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Bretzenheim mit
Finthen
und Gonsenheim (Stadt
Mainz)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Bretzenheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938.
Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./18. Jahrhunderts zurück.
Erstmals werden 1517 und 1580 Juden am Ort genannt, die sich hier
vermutlich nach der Austreibung der Juden aus den Städten niederlassen konnten.
Auch im 17. Jahrhundert waren Juden am Ort.
Eine erste Blütezeit der Gemeinde
scheint es im 18. Jahrhundert gegeben zu haben, als 1742 immerhin
neun jüdische Familien gezählt wurden. In der Zeit des 18. Jahrhunderts mussten
die in Bretzenheim lebenden Familien wie andernorts besondere
Abgaben zahlen: in Bretzenheim war es u.a. das Neujahrsgeld für den
Ortspfarrer oder die Bezahlung eines silbernen Bechers zum Amtsantritt einer neu
erwählten Äbtissin des Klosters Dalheim. Ende des 18. Jahrhunderts verzogen
die meisten jüdischen Einwohner im Zusammenhang mit den kriegerischen Unruhen
nach Mainz, sodass Anfang des 19. Jahrhunderts (1801/02) nur noch drei jüdische
Familien mit zusammen 15 Personen gezählt wurden. In Mainz hielten die
Bretzenheimer Familien untereinander zusammen: 1810 hatten 31 ehemalige
Bretzenheimer Juden den "Dritten Israelitischen Krankenpflege-Verein e.V.
Chewra von Bretzenheim" ("Bretzenheimer Kippe") gegründet. Diese
"Kippe" stand in den folgenden Jahrzehnten der orthodox geprägten
Israelitischen Religionsgemeinschaft in Mainz nahe (1910 konnte die "Bretzenheimer
Kippe" ihr 100jähriges Bestehen feiern, siehe Bericht unten sowie Berichte
zu einzelnen Mitgliedern).
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie folgt: 1808 41 Personen in zehn Familien, 1836 65 jüdische Einwohner, 1861
Höchstzahl von 84 (4,6 % von insgesamt 1.820 Einwohnern, in 16 Familien), 1871
77, 1880 55 (2,1 % von 2.612); 1893 in Bretzenheim 65 (in 16 Familien), in
Finthen 20; 1897 in
Bretzenheim 43 (in 9 Familien), in
Finthen 25 (in 8 Familien); 1900 44 (1,1 % von 3.810), 1901 43 (in 9
Haushaltungen, von 3.809), in Finthen 25 (in 8 Haushaltungen); 1905 44, 1910 42 (0,8 % von
5.133). Durch die Abwanderung - insbesondere nach Mainz - ist die Zahl der jüdischen
Einwohner seit den 1860er-Jahren zurückgegangen. Wenige jüdische Personen lebten
in Gonsenheim, u.a. Justizrat Dr. Lichten und Frau (genannt im
Mitteilungsblatt des Landesverandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens 12
1927 S. 8).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
Religionsschule, ein rituelles Bad und einen Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war in der zweiten Hälfte des
19. Jahrhunderts ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und
Schochet tätig war (siehe Ausschreibungen der Stelle unten zwischen 1859 und 1876).
Von den Lehrern werden genannt: um 1858 Lehrer Jossberger ("Der israelitische
Volkslehrer" Okt. 1858 S. 321; K. Marx - Alsheim 1858 nach Mitteilungsblatt
Hessen 1931 3 S.5 für 1858: "In Bretzenheim wirkt Herr Joßberger als
Religionslehrer mit gutem Erfolge"),
um 1863 bis 1870 Lehrer Simon Lehmann (siehe ausführlich unten),
um 1892/1895 Kantor Steinberger, spätestens seit 1897 blieb die Stelle unbesetzt. Als die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder und der schulpflichtigen Kinder
zurückging, wurde der Unterricht durch auswärtige Lehrer übernommen. 1892
erhielten die damals acht (1895 sieben, 1898 vier) schulpflichtigen jüdischen
Kinder ihren Religionsunterricht durch einen Lehrer in Mainz bzw. gingen nach
Mainz zum Unterricht. Die Gemeinde
gehörte zum Rabbinatsbezirk Mainz.
Von den Gemeindevorstehern werden genannt: um 1876/1889 Bernhard Lorch,
um 1892 J. Zacharias, M. Wolf und H. Simon (Finthen), um 1895/1901 J. Lorch, E.
Zacharias, H. Koch.
Die in Finthen lebenden jüdischen Personen hatten keine Einrichtungen und
bildeten mit Bretzenheim eine Gemeinde ("Jüdische Gemeinde
Bretzenheim-Finthen"). Die jüdischen Familien lebten in beiden Orten vom Viehhandel, waren aber
auch als Kaufleute, Metzger tätig.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der
jüdischen Gemeinde: der Gefreite Bernhard Lorch (geb. 12.12.1896, gef.
3.9.1918), Sally Wolf (geb. 25.1.1890 in Bretzenheim, gef. 4.12.1916), Arthur
Zacharias (geb. 18.11.1896 in Bretzenheim, gef. 15.4.1918),
Berthold Zacharias (geb. 29.7.1892 in Bretzenheim, gef. 6.6.1916), Ludwig Wendel
(geb. 25.3.1875,
gest./gef. 25.3.1916, Grab im jüdischen
Friedhof Bretzenheim). Der bei Arnsberg genannte Otto Schweig stammt aus Bretzenheim
(Nahe). Die Namen der fünf Gefallenen standen auf der Gedenktafel, die
1921 in der Mainzer Hauptsynagoge eingeweiht wurde. Dabei wurde auf den schweren
Verlust von fünf Gefallenen aus den damals zehn jüdischen Familien in Bretzenheim
hingewiesen.
Aus Gonsenheim war im
Kriegseinsatz stud.jur. Karl Bier (Kanonier im Feldart.-Regiment 27, Rekr.-Depot
der 4. Ersatz-Batt.; KC-Blätter November 1916 S. 2)
Um 1925, als noch 60 Gemeindeglieder zur jüdischen
Gemeinde Bretzenheim-Finthen gehörten (1 % der Gesamteinwohnerschaft von etwa
6.000), waren Mitglieder des Gemeindevorstandes: Ludwig Koch, Willi Wolf,
Leopold Grau und als Rechner Jakob Moses. Den Religionsunterricht der
schulpflichtigen jüdischen Kinder erteilten Lehrer Markus Kahn (Hechtsheim) und Lehrer
Moritz Lorge
(Mainz). 1932 waren die
Gemeindevorsteher Leopold Grau (1.), Bernhard Zacharias (2.) und B. Marx (3.).
In Bretzenheim lebten noch 27 der Gemeindeglieder, in
Finthen 14. Im Schuljahr
1932/33 war nur noch ein schulpflichtiges jüdisches Kind zu unterrichten.
Nach 1933 konnten noch mehrere der jüdischen Einwohner
emigrieren (vier Familien in die USA), andere verzogen in verschiedene Städte in
Deutschland. 1942 wurden die noch am Ort lebenden jüdischen Einwohner
deportiert.
Von den in Bretzenheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Mathilde Fischer geb. Marx
(1880), Albert
Gerson (1883), Jenni Grau (1890), Johanna Grau geb. Lorch (1864), Margot Günther (1921), Norbert Günther (1923), Eduard Hirsch
(1881), Simon Hirsch (1876), Julius Koch (1876), Albert Lorch (1863), Emil Lorch (1863),
Moritz Marx (1872), Johanna
Thalheimer geb. Marx (1867), Bernhard Benno Wendel (1908), Bernhard Zacharias (1889),
Selma Zacharias geb. Grünwald (1888).
