Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Sommerach (Kreis Kitzingen)
Jüdische Geschichte / Synagoge 
(erstellt unter Mitarbeit von Elisabeth Böhrer)  

Übersicht:

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben 
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde 
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen    
bulletZur Geschichte der Synagoge   
bulletFotos / Darstellungen  
bullet Erinnerungen an die jüdische Geschichte in Sommerach  
bulletLinks und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde              
      
In Sommerach bestand eine jüdische Gemeinde im 18./19. Jahrhundert, doch lebten bereits im 16./17. Jahrhundert Juden am Ort. Obwohl der "Baiersdorfer Landtag" (Landstände des Markgraftums Brandenburg-Ansbach) 1515 beschlossen hatte, binnen Weihnachten "die Juden aus dem Lande zu entfernen und jeden mit dem Bann zu belegen, der ihnen Geld borge", duldete Markgraf Georg der Fromme (Markgraf von 1515 bis 1543) - trotz eines Einspruchs des Rates von Nürnberg - Juden weiterhin in Fürth, Ansbach, Schwabach, Kitzingen, Uffenheim, Sommerach und anderen Orten. So kam es damals schon (nach 1528 wie später auch 1598) zu Aufnahmen weiterer jüdischer Familien am Ort; Haenle S. 20.51; vgl. Beitrag von A. Mannheimer zu Uffenheim in Bayerische Gemeindezeitung 1.7.1926 S. 198).
 
18. Jahrhundert: 1714
gab es fünf jüdische Familien in Sommerach. Nach Ausweisung der Juden aus Kitzingen im Jahr 1763 zogen weitere Familien zu. 
 
Das jüdisches Wohngebiet war vor allem das Gebiet der ehemaligen "unteren Judengasse" (heute: Turmstraße; in der NS-Zeit von-Epp-Straße nach dem NS-Politiker Franz Ritter von Epp) und der ehemaligen "oberen Judengasse" (heutige Häckergasse). Als "Judengasse" wurde auch die Verbindungsgasse zwischen heutiger Häckergasse und Maintorstraße bezeichnet.    
  
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden in Sommerach auf insgesamt 18 Matrikelstellen die folgenden jüdischen Familienvorstände genannt (mit neuem Familiennamen und Erwerbszweig): Seckel Lippmann Sulzbacher (Kleinhandel), Samuel Levi Willkomm (Schmusen), Maier Moses Walldorf (Kleinhandel), Maier Samson Fleischthal (Schlachten und Viehhandel), Salomon Isaac Lax (Kleinhandel), Benjamin Schmay Heinemann (Schnitt- und Spezereiwaren), Joseph Loeb Kahn (Warenhandel), Loeb Samson Mohrenwitz (Wein- und Viehhandel und sonstige Gegenstände), Asor Schmay Heinemann (Schnitt- und Spezerei-, dann Weinhandel), Wolf Moses Ollmann (Schnittwaren), Mendel Samson Sielber (Wein- und Schnittwarenhandel), Isaac Abraham Spiegler (Warenhandel), Gela, Witwe von Baruch Isaac Kelbermann (Metzger und Viehhandel), Esther Chaja, Witwe von Moses Eisig Grünebaum (alte Kleider und dergleichen), Bella, Witwe von Nathan Etthäuser (Handarbeit), Schmay Benjamin Heinemann (Warenhandel), Nathan Jacob Gutmuth (Warenhandel), Philipp Samson Gutmuth (Warenhandel in einem offenen Laden). 
  
1825 gab es - orientiert an der Zahl der Matrikelstellen - noch 17 jüdische Familien am Ort mit insgesamt etwa 100 Personen (eine Matrikelstelle war inzwischen unbesetzt).    
      
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule und ein rituelles Bad. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war - zumindest zeitweise - ein jüdischer Lehrer am Ort, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. 1839 wird als Religionslehrer und Vorsänger in Sommerach Samuel Uhlfelder genannt (Angabe von Elisabeth Böhrer), bei den Spendensammlungen 1867/1871 wird Lehrer Wolf Schwab erwähnt.
 
Von den Gemeindevorstehern wird 1865 S. Mohrenwitz genannt.      
   
