Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Regensburg 
Jüdische Geschichte

Zur jüdischen Geschichte in Regensburg und zu aktuellen Berichten aus der Jüdischen Gemeinde siehe vor allem die 
Website der Jüdischen Gemeinde Regensburg: www.jg-regensburg.de
 
  

Hinweis: zur jüdischen Geschichte in Regensburg bis zur NS-Zeit siehe weitere Seite (interner Link)   
   
   
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Regensburg nach 1945      
    
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurden in Regensburg und Umgebung (US-Zone) zahlreiche Überlebende von Konzentrationslagern auf Grund der Genehmigung des amerikanischen Militärverwaltung in DP-Lagern aufgenommen (Lagern von Displaced Persons). Zu ihnen kamen Überlebende aus Polen, die vor neuen Pogromen in Polen geflüchtet waren (1946). 1945 wurde in Regensburg eine jüdische DP-(Displaced Persons)-Gemeinde (Jewish Community) gegründet, deren Vorsitzende Jakob Gottlieb und Efraim Brenner waren. Die Adressen der Jüdischen DP-Gemeinde waren Pfauengasse 1 (Café Central) und Gabelsbergerstraße 11 (Götz-Villa). Im Regensburger Lager lebten zwischen 600 (November 1945) und 1540 Personen (Januar 1948). Nach Gründung des Staates Israel im Mai 1948 nahm die Zahl der jüdischen Lager-Bewohner schnell ab. Etliche waren inzwischen auch in die USA und nach Kanada sowie in andere Lander ausgewandert. 
In der Umgebung Regensburgs gab es weitere Lager für Displaced Persons.

Im Februar 1951 wurden noch 266 Personen im Lager gezählt. Als besondere Einrichtungen gab es bis dahin im Lager eine Betstube, eine Religionsschule (Talmud-Tora-Schule), eine Volksschule und eine Berufsschule, dazu kamen mehrere Vereine (Sportvereine). Eine jiddische Zeitung wurde im Lager herausgegeben ('Der Najer Moment'). Die religiöse Betreuung der DPs übernahm seit 30. Mai 1945 Rabbiner Dr. Josef Glatzer. 1949 ist er in die USA emigriert. 

Am 1. August 1950 wurde in Regensburg eine Israelitische Kultusgemeinde gegründet, in der die noch in Regensburg verbliebenen Displaced Persons aufgenommen wurden. Wenige Regensburger aus der Vorkriegsgemeinde waren bis dahin zurückgekommen und gehörten auch zu den Gründern der neuen Gemeinde. Rabbiner war inzwischen Rabbiner Yakob Simcha Avidor geworden. Zur neuen Gemeinde gehörten etwa 350 Personen. Die Gemeinde war orthodox geprägt, der große Teil der Mitglieder hatte polnisch-jüdische Wurzeln. 
Dem ersten Gemeindevorstand gehörte an: Max Hirsch, Chaim Schwerdt, Chaim Pommeranz, Dr. Martin Rottenberg, Josef Ciesierski und Markus Kalfus. Die Gemeinde konnte 1951 einen eigenen jüdischen Kindergarten und 1953 eine hebräische Schule eröffnen.  

Quelle: Seite in der Website after-the-shoah.org
Literatur: Michael Brenner / Renate Höpfinger (Hrsg.): Die Juden in der Oberpfalz. München 2009. Darin: Michael Brenner: Impressionen jüdischen Lebens in der Oberpfalz nach 1945 S. 231-249. 
  
  
In den 1960er- und 1970er-Jahren ging die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder zurück. Um 1970 wurden noch 140 Gemeindeglieder gezählt. Nach Rabbiner Avidor wurde die Gemeinde zunächst von Rabbiner Kraus, dann von Rabbiner Nathan David Liebermann betreut. Letzterer amtierte bis 1969. Danach gab es längere Jahre keinen Rabbiner in der Stadt.

Prägende Persönlichkeiten im Gemeindeleben waren der langjährige Vorsitzende Otto Schwerdt (gestorben 2007) und Hans Rosengold (gestorben 2011). 

