatz gemehrt, die Ideenwelt bereichert, der Verstand geschärft, die Sitte verfeinert und der Charakter befestigt. Werden solche und andere Vorteile durch das Aneignen einer jeden fremden Sprache ermöglichst, in welch' höherem Maße muss dies geschehen bei dem Erlernen der hebräischen, der heiligen Sprache, bei dem Studium der Tora in ihrem Urtexte. Ist es doch die Sprache, in der sich der Allherr geoffenbart, deren sich die Engel bedienten, in welcher unsere Ahnen gesprochen, die Propheten uns gepredigt, unsere Weisen gedacht, geforscht und gelehrt haben, in der endlich das göttliche Gesetz niedergeschrieben ist, das nunmehr Gemeingut aller zivilisierten Menschen geworden und die Grundlage bildet von Tugend, Recht und Sitte. Jener modernen Forderung wurde und wird aber die Höchberger Präparandenschule in idealster Weise gerecht! Denn das Hebräische wird da um seiner selbst willen gelehrt, nimmer aber um irgendeiner materiellen Erwerbsquelle dienstbar gemacht zu werden. Dass da die Schule von einem höheren
Hoechberg Israelit 03011895b.jpg (195273 Byte)Streben geleitet, dass sie sich erhabene Ziele zur Aufgabe gestellt, wird wohl nicht bestritten werden können. In diesem Streben unterstützt, diesem Ziele näher geführt aber wird dieselbe, wenn sie dem altjüdischen Grundsatze immer mehr gerecht zu werden sucht: 'Josef Talmud Tora im Derech Erez', und so auch de Anforderungen ganz und voll zu entsprechen bestrebt ist, die sie als Präparandenschule zu erfüllen hat. (Schulchronik.) Im Schuljahr 1893/94 wurden 10 Zöglinge aufgenommen, 2 nur probeweise, und von diesen konnte der eine später nur als Hospitant in der Anstalt belassen werden. Mit Anfang des Sommersemesters traten vier Knaben als Hospitanten ein, wodurch die Schülerzahl am Ende des Schuljahres 35 betragen hat. Am 27. März erkrankte der seit März 1887 an der Anstalt wirkende Religionslehrer, Herr P. H. M. Wechsler. Die Krankheit nahm leider einen bösartigen Charakter an. Am 1. Juli schon setzte der Tod diesem tatenreichen leben eine Grenze. Die Anstalt beklagt in ihm eine tüchtige Lehrkraft. Er war ein Muster des Fleißes und der Pflichttreue. Die seit der eben erwähnten Erkrankung nötig gewordene Unterrichtsvertretung wurde bisher im I. und II. Kurse durch den Schuldienstexpektanten B. Wechsler, im III. Kurs durch die Anstaltslehrer Eschwege und Ehrenreich übernommen. Wie seither wurde auch dieses Jahr für würdige, dürftige, in Bayern beheimatete Präparanden der Anstalt vom Höhen Königlichen Staatsministerium des Innern für Kirchen- und Schulangelegenheiten eine staatliche Unterstützung gnädigst überwiesen. Sowohl für das Jahr 1893 als auch für 1894 kamen in diesem Schuljahre je Mark 250 auf fünf Schüler zur Verteilung. Auch von privater Seite wurden arme Zöglinge tatkräftig unterstützt. In erster Linie gebührt der tief empfundenste Danke einem hochherzigen Spender (N.N.), welcher, wie seit vielen Jahren, auch dieses Jahr durch Seine Ehrwürden Herrn Rabbiner S. Fromm, Frankfurt am Main, dem Berichterstatter die Summe von Mark 1.100 zur Verfügung stellte, wovon die Hälfte zur teilweisen Begleichung der Kostrechnungen armer Schüler Verwendung fand, während die andere Hälfte der Anstaltskasse überwiesen wurde. Auch seitens edler Glaubensgenossen in Würzburg finden die Zöglinge fortgesetzt regste Unterstützung. Ihnen allen sei hierdurch der innigste Dank ausgesprochen. Im Sommersemester dieses Jahres gelangten zum ersten Mal die halbjährlichen Zinsen des Jubiläumsfonds – Mark 14 – zur Verteilung. Dieselben wurden statutenmäßig dem dürftigsten und würdigsten Schüler der Anstalt ausgezahlt. Sämtliche – 13 – Präparanden des vorjährigen III. Kurses fanden mit dem Beginne dieses Schuljahres in verschiedenen Seminarien (Königliche Seminar Würzburg, israelitische Lehrerbildungsanstalt daselbst 8, jüdisches Lehrerseminar Köln 3) Aufnahme. Dieses Jahr treten 8 Schüler in die genannten Seminarien über. (Aus dem Bericht des Kuratoriums.) Die in nachfolgendem Auszuge aus der von der hohen Königlichen Regierung genehmigten Rechnung pro 1893 vorgetragenen Zahlen legen ein beredtes Zeugnis dafür ab, in welch' hohem Maße die Stiftung
Hoechberg Israelit 03011895c.jpg (120244 Byte)der allgemeinen Unterstützung bedarf. Während durch die erweiterten Ansprüche bezüglich der Ausbildung und Erweiterung des Unterrichtswesens ganz bedeutende neue Forderungen herantraten, sind die regelmäßigen Spenden nicht mehr geworden. Durch die im Schulberichte bereits angedeutete in Aussicht stehende Errichtung eines IV. Präparanden-Kurses werden sich überdies die ausgaben ganz bedeutend erhöhen. Wir sind deshalb umso mehr gezwungen, durch diesen Bericht kund zu tun, wie sehr die Stiftung auf die Zuwendung von Spenden und Legaten angewiesen ist. Bei der steten Opferwilligkeit unserer Glaubensgenossen hoffen wir daher, seitens derselben die nötige Unterstützung zu finden, dass es uns ermöglicht werde, das edle Werk im Sinne des verewigten Gründers erfolgreich fortzuführen. An alle, denen es um die Förderung des Torastudiums und der damit zusammenhängenden Ausbildung jüdischer Lehrer zu tun ist, richten wir daher die dringende Bitte, durch ständige Beiträge und Legate unser Streben zu unterstützen. Ganz besonders möchten wir hier die früheren Schüler der Präparandenschule bitten, sich derselben mehr, als es bisher geschah, zu erinnern. Handelt es sich doch um die Unterstützung der Anstalt, welcher sie ihr späteres Fortkommen im Leben in erster Linie zu verdanken haben. Wenn die vielen, die in Höchberg ihre Vorbereitung genossen haben, nur einigermaßen zu Gunsten der Anstaltskassa wirken würden, so könnte eine große Summe aufgebracht werden, und – 'viele wenig geben ein viel'. Außerdem bietet sich bei den verschiedensten 'Familienereignissen', bei denen das Herz immer zum Geben gestimmt ist, so oft Gelegenheit, ein Scherflein für unsere Stiftung zu erwirken. Die Einnahmen betrugen 29.819 Mark 13 Pfennig; die Ausgaben 28.875 Mark 47 Pfennig. Der Vermögensstand ist 179.716 Mark 66 Pfennig."

   
Jahresbericht 1897/98      

Hoechberg Israelit 22091898a.jpg (280603 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. September 1898: "Höchberg (Bayern). Dem Jahresbericht der Lazarus Ottensoser-Stiftung für die israelitische Präparandenschule (Talmud-Thora) hierselbst für 1897, bzw. 1897/98 entnehmen wir: Auch den fünften Jahresbericht können wir mit dem befriedigenden Gefühle unseren Freunden und Gönnern darbieten, dass es uns mit Hilfe des Allgütigen möglich war, die zur Erfüllung des Stiftungszweckes notwendigen Mittel aufzubringen. Es sind unserer Stiftung nicht nur die alten Freunde treu geblieben, sondern es haben sich zu denselben noch neue gesellt. Und wahrlich, sie können sich ruhig dem Bewusstsein hingeben, dass sie ihre Gaben einer guten Sache zugewendet haben; denn was gibt es wohl Höheres, als eine Anstalt zu fördern, die sich zur Heranbildung von Lehrern, den dereinstigen Bildnern unserer Jugend, zur Aufgabe macht und dabei in nicht geringem Maße die Förderung des Torastudiums bezweckt. Dass die Schule dieser ihrer Aufgabe nachkommt, mögen die geehrten Leser aus dem Schulberichte ersehen.
Die Lehrer unserer Anstalt streben die Errichtung einer Pensionskasse an. Die Berechtigung dieses Wunsches ist voll und ganz anzuerkennen, und dessen Verwirklichung würde um vieles erleichtert, wenn die zahlreichen früheren Schüler unserer Anstalt durch Zuwendung zahlreicher Spenden zur Errichtung eines Pensionsfonds für die hiesige Anstalt eine alte Dankesschuld abtragen wollten.
Durch hohe und höchste Entschließungen vom 18. und 27. August vorigen Jahres wurde verfügt, dass in der Folge — mit dem laufenden Schuljahre beginnend eine Schlussprüfung an der Anstalt eingeführt wird. Deren Bestehen berechtigt zum Übertritt in die israelitische Lehrerbildungsanstalt Würzburg, nach bei höchster Stelle erwirkter Dispens auch zum Eintritt in ein Königliches Schullehrerseminar.
Die Schülerzahl betrug 35. Unsere dürftigen Schüler wurden auch in diesem Jahre in hochherziger Weise unterstützt. So wurde unsere Schule wie seit Jahren von höchster Stelle, dem Königlichen Staats-Ministerium des Innern für Kirchen- und Schulangelegenheiten, durch die hohe Kgl. Regierung eine staatliche Unterstützung von 250 Mark für die würdigsten und dürftigsten in Bayern beheimateten Präparanden gnädigst überwiesen. Dieselben sind an sechs Schüler verteilt worden; die entsprechende Mitteilung ward vor versammelten Zöglingen gemacht. Solche wurden hierbei aufgefordert, dieser hohen Gnade stets eingedenk zu bleiben und dereinst dadurch ihren Dank zum Ausdruck zu bringen, dass sie sich jederzeit als treue Untertanen und Staatsbürger erweisen, in inniger Liebe und unverbrüchlicher Treue aber unserem erhabenen, hohen Herrscherhause zugetan sein mögen.
Dann gebührt einem unermüdlichen hochherzigen Wohltäter (N. N) der allerinnigste Dank, da derselbe — wie seit vielen Jahren — auch im gegenwärtigen der Unterzeichneten Vorstandschaft edelmütig die Summe von 1100 M. zur Verfügung stellen ließ, wovon die Hälfte zur teilweisen Begleichung der Kostenrechnungen armer Schüler Verwendung gefunden hat, während die andere Hälfte der Stiftungskasse überwiesen wurde. Ebenso erhielten mehrere Zöglinge namhafte Unterstützungen von einem Wohltäter in der Provinz Hessen-Nassau. Von wohltätigen, edlen Glaubensgenossen in Würzburg werden unsere Präparanden fortgesetzt durch monatliche Geldsendungen tatkräftigst unterstützt. Auch von der 'Freien Vereinigung für die Interessen d. o. I. zu Frankfurt a. M' erhielten mehrere Zöglinge gütige Subventionen, desgleichen mehrere von dem Studium- und Arbeitsbeförderungs-Vereins für Israeliten in Bayern A.V. München" und endlich ein Zögling von der Administration der israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg.
Den wackeren hochherzigen Spendern und den verehrlichen Korporationen der herzinnigste Dank! Auch die Zinsen des Jubiläumsfonds (28 M.) fanden statutengemäße Verwendung. Die sämtlichen Präparanden des vorjährigen III. Kurses fanden in verschiedenen Seminarien (isr. Lehrerbildungsanstalt Würzburg, jüdische Seminarien zu Köln und Hannover Aufnahme. Die Zöglinge des diesjährigen III, Kurses haben ihre Prüfung glänzend bestanden.
Die Einnahmen betrugen 17137 Mk., die Ausgaben 13 648 M."          

    
Neujahrsgrüße von L. G. Ehrenreich und Frau (1898)
     

Hoechberg Israelit 22091898.jpg (21128 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. September 1898: "Allen Freunden und Bekannten wünscht herzlichst
eine gute Einschreibung und Besiegelung

L.G. Ehrenreich und Frau, Höchberg."      


Jahresbericht 1899/1900

Hoechberg Israelit 04101900a.jpg (147832 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Oktober 1900: "Höchberg. Dem Jahresbericht der 'Lazarus Ottensoser-Stiftung' für die Israelitische Präparandenschule (Talmud-Tora), Höchberg (Bayern), für 1899 bzw. 1899-1900 entnehmen wir: Im verflossenen Jahre ist es uns endlich auch gelungen, den schon in früheren Berichten erwähnten Plan der Errichtung einer Pensionskasse zu verwirklichen. Es wurden entsprechende Satzungen aufgestellt, welche die Genehmigung der hohen Königlichen Kreisregierung erhielten. An Rosch chodesch Ijar (= 30. April 1900) waren es 25 Jahre, dass Herr Hauptlehrer Nathan Eschwege als Lehrer an unserer Schule wirkt. Das Kuratorium nahm darum Veranlassung, dem verdienten Lehrer in Anerkennung seiner aufopferungsvollen, ersprießlichen Wirksamkeit die innigsten Glückwünsche darzubringen und ihm eine entsprechende Adresse nebst Ehrengabe zu überreichen. Gebe der Allgütige, dass es dem verehrten Jubilare vergönnt sei, noch recht viele Jahre in voller Kraft und Frisch an unserer Schule zu wirken. An der Schwelle des siebenten Dezenniums stehend, sei es uns gestattet, bevor wir aus dem 60. Schuljahre unserer israelitischen Präparanden-(Talmud-Tora-)Schule treten, einen Rückblick auf deren Vergangenheit zu werfen. Es kann hierbei nicht davon die Rede sein, wie der Werdegang unserer Anstalt seit ihrer Gründung – während langer 60 Jahre hindurch – sich gestaltet hat; denn über die letzten Jahre, seit 1894, legen darüber die seit damals veröffentlichten Schulberichte Zeugnis ab, und über die früheren Jahre dies in erschöpfender Weise nachholen zu wollen, dürfte ein Ding der Unmöglichkeit sein. Es soll folgend vielmehr nur der Versuch gemacht werden, darzutun, in welchem Verhältnisse die gegenwärtige Gestaltung unserer Pflanzstätte zu ihrer Vergangenheit steht; ob sie den Zielen, die ihrem großen Gründer vorgeschwebt haben mögen, bis heute treu und unentwegt nachstrebte: ob sie aber auch gerechten Anforderungen der Gegenwart entspricht und so auf der Höhe der Zeit sich befindet. Rabbi Jochanan ben Beroka und Rabbi Elosor Chisma besuchten einst – so lehrt der Talmud (Cha-
Hoechberg Israelit 04101900aa.jpg (375981 Byte)giga 3) – ihren greisen Lehrer Rabbi Josua. Dieser fragte sie: 'Was wurde heute im Lehrhaus neu vorgetragen?' 'Wir sind deine Schuler und deine Lehren erfüllen uns (deine Wasser trinken wir)!' entgegneten jene. 'Trotzdem! Es gibt kein Lehrhaus ohne Fortentwickelung!' Diese Talmudstelle sollte der Spiegel sein für jede jüdische Schule und in ihr spiegelt sich auch die hiesige israelitische Präparandenschule. Wenn auch schon 60 Jahre seit deren Gründung verflossen sind, ihre Lehrer und Schüler können, wenn sie an den frommen Gründer denken, gleich jenen großen Tanaim sprechen: 'Wir sind deine Schüler, und deine Lehren erfüllen auch uns!' So sehr sich unsere Schule auch mit der Zeit verändert hat, wenn Stoff- und Stundenplan, wenn sie hinsichtlich Lehrmittel und Ausstattung auch ganz umgestaltet worden: die Schule ist trotzdem treu den Grundsätzen ihres seligen Gründers, des frommen Rabbi Elosor Ottensoser seligen Andenkens geblieben, Lehrer und Schüler derselben dürfen sich mit Fug und Recht seine Schüler nennen; denn des Verklärten edle Gesinnung und seine religiösen Grundsätze, sie erfüllen uns heute noch; sie bilden uns noch heute wie früher die Leitsterne; die sind das Hochziel, dem sie – Lehrer und Schüler – bis heute nachstrebten und ferner auch in Treue nachstreben werden. Wie könnte dies aber auch anders sein? Der selige Gründer war von den göttlichen Lehren des unverfälschten Judentums beseelt, die eben, weil sie göttlich sind, nie verändert werden können, die also seit der Sinaitischen Offenbarung bis in alle Zukunft sich selbst gleich bleiben müssen und für alle Generationen der Judenheit gleiche Verbindlichkeiten besitzen. Und deshalb schon weiß sich die Schule mit ihrem großen Gründer eins, weil eben wie einst ihm auch deren Lehrern und Schülern die jüdischen Gesetze, die jüdischen Lehrern göttlich sind. Diese lehrte er ihnen, und sie werden von denselben wieder in reiner, unverfälschter Weise weitergelehrt werden. Aber auch von einem anderen Gesichtspunkte aus betrachtet, wird unsere Anstalt von den Gesinnungen ihres edlen Gründers beseelt. Dieser ließ es sich stets in seltenem Edelsinne angelegen sein, für die armen Schüler zu sorgen. Armut durfte nie einen Grund abgeben, jemand von der nachgesuchten Aufnahme zurückzuweisen. – Auch hierin ist sich die Schule – soviel nur immer möglich – treu geblieben. Wird die Tora in ihr gehegt und gepflegt, gelehrt und verbreitet: so ist sie aber auch gleichzeitig eine Stätte, in der echte Liebeswerke, edle Mildtätigkeit, eben Zedokoh und Gemillus-Chesed, fortgesetzt geübt werden. Dazu ist aber auch in hiesiger Anstalt reichlichst Gelegenheit geboten! So mussten im abgelaufenen Schuljahre 35 Schüler, manche in weitgehendster Weise, unterstützt werden. Ob diese an sich traurige Erscheinung auf die soziale Frage der Gegenwart einen Rückschluss zulässt, ob sich nur Knaben ärmerer Familien dem Lehrberuf vorwiegend zuwenden? – Dass bei solchen hohen Anforderungen strebsamer, aber armer Schüler die Anstaltskasse zur Unterstützung nicht ausreicht, trotzdem das verehrliche Kuratorium in anerkennendster Weise 3.000 Mark zu diesem Zwecke in den Etat einstellte, ist selbstverständlich; es ist aber umso erfreulicher, von der Gott Lob nie erlahmenden jüdischen Wohltätigkeit konstatieren zu können, dass auch in diesem Jahre von privater Seite unsere dürftigen Zöglinge in hochherzigster Weise unterstützt wurden, wodurch es ermöglicht worden ist, für dieselben weitere ca. 2500 Mark verwenden zu können. Wie manche Träne armer Witwen dadurch gestillt, manche Sorge bekümmerter Eltern gebannt, wie manches betrübte Gemüt aufgerichtet und manches besorgte Herz erfreut worden sein mag! Und was noch mehr als dies: wie viele arme Knaben werden einem ehrbaren, idealen Berufe zugeführt, wie viele Hunderte sind während der sechs Dezennien in unserer Schule herangebildet worden! – Das sind wahrlich erhebende Tatsachen die unsere Gönner, welche die Wohltäter unserer Schule nicht erlahmen, nicht erkalten lassen werden, welche sie aufs Neue anspornen mögen, unermüdet unserer Schule von ihrem Segen zu spenden, unsere armen Schüler unverdrossen zu unterstützen; des Himmels reichster Segen wird sie dafür reichlichst lohnen! – Kann aber auch von einer Fortentwicklung bei einer Schule die Rede sein, die vorgibt, darauf stolz zu sein, dass sie während voller 60 Jahre von gleichen Gesinnungen getragen wurde, die gelobt, für alle Zukunft den jüdischen Lehren stets treu zu bleiben? Darauf mag der Hinweis antworten, dass wir in den letzten Dezennien die Fächer: Zeichen, Turnen, Musik, Mathematik und Stenographie in den Lehrplan aufgenommen haben, dass unsere Schule bestrebt ist, in allen profanen Disziplinen dasselbe zu leisten, was in den staatlichen Schwesteranstalten gefordert wird. Aber auch bei dem jüdischen Unterricht kann auf eine Fortentwicklung hingewiesen werden. Nicht etwa auf das Bestreben, durch die Errungenschaften der wahren Wissenschaft auf die Wahrheit und Weisheit des jüdischen Schrifttums beim entsprechenden Unterrichte stets hinzuweisen, die Verbindlichkeit der heiligen Tora stets zu betonen, das ist wohl seit der Begründung unserer Schule so gehalten worden. In den letzten Jahren ist vielmehr auch wieder – wie früher schon vom verdienten seligen Rabbiner Ehrenreich, seinerzeit Leiter unserer Schule, entsprechende Anleitung zum Verständnis der Pijutim und dergleichen den älteren Schülern gegeben worden, damit deren Interesse für die altehrwürdigen Gebete geweckt und sie angeleitet werden, mit Verständnis die Gebete verrichten und auch später so vortragen zu können.
Hoechberg Israelit 04101900b.jpg (53767 Byte)Im laufenden Schuljahre endlich wurden manche Gesangstunden für synagogale Chöre ausgenützt, um so unsere Zöglinge auch hierin für ihren späteren Beruf vorzubereiten. Möchten diese sich unserer Schule stets würdig erweisen und deren Lehren immerfort treu bleiben, dass auch sie von ihr sagen können: 'Wir sind deine Schüler und deine Lehren erfüllen uns!' Möchte sich aber auch unsere Schule, auf dem Boden des überlieferten Judentums stehend, allezeit vorteilhaft fortentwickeln, stets die Zeit erfassen und auf deren Höhe stehen zum Stolz des Judentums und zum Segen der Menschheit, das gebe Gott! Die Einnahmen betrugen 17.652 Mark, die Ausgaben 15.447 Mark; der Vermögensstand weist 191.434 Mark auf." 

