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in Höchberg
links:
Gebäude der ehemaligen Präparandenschule in Höchberg (Foto vom Juli 2009)
Höchberg (Marktgemeinde,
Kreis Würzburg)
Texte/Berichte zur Geschichte der Israelitischen Präparandenschule
Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit
Beiträgen zur Geschichte der Israelitischen Präparandenschule in Höchberg wurden in jüdischen Periodika
gefunden.
Die Texte sind chronologisch geordnet - weitere Texte werden bei Gelegenheit
eingestellt. Hebräische Wendungen und Zitate in den Texten sind teilweise noch
zu übersetzen.
Links: Seite in der Website des Marktes Höchberg
https://www.hoechberg.de/praeparandenschule/
Flyer: Informationen über die ehemalige israelitische Präparandenschule
in Höchberg (Flyer
zum Download)
Im Gebäude der Präparandenschule (Sonnemannstraße 15) gibt es (neben der
Facharztpraxis im Haus) in zwei Dokumentationsräumen eine Ausstellung zur
Geschichte der Präparandenschule. Öffnungszeiten (aktuelle Zeiten
gegebenenfalls erfragen) derzeit (Anfang 2026) jeden 1. und 3. Monat im Monat
von 14 bis 17 Uhr. Führungen für Schulen und Gruppen nach Vereinbarung. Eintritt
frei. Kontakt über Markt Höchberg
www.hoechberg.de Mail:
poststelle@hoechberg.de
Literatur: Roland Flade: Lehrer, Sportler, Zeitungsgründer. Die Höchberger Juden und die israelitische Präparandenschule.
Schriften des Stadtarchivs Würzburg, Heft 12. Würzburg 1998.
Einführung in die Geschichte der Präparandenschule
Der in Höchberg seit 1828 als Ortsrabbiner tätige Lazarus (Elieser, Elosor) Ottensoser gründete
1841 eine Jeschiwa (Talmud-Tora-Schule, Beth haMidrasch) für junge Männer, die einige Zeit
ihres Lebens ganz dem Torastudium widmen wollten.
Lazarus
Ottensoser ist 1798 in Weimarschmieden
(nicht in Kleineibstadt) als Sohn des Naphtali Ottensoser geboren und zog mit seinen Eltern in
jungen Jahren nach Kleineibstadt (nach Angaben von R.
Flade, siehe Lit.). Der Vater von Lazarus Ottensoser war (nach Forschungen
von Elisabeth Böhrer) jüdischer Lehrer in Kleineibstadt, wo weitere
Geschwister von Lazarus zur Welt kamen. Nach Abschluss seiner Ausbildung zum
Lehrer war Lazarus Ottensoser vor Höchberg zunächst als Lehrer in Scheinfeld und
Aub tätig.
Da die Jeschiwa Ottensosers bald einen hervorragenden Ruf weit über Bayern
hinaus hatte, waren nach wenigen Jahren 20 bis 25 junge Männer ständig zum Lernen in
Höchberg. Die Einrichtung lebte ganz von Spenden; die Schüler hatten keine
Gelder für Unterkunft, Verpflegung oder Studium zu bezahlen. Seit 1861
wurde die Jeschiwa auf Anregung von Rabbiner Seligmann Bär Bamberger in eine
Präparandenschule umgewandelt. 1863 erschienen mit Billigung der Regierung
von Unterfranken die ersten Anstaltsstatuten. Die erfolgreich abschließenden Schüler wurden
seit 1864 in die Israelitische Lehrerbildungsanstalt in Würzburg
beziehungsweise in ein anderes Lehrerseminar (je nach Herkunft auch außerhalb
Bayerns) übernommen.
1865 konnte Ottensoser ein neues Lehrhaus im Gebäude Sonnemannstraße
15 eröffnen, in dem die Schüler
lebten und lernten.
1876 starb der Gründer der Einrichtung Lazarus
Ottensoser. Inzwischen wurde die Schule
von fast 40 Schülern besucht. Es unterrichteten drei Lehrer in den
unterschiedlichsten Fächern. Nach dem Tod Ottensosers übernahm Rabbiner
Nathan Ehrenreich die Leitung der Präparandenschule. Auch er war zugleich
Ortsrabbiner in Höchberg. Ehrenreich starb 1886. Nun übernahm der seit
1875 an der Präparandenschule unterrichtende Lehrer Nathan Eschwege die
Schulleitung. Bis zu seinem Tod 1908 konnte er die erfolgreiche Arbeit der
Präparandenschule im Sinne des Gründers fortsetzen. Von 1908 bis 1913 war Lazarus
Gedalja Ehrenreich Schulleiter. 1913 übernahm der an der
Präparandenschule bereits mehrere Jahre unterrichtende Selig Steinhäuser
(geb. 1884 in Oberlauringen, ermordet 1943 in Auschwitz) die Leitung. In den
1920er- und 1930er-Jahren besuchten etwa 60 bis 70 Schüler die Schule,
unterrichtet von bis zu sechs oder sieben Lehrern. Die Schule war seit 1918 attraktiver
geworden, da für angehende Kaufleute auch eine fundierte Ausbildung in der
Handelslehre möglich war (in einer "Bürgerschule"), verbunden mit einer Ausbildung in den Traditionen des
Judentums. Nun unterrichteten bis zu zwölf Lehrer an der Schule, von denen die
meisten in Würzburg lebten. Die
Schule bestand in Höchberg bis 1931, wurde in diesem Jahr nach Würzburg
verlegt und mit der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt (ILBA) verbunden. Selig
Steinhäuser wurde an der ILBA als Seminarlehrer und stellvertretender Direktor
übernommen. Trägerin der Präparandenschule war die Lazarus-Ottensoser Stiftung für die
Israelitische Präparandenschule.
Überblick über die Texte:
-
Lob des jüdisch-religiösen Unterrichts in
Höchberg (1846)
- Über die Präparandenschule (1866)
- Höchberg und die Schule leiden unter dem Krieg (1866)
- Ausschreibung einer Lehrerstelle (1866)
- Ausschreibung der zweiten Lehrerstelle (1869)
- Bericht von Lazarus Ottensoser über die Situation in der
Anstalt (1871)
- Zum Tod von
Rabbiner Lazarus Ottensoser (1876)
- Über die Situation der Schule (1879)
- Zum Tod von Rabbiner Jakob Ehrenreich
(1886)
- Lehrer
Nathan Eschwege wird Leiter der Präparandenschule -
Rabbinatskandidat Pinchas Mosche Hänle Wechsler wird angestellt (1886)
- Zur Berufung von Pinchas Mosche Hänle (Elchanan) Wechsler an die
Präparandenschule (1886)
- Zur Berufung von Pinchas Mosche Hänle Wechsler nach Höchberg (1887)
- Ausschreibung einer Lehrerstelle (1890)
- 50-jähriges Jubiläum der Schule (1891)
- Zum
50-jährigen Bestehen der Präparandenschule (1891)
- Spende
für die israelitische Präparandenschule (1892)
- Zur Beisetzung von
Pinchas Mosche Elchanan
Wechsler (1894)
- Erinnerung
an Rabbiner Pinchas Mosche Elchanan Wechsler (gest. 1894, Beitrag von 1933)
- Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers (1894)
- Jahresbericht 1893/94
- Jahresbericht 1897/98
- Neujahrsgrüße
von Lazarus G. Ehrenreich (1898)
- Jahresbericht 1899/1900
- 25-jähriges
Dienstjubiläum von Lehrer Nathan Eschwege (1900)
- Trauerfeier
für Freiherr W. C. von Rothschild (1901)
- Zum
Tod von cand. med. Simon Eschwege, Sohn des Hauptlehrers Nathan Eschwege (1901)
- Jahresbericht 1900/01
- Spendenaufruf
für die Präparandenschule (Talmud-Tora-Schule) in Höchberg (1901)
- Die
Israelitische Präparandenschule im Jahr 1902
- Jahresbericht 1901/02
- Ausschreibung
einer Lehrerstelle an der israelitischen Präparandenschule (1902)
- Ausschreibung
einer Lehrerstelle an der Israelitischen Präparandenschule (1903)
- Vergleich
der Ausbildungen in den Präparandenschulen Burgpreppach, Höchberg und Münster
sowie in den Seminaren Köln, Münster und Würzburg (1904)
- 25-jähriges Dienstjubiläum von
Lehrer
Lazarus Ehrenreich (1904)
- Zum Jahresbericht 1904/05
- Jahresbericht 1905/06
- Über die Präparandenschule in Höchberg (1906)
-
Allgemeiner Bericht über Gemeinde und Präparandenschule (1906)
- Spendenaufruf für eine Renovierung der Schule
(1907)
- Zum Tod des Leiters der Präparandenschule
Nathan
Eschwege (1908)
- Erinnerung
an Nathan Eschwege, den "Vater" des Israelitischen Lehrervereins für
Bayern (Artikel von 1927)
- Ausschreibung einer Lehrerstelle (1909)
- Die
drei Lehrerbildungsanstalten im Kreis Unterfranken (Höchberg, Burgpreppach,
Würzburg)
- Zum
Tod von Direktor Lazarus G. Ehrenreich (1913)
- Zum Tod von Samuel Eldod
(1920)
- Bericht über das "80. Schuljahr" (1920)
- Zum
Tod von Bella Eldod, Witwe von Elias Eldod (1922)
- Jahresbericht
der Präparandenschule (1922)
- Ausschreibung von Freiplätzen für Präparanden (1924)
- Ausschreibung
der Israelitischen Präparandenschule für das Schuljahr 1925/26
- Ausschreibung
der israelitischen Lehrerbildungsanstalten in Bayern (1925)
- Schwierige Situation der Präparandenschule (1927)
- Ausschreibung
der Israelitischen Präparanden- und Bürgerschule für das Schuljahr 1928/29
- Ausschreibung
der Bayerischen Lehrerbildungsanstalten für das Schuljahr 1929/30
- Präparandenlehrer
Emanuel Eldod tritt in den Ruhestand (1929)
- Erinnerungen an die Präparanden- und Seminarzeit von Lehrer
A. Strauß (Uffenheim) (1930)
- Umzug der Präparandenschule von Höchberg nach
Würzburg (1931)
- Gründe
für die Verlegung der Präparandenschule Höchberg nach Würzburg (1931)
- Hochzeitsanzeige
von Gerson Katz und Sara geb. Eldod (1931)
- Nach
Schließung der Präparandenschule: Bericht über das "stille
Höchberg" (1931)
- Erinnerungen an Höchberg (1933)
- 70. Geburtstag von Präparandenlehrer
Emanuel Eldod (1933)
Lob des jüdisch-religiösen
Unterrichts in Höchberg (1846)
|
Aus
einem Artikel in "Der treue Zionswächter" vom 3. Februar 1846: "Ein
gleichmäßig reges Streben gibt sich bei den Lehrern und Zöglingen in allen,
des Herrn Rabbiners Bamberger (vgl.
https://de.wikipedia.org/wiki/Seligmann_Bär_Bamberger) Leitung und
Aufsicht empfohlenen, nahe an 30 Religionsschulen kund, in welchen außer den
gewöhnlichen Lehrgegenständen das Studium der Tora, der Propheten, der
Mischnah und des Orach Chajim (vgl.
https://en.wikipedia.org/wiki/Orach_Chayim) mit besonderem Fleiße
und mit dem befriedigendsten Erfolge betrieben wird. Sogar in den
talmudischen Wissenschaften zeichnen sich mehrere Lehrer, die in den die
Kreishauptstadt Würzburg zunächst umgebenden Gemeinden angestellt sind, zu
welchen vorzüglich die in Höchberg, Rimpar
und Fuchsstadt mit lobender
Anerkennung zu rechnen sind, durch ihre vortrefflichen Leistungen aus, und
gleichwohl haben sich diese Talmudlehrer mit ihren einheimischen und
auswärtigen Talmud lernenden Schülern des vollen Beifalls der Inspektoren
der deutschen Schule zu erfreuen. " |
Über die Präparandenschule (1866)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Mai 1866: "Nicht
weniger merkwürdig in ihrer Art ist die Erscheinung, welcher der
Anspruchslose, allen Freunden des Heiligen Landes sehr wohl kannte,
Rabbiner, unser Lehrer, der Herr und unser Meister Elieser Ottensoser
in Höchberg darbietet. Derselbe leitet eine Jeschiwa
(Talmud-Tora-Schule) von etwa 20 jüngeren Schülern, teilweise aus
weiter Ferne, die spätere höhere Jeschiwot besuchten. Der Bedarf
der Jeschiwa wird von ihm durch Erlangung von Spenden aufgebracht;
ja, derselbe hat sogar durch unermüdliches Bestreben einen Fond
herbeigeschafft, wodurch es ihm möglich wurde, einen Lehrer zum
Unterrichte in den notwendigsten deutschen Disziplinen zu engagieren. Die
sittlich moralische und religiöse Erziehung der Schüler leitet derselbe
mit einer bewunderungswürdigen Vorsicht und Aufmerksamkeit, und erzielt
dadurch die schönsten Resultate, wovon sich Schreiber dieses bei mehreren
Schülern, welche später zu ihm kamen, mehrfach überzeugte." |
Höchberg und die Schule leiden unter dem Krieg (1866)
Es ging um den sog. "Deutschen Krieg"
https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Krieg; im Juni 1866 u.a. mit dem
"Mainfeldzug"
https://de.wikipedia.org/wiki/Mainfeldzug und dem "Gefecht bei
Tauberbischofsheim"
https://de.wikipedia.org/wiki/Gefecht_bei_Tauberbischofsheim, worauf
angespielt wird "Gefechte, die sich vom Taubergrund bis hierher zogen"
vgl. zur Situation 1866 auch die Erinnerungen
von Lehrer Abraham Strauß
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. August 1866: "Würzburg.
Bei den Gefechten, die sich vom Taubergrund bis hierher zogen, wurde
namentlich das Dorf Höchberg arg heimgesucht. Ein Besuch, den ich dieser
Tage meinen sehr verehrten Lehrern, Herrn Rabbiner Ottensooser – sein
Licht leuchte – und Herrn Rabbinatskandidaten Ehrenreich – sein
Licht leuchte – abstattete, überzeugte mich von der Wahrheit der
diesbezüglichen Zeitungsnachrichten. Nicht weniger als 25.000 Mann
preußischer Truppen lagen drei Tage lang in und um Höchberg. Die Truppen
waren von den anhaltenden Strapazen und Kämpfen so erschöpft und
ausgehungert, dass selbst höhere Offiziere in das Haus des Rabbinen kamen
und mit den inständigsten Worten um ein Stückchen Brot baten, ohne dass
derselbe diesem Verlangen nachkommen könnte. – Das neu erkaufte
Beth-Hamidrasch-Haus, das Herr Rabbiner Ottensooser bewohnt, mag es wohl
gewesen sein, das durch seine Ansehnlichkeit die Aufmerksamkeit der
hungrigen Truppen auf sich zog. In Folge dessen wurde dem Herrn Rabbinen
ein sehr beträchtlicher Schaden zugefügt, der sich auf Hunderte
beläuft. Der sämtliche Wein, der sich in dem Keller befand, wurde samt
den Fässern fortgeschleppt. Mehr als für hundert Gulden Holz, teils den
armen Schülern gehörig, ging dabei verloren. Fast alle Türen des
großen Hauses wurden ausgehängt und vor das Dorf geschleppt, um daraus
Zelte zu bauen; letztere wurden jedoch wieder zurückgestellt. Dabei
folgen die Geschosse von der Feste Marienberg so zahlreich in das Dort,
dass man von den Fenstern aus sehen konnte, wie preußische Reiter
getroffen vom Pferde stürzten und manche Granate krepierte in den
Straßen des armen Dorfes, ohne dass jedoch ein Menschenleben seitens der
Einwohner zu bedauern wäre. – Die Felder der Umgegend tragen zum
großen Teil mehr oder weniger die Spuren des Kampfes noch an sich. –
Wahrhaft erhebend war es für mich, zu vernehmen, wie mein würdiger
Lehrer, weniger den bedeutenden Verlust an seinem Vermögen bedauert, als
es ihm leid tut, dass durch diese Kriegsschrecken das Studium der
Schüler, deren Anzahl sich im verflossenen Semester bis auf 25 heute
vermehrt hatte, auf einige Zeit unterbrochen wurde. So duldet ein frommer,
gottergebener Mann. In Würzburg traf ich zufällig einen Soldaten vom 53.
preußischen Infanterieregiment, der Sie, geehrter Herr Redakteur kennt
und mich ersucht, Sie herzlich zu grüßen. Derselbe, Herr Meier aus
Köln, erzählte mir, dass bei seinem Regiment, welches fast sämtliche
Kämpfe der Mainarmee mitgemacht und dabei bedeutende Verluste erlitten
hat, auch nicht ein einziger Israelit verletzt worden sei. Dagegen
erzählt er mir, dass in seiner Vaterstadt 35 jüdische Familien die
Trauerwochen abgehalten hätten. Gebe Gott, dass sich dergleichen
Vorfälle in unserem teuren Vaterlande nicht wiederholen mögen. G." |
Ausschreibung einer Lehrerstelle (1866)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Oktober 1866: "Offene
Stelle. In Folge größeren Andranges von Zöglingen sieht sich der
Unterzeichnete veranlasst, noch für dieses Semester und auf weiter einen
Lehrer zu engagieren, der imstande ist, sowohl im Pentateuch,
Propheten, Gemara, Raschi, Auslegung und Grammatik, als auch in
deutscher Sprache und in den Realien gründlichen Unterricht zu erteilen.
Das Honorar wird selbstverständlich zur Zufriedenheit des Anzustellenden
nach Übereinkunft festgesetzt werden. Dessen ungeachtet findet man für
wichtig, die Bemerkung beizufügen, dass im Hinblick auf den alleinigen
Zweck der Anstalt, um die Tora groß zu machen und mächtig nur
solche auf dieses Ausschreiben reflektieren mögen, welche mehr aus Liebe
und Hingebung zu diesem Berufe, als des Gehaltes wegen die Stelle
anzunehmen gedenken. Von diesem Grundsatze ausgehende Bewerber werden
daher ersucht, längstens bis zum 1. kommenden Monats unter portofreier
Einsendung empfehlender Zeugnisse sich bei dem Unterzeichneten zu melden.
Höchberg, den 3. Oktober 1866. Lazarus Ottensoser, Rabbiner in
Höchberg bei Würzburg in Bayern." |
Ausschreibung der zweiten Lehrerstelle (1869)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. September 1869: "An der
hiesigen Talmud- und Lehrervorbereitungsschule ist bis zum 15. Oktober die
zweite Lehrerstelle vakant. Bewerber, die imstande sind, in Talmud und Tanach
(Bibel), sowie in der deutschen Sprache und den Realien gründlichen
Unterricht zu erteilen, wollen längstens bis zum 15. Oktober
entsprechende Zeugnisse an den unterzeichneten Vorstand einsenden.
Der
jährliche Gehalt ist für einen Unverheirateten 400 Gulden und für einen
Verheirateten 500 Gulden.
Höchberg bei Würzburg, den 8. September 1869.
Lazarus Ottensoser, Ortsrabbiner und Vorstand der Anstalt." |
Bericht von Lazarus Ottensoser über die Situation in der
Anstalt (1871)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. November 1871: "Erinnerung
und Bitte. Der Unterzeichnete, welcher mit Gottes Hilfe vor einigen
Jahrzehnten eine Talmudschule dahier ins Leben rief und bisher unterhielt,
hat seit ungefähr zehn Jahren sein Augenmerk hauptsächlich darauf
gerichtet, dass darin solche Jünglinge unterrichtet und unterhalten
wurden und werden, die sich dem Lehrfache widmen wollen, respektive für
die israelitische Lehrerbildungsanstalt in Würzburg sich vorzubereiten
wünschen.
Mit der Hilfe des Allgütigen war das Bemühen des Unterzeichneten von
sehr gutem Erfolge begleitet, sodass nicht nur eine erfreuliche Anzahl
bereits in ihrem Berufe tätiger Lehrer aus der Anstalt hervorgingen,
sondern auch alljährlich der bei weitem größere Teil der in die
israelitische Lehrerbildungsanstalt zu Würzburg aufgenommenen Zöglinge
von den dahier vorbereiteten genommen wurde.
Dieser Umstand hat nun die natürliche Folge, dass der Andrang von
Zöglingen sich – Gott sei Dank – immer steigert, und sohin
auch die an die Unterstützungskassa der Anstalt gestellten Anforderungen
in demselben Verhältnisse zunehmen, während die Zuflüsse teils aus
Vergessenheit, teils aus Indifferentismus zu spärlich sind, um die
nötigsten Bedürfnisse der oft ganz mitteillosen Zöglinge zu
befriedigen, weshalb viele derselben genötigt sind, in dem nahe gelegenen
Würzburg Unterstützung für sich zu erbitten, welcher Umstand aus vielen
Gründen eine baldmöglichste Beseitigung wünschen lässt.
Wäre der Unterzeichnete noch in der Lage, sich auf Reisen zu begeben, um
Unterstützungsgelder zu sammeln, so wäre natürlich dadurch am
leichtesten abzuhelfen; allein da dies für ihn die reinste Unmöglichkeit
ist, so bleibt ihm zur Erhaltung dieser Anstalt kein anderer Weg übrig,
als an die Wohltätigkeit seiner Glaubensbrüder auf eine solche Weise
sich zu wenden, wobei er Niemandem lästig werden kann, da er nur die
Gelegenheiten angibt, bei welchem man diese Anstalt bedenken kann, und das
Gedeihen dieses Unternehmens dem himmlischen Vater überlässt, der mit
seinen väterlichen, wohlwollenden Blicken auf dieses Beit HaMidrasch von
Anbeginn schon huldvollst herabschaute und noch alle Unternehmenden, die
Tora groß und mächtig zu machen, gelingen ließ, ebenso wird Er auch
die Herzen seines Volkes hierauf lenken, dass sie von Zeit zu Zeit, wenn
sich eine Gelegenheit dazu bietet, diese Anstalt zu der weder Geldgewinn
noch Ehrgeiz die Triebfedern waren, wohlwollend bedenken.
Die Wege, auf welchen man diese Anstalt bedenken und unterstützen kann,
sind folgende:
A. Momentane Unterstützungsbeiträge, und zwar:
a) Ein beliebiger, wenn auch kleiner Anteil von dem bei Hochzeiten
anfallenden Zehnten; |
b)
an Fest- und Fasttagen, wo zuweilen im eigenen Wohnorte keine Gelegenheit
geboten ist, Spenden anzubringen;
c) in Krankheitsfüllen, wo mancher sich sehnt, eine gute und zweckmäßig
angewendete Gabe zu spenden.
B. Jährliche Beiträge, aber natürlich ohne Gelübde.
C. Legate im Betrage von mindestens Einhundert Gulden, wodurch für
diejenigen, welche es selbst bewilligen, oder für die es bewilligt wird,
am Jahrzeittage mit zehn Zöglingen ein Schiur (Lernstunde) mit
vorherigem üblichem Gebete und nachfolgendem Kiddusch gelernt,
sowie auch das gebräuchliche Licht angezündet und zweimal im Jahre das Seelen-Erinnerungs-Gebet
vorgetragen wird, - und in der Tat sind solche Legate mit des Himmels
Hilfe bereits schon von mehreren gestiftet worden.
Zugleich fühlt sich der Unterzeichnete verpflichtet, die gewiss angenehme
Mitteilung zu machen, dass für diejenigen, welche entweder selbst Spenden
zu obigem Zweck verabreichen, oder von anderen solche erwirken, in
Rücksicht auf das hohe Verdienst, welches sie sich dadurch erwerben,
mehrmals des Jahres an drei gewöhnlichen Anlässen und an Jom Kippur
in der Synagoge dahier ein Gebet vorgetragen wird, dessen Inhalt ist, dass
der Allgütige Ihnen ein langes, gesundes und heiteres Leben und alles
erdenkliche Gute zuteil werden lassen möge.
Da nun diese Worte nicht für die Gegenwart allein bestimmt sind, sondern
eine stete Erinnerung und bitte an die edelmütigen herzen Israels
bezwecken sollen, so ist es unumgänglich notwendig, dass dieselbe in
allen Synagogen als ein Erinnerungszeichen angeheftet werden, weshalb man
die innigste Bitte an jeden Herrn Distriktsrabbiner, Ortsrabbiner,
Kultusvorstand und Lehrer richtet, so wollen gütigst erlauben, dass diese
Erinnerung und Bitte, die doch niemanden läst fallen kann, in ihren
Synagogen für immer angeheftet werde. Wolle der Himmel seinen Beistand
hiezu verleihen. Amen! Höchberg bei Würzburg im Marcheschwan 5632.
Lazarus
Ottensoser, Ortsrabbiner und Vorstand der Anstalt." |
Zum Tod von Rabbiner Lazarus Ottensoser (1876)
Anmerkung: die Angabe des Geburtsortes
Kleinbardorf ist nicht richtig; Ottensoser ist 1798 in
Weimarschmieden geboren als Sohn des
Kultusbeamten Naphtali Ottensoser. Als Kind übersiedelte er mit seinen Eltern
nach Kleineibstadt.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Oktober 1876: "Rabbiner
Lazarus Ottensoßer – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen -.
Würzburg, im Tischri. Heute habe ich Ihren geschätzten Lesern
keine angenehme Mitteilung zu machen. Am Dienstag, dem 3. Tag der
Selichot (12. September 1876, da die Selichot am Sonntag, 10. September
begannen) schied eine weit und breit rühmlichst bekannte Persönlichkeit
aus dem irdischen Leben, der Ortsrabbiner und Vorstand der israelitischen
Lehrer-Vorbereitungsschule zu Höchberg, Herr Lazarus Ottensoßer. Nach
nur mehrtägigem Krankenlager hauchte er im 80. Lebensjahre seine reine
Seele aus. Die vielen Verdienste, die vorzüglichen Eigenschaften, welche
den Verblichenen zierten, gebieten es, dass sein Hinscheiden auch in
weiteren Kreisen bekannt werde, und dass dabei nicht unterlassen werde,
einen Blick auf die ganze Laufbahn seines irdischen Lebens zu
werfen.
Ottensoßer war geboren in einer kleinen Landgemeinde, zu Kleinbardorf,
und genoss eine gute Erziehung. Die Verhältnisse seiner Eltern
gestatteten jedoch nicht, ihm eine Ausbildung in den Wissenschaften
angedeihen zu lassen. Er fing im 13. Lebensjahre einen Hausierhandel an,
jedoch nur ganz kurze Zeit behagte ihm dies, er flehte zu Gott, dass ihm
doch ein anderes Los beschieden werden möge, und sofort wurde sein Gebet
erhört. Eine Lehrerstelle in einer kleinen Gemeinde wurde ihm
übertragen. Hier fand er Gelegenheit, die wenigen Kenntnisse, die er
besessen, mit der größten Gewissenhaftigkeit in dem kleinen Kreise der
ihm anvertrauten Schulkinder zu verbreiten. An eine Bereicherung seines
Wissens konnte er eben nicht denken, deshalb strebte er eine Stelle zu
finden, wo er neben der Möglichkeit, das Nötige zu seinem
Lebensunterhalt zu erwerben, auch die Gelegenheit finde, seine eigene
Ausbildung zu bewerkstelligen. Diese Stelle war Scheinfeld.
Dort benützte er seine Mußestunden mit dem größten Eifer, sich in
unserer Heiligen Tora auszubilden und für den Besuch der
Hochschule in Fürth sich vorzubereiten. Nachdem er die letztere mehrere
Jahre mit bestem Erfolge besucht hatte, wurde er von Rabbiner Wolf Hamburg
– das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – als Schaz Maz
(Vorbeter und Beisitzer im Rabbinatsgericht) nach Aub empfohlen, welche Stelle er auch
sofort erhielt. Nachdem er dort vier Jahre segensreich gewirkt, wurde
Ottensoßer als Ortsrabbiner nach Höchberg berufen. Hier lebte er nicht
mehr für sich, sondern für die ganze Welt.
Der Eifer und die Lust,
welche er früher zur Tora besessen, entfalteten sich hier in der
herrlichsten Weise. Fünf Jahre ununterbrochen stand er nachts um 2 Uhr
vom Bette auf und lernte Gemara bis nachts um 10 Uhr; kaum dass er
sich die Zeit zum Essen gönnte. Später ging er täglich bei Wetter und
Wind hierher, um den Schiur bei unserem hoch verehrten Herrn
Rabbiner Bamberger zu hören. Nachdem ihm das Hierhergehen zu
beschwerlich ward, suchte er junge Leute um sich zu scharen, mit denen er
Tag und Nacht lernte. Er sorgte nicht nur für ihre geistige Nahrung,
sondern auch ihren Lebensunterhalt bestritt er mit größten Opfern. Durch
sein unablässiges Streben gelang es ihm auch, die jetzt in schönster
Blüte bestehende Vorbereitungsschule für Lehrer zu gründen.
Seine
herzinnige Art, zu beten, ist sprichwörtlich geworden; er betete sehr
inbrünstig und war mit eiserner Gewalt bemüht, jeden Gedanken – der
von außen kam – von sich zu entfernen. Was er für die Armen getan,
ist nicht zu beschreiben, nicht nur dass er die, die zu ihm kamen, nach
Kräften unterstützte, auch nach Auswärts schickte er nach Kräften. Als
– damals existierte der 'Israelit' noch nicht – im heiligen Land
Hungersnot war, reiste er ununterbrochen umher, um persönlich Gelder zu
sammeln, was ihm auch in schönster Weise gelang. Auch bis zu seinem
Hinscheiden war er ein Botschafter des Heiligen Landes, und hat er
während seiner Tätigkeit mehr als 100.000 Gulden für unsere dürftigen
Glaubensbrüder im heiligen Lande nach dort gesandt.
Er konnte in der Tat
viel entbehren, denn er kannte für seine Person keine Bedürfnisse. Er
verzichtete gern auf jeden irdischen Genuss. Seine Mahlzeit würzte er mit
Worten der Tora, und sein Tischgebet war herzerhebend zu vernehmen. Wer es
hörte, glaubte, eine Salomonische Mahlzeit sei hier gehalten worden,
obgleich nur ein uraltes Brötchen verzehrt worden war, das er in den drei
Trauerwochen noch in Asche tauchte, die er stets bei sich trug. Während
der ganzen Woche gönnte er sich keinen guten Bissen; dagegen heiligte er
den Sabbat auch durch gute Speisen und Getränke. So war er mit jeder Mizwa
(Gebet) im höchsten Grade sehr genau. Er hat an den ehrfurchtgebietenden
Tagen allein als Vorbeter fungiert. Seine Laubhütte war
ein Prachtbau. |
Wollte
ich Alles hier aufzählen, so würden Folianten nicht hinreichen.