Hinweise: es kann in den angegebenen Listen in einzelnen Fällen zu
Verwechslungen mit Bretzenheim (Kreis Bad
Kreuznach) kommen.
Bei der Einarbeitung der Kennkarten (siehe unten) fiel auf, dass mehrere der
genannten Personen, die nach den Kennkarten in Bretzenheim geboren sind, im
Gedenkbuch mit Geburtsort "Mainz" eingetragen sind.
Von den in Finthen geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Josef Grau (1862), Richard
Grau (1897), Simon Grau (1873), Elise Henlein geb. Simon (1873), Max Henlein (1880), Leopold
Kahn (1868), Johanna Kaufmann geb. Marx (1862), Käthe Klein geb. Grau (1899),
Johanna Lukas geb. Grau (1860), Ella Marx (1903), Leopold Marx (1899), Amalie
Schüller geb. Marx (1864), Eva Vogel geb. Marx (1860), Betty Winterfeld geb.
Marx (1901).
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1859 / 1863
/ 1870 / 1876 und Suche nach
einem Vorbeter für die Hohen Feiertage 1899 / 1922
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. März 1859: "In
Bretzenheim (für Brotzenheim) ist die Vorbeter-, Lehrer- und Schächterstelle
mit einem Einkommen von 300 Gulden vakant. Bewerber mögen innerhalb vier
Wochen ihre Meldungen frankiert dem unterzeichneten Rabbinate einsehenden.
Das Großherzogliche Kreisrabbinat Mainz." |
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Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. April 1863: "Die
Stelle eines Religionslehrers, Vorsängers und Schächters, welche nebst einem
fixen Gehalte von 260 Thlr. noch bedeutende Gebühren abwirft ist erledigt.
Bewerber wollen ihre Anmeldungen entweder an den ersten Rabbiner Herrn Dr.
Aub in Mainz oder an den Vorstand der israelitischen
Religionsgemeinde in Bretzenheim bei Mainz richten."
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| Zwischen 1863 und 1870 war Lehrer Simon
Lehmann in Bretzenheim |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Januar 1870: "In
der israelitischen Gemeinde zu Bretzenheim bei Mainz ist die Stelle eines
Religionslehrers, Vorsängers und Schochet vakant. Fixer Gehalt 250
Gulden, Nebenakzidenzien circa 100 Gulden. Bewerber (jedoch nur ledige)
wollen ihre Zeugnisse einsenden an den Vorstand." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Januar 1876: "In der israelitischen
Gemeinde zu Bretzenheim bei Mainz ist die Stelle eines Religionslehrers,
Vorsängers und Schochet, wenn möglich sofort, zu besetzen. Fixer
Gehalt 550 Mark, Nebeneinkünfte circa 250 Mark.
Meldungen an den Vorsteher Bernhard Lorch." |
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| Nachdem die ständige Stelle des
Religionslehrers und Vorsängers seit 1897 nicht mehr besetzt wurde, schrieb
die Gemeinde nur noch für die hohen Feiertage die Stelle eines
Vorsängers/Kantors aus, die regelmäßigen Gottesdienste wurden ehrenamtlich
durch Gemeindeglieder begleitet. |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. August 1899: "Ein
tüchtiger Vorbeter wird für, die bevorstehenden israelitischen Feiertage
per sofort gesucht. Näheres beim israelitischen Gemeindevorstande
Bretzenheim bei Mainz." |
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Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 29. Juni 1922: "Vorbeter
für die hohen Feiertage gesucht, welcher sämtliche Gebete und Schoferblasen
übernimmt. Schriftliche Angebote nebst Gehaltsansprüchen an
Israelitische Gemeinde, Bretzenheim bei Mainz."
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50-jähriges Lehrerjubiläum von
Lehrer Simon Lehmann (1904 in Mainz, Simon Lehmann war 1863 bis 1870 Lehrer in
Bretzenheim)
Anmerkung: nach dem Geburtsregister der jüdischen Gemeinde
Gissigheim ist Simon (Simson) Lehmann
am 1. Dezember 1836 in Gissigheim geboren:
http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=4-1224964-89 Nach dem Grabstein
ist allerdings das Geburtsdatum 31. Dezember 1836, was sich mit dem Eintrag im
Geburtsregister nicht in Übereinstimmung bringen lässt. Simon Lehmann war
zunächst Lehrer in Dornheim bei Groß-Gerau
(1854-1863), wo er seine Frau Dina geb. Dahlerbruch kennenlernte, danach
in Bretzenheim (1863-1870) und schließlich bei der Israelitischen
Religionsgemeinde in Mainz, wo er - noch im Dienst - sein 50-jähriges
Lehrerjubiläum feiern konnte. Mit seiner Frau Dina geb. Dahlerbruch (1840
in Dornheim - 1905, Grab im jüdischen Friedhof Mainz) hatte er vier (?) Kinder:
Heinrich (1865 in Bretzenheim - 1917
https://de.findagrave.com/memorial/196714224/heinrich-lehmann), Gustav
(1868 in Bretzenheim - 1909 Herwen en Aerdt NL
https://www.openarchieven.nl/gld:661988AD-1E26-432F-8348-ED9F0D2649CD),
Hugo (1872 Mainz - 1937), Richard (1880-1915
https://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=juden_nw&ID=I481227&lang=de).
Simon Lehmann starb am 21. Februar 1907 in Mainz und wurde im jüdischen Friedhof
beigesetzt (Grabstein siehe unten).
Eine Enkelin von Simon Lehmann bzw. Tochter von Hugo Lehmann und seiner Frau
Emilie war die Mainzer Opernsängerin Anni Eisler-Lehmann (1904-1999,
KZ-Überlebende)
https://www.annieislerlehmannstiftung.de/newpage16993d52, auch beigesetzt im
jüdischen Friedhof Mainz.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Gemeindebote" vom 8. Juli 1904: "Mainz, 3.
Juli. Gestern feierte hier sein fünfzigjähriges Lehrerjubiläum Herr
Simon Lehmann. Geboren im Jahre 1836 in
Gissigheim (Baden, statt Gittigheim),
trat er im Juli 1854 in Dornheim bei
Groß-Gerau seine erste Lehrerstelle an, woselbst er bis Juli 1863
verblieb. Dann siedelte er nach Bretzenheim bei Mainz über, bis er am
1. Juli 1870 als Lehrer und Kantor bei der Israelitischen Religionsgemeinde
in Mainz angestellt wurde. In Mainz ist Herr Lehmann, der sich großer
körperlicher und geistiger Frische erfreut, nun seit 34 Jahren erfolgreich
tätig und wegen seines lauteren Charakters und persönlicher
Liebenswürdigkeit in allen Kreisen der Stadt geachtet und beliebt. Dem
Jubilar wurden große Ehrungen sowohl seitens der Gemeinde, verschiedener
Vereine wie auch von Freunden und Verehrern zu teil." |
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Grabstein
für Lehrer und Kantor Simon Lehmann im jüdischen Friedhof Mainz (Foto:
https://de.findagrave.com/memorial/176755470/simon-lehmann).
Bei findagrave finden sich auch weitere Fotos von Grabsteinen der Familie im
jüdischen Friedhof Mainz.
