Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Steppach (Stadt Neusäss, Stadt Augsburg)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde      
    
In dem bis Anfang des 19. Jahrhunderts zur vorderösterreichischen Markgrafschaft Burgau gehörenden Steppach bestand eine jüdische Gemeinde bis 1873. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./18. Jahrhunderts zurück. Erstmals sind Juden am Ort 1571 urkundlich bezeugt. Ein Zusammenhang mit der Vertreibung der Juden aus Augsburg (bereits 1440) lässt sich jedoch nicht herstellen. Möglich ist eher ein Zusammenhang mit der Vertreibung der Juden aus dem Herzogtum Bayern (1553) oder anderen Territorien.   

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1809/10 169 jüdische Einwohner, 1811/12 181, 1832 270, 1871 40.     
 
Um 1840 gehörten die folgenden Häuser am Ort jüdischen Familien (ein größerer Teil waren "Kommunhäuser": die zwischen mehreren Familien aufgeteilt waren): Alte Reichsstraße 12 und 18 (Heinrich Oppenheimer und Isak Veitz), 14 (je 1/4 Johanna Levis, Rebekka Schimmel, Zacharias Levi und Judita Löwschütz), 16 (Süßmann Silbermann), zwischen 14 und 16a (je 1/4 Moises Lämmle, Klara Bünger, ab 1846 Israel Neuburger, je 1/8 Samuel Gerstle, Samuel Mayer, Abraham Kahn, Gabriel Löwschütz), 23 (Lämle Löwenstein), 28 (2/3 Samuel Epstein, 1/3 Vögl'sche Relikten), 31 (je 1/3 Barbara Löffel, Heinrich Gerstle, Theresia Veit), 33 (1/2 Joseph Hirschbaum, 1/2 Moses Hirschbaum, 1/4 Hirsch Kohn'sche Relikten), 51 (1/2 Isak Oppenheimer, 1/2 Raphael Maiersohn), Kreppenweg 3 (je 1/2 Heinrich Springer und Joseph Springer), 4 und 4a (2/5 Maria Anna Landauer, Witwe von Salomon Landauer, je 1/5 Bernhard Weis, Alexander Bollack, David Bollack), Am Dreieck 2 (je 1/4 Raphael Veit, Barbara Goetzl, Mendele Simon, Mayer Michael Levi), Ulmer Straße 13 (Marx Meyer, Lederhändler), 11 (Isak Löwenstein), 16 (Isak Kahn), 18 (Moses Einstein, Lederhändler), 19 (Simon Dörle), 21 (Isak Löw Schwarz, Eisenhändler), 22 (Ascher Hirsch, Seifensieder), 26 (Abraham Kahn),     

An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Schule und ein rituelles Bad (seit 1607 genannt). In der gemeinsamen christlich-israelitischen Elementarschule wurden 1838 46 katholische und 37 jüdische Kinder unterrichtet. Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Kriegshaber beigesetzt (erste Namen von Beisetzungen aus Steppach finden sich in einer Liste der Jahre 1646 bis 1678). Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. 
  
Durch die schnelle Abwanderung - insbesondere nach Augsburg - löste sich die Gemeinde bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf. Diese Abwanderung nach Augsburg hatte bereits um 1810 begonnen. Unter den ersten 13 Matrikelstelleninhaber Augsburgs im November 1814 war Simon Levi, Garkoch aus Steppach (späterer Name: Simon Levi Löwenthal). 20 Jahre später war einer der ersten beim Aufbau der Textilindustrie in Augsburg Tuchmachermeister Samuel Kohn aus Steppach, der in Augsburg am Schwalbeneck Lit. C 37 einen Betrieb aufgebaut hat. Auch in andere Städte sind die Steppacher Juden verzogen (s.u. Albrecht Gerstle nach Memmingen, wo er als erfolgreicher Bankier wirkt, siehe Bericht unten).    
 
1910 wurde kein jüdischer Einwohner mehr in Steppach gezählt.   

