Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Leimen (Rhein-Neckar-Kreis) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
(erstellt unter Mitarbeit von Manfred Fuchs, Leimen)  
  

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge   
Fotos / Plan  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)    
   
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zur Kurpfalz gehörenden Leimen bestand eine jüdische Gemeinde von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zu ihrer Auflösung am 20. März 1905. Ihre Entstehung geht in die Zeit Anfang des 18. Jahrhunderts zurück: erstmals werden 1712 Juden am Ort genannt, 1738 waren es sieben, 1744 bereits 14 jüdische Familien. Die jüdischen Familien wohnten zunächst in der "Judengasse", der heutigen Hessengasse.   
  
Große Bedeutung erlangte die Familie des Seligmann Aron, der einen Kram- und Trödelladen in Leimen betrieb und sich nebenbei als Metzger betätigte. Er legte den Grund für den beispiellosen Aufstieg seiner Nachkommen. Sein Sohn Aron Seligmann (bzw. Seeligmann; 1727-74) wurde 1746 Obereinnehmer der pfälzischen Landjudenschaft. Lange Jahre hielt er Rabbiner in seinem Haus: - bis 1768 Hirsch Moses Katzenellenbogen (geb. ca. 1715 in Schwabach, gest. 1800 in Mannheim, zunächst Rabbiner in Mergentheim, 1763 Landesrabbiner der Kurpfalz mit Sitz in Leimen, 1769 Rabbiner in Mannheim); vor 1773 bis nach 1785 (?) Moses Fürther; seit 1782 bis 1795 Moses Tobias Sontheim (geb. 1755 in Sontheim bei Heilbronn, gest. 1830 in Hanau; war seit 1795 Landesrabbiner der Grafschaft Hanau). 
Auch der bedeutende Talmudgelehrte Naftali Hirsch lebte lange bei ihm. Als Elias Seligmann 1774 starb, hinterließ er ein Legat von 30.000 Gulden, von dessen Zinsen notleidende Juden unterstützt und die Gemeindebedürfnisse bestritten werden sollten. Gemeinsam mit seinem Bruder Elias Seligmann wurde Aron Seligmann württembergischer Hoffaktor. Beide übernahmen 1759 die Salzversorgung von Württemberg.    

Aron-Elias-Seligmann.jpg (94870 Byte)Der Sohn von Elias Seligmann war Aron Elias Seligmann (1747-1824; seit 1799 Hofagent in München) errichtete 1779 eine Tabakmanufaktur in Leimen, in der etwa 100 Arbeiter Beschäftigung fanden. Er besaß 1786 das Salzmonopol für die Kurpfalz. Als zunächst kurpfälzischer, später auch bayerischer Hofagent gehörte er zu den reichsten Männern seiner Zeit. 
Weitere Informationen zu Aron Elias Seligmann und seiner Familie: Artikel bei br-online vom 27.1.2005: Aron Elias Seligmann - Bankier des Königs  
sowie Wikipedia-Artikel zu Aron Elias Seligmann (von hier die Abbildung des Gemäldes von Johann Peter Langer links, das sich lange im Magazin der Neuen Pinakothek in München befand, seit 1985 im Rathaus in Leimen)   
 
Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde in Leimen um 1780 mit 82 Personen erreicht. 1776 fand in Leimen eine Gesamtversammlung der pfaälzischen Landjudenschaft statt.   
 
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, eine Schule und ein rituelles Bad. Die Gemeinde wurde 1827 dem Rabbinatsbezirk Heidelberg zugeteilt.  

Im Laufe des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der jüdischen Einwohner Leimens durch Abwanderung nach Mannheim und durch die Übersiedlung der Familie Seligmann nach München zurück. Es wurden gezählt: 1825 36 jüdische Einwohner, 1832 33, 1836 26, 1839 27, 1864 27, 1871 14, 1875 13, 1880 13, 1885 11, 1890 4, 1895 4, 1900 4, 1905 6, 1910 7, 1925 6, 1933 5. 
   
