Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Landwürden (Dedesdorf, Eidewarden) 
(bis 1974 Landkreis Wesermarsch, seitdem Landkreis Cuxhaven, Niedersachsen)
 Jüdische Geschichte / Jüdischer Friedhof 
(die Seite wurde erstellt von Martin J. Schmid, Oldenburg)   

Übersicht:

Vorbemerkung  
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Zur Geschichte des Friedhofes    
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

         
         

Vorbemerkung 
(Quelle: Wikipedia-Artikel zu Landwürden)  
  
Die verschiedenen Dörfer Landwürdens bildeten schon frühzeitig eine Einheit. Die Gemeinde Dedesdorf bestand im 19. Jahrhundert aus den Bauernschaften Buttel (also dem oldenburgischen Teil Büttels), Dedesdorf, Eidewarden, Maihausen, Oldendorf, Overwarfe, Reitmoor, Ueterlande und Wiemsdorf. Sie wurde 1935 in Landwürden umbenannt. Landwürden war auch der Name eines Amtes, das 1879 im Amt Brake aufgegangen ist, dem Vorläufer des Amtes Wesermarsch (1933-1939). Ab 1939 gehörten die Orte dann bis zur Gebietsreform 1974 zum Landkreis Wesermarsch. Dedesdorf, Eidewarden, Maihausen, Overwarfe, Ueterlande, Wiemsdorf und Teile Büttels (Buttel) sind auch heute noch in der Gemarkung Landwürden zusammengefasst. Die Gemeinde gehört heute zur Gemeinde Loxstedt im Landkreis Cuxhaven.  
   
   
   
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde 
(vgl. weitere Angaben im nachfolgenden Abschnitt zur Geschichte des Friedhofes)   
 
In der Gemeinde Dedesdorf, die bis 1974 zu Oldenburg gehörte, gab es seit dem 18. Jahrhundert wenige jüdische Personen / Familien, vor allem die Familie Rosenberg in Eidewarden. Um 1800 wird auch der Schutzjude Elias David genannt (vgl. unten bei der Geschichte des Friedhofes). 1814 zog eine weitere jüdische Familie in Dedesdorf zu. Zeitweise hatten die jüdischen Familien eine Betstube eingerichtet, was jedoch zum Konflikt mit dem örtlichen Pastor führte. Seit 1827 gehörten die Landwürdener Juden zur Gemeinde Ovelgönne. 1837 unterrichtete ein jüdischer Lehrer drei Kinder im Haus der Familie Rosenberg. 1855 werden in Dedesdorf 20 jüdische Einwohner gezählt; bis 1895 ging die Zahl auf vier zurück (Mitglieder der Familie Rosenberg in Eidewarden). 
 
Um 1925 wurden in Eidewarden noch fünf jüdische Einwohner (Familie Rosenberg) gezählt, die nun zur jüdischen Gemeinde in Brake gehörten (wenig später Synagogengemeinde Brake-Nordenham). 1932 wurden fünf jüdische Einwohner gezählt. Bis 1937 es in Eidewarden noch Rosenbergs. Dann verzogen die letzten jüdischen Einwohner vom Ort beziehungsweise emigrierten in andere Länder, darunter Alma Rosenberg verh. Edel, die über Schanghai nach Israel auswandern konnte und ihre Schwester Toni Rosenberg verheiratete Meyer, die in die USA emigrieren konnte.     
 
