Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Waldkirch (Kreis Emmendingen)
Jüdische Geschichte 

Übersicht:

Zur jüdischen Geschichte in Waldkirch 
Berichte aus der jüdischen Geschichte in Waldkirch  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   
Fotos / Darstellungen     
Links und Literatur   

   

Zur jüdischen Geschichte in Waldkirch                  
    
In Waldkirch lebten Juden bereits im Mittelalter. 1349 kam es im Zusammenhang mit der Pestzeit zu einer Judenverfolgung. Seit 1386 lassen sich wieder jüdische Einwohner nachweisen. 1424 wurden die Juden der Stadt vermutlich gleichzeitig mit den Freiburger Juden ausgewiesen. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts waren wiederum mehrere jüdische Familien in der Stadt. 1504 erfolgte die Ausweisung der jüdischen Einwohner wegen eines angeblichen Ritualmordes; im Zusammenhang mit den Beschuldigungen werden Jud Laembli und seine zwei Söhne genannt.     
 
An die mittelalterliche Geschichte erinnern durch erhaltene Flurnamen noch zwei abgegangene jüdische Friedhöfe. Ein älterer Friedhof (Flurname "Judenkirchhof") war vermutlich die bis 1349 verwendete Begräbnisstätte (Lage in einer Waldparzelle im Altersbachtal, am Fuße des Kandels). Der jüngere Friedhof (nicht mehr offiziell verwendeter Flurname "Judenkirchhöfle"; auf ehemals herrschaftlich Kastelbergischem Gebiet) wurde vermutlich im 15. Jahrhundert genutzt (Lage in der Ebene nahe der Elz; das Gewann diente nach Ausweisung der Juden dem Schinder zum Begraben des verendeten Viehs).
   
Vom 16. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war keine Niederlassung von Juden in der Stadt möglich. Im Artikelbrief der Oberamtleut Castelberg und Schwarzenberg von 1571 war für die Waldkircher Einwohner bestimmt (Art. 41): "soll niemand mit den Juden weder kaufen, verkaufen, entleihen noch in all anderweg einlassen und mit ihnen handeln bei Strafe X Pf.R." 1679 beschloss der Rat der Stadt Waldkirch: "Wenn die Juden hierher kommen, sollen sie, wie vor diesem mit Begleitung des Stadtknechts gehalten und von ihnen stündlich 3 Batzen abgefordert werden". 1773 wurde die Taxe auf 1 Batzen ermäßigt. Die in Waldkirch ankommenden Juden handelten damals entweder mit Rohedelsteinen oder Diamantenstaub; beides wurde als Material für die Waldkircher Edelsteinschleifereien verwendet.    
  
Nach der Mitte des 19. Jahrhundert kam es zum Zuzug weniger jüdischer Personen/Familien, ohne dass es zur Entstehung einer jüdischen Gemeinde gekommen ist. Die Zahl der jüdischen Einwohner blieb gering; es wurden gezählt: 1871 drei jüdische Einwohner, 1875 zwei, 1895 drei, 1900 fünf, 1905 fünf, 1910 vier.   
   
1908 errichtete die Fa. Mechanische Weberei M. Rothschild & Söhne (Hauptwerk in Uhingen, Kreis Göppingen) eine Baumwollspinnerei in Waldkirch-Batzenhäusle, die mit 10290 Spindeln nach dem Ersten Weltkrieg eine der größten Fabriken Badens in jüdischem Besitz wurde (Inhaber Arthur Rothschild). Am 1. Dezember 1936 wurde Arthur Rothschild gezwungen, das Fabrikanwesen inklusive Maschinen und Geschäftsanteilen an die Firma Spinnweberei Walter Otto in Klingenstein zu verkaufen. Nach dem Krieg kehrte er zurück und setzte sich für eine Rückführung seines Besitzes ein. 1950 konnte die Firma ihren Betrieb wieder aufnehmen.       
     
Bei den Volkszählungen 1925 und 1933 wurden keine jüdischen Einwohner in der Stadt erfasst
.
     
     
     
Berichte aus der jüdischen Geschichte in Waldkirch           

In jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts wurden noch keine Berichte zur jüdischen Geschichte in Waldkirch gefunden.    

   
   
   
Hinweis auf Karl Jäger aus Waldkirch, den Mörder der litauischen Juden                

Karl Jäger (geb. 1888 in Schaffhausen, gest. 1959 im Gefängnis Hohenasperg): lebte seit 1891 in Waldkirch (wo der Vater als Musikschullehrer und Dirigent der Stadtmusik wirkte); Soldat im Ersten Weltkrieg; seit 1923 Mitglied der NSDAP und Begründer der Ortsgruppe Waldkirch-Breisgau, nach 1931 Aufbau eines SS-Sturmes. 1936 begann die hauptamtliche Karriere des "Waldkircher Hitler", wie er genannt wurde, in der SS. Im Sommer 1941 erhielt Jäger den Befehl, das Einsatzkommando 3 aufzustellen; zu seinen Aufgaben gehörte die "polizeiliche Sicherung" des litauischen Gebietes und damit die Ermordung von Juden, Partisanen und kommunistischen Funktionären; nach seinem eigenen Bericht ("Jäger-Bericht") wurden bereits bis 1. Dezember 1941 137.346 Menschen ermordet. Seit Mai 1944 war Jäger kommissarischer Polizeipräsident von Reichenberg im Sudetenland. Nach 1945 lebte er unerkannt in der Heidelberger Gegend; nach seiner Verhaftung im April 1959 und dem bevorstehenden Prozess starb er an Suizid im Gefängnis Hohenasperg.   
Weitere Informationen u.a. über den Wikipedia-Artikel "Karl Jäger"   
Artikel "Der Waldkircher Hitler" in Spiegel-online      Artikel "Der unauffällige Massenmörder aus der Nachbarschaft" (ScienceBlogs)    
und zahlreiche weitere - über Suchmaschinen - auffindbare Artikel 
 
