Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Bad Herrenalb (Kreis Calw)
Jüdische Geschichte

Übersicht:

Zur Geschichte jüdischer Bewohner  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Bewohner und der jüdischen Hotels  
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte jüdischer Bewohner 
  
In Bad Herrenalb gab es zu keiner Zeit eine jüdische Gemeinde. Dennoch gab es seit Ende des 19. Jahrhunderts mehrere Kureinrichtungen in jüdischem Besitz für die sich am Ort vor allem im Sommer regelmäßig aufhaltenden jüdischen Kurgäste. Nach einem Bericht von 1899 (siehe unten) wurden bereits 1898 im jüdischen Hotel Lion insgesamt etwa 500 bis 600 jüdische Gäste gezählt, in Bad Herrenalb insgesamt etwa 2.000 jüdische Gäste.    
 
Als ständige jüdische Einwohner wurden bei den Volkszählungen 1900 und 1910 noch keine, 1925 sechs, 1933 fünf jüdische Personen gezählt. Diese Angaben geben nicht die Realität wieder, da um 1910 u.a. die Familie Luzian und Eugenie Weil am Ort wohnte, deren Kinder hier geboren sind.     

An jüdischen Kureinrichtungen bestanden in Bad Herrenalb:  

seit 1898 das von dem Karlsruhe Metzger und Gastwirt Isaak Lion streng koscher geführte Hotel Lion (siehe Berichte unten). Das Hotel hatte - vor allem nach dem Umzug des Hauses in ein Gebäude in der Klosterstraße im Jahr 1901 - auch eine Haussynagoge (Betsaal) und wurde - vom (orthodoxen) Rabbiner der Karlsruhe israelitischen Religionsgesellschaft empfohlen - auch gerne für jüdische Hochzeiten in Anspruch genommen.  
seit 1906 die von I. Stern aus Hörden einige Zeit betriebene Pension Central (frühere Anschrift Karlsstraße 117).       
das "Schwarzwaldhotel Sternen" (Kurpromenade 7), das 1920 bis 1938 von Eugenie Weil betrieben wurde, die bereits um 1910 mit ihrer Familie (Ehemann Luzian Weil) teils in Bad Herrenalb, teils in Baden-Baden wohnte. 1909 sind die Kinder Gertrud Weil und 1911 Hans Weil in Herrenalb geboren. Das Hotel war jedes Jahr von Mai bis September geöffnet.    

Unter den in der NS-Zeit umgekommenen jüdischen Personen wird in der Liste des Bundesarchives genannt: Ernst Alterthum, geb. 23. Mai 1872 in Magdeburg, wohnhaft in Karlsruhe und Herrenalb, Freitag am 28. Juli 1944 in Herrenalb. Weitere Informationen im Gedenkbuch für die Karlsruher Juden zu Ernst Alterthum.     
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Bewohner und der jüdischen Hotels   
Über das Hotel Lion in Bad Herrenalb (1898 / 1899)    

Herrenalb Israelit 31031898.jpg (164099 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. März 1898: "Karlsruhe, 24. März (1898). (Das Bad Herrenalb im Württembergischen Schwarzwald). Vom Juni dieses Jahres ist endlich auch Fürsorge getroffen, dass das zwischen Baden-Baden und Wildbad gelegene Herrenalb, 'das Paradies des württembergischen Schwarzwalds', auch von den orthodoxen Israeliten ohne Gewissensskrupel frequentiert werden kann, indem von da ab dort eine jüdische Küche nach den Anforderungen des gesetzestreuen Judentums von dem Karlsruhe Metzer und Gastwirte Lion ins Leben tritt. Derselbe wird, wie in Karlsruhe schon eine lange Reihe von Jahren, Alles aufbieten, seinen Kunden den Aufenthalt in Herrenalb möglichst angenehm und dadurch die Kur recht heilsam zu machen.   
Die gewaltigen, sich über 1.400 Fuß über dem Meeresspiegel erhebenden und den Ort einschließenden Herge sind mit prachtvollen Tannenwaldungen bedeckt und daher die Luft dauerstoffreich und balsamisch-würzig. Von gleicher Güte sind die Quellen. 
Sehr zahlreiche, gut gepflegte Spaziergänge durchziehen auf viele Kilometer die Wälder und führen zu vielen herrlichen Aussichtspunkten. Das Klima ist der überaus geschützten Lage zufolge ein sehr mildes und fast beständiges. Außer den natürlichen Hilfsmitteln durch Lage und Klima, kommen dem Kurgaste Bäder jeder Art mit Elektrizität und Massage zugute und ist deshalb der Ort für Nervenleidende, Gehirn- und Rückenmarkskranke, Lungeleidende, sowie für solche, die an Zirkulationsstörungen, Rheumatismus und Verdauungsstörungen leiden, besonders zu empfehlen. Auch Frauenkrankheiten und damit zusammenhängende Leiden finden dort rasche Hilfe, dass dort auch eine Post- und Telegraphenstation sich befindet, ist selbstredend. - Billards, Kegelbahnen, Lesezimmer und Konzertsäle etc. lassen nichts zu wünschen übrig.
Ganz besondere Sorgfalt ist auf die Einrichtung von römisch-irischen, russischen Dampfbädern und hydroelektrischen Bädern verwendet und nach dem neuesten Komfort 75 freundliche Bade-Zimmer eingerichtet worden. Sämtliche Bäder liegen 400 Meter über dem Meeresspiegel in herrlichster, geschützter Gebirgslage."               
  