  
25-jähriges Dienstjubiläum von Lehrer Nathan Eschwege (1900)   

Wuerzburg Israelit 10051900hoe.jpg (139883 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Mai 1900: "Würzburg, im Mai. 'Dem Verdienste seine Krone.' In dem nahen Höchberg vollzog sich an den vergangenen Rosch-Chodesch-Tagen eine erhebende Feier. Herr Nathan Eschwege, Hauptlehrer an der Präparandenschule dortselbst, wirkt mit Anfang des Monats Ijar ein Vierteljahrhundert an dieser Anstalt, und zwar durch seinen seltenen Berufseifer, durch seine Schaf­fensfreude und strenge Gewissenhaftigkeit, durch seine pädagogische und allgemeine wissenschaftliche Bildung, sowie rastlose Tätigkeit zum Besten der Schule und der Anstalt mit bestem Erfolge. Obwohl die Bescheidenheit und Selbstlosigkeit des Herrn Eschwege es sorgfältig vermied, die Zeit seines Dienstjubiläums bekannt zu geben und er sich bei denen, die sie wissen konnten, jede öffentliche Feier und jede Aufmerksamkeit verbot, so wollten sich doch viele und die zunächst beteiligten Kreise die willkommene Gelegenheit nicht entgehen lassen, ihre Verehrung und Liebe, ihren Dank und ihre Anerkennung dem verdienstvollen Manne zum Ausdruck zu bringen. So widmete vor allem das Anstalts-Kuratorium dem verehrten Jubilar ein herrliches Gedenkblatt, auf welchem das verdienstvolle Wirken desselben anerkennend verzeichnet ist, nebst einer entsprechenden Ehrengabe. Die ehemaligen Schüler ehrten ihren geliebten Lehrer durch einen prachtvollen Schreibtisch mit Schreibstuhl und der neuesten Ausgabe des HaChasaka von ... eine Deputation brachte die Verehrung und die Dankgefühle dem Jubilar zum Ausdruck. Das Lehrer-Kollegium erfreute den Gefeierten mit einem kostbaren Schreibzeug, und so folgten noch viele Geschenke, mündliche und schriftliche Begrüßungen von Verwandten und Freunden, welche alle von der Liebe und Hochschätzung, deren sich der Jubilar zu erfreuen hat, zeugen. Möge es demselben noch viele Tage vergönnt sein, in gleicher Rüstigkeit und Schaffenskraft im Weingarten des Herrn zu arbeiten, zu säen und zu ernten, noch zahllose Schüler zu tüchtigen, gesinnungs- und berufstreuen Lehrern vorzubereiten..."  

     
Trauerfeier für Freiherr W. C. von Rothschild (1901)     

Hoechberg Israelit 28021901.jpg (124797 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Februar 1901: "Höchberg, am Vorabend des Rosch-Chodesch. Heute mittag fand in der hiesigen israelitischen Präparandenschule eine erhebende Trauerfeier statt um ihren hochherzigsten, größten Wohltäter, Freiherrn W. C. von Rothschild.
Ein Choral enosch kechazir... leitete dieselbe ein, worauf der Vorstand und Leiter der Schule. Herr Hauptlehrer Nathan Eschwege, einen fast einstündigen Hesped hielt. In feuriger Rede wies er nach, dass die Jeraijim (Gottesfürchtigen) nicht der Vergänglichkeit anheim fallen, daß der 5. Schewat wie diesmal, schon vor Tausenden von Jahren ein Unglückstag für Israel gewesen sei, ...
In beredter Weise hob der Redner die großen Verdienste dieses gerechten Simon um das orthodoxe Judentum hervor, um Frankfurts jüdische Gemeinde, die durch seine Munifizenz wieder zur Stadt und Mutter in Israel erblühte, schilderte die Gottesfurcht und die Liebe zur Tora, die Bescheidenheit, das gerechte Verhalten, die Wohltätigkeit dieses gerechten Mannes, zog eine Parallele zwischen ihm und Schmuel hakatan. erinnerte daran, wie Baron Rothschild durch sein Beispiel, wie Rab Elieser... die Reichen zum Torastudium verpflichtete, verglich dessen gottbegnadetes Wirken mit dem von König Hiskia und erklärte die Stelle ... im Sinne des Midrasch mit zündenden Worten die Schüler auffordernd, ein ..., zu errichten, dazu als Bausteine die edlen Eigenschaften dieses großen Juden, dieses jüdischen Großen zu verwenden, auf ihn stets hinzublicken in allen Lebenslagen, wodurch sie stets sagen können ...
Ein Kuratoriumsmitglied, Herr Kassier Sam. Eldod, sprach hierauf das Kadisch, worauf durch das Gebet ... die eindrucksvolle Feier ihren Abschluss fand. |"        

 
Zum Tod von cand. med. Simon Eschwege, Sohn des Hauptlehrers Nathan Eschwege (1901)    

Hoechberg Israelit 29041901.jpg (110278 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. April 1901: "Würzburg, im April. Zu einer Zeit, in der Glaubensstärke und Glaubenstreue, wahrhaftes Durchdrungensein für unsere heilige Tora und Religion immer seltener werden u. sich dieses beklagenswerte Verhältnis besonders bei der jüngeren Generation zeigt, da trifft der Schmerz des Verlustes eines jungen Mannes, der im Gegensatz hierzu voll heiliger Begeisterung für Tora und Gottesdienst, voll Hingebung an alles Edle und Erhabene, bei allem Eifer für seinen weltlichen Beruf, mit Festig­keit allen Versuchungen und Schwierigkeiten, die sich dem religiösen Leben entgegenstellen, widerstand, nicht nur den engen Kreis der Familie, sondern alle, die in ihrem Kampfe um die Erhaltung unserer heiligsten Güter mit Bangen in die Zukunft schauen, und ihr Vertrauen nur zum himmlischen Vater haben, der seine heilige Tora nicht vergessen und seine heilige Wahrheit nicht untergehen lässt, ... .
Einen solchen Verlust haben wir mit der schmerzerfüllten, tief gebeugten Familie. des Herrn Nathan Eschwege, Hauptlehrer an der Präparandenschule zu Höchberg, in dem Hinscheiden ihres geliebten Sohnes, Herrn Simon Eschwege, cand. med., zu beklagen.
Am vorletzten Freitag Abend am Vorabend zum Heiligen Schabbat... hatte der so hoffnungsvolle, strebsame, für Tora, Weisheit und Gottesfurcht wahrhaft begeisterte Jüngling in der Früh­reife seiner Jahre, kaum 23 Jahre zählend, seinen kurzen Lebenslauf beendet, um einzugehen in die lichten         
Hoechberg Israelit 29041901a.jpg (240613 Byte)Höhen der Himmelsgefilde zu seinen großen Ahnen, einem Rabbi Seligmann Bär Bamberger und Rabbi Seligmann Fromm seligen Angedenkens dort, wo es keinen Kampf mehr sondern nur heiliger Frieden, keine Aussaat, sondern nur Ernte gibt. Schon lange sah man dieses teure, viel versprechende Leben von tückischer Krankheit bedroht, aber man hoffte es durch alle erdenklichen Mittel zu erhalten und glaubte, dass die jugendliche Natur siegen werde. Doch nein, Simon Eschwege hatte seine Lebensaufgabe erfüllt, war eine reife Frucht für das höhere himmlische Leben; er hatte in seinen wenigen Jahren an ... geleistet, was Andern in einer langen Lebensdauer nicht gelingt, wie es in jenem bekannten Gleichnis heißt .... Wie sehr man dies erkannte und wie groß die Teilnahme für die schwergeprüften Eltern ist, zeigte sich bei der Trauerfeier im Sterbehause und bei dem Leichenbegängnisse. Nicht nur von den Ortseinwohnern, sondern auch von der nahen Stadt und aus der Ferne war die Beteiligung eine große, eilte man herbei um den Toten zu ehren und das Leben zu würdigen, an der großen Mizwa der Beisetzung eines Toten teilzunehmen.
Der Großonkel, Herr Distrikts-Rabbiner Bamberger dahier, gab in längerer Ausführung und in ergreifenden Morten der Würdigkeit des Dahingeschiedenen und dem Schmerze ob des schweren Verlustes in und außer der Familie beredten Ausdruck. Es folgten dann noch Worte der Trauer und der Anerkennung von Herrn Lehrer L.B. Gutmann, Seminarlehrer Weißbart - Würzburg, dem Onkel Herrn Lehrer A. Eschwege - Thüngen und dem Onkel Herrn Joseph Fromm - Frankfurt a. M.
So schied denn der Teuere für immer aus dem von ihm so sehr geliebten und verehrten Elternhause, um nach eigenem Wunsche auf dem Friedhofe zu Frankfurt a.M. in der Nähe seiner Großeltern zu ruhen. ...! Am Grabe zu Frankfurt sprach Herr Rabbiner Dr. Horowitz tiefgehende Worte der Trauer und der Teilnahme und erläuterte die Stelle ... in Bezug auf den ärztlichen Beruf, dass bei gewissenhafter Erfüllung desselben durch mischpati durch die dem Verstande zugänglichen Vorschriften zur Heilung ... auch die ..., deren Grund nur Gott kennt, anerkannt und betätigt werden müssen. In diesem Sinne hatte auch der Dahingeschiedene seinen Beruf aufgefasst. So möge er süß schlummern, der treue Arbeiter im Dienste Gottes und der Menschheit. ..., mag er auch wenig der Früchte seiner Mühe genossen haben, er war, wie ein Redner die Midrasch-Stelle hieraus anwendete, dennoch ein Licht, das von selbst erloschen; ... er hatte sich und den Seinen genug getan, eine reife Frucht, sich und seinem Stamme zum Ruhme ...!
Möge aber auch den trauernden Eltern und Verwandten himmlischer Trost werden in dem Bewusstsein, ihre volle Pflicht an ihrem geliebten Sohne im gesunden, wie im kranken Zustande getan zu haben und dass sie ihr Kind rein, wie sie es von dem himmlischen Vater empfangen, wieder zurückgaben...".    

   
Jahresbericht 1900/01
        

Hoechberg Israelit 08101901.jpg (353896 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Oktober 1901: "Höchberg. Dem Jahresbericht der Lazarus Ottensoser-Stiftung für die 'Israelitische Präparandenschule' (Talmud Tora) in Höchberg (Bayern) für 1900 bzw. 1900-1901, entnehmen wir:
Am 23. Elul waren es 25 Jahre, seitdem die Leitung unserer israelitischen Präparandenschule der bewährten, zielbewussten Führung ihres Gründers und unvergesslichen Wohltäters, des frommen und edlen Rabbi Elosor Ottensoser entrückt wurde, da er einging in Edens Gefilde. Auch er hatte mit seltenem Kennerblick seine Zeit erfasst; er erkannte die hereinbrechenden Gefahren, die das Judentum bis in seine fest gefügten Grundlagen erschüttern mussten; da suchte er, nachdem für 'Ausreißen und Umhauen, für Vernichten und Niederreißen" gar zu sehr gesorgt war, wieder 'aufzubauen und einzupflanzen', da gründete er eben für Thauroh und Jiroh und Gemillus-chesed (Tora, Gottesfurcht und Wohltätigkeit) zum Zwecke der Ausbreitung der göttlichen Lehre, der Gottesfurcht und des Wohltuns, die hiesige Anstalt. Das war nur selbstredend, ganz selbstverständlich bei dem biederen, bescheidenen Sinn dieses 'Großen in Israel', der nicht nach Anerkennung geizte, sondern glücklich war, wenn er sich dadurch seinem Volke nützlich erweisen, wenn er sein ideales Streben verwirklichen konnte; er erkannte eben vollkommen die hohe Berechtigung jener erhabenen Worte: 'Ich will nur unter meinem Volke wohnen!'
Wohl blieben die Zeiten auch später dem höheren Streben nicht besonders günstig. Der Boden der Zeitströmung schien unfruchtbar zu sein für Erwerbung idealer Güter. Wie aber bei Isak, so auch ruhte des Himmels Segen sichtlich auf der Pflanzstätte des sel. Rabbiner Ottensoser; denn hundertfältig ist auch deren Ertrag. Was dieser große Meister erstrebte, wollte: Hunderte von Schülern seiner, unserer Anstalt haben es in alle Gegenden getragen, haben sich erprobt, gleich ihm. Pioniere zu sein für Thauroh, Jiroh und Gemillus chesed, haben aufopfernd und anspruchslos für unser Volk zu wirken gesucht, eingedenk der schönen Worte: 'In meinem Volke nur will ich weilen!'
Und seit damals — volle 25 Jahre — ist unsere Schule bestrebt, ihrem Gründer und Meister rastlos zu folgen in seinem Streben, in seinem Wirken, in seinen Gesinnungen, in seinen Ansichten, in seinen Absichten — und gar oft gab bei auftauchenden Fragen, bei vorkommendem Zweifel den Entscheid die Erwägung: 'Wie würde Rabbi Elosor - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - dieses machen? Und wie seither, so wird er auch allezeit der Leitstern unserer israelitischen Präparandenschule sein; weiß sie sich ja doch am sichersten geborgen in ihrem Volke.
Doch ist sie auch festgewurzelt in den Anschauungen ihres edlen Gründers, so steht sie doch offenen Blickes aus der Warte der Zeit; sie will eben auch ferner 'in ihrem Volke wohnen,' sie soll allezeit Zeugnis ablegen, wie das unveränderliche Gottesgesetz nie im Widerspruch stehen kann mit den wahren Errungenschaften der Gegenwart, der Zukunft, wie die gewissenhafte Betätigung unserer heiligen Lehre keinen Gegensatz bilden darf auch mit dem Leben außerhalb der Schule.
So gehen denn die Ereignisse im Leben draußen nicht unbeachtet und unbemerkt an ihr vorüber, und die Schule und ihre Organe, sie nehmen auch regen Anteil an den Pulsschlägen des öffentlichen Lebens; sie bildet ja nur ein Glied des Volkes, in deren Mitte sie weilet.
Dass dem tatsächlich so ist, davon konnte man sich so recht überzeugen, als der hochedle Geistes- und Gesinnungsfürst, der gelehrte und hochedle Philanthrop, Seine Hochwohlgeb. Freiherr Wilh. Carl von Rothschild aus seinem inhalts- und tatenreichen Leben schied. Da durchzitterte uns die schmerzliche Gewissheit, dass von hinnen gegangen ist, (hebräisch) 'mein Vater, mein Vater, Israels Wagen und seine Reiter' (2. Könige 2,12) nicht nur derjenige, durch den sich Gesamt-Israel getragen und gehoben wusste, sondern auch der, welcher jedem einzelnen unserer Schüler wie der Schule selbst stets ein Vater war.
Jeder Jahresbericht unserer Schule wusste von fürstlichen Summen zu sprechen, die 'ein edler ungenannter Wohltäter', oder 'ein Wohltäter aus der Provinz Hessen-Nassau' in unermüdlichster Weise spendete; dieses war der hochedle, aber auch unvergleichlich bescheidene 'Baron Rothschild'.
So verlor denn unsere Schule ihren größten Wohltäter, ihren größten Gönner, ihr größtes Vorbild, und deshalb gab sie sich der tiefsten Trauer hin, der Trauer, wie um einen lieben Verstorbenen: sie zündete ein Seelenlicht an, verrichtete und verrichtet für ihn durch Schiur und Kaddisch die üblichen Seelengebete.
Die Schülerzahl betrug Anfangs des Wintersemesters im ersten Kurse 19, im zweiten 11 und im dritten 7, zusammen 37. Von denselben traten während des Jahres aus: am Ende des ersten Quartals ein Schüler des zweiten Kurses; derselbe trat in eine staatliche Präparandie seines Heimatlandes über; ein weiterer Schüler desselben Kurses am Ende des Wintersemesters, um Aufnahme in der Bildungsanstalt für jüdische Lehrer zu Hannover zu finden, endlich in der gleichen Zeit ein Schüler des ersten Kurses, um in ein Geschäft zu treten. Dagegen wurde mit Beginn des Sommersemesters je ein Schüler in den ersten bzw. den zweiten Kurs ausgenommen.
Seitens des Kuratoriums wurde die namhafte Summe von ca. 3000 Mark für Unterstützungen an arme Schüler verwendet. Auch dieses Jahr beteiligten sich sämtliche Schüler des dritten Kurses an der Schlussprüfung, deren schriftlicher Teil am 22. und 23. Aug. stattfand. Der mündliche wurde am 12. Aug. durch den Königlichen Regierungskommissär Herrn Kreisschulinspektor Dr. A. Weber — in Religion gleichzeitig durch Herrn Distriktsrabbiner N. Bamberger — abgehalten und hatte das erfreuliche Ergebnis, daß die sämtlichen Prüflinge dieselbe erfolgreich bestanden und so die Be­rechtigung erhalten haben, in die israelitische Lehrer-Bildungs-Anstalt zu Würzburg übertreten zu dürfen.-"          

    
Spendenaufruf für die Präparandenschule (Talmud-Tora-Schule) in Höchberg (1901)     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Dezember 1901: "An die Edlen Israels! Hochherzige Brüder und Schwestern!
Höchberg
bei Würzburg, im November.
Bald erglänzen wieder die Chanukohlichtchen und erhellen unsere Wohnungen, mit ihrem Zauber Jung und Alt erfreuend, ihnen aufs Neue verkündend von Israels Leiden, von Gottes Hilfe, von der wunderbaren Errettung unseres Volkes, verkündend von der Makkabäer Begeisterung für Gott, für Seine heilige Religion, für Sein Volk. -
Nicht der Druck, nicht die Erniedrigung vom äußeren Feinde drohte Israels Untergang nach seiner Wiedergeburt während des zweiten Tempels. Dies bewirkte seine Entfremdung vom Glauben der Väter, die Nachahmung fremder Sitten, fremder Gebräuche.
Daran sollen uns die Chanukohlichter erinnern; dieses sollen sie uns mit jedem Jahre aufs Neue lehren; das sollen wir unseren Kleinen einprägen, wenn sie sich der Lichtchen freuen, um sie zu begeistern für das Judentum, erglühen zu lassen für dessen hohe Aufgaben.
Wenn Ihr Euch nun mit Euren Lieben während der Chanukohtage freuet, dem Spiele hingebet, denket da auch an eine Stätte, die ein für Gott und Seine heilige Religion in Begeisterung erglühter Mann, Rabbi Eloser Ottensoser s.A., für Israels höchste Güter begründete,
in der Israels hoffnungsvolle Jünglinge erzogen werden für Thora und Jiroh, für Avoda und G'millus chesed (Tora und Gottesfurcht, Gottesdienst und Wohltätigkeit), wo sie begeistert werden sollen für den Glauben der Väter, erwärmt für der Menschen hehrste Aufgaben; da denket an unsre Israelitische Präparanden-(Talmud Thora-) Schule zu Höchberg, indem Ihr sowohl derselben hochherzige Spenden freundlichst zuwendet, als auch Freundes- und Bekanntenkreise für sie interessiert, damit auch von denselben ihr reichliche Gaben zufließen.
Das erhebende Bewusstsein, durch eine solche Chanukohspende für die Ausbildung armer Knaben, unter denen sich auch verwaiste befinden, sowie für die Ausbreitung des Torastudiums ein Schärflein beigetragen zu haben, wird Eure Chanukohfreude erhöhen und Euch des Himmels Segen sichern.
Die als Chanukohspenden freundlichst eingesandten Gelder werden im nächsten Jahresberichte unter dieser Bezeichnung veröffentlicht werden.
Mit der ergebensten Bitte, die hochherzigen Spenden noch vor Schluss dieses Kalenderjahres an den Kassier unserer Schule, Herrn S. Eldod dahier, freundlichst einsenden zu wollen, zeichnet mit vorzüglicher Hochachtung
Hauptlehrer N. Eschwege,

*) Vorstand der israelitischen Präparanden-Schule Höchberg."      

   
Die Israelitische Präparandenschule im Jahr 1902     

Vorstellung der Schule im "Statistischen Amtshandbuch für den Regierungsbezirk Unterfranken und Aschaffenburg. Bearbeitet von Jos. Aurich. Würzburg 1902: "Israelitische Präparandenschule in Höchberg. Gegründet vom Ortsrabbiner Lazarus Ottensoser in Höchberg. In dieser Schule erhalten israelitische Jünglinge die entsprechende Vorbereitung für den Beruf eines Lehrers in 3 Jahreskursen. Nach bestandener Schlussprüfung treten die Schüler in die israelitische Lehrerbildungsanstalt in Würzburg, oder in eine ähnliche Anstalt, zuweilen auch in das königliche Schullehrerseminar über. 
Verpflegung pro Monat 33 Mark, vierteljährlich voraus zahlbar. Würdige, dürftige Zöglinge erhalten eine Subvention aus der Anstaltskasse. Anzahl der Zöglinge zur Zeit 33.  
Vorstand und Hauptlehrer: N. Eschwege. 
Religionslehrer: E. Eldod.  
Präparandenlehrer: L.G. Ehrenreich, S.B. Eschwege.  
Zeichenlehrer B.A. Gehles."    

