Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Hahnstätten (VG Hahnstätten, Rhein-Lahn-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte    
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde                 
    
In Hahnstätten bestand eine jüdische Gemeinde bis nach 1933, deren Entstehung mindestens in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurückgeht. 1714 lebten zehn jüdische Familien mit zusammen 51 Personen im Amt Hahnstätten (die jüdischen Familien des Judle, Lemle, David der Ältere, David der Jüngere, Gumbel, Debel, Elias der Ältere, Elias der Jüngere, Affron, Gumbels Witwe). Damals gab es im Amt Hahnstätten mehr jüdische Personen als zur selben Zeit in der Stadt und im Land Diez. Die jüdischen Familien lebten ausschließlich vom Viehhandel.  
  
Bis 1746 und 1770 ging die Zahl der jüdischen Familien jedoch - vermutlich auf Grund der rigider werdenden Judenpolitik im Herzogtum Nassau - auf jeweils drei zurück. 1746 werden genannt: der Viehhändler Jud Judle mit seinem verheirateten Sohn Scholem, der Kram- und Fruchthändler Jud Anschle und der Viehhändler Jud Jacob. 1770 hatte die Familie des Gumbrich Anschel einen Kramladen, die Familie Loeb handelte mit Rindvieh, Scholems Witwe hatte nur geringe Einkünfte, da sie "mit nichts" handelt. 1784 gab es nur noch zwei jüdische Familien und eine Einzelperson: Jud Loeb, der einen Viehhandel betreibt, Issak Gumbrich, der auch Viehhandel betreibt und in seinem Haushalt noch ein "Mitweib" (vermutlich eine Magd) hatte.  
   
Im Laufe des 19. Jahrhunderts nahm die Zahl der jüdischen Einwohner zunächst langsam wieder zu: 1821 gab es vier jüdische Familien am Ort (Löwie Salomon, Moses Löwie, Abraham Gumbricht und Witwe Isaak Gumbricht), 1841 und 1852 sechs Familien (mit 24 Personen), um danach durch Aus- und Abwanderung wieder zurückzugehen (1895 6 jüdische Einwohner, 1900 5, 1910 3, 1925 wieder 14). 
  
1841 werden die neuen Familiennamen der jüdischen Familien genannt: die Familien des Jacob Isaak, des Bernhardt Isaak und des Gumbel Levi nahmen den Namen Adler an. Die Familie des Levi Salomon wollte zwar den Namen Salomon als Familiennamen behalten, was jedoch nicht genehmigt wurde - nun wählen sie den Namen Grünwald. Die Familie des Salomon Hirtz/Hirsch hieß seitdem Hirschland und die des Moses Levi Löwensohn.  
  
Im 19. Jahrhundert gehörten auch die in Niederneisen, Oberneisen und Kaltenholzhausen lebenden jüdischen Familien zur Gemeinde in Hahnstätten, bis diese von 1928 bis nach 1933 der Gemeinde in Flacht zugeteilt wurden. 1865 gab es in Kaltenholzhausen drei, in Oberneisen eine, in Niedereisen zwei jüdische Familien. 1875 waren es in Kaltenholzhausen drei, in Niederneisen und Oberneisen jeweils noch eine Familie.   
    
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule und ein rituelles Bad. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war im 19. Jahrhundert zeitweise ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Bereits 1714 wird ein "Schulmeister" der jüdischen Gemeinde genannt. Bei einer Lehrerversammlung des Bezirksrabbinates Diez, die 1843 in Limburg abgehalten wurde, wird als Teilnehmer aus Hahnstätten Lehrer Freund genannt. 1865 war als Lehrer Lewi Dickstein (aus Staatisca/Russisch Polen) angestellt. Die Gemeinde gehörte nach 1843 zum Bezirksrabbinat Diez, nach dessen Auflösung 1860 zum Bezirksrabbinat (Bad) Ems (später Ems-Weilburg).    
       
Von den in Hahnstätten geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Moritz Adler (1857), Max Hermann (1885), Clotilde Strauß geb. Adler (1882), Greta (Gerda) Strauß (1915).  
    
Aus Kaltenholzhausen ist umgekommen: Fanny Hirsch geb. Löwenthal (1850, im Alter von 92 Jahren von Frankfurt nach Theresienstadt deportiert, wenig später in das Vernichtungslager Treblinka).      
   
   
   
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde      

In jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts wurden noch keine Berichte zur jüdischen Geschichte in Flacht gefunden.      

     
     
     
Zur Geschichte der Synagoge                 
    
Eine Synagoge wurde 1713 eingerichtet, zuvor bestand vermutlich bereits ein Betsaal. 
   
1841 wird über die Synagoge (Betstube) berichtet, dass sie im Obergeschoss des Wohnhauses der jüdischen Familie Bernhardt Isak (Bernhard Adler) lag. Es handelte sich wahrscheinlich noch um dasselbe Gebäude wie 1713. Bei der Synagoge handelte es sich um zwei Räume im zweiten Stock, wobei der kleinere Raum für die Frauen, der größere für die Männer eingerichtet war. Insgesamt hatte es Platz für 50 Personen. Um 1843 bestand der Plan, eine neue Synagoge zu bauen. Er wurde nicht ausgeführt. 1867 sollte die Synagoge geschlossen werden, die Hahnstätter Juden wurden behördlich angewiesen, von nun an die Synagoge in Kirberg zu besuchen, doch konnte dies nicht durchgesetzt werden. 
  
In den 1920er-Jahren wurde der Frauenraum der Synagoge aufgegeben. 
    
1936
wurde das Gebäude verkauft, die Ritualien und die Torarollen an den Bezirksrabbiner in Koblenz und den Rabbiner in Bad Ems gegeben.  
   