Die
allgemeine Verehrung, die dieser Fromme genossen hatte, zeigte sich auch
bei seinem Leichenbegängnis. Eine Reihe von Wagen rollte von hier der
Höchberger Landstraße zu, und nicht nur von hier, aus der ganzen
Umgegend strömten die Leute herbei.
Im Sterbehause sprach zuerst der
erste Lehrer der Anstalt, Herr Rabbinatskandidat Ehrenreich. Er leitete
seine Rede ein mit den Worten der Weisen: 'Palmen schüttelten das Haupt
über einen Zadik Katomor (vgl. Psalm 92,13: ein Gerechter,
Palmen gleich). Wir wollen die Nächte dem Tag gleich machen
über einen, der Nächte zu Tag machte im Dienste des Herrn.' Dann
folgte eine gediegene Schilderung des ganzen Lebenswandels des
Verblichenen und zum Schlusse eine herrliche Erklärung des Verses 'es
wird vernichtet der Tod für immer', die der Redner im Namen des
Verblichenen nachsagte.
Ferner sprach der zweite Lehrer, ein Schüler des
Verblichenen, Herr Nathan Eschwege, in schwungvoller Rede; anknüpfend an
den Vers der Sidra 'atäm nezawim...' (5. Mose 29,9: 'ihr steht
heute alle vor dem Ewigen...') schilderte er sein Wirken im Allgemeinen und
insbesondere für die Jugendbildung, und schloss mit dem Wunsche, dass
seine um ihn versammelten zahlreichen Schüler in Wort und Tat dem
Verblichenen nachahmen mögen.
Nach diesem bewegte sich der unabsehbare
Zug zum Begräbnisplatze. Hier angekommen, besprach mit tief gerührter
Stimme in der begeistertsten Weise unser hoch verehrter Herr
Distrikts-Rabbiner S. B. Bamberger den Hintritt des Betrauerten durch drei
Worte der heiligen Schrift. Nachdem derselbe nämlich die Unmöglichkeit,
bei einem solchen Ereignisse eine ausführliche Rede zu entwickeln, aus
einem Verse aus dem Buche Hiob deduziert, sprach er die kräftigen Worte:
'Die Säulen des Himmels erzitterten...' (Hiob 26,11) Der verehrte Redner setzte in meisterhafter Weise die großen
Eigenschaften des Dahingegangenen, die bestanden in Tora, Gottesdienst und
wohltätigen, auseinander und jeder der Anwesenden fühlte, wie treffend
dieser Text gewählt war, und die Tränen flossen gleich Wasserbächen.
Nach Beendigung dieser Rede wurde die Beisetzung vorgenommen, und ist
hierbei besonders zu erwähnen, dass der Verblichene bereits vor mehreren
Jahren sich eine ganze Kiste Staub des Heiligen Landes hatte kommen
lassen, womit der ganze Sarg ausgefüllt wurde.
Um mit einem guten
Wort enden zu können, die vorläufige Notiz, dass die Anstalt, welche
ohnehin unter Aufsicht des Herrn Distriktsrabbiner Bamberger steht, genau
auf derselben Basis wie bisher, also in streng orthodoxem Sinne
fortgeführt wird, und bürgt uns schon der Namen des Herrn
Rabbinats-Kandidaten Ehrenreich, dem die Leitung der Anstalt übertragen
ist, sowie des darin mitwirkenden Lehrers Herrn Eschwege dafür, dass das
Ziel auch fernerhin sein soll: Schönheit der Tora verbunden mit
respektvollem Umgang.'" |
Über die Situation der Schule (1879)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. April 1879: "Höchberg. Es
sind schon über 2 ½ Jahre verflossen, seitdem Ihr geschätztes Blatt von
der hiesigen Talmud-Tora-Schule berichtete. Da sich aber unter den
verehrlichen Lesern dieses Blattes gar Manche befinden, die sich für
diese vom weltberühmten Rabbi Elieser – das Andenken an den Gerechten
ist zum Segen – begründete Anstalt interessieren dürften, erlaube
ich mir im Folgenden Einiges über dieselbe zu berichten.
Die Anstalt – von der hohen Königlichen Regierung den übrigen
Präparandenschule des Landes gleichgestellt – wird gegenwärtig von 39
Jünglingen aus verschiedenen Gegenden Deutschlands besucht.
Der Unterricht derselben umfasst in den Religionsgegenständen, Schriften,
Propheten, Pentateuch mit Raschi, Grammatik, Gemara, Mischna, Chai Adam,
in den profanen Fächern alle Diejenigen, welche für eine bayerische
Präparandenschule vorgeschrieben sind. Derselbe wurde bisher von 2
ständigen Lehrern und einem Hilfslehrern erteilt. Da sich jedoch in den
letzten Jahren sowohl die Schülerzahl als auch der Unterrichtsstoff
vermehrte, so zeigte sich das Bedürfnis eines dritten ständigen Lehrers
und ist es nun dem geehrten Vorstande gelungen, für diesen Posten einen
bewährten Lehrer in der Person des Herrn Eldod in
Kleinerdlingen zu
gewinnen.
Während die jüngste Jahresprüfung – wie in den Vorjahren – ein
recht gutes Resultat ergab, traten mit Beginn des jüngsten Semesters 6
Zöglinge in die israelitische Lehrerbildungsanstalt zu Würzburg
über.
Für die Leistungen der Anstalt mag folgende Tatsache sprechen, dass
sämtliche jüdischen Lehrer, die seit dem Jahre 1872 die
Austrittsprüfung am königlichen Schullehrerseminare zu Würzburg mit der
Hauptnote I bestanden, an hiesiger Anstalt ihre Vorbereitung
erhielten.
Seit ihrem Bestehen erhalten sämtliche Zöglinge unentgeltlichen
Unterricht, ebenso auch freie Beheizung und Beleuchtung, wie auch
teilweise unentgeltliches Logis und freie Bücherbenützung, wogegen die
ärmeren Zöglinge eine monatliche Unterstützung von Mark 200 aus der
Anstaltskasse erhalten. Seit seiner Gründung sind dem Beit HaMidrasch
schon über 100 Stiftungen teils zu 100, 200 und 500 Gulden zugewandt
worden, wogegen es die Verpflichtung übernommen, am 'Jahrzeitstage'
der Stifter Schiur, Kaddisch etc. zu besorgen.
Auch wurde der Anstalt in den jüngsten Jahren eine reichhaltige
Bibliothek zugewandt und besitzt sie nun eine sehr große Büchersammlung
jüdischer, wie auch eine angehende profane Literatur. Auch Lehrmittel
für Naturgeschichte und Geographie, als Skelette, Abbildungen, Globen,
Tellurium etc. sind zahlreich vorhanden.
Am 29. Januar dieses Jahres unterwarf der königliche Seminarinspektor und
Kreisscholarch, Herr J. N. Huber, die Anstalt einer außerordentlichen
Visitation, wohnte dem Unterrichte während zweier Stunden bei und sprach
sich infolge seiner Wahrnehmungen dahin aus, dass die Anstalt in Höchberg
allen Anforderungen entspricht, welche an eine bayerische
Präparandenschule gestellt werden." |
Zum Tod von Rabbiner Jakob Ehrenreich (1886)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Januar 1886: "Würzburg, 5.
Januar (1886). Am Heiligen Schabbat Paraschat Waere verschied nach
längerem Leiden der in weiten Kreisen bekannte, sehr verehrte Herr
Rabbiner Jakob Ehrenreich, Vorstand der Israelitischen Vorbereitungsschule
zu Höchberg. Die Beerdigung fand Sonntagnachmittag unter zahlreicher
Beteiligung von Verwandten, Freunden, Verehrern und Schülern statt. Im
Hause wurden drei, am Grabe fünf Reden gehalten, die alle dem Schmerze
über den schweren Verluste des so früh Dahingeschiedenen Ausdruck gaben
und Zeugnis von dem erhabenen Wirken und frommen Leben desselben ablegten.
Rabbi Jakob Ehrenreich wurde in Autenhausen geboren, war ein Schüler von
Rabbi E. M. Schüler, von HaGaon Rabbiner Seligmann B. Bamberger
– seligen Andenkens – und Herrn Dr. Feuchtwanger – sein
Licht leuchte. Er wirkte 28 Jahre an der Vorbereitungsschule in
Höchberg und erreichte ein Alter von kaum 52 Jahren. Er hinterlässt eine
trauernde Witwe und 5 Kinder, denen Gott seinen besten Trost senden
möge!" |
Lehrer Nathan Eschwege wird Leiter der Präparandenschule -
Rabbinatskandidat Pinchas Mosche Hänle (Hyle) Wechsler wird angestellt (1886)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. November 1886: "Würzburg.
Die königliche Regierung bestätigte durch Entschließung vom 28. Oktober
den Beschluss des Kuratoriums der israelitischen Präparandenschule zu
Höchberg, dass dem Lehrer an genannter Anstalt, Nathan Eschwege,
die Leitung derselben in stets widerruflicher Weise übertragen werde, und
dass Eschwege Titel, Rechte und Pflichten eines Hauptlehrers an den
staatlichen Präparandenschulen, ohne das Recht zu Mitwirkung bei der
Verwaltung des Anstaltsvermögens erhalte. Gleichzeitig wurde genehmigt,
dass der Rabbinatskandidat M.P.H. Wechsler aus Schwabach als
Religionslehrer an genannter Anstalt aufgestellt werde." |
Zur Berufung von Pinchas Mosche Hänle (Elchanan) Wechsler an die
Präparandenschule (1886)
In dieser Anzeige werden - bei allem Respekt vor der Person Wechsler -
Bedenken ausgesprochen, ob er der richtige Mann an der Präparandenschule sei,
zumal er keine Autorisierung als Rabbiner hatte und somit nicht zugleich als
Ortsrabbiner und als rabbinische Autorität in der Schule auftreten konnte.
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. November 1886: "Aus
Franken. Zu meiner Freude lese ich in der jüngsten Nummer Ihres
geschätzten Blattes, dass an der Präparandenschule Höchberg die Lücke,
die durch das Ableben des verehrten Rabbiners Ehrenreich – er ruhe in
Frieden – entstanden, ausgefüllt werden soll, indem der in
jüdischen Gelehrtenkreisen rühmlichst bekannte Lamdan Herr P.M.H.
Wechsler, zur Zeit Mitleiter der Talmud-Tora-Schule in Schwabach, vom
Kuratorium gewählt und von der Hohen Königlichen Regierung bestätigt
ist. Nun ist aber die oben erwähnte Korrespondenz nicht in Einklang zu
bringen mit einem Zirkular, welches ich zufällig vor einigen Monaten sag
und das vom Kuratorium der Höchberger Präparandenschule gezeichnet war.
In demselben heißt es, man suche einen tüchtigen Lamdan und nur
einen solchen, der Hattarat Horaa (Autorisierung zu rabbinischen
Entscheidungen) hat, Jünger um sich versammeln kann, um Marbiz Tora
BeIsrael zu sein, mit einem Worte, im Sinne des bekannten Gründers Rabbiner
Elieser – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – zu wirken
verstehe etc., also etwas andere als einen Religionslehrer, wie es in der
Korrespondenz hieß, denn zu Religionslehrer wurden die bereits
angestellten Lehrer genügen. – Wenn es nun gar keinem Zweifel
unterliegt, dass das Kuratorium in Herrn Wechsler einen Mann gefunden hat,
der die Eigenschaften, die im Sinne des Begründers der Anstalt lagen, im
vollsten Maße besitzt, und der mit einer Hingabe für unsere Heilige Tora
wie nur wenige, es versteht, sich die Liebe und Zuneigung von Jüngern zu
erwerben und sie zum Studium der Tora anzueifern, so wirkt der Inhalt
jüngster Korrespondenz um so mehr deprimierend, und bedarf einer
Aufklärung des Kuratoriums, denn die Gönner und Spender der Anstalt
müssen doch ebenfalls eine Garantie haben, dass auch wirklich nicht nur
ein Lamdan hingesetzt wird, sondern dass diese Lamdan auch
die nötige Macht und Befugnisse an der Seite bekommt, den jüdischen
Charakter der Schule und Zöglinge im Sinne des Gründers und der Spender
weiterzuführen, denn wenn auch heute die Schule eine Präparandie ist, so
ist in erster Linie das Studium der Heiligen Tora zu pflegen, was
keinesfalls ein Religionslehrer weder vom Standpunkte der Pädagogik noch
vom Gesichtspunkte der Pietät für unsere Heilige Tora
durchführen kann. Es ist deshalb gewiss allen Gönnern der Anstalt aus
der Seele gesprochen, wenn ich das verehrliche Kuratorium bitte, sich in
dieser öffentlichen Angelegenheit auszusprechen, da sie viele Gerüchte
die Luft durchschwirren, dass es sehr geboten erscheint von …
wegen." |
Zur Berufung von Pinchas Mosche Hänle Wechsler nach Höchberg (1887)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. März 1887 (leicht
abgekürzt zitiert): "Schwabach, 7. März (1887). Wie den Lesern
dieses geschätzten Blattes bekannt, wurde unser sehr verehrter Rabbi Hänle Wechsler zum Leiter der jüdischen Fächer der Präparandenschule
Höchberg berufen, wohin er heute zog, um diesen ehrenvollen Posten
anzutreten. Derselbe feierte ganz seiner Lebensweise entsprechend seinen
Abschied in seinem engsten Wirkungskreise, in der Talmudschule dahier,
nachdem er mit seinen Schülern einen Sijum auf …
gemacht. Es ergriff in erster Linie unser verehrter Herr Rabbiner Wissmann –
sein
Licht leuchte – das Wort, seinem Schmerze über den Wegzug des
bewährten Mitarbeiters und Freundes, Worte verleihend, indem er
schilderte, mit welcher Aufopferung Herr Wechsler die bestehende Schule
gründete, und wiewohl es ihm bei seinem Berufe unmöglich war, sich ganz
der Schule zu widmen, mit welcher peinlicher Gewissenhaftigkeit Herr
Wechsler dem Unterricht oblag. Er führte weiter aus, welche Lücke Herr
Wechsler in der Gemeinde verursachen werde. Herr Rabbiner Wissmann führte
des Weiteren aus, dass Herr Wechsel gleich unserem Erzvater Abraham nur
wegziehe an einen ihm von Gott angewiesenen Ort, da er nun in noch
vergrößertem Maße, die Verbreitung unserer heiligen Lehre kultivieren
werde. Es sprachen noch die übrigen Lehrer und verschiedene Schüler der
Anstalt warme Worte des Danke und der Anerkennung für das Wirken des
Herrn W. als Freund und Lehrer. Zum Schluss schilderte der zweite Vorstand
der Kultusgemeinde, ein ehemaliger Schüler des Herrn Wechsler, den
allgemeinen Schmerz der Gemeinde, über das Wegziehen eines solchen
Mannes, der rastlos im Dienste Gottes und seiner Nebenmenschen, arbeitete
und sich verdient machte; es wurde dankend in einer jüngsten
Gemeindesitzung anerkannt, welches schöne Institut unsere hiesige
Talmudschule sei, es sei nur der eine Trost übrig, dass Herr Wechsler in
Höchberg ganz nach seinem Herzenswunsche noch mehr |
Schüler
an sich heranziehen kann, da er es ja versteht, als Lehrer liebevoll wie
ein Vater zu sein. Möge er dort recht bald die ihm in so großem Maße
gebührende Anerkennung finden. Herr Wechsler dankbare aufrichtig für
diese liebevollen Beweise der Freundschaft, indem er die Anwesenden,
insbesondere seine Schüler ermahnte, ausdauernd und treu den uns von der
Tora vorgezeichneten Weg zu gehen. Zum Teil wird nun der jüdische
Unterricht an der Talmudschule von einem sehr tüchtigen Talmudisten Herrn
H. Trewisch weitergegeben, und setzt allerdings unser Herr Rabbiner, trotz
seiner vielen Pflichten als Distriktsrabbiner, alles daran, die Schule
nicht nur wie bisher zu erhalten, sondern sogar noch zu vergrößern. Es
ist diese aufopfernde Tätigkeit unseres Herrn Rabbiners umso mehr zu
bewundern, als er ja nicht nur keinen pekuniären Nutzen von der Schule
hat, sondern trotz seines schweren Berufs und als schwacher Mann stets
unterrichtet und sogar die Schüler durch Kosttage unterstützt. Möge
Gott ihn uns als Krone unserer Gemeinde und als Zierde des ganzen
Judentums auch weiter erhalten. An alle Freunde unserer heiligen Tora,
ganz besonders an alle unsere Gemeindemitglieder richten wir zum Schlusse
die Bitte mit aller Tatkraft, für Erhaltung dieser Schule durch
Unterstützungen einzutreten, damit sich auch weiter mit solchem Ernste
sich der Verbreitung der heiligen Gotteslehre widmen kann; das ist dann
die schönste Anerkennung, die wir den Gründern zuteil werden lassen
können." |
Ausschreibung einer Lehrerstelle (1890)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. August 1890: "Lehrer-Vakanz.
An der israelitischen Präparandenschule Höchberg bei Würzburg ist die
Stelle eines Lehrers bis Mitte Oktober dieses Jahres zu besetzen.
Derselbe
muss ein vorzüglicher Musiklehrer und befähigt sein, (außer in Gesang,
Violin-, Klavier- und Harmonielehre) noch in Deutsch, Rechnen und
Geschichte zu unterrichten.
Bewerber wollen unter Angabe ihrer bisherigen
Tätigkeit ihre entsprechenden Zeugnisse bis 1. September einsenden.
Im
Auftrage des Kuratoriums: Hauptlehrer Eschwege." |
50jähriges Jubiläum der Schule (1891)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. August 1891: "Würzburg,
24. August (1891). Im kommenden Oktober sind es 50 Jahre, seitdem die
israelitische Präparandenschule unseres Nachbarstädtchens Höchberg von
dem inzwischen verstorbenen Ortsrabbiner daselbst Lazarus Ottensoser
gegründet wurde. Die Anstalt stand damals in ihrer Art als die einzige
und erste unseres deutschen Vaterlandes ja sogar ganz Mitteleuropas da.
Ein großes Verdienst erwarb sich Herr Ottensoser während seiner
35jährigen Amtstätigkeit als Vorsteher der Anstalt, in welcher Zeit er
das Wohl seiner Schule zu festigen wusste. Als er 1876 durch den Tod
hinweggerafft wurde, übernahm der damalige Lehrer der Anstalt Herr Jacob
Ehrenreich das Amt eines Vorstehers an der Anstalt, sowie das eines Ortsrabbiners. Auch dieser wusste sich durch seine Verdienste um die
Schule einen ehrenvollen Namen in der Chronik derselben zu setzen. Nachdem
nun auch dieser leider schon am 1. Januar 1886 das Zeitliche gesegnet
hatte, folgte ihm der derzeitige Herr Hauptlehrer Nathan Eschwege, ein
ehrwürdiger Schüler des Gründers der Anstalt, im Amte, der in den
Fußstapfen seines Lehrers wandelt. Herr Eschwege verstand es, bis jetzt
durch fleißiges Wirken zum Nutz und Frommen der Anstalt, durch Umsicht
und Tatkraft dieser Schule ihren hervorragenden Platz zu wahren. So
errichtete er u.a. der Anstalt einen schön und praktisch ausgestatteten
Saal zum Unterbringen kranker Zöglinge; ferner eine 'Krankenkasse'
zur Verpflegung derselben und zum Aufbringen der dazu nötigen Mittel,
sowie auch eine umfangreiche Hausapotheke. Daher erblicken in ihm die
Zöglinge nicht nur den verständigen Lehrer, sondern auch ihren wahren
und teilnehmenden Pflegevater in der Fremde. An Lehrgegenständen besitzt
die Anstalt jetzt zwei Klaviere, eine Lehrer- und Schülerbibliothek, eine
umfangreiche Sammlung ausgestopfter Tiere, desgleichen eine
Mineraliensammlung etc. etc. Die Schülerfrequenz beziffert sich auf 35
Zöglinge, die in drei Kurse verteilt sind. Das Lehrpersonal besteht außer
dem bereits erwähnten Vorstande aus den Herren: Lazarus Gedaljah
Ehrenreich, 2. Lehrer, Otto Zuber, 3. Lehrer, Volksschullehrer
Vitus
Gehler, 4. Lehrer, Religionslehrer Tinhaunes und M.H. Wechsler, 5. Lehrer.
Deshalb erscheint der Wunsch und die Bitte nicht unbescheiden, dass von
den ehemaligen Schülern der Anstalt, deren dieselbe bereits über 1.500
hatte, ein jeglicher einen kleinen Beitrag leiste, damit die Jubelfeier
seines Bildungsheims, seines zweiten Vaterhauses, in dem er so manche
freudige, angenehme Stunde seiner Jugendzeit verbrachte, sich zu einer
würdigen, zu einer diesem nunmehr ein halbes Jahrhundert hindurch
bestehenden Lehrhause im vollsten Sinne des Wortes gebührenden gestalten
möge!" |
Zum 50jährigen Bestehen der Präparandenschule (1891)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. September 1891: "Aus
Unterfranken. Der in Ihrem geschätzten Blatte gebrachte Artikel
bezüglich des angeblichen 50jährigen Jubiläums der israelitischen
Präparandenschule zu Höchberg bedarf zur Vermeidung von Irrungen
mehrfacher Berichtigung. Zunächst ist zu bemerken, dass die
Präparandenschule als solche noch nicht 50 Jahre, sondern erst seit 1861
besteht. Allerdings hatte der selige Rabbiner Ottensoser schon 1841 nach
Art der damaligen Rabbinen zeitweise eine Anzahl 'Bachurim' um sich,
mit denen er fleißig 'lernte'. Durch Inanspruchnahme der
Privatwohltätigkeit ist es ihm gelungen, nicht nur für den Unterhalt der
damaligen Schüler zu sorgen, sondern auch einen Fond anzusammeln, welcher
den Fortbestand der Talmud-Tora-Schule sicherstellte. Zu diesem Zwecke
bestimmt das Stiftungsstatut ausdrücklich, dass an der Anstalt stets ein
talmudisch gebildeter, jüdischer Theologie – wenn tunlich, mit
ritueller Autorisation zum Rabbinate – angestellt werden muss. Als
solcher fungiert zur Zeit der Ortsrabbiner M.P.H. Wechsler. Diesem sind
gleichzeitig die religiösen Obliegenheiten übertragen, welche mit den
Legaten, Jahrzeitsstiftungen etc. verbunden sind. Der Verfasser oben
erwähnten Artikels verrät eine Missachtung des Religionsunterrichts und
des damit betrauten Herrn Ortsrabbiners, indem er demselben die letzte
Stelle unter den übrigen Anstaltslehrern einräumt, während in jedem
Lehrprogramme gerade der Religionsunterricht an die Spitze aller
Disziplinen gestellt wird. Bezüglich des Jubiläums bemerken wir, dass es
den Intentionen des edlen Gründers der Anstalt widersprechen würde,
prunkhafte Feste zu Ehren der Anstalt zu begehen, wozu auch die jetzigen
Zeitverhältnisse in verschiedener Hinsicht nicht angetan sind. Soll aber
dennoch jetzt schon das 50jährige Bestehen der Talmud-Tora-Schule
gefeiert werden, so könnte es würdiger und besser nicht geschehen, als
durch materielle Förderung der so segensreich wirkenden Schule, deren
Fortbestand durch den ihr landesherrlich verliehenen Stiftungscharakter
gesichert ist. Hinsichtlich der Schulleitung sei bemerkt, dass es unter
dem Lehrerpersonal gemäß der neuen Stiftungssatzungen keinen 'Vorstand',
sondern nur einen 'Hauptlehrer' gibt. Die Vermögensverwaltung wird
durch ein aus 7 Mitgliedern bestehendes Kuratorium betätigt, dessen
Vorsitzender Herr L. Forchheimer in Würzburg ist, während die
Kassierstelle Herr S. Eldod in Höchberg innehat. Als eine recht
erfreuliche Wirkung des hiermit richtig gestellten Artikels wäre es zu
begrüßen, wenn er Veranlassung gäbe, der Präparandenschule Höchberg
recht viele opferfreudige Gönner zuzuführen." |
Spende für die Israelitische Präparandenschule (1892)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. September
1892: "In Höchberg bei Würzburg hat eine wohltätige
79-jährige Dame, Fräulein Amalie Falk, der dortigen
israelitischen Präparandenschule ein Kapital von 75.000 Mark
vermacht." |
| |
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 23. September 1892: "In Höchberg bei Würzburg hat
eine wohltätige 79-jährige Dame Fräulein Amalie Falk, der
dortigen israelitischen Präparandenschule ein Kapital von 75.000 Mark
vermacht." |
Zur Beisetzung von Pinchas Mosche Elchanan
Wechsler (1894)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Juli 1894: "Höchberg, 4.
Juli (1894). Wie schon telegraphisch gemeldet, fand vorgestern die
Beisetzung des großen Rabbiners Pinchas Mosche Elchanan Wechsler – das
Andenken an den Gerechten ist zum Segen – statt. Hierzu hatten sich
von Nah und Fern Schüler, Freunde und Verehrer desselben sehr zahlreich
eingefunden, um dem edlen Verblichenen die letzte Ehre zu erweisen und
damit auch kund zu tun, welche Hochachtung demselben im leben
entgegengebracht wurde. Das kam auch in den gehaltenen Trauerreden zum
Ausdruck. Nachdem in einem Nebenraum der Synagoge die Tahara
(Leichenwaschung) vorgenommen war, sprach ein sehr intimer Freund und
Studiengenosse des Verstorbenen – das Andenken an den Gerechten ist
zum Segen – Herr Rabbiner S. Ansbacher – sein Licht leuchte – in
Nürnberg in der Synagoge. In ergreifenden Worten entrollte er ein
Lebensbild des Freundes, schilderte er den Eifer, mit welchem er sich
sowohl beim Lernen als auch beim Lehren von unserer heiligen Tora
hingab und pries, ihn mit Mosche Harabenu vergleichend, dessen
große Bescheidenheit, indem er ganz unbekümmert um äußere Anerkennung
seine höchste Befriedigung darin fand, für die Ausübung unserer
heiligen Toravorschriften zu wirken. Als treuer Freund konnte Redner nicht
unerwähnt lassen, dass der Verblichene in seinem Wirken vielfach verkannt
wurde und er infolgedessen häufige Anfeindungen zu erdulden hatte, die er
sich jedoch gerne gefallen ließ, wenn er nur seinen Hauptzweck der
Festigung unserer heiligen Tora erreichte. Nach dieser Rede setzte sich
der imposante Leichenzug in Bewegung. Auf dem Friedhof angelangt, ergriff
Herr Distrikts-Rabbiner Bamberger – sein Licht leuchte – Würzburg das
Wort und beklagte anlehnend an eine Talmudstelle den großen Verlust, den
das Judentum durch die Abrufung dieses großen Gelehrten erlitten hat.
Unter Zugrundelegung einer Jeruschalmi-Stelle schilderte hierauf in
beredten Worten Herr Seminarlehrer Dr. Tachauer – sein Licht leuchte
– Würzburg die große Gelehrsamkeit und hingebungsvolle Frömmigkeit
des Dahingeschiedenen, der mit Hintansetzung seiner eigenen Person seine
einzige Lebensaufgabe in Lernen, um zu Lehren und zu Bewahren und
danach zu tun fand. Tief ergriffen setzte Herr Distriktsrabbiner
Wissmann – sein Licht leuchte –
Schwabach in längerer Rede
auseinander, wie der Verblichene Tora und Gottesdienst und Wohltätigkeit
in der peinlichsten Weise ausübte und hob dabei ganz besonders hervor, in
welch hervorragender Weise er sich an der Errichtung und Erhaltung der
Talmudschule Schwabach beteiligte. Herr Rabbiner Ansbacher, Nürnberg
konnte sich in seinem tiefen Schmerze um den herben Verlust nicht
zurückhalten, dem heimgegangenen Freunde noch einige Abschiedsworte
nachzurufen. Herr Präparanden-Hauptlehrer Eschwege ließ sich durch Herrn
Distrikts-Rabbiner Bamberger, Würzburg entschuldigen, dass er durch
Heiserkeit am Sprechen gehindert sei. Wir schließen unseren Bericht mit
dem Wunsche, dass Gott den tief betrübten Hinterbliebenen seinen Trost
spenden, und dass es den dazu berufenen Persönlichkeiten gelingen möge,
die im Lehrerkollegium der Präparandenschule Höchberg entstandene Lücke
durch die Wahl eines würdigen Nachfolgers auszufüllen zum Heile der
Schule und des ganzen Judentums." |
Erinnerung an Rabbiner P. D. H. Wechsler (gest. 1894, Beitrag von
1933)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Oktober
1933: "Ein prophetisches Wort vor 54 Jahren.
Am 1. Juli 1894 starb in Höchberg Rabbiner P.D.H. Wechsler - das
Gedenken an den Gerechten ist zum Segen -, allgemein bekannt und verehrt
unter dem Namen 'Reb Hyle Wechsler'. Ein Enkel von Rabbi Mendel
Rosenbaum - das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen - lernte
er in seinen jungen Jahren bei Rabbi Jona Rosenbaum in
Zell und später in Preßburg. In
Höchberg galt er dann als einer der größten Talmudweisen und
Gerechten des damaligen Bayern. Stets von einer großen Schar von Jüngern
umgeben, für deren materielle Bedürfnisse er sorgte, füllte er den ganzen
Tag und ein gut Teil der Nacht mit Lernen und Lehren aus. Zusammen mit dem
damaligen Rabbiner von Schwabach, Rabbi
Löb Wißmann gründete er dort die Talmud Tora-Schule. In Höchberg, wo er
als Rabbiner fungierte, entfaltete er ein überaus segensreiche Lehr- und
soziale Tätigkeit. Unter seiner Korrespondenz fand man auch Responsen von
Kssaw Sofer in Preßburg, mit dem ihn eine Jugendfreundschaft verband.
Erst später redete sich herum, dass Rabbi Pinchos Mosche Elchanan Wechsler
bis in die tiefen Nachtstunden hinein auch Kabbala studierte, ohne mit
jemand weiter darüber zu sprechen. Söhne des heimgegangenen Rabbi wirken als
Gelehrte und Lehrer von Ruf in Jerusalem, in
Alzenau und in Kolberg. So weit zur Charakteristik eines der letzten
Rabbanim uZadikim im Bayern des vorigen Jahrhunderts.
