Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Odernheim am Glan (VG Sobernheim, Kreis Bad Kreuznach) 
Jüdische Geschichte / Synagoge 
  (erstellt unter Mitarbeit von Andreas Ott, Odernheim) 

Übersicht:

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
bulletZur Geschichte der Synagoge   
bulletFotos / Darstellungen  
bulletLinks und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
   
In Odernheim am Glan bestand eine jüdische Gemeinde bis 1898. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 15./18. Jahrhunderts zurück. 1403 gestattete Ruprecht III. der Stadt Odernheim die Aufnahme von Juden. 1462 wird in einer Urkunde dem Juden Etzing gestattet, sich auf fünf Jahre in Odernheim niederzulassen und einen „Lehrmeister“ zu sich zu nehmen. 1538 wird in Odernheim Myer Judden genannt, 1679 Jud Josep, 1692 Meyer Jud.

1720 werden zwei jüdische Hausbesitzer am Ort genannt. 1766 wurden 40 jüdische Einwohner gezählt. 1768 waren bereits acht jüdische Familien am Ort mit insgesamt 48 Personen (Zahl von 1774, wobei es sich um sieben jüdische Männer, sechs Frauen, sechzehn Söhne, siebzehn Töchter, einen Knecht und eine Magd handelte). 1771 erreichte die Zahl jüdischer Einwohner ihren höchsten Stand, es wurden 50 Personen gezählt (6,8 % der Gesamteinwohnerschaft).

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl wie folgt: 1804 25 jüdische Einwohner 3,4 % der Gesamteinwohnerschaft, 1808 27, 1825 24 (2,2%) 1848 (in sieben Familien) 1875 18, 1898 drei jüdische Familien. 1900 waren nur noch sechs jüdische Einwohner in Odernheim am Glan.

1809/10 werden folgende Haushaltsvorstände genannt: David Jung (Viehhändler), Gotthard Jung (Viehhändler), Jacques Neu (Viehhändler), Joseph Neu (Viehhändler), Jacques Neuberg (Schrotthändler), David Stern (Viehhändler) und Jacques Stern ebenfalls Viehhändler.

An Einrichtungen bestand ab 1833 eine Synagoge (s.u.), im 18. Jahrhundert war ein judenschulmeister in Odernheim am Glan tätig, und möglicherweise ein rituelles Tauchbad. Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden in Meisenheim beigesetzt. Im 19. Jahrhundert und bis 1930 gingen die jüdischen Kinder aus Odernheim in Staudernheim zum Religionsunterricht, der von dem jüdischen Lehrer aus Sobernheim abgehalten wurde.

Nach Auflösung der jüdischen Gemeinde am 6. Oktober 1898 (Beschluss des Bezirksamtes Kirchheimbolanden) wurden die noch am Ort lebenden jüdischen Personen der israelischen Kultusgemeinde in Obermoschel nach langen Verhandlungen zugeteilt. Die jüdischen Einwohner Odernheims wollten eine Zuteilung zu der jüdischen Gemeinde Staudernheim erwirken, diesem Ersuchen wurde aber nicht stattgegeben. Die Zuteilung erfolgte nach Obermoschel, weil dort eine israelische Kultusgemeinde als Körperschaft des Öffentlichen Rechts existierte. Auch waren politische Gründe für die Entscheidung ausschlaggebend. Staudernheim lag in Preußen, Odernheim und Obermoschel lagen in Bayern. Trotz der offiziellen Zuteilung nach Obermoschel besuchten die jüdischen Einwohner Odernheims den Gottesdienst in der Synagoge in Staudernheim.
 
1924 wurden vier jüdische Familien in Odernheim am Glan gezählt. 1938 gab es noch eine jüdische Familie (Familie Ludwig Meyer und Anna Neu geb. Falkenberg) in Odernheim am Glan. Im Zuge der Bürckel-Aktion am 22. Oktober 1940 wurden die jüdischen Odernheimer Einwohner nach Gurs deportiert.
 
Von den in Odernheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Ludwig Maier (1906), Anna Neu geb. Falkenberg (1877), Paula Ochs geb. Scholem (1890), Emil Scholem (1875), Heinrich (Henri) Scholem (1885), Mathilde Strauß geb. Neu (1873).

(Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Hertha Maier geb. Neu (1907), Johanna Maier (1935), Ludwig Maier (1906), Anna Neu geb. Falkenberg (1877), Paula Ochs geb. Scholem (1890), Emil Scholem (1875), Heinrich (Henri) Scholem (1885), Mathilde Strauß geb. Neu (1873).   
Informationen zu den genannten Personen siehe Beitrag von Andreas Ott (unten im Literaturverzeichnis).      
   
   
  
 
Zur Geschichte der Synagoge         
   
Seit dem 18. Jahrhundert bestand eine Betstube in Odernheim, die sich in einem der jüdischen Häuser befand. 1824 wird eine Betstube in einem jüdischen Privathaus erwähnt, ohne Standortangabe.
 
1832 kaufte die jüdische Gemeinde Odernheim das Grundstück (No. 34) zur Errichtung einer Synagoge. Die Odernheimer Synagoge hatte eine Grundfläche von ca. 30 qm und war eingeschossig. Unter der Synagoge befand sich ein Keller, der aber nicht im Eigentum der jüdischen Kultusgemeinde war. Fotos des Gebäudes sind nicht vorhanden. Am 8. März 1898 ist das Synagogengebäude in Folge eines Scheunenbrandes in der direkten Nachbarschaft ausgebrannt. Dies nahm das Bezirksamt Kirchheimbolanden zum Anlass, dass sich die klein gewordene jüdische Gemeinde am Ort aufgelöst hat. Die Ruine des Gebäudes mit der Betstube wurde an einen Privatmann verkauft.
  
Nachdem im Nachbarort Staudernheim 1896 eine neue Synagoge eingeweiht worden war, besuchten die Odernheimer Juden möglicherweise - trotz der offiziellen Zuteilung nach Obermoschel - in der Folgezeit die Synagoge in Staudernheim.   
      
      
Adresse/Standort der Synagoge   Parzelle 34 Odernheim (mit Wohnhaus bebaut)    
    
    
Fotos     

Fotos zur jüdischen Geschichte in Odernheim sind noch nicht vorhanden; über Hinweise
oder Zusendungen freut sich der Webmaster der "Alemannia Judaica"; Adresse siehe Eingangsseite.   
 
     

    
    
Links und Literatur

Links: 

bulletWebsite der Gemeinde Odernheim am Glan    

Literatur:  

bulletAlfred Hans Kuby (Hrsg.): Pfälzisches Judentum gestern und heute. Beiträge zur Regionalgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. 1992. 
bulletKarl Schworm u.a.: Odernheim am Glan. Koblenz 1984. S. 372-373. 
bulletOtmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005. S. 132-133.   
bulletLandesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 304 (mit weiteren Literaturangaben).
bulletAndreas Ott: Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde Odernheim am Glan. Beitrag von 2018. 8 S. online zugänglich (pdf-Datei).
  

n.e.

                

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 15. Oktober 2013