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Sommerach (Kreis
Kitzingen)
Jüdische Geschichte / Synagoge
(erstellt unter Mitarbeit von Elisabeth Böhrer)
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Sommerach bestand eine jüdische
Gemeinde im 18./19. Jahrhundert, doch lebten bereits im 16./17. Jahrhundert
Juden am Ort. Obwohl der "Baiersdorfer Landtag" (Landstände des Markgraftums
Brandenburg-Ansbach) 1515 beschlossen hatte, binnen Weihnachten "die Juden aus
dem Lande zu entfernen und jeden mit dem Bann zu belegen, der ihnen Geld borge",
duldete Markgraf Georg der Fromme (Markgraf von 1515 bis 1543) - trotz eines
Einspruchs des Rates von Nürnberg - Juden weiterhin in
Fürth, Ansbach,
Schwabach,
Kitzingen, Uffenheim, Sommerach
und anderen Orten. So kam es damals schon (nach 1528 wie später auch 1598) zu
Aufnahmen weiterer jüdischer Familien am Ort; Haenle S. 20.51; vgl. Beitrag
von A. Mannheimer zu Uffenheim in Bayerische Gemeindezeitung 1.7.1926 S. 198).
18. Jahrhundert: 1714 gab es fünf
jüdische Familien in Sommerach. Nach Ausweisung der Juden aus Kitzingen
im Jahr 1763 zogen weitere Familien zu.
Das jüdisches Wohngebiet war vor allem das Gebiet der ehemaligen
"unteren Judengasse" (heute: Turmstraße; in der NS-Zeit von-Epp-Straße
nach dem NS-Politiker Franz Ritter von Epp) und der ehemaligen "oberen
Judengasse" (heutige Häckergasse). Als "Judengasse" wurde auch
die Verbindungsgasse zwischen heutiger Häckergasse und Maintorstraße
bezeichnet.
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden in Sommerach auf
insgesamt 18 Matrikelstellen die folgenden jüdischen Familienvorstände
genannt (mit neuem Familiennamen und Erwerbszweig): Seckel Lippmann Sulzbacher
(Kleinhandel), Samuel Levi Willkomm (Schmusen), Maier Moses Walldorf
(Kleinhandel), Maier Samson Fleischthal (Schlachten und Viehhandel), Salomon
Isaac Lax (Kleinhandel), Benjamin Schmay Heinemann (Schnitt- und Spezereiwaren),
Joseph Loeb Kahn (Warenhandel), Loeb Samson Mohrenwitz (Wein- und Viehhandel und
sonstige Gegenstände), Asor Schmay Heinemann (Schnitt- und Spezerei-, dann
Weinhandel), Wolf Moses Ollmann (Schnittwaren), Mendel Samson Sielber (Wein- und
Schnittwarenhandel), Isaac Abraham Spiegler (Warenhandel), Gela, Witwe von
Baruch Isaac Kelbermann (Metzger und Viehhandel), Esther Chaja, Witwe von Moses
Eisig Grünebaum (alte Kleider und dergleichen), Bella, Witwe von Nathan Etthäuser
(Handarbeit), Schmay Benjamin Heinemann (Warenhandel), Nathan Jacob Gutmuth
(Warenhandel), Philipp Samson Gutmuth (Warenhandel in einem offenen Laden).
1825 gab es - orientiert an der Zahl der Matrikelstellen - noch 17 jüdische Familien am Ort mit insgesamt etwa 100 Personen
(eine Matrikelstelle war inzwischen unbesetzt).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
Religionsschule und ein rituelles Bad. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der
Gemeinde war - zumindest zeitweise - ein jüdischer Lehrer am Ort, der
zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. 1839 wird als Religionslehrer und
Vorsänger in Sommerach Samuel Uhlfelder genannt (Angabe von Elisabeth Böhrer),
bei den Spendensammlungen 1867/1871 wird Lehrer Wolf Schwab erwähnt.
Von den Gemeindevorstehern wird 1865 S. Mohrenwitz genannt.
Nachdem der Zuzug von jüdischen Personen in Kitzingen
(seit 1863/64) wieder möglich war, sind mehrere der Familien dorthin verzogen.