Nun liegt uns ein Manuskript in sauberer Handschrift vor, (als Fragment auch
gedruckt), und wir würden glauben, einen Tagesbericht zu lesen, sähen wir es
nicht mit eigenen Augen, dass die Schrift vor über 50 Jahren abgefasst
wurde. Es ist gar kein Zweifel. Ein Hellsehender hat die ganze Entwicklung
unserer Zeit vorausgesehen, von dem Ausbruch des Weltkrieges, bis zu den
Vorgängen der heutigen Tags.
Wenn wir in der Erzählung 'Licht aus dem Westen' den großen Chatam Sofer all
das, was wir erleben und erleiden, in sich erleben und Voraussagen
sehen, wofür der Autor gewiss eine Stütze in Urkunden hatte, so könnte es
mancheinem als etwas zugestutzt, sozusagen eine 'nach rückwärts gerichtete
Prophetie' erscheinen. Diese Prognosen eines alten bayrischen Rabbiners aus
dem Geistesmilieu des Chatam Sofer ist die beste Rechtfertigung, ja eine
konkrete Unterlage für das letzte Sterbekapitel in besagter Erzählung.
Das Manuskript betitelt sich: 'Ein Wort der Mahnung an Israel zur
Beherzigung der Judenhetze und merkwürdige darauf bezügliche Träume von
Jaschern Milo Debor." Das Wort Iaschern erklärt sich, nach ' einer von einem
Sohne des Verfassers uns gegebenen Deutung, aus den Worten iw- Der Autor
hatte das Bestreben und die Hoffnung, alle Welt w gerade und rechtschaffen
zu machen. Da er in feiner Bescheidenheit' anonym bleiben wollte, fügte er
den Titel hinzu male spreche nicht davon."
Man muss aber heute davon sprechen. Wenn man etwa auf Seite 6 die vom
Verfasser vorausgesehene Perspektive liest: 'Nichts wird mehr vor dem
Judenhass schützen, auch das Wasser der Taufe nicht, auch die Blutverbindung
durch Mischehe nicht,' oder: 'Jude bleibt Jude beim Nichtjuden, mag er der
Reform oder der Orthodoxie huldigen. Wir wollen also bilden ein Volk von
Brüdern nach innen, wie wir es ja nach außen sind', so weiß man, wie richtig
der bayrische Rabbi in die Zukunft gesehen hat. Von der Verwirrung in der
Herzegowina sieht der Verfasser Krach auf Krach kommen (Sarajevo), sodass bald die ganze Welt in Flammen steht. Aus der Asche folgt der Judenhass.
Palästina wird den Türken entrissen und' kommt nicht mehr in deren Hand.
Nach längeren Geburtswehen ist aber Erez Israel Israels Land . . .
Hoffen darf man nur, dass in gleichem Maße wie diese Voraussagungen
eingetroffen sind, sich auch all die im Werke ausgesprochene Hoffnungen
recht bald erfüllen. Es wäre am Platze, die ganze Schrift, da die seinerzeit
gedruckten Exemplars vollkommen vergriffen sind, noch einmal erscheinen zu
lassen. Das Manuskript befindet sich in Händen des Herrn Lehrer Wechsler
in Kolberg (Pommern)." |
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers (1894)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Juli 1894: "Durch Ableben
des seitherigen Inhabers ist an der Präparandenschule in Höchberg die
Stelle des Religionslehrers neu zu besetzen. Bewerber müssen, neben
allgemeiner Bildung, durch Zeugnisse orthodoxer Rabbiner ihre Würdigkeit
und Fähigkeit für genannten Posten nachweisen können, ganz besonders
ihre Befähigung für den Unterricht in Gemara und Mischna.
Dabei wird bemerkt, dass Zeugnisse nur in Abschriften eingesandt werden
mögen. Als Besoldung sind 1.500 bis 1.800 Mark jährlich in Aussicht
genommen. Bewerber mit Hattarat Horaa (Autorisierung zu
rabbinischen Entscheidungen) haben außerdem noch Anwartschaft auf die
stiftungsmäßige Ortsrabbinerstelle der Gemeinde Höchberg. Meldungen
sind bis Ende August dieses Jahres an den Unterzeichneten zu richten.
Würzburg, 24. Juli 1894. Das Kuratorium der Lazarus Ottensoser Stiftung
zu Höchberg. L. Forchheimer, Vorsitzender." |
Jahresbericht 1893/94
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Januar 1895: "Höchberg. Dem
Jahresbericht der Israelitischen Präparandenschule (Talmud-Tora) in
Höchberg für das Schuljahr 1893/94 und Rechnungsauszug der
Lazarus-Ottensoser-Stiftung in Höchberg nebst Spenden- und
Legate-Verzeichnis pro 1893 entnehmen wir: Das Schuljahr 1893/94 ist das
53., seitdem die Anstalt – leicht die älteste bestehende israelitische
Präparandenschule – gegründet worden ist. Es verlohnte sich gewiss der
Mühe, auch über die entschwundenen 52 Jahre, so gut es eben noch
möglich, einen Rückblick zu werden; gar vieles würde dem menschlichen
Vergessen entrissen werden, was dem einen als Lehre, dem anderen zur
Nachahmung dienen könnte. Dem menschlichen Vergessen! – Denn das Wirken
und Streben des edlen, frommen Gründers der Schule, des seligen
Ortsrabbiners Lazarus Ottensoser, wie all' derjenigen, die für
dieselbe, derjenigen, welche in derselben vorteilhaft wirkten, steht
sicher beim gütigen Himmel in einer Schrift verzeichnet, die ein
Verblassen nicht zulässt; sind Denkmale geworden, die – dem
menschlichen Auge wohl unerreichbar – für alle Zeiten errichtet sind
und fortbestehen. Der Versuch, auch über die verflossenen Jahre eingehend
zu berichten, soll einer späteren Arbeit vorbehalten bleiben; nur auf
eines soll diesmal schon hingewiesen werden, darauf, was den 53 Jahren,
auf die nunmehr die Höchberger Talmud-Tora-Präparandenschule
zurückblicken kann, gemeinsam ist, worin deren Organe sich vollkommen
eins wissen mit dem großen Gründer, das Streben, die Aufgabe: jüdische
Knaben einzuführen in das Studium unseres Gottesgesetzes, sie anzuleiten,
die hehren Lehren unserer göttlichen Tora aus dem Borne selbst schöpfen
zu können, der sie vom Sinai her in reinster, klarster Weise zu uns
leitet; in die Schachte selbst hinabsteigen zu können, die 'Fürsten
gegraben und Edle des Volkes ausgehöhlt haben' und die ewigen
erhabensten Schätze bergen – damit sie sich dereinst im Leben vermögen
emporschwingen auf die Höhe reinster Gotteserkenntnis, auf die Empore
wahrster Nächstenliebe, was allein erheben kann über alles Gemeine und
Niedrige, über alles Laster und Böse. Hierdurch ist aber gleichzeitig
schon seit Bestehen der Schule – also über einem halben Jahrhundert –
einer Forderung in idealster Weise Rechnung getragen, die an die heutige
Lehrerbildung in unserem engeren Vaterland – in
Bayern – mit vollstem Rechte gestellt wird: der Erlernung einer fremden
Sprache. Darüber obwaltet wohl keinen Zweifel, dass derselben bedeutende
Bildungsmomente zu Grunde liegen. Der Gesichtskreis wird erweitert, der
Sprachschatz gemehrt, die Ideenwelt bereichert, der Verstand geschärft,
die Sitte verfeinert und der Charakter befestigt. Werden solche und andere
Vorteile durch das Aneignen einer jeden fremden Sprache ermöglichst, in
welch' höherem Maße muss dies geschehen bei dem Erlernen der
hebräischen, der heiligen Sprache, bei dem Studium der Tora in ihrem
Urtexte. Ist es doch die Sprache, in der sich der Allherr geoffenbart,
deren sich die Engel bedienten, in welcher unsere Ahnen gesprochen, die
Propheten uns gepredigt, unsere Weisen gedacht, geforscht und gelehrt
haben, in der endlich das göttliche Gesetz niedergeschrieben ist, das
nunmehr Gemeingut aller zivilisierten Menschen geworden und die Grundlage
bildet von Tugend, Recht und Sitte. Jener modernen Forderung wurde und
wird aber die Höchberger Präparandenschule in idealster Weise gerecht!
Denn das Hebräische wird da um seiner selbst willen gelehrt, nimmer aber
um irgendeiner materiellen Erwerbsquelle dienstbar gemacht zu werden. Dass
da die Schule von einem höheren |
Streben
geleitet, dass sie sich erhabene Ziele zur Aufgabe gestellt, wird wohl
nicht bestritten werden können. In diesem Streben unterstützt, diesem
Ziele näher geführt aber wird dieselbe, wenn sie dem altjüdischen
Grundsatze immer mehr gerecht zu werden sucht: 'Josef Talmud Tora im
Derech Erez', und so auch de Anforderungen ganz und voll zu entsprechen
bestrebt ist, die sie als Präparandenschule zu erfüllen hat.
(Schulchronik.) Im Schuljahr 1893/94 wurden 10 Zöglinge aufgenommen, 2
nur probeweise, und von diesen konnte der eine später nur als Hospitant
in der Anstalt belassen werden. Mit Anfang des Sommersemesters traten vier
Knaben als Hospitanten ein, wodurch die Schülerzahl am Ende des
Schuljahres 35 betragen hat. Am 27. März erkrankte der seit März 1887 an
der Anstalt wirkende Religionslehrer, Herr P. H. M. Wechsler. Die
Krankheit nahm leider einen bösartigen Charakter an. Am 1. Juli schon
setzte der Tod diesem tatenreichen leben eine Grenze. Die Anstalt beklagt
in ihm eine tüchtige Lehrkraft. Er war ein Muster des Fleißes und der
Pflichttreue. Die seit der eben erwähnten Erkrankung nötig gewordene
Unterrichtsvertretung wurde bisher im I. und II. Kurse durch den
Schuldienstexpektanten B. Wechsler, im III. Kurs durch die Anstaltslehrer
Eschwege und Ehrenreich übernommen. Wie seither wurde auch dieses Jahr
für würdige, dürftige, in Bayern beheimatete Präparanden der Anstalt
vom Höhen Königlichen Staatsministerium des Innern für Kirchen- und
Schulangelegenheiten eine staatliche Unterstützung gnädigst überwiesen.
Sowohl für das Jahr 1893 als auch für 1894 kamen in diesem Schuljahre je
Mark 250 auf fünf Schüler zur Verteilung. Auch von privater Seite wurden
arme Zöglinge tatkräftig unterstützt. In erster Linie gebührt der tief
empfundenste Danke einem hochherzigen Spender (N.N.), welcher, wie seit
vielen Jahren, auch dieses Jahr durch Seine Ehrwürden Herrn Rabbiner S.
Fromm, Frankfurt am Main, dem Berichterstatter die Summe von Mark 1.100
zur Verfügung stellte, wovon die Hälfte zur teilweisen Begleichung der
Kostrechnungen armer Schüler Verwendung fand, während die andere Hälfte
der Anstaltskasse überwiesen wurde. Auch seitens edler Glaubensgenossen
in Würzburg finden die Zöglinge fortgesetzt regste Unterstützung. Ihnen
allen sei hierdurch der innigste Dank ausgesprochen. Im Sommersemester
dieses Jahres gelangten zum ersten Mal die halbjährlichen Zinsen des
Jubiläumsfonds – Mark 14 – zur Verteilung. Dieselben wurden
statutenmäßig dem dürftigsten und würdigsten Schüler der Anstalt
ausgezahlt. Sämtliche – 13 – Präparanden des vorjährigen III.
Kurses fanden mit dem Beginne dieses Schuljahres in verschiedenen
Seminarien (Königliche Seminar Würzburg, israelitische
Lehrerbildungsanstalt daselbst 8, jüdisches Lehrerseminar Köln 3)
Aufnahme. Dieses Jahr treten 8 Schüler in die genannten Seminarien über.
(Aus dem Bericht des Kuratoriums.) Die in nachfolgendem Auszuge aus der
von der hohen Königlichen Regierung genehmigten Rechnung pro 1893
vorgetragenen Zahlen legen ein beredtes Zeugnis dafür ab, in welch'
hohem Maße die Stiftung |
der
allgemeinen Unterstützung bedarf. Während durch die erweiterten
Ansprüche bezüglich der Ausbildung und Erweiterung des Unterrichtswesens
ganz bedeutende neue Forderungen herantraten, sind die regelmäßigen
Spenden nicht mehr geworden. Durch die im Schulberichte bereits
angedeutete in Aussicht stehende Errichtung eines IV. Präparanden-Kurses
werden sich überdies die ausgaben ganz bedeutend erhöhen. Wir sind
deshalb umso mehr gezwungen, durch diesen Bericht kund zu tun, wie sehr
die Stiftung auf die Zuwendung von Spenden und Legaten angewiesen ist. Bei
der steten Opferwilligkeit unserer Glaubensgenossen hoffen wir daher,
seitens derselben die nötige Unterstützung zu finden, dass es uns
ermöglicht werde, das edle Werk im Sinne des verewigten Gründers
erfolgreich fortzuführen. An alle, denen es um die Förderung des
Torastudiums und der damit zusammenhängenden Ausbildung jüdischer Lehrer
zu tun ist, richten wir daher die dringende Bitte, durch ständige
Beiträge und Legate unser Streben zu unterstützen. Ganz besonders
möchten wir hier die früheren Schüler der Präparandenschule bitten,
sich derselben mehr, als es bisher geschah, zu erinnern. Handelt es sich
doch um die Unterstützung der Anstalt, welcher sie ihr späteres
Fortkommen im Leben in erster Linie zu verdanken haben. Wenn die vielen,
die in Höchberg ihre Vorbereitung genossen haben, nur einigermaßen zu
Gunsten der Anstaltskassa wirken würden, so könnte eine große Summe
aufgebracht werden, und – 'viele wenig geben ein viel'. Außerdem
bietet sich bei den verschiedensten 'Familienereignissen', bei denen
das Herz immer zum Geben gestimmt ist, so oft Gelegenheit, ein Scherflein
für unsere Stiftung zu erwirken. Die Einnahmen betrugen 29.819 Mark 13
Pfennig; die Ausgaben 28.875 Mark 47 Pfennig. Der Vermögensstand ist
179.716 Mark 66 Pfennig." |
Jahresbericht 1897/98
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. September
1898: "Höchberg (Bayern). Dem Jahresbericht der Lazarus
Ottensoser-Stiftung für die israelitische Präparandenschule (Talmud-Thora)
hierselbst für 1897, bzw. 1897/98 entnehmen wir: Auch den fünften
Jahresbericht können wir mit dem befriedigenden Gefühle unseren Freunden und
Gönnern darbieten, dass es uns mit Hilfe des Allgütigen möglich war, die zur
Erfüllung des Stiftungszweckes notwendigen Mittel aufzubringen. Es sind
unserer Stiftung nicht nur die alten Freunde treu geblieben, sondern es
haben sich zu denselben noch neue gesellt. Und wahrlich, sie können sich
ruhig dem Bewusstsein hingeben, dass sie ihre Gaben einer guten Sache
zugewendet haben; denn was gibt es wohl Höheres, als eine Anstalt zu
fördern, die sich zur Heranbildung von Lehrern, den dereinstigen Bildnern
unserer Jugend, zur Aufgabe macht und dabei in nicht geringem Maße die
Förderung des Torastudiums bezweckt. Dass die Schule dieser ihrer Aufgabe
nachkommt, mögen die geehrten Leser aus dem Schulberichte ersehen.
Die Lehrer unserer Anstalt streben die Errichtung einer Pensionskasse an.
Die Berechtigung dieses Wunsches ist voll und ganz anzuerkennen, und dessen
Verwirklichung würde um vieles erleichtert, wenn die zahlreichen früheren
Schüler unserer Anstalt durch Zuwendung zahlreicher Spenden zur Errichtung
eines Pensionsfonds für die hiesige Anstalt eine alte Dankesschuld abtragen
wollten.
Durch hohe und höchste Entschließungen vom 18. und 27. August vorigen Jahres
wurde verfügt, dass in der Folge — mit dem laufenden Schuljahre beginnend
eine Schlussprüfung an der Anstalt eingeführt wird. Deren Bestehen
berechtigt zum Übertritt in die israelitische
Lehrerbildungsanstalt Würzburg, nach bei höchster Stelle erwirkter
Dispens auch zum Eintritt in ein Königliches Schullehrerseminar.
Die Schülerzahl betrug 35. Unsere dürftigen Schüler wurden auch in diesem
Jahre in hochherziger Weise unterstützt. So wurde unsere Schule wie seit
Jahren von höchster Stelle, dem Königlichen Staats-Ministerium des Innern
für Kirchen- und Schulangelegenheiten, durch die hohe Kgl. Regierung eine
staatliche Unterstützung von 250 Mark für die würdigsten und dürftigsten in
Bayern beheimateten Präparanden gnädigst überwiesen. Dieselben sind an sechs
Schüler verteilt worden; die entsprechende Mitteilung ward vor versammelten
Zöglingen gemacht. Solche wurden hierbei aufgefordert, dieser hohen Gnade
stets eingedenk zu bleiben und dereinst dadurch ihren Dank zum Ausdruck zu
bringen, dass sie sich jederzeit als treue Untertanen und Staatsbürger
erweisen, in inniger Liebe und unverbrüchlicher Treue aber unserem
erhabenen, hohen Herrscherhause zugetan sein mögen.
Dann gebührt einem unermüdlichen hochherzigen Wohltäter (N. N) der
allerinnigste Dank, da derselbe — wie seit vielen Jahren — auch im
gegenwärtigen der Unterzeichneten Vorstandschaft edelmütig die Summe von
1100 M. zur Verfügung stellen ließ, wovon die Hälfte zur teilweisen
Begleichung der Kostenrechnungen armer Schüler Verwendung gefunden hat,
während die andere Hälfte der Stiftungskasse überwiesen wurde. Ebenso
erhielten mehrere Zöglinge namhafte Unterstützungen von einem Wohltäter in
der Provinz Hessen-Nassau. Von wohltätigen, edlen Glaubensgenossen in
Würzburg werden unsere Präparanden fortgesetzt durch monatliche
Geldsendungen tatkräftigst unterstützt. Auch von der 'Freien Vereinigung für
die Interessen d. o. I. zu Frankfurt a. M' erhielten mehrere Zöglinge gütige
Subventionen, desgleichen mehrere von dem Studium- und
Arbeitsbeförderungs-Vereins für Israeliten in Bayern A.V. München" und
endlich ein Zögling von der Administration der israelitischen Kultusgemeinde
Nürnberg.
Den wackeren hochherzigen Spendern und den verehrlichen Korporationen der
herzinnigste Dank! Auch die Zinsen des Jubiläumsfonds (28 M.) fanden
statutengemäße Verwendung. Die sämtlichen Präparanden des vorjährigen III.
Kurses fanden in verschiedenen Seminarien (isr.
Lehrerbildungsanstalt Würzburg, jüdische Seminarien zu Köln und Hannover
Aufnahme. Die Zöglinge des diesjährigen III, Kurses haben ihre Prüfung
glänzend bestanden.
Die Einnahmen betrugen 17137 Mk., die Ausgaben 13 648 M." |
Neujahrsgrüße von L. G. Ehrenreich und Frau
(1898)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. September
1898: "Allen Freunden und Bekannten wünscht herzlichst
eine gute Einschreibung und Besiegelung
L.G. Ehrenreich und Frau, Höchberg." |
Jahresbericht 1899/1900
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Oktober 1900: "Höchberg.
Dem Jahresbericht der 'Lazarus Ottensoser-Stiftung' für die
Israelitische Präparandenschule (Talmud-Tora), Höchberg (Bayern), für
1899 bzw. 1899-1900 entnehmen wir: Im verflossenen Jahre ist es uns
endlich auch gelungen, den schon in früheren Berichten erwähnten Plan
der Errichtung einer Pensionskasse zu verwirklichen. Es wurden
entsprechende Satzungen aufgestellt, welche die Genehmigung der hohen
Königlichen Kreisregierung erhielten. An Rosch chodesch Ijar (=
30. April 1900) waren es 25 Jahre, dass Herr Hauptlehrer Nathan Eschwege
als Lehrer an unserer Schule wirkt. Das Kuratorium nahm darum
Veranlassung, dem verdienten Lehrer in Anerkennung seiner
aufopferungsvollen, ersprießlichen Wirksamkeit die innigsten
Glückwünsche darzubringen und ihm eine entsprechende Adresse nebst
Ehrengabe zu überreichen. Gebe der Allgütige, dass es dem verehrten
Jubilare vergönnt sei, noch recht viele Jahre in voller Kraft und Frisch
an unserer Schule zu wirken. An der Schwelle des siebenten Dezenniums
stehend, sei es uns gestattet, bevor wir aus dem 60. Schuljahre unserer
israelitischen Präparanden-(Talmud-Tora-)Schule treten, einen Rückblick
auf deren Vergangenheit zu werfen. Es kann hierbei nicht davon die Rede
sein, wie der Werdegang unserer Anstalt seit ihrer Gründung – während
langer 60 Jahre hindurch – sich gestaltet hat; denn über die letzten
Jahre, seit 1894, legen darüber die seit damals veröffentlichten
Schulberichte Zeugnis ab, und über die früheren Jahre dies in
erschöpfender Weise nachholen zu wollen, dürfte ein Ding der
Unmöglichkeit sein. Es soll folgend vielmehr nur der Versuch gemacht
werden, darzutun, in welchem Verhältnisse die gegenwärtige Gestaltung
unserer Pflanzstätte zu ihrer Vergangenheit steht; ob sie den Zielen, die
ihrem großen Gründer vorgeschwebt haben mögen, bis heute treu und
unentwegt nachstrebte: ob sie aber auch gerechten Anforderungen der
Gegenwart entspricht und so auf der Höhe der Zeit sich befindet. Rabbi
Jochanan ben Beroka und Rabbi Elosor Chisma besuchten einst – so lehrt
der Talmud (Cha- |
giga
3) – ihren greisen Lehrer Rabbi Josua. Dieser fragte sie: 'Was wurde
heute im Lehrhaus neu vorgetragen?' 'Wir sind deine Schuler und deine
Lehren erfüllen uns (deine Wasser trinken wir)!' entgegneten jene. 'Trotzdem!
Es gibt kein Lehrhaus ohne Fortentwickelung!' Diese Talmudstelle sollte
der Spiegel sein für jede jüdische Schule und in ihr spiegelt sich auch
die hiesige israelitische Präparandenschule. Wenn auch schon 60 Jahre
seit deren Gründung verflossen sind, ihre Lehrer und Schüler können,
wenn sie an den frommen Gründer denken, gleich jenen großen Tanaim
sprechen: 'Wir sind deine Schüler, und deine Lehren erfüllen auch uns!'
So sehr sich unsere Schule auch mit der Zeit verändert hat, wenn Stoff-
und Stundenplan, wenn sie hinsichtlich Lehrmittel und Ausstattung auch
ganz umgestaltet worden: die Schule ist trotzdem treu den Grundsätzen
ihres seligen Gründers, des frommen Rabbi Elosor Ottensoser seligen
Andenkens geblieben, Lehrer und Schüler derselben dürfen sich mit
Fug und Recht seine Schüler nennen; denn des Verklärten edle Gesinnung
und seine religiösen Grundsätze, sie erfüllen uns heute noch; sie
bilden uns noch heute wie früher die Leitsterne; die sind das Hochziel,
dem sie – Lehrer und Schüler – bis heute nachstrebten und ferner auch
in Treue nachstreben werden. Wie könnte dies aber auch anders sein? Der
selige Gründer war von den göttlichen Lehren des unverfälschten
Judentums beseelt, die eben, weil sie göttlich sind, nie verändert
werden können, die also seit der Sinaitischen Offenbarung bis in alle
Zukunft sich selbst gleich bleiben müssen und für alle Generationen der
Judenheit gleiche Verbindlichkeiten besitzen. Und deshalb schon weiß sich
die Schule mit ihrem großen Gründer eins, weil eben wie einst ihm auch
deren Lehrern und Schülern die jüdischen Gesetze, die jüdischen Lehrern
göttlich sind. Diese lehrte er ihnen, und sie werden von denselben wieder
in reiner, unverfälschter Weise weitergelehrt werden. Aber auch von einem
anderen Gesichtspunkte aus betrachtet, wird unsere Anstalt von den
Gesinnungen ihres edlen Gründers beseelt. Dieser ließ es sich stets in
seltenem Edelsinne angelegen sein, für die armen Schüler zu sorgen.
Armut durfte nie einen Grund abgeben, jemand von der nachgesuchten
Aufnahme zurückzuweisen. – Auch hierin ist sich die Schule – soviel
nur immer möglich – treu geblieben. Wird die Tora in ihr gehegt und
gepflegt, gelehrt und verbreitet: so ist sie aber auch gleichzeitig eine
Stätte, in der echte Liebeswerke, edle Mildtätigkeit, eben Zedokoh und
Gemillus-Chesed, fortgesetzt geübt werden. Dazu ist aber auch in hiesiger
Anstalt reichlichst Gelegenheit geboten! So mussten im abgelaufenen
Schuljahre 35 Schüler, manche in weitgehendster Weise, unterstützt
werden. Ob diese an sich traurige Erscheinung auf die soziale Frage der
Gegenwart einen Rückschluss zulässt, ob sich nur Knaben ärmerer
Familien dem Lehrberuf vorwiegend zuwenden? – Dass bei solchen hohen
Anforderungen strebsamer, aber armer Schüler die Anstaltskasse zur
Unterstützung nicht ausreicht, trotzdem das verehrliche Kuratorium in
anerkennendster Weise 3.000 Mark zu diesem Zwecke in den Etat einstellte,
ist selbstverständlich; es ist aber umso erfreulicher, von der Gott Lob
nie erlahmenden jüdischen Wohltätigkeit konstatieren zu können, dass
auch in diesem Jahre von privater Seite unsere dürftigen Zöglinge in
hochherzigster Weise unterstützt wurden, wodurch es ermöglicht worden
ist, für dieselben weitere ca. 2500 Mark verwenden zu können. Wie manche
Träne armer Witwen dadurch gestillt, manche Sorge bekümmerter Eltern
gebannt, wie manches betrübte Gemüt aufgerichtet und manches besorgte
Herz erfreut worden sein mag! Und was noch mehr als dies: wie viele arme
Knaben werden einem ehrbaren, idealen Berufe zugeführt, wie viele
Hunderte sind während der sechs Dezennien in unserer Schule herangebildet
worden! – Das sind wahrlich erhebende Tatsachen die unsere Gönner,
welche die Wohltäter unserer Schule nicht erlahmen, nicht erkalten lassen
werden, welche sie aufs Neue anspornen mögen, unermüdet unserer Schule
von ihrem Segen zu spenden, unsere armen Schüler unverdrossen zu
unterstützen; des Himmels reichster Segen wird sie dafür reichlichst
lohnen! – Kann aber auch von einer Fortentwicklung bei einer Schule die
Rede sein, die vorgibt, darauf stolz zu sein, dass sie während voller 60
Jahre von gleichen Gesinnungen getragen wurde, die gelobt, für alle
Zukunft den jüdischen Lehren stets treu zu bleiben? Darauf mag der
Hinweis antworten, dass wir in den letzten Dezennien die Fächer: Zeichen,
Turnen, Musik, Mathematik und Stenographie in den Lehrplan aufgenommen
haben, dass unsere Schule bestrebt ist, in allen profanen Disziplinen
dasselbe zu leisten, was in den staatlichen Schwesteranstalten gefordert
wird. Aber auch bei dem jüdischen Unterricht kann auf eine
Fortentwicklung hingewiesen werden. Nicht etwa auf das Bestreben, durch
die Errungenschaften der wahren Wissenschaft auf die Wahrheit und Weisheit
des jüdischen Schrifttums beim entsprechenden Unterrichte stets
hinzuweisen, die Verbindlichkeit der heiligen Tora stets zu betonen, das
ist wohl seit der Begründung unserer Schule so gehalten worden. In den
letzten Jahren ist vielmehr auch wieder – wie früher schon vom
verdienten seligen Rabbiner Ehrenreich, seinerzeit Leiter unserer Schule,
entsprechende Anleitung zum Verständnis der Pijutim und
dergleichen den älteren Schülern gegeben worden, damit deren Interesse
für die altehrwürdigen Gebete geweckt und sie angeleitet werden, mit
Verständnis die Gebete verrichten und auch später so vortragen zu
können. |
Im
laufenden Schuljahre endlich wurden manche Gesangstunden für synagogale
Chöre ausgenützt, um so unsere Zöglinge auch hierin für ihren
späteren Beruf vorzubereiten. Möchten diese sich unserer Schule stets
würdig erweisen und deren Lehren immerfort treu bleiben, dass auch sie
von ihr sagen können: 'Wir sind deine Schüler und deine Lehren
erfüllen uns!' Möchte sich aber auch unsere Schule, auf dem Boden des
überlieferten Judentums stehend, allezeit vorteilhaft fortentwickeln,
stets die Zeit erfassen und auf deren Höhe stehen zum Stolz des Judentums
und zum Segen der Menschheit, das gebe Gott! Die Einnahmen betrugen 17.652
Mark, die Ausgaben 15.447 Mark; der Vermögensstand weist 191.434 Mark
auf." |
25-jähriges
Dienstjubiläum von Lehrer Nathan Eschwege (1900)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Mai 1900: "Würzburg,
im Mai. 'Dem Verdienste seine Krone.' In dem nahen Höchberg vollzog
sich an den vergangenen Rosch-Chodesch-Tagen eine erhebende Feier. Herr
Nathan Eschwege, Hauptlehrer an der Präparandenschule dortselbst, wirkt mit
Anfang des Monats Ijar ein Vierteljahrhundert an dieser Anstalt, und
zwar durch seinen seltenen Berufseifer, durch seine Schaffensfreude und
strenge Gewissenhaftigkeit, durch seine pädagogische und allgemeine
wissenschaftliche Bildung, sowie rastlose Tätigkeit zum Besten der Schule
und der Anstalt mit bestem Erfolge. Obwohl die Bescheidenheit und
Selbstlosigkeit des Herrn Eschwege es sorgfältig vermied, die Zeit seines
Dienstjubiläums bekannt zu geben und er sich bei denen, die sie wissen
konnten, jede öffentliche Feier und jede Aufmerksamkeit verbot, so wollten
sich doch viele und die zunächst beteiligten Kreise die willkommene
Gelegenheit nicht entgehen lassen, ihre Verehrung und Liebe, ihren Dank und
ihre Anerkennung dem verdienstvollen Manne zum Ausdruck zu bringen. So
widmete vor allem das Anstalts-Kuratorium dem verehrten Jubilar ein
herrliches Gedenkblatt, auf welchem das verdienstvolle Wirken desselben
anerkennend verzeichnet ist, nebst einer entsprechenden Ehrengabe. Die
ehemaligen Schüler ehrten ihren geliebten Lehrer durch einen prachtvollen
Schreibtisch mit Schreibstuhl und der neuesten Ausgabe des HaChasaka
von ... eine Deputation brachte die Verehrung und die Dankgefühle dem
Jubilar zum Ausdruck. Das Lehrer-Kollegium erfreute den Gefeierten mit einem
kostbaren Schreibzeug, und so folgten noch viele Geschenke, mündliche und
schriftliche Begrüßungen von Verwandten und Freunden, welche alle von der
Liebe und Hochschätzung, deren sich der Jubilar zu erfreuen hat, zeugen.