Seit Mitte der 1990er-Jahre ist die jüdische Gemeinde in Regensburg stark angewachsen. 1996 wurden ca. 190 Gemeindeglieder gezählt, 1998 fast 400 Personen. Derzeit (2017) gehören über 1.000 Personen der Gemeinde an. Dazu kommen weitere 200-300 Personen, die auf Grund fehlender Papiere noch keine Anerkennung als Juden erhalten haben. Gemeindevorsteherin ist Ilse Danziger (Link zu einem Bericht in der "Mittelbayerischen Zeitung" vom 20. Oktober 2017). 
Die Gemeinde wird betreut durch Rabbiner Chaim Bloch. 

Nachdem das in den 1960er-Jahren eingerichtete Gemeindezentrum völlig unzureichend war, wird nach dessen Abbruch seit 2016 ein neues Jüdisches Zentrum mit Synagoge, Kulturräumen und Verwaltungsbüros am Eck Luzengasse / Brixener Hof und damit auf dem Grundstück der 1938 zerstörten Synagoge gebaut. Zur Unterstützung des Vorhabens wurde im November 2013 ein Förderverein "Neue Regensburger Synagoge" gegründet. Die Mitglieder des Vereins setzten sich zum Ziel, dass es mit ihrer Unterstützung gelingt, der Jüdischen Gemeinde Regensburg im Jahr 2019, 500 Jahre nach der Zerstörung der Synagoge am Neupfarrplatz, zu einer neuen Synagoge zu verhelfen. 

Hinweis: 50 nichtjüdische Bürger aus verschiedenen Gesellschaftsbereichen haben im November 2013 einen Förderverein gegründet, der dabei hilft, den Neubau der Synagoge zu finanzieren. 
Spendenkonto: Wer den Verein und damit das Bauprojekt unterstützen möchte, kann dies über das Spendenkonto tun. Es ist bei der Sparkasse Regensburg unter der IBAN DE12 7505 0000 0026 5954 39 angelegt..
  
Ende 2015 wurden archäologische Untersuchungen (Grabungen) auf dem Grundstück durchgeführt. Danach konnte mit dem Bau begonnen werden. 
  
Das Richtfest konnte am 19. Oktober 2017 gefeiert werden; die Einweihung der neuen Synagoge ist für den 23. Februar 2019 geplant.

Quelle: Artikel von Gerhard K. Nagel in haGalil.com vom 14. Dezember 2017: "Die jüdische Gemeinde in Regensburg baut ein neues Gemeindezentrum....    
   
    

Aktuelle Informationen zum Neubau der Synagoge 2016 bis 2019   
In Regensburg wird auf dem Areal der jüdischen Gemeinde am Brixener Hof ein neues jüdisches Gemeindezentrum mit Synagoge gebaut. Der Förderverein "Neue Regensburger Synagoge" sammelt Spenden für dieses wichtige Vorhaben.
Das Spendenkonto: "Neue Regensburger Synagoge e. V.", IBAN DE12 7505 0000 0026 5954 39, Sparkasse Regensburg, BIC BYLADEM1RBG, Verwendungszweck "Neues Jüdisches Zentrum". 
        
Architekt des neuen Gemeindezentrums ist Volker Staab.  
 
Januar 2016: Vorstellung des Entwurfes der neuen Synagoge  
Artikel in mittelbayerische.de vom 16. Januar 2016: "So soll die neue Synagoge aussehen. Für den Neubau hat die jüdische Gemeinde Regensburg das Berliner Büro Staab gewonnen..."  
Link zum Artikel  
Weitere Artikel zum Bau der neuen Synagoge  
Artikel im "Wochenblatt" (Regensburg) vom 27. Januar 2016: "Regensburger Synagogen-Neubau als nationales Projekt des Städtebaus ausgezeichnet. Wegen seiner besonderen überregionalen Bedeutung und Qualität hat Bundesbauministerin Barbara Hendricks den geplanten Neubau der jüdischen Synagoge in Regensburg als nationales Projekt des Städtebaus ausgezeichnet. 
Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer nahm in Berlin eine Urkunde entgegen, die die Einstufung als architektonisches "Premium-Projekt" belegt. 3,3 Millionen Euro wird der Bund im Rahmen der laufenden Förderrunde für nationale Projekte des Städtebaus an Fördermitteln für dieses Bauvorhaben zur Verfügung stellen..."  
Link zum Artikel     
 