Andere verzogen in andere Städte. Die jüdische Gemeinde wurde um 1880
aufgelöst.
In den Listen von Yad Vashem und dem Bundesarchiv Potsdam werden keine Namen von
Personen genannt, die in Sommerach geboren und in der NS-Zeit umgekommen sind.
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Ergebnisse von Spendensammlungen (1867
/ 1869 / 1871)
Anmerkung: in jüdischen Gemeinden wurde allgemein oder auch
bei Feierlichkeiten wie Hochzeiten regelmäßig für bestimmte Zwecke gesammelt;
die Ergebnisse wurden in jüdischen Periodika bekannt gegeben.
Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1865: ""Sommerach. Durch
Kultus-Vorsteher S. Mohrenwitz in der Gemeinde Sommerach gesammelt 21
fl. 45 Kr." |
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Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Dezember 1867: "Spenden
für die Armen des hl. Landes.
Durch S. Weil in Mainstockheim bei der Hochzeit von B. Kellermann in
Sommerach mit M. Stern 6 fl., Lehrer Schwab 1 fl., zusammen 7 fl., abz.
Porto 6 fl. 45 kr." |
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Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Februar 1869 - Sammlung "für
unsere dürftigen Glaubensbrüder an der russischen Grenze": "Sommerach:
Durch May (einmalige Sammlung) 6 fl." |
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Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Januar 1871 - Sammlung
"zur Unterstützung unserer durch Hungersnot bedrängten Glaubensbrüder im
Heiligen Land": "Mainbernheim. Durch Distriktsrabbiner J. Adler:
Von der Kultus-Gemeinde Sommerach durch Lehrer Wolf Schwab 4
fl." |
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Mitteilung
ebd. zu derselben Sammlung: "Mainbernheim. Durch Distriktsrabbiner J.
Adler: Von der Chevra Kadischa in Rödelsee 9 fl. 41 kr., bei der Hochzeit
des Victor Mayer aus Sommerach gesammelt 4 fl., ..." |
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde
Über die Familie Mohrenwitz und ihre
Weingroßhandlung zunächst in Sommerach, dann Schweinfurt
Anmerkung: aus der schon um 1800 bestehenden Weinhandlung in Sommerach,
1828 als
Weingroßhandlung
Mohrenwitz & Söhne neu gegründeten Firma wurde
im Laufe der Jahre die größte Wein- und Spirituosenhandlung in Ostunterfranken
("Königliche Bayerische Hoflieferanten") mit Sitz in Schweinfurt.
1817
wird in der Matrikelliste Sommerach
Loeb Samson Mohrenwitz
genannt, der einen Handel mit Wein- und Vieh und
sonstigen Gegenständen betrieb. Er hatte mit seiner Frau sieben Kinder.
Ein Sohn war Lämmlein (Levi) Mohrenwitz, geb. 1812 in Sommerach,
verheiratet mit Sophia geb. Kraus; ihr am 26. Juni 1854 in Sommerach
geborener Sohn war Abraham August Mohrenwitz (geb. 26. Juni 1854 in
Sommerach, gest. 1942 in Wiesbaden s.u.).
Ein anderer Sohn war Sigmund Mohrenwitz, der am 20. September 1838 in
Sommerach geboren ist. Dieser absolvierte im Alter von 14 Jahren vermutlich
in Mainbernheim eine Ausbildung.
Danach war er als Weinhändler tätig und ließ sich 1866 in
Schweinfurt nieder. Er war
verheiratet mit Amalia/Amalie geb. Mayer, die am 18. Mai 1840 geboren
ist. Sigmund Mohrenwitz starb am 17. Februar 1890 in Schweinfurt und wurde
in jüdischen Friedhof in Schweinfurt
beigesetzt, seine Frau Amalia starb am 23. Juni 1903 in Schweinfurt und
wurde ebd. beigesetzt (Foto links: Grabstein für Amalia Mohrenwitz im
jüdischen Friedhof Schweinfurt).
