Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Schnaittach (Kreis Nürnberger Land) 
Jüdische Friedhöfe

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde       
   
Siehe Seite zur Synagoge in Schnaittach (interner Link)    
   
   
Zur Geschichte der Friedhöfe        
   
Ein jüdischer Friedhof (erster Friedhof) wird erstmals 1537 erwähnt, doch ist die älteste erhaltene Grabsteininschrift bereits von 1534, sodass anzunehmen ist, dass der Friedhof bereits um 1500 angelegt wurde Der Friedhof war später der Begräbnisplatz auch für die übrigen Judengemeinden der Rothenberger Herrschaft wurde (Hüttenbach, Ottensoos, Forth). Sogar Juden der Gemeinde Fürth wurden im 16. Jahrhundert (bis 1607) in Schnaittach begraben. Zwischen den Gemeinden der "Medinat Oschpah" (jüdische Bezeichnung für den Verband der Gemeinden Ottensoos, Schnaittach, Forth und Hüttenbach) war das Eigentumsrecht am Friedhof bis Anfang des 18. Jahrhunderts immer wieder umstritten. 1710 wurde durch ein Schiedsgericht festgelegt, dass die Gemeinde Schnaittach Alleinbesitzerin des Friedhofes ist und das Hausrecht erhielt. 1757 wurde von den vier Verbandsgemeinden beim Friedhof ein Quellbrunnen angelegt. 1762 wurde der Friedhof erweitert und mit einer Mauer umgeben. Auch ein neues Taharahaus wurde erstellt. 1887 wurde der Friedhof restauriert, die Mauer ausgebessert und viele versunkene Grabsteine neu aufgerichtet. In der NS-Zeit wurde der Friedhof stark zerstört. Die Grabsteine des jüngeren westlichen Grabfeldes wurden abgeräumt und als Baumaterial verkauft. Einzelne Grabsteine beziehungsweise Grabsteinfragmente wurden in den vergangenen Jahren (zuletzt 2019 auf einer Baustelle im Schutt) wiedergefunden und zum Friedhof zurückgebracht.
Das Friedhofsgrundstück umfasst 48 ar und wird heute im Norden und Süden von zwei Armen des Krankenhausweges eingefasst, das östliche Ende grenzt an das Caritas-Jugendhilfezentrum. Im östlichen Teil stehen die ältesten Grabsteine. Der westliche, jüngere Teil ist abgeräumt.
  
1815 war absehbar, dass der Friedhof bald belegt war. 1834 konnte man unweit des ersten Friedhofes einen Acker zur Anlage eines neuen Friedhofes erwerben (zweiter Friedhof). Noch im selben Jahr fand hier die erste Beisetzung statt. Dieser Friedhof wurde ab 1938 von den Nationalsozialisten systematisch abgeräumt, die Steine wurden als Baumaterial verkauft. Nach 1945 wurden etliche Grabsteinfragmente zum Friedhof zurückgebracht, teilweise an den umgebenden Mauern angebracht beziehungsweise entlang der Friedhofsmauer aufgestellt. Ein Teil der zum Friedhof gebrachten Grabsteine bzw. Grabsteinfragmente stammt vom ersten Friedhof (insbesondere fünf Grabsteine aus dem Zeitraum vom 1758 bis 1831).
      
Ein dritter Friedhof wurde 1897 in der Nähe der Vorgängerfriedhöfe (am Krankenhausweg, Eingang gegenüber Hausnummer 13) angelegt. Auf ihm wurde - teilweise mit Steinen des zuvor abgebrochenen alten Taharahauses - ein neues Taharahaus erbaut. Die erste Beisetzung auf dem dritten Friedhof war am 5. April 1897. Die Belegung erfolgte in chronologischer Reihenfolge (ausgenommen bei Doppelgräbern für den Ehepartner). Auf dem Friedhof befindet sich gegenüber dem Eingang ein Gedenkstein für einen gefallenen Soldaten des Ersten Weltkrieges. In der NS-Zeit wurde auch dieser Friedhof schwer geschändet, viele Grabsteine wurden beschädigt oder zerstört.
    
