Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Kenzingen (Kreis Emmendingen)
Jüdische Geschichte 

Übersicht:

Zur Geschichte jüdischer Einwohner  
Berichte aus der jüdischen Geschichte in Kenzingen   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte jüdischer Einwohner       
   
Mittelalter: In Kenzingen bestand im 14. Jahrhundert eine jüdische Gemeinde, die bei der Judenverfolgung in der Pestzeit 1348/49 zerstört wurde. Damals waren die Kenzinger Juden der Brunnenvergiftung angeklagt. Zu ihren Taten seien sie von den vornehmsten Straßburger Juden angestiftet worden. 
  
Bis zur endgültigen Vertreibung der Juden aus Vorderösterreich 1574 wohnten offenbar immer wieder vereinzelte Juden in der Stadt: So wird 1404 nach der Verfolgung erstmals wieder ein Jude in der Stadt genannt. 1409 wird ein Jude "von Kenzingen" in Rothenburg ob der Tauber erwähnt. Eine anderer Kenzinger Jude zahlte 1421 den Goldenen Opferpfennig ans Reich. 1440 wurde der Schultheiß von Kenzingen beschuldigt, falsche Briefe über die Juden gemacht zu haben.   
 
19./20. Jahrhundert: Zur erneuten Niederlassung jüdischer Personen kam es erst nach dem Gesetz zur bürgerlichen Gleichstellung der Juden von 1862. Doch kam es nicht zur Bildung einer selbständigen jüdischen Gemeinde. Seit 1895 waren die jüdischen Einwohner in Kenzingen als eine Ort Filialgemeinde der jüdischen Gemeinde in Emmendingen angeschlossen.  
  
Im 19./20. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1864 12 jüdische Einwohner, 1871 21, 1875 25, 1880 16, 1890 18, 1900 24, 1910 Höchstzahl von 30, 1925 19 jüdische Einwohner.
  
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Gewerbebetrieben im Besitz jüdischer Personen sind bekannt: Ladengeschäft Siegfried Dreifuß (Brotstraße 15) und Viehhandlung Michael Epstein (Kirchplatz 17, Gebäude kriegszerstört). 
  
1933 lebten 11 jüdische Personen in der Stadt. Von ihnen sind in den folgenden Jahren auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien sechs ausgewandert. Drei wurden im Oktober 1940 nach Gurs deportiert. Eine in sogenannte "Mischehe" lebende Frau (Käthe Fuchs geb. Senger, gest. 1969, beigesetzt im Städtischen Friedhof) blieb an ihrem Heimatort zurück.  
   
Von den in Kenzingen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Berta Dreifuß (1870), Emil Dreifuß (1865), Ludwig Dreifuß (1864).     
     
     
     
Berichte aus der jüdischen Geschichte in Kenzingen         

In jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts wurden noch keine Berichte zur jüdischen Geschichte in Kenzingen gefunden.    

     
     
Spuren der jüdischen Geschichte 
    
Der über die Gemarkung Kenzingen verlaufende "Judenpfad" erinnert an alte Handelswege der Viehhändler von Altdorf und Kippenheim.  
    
    
    
Fotos  

Es sind noch keine Fotos zur jüdischen Geschichte in Kenzingen vorhanden.  
     

      
      
