Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Rosenheim (kreisfreie Stadt, Oberbayern)
 und Orten der Umgebung (u.a. Niedernburg, Gemeinde Prutting)
Jüdische Geschichte 

Übersicht:

bulletZur jüdischen Geschichte in Rosenheim 
bulletBerichte aus der jüdischen Geschichte in Rosenheim 
Berichte zu einzelnen Personen    
bulletFotos / Darstellungen  
bullet Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   
bulletLinks und Literatur   

   

Zur jüdischen Geschichte in Rosenheim    
   
In Rosenheim bestand zu keiner Zeit eine selbständige jüdische Gemeinde. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts sind jedoch mehrere jüdische Familien / Personen in der Stadt zugezogen. Sie gehörten zur jüdischen Gemeinde in München, wo auch die in Rosenheim verstorbenen Juden beigesetzt wurden.      
 
Im 19./20. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1910 56 jüdische Einwohner (0,4 % von insgesamt 15.696 Einwohner), 1925 39 (0,2 % von insgesamt 17.998). 
 
Um 1900 beantragten die Rosenheimer Juden die Gründung eines eigenen israelitischen Kultusvereins, was jedoch vom Stadtmagistrat mit Hinweis auf die Zugehörigkeit zur jüdischen Gemeinde in München abgelehnt wurde. 
 
An Einrichtungen gab es möglicherweise in einem der jüdischen Häuser einen Betraum.  
 
Die jüdischen Familien eröffneten mehrere jüdische Geschäfte in der Stadt. 1933 gab es elf jüdische Geschäftsinhaber. 
 
1933 lebten 38 jüdische Personen in Rosenheim. In den folgenden Jahren sind fast alle von ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Bereits im März 1933 starb ein älteres jüdisches Ehepaar an Suizid. Zwischen 1933 und 1939 emigrierten 14 der jüdischen Einwohner (fünf in die USA, je drei nach Holland und in die Tschechoslowakei, zwei nach England, einer nach Palästina), 14 verzogen in andere deutsche Orte (u.a. acht nach München und vier nach Berlin). Bis 1937 gaben sechs der elf jüdischen Geschäftsinhaber in der Innenstadt ihr Geschäft auf. Beim Novemberpogrom 1938 wurden in den frühen Morgenstunden des 10. November 1938 die letzten beiden jüdischen Läden durch SA-Männer überfallen und völlig demoliert. 1939 gab es noch sieben jüdische Einwohner in der Stadt. Weitere drei jüdische Personen zogen 1941 nach München. Am 28. Februar 1942 wurden zwei ältere Frauen in das Lager Milbertshofen verbracht. 
  
Anmerkung: Hinweis auf die "Zusammenstellung aller vor und während des letzten Krieges in Rosenheim ansässig gewesenen Juden" (pdf-Datei der an den International Tracing Service (über die Regierung von Oberbayern in München) und an Yad Vashem Jerusalem vom Einwohnermeldeamt der Stadt Rosenheim am 24. April 1962 mitgeteilten Liste mit 57 Namen aus Rosenheim).
  
Von den in Rosenheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Antonie Taube Fichtmann geb. Delfin (1874), Klara Fichtmann (1912), Max Fischer (1913), Franz Kohn (1895), Hugo Kohn /1880), Julius Kohn (1886), Babette Mayer geb. Dreyfuss (1862), Adele Obernbreit (1895), Rosa (Rosalie) Obernbreit geb. Heilbronner (1866), Konrad Scherer (1891), Alexander Wiener (1873), Frieda Wiener geb. Selz (1873). 
Aus Niedernburg (Gemeinde Prutting) sind umgekommen: Elisabeth (Ella Elsa) Block (1923), Friedrich (Fritz) Block (1892), Gertrud Block (1927), Johannes Arno Block (1928), Marie (Maria, Mirjan, Miriam) Block geb. Frensdorff (1896).    
  
Hinweise: Im Frühjahr 2014 wurde in Rosenheim angeregt, in der Stadt "Stolpersteine" für die Opfer des NS-Zeit zu verlegen (Pressemitteilungen von Ende April 2014). Im Juni 2015 wurde eine Initiative "Stolpersteine für Rosenheim" gegründet. Die Diskussion zog sich über mehrere Jahre hin (siehe unten).   
 
In Niedernburg wurden am 16. Juli 2018 fünf Steine für die jüdische Familie Block verlegt. Fritz Block und Mirjam geb. Frensdorff (beide stammten aus Hannover) hatten drei Kinder und betrieben in Niedernburg seit 1921 eine Gärtnerei. Die ganze Familie wurde 1942 (über das "Judenlager" Milbertshofen) nach Piaski deportiert und ermordet. Das Tagebuch von Tochter Elisabeth blieb erhalten und wurde nach seiner Veröffentlichung 1993 auch überregional bekannt. Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Elisabeth_Block. Nach Elisabeth Block ist in Niedernburg eine Straße benannt.  
 