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Juli 1899: "Bad Herrenalb, 9. Juli (1899). In einer der jüngsten Nummern des 'Israelit' was der hiesige Badeort als eine 'judenreine Sommerfrische' bezeichnet. Herr Lion, Besitzer des Hotels Lion dahier teilt uns deshalb mit, dass er am hiesigen Platze ein streng-orthodoxes Hotel und Pension eingerichtet und im vorigen Jahre ca. 5-600 Personen bei ihm verkehrten. Im Ganzen belief sich die Zahl der jüdischen Kurgäste auf mindestens 2.000. (Wir entnahmen diese Mitteilung dem Organ des Vereins zur Abwehr des 'Antisemitismus', das aber inzwischen auch widerrufen hat."          
 
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. April 1901: "Karlsruhe. Endlich ist es dem vom Rabbiner der hiesigen israelitischen Religionsgesellschaft, dem Herrn Dr. S. Schiffer überall warm empfohlenen Hotelwirt, dem Herrn J. Lion hier, gelungen, in Herrenalb ein Etablissement zu erwerben, das den Wünschen eines jeden Badegastes im weitesten Wortsinne entspricht. Das streng-koschere Hotel dort besitzt jetzt ein Betlokal, einen 200 Personen fassenden Speise-, resp. Hochzeitssaal, einen ganz in Waldesnähe sich befindenden schönen Garten, der in der Nähe der Post und des Kurhauses liegt. Auch ist dafür Sorge getragen, dass im Hause Wellen- und warme Bäder genommen werden können. Eigene Equipagen ermöglichen Jedem die weitesten und schönsten Ausflüge."            

   
Anzeigen des Hotels Lion (1901 / 1907 / 1908)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. April 1901: "Hotel Lion, Herrenalb, Schwarzwald
Saison-Eröffnung, 1. Juni. Meinen werten Gästen zur gefälligen Kenntnisnahme, dass ich meine Lokalitäten nach der Klosterstraße, in der Nähe des Kurhauses und der Post verlegt habe. 40 Fremdenzimmer, gr. Luft. - Speisesäle, Garten, direkt am Walde gelegen. - Wärme und Wellenbäder im Hause. Im Monat Juni Pensionspreis 5 Mark, später höher. Um geneigten Besuch bittet 
Isaak Lion, Karlsruhe & Herrenalb. Unter Aufsicht Seiner Ehrwürden Herrn Dr. Schiffer - Karlsruhe."         
   
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Mai 1907: "Hotel Lion Herrenalb Koscher. 
Wieder-Eröffnung Sonntag 26. Mai dieses Jahres. Monat Juni Pension 6 Mark. Restauration Herrenalb und Karlsruhe unter Aufsicht seiner Ehrwürden Herrn Dr. Schiffer, Karlsruhe. 
J. Lion, Besitzer des Hotels Lion, Karlsruhe."          
    
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom  28. Mai 1908:  "Herrenalb Koscher
Hotel Lion mit Dependance Villa Senta. Wiederöffnung: Pfingstsonntag
Unter Aufsicht seiner Ehrwürden Herrn Dr. Schiffer."        

  
Anzeigen der Pension Central von J. Stern (1906 / 1908)   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Juni 1906: "Herrenalb (Württembergischer Schwarzwald). 
Koscher
Hotel & Pension Central Koscher. Karlstraße 117. Neu eingerichtet. 
Eröffnung 1. Juni. Gute Küche. - Reine Weine. - Mäßige Preise. - Reelle Bedienung. 
Inhaber: I. Stern zum Adler aus Hörden (Murgtal) und Herrenalb."            
 
Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 22. Mai 1908:     
"Herrenalb - Koscher - Pension Central. 
Wiedereröffnung 1. Juni. Telephon 27. Besitzer: J. Stern."        

   
Vortrag von Rabbiner Dr. Kroner im "Schwarzwaldhotel" (1921)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. September 1921: "Herrenalb, 20. August (1921). Bei einem im "Schwarzwaldhotel" veranstalteten Abend wurde im Anschluss an einen Vortrag des Herr Rabbiner Dr. Kroner Oberdorf-Bopfingen über das Thema 'Das heutige Judentum und sein geistiger Kampf' für die Ukraine-Waisenkinder die namhafte Summe von Mark 1.040 gesammelt."      