     
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

September 2008: Vorstellung des Buches (englische Ausgabe)  von Alice Dreifuß-Goldstein  
Kenzingen Lit 010.jpg (119346 Byte) Foto links: 'Ordinary People, Turbulent Times' lautet der Buchtitel. Foto: Ilona Hüge   
Artikel von Ilona Hügel in der "Badischen Zeitung" vom 7. November 2008 (Artikel): 
"Zeitzeugin veröffentlicht Familiengeschichte - Was Familie Dreifuss Goldstein erlitt
Alice Dreifuss Goldstein hat (auf englisch) ein Buch über die Geschichte ihrer Familie geschrieben, deren Leben in Kenzingen sich durch die Nazis dramatisch veränderte. 
KENZINGEN.
"Ordinary People, Turbulent Times" ist der Titel eines Buches, das 2008 erschien. Alice Dreifuss Goldstein erzählt darin ihre Familiengeschichte, die Geschichte von ganz normalen Leuten, die Kenzingen ihr Zuhause nannten, sich über Nachwuchs und Geschäftserfolg freuten – bis Hitlers Machtergreifung ihr Leben schrittweise und der 9. November 1938 ihre Lebensgrundlagen völlig zerstörten.
Alice Dreifuss Goldstein, im September 1931 im Kenzinger Spital geboren, hat ihre Familiengeschichte schon oft erzählt, für ihre Kinder und Enkel, seit 1980 zunehmend bei Vorträgen in Amerika und in Deutschland. 2001 kam sie zum ersten Mal seit der Auswanderung in die USA im Sommer 1939 zu Vorträgen nach Kenzingen. Mit ihrem Buch, 70 Jahre nach der Pogromnacht vom November 1938 veröffentlicht, hat sie ihre Erzählungen jetzt in eine "dauerhafte Form" gebracht.
Alice Dreifuss Goldstein hat mit den 126 Seiten ihres Buches ein beeindruckendes Dokument der Zeitgeschichte geschaffen. Es ist eine ganz persönliche Erinnerung an ihre Vorfahren und beleuchtet dennoch das Schicksal vieler jüdischer Familien in Südbaden. Sie erzählt aus dem Blickwinkel einer Zeitzeugin, mit Erinnerungen an Familientreffen, und Geschichten, wie sich die Eltern kennen lernten und ihr Leben als junge Familie in Kenzingen einrichteten.
Alte Fotos aus der Zeit gehören ebenso zum Buch wie Rezepte. Alice ist als zweijähriges Rotkäppchen zur Fasnet auf der Brotstraße zu sehen oder mit fünf beim Schlittenfahren. Die Rezepte im Anhang für Lebkuchen, Götterspeise oder Spätzle gehören zu ihren ganz persönlichen Erinnerungen. Gerade diese alltäglichen Erlebnisse sind es, die Goldsteins Erzählungen so faszinierend machen. In ihrem Buch hat sie ihren feinen Sinn für treffende Beschreibungen ebenso gut wie in ihren Vorträgen zum Ausdruck gebracht.
Zu dieser verständnisvollen Art, Geschichte lebendig zu machen, haben ihr auch die vielen Gespräche mit jungen Leuten geholfen, schreibt Alice Dreifuss Goldstein im Vorwort. Am Anfang steht ein Dank an alle Helfer, unter ihnen auch Reinhold Hämmerle, Annegret Kessler und Robert Krais vom deutsch-israelischen Arbeitskreis. Der schmale Band hat derzeit nur einen Nachteil: Er ist nur auf Englisch zu haben.
Info: Alice Dreifuss Goldstein: "Ordinary People, Turbulent Times" wurde am 21. Juli 2008 veröffentlicht und wird von "Author House" mit ISBN 978-1-4343-8211-4 (sc) herausgegeben."  
 