Dezember 2016: Modell der Synagoge ist in der Neupfarrkirche zu sehen   
Pressemitteilung vom 21. Dezember 2016: Am Brixener Hof baut die Jüdische Gemeinde eine neue Synagoge – deren Modell ist jetzt in der Neupfarrkirche zu sehen. Mit der Ausstellung, die zunächst im Neuen Rathaus untergebracht war, soll die Öffentlichkeit über die Planungen und den Bau der Synagoge unterrichtet werden. Entsprechende Info – Banner sind deshalb ergänzend neben der Glasvitrine mit dem Synagogenmodell aufgestellt. Geplant ist zudem eine Erweiterung der Ausstellung um einige Vitrinen und Schaubilder zum jüdischen Leben in Regensburg. Dieses ist eng mit dem Neupfarrplatz verbunden, auf dem bis zur Vertreibung der Juden 1519 das jüdische Viertel und die Synagoge standen. Im Gedenkjahr 2019 soll der Neubau der Synagoge eingeweiht werden. Zum neuen Ort der Ausstellung erklärte Ilse Danziger, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, sie sei dankbar für das Zeichen der Gemeinschaft, das sich darin zeige. Die Kirchengemeinde ihrerseits, so Pfarrer Thomas Koschnitzke, möchte mit ihrem Engagement an ihre spezielle Beziehung zur Jüdischen Gemeinde erinnern – gerade in Zeiten eines neuen Antisemitismus.  
 
Oktober 2017: Unterstützung durch den Förderverein   
Artikel von Daniel Geradtz in mittelbayerische.de vom 17. Oktober 2017: "Jüdische Gemeinde erhält Unterstützung
Der Förderverein zum Bau eines Gemeindezentrums übergab einen Scheck über 60 000 Euro. Das Projekt ist vier Wochen in Verzug

