Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Luckenwalde (Kreisstadt, Kreis Teltow-Fläming) 
Jüdischer Friedhof

Übersicht:

Zur Geschichte des Friedhofes  
Liste der auf dem Friedhof bisher bekannten beigesetzten Personen      
Lage des Friedhofes     
Fotos  
Die Gedenkstunde am 21. September 2006   
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte des Friedhofes  

Die Toten der jüdischen Gemeinde Luckenwalde wurden zunächst in Beelitz beigesetzt. Ein eigener jüdischer Friedhof in Luckenwalde sollte bereits 1782 angelegt werden, als Levin Moses von dem Ratswagenmeister Benjamin Brumme ein Stücke Feld zur Anlage eines "Kirchhofes" erhielt. Auf diesem Grundstück fand jedoch aus unbekannten Gründen keine Beisetzung statt. Erst 1814 wurde von der jüdischen Gemeinde ein Grundstück zur Anlage eines Friedhofes erworben. Die erste Beisetzung fand 1818 statt. Die Friedhofsgröße umfasste zunächst 5,60 ar. Nach einer Vergrößerung 1891 hatte die jüdische Gemeinde insgesamt 56,11 ar erworben. Zunächst war der Friedhof nur provisorisch umzäunt, erst seit den 1860er Jahren umgab ihn eine Mauer. 1906 wurde die Mauer erweitert. 1914 wurde eine Friedhofshalle (Taharagebäude) erstellt. In der NS-Zeit wurde der Friedhof 1943 zerstört und abgeräumt. 
 
1949 ist das Friedhofsgrundstück in eine Gedenkstätte mit einem Gedenkstein umgewandelt worden, die sich in der Folgezeit freilich in teilweise völlig verwahrlostem Zustand befand. Nach 1979 wurde der Gedenkstein beseitigt. Seit 1988 ist der Friedhof als Gedenkstätte wieder hergerichtet worden. Dabei wurden drei Findlinge - einer mit Inschrift - aufgestellt. 
 
Die Stadt Luckenwalde ließ im Jahr 2006 - ausgeführt durch das Büro für Gartendenkmalpflege und Landschaftsarchitektur Dr. Jacobs & Hübinger (Berlin) -  den Friedhof nach halachischen Grundsätzen wieder soweit in Stand setzen, wie das nach den Zerstörungen der NS-Zeit noch möglich war. Der Friedhof wurde von Wildwuchs und Unrat (ohne Eingriffe in die Bodenoberfläche) abgeräumt und durch eine Zaunanlage mit Tor eingefriedet. Der Grundriss des schlichten Taharagebäudes wurde freigelegt und durch eine ca. 70 cm hohe Aufmauerung wieder sichtbar gemacht. Seitlich davon wurde eine Namenstafel aus Bronze - zwischen zwei Granitstelen gespannt - aufgestellt. Auf dieser sind die bisher bekannten Namen der auf dem Friedhof Beigesetzten aufgeführt. 

Am 21. September 2006 (28. Elul 5766), wurde im Rahmen einer Gedenkstunde der Abschluss der Arbeiten begangen. Kantor Issak Sheffer aus Berlin sang das El Male Rachamim. Dr. Peter Fischer vom Zentralrat, die Bürgermeisterin Herzog - von der Heide sowie ein Vertreter der Landesregierung waren anwesend. Erstmals seit der NS-Zeit und seit der Vernichtung der Luckenwalder Gemeinde wurde an diesem Friedhof wieder Kaddisch gesprochen.   
   
 
 
Liste der auf dem Friedhof bisher bekannten beigesetzten Personen
(zusammengestellt von Pfarrer Detlev Riemer, Luckenwalde):  