   

Dokumentation des Friedhofes        

Herbst 2019: Großes Grabstein-Projekt abgeschlossen     
Artikel von Udo Schuster in "Jüdisches Leben in Bayern" Jg. 24 Nr. 140 vom 19. Dezember 2019: "Großes Grabstein-Projekt abgeschlossen. Zur Geschichte der Schnaittacher Juden und ihrer Friedhöfe..." (als pdf-Datei eingestellt zusammen mit den Beiträgen von Michael Schneeberger: "Schnaittach - das Bollwerk im Schatten der Reichsstadt",  "Schnaittach - ein Rabbinar im Zentrum Europas" und "Die Nachkommen des Salomon Ben Nachman Löw Schnaittach, der auch Salomon Krakau und Salomon Kollin genannt wurde"; alles in der Ausgabe "Jüdisches Leben in Bayern"). 
Hinweis: die Dokumentation der jüdischen Friedhöfe Schnaittach wurde in den Jahren 2006-2007 von Dr. Andreas Angerstorfer begonnen. Diese Dokumentation wurde in der epigraphischen Datenbank des Steinheim-Institutes aufgenommen, überarbeitet und ergänzt. Im August 2019 wurde sie fertiggestellt. Links zur Dokumenation der jüdischen Friedhöfe: 
Friedhof I mit 240 Inschriften der Jahre 1534 bis 1829: http://www.steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?id=st1&lang=de
Friedhof II mit 54 Inschriften der Jahre 1758 bis 1898: http://www.steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?id=st2 
Friedhof III mit 142 Inschriften der Jahre 1897 bis 1938: http://www.steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?id=st3 
Vgl. auch die Beiträge zu den jüdischen Friedhöfen in Schnaittach der VHS Unteres Pegnitztal in der "Klingenden Landkarte" (Link unter Schnaittach): www.klingende-landkarte.de

    
    
Aus der Geschichte der Friedhöfe  
Bemühungen um die Restaurierung des alten Friedhofes (1887)  

Schnaittach Israelit 08091887.jpg (220783 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. September 1887: "Schnaittach (Bayern). Es befindet sich dahier ein uralter, nicht mehr benützter jüdischer Friedhof. Die alten Grabsteine waren und sind größtenteils umgefallen, tief in den Boden versunken; die über 600 Meter lange Umfassungsmauer ist ebenfalls zum Teile verfallen. Es war zu beklagen, wie die Denkmäler dieser altehrwürdigen Ruhestätte von Jahr zu Jahr dem weiteren Verfalle entgegengingen. Die jetzt kleine und ehemals so bedeutende Gemeinde, an deren Spitze große Männer gestanden haben wie Rabbiner Abraham Wallerstein (sc.: war ab 1757 Vizerabbiner, ab 1767 Hauptrabbiner in Schnaittach) und Rabbiner Meir Heller (sc.: Meir Heller Pretzfelder war 1811 bis 1823 Rabbiner in Schnaittach; die beiden letzten - das Andenken an die Gerechten ist zum Segen - haben hier ihre Ruhestätte) ist nicht im Stande, die ziemlich beträchtlichen Kosten, welche die Restaurierung erfordert, aufzubringen. Da wandte sich Herr Kultusvorstand Lichtenstädter dahier, der Allem, was seine Religion, seine Stammesgenossen und seine Gemeinde berührt, opferbereit ein reges Interesse entgegenbringt, mit einem warm empfundenen Aufrufe zunächst an Diejenigen, deren Vorfahren in Schnaittach die letzte Ruhestätte gefunden, mit der Bitte, das fromme Unternehmen zu unterstützen. Hierauf flossen, besonders aus Amerika, namhafte Beiträge und wird mit denselben, nicht allein seit bereits 10 Wochen die Mauer restauriert, sondern es sind viele umgefallene und gesunkene alte Grabsteine mittelst Winden gehoben und aufgerichtet worden. Man fand bis jetzt Steine, welche ein Alter von 3-400 Jahren aufweisen. 
An einem Teile der Mauer, welche eingesunken war, ist eine Anzahl Märtyrer begraben, das sind Ermordete. Ob solche unter diesen sind, welche den Märtyrertod erlitten, oder ob alle einfach durch Mördershand gefallen, konnten wir bis jetzt noch nicht enträtseln. Ein Stein in der Mauer kam zum Vorschein, dessen Inschrift mit den Worten beginnt: 'sie haben meinen Leib erschlagen', was vielleicht auf einen Märtyrertod hindeutet.
Es wäre sehr zu wünschen, dass nachdem die ältesten Steine, welche von mächtiger Dicke sind, wieder errichtet und die Inschrift aufgefrischt worden, ein Kundiger sie lese; wahrscheinlich liefern sie dem Forscher in der Geschichte der Juden, manches wichtige, jedenfalls interessante Material. 
Leider reichen die eingegangenen Beiträge zur Vollendung des Werkes nicht aus, und unsere Hoffnung und Bitte geht dahin, dass auch Fernstehende, welche Interesse für die Wiederinstandsetzung der alten Denkmäler eine alten jüdischen Gemeinde haben, mit der gütigen Einsendung eines Beitrages an Herrn Kultusvorsteher Lichtenstädter dahier, das von demselben unternommene verdienstvolle Werk fördern möchten."    

