Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Bad Teinach (Stadt Bad Teinach-Zavelstein, Kreis Calw)
Jüdische Geschichte 

Übersicht:

Zur jüdischen Geschichte in Bad Teinach 
Berichte aus der jüdischen Geschichte in Bad Teinach   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

   

Zur jüdischen Geschichte in Bad Teinach                          
     
In Bad Teinach bestand zu keiner Zeit eine jüdische Gemeinde. Dennoch war - seitdem der Ort 1835 "königliches Bad" und von König Wilhelm I. mit neuem Badehaus, Trinkhalle und einem Badhotel versehen wurde - Bad Teinach auch für jüdische Personen einer weiteren Umgebung ein beliebter Kurort. In einem Bericht vom September 1871 (siehe unten) erfährt man, dass im Sommer dieses Jahres jüdische Personen unter anderem aus Stuttgart, Frankfurt, Mannheim usw. sich in Bad Teinach zur Kur aufhielten.  
    
Weitere Spuren: Von besonderem Interesse am Ort ist die kabbalistische Lehrtafel der Prinzessin Antonia Herzogin von Württemberg aus dem 17. Jahrhundert in der Dreifaltigkeitskirche. Sie ist inhaltlich christlich geprägt, doch stark von jüdisch-kabbalistischer Mystik beeinflusst. Informationen u.a. über den Wikipedia-Artikel "Kabbalistische Lehrtafel"
.     
    
    
    