   
Jahresbericht 1901/02                

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Oktober 1902: "Höchberg, 30. Sept. Dem Jahresbericht der 'Lazarus Ottensoser-Stiftung' für die 'Israelitische Präparandenschule (Talmud Thora) Höchberg' (Bayern) entnehmen wir:
Mit dem Gefühle der Befriedigung schreiten wir hiermit an die Herausgabe unseres Rechenschaftsberichtes für das Rechnungsjahr 1901. Ist es uns doch mit Gottes Hilfe gelungen, die Gewogenheit unserer Gönner und Freunde zu erhalten, so dass wir in den Stand gesetzt waren, die Ausgaben bestreiten zu können, welche die satzungsgemäße Erhaltung der Präparandenschule erfordert.
Abgesehen von den laufenden Ausgaben ist im verflossenen Rechnungsjahre eine große Aufgabe an unsere Kasse herangetreten. Durch den Tod des bisherigen Besitzers wurde ein an das Anstaltsgebäude grenzendes Anwesen dem Verkaufe unterstellt. Um nun für eine eventuelle spätere Erweiterung der Anstaltsräume Platz zu gewinnen und den schon lange gehegten Wunsch nach einem eigenen Spiel- und Tummelplatz für die Schüler zu verwirklichen, war die Stiftung gezwungen, bezeichnetes Anwesen zu kaufen. Laut Regierungsentschließung vom 9. April 1901 wurde die 'Erwerbung des Anwesens um den Preis von 6671 Mark genehmigt', uns aber dabei gleichzeitig die Auflage gemacht, 'für seinerzeitige Refundierung des Gesamtbetrages Sorge zu tragen.'
Wenn nun auch der Abschluss der Rechnung sich als günstig darstellt, so fühlen wir uns doch veranlasst, um das fernere Wohlwollen unserer Gönner höflichst zu bitten, da wir dem Auftrage der Kgl. Kreisregierung nachkommen müssen und auch die für die/ zweckdienliche Herrichtung des erworbenen Platzes notwendigen Kosten zu beschaffen sind.
Im vorigen Jahre haben die sämtlichen Zöglinge des dritten Kurses die Schlussprüfung an unserer Anstalt erfolgreich bestanden. Dieselben waren in Folge dessen berechtigt, in der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt zu Würzburg Aufnahme zu finden. Diese wurde ihnen auch zu Beginn des gegenwärtigen Schuljahres gewährt.
Auch aus dem zweiten Kurse traten am Schlusse des vorigen Schuljahres zwei Schüler aus. Der eine fand in der Bildungsanstalt für jüdische Lehrer in Hannover Aufnahme, der andere trat auf diesseitige Veranlassung zum Geschäfte über, während ein Schüler des ersten Kurses in eine staatliche Präparandie seines Heimatortes aufgenommen wurde.
Die Aufnahmeprüfung dahier fand am 14. Oktober vorigen Jahres statt. Von den acht neu eingetretenen Knaben konnten dem Prüfungsresultate entsprechend nur sechs sogleich, die übrigen zwei aber erst nach der üblichen Probezeit als ordentliche Schüler in der Anstalt verbleiben.
Somit befanden sich mit Beginn dieses Schuljahres im ersten und zweiten Kurs je 13 und im dritten sieben Präparanden.
Von denselben ist ein Schüler des zweiten Kurses am Ende des ersten Quartals, zwei des ersten Kurses am Ende des zweiten Quartals ausgetreten, um sich einem Geschäfte zu widmen. Dagegen traten zu Anfang des Sommersemesters fünf Schüler als Hospitanten in den ersten Kurs ein."          

  
Ausschreibung einer Lehrerstelle an der israelitischen Präparandenschule (1902)       

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Oktober 1902: "Für die israelitische Präparandenschule in Höchberg wird zum sofortigen Eintritt ein Lehrer gesucht, der Musik und Geschichte in den drei Kursen, sowie Deutsch und Rechnen im ersten Kurse zu unterrichten hat. Bewerber, die ein bayerisches Seminar besucht haben müssen, wollen ihre beglaubigten Zeugnisabschriften alsbald einsenden.
Würzburg.
10. Oktober 1902. Das Kuratorium der Lazarus Ottensoser-Stiftung Höchberg: S. Forchheimer, Vorsitzender."         

 
Ausschreibung einer Lehrerstelle an der israelitischen Präparandenschule (1903)    

Hoechberg FrfIsrFambl 28081903.jpg (25139 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. August 1903: "Höchberg. Lehrer für israelitische Präparandenschule per 15. Oktober. Anfangsgehalt 1620 Mark. Offerten mit Zeugnisabschriften bis zum 10. September dem Kuratorium einzureichen".             

  
Vergleich der Ausbildungen in den Präparandenschulen Burgpreppach, Höchberg und Münster sowie in den Seminaren Köln, Münster und Würzburg (1904)     
mit Empfehlungen für die Angleichung der Ausbildungsinhalte von Seminarlehrer Elias Gut in Köln.
Elias Gut ist am 21. Februar 1869 in Gailingen geboren. Nach Besuch der Volksschule in Gailingen und der Realschule in Dießenhofen (Schweiz) studierte er von 1885 bis 1888 am Jüdischen Lehrerseminar in Köln. 1889 legte er die 1. Lehrerprüfung in Odenkirchen, 1893 die zweite in Siegburg ab. 1892 bis 1895 war er Religionslehrer an der Synagogen-Gemeinde in Köln. Seit 1901 war er Seminarlehrer am jüdischen Lehrerseminar in Köln unter den Rabbinern Dr. Emanuel und Dr. David Carlebach - https://de.wikipedia.org/wiki/Emanuel_Carlebach und https://de.wikipedia.org/wiki/David_Carlebach_(Rabbiner,_1899). Seit 1923 war Elias Gut Seminaroberlehrer, seit 1924 Seminarstudienrat. Seit der Auswanderung von David Carlebach 1936 war Elias Gut Leiter des Jüdischen Lehrerseminars in Köln, das wenige Jahre später geschlossen werden musste. Im Oktober 1945 ist er in Basel gestorben (Todesanzeige siehe Seite zu Gailingen).     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. April 1904: "Die künftige Ausbildung des jüdischen Lehrers auf dem Gebiete des Religionsunterrichts.
Von Seminarlehrer Elias Gut - Köln.

Durch die ministeriellen Bestimmungen vom 1. Juli 1901 hat die preußische Lehrerbildung bekanntlich einen außergewöhnlichen, vielfach unerwarteten Aufschwung genommen. Präparandie und Seminar sind nunmehr in organischen Zusammenhang gebracht, allgemeine Fachbildung gebührend auseinander gehalten und die Forderungen in sämtlichen Lehrfächern dergestalt erhöht, dass die Erschließung der Universitätspforten für den Volksschullehrer kaum noch eine Frage der Zeit ist.
Die Absolventen der fünf jüdischen Seminare in Preußen werden den Mehrforderungen in sämtlichen profanen Fächern ebenso gerecht werden, wie die christlichen Aspiranten. Nun tritt aber die Frage an die jüdischen Seminare heran: Soll das Pensum auf dem Gebiete des Religionsunterrichts auf dem bisherigen Niveau bleiben, oder ist es angebracht, wenn alle profanen Fächer intensiver gepflegt werden, das hehrste aller Unterrichtsgebiete von dieser eingehenderen Bearbeitung nicht auszuschließen? Die Beantwortung dieser Frage dürfte nicht allzu schwer sein. Obschon häufig darauf hingewiesen wird, die jüdischen Seminare hätten außer den staatlichen Anforderungen noch solch große Aufgaben zu bewältigen, dass die Lehrzeit von drei Jahren kaum für das Dürftigste ausreicht, ist es einfach Ehrenpflicht, den Religionsunterricht im rich­tigen Verhältnisse zu den anderen Gebieten zu pflegen, wenn anders er nicht den Stempel der Minderwertigkeit erhalten soll. Wahr ist es zwar, dass schon bei den bisherigen Anforderungen alle Kraft zusammengenommen werden musste, um in drei Jahren aus dem eintretenden Seminaristen einen abgehenden tüchtigen Elementarlehrer, Religionslehrer, Kantor, Schächter und Prediger werden zu lassen. Jedoch si vis pacem, para bellum (= wenn Du Frieden willst, bereite Dich auf den Krieg vor"), wenn alle anderen Mächte ihr Kontingent erhöhen, muss die erste Großmacht sicher folgen, wenn sie nicht eo ipso aus dem bisherigen Konzert ausscheiden will, um zu einem Kleinstaat II. Ranges degradiert zu werden. Diese Erwägung erscheint mir so selbstredend, dass ich nunmehr sofort zur Beantwortung der Frage schreiten will: Welches Maß von Kenntnissen soll fortab beim Ein- und beim Austritt der Seminaristen auf dem Gebiete des jüdischen Religionsunterrichts gewünscht und verlangt werden? Selbstverständlich kann in dieser Vorarbeit nur ein Umriss skizziert werden, da es die Einsicht und Kraft eines Einzelnen weit übersteigt, feststehende, allgemeine Geltung beanspruchende Normen aufzustellen. In nachfolgender Tabelle habe ich aus Jahresberichten zusammengestellt, was bisher in den Präparandien Burgpreppach, Höchberg und Münster, den Seminaren Köln, Münster und Würzburg geleistet wurde. Von der Präparandie Schwabach stand mir kein Jahresbericht zur Verfügung; der Herr Seminardirektor von Hannover erklärte, das dortige Seminar gäbe keine Berichte aus und Herr Direktor Dr. Lazarus wies mich an das Kasseler Provinzial-Kollegium, welche Behörde ich jedoch mit Unterstützung unserer Arbeiten nicht behelligen wollte. Der Berliner Seminardirektor, so wurde mir von zuverlässiger Quelle gemeldet, verhält sich unseren Bestrebungen gegenüber durchaus indifferent. Wenn meine Tabelle demnach auch auf Vollständigkeit keinen Anspruch machen kann, so wird das darin enthaltene Material so ungefähr dem Stande der Dinge entsprechen.              
   Tabellen werden nicht abgeschrieben,
bei Interesse bitte Textabbildungen anklicken
Hoechberg Israelit 21041904a.jpg (257455 Byte) Hoechberg Israelit 21041904b.jpg (231338 Byte)
Hoechberg Israelit 21041904c.jpg (382220 Byte)Die Rubriken 1—3 Bibel. 5 Grammatik. 6—8 biblische, nachbiblische Geschichte und systematische Religionslehre, 11 und 12, Mischna und Talmud, dienen der allgemein jüdischen Bildung, die übrigen Rubriken der speziellen Fachbildung und zwar: Rubrik 15 (Methodik) dem Religionslehrer, 4 Geschichte der Liturgie, 10 Ritualkodex dem Kantor, 10 ferner, dem Schächter und 14 Homiletik dem Prediger. Ich bemerke schon jetzt, dass für die auf gesetzestreuem Boden stehenden Seminare die Ausbildung zum Schächterberufe nicht vom Lehrplan gestrichen werden darf, schon aus dem einfachen praktischen Grunde, weil die kleineren Gemeinden einen Kultusbeamten haben müssen, der sämtliche genannten Ämter in seiner Person vereinigt. Und nun zu den einzelnen Rubriken:
(sc. im Nachfolgenden gibt es Ratschläge für P = Präparandien und S für Seminare) 

Ad. 1 Pensum für P. kann bleiben, für S. schlage ich jedoch die kaldäische Paraphrase des Onkelos vor.
Ad. 2 und 3 muss statarische und kursorische, ferner Klassen- und Privatlektüre unterschieden werden.
Ad. 2 sollen in P. die vier ersten, in S. die vier letzten Prophetenbücher behandelt werden (mit Auswahl).
Ad. 3 in P. die Bücher Esther, Rut, Echa und Mischle, in S. das Hohe Lied, Prediger, Hiob und Daniel (das hohe Lied darf aus pädagogischen und praktischen Gründen nicht gestrichen werden. Die Einführung in das Verständnis der zu behandelnden biblischen Bücher nach höheren Gesichtspunkten ist die Hauptsache bei diesen Fächern.)
Ad. 4 in P. schlage ich das Burgpreppacher Pensum vor, in S. handelt es sich um die Geschichte unseres Gebetbuches und des Machsor.
Ad. 5 in P. muss die Elementargrammatik zum Abschlusse gebracht werden, in S. ist die hebräische Grammatik wissenschaftlich und die chaldäische elementar zu behandeln.
Ad. 6 schlage ich das Höchberger Pensum für P. vor, für S. die Methodik dieses Gebietes.
Ad. 7 in P. nicht mehr zu behandeln, in S. die Methodik dieses Gegenstandes.
Ad. 8 in P. bis zur Gegenwart in lebensvollen Monographien; für S. möchte ich folgende Anweisung der ministeriellen Bestimmungen als Richtschnur empfehlen: 'Ein fortlaufender Unterricht in (jüdischer) Literaturgeschichte ist nicht zu erteilen: es ist daher auch die Benutzung eines Leitfadens für den literaturkundlichen Unterricht ausgeschlossen. Die Zöglinge sind jedoch mit einer Anzahl von Meisterwerken unserer Literatur vertraut zu machen. Die Bedeutung der namhaften Schriftsteller ist aus ihren Werken und im Zusammenhang mit der Geschichte und Kultur der Zeit zum Verständnis zu bringen. Durch Annahme dieses Grundsatzes würde das übliche Memorieren der nachbiblischen Geschichte endlich verschwinden. Statt Betrachtungen über die Sache würden die Seminaristen auch auf diesem Gebiete die Sache selbst kennen lernen, wie es mit so gutem Erfolge auf dem Gebiete der deutschen Literatur und der historischer Pädagogik Sitte ist. Freilich müsste erst eine gute Blütenlese jüdischer Denker und Dichter (im Urtexte) in dem für Seminare wünschenswerten Umfange geschaffen werden.
Ad. 9 für P. kann das bisherige Pensum beibehalten werden, für S. schlage ich schwierigere Kommentare vor, z. B. Ramban, Ibn Esra oder Malbim. Auf die Quantität des Behandelten kommt es weniger an, als auf die Güte der Durchnahme.
Ad. 10 empfehle ich (ebenfalls das Lied 'An der Quelle saß der Knabe' und daher) die Behandlung des Schulchan Aruch selbst, dessen Durchnahme interessant und nicht schwierig ist. Ich bin fest überzeugt, dass das Selbstbewusstsein der Lehrer in dieser Beziehung bedeutend gehoben wird, wenn ihm die Krücken endlich abgenommen werden und er ohne fremde Hilfe selbst seinen Din nachschlagen kann. Für P. schlage ich die wichtigsten Kapitel aus dem Orach Chajim vor, z.B. Tefillin. Zizis und Liturgie, für S. die für den jüdischen Kultusbeamten in Betracht kommenden Kapitel aus dem Joreh Deah, z. B. Schechitah. Mikwah, Trauergesetze u. a. Ich verlange nicht, dass der Lehrer diese Materien nun völlig beherrsche, wohl aber, dass er sich allein darin zurecht finden lerne und sich nicht von gebildeten Gemeindemitgliedern der Ignoranz zeihen lassen muss.
Ad. 11 und 12 verlange ich, dass das Studium von Mischnah und Talmud nicht vernachlässigt oder gar ganz versäumt werde: denn wer in jüdischen Fragen ernstlich mitreden will, muss im Stande sein, die Quellen unseres Religionsgesetzes zu lesen. Ebenso gut wie der Seminarist das Nibelungen- und das Gudrun-Lied oder die Quellenstücke der Geschichte im Urtexte lesen können soll, kann Ähnliches für die Quellenstücke der jüdischen Lehre verlangt werden. Auf diesem Gebiete eröffnet sich auch der Fortbildung des jüdischen Lehrers eine ersprießliche Tätigkeit.
Ad. 11 schlage ich vor: P. Bd. II und S. Bd. III.
Ad. 12 für P. das Burgpreppacher Pensum, für S. Chulin.
Ad. 13 empfehle das Pensum von Münster.
Ad. 14 P. nichts, für S. das Pensum von Münster.
Ad. 15 P. nichts, für S. besonders die Methodik des Übersetzungsunterrichts.
Durch Annahme meiner Vorschläge würden die Wohltaten der neuen Bestimmungen auch auf den jüdischen Religions-Unterricht ausgedehnt werden, denn P. und S. würden in organischen Zusammenhang gebracht, allgemein wissenschaftliche und Fachbildung gebührend getrennt und gebührend gepflegt. Die Forderungen in sämtlichen Abteilungen sind so erhöht, dass der jüdische    
Hoechberg Israelit 21041904d.jpg (96195 Byte)Lehrer mit gutem Resultate wissenschaftlichen Vorlesungen folgen könnte. Man komme mir nun nicht mit der leidigen praktischen und doch un­praktischen 'Zeit?'-Frage; hier handelt es sich, wie ich Eingangs betont habe, um eine Ehrenpflicht, die eben, so schwer es auch werden mag, erfüllt werden muss. M.E. hängt die materielle Versorgungsfrage von der wissenschaftlichen Ausbildungsfrage ab. Die deutschen Lehrer haben im Jahre 48 nicht bessere Besoldung. sondern höhere Bildung verlangt und mit dieser auch jene erkämpft, denn Wissen ist Macht.
Wie der deutsche Lehrer durch seinen unersättlichen Bildungsdrang eine herrliche, nie erlebte Position im deutschen Vaterlande sich errungen hat. möge es auch dem jüdischen Lehrer nach harten Tagen endlich vergönnt sein, diejenige Stellung in der jüdischen Gemeinschaft einzunehmen, die ihm nach Fug und Recht zukommt. Dass dieser Wunsch sich bald erfülle, hängt nach Goethes Wort von unserer Energie ab:  Vergebens werden ungebundne Geister  Nach der Vollendung reiner Höhe streben.  Wer Großes will, muss sich zusammenraffen;  In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister, Und das Gesetz nur kann uns Freiheit geben".  

   
25-jähriges Dienstjubiläum von Lehrer Lazarus Ehrenreich (1904) 

Hoechberg FrfIsrFambl 04111904.jpg (37858 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 4. November 1904: "Höchberg (Bayern). Dieser Tage feierte hier Herr Lehrer Ehrenreich an der israelitischen Präparandenschule sein 25jähriges Dienstjubiläum, aus welchem Anlass ein Festakt stattfand. Herr Hauptlehrer und Schulvorstand Eschwege feierte die Verdienste des Jubilars, der nicht allein ein tüchtiger Schulmann, sondern auch eine Persönlichkeit ist, die, wo es gilt, gemeinnützige Unternehmungen in der Gemeinde zu fördern, mit an der Spitze steht."

   
Zum Jahresbericht 1904/05 

Hoechberg FrfIsrFambl 03111905.jpg (61302 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 3. November 1905: "Höchberg (Bayern). Vor uns liegt der Jahresbericht für 1904 beziehungsweise 1904/05 der 'Lazarus Ottensoser-Stiftung für die Israelitische Präparandenschule (Talmud-Tora) in Höchberg'. Dem Berichte geht eine Arbeit des Leiters der Präparanden-Schule, Herrn Hauptlehrer Eschwege über den 'Derech-Erez' voraus. Die Schulchronik gibt das Bild eines geregelten, segensreichen Arbeitens; sie verzeichnet einen Bestand von 37 Schülern. Auch die Abrechnung (Vermögensbestand Mark 202.625) ergibt einen erfreulichen Status. Jedoch sind die Zinsen dieses Kapitals noch bei weitem nicht so genügend, dass die Anstalt auf den fortlaufenden Zufluss von Legaten, Spenden und Jahresbeiträge nicht sehr angewiesen wäre." 

  
Jahresbericht 1905/06        

Hoechberg FrfIsrFambl 28091906g.jpg (123204 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. September 1906: "Höchberg (Bayern). Der Bericht aber das 66. Jahr der Israel. Präparandenschule (Leiter: Herr Hauptlehrer N. Eschwege) enthält einen geschichtlichen Rückblick über die israelitische Gemeinde Höchberg und über die Schule.
Die israelitische Gemeinde Höchberg, die heute nur noch aus 5 Familien besteht, von denen 4 durch die Anstalt hier wohnen, zählte früher zu den größten der Umgegend; sie war so angesehen, dass man sie 'Klein-Frankfurt' nannte. In der Mitte des 18. Jahrhunderts besaß die Gemeinde 18 Torarollen. Die noch benutzte Synagoge ist vermutlich 1661 erbaut worden; sie zeigt innen eine gediegene, vornehme Ausstattung, die teils in Renaissance-, teils in Barockstil gehalten ist. 
Als anfangs der 1840er Jahre (des vorigen Jahrhunderts) sich die Gemeinde so verringerte, dass sich häufig an Wochentagen nicht mehr ein Minjan für den Gottesdienst zusammenbringen ließ, da sammelte der damalige Rabbiner Lazarus Ottensoser s.A. lernbeflissene Jünglinge um sich und legte so den Grundstein zur Präparandenschule. Schon 1856 sah er sich veranlasst, eine weitere Lehrkraft anzustellen, die er in Rabbi J.M. Schüler - Autenhausen s.A. fand, an dessen Stelle nach einem Jahre Rabbinatskandidat Jacob Ehrenreich - Autenhausen trat. 1861 erfolgte die Genehmigung der Regierung als Präparandenschule (die staatlichen analogen Anstalten sind erst 1866 errichtet worden). Es sind in den 66 Jahren ihres Bestehens von der Präparandenschule über 700 Jünglinge herangebildet worden."         

  
Über die Präparandenschule in Höchberg (1906)   
Anmerkung: sehr anschauliche Beschreibung des Lebens in der Höchberger Schule Anfang des 20. Jahrhunderts. Hebräische Zitate und Begriffe in diesem Text sind teilweise noch wiederzugeben. 