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Aus dem jüdischen Gemeindeleben
1810 wird von jüdischen Männern aus Bretzenheim der
3. Israelitische Krankenpflegeverein in Mainz gegründet ("Bretzenheimer
Kippe")
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. Januar 1911:
"Mainz, 29. Dezember (1911). Am 15. Kislew (16. Dezember
1910; der 15. Kislew hundert Jahre zuvor war am 12. Dezember 1810)
waren hundert Jahre verflossen, dass eine Anzahl wackerer Männer den
Dritten Israelitischen Krankenpflegeverein ins Leben gerufen haben. Es
waren Männer aus dem nahen Vorort Bretzenheim, die kurz vorher in
unsere Stadt gezogen waren, und aus diesem Grunde enthält die
Festschrift, die der Verein jetzt herausgegeben hat, auch einen Rückblick
auf die Geschichte der Juden in Bretzenheim. Nach einer Notiz aus
dem Jahre 1517 empfing bereits in früheren Jahrhunderten der Erzpriester,
wenn er das Sendgericht zu Bretzenheim abhielt, von jedem Juden einen
Goldgulden. 1784 erhielten die Juden vom Kurfürsten das Recht, liegende
Güter zu erwerben. Die Schrift enthält eine Fülle hierauf bezüglichen
interessanten Materials, es würde uns aber zu weit führen, wollten wir
auch nur kurz auf den Inhalt näher eingehen. Die Schrift hat Herrn Oskar
Lehmann zum Verfasser, der seit einer längeren Reihe von Jahren in diesem
Verein allsabbatlich mit großem Beifall aufgenommene religiöse Vorträge
hält. Auch die Geschichte des Vereins selbst, die in der Festschrift
niedergelegt ist, ist insofern für weitere Kreise bemerkenswert, als sie
kurze Biographien der früheren Vereinsrabbiner mitteilt. Ein
Festgottesdienst bildete die würdige Einleitung der Feier. Nach Absingung
von Choralgesängen und der Rezitierung von Psalmen, gedachte man der
Gründer in einem Haskarat Neschamoth-Gebete, worauf Herr Lehmann folgende
Ansprache hielt: Abraham wunderte sich - führte er aus - dass er zu 100
Jahren noch einen Sohn erhalten sollte, so wunderte sich auch mancher,
dass dieser alte Verein noch existiere, aber gerade in seinem Alter liegen
die Wurzeln seiner Kraft, wie überhaupt in dem Alter der jüdischen
Vereine der Stolz des Judentums liege. Denn lange, bevor man in
nichtjüdischen Kreisen an Krankenversicherung,
Arbeitslosenunterstützung, Invaliditätsversicherung dachte, ist dieser
Gedanke in jüdischen Kreisen in die Wirklichkeit umgesetzt worden, auch
hier ist der jüdische Geist der Kultur der übrigen Welt vorausgeeilt.
Isaak erntete das Hundertfache und verteilte es an hundert Stadttoren, so
auch der Mainzer Verein: was er in 100 Jahren einnahm, verteilte er an 100
Türen der Armen. Wechselgesang einiger Psalmen und Choralgesang schlossen
diese Feier, bei der die Rabbinate und Vorstände der beiden Mainzer
Gemeinden vertreten waren. Ein Festessen, das am folgenden Tage stattfand,
verlief in animiertester Stimmung; es wurden viele geistreiche Worte
gesprochen und anerkennende Schreiben der staatlichen und städtischen
Behörden verlesen. Auch die jüdischen Schwesternvereine, Logen usw.
sandten herzliche Glückwunschschreiben." |
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| Dazu:
Zum Tod von Jakob Simon in
Mainz (1913) - die Familie kam aus Bretzenheim und war unter den Begründern
der "Bretzenheimer Kippe" |
Artikel
in "Das jüdische Gemeindeblatt" vom 13. Juni 1913: "70 Jahre Mitglied der
Chewra Kaddischah.
Mainz. Hier starb vor einigen Tagen im Alter von nahezu 94 Jahren
Herr Kaufmann Jakob Simon. Der Heimgegangene war einer der frömmsten
Männer von Mainz. Er gehörte der orthodoxen Israelitischen
Religionsgesellschaft seit deren Gründung an, wie überhaupt die hier
zahlreiche Familie Simon zu den Kerntruppen dieser Gemeinde gehört. In
seinem 23. Lebensjahre trat Simon als aktives Mitglied in die Mainzer Chewra
kaddischah, in der er sich Zeit seines Lebens hervorragend und mit
Aufopferung betätigte. Als er 90 Jahre alt wurde, ernannte ihn die genannte
Chewra zum Ehrenvorsitzenden. Der Vorstorbene hat sich bis in sein hohes
Alter in der Synagoge niemals gesetzt, auch nicht am Versöhnungstage, wo er
'von Abend bis Abend' ausharrte. Sonst ein ernster Mann, war er auf den
Stiftungsfesten der Chevra der Lustigsten einer, um seine Freude an den
tiefsittlichen Aufgaben der Gesellschaft darzutun. An dem Leichenbegängnis
beteiligte sich der größte Teil der hiesigen Gemeinde, Herr Rabbiner Dr.
Bondi schilderte in ergreifender Weise die hohen Tugenden des nun
Dahingeschiedenen. Simon gehörte zu jenen Familien, die vor mehr denn 100
Jahren aus dem nahen Bretzenheim nach Mainz verzogen, hier einen
Kranken- und Synagogenverein begründeten, der heute noch blüht. Möge Gott
die trauernden Söhne, Töchter und Enkel trösten." |
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| Dazu:
75. Geburtstag von Julius Koch
in Mainz (1933) - die Familie Koch war unter den Begründern der "Bretzenheimer
Kippe" |
Artikel
in "Mitteilungsblatt des Landesverbandes Israelitischer Religionsgemeinden
in Hessen" Nr. 1 1934 S. 3-4: "Mainz. Am 19. Dezember vorigen Jahres
(1933) trat das langjährige Mitglied der Chebrah kaddischah
d'mithaßkin unserer Gemeinde, Herr Julius Koch I., Bonifatiusstraße, in
das 76. Lebensjahr ein. Herr Koch beging seinen Geburtstag in der seinem
religiösen und wohltätigen Wirken eigenen bescheidenen Zurückgezogenheit. —
Die beiderseitigen Ahnen des Jubilars sind seit undenklicher Zeit in
Rheinhessen seßhaft. — Die Familie Koch, die mehr als 1 1/4 Jahrhundert in
Mainz wohnhaft ist, gehört zu den Gründern der seit 1853 bestehenden
Religionsgesellschaft und seit 1810 dahier bestehenden Bretzenheimer-Kippe."
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| Dazu:
80. Geburtstag von Bankdirektor
Eduard Simon in Mainz - Vorstand der "Bretzenheimer Kippe" (1934)
|
Mitteilung
im "Israelitischen Familienblatt" vom 22. November 1934: "Mainz.
Eduard Simon, Bankdirektor i.R. vollendete sein 80. Lebensjahr.
Er war Mitbegründer der seit 1880 hier bestehenden Rhenusloge, Vorsitzender
des Hospitalvereins, Vorstand des Waisenpflegevereins und der Bretzenheimer
Kippe." |
Gedenken an die Gefallenen des
Ersten Weltkrieges in der Hauptsynagoge Mainz mit besonderem Erinnern an die
fünf Gefallenen aus Bretzenheim (1921)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Dezember 1921: "Mainz, 29.