   
Zum Tod des Kriegsveteranen David Klein aus Ottensoos und seine Beisetzung am 19. Mai 1885 in Schnaittach

Ottensoos Israelit 04061885.jpg (138199 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Juni 1885: "Schnaittach, 18. Mai (1885). Eine Beerdigung, wie solche auf unserm 500 bis 600 Jahre alten Begräbnisplatze kaum noch gesehen worden, fand heute statt. Es wurde nämlich der Veteran aus den Kriegen 1866 und 1870 David Klein aus Ottensoos beerdigt. Der Veteranen- und Kriegerverein Ottensoos begleitete die Leiche und hier (sc. Schnaittach) wurde der Kondukt, vom gleichnamigen hiesigen Verein außerhalb des Marktes in Empfang genommen. Beide Vereine marschierten nun mit gesenkten Fahnen dem Leichenzug voraus und die Musik spielte einen Trauerchoral bis am Friedhof. Hier hielt der Vorstand des Vereins Ottensoos Herr Bäckermeister Lämmer eine ergreifende Rede, und unter den üblichen drei Salven wurde der Sarg in die Erde gesenkt.
Der Verstorbene war der einzige Sohn seiner hochbetagten Eltern Lippmann und Roschle Klein und erregte das Unglück dieser braven alten Leute ungeteiltes Mitleid bei allen Konfessionen. 
Bei dieser Gelegenheit machte sich wieder die Lücke recht fühlend, dass unser Rabbinatssitz noch immer verwaist ist, seitdem Herr Rabbiner Dr. Salzer uns verlassen, denn gewiss wäre hier eine Grabrede am Platze gewesen und vom derzeitigen Verweser Herrn Rabbiner Wißmann in Schwabach, der ja fast eine Tagesreise hierher hat, konnte dies nicht verlangt werden, wenn wir auch überzeugt sind, dass er gewiss erschienen wäre, wenn er von der Beerdigung gewusst hätte.
Nun fragt man sich, wie lange wird jetzt noch immer die Rabbinatsstelle unbesetzt bleiben und ob es in vier Gemeinden, die zum Rabbinat gehören, keine Männer mehr gibt, die für endliche Widerbesetzung eintreten! - Wahrlich, es wäre hohe Zeit dazu, sonst könnten Schule und viele Anstalten darunter leiden, denn, wenn auch der pflichteifrige Herr Verweser im Jahre zweimal kommt, kann er doch nicht Alles übersehen".