 
Nach Kriegsende kam eine Anzahl jüdischer Displaced Persons (Überlebende von Konzentrationslagern und weitere jüdische Flüchtlinge) nach Rosenheim. Von den früheren jüdischen Einwohnern kam jedoch niemand in die Stadt zurück. Seit Herbst 1946 bestand in Rosenheim ein zentrales Auffanglager für jüdische Waisenkinder sowie für Jungen und Mädchen, die in der NS-Zeit von ihren Eltern getrennt worden waren ("Children Center"). Etwa 1.600 Kinder lebten zeitweise in dem Aufnahmelager in Rosenheim, das in der früheren Rosenheimer Pionierkaserne untergebracht wurde. In den ehemaligen Soldatenunterkünften herrschte eine qualvolle Enge, da in jeden Wohnblock durchschnittlich 400 Jungen und Mädchen eingewiesen wurden. Zu den Kindern kamen noch zahlreiche Erwachsene, sodass sich zeitweise 2.250 Bewohner in der Pionierkaserne drängten. Im Heim wurde eine eigene Volksschule mit zeitweise über 1.000 Schülern eingerichtet sowie ein Kindergarten und Ausbildungswerkstätten. Im April 1947 wurde das Kinderheim aufgelöst. Die Mehrheit der Jungen und Mädchen übersiedelten in einer der Kinderheime innerhalb der US-Zone wie etwa nach Indersdorf, Aschau oder Lindenfels. Nach Gründung des Staates Israel wurde das DP-Lager in Rosenheim 1948/49 geschlossen.  
  
  
  
Berichte aus der jüdischen Geschichte in Rosenheim     
    
Berichte zu einzelnen Personen
 
Kriegsauszeichnung für Siegfried Kurzmann (1916)      

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 15. September 1916: "Nürnberg. Das Eiserne Kreuz erster Klasse erhielt Pionierhauptmann der Reserve Siegfried Kurzmann, Bauamtmann in Rosenheim. Er besitzt bereits das Eiserne Kreuz zweiter Klasse, den bayerischen Militärverdienstorden mit Schwertern und das österreichische Militärverdienstkreuz mit der Kriegsdekoration".   

     
Zur Geschichte von Alexander und Frieda Wiener      
vgl. http://www.stolpersteine-rosenheim.de/alexander-wiener/ und https://www.stadtarchiv.de/stadtgeschichte/rosenheim-im-3-reich/schicksale-rosenheimer-juden/; die dortigen Angaben konnten mit Hilfe der Dokumente aus Yad Vashem, Jerusalem ergänzt werden. Foto: Stadtarchiv Rosenheim.
Die Geschichte von Alexander und Frieda Wiener steht hier exemplarisch für die Geschichte und das Schicksal der anderen jüdischen Einwohner Rosenheims, die in der NS-Zeit verfolgt und vertrieben wurden. Weitere Biographien siehe über www.stolpersteine-rosenheim.de und die anderen Quellen (Presseartikel, Website des Stadtarchives usw.).  