Nachdem der Zuzug von jüdischen Personen in Kitzingen (seit 1863/64) wieder möglich war, sind mehrere der Familien dorthin verzogen. Andere verzogen in andere Städte. Die jüdische Gemeinde wurde um 1880 aufgelöst.  
  
In den Listen von Yad Vashem und dem Bundesarchiv Potsdam werden keine Namen von Personen genannt, die in Sommerach geboren und in der NS-Zeit umgekommen sind.   
    
    
    

Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
    
Aus dem jüdischen Gemeindeleben 
Ergebnisse von Spendensammlungen (1867 / 1869 / 1871)
Anmerkung: in jüdischen Gemeinden wurde allgemein oder auch bei Feierlichkeiten wie Hochzeiten regelmäßig für bestimmte Zwecke gesammelt; die Ergebnisse wurden in jüdischen Periodika bekannt gegeben.  

Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1865: ""Sommerach. Durch Kultus-Vorsteher S. Mohrenwitz in der Gemeinde Sommerach gesammelt 21 fl. 45 Kr."  
  
Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Dezember 1867: "Spenden für die Armen des hl. Landes.
Durch S. Weil in Mainstockheim bei der Hochzeit von B. Kellermann in Sommerach mit M. Stern 6 fl., Lehrer Schwab 1 fl., zusammen 7 fl., abz. Porto 6 fl. 45 kr."  
 
Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Februar 1869 - Sammlung "für unsere dürftigen Glaubensbrüder an der russischen Grenze": "Sommerach: Durch May (einmalige Sammlung) 6 fl." 
 
Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Januar 1871 - Sammlung "zur Unterstützung unserer durch Hungersnot bedrängten Glaubensbrüder im Heiligen Land": "Mainbernheim. Durch Distriktsrabbiner J. Adler: Von der Kultus-Gemeinde Sommerach durch Lehrer Wolf Schwab 4 fl."  
 
Mitteilung ebd. zu derselben Sammlung: "Mainbernheim. Durch Distriktsrabbiner J. Adler: Von der Chevra Kadischa in Rödelsee 9 fl. 41 kr., bei der Hochzeit des Victor Mayer aus Sommerach gesammelt 4 fl., ..."

      
      
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  
 
Über die Familie Mohrenwitz und ihre Weingroßhandlung zunächst in Sommerach, dann Schweinfurt 
Anmerkung: aus der schon um 1800 bestehenden Weinhandlung in Sommerach, 1828 als
Weingroßhandlung Mohrenwitz & Söhne neu gegründeten Firma wurde im Laufe der Jahre die größte Wein- und Spirituosenhandlung in Ostunterfranken ("Königliche Bayerische Hoflieferanten") mit Sitz in Schweinfurt.  

1817 wird in der Matrikelliste Sommerach Loeb Samson Mohrenwitz genannt, der einen Handel mit Wein- und Vieh und sonstigen Gegenständen betrieb. Er hatte mit seiner Frau sieben Kinder.
Ein Sohn war Lämmlein (Levi) Mohrenwitz, geb. 1812 in Sommerach, verheiratet mit Sophia geb. Kraus; ihr am 26. Juni 1854 in Sommerach geborener Sohn war Abraham August Mohrenwitz (geb. 26. Juni 1854 in Sommerach, gest. 1942 in Wiesbaden s.u.).
 
Ein anderer Sohn war Sigmund Mohrenwitz, der am 20. September 1838 in Sommerach geboren ist. Dieser absolvierte im Alter von 14 Jahren vermutlich in Mainbernheim eine Ausbildung. Danach war er als Weinhändler tätig und ließ sich 1866 in Schweinfurt nieder. Er war verheiratet mit Amalia/Amalie geb. Mayer, die am 18. Mai 1840 geboren ist. Sigmund Mohrenwitz starb am 17. Februar 1890 in Schweinfurt und wurde in jüdischen Friedhof in Schweinfurt beigesetzt, seine Frau Amalia starb am 23. Juni 1903 in Schweinfurt und wurde ebd. beigesetzt (Foto links: Grabstein für Amalia Mohrenwitz im jüdischen Friedhof Schweinfurt).
 