  
  
Lage der Friedhöfe in Schnaittach 

  Schnaittach Friedhof Plan.jpg (24813 Byte)
Die Lage der Friedhöfe ist eingezeichnet im Stadtplan Markt Schnaittach des
 Städteverlages - oben anklicken und unter "Behörden und öffentl. Einrichtungen"
 weiter zu "Friedhof, israel. Henselbühl" und "Friedhof, israel. Krankenhausweg"; 
der älteste der drei Friedhöfe ist die Grünfläche, über der "Grundschule" zu lesen ist.
Plan der drei jüdischen Friedhöfe in Schnaittach. Die 
Ansicht kann unmittelbar mit dem Stadtplan (links) 
verglichen werden. Quelle: Israel Schwierz: Steinerne
 Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. s.Lit. S. 179.

   
   
Fotos
Historische Fotos
(Quelle: Fotos von Theodor Harburger, Aufnahmedatum 8. Mai 1928, veröffentlicht in: Inventarisierung jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler Bd. 2 S. 112-116; hieraus auch die erklärenden Text zu den Fotos). 

Schnaittach Friedhof h105.jpg (83193 Byte) Schnaittach Friedhof h103.jpg (86121 Byte) Schnaittach Friedhof h100.jpg (83736 Byte)
Blick über den 
alten Friedhof
Doppelgrabstein des Rabbiners Selig
 Chasan, Sohn des R. Chajim
aus 
Burgkunstadt (Todesdatum nicht lesbar) 
und seiner Frau Esther, gest. am 22.8.1689
 (6. Elul 5449) vgl. den Stein 2004 s.u.  
Blick über den alten Friedhof 
(Foto von Rudolf Uibl, Schnaittach)  
     
     
       
Schnaittach Friedhof h102.jpg (71024 Byte) Schnaittach Friedhof h104.jpg (100192 Byte) Schnaittach Friedhof h101.jpg (80334 Byte)
Grabstein der Frau Freidel, Witwe des
 Gemeinde-Vorstehers Juda Loeb 

Ottensoos, gest. 31.7.1709  
Grabstein  Grabstein des Berle Schnaittach, d.h.
 Issachar, Sohn des Jakob ha-Levi

beerdigt Sonntag, 30.10.1712  
 

       
 
     
Neuere Fotos 
(alle Fotografien wurden von Klaus Kurre, Mainberg angefertigt und dürfen nicht ohne Genehmigung weiter verwendet werden. Hochauflösende Aufnahmen und weitere, hier nicht hinterlegte Bilder können per Mail bei Klaus Kurre angefordert werden). 

Der alte Friedhof von spätestens 1537 bis 1834   

Schnaittach Friedhof a100.jpg (77599 Byte) Schnaittach Friedhof a109.jpg (101409 Byte) Schnaittach Friedhof a101.jpg (117151 Byte)
Blick auf die Friedhofsmauer   Teilansichten des Friedhofes
     
Schnaittach Friedhof a104.jpg (99738 Byte) Schnaittach Friedhof a102.jpg (110366 Byte) Schnaittach Friedhof a103.jpg (109389 Byte)
Teilansichten des Friedhofes und einzelner Grabsteine  
 
Schnaittach Friedhof a105.jpg (105020 Byte) Schnaittach Friedhof a107.jpg (105483 Byte) Schnaittach Friedhof a106.jpg (109145 Byte)
Teilansichten Doppelgrabstein des Rabbiners Selig 
Chasan
und seiner Frau Esther (vgl. 
den Stein im Jahr 1928 s.o.)  
 