Seit Anfang des 20. Jahrhunderts betrieben Isidor und Ludwig
Mohrenwitz die vom Vater geerbte Weingroßhandlung und Likörfabrikation
in Schweinfurt. Isidor Mohrenwitz war über viele Jahre hinweg aktives
Mitglied der Israelitischen Kultusgemeinde Schweinfurt. Bereits 1908 findet
sich sein Name unter den gewählten Ersatzleuten zur Wahl der
Ausschussmitglieder der israelitischen Kultusgemeinde. Auch noch 1929, in
einem Zeitungsartikel zu den Vorstandswahlen ist bei der Wiederwahl
sämtlicher Mitglieder der vergangenen Wahlperiode zur Wahl der
Verwaltungsmitglieder der Name von Isidor Mohrenwitz zu finden. Ludwig
Mohrenwitz lässt sich 1913 in den USA einen Heizungsapparat für
Tafelware (Geschirr) patentieren. Er ist ebenfalls ein aktives Mitglied,
sowohl als Schatzmeister im "Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen
Glaubens" in der Ortsgruppe Schweinfurt, wie auch als Mitglied der
Schützengesellschaft Schweinfurt, bei der er 1928 beim Hauptscheibenschießen
zum "Vogelkönig" - Schützenmeister 1928 der Schützengesellschaft Schweinfurt
proklamiert wurde.
1935 übernahm Isidor Mohrenwitz's Sohn Rechtsanwalt Dr. Justin Mohrenwitz,
durch das Berufsverbot der Nürnberger Gesetze an der Ausübung seines Berufes
behindert, die Leitung der Weingroßhandlung. 1938 wurde Justin Mohrenwitz
verhaftet und für 13 Monate ins KZ Buchenwald gebracht. Isidor Mohrenwitz
(72 Jahre) wurde Opfer der Pogromnacht in Schweinfurt und wurde in
Schutzhaft genommen. Isidor Mohrenwitz, von den Geschehnissen schwer
mitgenommen (todkrank) und seine Frau Bettina blieben allein zurück,
nachdem Tochter Anna zuvor noch die Auslösung ihres Bruders Justin
aus der Haft im KZ Buchenwald gelang und beide ins Ausland emigrierten,
Justin nach Großbritannien, Anna nach Australien. Die Jüngste der
Geschwister, Ilse, war bereits 1935 nach Palästina/Israel ausgereist.
Isidor Mohrenwitz starb 1941 in Schweinfurt. Seine Frau Bettina
wurde am 22. April 1942 über Würzburg nach Krasnystaw deportiert, wo sie in
Folge im KZ bei Izbica ermordet wurde.
Weitere Informationen zu Familie Mohrenwitz:
https://juedischer-friedhof-roedelsee.de/de/jfr-entdecken/familien-geschichten/familie-mohrenwitz
Dazu Biographieblatt zu Abraham August Mohrenwitz -
eingestellt als pdf-Datei
Informationen aus Wiesbaden:
https://moebus-flick.de/die-judenhaeuser-wiesbadens/adolfsallee-30/august-mohrenwitz/
Unvollständige genealogische Informationen:
https://www.geni.com/people/L%C3%B6b-Samson-Mohrenwitz/6000000085001623005
1904 erhielt die Firma S. Mohrenwitz, Weingroßhandlung in Schweinfurt, den
Titel eines königlich bayerischen Hoflieferanten. |
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in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 31. Januar 1930:
"Weinbranche.
In Privatkreisen eingeführte Vertreter gegen entsprechend Provision
gesucht.
S. Mohrenwitz Söhne. Königliche Bayerische Hoflieferanten
Schweinfurt am Main." |
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in der Zeitschrift "Der Schild" (hrsg. von "Reichsbund jüdischer
Frontsoldaten") vom 5. Juni 1936: "S. Mohrenwitz Söhne.
Weingroßkellerei und Likörfabrik. Gegründet 1828.
Schweinfurt". |
| Über den Literaturagenten Ludwig
Mohrenwitz (geb. 1886 in Schweinfurt, gest. 1960 in Zürich):
https://de.wikipedia.org/wiki/Lothar_Mohrenwitz
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| Vgl. weitere Dokumente in der Seite
https://www.alemannia-judaica.de/schweinfurt_texte.htm
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jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Der (jüdische) Spenglermeister Gottlieb Walldorf empfiehlt seine Kochmaschinen
(1860 / 1861 / 1872 / Nachfolger 1884)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Juli 1860: "Anzeige.