Literaturhinweis:   
Wolfram Wette: Karl Jäger. Mörder der litauischen Juden. Mit einem Vorwort von Ralph Giordano. 284 S. zahlr. Abb. Fischer Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2011.  
Aus einer Buchbesprechung von Heiko Haumann: "Wolfram Wette hat ein bewegendes Buch vorgelegt, das die Vorzüge einer mehrperspektivischen Geschichtsschreibung beweist. Es ist ein Meilenstein bei der Erforschung der nationalsozialistischen Täter und des Umgang mit Erinnerung. Wir brauchen dieses Buch über Karl Jäher, weil es für die Opfer wichtig ist, die unter seiner Verantwortung unvorstellbare Qualen erleiden mussten und ermordet wurden. Wir brauchen es, um nachvollziehen zu können, wie ein 'ganz normaler Mensch', ein Mensch wie wir, zum Mörder werden konnte. Wir brauchen es, um nicht selbst einen Panzer um unsere Erinnerung zu legen, sondern uns offen mit der Geschichte auseinander zusetzen, damit wir auch offen mit heutigen Problemen umgehen können - Erinnerung bestimmt unser Handeln." 
Dazu auch u.a. ausführliche Artikel in der "Badischen Zeitung" vom 12. April 2011 
und in der Zeitschrift "Der Sonntag in Freiburg" www.der-sonntag.de vom 17.4.2011 S. 3.    
 
 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 
Hinweis auf eine Denkmalenthüllung in Waldkirche am 29. Januar 2017: Am Sonntag, dem 29. Januar 2017, um 18 Uhr wird ein Mahnmal in Waldkirch enthüllt, zum Gedenken an die mehr als 138.000 Menschen, überwiegend Juden, die in Litauen unter der Verantwortung eines Waldkircher Bürgers in wenigen Monaten 1941/42 ermordet wurden. Dank dem nicht nachlassenden Einsatz unterschiedlicher Waldkircher Gruppierungen über einen Zeitraum von 28 Jahren kam es zu diesem, vom Gemeinderat befürworteten Mahnmal mitten in der Stadt neben dem Elztalmuseum bei St. Margarethen. 
In Zusammenhang mit der Mahnmalenthüllung wird am 27. Januar, dem "Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus" der Film "Karl Jäger und wir" erneut gezeigt. Er dokumentiert eine Auseinandersetzung mit dem Geschehen in Litauen, von jugendlichen und erwachsenen Laien aus Waldkirch produziert, in Zusammenarbeit mit 'BLACK DOG'. Aufführungsort:  Freitag, 27. Januar 2017, um 20 Uhr im katholischen Gemeindezentrum St. Margarethen. 
Dazu eingestellt: Text der "Ideenwerkstatt Waldkirch in der NS-Zeit": "Ein Blick zurück auf die Entstehungsgeschichte des Mahnmals" (eingestellt als pdf-Datei)     

    
    
 
Fotos
 

Es sind keine Fotos zur jüdischen Geschichte in Waldkirch vorhanden.  
      

   
   

Lage des vermutlich älteren jüdischen Friedhofes Lage des vermutlich jüngeren jüdischen Friedhofes

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Links und Literatur

Links:  

Website der Stadt Waldkirch     

Literatur:  

Germania Judaica II,2 S. 861; III,2 S.1550-1551 (nach den hier gemachten Angaben wurden die in Waldkirch im MA verstorbenen Juden auf dem alten Friedhof in Dettelsbach bei Waldshut beigesetzt). 
Fridrich Pfaff: Die Kindermorde zu Benzhausen und Waldkirch im Breisgau. Alemannia - Zeitschrift für Sprache, Kunst und Altertum. 27. Band. Freiburg 1900. S. 247-297 (sehr ausführliche Darstellung).   
Max Wetzel: Waldkirch im Elztal. Stift, Stadt und Amtsbezirk. I. Teil. 1912. S. 124-127. 
Hermann Rambach, Die Waldkircher Juden im Mittelalter, in: Das Elztal. Beilage zur Waldkircher Volkszeitung. 30. Januar 1954 Nr. 1 und 2. 
Online zugänglich als pdf-Datei.  
Michael Longerich, Judenverfolgungen in Baden im 14. Jahrhundert am Beispiel von Breisach, Endingen, Freiburg und Waldkirch, in: s'Eige zeige. Jahrbuch des Landeskreises Emmendingen 4/1990 S.33-46.  

   
     

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 22. Januar 2017