Nach Auflösung der Gemeinde 1905 gehörten die hier noch lebenden Juden zur Gemeinde im benachbarten Nussloch
 
Zu den 1933 fünf jüdischen Einwohnern Leimens kamen durch Zuzug drei weitere hinzu. Von diesen acht emigrierten drei in die USA, eine Person nach England. Vier jüdische Einwohner, der ehemalige Besitzer der Bergbrauerei Leimen Hugo Mayer mit seiner Frau Karolina geb. Bierig sowie Karoline Bierig und Tochter Selma Bierig, wurden am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert. Hugo Mayer starb 1942 im Lager Nie. Seine Witwe wurde 1944 nach Auschwitz verbracht. Die beiden anderen sind verschollen und wurden für tot erklärt.   
  
Von den in Leimen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Karoline Bierig geb. Bierig (1878) und Tochter Selma Bierig (1908), Heinrich Jacobi (1874), Hugo Mayer (1864) und Frau Karoline Mayer geb. Bierig (1879).  
  
  
  
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
Gründung eines Vereins in der Gemeinde (1846)  

Leimen Orient 29011846.jpg (68230 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Orient" vom 29. Januar 1846: "Heidelberg, 1. Januar (1846). Auch in den kleinen israelitischen Landgemeinden unseres Großherzogtums scheint sich ein neues religiöses Leben zu entwickeln. So hat sich in der benachbarten kleinen Gemeinde Leimen vor Kurzem ein Verein gebildet, dessen Zweck es ist, alle vier Wochen den tüchtigen und durch seine Kanzelberedsamkeit ausgezeichneten Rabbiner Fürst von Heidelberg zu berufen, damit derselbe in gottesdienstlichen Vorträgen die Gemeinde über die betreffenden Toraabschnitte belehre. Möchte das Beispiel Leimens auch bald bei anderen Gemeinden Nachahmung finden. ...a..." 

  
Auflösung der jüdischen Gemeinde (1905)   

Leimen FrfIsrFambl 05051905.jpg (32373 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 5. Mai 1905: "Heidelberg. Wieder hat, dem Zuge der Zeit folgende, eine jüdische Gemeinde auf dem Lande aufgehört zu existieren. Die jüdische Gemeinde in Leimen ist aufgelöst und ihr Vermögen dem Religionsschul- und Pensionsfonds zugewiesen worden."  

      
      
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
     
Über die Familie von Eichthal (Artikel von 1905; bespricht den bayerischen und französischen Zweig der Familie)     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 28. April 1905: "München, 18. April (1905). Über eine jüdische Familie, die in Bayern eine große Rolle gespielt hat, erfahren wir heute aus Paris Näheres. Französische Blätter berichten nämlich, dass Herr Louis d'Eichthal seiner wissenschaftlichen Verdienste wegen zum Mitglied des Instituts ernannt worden ist. Sein Vater Gustav d'Eichthal, der als vierzehnjähriger Knabe zur katholischen Religion übertrat, war ein bekannter Hellenist, dessen Werke in der französischen Gelehrtenwelt sehr geschätzt wurden. Er schrieb auch über Bibelkritik. In Frankreich ahnen wohl die wenigsten noch, dass die Familie Eichthal, von der ein Zweig schon seit hundert Jahren im Besitze des französischen Bürgerrechts ist, von den Ufern der Isar nach denen der Seine gelangte. Denn in München stand die Wiege dieses Geschlechts, dessen Name ursprünglich 'Seligmann' lautete. Aron Elias Seligmann, ein außerordentlich gewandter Finanzmann, war der Hofbankier des Königs Max Joseph von Bayern und, da er sich des Vertrauens des Königs in fast unbegrenztem Maße erfreute, einer der angesehensten Männer im Lande. Im Jahre 1814 verlieh der König ihm den Adel und Freiherrenstand, indem er zugleich seinen Namen Seligmann in 'Eichthal' verwandelte und ihm das Wappen der alten erloschenen Familie von Thalmann erteilte. Ob er selbst oder erst seine Söhne zum Christentum übertragen, wissen wir nicht. Von den Söhnen dieses ersten Freiherrn von Eichthal begründete der älteste, Ludwig, in Paris das Bankhaus 'Louis d'Eichthal', während ein Jüngerer, Simon mit Vornamen, der Schöpfer und erste Direktor der bayerischen Hypotheken- und Wechselbank wurde. Von ihm stammt die noch in Bayern blühende Nachkommenschaft des Hofbankiers, die mit den vornehmsten Familien des süddeutschen Adels verwandt und verschwägert und sogar mit dem Hause Wittelsbach dadurch in Blutsverwandtschaft getreten ist, dass der derzeitige Familienchef, der kaiserliche Legationssekretär a.D., Freiherr Karl von Eichthal, mit einer Gräfin von Oetting und Fünfstetten verheiratet ist, - die Grafen Otting, die früher Freiherrn von Schönfeld hießen, stammen in direkter Linie von dem Pfalzgrafen Friedrich Michael von Zweibrücken, dem Vater des Königs Max Joseph. Erwähnt sei noch, dass zwei der hervorragendsten Münchener Maler, die Professoren Leo Samberger und Albert von Keller, jeder mit einer Freiin von Eichthal vermählt sind. Albert von Keller hat die schönen Züge seiner Gemahlin, die zu den gefeiertsten Erscheinungen der Münchener Gesellschaft gehört, auf manchem Bilde festgehalten, und eins ihrer Porträts ist auch in der Münchener Neuen Pinakothek, für die der Staat es erwarb, zu erblicken."        