November. Unter lebhafter Anteilnahme der staatlichen und städtischen
Behörden, der Schuldirektoren, des Eisenbahn- und Landgerichtspräsidenten,
des Vorsitzenden der Handelskammer u.a. mehr, sowie eines großen Teils der
Mainzer jüdischen Bevölkerung fand in der hiesigen Hauptsynagoge die
feierliche Enthüllung der Ehrentafeln zum Gedächtnis an die im
Kriege gefallenen 66 Gemeindemitglieder, gleich 2,02 % der hier
wohnenden Israeliten, statt. Im Vororte Bretzenheim fielen fünf Söhne
aus zehn jüdischen Familien. Die Abnahme der Umhüllung erfolgte durch zwei
jüdische Frontkämpfer, Inhaber des Eisernen Kreuzes 1. Klasse. Die Namen der
Gefallenen sind alphabetisch geordnet, aus mehreren Familien sind zwei Söhne
gefallen, aus mancher Familie der einzige Sohn bzw. Kind, viele der Eltern
sind ihren Söhnen bereits in die Gruft nachgefolgt. In seiner überaus
eindrucksvollen Weiherede hob Herr Rabbiner Dr. Levi hervor, dass der
Vorwurf, die Juden seien schuld am Kriege, ebenso unbegründet sei, wie
derjenige, dass die Juden revolutionären und destruktiven Tendenzen
hauptsächlich huldigten. Kein gläubiger Jude wird auch nur einen einzigen
Stein vom Bau des Vaterlandes reißen. Die, die uns als Schädlinge angeheftet
werden, waren unserem Bekenntnisse schon untreu, ehe sie an der Sache des
Vaterlandes rüttelten. Die Tafeln sind künstlerisch ausgeführt und mit
entsprechenden hebräischen Sprüchen verziert.
Herr Rabbiner Dr. Levi betätigte sich in jüngster Zeit mit großem Erfolge in
Wort und Schrift in der Abwehr antisemitischer Angriffe, an denen es auch
hier nicht fehlt." |
In einem neu zu schaffenden
jüdischen Museum in Mainz werden auch rituelle Gegenstände aus der jüdischen
Gemeinde Bretzenheim gezeigt werden (1922)
Artikel im "Mitteilungsblatt des Landesverbandes Israelitischer
Religionsgemeinden Hessens" vom Juli 1926 S. 5: "Zur Gründungsversammlung
des Vereins zur Pflege jüdischer Altertümer in Mainz am 23. Juni 1926.
Wie allerorts in deutschen Landen hat man auch in Mainz im 19.
Jahrhundert der öffentlichen Sammlung jüdischer Altertümer, von Urkunden und
Kunstgegenständen, keine Beachtung geschenkt. Ihre Erhaltung blieb der
Fürsorge einzelner Alt-Mainzer Familien überlassen, deren pietätvollem Sinn
wir die Errettung manch wertvollen und schönen Gegenständen zu verdanken
haben. Während die Kultgegenstände der Gemeinde ein verborgenes Dasein in
Truhen und' Schreinen führten, wurde die Öffentlichkeit lediglich durch die
Ausgrabung von Steinen an die alte Geschichte der Gemeinde erinnert. Der
verewigte Rabbiner Dr. Lehmann veröffentlichte die Inschriften der von ihm
entzifferten Grabsteine, die man bei Ausgrabungen unter der Erde fand, wie
nach ihm der kürzlich verstorbene Rabbiner Prof. Dr. Salfeld. Ihm, der bis
in seine späten Tage immer wieder zur Feder griff, um die Geschichte der
Mainzer Juden zu künden, ist auch schon die Notwendigkeit einer Sammlung
jüdischer Altertümer in Mainz nicht entgangen, und so mühte er sich im Jahre
1913 nach Fertigstellung der neuen Synagoge mit dem ersten Vorsteher der
Gemeinde, Kommerzienrat B. A. Mayer und dem für den Plan begeisterten
Hofantiquar Reiling, in der alten Synagoge ein jüdisches Museum zu schaffen.
In dem ehrwürdigen Raume der Synagogengasse sollte das 'Deutsche Museum
jüdischer Altertümer' entstehen. Unter diesem Namen ist das geplante Werk im
Pantheon von 1914, dem Handbuch internationaler Museen, verzeichnet. Leider
hat der Krieg und die nachfolgende schwere Zeit den zum Stolze der Gemeinde
und zur Zierde der Stadt großzügig gefassten Plan schon im Keime erstickt.
Erst die Kölner Jahrtausend-Ausstellung, in deren jüdischer Abteilung die
von der Gemeinde Mainz entliehenen Gegenstände, besonders auffielen, hat von
neuem zum Bewusstsein gebracht, dass hier in der alten heiligen Gemeinde
Mainz endlich eine Sammlung geschaffen werden müsse, die ein Spiegelbild
gibt von dem Kulturleben der mit ältesten jüdischen Gemeinde am deutschen
Rhein, ja, des ganzen deutschen Reiches. Darauf bildete sich im Herbst
vergangenen Jahres ein Arbeitsausschuss, dem die Herren Rabbiner Dr. Levi,
Kommerzienrat B. A. Mayer, Gg. A. Mayer. Regierungsrat Michel Oppenheim,
Isidor Reiling und der Verfasser dieser Zeilen angehörten und der sich zur
Aufgabe setzte, in Mainz eine würdige und den Augen der Mitbürger sichtbare,
bleibende Ausstellung jüdischer Kultur-Denkmäler zu schaffen. Der Vorstand
der israelitischen Religionsgemeinde stellte in seinem Verwaltungsgebäude
einen passenden großen Raum zur Verfügung; der Ausschuss versandte ein
Rundschreiben an die Gemeinde, das zum Beitritt zu einem 'Verein zur Pflege
jüdischer Altertümer Mainz" aufforderte, damit in einer Sammlung endlich die
Dokumente aus dem Besitz der Gemeinde und der Stadtbibliothek, der Vereine
und Privatpersonen, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Der Aufruf
verhallte nicht ungehört, über 100 Mitglieder meldeten sich; durch Spenden
und Stiftung von Ausstattungsgegenständen wurde es möglich, während des
Winters den Ausstellungsraum fertig zu stellen. In ihm ist bereits der
reiche Besitz an Toravorhängen der Mainzer Gemeinde wie der der Gemeinden
von Weisenau und Bretzenheim eingeordnet. Bilder. Bücher, Urkunden und
Silbergeräte sind als Geschenke oder Leihgaben eingetroffen, sodass die
'historische Sammlung der israelitischen Gemeinde Mainz' bald der
Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann.
Unter dieser günstigen Entwicklung konnte man für den Abend des 23. Juni
1926 zur formellen Gründungsversammlung des jungen Vereins einladen, zu der
sich die Freunde der Mainzer Geschichte unter dem Vorsitz des Herrn Rabbiner
Dr. Levi einfanden. Die Richtlinien für die Satzungen der Gesellschaft
wurden festgelegt; ihre Ausarbeitung wurde einem besonderen Ausschuss unter
Leitung des Herrn Justizrat Dr. Lichten überwiesen. Dem seitherigen
Arbeitsausschuss wurden unter Zuwahl des Herrn Rabbiner Dr. Bondi die
Vorstandsämter anvertraut; die Herren Reallehrer Eschelbacher und Dr.
