Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Davos (GR, Schweiz)
Jüdischer Friedhof 

Zur jüdischen Geschichte in Davos    
    
Siehe Seite über die jüdische Geschichte in Davos vom Ende des 19. Jahrhunderts bis um 1920 (interner Link)      
   
   
Zur Geschichte des Friedhofes 
(Quelle: http://www.samd.ch/Galerie/geschi.htm#waldfriedhof)   
    
Erstmals wurde 1903 um die Errichtung eines jüdischen Friedhofs gebeten, da mehrere hundert Israeliten in Davos lebten und Todesfälle - vor allem unter den teilweise schwer lungenkranken Patienten - nicht selten waren. Bisher war es nicht möglich, die Toten rituell in Davos zu bestatten, sie mussten also nach Zürich oder in ihre Heimat transportiert werden, was unerwünscht und kostspielig war. Deshalb lag es im Interesse des Kurortes, einen jüdischen Friedhof zu errichten. Dagegen war jedoch die Fraktions- und Kirchgemeinde Davos Platz, weil die Platzfrage nicht geregelt war und es keine gute Reklame gewesen wäre, wenn die Kurgäste ständig Friedhöfe unter den Augen gehabt hätten. Auch andere, vor allem finanzielle Gründe, sprachen dagegen. 
   
Petition um Gestattung der Anlage eines israelitischen Friedhofes (1903)   

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 8. Mai 1903: "Graubünden. In Davos nimmt die Zahl der Israeliten immer zu, die der Niedergelassenen sowohl wie der Kuranten. Nun haben sie bei der Regierung eine Petition eingereicht, um Gestattung der Anlage eines israelitischen Friedhofes. Der Entscheid ist noch nicht gefällt."     

Das zweite Gesuch im Jahre 1914 stieß ebenfalls auf wenig Sympathie; diesmal hieß es, man solle die Entstehung von konfessionellen Friedhöfen vermeiden. Aber für die Juden kam ein einheitlich konfessioneller Friedhof nicht in Frage, weil einerseits die Forderung nach einer exklusiv jüdischen Begräbnisstätte bestand, und andererseits die Exhumierung (Umbettung eines Toten, um ein neues Grab zu erstellen) verboten war. In den Anfängen des Judentums waren die Friedhöfe nicht bekannt. Der Leichnam wurde bei den Vätern in einem Familiengrab auf eigenem Boden nicht weit vom Haus bestattet. Als dann den Juden das Schicksal der Vertreibung und Zerstreuung über die halbe Welt zugefallen war, wurden die Friedhöfe für sie zu Stätten der Zuflucht und Stärkung und zum Abbild ihrer bedrohten Existenz. Sie mussten nun um einen eigenen Begräbnisplatz kämpfen, und ihre Friedhöfe widerspiegeln die quälende Enge ihrer Behausungen. Ihnen stand nur ein möglichst kleines Stück Land zu, das sie später selten erweitern durften.  
    
Als dann 1919 über den Waldfriedhof abgestimmt wurde, befand sich im Amtsbericht dazu ein kurzer Hinweis auf den inzwischen von der Regierung Graubündens bewilligten jüdischen Friedhof, der ebenfalls auf dem Wildboden nach Plänen Gaberels angelegt werden sollte.
     
Schlussendlich dauerte die Realisierung dieses Vorhabens aber ein ganzes Jahrzehnt, da der israelitische Kostenanteil zuerst viel zu hoch war bei den damaligen wirtschaftlichen Verhältnissen, und es zudem an Interessenten fehlte.
     
Im März 1931 schließlich kam ein Vertrag zwischen der Fraktionsgemeinde Davos Platz und dem Schweizerischen Israelischen Gemeindebund zustande, in dem sich die Käuferin verpflichtete, das gekaufte Land nur als Friedhof zu benützen. 
  
Im September 1931 konnte der Friedhof endlich eingeweiht werden. Inzwischen zählt die Grabstätte 176 Gräber, 50 davon aus der Zeit vor dem 2. Weltkrieg. Platz wäre für etwa 900 Gräber, aber mit dem Rückgang der Tuberkulose ging auch die Zahl der jüdischen Kurgäste zurück.  
   