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29.Mai 1906: "Stätten der Tora in Deutschland.  II. Ein Ausflug nach Höchberg.  (Schluss)
Nachdem wir so die örtlichen Verhältnisse und das Hauptsächlichste aus der geschichtlichen Vergangenheit Höchbergs kennen gelernt, (Anmerkung: Interessieren dürfte noch, dass der Begründer der 'Frankfurter Zeitung' und ehemalige Reichstagsabgeordnete Leopold Sonnemann aus Höchberg stammt) treten wir der dortigen Talmud-Tora-Schule näher. Wenn auch so vieles im Laufe der Zeit sich im Gemeindeleben geändert, das Beth hamidrasch des Raw Elieser seligen Angedenkens ist sich gleich geblieben: denn Tora und Gottesfurcht können keine Konzessionen an den Zeitgeist machen. Nicht als ob man den gerechten Anforderungen de Gegenwart keine Rechnung trüge! Ist doch die Talmud-Tora-Schule — wie oben betont - eine den Königlichen Anstalten gleichgeordnete Präparandenschule. Das Erfreuliche ist nur der sich in eiserner Konsequenz gleich bleibende jüdische Geist in ihr. Und diesen Geist hat ihr die machtvolle Persönlichkeit des großen Gründers seligen Angedenkens unvergänglich eingehaucht, ihr den Stempel seiner Größe aufgeprägt für immer. Die Schule ist sein Lebenswerk, ihre Geschichte seine Lebensgeschichte. Ehe wir letztere skizzieren, wollen wir der Anstalt erst einen Besuch abstatten.
Ich trat durch einen kleinen überbauten Hofraum ein, an den sich, rückwärts gelegen, der eigentliche geräumige Hof anschließt. Von diesem führt eine Pforte nach dem so genannten Spiel- und Tummelplatz, der erst vor vier Jahren um fast 7.000 Mk. erworben wurde, eventuell auch zu einer Vergrößerung der Anstaltsgebäude. Einige bequeme Stufen führen in den Parterre-Raum des Hauses, der vom Kassier der Anstalt, Herrn Samuel Eldod bewahrt wird (Anmerkung: der Gründer hatte 1865 das ganze Gebäude für die Schule erworben im Verein mit seinen Verwandten, der Familie Eldod). Mit freundlichem Schalom aleichem empfing mich der Genannte, ein Vetter von Rabbi Elosor, und seit dessen Tod (1876) Kassier des Stiftungsvermögens. Der über 80-jährige ist nicht nur durch sein Ehrenamt als Kassier mit der Schule eng verwachsen, er lebt auch in der Erinnerung aller ehemaligen Schüler der Anstalt als der sorgfältige Hüter aller frommen Traditionen aus Rabbi Eliesers Zeit. Diejenigen, welche R. Elosor Ottensosser selbst nicht kannten, haben doch eine Vorstellung von dessen peinlicher Beobachtung der Mizwoth, von dessen Feier der Schabbate und Feiertage, von dessen tiefer Andacht beim Gebet, von dessen opferfreudiger Hingabe an die Anstalt und ihre Zöglinge durch Herrn Samuel Eldod! Es freute mich ungemein, den Kassier und seine ihm ebenbürtige Gattin so rüstig zu treffen wie vor mehr als 25 Jahren, und ebenso der Erfüllung der Gebote nacheifernd wie von jeher. Auch die gegenwärtige Schülerschar zählt ihn gewissermaßen zu den Lehrern der Talmud-Thora durch das vorbildliche, ganz der Tora und dem Gottesdienst gewidmete Leben. Mit Rat und Tat, in väterlicher Liebe und Hingebung stets Lehrern und Schülern zur Seite stehend, genießt er bei beiden die gleiche Verehrung und Achtung. Ich hatte den ehrwürdigen Herrn beim Mischnaot- und Midrasch-Lernen gestört und wurde mit Beweisen echt jüdischer Gastfreundschaft überhäuft, denen ich mich indes — da die Zeit meines Aufenthaltes kurz bemessen war - entreißen musste mit den besten Wünschen für sein und seiner Gattin ferneren Lebensabend.
Im ersten Stock des Hauses befinden sich die Lehrräume. Im Flur, von dem aus man in jeden der drei Kurse gelangen kann, sehen wir den Gesamtstundenplan hängen. Ein Blick darauf lehrt, dass hier nicht nur die Bücher Moses mit Raschi, Propheten, jüdische Geschichte, Tefilla-Übersetzen, Grammatik, Mischna und Gemara gelernt wird, sondern auch alle profanen Disziplinen einschließlich Musik (Gesang, Violine, Klavier, Harmonielehre). Stenographie ist wahlfreies Fach genannt. Der Stundenplan zeigt uns fünf Lehrkräfte an, davon vier jüdische: Vor allem den rührigen Hauptlehrer Herrn Eschwege, den ersten Präparandenlehrer Herrn L. G. Ehrenreich und Herrn Emanuel Eldod, Sohn des Anstaltskassiers. Von den christlichen Lehrkräften ist einer als 2. Präparandenlehrer angestellt, ferner fungiert seit Herbst 1904 noch ein jüngerer jüdischer Lehrer. Zu meiner großen Freude hatte ich Gelegenheit, dem jüdischen Unterricht anwohnen zu können. Ich war erstaunt über die prompten Antworten, welche auch auf schwierigere Fragen aus der ... erfolgten. Da konnte man mit großer Sachkenntnis sprechen hören über die verschiedenen ..., kurz über alles, was man nur durch regelrechtes 'Lernen' erreichen kann. Wo sind heutzutage noch solche Begriffe heimisch im Volke? Sicher gehört hierzu Quellenstudium, reguläres 'Lernen', bei dem selbst - nach dem Ausspruche der Gemara der traditionelle 'Nigun' nicht Nebensache ist. Welche Müde kostet es aber, die jungen Leute, meist ohne besondere Vorkenntnisse den Volksschulen entnommen, soweit zu fördern, eine Mischna mit Bartinora oder gar ein Stückchen Gemara mir Raschi und leichteren Tosefoth zu erfassen! Welche Mühe mach: hier schon das Lesen, das Abteilen von Frage und Antwort, abgesehen vom logischen Verständnis! Da hilft keine Grammatik und sonstiges Universalmittel, da hilft kein Mundspitzen - es muss gepfiffen werden. Wie die Verhältnisse nun einmal liegen, können wir für das 'Lernen' nicht warten, bis uns die Grammatik als Mittel zum Zweck zu Hilfe kommt. Wir müssten dann gar zu sehr warten; es muss frisch angepackt werden! Dabei gewinnt ja auch sofort der Grammatikunterricht wieder, von welcher Tatsache ich mich bei meinem Chanukkabesuche in Höchberg zu meiner größten Freude überzeugen konnte. Freilich muss der Erfolg auf das Konto der strengen Achtsamkeit des Lehrers auf durchaus korrektes Lesen gesetzt werden. Daran, wie überhaupt an Ausdauer und Geduld, lassen es die Lehrer der Talmud-Tora-Schule nicht fehlen. Beim Mischna- und Gemara-Unterricht hörte ich auch Diwre Agarta, welche den Unterricht und die ganze Klasse belebten, selbst die jüngsten Zöglinge überraschten durch ihre Antworten. Einem solchen Unterricht anzuwohnen ist ein Genuss, eine solche Schule gleicht der Oase in weit ausgedehntem Wüstenland. Bald dachte ich an den seligen Stifter der Schule. ..., bald an den Vorzug an einer solchen Schule wirken zu dürfen im Dienste unserer Tora, bald an das Glück, in jungen Jahren den schönen und köstlichen Lehren, die hier in anziehender Form vorgetragen wurden, lauschen zu dürfen. Das Bewusstsein, eine eigenartig hübsche Chanukafeier zu genießen, erfüllte mich in dieser Stunde. Sind doch die Hasmonäer nur zur Ehrenrettung der Tora ins Feld gezogen, ist doch nur um der Wahrheit Preis ihr und aller andern Helden Blut geflossen. Der Geist solcher Streiter aber kann nur in einer solchen Schule erzeugt, nur im 'Lernen' gefunden werden, und Rabbi Jochanan ben Sakkai hatte Recht, wenn er in seinem Scharf- und Fernblick für das Judentum und dessen Aufgabe von dem römischen Machthaber nur die Verschonung der Lehrhäuser zu Jabne auserbat. Dort wurden stärkere Waffen geschmiedet als die römischen es waren. Die Grundidee des Chanukka-Festes tritt einem gewiss viel erhabener und lebendiger vor die Seele in einer Talmud-Tora-Schule als bei so mancher modernen 'Makkabäerfeier', die nicht jüdischen Charakter trägt. Daher kommt es auch, dass das Fest der Torarettung gerade von den Bachurim (Schülern) einer Jeschiwa recht begangen werden kann, sie bringen ihm das innigste Verständnis entgegen, wie ich mich auch in Höchberg überzeugen konnte. Der Grundsatz der Schule: jafä talmud Tora im derech erez war ja auch die Kampfparole zwischendrin Judaismus und Hellenismus der Syrerzeit. Ich bemerkte zu meiner Freude, dass neben positiven Religionskenntnissen den Schülern auch Hinweise auf die Erscheinungen der Zeit, die von verderblichem und gefährlichem Einfluss sind, übermittelt wurden. Das ist ein Gebot der Notwendigkeit ... ! Es ist klug, die jungen Leute im voraus immun zu machen gegen das schleichende Gift einer seichten Aufklärung des Unglaubens, es ist ratsam, frühzeitig genug neben der Kelle zum Aufbau auch die Waffe zur Abwehr zu reichen.          
Indes war es drei Uhr geworden, das Lernen endete mit Kadisch... dessen Verrichtung als frommes Ehrenamt sich der Kassier der Anstalt, altem Brauche getreu, nicht nehmen lässt. Um vier Uhr wurde in den verschiedenen Kursen Mincha gebetet, wobei Zöglinge das Vorbeteramt versahen. Man konnte nicht nur aufmerksame Stille und würdevolle Andacht beobachten, sondern auch den verständnisvollen Vortrag der Gebete. Man sieht und hört, dass seitens der Anstaltslehrer auch in dieser Beziehung 'gearbeitet' wird mit Rücksicht auf das zukünftige Amt der Zöglinge als Kantoren/Vorbeter. Es sind besondere Stunden der Behandlung der Gebete gewidmet, wobei das korrekte Lesen eine Hauptrolle spielt, ganz abgesehen von den Dinei Tefila, die ja ohnehin im Chai Adam durchgenommen werden. Da eine volle Stunde vor Nacht den Zöglingen frei gegeben ist, um die Vorbereitungen das Anzünden der Chanukkalichter treffen zu können, so war genügend Zeit, unterdessen auch die Räumlichkeiten der Anstalt genauer zu be- sehen. Wir schreiten durch die einzelnen Lehrsäle und brachten die zahlreichen Lehrmittel für alle Sparten des Unterrichts. Infolge edler Vermächtnisse ist die Schule im Besitz einer Bücher-Sammlung von ansehnlichem Umfange. Es sind alle nur irgend nennenswerten Werke aus den verschiedenen Gebieten ... vorhandenm oft in mehrfachen Ausgaben. Bemerkenswert ist wohl ein Rambam, der zu Lebzeiten des Rabbi Josef Karo in Venedig gedruckt und zum Teil mit Handschriftlichen Notizen des Rabbi Jomtof Lippmann Heller, des Verfassers von  versehen in. Das dürfte für die Quellenforschung bezüglich des bewegten Lebensganges unseres ... immerhin von Bedeutung sei». Sämtliche Bücher-Schränke sind in bester Ordnung. Gerne hätten wir noch ein wenig uns das Vergnügen gegönnt, die reiche Auswahl von seltenen Exemplaren zu mustern, doch die Uhr mahnte zur möglichst ökonomischen Ausnützung der noch verfügbaren Zeit. Es galt, nun die Schlafräume der Zöglinge in Augenschein zu nehmen. Sie sind im obersten Stock gelegen. Licht und Luft, Reinlichkeit und Ausstattung entsprechen vollauf den Anforderungen der Hygiene, die ja im modernen Schulorganismus eine so große Rolle spielt. Mens sana in corpore sano das ist auch echt jüdische Lebensnorm, wenn wir an alle die hier einschlägigen Anweisungen der Weisen denken, die auch schon etwas von guter Nahrung, vorteilhafter Kleidung. Wohnung und Schlafzimmereinrichtung verstanden, die darin so weltkundig waren, wie vielleicht mancher 'Weltmann', . der nur als weltscheu sich die alten Weisen vorstellen kann. Es logieren indes nicht alle Zöglinge im Anstaltsgebäude, sie sind zum Teil auch bei den Lehrern der Schule in Wohnung. Es besteht auch eine eigene Krankenkasse für die Schüler und auch die Einrichtungen für ein Krankenzimmer sind längst vorhanden. Wie die Rechenschaftsberichte ersehen lassen und wie das gesunde Aussehen der Schüler bezeugt, wird indes von den Vorkehrungen selten Gebrauch gemacht. 
Bereits funkeln die ersten Stern am Himmel und meinen Augen bot sich ein selten schönes Schauspiel: die Zöglinge zündeten die Chanuka-Lichter an. Einer nach dem andern trug mit entsprechender Melodie die Bracha vor, während die Anwesenden laut ... und Amen nachsagten. Bald strahlten zahlreiche Lichtlein von der Anstalt hernieder auf die Straße, Israels nie er- löschende Geisteskraft der Welt verkündend, das Licht ist die Tora - 'Licht' bedeutet die Gotteslehre! Zuletzt wohnten viele Zöglinge wunschgemäß dem 'Entzünden' unten in der Wohnung des Herrn Kassier Eldold an, und sogleich ging es in corpore zum Maariw-Gebet nach der Synagoge. Wieder sehen wir in altgewohnter Weise Herrn Eldod als Ersten die Synagogenpforten öffnen und die Kerzen aus Wachs, die ihrer respektablen Größe nach wohl einen halben Tag brennen könnten, an der Menora aufstecken. Mit außerordentlich lauter, in tiefer ... erbebender Stimme trägt er die Brachot vor, denen ein allseitiges Amen folgt. Es wird Maariw gebetet und Maos Zur gesungen, indes nicht in der traditionellen Melodie, was Fremden auffallend erscheint, jedoch seit erdenklichen Zeiten so gehalten wird. Es werden auch die sieben weiteren Strophen angefügt, welche im Kizzur Schulchan Aruch und anderorts verzeichnet sind.
Nach Schluss des Gottesdienstes und nach Einnahme der Abendmahlzeit gönnt man der wackeren Schar der Schüler gerne auch die Chanuka-Freuden, welche in unschuldigem Gesellschaftsspiele sich bieten: das Leben nach streng jüdischen Normen soll den jungen Leuten schön und angenehm erscheinen. Gerade die Jugendeindrücke verwischen sich nicht so leicht, gerade heutzutage ist es nötig, die Jugend in freundschaftlich ungezwungener Art sich zu gewinnen, auf dass sie vertrauensvoll sich uns anschmiege. Und als wir von Höchberg schieden, hatten wir das Gefühl, in seltener Weise ein paar Stunden Chanuka gefeiert zu haben in einer aufblühenden Jeschiwa im Herzen unseres deutschen Vaterlandes. Unsere frohen Empfindungen vereinigen sich aber in dem einen Gedanken, in der Erinnerung an den großen Gründer der Schule N. Elosor Ottensoser - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen. -  Das Bethamidrasch bleibt sein ewiges Ruhmesdenkmal, welches im Laufe der Zeit in seinen Segenswirkungen nur stets wachsen wird. ׳ Wir glauben unsere Betrachtungen nicht besser schließen zu können, als dass wir in großen Zügen den Lebenslauf des Gerechten seligen Andenkens hierhersetzen. (Anmerkung: wir folgen hier dem von Herrn Hauptlehrer Eschwege - Höchberg dargestellten ´Leben und Wirken des Rabbiners Lazarus Ottensoser seligen Angedenkens' - zu beziehen durch den Stiftungskassier Samuel Eldod Höchberg).
R. Elosor Ottensoser war aus Weimarschmieden bei Mellrichstadt gebürtig und erblickte am Erew Sukkos 5559 (1798) das Licht der Welt. Sein Vater R. Naftali Ottensoser war daselbst Kultusbeamter, siedelte aber bald nach Kleineibstadt über. Dem Sohne gab der gelehrte, fromme Mann die bestmöglichste Erziehung, obwohl unter drückenden Lebenssorgen stehend. Elosor trieb einen kleinen Hausierhandel. Eines Tages aber warf der ideal angelegte Knabe Stock und Bündel weg und rief, sich verzweifelnd im Grase wälzend, Gott an um einen besseren Lebensunterhalt. Damals suchte die Gemeinde Markt Scheinfeld 'einen Lehrer (Melamed).' Auf den Wunsch seines Vaters nahm R. Elosor die Stelle an. In seinem neuen Wirkungskreise lehrte O. nicht nur, er bildete sich auch eifrig weiter, wozu ihm ein dortiger Talmudist — Rabbi Kusel — Gelegenheit bot. Als einst Elosor O. in Markt Scheinfeld schwer erkrankte, pflegte ihn die Tochter Rabbi Kusels in aufopfernder Weise: später unterstützte sie Ottensoser auch, als dieser nach gründlicher Vorbereitung die Jeschiwa des R. Wolf Hamburger - das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen - zu Fürth besuchte. Das Mädchen wurde später seine Gattin.
Bayern stand damals unter dem Einfluss der gewaltigen Umwälzungen in Deutschlands Staatenleben. Auch die jüdischen Verhältnisse Bayerns wurden von der neuen Zeit berührt. Man widmete sich den profanen Wissenschaften und lenkte dabei oft in unjüdische Bahnen. Die Neologie erstarkte. Unter dem durch Herzensgüte und Frömmigkeit gleich ausgezeichneten Wolf Hamburger in Fürth schlossen sich die Thora-beflissenen enger zusammen, obwohl die altehrwürdige Gemeinde schon vom Zersetzungsprozesse ergriffen war. Elosor zählte zu den besten Bachurim der Jeschiwa und als es galt, die Stelle eines More-Zedek in Aub zu besetzen, schlug R. Wolf Hamburger sogleich Ottensoser vor. Dort verheiratete sich auch R. Elosor. Nach acht- jährigen, Wirken erfolgte (1828) die einstimmige Wahl zum LrtSrabbiner von Höchberg bei einem festen Gehalt von 883 Gulden und Nebenverdienste». Vor- länger- und Schächteramt versah C. mit bis 1835, um sich nach dessen Niederlegung desto ungestörter dem Lernen widmen zu können. Hatten ihn doch schon von Aub her Bachurim nach Höchberg begleitet. 1834 bestand Rabb. Ottensoser erfolgreich eine von der Behörde verlangte Prüfung. Bald darauf zog er von Ort zu Ort. um mit Feuereifer für die unglücklichen Palästinenser zu sammeln, allen selbst mit gutem Beispiele vorangehend. (Als sich einmal seine Einkünfte verminderten, gab er anstatt des Zehnten, ein Fünftel davon ab). Doch blieb das 'Lernen' stets die Hauptsache. Von seinem eisernen Fleiße kann man sich eine Vorstellung machen, wenn man bedenkt, dass er in fünf Jahren den ganzen Talmud mit sämtlichen Kommentaren durchlernte: er stand morgens um 2 Uhr auf und begann zu lernen. Mit Tefillin und Tallis saß er vor seinen Folianten, dem Irdischen entrückt, mit Tefillin und Tallis ging er auch über die Straße zur Synagoge, von den Christen mit ehrfurchtsvoller Scheu begrüßt. Die ganze Nacht des Versöhnungstages verbrachte er mit Thorastudium und Beten, obwohl er alle Tefillot an dem heiligen Tage verrichtete. Seine Wohnung war ein Heiligtum, durch prunklose Einfachheit ausgezeichnet, nur für die Mizwaus (Erfüllung der religiösen Gebote) keine Sparsamkeit kennend. R. Elosor blieb kinderlos, doch seine Schüler waren seine Kinder. Es ist geradezu unmöglich, seine Liebe, Hingebung und Aufopferung für sie mit Worten auszudrücken: sie war grenzenlos! Wie viele von ihnen befinden sich heute in Amt und Würden, die an R. Elosor einen Vater hatten! Dass die armen Zöglinge ein großes Kontingent bildeten, war selbstredend. — Das Wohnzimmer war zugleich 'Lernzimmer', um den Tisch gruppierten sich Rabbi und Bachurim. Profanen Unterricht nahmen die Schüler in Würzburg, Zell oder Heidingsfeld. Wollte man doch in jener Zeit lernen... , ohne gerade sich dem Lehrsache zu widmen. Seit 1850 nahm die Talmud-Tora-Schule einen größeren Aufschwung. Es wurde Rabbiner J.M. Schüler aus Autenhausen (gestorben 1880 in Frankfurt a. M.) berufen, und später Rabbiner Jakob Ehrenreich aus Autenhausen, welche beide in 
R. Elosors Sinne wirkten. 1863 erschienen die ersten Anstaltsstatuten, die Schule war nunmehr eine Vorbereitungsanstalt für jüdische Schullehrlinge geworden. Die Königliche Regierung Unterfranken empfahl zugleich im Kreisamtsblatte die Anstalt Ottensosers. Den Elementarunterricht erteilte ein christlicher Lehrer in Höchberg. — seit 1863 durfte auch der an der Anstalt wirkende Rabbinats-Kandidat Jakob Ehrenreich Elementarunterricht erteilen, während 1867 die Anstellung eines zweiten ständigen Lehrers nötig wurde. R.E. berief den Rabbinatskandidaten David Hofmann aus Verbo (Anmerkung: Es ist dies der schon oben als Schwiegersohn von R. Jona Rosenbaum - Zell erwähnte derzeitige Rektor des Rabbinerseminars zu Berlin, Herr Dr. D. Hofmann), ihm folgte 1870 Rabbinats-Kandidat Bernhard Krakauer aus Nickolsburg und verschiedene andere, endlich 1875 der jetzige Leiter der Schule Herr Hauptlehrer Eschwege. Es ist wohl selbstverständlich, dass R. Elosor nur die besten und berufensten Lehrkräfte aussuchte und nach wie vor die Seele des ganzen Organismus blieb. Die Schule bedurfte reichlicherer Spenden, und R.E. wandte sich in Zikularen 'an die edlen Herzen Israels', agitierte mit gutem Erfolge für Jahrzeitsstiftungen und ging selbst mit dem besten Beispiele voran, indem er sich, seine Frau, Eltern und Verwandte, mit fast 1500 Gulden 'einkaufte'. Den großen Mühen der Einkassierung, Buchung und einer ausgebreiteten Korrespondenz unterzog sich R. E. freudig und ohne jegliches Entgelt. Wie ein Vater sorgte er für die idealen und materiellen Bedürfnisse seiner Bachurim.
R. Elosor war bereits 74 Jahre alt, als er daran ging, sein Haus zu bestellen, die Zukunft seiner Schule so viel als möglich zu sichern. Die Statuten wurden revidiert und die Prinzipien festgelegt, nach welchen alle Vorstände der Zukunft zu verfahren haben. Die Anstalt sollte stets für Tora, Gottesdienst und Wohltätigkeit zugleich wirken und auf solider Grundlage weiter bauen mit Gottes Hilfe. Zum Nachfolger wurde der bisherige erste Anstaltslehrer Rabbinats-Kandidat J. Ehrenreich bestimmt, zum Kassier Herr S. Eldod - Höchberg. Auch wurden mehrere Stiftungsrevisoren ernannt. Dass die Wahl eine gute war, bezeugt der heutige Stand der Schule, bezeugt der Geist wahrer Gottesfurcht und Wahrheit, von dem die Anstalt heute noch getragen und durch- weht ist. Inzwischen ist manche Forderung der Zeit an sie herangetreten, es musste auf moderne Ansprüche Rücksicht genommen werden. Doch würde R. Elosors Geist heute in der Schule erscheinen mit der Frage ..., er könnte höchstens veränderte Formen finden, der alte, echtjüdische Sinn und Lebensgeist ist derselbe geblieben durch 6 Jahre, dank der würdigen Nachfolger, die leider frühzeitig ihrem Wirken entrissen wurden, dank der jetzigen Leitung, die im Ausblicke zu jenem großen Manne ihre Aufgabe begreift. Das Ende des Jahres 5636 (1876) war herangekommen, die Selichostage angebrochen, da hauchte R. Elosor am 23. Elul seine reine Seele aus! — Seine Schüler betrauerten ihn wie Kinder. Und wer nach Höchberg kommt, der vermag sich auch heute noch an der Lebensarbeit des hervorragenden Mannes richtig zu erfreuen und zu erwärmen."    