Alexander Wiener ist am 13. August 1873 in Bratislava (Preßburg, Pozsony) geboren als Sohn des Schneiders Samuel Wiener und seiner Frau Charlotte geb. Walter. Er war von Beruf Kaufmann, lebte bis 1892 in Preßburg, dann in Memmingen, Regensburg und München. Am 6. März 1899 kam er nach Rosenheim, wo er in der Folgezeit ein Textil- und Modegeschäft in der Innstraße 22 (bis 1928) und ein weiteres in der Münchnerstraße 28 betrieb (ab 1933 unter ständigen Repressalien und Boykottaufrufen durch die Nationalsozialisten bis zur zwangsweisen Schließung im Oktober 1938; vgl. Seite zum Haus Münchnerstraße 28 in der Website Stadtarchiv Rosenheim). Alexander Wiener war seit 26. August 1912 (in Rosenheim) verheiratet mit Frieda geb. Selz verwitwete Reichner (geb. 21. November 1873 in Nürnberg als Tochter von Armin Selz und und Kathi geb. Eichmann, vgl. Familienblatt Selz Family). Die beiden hatten eine gemeinsame Tochter Charlotte (geb. 21. Dezember 1914 in Rosenheim). In der NS-Zeit ist Charlotte im September 1936 als erste der Familie nach Prag verzogen (Weiteres siehe unten). Frieda geb. Selz hatte aus ihrer ersten Ehe mit dem Kaufmann Ignaz Reichner (geb. 4. September 1874 in Preßburg) eine Tochter Katharina (geb. 18. März 1905 in Rosenheim) mitgebracht, die nun gleichfalls in der Familie Wiener aufgewachsen ist. 
Am 19. November 1938 - also nach den Ereignissen beim Novemberpogrom 1938 sind Alexander und Frieda Wiener von Rosenheim nach Prag geflüchtet (siehe Arolsen-Liste), wo sie in der Ve Smeckach E21 wohnten (Liste Arolsen). Von Prag aus verzog Alexander Wiener (wann?) in seine Heimat Preßburg/Bratislava. Bis zu seiner Deportation am 17. April 1942 wohnte er in Trnava nordöstlich von Bratislava in der Sv. Jakobua 47. Vermutlich wurde er dorthin von Bratislava aus zwangseingewiesen (nach https://www.jüdische-gemeinden.de/index.php/gemeinden/s-t/2422-tyrnau-trnava-slowakei wurden nach Trnava etwa 1200 Juden aus Bratislava zwangsweise umgesiedelt). Am 17. April 1942 wurde Alexander Wiener nach der "List of Jews from Slovakia deported from Trnava to the Lublin Region 17. April 1942" nach Lublin deportiert. Nach der "List of Inmates in Majdanek who were murdered 18/05 - 29/09/1942" ist er am 6. September 1942 umgekommen bzw. wurde er ermordet.  
Alexanders Frau Frieda Wiener ist gleichfalls umgekommen bzw. wurde ermordet. Sie ist nicht mit ihrem Mann von Prag nach Bratislava gezogen. Am 28. April 1942 wurde sie nach den Angaben des Gedenkblattes von Yad Vashem von Prag aus in das Ghetto Theresienstadt deportiert (Transport 370; vgl. Gedenkbuch des Bundesarchives zu Frieda Wiener), von dort aus am 30. April 1942 entweder direkt nach Auschwitz oder (wahrscheinlicher) in das Ghetto Zamość (das Ghetto wurde im Oktober 1942 "liquidiert"). Vgl. Seite in der Website des United States Holocaust Memorial Museum und Seite im Nürnberger Gedenkbuch.
Tochter (aus der ersten Ehe von Frieda geb. Selz) Katharina Reichner (Kate) war in Rosenheim als Stenotypistin tätig und lebte bis zum 25. August 1939 bei der jüdischen Familie Obernbreit in Rosenheim (Konfektionsgeschäft bis 1938 am Max-Josef-Platz). Danach konnte sie in die USA emigrieren, später verheiratete Kohn, starb vor 2000 (nähere Angaben nicht bekannt).
Tochter Charlotte Wiener konnte von Prag aus nach Manila/Philippinen emigrieren, wo sie während der Kriegszeit bleiben konnte. 1946 wanderte sie in die Vereinigten Staaten aus, zunächst nach Seattle, später lebte sie wohl (nach Angaben der Arolsen-Liste) einige Zeit in Hayattsville/Maryland, dann in Norfolk/Virginia. Sie arbeitete in verschiedenen Funktionen als Sekretärin für die U.S.-Regierung und war Mitglied in der jüdischen Gemeinde Ohef Sholom in Norfolk. Sie war in erster Ehe mit einem Herrn Hermann verheiratet, in zweiter Ehe (seit 17. April 1950 in Alexandria/Virginia) mit Henry Heinz Moos (geb. 29. Dezember 1912 in Ulm als Sohn von Carl Moos und Hilda geb. Hirsch). Sie starb am 17. November 2000 in Norfolk/Virginia und wurde beigesetzt im Forest Lawn Cemetery in Norfolk (Foto des Grabsteines und Informationen https://de.findagrave.com/memorial/65637301/charlotte-moos; ihr Mann Henry starb am 26. Januar 2009 ebd.). Die beiden hatten keine Kinder.     
 Dokumente aus Yad Vashem
zur Geschichte von Alexander
und Frieda Wiener
 https://yvng.yadvashem.org/
   
   Dokument 1942 mit der Adresse
von Alexander Wiener in Trnava 
 Liste der nach Lublin aus Trnava
1942 deportierten Personen (Nr. 215)
 Liste der in Majdanek "gestorbenen"
 (ermordeten) Personen (Nr. 4869)
 Gedenkblatt Yad Vashem
für Frieda Wiener geb. Selz
         
 Weitere Dokumente
(Quelle: privat)
     
    Einwanderung in die USA für
Charlotte Hermann geb. Wiener 
Heiratsurkunde für Henry Moos und
Charlotte Hermann geb. Wiener 1950  
   

          
          
    
     
Fotos 
Hinweis: im Fotoarchiv des United States Holocaust Museum Washington (USHMM) findet sich eine Anzahl von Fotos zur Geschichte des Lagers für Displaced Persons aus den Jahren 1946 bis 1948; die beiden Fotos - © USHMM, das linke im Original im Stadtarchiv Rosenheim - entstammen der online-Präsentation von USHMM.    

