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Horchheim (Stadt
Worms)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Horchheim bestand eine jüdische
Gemeinde bis 1873. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts
zurück. Damals hatte die jüdische Gemeinde Horchheim einige Vorrechte
gegenüber anderen Gemeinden, was jedoch immer mehr zu Rivalitäten und zum
Streit zwischen den Gemeinden führte.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1855 35, 1867 3.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Schule und
möglicherweise ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurde seit
1834/35 im jüdischen Friedhof in Pfeddersheim beigesetzt.
1873 erfolgte die Auflösung der jüdischen Gemeinde in
Horchheim.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
| In jüdischen Periodika des 19./20.
Jahrhunderts wurden noch keine Berichte zur jüdischen Geschichte in
Horchheim gefunden. |
Zur Geschichte der Synagoge
1815 wird eine Synagoge (Betraum) genannt. Die
Gottesdienste wurden auch von den Juden aus dem benachbarten Heppenheim
besucht.
1845 kaufte die jüdische Gemeinde in der Oberen Hauptstraße einen
Bauplatz, auf dem bereits ein gewölbter Keller stand. Bis 1847 wurde
hier eine Synagoge erstellt. Da in der Folgezeit jedoch die Zahl der jüdischen
Einwohner stark zurückging, löste sich die Gemeinde 1873 auf. Das
Synagogengebäude wurde an die evangelische Kirchengemeinde als Kapelle
verkauft. Nachdem 1908 die evangelische Gustav-Adolf-Kirche fertiggestellt war
(Einweihung am 6. September 1908), wurde die frühere Synagoge auf Abbruch für
2.000 Mark an die jüdische Gemeinde in Heppenheim
a.d.W.
verkauft. Die Synagoge wurde abgebrochen, wobei der gewölbte Keller weiter
erhalten blieb. An Stelle der Synagoge wurde ein Wohnhaus erstellt.
Im Zuge des Abbruches der früheren Synagoge in Horchheim wurde das noch
brauchbare Baumaterial nach Heppenheim
a.d.W.
verbracht. Dort wurde die Synagoge in den alten Maßen und im alten Aussehen
wieder aufgebaut.
Die feierliche Einweihung der Synagoge der
ehemaligen Horchheimer Synagoge in Heppenheim am 17./18. November 1911:
Artikel
im "Israelitischen Familienblatt" vom 30. November 1911: "Heppenheim
a. d. W. (Synagogenweihe.) Endlich ging der Wunsch der hiesigen
israelitischen Gemeindemitglieder, ein eigenes Gotteshaus zu besitzen, in
Erfüllung. Die neu erbaute Synagoge wurde ihrer Bestimmung übergeben. Es ist
ein schmuckes Gotteshaus, das als Gebäude für sich bereits eine nicht
uninteressante Vergangenheit hat. Es wurde als Synagoge im Jahre 1847 in
Horchheim erbaut. Als aber die dortige israelitische Gemeinde teils
durch Wegzug, teils durch Aussterben der älteren Mitglieder sich auflöste,
ging die Synagoge in den Besitz der evangelischen Kirchengemeinde in
Horchheim über, die diese als Kirche benutzte, worin noch bis vor kurzem
Gottesdienst abgehalten wurde. Da nun die evangelische Gemeinde eine neue
Kirche besitzt, kaufte die israelitische Gemeinde Heppenheim a. d. W. die
ursprüngliche Synagoge, um sie niederzureißen und das brauchbare Material
zum Bau einer neuen Synagoge in ihrem Orte zu verwenden. Diese steht nun in
früherer Größe und in gleicher Bauart in Heppenheim. Zur Einweihung waren
der Bürgermeister des Ortes mit sämtlichen Gemeinderäten, die Geistlichen
von Heppenheim, Horchheim
und Offstein, die Lehrer des Ortes und viele andere Gäste erschienen. Herr
Rabbiner Dr. Holzer weihte in formvollendeter Predigt das neue Gotteshaus
ein. Durch den vorzüglichen Gesang des Herrn Lehrer Agulnik wurden der
Frühgottesdienst und die Feier sehr gehoben." |