     
Allgemeiner Bericht über Gemeinde und Präparandenschule (1906)  

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. September 1906: "Höchberg (Bayern). Der Bericht über das 66. Jahr der Israelitischen Präparandenschule (Leiter: Herr Hauptlehrer N. Eschwege) enthält einen geschichtlichen Rückblick über die israelitische Gemeinde Höchberg und über die Schule.
Die israelitische Gemeinde Höchberg, die heute nur noch aus 5 Familien besteht, von denen 4 durch die Anstalt hier wohnen, zählte früher zu den größten der Umgegend; sie war so angesehen, dass man sie 'Klein-Frankfurt' nannte. In der Mitte des 18. Jahrhunderts besaß die Gemeinde 18 Thorarollen. Die noch benutzte Synagoge ist vermutlich 1661 erbaut worden; sie zeigt innen eine gediegene, vornehme Ausstattung, die teils in Renaissance-, teils in Barockstil gehalten ist.
Als anfangs der '40er Jahre des vorigen Jahrhunderts sich die Gemeinde so verringerte, dass sich häufig an Wochentagen nicht mehr ein Minjan für den Gottesdienst zusammenbringen ließ, da sammelte der damalige Rabbiner Lazarus Ottensoser s. A. lernbeflissene Jünglinge um sich und legte so den Grundstein zur Präparandenschule. Schon 1856 sah er sich veranlasst, eine weitere Lehrkraft anzustellen, die er in Rabbi J.M. Schüler - Autenhausen s. A. fand, an dessen Stelle nach einem Jahre Rabbinatskandidat Jacob Ehrenreich - Autenhausen trat. 1861 erfolgte die Genehmigung der Regierung als Präparandenschule (die staatlichen analogen Anstalten sind erst 1866 errichtet worden). Es sind in den 66 Jahren ihres Bestehens von der Präparandenschule über 700 Jünglinge herangebildet worden."    

   
Spendenaufruf für eine Renovierung der Schule (1907)

Hoechberg Israelit 27061907.jpg (81448 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Juni 1907: "Höchberg, 16. Juni (1907). Vorstand und Kuratorium der Israelitischen Präparanden-(Talmud-Tora-)Schule Höchberg veröffentlichen folgenden Aufruf: 'Die Räume unserer israelitischen Präparandenschule entsprechen nicht mehr den heutigen Anforderungen. Eine höchste Entschließung vom 13. Januar dieses Jahres stellt Anforderungen, denen unsere Schule nur durch einen Neubau entsprechen kann. Dazu sind Tausende von Mark notwendig. Die laufenden Beiträge können und dürfen aber hierfür nicht verwendet werden, wenn die Schule nicht in ihren Hauptaufgaben – Unterricht und Schülerunterstützung – verkümmern soll. Für den Baufond sind uns bereits von einem Gönner der Anstalt zweitausend Mark zur Verfügung gestellt. Da der Bau nach der höchsten Verordnung vorgeschrieben und deshalb unumgänglich notwendig ist, darum versagt die Mittel nicht, Ihr edlen Brüder und Schwester; Ihr entsprechet dadurch auch gleichzeitig den Intentionen des großen Gründers unserer Schule, des seligen Rabbi Elosor Ottensoser'."  

 
Zum Tod des Leiters der Präparandenschule Nathan Eschwege (1908) 
Anmerkung: Nathan Eschwege war Sohn des Lehrers Hirsch Eschwege in Karbach.  

Hoechberg FrfIsrFambl 01051908.jpg (193591 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 1. Mai 1908: "Höchberg bei Würzburg. Am letzten Tag Pessach verstarb dahier der verdienstvolle Hauptlehrer und Leiter der israelitischen Präparandenschule Herr Nathan Eschwege. Eschwege hatte 33 Jahre an der Schule gewirkt und seine Schüler, nun selbst im Lehrberufe stehend, zählen nach Hunderten. Eiserne Pflichttreue und peinliche Gewissenhaftigkeit, strengjüdische Frömmigkeit und hohes Wissen zeichneten den Heimgegangenen aus. Arbeit war seine Lebensfreude, sein Lebensgenuss. Seinen Zöglingen war er nicht nur ein tüchtiger Lehrer, er sorgte auch für deren materielles Fortkommen wie ein treu liebender Vater. Die Anstalt, eine Schöpfung des unvergesslichen Rabbi Elosor Ottensoser seligen Andenkens, fand unter seiner Leitung gar manche Förderung inbetreffs der inneren Ausgestaltung und materiellen Fundierung. Unermüdlich arbeitete er für das Wohl und Gedeihen der Schule, deren Vertretung der Regierung gegenüber in seinen Händen lag. Neben der anstrengenden Berufsarbeit fand er noch für philanthropische Werke Muße und Lust; so dankte ihm das jüdische Spital in Würzburg zum Teil seine Gründung. 1880 schuf er den israelitischen Lehrerverein in Bayern, der in ihm eines seiner edelsten Mitglieder verliert. Sein hebräisches Religionswerkchen 'Dass Jehudis' ist zur Verbreitung jüdischen Wissens beziehungsweise 'Lernens' auch in der einfachsten Religionsschule überaus empfehlenswert. Regierungsseitig belobt und empfohlen wurde ein vor 15 Jahren von ihm erfundener Rechenapparat zur Veranschaulichung der Bruchrechnung. Bei der Beerdigung am Freitag hielten Nachrufe der älteste Sohn des Verblichenen Dr. S. B. Eschwege, der Schwiegersohn Seminarlehrer Gut – Köln, Seminarlehrer Weißbarth – Würzburg, Präparandenlehrer Ehrenreich – Höchberg, Distriktsrabbiner Bamberger – Würzburg, der Vorstand des israelitischen Lehrervereins in Bayern Goldstein – Heidingsfeld, Lehrer Eschwege – Thüngen, der Bruder des Verstorbenen, und Herr Josef Fromm – Frankfurt am Main. Alle beklagen den herben Verlust, den nicht nur der Lehrerstand und die Schule, sondern die Gesamtjudenheit erlitten. Der Geist des zu früh seinem gesegneten Wirken Entrissenen lebt und wirkt in der Präparandenschule Höchberg ungeschwächt fort, wirkt fort in seinen zahlreichen Schülern."
    
Hoechberg Israelit 30041908.jpg (34887 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. April 1908: 
  
Hoechberg Israelit 30041908b.jpg (56893 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. April 1908:  
  
Karbach Israelit 14051908.jpg (606685 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Mai 1908: "Nathan Eschwege - das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen. Präparanden-Hauptlehrer in Höchberg.
Mit Wehmut und Schmerz wird allenthalben die Kunde vernommen werden, dass einer der Besten und Edelsten in Israel seine irdische Laufbahn beendet; mit Wehmut und Schmerz vernahmen es Hunderte von Schülern, dass ihr geliebter großer Meister dahingegangen in die lichten himmlischen Sphären. Am letzten Tag des Pessachfestes hauchte Nathan Eschwege in Höchberg bei Würzburg im 56. Lebensjahre seine reine Seele aus und mit zitternder Hand schickt ein dankerfüllter Schüler sich an, das Bild seines ehemaligen Lehrers zu zeichnen. Wahrlich eine schwere Aufgabe! Wie man einen Edelstein in immer schöneren Farben erglänzen sieht, nach welcher Seite hin man ihn drehen und wenden mag, so steht das Bild des herrlichen Jugendlehrers vor unserm Geiste, und es ist nicht leicht, im Rahmen eines Nachrufs, dem die Raumökonomie Beschränkung auferlegt, der gestellten Aufgabe gerecht zu werden. Und so wollen wir denn die Hauptzüge aus dem reichen Leben des Entschlafenen - er ruhe in Frieden -hier zusammenstellen, ihm zum dauernden ehrenden Gedenken, uns allen zum Ansporn und zur Nacheiferung.
R. Nathan Eschwege wurde zu Karbach in Unterfranken geboren als Sohn eines Lehrers und Kultusbeamten. Die frommen Grundsätze des Elternhauses, eines Heimes für Tora und altjüdische Gottesfurcht blieben sein Lebensprinzip, ihre Verbreitung seine Lebensaufgabe. Nach entsprechender Vorbereitung absolvierte er das jüdische Lehrerseminar tu Würzburg mit der 1a-Note und wirkte hierauf an verschiedenen kleineren Orten Unterfrankens, bis er 1875 von dem frommen Rabbi Elosor Ottensosser - das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen - dem Gründer der Präparandenschule, an das dortige Beit haMidrasch — so nannte R. Elosor seine Anstalt — berufen ward. Eine bessere hätte der unvergessliche Rabbi nicht treffen können! Volle 33 Jahre lehrte und wirkte Nathan Eschwege im Sinne und Geiste R. Elosor Ottensossers an der Präparandenschule zu Höchberg, er verkörperte in sich gleichsam die lebendige Tradition aus der Ottensosserschen Zeit. Seitdem blieb Eschweges Name ununterbrochen und segensvoll verknüpft mit der ganzen Entwicklung, Ausgestaltung und Leitung der Schule, die ihm sein Teuerstes blieb, und buchstäblich bis zum letzten Atemzuge seinen Geist, beschäftigte. Und wie hatte er an der Anstalt gewirkt! Sein ganzes Wissen und Können, sein Fühlen und Denken, seine ganze Zeit und Kraft stellte er in ihren Dienst, in den Dienst der Jugenderziehung zu Tora und Gottesfurcht, zu Tora und derech erez in den Dienst des Gesamtjudentums, ja der Gesamtmenschheit. Galt's doch Lehrer heranzubilden, die dereinst den eingepflanzten Geist weiter tragen sollen in Schulen und Gemeinden! Dazu gehört eine starke, in sich vollendete Persönlichkeit. Eine solche war der zu früh uns Entrissene. Unentwegt und mit eiserner Konsequenz den Forderungen des gesetzestreuen Lebens huldigend, in Sprache, Umgangsformen und äußerer Führung den modernen Menschen zeigend, hat er das Beispiel der glücklichen Verbindung von Tora mit derech erez vorgelebt und vorgelehrt im Geiste des Altmeisters S. R. Hirsch, den er gerne bei allen Gelegenheiten zitierte. Dieser Geist durchwehte den gesamten Unterricht. Da wurde keine Stunde trocken und monoton, alles ward in Beziehung gesetzt zum realen, täglichen Leben. Ob man bei einer Botanikstunde dem Lehrer hinausfolgte in die Wunder der Natur oder sich in die Sprache und den Gedankenreichtum deutscher Klassiker vertiefte, alles wurde Staffel und Mittel zur Festigung jüdischer Lebensanschauung/jüdischer Lebensausfassung. Wenn der Meister die jungen Zöglinge einführte in die spröde Materie von Mischa und Gemara, wirkte die interessante Lehrart nicht nur anregend, sie machte mitunter aus der Unterrichtsstunde eine Erbauungsstunde. Dankbar erinnert sich noch so mancher der homiletischen Haftorovorträge des Entschlafenen, die den Schabbat-Nachmittag würzten als Dreingabe zum pflichtmäßigen Unterricht. Denn Nathan Eschwege kannte die beengenden Grenzen des Lehrplans nicht, denn Toralernen zählte ihm zu dm Dingen ... Hunderte, ja Tausende Unterrichtsstunden waren freiwillige, der guten Sache und dem Heile seiner Zöglinge gewidmet. Eine solche Hingebung und Liede zu den Schülern können menschliche Aufsichtsorgane freilich nicht ziffernmäßig kontrollieren und lohnen. Nur das Bewusstsein idealer Pflichtauffassung und Pflichtübung kann hier entlohnen und beglücken.
Doch auch für das leibliche Wohl der Zöglinge sorgte N. Eschwege. Es galt, die Schwach- und Unbemittelten zu unterstützen. Bis tief in die Nacht hinein widmete er sich oft der Aufgabe, monatliche Zuwendungen zu erwirken für die ärmeren Schüler, manchem bot er im eigenen Heim einen Freikosttag. Eine Krankenkasse dankt dem Betrauerten ihr Dasein und wirkte bereits mehr als zwei Dezennien äußerst segensreich. Der Rav genannt Vater, Israels Lehrer heißen ja 'Väter", (hebräisch und deutsch:) 'ihre Schüler nennen sie 'Kinder'. Dies alte Wort kenn­zeichnet so recht das Verhältnis zwischen Nathan Eschwege - seligen Angedenkens - und seinen Schülern. Um zu unterscheiden zwischen Leben und Toten.
Im Jahre 1886, nach dem Tode des trefflichen, unvergesslichen Rabbi Jakob Ehrenreich - seligen Angedenkens, dem würdigen Nachfolger Ottensossers, wurde Eschwege Hauptlehrer der Anstalt, deren Ausgestaltung er nun mit doppeltem Eifer seine Kräfte widmete (Anmerkung: Vor 13 Jahren erschien von Nathan Eschwege 'Leben und Wirken des Rabbiners Lazarus Ottensoser' zu beziehen durch den Kassier Samuel Eldod - Höchberg. Das anziehende Schriftchen ist wärmstens empfohlen). Davon zeugen die jährlichen Rechenschaftsberichte, die baulichen Änderungen und Vervollkommnungen der inneren Einrichtung der Schule. Ein Pensionsfonds ward errichtet für die Anstaltslehrer, zu Purim bzw. Chanukka gingen Aufforderungen an Lehrer und Gemeinden hinaus, gütige Spenden der Schule zuzuwenden. Als im Jahre 1897 bzw. 1907 verschiedene Regierungsentschließungen das Wohl der Anstatt stark tangierten, erwirkte sich der tatkräftige Hauptlehrer zweimal Audienz beim bayrischen Kultusminister und war so glücklich, seine Bestrebungen von Erfolg gekrönt zu sehen.
Das alles nimmt Zeit und Kraft in Anspruch und muss neben dem Unterricht hergehen. Wer aber glaubt, damit habe Nathan Eschwege seine Tätigkeit erschöpft, der irrt. Der Unermüdliche fand auch noch Zeit, ein recht brauchbares Religionsbuch in laschon hakodesch (= hebräisch) herauszugeben, dat jehudit genannt. Es sollte, da Chai Adam oft weniger ratsam, womöglich überall zum 'Lernen' besseren Schülern in die Hand gegeben werden. Wir kennen bis heute kein besseres Werkchen derart. — 1880 warb Nathan Eschwege zusammen mit Ludwig Stern - seligen Angedenkens - in Würzburg der Begründer des bayerisch-israelitischen Lehrervereins und somit ein wahrer Vater der Waisen und Richter der Witwen. — 1893 wurde ein von Hauptlehrer Eschwege erfundener Rechenapparat öffentlich belobt und empfohlen, auch auf der allgemeinen bayerischen Lehrerversammlung zu Würzburg ausgestellt. — Anfangs der 80er Jahre gab Nathan Eschwege mit anderen zusammen die erste Anregung zur Gründung eines jüdischen Hospitals in Würzburg, das dann blühend sich entwickelte. Als 1900 die Schüler des Entschlafenen sich zum 25jährigen Jubiläum ihres Meisters zusammenschlossen, konnten sie dies nur in aller Stille, auf Seiten- und Umwegen tun, um den anspruchslosen bescheidenen Sinn des Lehrers nicht zu verletzen. Und nun vereinen sie sich wieder, vereinen sich in der gemeinsamen Klasse um den trefflichen, teuren Lehrer, von besten Lippen sie in den goldenen Jugendtagen das Wort göttlicher Weisheit tranken. Am Freitag nach Pessach haben sie ihn auf dem Friedhof zu Höchberg zur Ruhe gebettet, wo er neben den ihm im Tode vorangegangenen trefflichen Anstaltsleitern dem Weckrufe des Allmächtigen engegenschlummert. Ein arbeitsfrohes, arbeitsreiches, segensreiches Leben fand seinen Abschluss! Um die trauernde Gattin, eine Tochter R. Seligmann Fromms, eine Enkelin des 'Würzburger Raw' mit der den Entschlummerten ein selten edles, inniges Eheleben verband um die betrübten Kinder und Verwandten scharen sich unendlich andere Leidtragende: Der Ort tröste euch. Euch gilt das altjüdische Trostwort! Nur in beschränktem Maße konnte man im Nissanmonate und wegen der Sabbatnähe dem talmudischen ... gerecht werden. Es sprachen namens der Familie der älteste Sohn des Verstorbenen, Herr Dr. S. B. Eschwege, ferner als Schwiegersohn Herr Seminarlehrer Elias Gut - Köln, Herr Distriktsrabbiner Bamberger - Würzburg, Herr Präparandenlehrer Ehrenreich - Höchberg für die Anstalt, Herr Goldstein - Heidingsfeld als Vorstand des israelitischen Lehrervereins Bayerns, Herr Seminarlehrer Weißbart - Würzburg, sie alle widmeten dem treuen unvergesslichen Freunde und Lehrer Worte innigen Gedenkens. Mit Wehmut nehmen auch wir Abschied von dem Bilde des seltene. Mannes. Sein Geist lebt und wirkt weiter in der von ihm so heißgeliebten Anstalt. Dafür bürgt das jetzige Lehr personal und die festgefügte Organisation der Schule) das sei unser Trost, das bleibt ein Lichtstrahl im düstern Leid. Im Sinne des Entschlafenen glauben wir zahlreichen Schülern keinen schöneren Vorschlag machen zu können, als den in einem Schiur mischnaot ihres treuen Führers und Lehrers liebend zu gedenken. (Namen: haChawer Natan b'M Lea) Mit dem Gelöbnis, im Aufblick zu dir allezeit zu schaffen und zu streben, schließen wir diese Betrachtung. ... Nathan Eschwege ist nicht tot, er lebt fort in allen Werken, die er segensvoll geschaffen, gehegt, ausgestaltet, er lebt fort in Hunderten dankbarer Schülerherzen, die ihn stolz ihren einstigen Lehrer nennen. Die Erinnerung an den Gerechten ist zum Segen."  
  

   
Erinnerung an Nathan Eschwege, den "Vater" des Israelitischen Lehrervereins für Bayern (Artikel von 1927)    
Anmerkung: der Abschnitt wird nur teilweise wiedergegeben, insofern es um Nathan Eschwege geht 

Hoechberg BayrGZ 13121927.jpg (462906 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 13. Dezember 1927: "Geschichte des Israelitischen Lehrervereins iür Bayern
Von M. Rosenfeld
Der Israelitische Lehrerverein für Bayern kann in diesen Tagen auf ein 48jähriges Bestehen zurückblicken. Seine Geschichte schreiben heißt zugleich die Geschichte der jüdischen Gemeinden oder mindestens eines wichtigen Ausschnittes aus derselben, ihre Entwicklung, ihre Rechtsstellung, ihre soziale und finanzielle Lage wie ihre kulturelle Einstellung zur Darstellung bringen. Im Rahmen dieser Arbeit muss es bei wenigen Hinweisen sein Genüge haben.
Als Vater des Vereins ist Nathan Eschwege s. A., Präparandenlehrer, später Präparandenhauptlehrer und Vorstand der Präparanden- und Talmud-Thora-Schule Höchberg anzusprechen. In einem von A. Blum, Würzburg, L. Ehrenreich, Kissingen, W. Neumann, Burgpreppach, J. Schlenker und N. Unna, Würzburg, mitunterzeichneten Zirkular vom 20. September 1879 wurden die jüdischen Lehrer Unterfrankens zu einer auf den 6. Oktober anberaumten Besprechung behufs Gründung eines jüdischen Lehrervereins, der sich vorerst nur auf diesen Kreis erstrecken sollte, eingeladen. Dem zu gründenden Verein wurde als Aufgabe gestellt: Die Vertretung jüdischer Lehrerinteressen nach außen, gegenseitige Verständigung über innere Angelegenheiten, materielle Hebung der jüdischen Lehrer durch Unterstützung notdürftiger Kollegen resp. deren Hinterbliebenen. Neununddreißig Lehrer hatten sich an dem festgesetzten Tage in der Metropole Unterfrankens eingefunden, alle von dem festen Vorsatze beseelt, durch einen Verein das zu erzielen, was dem einzelnen zu erreichen unmöglich war. Die helle Begeisterung, die alle Teilnehmer erfüllte, führte die Versammlung rasch zu dem erstrebten Ergebnis. Schon am 16. Dezember folgte die konstituierende Versammlung, die mit zweiundsiebzig ordentlichen und acht außerordentlichen Mitgliedern den Verein endgültig ins Leben rief. Schuldirektor Stern, Würzburg, ging als erster Vorsitzender aus der Wahl hervor. Entgegen dem zuerst gefassten Plan wurde beschlossen, dass der Verein sich auf die drei fränkischen Kreise erstrecken sollte, vier Jahre später wurde er auf ganz Bayern ausgedehnt und erhielt den Namen 'Israelitischer Lehrerverein für das Königreich Bayern'..."         