   
  Schnaittach Friedhof a108.jpg (100267 Byte)  
     
     

Der zweite Friedhof von 1834 bis 1897    

 
Schnaittach Friedhof m100.jpg (92159 Byte) Schnaittach Friedhof m103.jpg (83712 Byte) Schnaittach Friedhof m101.jpg (87278 Byte)
Eingangstor      Gedenkstein von 1993  
     
Schnaittach Friedhof m107.jpg (73494 Byte) Schnaittach Friedhof m106.jpg (94428 Byte) Schnaittach Friedhof m108.jpg (98476 Byte)
Bei den Schändungen der NS-Zeit wurde
 vor allem dieser Friedhof weitgehend
 abgeräumt.
Die erhaltenen beziehungsweise wieder
 aufgefundenen Steine wurden in einer
 Reihe entlang der Mauer aufgestellt. 
Selbst die Friedhofsmauer zeigt 
Spuren gewaltsamer Zerstörung  
     
     
Schnaittach Friedhof m104.jpg (88875 Byte) Schnaittach Friedhof m102.jpg (57373 Byte) Schnaittach Friedhof m105.jpg (81995 Byte)
Einzelne der erhaltenen Grabsteine
 
 

Der dritte Friedhof von 1897

Schnaittach Friedhof n100.jpg (73967 Byte) Schnaittach Friedhof n101.jpg (85065 Byte) Schnaittach Friedhof n113.jpg (92662 Byte)
Das Taharahaus am
Eingang des Friedhofes
 In der Mitte Gedenkstein der aus Schnaittach
in der NS-Zeit umgekommenen Juden
 Grabstein links für Simon Mannheimer
 aus Ottensoos (1857-1904)
      
Schnaittach Friedhof n107.jpg (87706 Byte) Schnaittach Friedhof n106.jpg (80084 Byte) Schnaittach Friedhof n110.jpg (81971 Byte)
Teilansicht des Friedhofes: auf vielen Gräbern
sind nur Grabsteinsockel erhalten
 Grabstein für Benedikt Hirschmann
von Hüttenbach (1850-1918)
 Teilansicht
des Friedhofes
     
Schnaittach Friedhof n112.jpg (69283 Byte) Schnaittach Friedhof n103.jpg (70090 Byte) Schnaittach Friedhof n105.jpg (79823 Byte)
Spuren der Zerstörung zeigt 
auch dieser Stein 
 
 Grabstein für Marianne Prager
geb. Weinstein
aus Ottensoos
 (1840 Zirndorf - 1907)  
   Grabsteine für Theodor Rebitzer
aus Ottensoos (1851-1916) und Betti
Rebitzer geb. Späth
(1848-1919) 
      
Schnaittach Friedhof n111.jpg (82478 Byte) Schnaittach Friedhof n115.jpg (93745 Byte) Schnaittach Friedhof n108.jpg (96887 Byte)
Doppelgrabstein für Niem Rebitzer
(1846-1921) und Greta Rebitzer
geb. Frankel
(1857-1921) 
"Segnende Hände" der Kohanim  
 
  
  Grabstein für Mathilde Freiberger
geb. Sturmwald
aus Forth
(1870-1936)  
     
Schnaittach Friedhof n104.jpg (51030 Byte) Schnaittach Friedhof n109.jpg (82249 Byte) Schnaittach Friedhof n102.jpg (77322 Byte)
  Grabstein für Simon Löwenheim von
Ottensoos (geb. 23.10.1848;
gest. 26.08.1912)
  Grab nach 1945 für
Heinrich Freimann

(1852-1952)
Gedenkstein mit den Namen der aus
 Schnaittach in der NS-Zeit 
umgekommenen Juden

    
   