   
Über den Hofbankier Aaron Elias Seeligmann (Artikel von 1931)   

Leimen BayrGZ 15101931.jpg (169973 Byte)Artikel in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 15. Oktober 1931: "Unter den jüdischen Heereslieferanten und Anleihenegozianten Bayerns nimmt der Hofbankier Aaron Elias Seeligmann eine ganz überragende Stellung ein. Er stammte aus Leimen bei Heidelberg, wo er 1779 eine Tabakfabrik gründete. Seeligmann war bereits kurpfälzischer Hoffaktor, als er 1786 zum K. und K. Hof- und Kammeragenten ernannt wurde wegen seiner Verdienste als Lieferant an die kaiserlichen Truppen in den Niederlanden. Als Verpflegungsadmoniateur der bayerischen Armee errang er im Jahr 1800 eine Monopolstellung, nachdem er die übrigen Lebensmittellieferanten in den vorhergegangenen Jahren verdrängt hatte. Im Jahre 1802 gewährte Seeligmann dem bayerischen Staat eine 3 Millionen-Gulden-Anleihe zu 6 % Zinsen gegen Verpfändung der Steuereinnahmen, 1804 eine 500.000 Gulden-Anleihe zu 5 % und 1909 eine 4 Millionen-Anleihe zu 5 % gegen Verpfändung der Zolleinnahmen. Im Jahre 1804 wurde dem Hofbankier A. E. Seeligmann das Rechnungswesen des 'Ministerialauswärtigen Departements' übertragen. Der Hofbankier hatte die Gehaltsauszahlungen an die Beamten des auswärtigen Dienste in München und im Ausland vorzunehmen. Insoweit nicht jeweils im gleichen Monat der Rückersatz durch die Staatskasse geleistet wurde, erhielt Seeligmann eine Zinsvergütung. Da die Bezahlung der Staatsbeamten viele Jahre hindurch großen Unregelmäßigkeiten ausgesetzt war, so wurde wenigstens dem bayerischen Gesandtschaftspersonal im Ausland die Gehaltszahlung durch den Hofbankier gesichert. Auch für den sonstigen Geldbedarf des auswärtigen Dienstes, für Geschenke, Reisekosten und dergleichen hatte Seeligmann die Mittel bereitzustellen. Neben der Finanzierung des diplomatischen Dienstes leistete der Hofbankier fortwährend Vorschüsse an den immer geldbedürftigen bayerischen König Max I.  So gewährte Seeligmann der königlichen Kabinettskasse vom 22. Februar 1809 bis 10. Februar 1810 nicht weniger wie 12 Vorschüsse, welche zusammen 253.224 Gulden ausmachten. Seeligmann erfreute sich des vollsten Vortrauens und der besonderen Gunst seines Königs, der ihm am 22. September 1814 den Adel als Freiherr von 'Eichthal' verlieh."