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts betrieben Isidor und Ludwig Mohrenwitz die vom Vater geerbte Weingroßhandlung und Likörfabrikation in Schweinfurt. Isidor Mohrenwitz war über viele Jahre hinweg aktives Mitglied der Israelitischen Kultusgemeinde Schweinfurt. Bereits 1908 findet sich sein Name unter den gewählten Ersatzleuten zur Wahl der Ausschussmitglieder der israelitischen Kultusgemeinde. Auch noch 1929, in einem Zeitungsartikel zu den Vorstandswahlen ist bei der Wiederwahl sämtlicher Mitglieder der vergangenen Wahlperiode zur Wahl der Verwaltungsmitglieder der Name von Isidor Mohrenwitz zu finden. Ludwig Mohrenwitz lässt sich 1913 in den USA einen Heizungsapparat für Tafelware (Geschirr) patentieren. Er ist ebenfalls ein aktives Mitglied, sowohl als Schatzmeister im "Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" in der Ortsgruppe Schweinfurt, wie auch als Mitglied der Schützengesellschaft Schweinfurt, bei der er 1928 beim Hauptscheibenschießen zum "Vogelkönig" - Schützenmeister 1928 der Schützengesellschaft Schweinfurt proklamiert wurde.
1935 übernahm Isidor Mohrenwitz's Sohn Rechtsanwalt Dr. Justin Mohrenwitz, durch das Berufsverbot der Nürnberger Gesetze an der Ausübung seines Berufes behindert, die Leitung der Weingroßhandlung. 1938 wurde Justin Mohrenwitz verhaftet und für 13 Monate ins KZ Buchenwald gebracht. Isidor Mohrenwitz (72 Jahre) wurde Opfer der Pogromnacht in Schweinfurt und wurde in Schutzhaft genommen. Isidor Mohrenwitz, von den Geschehnissen schwer mitgenommen (todkrank) und seine Frau Bettina blieben allein zurück, nachdem Tochter Anna zuvor noch die Auslösung ihres Bruders Justin aus der Haft im KZ Buchenwald gelang und beide ins Ausland emigrierten, Justin nach Großbritannien, Anna nach Australien. Die Jüngste der Geschwister, Ilse, war bereits 1935 nach Palästina/Israel ausgereist. Isidor Mohrenwitz starb 1941 in Schweinfurt. Seine Frau Bettina wurde am 22. April 1942 über Würzburg nach Krasnystaw deportiert, wo sie in Folge im KZ bei Izbica ermordet wurde.

Weitere Informationen zu Familie Mohrenwitz: https://juedischer-friedhof-roedelsee.de/de/jfr-entdecken/familien-geschichten/familie-mohrenwitz   
Dazu Biographieblatt zu Abraham August Mohrenwitz - eingestellt als pdf-Datei  
Informationen aus Wiesbaden:  https://moebus-flick.de/die-judenhaeuser-wiesbadens/adolfsallee-30/august-mohrenwitz/  
Unvollständige genealogische Informationen: https://www.geni.com/people/L%C3%B6b-Samson-Mohrenwitz/6000000085001623005 
1904 erhielt die Firma S. Mohrenwitz, Weingroßhandlung in Schweinfurt, den Titel eines königlich bayerischen Hoflieferanten.
 
Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 31. Januar 1930: "Weinbranche.
In Privatkreisen eingeführte Vertreter gegen entsprechend Provision gesucht.
S. Mohrenwitz Söhne
. Königliche Bayerische Hoflieferanten  Schweinfurt am Main.
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Schild" (hrsg. von "Reichsbund jüdischer Frontsoldaten") vom 5. Juni 1936: "S. Mohrenwitz Söhne.
Weingroßkellerei und Likörfabrik. Gegründet 1828.
Schweinfurt".  
Über den Literaturagenten Ludwig Mohrenwitz (geb. 1886 in Schweinfurt, gest. 1960 in Zürich): https://de.wikipedia.org/wiki/Lothar_Mohrenwitz   
Vgl. weitere Dokumente in der Seite https://www.alemannia-judaica.de/schweinfurt_texte.htm  

    
     
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Der (jüdische) Spenglermeister Gottlieb Walldorf empfiehlt seine Kochmaschinen (1860 / 1861 / 1872 / Nachfolger 1884) 

