Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 

   
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Schweiz"
    

Avenches (Canton de Vaud; dt. Wiflisburg, Kanton Waadt)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen      
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde        
   
In Avenches bestand im 19./20. Jahrhundert eine jüdische Gemeinde. Die ersten jüdischen Personen ließen sich 1826 in der Stadt nieder. Dabei handelte es sich zunächst um Pferdehändler, die in der Folgezeit für das von der Pferdezucht und der Landwirtschaft geprägte wirtschaftliche Leben in der Region von Bedeutung waren. Zahlreiche andere Familien zogen in der Folgezeit nach. Sie stammten fast durchweg aus elsässischen jüdischen Gemeinden (Artikel unten von 1847: "Juden von elsässischem Schrot und Korn"), deren "patriarchalische Gastfreundschaft" 1847 gelobt wurde (s.u. Artikel).    
  
Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich wie folgt: 1847 27 jüdische Familien, um 1870 Höchstzahl von 260 jüdischen Einwohnern in Avenches (14 % der Gesamteinwohnerschaft), danach Rückgang: 1917 74 jüdische Einwohner, 1950 nur noch zwei jüdische Familien. Die Abwanderung vollzog sich auf Grund der Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage auf dem Land. Insbesondere nach Bern und Lausanne zogen zahlreiche der Familien.      
 
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule und ein rituelles Bad (im Untergeschoss der Synagoge). Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. unten Ausschreibungen der Stelle von 1893 und 1901; mit der Ausschreibung von 1904 wurde nur noch ein Vorbeter und Schochet gesucht). Unter den Lehrern wird B. Taube genannt (Lehrer um 1877/1878). Der Lehrer wohnte in einer Wohnung im Erdgeschoss der Synagoge.         
 
Auf Grund der zurückgegangenen Zahl der jüdischen Einwohner konnten bereits seit den 1930er-Jahren keine Gottesdienst mehr in der Synagoge abgehalten werden. Die Gemeinde wurde aufgelöst.      
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1893 / 1901 / 1902 / 1904     

Avenches Israelit 02031893.jpg (51229 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. März 1893: "Die Religionslehrer- und Chasan-Stelle dahier ist vakant und wieder zu besetzen. Bevorzugt wird ein Elsässer. Nicht verheiratet oder nur mit kleiner Familie. Derselbe muss befähigt sein, im Deutschen und Hebräischen zu unterrichten. Tag des Eintritts wird später bestimmt. Meldungen erbittet 
Nathan Bloch, Vorstand, Avenches (Schweiz)."    
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Dezember 1901: "In der hiesigen Gemeinde ist per 1. März 1902 die Stelle eines unverheirateten Chasan und Lehrer, (event. auch ohne Familie) mit einem festen Jahresgehalt von Frcs. 1200 frei. Lehrergehalt wird extra bezahlt. Bewerbungen sind zu richten an 
den Vorstand der israelitischen Gemeinde. 
Leopold Levy-Bloch, Avenches, Schweiz,
Marchand de Chveaux."    
  
Avenches Israelit 04121902.jpg (34843 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Dezember 1902: "Die Gemeinde Avenches (Schweiz) sucht einen unverheirateten Chasan und Schochet. 
Fixes Gehalt 1.200 Frcs. Schächten wird extra vergütet. Reflektanten belieben sich an den Präsidenten der israelitischen Gemeinde zu wenden. 
Leopold Levy.
"            
 
Avenches Israelit 11041904.jpg (30400 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. April 1904: "Wir suchen einen unverheirateten Chasan 
(Kantor) mit einem fixen Gehalt von 1.300 Francs, ohne das Einkommen aus der Schechita. Der Eintritt kann sofort erfolgen. 
Leopold Levy, Präsident, Avenches (Schweiz)."      

       
Anzeigen des jüdischen Lehrers Taube (1877/1878)  

Avenches Israelit 14031877.jpg (47305 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. März 1877: "Ein israelitisches Mädchen aus der französischen Schweiz, welches Deutsch und Französisch spricht, sucht zum 15. April dieses Jahres einen Platz als Dienstmädchen in einer kleineren Familie in der Schweiz oder in deren Nähe. Gute Referenzen stehen zur Seite. Reflektierende wollen sich gefälligst wenden an den Beauftragten. B. Taube, Religionslehrer in Avenches (Schweiz).  
  
Avenches Israelit 19061878.jpg (31878 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Juni 1878: "Schochet-Gesuch
Auf 4-5 Wochen suche ich zur Stellvertretung einen Schochet, der auch das Vorbeten versehen kann. 
B. Taube
, ministre officiant, Avenches (Schweiz).   

  
  
Aus dem jüdischen Gemeindeleben 
Es gibt "nicht viel Berichtenswertes" aus Avenches (1847)  

Avenches AZJ 25011847.jpg (47880 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. Januar 1847: "Avenches, eine Gemeinde von ungefähr 27 Familien, das alte römische Aventicum mit seinen Ruinen zu deutsch Wiflisburg, bietet nicht viel Berichtenswertes dar; wohl aber verdient die patriarchalische Gastfreundschaft dieser Juden von elsässischem Schrot und Korn der Erwähnung."    

