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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Bad Herrenalb (Kreis
Calw)
Jüdische Geschichte
Übersicht:
Zur Geschichte jüdischer Bewohner
In Bad Herrenalb gab es zu keiner Zeit eine jüdische Gemeinde. Dennoch gab es
seit Ende des 19. Jahrhunderts mehrere Kureinrichtungen in jüdischem Besitz für
die sich am Ort vor allem im Sommer regelmäßig aufhaltenden jüdischen
Kurgäste. Nach einem Bericht von 1899 (siehe unten) wurden bereits 1898
im jüdischen Hotel Lion insgesamt etwa 500 bis 600 jüdische Gäste gezählt,
in Bad Herrenalb insgesamt etwa 2.000 jüdische Gäste.
Als ständige jüdische Einwohner wurden bei den Volkszählungen 1900 und
1910 noch keine, 1925 sechs, 1933 fünf jüdische Personen gezählt. Diese
Angaben geben nicht die Realität wieder, da um 1910 u.a. die Familie Luzian und
Eugenie Weil am Ort wohnte, deren Kinder hier geboren
sind.
An jüdischen Kureinrichtungen bestanden in Bad Herrenalb:
 | seit 1898 das von dem Karlsruhe Metzger und Gastwirt
Isaak Lion streng koscher geführte Hotel Lion (siehe Berichte
unten). Das Hotel hatte - vor allem nach dem Umzug des Hauses in ein
Gebäude in der Klosterstraße im Jahr 1901 - auch eine Haussynagoge
(Betsaal) und wurde - vom (orthodoxen) Rabbiner der Karlsruhe israelitischen
Religionsgesellschaft empfohlen - auch gerne für jüdische Hochzeiten in
Anspruch genommen. |
 | seit 1906 die von I. Stern aus Hörden
einige Zeit betriebene Pension Central (frühere Anschrift
Karlsstraße 117). |
 | das "Schwarzwaldhotel Sternen"
(Kurpromenade 7), das 1920 bis 1938 von Eugenie Weil betrieben wurde, die bereits um 1910 mit ihrer
Familie (Ehemann Luzian Weil) teils in Bad Herrenalb, teils in Baden-Baden wohnte.
1909 sind die Kinder Gertrud Weil und 1911 Hans Weil in Herrenalb geboren.
Das Hotel war jedes Jahr von Mai bis September geöffnet.
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Unter den in der NS-Zeit umgekommenen jüdischen Personen wird
in der Liste des
Bundesarchives genannt: Ernst Alterthum, geb. 23. Mai 1872 in Magdeburg,
wohnhaft in Karlsruhe und Herrenalb, Freitag am 28. Juli 1944 in Herrenalb.
Weitere Informationen im Gedenkbuch
für die Karlsruher Juden zu Ernst Alterthum.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Bewohner und der jüdischen
Hotels
Über das Hotel Lion in Bad
Herrenalb (1898 / 1899)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. März 1898: "Karlsruhe,
24. März (1898). (Das Bad Herrenalb im Württembergischen Schwarzwald).
Vom Juni dieses Jahres ist endlich auch Fürsorge getroffen, dass das
zwischen Baden-Baden und Wildbad gelegene Herrenalb, 'das Paradies des
württembergischen Schwarzwalds', auch von den orthodoxen Israeliten ohne
Gewissensskrupel frequentiert werden kann, indem von da ab dort eine
jüdische Küche nach den Anforderungen des gesetzestreuen Judentums von
dem Karlsruhe Metzer und Gastwirte Lion ins Leben tritt. Derselbe wird,
wie in Karlsruhe schon eine lange Reihe von Jahren, Alles aufbieten,
seinen Kunden den Aufenthalt in Herrenalb möglichst angenehm und dadurch
die Kur recht heilsam zu machen.
Die gewaltigen, sich über 1.400 Fuß über dem Meeresspiegel erhebenden
und den Ort einschließenden Herge sind mit prachtvollen Tannenwaldungen
bedeckt und daher die Luft dauerstoffreich und balsamisch-würzig. Von
gleicher Güte sind die Quellen.