Berichte aus der jüdischen Geschichte in Bad Teinach      
       
Ein orthodox-jüdischer Kurgast in Bad Teinach kritisiert die Verhältnisse unter liberalen "Reformjuden" (1862)  
Anmerkung: im zweiten Teil des Berichtes erfährt man von einem jüdischen Mädchen aus Freudental, das in Bad Teinach starb und dabei nicht die sonst in jüdischen Gemeinden übliche Sterbebegleitung erhielt.      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. September 1871: "Aus Bad Teinach bei Calw, im August (1871, Württemberg). An einem der jüngsten Sabbate war es, - wir glauben Paraschat Ki teze - als Schreiber dieses (Artikels) auf seiner Durchreise durch Stuttgart die dortige Synagoge besuchte, nicht etwa, um dort seine Andacht zu verrichten (denn dies war ihm nach seinen früheren Erfahrungen in anderen Reform-'Synagogen' zum Voraus als unmöglich erschienen), sondern um sich persönlich davon zu überzeugen, ob auch in Stuttgart der Synagogenbesuch ebenso schwach sei, wie in anderen Reformgemeinden, oder ob vielleicht Stuttgart besser als sein Ruf; wir fanden, was wir gefürchtet oder erwartet hatten: eine verschwindende Anzahl von talislosen Besuchern und auf der 'Loge' (Empore) einen Kranz von 'sonntäglich' - wir wollten sagen - sabbatlich geputzten Damen, die mir der gleichgültigsten Miene dem Orgeltone lauschten, sich nach dem Kommando von Maier's Gebetbuch erhoben      
Stuttgart Israelit 13091871a.jpg (296430 Byte)und setzten, im Übrigen aber sich brav ruhig und still verhielten; da und dort erblickten wir, gleichsam zu Erinnerung, dass wir uns in einem jüdischen Tempel befanden, einen mit wirklicher Andacht betenden Mann, der, unbeirrt von dem Rauschen der Orgel und dem Gleichklang des Chorgesangs, stehend und mit jenem spezifisch jüdischen 'Schütteln' - alle meine Gebeine werden sprechen: Ewiger, wer ist gleich dir? (Psalm 35,10) - seine Tephillah (Gebet) verrichtete. Nach dem Einheben und dem Absingen eines 'Chorals' bestieg Kirchenrat Dr. Maier die Kanzel und hielt eine Rede, in welcher er anknüpfend an den inneren Zusammenhang der drei ersten Abschnitte der Sidre (Wochenabschnitt der Tora) den Ausspruch des ... als Text benützte und ihn durch mannigfache Beispiele schön exemplifizierte. Uns war nur  leid, dass nicht die jüdische Teinacher Badegesellschaft, die größtenteils aus Stuttgartern besteht, zugegen war; sie hätte n sich vielleicht sonst ihres Gebarens im Bade Teinach, einem christlichen Dorfe erinnert und wären nachdenklich geworden wegen des großen sittlichen Zerfalls, der begonnen hat mit kleinen Übertretungen der Gebote Gottes, dann fortgeschritten ist in der völligen Missachtung des jüdischen Gesetzes und bereits so sehr jedes religiöse Gefühl ausgemerkt hat, dass diese Stuttgarter Juden bereits aufgehört haben, ihre Glaubensgenossen als Mitmenschen zu betrachten; denn wo in aller Welt hat man schon gehört, dass ein Jude, der zu einem Sterbenden gerufen wird, sich weigert, diese Liebespflicht zu erfüllen? Und dies ist geschehen im Bade Teinach. Diese Erfahrung musste ein Elternpaar aus Freudental machen, deren Tochter im Bade Teinach ihrem Leiden erlegen ist. Beim Verscheiden derselben sahen sich die unglücklichen Eltern nach den im Bade anwesenden Juden um und ließen sie rufen, damit diese mit ihnen gemeinschaftlich die Sterbegebete verrichteten; es waren Juden da aus Stuttgart, Frankfurt, Mannheim etc. - aber, mögen sie nun ihre Nerven haben schonen wollen oder aus irgendwelchem anderen Grunde, es erschien keiner, und so waren die Eltern allein mit ihrer sterbenden Tochter, die in einem christlichen Hause krank gelegen hatte. Eigentümlich ist es, dass der Vater des verstorbenen Mädchens selbst zu den Reformjuden zählt; möge er und alle, die sich einen Ruhm daraus machen, diesen Namen zu tragen, an diesem Falle erkennen, wohin diese Reformsucht führt - zur vollständigen Apathie gegen alles Göttliche und Menschliche; wo die Juden bisher zusammenwohnten, getreu dem alten Gesetz und der alten Sitte, bildeten sie gewissermaßen eine Familie, deren Glieder Freud' und Leid miteinander teilten und in Unglücksfällen sich hilfreich gegenseitig unterstützten und dies taten sie nicht aus menschlichen Nebenrücksichten, sondern weil Wohltätigkeit ein göttliches Gebot ist; erst wenn diese Familienbande sich lösen würden, wurden wir in Wahrheit im Exil leben, dann erst würde die Diaspora unerträglich werden und den bestand des Judentums wesentlich in Frage stellen. Hoffen wir, dass dieser Fall vereinzelt bleiben möge; denn sonst müsste der fromme Jude, ehe er ins Bad reist, neben den Rücksichten auf den Erfolg der Kur, auch darauf sehen, ob er dort Glaubensgenossen trifft, die eintretenden Falls zu Liebesdiensten bereit sind, und es gäbe dann eine neue Kategorie von Bädern, 'orthodoxe' und 'Reformbäder'; oder man müsste jüdische Feldbadgeistliche aufstellen, die dem alljährlichen Heereszuge der badelustigen Judenheit mit in den Kampf folgen und den Kranken und Sterbenden erforderlichenfalls zur Seite stehen."       

      
      
      
 
Fotos  
(Quelle: Postkarte aus den 1970er-Jahren; Dreifaltigkeitskirche Bad Teinach - Führer für Kirche und Lehrtafel. 1981² s.u. Anhang)   

Bad Teinach Lehrtafel 010.jpg (1029677 Byte) Bad Teinach Lehrtafel 016.jpg (513763 Byte) Bad Teinach Lehrtafel 015.jpg (193286 Byte)
Die kabbalistische Lehrtafel der Prinzessin Antonia von Württemberg in der Dreifaltigkeitskirche zu Teinach mit den 
10 Sephiroth oder Abglänzen Gottes. 

   
    
Links und Literatur

Links:  

Website der Stadt Bad Teinach-Zavelstein   
Wikipedia-Artikel zur "Kabbalistischen Lehrtafel"  

Literatur:  

siehe Wikipedia-Artikel oben  
Dreifaltigkeitskirche Bad Teinach. Führer für Kirche und Lehrtafel. Hrsg. von der Evang. Kirchengemeinde Bad Teinach 1973. 1981² (Text: Martin Schüz).  

        
          

                   
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Stand: 15. März 2015