 Rosenheim Boykott 1933.jpg (120868 Byte)  Rosenheim Rosch Haschana Karte 1947.jpg (86103 Byte)  
NS-Boykott am 1. April 1933 
vor einem jüdischen Geschäft in Rosenheim
Neujahrskarte, versandt von einer Familie
 aus dem DP-Lager Rosenheim 1947

  
 
 

Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte        

Juli 2015: Diskussion um die Erinnerungsarbeit vor Ort 
Artikel in ovb-online.de vom 11. Juli 2015: " 'Erinnerung braucht Orte'. 
Persönlich, ortsbezogen, nachhaltig: Dass ein Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus diese Kriterien erfüllen soll, darüber herrscht Konsens im Stadtrat. Doch stellt die Verlegung von 'Stolpersteinen', die an die letzten Wohnorte Rosenheimer Juden vor ihrer Vertreibung, Flucht oder Deportation erinnern, einen würdevollen Weg dar?
Darauf gab es auch in der Sondersitzung nach der Anhörung von sechs Experten keine schnelle Antwort.
Rosenheim -
'Eine adäquate Erinnerung stellen all jene Formen des Gedenkens dar, die im Sinne einer Aufklärung funktionieren', findet Professor Dr. Edgar Wolfrum. 'Vergeben und Vergessen': Von diesem Prinzip der Vergangenheitsbewältigung habe sich die moderne Gesellschaft abgewendet - in der Gewissheit, dass aus der Vergangenheit gelernt werde für die Zukunft, so der Inhaber des Lehrstuhls für Zeitgeschichte an der Universität Heidelberg. Die Erinnerung geschieht nach Überzeugung von Albert Knoll, Archivar an der Gedenkstätte Dachau, am besten, wenn individuelle Schicksale von Opfern lebendig werden. 'Erinnerung braucht Orte', betonte Knoll auch im Namen von anderen Opfergruppen. Eine Rosenheimer Initiative sieht in der Verlegung der vom Künstler Gunter Demnig entwickelten Stolpersteine auf den Gehwegen vor Häusern, in denen bis zur Verfolgung Juden wohnten, eine Chance, den Blick auf ihre Schicksale zu schärfen. 54000 Steine liegen bereits in 1300 Kommunen in 20 Ländern, berichtete Terry Swartzberg, Vorsitzender der Initiative 'Stolpersteine für München' über das 'weltweit größte Gedenkprojekt'. Doch die Stolpersteine sind in der jüdischen Gemeinde umstritten. Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer verlas einen Brief von Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, der diese Form des Gedenkens 'mitten unter uns' begrüßt. Im Herzen der Städte würden die Steine mit den Namen der Opfer darauf hinweisen, dass hier einmal jüdisches Leben stattgefunden hat, diese Mitbürger später den Nationalsozialisten zum Opfer fielen. Aaron Buck als Sprecher der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern bekräftigte im Auftrag der Vorsitzenden Dr. Charlotte Knobloch die ablehnende Haltung seiner Gemeinde. Durch die in den Gehweg eingelassenen Steine würden die Opfer 'ein zweites Mal mit Füßen getreten'. Dies sei 'unwürdig und pietätlos. 'Stolpern und Gedenken: Das passt nicht zusammen', findet Buck, der ein 'Erinnern auf Augenhöhe' forderte. Es gebe vielfältige andere Möglichkeiten des individuellen und dezentralen Gedenkens. Die Steine seien vor allem eins: bequem. Sie stellen nach Ansicht von Swartzberg jedoch nur einen Anfang dar - eine Anregung, die zum Nachdenken auffordere. Zur Verfügung gestellte Recherchemöglichkeiten würden eine intensive Beschäftigung ermöglichen, wies er den Vorwurfs Bucks zurück, die Stolpersteine mit den Namen würden die Situation der Opfer nur verkürzt darstellen, also durch Masse statt Qualität überzeugen. Die Stolpersteine sind, wie die Diskussion zum Erstaunen des SPD-Fraktionsvorsitzenden Robert Metzger zeigte - im doppelten Sinne Steine des Anstoßes: Sie regen zur Auseinandersetzung mit der Tatsache an, dass Juden und andere Opfer des Nationalsozialismus denunziert, verfolgt, deportiert und ermordet wurden - und sind eine Form des Gedenkens, an der sich Gegner und Befürworter reiben. Wie sehr, zeigte auch die Debatte um die Frage, ob die Angehörigen wirklich immer in die Entscheidung