Leonhard Fulda wurden mit der Aufstellung des Inventars beauftragt. Mit
besonderem Interesse folgte die Versammlung dem Berichte des Herrn Rabbiner
Dr. Levi über die Ergebnisse seiner Forschung an den Inschriften der alten
Grabsteine, die soeben aus dem städtischen Museum nach dem alten Friedhof
überführt wurden, wo auf dem alten 'Judensand' ein sog. Denkmalsfriedhof im
Entstehen begriffen ist. Die Beschäftigung mit diesen ältesten Dokumenten
jüdischer Sesshaftigkeit auf deutschem Boden soll mit zum Aufgabenkreise des
neuen Vereins gehören. Die demnächstige umfassende Veröffentlichung des
Herrn Rabbiner..." |
Berichte
zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde
Zum Tod von Kommerzienrat Simon
Wolf (geb. 1817 in Bretzenheim, gest. 1882 in Mainz)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. August 1882: "Mainz, 31.
Juli. In voriger Nacht verstarb hier, in Folge eines Herzschlages, Herr
Kommerzienrat Simon Wolf im Alter von 65 Jahren. Was Fleiß,
Redlichkeit und Intelligenz zu leisten vermögen, davon liefert das Leben des
Verstorbenen den sprechendsten Beweis. Derselbe, in dem benachbarten Dorfe
Bretzenheim als der Sohn ganz armer Eltern geboren, wurde von diesen
zu einem Schuhmacher in die Lehre getan. Simon Wolf ist sein ganzes Leben
hindurch dem Schuhmacherhandwerke treu geblieben und hat sich nie mit andern
Geschäften als mit dem der Erzeugung von Fußbekleidung befasst. Nach
vollendeten Lehr- und Wanderjahren ließ er sich hier in Mainz nieder, ganz
ohne Mittel, nur von der Arbeit seiner Hände lebend. Bald aber erlangte
seine Arbeit das ihr gebührende Renommee, und sein Ruf drang weit über die
Grenzen der Stadt hinaus bis in die entferntesten Länder. So wurde denn aus
dem Schuhmacher ein Schuhfabrikant, der mehrere Hundert Arbeiter
beschäftigte und der den Ruf der Mainzer Schuhindustrie bis nach Amerika,
Australien und Asien trug. Es konnte nicht fehlen, dass diesem intelligenten
Handwerker und späterem Großindustriellen die allgemeine Anerkennung und
Hochachtung zuteil wurde, und so wurde er auch mit dem Titel eines
Kommerzienrats beehrt. Auf allen Weltausstellungen erlangten die Erzeugnisse
der Wolf'schen Schuhfabrik die höchsten Auszeichnungen. Der Verewigte
versäumte auch nicht, alle Erfindungen und Verbesserungen, welche die
Neuzeit fast täglich bringt, in seinem Geschäfte zu verwenden. Sehr häufig
ließ er neue Maschinen und geschickte Arbeiter aus England kommen. Dabei
blieb er der bescheidene, einfache und anspruchslose Mann, der er von Jugend
auf gewesen. — Simon Wolf hat bewiesen, was der Jude auch auf dem Gebiete
des Handwerkes zu leisten vermag. Durch reiche Intelligenz, unablässige
Tätigkeit und strenge Rechtlichkeit hat er sich vom armen Schuhmacher bis
zum hoch angesehenen Großindustriellen emporgeschwungen und dadurch nicht
allein dem jüdischen Stamme Ehre gebracht, sondern auch dem deutschen
Gewerbefleiße im fernen Auslande zu hoher Anerkennung verholfen." |
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Werbemarke
für die Schuhfabrik Wolf in Mainz (gegründet 1841)
Vergleiche die Werbeanzeige aus einer Tageszeitung von ca. 1935 in
https://nat.museum-digital.de/object/199656?navlang=de
Hinweis: die Familienunterlagen der Familie S. Wolf, Mainz
(Schuhwarenfabrik) finden sich im Stadtarchiv Mainz
https://faust.mainz.de/objekt_start.fau?prj=internet&dm=archiv&zeig=59741,
darunter: Akte Grabkapelle - Grabdenkmal - L. Wolf auf dem Mainzer
Hauptfriedhof: Farbige Pläne und Zeichnungen; Denkschrift zum 60jährigen
Bestehen der Schuhwarenfabrik S. Wolf, Mainz (1841-1901); Verleihung der zum
Andenken an den 100. Geburtstag von Wilhelm I. gestifteten
Erinnerungsmedaille an den Einjährig-Freiwilligen Ludwig Joseph Wolf, 22.
März 1897; Schätzung des Grundstückes Leibnizstraße 20 (Firma S. Wolf),
15.04.1931; Benachrichtigung über den Tod von Lucian Wolf (Dez. 1904);
Werbeplakat (s/ w) S. Wolf-Stiefel; Artikel aus der Schuhfabrikanten-Zeitung
(Kopie): 90 Jahre Schuhfabrik S. Wolf, Mainz [1931]; Stammbaum von Ludwig
Joseph Wolf (1877-1944 Mainz). |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige der Metzgerei/Viehhandlung
Bernhard Lorch (1889)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. April 1889: "Ein braver, starker
Junge kann die Metzgerei und nebenbei den Viehhandel erlernen.
Bernhard Lorch, Bretzenheim bei Mainz." |
Werbung für den Luftkurort Gonsenheim
(1895)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. April 1895: "Luftkurort
Gonsenheim.
1 möbliertes Zimmer, mitten im Walde, ist mit oder ohne Pension zu
vermieten. Pension streng Koscher. Fahrt nach Mainz 25 Min. mit der
Dampfbahn. Auskunft erteilt Leo Haas, Mainz, Betzelsstr. 6." |
Neujahrsgrüße von Leonhard Meyer und
Frau (1896)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. August 1896:
"'Leschana towa tikatewu (möge Dir ein gutes Jahr
eingeschrieben werden)'
Leonhard Meyer und Frau,
Gonsenheim." |
Frau Rosa Wendel geb. Kahn wirbt für ihre Stickereien (Paroches
= Toraschreinvorhang und Mäntelchen = Mäntel für Torarollen, 1904) und
sucht eine Haushaltshilfe (1917)
Anmerkung: Ludwig Wendel (geb. 25. März 1875 in
Mayen, gest. durch Kriegsverwundung am 25. März
1916 in Mainz-Kastel) war verheiratet mit Rosa geb. Kahn (geb. 12. Juni
1877 in Thaleischweiler, umgekommen
im Ghetto Theresienstadt am 5. Februar 1943). Informationen zu ihr und ihren
Angehörigen nach
https://www.geni.com/people/Rosa-Wendel/6000000206433092822. Ludwig und Rosa
hatten vier Kinder: Siegfried (1902
Saarbrücken - 1941 USA), Else Rebecka (1905 Bretzenheim - 1957 USA),
Bernhard Benno (1908 Bretzenheim - 1944 ermordet KZ Auschwitz siehe
Foto/Kennkarte unten), Alice Amalia verh. Kahn (1911 Bretzenheim - 1978
USA). Nach den Geburtsorten der Kinder und der Anzeige von 1904 ist die Familie
wohl ca. 1903 von Saarbrücken nach Bretzenheim zugezogen.
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. August 1904:
"Frau Ludwig Wendel,
Bretzenheim bei Mainz, Grabenstraße,
empfiehlt
sich zur Anfertigung aller Art Stickereien auch jüdisch wie Paroches,
Mäntelchen etc. zu billigen Preisen". |
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Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 7. Juni 1917: "Ordentliches, wenn auch
älteres
Mädchen
bei Familienanschluss in einfachem Haushalt aufs Land gesucht. Hausfrau ist
im Geschäft tätig (Kriegswitwe).