Die Einweihung des Friedhofes am 17. September 1931     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Oktober 1931: "Davos. 1. Oktober (1931). Eine schlichte, würdige Feier, zu der das Zentralkomitee des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes eingeladen hatte, übergab am Donnerstag, den 17. September, den vom Gemeindebund angekauften Friedhof in Davos seiner heiligen Bestimmung. Der Friedhof liegt in der Nähe des im Jahre 1919 angekauften allgemeinen Friedhofs von Davos. Er umfasst 6.400 Quadratmeter und ist von einer niedrigen Steinmauer umgeben, die aus Natursteinen, dem Charakter der Gegend entsprechend, aufgerichtet ist. Eine einfache Pforte bildet den Eingang.
Die Einweihungsfeier begann etwas nach 10 Uhr. Herr Landammann Branger sprach im Namen der Davoser Gemeinden und ihrer Behörden. Herr Saly Mayer (St. Gallen), Aktuar des Gemeindebundes, erinnerte kurz an die langjährigen Bestrebungen, die heute dank der Initiative des Gemeindebundes, dank der Beteiligung von Seiten aller Gemeinden, ihre befriedigende Erfüllung gefunden haben. Er erwähnte besonders Herrn Isak Rom sel., den Sekretär des Hilfsvereins, der leider die nunmehrige Erfüllung seines Herzenswunsches nicht mehr erleben konnte. Er sprach von dem rührigen Eifer der Jüdischen Vereinigung Davos, von der Anteilnahme des Hilfsvereins für jüdische Lungenkranke, dankte allen, die das Werk unterstützt haben, besonders auch den Architekten, die ihm ihre Mühe und Kunst zugewendet.   Darauf folgte die Zeremonie der religiösen Einweihung durch die Herren Rabbiner, die in der Hauptsache in der Umschreitung des ganzen Platzes unter Rezitation von Psalmen bestand und in Gebeten, abwechselnd von den Herren Rabbinern vorgetragen. Anschließend sprach Rabbiner Dr. Littmann in warmen Worten über die Bedeutung der Einweihungsfeier. Ee dankte im Namen der schweizerischen Rabbiner für das neueste Werk, das aus jüdischer Tatkraft und Liebestätigkeit entstanden ist, und bat um den Segen Gottes, in dessen Namen wir uns versammelt haben. 
Vom Friedhof ging es zur Ethania und, eine Einladung des Hilfsvereins folgend, zum gemeinsamen Mittagessen, das in liebenswürdigster Weise von Herrn Verwalter Fischer und seiner freundlichen Gattin bereitet wurde und an welchem noch Herr Dr. Charles Bollag das Wort nahm, um noch einmal allen Beteiligten und besonders dem Jüdischen Hilfsverein und der Jüdischen Gemeinschaft Davos den Dank des Gemeindebundes auszusprechen."   

Die erste Beisetzung auf dem Friedhof fand im Oktober 1931 statt (Leo Krupkin). 
   
Auffallend am jüdischen Friedhof ist die Schlichtheit: Die einheitlichen Grabsteine stehen in geraden Reihen in der Erde und sind alle nach Jerusalem ausgerichtet. Blumenschmuck ist nicht üblich, auch nicht anderer Schmuck; dies, obwohl bis um etwa 100 n. Chr. die Bestattungen sehr prunkvoll waren! Um diese Zeit nämlich starb ein angesehener Patriarch, der sich jedoch jeglichen Schmuck an seinem Grab verbat. Seither sind die jüdischen Gräber sehr schlicht, nach dem Motto: "Im Tod sind alle gleich". Als einziges Zeichen der Erinnerung werden Steine von den Besuchern auf die Gräber gelegt. Dieser Brauch geht auf frühere Zeiten zurück und ist ein Symbol dafür, dass man sich an die Verstorbenen erinnert.  
   
Quelle: Zeitschrift (ohne die Artikel aus den jüdischen Periodika)   Davoser Revue, 70. Jahrgang, Nr. 1, März 1995.
   
Besonderheiten: am 4. November 1963 wurden Gebetbücher, die nach einem Lawinenniedergang im Jahr 1962 auf die jüdische Heilstätte Etania in Davos unbrauchbar geworden waren, nach jüdischem Brauch auf dem Friedhof vergraben. Ein Gedenkstein ist vorhanden. 
 
Am 10. Juni 2004 wurden die sterblichen Überreste von drei jüdischen Bergsteigern aus Wien auf dem Friedhof beigesetzt. Sie sind am 2. August 1923 im Jungfrau-Gebiet verunglückt und wurden zunächst auf dem (nichtjüdischen) Friedhof von Lauterbrunnen im Kanton Bern begraben. Als das Gräberfeld mit ihrem Grab aufgehoben werden sollte, wurde die Exhumierung und Überführung nach Davos unter Beachtung halachischer Bestimmungen vorgenommen. 
  
  
Lage des Friedhofes    
  
Beim allgemeinen Waldfriedhof - durch einen Weg vom nichtjüdischen Teil getrennt. Auf der Hinweistafel zum allgemeinen Waldfriedhof (siehe Foto unten) steht zum jüdischen Friedhof: "In unmittelbarer Nähe, rechts neben der Strasse befindet sich seit 1931 auch der jüdische Friedhof mit seinen gegen Jerusalem ausgerichteten 176 Gräbern und einem Grab mit der Asche und Überresten von Verbrannten aus dem Konzentrationslager Buchenwald."   
   
   
Fotos  
(Fotos von Nelly Marksitzer, Zürich; Aufnahmedatum 27.08.2009)  

Davos Friedhof 178.jpg (54716 Byte) Davos Friedhof 175.jpg (89643 Byte) Davos Friedhof 172.jpg (73824 Byte)  
Hinweistafel am Waldfriedhof Blick über den Friedhof   
      
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Teilansichten des Friedhofes 
     
Davos Friedhof 176.jpg (69107 Byte) Davos Friedhof 170.jpg (53927 Byte)   
   Rechts das Grab mit der Asche von Verbrannten
 aus dem Konzentrationslager Buchenwald
  
       

     
     
Presseberichte zum Friedhof   

Juli 2012: Bericht über den jüdischen Friedhof in Davos   
Artikel von Urs Hafner in der "Neuen Züricher Zeitung" vom 16. Juli 2012: "Der jüdische Friedhof von Davos. In Ruhe warten - ein Blick auf den jüdischen Friedhof von Davos...."  
Link zum Artikel      
 

     
       

Links und Literatur

Links:  

Website der Stadt Davos  
Seite auf der Website des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG) zum jüdischen Friedhof in Davos   

Literatur:  

Siehe den oben genannten Beitrag aus der "Davoser Revue" .  
Presseartikel von Klaus Bergamin aus der "Davoser Zeitung" vom 26. März 2008 über den jüdischen Friedhof in Davos       

     
       

                   
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Stand: 30. Januar 2014