zur Verlegung einbezogen werden, was Swartzberg beteuerte, Buck bestritt. Stadträte wollten auch wissen, ob es zu Schändungen von Steinen kommt. Nur etwa 100 Fälle pro Jahr gebe es, so Swartzberg. Er verwies darauf, dass sich 60000 Paten um die Pflege kümmern würden. Die Rosenheimer Historikerin Dr. Isabel Leicht, die eine Doktorarbeit zur Erinnerungskultur in Rosenheim geschrieben hat, sieht grundsätzlich in der Debatte um die Form der Gestaltung ein positives Signal. Am Beispiel des Denkmals im städtischen Friedhof, das ursprünglich zum Gedenken an alle Kriegsopfer entwickelt worden war und in dieser Aufgabenstellung 'unsichtbar' geworden sei, zeigte sie Erinnerungswege ohne nachhaltige Wirkung auf. Dies möchte der Stadtrat verhindern. Intensiv soll das Gedenken im öffentlichen Raum wirken - Ansätze für die Zukunft aufzeigen, wie CSU-Fraktionsvorsitzender Herbert Borrmann formulierte. Das durch die Darstellung der Orte der Gewalt, wie von Franz Lukas (Grüne) gefordert, eine ständige Konfrontation im Alltagsleben ausgelöst wird, begrüßte Historiker Wolfrum. Einig waren sich die Fraktionen mit Dr. Beate Burkl von der Freien Wählern/UP, dass es an der Zeit ist, die Verdrängungs- durch eine Erinnerungskultur abzulösen. Buck als Vertreter der Israelitischen Kultusgemeinde plädierte in der vom Historischen Verein sowie vom Arbeitskreis christlicher Kirchen mit vorbereiteten Sitzungen jedoch dafür, eine Form zu finden, welche die Jugend nicht mit einer Diskussion rund um Schuld und Schande belaste."  
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Dezember 2015: Initiative für die Verlegung von "Stolpersteinen" in Rosenheim  
Artikel in "Rosenheim24.de" vom 17. Dezember 2015: "Initiative nun auch in Rosenheim aktiv. "Stolpersteine" sollen an NS-Opfer erinnern
Rosenheim - In München ist der erste NS-Stolperstein, der in individualisierter Form an die Opfer der Nazi-Zeit erinnern soll, bereits im Jahr 2007 verlegt worden. Jetzt gibt es eine solche Initiative auch in Rosenheim. Wie das Oberbayerische Volksblatt berichtet, sprach der Initiator der Rosenheimer Aktion 'Stolpersteine für Rosenheim', der Kinderarzt Dr. Thomas Nowotny aus Stephanskirchen, von einem 'bewegenden Erlebnis', als er vor acht Jahren in der Landeshauptstadt bei der Zeremonie dabei war. Das sei das erste Mal gewesen, dass er sich intensiv mit der Geschichte des jüdischen Teils seiner Familie auseinandergesetzt habe. Die Initiative in Rosenheim, die aus etwa 20 Personen besteht, hat es sich laut OVB zur Aufgabe gemacht, die Angehörigen aller rund 30 um 1930 in Rosenheim lebender jüdischen Familien aufzuspüren und sie von der Stolperstein-Bewegung zu überzeugen. Hinter jedem Namen verberge sich eine Geschichte, die dann bei Zustimmung der Angehörigen in Kurzfassung auf dem Stein veröffentlicht werden soll, der dann auf einem öffentlichen Platz in Rosenheim angebracht werden soll. Das Vorhaben stößt laut OVB aber nicht nur auf Zustimmung: Die israelitische Kultusgemeinde in Oberbayern sieht die Gefahr, dass die Opfer mit den in den Boden eingelassenen Steinen 'ein zweites Mal mit Füßen getreten' werden. Ein Arbeitskreis der Stadt hat nun einen Kompromiss vorgeschlagen: Zusätzlich zum Stolperstein soll für jedes Opfer ein vertiefendes und individualisiertes Mahnmal entstehen."
Link zum Artikel  
Vgl. dazu Artikel im "Oberbayerischen Volksblatt" vom 17. Dezember 2015: "Verneigung vor den Opfern