REGENSBURG. Das Richtfest für den Neubau des neuen jüdischen Gemeindezentrums steht kurz bevor, es findet in der nächsten Woche statt. Am Dienstagvormittag kamen die Holzteile, die zusammengesetzt die rechteckige Kuppel ergeben sollen. Zur gleichen Zeit erhielt die jüdische Gemeinde Regensburg eine Zuwendung: Der Förderverein Neue Regensburger Synagoge überreichte einen Scheck in Höhe von 60 000 Euro. Insgesamt kostet das Projekt acht Millionen Euro. 5,5 Millionen Euro werden für den Neubau des Gemeindezentrums veranschlagt, 2,5 Millionen Euro für die Renovierung des denkmalgeschützten Altbaus. Ilse Danziger, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, sagt am Dienstag: 'Derzeit gibt es einen großen Bauboom in der Stadt. Das hat die Kosten ein bisschen aus dem Ruder laufen lassen.' Deswegen seien Zuwendungen wie die des Fördervereins wichtig. Zuletzt teilte der Verein mit, dass noch eine Million Euro fehle, damit die Ausgaben vollständig gedeckt werden. Dieter Weber, Vorsitzender des Vereins, unterstreicht nun: 'Inzwischen ist schon wieder einiges eingegangen.' Der Verein hat das Bauvorhaben schon zum zweiten Mal mit einer Spende über 60 000 Euro bedacht. Auch durch Gerichtszuweisungen erhält die Jüdische Gemeinde Unterstützung bei dem Großprojekt.
Eröffnung an symbolischem Tag. Die Regensburger Bürger können dem Förderverein helfen, indem sie beispielsweise einen symbolischen Baustein erwerben. Dieser kostet mindestens 500 Euro. Zudem organisiert der Verein Benefizveranstaltungen, unter anderem ein Konzert. Aber auch losgelöst davon können Interessenten den Synagogenbau unterstützen. 'Die höchsten Spenden von Einzelpersonen lagen im Einhunderttausenderbereich', sagt Weber. Die Spender wollen unbekannt bleiben, auch den genauen Geldbetrag dürfe er nicht nennen. Er findet, dass es die Aufgabe der Stadtbevölkerung sei, den Bau des Gemeindezentrums ideell mitzutragen. 'Es waren ja auch die Regensburger, die die Synagoge zerstört haben.' Mit den Trümmern sei die jüdische Gemeinde alleine gelassen worden.
Heute, das sagt der Vorsitzende des Fördervereins, werde des Bürgerprojekt – so nennt er das Bauvorhaben – von vielen Regensburgern als solches verstanden. Es gebe Beispiele von Schulen, deren Schüler und Lehrer unabhängig voneinander einen Spendenbetrag überwiesen hätten. Weber betonte schließlich, dass die jüdische Gemeinde aus historischen Gründen selbst nicht über große finanzielle Mittel verfüge 3,3 Millionen Euro kommen aus Bundesmitteln (Städtebauförderung), die Stadt Regensburg beteiligt sich mit zwei Millionen Euro an dem Projekt und der Freistaat Bayern steuert 1,25 Millionen Euro bei. Die offizielle Eröffnung des Gemeindezentrums am Brixener Hof ist für den 23. Februar 2019 geplant. Das Datum ist von symbolischer Bedeutung, denn 500 Jahre zuvor wurden die Juden aus der Stadt vertrieben. Inzwischen sind die Bauarbeiten in Verzug geraten. Vier Wochen sind sie derzeit hinter dem Zeitplan. Ilse Danziger glaubt dennoch daran, dass die Arbeiten am Gemeindezentrum rechtzeitig abgeschlossen werden können. Damit alles nach Plan abläuft, müssten die Arbeiten im Dezember 2018 beendet werden. Dann könnte zwei Monate später die offizielle Eröffnung stattfinden.
Grundsteinlegung vor einem Jahr. Die jüdische Gemeinschaft ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Inzwischen sind über 1000 Gläubige in ihr vereint. Nach der Zerstörung der Synagoge im Dritten Reich gab es in Regensburg keine Synagoge mehr. Deswegen besteht seit vielen Jahren das Ziel, ein modernes jüdisches Zentrum mit einer Synagoge, Kulturräumen und einer Verwaltung zu schaffen. Den Architektenwettbewerb hatte das Berliner Büro Volker Staab mit einem modernen Entwurf gewonnen. Er sieht im Erdgeschoss einen Gemeinderaum vor, im ersten Stock werden sich die Räumlichkeiten der Synagoge befinden. Die Grundsteinlegung hat am 19. Oktober des vergangenen Jahres stattgefunden. Damals kam die Fernsehschauspielerin Adele Neuhauser, die Schirmherrschaft übernommen hat." 
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Oktober 2017: Richtfest am Neubau   
Artikel von Thomas Muggenthaler in der "Jüdischen Allgemeinen" vom 2. November 2017: "REGENSBURG. Zurück am historischen Ort. Gemeinde feierte Richtfest der neuen Synagoge
Die Kuppel der neuen Regensburger Synagoge ist bereits als Symbol dieses Bethauses mitten in der Altstadt weithin sichtbar. Hier am Brixener Hof entsteht auf dem Areal der jüdischen Gemeinde ein Neubau, der einen Veranstaltungssaal und eine Synagoge beherbergt. Der Rohbau steht und sieht vielversprechend aus. Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, ist geradezu begeistert. Den Ort kenne er natürlich, schließlich sei er vor einem Jahr beim Spatenstich dabei gewesen, aber dass auf dem kleinen Platz ein derart imposanter und ambitionierter Bau entstehen könne, habe er nicht gedacht. Der Richtkranz hängt über der Baustelle, rund 300 Menschen sind gekommen und drängen sich im künftigen Gemeindesaal. 'Kaum ist der Rohbau fertig, ist das Haus schon zu klein', witzelt Schuster, der der Regensburger Gemeinde und ihrer Vorsitzenden Ilse Danziger zu diesem Projekt gratuliert, das nach vielen Jahren der Planung Gestalt angenommen hat. 