Der Unterzeichnete erlaubt sich hiermit darauf aufmerksam zu machen, dass
bei ihm eine Kochmaschine angefertigt wird, die zur Bereitung der Speisen
für Samstag ohne Chilul Schabbat (Entweihung des Schabbat), sehr zu
empfehlen ist, Sie besteht aus zwei Abteilungen, die eine für
Fleischspeisen, die andere für Milchspeisen. Mit für nur drei Kreuzer
Holzkohlen geheizt, erhalten sich die sich darin befindlichen Speisen ohne
menschliches Zutun den ganzen Schabbat hindurch heiß. Gefällige
Aufträge effektuiert schleunigst unter Zusicherung der besten Qualität.
G. Waldorf, Spenglermeister aus Sommerach bei Würzburg."
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Februar 1861:
"Die im August vorigen Jahres von mir empfohlenen Kochmaschinen zum
Kochen der Speisen auf Sabbat für Israeliten werden fortwährend in jeder
beliebigen Größe von mir angefertigt; dieselben sind sowohl in
religiöser als in praktischer Beziehung allgemein anerkannt und sprechen
hierfür die vielen Aufträge, die mir aus den entferntesten Gegenden
zugehen. Bei Bestellungen ersucht man, gefälligst die Größe anzugeben
und zu wie viel Töpfen die Maschine eingerichtet werden soll; auch ist zu
bemerken, dass sich in der Maschine auch eine Abteilung für Kaffee und
Milch befindet.
Der Unterzeichnete ist gesonnen, einen Lehrling, israelitischer
Konfession, welcher eine gute Erziehung genossen hat, in die Lehre zu
nehmen. Lusttragende belieben sich in frankierten Briefen an mich zu
wenden.
Sommerach bei Volkach in Bayern. Gottlieb Walldorf, Spenglermeister." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. März 1872:
"Sabbat-Kochmaschinen für Israeliten eingerichtet mit
Abteilungen zu Fleisch- und Milchspeisen in beliebiger
Größe.
Vom religiösen wie praktischen Standpunkt allseitig anerkannt, empfiehlt
sich mein Fabrikant am Besten durch die vielen aus den entferntesten
Gegenden einlaufenden Aufträge.
Gefälligen Bestellungen wolle man die Größe sowie die Zahl der Töpfe,
welche die Maschine fassen soll, beifügen.
Bedienung prompt. - Preise billigst. Gegenseitig franco.
Hochachtungsvoll. Gottlieb Walldorf, Spenglermeister. Sommerach am
Main bei Würzburg.
Nachbemerkung: Die Maschine behält 24 Stunden lang die Hitze an und
bedarf nur Brennstoff im Werte von 3 bis 4 Kreuzer.
Die Behandlung folgt bei jeder
Maschine." |
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in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. April 1884:
"Unterzeichneter bringt seine langjährigen und vielbeliebten
Sabbatmaschinen wieder in Erinnerung.
Gottlieb Walldorfs Nachfolger, Sommerach am Main." |
Zur Geschichte der Synagoge
Die Synagoge in Sommerach wurde auf Grund der behördlichen
Genehmigung von 1810 im folgenden Jahr 1811 erbaut (Angabe von Elisabeth
Böhrer auf Grund eines im StA Würzburg erhaltenen Schreibens vom 29.4.1817).
1813 wurde das Synagogengebäude während der Hep-Hep-Krawallegeschändt. Dabei
wurden neben der Zerstörung der Inneneinrichtungen auch Torarollen zerrissen und
zerschnitten.
Sie wurde bis
1873 für Gottesdienste verwendet. Nach Auflösung der
jüdischen Gemeinde wurde sie in den 1880er-Jahren verkauft und zuletzt als Werkstatt und
Unterstellhalle benutzt. Torarollen und Ritualien kamen großenteils in die
Synagoge nach Kitzingen. 1908 befanden sich in der Kitzinger Synagoge: eine
Torarolle aus der Gemeinde Sommerach sowie zwei Toramäntelchen und Toraschmuck
aus Silber (Tass, Ez-Chajim und Jad).