Von den in Eidewarden/Dedesdorf (Landwürden) geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Herta Frenkel geb. Rosenberg (geb. 1901 in Eidewarden/Dedesdorf, später in Lemgo wohnhaft, ermordet 1944 in Auschwitz), Betty Grünefeld geb. Rosenberg (geb. 1865 in Eidewarden/Dedesdorf, später wohnhaft in Stotel; umgekommen 1943 im Ghetto Theresienstadt); Amalie Rosenberg geb. Rosenberg (geb. 1862 in Eidewarden/Dedesdorf, später wohnhaft in Wesermünde und Bremen; umgekommen 1942 im Ghetto Theresienstadt), Theodor Rosenberg (1872, wohnte in Dedesdorf, vom 22. Juni 1938 bis 11. August 1938 im KZ Sachsenhausen; Todesdatum: 11. August 1938 im KZ Sachsenhausen), Henny (Hanny) Wolfers geb. Rosenberg (geb. 1898 in Eidewarden/Dedesdorf; später in Berlin wohnhaft, ermordet 1944 in Auschwitz).    
 
 
 
Zur Geschichte des Friedhofes 
    
Die Anlage des Friedhofs in Landwürden datiert auf das Jahr 1751, als der erste dortige Schutzjude Arend Lambert (seit 1747 Schutzjudenbrief) bestattet wurde. Die Geländezuweisung erfolgte durch den damaligen Amtsverwalter. [Meiners, 2001, S. 382]. 
  
Der Schutzjude Elias David aus Eidewarden wandte sich im Jahr 1800 an das Amt Dedesdorf und bat um eine Genehmigung zu Errichtung einer Hecke und eines Grabens um den Friedhof, denn herumstreuendes Vieh zertrat und verwühlte die neu angelegten Gräber. Aber auch durch Menschenhand entstanden Schaden. Die Gemeinde erinnert sich daran, dass "vor 50 Jahren ein Bösewicht sich erkühnt hatte, das Aas eines verendeten Pferdes über den Körper eines begrabenen Juden an dieser Stelle zu verscharren." Bei der Genehmigung der Umfriedung galt es auch die Interessen der Dedesdorfer Bauernschaft zu berücksichtigen. Die Wegjuraten der Bauernschaft verlangten, keine Umfriedung zuzulassen, denn das Landstück, auf dem die toten Juden bestatten waren, wurden von den "kleinen Leuten" der Bauernschaft als Weide genutzt. Während vor 1746 keine Juden geduldet wurden, habe man sich nun dieser Niederlassung und die Anlegung des Friedhofes "gefallen lassen müssen." Nun wollten die Juden auch noch einen eingefriedeten "Kirchhof' haben, wo doch "noch kein Jude einmal ein eigenen Haus besäße." [Meiners, 2001, S. 391].  
  
Als weitere Gründe gegen die Umfriedung wurde die Lage des Friedhofes genannt; so lag dieses Gelände auf dem Weg zur Kirche von den Ortschaften Buttel und Neuenlande; und es sei "nicht erlaubt, dass Christen den jüdischen Leichen Platz machen müßten." Es wurde auch vermutet, dass durch eine Einfriedung die mutwilligen Beschädigung durch Jugendliche drohen könnte. Nach schwierigen Verhandlungen wurde den Juden genehmigt, den Bestattungsplatz durch einen Graben zu schützen. Für diese neu ausgewiesene Flache wurde dann ein jährlicher Grundzins von 24 Groten fällig. Der notwendige Grabenaushub des recht tief liegenden Friedhofsgeländes wurde z. T. für die Erhöhung des um den Kirchhof liegenden Kirchpfad genutzt. [Meiners, 1991 und 2001]
   
Um 1805 bestand die auf die Ortschaften Dedesdorf, Büttel und Maihausen verteilte jüdische Gemeinde aus vier Haushalten mit insgesamt 21 Personen. Da sie ihre Gottesdienste in dem Haus eines Gemeindemitgliedes abhielt, das in unmittelbarer Nachbarschaft zur evangelischen Kirche und zum Friedhof von Dedesdorf lag, kam es seit 1803 zu Auseinandersetzungen mit dem Pastor, der sich über Gottesdienststörungen durch den Gesang der Juden an jüdischen Feiertagen beschwerte. Die jüdische Gemeinde musste zwar fortan Rücksicht auf die christlichen Gottesdienstzeiten nehmen, andererseits wurde aber ihr Recht auf einen öffentlichen Gottesdienst bestätigt. [Obenaus, 2005]
  
1858 wurde die Gemeinde dem Synagogengemeindebezirk Ovelgönne zugeordnet.
  
