|
Eingangsseite
Aktuelle Informationen
Jahrestagungen von Alemannia Judaica
Die Mitglieder der
Arbeitsgemeinschaft
Jüdische Friedhöfe
(Frühere und bestehende) Synagogen
Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale
in der Region
Bestehende jüdische Gemeinden
in der Region
Jüdische Museen
FORSCHUNGS-
PROJEKTE
Literatur und Presseartikel
Adressliste
Digitale Postkarten
Links
| |
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"
zurück zur Übersicht "Synagogen in Rheinland-Pfalz"
Zur Übersicht "Synagogen im
Kreis Bad Kreuznach"
Weinsheim (VG
Rüdesheim, Kreis
Bad Kreuznach)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Weinsheim bestand eine kleine jüdische
Gemeinde bis nach 1933. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18.
Jahrhunderts zurück. 1808 werden 12 jüdische Einwohner genannt, die
sich auf fünf Haushaltungen verteilten. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die
in Weinsheim lebenden jüdischen Familien offiziell der Synagogengemeinde Mandel
angeschlossen. Nach 1900 waren sie der Gemeinde
Bad Kreuznach angeschlossen (zusammen
mit den in Hüffelsheim,
Münster am Stein und Norheim
lebenden jüdischen Familien; Angabe im "Statistischen Jahrbuch des
Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" 1903 S. 77). Später - auch noch um
1932 - ("Führer durch die jüdische Gemeindeverwaltung und Wohlfahrtspflege in
Deutschland" 1932-33 S. 226) wird Weinsheim wieder als selbständige jüdische
Gemeinde aufgeführt.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1858 32 jüdische Einwohner, 1895 41, 1903 7 Haushaltungen. Die jüdischen
Haushaltsvorsteher verdienten den Lebensunterhalt als Vieh- und
Getreidehändler, Lebensmittelhändler, Textil- und Kurzwarenhändler. Es gab um
1900 auch einen jüdischer Winzer (Braun), der zudem eine kleine Brennerei für
Hefe, Trester und Kernobst betrieb.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge mit einem Bet- und
Unterrichtsraum sowie ein Friedhof. 1841
wurde der Religionsunterricht der jüdischen Kinder von Levy Frankfurter erteilt, der damals gemeinsam für die Gemeinden Waldböckelheim, Monzingen und
Weinsheim angestellt wurde. Ansonsten besuchten die jüdischen Kinder die
evangelische Elementarschule.
1924 wurden noch 19 jüdische Einwohner gezählt, die sich auf die
Familien Braun, Hirsch, Loeb und Mayer verteilten. Nach dem "Führer durch
die jüdische Gemeindeverwaltung" von 1932 war damals Vorsitzender
der jüdischen Gemeinde in Weinsheim Max Braun. Betreut wurde die Gemeinde durch
Bezirksrabbiner Dr. Jacobs aus Kreuznach.
Die Gemeinde Windesheim war Mitglied des "Preußischen Landesverbandes Jüdischer
Gemeinden" (in: "Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdisches
Gemeinden" vom 25. Januar 1932 S. 6).
1933 lebten noch etwa 15 jüdische Personen am Ort. In
den folgenden Jahren sind mehrere von Ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Die Ereignisse beim Novemberpogrom
1938 trafen vor allem die Familie Hirsch. Ein SA-Trupp aus Bad Kreuznach
unter Führung des Ortsgruppenleiters L. aus Bad Münster demolierte die gesamte
Inneneinrichtung der Familie. Moses Hirsch war bereits verhaftet und in das Bad
Kreuznacher Amtsgerichtsgefängnis eingeliefert worden. Auch die Familie Braun
sollte überfallen werden, was jedoch durch den Weinsheimer Ortsgruppenleiter
verhindert wurde, der Herrn Braun mit Hinweis auf die gemeinsame Zeit im Ersten
Weltkrieg in Schutz nahm - Braun war mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet
worden.
Anmerkung: Hinweis auf das
Verzeichnis der jüdischen Einwohner, die in den Gemeinden des Amtes Rüdesheim
Kreis Kreuznach (Hargesheim, Hüffelsheim, Mandel, Norheim, Weinsheim)
gewohnt haben und verschleppt (sc. deportiert) wurden (pdf-Datei der an den
Internationalen Suchdienst Arolsen von der Amtsverwaltung Rüdesheim 1962
mitgeteilten Liste von 37 Personen aus diesen Orten).
Von den in Weinsheim geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Salomon (Sally)
Besthof (1876)*, Amalie (Malchen) Braun geb. Stern (1884), Eugen Braun (1912), Irene
Braun (1908), Max (Marx) Braun (1882), Hilde Goldberg geb. Mendel (1896), Moses
Hirsch (1882), Susanne (Sara) Hirsch geb. Leib (1890), Werner Hirsch (), Ella
Lichtenstein geb. Marx (1896), Julie Mainzer geb. Loeb (1883), Moritz Marx
(1886), Otto Josef Marx (1890), Walter Marx (1905), Max Mayer (), Moritz Mayer
(1883), Lina Nassauer geb. Loeb (1891).
Anmerkung: *Gebürtig aus "Weinsheim" steht im Gedenkbuch des Bundesarchives
bei Salomon (Sally) Besthof (Besthoff, 1876 - ermordet 1942 Chelmno).