Noch in den 1980er-Jahren war der größte Teil der
Bausubstanz vollständig erhalten, gleichfalls die Original-Eingangstür und
zahlreiche Originalfenster. 1984 wurde eine Gedenktafel am
Synagogengebäude angebracht (Main-Post Kitzingen vom 19. September 1984:
"Synagoge wird kenntlich gemacht als jüdische Kulturstätte. ... Wie
Bürgermeister Schlereth im weiteren Verlauf der Sitzung [Gemeinderatssitzung]
mitteilte, wird in Kürze die frühere Synagoge mit einer Tafel als ehemalige
jüdische Kultstätte gekennzeichnet werden. Die Kosten hierfür muss die Gemeinde
tragen, die jedoch hierbei mit einem Zuschuss vom Bezirk rechnen darf. ...'
Trotz ursprünglicher Bemühungen um den Erhalt der ehemaligen Synagoge wurde das Gebäude am 23. Mai 1991
abgebrochen.
Adresse/Standort der Synagoge: Turmstraße
13 (ein schmaler Weg zwischen Turmstraße 5 und 9 führt zu dem
ehemaligen Haus)
Fotos
(Quelle: I. Schwierz s.Lit. 1988 S. 114 und ders. 1992 S. 123)
Das Synagogengebäude in
den 1980er-Jahren und
beim Abbruch 1991 |
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Abbruch der Synagoge am
23. Mai 1991 |
Erinnerungen an die jüdische Geschichte in Sommerach
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Oktober 2018:
Besuch von Nachkommen der
jüdischen Familie Mohrenwitz aus Sommerach / Schweinfurt |
Artikel von Diana Pfister in der "Main-Post"
vom 5. Oktober 2018: "SCHWEINFURT - Zwei Steine gegen das Vergessen
Jeff Meyer, Nachkomme der bekannten jüdischen Weinfamilie Mohrenwitz, auf
den Spuren seiner Schweinfurter Vorfahren.
Wochenlang ist es viel zu trocken und warm für die Jahreszeit gewesen. Doch
an diesem grauen Mittag im Oktober regnet es, Mütze und Jacke waren kein
Fehler. Jeff Meyer steht am Grab seines Großvaters Isidor Mohrenwitz,
ein Mann, den er persönlich nie kennenlernen durfte. Isidor starb 1941 in
Schweinfurt im Anschluss an seine Inhaftierung an Krebs. Mit Hilfe von
Elisabeth Böhrer, die seit Jahren Nachforschungen zur jüdischen Kultur und
zu Juden, die in Schweinfurt gelebt hatten, anstellt, konnte Jeff das Grab
überhaupt nur finden. Die dunkle Steinplatte auf dem jüdischen Friedhof in
Schweinfurt ist von Blättern und Staub bedeckt, die der Australier erst
entfernen muss, um die Inschrift lesen zu können. Aus seiner Jackentasche
kramt er zwei Steine hervor, einen für sich und einen für seine Frau
Michelle, mit der er aus Melbourne angereist ist, um auf den Spuren seiner
Vorfahren zu wandeln. Behutsam legt er beide auf den Grabstein. 'Sie zeigen:
Du bist nicht vergessen', erzählt der 69-Jährige. Die Tränen kann er nicht
mehr zurückhalten. Er weint nicht nur um seinen Großvater, sondern um viele
andere Verwandte, die zwischen 1939 und 1945 unter dem
nationalsozialistischen Regime ihr Leben lassen mussten.
Emotionale Momente am Grab. Fast schon entschuldigend erklärt er, sein
Vater sei ebenfalls sehr emotional gewesen, daher käme das. Die väterliche
Linie von Jeff hat seinen Ursprung in Berlin. Dort verbrachte er gerade eine
Woche. Drei Tage hat er nun für Schweinfurt eingeplant, wo seine Mutter und
ihre Großfamilie herkamen. 'Sie war eher der stoische, gefasste Typ.'
Anna Amalia Meyer wurde 1911 in Schweinfurt geboren und gehörte zum
damals für seine Weine bekannten Haus Mohrenwitz. Sie ist die
Schwester von Dr. Justin Mohrenwitz, der zuletzt die Geschäfte der
Weinhandlung führte. Beiden gelang die Flucht. Seine Großmutter Bettina
hingegen wird ins von Deutschland besetzte Polen deportiert und erschossen.