ARCHITEKTUR Der Gemeindesaal ist auf zwei Seiten geprägt von großen, wandfüllenden Fenstern, die schon eingesetzt sind. Eine Fensterwand gibt den Blick frei in den Innenhof des Areals der Gemeinde. Durch das gegenüberliegende Fenster sieht man auf die Straße. Fußgänger flanieren vorbei oder gehen in das Café gegenüber. Das sei Absicht, betont Ilse Danziger, denn die Gemeinde wolle sich offen zeigen, und dafür steht dieses große Fenster, das die Gemeinde symbolisch zur Stadt hin öffnet. Der renommierte Berliner Architekt Volker Staab und sein Team realisieren das Projekt. Sie haben den Wettbewerb gewonnen, der hier im Bereich der Altstadt, die durch die UNESCO als Weltkulturerbe geschützt ist, unumgänglich war. Nachdem ein Tischler den Richtspruch vorträgt, hält es Volker Staab nicht länger. Er klettert über das Gerüst auf das Dach des Neubaus und will die Kuppel aus der Nähe begutachten. Die beiden Teile, aus denen die Kuppel besteht, sind erst hier vor Ort zusammengebaut worden. 'Es passt!', sagt Staab und lächelt zufrieden. Unter der Kuppel ist die Synagoge mit ihrer Frauenempore geplant, im Moment ein hoher betonierter Raum, in den man vom Dach aus hinabblicken kann. 'Das Licht wird von oben kommen', erklärt Staab. Die Fenster, die die Kuppel und das Gebäude verbinden werden, fehlen noch. Die Räume der jüdischen Gemeinde mit ihren rund 1000 Mitgliedern waren viel zu beengt. 'Nie konnten wir alle gemeinsam die Hohen Feiertage begehen', berichtet Ilse Danziger. 'An Pessach mussten die einen an dem einen Tag kommen, die anderen am nächsten Tag. Wir feiern doch beide Sederabende eigentlich gemeinsam.' 
Seit die Nazis in der Pogromnacht vom November 1938 die prächtige Synagoge, die 1912 hier an dieser Stelle gebaut worden war, angezündet und später abgerissen hatten, hatte die Jüdische Gemeinde Regensburg keine Synagoge mehr. Insofern ist der Bau einer Synagoge 'überfällig', merkt Josef Schuster an. Bislang gab es einen Mehrzweckraum aus den 60er-Jahren, der jetzt abgerissen wurde, und einen kleinen Gebetsraum im Altbau, der von den Nazis nicht angezündet wurde, weil er sich zu nahe an den anderen Häusern befand. Nachdem die Grundfläche begrenzt war, haben sich Volker Staab und seine Kollegen dazu entschlossen, im Erdgeschoss den Gemeindesaal zu bauen und darüber die Synagoge mit Frauenempore.
KOSTEN Der Neubau wird rund 5,5 Millionen Euro kosten. Der Bund unterstützt den Bau mit 3,3 Millionen aus einem 'Programm für nationale Projekte des Städtebaus', erklärt der zuständige Staatssekretär Florian Pronold, der Regensburg gut kennt und weiß, dass hier eine historische Lücke geschlossen wird. Die restlichen gut zwei Millionen Euro übernimmt die Stadt Regensburg. Das ist ungewöhnlich, denn die Stadt unterstützt in der Regel keine religiösen Bauten. Aber hier sieht sich die Kommune in der Pflicht, schließlich waren es Regensburger, die die Synagoge zerstörten, betont Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer in ihrer Rede, und verweist darauf, dass der Stadtrat der Finanzierung ausnahmslos zugestimmt hatte. Demnach war die einzige Sorge von NS-Oberbürgermeister Schottenheim, dass die Feuerwehr ein Übergreifen des Feuers auf andere Häuser verhindert. Die Nazis steckten aber in der Pogromnacht nicht nur die Synagoge in Brand. In einem 'Schandmarsch', bei dem die Opfer von Passanten bespuckt und mit Steinen beworfen wurden, trieben sie Juden, die sie aus ihren Häusern geholt hatten, über die nahe Maximilianstraße zum Bahnhof. Der junge Paul Oettinger musste damals vorangehen und ein Schild mit der Aufschrift 'Auszug der Juden!' tragen.
Neben dem Rohbau steht noch der Altbau. Das Gebäude ist eingerüstet und wird zurzeit saniert. Die Hälfte der Kosten von 2,5 Millionen übernimmt der Freistaat Bayern. Ein Förderverein hilft, den Rest aufzubringen. 750.000 Euro hat der Förderverein bereits gesammelt... Mit dem Neubau wird die historische und politische Wunde am Brixener Hof geschlossen. Hier am Sitz der jüdischen Gemeinde entsteht am historischen Ort das neue Gotteshaus.
Schuster würdigt den Bau als ein deutliches Zeichen dafür, 'dass die jüdische Gemeinde ein fester Bestandteil dieser Stadtgesellschaft ist'. Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer sprach von einem historischen Tag und freut sich, dass die jüdische Gemeinde mit diesem Neubau 'wieder mitten in der Gesellschaft sichtbar ist'. " 
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November 2017: Beim Neubau entstehen Mehrkosten     
Artikel in den "Regensburger Nachrichten" vom 30. November 2017: "Neubau der Synagoge: Mehrkosten entstanden
Am Dienstagnachmittag übergab der Vorsitzende des Fördervereins Neue Regensburger Synagoge, Dieter Weber, gemeinsam mit Dr. Josef Eckstein, einen Scheck im Wert von 40.000 Euro an Dorina Kuzenko und Ilse Danziger von der Jüdischen Gemeinde Regensburg. Die großzügige Spende bringt das Projekt Neubau der Regensburger Synagoge einen weiteren wichtigen Schritt voran. Trotzdem wird die Gemeinde wohl auch in Zukunft auf Sponsoren angewiesen sein, denn man rechnet mit Mehrkosten von bis zu 500.000 Euro. Das wären zehn Prozent mehr, als ursprünglich veranschlagt. Der Vorsitzende des Fördervereins ist trotzdem zuversichtlich ­– und das nicht ohne Grund. 