 
Ausschreibung einer Lehrerstelle (1909)

Hoechberg Israelit 05081909.jpg (44947 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. August 1909: "An der israelitischen Präparandenschule Höchberg ist eine Lehrerstelle erledigt. Meldungen binnen 14 Tagen erben. Würzburg, 20. Juli 1909. Das Kuratorium der Lazarus Ottensoser Stiftung für die Präparandenschule Höchberg. J. Ansbacher, Vorsitzender, Sterngasse 16."

      
Allgemeiner Bericht über die drei Lehrerbildungsanstalten im Kreis Unterfranken (1911) 
Es handelt sich um die zwei Präparandenschulen) in Burgpreppach und Höchberg sowie das Lehrerseminar in Würzburg. In der nachfolgenden Darstellung wird u.a. ein ausführlicher Vergleich der Lehrinhalte der Präparandenschulen vorgenommen. 

Burgpreppach Israelit 08061911.jpg (194258 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Juni 1911: "Die 3 Lehrerbildungsanstalten im Kreise Unterfranken. Die beiden Präparandenschulen zu Burgpreppach und Höchberg und das Seminar zu Würzburg, auf verhältnismäßig engem Raume zusammengedrängt, haben eine weit über den Rahmen des Kreises und Königreiches hinausreichende Bedeutung. Die beiden Präparandenschulen sind die einzigen selbständigen derartigen Anstalten im ganzen Reiche. Sie sind zwar in erster Linie auf die bayerischen Anforderungen für den Übertritt in das Würzburger Seminar zugeschnitten, liefern aber auch alljährlich Schülermaterial für andere Seminarien, besonders insofern ein immerhin beträchtlicher Teil ihrer Schüler Nichtbayern sind und in die heimatlichen Seminarien eintreten; das Würzburger Seminar aber, die einzige orthodoxe derartige Anstalt in ganz Süddeutschland, hat schon die fernsten Gegenden, weit über Bayern und selbst Deutschland hinaus, mit Lehrern versorgt. Die Jahresberichte dieser Anstalt dürfen darum ein ganz besonders reges Interesse bei der großen Öffentlichkeit erwarten. Wenn trotzdem gar mancher die Berichte nur flüchtig durchblättert, sich vielleicht damit begnügt, seinen Namen in der Spenderliste gefunden zu haben, so mag die Ursache darin liegen, dass jedem solchen Berichte in seiner Knappheit und Kürze eine gewisse Trockenheit anhaftet. Und doch könnte ein solcher Bericht so viel und so mancherlei erzählen, wenn er gründlich und mit Interesse gelesen würde und gar viel Ungesagtes ließe sich aus dem Gesagten erschließen. Versuchen wir darum einmal, gleichsam zwischen den Zeilen zu lesen und anstatt trockener Rekapitulation der Berichtsangaben eine lebensvolle Darstellung des Ringens und Schaffens, des Strebens und der Erfolge zu geben. Nicht aber charakterlose Lobhudelei soll es sein, nein, ehrliche Überzeugung komme zum Ausdruck und wo hie und da eine Änderung gewünscht wird, ist dies nur dem Streben entsprungen, der guten Sache zu dienen. Und schon eingangs sei hier hervorgehoben, dass wohl manche der zu gebenden Anregungen vorerst nur frommer Wunsch bleiben wird, weil sich materielle Schwierigkeiten in den Weg stellen, weil die Anstalten alle nicht genügend pekuniär fundiert sind, teilweise mit Defizit arbeiten müssen, weil die große jüdische Öffentlichkeit, für die doch die Anstalten einzig und allein arbeiten, ihre diesbezügliche moralische Verpflichtung nicht in vollem Maße erfüllt. Kann der Berichterstatter einer Anstalt nicht in dieser Deutlichkeit sprechen, um nicht auch noch seinen Spendern vor den Kopf zu stoßen, so ist es umso mehr Pflicht der interessierten presse, vor allem also auch der Fachpresse, hier einmal ganz offen zu reden. Tagtäglich liest man von Vermächtnissen und Stiftungen für Zwecke aller Art; für Monumentalbrunnen und Denkmäler werden Tausende gespendet, nur an die Lehrerbildungsanstalten, die doch fundamental sind für die Erhaltung des ganzen Judentums, scheint niemand zu denken und ich kann hier absolut keinen Unterschied machen zwischen den Glaubensbrüdern orthodoxer und liberaler Richtung. Die orthodoxen Anstalten sind am ärmsten und registrieren es schon als ein Ereignis, wenn ihnen einmal eine Jahrzeitstiftung mit ganzen 300 Mark zugewiesen wird. Möge dieser Bericht auch nach dieser Richtung anregend und bessernd wirken."   
  
Burgpreppach Israelit 22061911.jpg (82491 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Juni 1911 (Fortsetzung): "Die Frequenz der Anstalten bewegt sich seit einer Reihe von Jahren in ziemlich gleich bleibendem Rahmen, nur innerhalb der einzelnen Kurse zeigen sich oft merkwürdige Zahlenunterschiede. Kleinere Jahrgänge werden dann durch größere nachfolgende wieder ausgeglichen. 
Im Bestand des Lehrkörpers weisen die Berichte der Präparandien Wechsel und Veränderungen auf, am Seminar ist hinsichtlich der ordentlichen Lehrer keine Veränderung eingetreten. Die Ziffern der Ausgabeposten für Lehrerbesoldung zeigen erfreulicherweise steigende Tendenz. Die Kuratorien verdienen hierfür volle Anerkennung, ebenso für die Schaffung von Pensionskassen. Wünschenswert wäre volle Gleichstellung der Lehrpersonen hinsichtlich ihrer Besoldungsverhältnisse mit den Lehrern der staatlichen Anstalten. Dadurch würden auch diverse Unstimmigkeiten bezüglich der Gehaltsverhältnisse beseitigt und Verstimmungen bei den ohne Grund stiefmütterlicher Bedachten behoben, die Berufsfreudigkeit gemehrt. Für das Notwendigste, den Nervus rerum, müsste natürlich wieder die jüdische Gesamtheit eintreten. Einzelne Entwürfe der in Bayern angestrebten Revision der Judengesetze
Burgpreppach Israelit 22061911a.jpg (327820 Byte)wollen auch die Obsorge für die Lehrerbildung als Aufgabe einer Zentralkasse einbeziehen. Wenigstens hoffnungsvolle Aussichten für eine, so Gott will, nicht zu ferne Zukunft.  
Die Berichtsangaben über Schulfeiern, Ausflüge, Gesundheitsverhältnisse etc. bewegen sich im Rahmen des Normalen und bedürfen hier keiner besonderen Registrierung.   
Umso wichtiger sind die Verzeichnisse der Lehrpensen. In den Profanfächern sind die gesetzlichen Normen für die Lehrerbildung in Bayern maßgebend. In den Religionsfächern ist eine entsprechende Stoffverteilung zwischen Präparandenschule und Seminar auf mehreren gemeinsamen Konferenzen der beteiligten Lehrkörper vor einigen Jahren beschlossen und seitdem durchführt worden. Seit mehreren Jahren fanden keine solchen Besprechungen mehr statt. Und doch wäre es vielleicht nicht unwichtig, solche wieder hie und da abzuhalten.     
Die Lehrstoffberichte zeigen im Großen und Ganzen bei beiden Präparandenschulen ziemliche Übereinstimmung. Kleinere Abweichungen beweisen, dass bei aller Uniformität doch der Individualität Rechnung getragen werden kann. Denn für das Gesamtbild ist es wohl belanglos, ob hier die Mischnahtraktate Bezah, Rosch-haschanah, Megillag, Berachoth, Suckah oder dort für Bezah bei sonstiger Übereinstimmung Taanis gelernt wurden. Und doch mögen für die Auswahl und Reihe ganz bestimmte Verhältnisse maßgebend gewesen sein, Imponderabilien, die sich nur aus dem lebendigen Unterrichtsbetrieb heraus erklären und verstehen lassen. Das deutlichste Bild der Leistungen dürfte sich wohl ergeben, wenn jedes einzelne Lehrfach in seiner Entwicklung durch alle 6 Bildungsjahre hindurch verfolgt wird. Wünschenswert wäre, wenn auch aus den Berichten der Präparandenschulen die auf jedes Fach entfallende Stundenzahl sich ersehen ließe; beim Seminarbericht ist dies der Fall.   
Im Pentateuchunterrichte wird im Verlauf der 3 Präparandenjahre der ganze Pentateuch durchgearbeitet, außerdem noch die Wochensidrah kursorisch. (Dass im Berichte Burgpreppach das 5. Buch Moses fehlt, dürfte wohl nur Irrtum oder Druckfehler sein). Im 2. und 3. Kurs geht neben dem Pentateuchübersetzen ein selbständiger Unterricht in Raschi einher. Das Seminar setzt diesen Raschiunterricht fort, vertieft ihn durch besondere Berücksichtigung der talmudischen und halachischen Begriffe und besonders im Oberkurs durch Beiziehung anderer Kommentare, insbesondere Ramban. Das Hauptgewicht wird weniger auf die Quantität als vielmehr auf Gründlichkeit und Vielseitigkeit gelegt, namentlich im Interesse zu erzielender Selbständigkeit.   
Neben dem Pentateuchunterrichte dienen in der Präparandenschule besondere Stunden für 'Propheten' und 'Biblische Geschichte' der Bibelkunde. Es werden die so genannten 'Ersten Propheten' durchgearbeitet, einzelne Teile aus den Hagiographen behandelt und auf die Geographie Palästinas besonderes Gewicht gelegt. Die Pensenverteilung in Höchberg, je 2 Prophetenbücher auf ein Schuljahr, will uns mehr zusagen, als die Burgpreppachs; doch mögen hier besondere Verhältnisse vielleicht maßgebend gewesen sein. Sehr praktisch erscheint die für Höchberg angegebene eingehende Behandlung der Textvergleichung von den Königsbüchern und der Chronik. Dass Burgpreppach besonderen Werk auf die Durchnahme von mischle legt, auch Wiederholung der biblischen Geschichte des Pentateuchs für nötig erachtet, dürfte im Interesse der Schüler liegen, die sich nicht dem Lehrberufe widmen. Im Seminar ist den Schülern Gelegenheit zu solcher Wiederholung geboten, ja sie ist als Vorbereitung für die Schulpraxis in der Religionsübungsschule eine von selbst gegebene Notwendigkeit. Offiziell tritt im Seminar an Stelle der biblischen Geschichte die so genannte jüdische Geschichte vom babylonischen Exil bis zur Neuzeit, die durch alle Kurse in einer Hand liegt, wie überhaupt das Seminar in der Hauptsache mit Fachunterricht arbeitet. Aus den Prophetenbüchern wurde im Seminar das Buch Micha und alle Haftaroth im kombinierten I. und II. Kurs durchgearbeitet, im Oberkurs Jesajas von Kap. 40 zu Ende. Neben diesem buchmäßigen Nachweis ist jedoch zu betonen, dass viele andere Gebiete der Bibel beigezogen wurden: Esra, Nehemiah, Daniel, Chronik im Geschichtsunterricht, größere Partien aus Hiob, Psalmen, Prediger im homiletischen Unterricht.   
Burgpreppach führt neben dem Ritualunterricht, der gleichwie in Höchberg diverse Abschnitte des Pflichtenlebens nach Chaiie, Odam und Kizzur Schulchan Aruch bzw. Dasz Jehudis behandelt, noch besonders Religionslehre, also systematischen Religionsunterricht auf. Wir halten dies für durchaus wünschenswert und notwendig. Jedenfalls wird in Höchberg beim Unterrichte in Gebetübersetzen der diesbezügliche Religionsstoff mit eingeschlossen, denn im 3. Kurs, wo die Rubrik 'Gebete' fehlt, sind als 'Religionslehre' verschiedene Kapitel aus Sterns Religionsbuch angegeben. Die aramäischen Teile des Gebetbuches, die Burgpreppach ebenfalls angibt, fehlen in Höchberg. Wir missen sie ungern. Der Ritualunterricht im Seminar setzt in den Unterkursen den Gang nach Chaiie Adam weiter, im Oberkurs wird Chochmath Odam benützt mit Auswahl praktisch religiöser Gebiete: Miloh, Pidion Haben, Awelos; dazu kommen die Schächtvorschriften nach Moreh lesovchim. Auch der 'Religionsunterricht' findet seine fortgesetzte Pflege, allerdings mehr auf das religionsphilosophische Gebiet ausgedehnt. Übungen im
Burgpreppach Israelit 22061911b.jpg (203101 Byte)Schiur- und Predigtvortrag sind Prüfsteine für die gewonnenen Resultate. Eingehende, allseitige Behandlung vieler Piutim dient in gleicher dem Religionsunterricht wie der kantoralen Fertigkeit.    
Die Pflege der kantoralen Bildung wird in neuerer Zeit mit besonderem Nachdruck von Laien wie aus Lehrerkreisen gewünscht. Burgpreppach betont im Vorwort zum berichte, dass es seit Jahren nach dieser Richtung tätig ist, indem die Schüler des II. und III. Kurses ihre eigenen Gottesdienste unter Aufsicht zweier Lehrer abhalten und dabei selbst als Vorbeter funktionieren. In Höchberg scheint dies nicht der Fall zu sein. Vielleicht bedarf es nur dieser Anregung, um auch hier ähnliches zur Einführung gelangen zu lassen. Würzburg besitzt seine eigene Seminarsynagoge, in welcher nur Seminaristen amtieren. Jeder Kurs hat eine Wochenstunde Unterricht im Synagogengesang durch den Kantor der Synagogengemeinde. Der Seminarvorstand nimmt allwöchentlich die Toravorlesung mit den Seminaristen durch, die im Turnus 'laienen', wie er auch in einer besonderen Wochenstunde Belehrung und praktische Anleitung über den kulturell-synagogalen Teil des Lehrerberufes erteilt. Es sind in letzter Zeit vielfach Wünsche nach Erweiterung und Verbesserung der kantoralen Vorbildung laut geworden; die Leistungen der Lehrerbildungsanstalten wurden nach ihren 'Früchten' oft als unzureichend bezeichnet. Es ist hier nicht der Platz, darauf einzugehen. Nur das möge hervorgehoben werden, dass bei Lehrern, die ihre Ausbildung in Würzburg empfingen, auch stets festgestellt werden muss, ob sie das jüdische oder das katholische Seminar besucht haben, denn auch dieses nimmt jüdische Kandidaten auf.    
Die jüdische Grammatik war lange Jahre ein Schmerzenskind. Seit mehreren Jahren zeigt ihr Betrieb nach Ausweis der Berichte erfreulicherweise ein wissenschaftliches Gepräge mit systematischem Aufbau.    
Für Mischnah kommen im 1. und 2. Präparandenkurs Traktate aus Seder Moed, im 3. Kurse hauptsächlich aus Nesikin in Betracht. Das Seminar wählte für den kombinierten 1. und 2. Kurs schwierigere Traktate aus Seraim, im Oberkurs aus Noschim und Taharoth. Talmudstoff ist für den 1. Präparandenkurs Berachoth, (ca. 10 Blatt) für den 2. Kurs in Höchberg Taanith, in Burgpreppach Bezah, für den 3. Kurs dort Bezah, hier Suckah. Das Seminar hat seit einigen Jahren die Kombination der zwei unteren Kurse aufgegeben; jeder Einzelkurs hat 4 Talmudstunden pro Woche. Der 1. Kurs lernte ca. 15 Blatt aus Trakata Sabbath mit Raschi und Tossafot; auch im 2. Kurs wurde Sabbath gelernt, allerdings andere Partien, ausgewählt hauptsächlich zum Zwecke der Anleitung zum selbständigen lernen. Die Befähigung hierzu wurde erzielt und damit die Zielaufgabe dieses Faches im Seminar erreicht. Im Oberkurs wurde wie stets üblich aus Chullin gelernt in Rücksicht auf die Schechitah-Funktion des Lehrers. Hier wurden neben Tossafot auch die Rischonim berücksichtigt. Es sind also ganz hübsche Erfolge zu verzeichnen. Ob es nicht praktisch und aneifernd wäre, nach entsprechenden Vorübungen im 1. Präparandenkurs dann im 2. und 3. und vielleicht auch im 1. Seminarkurs ein Traktat ganz durchzulernen, im 2. Seminarkurs vielleicht Sugioh zu versuchen?"
   
Burgpreppach Israelit 06071911.jpg (234065 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Juli 1911: "Die 3 Lehrerbildungsanstalten im kreise Unterfranken (Schluss). Zum Schlusse noch ein Wort über die öffentlich rechtliche Stellung der drei Anstalten. Die Präparandenschulen erfreuen sich einer gewissen Selbständigkeit. Sie können im Rahmen der gesetzlichen beziehungsweise regierungsseitigen Bestimmungen betreffs der Schüleraufnahme ihre Auswahl treffen und haben auch ihre eigenen Schlussprüfungen. Die Prüfungsaufgaben für den gesetzlichen Teil werden durch die Kreisregierung gestellt; bei der mündlichen Prüfung präsidiert ein Regierungskommissär. Auf Grund guter schriftlicher Leistungen können Schüler vom mündlichen Examen dispensiert werden. Der Seminarvorstand wird zur mündlichen Prüfung in den Religionsfächern beigezogen; ihm werden auch die schriftlichen Religionsarbeiten der Prüfung vorgelegt. Das Bestehen der Prüfung berechtigt zum Eintritt in das jüdische Seminar zu Würzburg. Zum Eintritt in ein staatliches Seminar muss besondere ministerielle Genehmigung von Fall zu Fall erholt werden. Die öffentlich-rechtliche Stellung der Präparandie ist also nicht ungünstig.   
Weniger erfreulich sind die Verhältnisse beim Seminar. Wie ersichtlich hat es zunächst bezüglich der Schüleraufnahme absolut keinen Einfluss. Die Beteiligung des Seminarvorstandes bei der mündlichen Prüfung ist für Fälle der Dispensierung von dieser von selbst illusorisch. Die staatlichen Präparandien werden alljährlich von dem zuständigen Seminardirektor und einem Seminarlehrer einer eingehenden Visitation unterzogen. Diese Visitation findet ja wohl bei den jüdischen Präparandien auch statt, aber durch einen Regierungskommissar: das Seminar ist vollständig ausgeschaltet. Nun gibt es zwar für diese Verhältnisse im staatlichen Schulleben viele Analogien: Realschule und Oberrealschule, Progymnasium und Gymnasium etc. Aber das jüdische Seminar hat auch absolut keinen Einfluss bei der Seminarschlussprüfung, die an einem staatlichen Seminar abgelegt werden muss und hier gelten die Seminaristen der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt vollständig als Extrauser. Das Seminar ist also in dieser Beziehung nur eine Art Arbeitsmaschine mit vielen Pflichten und gar keinen Rechten. Das ist ein ungesunder Zustand, der nach Abänderung schreit. Das einzige jüdische Seminar in Bayern müsste seine eigene Prüfungsberichtigung haben.   
Es ist uns nicht unbekannt, dass seitens der Seminarleitung schon wiederholt Schritte nach dieser Richtung unternommen worden sind, leider ohne Erfolg. Bei aller Anerkennung der Tätigkeit des Seminars erfolgte die Ablehnung 'aus prinzipiellen Gründen wegen der Konsequenzen'. Diese 'Konsequenzen' sind die privaten klösterlichen Lehrerinnenbildungsanstalten in Bayern. Nur übersieht man, dass es wohl katholische und protestantische Seminare in Bayern gibt, dass also niemand eine Privatanstalt zu besuchen braucht; wo aber ist das staatliche, jüdische Seminar? Drei staatliche Anstalten, Würzburg, Schwabach und Kaiserslautern, nehmen auch Juden auf. Das jüdische Seminar ist aber doch aus der Erfahrung und Überzeugung entstanden, dass die staatlichen Seminare wohl Lehrer, aber keine 'jüdischen' Lehrer in unserem Sinne ausbilden können.  
Die Seminarleitung wird, wenn sie mit Gesuchen an das Ministerium herantritt, immer mehr oder weniger als 'Partei' angesehen werden. Es gibt eine andere Instanz in Bayern, welche hier eingreifen sollte und könnte: die Gesamtheit der bayrischen Rabbinen. Von der Notwendigkeit des Seminars sind wohl alle überzeugt, ob sie nun orthodox oder liberal, ob sie Revisionsfreunde oder Revisionsgegner sind. Mögen sie sich des Seminars einmal annehmen, ihre Stimme dürfte kaum ungehört verhallen.    
Allen 3 Anstalten, die oft unter so schwierigen Verhältnissen so Schönes und Großes leisten aber ein herzliches  'guten Gelingen'!"
  