Bamberger, Heinrich  15.8.1843 - 8.6.1915   -   Bauchwitz, Abraham 5.12.1824 - 13.8.1893   -   Bauchwitz, Gustav 27.12.1861 - 18.5.1929   -   Bauchwitz, Hanna geb. Troppau 00.00.1798 - 17.8.1868   -   Bauchwitz, Ida geb. Wolfframm 11.2.1827 - 27.8.1904   -   Bauchwitz, Joachim (Michael) Aron 23.3.1804 (1802?) - 3.7.1877   -   *Bauchwitz, Siegmund 25.5.1863 - 9.8.1933   -   *Beer, Johannes Jacob Samuel gest. 27.4.1894   -   Bernhard, Erich 12.10.1885 - 5.8.1917   -   Bernhard, Louis 00.00.1850 - 25.9.1925   -   *Brill, Siegfried 19.9.- 12.10.1904   -   Chaim, Rosa geb. Persicaner 9.3.1865 - 30.5.1892   -   *Cohn, Hermann (Hirsch) 28.1.1864 - 13.4.1935   -   Cohn, Johanna (Anna) geb. Baerwald 15.9.1872 - 20.11.1922   -   *Cohn, Käthe geb. Friede 13.2.1880 - 10.6.1926   -   Dombrower, Hulda geb. Kaszynski (Kaszynska) 00.00.1861 - 9.5.1932   -   *Dombrower, Isaak 00.00.1859 - 8.6.1929   -   Draer, Margot 15.1.1922 - 25.2.1922   -   *Faß, Bertha geb. Lewysohn 00.00.1824 - 27.4.1893   -   Fraenkel, Marie geb. Milch 10.12.1823 - 9.10.1911   -   Friede, Adolf Aron 00.00.1862 - 9.3.1896   -   Friede, Rebekka geb. Frank 00.00.1853 - 5.9.1898   -   Friedlaender, Ernestine geb. Luboscher 6.2.1805 - 19.7.1888   -   Friedlaender, Friederike geb. Schönfeld 00.00.1823 - 30.12.1895   -   Friedlaender, Gabriel Itzig 8.3.1805 - 27.11.1862   -   Friedlaender, Isidor 17.4.1873 - 26.5.1873   -   Friedländer, Johanna geb. Joel gest. 15.8.1841   -   Friedlaender, Max Gabriel 18.12.1849 - 00.00.1851   -   Friedlaender, Nathan 12.5.1800 - 23.12.1880   -   Friedländer, Sara geb. Schönfeld gest. 24.2.1842   -   *Friedlaender, Simon Gabriel 9.1.1841 - 6.7.1841   -   Goldschmidt, Carl 20.11.1846 - 22.11.1911   -   Goldschmidt, Emil 00.00.1859 - 1.5.1930   -   Goldschmidt, Hans Joachim Paul, Dr. med. 7.9.1881 - 23.6.1912   -   Goldschmidt, Ida geb. Hamburger 4.2.1933 - 8.2.1933   -   Goldschmidt, Marie geb. Heymann 31.1.1859 - 22.10.1936   -   Goldschmidt, Paul (Heinrich Paul Meyer) 12.8.1885 - 7.4.1887   -   *Goldschmidt, Rosalie geb. Löwenberg 31.10.1823 - 17.6.1899   -   Graetzer, Gertrud 22.5.1900 - 2.6.1900   -   Guttfeld, Louise geb. Simonis 26.10.1870 - 6.4.1907   -   Heimann, Simon 00.00.1859 - 8.3.1881   -   Henschel, Henriette geb. Wolff 00.00.1768 - 15.10.1836   -   Henschel, Nathusius gest. 00.00.1823   -   *Heymann, Isidor 10.05.1875 - 17.11.1930   -   Heymann, Sophie geb. Friedlaender 18.1.1856 - 23.3.1922   -   Hirsch, Ida geb. Friedlaender 