Frau L. Wendel, Bretzenheim bei Mainz." |
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"Todesfallanzeige"
im Ghetto Theresienstadt für Rosa Wendel geb. Kahn, umgekommen am 5. Februar
1943. Quelle:
https://www.holocaust.cz/de/datenbank-der-digitalisierten-dokumenten/dokument/94057-wendel-rosalie-todesfallanzeige-ghetto-theresienstadt/
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Grab
von Alice Kahn geb. Wendel (hebr. Tochter von Löw Ludwig - er ruhe in
Frieden - geb. 29. April 1911 in Bretzenheim, gest. 10. August 1978 in
Baraboo, Sauk County, Wisconsin, USA, beigesetzt im Beth Hamedrosh Hagodel
Cemetery, Milwaukee, Milwaukee County, Wisconsin, USA. Foto aus
https://de.findagrave.com/memorial/143919917/alice-amalia-kahn
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Anzeigen der Metzgerei Gerson (1933)
Anmerkung: Albert Gerson (geb. 16. Dezember 1883 in
Perscheid), wohnhaft in Mainz-Bretzenheim (Zaybachstraße
27, früher 29), wurde 1942 ab Mainz über Darmstadt deportiert (25. März 1942 in
das Ghetto Piaski) und ermordet. Er war verheiratet mit Betty geb. Levi (geb. 3.
August 1892 in Dolgesheim). Sie wurde
gemeinsam mit ihrem Mann deportiert und auch ermordet. Für Albert und Betty
Gerson wurden in der Zaybachstraße 27 Stolpersteine verlegt.
Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 16. Februar 1933: "KOSCHER.
Delikatess-Zervelatwurst
per Pfund Mk. 1.40
Delikatess-Siedewürstchen per Pfund Mk. —.90
Versand von 4 Pfund ab. 9-Pfd.-Pakete Porto und Verpackung frei unter
Nachnahme.
Albert Gerson, Metzgerei, Mainz-Bretzenheim." |
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Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 11. Oktober 1933: "Von allerbestem jg.
Rindfleisch rituell hergestellte
Delikatess-Cervelatwurst per Pfund 1.60
Delikatess-Siedewürstchen per Pfund 1.00
Versand von 6 Pfund an, franko, per Nachnahme
Albert Gerson, Mainz-Bretzenheim." |
Verlobungsanzeige von Ilse Kahn und
Otto Kraus (1936)
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 16. April 1936:
"Wir haben uns verlobt
Ilse Kahn - Otto Kraus
Finthen-Mainz - Düsseldorf Holmerswertherstraße 340
Ostern 1936" |
Verlobungsanzeige von Hedi
Blumenstiel und Hermann Zacharias (1936)
Anmerkung: die Hochzeit von Hermann Zacharias und Hedwig (Hedy) geb.
Blumenstiel war am 30. August 1936 in Mainz.
Hermann Zacharias war vermutlich ein Sohn von Metzgermeister Bernhard Zacharias
und seiner Frau Selma geb. Grünewald. Die Familie Zacharias betrieb seit
Generationen unweit der ehemaligen Synagoge in Bretzenheim eine Kalbs- und
Ochsenmetzgerei (Wilhelmstraße 51). Bei den schweren Ausschreitungen beim
Novemberpogrom 1938 wurde ihr Laden zerstört, Metzgermeister Zacharias schwer
misshandelt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Mainz-Bretzenheim
Anzeige
in der Zeitschrift "Jüdische Rundschau" vom 10. April 1936:
"Hedi Blumenstiel - Hermann Zacharias
Verlobte
Mainz am Rhein Mathildenstraße 6 - Mönchengladbach
- Mainz-Bretzenheim
April 1936" |
| Kennkarten
aus der NS-Zeit |
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Am 23. Juli 1938 wurde
durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von
Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht
eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen
Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch"
galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste
Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt.
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv
zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände:
Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV:
Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm.
Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de |
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Kennkarten
zu Personen,
die in Bretzenheim geboren sind |
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KK (Mainz
1939) für Eduard Hirsch (geb.
14. September 1881 in Bretzenheim), Kaufmann,
wohnhaft in Mainz, am 30. September 1942
deportiert ab Darmstadt vermutlich nach
Treblinka, umgekommen |
KK (Mainz
1939) für Julius Koch (geb.
21. August 1876 in Bretzenheim), wohnhaft
in Worms und Mainz, 1942 deportiert in das
Vernichtungslager Auschwitz, ermordet
am 14. September 1943 |
KK (Main 1939)
für Albert Lorch (geb.
19. Juli 1863 in Bretzenheim), Weinhändler,
wohnhaft in Mainz, am 27. September 1942
deportiert ab Darmstadt in das Ghetto Theresienstadt,
wo er am 6. Januar 1943 umgekommen ist |
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KK (Mainz 1939)
für Emil Lorch (geb. 19. Januar
1863 in Bretzenheim), wohnhaft in Mainz; am
27. September 1942 deportiert ab Darmstadt in
das Ghetto Theresienstadt, wo er am
8. Dezember 1942 umgekommen ist
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KK
(Mannheim 1939) für Moritz Marx (geb.
26. Dezember 1872 in Bretzenheim), Kaufmann,
wohnhaft in Bretzenheim und Mannheim, am
22. Oktober 1940 deportiert in das Internierungslager
Gurs, später Rivesalter, Nexon und Noé,
umgekommen am 24. September 1942 in Saint-Dié. |
KK (Mainz
1939) für
Bernhard Benno Wendel
(geb. 6. Oktober 1908 in Bretzenheim),
kfm. Angestellter ermordet im KZ Auschwitz https://www.geni.com/people/Bernhard-Wendel/6000000201145619924
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KK (Mainz
1939) für Bernhard Zacharias
(geb. 15. November 1879 in Bretzenheim,
am 25. März 1942 deportiert ab
Mainz - Darmstadt in das Ghetto Piaski,
umgekommen
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Zur Geschichte des Betsaal/der Synagoge
Eine Synagoge beziehungsweise ein Betsaal soll bereits im 16. Jahrhundert,
genauer 1580 in Bretzenheim vorhanden gewesen sein (Angabe
bei Arnsberg s. Lit. S. 93). Nachdem Mitte des 18. Jahrhundert neun
jüdische Familien gezählt (1742) wurden, haben diese einen Betsaal
eingerichtet: Dazu stellte der jüdische Viehhändler Sandter Lorch 1738
der Gemeinde für 20 Jahre ein Haus als "Schul" (d.h. als Synagoge)
zur Verfügung. Bereits damals kamen auch die in Finthen und Mombach lebenden
jüdischen Personen zum Gottesdienst nach Bretzenheim. 1784 beschloss die
jüdische Gemeinde den Bau einer Synagoge. Ende März 1785 wurde ein
Grundstück an der Ecke Wilhelmstraße/Oberpforte erworben. Drei Jahre später
konnte am 27. Juni 1788 die Einweihung der Synagoge gefeiert
werden. Die "Privilegierte Mainzer Zeitung" berichtete am 1. Juli 1788
über die Prozession mit den drei Torarollen durch den Ort zur Synagoge:
"Die zu Bretzenheim bei hiesiger Stadt von der dahiesigen
Judengemeinde mit gnädigster Erlaubnis neuerbaute Synagoge wurde verflossenen
Freitag mit viel Feierlichkeit geöffnet; die Zeremonien dabei verrichtete wegen
Krankheitsumständen des Oberlandesrabbiners, der Unterrabbiner Herz David
Scheuer, ein Sohn des verstorbenen Rabbiners. Um 3 Uhr Nachmittags versammelten
sich sämtlich einheimischen Juden sowohl, als einige hundert umliegende Fremde,
und holten die drei in einem Haus gestandene geschriebene Tora unter einem
reichen Verdeck, dann das ausgeziert vorgetragene auf Hebräisch und Deutsch
geschriebene Gebet für Seine Kurfürstl. Gnaden und des Herrn Koadjuktor
Erzbischöfl. Gnaden, wie auch den Schlüssel zu der Synagoge, fast durch den
ganzen Ort, unter einem angestimmten Lobgesang von dem hiesigen Vorsänger unter
Zustimmung der Instrumentalmusik, ab, und als vor der Türe der Synagoge
anlangten, wurde des 122. Psalm abgesungen, sodann ging der Zug in die neue
Synagoge hinein".