    
Zum Tod von Direktor Lazarus G. Ehrenreich (1913)    

Hoechberg AZJ 19091913.jpg (24981 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 19. September 1913:   

  
Zum Tod von Samuel Eldod (1920)  

Hoechberg Israelit 26081920.jpg (210252 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. August 1920: "Würzburg, 18. August. Im nahen Höchberg hat man vorigen Sonntag einen Mann zu Grabe getragen, der fast ein volles Jahrhundert irdischen Daseins besessen und einen mächtigen Ausschnitt altehrwürdigen, echten, kernhaften Judentums in sich verkörpert hatte. Der Name Samuel Eldod allein genügt schon, um in den Herzen unzähliger Bekannter, Freunde und Verehrer, zu denen die Trauerbotschaft dringen wird, stille Wehmut und warme Teilnahme auszulösen. Im Bilde der Höchberger Talmud-Tora-Anstalt ist Samuel Eldod unentbehrlich, seine markante, bis ins höchste Alter rüstige Gestalt nicht wegdenkbar. Was er für Erhaltung, Hebung und Förderung der Schule geleistet hat, sichert ihm ewigen Dank und Ruhm. Schon in den ganz alten Zeiten, wo der Reiseverkehr noch sehr umständlich, mit viel Unbequemlichkeiten und Entbehrungen verbunden war, wanderte er dem biblischen Sebulun gleich freudig hinaus in die Lande, ging von Ort zu Ort, von Haus zu Haus, um für den materiellen Bestand der Anstalt zu sorgen. Nur sein Sammeleifer ermöglichte es, dass der Gründer der Schule, Rabbi Elosor und seine Lehrer als Issochor in ihrem Ohel Tora lernen und lehren konnten. Neben dem zeitraubenden Kassieramte versah Eldod – er ruhe in Frieden – auch Jahrzehnte hindurch den Dienst eines Schaliach Zibbur und Baal Kore. Welche Innigkeit und Jiroh (Gottesfurcht) ihn hierbei erfüllte und beseelte, ist wohl jedem einzelnen der hunderten von Schülern bekannt und unvergesslich. Eine unvergleichliche Flamme Gottes (?) loderte in seinem Wesen und begeisterte ihn zu der staunenswerten Energie, mit der er Hidur Mizwos betätigte. Die Höchberger Suckoh (Labhütte) und Eldods Lulaf und Esrog waren sprichwörtlich geworden. Überlegt man, dass dieser Mann doch auch noch in seinem geschäftlichen Berufe emsig arbeitete und für seine Familie treu sorgte, so fragt man sich, woher derselbe die nötige Kraft zu all diesen Anstrengungen genommen. Nur das unbedingt Gottvertrauen konnte die Quellen zu solcher rastlosen Tätigkeit abgeben. 
Die Beerdigung vollzog sich unter zahlreichster allgemeiner Beteiligung. Im Trauerhause beklagte der älteste Sohn, Lehrer der Anstalt, mit rührenden Worten den schweren Verlust des geliebten Vaters. Am Grabe zeichnete zunächst Herr Distriktsrabbiner Dr. Hanover, das tatenreiche Leben des Hingeschiedenen in wirkungsvollen Farben. Die Herren Steinhäuser als Schulvorstand und Beauftragter der Kultusgemeinde, Pfeufer als Vorsitzender des Kuratoriums, Mannheimer und Hirnheimer, als einstige Schüler, sprachen dem Entschlafenen innige Worte des Dankes aus und Herr Altmann, Karlsruhe, nahm als Neffe namens aller Verwandten, bewegten Abschied von der nun leider gefallenen Krone der Familie. Hierauf senkte man die irdische Hülle dieses allbekannten Jehudi und Menschen in die kühle Gruft. Auch viele christliche Mitbürger waren auf dem Friedhofe erschienen, um ihre Achtung und ihr Beileid zu bekunden. Man verließ Höchberg mit dem Gedanken, dass Eldods Namen mit der Geschichte der Talmud-Toraschule auf ewig wird verbunden bleiben. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

 
Bericht über das "80. Schuljahr" (1920)  

Hoechberg Israelit 09091920.jpg (142271 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. September 1920: "Würzburg, 6. September (1920). Die Talmud-Tora-Schule in Höchberg versendet zurzeit ihren Bericht für das 80. Schuljahr. Zwei Menschenalter wirkt sie nunmehr im Sinne ihres Gründers Rabbi Elosor Ottensoser – seligen Andenkens, Tora zu lehren und Tora zu verbreiten. Das zeigt auch der vorliegende Bericht über das abgelaufene Schuljahr. Der gesamte Toraunterricht wurde durch die Angliederung der Bürgerschule neu organisiert. Auch der Profanunterricht, für den die vorgeschriebenen Lehrpläne maßgebend sind, war vom Geiste der Tora durchdrungen und auf die Bedürfnisse des praktischen Lebens eingestellt. Aus den Schülern heraus bildete sich eine 'Vereinigung zur Förderung religiösen Lebens und Wissens', in der allwöchentlich durch Lehrer oder Schüler Vorträge über religiös-wissenschaftliche oder Zeitfragen gehalten wurden. Die Schule war im Berichtsjahre von 60 Schülern besucht und das Lehrerkollegium bestand aus 6 Lehrern und 1 Fachlehrer für Französisch.
Die materielle Grundlage der Schule entspricht nicht mehr den heutigen Zeitverhältnissen. Der Rechnungsabschluss für 1919 zeigt einen Etat von über 50.000 Mark bei einem Kassarest von nur 280 Mark, während die Zinsen des Stiftungskapitals noch nicht 7.000 Mark betragen. 1920 ist der Etat laut Bericht auf 80.000 Mark gestiegen. Das Kuratorium und die Schulleitung bitten daher um Zuweisung von Spenden und Stiftungen, entsprechend dem heutigen Geldwert in erhöhtem Maße und um Werbung neuer Gönner (Postscheckamt Nürnberg Nr. 10450). Aus Sparsamkeitsgründen hat man von der Veröffentlichung des Spendenverzeichnisses abgesehen. Die dadurch ersparten 3.000 Mark werden besser für Zwecke der Schule, zur Unterstützung armer Schuler oder für Teuerungszulagen an die Lehrer verwendet. (1919 wurden für 6 Lehrer 21.000 Mark und zur Unterstützung von Schülern 6.500 Mark verwendet)."

   
Zum Tod von Bella Eldod, Witwe von Elias Eldod (1922)   

Hoechberg Israelit 23021922.jpg (95081 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Februar 1922:        

   
Jahresbericht der Präparandenschule (1922)  

Wuerzburg Israelit 02111922hoe.jpg (210784 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. November 1922: 


Ausschreibung von Freiplätzen für Präparanden (1924)  

Hoechberg Israelit 17041924.jpg (89422 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. April 1924: "Die Aussichten für den Lehrerberuf haben sich in letzter Zeit ganz wesentlich gebessert. Der steigenden Nachfrage nach Lehrkräften für gut besoldete Stellen steht ein ungenügender Nachwuchs gegenüber. Dieser Zustand stellt eine äußerst bedrohliche Gefahr für die religiöse Erziehung unserer Jugend dar. Wir haben deshalb beschlossen, zur Erleichterung des Studiums für den Lehrerberuf eine Reihe von Freiplätzen für Präparanden in unserer Anstalt zu schaffen. Den Inhabern dieser Freiplätze wird nicht nur Lehrmittel- und Schulgeldfreiheit, sondern auf Wunsch auch teilweise oder ganz freie Verpflegung gewährt. Meldungen sind umgehend, spätestens bis 1. Mai, an die Schulleitung, Herrn Hauptlehrer Steinhäuser in Höchberg, zu richten. 
Das Kuratorium der Talmud- Tora und Präparandenschule Höchberg. Samuel Pfeuffer."

   
Ausschreibung der Israelitischen Präparandenschule für das Schuljahr 1925/26   

Hoechberg Israelit 12021925.jpg (46532 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Februar 1925:        

 
Ausschreibung der israelitischen Lehrerbildungsanstalten in Bayern (1925)   

Hoechberg Israelit 05031925.jpg (100940 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. März 1925:      

 
Schwierige Situation der Präparandenschule (1927)  

Hoechberg BayrGZ 08031927.jpg (53654 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 8. März 1927: "Talmud-Thora-Präparandenschule Höchberg. Die israelitische Präparandenschule Höchberg hat schwer unter der Ungunst der wirtschaftlichen Verhältnisse zu leiden. Ihre Lage wird dadurch noch erschwert, dass der Direktor infolge Überarbeitung und Aufregung erkrankt ist und seit 2 Monaten seinen Dienst nicht mehr versehen kann. Es ist eine Ehrenpflicht aller Kollegen, mitzuhelfen, dass diese Schule, die zusammen mit dem Lehrerseminar in Würzburg gegenwärtig in Deutschland die einzige Bildungsstätte für jüdische Lehrer ist, ihre Arbeit weiter ungestört erfüllen kann. Es wird deshalb gebeten, wenn möglich, aus Anlass des Purim-Festes Sammlungen zu ihren Gunsten zu unternehmen. Hirnheimer."

   
Ausschreibung der Israelitischen Präparanden- und Bürgerschule für das Schuljahr 1928/29 

Hoechberg BayrGZ 01031928.jpg (39318 Byte)Anzeige in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 11. März 1928:   

   
Ausschreibung der Bayerischen Lehrerbildungsanstalten für das Schuljahr 1929/30 

Hoechberg BayrGZ 01031929.jpg (98777 Byte)Anzeige in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. März 1929: "Bayerische Lehrerbildungsanstalten. 
Für das Schuljahr 1929/30 erfolgen Aufnahmen in alle Klassen. Aufnahmebedingungen: für die 1. (unterste) Klasse zurückgelegtes 13. Lebensjahr und mindestens 7 Schuljahre; für die 4. Klasse (1. Seminarklasse) zurückgelegtes 16. Lebensjahr und Reife für Übersekunda; für die 6. Klasse Abitur einer neunklassigen höheren Schule. Die Aufnahmebedingungen für das Schülerheim sind bei den Schulleitungen erhältlich. Am Seminar können Mädchen zur Teilnahme am Unterricht mit Prüfungsberechtigung zugelassen werden. In die Vorklasse der Präparandie (Bürgerschule Höchberg) können Schüler vom 12. Lebensjahre ab Aufnahme finden. Aufnahmegesuche für Bürgerschule und Klassen 1 mit 3 nach Höchberg, für Klassen 4 mit 6 nach Würzburg. Schlusstermin für Anmeldungen 10. März 1929. Den Aufnahmegesuchen sind beizulegen; 1. letztes Schulzeugnis, 2. Impfschein, 3. Staatsangehörigkeitsausweis, 4. amtsärztliches Zeugnis.
Gemäß Vereinbarung der Unterrichtsverwaltungen der deutschen Länder vom 7. April 1928 werden die Reifezeugnisse der Lehrerbildungsanstalten behufs Zulassung von Schulamtsbewerbern zum Schuldienst in den verschiedenen Ländern gegenseitig anerkannt.
Die Schulleitung der Israelitischen Präparandenschule Höchberg.
Die Schulleitung der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt Würzburg.
"       
 
Hoechberg GemZeitung Wue 15021929.jpg (77179 Byte)Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 15. Februar 1929: 
derselbe Text wie oben       

   
Präparandenlehrer Emanuel Eldod tritt in den Ruhestand (1929)     
Anmerkung: zur Biographie siehe unten Artikel von 1933  

Hoechberg Israelit 18041929.jpg (101292 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. April 1929: "Höchberg, 10. April. Mit Beginn des neuen Schuljahres tritt Herr Präparandenlehrer Emanuel Eldod nach 44-jähriger Tätigkeit, davon 35 Jahre als Religionslehrer an der Talmud-Tora-Bürger- und Präparandenschule Höchberg in den Ruhestand. Groß ist die Zahl derer, die von ihm die Grundlagen ihres jüdischen Wissens empfangen haben und denen er in Lehre und Lernen das Idealbild eines jüdischen Lehrers zeichnete. Alle, die das Glück haben, sich seine Schüler zu nennen, werden ihm für seine segensreiche Tätigkeit innigsten Dank wissen, nicht zuletzt auch das gesamte Lehrerkollegium der Schule, das ihn als treuen Freund und Berater hoch schätzt und ihn nur ungern aus seiner Mitte scheiden sieht.
Bei der am 20. März in den Räumen der Talmud-Tora-Bürger- und Präparandenschule stattgefundenen Schlussfeier gedachte der Direktor der Schule in ehrenden Worten seiner zahlreichen Verdienste um Schule und Schüler und gab seiner Freude darüber Ausdruck, dass Herr Eldod sich bereit erklärt hat, auch weiterhin noch einige Stunden an der Anstalt zu erteilen. Möge Herr Eldod sich recht lange seiner wohlverdienten Ruhe erfreuen."       
   
Hoechberg BayrGZ 15061929.jpg (79736 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Juni 1929: "Höchberg. Mit Beginn des neuen Schuljahres trat Herr Präparandenlehrer Emanuel Eldod nach 44jähriger Tätigkeit, davon 35 Jahre als Religionslehrer an der Talmud-Tora-Bürger- und Präparandenschule Höchberg, in den Ruhestand. Groß ist die Zahl derer, die von ihm die Grundlagen ihres jüdischen Wissens empfangen haben und denen er in Lehre und Leben das Idealbild eines jüdischen Lehrers zeichnete. Alle, die das Glück haben, sich seine Schüler zu nennen, werden ihm für seine segensreiche Tätigkeit innigsten Dank wissen, nicht zuletzt auch das gesamte Lehrerkollegium der Schule, das ihn als treuen Freund und Berater hoch schätzt und ihn nur ungern aus seiner Mitte scheiden sieht.
Bei der am 20. März in den Räumen der Talmud-Tora-Bürger- und Präparandenschule stattgefundenen Schlussfeier gedachte der Direktor der Schule in ehrenden Worten seiner zahlreichen Verdienste um Schule und Schüler und gab seiner Freude darüber Ausdruck, dass Herr Eldod sich bereit erklärt hat, auch weiterhin noch einige Stunden Unterricht an der Anstalt zu erteilen.
Möge Herr Eldod sich recht lange seiner wohlverdienten Ruhe erfreuen. (Unlieb verspätet.)"   

       
Erinnerungen an die Präparanden- und Seminarzeit von Lehrer Abraham Strauß (Uffenheim) (1930)  

Hoechberg BayrGZ 15081930.jpg (241633 Byte)Artikel in der "Bayerischen israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. August 1930: "Erinnerungen aus Präparanden- und Seminarzeit. Von Hauptlehrer A. Strauß (Uffenheim). Im Keller. Es war um die Mittagszeit des 24. Juli 1866, als meine Mutter, mich an der Hand führend, aus der Halle des alten Bahnhofs in Würzburg trat, dem letzten Ziele unserer Reise, Höchberg, zuzustreben. Dort selbst sollte der Onkel, Rabbiner Lazarus Ottensosser, Vorstand der Präparandenschule, genannt 'Reb Loser' oder 'Rebbe', besucht werden. Wir hatten aber kaum die Straßen der Stadt beschritten, da hallte uns der Schreckensruf entgegen: 'Die Preußen kommen!' Aufgeregte Menschen liefen wie ein aufgescheuchter Bienenschwarm wild durcheinander, kleinere Trupps bewaffneter Soldaten zogen eiligst vorüber, die Kaufläden waren oder wurden geschlossen. Mir, dem achtjährigen Knaben, waren die seltsamen Vorgänge unverständlich. Ich weinte aber, als das angsterfüllte Gesicht der zitternden Mutter den Ernst der Situation ahnen ließ. An die Fortsetzung unserer Reise war nicht zu denken; denn die Stadt war, wie einst Jericho, 'geschlossen und versperrt, niemand konnte heraus noch herein'. Nach längerem Herumirren fanden wir in der Augustinergasse bei der Familie Wolfing notdürftig Unterkunft. Nach sehr unruhigen Tagen begann am 27. Juli die Beschießung der Stadt und Festung. Wir flüchteten mit der Familie in den Hauskeller und verbrachten dortselbst qualvolle Stunden, aus der uns erst die 'Kapitulation' befreite. Zwei Tage später konnten wir durch das wieder offene Zeller Festungstor die Stadt verlassen und kamen unbehelligt bei dem um uns besorgten Onkel in Höchberg an. Während dieses achttägigen Besuches fielen die Würfel meines Lebensgeschickes: Onkel und Nichte kamen überein, dass ich Lehrer werden sollten. Meine Zustimmung einzuholen schien ihnen überflüssig.
Krieg. Der Deutsch-französische Krieg von 1870/71 stand unmittelbar vor seinem Ausbruche und drängte alle kulturellen Aufgaben in den Hintergrund. Als die Siege von Weißenburg, Wörth, Sedan und Metz die Welt in Spannung hielten und die Neugründung eines geeinigten Deutschen Reiches geschichtliches Ereignis wurde, da gingen auch in der Präparandenschule zu Höchberg die Wellen der Begeisterung über die Ufer. Es wurde mehr politisiert als gelernt. Die auf der Würzburger Festung befindlichen kriegsgefangenen Franzosen beschäftigen unsere Phantasie aufs lebhafteste. Fast täglich gingen Kameraden halbwegs Würzburg bis zur Straßenbiegung, von der aus man die Zitadelle und das Tun und Treiben der internierten Feinde beobachten konnte. Wir waren zeugen des Jubels, als die eichenlaubbekränzten bayerischen Truppen, an ihrer Spitze die Generale von Orff und v.d. Tann, nach Kriegsende ihren feierlichen Einzug in Würzburg hielten. Unvergessliche Eindrücke.
Die Großmutter. In besonderen Ausnahmefällen, namentlich bei dem besuch von Eltern und Geschwistern oder wenn ganz nahe stehende Familienmitglieder zu geschäftlichen Zwecken einmal vom Lande nach Würzburg kamen, konnte auf Ansuchen den Schülern in unterrichtsfreier Zeit Stadtausgang von 1-2 Stunden bewilligt werden. Natürlich wurde mit dieser Vergünstigung mancher Missbrauch getrieben. So verschaffte sich ein Seminarist, der kurz vor der Entlassungsprüfung stand, die Erlaubnis zum Verwandtenbesuch in der Stadt. Er wurde denunziert, mit einer jungen Dame auf der Domstraße auf und abgegangen zu sein. Der Anstaltsvorstand stellte ihn darob zur Rede und fragte, wer das Mädchen gewesen sei. Der junge Mann war ersichtlich betroffen, fasste sich aber schnell und antwortete: 'Herr Rabbiner, es war meine Großmutter.'
Die Mitzwestouren. Bekanntlich war unser unvergesslicher Führer, Simon Dingfelder, von 1889-1891 Präzeptor an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt. Als solcher oblag ihm nebst der Erteilung einiger Unterrichtsstunden hauptamtlich die Überwachung der Seminaristen in unterrichtsfreier Zeit. An einem dienstfreien Sonntagnachmittag unternahmen er und mehrere Freunde einen Ausflug nach dem nahen Heidingsfeld, woselbst sie in eine Wirtschaft einkehrten, in welcher zufällig ein Tanzvergnügen stattfand. Dingfelder
Hoechberg BayrGZ 15081930a.jpg (147877 Byte)konnte den lockenden Weisen nicht widerstehen und machte einige Runden. Irgendeine fromme Seele fühlte sich berufen, den 'Ärgerniserregenden' Vorgang dem damaligen Schulvorstand Nathan Bamberger s.A. mitzuteilen, der den Verbrecher alsbald vor sein Forum lud. Und nun entspann sich folgender Dialog: 'Herr Präzeptor, Sie wissen doch, dass den Seminaristen das Tanzen untersagt ist und Sie sollten nicht mit schlechtem Beispiel vorangehen'' 'Entschuldigen Sie, Herr Rabbiner, es ist richtig, dass ich einige Touren getanzt habe, aber es waren lauter Mitzwestouren.' 'So, so, wenn das der Fall ist, dann will ich die Sache diesmal übersehen, für die Folge dürfen Sie aber auch keine Mitzwestouren mehr tanzen.'
Brüderlichkeit. Juni 1876. Wir Oberklässler standen unmittelbar vor der Abschlussprüfung, sahen ihr mit Zuversicht entgegen, wir haben im letzten Quartal tüchtig 'geochst'. Wir mussten aber dies Prüfung am Königlichen Schullehrerseminar in Gemeinschaft mit dessen Oberkursabsolventen ablegen und fühlten uns insofern benachteiligt, als wir mit Ausnahme des Seminarinspektors Huber, der uns in Geschichte der Pädagogik unterrichtete, den Herren der Prüfungskommission, die sich nebst einem Regierungskommissär aus dem Lehrkörper des staatlichen Seminars zusammensetzte, gänzlich fremd gegenüberstanden. Dieser Mangel persönlicher Fühlungnahme wurde jedoch dadurch ausgeglichen, dass die christlichen Kameraden hinsichtlich Stoff, Umfang und Methode des letztjährigen Unterrichts, aber auch über die Themata der Aufsätze uns gut informierten. Überhaupt bestand zwischen den Schülern der beiden Lehrerbildungsanstalten ein freundschaftliches Verhältnis. Fast täglich gingen wir ins katholische Seminar, das sich damals Ecke Augusten-Neubaustraße, dem heutigen alten Gymnasium befand, oder einzelne seiner Zöglinge kamen zu uns, um irgendeine Nachricht zu überbringen. Wir hatten auch eine gemeinschaftliche, geheime Kneipe, Café Mokka in der Juliuspromenade und später, als wir uns da nicht mehr sicher fühlten, in der Wöllergasse. Das Resultat der Prüfung befriedigte. Eine gemeinschaftliche Abschieds- und Schlussfeier im Platz'schen Garten vereinigte uns Absolventen zum letzten Male. Tags darauf war die Seminarzeit zu Ende, wir traten in die große Schule des Lebens ein. 
50 Jahre später. Im Juli 1926 trafen wir uns in Würzburg zu einer Wiedersehensfeier. Als Jünglinge mit bemoosten Häuptern gingen wir vor einem halben jahrhundert auseinander, als Greise im Silberhaar sagen wir uns wieder. Von 49 Absolventen waren noch 16 am Leben, von ihnen 13 anwesend. Meine Kollegen aus der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt deckte schon alle der grüne Rasen, mich allein hatte Gottes Gnade erhalten."