Auch die Schwester von Großvater Isidor überlebt nicht. Sie kam 1942 nach
Theresienstadt.
Ein gute Leben – Bis die Nazis kamen. Seine Mutter erzählte Jeff, sie
hätten ein gutes Leben gehabt, bevor die Nazis kamen. Die Weinhandlung am
Kornmarkt 5 lief gut. Gegründet 1828 in Sommerach hatte sie sich über
die Jahre zur größten Wein- und Spirituosenhandlung in Ostunterfranken
entwickelt. 1866 siedelte die Familie nach Schweinfurt über. Das
Gebäude am Kornmarkt 5 wurde von der Familie Mohrenwitz gekauft. Auch einen
eigenen Weinberg hatten sie. Im Ladengeschäft konnten Kunden die erlesensten
Weine und Sekte aus ganz Deutschland erwerben. Ein Schriftstück aus den
30er-Jahren belegt, dass Mohrenwitz ein 'Königlich Bayerischer Hoflieferant
war'.
Ein krummer Leuchter erinnert an wechselvolle Geschichte. Auch von der
Reichspogromnacht, verharmlost oft auch Kristallnacht genannt, im Jahr 1938
hatte Jeffs Mutter Anna erzählt. Neben vielen anderen Gegenständen wurde ein
Kerzenleuchter beschädigt. Zusammen mit verschiedenen anderen Tellern,
Gabeln, Messern und Löffeln, nahm Anna den krummen Leuchter mit, als sie
Deutschland verließ. Wie um an die wechselvolle Geschichte zu erinnern, fand
er bei Familienfesten auch in Australien immer einen Platz an der Tafel.
Selbst als das Haus einmal in Flammen stand, rettete Anna als erstes zwei
Dinge. Denn alten Leuchter und ihr Baby Jeff. Heute noch befindet er sich im
Familienbesitz. Bei besonderen Anlässen benutzt ihn Jeff zusammen mit dem
alten Schweinfurter Geschirr.
Im Keller ist immer noch Wein. Neben dem Besuch des jüdischen Friedhofs
waren Jeff und Michelle Meyer auch am Kornmarkt. Von außen erinnert nichts
mehr an die einst so erfolgreiche Weinhandlung. Das Haus wurde zerbombt.
Eine Schneiderei und Wohneinheiten sind heute im neu errichteten Gebäude zu
finden. Einzig im Keller, der nicht zerstört wurde, gibt es noch heute
einige edle Tropfen. Die Weinhandlung Dahms nutzt ihn mittlerweile als
Lager. Jeff selbst ist kein Weintrinker. Seine Frau Michelle grinst
schelmisch und gibt zu, dass sie schon gerne mal einen Frankenwein probieren
möchte. 'Vielleicht heute Abend?' Anna Amalia Meyer stirbt 2000. Jeff
berichtet, dass sie auf dem Sterbebett mehrfach angab, nach Hause zu wollen.
'Wohin nach Hause?', fragte Jeff seine Mutter. Ihre Antwort: 'An den
Kornmarkt 5.' Wieder kann er seine Tränen nicht zurückhalten. Man merkt ihm
an, dass er sehr interessiert an der Geschichte seiner Familie ist, ihn der
Besuch in Schweinfurt aber gleichzeitig aufwühlt. Wut, Bestürzung und
Unverständnis herrschen vor. 'Ich bin froh, wenn ich hier fertig bin',
stellt er fest. Damit meint er Deutschland. Morgen schon setzen er und seine
Frau ihre Reise fort. Es geht in die Schweiz und Frankreich. 'Damit beginnt
dann unser echter Urlaub.' Es war Jeffs zweiter Besuch in Schweinfurt. Einen
dritten werde es wahrscheinlich nicht geben.".
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Naphtalie Bamberger: Geschichte der Juden von
Kitzingen. 1908. Reprint 1983. |
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 114; 1992² S. 122-123. |
 | Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen
Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche
Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13.
Würzburg 2008. S. 236-237.
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