22.12.1853 - 30.1.1901   -   Hirsch, Julius 14.11.1851 - 17.3.1924   -   *Hirschberg, Alexander 09.06.1855 - 12.10.1935   -   Hirschberg, Gertrud 27.03.1891 - 3.2.1906   -   *Hirschberg, Jenny geb. Brieger 02.10.1855 - 25.08.1935   -   *Hirschberg, Moritz (Moses) 31.12.1830 - 7.9.1876   -   Kahn, Max 23.1.1889 - 1.2.1902   -   Kahn, Ralph Raphael Abraham 15.5.1897 - 19.1.1898   -   Klemann, Friedemann 2.9.1843 - 9.6.1895   -   Landsberger, Robert 11.9.1892 - 16.2.1920   -   Löwenstein (Levinstein), Friederike geb. Hirsch gest. 00.00.1840   -   Löwenstein (Levinstein), Isaac 00.00.1756 - 22.8.1818   -   Lewin, Paul 26.3.1879 - 20.12.1886   -   Marcus, Johanna geb. Goldschmidt 30.4.1831 (1832?) - 25.10.1883   -   Marcus, Moritz 8.10.1823 - 25.12.1892   -   Marcus, Nathan 15.3.1857 - 15.2.1914   -   Meyer, Rosalie 1.2.1851 - 00.00.1854   -   Meyer, Selig 16.7.1810 - 1.6.1871   -   Pariser, Bertha geb. Mende 26.3.1821 - 19.12.1904   -   *Pariser, Elise geb. Mende 00.00.1859 - 28.12.1931   -   Pariser, Ernst, Dr. 4.1.1883 - 23.8.1915   -  Pariser, Hanna Elfriede (Elly) 21.12.1880 - 6.2.1905   -   *Pariser, Hans Heinrich 26.3.1882 - 31.7.1915   -   Pariser, Heinrich (Heymann) 15.10.1808 - 19.10.1878   -   Pergament, Ernestine 18.5.1853 - 3.4.1854   -   Pergament, Selig Hirsch 26.9.1818 (1815?) - 19.7.1861   -   Pergament, Sophie 8.7.1854 - 15.1.1860   -   *Rosenthal, Eugen 14.1.1885 - 27.3.1938   -   Reich, Leona geb. Wollmann 15.12.1871 - 26.11.1921   -   Rosenthal, Julius 22.8.1855 - 8.1.1924   -   * Sander, Grethe 29.5.1888 - 29.4.1933   -   *Sander, Salomon (Salo) 17.9.1866 - 13.2.1934   -   Schächter, Charlotte 00.06.1912 - 1.6.1913   -   *Schächter, Elias 30.8.1913 - 26.3.1914   -   Schneider, Friedrich 21.1.1855 - 26.4.1932   -   Schönfeld, Johanna geb. Elias 6.8.1792 - 23.2.1873   -   Simon, Anna 28.3.1849 - 10.3.1884   -   *Sommerfeld, Franz 00.00.1860 - 23.12.1933   -   *Spitz, Gertrud 20.3.1884 - 13.3.1890   -   *Spitz, Jacob 21.3.1847 - 17.9.1936   -   Stahl, Günther 28.7.1922 - 16.12.1922   -   *Stahl, Ingeburg Elfriede 11.6.1925 - 2.8.1925 in Luckenwalde   -   Steinberg, Amalie geb. Marcus 16.2.1855 - 2.3.1880   -   Steinberg, Willy 17.6.1879 - 3.9.1883   -   Stern, Bendix 00.00.1833 - 12.12.1892   -   Stern, Rosalie geb. Meyer 9.2.1833 - 11.6.1910   -   Walder, Johanna geb. Bertram 24.10.1807 - 19.6.1833   -   Wolff, Moritz
13.2.1791 - 22.2.1871   -   Wolff, Philippine geb. Nathusius 20.1.1801 - 28.2.1879.  