Sehr zahlreiche, gut gepflegte Spaziergänge durchziehen auf viele
Kilometer die Wälder und führen zu vielen herrlichen Aussichtspunkten.
Das Klima ist der überaus geschützten Lage zufolge ein sehr mildes und
fast beständiges. Außer den natürlichen Hilfsmitteln durch Lage und
Klima, kommen dem Kurgaste Bäder jeder Art mit Elektrizität und Massage
zugute und ist deshalb der Ort für Nervenleidende, Gehirn- und
Rückenmarkskranke, Lungeleidende, sowie für solche, die an
Zirkulationsstörungen, Rheumatismus und Verdauungsstörungen leiden,
besonders zu empfehlen. Auch Frauenkrankheiten und damit zusammenhängende
Leiden finden dort rasche Hilfe, dass dort auch eine Post- und
Telegraphenstation sich befindet, ist selbstredend. - Billards,
Kegelbahnen, Lesezimmer und Konzertsäle etc. lassen nichts zu wünschen
übrig.
Ganz besondere Sorgfalt ist auf die Einrichtung von römisch-irischen,
russischen Dampfbädern und hydroelektrischen Bädern verwendet und nach
dem neuesten Komfort 75 freundliche Bade-Zimmer eingerichtet worden.
Sämtliche Bäder liegen 400 Meter über dem Meeresspiegel in
herrlichster, geschützter
Gebirgslage." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Juli 1899: "Bad
Herrenalb, 9. Juli (1899). In einer der jüngsten Nummern des
'Israelit' was der hiesige Badeort als eine 'judenreine Sommerfrische'
bezeichnet. Herr Lion, Besitzer des Hotels Lion dahier teilt uns deshalb
mit, dass er am hiesigen Platze ein streng-orthodoxes Hotel und Pension
eingerichtet und im vorigen Jahre ca. 5-600 Personen bei ihm verkehrten.
Im Ganzen belief sich die Zahl der jüdischen Kurgäste auf mindestens
2.000. (Wir entnahmen diese Mitteilung dem Organ des Vereins zur Abwehr
des 'Antisemitismus', das aber inzwischen auch widerrufen
hat." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. April 1901: "Karlsruhe.
Endlich ist es dem vom Rabbiner der hiesigen israelitischen
Religionsgesellschaft, dem Herrn Dr. S. Schiffer überall warm empfohlenen
Hotelwirt, dem Herrn J. Lion hier, gelungen, in Herrenalb ein
Etablissement zu erwerben, das den Wünschen eines jeden Badegastes im
weitesten Wortsinne entspricht. Das streng-koschere Hotel dort besitzt
jetzt ein Betlokal, einen 200 Personen fassenden Speise-, resp.
Hochzeitssaal, einen ganz in Waldesnähe sich befindenden schönen Garten,
der in der Nähe der Post und des Kurhauses liegt. Auch ist dafür Sorge
getragen, dass im Hause Wellen- und warme Bäder genommen werden können.
Eigene Equipagen ermöglichen Jedem die weitesten und schönsten
Ausflüge." |
Anzeigen des Hotels Lion (1901 / 1907 / 1908)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. April 1901: "Hotel
Lion, Herrenalb, Schwarzwald.
Saison-Eröffnung, 1. Juni. Meinen werten Gästen zur gefälligen
Kenntnisnahme, dass ich meine Lokalitäten nach der Klosterstraße, in der
Nähe des Kurhauses und der Post verlegt habe. 40 Fremdenzimmer, gr. Luft.
- Speisesäle, Garten, direkt am Walde gelegen. - Wärme und Wellenbäder
im Hause. Im Monat Juni Pensionspreis 5 Mark, später höher. Um geneigten
Besuch bittet
Isaak Lion, Karlsruhe & Herrenalb. Unter Aufsicht Seiner Ehrwürden
Herrn Dr. Schiffer -
Karlsruhe." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Mai 1907: "Hotel
Lion Herrenalb Koscher.
Wieder-Eröffnung Sonntag 26. Mai dieses Jahres. Monat Juni Pension
6 Mark. Restauration Herrenalb und Karlsruhe unter Aufsicht seiner
Ehrwürden Herrn Dr. Schiffer, Karlsruhe.