'Es war ein bewegendes Erlebnis', bringt Dr. Thomas Nowotny seine Erinnerungen an die Verlegung des ersten Stolpersteines für ein NS-Opfer in München im Jahr 2007 auf den Punkt. Für den Kinderarzt aus Stephanskirchen war diese individualisierte Form des Gedenkens an Heinrich Oesterreicher, den im KZ Theresienstadt ermordeten Neffen der Urgroßmutter, der Anlass, sich zum ersten Mal intensiv mit der Geschichte des jüdischen Teils seiner Familie auseinanderzusetzen. Heute gehört Nowotny zu den Initiatoren der Aktion 'Stolpersteine für Rosenheim'. Rosenheim– Als 'belastend' empfand Nowotny das Schweigen der Nachkriegsgenerationen, wenn es um die Aufarbeitung der NS-Zeit ging. Auch in der eigenen Familie wurde lange nicht über die Tatsache gesprochen, dass Mitglieder wie der Großvater von Nowotny, Berthold Walter, nach der Entrechtung aus Verzweiflung vom siebten Stock eines Gebäudes am Hamburger Gänsemarkt in den Tod sprangen, dass viele emigrierten und nie wieder nach Deutschland zurückkehrten, deportiert und ermordet wurden.
Brief an die Oberbürgermeisterin. Auch heute gebe es noch Angehörige, die nicht über diese Zeit sprechen wollen, unterstreicht Claudia Bultje-Herterich, die im Auftrag des Historischen Vereins Rosenheim die Biografiearbeit für die Aktion Stolpersteine im Raum Rosenheim begleitet. Bei ihren Nachforschungen ist sie auch auf viele Nachkommen gestoßen, die eine Verlegung für ihre Angehörigen ausdrücklich begrüßen. Der Historiker Professor Dr. Manfred Treml, der ebenso wie Dr. Peter Miesbeck Dokumentationen zur jüdischen Geschichte in Rosenheim verfasst hat, vermittelte beispielsweise den Kontakt zu einer in London lebenden Cousine von Elisabeth Block. Das Mädchen lebte mit seiner Familie in Prutting und wurde im Alter von 19 Jahren im Vernichtungslager ermordet. Die Nachfahrin stimmte einer möglichen Verlegung des Stolpersteines sofort zu – ebenso wie ein in Israel lebender Verwandter in einem persönlichen Brief an Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer. Einmal kam bereits eine halbe Stunde nach der ersten E-Mail eine Antwort – von Nachkommen einer jüdischen Familie, die in die USA geflohen war und sich über die Nachfrage aus der alten Heimatstadt, aus der die Vorfahren vertrieben worden waren, sehr gefreut hatten. Neue Kontakte sind zur Freude von Initiativenmitglied Karl-Heinz Brauner auf diese Weise entstanden, die die jüdischen Bürger 70 Jahre nach Kriegsende wieder ein wenig mit ihrer alten Heimat verbunden haben. Doch noch lange sind nicht alle Angehörigen der gut 30 jüdischen Familien, die in Rosenheim um 1930 lebten, gefunden. Viele Nachfahren emigrierten, ihre Spuren verloren sich in den USA, in Brasilien oder in der Schweiz, berichtet Claudia Bultje-Herterich. Sie ist zwar auf hilfreiche Datenbanken gestoßen, doch oft lassen sich über alte Rosenheimer Namen verschollene Nachkommen, die einen anderen Namen tragen, nur noch schwer ermitteln. Das ist jedoch notwendig, denn die vom Kölner Künstler Gunter Demnig ins Leben gerufene Stolperstein-Bewegung, der sich die Rosenheimer Initiative angeschlossen hat, hält sich an klare Regeln: Ein Stein wird nur dann verlegt, wenn die Nachfahren, die ermittelt werden, diesem Schritt zustimmen. Die 20 aktive Mitglieder umfassende Initiative hat sich außerdem vorgenommen, das individuelle Gedenken am letzten freiwillig gewählten Wohn-, Arbeits- oder Schulort auf alle Opfer des Nationalsozialismus zu erweitern. Auch in der Region Rosenheim sind neben Bürgern jüdischen Glaubens Gewerkschaftler, Kommunisten, Behinderte, Sinti und Roma sowie Homosexuelle verfolgt, vertrieben, ermordet oder in den Tod getrieben worden. Der DGB hat bereits angekündigt, die Patenschaft für fünf Steine zu übernehmen – egal, für welche Opfergruppen sie verlegt werden.
Eine Geschichte hinter jedem Namen. Hinter jedem Namen verbirgt sich eine Geschichte, die in Kurzfassung auf dem Stein und ausführlich in Dokumentationen veröffentlicht werden soll. Geschichte vermitteln über persönliche Geschichten: Das ist nach Überzeugung von Geschichtslehrer Brauner der beste, weil nachhaltigste Weg der Vermittlung der Historie. 'Niemand kann sich heute den Massenmord an Millionen unschuldiger Menschen wirklich vorstellen. Aber das Schicksal von Familien und Einzelpersonen, die in unserer Nachbarschaft gelebt". 
Link zum Artikel    
 