  
Über das Schwarzwaldhotel von J. Weill-Stern (1930 / 1931)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Mai 1930: "In Herrenalb (Telefon Nr. 1) bietet das dieser Tage eröffnete Schwarzwald-Hotel mit großer Terrasse gegenüber dem Kurhaus und den Anlagen und erstklassiger Küche angenehmsten Aufenthalt. Näheres siehe Inserat."            
    
Herrenalb Israelit 30041931.jpg (97807 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. April 1931: "Das Schwarzwaldhotel in Herrenalb (Inhaber: L.Weill-Stern) hat seine Pforten wieder geöffnet und erwartet, dass der doch nun endlich herangekommene Frühling mit seiner lockenden Sonne zahlreiche Großstädter in die dunklen Wälder und auf die ragenden Höhen des Schwarzwaldes hinausführen wird. In dem lieblichen Herrenalb findet der auf rituelle Kost angewiesene Tourist und Kurgast behaglichen Aufenthalt und erstklassige Verpflegung in dem bewährten Hause, das in bester Lage gegenüber dem Kurhaus und den Anlagen gelegen ist und sich in der jüdischen Welt seit vielen Jahren des besten Rufes erfreut. Man darf wohl darauf rechnen, dass gerade jetzt, da die jüdischen Hotels unter der wirtschaftlichen Depression schwer zu leiden haben, sich jeder gesetzestreue Kurgast zum Prinzip machen wird, in dem jüdischen Hotel nicht nur zu speisen, sondern auch zu wohnen."            

  
Anzeigen des Schwarzwald-Hotels von S. Michel-Weill (1922 / 1924 / 1930)  

Herrenalb Israelit 11041922.jpg (55787 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. April 1922: "Schwarzwald-Hotel (mit allem Komfort). 
Herrenalb (Elektrische Linie Karlsruhe - Herrenalb) eröffnet Ende April. 
S. Michel-Weill. Tel. No. 1".          
  
Herrenalb Israelit 08051924.jpg (46710 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Mai 1924:  "Schwarzwald-Hotel
50 Zimmer, 70 Betten, elektrisches Licht, große offene Terrasse, Personen-Aufzug, Auto-Garage, eigene Konditorei.   
Herrenalb
Inhaber: S. Michel-Weill Telefon Nr. 1."      
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Mai 1930:         

   
Neujahrsgrüße des Schwarzwaldhotels (1937)    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. September 1937: 
"Allen Gästen und Freunden herzliche Wünsche zu Neujahr (Einschreibung und gute Versiegelung).
Familie Th. Köhler-Stern  - Hotel Tannhäuser Baden-Baden  
Familie Weil - Schwarzwaldhotel Herrenalb."     

   
Sonstiges   
Schwierigkeiten beim Tod eines jüdischen Kurgastes (1928)          

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. September 1928:  "Herrenalb, 13. Juli (1928). Am 11. August, nachts 2 Uhr, verschied in einem hiesigen Kurhaus ein jüdischer Kurgast, welcher mit seiner Frau hier zur Heilung seines Leidens weilte. Da hier keine jüdischen Gemeindenrichtungen für derartige Fälle vorhanden sind, wandte man sich an de 'Schomer' (Aufseher) des hiesigen jüdischen Htels in der Annahme, dass er das Notwendige für den Verstorbenen veranlassen werde. Aber weit gefehlt! - Für einen solch  'trefenen' (nicht rituell lebenden) Juden tue er nichts', war die Antwort. 
Ich nahm mir anderen Tags die Freiheit, den Herrn darüber zur Rede zu stellen und ihn zu fragen, wie sich das mit seiner sonst zur Schau getragenen Frömmigkeit vereinbare und ob ihm nicht bekannt sei, dass die 'Mizwoh', die man einem Toten gegenüber erfüllt, mit zu den größten zählt, die die Tora uns vorschreibt. Er benützte natürlich alle möglichen Ausflüchte, unter anderem auch, dass ja auch genug Rabbiner hier zur Kur seien, die man hätte rufen können. Er sei der Ansicht, dass die anderen 'trefenen' Kurgäste, die im gleich Hotel wohnten, ebenfalls diese religiöse Pflicht dem Toten gegenüber hätten. 
Hierin hat er sich auch nicht getäuscht. Denn diese 'trefenen' Kurgäste haben sich nicht so lieblos gezeigt wie er und den ganzen Tag über sich bemüht, dem Toten alle vorgeschriebenen Liebesdienste zu erweisen. Lehrer Kahn - Heilbronn."     

   
   
   
Fotos 

Fotos zur jüdischen Geschichte in Bad Herrenalb sind noch nicht vorhanden.  
     

     
     
Links und Literatur   

Links:  

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Literatur:  

  

     
      

                   
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Stand: 15. März 2015