  
Grabstein von Aron Seligmann aus Leimen im Friedhof Wiesloch (Artikel von 1900)  

Wiesloch Israelit 23081900.jpg (138853 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. August 1900:  
"Mitteilung von Rabbiner Dr. Ackermann in Brandenburg a.H.  Der Herausgeber dieser Blätter führt in seiner Geschichte der Juden in der Kurplatz (S. 220) den um die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts als 'Obergeldeinnehmer' der Landjudenschaft in Leimen lebenden Aron Seligmann an. Leimen, ein kleiner, ehemals als Rabbinatssitz bedeutsamer Ort bei Heidelberg, brachte und bringt heute noch seine Toten auf den bald 300 Jahre alten Friedhof zu Wiesloch. Auch Aron Seligmann ist in Wiesloch begraben und ich gebe im Folgenden seine Grabschrift wieder. Dieselbe, auf einem großen, vorzüglich erhaltenen Steine befindlich, bestätigt das ungeheure Ansehen, welches Aron Seligmann genoss, seine Frömmigkeit, seine Wohltätigkeit, und gibt auch Kunde von der großen Stiftung, die der bedeutende Mann zu frommen Zwecken hinterlassen hat und von der ich selbst während meiner Studienzeit durch mehrere Jahre hindurch die Zinsen genossen habe. Die Grabschrift lautet: 
Zum Lesen der hebräischen Inschrift bitte Textabbildung anklicken. 

        
Jüdischer Gefallener des Krieges 1870/71 aus Leimen    

Leimen AZJ 06091895.jpg (70117 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. September 1895: "Zur Vervollständigung Ihrer Mitteilungen über die Teilnahme jüdischer Soldaten an dem Kriege von 1870 und zur Charakteristik der nichtswürdigen Ausfülle, welche von antisemitischer Seite gegen die jüdischen Soldaten in Baden jüngst gewagt wurden, teile ich Ihnen mit, dass in einer Woche drei badische Soldaten jüdischen Glaubens allein vor Straßburg den Tod fürs Vaterland erlitten haben: Hirsch aus Ladenburg, Jacobi aus Leimen und Joseph aus Mannheim. Die Leiche des Letztgenannten wurde im September 1870 nach Mannheim gebracht, woselbst sie mit militärischen Ehren bestattet wurde. Heidelberg, im September (1895). J.S."  

    
    
    
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge      
   
Das jüdische Wohngebiet konzentrierte sich im 18./19. Jahrhundert vermutlich auf heutige Hessengasse, woher die zeitweilige Bezeichnung dieser Straße als "Judengasse" herkommen wird. 
      
Die Gemeinde unterhielt eine Synagoge am Marktplatz. Es ist nicht bekannt, wann sie erbaut worden ist. Sie war – durch Stiftungen der Familie Seligmann – gut ausgestattet. Nach den Listen der Feuerversicherung im Gemeindearchiv Leimen waren 1847 zehn, 1858 noch acht Torarollen vorhanden. Nach Auflösung der Gemeinde wurde das Synagogengebäude 1905 für 8.000 Mark an die politische Gemeinde verkauft. Laut den Gemeinderatsprotokollen von Leimen wurde die Synagoge nach dem 27. Oktober 1905 und vor dem 21. November 1905 abgebrochen, um Raum für einen Marktplatz zu erhalten. Der Almemor der Synagoge Leimen, der von der Familie Seligmann gestiftet worden war, befand sich nach dem Wegzug der Familie von Leimen im Museum für jüdische Altertümer in Frankfurt am Main (1938 zerstört). Der Beschneidungsstuhl der Leimener Synagoge befand sich später in der Heidelberger Synagoge. 
  
  
  
Fotos / Plan
(erhalten von Manfred Fuchs, Leimen)  

Lageplan mit Eintragung 
der Synagoge 
Leimen Plan 010.jpg (76692 Byte) Leimen Plan 011.jpg (49457 Byte)
  Lageplan: Synagoge in Leimen (dunkel eingetragenes Gebäude links der Ziffer 122) mit
 Umgebung: auf Grund des Planes lässt sich die Größe des Synagogengebäudes angeben: 
8,25 m Breite und 14 m Länge; das heutige Gasthaus "Zur Krone" hat die Nummer 125. 
Rechts: Ausschnittvergrößerung des Planes.
   