Mit den 40.000 Euro konnte der Verein, der zum Zweck der Unterstützung des Neubaus gegründet wurde, bisher insgesamt 160.000 Euro für das Projekt sammeln. Ein Teil des Geldes wurde über eine Online-Aktion des Fördervereins gesammelt, bei der sich auch viele Regensburger beteiligten. Im Rahmen dieser Online-Aktion können Spendenwillige auf der Internetseite des Fördervereins für 500 Euro einen symbolischen Baustein erwerben. 80 dieser Steine wurden bereits gekauft. Aber auch über kleinere Zuwendungen freut sich Dieter Weber. Und über das große Interesse und die Hilfsbereitschaft mit der die Regensburger das Projekt aufgenommen haben. 
Er betont auch, dass die entstandenen Mehrkosten kein Zeichen für eine Verzögerung der Fertigstellung des Baus seien. Zeitlich befinde man sich ganz im geplanten Rahmen. So wird die Synagoge wie geplant 2019 ihre Pforten öffnen. Ein Zeitpunkt, dem die Mitglieder der jüdischen Gemeinde schon freudig entgegenfiebern. Momentan ist das Leben der Glaubensgemeinschaft nämlich stark eingeschränkt, da sie nur zwei Räume des alten Gebäudes nutzen können. Die Gemeinde selbst muss zu dem Projekt 1,25 Millionen Euro Eigenfinanzierung beitragen. Zwar sind diese durch zwei Großspenden im Wert von 500.000 Euro fast gedeckt, aufgrund der Mehrkosten fehlt jedoch immer noch Geld." 
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Vgl. Artikel von Tino Lex in der "Mittelbayerischen" vom 30. November 2017: "Synagoge Regensburg - Es fehlt noch Geld..."  
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Weitere Artikel im November 2017: 
- Artikel von Thomas Muggenthaler in der Website des "Bayerischen Rundfunks" vom 23. November 2011: "Neue Synagoge, alter Ort. Regensburgs jüdisches Gemeindezentrum entsteht..."   
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Dezember 2017: Artikel zum Stand des Neubaus   
Artikel von Gerhard K. Nagel in haGalil.com vom 14. Dezember 2017: "Die jüdische Gemeinde in Regensburg baut ein neues Gemeindezentrum. Ein Gespräch mit der Gemeindevorsitzenden Ilse Danziger..."  
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Dezember 2017: Ein Gedicht von Rose Ausländer wird das Atrium des Synagogenneubaus zieren   
Artikel in der "Mittelbayerischen Zeitung" vom Dezember 2017: "Ein Gedicht in goldenen Lettern. Das Werk 'Gemeinsam' der jüdischen Dichterin Rose Ausländer wird das Atrium des Synagogenneubaus zieren.
REGENSBURG.'Gemeinsam' heißt das Gedicht der jüdischen Dichterin Rose Ausländer. Es wird, in goldene Lettern gefasst, das Atrium des Synagogenneubaus zieren. Dies hat eine Wettbewerbsjury in insgesamt drei Wertungsrunden kürzlich entschieden. Der gesamte Wettbewerb, der Entscheidungsprozess und die Jurysitzung wurden vom Büro Dömges Architekten betreut. Als Fachpreisrichter waren die Künstler Ludwig Bäuml, Vorsitzender des Berufsverbands Bildender Künstler Niederbayern/Oberpfalz, Paul Schinner, Jürgen Böhm und Helga von Loewenich sowie Architekt Volker Staab geladen. Die Rolle der Sachpreisrichter erfüllten die Planungs- und Baureferentin Christine Schimpfermann, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Regensburg, Ilse Danziger, der Vorsitzende des Fördervereins Neue Regensburger Synagoge, Dieter Weber, und als Vertreter des Fördermittelgebers Bastian Wahler-Zak. Als sachverständige Berater nahmen Kulturreferent Klemens Unger und Susanne Hauer, stellvertretende Leiterin der Welterbekoordination, teil.
Zur Begründung der einstimmigen Entscheidung für den Entwurf von Künstler Tom Kristen führte das Preisgericht an: 'Das Gedicht von Rose Ausländer spiegelt die jüdische Geschichte wieder und betont die gemeinsame Verantwortung für die Zukunft. Der gewählte Ort ist als Schnittstelle zwischen Stadtgesellschaft und Jüdischer Gemeinde gut gewählt. Die Mehrschichtigkeit der Arbeit bezüglich Symbolkraft und Raumwirkung wird besonders positiv gesehen.'
Der Wettbewerb 'Kunst am Bau' war ausgelobt worden, um die besondere Qualität des Projekts 'Neubau der jüdischen Synagoge' zu betonen. Nach Abschluss des Bauprojekts wird das Gedicht von Rose Ausländer als dreigängige goldene Spirale in ihrer Handschrift im Patio des Gebäudes hängen. Das Werk ist von außen gut sichtbar und ist für alle zugänglich und erlebbar. Rose Ausländers Worte appellieren an das die Menschen Verbindende, das Unausweichliche und das gemeinsam zu Erreichende und lenken den Blick während des Lesens nach oben in die Transzendenz.
Alle insgesamt acht Wettbewerbsbeiträge der Künstlerinnen und Künstler Oleg Kuzenko, Dietrich Förster, Alois Achatz, Sabine Straub, Alexander Rogl, Christine Sabel und Maria Meier sind ab 23. Januar bis Ende Februar 2018 im Untergeschoss des Besucherzentrums Welterbe im Salzstadel zu sehen." 
Link zum Artikel    
 