Möge es demselben noch viele Tage vergönnt sein, in gleicher
Rüstigkeit und Schaffenskraft im Weingarten des Herrn zu arbeiten, zu säen
und zu ernten, noch zahllose Schüler zu tüchtigen, gesinnungs- und
berufstreuen Lehrern vorzubereiten..."
|
Trauerfeier für Freiherr W. C. von Rothschild
(1901)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Februar
1901: "Höchberg, am Vorabend des Rosch-Chodesch. Heute mittag fand
in der hiesigen israelitischen Präparandenschule eine erhebende Trauerfeier
statt um ihren hochherzigsten, größten Wohltäter, Freiherrn W. C. von
Rothschild.
Ein Choral enosch kechazir... leitete dieselbe ein, worauf der
Vorstand und Leiter der Schule. Herr Hauptlehrer Nathan Eschwege,
einen fast einstündigen Hesped hielt. In feuriger Rede wies er nach, dass
die Jeraijim (Gottesfürchtigen) nicht der Vergänglichkeit
anheim fallen, daß der 5. Schewat wie diesmal, schon vor Tausenden von
Jahren ein Unglückstag für Israel gewesen sei, ...
In beredter Weise hob der Redner die großen Verdienste dieses gerechten
Simon um das orthodoxe Judentum hervor, um Frankfurts jüdische Gemeinde,
die durch seine Munifizenz wieder zur Stadt und Mutter in Israel
erblühte, schilderte die Gottesfurcht und die Liebe zur Tora, die
Bescheidenheit, das gerechte Verhalten, die Wohltätigkeit dieses
gerechten Mannes, zog eine Parallele zwischen ihm und Schmuel hakatan.
erinnerte daran, wie Baron Rothschild durch sein Beispiel, wie Rab
Elieser... die Reichen zum Torastudium verpflichtete, verglich dessen
gottbegnadetes Wirken mit dem von König Hiskia und erklärte die
Stelle ... im Sinne des Midrasch mit zündenden Worten die Schüler
auffordernd, ein ..., zu errichten, dazu als Bausteine die edlen
Eigenschaften dieses großen Juden, dieses jüdischen Großen zu verwenden, auf
ihn stets hinzublicken in allen Lebenslagen, wodurch sie stets sagen können
...
Ein Kuratoriumsmitglied, Herr Kassier Sam. Eldod, sprach hierauf das
Kadisch, worauf durch das Gebet ... die eindrucksvolle Feier ihren Abschluss
fand. |" |
Zum Tod von cand. med. Simon Eschwege, Sohn des Hauptlehrers Nathan Eschwege
(1901)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. April
1901: "Würzburg, im April. Zu einer Zeit, in der
Glaubensstärke und Glaubenstreue, wahrhaftes Durchdrungensein für unsere
heilige Tora und Religion immer seltener werden u. sich dieses
beklagenswerte Verhältnis besonders bei der jüngeren Generation zeigt, da
trifft der Schmerz des Verlustes eines jungen Mannes, der im Gegensatz
hierzu voll heiliger Begeisterung für Tora und Gottesdienst, voll
Hingebung an alles Edle und Erhabene, bei allem Eifer für seinen weltlichen
Beruf, mit Festigkeit allen Versuchungen und Schwierigkeiten, die sich dem
religiösen Leben entgegenstellen, widerstand, nicht nur den engen Kreis der
Familie, sondern alle, die in ihrem Kampfe um die Erhaltung unserer
heiligsten Güter mit Bangen in die Zukunft schauen, und ihr Vertrauen nur
zum himmlischen Vater haben, der seine heilige Tora nicht vergessen und
seine heilige Wahrheit nicht untergehen lässt, ... .
Einen solchen Verlust haben wir mit der schmerzerfüllten, tief gebeugten
Familie. des Herrn Nathan Eschwege, Hauptlehrer an der
Präparandenschule zu Höchberg, in dem Hinscheiden ihres geliebten Sohnes,
Herrn Simon Eschwege, cand. med., zu beklagen.
Am vorletzten Freitag Abend am Vorabend zum Heiligen Schabbat...
hatte der so hoffnungsvolle, strebsame, für Tora, Weisheit und
Gottesfurcht wahrhaft begeisterte Jüngling in der Frühreife seiner
Jahre, kaum 23 Jahre zählend, seinen kurzen Lebenslauf beendet, um
einzugehen in die lichten |
Höhen
der Himmelsgefilde zu seinen großen Ahnen, einem Rabbi Seligmann Bär
Bamberger und Rabbi Seligmann Fromm seligen Angedenkens dort, wo
es keinen Kampf mehr sondern nur heiliger Frieden, keine Aussaat, sondern
nur Ernte gibt. Schon lange sah man dieses teure, viel versprechende Leben
von tückischer Krankheit bedroht, aber man hoffte es durch alle erdenklichen
Mittel zu erhalten und glaubte, dass die jugendliche Natur siegen werde.
Doch nein, Simon Eschwege hatte seine Lebensaufgabe erfüllt, war eine
reife Frucht für das höhere himmlische Leben; er hatte in seinen wenigen
Jahren an ... geleistet, was Andern in einer langen Lebensdauer nicht
gelingt, wie es in jenem bekannten Gleichnis heißt .... Wie sehr man dies
erkannte und wie groß die Teilnahme für die schwergeprüften Eltern ist,
zeigte sich bei der Trauerfeier im Sterbehause und bei dem
Leichenbegängnisse. Nicht nur von den Ortseinwohnern, sondern auch von der
nahen Stadt und aus der Ferne war die Beteiligung eine große, eilte man
herbei um den Toten zu ehren und das Leben zu würdigen, an der großen
Mizwa der Beisetzung eines Toten teilzunehmen.
Der Großonkel, Herr Distrikts-Rabbiner Bamberger dahier, gab in
längerer Ausführung und in ergreifenden Morten der Würdigkeit des
Dahingeschiedenen und dem Schmerze ob des schweren Verlustes in und außer
der Familie beredten Ausdruck. Es folgten dann noch Worte der Trauer und der
Anerkennung von Herrn Lehrer L.B. Gutmann, Seminarlehrer Weißbart
- Würzburg, dem Onkel Herrn Lehrer A. Eschwege -
Thüngen und dem Onkel Herrn Joseph Fromm
- Frankfurt a. M.
So schied denn der Teuere für immer aus dem von ihm so sehr geliebten und
verehrten Elternhause, um nach eigenem Wunsche auf dem Friedhofe zu
Frankfurt a.M. in der Nähe seiner Großeltern zu ruhen. ...! Am Grabe zu
Frankfurt sprach Herr Rabbiner Dr. Horowitz tiefgehende Worte der
Trauer und der Teilnahme und erläuterte die Stelle ... in Bezug auf den
ärztlichen Beruf, dass bei gewissenhafter Erfüllung desselben durch
mischpati durch die dem Verstande zugänglichen Vorschriften zur Heilung
... auch die ..., deren Grund nur Gott kennt, anerkannt und betätigt werden
müssen. In diesem Sinne hatte auch der Dahingeschiedene seinen Beruf
aufgefasst. So möge er süß schlummern, der treue Arbeiter im Dienste Gottes
und der Menschheit. ..., mag er auch wenig der Früchte seiner Mühe genossen
haben, er war, wie ein Redner die Midrasch-Stelle hieraus anwendete, dennoch
ein Licht, das von selbst erloschen; ... er hatte sich und den Seinen genug
getan, eine reife Frucht, sich und seinem Stamme zum Ruhme ...!
Möge aber auch den trauernden Eltern und Verwandten himmlischer Trost werden
in dem Bewusstsein, ihre volle Pflicht an ihrem geliebten Sohne im gesunden,
wie im kranken Zustande getan zu haben und dass sie ihr Kind rein, wie sie
es von dem himmlischen Vater empfangen, wieder zurückgaben...". |
Jahresbericht 1900/01
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Oktober 1901: "Höchberg. Dem
Jahresbericht der Lazarus Ottensoser-Stiftung für die 'Israelitische
Präparandenschule' (Talmud Tora) in Höchberg
(Bayern) für 1900 bzw. 1900-1901, entnehmen wir:
Am 23. Elul waren es 25 Jahre, seitdem die Leitung unserer israelitischen
Präparandenschule der bewährten, zielbewussten Führung ihres Gründers und
unvergesslichen Wohltäters, des frommen und edlen Rabbi Elosor Ottensoser
entrückt wurde, da er einging in Edens Gefilde. Auch er hatte mit
seltenem Kennerblick seine Zeit erfasst; er erkannte die hereinbrechenden
Gefahren, die das Judentum bis in seine fest gefügten Grundlagen erschüttern
mussten; da suchte er, nachdem für 'Ausreißen und Umhauen, für Vernichten
und Niederreißen" gar zu sehr gesorgt war, wieder 'aufzubauen und
einzupflanzen', da gründete er eben für Thauroh und Jiroh und
Gemillus-chesed (Tora, Gottesfurcht und Wohltätigkeit) zum Zwecke der
Ausbreitung der göttlichen Lehre, der Gottesfurcht und des Wohltuns, die
hiesige Anstalt. Das war nur selbstredend, ganz selbstverständlich bei dem
biederen, bescheidenen Sinn dieses 'Großen in Israel', der nicht nach
Anerkennung geizte, sondern glücklich war, wenn er sich dadurch seinem Volke
nützlich erweisen, wenn er sein ideales Streben verwirklichen konnte; er
erkannte eben vollkommen die hohe Berechtigung jener erhabenen Worte: 'Ich
will nur unter meinem Volke wohnen!'
Wohl blieben die Zeiten auch später dem höheren Streben nicht besonders
günstig. Der Boden der Zeitströmung schien unfruchtbar zu sein für Erwerbung
idealer Güter. Wie aber bei Isak, so auch ruhte des Himmels Segen sichtlich
auf der Pflanzstätte des sel. Rabbiner Ottensoser; denn hundertfältig ist
auch deren Ertrag. Was dieser große Meister erstrebte, wollte: Hunderte von
Schülern seiner, unserer Anstalt haben es in alle Gegenden getragen, haben
sich erprobt, gleich ihm. Pioniere zu sein für Thauroh, Jiroh und
Gemillus chesed, haben aufopfernd und anspruchslos für unser Volk zu
wirken gesucht, eingedenk der schönen Worte: 'In meinem Volke nur will ich
weilen!'
Und seit damals — volle 25 Jahre — ist unsere Schule bestrebt, ihrem Gründer
und Meister rastlos zu folgen in seinem Streben, in seinem Wirken, in seinen
Gesinnungen, in seinen Ansichten, in seinen Absichten — und gar oft gab bei
auftauchenden Fragen, bei vorkommendem Zweifel den Entscheid die Erwägung:
'Wie würde Rabbi Elosor - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen
- dieses machen? Und wie seither, so wird er auch allezeit der Leitstern
unserer israelitischen Präparandenschule sein; weiß sie sich ja doch am
sichersten geborgen in ihrem Volke.
Doch ist sie auch festgewurzelt in den Anschauungen ihres edlen Gründers, so
steht sie doch offenen Blickes aus der Warte der Zeit; sie will eben auch
ferner 'in ihrem Volke wohnen,' sie soll allezeit Zeugnis ablegen, wie das
unveränderliche Gottesgesetz nie im Widerspruch stehen kann mit den wahren
Errungenschaften der Gegenwart, der Zukunft, wie die gewissenhafte
Betätigung unserer heiligen Lehre keinen Gegensatz bilden darf auch mit dem
Leben außerhalb der Schule.
So gehen denn die Ereignisse im Leben draußen nicht unbeachtet und unbemerkt
an ihr vorüber, und die Schule und ihre Organe, sie nehmen auch regen Anteil
an den Pulsschlägen des öffentlichen Lebens; sie bildet ja nur ein Glied des
Volkes, in deren Mitte sie weilet.
Dass dem tatsächlich so ist, davon konnte man sich so recht überzeugen, als
der hochedle Geistes- und Gesinnungsfürst, der gelehrte und hochedle
Philanthrop, Seine Hochwohlgeb. Freiherr Wilh. Carl von Rothschild aus
seinem inhalts- und tatenreichen Leben schied. Da durchzitterte uns die
schmerzliche Gewissheit, dass von hinnen gegangen ist, (hebräisch) 'mein
Vater, mein Vater, Israels Wagen und seine Reiter' (2. Könige 2,12)
nicht nur derjenige, durch den sich Gesamt-Israel getragen und gehoben
wusste, sondern auch der, welcher jedem einzelnen unserer Schüler wie der
Schule selbst stets ein Vater war.
Jeder Jahresbericht unserer Schule wusste von fürstlichen Summen zu
sprechen, die 'ein edler ungenannter Wohltäter', oder 'ein Wohltäter aus der
Provinz Hessen-Nassau' in unermüdlichster Weise spendete; dieses war der
hochedle, aber auch unvergleichlich bescheidene 'Baron Rothschild'.
So verlor denn unsere Schule ihren größten Wohltäter, ihren größten Gönner,
ihr größtes Vorbild, und deshalb gab sie sich der tiefsten Trauer hin, der
Trauer, wie um einen lieben Verstorbenen: sie zündete ein Seelenlicht an,
verrichtete und verrichtet für ihn durch Schiur und Kaddisch die üblichen
Seelengebete.
Die Schülerzahl betrug Anfangs des Wintersemesters im ersten Kurse 19, im
zweiten 11 und im dritten 7, zusammen 37. Von denselben traten während des
Jahres aus: am Ende des ersten Quartals ein Schüler des zweiten Kurses;
derselbe trat in eine staatliche Präparandie seines Heimatlandes über; ein
weiterer Schüler desselben Kurses am Ende des Wintersemesters, um Aufnahme
in der Bildungsanstalt für jüdische Lehrer zu Hannover zu finden, endlich in
der gleichen Zeit ein Schüler des ersten Kurses, um in ein Geschäft zu
treten. Dagegen wurde mit Beginn des Sommersemesters je ein Schüler in den
ersten bzw. den zweiten Kurs ausgenommen.
Seitens des Kuratoriums wurde die namhafte Summe von ca. 3000 Mark für
Unterstützungen an arme Schüler verwendet. Auch dieses Jahr beteiligten sich
sämtliche Schüler des dritten Kurses an der Schlussprüfung, deren
schriftlicher Teil am 22. und 23. Aug. stattfand. Der mündliche wurde am 12.
Aug. durch den Königlichen Regierungskommissär Herrn Kreisschulinspektor Dr.
A. Weber — in Religion gleichzeitig durch Herrn Distriktsrabbiner N.
Bamberger — abgehalten und hatte das erfreuliche Ergebnis, daß die
sämtlichen Prüflinge dieselbe erfolgreich bestanden und so die Berechtigung
erhalten haben, in die israelitische Lehrer-Bildungs-Anstalt zu Würzburg
übertreten zu dürfen.-" |
Spendenaufruf
für die Präparandenschule (Talmud-Tora-Schule) in Höchberg (1901)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 2. Dezember 1901: "An die Edlen Israels! Hochherzige
Brüder und Schwestern!
Höchberg bei Würzburg, im November.
Bald erglänzen wieder die Chanukohlichtchen und erhellen unsere Wohnungen,
mit ihrem Zauber Jung und Alt erfreuend, ihnen aufs Neue verkündend von
Israels Leiden, von Gottes Hilfe, von der wunderbaren Errettung unseres
Volkes, verkündend von der Makkabäer Begeisterung für Gott, für Seine
heilige Religion, für Sein Volk. -
Nicht der Druck, nicht die Erniedrigung vom äußeren Feinde drohte Israels
Untergang nach seiner Wiedergeburt während des zweiten Tempels. Dies
bewirkte seine Entfremdung vom Glauben der Väter, die Nachahmung fremder
Sitten, fremder Gebräuche.
Daran sollen uns die Chanukohlichter erinnern; dieses sollen sie uns mit
jedem Jahre aufs Neue lehren; das sollen wir unseren Kleinen einprägen, wenn
sie sich der Lichtchen freuen, um sie zu begeistern für das Judentum,
erglühen zu lassen für dessen hohe Aufgaben.
Wenn Ihr Euch nun mit Euren Lieben während der Chanukohtage freuet, dem
Spiele hingebet, denket da auch an eine Stätte, die ein für Gott und Seine
heilige Religion in Begeisterung erglühter Mann, Rabbi Eloser Ottensoser
s.A., für Israels höchste Güter begründete, in der Israels
hoffnungsvolle Jünglinge erzogen werden für Thora und Jiroh, für Avoda
und G'millus chesed (Tora und Gottesfurcht, Gottesdienst und Wohltätigkeit),
wo sie begeistert werden sollen für den Glauben der Väter, erwärmt für der
Menschen hehrste Aufgaben; da denket an unsre Israelitische
Präparanden-(Talmud Thora-) Schule zu Höchberg, indem Ihr sowohl derselben
hochherzige Spenden freundlichst zuwendet, als auch Freundes- und
Bekanntenkreise für sie interessiert, damit auch von denselben ihr
reichliche Gaben zufließen.
Das erhebende Bewusstsein, durch eine solche Chanukohspende für die
Ausbildung armer Knaben, unter denen sich auch verwaiste befinden, sowie für
die Ausbreitung des Torastudiums ein Schärflein beigetragen zu haben, wird
Eure Chanukohfreude erhöhen und Euch des Himmels Segen sichern.
Die als Chanukohspenden freundlichst eingesandten Gelder werden im
nächsten Jahresberichte unter dieser Bezeichnung veröffentlicht werden.
Mit der ergebensten Bitte, die hochherzigen Spenden noch vor Schluss
dieses Kalenderjahres an den Kassier unserer Schule, Herrn S. Eldod
dahier, freundlichst einsenden zu wollen, zeichnet mit vorzüglicher
Hochachtung
Hauptlehrer N. Eschwege,
*) Vorstand der israelitischen Präparanden-Schule Höchberg." |
Die Israelitische
Präparandenschule im Jahr 1902
Vorstellung
der Schule im "Statistischen Amtshandbuch für den Regierungsbezirk
Unterfranken und Aschaffenburg. Bearbeitet von Jos. Aurich. Würzburg
1902: "Israelitische Präparandenschule in Höchberg.
Gegründet vom Ortsrabbiner Lazarus Ottensoser in Höchberg. In dieser
Schule erhalten israelitische Jünglinge die entsprechende Vorbereitung
für den Beruf eines Lehrers in 3 Jahreskursen. Nach bestandener
Schlussprüfung treten die Schüler in die israelitische
Lehrerbildungsanstalt in Würzburg, oder in eine ähnliche Anstalt,
zuweilen auch in das königliche Schullehrerseminar über.
Verpflegung pro Monat 33 Mark, vierteljährlich voraus zahlbar. Würdige,
dürftige Zöglinge erhalten eine Subvention aus der Anstaltskasse. Anzahl
der Zöglinge zur Zeit 33.
Vorstand und Hauptlehrer: N. Eschwege.
Religionslehrer: E. Eldod.
Präparandenlehrer: L.G. Ehrenreich, S.B. Eschwege.
Zeichenlehrer B.A. Gehles." |
Jahresbericht 1901/02
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 6. Oktober 1902: "Höchberg, 30. Sept. Dem Jahresbericht
der 'Lazarus Ottensoser-Stiftung' für die 'Israelitische Präparandenschule
(Talmud Thora) Höchberg' (Bayern) entnehmen wir:
Mit dem Gefühle der Befriedigung schreiten wir hiermit an die Herausgabe
unseres Rechenschaftsberichtes für das Rechnungsjahr 1901. Ist es uns doch
mit Gottes Hilfe gelungen, die Gewogenheit unserer Gönner und Freunde zu
erhalten, so dass wir in den Stand gesetzt waren, die Ausgaben bestreiten zu
können, welche die satzungsgemäße Erhaltung der Präparandenschule erfordert.
Abgesehen von den laufenden Ausgaben ist im verflossenen Rechnungsjahre eine
große Aufgabe an unsere Kasse herangetreten. Durch den Tod des bisherigen
Besitzers wurde ein an das Anstaltsgebäude grenzendes Anwesen dem Verkaufe
unterstellt. Um nun für eine eventuelle spätere Erweiterung der
Anstaltsräume Platz zu gewinnen und den schon lange gehegten Wunsch nach
einem eigenen Spiel- und Tummelplatz für die Schüler zu verwirklichen, war
die Stiftung gezwungen, bezeichnetes Anwesen zu kaufen. Laut
Regierungsentschließung vom 9. April 1901 wurde die 'Erwerbung des Anwesens
um den Preis von 6671 Mark genehmigt', uns aber dabei gleichzeitig die
Auflage gemacht, 'für seinerzeitige Refundierung des Gesamtbetrages Sorge zu
tragen.'
Wenn nun auch der Abschluss der Rechnung sich als günstig darstellt, so
fühlen wir uns doch veranlasst, um das fernere Wohlwollen unserer Gönner
höflichst zu bitten, da wir dem Auftrage der Kgl. Kreisregierung nachkommen
müssen und auch die für die/ zweckdienliche Herrichtung des erworbenen
Platzes notwendigen Kosten zu beschaffen sind.
Im vorigen Jahre haben die sämtlichen Zöglinge des dritten Kurses die
Schlussprüfung an unserer Anstalt erfolgreich bestanden. Dieselben waren in
Folge dessen berechtigt, in der Israelitischen
Lehrerbildungsanstalt zu Würzburg Aufnahme zu finden. Diese wurde ihnen
auch zu Beginn des gegenwärtigen Schuljahres gewährt.
Auch aus dem zweiten Kurse traten am Schlusse des vorigen Schuljahres zwei
Schüler aus. Der eine fand in der Bildungsanstalt für jüdische Lehrer in
Hannover Aufnahme, der andere trat auf diesseitige Veranlassung zum
Geschäfte über, während ein Schüler des ersten Kurses in eine staatliche
Präparandie seines Heimatortes aufgenommen wurde.
Die Aufnahmeprüfung dahier fand am 14. Oktober vorigen Jahres statt. Von den
acht neu eingetretenen Knaben konnten dem Prüfungsresultate entsprechend nur
sechs sogleich, die übrigen zwei aber erst nach der üblichen Probezeit als
ordentliche Schüler in der Anstalt verbleiben.
Somit befanden sich mit Beginn dieses Schuljahres im ersten und zweiten Kurs
je 13 und im dritten sieben Präparanden.
Von denselben ist ein Schüler des zweiten Kurses am Ende des ersten
Quartals, zwei des ersten Kurses am Ende des zweiten Quartals ausgetreten,
um sich einem Geschäfte zu widmen. Dagegen traten zu Anfang des
Sommersemesters fünf Schüler als Hospitanten in den ersten Kurs ein." |
Ausschreibung
einer Lehrerstelle an der israelitischen Präparandenschule (1902)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 14. Oktober 1902: "Für die israelitische Präparandenschule in
Höchberg wird zum sofortigen Eintritt ein Lehrer gesucht, der Musik und
Geschichte in den drei Kursen, sowie Deutsch und Rechnen im ersten Kurse zu
unterrichten hat. Bewerber, die ein bayerisches Seminar besucht haben
müssen, wollen ihre beglaubigten Zeugnisabschriften alsbald einsenden.
Würzburg. 10. Oktober 1902. Das Kuratorium der Lazarus
Ottensoser-Stiftung Höchberg: S. Forchheimer, Vorsitzender." |
Ausschreibung einer Lehrerstelle an der israelitischen Präparandenschule
(1903)
Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28.
August
1903: "Höchberg. Lehrer für israelitische Präparandenschule per 15.
Oktober. Anfangsgehalt 1620 Mark. Offerten mit Zeugnisabschriften bis zum
10. September dem Kuratorium einzureichen". |
Vergleich
der Ausbildungen in den Präparandenschulen Burgpreppach, Höchberg und Münster
sowie in den Seminaren Köln, Münster und Würzburg (1904)
mit Empfehlungen für die Angleichung der Ausbildungsinhalte von
Seminarlehrer Elias Gut in Köln.
Elias Gut ist am 21. Februar 1869 in
Gailingen geboren. Nach Besuch der Volksschule in Gailingen und der
Realschule in Dießenhofen (Schweiz) studierte er von 1885 bis 1888 am Jüdischen
Lehrerseminar in Köln. 1889 legte er die 1. Lehrerprüfung in Odenkirchen, 1893
die zweite in Siegburg ab. 1892 bis 1895 war er Religionslehrer an der
Synagogen-Gemeinde in Köln. Seit 1901 war er Seminarlehrer am jüdischen
Lehrerseminar in Köln unter den Rabbinern Dr. Emanuel und Dr. David Carlebach -
https://de.wikipedia.org/wiki/Emanuel_Carlebach und
https://de.wikipedia.org/wiki/David_Carlebach_(Rabbiner,_1899). Seit 1923
war Elias Gut Seminaroberlehrer, seit 1924 Seminarstudienrat. Seit der
Auswanderung von David Carlebach 1936 war Elias Gut Leiter des Jüdischen
Lehrerseminars in Köln, das wenige Jahre später geschlossen werden musste. Im
Oktober 1945 ist er in Basel gestorben (Todesanzeige siehe
Seite zu Gailingen).
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. April
1904: "Die künftige Ausbildung des jüdischen Lehrers auf dem Gebiete
des Religionsunterrichts.
Von Seminarlehrer Elias Gut - Köln.
Durch die ministeriellen Bestimmungen vom 1. Juli 1901 hat die preußische
Lehrerbildung bekanntlich einen außergewöhnlichen, vielfach unerwarteten
Aufschwung genommen. Präparandie und Seminar sind nunmehr in organischen
Zusammenhang gebracht, allgemeine Fachbildung gebührend auseinander gehalten
und die Forderungen in sämtlichen Lehrfächern dergestalt erhöht, dass die
Erschließung der Universitätspforten für den Volksschullehrer kaum noch eine
Frage der Zeit ist.
Die Absolventen der fünf jüdischen Seminare in Preußen werden den
Mehrforderungen in sämtlichen profanen Fächern ebenso gerecht werden, wie
die christlichen Aspiranten. Nun tritt aber die Frage an die jüdischen
Seminare heran: Soll das Pensum auf dem Gebiete des Religionsunterrichts auf
dem bisherigen Niveau bleiben, oder ist es angebracht, wenn alle profanen
Fächer intensiver gepflegt werden, das hehrste aller Unterrichtsgebiete von
dieser eingehenderen Bearbeitung nicht auszuschließen? Die Beantwortung
dieser Frage dürfte nicht allzu schwer sein. Obschon häufig darauf
hingewiesen wird, die jüdischen Seminare hätten außer den staatlichen
Anforderungen noch solch große Aufgaben zu bewältigen, dass die Lehrzeit von
drei Jahren kaum für das Dürftigste ausreicht, ist es einfach Ehrenpflicht,
den Religionsunterricht im richtigen Verhältnisse zu den anderen Gebieten
zu pflegen, wenn anders er nicht den Stempel der Minderwertigkeit erhalten
soll. Wahr ist es zwar, dass schon bei den bisherigen Anforderungen alle
Kraft zusammengenommen werden musste, um in drei Jahren aus dem eintretenden
Seminaristen einen abgehenden tüchtigen Elementarlehrer, Religionslehrer,
Kantor, Schächter und Prediger werden zu lassen. Jedoch si vis pacem,
para bellum (= wenn Du Frieden willst, bereite Dich auf den Krieg vor"),
wenn alle anderen Mächte ihr Kontingent erhöhen, muss die erste Großmacht
sicher folgen, wenn sie nicht eo ipso aus dem bisherigen Konzert
ausscheiden will, um zu einem Kleinstaat II. Ranges degradiert zu werden.
Diese Erwägung erscheint mir so selbstredend, dass ich nunmehr sofort zur
Beantwortung der Frage schreiten will: Welches Maß von Kenntnissen soll
fortab beim Ein- und beim Austritt der Seminaristen auf dem Gebiete des
jüdischen Religionsunterrichts gewünscht und verlangt werden?
Selbstverständlich kann in dieser Vorarbeit nur ein Umriss skizziert werden,
da es die Einsicht und Kraft eines Einzelnen weit übersteigt, feststehende,
allgemeine Geltung beanspruchende Normen aufzustellen. In nachfolgender
Tabelle habe ich aus Jahresberichten zusammengestellt, was bisher in den
Präparandien Burgpreppach,
Höchberg und Münster, den Seminaren Köln, Münster und
Würzburg geleistet wurde. Von der
Präparandie Schwabach stand mir kein
Jahresbericht zur Verfügung; der Herr Seminardirektor von Hannover erklärte,
das dortige Seminar gäbe keine Berichte aus und Herr Direktor Dr. Lazarus
wies mich an das Kasseler Provinzial-Kollegium, welche Behörde ich jedoch
mit Unterstützung unserer Arbeiten nicht behelligen wollte. Der Berliner
Seminardirektor, so wurde mir von zuverlässiger Quelle gemeldet, verhält
sich unseren Bestrebungen gegenüber durchaus indifferent. Wenn meine Tabelle
demnach auch auf Vollständigkeit keinen Anspruch machen kann, so wird das
darin enthaltene Material so ungefähr dem Stande der Dinge entsprechen. |
Tabellen
werden nicht abgeschrieben,
bei Interesse bitte Textabbildungen anklicken |
 |
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Die
Rubriken 1—3 Bibel. 5 Grammatik. 6—8 biblische, nachbiblische Geschichte und
systematische Religionslehre, 11 und 12, Mischna und Talmud, dienen der
allgemein jüdischen Bildung, die übrigen Rubriken der speziellen Fachbildung
und zwar: Rubrik 15 (Methodik) dem Religionslehrer, 4 Geschichte der
Liturgie, 10 Ritualkodex dem Kantor, 10 ferner, dem Schächter und 14
Homiletik dem Prediger. Ich bemerke schon jetzt, dass für die auf
gesetzestreuem Boden stehenden Seminare die Ausbildung zum Schächterberufe
nicht vom Lehrplan gestrichen werden darf, schon aus dem einfachen
praktischen Grunde, weil die kleineren Gemeinden einen Kultusbeamten haben
müssen, der sämtliche genannten Ämter in seiner Person vereinigt. Und nun zu
den einzelnen Rubriken:
(sc. im Nachfolgenden gibt es Ratschläge für P = Präparandien und S für
Seminare)
Ad. 1 Pensum für P. kann bleiben, für S. schlage ich jedoch die kaldäische
Paraphrase des Onkelos vor.