Der Rest des Synagogengebäude 
bei den Abbrucharbeiten 1905 
Leimen Synagoge 241.jpg (80157 Byte) Leimen Synagoge 242.jpg (67864 Byte)
  Von der Synagoge ist nur ein Steinhaufen
 geblieben (querstehendes Gebäude: heute
 Gasthaus "Zur Krone", oben Nr. 125)
Ausschnitt aus Foto links. Der Mauerrest mit
 Eingang stammt von dem östlich zur Synagoge
 gehörenden Ökonomiegebäude (Nr. 122).
     
Das Synagogengrundstück heute 
(Parkplatz vor dem Gasthaus "Zur Krone")
Leimen Synagoge 240.jpg (68592 Byte)
     Das Gebäude des heutigen Gasthauses "Zur Krone" wurde nach dem Abbruch der ehemaligen
 Synagoge und dem weiteren, oben noch zu sehenden Gebäude neu gestaltet. 
   
   
     

 Das von Aron Elias Seligmann, Freiherr von Eichthal 1792 erbaute Palais, heute Rathaus der Stadt Leimen   
(von Adolf von Oechelhäuser [Kunstdenkmäler des Großherzogtums Baden Bd 8,2 Tübingen 1913 S. 540] als "die größte Zierde des Ortes"
 bezeichnet; ausführlich mit dem Palais beschäftigt sich der unter der Lit. genannte Beitrag von Anette Weber)  

Leimen Rathaus 045.jpg (86390 Byte) Leimen Rathaus 047.jpg (78163 Byte) Leimen Rathaus 048.jpg (76133 Byte)
Blick auf das heutige Rathaus Haupteingang  
     
     
Andernorts entdeckt   Sinsheim Friedhof 20120326.jpg (198299 Byte)  
  Grabstein für Zacharias Auerbach 
von Leimen (1822-1907) 
im jüdischen Friedhof in Sinsheim  
 
     

  
  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

Juni 2010: Schülerinnen auf Spurensuche   
Artikel von Werner Popanda in der "Rhein-Neckar-Zeitung" vom 22. Juni 2010 (Artikel): 
"Drei Schülerinnen erinnern an das Schicksal der Juden in Leimen. 
Leimen. Bis zum 22. Oktober 1940 lebten Karoline und Selma Bierig sowie das Ehepaar Karoline und Hugo Mayer gemeinsam in der Rohrbacher Straße 2 in Leimen. An diesem Dienstag stand frühmorgens aber plötzlich die Staatsgewalt vor ihrer Haustür..." 
  
Juli 2010: Sollen in Leimen "Stolpersteine" verlegt werden?   
Artikel in der "Rhein-Neckar-Zeitung" vom 8. Juli 2010 (Artikel): "Stolpersteine für Leimen?
Leimen
. (fre) Wie hält es die Große Kreisstadt mit "Stolpersteinen"? Ist sie bereit, die Leimener Holocaust-Opfer mit derartigen Erinnerungssteinen zu ehren?..."  
    
Oktober 2010: Gedenken zum 70. Jahrestag der Deportation nach Gurs - 
Aufstellung eines Gedenksteines in der Gedenkstätte Neckarzimmern
 