April 2018: Weitere Unterstützung durch den Förderverein Neue Regensburger Synagoge 
Artikel von Katia Baierlein in der "Mittelbayerischen" vom 27. April 2018: "VERANTWORTUNG. Jüdisches Zentrum entsteht. 
Der Förderverein 'Neue Regensburger Synagoge' übergibt der jüdischen Gemeinde 50 000 Euro. Das Gebetshaus wird 2019 fertig. 

REGENSBURG.'Das Geheimnis der Versöhnung heißt Erinnerung', ist auf dem Blumenkranz zu lesen, der vor der Baustelle der neuen Synagoge am Brixener Hof liegt. Genau das hat sich der Förderverein 'Neue Regensburger Synagoge e.V.' auf die Fahnen geschrieben. 
Verantwortung übernehmen. Am 12. Januar 1519 wurden die Synagoge auf dem Neupfarrplatz zerstört und die Juden aus Regensburg vertrieben. Eine neue Synagoge wurde erst am 29. August 1912 am Brixener Hof eingeweiht. Unter dem nationalsozialistischen Regime wurde in der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 auch diese Synagoge niedergebrannt. Seitdem gab es in Regensburg keine Synagoge mehr. Der Förderverein Neue Regensburger Synagoge ist ein Bürgerprojekt nicht-jüdischer Regensburger. Er hat sich zur Aufgabe gemacht, der jüdischen Gemeinde bei der Finanzierung der neuen Synagoge zu helfen. 'Regensburger Bürger haben damals die Synagoge zerstört und müssen heute dafür Verantwortung übernehmen', so Dieter Weber, Vorsitzender des Fördervereins. Für 500 Euro kann zum Beispiel symbolisch ein Baustein erworben werden. Doch auch über kleinere Geldbeträge freut sich Weber: 'Es gibt Schulen, die die Einnahmen eines Schulfestes spenden oder Rentner, die statt Geburtstagsgeschenken Geld auf unser Konto überweisen lassen', so Weber. Knapp 800 000 Euro sind durch Spenden schon zusammengekommen.
Die Kosten für die Synagoge setzen sich aus der Renovierung des Altbaus und einem Neubau zusammen. Die Hälfte der Renovierungskosten muss die jüdische Gemeinde selbst tragen. Deshalb ist sie auf Spenden dringend angewiesen.
Der Zugang zum Jüdischen Zentrum erfolgt über einen Innenhof. 'Wir wollten den Eingang so hell und offen wie möglich gestalten, als Symbol dafür, dass die Türen für jeden offen stehen', so Weber. Die Synagoge befindet sich im ersten Stock des Gebäudes. Im Erdgeschoss ist der Gemeindesaal untergebracht. Neu- und Altbau werden barrierefrei miteinander verbunden.
Bei Jahrestag der Zerstörung. Bis Juni diesen Jahres wird die Außenfassade fertig sein. 2019 soll dann die Eröffnungsfeier stattfinden, denn dann jährt sich die Zerstörung der Synagoge auf dem Neupfarrplatz zum 500. Mal."  
Link zum Artikel     