Ad. 2 und 3 muss statarische und kursorische, ferner Klassen- und
Privatlektüre unterschieden werden.
Ad. 2 sollen in P. die vier ersten, in S. die vier letzten Prophetenbücher
behandelt werden (mit Auswahl).
Ad. 3 in P. die Bücher Esther, Rut, Echa und Mischle, in S. das Hohe Lied,
Prediger, Hiob und Daniel (das hohe Lied darf aus pädagogischen und
praktischen Gründen nicht gestrichen werden. Die Einführung in das
Verständnis der zu behandelnden biblischen Bücher nach höheren
Gesichtspunkten ist die Hauptsache bei diesen Fächern.)
Ad. 4 in P. schlage ich das Burgpreppacher Pensum vor, in S. handelt es sich
um die Geschichte unseres Gebetbuches und des Machsor.
Ad. 5 in P. muss die Elementargrammatik zum Abschlusse gebracht werden, in
S. ist die hebräische Grammatik wissenschaftlich und die chaldäische
elementar zu behandeln.
Ad. 6 schlage ich das Höchberger Pensum für P. vor, für S. die Methodik
dieses Gebietes.
Ad. 7 in P. nicht mehr zu behandeln, in S. die Methodik dieses Gegenstandes.
Ad. 8 in P. bis zur Gegenwart in lebensvollen Monographien; für S. möchte
ich folgende Anweisung der ministeriellen Bestimmungen als Richtschnur
empfehlen: 'Ein fortlaufender Unterricht in (jüdischer) Literaturgeschichte
ist nicht zu erteilen: es ist daher auch die Benutzung eines Leitfadens für
den literaturkundlichen Unterricht ausgeschlossen. Die Zöglinge sind jedoch
mit einer Anzahl von Meisterwerken unserer Literatur vertraut zu machen. Die
Bedeutung der namhaften Schriftsteller ist aus ihren Werken und im
Zusammenhang mit der Geschichte und Kultur der Zeit zum Verständnis zu
bringen. Durch Annahme dieses Grundsatzes würde das übliche Memorieren der
nachbiblischen Geschichte endlich verschwinden. Statt Betrachtungen über die
Sache würden die Seminaristen auch auf diesem Gebiete die Sache selbst
kennen lernen, wie es mit so gutem Erfolge auf dem Gebiete der deutschen
Literatur und der historischer Pädagogik Sitte ist. Freilich müsste erst
eine gute Blütenlese jüdischer Denker und Dichter (im Urtexte) in dem für
Seminare wünschenswerten Umfange geschaffen werden.
Ad. 9 für P. kann das bisherige Pensum beibehalten werden, für S. schlage
ich schwierigere Kommentare vor, z. B. Ramban, Ibn Esra oder Malbim. Auf die
Quantität des Behandelten kommt es weniger an, als auf die Güte der
Durchnahme.
Ad. 10 empfehle ich (ebenfalls das Lied 'An der Quelle saß der Knabe' und
daher) die Behandlung des Schulchan Aruch selbst, dessen Durchnahme
interessant und nicht schwierig ist. Ich bin fest überzeugt, dass das
Selbstbewusstsein der Lehrer in dieser Beziehung bedeutend gehoben wird,
wenn ihm die Krücken endlich abgenommen werden und er ohne fremde Hilfe
selbst seinen Din nachschlagen kann. Für P. schlage ich die wichtigsten
Kapitel aus dem Orach Chajim vor, z.B. Tefillin. Zizis und Liturgie, für S.
die für den jüdischen Kultusbeamten in Betracht kommenden Kapitel aus dem
Joreh Deah, z. B. Schechitah. Mikwah, Trauergesetze u. a. Ich verlange
nicht, dass der Lehrer diese Materien nun völlig beherrsche, wohl aber, dass
er sich allein darin zurecht finden lerne und sich nicht von gebildeten
Gemeindemitgliedern der Ignoranz zeihen lassen muss.
Ad. 11 und 12 verlange ich, dass das Studium von Mischnah und Talmud nicht
vernachlässigt oder gar ganz versäumt werde: denn wer in jüdischen Fragen
ernstlich mitreden will, muss im Stande sein, die Quellen unseres
Religionsgesetzes zu lesen. Ebenso gut wie der Seminarist das Nibelungen-
und das Gudrun-Lied oder die Quellenstücke der Geschichte im Urtexte lesen
können soll, kann Ähnliches für die Quellenstücke der jüdischen Lehre
verlangt werden. Auf diesem Gebiete eröffnet sich auch der Fortbildung des
jüdischen Lehrers eine ersprießliche Tätigkeit.
Ad. 11 schlage ich vor: P. Bd. II und S. Bd. III.
Ad. 12 für P. das Burgpreppacher Pensum, für S. Chulin.
Ad. 13 empfehle das Pensum von Münster.
Ad. 14 P. nichts, für S. das Pensum von Münster.
Ad. 15 P. nichts, für S. besonders die Methodik des Übersetzungsunterrichts.
Durch Annahme meiner Vorschläge würden die Wohltaten der neuen Bestimmungen
auch auf den jüdischen Religions-Unterricht ausgedehnt werden, denn P. und
S. würden in organischen Zusammenhang gebracht, allgemein wissenschaftliche
und Fachbildung gebührend getrennt und gebührend gepflegt. Die Forderungen
in sämtlichen Abteilungen sind so erhöht, dass der jüdische |
Lehrer
mit gutem Resultate wissenschaftlichen Vorlesungen folgen könnte. Man komme
mir nun nicht mit der leidigen praktischen und doch unpraktischen 'Zeit?'-Frage;
hier handelt es sich, wie ich Eingangs betont habe, um eine Ehrenpflicht,
die eben, so schwer es auch werden mag, erfüllt werden muss. M.E. hängt die
materielle Versorgungsfrage von der wissenschaftlichen Ausbildungsfrage ab.
Die deutschen Lehrer haben im Jahre 48 nicht bessere Besoldung. sondern
höhere Bildung verlangt und mit dieser auch jene erkämpft, denn Wissen ist
Macht.
Wie der deutsche Lehrer durch seinen unersättlichen Bildungsdrang eine
herrliche, nie erlebte Position im deutschen Vaterlande sich errungen hat.
möge es auch dem jüdischen Lehrer nach harten Tagen endlich vergönnt sein,
diejenige Stellung in der jüdischen Gemeinschaft einzunehmen, die ihm nach
Fug und Recht zukommt. Dass dieser Wunsch sich bald erfülle, hängt nach
Goethes Wort von unserer Energie ab: Vergebens werden
ungebundne Geister Nach der Vollendung reiner Höhe streben.
Wer Großes will, muss sich zusammenraffen; In der Beschränkung
zeigt sich erst der Meister, Und das Gesetz nur kann uns Freiheit
geben". |
25-jähriges Dienstjubiläum von Lehrer
Lazarus Ehrenreich (1904)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 4. November 1904: "Höchberg
(Bayern). Dieser Tage feierte hier Herr Lehrer Ehrenreich an der
israelitischen Präparandenschule sein 25jähriges Dienstjubiläum, aus
welchem Anlass ein Festakt stattfand. Herr Hauptlehrer und Schulvorstand
Eschwege feierte die Verdienste des Jubilars, der nicht allein ein
tüchtiger Schulmann, sondern auch eine Persönlichkeit ist, die, wo es
gilt, gemeinnützige Unternehmungen in der Gemeinde zu fördern, mit an
der Spitze steht." |
Zum Jahresbericht 1904/05
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 3. November 1905:
"Höchberg
(Bayern). Vor uns liegt der Jahresbericht für 1904 beziehungsweise
1904/05 der 'Lazarus Ottensoser-Stiftung für die Israelitische
Präparandenschule (Talmud-Tora) in Höchberg'. Dem Berichte geht eine
Arbeit des Leiters der Präparanden-Schule, Herrn Hauptlehrer Eschwege
über den 'Derech-Erez' voraus. Die Schulchronik gibt das Bild eines
geregelten, segensreichen Arbeitens; sie verzeichnet einen Bestand von 37
Schülern. Auch die Abrechnung (Vermögensbestand Mark 202.625) ergibt
einen erfreulichen Status. Jedoch sind die Zinsen dieses Kapitals noch bei
weitem nicht so genügend, dass die Anstalt auf den fortlaufenden Zufluss
von Legaten, Spenden und Jahresbeiträge nicht sehr angewiesen
wäre." |
Jahresbericht
1905/06
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. September
1906: "Höchberg (Bayern). Der Bericht aber das 66. Jahr der
Israel. Präparandenschule (Leiter: Herr Hauptlehrer N. Eschwege) enthält
einen geschichtlichen Rückblick über die israelitische Gemeinde Höchberg und
über die Schule.
Die israelitische Gemeinde Höchberg, die heute nur noch aus 5 Familien
besteht, von denen 4 durch die Anstalt hier wohnen, zählte früher zu den
größten der Umgegend; sie war so angesehen, dass man sie 'Klein-Frankfurt'
nannte. In der Mitte des 18. Jahrhunderts besaß die Gemeinde 18 Torarollen.
Die noch benutzte Synagoge ist vermutlich 1661 erbaut worden; sie zeigt
innen eine gediegene, vornehme Ausstattung, die teils in Renaissance-, teils
in Barockstil gehalten ist.
Als anfangs der 1840er Jahre (des vorigen Jahrhunderts) sich die Gemeinde so
verringerte, dass sich häufig an Wochentagen nicht mehr ein Minjan für den
Gottesdienst zusammenbringen ließ, da sammelte der damalige Rabbiner Lazarus Ottensoser s.A. lernbeflissene Jünglinge um sich und legte so den Grundstein
zur Präparandenschule. Schon 1856 sah er sich veranlasst, eine weitere
Lehrkraft anzustellen, die er in Rabbi J.M. Schüler -
Autenhausen s.A. fand, an dessen
Stelle nach einem Jahre Rabbinatskandidat Jacob Ehrenreich -
Autenhausen trat. 1861 erfolgte die
Genehmigung der Regierung als Präparandenschule (die staatlichen analogen
Anstalten sind erst 1866 errichtet worden). Es sind in den 66 Jahren ihres
Bestehens von der Präparandenschule über 700 Jünglinge herangebildet
worden." |
Über die
Präparandenschule in Höchberg (1906)
Anmerkung: sehr anschauliche Beschreibung des Lebens in der Höchberger Schule
Anfang des 20. Jahrhunderts. Hebräische Zitate und Begriffe in diesem Text sind
teilweise noch wiederzugeben.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29.Mai 1906: "Stätten der Tora in
Deutschland. II. Ein Ausflug nach Höchberg. (Schluss)
Nachdem wir so die örtlichen Verhältnisse und das Hauptsächlichste aus der
geschichtlichen Vergangenheit Höchbergs kennen gelernt, (Anmerkung:
Interessieren dürfte noch, dass der Begründer der 'Frankfurter Zeitung' und
ehemalige Reichstagsabgeordnete Leopold Sonnemann aus Höchberg stammt)
treten wir der dortigen Talmud-Tora-Schule näher. Wenn auch so vieles im
Laufe der Zeit sich im Gemeindeleben geändert, das Beth hamidrasch
des Raw Elieser seligen Angedenkens ist sich gleich geblieben: denn
Tora und Gottesfurcht können keine Konzessionen an den Zeitgeist machen.
Nicht als ob man den gerechten Anforderungen de Gegenwart keine Rechnung
trüge! Ist doch die Talmud-Tora-Schule — wie oben betont - eine den
Königlichen Anstalten gleichgeordnete Präparandenschule. Das Erfreuliche
ist nur der sich in eiserner Konsequenz gleich bleibende jüdische Geist in
ihr. Und diesen Geist hat ihr die machtvolle Persönlichkeit des großen
Gründers seligen Angedenkens unvergänglich eingehaucht, ihr den
Stempel seiner Größe aufgeprägt für immer. Die Schule ist sein Lebenswerk,
ihre Geschichte seine Lebensgeschichte. Ehe wir letztere skizzieren, wollen
wir der Anstalt erst einen Besuch abstatten.
Ich trat durch einen kleinen überbauten Hofraum ein, an den sich, rückwärts
gelegen, der eigentliche geräumige Hof anschließt. Von diesem führt eine
Pforte nach dem so genannten Spiel- und Tummelplatz, der erst vor vier Jahren
um fast 7.000 Mk. erworben wurde, eventuell auch zu einer Vergrößerung der
Anstaltsgebäude. Einige bequeme Stufen führen in den Parterre-Raum des
Hauses, der vom Kassier der Anstalt, Herrn Samuel Eldod bewahrt wird
(Anmerkung: der Gründer hatte 1865 das ganze Gebäude für die Schule erworben
im Verein mit seinen Verwandten, der Familie Eldod). Mit freundlichem
Schalom aleichem empfing mich der Genannte, ein Vetter von Rabbi Elosor,
und seit dessen Tod (1876) Kassier des Stiftungsvermögens. Der über
80-jährige ist nicht nur durch sein Ehrenamt als Kassier mit der Schule
eng verwachsen, er lebt auch in der Erinnerung aller ehemaligen Schüler der
Anstalt als der sorgfältige Hüter aller frommen Traditionen aus Rabbi
Eliesers Zeit. Diejenigen, welche R. Elosor Ottensosser selbst nicht kannten,
haben doch eine Vorstellung von dessen peinlicher Beobachtung der Mizwoth,
von dessen Feier der Schabbate und Feiertage, von dessen tiefer
Andacht beim Gebet, von dessen opferfreudiger Hingabe an die Anstalt und
ihre Zöglinge durch Herrn Samuel Eldod! Es freute mich ungemein, den
Kassier und seine ihm ebenbürtige Gattin so rüstig zu treffen wie vor mehr
als 25 Jahren, und ebenso der Erfüllung der Gebote nacheifernd wie von
jeher. Auch die gegenwärtige Schülerschar zählt ihn gewissermaßen zu den
Lehrern der Talmud-Thora durch das vorbildliche, ganz der Tora und dem
Gottesdienst gewidmete Leben. Mit Rat und Tat, in väterlicher Liebe und
Hingebung stets Lehrern und Schülern zur Seite stehend, genießt er bei
beiden die gleiche Verehrung und Achtung. Ich hatte den ehrwürdigen Herrn
beim Mischnaot- und Midrasch-Lernen gestört und wurde mit
Beweisen echt jüdischer Gastfreundschaft überhäuft, denen ich mich indes —
da die Zeit meines Aufenthaltes kurz bemessen war - entreißen musste mit den
besten Wünschen für sein und seiner Gattin ferneren Lebensabend.
Im ersten Stock des Hauses befinden sich die Lehrräume. Im Flur, von dem aus
man in jeden der drei Kurse gelangen kann, sehen wir den Gesamtstundenplan
hängen. Ein Blick darauf lehrt, dass hier nicht nur die Bücher Moses
mit Raschi, Propheten, jüdische Geschichte, Tefilla-Übersetzen,
Grammatik, Mischna und Gemara gelernt wird, sondern auch alle profanen
Disziplinen einschließlich Musik (Gesang, Violine, Klavier, Harmonielehre).
Stenographie ist wahlfreies Fach genannt. Der Stundenplan zeigt uns fünf
Lehrkräfte an, davon vier jüdische: Vor allem den rührigen Hauptlehrer Herrn
Eschwege, den ersten Präparandenlehrer Herrn L. G. Ehrenreich und Herrn
Emanuel Eldod, Sohn des Anstaltskassiers. Von den christlichen Lehrkräften
ist einer als 2. Präparandenlehrer angestellt, ferner fungiert seit Herbst
1904 noch ein jüngerer jüdischer Lehrer. Zu meiner großen Freude hatte ich
Gelegenheit, dem jüdischen Unterricht anwohnen zu können. Ich war erstaunt
über die prompten Antworten, welche auch auf schwierigere Fragen aus der ...
erfolgten. Da konnte man mit großer Sachkenntnis sprechen hören über die
verschiedenen ..., kurz über alles, was man nur durch regelrechtes 'Lernen'
erreichen kann. Wo sind heutzutage noch solche Begriffe heimisch im Volke?
Sicher gehört hierzu Quellenstudium, reguläres 'Lernen', bei dem selbst - nach dem Ausspruche der Gemara der traditionelle 'Nigun' nicht Nebensache
ist. Welche Müde kostet es aber, die jungen Leute, meist ohne besondere
Vorkenntnisse den Volksschulen entnommen, soweit zu fördern, eine Mischna
mit Bartinora oder gar ein Stückchen Gemara mir Raschi und leichteren
Tosefoth zu erfassen! Welche Mühe mach: hier schon das Lesen, das Abteilen
von Frage und Antwort, abgesehen vom logischen Verständnis! Da hilft keine
Grammatik und sonstiges Universalmittel, da hilft kein Mundspitzen - es muss
gepfiffen werden. Wie die Verhältnisse nun einmal liegen, können wir für das
'Lernen' nicht warten, bis uns die Grammatik als Mittel zum Zweck zu Hilfe
kommt. Wir müssten dann gar zu sehr warten; es muss frisch angepackt werden!
Dabei gewinnt ja auch sofort der Grammatikunterricht wieder, von welcher
Tatsache ich mich bei meinem Chanukkabesuche in Höchberg zu meiner größten
Freude überzeugen konnte. Freilich muss der Erfolg auf das Konto der
strengen Achtsamkeit des Lehrers auf durchaus korrektes Lesen gesetzt
werden. Daran, wie überhaupt an Ausdauer und Geduld, lassen es die Lehrer
der Talmud-Tora-Schule nicht fehlen. Beim Mischna- und Gemara-Unterricht
hörte ich auch Diwre Agarta, welche den Unterricht und die ganze
Klasse belebten, selbst die jüngsten Zöglinge überraschten durch ihre
Antworten. Einem solchen Unterricht anzuwohnen ist ein Genuss, eine solche
Schule gleicht der Oase in weit ausgedehntem Wüstenland. Bald dachte ich an
den seligen Stifter der Schule. ..., bald an den Vorzug an einer
solchen Schule wirken zu dürfen im Dienste unserer Tora, bald an das Glück, in jungen Jahren den schönen und
köstlichen Lehren, die hier in anziehender Form vorgetragen wurden,
lauschen zu dürfen. Das Bewusstsein, eine eigenartig hübsche Chanukafeier zu
genießen, erfüllte mich in dieser Stunde. Sind doch die Hasmonäer nur zur
Ehrenrettung der Tora ins Feld gezogen, ist doch nur um der
Wahrheit Preis
ihr und aller andern Helden Blut geflossen. Der Geist solcher Streiter aber
kann nur in einer solchen Schule erzeugt, nur im 'Lernen' gefunden werden,
und Rabbi Jochanan ben Sakkai hatte Recht, wenn er in seinem Scharf- und
Fernblick für das Judentum und dessen Aufgabe von dem römischen Machthaber
nur die Verschonung der Lehrhäuser zu Jabne auserbat. Dort wurden stärkere
Waffen geschmiedet als die römischen es waren. Die Grundidee des Chanukka-Festes
tritt einem gewiss viel erhabener und lebendiger vor die Seele in einer
Talmud-Tora-Schule als bei so mancher modernen 'Makkabäerfeier', die
nicht jüdischen Charakter trägt. Daher kommt es auch, dass das Fest der
Torarettung gerade von den Bachurim (Schülern) einer Jeschiwa
recht begangen werden kann, sie bringen ihm das innigste Verständnis
entgegen, wie ich mich auch in Höchberg überzeugen konnte. Der Grundsatz der
Schule: jafä talmud Tora im derech erez war ja auch die Kampfparole zwischendrin Judaismus und
Hellenismus der Syrerzeit. Ich bemerkte zu meiner Freude, dass neben
positiven Religionskenntnissen den Schülern auch Hinweise auf die
Erscheinungen der Zeit, die von verderblichem und gefährlichem Einfluss
sind, übermittelt wurden. Das ist ein Gebot der Notwendigkeit ... ! Es ist
klug, die jungen Leute im voraus immun zu machen gegen das schleichende Gift
einer seichten Aufklärung des Unglaubens, es ist ratsam, frühzeitig genug
neben der Kelle zum Aufbau auch die Waffe zur Abwehr zu reichen. |
Indes
war es drei Uhr geworden, das Lernen endete mit Kadisch... dessen
Verrichtung als frommes Ehrenamt sich der Kassier der Anstalt, altem Brauche
getreu, nicht nehmen lässt. Um vier Uhr wurde in den verschiedenen Kursen
Mincha gebetet, wobei Zöglinge das Vorbeteramt versahen. Man konnte
nicht nur aufmerksame Stille und würdevolle Andacht beobachten, sondern auch
den verständnisvollen Vortrag der Gebete. Man sieht und hört, dass seitens
der Anstaltslehrer auch in dieser Beziehung 'gearbeitet' wird mit Rücksicht
auf das zukünftige Amt der Zöglinge als Kantoren/Vorbeter. Es sind besondere
Stunden der Behandlung der Gebete gewidmet, wobei das korrekte Lesen eine
Hauptrolle spielt, ganz abgesehen von den Dinei Tefila, die ja
ohnehin im Chai Adam durchgenommen werden. Da eine volle Stunde vor
Nacht den Zöglingen frei gegeben ist, um die Vorbereitungen das Anzünden
der Chanukkalichter treffen zu können, so war genügend Zeit, unterdessen
auch die Räumlichkeiten
der Anstalt genauer zu be- sehen. Wir schreiten durch die einzelnen Lehrsäle
und brachten die zahlreichen Lehrmittel für alle Sparten des Unterrichts.
Infolge edler Vermächtnisse ist die Schule im Besitz einer Bücher-Sammlung
von ansehnlichem Umfange. Es sind alle nur irgend nennenswerten Werke aus
den verschiedenen Gebieten ... vorhandenm oft in mehrfachen Ausgaben. Bemerkenswert
ist wohl ein Rambam, der zu Lebzeiten des Rabbi Josef Karo in
Venedig gedruckt und zum Teil mit Handschriftlichen Notizen des Rabbi Jomtof
Lippmann Heller, des Verfassers von versehen in. Das
dürfte für die Quellenforschung bezüglich des bewegten Lebensganges
unseres ... immerhin von Bedeutung sei». Sämtliche Bücher-Schränke sind
in bester Ordnung. Gerne hätten wir noch ein wenig uns das Vergnügen
gegönnt, die reiche Auswahl von seltenen Exemplaren zu mustern, doch die Uhr
mahnte zur möglichst ökonomischen Ausnützung der noch verfügbaren Zeit. Es
galt, nun die Schlafräume der Zöglinge in Augenschein zu nehmen. Sie sind
im obersten Stock gelegen. Licht und Luft, Reinlichkeit und Ausstattung
entsprechen vollauf den Anforderungen der Hygiene, die ja im modernen
Schulorganismus eine so große Rolle spielt. Mens sana in corpore sano
das ist auch echt jüdische Lebensnorm, wenn wir an alle die hier
einschlägigen Anweisungen der Weisen denken, die auch schon etwas von guter
Nahrung, vorteilhafter Kleidung. Wohnung und Schlafzimmereinrichtung
verstanden, die darin so weltkundig waren, wie vielleicht mancher
'Weltmann', . der nur als weltscheu sich die alten Weisen vorstellen kann.
Es logieren indes nicht alle Zöglinge im Anstaltsgebäude, sie sind
zum Teil auch bei den Lehrern der Schule in Wohnung. Es besteht auch eine
eigene Krankenkasse für die Schüler und auch die Einrichtungen für ein
Krankenzimmer sind längst vorhanden. Wie die Rechenschaftsberichte ersehen
lassen und wie das gesunde Aussehen der Schüler bezeugt, wird indes von den
Vorkehrungen selten Gebrauch gemacht.
Bereits funkeln die ersten Stern am Himmel und meinen Augen bot sich ein
selten schönes Schauspiel: die Zöglinge zündeten die Chanuka-Lichter an.
Einer nach dem andern trug mit entsprechender Melodie die Bracha vor,
während die Anwesenden laut ... und Amen nachsagten. Bald strahlten
zahlreiche Lichtlein von der Anstalt hernieder auf die Straße, Israels nie
er- löschende Geisteskraft der Welt verkündend, das Licht ist die Tora -
'Licht'
bedeutet die Gotteslehre! Zuletzt wohnten viele Zöglinge wunschgemäß dem 'Entzünden' unten in der Wohnung des Herrn Kassier Eldold an, und sogleich
ging es in corpore zum Maariw-Gebet nach der Synagoge. Wieder sehen wir in
altgewohnter Weise Herrn Eldod als Ersten die Synagogenpforten öffnen und
die Kerzen aus Wachs, die ihrer respektablen Größe nach wohl einen halben
Tag brennen könnten, an der Menora aufstecken. Mit außerordentlich lauter,
in tiefer ... erbebender Stimme trägt er die Brachot vor, denen ein
allseitiges Amen folgt. Es wird Maariw gebetet und Maos Zur gesungen, indes
nicht in der traditionellen Melodie, was Fremden auffallend erscheint,
jedoch seit erdenklichen Zeiten so gehalten wird. Es werden auch die sieben
weiteren Strophen angefügt, welche im Kizzur Schulchan Aruch und anderorts verzeichnet
sind.
Nach Schluss des Gottesdienstes und nach Einnahme der Abendmahlzeit gönnt
man der wackeren Schar der Schüler gerne auch die Chanuka-Freuden, welche in
unschuldigem Gesellschaftsspiele sich bieten: das Leben nach streng
jüdischen Normen soll den jungen Leuten schön und angenehm erscheinen.
Gerade die Jugendeindrücke verwischen sich nicht so leicht, gerade
heutzutage ist es nötig, die Jugend in freundschaftlich ungezwungener Art
sich zu gewinnen, auf dass sie vertrauensvoll sich uns anschmiege. Und als
wir von Höchberg schieden, hatten wir das Gefühl, in seltener Weise ein paar
Stunden Chanuka gefeiert zu haben in einer aufblühenden Jeschiwa im
Herzen unseres deutschen Vaterlandes. Unsere frohen Empfindungen vereinigen
sich aber in dem einen Gedanken, in der Erinnerung an den großen Gründer der
Schule N. Elosor Ottensoser - das Andenken an den Gerechten ist zum
Segen. - Das Bethamidrasch bleibt sein ewiges Ruhmesdenkmal,
welches im Laufe der Zeit in seinen Segenswirkungen nur stets wachsen wird.
׳ Wir glauben unsere Betrachtungen nicht besser schließen zu können, als
dass wir in großen Zügen den Lebenslauf des Gerechten seligen Andenkens
hierhersetzen. (Anmerkung: wir folgen hier dem von Herrn Hauptlehrer
Eschwege - Höchberg dargestellten ´Leben und Wirken des Rabbiners Lazarus
Ottensoser seligen Angedenkens' - zu beziehen durch den Stiftungskassier
Samuel Eldod Höchberg).
R. Elosor Ottensoser war aus
Weimarschmieden bei Mellrichstadt gebürtig und erblickte am Erew Sukkos
5559 (1798) das Licht der Welt. Sein Vater R. Naftali Ottensoser war
daselbst Kultusbeamter, siedelte aber bald nach
Kleineibstadt über. Dem Sohne gab
der gelehrte, fromme Mann die bestmöglichste Erziehung, obwohl unter
drückenden Lebenssorgen stehend. Elosor trieb einen kleinen Hausierhandel.
Eines Tages aber warf der ideal angelegte Knabe Stock und Bündel weg und
rief, sich verzweifelnd im Grase wälzend, Gott an um einen besseren
Lebensunterhalt. Damals suchte die Gemeinde Markt
Scheinfeld 'einen Lehrer (Melamed).'
Auf den Wunsch seines Vaters nahm R. Elosor die Stelle an. In seinem neuen
Wirkungskreise lehrte O. nicht nur, er bildete sich auch eifrig weiter, wozu
ihm ein dortiger Talmudist — Rabbi Kusel — Gelegenheit bot. Als einst Elosor
O. in Markt Scheinfeld schwer erkrankte, pflegte ihn die Tochter Rabbi
Kusels in aufopfernder Weise: später unterstützte sie Ottensoser auch, als
dieser nach gründlicher Vorbereitung die Jeschiwa des R. Wolf
Hamburger - das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen - zu Fürth
besuchte. Das Mädchen wurde später seine Gattin.
Bayern stand damals unter dem Einfluss der gewaltigen Umwälzungen in
Deutschlands Staatenleben. Auch die jüdischen Verhältnisse Bayerns wurden
von der neuen Zeit berührt. Man widmete sich den profanen Wissenschaften und
lenkte dabei oft in unjüdische Bahnen. Die Neologie erstarkte. Unter dem
durch Herzensgüte und Frömmigkeit gleich ausgezeichneten Wolf Hamburger in
Fürth schlossen sich die Thora-beflissenen enger zusammen, obwohl die
altehrwürdige Gemeinde schon vom Zersetzungsprozesse ergriffen war. Elosor
zählte zu den besten Bachurim der Jeschiwa und als es galt, die Stelle eines
More-Zedek in Aub zu besetzen, schlug R. Wolf
Hamburger sogleich Ottensoser vor. Dort verheiratete sich auch R. Elosor.
Nach acht- jährigen, Wirken erfolgte (1828) die einstimmige Wahl zum
LrtSrabbiner von Höchberg bei einem festen Gehalt von 883 Gulden und
Nebenverdienste». Vor- länger- und Schächteramt versah C. mit bis 1835, um
sich nach dessen Niederlegung desto ungestörter dem Lernen widmen zu können.
Hatten ihn doch schon von Aub her Bachurim nach Höchberg begleitet. 1834
bestand Rabb. Ottensoser erfolgreich eine von der Behörde verlangte Prüfung.