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Juli 1860: "Anzeige.
Der Unterzeichnete erlaubt sich hiermit darauf aufmerksam zu machen, dass bei ihm eine Kochmaschine angefertigt wird, die zur Bereitung der Speisen für Samstag ohne Chilul Schabbat (Entweihung des Schabbat), sehr zu empfehlen ist, Sie besteht aus zwei Abteilungen, die eine für Fleischspeisen, die andere für Milchspeisen. Mit für nur drei Kreuzer Holzkohlen geheizt, erhalten sich die sich darin befindlichen Speisen ohne menschliches Zutun den ganzen Schabbat hindurch heiß. Gefällige Aufträge effektuiert schleunigst unter Zusicherung der besten Qualität.
G. Waldorf, Spenglermeister aus Sommerach bei Würzburg."   
 
Sommerach Israelit 13021861.jpg (108158 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Februar 1861: "Die im August vorigen Jahres von mir empfohlenen Kochmaschinen zum Kochen der Speisen auf Sabbat für Israeliten werden fortwährend in jeder beliebigen Größe von mir angefertigt; dieselben sind sowohl in religiöser als in praktischer Beziehung allgemein anerkannt und sprechen hierfür die vielen Aufträge, die mir aus den entferntesten Gegenden zugehen. Bei Bestellungen ersucht man, gefälligst die Größe anzugeben und zu wie viel Töpfen die Maschine eingerichtet werden soll; auch ist zu bemerken, dass sich in der Maschine auch eine Abteilung für Kaffee und Milch befindet.
Der Unterzeichnete ist gesonnen, einen Lehrling, israelitischer Konfession, welcher eine gute Erziehung genossen hat, in die Lehre zu nehmen. Lusttragende belieben sich in frankierten Briefen an mich zu wenden. 
Sommerach bei Volkach in Bayern. Gottlieb Walldorf, Spenglermeister." 
     
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. März 1872: "Sabbat-Kochmaschinen für Israeliten eingerichtet mit Abteilungen zu Fleisch- und Milchspeisen in beliebiger Größe. 
Vom religiösen wie praktischen Standpunkt allseitig anerkannt, empfiehlt sich mein Fabrikant am Besten durch die vielen aus den entferntesten Gegenden einlaufenden Aufträge. 
Gefälligen Bestellungen wolle man die Größe sowie die Zahl der Töpfe, welche die Maschine fassen soll, beifügen. 
Bedienung prompt. - Preise billigst.  Gegenseitig franco. 
Hochachtungsvoll. Gottlieb Walldorf, Spenglermeister. Sommerach am Main bei Würzburg. 
Nachbemerkung: Die Maschine behält 24 Stunden lang die Hitze an und bedarf nur Brennstoff im Werte von 3 bis 4 Kreuzer. 
Die Behandlung folgt bei jeder Maschine."     
  
Sommerach Israelit 23041884.jpg (32842 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. April 1884: "Unterzeichneter bringt seine langjährigen und vielbeliebten Sabbatmaschinen wieder in Erinnerung. 
Gottlieb Walldorfs Nachfolger, Sommerach am Main."  

    
    
    
Zur Geschichte der Synagoge               
    
Die Synagoge in Sommerach wurde auf Grund der behördlichen Genehmigung von 1810 im folgenden Jahr 1811 erbaut (Angabe von Elisabeth Böhrer auf Grund eines im StA Würzburg erhaltenen Schreibens vom 29.4.1817). 1813 wurde das Synagogengebäude während der Hep-Hep-Krawallegeschändt. Dabei wurden neben der Zerstörung der Inneneinrichtungen auch Torarollen zerrissen und zerschnitten.

Sie wurde bis 1873 für Gottesdienste verwendet. Nach Auflösung der jüdischen Gemeinde wurde sie in den 1880er-Jahren verkauft und zuletzt als Werkstatt und Unterstellhalle benutzt. Torarollen und Ritualien kamen großenteils in die Synagoge nach Kitzingen. 1908 befanden sich in der Kitzinger Synagoge: eine Torarolle aus der Gemeinde Sommerach sowie zwei Toramäntelchen und Toraschmuck aus Silber (Tass, Ez-Chajim und Jad).
    