    
Lage des Friedhofes:     Der Friedhof liegt am Grünen Weg.

Lage des jüdischen Friedhofes in Luckenwalde auf dem dortigen Stadtplan: links anklicken und über das Verzeichnis der "Behörden und öffentl. Einrichtungen" zu "Friedhof, jüd., Grüner Weg". 

    
  
Fotos
 
(Fotos erhalten von Joachim Jacobs, Berlin; Aufnahmedatum der Fotos in der unteren Zeile 13.09.2006)

Fundamente des Tahara-Gebäudes   Luckenwalde Friedhof 040.jpg (88703 Byte)
        
        
Luckenwalde Friedhof 052.jpg (106507 Byte) Luckenwalde Friedhof 050.jpg (119223 Byte) Luckenwalde Friedhof 051.jpg (91328 Byte)
Blick auf das Friedhofsgrundstück mit der Namenstafel aus Bronze im Bereich des früheren Taharagebäudes, dessen Standort durch die Aufmauerung wieder sichtbar gemacht wurde.

  
Die Gedenkstunde am 21. September 2006 

Fotos und Bericht zur Feierstunde (Quelle: Website der Stadt Luckenwalde) Luckenwalde Friedhof 041.jpg (34774 Byte) Luckenwalde Friedhof 042.jpg (46236 Byte)
Feierstunde anlässlich der Instandsetzung des Jüdischen Friedhofes Luckenwalde am 21. September 2006 - 28. Elul 5766 
   
Mit dieser Feierstunde fand die Instandsetzung des während der NS-Zeit geschändeten Jüdischen Friedhofs unserer Stadt an der Straße "Grüner Weg" seinen würdigen Abschluss. Die Instandsetzung wurde in enger Abstimmung mit dem Landesrabbinat Brandenburg und dem Zentralrat der Juden in Deutschland, entsprechend jüdischem Religionsgesetz unternommen. Dabei erhielt er wieder eine Umfriedung und die Namen der Bestatteten wurden - da keine Grabsteine mehr vorhanden sind - auf einer neu geschaffenen Namenstafel verzeichnet. Gleichzeitig konnten die Grundmauern des zerstörten Friedhofgebäudes freigelegt und wieder sichtbar gemacht werden. Auch erfolgte der Einbau eines Fußbodens. Das Areal wurde beräumt und überwiegend als Rasenfläche gestaltet. Die vorhandene Feldsteingruppe wurde wieder errichtet. Die Feierstunde wurde mit dem Gebet Schuwi nafschi von Oberkantor Isaak Sheffer, Jüdische Gemeinde zu Berlin, eröffnet. Bürgermeisterin Elisabeth Herzog-von der Heide ging in ihrer Ansprache auf die Bedeutung dieses Ortes ein. Dabei hob sie hervor, " dieser Platz ist keine Holocaust-Gedenkstätte. Dieser Platz ist auch keine ehemalige jüdische Bestattungsstätte, sondern dieser Platz ist nach wie vor der jüdische Friedhof Luckenwaldes."
"Auf den ersten Blick scheint es, als wäre das Anliegen der nationalsozialistischen Ideologie und ihrer Vollstrecker am Orte aufgegangen: Nicht nur die Vertreibung und Vernichtung jüdischen Lebens ist vollzogen, sondern beinahe auch die Tilgung aus dem kollektiven Gedächtnis, welche Anteile jüdische Bürger an der Entwicklung dieser Stadt haben." Das politische System der DDR zeigte wenig Interesse am Gedenken an den Anteil der jüdischen Mitbürger an der Geschichte Luckenwaldes und auch im Stadtbild gibt es kaum noch Anhaltspunkte für dieses Wirken. Aber an vielen Beispielen und Aktivitäten wird die "enge Verflechtung zwischen Pelikan und Davidstern" deutlich: 
· Pfarrer Detlev Riemer spürte Spuren jüdischer Bürger Luckenwaldes auf
· "Wiederentdeckung" der Hachscharah im nahen Ahrensdorf durch Dr. Herbert Fiedler und seine Frau Ruth
· Würdigung des Wirkens der Luckenwalder Widerstandsgruppe "Gesellschaft für Frieden und Aufbau"
· Ernennung Prof. Dr. Hans Freudenthals zum Ehrenbürger