Bald darauf zog er von Ort zu Ort. um mit Feuereifer für die unglücklichen
Palästinenser zu sammeln, allen selbst mit gutem Beispiele vorangehend. (Als
sich einmal seine Einkünfte verminderten, gab er anstatt des Zehnten, ein
Fünftel davon ab). Doch blieb das 'Lernen' stets die Hauptsache. Von seinem
eisernen Fleiße kann man sich eine Vorstellung machen, wenn man bedenkt,
dass er in fünf Jahren den ganzen Talmud mit sämtlichen Kommentaren
durchlernte: er stand morgens um 2 Uhr auf und begann zu lernen. Mit
Tefillin und Tallis saß er vor seinen Folianten, dem Irdischen entrückt, mit
Tefillin und Tallis ging er auch über die Straße zur Synagoge, von den
Christen mit ehrfurchtsvoller Scheu begrüßt. Die ganze Nacht des
Versöhnungstages verbrachte er mit Thorastudium und Beten, obwohl er alle
Tefillot an dem heiligen Tage verrichtete. Seine Wohnung war ein
Heiligtum, durch prunklose Einfachheit ausgezeichnet, nur für die Mizwaus
(Erfüllung der religiösen Gebote) keine Sparsamkeit kennend. R. Elosor blieb
kinderlos, doch seine Schüler waren seine Kinder. Es ist geradezu unmöglich,
seine Liebe, Hingebung und Aufopferung für sie mit Worten auszudrücken: sie
war grenzenlos! Wie viele von ihnen befinden sich heute in Amt und Würden,
die an R. Elosor einen Vater hatten! Dass die armen Zöglinge ein großes
Kontingent bildeten, war selbstredend. — Das Wohnzimmer war zugleich
'Lernzimmer', um den Tisch gruppierten sich Rabbi und Bachurim. Profanen
Unterricht nahmen die Schüler in Würzburg,
Zell oder
Heidingsfeld. Wollte man doch in
jener Zeit lernen... , ohne gerade sich dem Lehrsache zu widmen. Seit 1850
nahm die Talmud-Tora-Schule einen größeren Aufschwung. Es wurde Rabbiner J.M.
Schüler aus Autenhausen (gestorben
1880 in Frankfurt a. M.) berufen, und später Rabbiner Jakob Ehrenreich aus
Autenhausen, welche beide in
|
R.
Elosors Sinne wirkten. 1863 erschienen die ersten Anstaltsstatuten, die
Schule war nunmehr eine Vorbereitungsanstalt für jüdische Schullehrlinge
geworden. Die Königliche Regierung Unterfranken empfahl zugleich im
Kreisamtsblatte die Anstalt Ottensosers. Den Elementarunterricht erteilte
ein christlicher Lehrer in Höchberg. — seit 1863 durfte auch der an der
Anstalt wirkende Rabbinats-Kandidat Jakob Ehrenreich Elementarunterricht
erteilen, während 1867 die Anstellung eines zweiten ständigen Lehrers nötig
wurde. R.E. berief den Rabbinatskandidaten David Hofmann aus Verbo (Anmerkung:
Es ist dies der schon oben als Schwiegersohn von R. Jona Rosenbaum -
Zell erwähnte derzeitige Rektor des
Rabbinerseminars zu Berlin, Herr Dr. D. Hofmann), ihm folgte 1870
Rabbinats-Kandidat Bernhard Krakauer aus Nickolsburg und verschiedene
andere, endlich 1875 der jetzige Leiter der Schule Herr Hauptlehrer
Eschwege. Es ist wohl selbstverständlich, dass R. Elosor nur die besten und
berufensten Lehrkräfte aussuchte und nach wie vor die Seele des ganzen
Organismus blieb. Die Schule bedurfte reichlicherer Spenden, und R.E. wandte
sich in Zikularen 'an die edlen Herzen Israels', agitierte mit gutem Erfolge
für Jahrzeitsstiftungen und ging selbst mit dem besten Beispiele voran,
indem er sich, seine Frau, Eltern und Verwandte, mit fast 1500 Gulden
'einkaufte'. Den großen Mühen der Einkassierung, Buchung und einer
ausgebreiteten Korrespondenz unterzog sich R. E. freudig und ohne jegliches
Entgelt. Wie ein Vater sorgte er für die idealen und materiellen Bedürfnisse
seiner Bachurim.
R. Elosor war bereits 74 Jahre alt, als er daran ging, sein Haus zu
bestellen, die Zukunft seiner Schule so viel als möglich zu sichern. Die
Statuten wurden revidiert und die Prinzipien festgelegt, nach welchen alle
Vorstände der Zukunft zu verfahren haben. Die Anstalt sollte stets für
Tora, Gottesdienst und Wohltätigkeit zugleich wirken und auf solider
Grundlage weiter bauen mit Gottes Hilfe. Zum Nachfolger wurde der bisherige
erste Anstaltslehrer Rabbinats-Kandidat J. Ehrenreich bestimmt, zum Kassier
Herr S. Eldod - Höchberg. Auch wurden mehrere Stiftungsrevisoren ernannt.
Dass die Wahl eine gute war, bezeugt der heutige Stand der Schule, bezeugt
der Geist wahrer Gottesfurcht und Wahrheit, von dem die Anstalt heute
noch getragen und durch- weht ist. Inzwischen ist manche Forderung der Zeit
an sie herangetreten, es musste auf moderne Ansprüche Rücksicht genommen
werden. Doch würde R. Elosors Geist heute in der Schule erscheinen mit der
Frage ..., er könnte höchstens veränderte Formen finden, der alte,
echtjüdische Sinn und Lebensgeist ist derselbe geblieben durch 6 Jahre, dank
der würdigen Nachfolger, die leider frühzeitig ihrem Wirken entrissen
wurden, dank der jetzigen Leitung, die im Ausblicke zu jenem großen Manne
ihre Aufgabe begreift. Das Ende des Jahres 5636 (1876) war herangekommen,
die Selichostage angebrochen, da hauchte R. Elosor am 23. Elul seine reine
Seele aus! — Seine Schüler betrauerten ihn wie Kinder. Und wer nach Höchberg
kommt, der vermag sich auch heute noch an der Lebensarbeit des
hervorragenden Mannes richtig zu erfreuen und zu erwärmen."
|
Allgemeiner Bericht über Gemeinde und Präparandenschule (1906)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. September 1906: "Höchberg
(Bayern). Der Bericht über das 66. Jahr der Israelitischen
Präparandenschule (Leiter: Herr Hauptlehrer N. Eschwege) enthält einen
geschichtlichen Rückblick über die israelitische Gemeinde Höchberg und über
die Schule.
Die israelitische Gemeinde Höchberg, die heute nur noch aus 5 Familien
besteht, von denen 4 durch die Anstalt hier wohnen, zählte früher zu den
größten der Umgegend; sie war so angesehen, dass man sie 'Klein-Frankfurt'
nannte. In der Mitte des 18. Jahrhunderts besaß die Gemeinde 18 Thorarollen.
Die noch benutzte Synagoge ist vermutlich 1661 erbaut worden; sie zeigt
innen eine gediegene, vornehme Ausstattung, die teils in Renaissance-, teils
in Barockstil gehalten ist.
Als anfangs der '40er Jahre des vorigen Jahrhunderts sich die Gemeinde so
verringerte, dass sich häufig an Wochentagen nicht mehr ein Minjan für den
Gottesdienst zusammenbringen ließ, da sammelte der damalige Rabbiner
Lazarus Ottensoser s. A. lernbeflissene Jünglinge um sich und legte so
den Grundstein zur Präparandenschule. Schon 1856 sah er sich veranlasst,
eine weitere Lehrkraft anzustellen, die er in Rabbi J.M. Schüler -
Autenhausen s. A. fand, an dessen
Stelle nach einem Jahre Rabbinatskandidat Jacob Ehrenreich -
Autenhausen trat. 1861 erfolgte die
Genehmigung der Regierung als Präparandenschule (die staatlichen analogen
Anstalten sind erst 1866 errichtet worden). Es sind in den 66 Jahren ihres
Bestehens von der Präparandenschule über 700 Jünglinge herangebildet
worden." |
Spendenaufruf für eine Renovierung der Schule (1907)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Juni 1907: "Höchberg, 16.
Juni (1907). Vorstand und Kuratorium der Israelitischen
Präparanden-(Talmud-Tora-)Schule Höchberg veröffentlichen folgenden
Aufruf: 'Die Räume unserer israelitischen Präparandenschule
entsprechen nicht mehr den heutigen Anforderungen. Eine höchste
Entschließung vom 13. Januar dieses Jahres stellt Anforderungen, denen
unsere Schule nur durch einen Neubau entsprechen kann. Dazu sind Tausende
von Mark notwendig. Die laufenden Beiträge können und dürfen aber
hierfür nicht verwendet werden, wenn die Schule nicht in ihren
Hauptaufgaben – Unterricht und Schülerunterstützung – verkümmern
soll. Für den Baufond sind uns bereits von einem Gönner der Anstalt
zweitausend Mark zur Verfügung gestellt. Da der Bau nach der höchsten
Verordnung vorgeschrieben und deshalb unumgänglich notwendig ist, darum
versagt die Mittel nicht, Ihr edlen Brüder und Schwester; Ihr entsprechet
dadurch auch gleichzeitig den Intentionen des großen Gründers unserer
Schule, des seligen Rabbi Elosor Ottensoser'." |
Zum Tod des Leiters der Präparandenschule Nathan
Eschwege (1908)
Anmerkung: Nathan Eschwege war Sohn des Lehrers Hirsch Eschwege in Karbach.
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 1. Mai 1908: "Höchberg
bei Würzburg. Am letzten Tag Pessach verstarb dahier der verdienstvolle
Hauptlehrer und Leiter der israelitischen Präparandenschule Herr Nathan
Eschwege. Eschwege hatte 33 Jahre an der Schule gewirkt und seine
Schüler, nun selbst im Lehrberufe stehend, zählen nach Hunderten.
Eiserne Pflichttreue und peinliche Gewissenhaftigkeit, strengjüdische
Frömmigkeit und hohes Wissen zeichneten den Heimgegangenen aus. Arbeit
war seine Lebensfreude, sein Lebensgenuss. Seinen Zöglingen war er nicht
nur ein tüchtiger Lehrer, er sorgte auch für deren materielles
Fortkommen wie ein treu liebender Vater. Die Anstalt, eine Schöpfung des
unvergesslichen Rabbi Elosor Ottensoser seligen Andenkens, fand unter
seiner Leitung gar manche Förderung inbetreffs der inneren Ausgestaltung
und materiellen Fundierung. Unermüdlich arbeitete er für das Wohl und
Gedeihen der Schule, deren Vertretung der Regierung gegenüber in seinen
Händen lag. Neben der anstrengenden Berufsarbeit fand er noch für
philanthropische Werke Muße und Lust; so dankte ihm das jüdische Spital
in Würzburg zum Teil seine Gründung. 1880 schuf er den israelitischen
Lehrerverein in Bayern, der in ihm eines seiner edelsten Mitglieder
verliert. Sein hebräisches Religionswerkchen 'Dass Jehudis' ist zur
Verbreitung jüdischen Wissens beziehungsweise 'Lernens' auch in der
einfachsten Religionsschule überaus empfehlenswert. Regierungsseitig
belobt und empfohlen wurde ein vor 15 Jahren von ihm erfundener
Rechenapparat zur Veranschaulichung der Bruchrechnung. Bei der Beerdigung
am Freitag hielten Nachrufe der älteste Sohn des Verblichenen Dr. S. B.
Eschwege, der Schwiegersohn Seminarlehrer Gut – Köln, Seminarlehrer
Weißbarth – Würzburg, Präparandenlehrer Ehrenreich – Höchberg,
Distriktsrabbiner Bamberger – Würzburg, der Vorstand des israelitischen
Lehrervereins in Bayern Goldstein – Heidingsfeld, Lehrer Eschwege –
Thüngen, der Bruder des Verstorbenen, und Herr Josef Fromm – Frankfurt
am Main. Alle beklagen den herben Verlust, den nicht nur der Lehrerstand
und die Schule, sondern die Gesamtjudenheit erlitten. Der Geist des zu
früh seinem gesegneten Wirken Entrissenen lebt und wirkt in der
Präparandenschule Höchberg ungeschwächt fort, wirkt fort in seinen
zahlreichen Schülern." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. April 1908: |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. April
1908: |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Mai 1908: "Nathan
Eschwege - das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen.
Präparanden-Hauptlehrer in Höchberg.
Mit Wehmut und Schmerz wird allenthalben die Kunde vernommen werden, dass
einer der Besten und Edelsten in Israel seine irdische Laufbahn beendet; mit
Wehmut und Schmerz vernahmen es Hunderte von Schülern, dass ihr geliebter
großer Meister dahingegangen in die lichten himmlischen Sphären. Am
letzten Tag des Pessachfestes hauchte Nathan Eschwege in Höchberg bei
Würzburg im 56. Lebensjahre seine reine Seele aus und mit zitternder Hand
schickt ein dankerfüllter Schüler sich an, das Bild seines ehemaligen
Lehrers zu zeichnen. Wahrlich eine schwere Aufgabe! Wie man einen Edelstein
in immer schöneren Farben erglänzen sieht, nach welcher Seite hin man ihn
drehen und wenden mag, so steht das Bild des herrlichen Jugendlehrers vor
unserm Geiste, und es ist nicht leicht, im Rahmen eines Nachrufs, dem die
Raumökonomie Beschränkung auferlegt, der gestellten Aufgabe gerecht zu
werden. Und so wollen wir denn die Hauptzüge aus dem reichen Leben des
Entschlafenen - er ruhe in Frieden -hier zusammenstellen, ihm zum dauernden
ehrenden Gedenken, uns allen zum Ansporn und zur Nacheiferung.
R. Nathan Eschwege wurde zu Karbach in
Unterfranken geboren als Sohn eines Lehrers und Kultusbeamten. Die frommen
Grundsätze des Elternhauses, eines Heimes für Tora und altjüdische
Gottesfurcht blieben sein Lebensprinzip, ihre Verbreitung seine
Lebensaufgabe. Nach entsprechender Vorbereitung absolvierte er das jüdische
Lehrerseminar tu Würzburg mit der 1a-Note und wirkte hierauf an
verschiedenen kleineren Orten Unterfrankens, bis er 1875 von dem frommen
Rabbi Elosor Ottensosser - das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen
- dem Gründer der Präparandenschule, an das dortige Beit haMidrasch
— so nannte R. Elosor seine Anstalt — berufen ward. Eine bessere hätte der
unvergessliche Rabbi nicht treffen können! Volle 33 Jahre lehrte und wirkte
Nathan Eschwege im Sinne und Geiste R. Elosor Ottensossers an der
Präparandenschule zu Höchberg, er verkörperte in sich gleichsam die
lebendige Tradition aus der Ottensosserschen Zeit. Seitdem blieb Eschweges
Name ununterbrochen und segensvoll verknüpft mit der ganzen Entwicklung,
Ausgestaltung und Leitung der Schule, die ihm sein Teuerstes blieb, und
buchstäblich bis zum letzten Atemzuge seinen Geist, beschäftigte. Und wie
hatte er an der Anstalt gewirkt! Sein ganzes Wissen und Können, sein Fühlen
und Denken, seine ganze Zeit und Kraft stellte er in ihren Dienst, in den
Dienst der Jugenderziehung zu Tora und Gottesfurcht, zu Tora und derech
erez in den Dienst des Gesamtjudentums, ja der Gesamtmenschheit. Galt's
doch Lehrer heranzubilden, die dereinst den eingepflanzten Geist weiter
tragen sollen in Schulen und Gemeinden! Dazu gehört eine starke, in sich
vollendete Persönlichkeit. Eine solche war der zu früh uns Entrissene.
Unentwegt und mit eiserner Konsequenz den Forderungen des gesetzestreuen
Lebens huldigend, in Sprache, Umgangsformen und äußerer Führung den modernen
Menschen zeigend, hat er das Beispiel der glücklichen Verbindung von Tora
mit derech erez vorgelebt und vorgelehrt im Geiste des Altmeisters S. R. Hirsch, den
er gerne bei allen Gelegenheiten zitierte. Dieser Geist durchwehte den
gesamten Unterricht. Da wurde keine Stunde trocken und monoton, alles ward
in Beziehung gesetzt zum realen, täglichen Leben. Ob man bei einer
Botanikstunde dem Lehrer hinausfolgte in die Wunder der Natur oder sich in
die Sprache und den Gedankenreichtum deutscher Klassiker vertiefte, alles
wurde Staffel und Mittel zur Festigung jüdischer Lebensanschauung/jüdischer
Lebensausfassung. Wenn der Meister die jungen Zöglinge einführte in die
spröde Materie von Mischa und Gemara, wirkte die interessante Lehrart nicht
nur anregend, sie machte mitunter aus der Unterrichtsstunde eine
Erbauungsstunde. Dankbar erinnert sich noch so mancher der homiletischen
Haftorovorträge des Entschlafenen, die den Schabbat-Nachmittag würzten als Dreingabe
zum pflichtmäßigen Unterricht. Denn Nathan Eschwege kannte die beengenden
Grenzen des Lehrplans nicht, denn Toralernen zählte ihm zu dm Dingen
...
Hunderte, ja Tausende Unterrichtsstunden waren freiwillige, der guten Sache
und dem Heile seiner Zöglinge gewidmet. Eine solche Hingebung und Liede zu den Schülern können menschliche Aufsichtsorgane freilich nicht ziffernmäßig
kontrollieren und lohnen. Nur das Bewusstsein idealer Pflichtauffassung und
Pflichtübung kann hier entlohnen und beglücken.
Doch auch für das leibliche Wohl der Zöglinge sorgte N. Eschwege. Es galt,
die Schwach- und Unbemittelten zu unterstützen. Bis tief in die Nacht hinein
widmete er sich oft der Aufgabe, monatliche Zuwendungen zu erwirken für die
ärmeren Schüler, manchem bot er im eigenen Heim einen Freikosttag. Eine
Krankenkasse dankt dem Betrauerten ihr Dasein und wirkte bereits mehr als
zwei Dezennien äußerst segensreich. Der Rav genannt Vater, Israels Lehrer heißen ja 'Väter",
(hebräisch und deutsch:) 'ihre Schüler nennen sie 'Kinder'. Dies alte Wort
kennzeichnet so recht das Verhältnis zwischen Nathan Eschwege - seligen
Angedenkens - und
seinen Schülern. Um zu unterscheiden zwischen Leben und Toten.
Im Jahre 1886, nach dem Tode des trefflichen, unvergesslichen Rabbi Jakob
Ehrenreich - seligen Angedenkens, dem würdigen Nachfolger
Ottensossers, wurde Eschwege Hauptlehrer der Anstalt, deren Ausgestaltung er
nun mit doppeltem Eifer seine Kräfte widmete (Anmerkung: Vor 13 Jahren
erschien von Nathan Eschwege 'Leben und Wirken des Rabbiners Lazarus
Ottensoser' zu beziehen durch den Kassier Samuel Eldod - Höchberg. Das
anziehende Schriftchen ist wärmstens empfohlen). Davon zeugen die
jährlichen Rechenschaftsberichte, die baulichen Änderungen und
Vervollkommnungen der inneren Einrichtung der Schule. Ein Pensionsfonds ward
errichtet für die Anstaltslehrer, zu Purim bzw. Chanukka gingen
Aufforderungen an Lehrer und Gemeinden hinaus, gütige Spenden der Schule
zuzuwenden. Als im Jahre 1897 bzw. 1907 verschiedene
Regierungsentschließungen das Wohl der Anstatt stark tangierten, erwirkte
sich der tatkräftige Hauptlehrer zweimal Audienz beim bayrischen
Kultusminister und war so glücklich, seine Bestrebungen von Erfolg gekrönt
zu sehen.
Das alles nimmt Zeit und Kraft in Anspruch und muss neben dem Unterricht
hergehen. Wer aber glaubt, damit habe Nathan Eschwege seine Tätigkeit
erschöpft, der irrt. Der Unermüdliche fand auch noch Zeit, ein recht
brauchbares Religionsbuch in laschon hakodesch (= hebräisch)
herauszugeben, dat jehudit genannt. Es sollte, da Chai Adam
oft weniger ratsam, womöglich überall zum 'Lernen' besseren Schülern in die
Hand gegeben werden. Wir kennen bis heute kein besseres Werkchen derart. —
1880 warb Nathan Eschwege zusammen mit Ludwig Stern - seligen Angedenkens -
in Würzburg der Begründer des bayerisch-israelitischen Lehrervereins und
somit ein wahrer Vater der Waisen und Richter der Witwen. — 1893
wurde ein von Hauptlehrer Eschwege erfundener Rechenapparat öffentlich
belobt und empfohlen, auch auf der allgemeinen bayerischen
Lehrerversammlung zu Würzburg ausgestellt. — Anfangs der 80er Jahre gab
Nathan Eschwege mit anderen zusammen die erste Anregung zur Gründung eines
jüdischen Hospitals in Würzburg, das dann blühend sich entwickelte. Als 1900
die Schüler des Entschlafenen sich zum 25jährigen Jubiläum ihres Meisters
zusammenschlossen, konnten sie dies nur in aller Stille, auf Seiten- und
Umwegen tun, um den anspruchslosen bescheidenen Sinn des Lehrers nicht zu
verletzen. Und nun vereinen sie sich wieder, vereinen sich in der
gemeinsamen Klasse um den trefflichen, teuren Lehrer, von besten Lippen sie
in den goldenen Jugendtagen das Wort göttlicher Weisheit tranken. Am
Freitag nach Pessach haben sie ihn auf dem Friedhof zu Höchberg
zur Ruhe gebettet, wo er neben den ihm im Tode vorangegangenen trefflichen
Anstaltsleitern dem Weckrufe des Allmächtigen engegenschlummert. Ein
arbeitsfrohes, arbeitsreiches, segensreiches Leben fand seinen Abschluss! Um
die trauernde Gattin, eine Tochter R. Seligmann Fromms, eine Enkelin des
'Würzburger Raw' mit der den Entschlummerten ein selten edles, inniges
Eheleben verband um die betrübten Kinder und Verwandten scharen sich
unendlich andere Leidtragende: Der Ort tröste euch. Euch gilt das altjüdische Trostwort! Nur in beschränktem Maße konnte man im Nissanmonate und wegen
der Sabbatnähe dem talmudischen ... gerecht werden. Es sprachen
namens der Familie der älteste Sohn des Verstorbenen, Herr Dr. S. B.
Eschwege, ferner als Schwiegersohn Herr Seminarlehrer Elias Gut - Köln, Herr
Distriktsrabbiner Bamberger - Würzburg, Herr Präparandenlehrer Ehrenreich -
Höchberg für die Anstalt, Herr Goldstein - Heidingsfeld als Vorstand des
israelitischen Lehrervereins Bayerns, Herr Seminarlehrer Weißbart - Würzburg,
sie alle widmeten dem treuen unvergesslichen Freunde und Lehrer Worte
innigen Gedenkens. Mit Wehmut nehmen auch wir Abschied von dem Bilde des
seltene. Mannes. Sein Geist lebt und wirkt weiter in der von ihm so
heißgeliebten Anstalt. Dafür bürgt das jetzige Lehr personal und die
festgefügte Organisation der Schule) das sei unser Trost, das bleibt ein
Lichtstrahl im düstern Leid. Im Sinne des Entschlafenen glauben wir
zahlreichen Schülern keinen schöneren Vorschlag machen zu können, als den
in einem Schiur mischnaot ihres treuen Führers und Lehrers liebend zu
gedenken. (Namen: haChawer Natan b'M Lea) Mit dem Gelöbnis, im Aufblick zu dir
allezeit zu schaffen und zu streben, schließen wir diese Betrachtung.
... Nathan Eschwege ist nicht tot, er lebt fort in
allen Werken, die er segensvoll geschaffen, gehegt, ausgestaltet, er lebt
fort in Hunderten dankbarer Schülerherzen, die ihn stolz ihren einstigen
Lehrer nennen. Die Erinnerung an den Gerechten ist zum Segen."
|
Erinnerung an Nathan Eschwege, den "Vater" des Israelitischen
Lehrervereins für Bayern (Artikel von 1927)
Anmerkung: der Abschnitt wird nur teilweise wiedergegeben, insofern es um Nathan
Eschwege geht
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 13.
Dezember 1927: "Geschichte des Israelitischen Lehrervereins iür
Bayern
Von M. Rosenfeld
Der Israelitische Lehrerverein für Bayern kann in diesen Tagen auf ein
48jähriges Bestehen zurückblicken. Seine Geschichte schreiben heißt zugleich
die Geschichte der jüdischen Gemeinden oder mindestens eines wichtigen
Ausschnittes aus derselben, ihre Entwicklung, ihre Rechtsstellung, ihre
soziale und finanzielle Lage wie ihre kulturelle Einstellung zur Darstellung
bringen. Im Rahmen dieser Arbeit muss es bei wenigen Hinweisen sein Genüge
haben.
Als Vater des Vereins ist Nathan Eschwege s. A., Präparandenlehrer,
später Präparandenhauptlehrer und Vorstand der Präparanden- und
Talmud-Thora-Schule Höchberg anzusprechen. In einem von A. Blum, Würzburg,
L. Ehrenreich, Kissingen, W. Neumann, Burgpreppach, J. Schlenker und N.
Unna, Würzburg, mitunterzeichneten Zirkular vom 20. September 1879 wurden
die jüdischen Lehrer Unterfrankens zu einer auf den 6. Oktober anberaumten
Besprechung behufs Gründung eines jüdischen Lehrervereins, der sich vorerst
nur auf diesen Kreis erstrecken sollte, eingeladen. Dem zu gründenden Verein
wurde als Aufgabe gestellt: Die Vertretung jüdischer Lehrerinteressen nach
außen, gegenseitige Verständigung über innere Angelegenheiten, materielle
Hebung der jüdischen Lehrer durch Unterstützung notdürftiger Kollegen resp.
deren Hinterbliebenen. Neununddreißig Lehrer hatten sich an dem
festgesetzten Tage in der Metropole Unterfrankens eingefunden, alle von dem
festen Vorsatze beseelt, durch einen Verein das zu erzielen, was dem
einzelnen zu erreichen unmöglich war. Die helle Begeisterung, die alle
Teilnehmer erfüllte, führte die Versammlung rasch zu dem erstrebten
Ergebnis. Schon am 16. Dezember folgte die konstituierende Versammlung, die
mit zweiundsiebzig ordentlichen und acht außerordentlichen Mitgliedern den
Verein endgültig ins Leben rief. Schuldirektor Stern, Würzburg, ging als
erster Vorsitzender aus der Wahl hervor. Entgegen dem zuerst gefassten Plan
wurde beschlossen, dass der Verein sich auf die drei fränkischen Kreise
erstrecken sollte, vier Jahre später wurde er auf ganz Bayern ausgedehnt und
erhielt den Namen 'Israelitischer Lehrerverein für das Königreich
Bayern'..." |
Ausschreibung einer Lehrerstelle (1909)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. August 1909: "An der
israelitischen Präparandenschule Höchberg ist eine Lehrerstelle
erledigt. Meldungen binnen 14 Tagen erben. Würzburg, 20. Juli 1909. Das
Kuratorium der Lazarus Ottensoser Stiftung für die Präparandenschule
Höchberg. J. Ansbacher, Vorsitzender, Sterngasse 16." |
Allgemeiner Bericht über die drei Lehrerbildungsanstalten im Kreis Unterfranken
(1911)
Es handelt sich um die zwei Präparandenschulen) in
Burgpreppach und Höchberg sowie das Lehrerseminar in Würzburg. In
der nachfolgenden Darstellung wird u.a. ein ausführlicher Vergleich der
Lehrinhalte der Präparandenschulen vorgenommen.
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Juni 1911: "Die 3
Lehrerbildungsanstalten im Kreise Unterfranken. Die beiden Präparandenschulen
zu Burgpreppach und Höchberg
und das Seminar zu Würzburg, auf verhältnismäßig engem Raume
zusammengedrängt, haben eine weit über den Rahmen des Kreises und Königreiches
hinausreichende Bedeutung. Die beiden Präparandenschulen sind die
einzigen selbständigen derartigen Anstalten im ganzen Reiche. Sie sind
zwar in erster Linie auf die bayerischen Anforderungen für den Übertritt
in das Würzburger Seminar zugeschnitten, liefern aber auch alljährlich
Schülermaterial für andere Seminarien, besonders insofern ein immerhin
beträchtlicher Teil ihrer Schüler Nichtbayern sind und in die
heimatlichen Seminarien eintreten; das Würzburger Seminar aber, die
einzige orthodoxe derartige Anstalt in ganz Süddeutschland, hat schon die
fernsten Gegenden, weit über Bayern und selbst Deutschland hinaus, mit
Lehrern versorgt. Die Jahresberichte dieser Anstalt dürfen darum ein ganz
besonders reges Interesse bei der großen Öffentlichkeit erwarten. Wenn
trotzdem gar mancher die Berichte nur flüchtig durchblättert, sich
vielleicht damit begnügt, seinen Namen in der Spenderliste gefunden zu
haben, so mag die Ursache darin liegen, dass jedem solchen Berichte in
seiner Knappheit und Kürze eine gewisse Trockenheit anhaftet. Und doch könnte
ein solcher Bericht so viel und so mancherlei erzählen, wenn er gründlich
und mit Interesse gelesen würde und gar viel Ungesagtes ließe sich aus
dem Gesagten erschließen. Versuchen wir darum einmal, gleichsam zwischen
den Zeilen zu lesen und anstatt trockener Rekapitulation der
Berichtsangaben eine lebensvolle Darstellung des Ringens und Schaffens,
des Strebens und der Erfolge zu geben. Nicht aber charakterlose Lobhudelei
soll es sein, nein, ehrliche Überzeugung komme zum Ausdruck und wo hie
und da eine Änderung gewünscht wird, ist dies nur dem Streben
entsprungen, der guten Sache zu dienen. Und schon eingangs sei hier
hervorgehoben, dass wohl manche der zu gebenden Anregungen vorerst nur
frommer Wunsch bleiben wird, weil sich materielle Schwierigkeiten in den
Weg stellen, weil die Anstalten alle nicht genügend pekuniär fundiert
sind, teilweise mit Defizit arbeiten müssen, weil die große jüdische Öffentlichkeit,
für die doch die Anstalten einzig und allein arbeiten, ihre diesbezügliche
moralische Verpflichtung nicht in vollem Maße erfüllt. Kann der
Berichterstatter einer Anstalt nicht in dieser Deutlichkeit sprechen, um
nicht auch noch seinen Spendern vor den Kopf zu stoßen, so ist es umso
mehr Pflicht der interessierten presse, vor allem also auch der
Fachpresse, hier einmal ganz offen zu reden. Tagtäglich liest man von
Vermächtnissen und Stiftungen für Zwecke aller Art; für
Monumentalbrunnen und Denkmäler werden Tausende gespendet, nur an die
Lehrerbildungsanstalten, die doch fundamental sind für die Erhaltung des
ganzen Judentums, scheint niemand zu denken und ich kann hier absolut
keinen Unterschied machen zwischen den Glaubensbrüdern orthodoxer und
liberaler Richtung. Die orthodoxen Anstalten sind am ärmsten und
registrieren es schon als ein Ereignis, wenn ihnen einmal eine
Jahrzeitstiftung mit ganzen 300 Mark zugewiesen wird. Möge dieser Bericht
auch nach dieser Richtung anregend und bessernd wirken."