Noch in den 1980er-Jahren war der größte Teil der Bausubstanz vollständig erhalten, gleichfalls die Original-Eingangstür und zahlreiche Originalfenster. 1984 wurde eine Gedenktafel am Synagogengebäude angebracht (Main-Post Kitzingen vom 19. September 1984: "Synagoge wird kenntlich gemacht als jüdische Kulturstätte. ... Wie Bürgermeister Schlereth im weiteren Verlauf der Sitzung [Gemeinderatssitzung] mitteilte, wird in Kürze die frühere Synagoge mit einer Tafel als ehemalige jüdische Kultstätte gekennzeichnet werden. Die Kosten hierfür muss die Gemeinde tragen, die jedoch hierbei mit einem Zuschuss vom Bezirk rechnen darf. ...'
 
Trotz ursprünglicher Bemühungen um den Erhalt der ehemaligen Synagoge wurde das Gebäude am 23. Mai 1991 abgebrochen.  
     
     
Adresse/Standort der Synagoge:     Turmstraße 13   (ein schmaler Weg zwischen Turmstraße 5 und 9 führt zu dem ehemaligen Haus)     
   
    
Fotos 
(Quelle: I. Schwierz s.Lit. 1988 S. 114 und ders. 1992 S. 123)  

Das Synagogengebäude in den 1980er-Jahren und 
beim Abbruch 1991
Sommerach Synagoge 200.jpg (123745 Byte)  Sommerach Synagoge 1991.jpg (80922 Byte)
     Abbruch der Synagoge am 23. Mai 1991  

   
  
Erinnerungen an die jüdische Geschichte in Sommerach   

Oktober 2018: Besuch von Nachkommen der jüdischen Familie Mohrenwitz aus Sommerach / Schweinfurt 
Artikel von Diana Pfister in der "Main-Post" vom 5. Oktober 2018: "SCHWEINFURT - Zwei Steine gegen das Vergessen
Jeff Meyer, Nachkomme der bekannten jüdischen Weinfamilie Mohrenwitz, auf den Spuren seiner Schweinfurter Vorfahren.