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| Ähnlich der Bericht in der "Wormser Zeitung"
vom 20. November 1911: "Heppenheim a.d.W., 18. Nov. Endlich ging der Wunsch der hiesigen israelitischen Gemeindemitglieder, ein eigenes Gotteshaus zu besitzen, in Erfüllung. Heute wurde die neu erbaute Synagoge ihrer Bestimmung übergeben. Es ist ein schmuckes, niedliches Gotteshaus, das als Gebäude für sich bereits eine nicht uninteressante Vergangenheit hat. Es wurde als Synagoge im Jahre 1847 in
Horchheim erbaut. Als aber die israelitische Gemeinde teils durch Wegzug, teils durch Aussterben der älteren Mitglieder sich auflöste, ging die Synagoge in den Besitz der
evangelischen Kirchengemeinde Horchheim über, die diese als Kirche benutzte, worin noch bis vor kurzem Gottesdienst abgehalten wurde. Da nun die evangelische Gemeinde eine neue Kirche besitzt, kaufte die israelitische Gemeinde
Heppenheim a.d.W. die ursprüngliche Synagoge, um sie niederzureißen und das brauchbare Material zum Bau einer neuen Synagoge in ihrem Ort zu verwenden. Diese steht nun in früherer Größe und in gleicher Bauart in
Heppenheim. Schon am Freitag fanden sich Herr Rabbiner Dr. Holzer, Herr Lehrer und Kantor Agulnik
aus Worms und noch andere Gäste ein. Am Freitag Abend fand eine gemütliche
Zusammenkunft im Kurgarten statt, um ein doppeltes Fest zu feiern. Mit der
Vorfeier der Synagogenweihe sollte die Feier der silbernen Hochzeit des
Herrn Tryfuß u. Frau verbunden werden. Herr Rabbiner Dr. Holzer hob ein
einer Ansprache den biederen schlichten Sinn der Jubilare, besonders aber
die Selbstlosigkeit des Herrn Tryfuß hervor, der sich in den Dienst der israelitischen Gemeinde in uneigennütziger Weise stellte. Im Auftrage der israelitischen Gemeinde Heppenheims überreichte
Herr Dr. Holzer dem Jubilar als Anerkennung eine goldene Kette. Herr Tryfuß dankte tief gerührt
für die erwiesene Aufmerksamkeit. Herr Agulnik wies auf den Opfersinn der kleinen Gemeinde, die Einigkeit und Einmütigkeit der Gemeindemitglieder hin, wodurch es möglich war, den schon
lange gehegten Wunsch in die Tat umzusetzen. Er wünsche das Fortbestehen des einträchtigen Sinnes innerhalb der Gemeinde. Das eigentliche Fest fand Samstag morgen statt, zu dem der Herr Bürgermeister des Ortes mit sämtlichen Herren Gemeinderäten, die Herren Geistlichen von
Heppenheim, Horchheim und Offstein, die Herren Lehrer des Ortes und viele andere Gäste erschienen waren. Herr Rabbiner Dr. Holzer weihte in formvollendeter Predigt das neue Gotteshaus ein. Auch Herr Tryfuß
hielt eine zu Herzen gehende Ansprache und dankte allen die zur
Verherrlichung des heutigen Tages beigetragen haben. Als Einleitung trug
Herr Agulnik das Lied 'Gott Deine Güte reicht so weit' von Beethoven vor. In
liebenswürdiger Weise wirkte eine erlesene Schar des Synagogenchorvereins
Worms unter ihrem Organisten Herrn Hohmeier bei der Feier mit. Durch ihren
vorzüglichen Gesang und durch den des Herrn Agulnik wurden der Frühgottesdienst und die Feier sehr gehoben. Herrlich brachten die Sänger zwei Lieder: 'Die Himmel rühmen' u. den 'Segen' zu Gehör. Die ganze Feier übte auf die Anwesenden ersichtlich einen tiefen Eindruck aus."
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Adresse/Standort der Synagoge: Obere
Hauptstraße 33
Fotos
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Die Horchheimer Synagoge, die
1908
abgebrochen und in Heppenheim aufgebaut
wurde (Zeichnung E. Heuser
nach Angaben
von N. Schmitt, Horchheim) |
Die Horchheimer Synagoge
in Heppenheim
auf einer
historischen Karte von 1915 |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
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