Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Weinsheim (VG Rüdesheim, Kreis Bad Kreuznach) 
Jüdische Geschichte / Synagoge 

Übersicht:

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
bulletZur Geschichte der Synagoge   
bulletFotos / Darstellungen   
bulletLinks und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde              
    
In Weinsheim bestand eine kleine jüdische Gemeinde bis nach 1933. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. 1808 werden 12 jüdische Einwohner genannt, die sich auf fünf Haushaltungen verteilten. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die in Weinsheim lebenden jüdischen Familien offiziell der Synagogengemeinde Mandel angeschlossen. Nach 1900 waren sie der Gemeinde Bad Kreuznach angeschlossen (zusammen mit den in Hüffelsheim, Münster am Stein und Norheim lebenden jüdischen Familien; Angabe im "Statistischen Jahrbuch des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" 1903 S. 77). Später - auch noch um 1932 - ("Führer durch die jüdische Gemeindeverwaltung und Wohlfahrtspflege in Deutschland" 1932-33 S. 226) wird Weinsheim wieder als selbständige jüdische Gemeinde aufgeführt. 
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1858 32 jüdische Einwohner, 1895 41, 1903 7 Haushaltungen. Die jüdischen Haushaltsvorsteher verdienten den Lebensunterhalt als Vieh- und Getreidehändler, Lebensmittelhändler, Textil- und Kurzwarenhändler. Es gab um 1900 auch einen jüdischer Winzer (Braun), der zudem eine kleine Brennerei für Hefe, Trester und Kernobst betrieb.  

An Einrichtungen bestanden eine Synagoge mit einem Bet- und Unterrichtsraum sowie ein Friedhof. 1841 wurde der Religionsunterricht der jüdischen Kinder von Levy Frankfurter erteilt, der damals gemeinsam für die Gemeinden Waldböckelheim, Monzingen und Weinsheim angestellt wurde. Ansonsten besuchten die jüdischen Kinder die evangelische Elementarschule.     
 
1924 wurden noch 19 jüdische Einwohner gezählt, die sich auf die Familien Braun, Hirsch, Loeb und Mayer verteilten. Nach dem "Führer durch die jüdische Gemeindeverwaltung" von 1932 war damals Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Weinsheim Max Braun. Betreut wurde die Gemeinde durch Bezirksrabbiner Dr. Jacobs aus Kreuznach.  
  
Die Gemeinde Windesheim war Mitglied des "Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden" (in: "Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdisches Gemeinden" vom 25. Januar 1932 S. 6).
  
1933 lebten noch etwa 15 jüdische Personen am Ort. In den folgenden Jahren sind mehrere von Ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Die Ereignisse beim Novemberpogrom 1938 trafen vor allem die Familie Hirsch. Ein SA-Trupp aus Bad Kreuznach unter Führung des Ortsgruppenleiters L. aus Bad Münster demolierte die gesamte Inneneinrichtung der Familie. Moses Hirsch war bereits verhaftet und in das Bad Kreuznacher Amtsgerichtsgefängnis eingeliefert worden. Auch die Familie Braun sollte überfallen werden, was jedoch durch den Weinsheimer Ortsgruppenleiter verhindert wurde, der Herrn Braun mit Hinweis auf die gemeinsame Zeit im Ersten Weltkrieg in Schutz nahm - Braun war mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden. 
Anmerkung: Hinweis auf das Verzeichnis der jüdischen Einwohner, die in den Gemeinden des Amtes Rüdesheim Kreis Kreuznach (Hargesheim, Hüffelsheim, Mandel, Norheim, Weinsheim) gewohnt haben und verschleppt (sc. deportiert) wurden (pdf-Datei der an den Internationalen Suchdienst Arolsen von der Amtsverwaltung Rüdesheim 1962 mitgeteilten Liste von 37 Personen aus diesen Orten).
  
Von den in Weinsheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Salomon (Sally) Besthof (1876)*, Amalie (Malchen) Braun geb. Stern (1884), Eugen Braun (1912), Irene Braun (1908), Max (Marx) Braun (1882), Hilde Goldberg geb. Mendel (1896), Moses Hirsch (1882), Susanne (Sara) Hirsch geb. Leib (1890), Werner Hirsch (), Ella Lichtenstein geb. Marx (1896), Julie Mainzer geb. Loeb (1883), Moritz Marx (1886), Otto Josef Marx (1890), Walter Marx (1905), Max Mayer (), Moritz Mayer (1883), Lina Nassauer geb. Loeb (1891).
  