          
Der derzeitige Betsaal der jüdischen Gemeinde 
(Fotos: Jürgen Hanke, Kronach)  

Regensburg Gemeindehaus 102.jpg (79538 Byte) Regensburg Gemeindehaus 100.jpg (62459 Byte) Regensburg Gemeindehaus 101.jpg (63414 Byte)
Eingang zum 
Gemeindezentrum
Innenhof  Fenster des Betsaales 
(Standort des Toraschreines)
         
Regensburg Betsaal 100.jpg (61116 Byte) Regensburg Betsaal 103.jpg (41947 Byte) Regensburg Betsaal 101.jpg (69934 Byte) Regensburg Betsaal 102.jpg (50020 Byte)
Blick in den 
Betsaal  
Deckenlampe in Form 
eines "Davidsternes"  
Toraschrein mit 
Toravorhang (Parochet)  
        

      
Film von Dr. Julia Egleder: Die jüdische Gemeinde in Regensburg: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft  
  
      
      
  
  
  

Links und Literatur

Links: 

Website der Stadt Regensburg  
Website der Jüdischen Gemeinde in Regensburg    
Wikipedia-Artikel: "Judentum in Regensburg"   
Zur Seite über die jüdischen Friedhöfe in Regensburg (interner Link)  
Artikel " Regensburg zwischen Stolz und Ressentiments - Antisemitismus und Welterbe" bei haGalil.com (eingestellt Januar 2011)   

Literatur:  

Regensburg Lit NovPogrom.jpg (1432630 Byte)Waltraud Bierwirth / Klaus Himmelstein: Das November-Pogrom und der lange Weg zu einer neuen Synagoge. 132 S. Verlag Walhallenet Peter Sturm e.K. Regensburg 2013. ISBN 978-3-9814689-4-6.   
Das Buch wurde herausgegeben von der IG Metall, der Jüdischen Gemeinde Regensburg, Pax Christi, Bund der Antifaschisten. 
Link zur Buchvorstellung in der Mittelbayerischen Zeitung vom 7. November 2013.  
Weitere Buchvorstellung in Regensburg Digital      

   
    

                   
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Stand: 28. April 2018