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Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Juni 1911 (Fortsetzung): "Die
Frequenz der Anstalten bewegt sich seit einer Reihe von Jahren in ziemlich
gleich bleibendem Rahmen, nur innerhalb der einzelnen Kurse zeigen sich
oft merkwürdige Zahlenunterschiede. Kleinere Jahrgänge werden dann durch
größere nachfolgende wieder ausgeglichen.
Im Bestand des Lehrkörpers weisen die Berichte der Präparandien Wechsel
und Veränderungen auf, am Seminar ist hinsichtlich der ordentlichen
Lehrer keine Veränderung eingetreten. Die Ziffern der Ausgabeposten für
Lehrerbesoldung zeigen erfreulicherweise steigende Tendenz. Die Kuratorien
verdienen hierfür volle Anerkennung, ebenso für die Schaffung von
Pensionskassen. Wünschenswert wäre volle Gleichstellung der Lehrpersonen
hinsichtlich ihrer Besoldungsverhältnisse mit den Lehrern der staatlichen
Anstalten. Dadurch würden auch diverse Unstimmigkeiten bezüglich der
Gehaltsverhältnisse beseitigt und Verstimmungen bei den ohne Grund stiefmütterlicher
Bedachten behoben, die Berufsfreudigkeit gemehrt. Für das Notwendigste,
den Nervus rerum, müsste natürlich wieder die jüdische Gesamtheit
eintreten. Einzelne Entwürfe der in Bayern angestrebten Revision der
Judengesetze |
wollen
auch die Obsorge für die Lehrerbildung als Aufgabe einer Zentralkasse
einbeziehen. Wenigstens hoffnungsvolle Aussichten für eine, so Gott will,
nicht zu ferne Zukunft.
Die Berichtsangaben über Schulfeiern, Ausflüge, Gesundheitsverhältnisse
etc. bewegen sich im Rahmen des Normalen und bedürfen hier keiner
besonderen Registrierung.
Umso wichtiger sind die Verzeichnisse der Lehrpensen. In den Profanfächern
sind die gesetzlichen Normen für die Lehrerbildung in Bayern maßgebend.
In den Religionsfächern ist eine entsprechende Stoffverteilung zwischen
Präparandenschule und Seminar auf mehreren gemeinsamen Konferenzen der
beteiligten Lehrkörper vor einigen Jahren beschlossen und seitdem durchführt
worden. Seit mehreren Jahren fanden keine solchen Besprechungen mehr
statt. Und doch wäre es vielleicht nicht unwichtig, solche wieder hie und
da abzuhalten.
Die Lehrstoffberichte zeigen im Großen und Ganzen bei beiden Präparandenschulen
ziemliche Übereinstimmung. Kleinere Abweichungen beweisen, dass bei aller
Uniformität doch der Individualität Rechnung getragen werden kann. Denn
für das Gesamtbild ist es wohl belanglos, ob hier die Mischnahtraktate
Bezah, Rosch-haschanah, Megillag, Berachoth, Suckah oder dort für Bezah
bei sonstiger Übereinstimmung Taanis gelernt wurden. Und doch mögen für
die Auswahl und Reihe ganz bestimmte Verhältnisse maßgebend gewesen
sein, Imponderabilien, die sich nur aus dem lebendigen Unterrichtsbetrieb
heraus erklären und verstehen lassen. Das deutlichste Bild der Leistungen
dürfte sich wohl ergeben, wenn jedes einzelne Lehrfach in seiner
Entwicklung durch alle 6 Bildungsjahre hindurch verfolgt wird. Wünschenswert
wäre, wenn auch aus den Berichten der Präparandenschulen die auf jedes
Fach entfallende Stundenzahl sich ersehen ließe; beim Seminarbericht ist
dies der Fall.
Im Pentateuchunterrichte wird im Verlauf der 3 Präparandenjahre
der ganze Pentateuch durchgearbeitet, außerdem noch die Wochensidrah
kursorisch. (Dass im Berichte Burgpreppach das 5. Buch Moses fehlt, dürfte
wohl nur Irrtum oder Druckfehler sein). Im 2. und 3. Kurs geht neben dem
Pentateuchübersetzen ein selbständiger Unterricht in Raschi einher. Das
Seminar setzt diesen Raschiunterricht fort, vertieft ihn durch besondere
Berücksichtigung der talmudischen und halachischen Begriffe und besonders
im Oberkurs durch Beiziehung anderer Kommentare, insbesondere Ramban. Das
Hauptgewicht wird weniger auf die Quantität als vielmehr auf Gründlichkeit
und Vielseitigkeit gelegt, namentlich im Interesse zu erzielender Selbständigkeit.
Neben dem Pentateuchunterrichte dienen in der Präparandenschule besondere
Stunden für 'Propheten' und 'Biblische Geschichte' der
Bibelkunde. Es werden die so genannten 'Ersten Propheten'
durchgearbeitet, einzelne Teile aus den Hagiographen behandelt und auf die
Geographie Palästinas besonderes Gewicht gelegt. Die Pensenverteilung in
Höchberg, je 2 Prophetenbücher auf ein Schuljahr, will uns mehr zusagen,
als die Burgpreppachs; doch mögen hier besondere Verhältnisse vielleicht
maßgebend gewesen sein. Sehr praktisch erscheint die für Höchberg
angegebene eingehende Behandlung der Textvergleichung von den Königsbüchern
und der Chronik. Dass Burgpreppach besonderen Werk auf die Durchnahme von
mischle legt, auch Wiederholung der biblischen Geschichte des Pentateuchs
für nötig erachtet, dürfte im Interesse der Schüler liegen, die sich
nicht dem Lehrberufe widmen. Im Seminar ist den Schülern Gelegenheit zu
solcher Wiederholung geboten, ja sie ist als Vorbereitung für die
Schulpraxis in der Religionsübungsschule eine von selbst gegebene
Notwendigkeit. Offiziell tritt im Seminar an Stelle der biblischen
Geschichte die so genannte jüdische Geschichte vom babylonischen Exil bis
zur Neuzeit, die durch alle Kurse in einer Hand liegt, wie überhaupt das
Seminar in der Hauptsache mit Fachunterricht arbeitet. Aus den Prophetenbüchern
wurde im Seminar das Buch Micha und alle Haftaroth im kombinierten I. und
II. Kurs durchgearbeitet, im Oberkurs Jesajas von Kap. 40 zu Ende. Neben
diesem buchmäßigen Nachweis ist jedoch zu betonen, dass viele andere
Gebiete der Bibel beigezogen wurden: Esra, Nehemiah, Daniel, Chronik im
Geschichtsunterricht, größere Partien aus Hiob, Psalmen, Prediger im
homiletischen Unterricht.
Burgpreppach führt neben dem Ritualunterricht, der gleichwie in Höchberg
diverse Abschnitte des Pflichtenlebens nach Chaiie, Odam und Kizzur
Schulchan Aruch bzw. Dasz Jehudis behandelt, noch besonders
Religionslehre, also systematischen Religionsunterricht auf. Wir halten
dies für durchaus wünschenswert und notwendig. Jedenfalls wird in Höchberg
beim Unterrichte in Gebetübersetzen der diesbezügliche Religionsstoff
mit eingeschlossen, denn im 3. Kurs, wo die Rubrik 'Gebete' fehlt,
sind als 'Religionslehre' verschiedene Kapitel aus Sterns
Religionsbuch angegeben. Die aramäischen Teile des Gebetbuches, die
Burgpreppach ebenfalls angibt, fehlen in Höchberg. Wir missen sie ungern.
Der Ritualunterricht im Seminar setzt in den Unterkursen den Gang nach
Chaiie Adam weiter, im Oberkurs wird Chochmath Odam benützt mit Auswahl
praktisch religiöser Gebiete: Miloh, Pidion Haben, Awelos; dazu kommen
die Schächtvorschriften nach Moreh lesovchim. Auch der 'Religionsunterricht' findet seine fortgesetzte Pflege, allerdings
mehr auf das religionsphilosophische Gebiet ausgedehnt. Übungen im |
Schiur-
und Predigtvortrag sind Prüfsteine für die gewonnenen Resultate.
Eingehende, allseitige Behandlung vieler Piutim dient in gleicher dem
Religionsunterricht wie der kantoralen Fertigkeit.
Die Pflege der kantoralen Bildung wird in neuerer Zeit mit besonderem
Nachdruck von Laien wie aus Lehrerkreisen gewünscht. Burgpreppach betont
im Vorwort zum berichte, dass es seit Jahren nach dieser Richtung tätig
ist, indem die Schüler des II. und III. Kurses ihre eigenen Gottesdienste
unter Aufsicht zweier Lehrer abhalten und dabei selbst als Vorbeter
funktionieren. In Höchberg scheint dies nicht der Fall zu sein.
Vielleicht bedarf es nur dieser Anregung, um auch hier ähnliches zur Einführung
gelangen zu lassen. Würzburg besitzt seine eigene Seminarsynagoge, in
welcher nur Seminaristen amtieren. Jeder Kurs hat eine Wochenstunde
Unterricht im Synagogengesang durch den Kantor der Synagogengemeinde. Der
Seminarvorstand nimmt allwöchentlich die Toravorlesung mit den
Seminaristen durch, die im Turnus 'laienen', wie er auch in einer
besonderen Wochenstunde Belehrung und praktische Anleitung über den
kulturell-synagogalen Teil des Lehrerberufes erteilt. Es sind in letzter
Zeit vielfach Wünsche nach Erweiterung und Verbesserung der kantoralen
Vorbildung laut geworden; die Leistungen der Lehrerbildungsanstalten
wurden nach ihren 'Früchten' oft als unzureichend bezeichnet. Es ist
hier nicht der Platz, darauf einzugehen. Nur das möge hervorgehoben
werden, dass bei Lehrern, die ihre Ausbildung in Würzburg empfingen, auch
stets festgestellt werden muss, ob sie das jüdische oder das katholische
Seminar besucht haben, denn auch dieses nimmt jüdische Kandidaten auf.
Die jüdische Grammatik war lange Jahre ein Schmerzenskind. Seit mehreren
Jahren zeigt ihr Betrieb nach Ausweis der Berichte erfreulicherweise ein
wissenschaftliches Gepräge mit systematischem Aufbau.
Für Mischnah kommen im 1. und 2. Präparandenkurs Traktate aus Seder Moed,
im 3. Kurse hauptsächlich aus Nesikin in Betracht. Das Seminar wählte für
den kombinierten 1. und 2. Kurs schwierigere Traktate aus Seraim, im
Oberkurs aus Noschim und Taharoth. Talmudstoff ist für den 1. Präparandenkurs
Berachoth, (ca. 10 Blatt) für den 2. Kurs in Höchberg Taanith, in
Burgpreppach Bezah, für den 3. Kurs dort Bezah, hier Suckah. Das Seminar
hat seit einigen Jahren die Kombination der zwei unteren Kurse aufgegeben;
jeder Einzelkurs hat 4 Talmudstunden pro Woche. Der 1. Kurs lernte ca. 15
Blatt aus Trakata Sabbath mit Raschi und Tossafot; auch im 2. Kurs wurde
Sabbath gelernt, allerdings andere Partien, ausgewählt hauptsächlich zum
Zwecke der Anleitung zum selbständigen lernen. Die Befähigung hierzu
wurde erzielt und damit die Zielaufgabe dieses Faches im Seminar erreicht.
Im Oberkurs wurde wie stets üblich aus Chullin gelernt in Rücksicht auf
die Schechitah-Funktion des Lehrers. Hier wurden neben Tossafot auch die
Rischonim berücksichtigt. Es sind also ganz hübsche Erfolge zu
verzeichnen. Ob es nicht praktisch und aneifernd wäre, nach
entsprechenden Vorübungen im 1. Präparandenkurs dann im 2. und 3. und
vielleicht auch im 1. Seminarkurs ein Traktat ganz durchzulernen, im 2.
Seminarkurs vielleicht Sugioh zu versuchen?"
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Juli 1911: "Die 3
Lehrerbildungsanstalten im kreise Unterfranken (Schluss). Zum Schlusse
noch ein Wort über die öffentlich rechtliche Stellung der drei
Anstalten. Die Präparandenschulen erfreuen sich einer gewissen Selbständigkeit.
Sie können im Rahmen der gesetzlichen beziehungsweise regierungsseitigen
Bestimmungen betreffs der Schüleraufnahme ihre Auswahl treffen und haben
auch ihre eigenen Schlussprüfungen. Die Prüfungsaufgaben für den
gesetzlichen Teil werden durch die Kreisregierung gestellt; bei der mündlichen
Prüfung präsidiert ein Regierungskommissär. Auf Grund guter
schriftlicher Leistungen können Schüler vom mündlichen Examen
dispensiert werden. Der Seminarvorstand wird zur mündlichen Prüfung in
den Religionsfächern beigezogen; ihm werden auch die schriftlichen
Religionsarbeiten der Prüfung vorgelegt. Das Bestehen der Prüfung
berechtigt zum Eintritt in das jüdische Seminar zu Würzburg. Zum
Eintritt in ein staatliches Seminar muss besondere ministerielle
Genehmigung von Fall zu Fall erholt werden. Die öffentlich-rechtliche
Stellung der Präparandie ist also nicht ungünstig.
Weniger erfreulich sind die Verhältnisse beim Seminar. Wie ersichtlich
hat es zunächst bezüglich der Schüleraufnahme absolut keinen Einfluss.
Die Beteiligung des Seminarvorstandes bei der mündlichen Prüfung ist für
Fälle der Dispensierung von dieser von selbst illusorisch. Die
staatlichen Präparandien werden alljährlich von dem zuständigen
Seminardirektor und einem Seminarlehrer einer eingehenden Visitation
unterzogen. Diese Visitation findet ja wohl bei den jüdischen Präparandien
auch statt, aber durch einen Regierungskommissar: das Seminar ist vollständig
ausgeschaltet. Nun gibt es zwar für diese Verhältnisse im staatlichen
Schulleben viele Analogien: Realschule und Oberrealschule, Progymnasium
und Gymnasium etc. Aber das jüdische Seminar hat auch absolut keinen
Einfluss bei der Seminarschlussprüfung, die an einem staatlichen Seminar
abgelegt werden muss und hier gelten die Seminaristen der Israelitischen
Lehrerbildungsanstalt vollständig als Extrauser. Das Seminar ist also in
dieser Beziehung nur eine Art Arbeitsmaschine mit vielen Pflichten und gar
keinen Rechten. Das ist ein ungesunder Zustand, der nach Abänderung
schreit. Das einzige jüdische Seminar in Bayern müsste seine eigene Prüfungsberichtigung
haben.
Es ist uns nicht unbekannt, dass seitens der Seminarleitung schon
wiederholt Schritte nach dieser Richtung unternommen worden sind, leider
ohne Erfolg. Bei aller Anerkennung der Tätigkeit des Seminars erfolgte
die Ablehnung 'aus prinzipiellen Gründen wegen der Konsequenzen'.
Diese 'Konsequenzen' sind die privaten klösterlichen
Lehrerinnenbildungsanstalten in Bayern. Nur übersieht man, dass es wohl
katholische und protestantische Seminare in Bayern gibt, dass also niemand
eine Privatanstalt zu besuchen braucht; wo aber ist das staatliche, jüdische
Seminar? Drei staatliche Anstalten, Würzburg, Schwabach und
Kaiserslautern, nehmen auch Juden auf. Das jüdische Seminar ist aber doch
aus der Erfahrung und Überzeugung entstanden, dass die staatlichen
Seminare wohl Lehrer, aber keine 'jüdischen' Lehrer in unserem Sinne
ausbilden können.
Die Seminarleitung wird, wenn sie mit Gesuchen an das Ministerium
herantritt, immer mehr oder weniger als 'Partei' angesehen werden. Es
gibt eine andere Instanz in Bayern, welche hier eingreifen sollte und könnte:
die Gesamtheit der bayrischen Rabbinen. Von der Notwendigkeit des Seminars
sind wohl alle überzeugt, ob sie nun orthodox oder liberal, ob sie
Revisionsfreunde oder Revisionsgegner sind. Mögen sie sich des Seminars
einmal annehmen, ihre Stimme dürfte kaum ungehört verhallen.
Allen 3 Anstalten, die oft unter so schwierigen Verhältnissen so Schönes
und Großes leisten aber ein herzliches 'guten
Gelingen'!"
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Zum Tod von Direktor Lazarus G. Ehrenreich (1913)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 19. September
1913: |
Zum Tod von Samuel Eldod (1920)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. August 1920: "Würzburg,
18. August. Im nahen Höchberg hat man vorigen Sonntag einen Mann zu Grabe
getragen, der fast ein volles Jahrhundert irdischen Daseins besessen und
einen mächtigen Ausschnitt altehrwürdigen, echten, kernhaften Judentums
in sich verkörpert hatte. Der Name Samuel Eldod allein genügt schon, um
in den Herzen unzähliger Bekannter, Freunde und Verehrer, zu denen die
Trauerbotschaft dringen wird, stille Wehmut und warme Teilnahme
auszulösen. Im Bilde der Höchberger Talmud-Tora-Anstalt ist Samuel Eldod
unentbehrlich, seine markante, bis ins höchste Alter rüstige Gestalt
nicht wegdenkbar. Was er für Erhaltung, Hebung und Förderung der Schule
geleistet hat, sichert ihm ewigen Dank und Ruhm. Schon in den ganz alten
Zeiten, wo der Reiseverkehr noch sehr umständlich, mit viel
Unbequemlichkeiten und Entbehrungen verbunden war, wanderte er dem
biblischen Sebulun gleich freudig hinaus in die Lande, ging von Ort zu
Ort, von Haus zu Haus, um für den materiellen Bestand der Anstalt zu
sorgen. Nur sein Sammeleifer ermöglichte es, dass der Gründer der
Schule, Rabbi Elosor und seine Lehrer als Issochor in ihrem Ohel Tora
lernen und lehren konnten. Neben dem zeitraubenden Kassieramte versah
Eldod – er ruhe in Frieden – auch Jahrzehnte hindurch den
Dienst eines Schaliach Zibbur und Baal Kore. Welche Innigkeit und Jiroh
(Gottesfurcht) ihn hierbei erfüllte und beseelte, ist wohl jedem
einzelnen der hunderten von Schülern bekannt und unvergesslich. Eine
unvergleichliche Flamme Gottes (?) loderte in seinem Wesen und
begeisterte ihn zu der staunenswerten Energie, mit der er Hidur Mizwos
betätigte. Die Höchberger Suckoh (Labhütte) und Eldods Lulaf und Esrog
waren sprichwörtlich geworden. Überlegt man, dass dieser Mann doch auch
noch in seinem geschäftlichen Berufe emsig arbeitete und für seine
Familie treu sorgte, so fragt man sich, woher derselbe die nötige Kraft
zu all diesen Anstrengungen genommen. Nur das unbedingt Gottvertrauen
konnte die Quellen zu solcher rastlosen Tätigkeit abgeben.
Die Beerdigung vollzog sich unter zahlreichster allgemeiner Beteiligung.
Im Trauerhause beklagte der älteste Sohn, Lehrer der Anstalt, mit
rührenden Worten den schweren Verlust des geliebten Vaters. Am Grabe
zeichnete zunächst Herr Distriktsrabbiner Dr. Hanover, das tatenreiche
Leben des Hingeschiedenen in wirkungsvollen Farben. Die Herren
Steinhäuser als Schulvorstand und Beauftragter der Kultusgemeinde,
Pfeufer als Vorsitzender des Kuratoriums, Mannheimer und Hirnheimer, als
einstige Schüler, sprachen dem Entschlafenen innige Worte des Dankes aus
und Herr Altmann, Karlsruhe, nahm als Neffe namens aller Verwandten,
bewegten Abschied von der nun leider gefallenen Krone der Familie. Hierauf
senkte man die irdische Hülle dieses allbekannten Jehudi und Menschen in
die kühle Gruft. Auch viele christliche Mitbürger waren auf dem
Friedhofe erschienen, um ihre Achtung und ihr Beileid zu bekunden. Man
verließ Höchberg mit dem Gedanken, dass Eldods Namen mit der Geschichte
der Talmud-Toraschule auf ewig wird verbunden bleiben. Seine Seele sei
eingebunden in den Bund des Lebens." |
Bericht über das "80. Schuljahr" (1920)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. September 1920: "Würzburg,
6. September (1920). Die Talmud-Tora-Schule in Höchberg versendet zurzeit
ihren Bericht für das 80. Schuljahr. Zwei Menschenalter wirkt sie nunmehr
im Sinne ihres Gründers Rabbi Elosor Ottensoser – seligen Andenkens,
Tora zu lehren und Tora zu verbreiten. Das zeigt auch der vorliegende
Bericht über das abgelaufene Schuljahr. Der gesamte Toraunterricht wurde
durch die Angliederung der Bürgerschule neu organisiert. Auch der
Profanunterricht, für den die vorgeschriebenen Lehrpläne maßgebend
sind, war vom Geiste der Tora durchdrungen und auf die Bedürfnisse des
praktischen Lebens eingestellt. Aus den Schülern heraus bildete sich eine
'Vereinigung zur Förderung religiösen Lebens und Wissens', in der
allwöchentlich durch Lehrer oder Schüler Vorträge über
religiös-wissenschaftliche oder Zeitfragen gehalten wurden. Die Schule
war im Berichtsjahre von 60 Schülern besucht und das Lehrerkollegium
bestand aus 6 Lehrern und 1 Fachlehrer für Französisch.
Die materielle Grundlage der Schule entspricht nicht mehr den heutigen
Zeitverhältnissen. Der Rechnungsabschluss für 1919 zeigt einen Etat von
über 50.000 Mark bei einem Kassarest von nur 280 Mark, während die
Zinsen des Stiftungskapitals noch nicht 7.000 Mark betragen. 1920 ist der
Etat laut Bericht auf 80.000 Mark gestiegen. Das Kuratorium und die
Schulleitung bitten daher um Zuweisung von Spenden und Stiftungen,
entsprechend dem heutigen Geldwert in erhöhtem Maße und um Werbung neuer
Gönner (Postscheckamt Nürnberg Nr. 10450). Aus Sparsamkeitsgründen hat
man von der Veröffentlichung des Spendenverzeichnisses abgesehen. Die
dadurch ersparten 3.000 Mark werden besser für Zwecke der Schule, zur
Unterstützung armer Schuler oder für Teuerungszulagen an die Lehrer
verwendet. (1919 wurden für 6 Lehrer 21.000 Mark und zur Unterstützung
von Schülern 6.500 Mark verwendet)." |
Zum Tod von Bella Eldod, Witwe von Elias Eldod (1922)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Februar
1922: |
Jahresbericht der
Präparandenschule (1922)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. November 1922: |
Ausschreibung von Freiplätzen für Präparanden (1924)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. April 1924: "Die Aussichten
für den Lehrerberuf haben sich in letzter Zeit ganz wesentlich gebessert.
Der steigenden Nachfrage nach Lehrkräften für gut besoldete Stellen
steht ein ungenügender Nachwuchs gegenüber. Dieser Zustand stellt eine
äußerst bedrohliche Gefahr für die religiöse Erziehung unserer Jugend
dar. Wir haben deshalb beschlossen, zur Erleichterung des Studiums für
den Lehrerberuf eine Reihe von Freiplätzen für Präparanden in
unserer Anstalt zu schaffen. Den Inhabern dieser Freiplätze wird nicht
nur Lehrmittel- und Schulgeldfreiheit, sondern auf Wunsch auch teilweise
oder ganz freie Verpflegung gewährt. Meldungen sind umgehend, spätestens
bis 1. Mai, an die Schulleitung, Herrn Hauptlehrer Steinhäuser in
Höchberg, zu richten.
Das Kuratorium der Talmud- Tora und Präparandenschule Höchberg. Samuel
Pfeuffer." |
Ausschreibung der Israelitischen Präparandenschule für das Schuljahr
1925/26
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Februar
1925: |
Ausschreibung der israelitischen Lehrerbildungsanstalten in Bayern
(1925)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. März
1925: |
Schwierige Situation der Präparandenschule (1927)
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 8. März
1927: "Talmud-Thora-Präparandenschule Höchberg. Die israelitische
Präparandenschule Höchberg hat schwer unter der Ungunst der
wirtschaftlichen Verhältnisse zu leiden. Ihre Lage wird dadurch noch
erschwert, dass der Direktor infolge Überarbeitung und Aufregung erkrankt
ist und seit 2 Monaten seinen Dienst nicht mehr versehen kann. Es ist eine
Ehrenpflicht aller Kollegen, mitzuhelfen, dass diese Schule, die zusammen
mit dem Lehrerseminar in Würzburg gegenwärtig in Deutschland die einzige
Bildungsstätte für jüdische Lehrer ist, ihre Arbeit weiter ungestört
erfüllen kann. Es wird deshalb gebeten, wenn möglich, aus Anlass des
Purim-Festes Sammlungen zu ihren Gunsten zu unternehmen. Hirnheimer." |
Ausschreibung der Israelitischen Präparanden- und Bürgerschule für das
Schuljahr 1928/29
Anzeige
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 11.
März 1928: |
Ausschreibung der Bayerischen Lehrerbildungsanstalten für das Schuljahr
1929/30
Anzeige
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. März
1929: "Bayerische Lehrerbildungsanstalten.
Für das Schuljahr 1929/30 erfolgen Aufnahmen in alle Klassen.
Aufnahmebedingungen: für die 1. (unterste) Klasse zurückgelegtes 13.
Lebensjahr und mindestens 7 Schuljahre; für die 4. Klasse (1. Seminarklasse)
zurückgelegtes 16. Lebensjahr und Reife für Übersekunda; für die 6. Klasse
Abitur einer neunklassigen höheren Schule. Die Aufnahmebedingungen für das
Schülerheim sind bei den Schulleitungen erhältlich. Am Seminar können
Mädchen zur Teilnahme am Unterricht mit Prüfungsberechtigung zugelassen
werden. In die Vorklasse der Präparandie (Bürgerschule Höchberg) können
Schüler vom 12. Lebensjahre ab Aufnahme finden. Aufnahmegesuche für
Bürgerschule und Klassen 1 mit 3 nach Höchberg, für Klassen 4 mit 6 nach
Würzburg. Schlusstermin für Anmeldungen 10. März 1929. Den Aufnahmegesuchen
sind beizulegen; 1. letztes Schulzeugnis, 2. Impfschein, 3.
Staatsangehörigkeitsausweis, 4. amtsärztliches Zeugnis.
Gemäß Vereinbarung der Unterrichtsverwaltungen der deutschen Länder vom 7.
April 1928 werden die Reifezeugnisse der Lehrerbildungsanstalten behufs
Zulassung von Schulamtsbewerbern zum Schuldienst in den verschiedenen
Ländern gegenseitig anerkannt.
Die Schulleitung der Israelitischen Präparandenschule Höchberg.
Die Schulleitung der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt Würzburg." |
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Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden
Württembergs" vom 15. Februar 1929:
derselbe Text wie oben |
Präparandenlehrer Emanuel Eldod tritt in den Ruhestand
(1929)
Anmerkung: zur Biographie siehe unten Artikel von 1933
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. April
1929: "Höchberg, 10. April. Mit Beginn des neuen Schuljahres
tritt Herr Präparandenlehrer Emanuel Eldod nach 44-jähriger
Tätigkeit, davon 35 Jahre als Religionslehrer an der Talmud-Tora-Bürger- und
Präparandenschule Höchberg in den Ruhestand. Groß ist die Zahl derer, die
von ihm die Grundlagen ihres jüdischen Wissens empfangen haben und denen er
in Lehre und Lernen das Idealbild eines jüdischen Lehrers zeichnete. Alle,
die das Glück haben, sich seine Schüler zu nennen, werden ihm für seine
segensreiche Tätigkeit innigsten Dank wissen, nicht zuletzt auch das gesamte
Lehrerkollegium der Schule, das ihn als treuen Freund und Berater hoch
schätzt und ihn nur ungern aus seiner Mitte scheiden sieht.
Bei der am 20. März in den Räumen der Talmud-Tora-Bürger- und
Präparandenschule stattgefundenen Schlussfeier gedachte der Direktor der
Schule in ehrenden Worten seiner zahlreichen Verdienste um Schule und
Schüler und gab seiner Freude darüber Ausdruck, dass Herr Eldod sich bereit
erklärt hat, auch weiterhin noch einige Stunden an der Anstalt zu erteilen.
Möge Herr Eldod sich recht lange seiner wohlverdienten Ruhe erfreuen." |
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Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Juni
1929: "Höchberg. Mit Beginn des neuen Schuljahres trat Herr
Präparandenlehrer Emanuel Eldod nach 44jähriger Tätigkeit, davon 35 Jahre
als Religionslehrer an der Talmud-Tora-Bürger- und Präparandenschule
Höchberg, in den Ruhestand. Groß ist die Zahl derer, die von ihm die
Grundlagen ihres jüdischen Wissens empfangen haben und denen er in Lehre und
Leben das Idealbild eines jüdischen Lehrers zeichnete. Alle, die das Glück
haben, sich seine Schüler zu nennen, werden ihm für seine segensreiche
Tätigkeit innigsten Dank wissen, nicht zuletzt auch das gesamte
Lehrerkollegium der Schule, das ihn als treuen Freund und Berater hoch
schätzt und ihn nur ungern aus seiner Mitte scheiden sieht.