 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte       

August 2016: Über die Forschungsarbeiten der Heimatforscherin Birgit Kroder-Gumann      
Artikel von Sandra Demmelhuber in der "Jüdischen Allgemeinen" vom 8. August 2016: "Schnaittach. Fränkisches Jerusalem. Eine Forscherin erkundet das jüdische Leben ihres Heimatortes.
Es gab einmal eine Zeit, in der Nürnberger, wenn sie mit der Eisenbahn nach Fürth fahren wollten, eine Fahrkarte nach 'Jerusalem' verlangten. Noch heute sind in vielen fränkischen Orten Spuren einer Jahrhunderte währenden jüdischen Kultur zu finden. Birgit Kroder-Gumann ist Heimatforscherin in Schnaittach. Ihr ganzes Leben hat sie in der fränkischen Marktgemeinde, 27 Kilometer von Fürth entfernt, verbracht. Dass es in ihrem Heimatort einmal eine bedeutende jüdische Gemeinde gab, wusste sie schon seit frühester Kindheit. Irgendwann aber begann sie, an den Erzählungen der älteren Dorfbewohner zu zweifeln: Stimmte es wirklich, dass Schnaittach während der Nazi-Diktatur 'Hitlerjungen' aus Berlin kommen ließ, um die bis heute noch sichtbare Zerstörung der jüdischen Einrichtungen vorzunehmen? Gab es keinen Widerstand der Dorfbewohner, als die Synagoge während des Novemberpogroms 1938 fast vollständig zerstört wurde? Und warum wurden bereits im 18. Jahrhundert wertvolle jüdische Grabsteine geplündert und zweckentfremdet? Zeitzeugen Über Jahrzehnte hat sich Birgit Kroder-Gumann mit diesen Fragen beschäftigt, befragte Zeitzeugen, durchforstete alte Dokumente, erstellte Stammbäume von Familien und Häuserchroniken. Was dabei herauskam, ist nicht immer schön für die Geschichte der kleinen Gemeinde: So gab es beispielsweise überhaupt keine 'Hitlerjungen' aus Berlin, die jüdische Einrichtungen und Gräber zerstörten – es waren die Dorfbewohner selbst. Und schon Jahrzehnte zuvor wurden die mit hebräischen Inschriften versehenen Grabsteine zum Schutz gegen Ausschwemmungen in das nahegelegene Bachbett geworfen. Die Einwohner zweckentfremdeten oder verkauften die Steinplatten oder benutzten sie sogar als Baumaterial für Treppenstufen. Es sind die Steine, die – mit hebräischen Sätzen oder Bibelzitaten versehen – noch immer überall in Schnaittach auftauchen: mal werden sie im Bach angespült, mal kommen sie beim Abriss alter Häuser zum Vorschein. 'Mittlerweile haben wir aufgehört, nach den historischen Steinen zu suchen. Sie finden uns', erzählt die Heimatforscherin auf dem Weg zu einem der drei jüdischen Friedhöfe am Ortsrand. Es ist der sogenannte Neue Friedhof und wie die beiden anderen nach Osten, also Richtung Jerusalem, ausgerichtet. Das letzte Begräbnis fand im Jahre 1952 statt, als Heinrich Freimann nach seinem Exil aus Amerika nach Schnaittach zurückgekehrt war und zwei Jahre später in seiner Heimat verstarb. Heute erinnert auf dem Friedhof ein Denkmal an die 39 jüdischen Einwohner, deren Grabsteine im 'Dritten Reich' zerstört wurden. Jeder Hinweis auf die im Holocaust Deportierten fehlt jedoch. Schnaittach hat heute etwa 5500 Einwohner. Nur noch eine einzige Bewohnerin ist jüdisch.