Leimen Mahnmahl 150.jpg (122037 Byte)Bericht von Martin Delfosse (aus der Website der Geschwister-Scholl-Schule St. Ilgen, Grund- und Werkrealschule, Bericht):
"70.Jahrestag der Deportation badischer Juden. Am 22.Oktober 1940 wurden nahezu sämtliche Juden Badens, der Pfalz und des Saarlandes aus ihrer Heimat herausgerissen und in das südfranzösische Lager Gurs verschleppt. Aus Anlass des 70.Jahrestages dieser Deportation läuten am 22.Oktober um 11 Uhr die Totenglocken zum Gedenken an die Opfer dieser Gewalttat.
Auch aus Leimen wurden damals vier jüdische Mitbürger deportiert. Am Sonntag, den 17.Oktober 2010 haben die Schülerinnen Katharina Belman, Anastasia Gammermajster und Sabina Kinderknecht von der GSS-St.Ilgen im Rahmen einer Gedenkfeier auf der zentralen Gedenkstätte in Neckarzimmern an diese vier jüdischen Mitbürger aus Leimen erinnert, indem sie den von ihnen gestalteten Gedenkstein vorgestellt haben.
Auf der Gedenkfeier sprachen unter anderem auch der Landesrabbiner Benjamin David Soussan und Kurt Maier, ein Überlebender der Deportation vom 22.Oktober 1940, der als zehnjähriger Junge verschleppt worden war. In seiner Ansprache ging Kurt Maier auf die Bedeutung des Ökumenischen Mahnmal-Projektes ein: 'Die jungen Menschen aus Baden haben sich mit ihren Gedenksteinen selber in den Kreis der Erinnerungen eingereiht. Später werden sie ihren Kindern davon erzählen, was sie in ihren Nachforschungen erfahren und erlebt haben. Auf diese Weise entsteht ein Mahnmal, das Zeit und Stein überdauern wird….Erweisen wir unseren Respekt den jungen Menschen, die uns vor Augen führen, dass Erinnern Heilen bedeutet.
Nachstehend können Sie die Worte der drei Schülerinnen zum Gedenken an die verschleppten Juden Leimens nachlesen: 
"Mit diesem Stein wollen wir der vier jüdischen Mitbürger gedenken, die am 22. Oktober 1940 aus Leimen verschleppt wurden. Ihre Namen sind: Herr Hugo Mayer und seine Frau Karolina Mayer, geborene Bierig. Frau Karoline Bierig und ihre Tochter Selma Bierig. Alle vier wohnten damals im Haus von Hugo Mayer in der Rohrbacherstr. 2 in Leimen. 
Wir haben den Gedenkstein in Form einer Kerze gestaltet. Die Kerze und ihre Flamme stehen für die Hoffnung. In den Briefen von Hugo und Karolina Mayer aus den Lagern Gurs und Noe kommt nämlich neben ihrer Not immer auch eine hoffnungsvolle Grundstimmung zum Ausdruck.
Die letzten Zeilen, die uns von Hugo Mayer in einem Brief vom 30.März 1941 erhalten sind, lauten: 'Meine große Freude ist es nur, von euch zu erfahren, dass es Euch allen gut geht, gesund und munter seid, gut zusammen auskommt und mein einziger Wunsch ist nur, Euch allen liebe Kinder gesund zu treffen, zu sehen, zu sprechen … wenn es Gott will, so wird es noch in Erfüllung kommen.' Hugo Mayer starb zu Beginn des Jahres 1942, er wurde 78 Jahre alt.
Die letzten Zeilen, die uns von Karolina Mayer in einem Brief vom 9.September 1942 erhalten sind, lauten: 'Hoffe doch, dass es Euch gut geht und Ihr glücklich und zufrieden miteinander seid. Mir selbst geht es gesundheitlich gut. Glaube nun ziemlich sicher, dass ich nun vorerst hier bleiben kann. … So Gott will wird das neue Jahr zum Frieden führen und seid für heute noch herzlich gegrüßt und geküsst von Eurer Mutter.' Karolina Mayer wurde bald darauf von Noe nach Auschwitz verschleppt und wurde dort ermordet. Sie wurde 63 Jahre alt.
Über das Schicksal von Karoline und Selma Bierig konnten wir nichts herausfinden. Beide gelten nach der Deportation als verschollen. Die vier Wachstropfen des Gedenksteines stehen für die vier Verschleppten und dafür, dass ihre Hoffnung leider zerronnen ist.
Auf der Rückseite des Steines haben wir das Bild einer Weinrebe in den Stein eingraviert. Die Weinrebe ist einerseits ein Symbol für die Weinstadt Leimen, andererseits ist der gebrochene Zweig der Weinrebe ein Symbol für die damalige Ausgrenzung der Juden in Leimen. Denn in einem Brief aus Leimen vom 2.Januar 1939 schreibt der Sohn von Hugo Mayer: 'Heute war ich mit Vater im Garten, um unsere Rebstöcke abzuschneiden, die jetzt nicht mehr angebaut werden dürfen.'
Im Alten Testament wird im Psalm 80 das Volk Israel als der Weinstock Gottes verstanden, dessen Reben abgeschnitten und zerstört worden sind. Insofern kann das Bild der gebrochenen Weinrebe auch als ein symbolischer Ausdruck für den Holocaust verstanden werden. Im Zentrum unserer Gestaltung des Steines stehen aber die Kerze und das Licht. Möge dieser Gedenkstein ein Zeichen der Hoffnung sein, dass Juden und Christen zu einem neuen geschwisterlichen Miteinander finden."  
 