Der Friedhof wurde vermutlich bis 1874 belegt. Diese Belegungszeit ergibt sich aus den nach Ovelgönne verbrachten Steinen (hier: Witwe des Elias David, gestorben 1874) [Töllner, S. 325]   
    
Im Jahr 1911 berichtet der Gemeindevorstand von Dedesdorf zur Lage und zum schlechten Zustand des Jüdischen Friedhofes. Der Landrabbiner Dr. David Mannheimer antwortete dem Großherzoglichen Amt in Brake auf diesen Hinweis wie folgt: 
"Dem Grossherzogl. Amte spreche ich für die Mitteilung betr. des Friedhofes in Eidewarden meinen Dank aus. Es liegt im Interesse des Ansehens der Juden in der Gesamtheit dass solche Stellen wie der fragl. Friedhof durch schlechtes Aussehen nicht öffentliches Aergerniss erregen. Ich werde dieserhalb dem Jüdischen Landesgemeinderate bei seinem nächsten Zusammentreffen Im Frühjahre eine Vorlage unterbreiten, aber sofort schon mit dem zuständigen Vorstehen der Erledigung näher treten, damit möglichst bald eine Einzäunung angebracht wird." [Staatsarchiv OL, Best. 230-6 Nr. 797]
In der Chronik von Landwurden und der Kirchengemeinde Dedesdorf aus dem Jahr 1925 wird die Umgebung des Friedhofes wie folgt beschrieben: 
"Das einzige Haus [in Kreuzhelmer] ist eine alte Hausmannstelle. Früher war es ein Wirtshaus, im Volksmunde "Waterloo" genannt, jedenfalls in der Zeit nach den Freiheitskriegen. Vor dem Hause liegt der jetzt nicht mehr benutzte Judenkirchhof, den Dedesdorfer Juden vom Herzog (welchem ?) geschenkt." [Ramsauer, 1925]. 
   
   
Nach 1945 

Über die Eigentumsverhältnisse berichtet das Kreisamt Wesermarsch am 26.4.1946 dem Oldenburgischen Innenministerium: "Jewish cemetery in Gemeinde Landwürden Art. 255, size 0,0322 ha. Owner Elias, Abraham and Rosenbaum, Julius Kinder. There is no information in whose posession this property is, who manages or control it, or where the owners may be found." 
  
Im Jahr 1947 berichtet das Kreisamt Wesermarsch über diesen Friedhof, dass sich der Friedhof in einem 'sehr vernachlässigtem Zustande' befindet und die 'ordnungsgemäßen Wiederherstellung' bereits eingeleitet sei. Das Gemeindeamt Landwürden berichtet am 2. August 1947 ausführlicher: "Der Belegenheitsort des Friedhofes ist: Dedesdorfer Felde, Art. 255. Rosenbaum, Jul. Kinder. Flur 13, Parzelle 169/45. Größe 0,0322 ha. Der Friedhof ist seit langem nicht mehr in Benutzung. Leichen sind dort seit über 40 Jahren nicht mehr beigesetzt worden. Die Gräber sind mit Gras überwachsen. Die vorhandenen 3 Grabsteine (Oberkirchener Sandstein) sind versackt und stehen schief. Die Umfriedung des Friedhofes besteht aus einem breiten Wassergraben. Die Eingangsstelle muss ein neues Tor erhalten. Der Wassergraben wird aufgereinigt u. das Tor wird in nächster Zeit angefertigt und aufgestellt werden. Bemerkt wird noch, dass der Friedhof während der Nazi-Herrschaft keine Zerstörungen erfahren hat. Der augenblickliche Zustand des Friedhofes ist seit der Nichtbenutzung unverändert.' 
  