Laubhütte Nirgendwo in Süddeutschland gab es so viele jüdische Gemeinden wie in Franken. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren es etwa 400. Spuren dieser reichen Kultur sind noch immer allgegenwärtig, so wurde im südlich von Nürnberg gelegenen Schwabach erst 2001 bei Renovierungsarbeiten zufällig eine Laubhütte entdeckt. Das westlich von Nürnberg gelegene Schnaittach gehörte zu den bedeutenden Orten des fränkischen Landjudentums. Bis ins 19. Jahrhundert war die Gemeinde Sitz des Rabbinats. Schnaittacher Rabbiner unterhielten nicht nur lange Zeit eine eigene Talmudschule, sondern auch enge und freundschaftliche Beziehungen zu den katholischen und evangelischen Ortspfarreien. Der Zuzug jüdischer Familien wurde in Schnaittach erstmals 1478 erwähnt, knapp 100 Jahre später erbauten jüdische Familien eine Synagoge, die heute nach umfassenden Renovierungsarbeiten wieder besichtigt werden kann. Im Jahre 1813 gab es in dem Ort bereits 58 jüdische Haushalte – das waren etwa 20 Prozent der Einwohner. Obwohl es seit dieser Zeit immer wieder zu Zerstörungen der jüdischen Einrichtungen kam, waren die fränkischen Juden dennoch lange voll assimiliert und integriert. Noch bis in die 30er-Jahre des 20. Jahrhunderts gab es beispielsweise im örtlichen Fußballverein einen angesehenen und sehr erfolgreichen jüdischen Fußballspieler. Die Schnaittacher Juden bewahrten und pflegten dennoch über Jahrhunderte hinweg ihre vielfältige, spezifisch fränkisch-jüdische Kultur mit eigenen Ritualen, Gebräuchen und Traditionen.
Denkmalschutz Der 'Alte Friedhof', ein paar 100 Meter näher am Dorfzentrum, vermittelt eine ganz andere, eigenartige Stimmung: Da es früher keine Sockel gab, sind die Gräber im Laufe der Jahrhunderte mehr und mehr in die Erde eingesunken. Der älteste Grabstein trägt die Jahreszahl 1549 und erinnert an eine Hebamme. Wie die beiden anderen Friedhöfe von Schnaittach steht auch er unter Denkmalschutz. In den kommenden Jahren sollen die wenigen noch lesbaren Grabinschriften im Rahmen eines Forschungsprojektes der Universität wissenschaftlich erforscht und in einer Datenbank erfasst werden. Die Grabsteine, die restaurierte Synagoge und das ehemalige Rabbinerhaus sind die letzten Zeugnisse der reichen jüdischen Kultur. Birgit Kroder-Gumann führt seit 1996 Besucher aus aller Welt durch ihre Heimatgemeinde. 'Oft kommen Juden aus den USA, Argentinien oder Israel, die hier nach ihren Vorfahren suchen', erzählt sie. Sie nimmt sich für alle viel Zeit, hört sich die traurigen Geschichten ihrer zerrissenen Familien an, hilft bei der Sichtung von Dokumenten und Häuserchroniken. Immer wieder komme es sogar vor, dass entfernte Familienmitglieder im Zuge ihrer Recherchen in Schnaittach – der Heimat ihrer Vorfahren – erstmals aufeinandertreffen und fortan in Kontakt bleiben, erzählt die Heimatforscherin stolz. 'Wenigstens die Erinnerung soll bleiben' – die Erinnerung an ein Fränkisches Jerusalem."  
Link zum Artikel   

    
      

Links und Literatur 

Links:   

bulletWebsite des Marktes Schnaittach  
bullet Seite zur Geschichte des Marktes Schnaittach  
bulletZur Seite über die Synagoge in Schnaittach (interner Link)  
bulletArtikel bei haGalil.com (eingestellt Mai 2017): Schnaittach - ein halbes Jahrtausend jüdische Geschichte     

Literatur:

bulletGermania Judaica II,2 S. 335-336, III,1 S. 510-511.
bulletMichael Trüger: Artikel zum jüdischen Friedhof Schnaittach, in: Der Landesverband der israelitischen Kultusgemeinden in Bayern. 
bulletIsrael Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Hg von der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit A 85. 1988. S. 178-180.
bulletCentral Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem und Jüdisches Museum Franken. Fürth & Schnaittach (Hg.): Theodor Harburger: Die Inventarisation jüdischer Kunst und Kulturdenkmäler in Bayern. In 3 Bänden. Fürth 1998. 

        
         

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 15. Oktober 2013