· Anbringen einer Erinnerungsplakette an seinem Geburtshaus, der ehemaligen jüdischen Synagoge
· die lebendige Schilderungen seiner Lebensgeschichte von Werner Goldstein
· neu gestaltete Ausstellung im Heimatmuseum würdigt auch Leistungen der jüdischen Mitbürger
· Gestaltung einer Anne-Frank-Ausstellung durch Schüler des Gymnasiums
· Richtfest und Wiederherstellung der ehemaligen "Mendelsohnhalle"
Sie dankte neben den genannten weiteren Sponsoren für ihre Muskel-, Geistes- und Finanzkraft: Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg (MWFK), Kulturstiftung Teltow-Fläming der Mittelbrandenburgischen Sparkasse in Potsdam, dem Südbrandenburgischen Abfallzweckverband, der Firmengruppe Rose aus Luckenwalde und dem Verein Luckenwalder Heimatfreunde e.V.
"An dieser Aufzählung können Sie ermessen, dass das Anliegen der Aufwertung dieser Stätte von vielen Menschen unterstützt worden ist. Mir gefällt, dass seine Fertigstellung durch eine Feierstunde gewürdigt wird, in der nicht über jüdischen Glauben philosophiert wird, sondern in der jüdischer Glaube praktiziert wird. Dadurch wird deutlich, dass mit der Zerschlagung der jüdischen Gemeinde vor 68 Jahren nicht das letzte Wort gesprochen wurde. Es wird aber auch deutlich, dass dieser Friedhof nicht ein Relikt der Geschichte ist, sondern ein sehr gegenständlicher Teil der real existierenden Gegenwart der Stadt Luckenwalde. 
Dr. Peter Fischer vom Zentralrat der Juden in Deutschland war "dankbar für den Weg, der zur Wiedererrichtung geführt hat. Die Leere (des Friedhofes) ist bewusst sichtbar, aber die (zahlreiche) Anwesenheit beweist etwas anderes" Er ging auf die Problematik Juden, Judentum, Friedhof in ihren vielen Facetten im Sinne eines Fragestellens ein, " viele Fragen stellen sich immer wieder. An jedem Ort in Deutschland kann man sich (diesen) Fragen nicht entziehen. Sie sind Ausdruck einer Anforderung: "Suche den Frieden und jage ihm nach (Buch Hiob)".
Herr Hajo Cornel, Abteilungsleiter Kultur im MWFK, würdigte die zentrale Bedeutung dieser Stätte: "Wir sind heute hier zusammen gekommen, um derer zu gedenken, die auf diesem Friedhof begraben sind. Wir tun es in dem Bewusstsein, dass nahezu 70 Jahre vergangen sind, seit Bürger jüdischen Glaubens hier in Luckenwalde gelebt und gearbeitet haben. Sie haben die Geschicke der Stadt mitgeprägt. Aber mit dem Beginn der Naziherrschaft wurden sie systematisch vertrieben - manche ins Exil, die meisten in den Tod in den Gaskammern.
Das einzige, das von ihnen blieb, ist dieser Gedenkstein, dieses Gräberfeld. Beides ruft uns die Namen der Verstorbenen in Erinnerung. Beides entreißt sie dem Vergessen und gibt den Nachgeborenen die Chance, uns ihrer Namen und Schicksale zu erinnern."
Dr. Joachim G. Jacobs, Landschaftsarchitekt Berlin schilderte die Entwicklung der Instandsetzung des jüdischen Friedhofes - dem "Haus des Lebens" oder "Der gute Ort".
Wieder sichtbar geworden sind die Fundamente des Friedhofsgebäudes, des wichtigsten Bau's neben der Synagoge. Vorgesehen ist die teilweise Errichtung der Friedhofsmauer.
"Wichtiger als das Haus des Lebens sind lebende Häuser", denn deren Bewohner tragen das Erinnern.
Ihren feierlichen Abschluss fand diese würdige und dem Anlass gerecht werdende Feierstunde mit den Gebeten El male rachamim und Kaddisch . Im Anschluss hielt Pfarrer Detlef Riemer, Evangelische Kirchengemeinde Luckenwalde, im Rathaus einen Vortrag. 
      