 
Umzug der Präparandenschule von Höchberg nach Würzburg (1931)

Hoechberg Israelit 11061931.jpg (167308 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Juni 1931: "Die israelitische Präparandenschule (Talmud Tora) in Höchberg siedelt am 10. Juni in das von der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt neu errichtete Schulgebäude nach Würzburg über, um mit dem Seminar zu einer 6-klassigen Vollschule vereinigt zu werden. Mehr als neun Jahrzehnte hat die Höchberger Anstalt als Talmud Tora- und Präparandenschule segensreich für die deutsche Judenheit gewirkt, beachtet und wohlwollend unterstützt von der gesamten jüdischen Öffentlichkeit. Der Name Höchberg ist innerhalb der deutschen Judenheit zu einem Begriff geworden. 
Schultechnische und wirtschaftliche Gründe, sowie auch die neuen gesetzlichen Vorschriften für die Lehrerausbildung waren es, welche die Vereinigung der beiden Schulen notwendigerweise erzwungen haben. 
Die Lazarus-Ottensosser-Stiftung bleibt als solche unter Verwaltung eines fünfgliedrigen Kuratoriums und unter Aufsicht der Regierung weiter bestehen. Ihre Erträgnisse fließen der vereinigten Anstalt zu. Das Andenken des Rabbiners Lazarus Ottensosser seligen Andenkens bleibt der Nachwelt erhalten durch Anbringung einer Gedächtnistafel im neuen Schulgebäude, außerdem führt die vereinigte Anstalt in Zukunft den Namen: 'Vereinigte Stiftungen der Rabbiner Seligmann Bär Bamberger, Würzburg und Lazarus Ottensosser, Höchberg.' 
Die bei der Höchberger Schule errichteten Jahrzeitstiftungen werden von der vereinigten Schule übernommen und die Verpflichtungen in der bisherigen Weise pünktlich und gewissenhaft erfüllt. 
Kuratorium und Schulleitung der Höchberger Schule danken herzlichst den vielen hochherzigen Spendern, den verehrlichen Verbänden, Gemeinden, Vereinen und Logen für das ihnen in den vielen Jahrzehnten entgegengebrachte Vertrauen und für die tatkräftige edle Mithilfe zur Führung und Unterhaltung der Schule. Wir bitten in Zukunft die uns zugedachten Spenden, Stiftungen und Subventionen der vereinigten Anstalt zuzuwenden, damit sie im Sinne der beiden Stifter Seligmann Bär Bamberger seligen Andenkens und Lazarus Ottensosser seligen Andenkens weiter wirken und bestehen kann.
Für die Schulleitung: S. Steinhäuser, Direktor. Für das Kuratorium: Samuel Pfeuffer Vorsitzender."  
 
Hoechberg BayrGZ 15061931.jpg (126493 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Juni 1931: "Würzburg-Höchberg. Am 10. Juni siedelt die israelitische Präparandenschule (Talmud Thora) Höchberg in das von der israelitischen Lehrerbildungsanstalt neu errichtete Schulgebäude nach Würzburg über, um mit dem Seminar zu einer 6-klassigen Vollschule vereinigt zu werden. Mehr als neun Jahrzehnte hat die Höchberger Anstalt als Talmud Thora- und Präparandenschule segensreich für die deutsche Judenheit gewirkt, beachtet und wohlwollend unterstützt von der gesamten jüdischen Öffentlichkeit. Der Name Höchberg ist innerhalb der deutschen Judenheit zu einem Begriff geworden.
Schultechnische und wirtschaftliche Gründe, sowie auch die neuen gesetzlichen Vorschriften für die Lehrerausbildung waren es, welche die Vereinigung der beiden Schulen notwendigerweise erzwungen haben.
Die Lazarus-Ottensosser-Stiftung bleibt als solche unter Verwaltung eines fünfgliedrigen Kuratoriums und unter Aufsicht der Regierung weiter bestehen. Ihre Erträgnisse fließen der vereinigten Anstalt zu. Das Andenken des Rabbiners Lazarus Ottensosser s. A. bleibt der Nachwelt erhalten durch Anbringung einer Gedächtnistafel im neuen Schulgebäude außerdem führt die vereinigte Anstalt in Zukunft den Namen: Vereinigte Stiftungen der Rabbiner Seligmann Bär Bamberger, Würzburg, und Lazarus Ottensoosser, Höchberg.
Die bei der Höchberger Schule errichteten Jahrzeitstiftungen werden von der vereinigten Schule übernommen und die Verpflichtungen in der bisherigen Weise pünktlich und gewissenhaft erfüllt.
Kuratorium und Schulleitung der Höchberger Schule danken herzlichst den vielen hochherzigen Spendern, den verehrlichen Verbänden, Gemeinden, Vereinen und Logen für das ihnen in den vielen Jahrzehnten entgegengebrachte Vertrauen und für die tatkräftige edle Mithilfe zur Führung und Unterhaltung der Schule. Wir bitten, in Zukunft die uns zugedachten Spenden, Stiftungen und Subventionen der vereinigten Anstalt zuzuwenden, damit sie im Sinne der beiden Stifter, Seligmann Bär Bamberger s. A. und Lazarus Ottensoosser s.A. weiter wirken und bestehen kann.
Für die Schulleitung: S. Steinhäuser, Direktor.   Für das Kuratorium: Samuel Pfeuffer, Vorsitzender." 

    
Gründe für die Verlegung der Präparandenschule Höchberg nach Würzburg (1931)     

Hoechberg BayrGZ 01071931a.jpg (111002 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Juli 1931: "Für die Errichtung eines Neubaues in Würzburg sprachen auch noch andere zwingende Gründe: Für das als Präparandenschule dienende Bauernhaus in Höchberg bestehen schon seit 1914 behördliche Bauauflagen. Krieg und Inflation haben diese Forderungen zwar zurückgedrängt, aber nicht aufgehoben. Sie wurden 1930 in dringender Weise wiederholt mit dem Bemerken, dass von einem Neubau in Höchberg nur dann Abstand genommen werden kann, wenn die im Gange befindlichen Verhandlungen über die Vereinigung in Würzburg alsbald zum Ziele führen. Aber auch der bisherigen Würzburger Anstalt, die in einer engen Gasse, ohne genügende Licht- und Luftzufuhr, untergebracht war, fehlte für einen modernen Schul- und Heimbetrieb fast alles. Es mangelte ein Zeichensaal, ein Physik- und Chemiesaal, es mangelte an einer ausreichenden Zahl von Musik- und Übungszimmern, vor allem aber für das Heim an Aufenthalts- und Studierräumen; Schulhof, Spielplatz und Gartenanlagen fehlten ganz. — Durch Auflösung der meisten bisherigen jüdischen Lehrerbildungsanstalten in Preußen (es bestanden bis zum Jahre 1920 deren fünf in Münster, Berlin, Hannover, Kassel und Köln) hat sich die Zahl der Schüler in den bayerischen Anstalten verdoppelt. Jetzt war das Seminar vor die Alternative gestellt, entweder die Anstalt für den Zugang von Nichtbayern zu sperren oder durch Erweiterung Raum zu schaffen für die Umwandlung der bayerischen Lehrerbildungsanstalt in eine deutsche. Bereits im Jahre 1928 hat die Würzburger Anstalt ein 4300 qm großes Grundstück in freier und schönster Lage Würzburgs erworben. Die mit dem Verbände geführten Verhandlungen führten zu dem Ergebnis, dass die Organe des Verbandes in der Aschaffenburger Tagung vom Jahre 1929 beschlossen, für den Neubau eine Subvention von M. 20 000.—, ein Darlehen von M. 50 000.— zur Verfügung zu stellen."         

     
Hochzeitsanzeige von Gerson Katz und Sara geb. Eldod (1931)   
Anmerkung: Sara Katz geb. Eldod ist am 31. Dezember 1900 in Höchberg geboren als Tochter des Lehrers Emanuel Eldod (siehe unten) und seiner Frau Miriam geb. Eldod. Sie lebte nach ihrer Heirat mit Gerson Katz in Stuttgart. Die beiden emigrierten im August 1933 nach Belgien, wurden aber am 10. Oktober 1942 ab Mechelen (Malines) nach Auschwitz deportiert und ermordet. Zur Familie Eldod und den "Stolpersteinen" in Höchberg siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Höchberg     

Hoechberg Israelit 01011931.jpg (34846 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Oktober 1931:  "Statt Karten.  
Gerson Katz     Sara Katz geb. Eldod  

Vermählte  
Stuttgart  -  Höchberg  

Trauung Montag, 16. Teweth 5691 / 5. Januar 1931   Hotel Katzmann, Würzburg, mittags 1/2 1 Uhr."     
 
Foto von Sara Katz geb. Eldod - Quelle https://kazernedossin.memorial/remember/in-memoriam/?lang=en&pdb_id=12787  

    
Nach Schließung der Präparandenschule: Bericht über das "stille Höchberg" (1931)      

Hoechberg Israelit 29101931.jpg (328561 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Oktober 1931: "Im 'stillen Höchberg'.
Wer von den ehemaligen Schülern der israelitischen Präparandenschule Höchberg diesen Ort wieder aussucht, kann sich eines Gefühles tiefster Wehmut nicht erwehren. Die 'Anstalt' ist nicht mehr da, sie wurde mit dem Seminar in Würzburg verschmolzen. Leer steht das Gebäude, das Beit haMidrasch, wie es sein Gründer 'Reb Losor* (Rabbiner Lazarus Ottensoßer - das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen) wie seine unmittelbaren Nachfolger - (auch) ihr Gedenken ist zum Segen - stets nannten. Nicht ertönt mehr in jenen Räumen die süße Melodie des Lernens, der Lern-..., nicht steigen mehr Hunderte von kadischim aus jenen geweihten Sälen zum Himmel empor, kein Lehrer ist zu sehen, kein Talmid, der im frohen Thorageist sich innerlich verwachsen fühlt mit seinen zahl­reichen Chawirim, denen solche Seelengemeinschaft und Verbundenheit aus den Gesichtern leuchtet: es ist still geworden im alten, lieben Höchberg. Leere Räume, leere Bänke starren uns an und sagen uns in dieser Totenstille mehr als lange Reden es vermöchten. Uns fällt unwillkürlich das Prophetenwort in die Seele: (hebräisch und deutsch): 'Zions Wege trauern, weil niemand mehr zum Feste kommt' (Klagelied - Threni 1,4). Man kann sich beim Anblicke der leeren Anstalt so recht ein Bild des in aufgewühltem Seelenschmerz klagenden Propheten machen. Er sah die Blüte, er sah auch den Ruin, die Ruine. Ja, es ist schon etwas Wirkliches dran, Häuser und Räume können eine keduscha annehmen, die selbst den Stein in der Wand zum Reden bringt; 'der Stein schreit aus der Mauer' (Habakuk 2,11). Was würden erst die ...  empfinden, die auf dem Höchberger Friedhof ruhenden Reb Losor, Rabbi Jaakov Ehrenreich, Reb Hünle Wechsler und die übrigen ehemaligen Anstaltslehrer - das Gedenken an sie ist zum Segen! Auf der langen Straße im Unterdorfe begegnen uns einige Winzer, die sich freundlich in ein Gespräch einlassen, da sie uns auch für einen 'Ehemaligen" halten. Sie kannten noch 'Reb Losor", wie er mit seinen Tefillin über die Straße ging zur Synagoge, erzählen noch von diesem und jenem Zögling oder 'Boocherle', wie man vor 50 bis 60 Jahren sagte, und jammern schließlich auch in bewegten Worten über den Weggang der 'Anstalt', die eine große Lücke gerissen im Gemeindesäckel. Man hatte die Schule gern und die Zöglinge fühlten sich in dem so reizend in unmittelbarer Nähe Würzburgs gelegenen Orte sehr wohl. Keine Spur von Antisemitismus sei in Höchberg zu finden, keine Stimme für die Rechtsparteien. Wäre denn die Anstalt gar nicht zu halten gewesen? Oder könnte aus dem Gebäude nicht wieder etwas Ähnliches werden? So kommt es treuherzig aus dem Munde dieser nichtjüdischen Freunde der verlegten Präparandenschule und beweist uns, dass nicht nur frühere Höchberger Zöglinge mit tiefer Wehmut an den Wandel der Dinge denken, sondern auch ein sehr weiter Kreis von Nichtlehrern, ja sogar von Nichtjuden. Ob wirklich hier alle Möglichkeiten ausgeschöpft wurden vor dem entscheidenden Schritte und ob nicht doch die Sache anders gedeichselt hätte werden können, das mögen Maßgebende entscheiden. Sicher ist, dass ein Stachel zurückblieb im Herzen der 'Ehemaligen'. Sie sind Freunde Höchbergs geblieben, können sich aber nicht erwärmen für die neue Organisation. Daran kann auch die Behauptung nichts ändern, dass die Realitäten des Lebens stärker sind als Sentimentalitäten. Auch Gefühle sind eine Macht, die wohl zu beachten sind. Unter keinen Umständen dürfte aber das Gebäude in die Hände von Fremden kommen. Das würde dem Ganzen den Stempel des Unfasslichen, des Unbegreiflichen aufdrücken. Noch sind wenige Monate dahin, seitdem der Anstalt die Seele entfloh. Höchberg hat den unbestreitbaren Vorzug, durch seine Lage in nächster Nähe Würzburgs — man kann sogar am Schabbat die Stadt erreichen — durch seine anderen jüdischen Gegebenheiten, wie Synagoge, Mikwe, Friedhof usw. einmal noch aufzublühen. Hört man doch gerade in der heutigen schrecklichen Wirtschaftskrise von dem Zurücksehnen der Juden wieder nach dem flachen Lande. Höchberg kann der bewegten Entwicklung ruhig noch einige Zeit entgegensehen. Mag man an ein Jugendheim denken, an eine Art Altersheim, an einen Vereinssitz oder sonst ähnliches — Höchberg bietet für alles willkommene Grundlagen, nicht zu unterschätzende Gegebenheiten. Das ist freilich nur ein schwacher Ersatz für einstigen Glanz und einstige Größe. Immerhin aber würde das Anstaltsgebäude, das alte Beit Hamidrasch, in dem Tag und Nacht gelernt wurde, wieder jüdischen Zwecken, jüdischem Leben dienen, ... Möge man die Schwere dieses Wortes beherzigen! K.L.P."           

  
Erinnerungen an Höchberg (1933)  

Hoechberg Israelit 24051933.jpg (245965 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Mai 1933: "Höchberg. Wenn der Name 'Höchberg' an unser Ohr klingt, steigen die Jahre in unserer Erinnerung empor, die wir vor mehr als vier Jahrzehnten dort verbracht, und mit ihnen besonders die Gestalten unserer damaligen Lehrer, denen es oblag, uns Jungen in die Welt des Judentums einführen, des Leiters der Anstalt Nathan Eschwege – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen, dem in vorliegender Nummer unseres Blattes zu einem 25. Todestage liebevolles Gedenken ein Denkmal gesetzt, sowie unseres damaligen Gemorohlehrers Raw Henle Wechslerdas Andenken an den Gerechten ist zum Segen. Als ich vor ungefähr 42 Jahren als kaum 13 jähriger Junge aus meinem oberhessischen Heimatdorfe nach Höchberg kam, da war ich wochenlang von bangem Erstaunen erfasst ob der Welt, in die ich hier eingetreten war. Dort in der Heimat lebte man schlecht und recht in Elternhaus und Gemeinde als jüdischer Mensch, wie man es vor sich sah... Hier in Höchberg aber war man in eine Atmosphäre gekommen, die erfüllt war von jüdischem Wollen und Tun. Hier atmete jeder Stein Liebe zur Tora und Gottesfurcht. Es bedurfte, wie gesagt, erst einiger Zeit, bis man sich eingelegt und erfühlt hatte, worum es hier ging. Es war Heiligen Boden, den man betreten und man bekam als 14jähriger Junge allmählich eine Ahnung von der Kraft, mit der die Tora den jüdischen Menschen umzuformen vermag, um ihn hinanzuführen zu der Höhe des Sinai-Erlebnisses. Es waren vor allem die Gestalten unserer Lehrer, die uns voranleuchteten als Feuersäulen, uns in unablässigem Streben und nie ermüdender Arbeit den Weg zu zeigen, den wir als jüdische Menschen und Lehrer zu gehen berufen waren. Wir waren damals noch jung, standen noch inmitten unserer körperlichen, geistigen und sittlichen Entwicklung. Wenn auch so mancher von uns im späteren Lebensgange erlahmte und dem ihm in Höchberg gezeigten Ideale nicht nachzuleben vermochte, wir haben doch alle von dem Geiste, der uns in der Präparandenschule umflutete, mit hinausgenommen ins Leben, und so manches Samenkörnlein, das wir in Beruf und Leben in geöffnete Herzen gesenkt, ist das Ergebnis der Erziehungsarbeit, die die Talmud-Toraschule in Höchberg an uns selbst vollbracht hat. 
Und heute? Im vorigen Jahre war es mir erst möglich, wieder einmal nach Höchberg zu kommen und die Stätte zu besuchen, wo ich drei schöne und bedeutungsvolle Jugendjahre verbracht. Es lässt sich denken, welche Freude mich darob erfüllte. Aber – die Anstalt steht zwar noch an ihrer alten Stelle, der Speisesaal im Hause Ehrenreich, in dem einst wahre Schlachten um das größere Stück Hering und die Pellkartoffeln ausgefochten wurden, ist auch noch vorhanden; jedoch die Stimme der Tora ist verstummt, die 'Stimme der Turteltaube' wird nicht mehr gehört, die Zeit des 'Singens' ist vorüber; nur die toten Steine, aus denen die Mauern des Anstaltsgebäudes gefügt, erzählen noch von eifrigem Lernen. Der Anweisung Reb Losers, des Gründers der Schule, ist nicht Rechnung getragen worden, wie bereits der Kollege in vorstehendem Artikel gesagt. Wenn Steine menschliches Fühlen zeigen könnten, dann würden sie sicher weinend klagen, dass man ihr Beit Hamidrasch im Stiche gelassen und ihm die Lehrer und Lerner genommen habe. Wir stehen den bayrischen Verhältnissen zu fern, um beurteilen zu können, ob unbedingte Notwendigkeit vorhanden war, die Talmud-Tora-Schule von Höchberg nach Würzburg zu verlegen. Wir nahmen bei unserem Besuche wahr, dass Höchberg selbst im Laufe der Jahrzehnte sich zu einem ansehnlichen Orte entwickelt hat und dass die Verbindung mit dem nahen Würzburg auch günstiger geworden ist. Vielleicht hätte sich doch ein Weg finden lassen, die Anstalt in Höchberg zu belassen und die Vereinigung mit dem Würzburger Seminar unbeschadet der geringeren räumlichen Entfernung möglich zu machen. Die Freude, die wir empfangen, als wir nach 40 Jahren wieder einmal vor dem Anstaltsgebäude standen, wurde empfindlich gestört durch das Gefühl tiefer Wehmut, denn das rege Leben und Lernen, das dort einst herrscht, ist verstummt, Höchberg und seine Talmud-Tora-Schule gehören der Vergangenheit an."

   
70. Geburtstag von Emanuel Eldod (1933)        
Anmerkung: Emanuel Eldod ist am 25. September 1863 in Höchberg geboren als Sohn von Schmuel Eldod. Er studierte an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg. Ab 1895 war er Kantor in Höchberg und Religionslehrer an der Präparandenschule. Er unterhielt ein kleines Internat an der Präparandenschule. Ab 1920 war er Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Höchberg. 1929 wurde er pensioniert (siehe Bericht oben). Zwei Söhne - Naftali Eldod (geb. 1899 in Höchberg - ermordet 1941) und Simon Eldod (geb. 1906, 1938 nach Haifa emigriert) - wurden Gymnasiallehrer. Emanuel Eldod lebte mit seiner Frau Mirjam geb. Eldod (geb. 1872 in Kleinerdlingen) zuletzt in Würzburg, von wo beide am 23. September 1943 in das Ghetto Theresienstadt deportiert wurden. Hier starb sie am 12. Oktober 1942, er am 10. November 1942.
Quelle: https://www.bllv.de/projekte/geschichte-bewahren/erinnerungsarbeit/datenbank-jued-lehrer/datenbank 
Stolperstein in Höchberg https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Höchberg    

Hoechberg Israelit 26101933.jpg (96088 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Oktober 1933: "Höchberg, 20. Oktober. In aller Stille, ganz wie es seiner Bescheidenheit entspricht, beging dieser Tage der nunmehr im Ruhestande lebende Präparandenlehrer Herr Emanuel Eldod seinen 70. Geburtstag. Erst jetzt hörte man davon. Herr Eldod ist noch ein lebendiger Zeuge des 'alten Höchberg', ein Repräsentant der wundervoll jüdischen Epoche, in der an der Präparandenschule, damals kurz Beth HaMidrasch benannt, die Ortsrabbiner Reb Losor Ottensoßer, Jakob Ehrenreich und Reb Hinle Wechsler ihre überaus segensreiche Tätigkeit entfalteten zusammen mit' den Präparandenlehrern N. Eschwege und L. G. Ehrenreich - das Gedenken an sie ist zum Segen. Gefühlsmäßig zählte man auch den Kassier der Anstalt, Reb Schmuel Eldod - seligen Angedenkens, den Vater des Jubilars, zu den Lehrkräften.- In solchem Milieu aufgewachsen, verbreitete E. Eldod den reinen Geist der heiligen Tora unter Hunderten von Schülern. Seine populäre und elementare Lehrform befähigte die Jugend über die fünf Bücher Moses und Raschi und die Mischna selbst in schwerere Kompendien des Talmud einzudringen. Wahrlich keine Kleinigkeit! Voll Dank blickt heute die stattliche Schülerschar zu ihrem ehemaligen Meister auf. Möge dem beliebten Lehrer eine Schiwa towa in jeder Hinsicht im Kreise seiner Lieben und Freunde beschieden sein, wie hoch auch des Lebens Abendstern über seinem Haupte emporsteigen mag."        
 
"Todesfallanzeige" im Ghetto Theresienstadt für Emanuel Eldod, Quelle  

  
   
   

    

    

   

 

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Stand: 17. Dezember 2025