Anmerkung: *Gebürtig aus "Weinsheim" steht im Gedenkbuch des Bundesarchives bei Salomon (Sally) Besthof (Besthoff, 1876 - ermordet 1942 Chelmno). Nach Recherchen durch "Stolpersteine Mönchengladbach" (Broschüre Stolpersteine berichtet über ihn ausführlich) soll er aus "Weinsheim bei Frankfurt" stammen, womit möglicherweise Weinsheim bei Worms gemeint sein kann. Doch liegt im jüdischen Friedhof Weinsheim auch der im Mai 1897 verstorbene Julius Besthof, sodass ein Nachweis für den Zusammenhang dieser Familie Westhof mit Weinsheim bei Kreuznach vorliegt. Auch der am 4. März 1879 in Weinsheim geborene Isidor Besthof dürfte derselbe Familie angehören bzw. ein Bruder von Salomon gewesen sein. Isidor war Mitglied der "Zion-Loge" in Hannover seit dem 3. Dezember 1911 und starb am 17. Juli 1917 ("Bericht der Großloge" 1917 S. 139). Für Salomon Besthof und seine Frau Alma geb. Beyth liegen seit 2008 in Mönchengladbach vor dem Haus Beethovenstraße 6 "Stolpersteine", siehe die o.g. Broschüre, https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Mönchengladbach_%E2%80%93_Stadtbezirk_Nord  und https://www.geni.com/people/Salomon-Sally-Besthof/6000000187764526881.  
  
Im jüdischen Friedhof der Gemeinde Weinsheim
steht seit 1961 ein Gedenkstein für die in der NS-Zeit ermordeten Weinsheimer Juden. Auf ihm ist zu lesen: "Den durch nat.soz. Verfolgungsmaßnahmen umgekommenen jüdischen Bürgern der Gemeinde Weinsheim zum Gedenken. Max Braun  Amalie Braun  Eugen Braun  Irene Braun  Moses Hirsch  Susanne Hirsch  Werner Hirsch  Moritz Mayer  Max Mayer".  
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde
Kleine Mitteilungen zu einzelnen Personen  

- 1901 bis 1905 erscheint über mehrere Jahre regelmäßig in Spenderlisten in verschiedenen jüdischen Periodika der Name von Ferdinand Jacoby aus Weinsheim, zuletzt 1906 seiner Witwe (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 29. März 1906 S. 7; Ferdinand Jacoby starb 1905, siehe Grabstein im Friedhof Weinsheim).   
-  1905: in einer Spendenliste erscheint Leopold Loeb, Weinsheim (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 24. November 1905 S. 7).  
-  1906: Verlobung von Klara Jacoby aus Weinsheim mit Siegmund Lilienfeld aus Frankfurt (in: "Neue jüdische Presse - Frankfurter Israelitisches Familienblatt" vom 3. August 1906 S. 6).   
-  1911: Verlobung von Paula Marx aus Weinsheim mit Otto Neuschüler aus Saarbrücken (in: "Neue jüdische Presse - Frankfurter Israelitisches Familienblatt" vom 29. Dezember 1911 S. 4).  
-  1913: in einer Spendenliste erscheint Frau M. Braun, Weinsheim (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 3. Januar 1913 S. 17).   

    
     
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Anzeigen von Heinrich Marx (1887 / 1900 / 1904)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. März 1887: "Koscher zu Pessach
Empfehle meinen selbftgebrannten Hefe-Branntwein zu soliden Preisen und gebe denselben im Großen, wie auch im Kleinen ab. Hochachtungsvoll
Heinrich Marx.

Wein- u. Branntweinhandlung in Weinsheim b. Kreuznach"    
  
Weinsheim Israelit 31121900.jpg (34618 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Dezember 1900: "Ein israelitisches Mädchen, 
welches gemeinschaftlich mit meiner Tochter die Führung des Haushaltes übernimmt, sofort gesucht. 
Heinrich Marx
, Weinsheim bei Kreuznach."   
 
Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 17. März 1904: "Suche für meine Tochter im 16. Jahre, groß und kräftig, Stelle mit Familienanschluss in besseren rituellem Hause, zur Mitarbeit behufs Erlernung von Haushalt und Küche. Bedingung nach Übereinkunft.
Weinsheim b. Kreuznach.
Heinrich Marx."   

   
Anzeige von M. Müller (1925)  

Weinsheim Israelit 05111925.jpg (31030 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. November 1925: "Selbstständiger Bäcker sucht Sabbatfreie Stellung, 
ist auch zu jeder Arbeit willig. Angebote an 
M. Müller, Weinsheim
bei Kreuznach."    

    
    
    
Zur Geschichte der Synagoge                 
    
Bei der Synagoge in Weinsheim handelte es sich um ein Gebäude unweit der alten Schule. das zu Beginn der 1950er-Jahre aus Anlass der Verbreiterung der B 41 weichen musste. Gottesdienste konnten in Weinsheim zumindest in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg nur noch stattfinden, wenn mit Hilfe von auswärtigen Männern Minjan erreicht wurde.       
     
     
Adresse/Standort der Synagoge:   Kreuznacher Straße / Ecke Sponheimer Straße           Adresse 1932: Hauptstraße             
     
     
Fotos / Abbildungen

Es sind noch keine Fotos / Abbildungen vorhanden; 
über Hinweise oder Zusendungen freut sich der Webmaster der "Alemannia Judaica"; Adresse siehe Eingangsseite. 
 
     

     

    
Links und Literatur

Links:  

bulletWebsite der Gemeinde Weinsheim     

Literatur:      

bulletLandesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 383  (mit weiteren Literaturangaben). 

   
    n.e.                    

                   
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Stand: 09. August 2026