Von den in Steppach geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Pauline Bollack (1863), Sara Erlanger geb. Gerstle (1860), Laura Frank geb. Lemle (1862), Minna Grünhut geb. Veith (1859), Klara Wormser geb. Rothschild (1860).    
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
     
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  
Zur Gewalttat gegen einem jüdischen Handelsmann aus Steppach (1870)
   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Februar 1870: "Augsburg, im Januar (1870). Vorige Woche nachmittags 4 Uhr ging der israelitische Handelsmann G. von Kriegshaber nach Steppach nach Hause, als er plötzlich von einem vorüberfahrenden Bauern derart mit der Peitsche geschlagen wurde, dass ihm das Blut übers Gesicht strömte und der Getroffene in Gefahr war, ein Auge zu verlieren. Der Täter begleitete seine Heldentat mit den Worten: 'Du S...-Jud' und fuhr davon. Charakteristisch ist es, dass derselbe Bauer einen, um dieselbe Zeit vorübergehenden christlichen Schuhmacher ebenso misshandelte, weil er glaubte, auch dieser sei ein Jude. - Für die Wahrheit dieser Tatsache wird garantiert. Man sieht übrigens daraus, dass die Volksboten-Lektüre überall Früchte trägt, und wahrlich, sie können zufrieden sein, Volksboten-Zander und Vaterland-Sigl mit diesen Früchten, die aus der blutigen Saat des Religionshasses hervorgehen. Wann wird man dem Treiben dieser Schandblätter ein Ende machen?!"    

   
   
Über Albrecht Gerstle, Bankier in Memmingen (1842-1921)    

Albrecht Gerstle ist am 30. Januar 1842 in Steppach als Sohn der Steppacher, später Augsburger Eheleute Samuel Gerstle und Therese geb. Ullmann geboren. 1871 errichtete er gemeinsam mit Heinrich Mayer in Memmingen (Roßmarkt 1) ein Bank- und Wechselgeschäft, das nach dem Tod Mayers 1888 durch Albrecht und seinen älteren Bruder Heinrich Gerstle weitergeführt wurde. Das Bankgeschäft wurde in der Folgezeit mit großem Erfolg betrieben. 1905/06 wurde das Bankhaus Mayer & Gerstle der neuen Filiale der Bayerischen Handelsbank einverleibt. Mitglied im Direktorium war seitdem Albrechts Sohn Karl Gerstle. 
Albrecht Gerstle war von 1877 - mit einer Unterbrechung zwischen 1884 und 1889 - bis zum 1. Weltkrieg erster Vorsteher der Israelitischen Kultusgemeinde Memmingen. Als erster Jude zog Albrecht Gerstle am 2. April 1891 auch ins das Kollegium der Gemeindebevollmächtigten der Stadt ein.   
Ausführlicher auf einer Seite des Stadtarchivs Memmingen: Albrecht Gerstle - Lebenslinien eines Juden 1842-1921 (Sonderausstellung, Juli 1997)  

  
  
  
Zur Geschichte der Synagoge             
   
Eine Synagoge wurde um 1700 erbaut und 1753 erweitert. 
  
Als sich die Gemeinde Steppach 1873 an die Kultusgemeinde Augsburg anschloss beziehungsweise angegliedert wurde, ist die Synagoge nicht mehr genutzt und im Laufe der Jahre verkauft worden. Das Gebäude wurde vermutlich noch Ende des 19. Jahrhunderts abgebrochen.   
  
  
Adresse/Standort der Synagoge:    zwischen Alte Reichsstraße Nr. 14 und 16 (Gartengrundstück)   
  
   
Fotos    

Fotos / Abbildungen zur jüdischen Geschichte liegen noch nicht vor.

    
     

Links und Literatur

Links:  

Website der Stadt Neusäss  
Aufsatz "Juden in Augsburg" von Hans K. Hirsch im "Augsburg Stadtlexikon" (Artikel online)    

Literatur:  

Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 264-265. 1992² S. 278.   
Reinhard Hermann Seitz: Die einstige jüdische Religionsgemeinde zu Steppach. In: Steppach bei Augsburg. Beiträge zur Ortsgeschichte. Steppach 1978 S. 107-112.  
Gerhard Hetzer: Anmerkungen zur Geschichte der Judensiedlungen in Steppach und Schlipsheim. In: Neusäß. Die Geschichte von acht Dörfern auf dem langen Weg zu einer Stadt. Hg. von Manfred Nozwar, Walter Pötzl. Neusäß 1988 S. 239-260.  
Doris Pfister (Bearb.): Dokumentation zur Geschichte und Kultur der Juden in Schwaben. II. Hausbesitz um 1835/40. Hrsg. von Peter Fassl. Bezirk Schwaben. Augsburg 1993. S. 181-184.   

   
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Stand: 20. Juli 2014