Juli 2009: Die deutsche Übersetzung des Buches von Alice Dreifuß-Goldstein ist erschienen  
Kenzingen Lit 011.jpg (34754 Byte)Foto links von Erika Sieberts: Die Jüdin und gebürtige Kenzingerin Alice Dreifuß Goldstein las in Altdorf aus ihrer Lebensgeschichte. Artikel von Erika Sieberts in der "Badischen Zeitung" vom 30. Juli 2009 (Artikel): "Erst die Ächtung, dann der Ruin
Alice Dreifuß Goldstein berichtet von einem jüdischen Schicksal.
ETTENHEIM-ALTDORF.
"Normale Bürger – widrige Zeiten" lautet der Titel des Buches von Alice Dreifuß Goldstein, in dem sie über das Überleben einer jüdischen Familie schreibt, unter anderem in Kenzingen, wo sie als Mädchen gelebt hat. In Altdorf hat die 77-Jährige aus ihren Buch vorgelesen. Alice Dreifuß Goldstein war mit ihrem Ehemann zehn Tage lang auf Einladung des Deutsch-Israelischen Arbeitskreises Südlicher Oberrhein (DIA) in ihrer Geburtsstadt Kenzingen. Der DIA hat auch die Übersetzung und Herausgabe ihres autobiografischen Buches finanziert.
Der Titel macht bereits deutlich, dass die 77-jährige Amerikanerin nicht mit Hass und Bitterkeit auf die Zeit in Nazi-Deutschland zurück blickt. Wenngleich ihr die Rückkehr in das Land, aus dem sie mit ihren Eltern vor dem Naziterror 1939 hatte fliehen können, nicht leicht gefallen ist. Bei ersten Urlaubsreisen in Europa habe sie Deutschland als Transitland immer so schnell wie möglich wieder verlassen, sagte Alice Dreifuß Goldstein bei ihrer Buchvorstellung in der ehemaligen Synagoge, der heutigen Kunsthalle Altdorf. Erst im Jahr 2001 hat sie zum ersten Mal Station in Kenzingen gemacht, wo sie bis zu ihrem siebten Lebensjahr gewohnt hat und wo ihre Eltern als einzige jüdische Familie im Ort einen Kaufladen betrieben hatten.
Anhand des Schicksals ihrer Familie beschreibt Alice Dreifuß Goldstein, wie es die Nazis geschafft haben, dass sich im Laufe der Jahre die Stimmung gegen die Juden hochschaukelte: Ihre Familie – der Vater stammte von Altdorfer Juden ab, die Mutter aus einer jüdischen Familie in Freiburg – sei in Kenzingen angesehen gewesen, der Laden lief gut, der Vater war im Fußballverein, im Chor und traf sich regelmäßig mit Freunden zum Kegeln. Peu à peu habe die Nazipropaganda dazu beigetragen, dass die jüdischen Mitbürger mehr und mehr ausgegrenzt wurden. Der Vater wurde als guter Sportler aus dem Fußballverein ausgeschlossen, auch der Chor und die Kegler wollten nichts mehr mit ihm zu tun haben. "Wir sind in sechs Jahren von einer hoch angesehenen bürgerlichen Familie zu Aussätzigen abgestempelt worden, die man in ein fremdes Land verjagt hat", berichtete die Autorin. Auf die gesellschaftliche Ächtung folgte der wirtschaftliche Ruin, weil niemand mehr in jüdischen Geschäften einkaufen durfte und nach der Pogromnacht am 9. November 1938 fast das ganze jüdische Eigentum kaputt geschlagen und verbrannt war. Alle Männer über 16 Jahren wurden abgeholt, nach Dachau gebracht, auch der Vater und Großvater der 77-Jährigen. Weil sich die Familie bereits zur Auswanderung entschieden hatte, wurden die Männer aus dem Konzentrationslager entlassen, und der Familie gelang, nach zahllosen Gängeleien und Behördengängen, am 5. August 1939 die Ausreise von Hamburg nach New York.
Alice Dreifuß Goldstein ist zurück gekommen, um vor fremdenfeindlichen Strömungen in jeder Form und in jedem Land zu warnen. Eine Schulklasse des Landolingymnasiums hatte sich mit ihrer Lebensgeschichte beschäftigt und einen Teil des Buches gemeinsam mit der Englischlehrerin Eva-Maria Nonhoff übersetzt. Die Schülerinnen Stefanie Hoyndorf, Franziska Steiner und Viktoria Ehret haben der Zeitzeugin einen Brief geschrieben und ihn im Namen aller Mitschüler nach der Lesung in der ehemaligen Synagoge vorgetragen.
Alice Dreifuß Goldstein: Normale Bürger - widrige Zeiten. 128 Seiten, 7,50 Euro. Zu beziehen über Robert Krais über  E-Mail  oder im Buchhandel, ISBN 978-3-86628-252-0. "    
 
Kenzingen Lit 010.jpg (11250 Byte)Link: Buchvorstellung auf der Verlagseite des Hartung-Gorre-Verlages  
   

   
     

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Kenzingen     

Literatur:  

Germania Judaica II,1 S. 397; III,1 S. 613-614.
Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 95-96.
Alice Dreifuß – Goldstein: Normale Bürger - widrige Zeiten. Hartung-Gorre Verlag Konstanz 2009. 128 S. ISBN 978-3-86628-252-0. 7,50 € bei Deutsch-Israelischen Arbeitskreis (DIA) in Ettenheim. www.dia-ettenheim.de  E-Mail: RoKrais@web.de     
In dieser Autobiographie beschreibt die Autorin ihre Kindheit in Kenzingen und Freiburg und ihre allmähliche Ausgrenzung als jüdisches Mädchen. Das Buch enthält auch alte alemannisch-koschere Kochrezepte aus Kenzingen.   

          
             

                   
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Stand: 20. Dezember 2014