   
Adresse/Standort der Synagoge:     Dahlstraße 1  
   
   
Fotos
(Quelle: Landesamt s.Lit. S. 178 und Pinkas Hakehillot S. 539) 

Hahnstaetten Synagoge 105.jpg (78587 Byte) Hahnstaetten Synagoge 110.jpg (69827 Byte)  
Die Synagoge in Hahnstätten, die im oberen
 Stockwerk des Gebäudes eingerichtet war 
(Foto von Mina Dörner in Hahnstätten 
in: Jungbluth s.Lit. S. 6)
Innenaufnahme der Synagoge in 
Hahnstätten mit Blick auf Vorbeterpult 
und Toraschrein 
 
  
     

      
      
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte      

Februar / April 2018: In Hahnstätten sollen "Stolpersteine" verlegt werden   
Artikel von Katrin Maue-Klaeser in der "Rhein-Zeitung" vom 2018: "Hahnstätten. Es geht um die Opfer: Mit Stolpersteinen ein Friedenszeichen setzen
Ein Friedenszeichen wollen die Initiatoren setzen mit der Verlegung von Stolpersteinen in der Verbandsgemeinde Hahnstätten. Denn neben dem Gedenken an die Opfer geht es der Arbeitsgruppe mit den im Boden eingelassenen Bronzetafeln auch um die Wirkung des Erinnerns in der Gegenwart. 'Stolpersteine schaffen Akzeptanz für den Umgang mit Menschen mit Einschränkungen', ist Historikerin Martina Hartmann-Menz sicher.

Der Initiative aus der Mitte der Bürger gehören Menschen aus Kirchengemeinden beider Konfessionen an, Ortshistoriker und Privatleute aus mehreren Ortschaften. Angestoßen hat das Projekt Marion Reiter, die die Stolperstein-Aktion aus Wiesbaden kennt, wo sie sie seinerzeit in der Jugendarbeit begleitet hat. Unterstützt wird sie in der Hahnstättener Arbeitsgruppe unter anderem von Verbandsgemeindebürgermeister Volker Satony und Paul Stegemann. 'Die ersten sechs Steine sind über Spenden und privates Engagement bereits finanziert', freut sich Reiter. Sie sollen drei jüdischen und drei Krankenmord-Opfern gelten. Stegemann ergänzt, dass die ersten Gemeinderäte über die Verlegung in ihren Ortschaften in der ersten Jahreshälfte entscheiden wollen. Neben jüdischen Opfern geht es vor allem um die Opfer des NS-Krankenmords, insbesondere der sogenannten T4-Aktion in Hadamar: In der früheren Landesheil- und dann NS-Tötungsanstalt wurden zwischen Januar 1941 und März 1945 etwa 14.500 Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen in einer Gaskammer, durch tödliche Injektionen und Medikationen sowie durch Verhungernlassen ermordet. Die Recherche übernimmt als in der Region beheimatete wissenschaftliche Begleitung großenteils Martina Hartmann-Menz, die schon für viele Gemeinden Unterlagen aus dem Bundes- und Hauptstaatsarchiv, der internationalen Dokumentationsstätte Yad Vashem in Jerusalem, aber auch aus den Archiven der Wohlfahrtsverbände ausgewertet hat.
Der Wunsch nach einer Friedensbotschaft schließt Streit oder unsachliche Auseinandersetzungen in der Arbeitsgruppe aus: Wer nicht hinter der Idee steht, in der Verbandsgemeinde Stolpersteine zum Gedenken an Opfer des NS-Regimes zu verlegen, soll nicht mitwirken. Doch die Resonanz war positiv, und die Arbeitsgruppe ist guter Dinge, dass auch die Akzeptanz bei den Bürgern groß sein wird.
'Stolpersteine sind die persönlichste Form des Gedenkens', sagt Paul Stegemann und ergänzt: 'Sowohl für die Opfer als auch für die, die mahnen wollen.' Denn die Aufarbeitung der Biografien der Menschen, die zu Opfern des Naziregimes und seiner Anhänger wurden, schafft eine große Nähe zwischen den Ergründern und den Opfern. 'Auch für die Familien ergibt sich so vielfach erst wieder eine Möglichkeit, sich ihrer Verstorbenen zu erinnern', beschreibt Hartmann-Menz: Gerade die Familien von Patienten einstiger Heilanstalten litten unter der Vorstellung, ihre Angehörigen selbst den späteren Mördern zugeführt zu haben, 'obwohl sie sie einst aus gutem Grund als Patienten in die Obhut von Medizinern und Therapeuten gegeben hatten'. Wer die Arbeit der Gruppe unterstützen möchte, Fragen oder Anregungen hat, erhält Kontakt per E-Mail an stolpersteine.hahnstaetten@gmail.com."  
Link zum Artikel     
Anmerkung: nach Beschluss des Gemeinderates der Gemeinde Hahnstätten Ende April 2018 sollen in Hahnstätten Stolpersteine verlegt werden.    
 

   
   
 

Links und Literatur

Links:  

Website der Gemeinde Hahnstätten   

Literatur:  

Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 539-540 (im Artikel zu Flacht). 
Uli Jungbluth: Jüdisches Leben in unserer Region - Jüdisches Leben in Hahnstätten. In: SACHOR. Beiträge zur Jüdischen Geschichte und zur Gedenkstättenarbeit in Rheinland-Pfalz. Hrsg. von Matthias Molitor und Hans-Eberhard Berkemann in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz. Erschienen im Verlag Matthias Ess in Bad Kreuznach. 7. Jahrgang, Ausgabe 1/1997 Heft Nr. 13 S. 5-9. Online zugänglich (pdf-Datei). 
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 178 (mit weiteren Literaturangaben). 

    
     

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 10. Mai 2018