In den Kriegsjahren 1794/95 wurde die Synagoge - wie viele Häuser in
Bretzenheim - zerstört, die Ruine wurde 1795 abgebrochen. 1802 wird das
Grundstück als "öder Platz" bezeichnet. In den folgenden Jahren fand
der Gottesdienst wieder in einem Privathaus statt. Erst nach 1811 konnte
auf den Fundamenten des zerstörten Gotteshauses wieder eine neue Synagoge
erstellt werden. Das Jahr der Einweihung ist nicht bekannt (vor 1821).
Im August 1838 stand ein besonderes Ereignis an. In der Bretzenheimer
Synagoge wurde eine neue Torarolle eingeweiht. Mit einer großen Prozession
wurde die Torarolle durch das Dorf getragen und schließlich in den Toraschrein
eingelegt. Zahlreiche Gäste waren aus der jüdischen Gemeinde Mainz nach
Bretzenheim gekommen, um jedoch weniger die Einbringung der neuen Tora zu
erleben als vielmehr die zu diesem Anlass angekündigte deutsche Predigt
des jungen Theologen Dr. Kahn, ein damals unter den jüdischen Gemeinden noch
aufsehenerregendes Ereignis. Die "Allgemeine Zeitung des Judentums"
berichtete in Ihrer Ausgabe vom 4. September 1838:
Mainz, 13. August. Ein israelitisch-religiöses Fest
(besser ein israelitisches Volksfest) wurde dieser Tage in Bretzenheim
bei Mainz gefeiert, welches in einiger Beziehung eine Erwähnung verdient. Es
wurde eine neu geschriebene Tora eingeweiht, bekanntlich bei den Bewohnern des
platten Landes eine Veranlassung zu festlicher Ausgelassenheit. Letztere zog die
zahlreichen Festgäste aus Mainz - zu ihrer Ehre sei's gesagt - nicht an,
sondern man ging hin, um die Reden des jungen jüdischen Theologen Dr. Kahn zu
hören, der bei dieser Gelegenheit zum ersten Male als Kanzelredner sich
produzieren sollte. Eine deutsche Predigt in einem jüdischen Gotteshause ist
bei uns leider! noch eine Seltenheit. Wenn Ihnen das ein Rätsel ist, so
trösten Sie sich damit, dass es mir nicht weniger unbegreiflich ist. Die
Seelenzahl unserer israelitischen Gemeinde (sc. Mainz) beläuft sich auf 2.000,
darunter eine Anzahl hochgebildeter jüdischer Bürger, dabei eine reiche und
für das Bessere empfängliche Gemeinde, eine Regierung, die die Aufklärung
aufrichtig will, eine heitere, loyale, freisinnige Umgebung. Und dennoch keine
deutsche Predigt, dennoch kein gebildeter Seelenhirte!! Ich werde Ihnen die
Gründe ein andermal anführen, da sie heute außerhalb dem Bereiche meines
Berichtes liegen. Ich komme zu Herrn Dr. Kahns Predigt zurück. Derselbe redete
zwei Mal zu dem zahlreichen Publikum, einmal am Vorabende des Feste, in dem
Lokale, wo die herrlich geschmückte, neue Tora stand, und dann am Feste in der
Synagoge. Beide Reden waren wohl gewählt, dem Gegenstande sehr angemessen, und
inhaltsschwer, und Herr Dr. Kahn hat sich dadurch de Verständigen als einen
gebildeten, kenntnisreichen und hoffnungsvollen jungen Mann dokumentiert. Mit
Text und Abfassung der Predigt, in der eine gesunde Logik und eine tiefe
Kenntnis der Bedürfnisse und Wünsche des heutigen Judentums hervorleuchteten,
verschone ich Sie; es genüge, wenn ich Sie versichere, dass des jungen Mannes
Worte einen mächtigen Eindruck auf Christen und Juden zurückließen und dass
er seinen Beruf als Kanzelredner glänzend bewährte. Auch der hiesige greise
Rabbine sprach in öffentlicher Synagoge, deutsch so gut es ging, aber was er
sprach war wohlgemeint und beherzigenswert. Dieser alte Rabbine ist ein
ehrenwerter Mann, tolerant sogar, und vor allen Dingen brav und rechtlich. Wir
würden ihm aber dreifach lobende Prädikate beilegen, wenn er die Hand dazu
böte, dass jeden Samstag, oder wenigstens alle vierzehn Tage von einem
gebildeten Theologen eine deutsche Predigt vor der zahlreichen Gemeinde gehalten
würde. Aber ich glaube nicht, dass er das je tun wird. - Was nun das Fest
selbst betrifft, so könnte ich Ihnen erzählen, dass die neue Tora
prozessionsmäßig durch das Dorf getragen wurde, dass den Zug eine zahlreiche,
festlich gekleidete Menge begleitete, dass von der israelitischen Schuljugend
unter Leitung des geschickten Vorsängers Lehmeyer, deutsche Choräle gesungen
wurden, dass Zug und Anordnung würdig, selbst musterhaft waren; ferner könnte
ich Ihnen erzählen, dass nach dem religiösen Teile des Festes tüchtig
geschmaust und getanzt wurde, und dass man fröhlich war nach Herzenslust.
Allein alles dieses mag ich hier nicht ausführen, und nur auf Eins will ich
mich beschränken. Die Kosten dieser ganzen festlichen Veranstaltung, mit
Inbegriff des Honorars für das Schreiben der neuen Tora, trugen einige wenige
junge Männer und Mädchen, die sämtlich unvermögend sind, und die bereits
drei Jahre lang für dieses Fest wöchentlich vier Kreuzer von ihrem Ersparnis
zurücklegten. |
Die Bretzenheimer Synagoge bestand über 120 Jahre, in denen sie mehrfach
renoviert und modernisiert wurde. 1912 wurde die Anzahl der Sitzplätze
von 34 auf über 50 erhöht, an jeder Seite standen fünf bis sechs Bänke; die
Frauen saßen in langen Sitzreihen.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch Nationalsozialisten
geschändet, die Inneneinrichtung zertrümmert, die Torarollen auf der Wilhelmstraße
verbrannt. Das Gebäude selbst wurde wegen Brandgefahr für die umliegenden
Gebäude nicht angezündet. Im März 1939 wurde das Anwesen für 1.500 Mark an
eine Privatperson verkauft, von dieser 1942 an den Inhaber der benachbarten
Gaststätte weiterverkauft. Bei einem
Luftangriff wurde das Gebäude wenig später durch eine Luftmine schwer
beschädigt und 1946 abgebrochen. Im Zuge des
Restitutionsverfahrens wurde vom Eigentümer des Grundstückes eine weitere
Entschädigungszahlung in Höhe von 1.500 DM geleistet.