Leimen Mahnmal E119.jpg (55794 Byte) Leimen Mahnmal E120.jpg (60092 Byte) Leimen Mahnmal E121.jpg (91871 Byte)  
Oben: drei Fotos aus der Bildergalerie zur Entstehung und Präsentation des Gedenksteines in Neckarzimmern 
in der Website der Geschwister-Scholl-Schule. 
Zu einer weiteren Seite in der Website der Geschwister-Scholl-Schule zur Entstehung des Gedenksteines.         
     
Frühjahr 2011: Anfertigung des zweiten Gedenksteines für Leimen  
     Leimen Gedenkstein 193.jpg (79111 Byte) Leimen Gedenkstein 190.jpg (70686 Byte) Leimen Gedenkstein 191.jpg (69114 Byte) Leimen Gedenkstein 192.jpg (68731 Byte)
Oben: weitere Fotos von der Anfertigung des zweiten Gedenksteines für Leimen  
Dazu ein Bericht vom 30. Mai 2011 in der Website der Geschwister-Scholl-Schule: "Mahnmal-Projekt Leimen erhielt Besuch aus New York" 
 
Weitere Berichte siehe die Website www.mahnmal-projekt-leimen.de    

 
Hinweis:  

Leimen gedenkstein.gif (31927 Byte) In der Website "Mahnmal-Projekt-Leimen"  (www.mahnmal-projekt-leimen.de)" gibt es ausführliche Berichte, Dokumente und weiteren Informationen zur Geschichte der jüdischen Familien in Leimen. 

Die Einweihung des Mahnmals zur Erinnerung an die aus Leimen deportierten Juden fand im Rahmen einer Gedenkfeier zur Reichspogromnacht am 9. November 2013 um 15 Uhr im Foyer des Rathauses (Seligmannpalais, Rathausstr. 8, 69181 Leimen) statt.

Berichte zum Leimener Mahnmal-Projekt siehe http://www.mahnmal-projekt-leimen.de/bericht-13.01.26.html und
http://www.mahnmal-projekt-leimen.de/bericht-13.03.26.html
 

   
     

Links und Literatur

Links: 

Website der Stadt Leimen mit verschiedenen Beiträgen zur Stadtgeschichte, u.a. zur Familie Seeligmann  
Website www.mahnmal-projekt-leimen.de   
Wikipedia-Artikel zu Aron Elias Seligmann   

Literatur:  

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 218-219.  
Heinrich Schnee: Die Familie Seligmann-Eichthal als Hoffinanziers an den süddeutschen Fürstenhöfen, in: Zeitschrift für bayrische Landesgeschichte 25 1962 S. 163-201.
Georg-Ludwig Menzer: Beiträge zur Ortsgeschichte von Leimen. 1949. 
Leopold Löwenstein: Geschichte der Juden in der Kurpfalz. 1895. S. 162. 
Annette Weber: Das Palais Seligmann in Leimen - oder wie man das Angenehme mit dem Nützlichen verbindet. In: Jüdisches Leben in Baden 1809 bis 2009. 200 Jahre Oberrat der Israeliten Badens. Ostfildern 2009. S. 57-63 (mit zahlreichen weiteren Literaturangaben in den Anmerkungen).  

   
   


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel. 

Leimen  Baden.  Jews settled in the early 18th century and numbered 82 in 1780, with the community ceasing to exist in 1905. the Seligman family of Court Jews lived there in the 18th century. The five Jews in Leimen in 1933 were affiliated with the Nussloch congregation.   
  
     

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 30. August 2015