Wochenlang ist es viel zu trocken und warm für die Jahreszeit gewesen. Doch an diesem grauen Mittag im Oktober regnet es, Mütze und Jacke waren kein Fehler. Jeff Meyer steht am Grab seines Großvaters Isidor Mohrenwitz, ein Mann, den er persönlich nie kennenlernen durfte. Isidor starb 1941 in Schweinfurt im Anschluss an seine Inhaftierung an Krebs. Mit Hilfe von Elisabeth Böhrer, die seit Jahren Nachforschungen zur jüdischen Kultur und zu Juden, die in Schweinfurt gelebt hatten, anstellt, konnte Jeff das Grab überhaupt nur finden. Die dunkle Steinplatte auf dem jüdischen Friedhof in Schweinfurt ist von Blättern und Staub bedeckt, die der Australier erst entfernen muss, um die Inschrift lesen zu können. Aus seiner Jackentasche kramt er zwei Steine hervor, einen für sich und einen für seine Frau Michelle, mit der er aus Melbourne angereist ist, um auf den Spuren seiner Vorfahren zu wandeln. Behutsam legt er beide auf den Grabstein. 'Sie zeigen: Du bist nicht vergessen', erzählt der 69-Jährige. Die Tränen kann er nicht mehr zurückhalten. Er weint nicht nur um seinen Großvater, sondern um viele andere Verwandte, die zwischen 1939 und 1945 unter dem nationalsozialistischen Regime ihr Leben lassen mussten.
Emotionale Momente am Grab.
Fast schon entschuldigend erklärt er, sein Vater sei ebenfalls sehr emotional gewesen, daher käme das. Die väterliche Linie von Jeff hat seinen Ursprung in Berlin. Dort verbrachte er gerade eine Woche. Drei Tage hat er nun für Schweinfurt eingeplant, wo seine Mutter und ihre Großfamilie herkamen. 'Sie war eher der stoische, gefasste Typ.'
Anna Amalia Meyer wurde 1911 in Schweinfurt geboren und gehörte zum damals für seine Weine bekannten Haus Mohrenwitz. Sie ist die Schwester von Dr. Justin Mohrenwitz, der zuletzt die Geschäfte der Weinhandlung führte. Beiden gelang die Flucht. Seine Großmutter Bettina hingegen wird ins von Deutschland besetzte Polen deportiert und erschossen. Auch die Schwester von Großvater Isidor überlebt nicht. Sie kam 1942 nach Theresienstadt.
Ein gute Leben – Bis die Nazis kamen.
Seine Mutter erzählte Jeff, sie hätten ein gutes Leben gehabt, bevor die Nazis kamen. Die Weinhandlung am Kornmarkt 5 lief gut. Gegründet 1828 in Sommerach hatte sie sich über die Jahre zur größten Wein- und Spirituosenhandlung in Ostunterfranken entwickelt. 1866 siedelte die Familie nach Schweinfurt über. Das Gebäude am Kornmarkt 5 wurde von der Familie Mohrenwitz gekauft. Auch einen eigenen Weinberg hatten sie. Im Ladengeschäft konnten Kunden die erlesensten Weine und Sekte aus ganz Deutschland erwerben. Ein Schriftstück aus den 30er-Jahren belegt, dass Mohrenwitz ein 'Königlich Bayerischer Hoflieferant war'.
Ein krummer Leuchter erinnert an wechselvolle Geschichte
. Auch von der Reichspogromnacht, verharmlost oft auch Kristallnacht genannt, im Jahr 1938 hatte Jeffs Mutter Anna erzählt. Neben vielen anderen Gegenständen wurde ein Kerzenleuchter beschädigt. Zusammen mit verschiedenen anderen Tellern, Gabeln, Messern und Löffeln, nahm Anna den krummen Leuchter mit, als sie Deutschland verließ. Wie um an die wechselvolle Geschichte zu erinnern, fand er bei Familienfesten auch in Australien immer einen Platz an der Tafel. Selbst als das Haus einmal in Flammen stand, rettete Anna als erstes zwei Dinge. Denn alten Leuchter und ihr Baby Jeff. Heute noch befindet er sich im Familienbesitz. Bei besonderen Anlässen benutzt ihn Jeff zusammen mit dem alten Schweinfurter Geschirr.
Im Keller ist immer noch Wein.
Neben dem Besuch des jüdischen Friedhofs waren Jeff und Michelle Meyer auch am Kornmarkt. Von außen erinnert nichts mehr an die einst so erfolgreiche Weinhandlung. Das Haus wurde zerbombt. Eine Schneiderei und Wohneinheiten sind heute im neu errichteten Gebäude zu finden. Einzig im Keller, der nicht zerstört wurde, gibt es noch heute einige edle Tropfen. Die Weinhandlung Dahms nutzt ihn mittlerweile als Lager. Jeff selbst ist kein Weintrinker. Seine Frau Michelle grinst schelmisch und gibt zu, dass sie schon gerne mal einen Frankenwein probieren möchte. 'Vielleicht heute Abend?' Anna Amalia Meyer stirbt 2000. Jeff berichtet, dass sie auf dem Sterbebett mehrfach angab, nach Hause zu wollen. 'Wohin nach Hause?', fragte Jeff seine Mutter. Ihre Antwort: 'An den Kornmarkt 5.' Wieder kann er seine Tränen nicht zurückhalten. Man merkt ihm an, dass er sehr interessiert an der Geschichte seiner Familie ist, ihn der Besuch in Schweinfurt aber gleichzeitig aufwühlt. Wut, Bestürzung und Unverständnis herrschen vor. 'Ich bin froh, wenn ich hier fertig bin', stellt er fest. Damit meint er Deutschland. Morgen schon setzen er und seine Frau ihre Reise fort. Es geht in die Schweiz und Frankreich. 'Damit beginnt dann unser echter Urlaub.' Es war Jeffs zweiter Besuch in Schweinfurt. Einen dritten werde es wahrscheinlich nicht geben.". 
Link zum Artikel  

    

   

Links und Literatur

Links:  

bulletWebsite der Gemeinde Sommerach 

Literatur:  

bulletNaphtalie Bamberger: Geschichte der Juden von Kitzingen. 1908. Reprint 1983.
bulletIsrael Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 114; 1992² S. 122-123. 
bulletDirk Rosenstock: Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13. Würzburg 2008. S. 236-237. 

   
     

                   
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Stand: 17. Dezember 2025