   
Statistik der jüdischen Einwohner 1917      

Artikel im "Jüdischen Jahrbuch der Schweiz" von 1917 S. 220: Es werden angegeben an jüdischen Einwohnern: 
"Kanton Zürich: Zürich 5212, Winterthur 133, Bülach 24; 
Baselstadt 2452; 
Genf 2236; 
Kanton Bern
: Bern 1062, Biel 413, Delsberg 75, Burgdorf 50, Langental 32, Laufen 27, Thun 27; 
Kanton Waadt:
Lausanne 989, Vevey 127, Yverdon 102, Montreux 96, Avenches 74, Nyon 64, Morges 40, Mondon 32, Cossonay 24".      

 
  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Anzeige von Josef Bloch (1887)  

Avenches Israelit 30061887.jpg (37645 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Juni 1887: "Einige junge Leute, welche die französische Sprache zu erlernen wünschen, finden koschere Kost und Logis bei 
Josef Bloch,
Boucher, Avenches, Canton de Vaude, Suisse". 

      
      
      
Zur Geschichte der Synagoge       
      
Zunächst wurde vermutlich ein Betraum in einem Privathaus eingerichtet, später wurde ein größerer Raum zur Einrichtung einer Betlokals angemietet. 
    
Um 1850 bemühte sich die Gemeinde um den Bau einer Synagoge. Doch sollte es noch einige Jahre dauern, bis die Gemeinde im Februar 1863 den Kaufvertrag für ein Wohnhaus außerhalb der Stadtmauern unterzeichnen konnte, das zu einer Synagoge umgebaut wurde. Der Gemeinderat der Stadt erteilte im November 1864 die Ausführung der Baupläne. Erstellt wurde eine Synagoge mit 120 Plätzen, je sechzig Frauen- und Männersitze. Die feierliche Einweihung der Synagoge war am 4. August 1865 in Anwesenheit zahlreicher lokaler Prominenz durch Rabbiner Moise Nordmaqnn und den Genfer Rabbiner Prof. Joseph Wertheimer. 
   
Auf Grund der Abwanderung der jüdischen Familien wurden bereits in den 1930er-Jahren keine Gottesdienst mehr in der Synagoge abgehalten.       
   
Ende 1957 wurde das Synagogengebäude abgebrochen. Das Grundstück wurde für den Betrag von 4.000 Franken verkauft, womit die Abbruchkosten bezahlt waren. Die rituellen Gegenstände wurden den Gemeinden Bern und Lausanne übergeben. 
    
1979 wurde ein Gedenkstein auf Grund einer Initiative des ehemaligen Archivars von Avenches Yoland Gottraux aufgestellt. Der Stein trägt die Inschrift: "Hier erhob sich die Synagoge der israelitischen Gemeinschaft. Die ersten Juden ließen sich 1826 in Avenches nieder. Die Gemeinschaft zählte bis zu 250 Mitglieder und löste sich im Laufe der Jahre langsam auf. Oktober 1979."
      
      
Adresse/Standort der Synagoge   Derrieres les Terreaux - Chemin des Terreaux  
     
     
Fotos
(Quelle: die historische Karte aus der Sammlung Hahn;  die drei historischen Aufnahmen aus dem Buch von Ron Epstein-Mil s. Lit. S. 95.97; neuere Aufnahmen: Hahn, Aufnahmedatum 27.8.2008)   

Historische Karte "Avenches. Les Remparts"  Avenches Synagogue IMG_20150618_0001.jpg (222383 Byte)   
  Blick auf die Synagoge, rechts der Mitte     
       
Avenches Synagogue 182.jpg (60217 Byte) Avenches Synagogue 181.jpg (49188 Byte) Avenches Synagogue 180.jpg (62427 Byte)
Außenansichten der ehemaligen Synagoge von Avenches, 
links von Westen, rechts von Osten  
Einzige bekannte Innenansicht - 
Blick zum Almemor 
       

 Das Synagogengrundstück im Sommer 2008  

 
Avenches Synagogue 172.jpg (114390 Byte) Avenches Synagogue 175.jpg (117093 Byte) Avenches Synagogue 171.jpg (102290 Byte)
Grundstück der ehemaligen Synagoge   Gedenktafel

   
   
Links und Literatur

Links:  

Website der Stadt Avenches   

Artikel Avenches im "Historischen Lexikon der Schweiz"   

Literatur:  

C. Lauener: La communauté juive d'Avenches: organisation et intégration (1826-1900). 1993.  
Ron Epstein-Mil:   Die Synagogen der Schweiz. Bauten zwischen Emanzipation, Assimilation und Akkulturation. Fotografien von Michael Richter  
Beiträge zur Geschichte und Kultur der Juden in der Schweiz. Schriftenreihe des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds, Band 13. 2008. S. 94-97 (hier auch weitere Quellen und Literatur)    

   
    

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge   

          

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 19. Juni 2015