Im Jahr 1950 wird von Seiten des Niedersächsischen Verwaltungsbezirks Oldenburg dem Landkreis Wesermarsch mitgeteilt, dass die noch vorhandenen Grabsteine des Jüdischen Friedhofs in Landwürden auf den bestehenden Friedhof in Ovelgönne überführt werden sollen. Es wird insoweit um Unterstützung durch den Landkreis Wesermarsch gebeten. Nach Literaturangaben soll es sich dabei um die Grabsteine von Ansel David Goldberg (14.07.1763-14.02.1835), der Witwe von Elias David (+ 1874), Hannchen Elias (geb. Koopmann) (11.03.1818-13.02.1864) und Jacob Elias (19.08.1817-03.05.1849) handeln, die bei Töllner (s. Lit.) auf Seite 315 sowie 325-326 abgebildet sind. [Meiners, 1999]. 


Lage des Friedhofes 
 
Die genaue Lage ist nicht mehr feststellbar. Bilder der vermuteten, anhand von Kataster-/ Geodaten ermittelten Lage, siehe unten.
Geodaten: Länge: 8 Grad 31 Min. 06,52 Sek. I Breite 53 Grad 26 Min. 5,018 Sek.  
  
Beschreibung der Lage bei Meiners Anm. 199: "Südlich von Dedesdorf (Dedesdorfer Feld), bei der 'Kreuzhelmer' (Dreieck in der Wegegabelung nach Oldendorf und Buttel). Eine Lageskizze aus dem Jahr 1800 ist im Staatsarchiv Oldenburg vorhanden (Quelle siehe unten). 
 
Adresse: Butteler Straße, Lexstedt     
  
  
  
Fotos
(Fotos von 2012: Martin J. Schmid, Oldenburg)   

Fotos vom Bereich des vermuteten
 Friedhofesgrundstückes
 
Landwuerden Friedhof 011.jpg (328459 Byte) Landwuerden Friedhof 014.jpg (374904 Byte)
     
     
Landwuerden Friedhof 015.jpg (259560 Byte) Landwuerden Friedhof 012.jpg (248862 Byte) Landwuerden Friedhof 013.jpg (293135 Byte)
     
     
Landwuerden Friedhof 010.jpg (220794 Byte) Landwuerden Friedhof 016.jpg (196274 Byte)  
     

     
     

Links und Literatur   

Links:  

Website der Gemeinde Loxstedt mit Seite zu Dedesdorf        

Literatur:  

Johannes-Fritz Töllner in Zusammenarbeit mit Wouter J. van Bekkum, Enno Meyer und Harald Schiekel: Die jüdischen Friedhöfe im Oldenburger Land. Bestandsaufnahme der erhaltenen Grabsteine. Oldenburg 1983 (= Oldenburger Studien Bd. 25).   
Werner Meiners: Nordwestdeutsche Juden zwischen Umbruch und Beharrung : Judenpolitik und jüdisches Leben im Oldenburger Land bis 1827. Hannover 2001 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachen und Bremen 204). 
Falk-Reimar Sänger: Die jüdischen Friedhöfe im Regierungsbezirk Lüneburg. In: Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen. 18 (1998), Nr. 4, S. 166-168. 
Daniel Ramsauer: Von den Juden in Dedesdorf. In: Jahrbuch für die Geschichte des Herzogtums Oldenburg. Band 11. 1902. S. 144-151.   
ders.: Chronik von Landwürden und der Kirchengemeinde Dedesdorf, Bremerhaven, ca. 1925.  
Enno Meyer : Die Synagogen des Oldenburger Landes / im Auftr. der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Oldenburg, Oldenburg : Holzberg, 1988. 
  
Quellen: Staatsarchiv Oldenburg: Best. 75-16 Nr. 368 (Lageplan). Best. 230-6 Nr. 797
   

     

                   
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Stand: 11. Oktober 2012