In den 1960er-Jahren wurde das
Grundstück neu bebaut. Dabei wurden auch die Fundamente der ehemaligen Synagoge
beseitigt. Eine Gedenktafel am Wohnhaus erinnert an die Synagoge.
Adresse/Standort der Synagoge: Ecke Wilhelmstraße/Oberpforte
(früher Eingang Friedrichstraße)
Fotos / Darstellungen:
(Fotos: Michael Ohmsen, September 2011; Link
zur Fotoseite zu Mainz von M. Ohmsen)
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| Blick auf das neu
bebaute Synagogengrundstück mit einem Gedenkstein und der Inschrift:
"Hier stand die Synagoge der Jüdischen Gemeinde Bretzenheim. Sie
wurde 1788 erbaut und 1795 in den Napoleonischen Kriegen Zerstört. Der
Wiederaufbau erfolgte um 1820. Nationalsozialisten und Sympathisanten
beschädigten die Synagoge in der Pogromnacht am 9.11.1938. Der völlig
Abriss erfolgte kurz danach." |
Erinnerungsarbeit vor
Ort - einzelne Berichte
| September 2009:
"Stolpersteine" - auch für Bretzenheim
geplant |
Aus einem Artikel in der "Allgemeinen
Zeitung" vom 11. September 2009 (Artikel nur teilweise
zitiert):
"Stolpersteine" bald auch in Bretzenheim -
(ok). Die in Mainz vielerorts installierten "Stolpersteine", die an die jüdischen Opfer der NS-Gewalt erinnern sollen, wird es nach dem Willen der Verwaltung wohl auch bald in Bretzenheim geben. Die CDU hatte zuvor einen entsprechenden Antrag im Ortsbeirat formuliert.
"Eine Zusammenstellung von NS-Opfern speziell für Bretzenheim existiert im Archiv allerdings nicht", heißt es in einer Stellungnahme der Verwaltung. Recherchen dazu könne der Bretzenheimer Verein für Heimatgeschichte betreiben, so der Vorschlag...
Der weitere Inhalt des Artikels bezieht sich auf andere im Ortsbeirat
besprochene Themen. |
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September/Oktober 2018:
"Stolpersteine" werden auch in
Gonsenheim verlegt |
Artikel von Petra Jung in der "Allgemeinen
Zeitung" vom 23. August 2018: "Stolpersteine: Gedenken an NS-Opfer wie in
Stein gemeißelt.
Die Stolpersteinverlegung ist das Ergebnis der Ausstellung 'Gonsenheimer
Erinnerungen – Jüdische Nachbarinnen und Nachbarn zwischen Integration und
Ausgrenzung'.
GONSENHEIM - 'Gonsenheimer Erinnerungen – Jüdische Nachbarinnen und
Nachbarn zwischen Integration und Ausgrenzung' lautet der Titel der
Wanderausstellung, die seit August letzten Jahres durch den Stadtteil
'tourt' und auf große Resonanz stößt. Und die nun auch für eine über die
Ausstellung hinaus bleibende Erinnerung sorgt: Der Kölner Künstler Gunter
Demnig wird auch in Gonsenheim Stolpersteine verlegen. Kooperationspartner
sind neben dem Verein 'GonsKultur' das Institut für Geschichtliche
Landeskunde (IGL) an der Universität und der Verein für Sozialgeschichte
Mainz e. V. Die Ausstellung hatten zudem auch der Ortsbeirat, die
Kirchengemeinden sowie der Heimat- und Geschichtsverein unterstützt. Ein
Stolperstein kostet 120 Euro. Ein Teil der Gonsenheimer Stolpersteine ist
bereits finanziert, für die weiteren Steine sowie für die Erstellung eines
Ausstellungskataloges werden noch Sponsoren gesucht.
Gymnasiasten des OSG begleiten das Projekt. Die Verlegung der
Stolpersteine in Gonsenheim ist auf den 25. Oktober terminiert. Ab 9 Uhr an
diesem Tag wird Demnig in der Friedrich- und in der Jahnstraße insgesamt
sieben Steine verlegen, die an das Schicksal von sieben ehemaligen jüdischen
Nachbarn erinnern werden. 'Die Stolpersteine werden dort verlegt, wo der
letzte frei gewählte Wohnsitz der deportierten und ermordeten oder
emigrierten Juden war', sagt Helmut Hochgesand, der die Ausstellung einst
mitinitiiert hatte. Vorbereitet und aktiv mitgestaltet wird die Verlegung
von Schülern des Otto-Schott-Gymnasiums (OSG), die sich seit Beginn des
neuen Schuljahres intensiv mit der jüdischen Geschichte Gonsenheims
auseinandersetzen. 'Es ist einfach toll, wie die Schule sich dieses Themas
annimmt und es intensiv begleitet', sagt Carolin Schäfer, Assistenz der
Geschäftsführung des IGL. Auch die Kuratoren der Wanderausstellung des IGL,
die derzeit bis zur Verlegung der Stolpersteine im Oktober im Foyer des OSG
gezeigt wird, unterstützten dieses Unterfangen. Am Vorabend der
Stolpersteinverlegung (Mittwoch, 24. Oktober) lädt das IGL gemeinsam mit den
anderen Kooperationspartnern und dem OSG zu einem Informations- und
Vortragsabend in die Mensa des OSG ein, bei dem neben einem Vortrag des
Künstlers und der Ausstellungskuratoren auch eine szenische Lesung zum
Schicksal von sechs jüdischen Nachbarn aus der Gonsenheimer Jahnstraße von
Helmut Hochgesand zu hören und sehen sein wird; auch führen Schüler des OSG
Besucher durch die Ausstellung."
Link zum Artikel |
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2018 in Gonsenheim:
Wanderausstellung "Gonsenheimer Erinnerungen. Jüdische Nachbarinnen und
Nachbarn zwischen Integration und Ausgrenzung". Dazu Informationen
eingestellt über die vom Institut für Geschichtliche Landeskunde an der
Universität Mainz e.V. erarbeitete Ausstellung (pdf-Datei).
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Links und
Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen.
1971 Bd. II,93-94. |
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 123 (mit weiteren Literaturangaben).
|
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 115-116. |
 | Dieter Krienke: Die Synagogen der Mainzer Vororte
Bretzenheim, Ebersheim, Hechtsheim und Kastel. In: Die Mainzer Synagogen.
Hrsg. von Hedwig Brüchert im Auftrag des Vereins für
Sozialgeschichte Mainz e.V. Mainz 2008. Weitere Informationen zu diesem Buch
bei den Literaturangaben auf der Seite zu den Synagogen
in Mainz. |
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Katalog
zur Ausstellung "Gonsenheimer Erinnerungen. Jüdische Nachbarinnen und
Nachbarn zwischen Integration und Ausgrenzung". Hg. vom Institut für
Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e.V., Mainz 2018.
Herausgeber und Projektleitung: Dr. Kai-Michael Sprenger. Kuratoren: Lisa
Groh-Trautmann, Christoph Schmieder, Jasmin Gröninger.
Die Publikation ist für € 6,- beim IGL erhältlich:
https://www.igl.uni-mainz.de/service/kontakt/.
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Bretzenheim
Hesse. Jews lived there from the 16th century. Numbering 84 (4,6 % of the total
in 1861, the community dwindled to 26 in 1933. Most Jews emigrated after Kristallnacht
(9-10 November 1938), the last few being deported in 1942.

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