Nach Recherchen durch "Stolpersteine Mönchengladbach" (Broschüre
Stolpersteine berichtet über ihn ausführlich) soll er aus "Weinsheim bei
Frankfurt" stammen, womit möglicherweise Weinsheim bei Worms gemeint sein kann.
Doch liegt im jüdischen Friedhof Weinsheim
auch der im Mai 1897 verstorbene Julius Besthof, sodass ein Nachweis für den
Zusammenhang dieser Familie Westhof mit Weinsheim bei Kreuznach vorliegt. Auch
der am 4. März 1879 in Weinsheim geborene Isidor Besthof dürfte derselbe
Familie angehören bzw. ein Bruder von Salomon gewesen sein. Isidor war Mitglied
der "Zion-Loge" in Hannover seit dem 3. Dezember 1911 und starb am 17. Juli 1917
("Bericht der Großloge" 1917 S. 139). Für Salomon Besthof und seine Frau Alma
geb. Beyth liegen seit 2008 in Mönchengladbach vor dem Haus Beethovenstraße 6
"Stolpersteine", siehe die o.g. Broschüre,
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Mönchengladbach_%E2%80%93_Stadtbezirk_Nord
und
https://www.geni.com/people/Salomon-Sally-Besthof/6000000187764526881.
Im jüdischen Friedhof der Gemeinde Weinsheim
steht seit 1961 ein Gedenkstein für die in der NS-Zeit ermordeten
Weinsheimer Juden. Auf ihm ist zu lesen: "Den durch nat.soz. Verfolgungsmaßnahmen
umgekommenen jüdischen Bürgern der Gemeinde Weinsheim zum Gedenken. Max
Braun Amalie Braun Eugen Braun Irene Braun Moses
Hirsch Susanne Hirsch Werner Hirsch Moritz Mayer Max
Mayer".
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Berichte zu
einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde
Kleine Mitteilungen zu einzelnen
Personen
| - 1901 bis 1905 erscheint über mehrere Jahre
regelmäßig in Spenderlisten in verschiedenen jüdischen Periodika der Name
von Ferdinand Jacoby aus Weinsheim, zuletzt 1906 seiner Witwe (in:
"Israelitisches Familienblatt" vom 29. März 1906 S. 7; Ferdinand Jacoby
starb 1905, siehe Grabstein im Friedhof
Weinsheim). |
| - 1905: in einer Spendenliste
erscheint Leopold Loeb, Weinsheim (in: "Israelitisches
Familienblatt" vom 24. November 1905 S. 7). |
| - 1906: Verlobung
von Klara Jacoby aus Weinsheim mit Siegmund Lilienfeld aus Frankfurt
(in: "Neue jüdische Presse - Frankfurter Israelitisches Familienblatt"
vom 3. August 1906 S. 6). |
| - 1911: Verlobung von Paula Marx
aus Weinsheim mit Otto Neuschüler aus Saarbrücken (in:
"Neue jüdische Presse - Frankfurter Israelitisches Familienblatt" vom
29. Dezember 1911 S. 4). |
| - 1913: in einer Spendenliste
erscheint Frau M. Braun, Weinsheim (in: "Israelitisches
Familienblatt" vom 3. Januar 1913 S. 17). |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeigen von Heinrich Marx (1887 / 1900 / 1904)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. März 1887: "Koscher zu
Pessach
Empfehle meinen selbftgebrannten Hefe-Branntwein zu soliden Preisen und gebe
denselben im Großen, wie auch im Kleinen ab. Hochachtungsvoll
Heinrich Marx.
Wein- u. Branntweinhandlung in Weinsheim b. Kreuznach"
|
| |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Dezember 1900:
"Ein israelitisches Mädchen,
welches gemeinschaftlich mit
meiner Tochter die Führung des Haushaltes übernimmt, sofort
gesucht.
Heinrich Marx, Weinsheim bei Kreuznach." |
| |
Anzeige
in "Israelitisches Familienblatt" vom 17. März 1904: "Suche für meine
Tochter im 16. Jahre, groß und kräftig, Stelle mit Familienanschluss
in besseren rituellem Hause, zur Mitarbeit behufs Erlernung von Haushalt und
Küche. Bedingung nach Übereinkunft.
Weinsheim b. Kreuznach.
Heinrich Marx." |
Anzeige von M. Müller (1925)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. November 1925:
"Selbstständiger Bäcker sucht Sabbatfreie Stellung,
ist auch
zu jeder Arbeit willig. Angebote an
M. Müller, Weinsheim bei Kreuznach." |
Zur Geschichte der Synagoge
Bei der Synagoge in Weinsheim handelte es sich um ein Gebäude
unweit der alten Schule. das zu Beginn der 1950er-Jahre aus Anlass der
Verbreiterung der B 41 weichen musste. Gottesdienste konnten in Weinsheim
zumindest in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg nur noch stattfinden, wenn mit
Hilfe von auswärtigen Männern Minjan erreicht wurde.
Adresse/Standort der Synagoge: Kreuznacher
Straße / Ecke Sponheimer Straße Adresse
1932: Hauptstraße
Fotos / Abbildungen
Es sind noch keine
Fotos / Abbildungen vorhanden;
über Hinweise oder Zusendungen freut sich
der Webmaster der "Alemannia Judaica"; Adresse siehe Eingangsseite. |
|
| |
|
|
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 383 (mit weiteren Literaturangaben).
|
n.e.

vorherige Synagoge zur ersten Synagoge nächste Synagoge
|