J. Lion, Besitzer des Hotels Lion, Karlsruhe." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Mai 1908:
"Herrenalb Koscher.
Hotel Lion mit Dependance Villa Senta. Wiederöffnung: Pfingstsonntag.
Unter Aufsicht seiner Ehrwürden Herrn Dr.
Schiffer." |
Anzeigen der Pension Central von J. Stern (1906 / 1908)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Juni 1906: "Herrenalb
(Württembergischer Schwarzwald).
Koscher Hotel & Pension Central Koscher.
Karlstraße 117. Neu eingerichtet.
Eröffnung 1. Juni. Gute Küche. - Reine Weine. - Mäßige Preise. -
Reelle Bedienung.
Inhaber: I. Stern zum Adler aus Hörden
(Murgtal) und
Herrenalb." |
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Anzeige
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 22. Mai
1908:
"Herrenalb - Koscher - Pension Central.
Wiedereröffnung 1. Juni. Telephon 27. Besitzer: J.
Stern." |
Vortrag von Rabbiner Dr. Kroner im
"Schwarzwaldhotel" (1921)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. September 1921: "Herrenalb,
20. August (1921). Bei einem im "Schwarzwaldhotel"
veranstalteten Abend wurde im Anschluss an einen Vortrag des Herr
Rabbiner Dr. Kroner Oberdorf-Bopfingen
über das Thema 'Das heutige Judentum und sein geistiger Kampf' für die
Ukraine-Waisenkinder die namhafte Summe von Mark 1.040
gesammelt." |
Über das Schwarzwaldhotel von J. Weill-Stern (1930 / 1931)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Mai 1930: "In Herrenalb
(Telefon Nr. 1) bietet das dieser Tage eröffnete Schwarzwald-Hotel mit
großer Terrasse gegenüber dem Kurhaus und den Anlagen und erstklassiger
Küche angenehmsten Aufenthalt. Näheres siehe
Inserat." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. April 1931: "Das Schwarzwaldhotel
in Herrenalb (Inhaber: L.Weill-Stern) hat seine Pforten wieder
geöffnet und erwartet, dass der doch nun endlich herangekommene Frühling
mit seiner lockenden Sonne zahlreiche Großstädter in die dunklen Wälder
und auf die ragenden Höhen des Schwarzwaldes hinausführen wird. In dem
lieblichen Herrenalb findet der auf rituelle Kost angewiesene Tourist und
Kurgast behaglichen Aufenthalt und erstklassige Verpflegung in dem
bewährten Hause, das in bester Lage gegenüber dem Kurhaus und den
Anlagen gelegen ist und sich in der jüdischen Welt seit vielen Jahren des
besten Rufes erfreut. Man darf wohl darauf rechnen, dass gerade jetzt, da
die jüdischen Hotels unter der wirtschaftlichen Depression schwer zu
leiden haben, sich jeder gesetzestreue Kurgast zum Prinzip machen wird, in
dem jüdischen Hotel nicht nur zu speisen, sondern auch zu
wohnen." |
Anzeigen des Schwarzwald-Hotels von S. Michel-Weill
(1922 / 1924 / 1930)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. April 1922: "Schwarzwald-Hotel
(mit allem Komfort).
Herrenalb (Elektrische Linie Karlsruhe - Herrenalb) eröffnet Ende
April.
S. Michel-Weill. Tel. No.
1". |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Mai 1924: "Schwarzwald-Hotel.
50 Zimmer, 70 Betten, elektrisches Licht, große offene Terrasse,
Personen-Aufzug, Auto-Garage, eigene Konditorei.
Herrenalb.
Inhaber: S. Michel-Weill Telefon Nr.
1." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Mai
1930: |
Neujahrsgrüße des
Schwarzwaldhotels (1937)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. September 1937:
"Allen Gästen und Freunden herzliche Wünsche zu Neujahr (Einschreibung
und gute Versiegelung).
Familie Th. Köhler-Stern - Hotel Tannhäuser
Baden-Baden
Familie Weil - Schwarzwaldhotel Herrenalb." |
Fotos
| Fotos zur
jüdischen Geschichte in Bad Herrenalb sind noch nicht vorhanden. |
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Links und Literatur
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