Juli 2018: Verlegung von "Stolpersteinen" in Niedernburg 
Artikel im "Oberbayerischen Volksblatt" (ovb-online.de) vom 17. Juli 2018: "Zehn Zentimeter gegen Unrecht
Prutting/Stephanskirchen
– Als Nikola David, der Kantor der Jüdisch-liberalen Gemeinde in München, gestern über den fünf eben verlegten Stolpersteinen für die Familie Block aus Niedernburg in der Gemeinde Prutting auf Hebräisch das Totengebet spricht, ist die Stimmung für die Anwesenden nur noch schwer erträglich. Zu lebendig war in den vergangenen Minuten das Schicksal von Fritz, Mirjam und ihren Kindern Elisabeth, Gertrud und Arno geworden; nicht zuletzt deshalb, weil während der gestrigen Verlegungsfeier Schülerinnen der Städtischen Mädchenrealschule Rosenheim aus dem Tagebuch von Elisabeth Block vorgelesen haben, die dort bis 1938 Schülerin war. In einem der letzten Einträge spricht sie von ihrer 'entsetzlichen Angst um dieses kleine bisschen Leben'. Damit zeigt sich aber ganz unmittelbar der Sinn der sogenannten Stolpersteine. Eigentlich sind sie unscheinbar, kleine Steinwürfel von gerade einmal gut zehn Zentimetern Kantenlänge, die bündig in den Boden eingelassen werden. Und doch entfalteten sie von Anfang an große Wirkung, brachten etwas in Bewegung. Das fing banal an, denn die Verlegung der Steine auf öffentlichem Grund musste von der jeweiligen Stadt oder Gemeinde genehmigt werden. Auch wenn die Gemeinderäte in Stephanskirchen und Prutting keine Einwände hatten, sondern schnell und fast einhellig für die Verlegung von Steinen für den Stephanskirchener Johann Vogl und die Niedernburger Familie Block waren, so kam doch auch hier eine Diskussion darüber auf, was Erinnerungskultur ist, ob und welche Bedeutung sie haben soll oder vielleicht sogar haben muss. Für den Initiator der Aktion, Dr. Thomas Nowotny von der Initiative Erinnerungskultur, geht es genau darum: Unrecht und damit verbundenes Leid vor Verdrängung und dem Vergessenwerden zu bewahren, indem man es in der Diskussion hält. Seit er auf die Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig gestoßen ist, hat er das ideale Mittel dazu gefunden. Gunter Demnig übrigens sagt, dass es ihm mit seinen Steinen nicht um einen Zwang zur Erinnerung gehe, wie ihm Kritiker bisweilen unterstellen, sondern eher um ein Angebot: 'Stolpern über diese Steine tut man sowieso nur mit dem Herzen'. Damit wäre das Erinnern in erster Linie eine Folge einer sehr noblen menschlichen Regung, der Fähigkeit des Mitleidens; eine Eigenschaft, die vor allem Kinder und Jugendliche noch ganz unverstellt haben. Deswegen waren nicht nur Gunter Demnig, sondern auch Thomas Nowotny sehr dankbar für das Engagement der Städtischen Realschule Rosenheim und auch der Mittelschule Stephanskirchen. Dort hatten sich Mitglieder des Schulradios ganz intensiv mit der Person des Stephanskircheners Johann Vogl auseinandergesetzt, der im Konzentrationslager ermordet wurde, weil er ein aufrechter Charakter und der Meinung war, Unrecht müsse – ungeachtet aller persönlicher Gefahren – auch als solches benannt werden. Für Bürgermeister Rainer Auer ein Beispiel an Zivilcourage eines Gemeindebürgers, das einfach nicht in Vergessenheit geraten darf. Dass die Verlegung der Stolpersteine für die jüdische Familie Block und für den aus der Kirche ausgetretenen Katholiken Johann Vogl sozusagen gleichzeitig stattfand, ist für Auer ein wichtiges Signal. Nicht nur die Juden wollte man im Dritten Reich ausrotten, sondern auch Schwule, Lesben, Pfarrer, Sinti, Roma und Freigeister; kurzum alle, die nicht in das eigene Bild vom 'guten Deutschen' passten. Alle Beteiligten der Aktion waren sich einig, dass sich solches Unrecht niemals wiederholen darf. Tenor: Für dessen Verhin derung müsse man mit vielen Mitteln kämpfen – und sei es nur mit kleinen Stolpersteinen. Mit einer Gedenkstunde im Stephanskirchener Rathaus wurde die Verlegung der Stolpersteine abgerundet." 
Link zum Artikel  
 