Ansprache von Dr. Joachim Jacobs anlässlich der Feierstunde zur Sanierung des Jüdischen Friedhofs von Luckenwalde am 21. September 2006:
  
Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin, sehr geehrter Herr Rabbiner, sehr geehrte Damen und Herren, 
als die Stadt Luckenwalde im Herbst des vergangenen Jahres mit den Sanierungsarbeiten hier auf diesem Grundstück am Grünen Weg begann, erinnerte lediglich ein Gedenkstein an die Tatsache, dass dies hier ein Beth Hachaim, - ein ‚Haus des Lebens‘, - ein jüdischer Friedhof ist. Nach jüdischem Religionsgesetz – der Halacha - haben Bestattete ewiges Ruherecht, das heißt, Grabstellen werden nicht nach einer gewissen Zeit neu belegt. Da die Gräber hier an diesem Ort erhalten sind, war die Konsequenz daraus: 
Der Friedhof muss entsprechend der Halacha in Stand gesetzt werden. In Abstimmung mit dem Landesrabbiner und dem Zentralrat der Juden begannen die Arbeiten. Zunächst wurde behutsam, ohne dass Gräber beschädigt werden konnten, der Wildwuchs und die Müllablagerungen von Jahrzehnten entfernt. Die beiden Linden der Vorkriegszeit, unter denen wir jetzt stehen, wurden dabei freigestellt. Leider konnten bei den Arbeiten nirgendwo Grabsteine gefunden werden. Diese waren während der NS-Zeit von einem örtlichen Steinmetz entfernt und ‚wiederverwendet’ worden. Lediglich ein kleines Bruchstück wurde gefunden und gesichert.
Nach den Abräumarbeiten wurden die historischen Grenzen des Friedhofs neu eingemessen. Entlang der den Wegen zugewandten Seiten konnten danach bei Grabungen die Reste der historischen Friedhofsmauer aufgefunden werden. Es ist beabsichtigt, diese in nächster Zeit an einigen Stellen aufzumauern und so andeutungsweise wieder sichtbar zu machen. Auch die Grundmauern des Friedhofsgebäudes konnten wieder gefunden werden. Dieser Bau wurde auch zur Tahara – zur rituellen Vorbereitung der Leichen für die Beisetzung - genutzt. Die Grundmauern wurden 60 cm hoch wieder aufgemauert und der Boden wurde mit Fliesen analog zu den in Resten aufgefundenen originalen Fliesen befestigt. Die so angedeutete Kubatur des Baus erinnert nunmehr als Leerstelle an den neben der Synagoge wichtigsten Bau der früheren Luckenwalder Judenschaft. Ebenfalls entsprechend der Halacha wurde der Friedhof mit einem Zaun und einem Tor eingefriedet. Dank der Recherchen Pfarrer Riemers konnten die Namen der hier Bestatteten ermittelt werden. Diese wurden auf einer neu geschaffenen Namenstafel verzeichnet. Aufgestellt zwischen zwei Granitstelen dient sie als Ersatz für die verlorenen Grabsteine. Die hier Bestatteten haben so ihren Stein und Namen zurückbekommen. Nach Schändung und nach Jahrzehnten der Vernachlässigung ist der ‚Gute Ort’ von Luckenwalde nun wieder in Stand gesetzt. Wir werden heute diese Feierstunde beenden mit dem Kaddischgebet, das in dieser Version als Totengebet im Angedenken an Verstorbene gesagt wird. Wahrscheinlich ist es das erste Mal seit der Shoa, dass in Luckenwalde wieder ein Minjan - das hierfür notwendige Chorum von zehn jüdischen Männern - zusammenkommt, um dieses Gebet zu sagen. Hier mein herzlicher Dank an Kantor Sheffer und die Minjanmänner für ihr Kommen. Dies ist ein gutes Zeichen, und vielleicht kann man hoffen, dass es irgendwann auch wieder eine jüdische Gemeinde in Luckenwalde geben wird. Denn noch wichtiger als ‚Häuser des Lebens’ sind ‚Häuser der Lebenden‘. 

       

      

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Luckenwalde   
Lage des Friedhofes: Direkter Link zum Stadtplan 

Literatur:  

Zeugnisse jüdischer Kultur. Erinnerungsstätten in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Projektleitung: Kathrin Wolff. Gesamtredaktion: Cordula Führer. Berlin 1992. S. 99.
Michael Brocke/Eckehart Ruthenberg/Kai Uwe Schulenburg: Stein und Name. Die jüdischen Friedhöfe in Ostdeutschland (Neue Bundesländer/DDR und Berlin). Berlin 1994. S. 478-482.      
Detlef Riemer: Jüdische Mitbürger in Luckenwalde. 1988.
ders.: Verzeichnis der Juden in Luckenwalde. 1991. 

      

                   
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Stand: 14. Juli 2008