Bei der am 20. März in den Räumen der Talmud-Tora-Bürger- und
Präparandenschule stattgefundenen Schlussfeier gedachte der Direktor der
Schule in ehrenden Worten seiner zahlreichen Verdienste um Schule und
Schüler und gab seiner Freude darüber Ausdruck, dass Herr Eldod sich bereit
erklärt hat, auch weiterhin noch einige Stunden Unterricht an der Anstalt zu
erteilen.
Möge Herr Eldod sich recht lange seiner wohlverdienten Ruhe erfreuen.
(Unlieb verspätet.)" |
Erinnerungen an die Präparanden- und Seminarzeit von Lehrer
Abraham Strauß (Uffenheim) (1930)
Artikel
in der "Bayerischen israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. August
1930: "Erinnerungen aus Präparanden- und Seminarzeit. Von Hauptlehrer
A. Strauß (Uffenheim). Im Keller.
Es war um die Mittagszeit des 24. Juli 1866, als meine Mutter, mich
an der Hand führend, aus der Halle des alten Bahnhofs in Würzburg trat,
dem letzten Ziele unserer Reise, Höchberg, zuzustreben. Dort selbst
sollte der Onkel, Rabbiner Lazarus Ottensosser, Vorstand der
Präparandenschule, genannt 'Reb Loser' oder 'Rebbe', besucht
werden. Wir hatten aber kaum die Straßen der Stadt beschritten, da hallte
uns der Schreckensruf entgegen: 'Die Preußen kommen!' Aufgeregte
Menschen liefen wie ein aufgescheuchter Bienenschwarm wild durcheinander,
kleinere Trupps bewaffneter Soldaten zogen eiligst vorüber, die
Kaufläden waren oder wurden geschlossen. Mir, dem achtjährigen Knaben,
waren die seltsamen Vorgänge unverständlich. Ich weinte aber, als das
angsterfüllte Gesicht der zitternden Mutter den Ernst der Situation ahnen
ließ. An die Fortsetzung unserer Reise war nicht zu denken; denn die
Stadt war, wie einst Jericho, 'geschlossen und versperrt, niemand konnte
heraus noch herein'. Nach längerem Herumirren fanden wir in der
Augustinergasse bei der Familie Wolfing notdürftig Unterkunft. Nach sehr
unruhigen Tagen begann am 27. Juli die Beschießung der Stadt und Festung.
Wir flüchteten mit der Familie in den Hauskeller und verbrachten
dortselbst qualvolle Stunden, aus der uns erst die 'Kapitulation'
befreite. Zwei Tage später konnten wir durch das wieder offene Zeller
Festungstor die Stadt verlassen und kamen unbehelligt bei dem um uns
besorgten Onkel in Höchberg an. Während dieses achttägigen Besuches
fielen die Würfel meines Lebensgeschickes: Onkel und Nichte kamen
überein, dass ich Lehrer werden sollten. Meine Zustimmung einzuholen
schien ihnen überflüssig.
Krieg. Der Deutsch-französische Krieg von 1870/71 stand
unmittelbar vor seinem Ausbruche und drängte alle kulturellen Aufgaben in
den Hintergrund. Als die Siege von Weißenburg, Wörth, Sedan und Metz die
Welt in Spannung hielten und die Neugründung eines geeinigten Deutschen
Reiches geschichtliches Ereignis wurde, da gingen auch in der
Präparandenschule zu Höchberg die Wellen der Begeisterung über die
Ufer. Es wurde mehr politisiert als gelernt. Die auf der Würzburger
Festung befindlichen kriegsgefangenen Franzosen beschäftigen unsere
Phantasie aufs lebhafteste. Fast täglich gingen Kameraden halbwegs
Würzburg bis zur Straßenbiegung, von der aus man die Zitadelle und das
Tun und Treiben der internierten Feinde beobachten konnte. Wir waren
zeugen des Jubels, als die eichenlaubbekränzten bayerischen Truppen, an
ihrer Spitze die Generale von Orff und v.d. Tann, nach Kriegsende ihren
feierlichen Einzug in Würzburg hielten. Unvergessliche Eindrücke.
Die Großmutter. In besonderen Ausnahmefällen, namentlich bei dem besuch
von Eltern und Geschwistern oder wenn ganz nahe stehende
Familienmitglieder zu geschäftlichen Zwecken einmal vom Lande nach
Würzburg kamen, konnte auf Ansuchen den Schülern in unterrichtsfreier
Zeit Stadtausgang von 1-2 Stunden bewilligt werden. Natürlich wurde mit
dieser Vergünstigung mancher Missbrauch getrieben. So verschaffte sich
ein Seminarist, der kurz vor der Entlassungsprüfung stand, die Erlaubnis
zum Verwandtenbesuch in der Stadt. Er wurde denunziert, mit einer jungen
Dame auf der Domstraße auf und abgegangen zu sein. Der Anstaltsvorstand
stellte ihn darob zur Rede und fragte, wer das Mädchen gewesen sei. Der
junge Mann war ersichtlich betroffen, fasste sich aber schnell und
antwortete: 'Herr Rabbiner, es war meine Großmutter.'
Die Mitzwestouren. Bekanntlich war unser unvergesslicher Führer,
Simon Dingfelder, von 1889-1891 Präzeptor an der Israelitischen
Lehrerbildungsanstalt. Als solcher oblag ihm nebst der Erteilung einiger
Unterrichtsstunden hauptamtlich die Überwachung der Seminaristen in
unterrichtsfreier Zeit. An einem dienstfreien Sonntagnachmittag
unternahmen er und mehrere Freunde einen Ausflug nach dem nahen
Heidingsfeld, woselbst sie in eine Wirtschaft einkehrten, in welcher
zufällig ein Tanzvergnügen stattfand. Dingfelder |
konnte
den lockenden Weisen nicht widerstehen und machte einige Runden.
Irgendeine fromme Seele fühlte sich berufen, den 'Ärgerniserregenden'
Vorgang dem damaligen Schulvorstand Nathan Bamberger s.A. mitzuteilen, der
den Verbrecher alsbald vor sein Forum lud. Und nun entspann sich folgender
Dialog: 'Herr Präzeptor, Sie wissen doch, dass den Seminaristen das
Tanzen untersagt ist und Sie sollten nicht mit schlechtem Beispiel
vorangehen'' 'Entschuldigen Sie, Herr Rabbiner, es ist richtig, dass
ich einige Touren getanzt habe, aber es waren lauter Mitzwestouren.' 'So,
so, wenn das der Fall ist, dann will ich die Sache diesmal übersehen,
für die Folge dürfen Sie aber auch keine Mitzwestouren mehr tanzen.'
Brüderlichkeit. Juni 1876. Wir Oberklässler standen unmittelbar
vor der Abschlussprüfung, sahen ihr mit Zuversicht entgegen, wir haben im
letzten Quartal tüchtig 'geochst'. Wir mussten aber dies Prüfung am
Königlichen Schullehrerseminar in Gemeinschaft mit dessen
Oberkursabsolventen ablegen und fühlten uns insofern benachteiligt, als
wir mit Ausnahme des Seminarinspektors Huber, der uns in Geschichte der
Pädagogik unterrichtete, den Herren der Prüfungskommission, die sich
nebst einem Regierungskommissär aus dem Lehrkörper des staatlichen
Seminars zusammensetzte, gänzlich fremd gegenüberstanden. Dieser Mangel
persönlicher Fühlungnahme wurde jedoch dadurch ausgeglichen, dass die
christlichen Kameraden hinsichtlich Stoff, Umfang und Methode des
letztjährigen Unterrichts, aber auch über die Themata der Aufsätze uns
gut informierten. Überhaupt bestand zwischen den Schülern der beiden
Lehrerbildungsanstalten ein freundschaftliches Verhältnis. Fast täglich
gingen wir ins katholische Seminar, das sich damals Ecke
Augusten-Neubaustraße, dem heutigen alten Gymnasium befand, oder einzelne
seiner Zöglinge kamen zu uns, um irgendeine Nachricht zu überbringen.
Wir hatten auch eine gemeinschaftliche, geheime Kneipe, Café Mokka in der
Juliuspromenade und später, als wir uns da nicht mehr sicher fühlten, in
der Wöllergasse. Das Resultat der Prüfung befriedigte. Eine
gemeinschaftliche Abschieds- und Schlussfeier im Platz'schen Garten
vereinigte uns Absolventen zum letzten Male. Tags darauf war die
Seminarzeit zu Ende, wir traten in die große Schule des Lebens ein.
50 Jahre später. Im Juli 1926 trafen wir uns in Würzburg zu einer
Wiedersehensfeier. Als Jünglinge mit bemoosten Häuptern gingen wir vor
einem halben jahrhundert auseinander, als Greise im Silberhaar sagen wir
uns wieder. Von 49 Absolventen waren noch 16 am Leben, von ihnen 13
anwesend. Meine Kollegen aus der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt
deckte schon alle der grüne Rasen, mich allein hatte Gottes Gnade
erhalten." |
Umzug der Präparandenschule von Höchberg nach
Würzburg (1931)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Juni 1931: "Die
israelitische Präparandenschule (Talmud Tora) in Höchberg siedelt am 10.
Juni in das von der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt neu errichtete
Schulgebäude nach Würzburg über, um mit dem Seminar zu einer
6-klassigen Vollschule vereinigt zu werden. Mehr als neun Jahrzehnte hat
die Höchberger Anstalt als Talmud Tora- und Präparandenschule
segensreich für die deutsche Judenheit gewirkt, beachtet und wohlwollend
unterstützt von der gesamten jüdischen Öffentlichkeit. Der Name
Höchberg ist innerhalb der deutschen Judenheit zu einem Begriff
geworden.
Schultechnische und wirtschaftliche Gründe, sowie auch die neuen
gesetzlichen Vorschriften für die Lehrerausbildung waren es, welche die
Vereinigung der beiden Schulen notwendigerweise erzwungen haben.
Die Lazarus-Ottensosser-Stiftung bleibt als solche unter Verwaltung eines
fünfgliedrigen Kuratoriums und unter Aufsicht der Regierung weiter
bestehen. Ihre Erträgnisse fließen der vereinigten Anstalt zu. Das
Andenken des Rabbiners Lazarus Ottensosser seligen Andenkens bleibt
der Nachwelt erhalten durch Anbringung einer Gedächtnistafel im neuen
Schulgebäude, außerdem führt die vereinigte Anstalt in Zukunft den
Namen: 'Vereinigte Stiftungen der Rabbiner Seligmann Bär Bamberger,
Würzburg und Lazarus Ottensosser, Höchberg.'
Die bei der Höchberger Schule errichteten Jahrzeitstiftungen werden von
der vereinigten Schule übernommen und die Verpflichtungen in der
bisherigen Weise pünktlich und gewissenhaft erfüllt.
Kuratorium und Schulleitung der Höchberger Schule danken herzlichst den
vielen hochherzigen Spendern, den verehrlichen Verbänden, Gemeinden,
Vereinen und Logen für das ihnen in den vielen Jahrzehnten
entgegengebrachte Vertrauen und für die tatkräftige edle Mithilfe zur
Führung und Unterhaltung der Schule. Wir bitten in Zukunft die uns
zugedachten Spenden, Stiftungen und Subventionen der vereinigten Anstalt
zuzuwenden, damit sie im Sinne der beiden Stifter Seligmann Bär Bamberger
seligen Andenkens und Lazarus Ottensosser seligen Andenkens
weiter wirken und bestehen kann.
Für die Schulleitung: S. Steinhäuser, Direktor. Für das Kuratorium:
Samuel Pfeuffer Vorsitzender." |
| |
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Juni
1931: "Würzburg-Höchberg. Am 10. Juni siedelt die israelitische
Präparandenschule (Talmud Thora) Höchberg in das von der israelitischen
Lehrerbildungsanstalt neu errichtete Schulgebäude nach Würzburg über, um mit
dem Seminar zu einer 6-klassigen Vollschule vereinigt zu werden. Mehr als
neun Jahrzehnte hat die Höchberger Anstalt als Talmud Thora- und
Präparandenschule segensreich für die deutsche Judenheit gewirkt, beachtet
und wohlwollend unterstützt von der gesamten jüdischen Öffentlichkeit. Der
Name Höchberg ist innerhalb der deutschen Judenheit zu einem Begriff
geworden.
Schultechnische und wirtschaftliche Gründe, sowie auch die neuen
gesetzlichen Vorschriften für die Lehrerausbildung waren es, welche die
Vereinigung der beiden Schulen notwendigerweise erzwungen haben.
Die Lazarus-Ottensosser-Stiftung bleibt als solche unter Verwaltung eines
fünfgliedrigen Kuratoriums und unter Aufsicht der Regierung weiter bestehen.
Ihre Erträgnisse fließen der vereinigten Anstalt zu. Das Andenken des
Rabbiners Lazarus Ottensosser s. A. bleibt der Nachwelt erhalten durch
Anbringung einer Gedächtnistafel im neuen Schulgebäude außerdem führt die
vereinigte Anstalt in Zukunft den Namen: Vereinigte Stiftungen der Rabbiner
Seligmann Bär Bamberger, Würzburg, und Lazarus Ottensoosser, Höchberg.
Die bei der Höchberger Schule errichteten Jahrzeitstiftungen werden von der
vereinigten Schule übernommen und die Verpflichtungen in der bisherigen
Weise pünktlich und gewissenhaft erfüllt.
Kuratorium und Schulleitung der Höchberger Schule danken herzlichst den
vielen hochherzigen Spendern, den verehrlichen Verbänden, Gemeinden,
Vereinen und Logen für das ihnen in den vielen Jahrzehnten entgegengebrachte
Vertrauen und für die tatkräftige edle Mithilfe zur Führung und Unterhaltung
der Schule. Wir bitten, in Zukunft die uns zugedachten Spenden, Stiftungen
und Subventionen der vereinigten Anstalt zuzuwenden, damit sie im Sinne der
beiden Stifter, Seligmann Bär Bamberger s. A. und Lazarus Ottensoosser s.A.
weiter wirken und bestehen kann.
Für die Schulleitung: S. Steinhäuser, Direktor. Für das
Kuratorium: Samuel Pfeuffer, Vorsitzender." |
Gründe für die Verlegung der Präparandenschule Höchberg nach Würzburg
(1931)
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Juli
1931: "Für die Errichtung eines Neubaues in Würzburg sprachen auch
noch andere zwingende Gründe: Für das als Präparandenschule dienende
Bauernhaus in Höchberg bestehen schon seit 1914 behördliche Bauauflagen.
Krieg und Inflation haben diese Forderungen zwar zurückgedrängt, aber nicht
aufgehoben. Sie wurden 1930 in dringender Weise wiederholt mit dem Bemerken,
dass von einem Neubau in Höchberg nur dann Abstand genommen werden kann,
wenn die im Gange befindlichen Verhandlungen über die Vereinigung in
Würzburg alsbald zum Ziele führen. Aber auch der bisherigen Würzburger
Anstalt, die in einer engen Gasse, ohne genügende Licht- und Luftzufuhr,
untergebracht war, fehlte für einen modernen Schul- und Heimbetrieb fast
alles. Es mangelte ein Zeichensaal, ein Physik- und Chemiesaal, es mangelte
an einer ausreichenden Zahl von Musik- und Übungszimmern, vor allem aber für
das Heim an Aufenthalts- und Studierräumen; Schulhof, Spielplatz und
Gartenanlagen fehlten ganz. — Durch Auflösung der meisten bisherigen
jüdischen Lehrerbildungsanstalten in Preußen (es bestanden bis zum Jahre
1920 deren fünf in Münster, Berlin, Hannover, Kassel und Köln) hat sich die
Zahl der Schüler in den bayerischen Anstalten verdoppelt. Jetzt war das
Seminar vor die Alternative gestellt, entweder die Anstalt für den Zugang
von Nichtbayern zu sperren oder durch Erweiterung Raum zu schaffen für die
Umwandlung der bayerischen Lehrerbildungsanstalt in eine deutsche. Bereits
im Jahre 1928 hat die Würzburger Anstalt ein 4300 qm großes Grundstück in
freier und schönster Lage Würzburgs erworben. Die mit dem Verbände geführten
Verhandlungen führten zu dem Ergebnis, dass die Organe des Verbandes in der
Aschaffenburger Tagung vom Jahre 1929 beschlossen, für den Neubau eine
Subvention von M. 20 000.—, ein Darlehen von M. 50 000.— zur Verfügung zu
stellen." |
Hochzeitsanzeige von Gerson Katz und Sara geb. Eldod
(1931)
Anmerkung: Sara Katz geb. Eldod ist am 31. Dezember 1900 in Höchberg geboren
als Tochter des Lehrers Emanuel Eldod (siehe unten) und seiner Frau Miriam geb.
Eldod. Sie lebte nach ihrer Heirat mit Gerson Katz in Stuttgart. Die beiden
emigrierten im August 1933 nach Belgien, wurden aber am 10. Oktober 1942 ab
Mechelen (Malines) nach Auschwitz deportiert und ermordet. Zur Familie Eldod und
den "Stolpersteinen" in Höchberg siehe
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Höchberg
Nach Schließung der Präparandenschule: Bericht über das "stille
Höchberg" (1931)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Oktober
1931: "Im 'stillen Höchberg'.
Wer von den ehemaligen Schülern der israelitischen Präparandenschule
Höchberg diesen Ort wieder aussucht, kann sich eines Gefühles tiefster
Wehmut nicht erwehren. Die 'Anstalt' ist nicht mehr da, sie wurde mit dem
Seminar in Würzburg verschmolzen. Leer steht das Gebäude, das Beit
haMidrasch, wie es sein Gründer 'Reb Losor* (Rabbiner Lazarus Ottensoßer
- das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen) wie seine
unmittelbaren Nachfolger - (auch) ihr Gedenken ist zum Segen - stets
nannten. Nicht ertönt mehr in jenen Räumen die süße Melodie des Lernens, der
Lern-..., nicht steigen mehr Hunderte von kadischim aus jenen
geweihten Sälen zum Himmel empor, kein Lehrer ist zu sehen, kein Talmid,
der im frohen Thorageist sich innerlich verwachsen fühlt mit seinen
zahlreichen Chawirim, denen solche Seelengemeinschaft und
Verbundenheit aus den Gesichtern leuchtet: es ist still geworden im alten,
lieben Höchberg. Leere Räume, leere Bänke starren uns an und sagen uns in
dieser Totenstille mehr als lange Reden es vermöchten. Uns fällt
unwillkürlich das Prophetenwort in die Seele: (hebräisch und deutsch): 'Zions
Wege trauern, weil niemand mehr zum Feste kommt' (Klagelied - Threni 1,4).
Man kann sich beim Anblicke der leeren Anstalt so recht ein Bild des in
aufgewühltem Seelenschmerz klagenden Propheten machen. Er sah die Blüte, er
sah auch den Ruin, die Ruine. Ja, es ist schon etwas Wirkliches dran, Häuser
und Räume können eine keduscha annehmen, die selbst den Stein in der
Wand zum Reden bringt; 'der Stein schreit aus der Mauer' (Habakuk
2,11). Was würden erst die ... empfinden, die auf dem Höchberger
Friedhof ruhenden Reb Losor, Rabbi Jaakov Ehrenreich, Reb Hünle
Wechsler und die übrigen ehemaligen Anstaltslehrer - das Gedenken an sie
ist zum Segen! Auf der langen Straße im Unterdorfe begegnen uns einige
Winzer, die sich freundlich in ein Gespräch einlassen, da sie uns auch für
einen 'Ehemaligen" halten. Sie kannten noch 'Reb Losor", wie er mit seinen
Tefillin über die Straße ging zur Synagoge, erzählen noch von diesem und
jenem Zögling oder 'Boocherle', wie man vor 50 bis 60 Jahren sagte, und
jammern schließlich auch in bewegten Worten über den Weggang der 'Anstalt',
die eine große Lücke gerissen im Gemeindesäckel. Man hatte die Schule gern
und die Zöglinge fühlten sich in dem so reizend in unmittelbarer Nähe
Würzburgs gelegenen Orte sehr wohl. Keine Spur von Antisemitismus sei in
Höchberg zu finden, keine Stimme für die Rechtsparteien. Wäre denn die
Anstalt gar nicht zu halten gewesen? Oder könnte aus dem Gebäude nicht
wieder etwas Ähnliches werden? So kommt es treuherzig aus dem Munde dieser
nichtjüdischen Freunde der verlegten Präparandenschule und beweist uns, dass
nicht nur frühere Höchberger Zöglinge mit tiefer Wehmut an den Wandel der
Dinge denken, sondern auch ein sehr weiter Kreis von Nichtlehrern, ja sogar
von Nichtjuden. Ob wirklich hier alle Möglichkeiten ausgeschöpft wurden vor
dem entscheidenden Schritte und ob nicht doch die Sache anders gedeichselt
hätte werden können, das mögen Maßgebende entscheiden. Sicher ist, dass ein
Stachel zurückblieb im Herzen der 'Ehemaligen'. Sie sind Freunde Höchbergs
geblieben, können sich aber nicht erwärmen für die neue Organisation. Daran
kann auch die Behauptung nichts ändern, dass die Realitäten des Lebens
stärker sind als Sentimentalitäten. Auch Gefühle sind eine Macht, die wohl
zu beachten sind. Unter keinen Umständen dürfte aber das Gebäude in die
Hände von Fremden kommen. Das würde dem Ganzen den Stempel des
Unfasslichen, des Unbegreiflichen aufdrücken. Noch sind wenige Monate dahin,
seitdem der Anstalt die Seele entfloh. Höchberg hat den unbestreitbaren
Vorzug, durch seine Lage in nächster Nähe Würzburgs — man kann sogar am
Schabbat die Stadt erreichen — durch seine anderen jüdischen
Gegebenheiten, wie Synagoge, Mikwe, Friedhof usw. einmal noch
aufzublühen. Hört man doch gerade in der heutigen schrecklichen
Wirtschaftskrise von dem Zurücksehnen der Juden wieder nach dem flachen
Lande. Höchberg kann der bewegten Entwicklung ruhig noch einige Zeit
entgegensehen. Mag man an ein Jugendheim denken, an eine Art Altersheim, an
einen Vereinssitz oder sonst ähnliches — Höchberg bietet für alles
willkommene Grundlagen, nicht zu unterschätzende Gegebenheiten. Das ist
freilich nur ein schwacher Ersatz für einstigen Glanz und einstige Größe.
Immerhin aber würde das Anstaltsgebäude, das alte Beit Hamidrasch, in
dem Tag und Nacht gelernt wurde, wieder jüdischen Zwecken, jüdischem
Leben dienen, ... Möge man die Schwere dieses Wortes beherzigen! K.L.P." |
Erinnerungen an Höchberg (1933)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Mai 1933: "Höchberg.
Wenn der Name 'Höchberg' an unser Ohr klingt, steigen die Jahre in
unserer Erinnerung empor, die wir vor mehr als vier Jahrzehnten dort
verbracht, und mit ihnen besonders die Gestalten unserer damaligen Lehrer,
denen es oblag, uns Jungen in die Welt des Judentums einführen, des
Leiters der Anstalt Nathan Eschwege – das Andenken an den Gerechten
ist zum Segen, dem in vorliegender Nummer unseres Blattes zu einem 25.
Todestage liebevolles Gedenken ein Denkmal gesetzt, sowie unseres
damaligen Gemorohlehrers Raw Henle Wechsler – das Andenken an
den Gerechten ist zum Segen. Als ich vor ungefähr 42 Jahren als kaum
13 jähriger Junge aus meinem oberhessischen Heimatdorfe nach Höchberg
kam, da war ich wochenlang von bangem Erstaunen erfasst ob der Welt, in
die ich hier eingetreten war. Dort in der Heimat lebte man schlecht und
recht in Elternhaus und Gemeinde als jüdischer Mensch, wie man es vor
sich sah... Hier in Höchberg aber war man in eine Atmosphäre gekommen,
die erfüllt war von jüdischem Wollen und Tun. Hier atmete jeder Stein Liebe
zur Tora und Gottesfurcht. Es bedurfte, wie gesagt, erst
einiger Zeit, bis man sich eingelegt und erfühlt hatte, worum es hier
ging. Es war Heiligen Boden, den man betreten und man bekam als
14jähriger Junge allmählich eine Ahnung von der Kraft, mit der die Tora
den jüdischen Menschen umzuformen vermag, um ihn hinanzuführen zu der
Höhe des Sinai-Erlebnisses. Es waren vor allem die Gestalten unserer
Lehrer, die uns voranleuchteten als Feuersäulen, uns in
unablässigem Streben und nie ermüdender Arbeit den Weg zu zeigen, den
wir als jüdische Menschen und Lehrer zu gehen berufen waren. Wir waren
damals noch jung, standen noch inmitten unserer körperlichen, geistigen
und sittlichen Entwicklung. Wenn auch so mancher von uns im späteren
Lebensgange erlahmte und dem ihm in Höchberg gezeigten Ideale nicht
nachzuleben vermochte, wir haben doch alle von dem Geiste, der uns in der
Präparandenschule umflutete, mit hinausgenommen ins Leben, und so manches
Samenkörnlein, das wir in Beruf und Leben in geöffnete Herzen gesenkt,
ist das Ergebnis der Erziehungsarbeit, die die Talmud-Toraschule in
Höchberg an uns selbst vollbracht hat.
Und heute? Im vorigen Jahre war es mir erst möglich, wieder einmal nach
Höchberg zu kommen und die Stätte zu besuchen, wo ich drei schöne und
bedeutungsvolle Jugendjahre verbracht. Es lässt sich denken, welche
Freude mich darob erfüllte. Aber – die Anstalt steht zwar noch an ihrer
alten Stelle, der Speisesaal im Hause Ehrenreich, in dem einst wahre
Schlachten um das größere Stück Hering und die Pellkartoffeln
ausgefochten wurden, ist auch noch vorhanden; jedoch die Stimme der Tora
ist verstummt, die 'Stimme der Turteltaube' wird nicht mehr gehört,
die Zeit des 'Singens' ist vorüber; nur die toten Steine, aus denen
die Mauern des Anstaltsgebäudes gefügt, erzählen noch von eifrigem
Lernen. Der Anweisung Reb Losers, des Gründers der Schule, ist nicht
Rechnung getragen worden, wie bereits der Kollege in vorstehendem Artikel
gesagt. Wenn Steine menschliches Fühlen zeigen könnten, dann würden sie
sicher weinend klagen, dass man ihr Beit Hamidrasch im Stiche
gelassen und ihm die Lehrer und Lerner genommen habe. Wir stehen den
bayrischen Verhältnissen zu fern, um beurteilen zu können, ob unbedingte
Notwendigkeit vorhanden war, die Talmud-Tora-Schule von Höchberg nach
Würzburg zu verlegen. Wir nahmen bei unserem Besuche wahr, dass Höchberg
selbst im Laufe der Jahrzehnte sich zu einem ansehnlichen Orte entwickelt
hat und dass die Verbindung mit dem nahen Würzburg auch günstiger
geworden ist. Vielleicht hätte sich doch ein Weg finden lassen, die
Anstalt in Höchberg zu belassen und die Vereinigung mit dem Würzburger
Seminar unbeschadet der geringeren räumlichen Entfernung möglich zu
machen. Die Freude, die wir empfangen, als wir nach 40 Jahren wieder
einmal vor dem Anstaltsgebäude standen, wurde empfindlich gestört durch
das Gefühl tiefer Wehmut, denn das rege Leben und Lernen, das dort einst
herrscht, ist verstummt, Höchberg und seine Talmud-Tora-Schule gehören
der Vergangenheit an." |
70. Geburtstag von Emanuel Eldod
(1933)
Anmerkung: Emanuel Eldod ist am 25. September 1863 in Höchberg geboren
als Sohn von Schmuel Eldod. Er studierte an der Israelitischen
Lehrerbildungsanstalt in Würzburg. Ab 1895 war er Kantor in Höchberg und
Religionslehrer an der Präparandenschule. Er unterhielt ein kleines Internat an
der Präparandenschule. Ab 1920 war er Vorsitzender der jüdischen Gemeinde
Höchberg. 1929 wurde er pensioniert (siehe Bericht oben). Zwei Söhne - Naftali
Eldod (geb. 1899 in Höchberg - ermordet 1941) und Simon Eldod (geb. 1906, 1938
nach Haifa emigriert) - wurden Gymnasiallehrer. Emanuel Eldod lebte mit seiner
Frau Mirjam geb. Eldod (geb. 1872 in
Kleinerdlingen) zuletzt in Würzburg,
von wo beide am 23. September 1943 in das Ghetto Theresienstadt deportiert
wurden. Hier starb sie am 12. Oktober 1942, er am 10. November 1942.
Quelle:
https://www.bllv.de/projekte/geschichte-bewahren/erinnerungsarbeit/datenbank-jued-lehrer/datenbank
Stolperstein in Höchberg
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Höchberg
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Oktober
1933: "Höchberg, 20. Oktober. In aller Stille, ganz wie es
seiner Bescheidenheit entspricht, beging dieser Tage der nunmehr im
Ruhestande lebende Präparandenlehrer Herr Emanuel Eldod seinen 70.
Geburtstag. Erst jetzt hörte man davon. Herr Eldod ist noch ein lebendiger
Zeuge des 'alten Höchberg', ein Repräsentant der wundervoll jüdischen
Epoche, in der an der Präparandenschule, damals kurz Beth HaMidrasch
benannt, die Ortsrabbiner Reb Losor Ottensoßer, Jakob Ehrenreich und Reb
Hinle Wechsler ihre überaus segensreiche Tätigkeit entfalteten zusammen mit'
den Präparandenlehrern N. Eschwege und L. G. Ehrenreich - das Gedenken an
sie ist zum Segen. Gefühlsmäßig zählte man auch den Kassier der Anstalt,
Reb Schmuel Eldod - seligen Angedenkens, den Vater des Jubilars, zu
den Lehrkräften.- In solchem Milieu aufgewachsen, verbreitete E. Eldod den
reinen Geist der heiligen Tora unter Hunderten von Schülern.
Seine populäre und elementare Lehrform befähigte die Jugend über die fünf
Bücher Moses und Raschi und die Mischna selbst in schwerere
Kompendien des Talmud einzudringen. Wahrlich keine Kleinigkeit! Voll
Dank blickt heute die stattliche Schülerschar zu ihrem ehemaligen Meister
auf. Möge dem beliebten Lehrer eine Schiwa towa in jeder Hinsicht im
Kreise seiner Lieben und Freunde beschieden sein, wie hoch auch des Lebens
Abendstern über seinem Haupte emporsteigen mag." |
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"Todesfallanzeige"
im Ghetto Theresienstadt für Emanuel Eldod,
Quelle |
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