September 2019: Diskussion um Stolpersteine und Denkmale in Rosenheim                                         

Artikel im "Oberbayerischen Volksblatt" vom 17. September 2019: "Lücken im Gedenken: Wie will Rosenheim mit Opfern des Nationalsozialismus umgehen?
In der Erinnerung leben Menschen fort. Auch jene, deren Leben im Nationalsozialismus als unwert galt. Die getötet wurden, weil sie den gesellschaftlichen und politischen Idealen des Dritten Reichs nicht entsprachen. Doch welche Form der Erinnerung ist die passende? Eine Frage, die ein Bündnis in Rosenheim aufgreifen und diskutieren möchte – nachdem die Idee der Stolpersteine in der Stadt bislang keine Zustimmung findet.
Rosenheim – 'Stolpersteine für Rosenheim' heißt das Büchlein, das entstanden ist, um mit Texten und Bildern an die sechs Stolpersteine zu erinnern, die der Künstler Gunter Demnig im vergangenen Jahr im Landkreis Rosenheim gelegt hat. Die passenden Texte und Fotos haben die Mitglieder des Historischen Vereins Rosenheim und die 'Initiative Erinnerungskultur – Stolpersteine für Rosenheim' zusammengetragen.
Israelische (sc. Israelitische) Kultusgemeinde gegen Stolpersteine. Sie sind es auch, die sich Gedanken darüber machen, wie in der Stadt selbst der Opfer des Nationalsozialismus gedacht werden kann – über die bereits bestehenden Formen hinaus. Denn seit sich die Stadt vor einigen Jahren gegen das Konzept der Stolpersteine entschieden hat, klafft nach Einschätzung der Initiatoren eine Lücke im individuellen Gedenken an die Stadtbewohner, die während der Zeit des Nationalsozialismus zunächst systematisch ausgegrenzt worden waren, dann, wenn sie konnten, flohen, später verfolgt, deportiert und getötet wurden. Diese Lücke im öffentlichen Gedenken könnten womöglich Stelen oder auch Erinnerungstafeln füllen, wie sie in München seit dem vergangenen Jahr aufgestellt und angebracht werden. Auf diese beiden Formen des Gedenkens hatte sich der Kulturausschuss der Stadt verständigt, nachdem seit Jahren kontrovers über das Konzept der Stolpersteine gestritten worden war. Nicht zuletzt die Israelische Kultusgemeinde hatte sich wiederholt gegen die kleinen vergoldeten Steine im Asphalt ausgesprochen.
Design-Entwurf eines Rosenheimer Professors. Die vom Münchner Designer Kilian Stauss entworfenen Stelen sind rund 1,80 Meter hoch, aus Edelstahl geformt und jeweils mit einer goldenen Hülse versehen. Die Tafeln wiederum haben eine Höhe und Breite von etwa zwölf Zentimeter. Auf vergoldetem Edelstahlblech finden sich je ein Text und ein Porträtbild zu einem der Opfer. Sowohl die Tafeln als auch die Stelen hat Stauss entworfen. Er ist in Rosenheim kein Unbekannter, lehrt als Professor für Interior Design an der Fakultät für Innenarchitektur an der Hochschule. Mit ihm habe man das Gespräch gesucht, sagt Karl-Heinz Brauner, Vorsitzender des Historischen Vereins Rosenheim und zugleich Mitglied in der 'Initiative Erinnerungskultur – Stolpersteine für Rosenheim'.
Die gesamte Familie Block deportiert und ermordet. In Folge sei die Idee entstanden, beide Möglichkeiten für Rosenheim zu diskutieren. Und zugleich noch einmal die Idee der Umbenennung der Rosenheimer Mädchen-Realschule aufzugreifen. Ihr in Erinnerung an Elisabeth Block den Namen 'Städtische Realschule für Mädchen Elisabeth Block' zu geben, hatte in der Schulfamilie ebenfalls keine Zustimmung gefunden. Elisabeth Block war dort in den 1930er-Jahren zur Schule gegangen. Sie war die älteste Tochter von Mirjam und Fritz Block. Ein jüdisches Ehepaar, das in Niedenburg eine Gärtnerei betrieb. Zur Familie gehörten zudem Elisabeths Geschwister Arno und Gertrud. 1942 wurde die gesamte Familie deportiert und ermordet. Erhalten aber blieb das Tagebuch von Elisabeth, das im Jahr 1993 veröffentlicht wurde. An das junge Mädchen, das nur 19 Jahre alt wurde, erinnert zudem ein Fenster in der Rosenheimer St. Nikolauskirche.
Hoffnung auf parteiübergreifenden Antrag im Stadtrat. Ihre Geschichte und das Nachdenken über Erinnerungsformen im öffentlichen Raum wollen die Initiatoren nicht nur wieder aufgreifen, sondern miteinander verbinden. Im Oktober sei eine Diskussionsrunde an der Schule geplant, sagt Brauner. Ein Abend, an dem alle Beteiligten, vor allem die Jugendlichen, darüber sprechen sollen, wie das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in der Stadt gestaltet werden kann. Am Ende, so hofft Brauner, könnte ein parteiübergreifender Antrag der Stadtratsfraktionen stehen, in dem ein Konzept für eine weitreichendere Erinnerungskultur formuliert ist. Das Anliegen in die Hand nehmen und die Kommunikation mit den Stadträten anderer Fraktionen auf den Weg bringen, das will Karl-Heinz Brauner gerne übernehmen. Dann aber in seiner Funktion als Stadtrat der Grünen."
Link zum Artikel  

  
  
 


    
Links und Literatur   

Links:  

bulletWebsite der Stadt Rosenheim  
bulletWikipedia-Artikel zu Rosenheim mit einem Abschnitt Rosenheim während der Zeit des Nationalsozialismus  
bulletWebsite "Initiative für Erinnerungskultur und Stolpersteine in Rosenheim" http://www.stolpersteine-rosenheim.de/verlegte-stolpersteine/   

Literatur:  

bulletBaruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 62-63.
bulletRosenheim im Dritten Reich. Beiträge zur Stadtgeschichte. Hrsg. vom Kulturamt der Stadt Rosenheim 1989.  
bulletBeitrag von Jim G. Tobias in "Aufbau" vom 18. März 2004: "Das vergessene Kinderlager von Rosenheim. Auf ein Leben im Kibbuz vorbereitet - nach Kriegsende fanden 1.600 jüdische Kinder in der oberbayerischen Stadt Rosenheim ein vorübergehendes Zuhause.."
Link zum Artikel im Archiv des "Aufbau"       

   
   

                   
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Stand: 17. April 2020