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Sulzbürg (Gemeinde
Mühlhausen, Kreis Neumarkt in der Oberpfalz)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Siehe auch eine weitere Seite mit
Texten zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Sulzbürg
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Sulzbürg bestand eine jüdische Gemeinde bis 1940.
Die Entstehung der jüdischen Gemeinde geht möglicherweise in das Mittelalter
zurück. Ob es allerdings bereits im 14. Jahrhundert Juden in Sulzbürg
gab, ist nicht zu belegen: zur aktuellen Diskussion siehe den Beitrag
von Kurt Wappler: Geschichte der Sulzbürger Juden (online
zugänglich).
Nach älteren Darstellungen handelte es sich bei den ersten Juden, die sich in Sulzbürg niederließen, um Überlebende der
Massaker bei der "Rintfleisch-Verfolgung" 1298. Hingewiesen
wurde auch auf eine Urkunde von 1331, wonach Ludwig
der Bayer seinem Landvogt Heinrich von Dürrwangen gestattete, in Sulzbürg oder
Dürrwangen zehn Juden anzusiedeln und von ihnen Steuern einzunehmen. Eine
Urkunde aus dem Jahr 1371 (wiedergegeben in der 'Historia Genealogica
Dominorum et Comitum de Wolfstein. von David Koeler. Frankfurt 1726) wurde
gleichfalls auf Juden in Sulzbürg gedeutet, doch ist in ihr nur von Juden aus Neumarkt
die Rede.
Erste Quellen, die auf die Anwesenheit von Juden in Sulzbürg schließen
lassen, liegen aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts vor (Visitations-Bericht
des Kanonikus Johannes Vogt von 1480). Zuwachs
erhielten die Sulzbürger Juden nach der Vertreibung der Juden aus Neumarkt
1555.
Genauere Zahlen über die jüdischen Familien/Einwohner am Ort gibt es seit dem 17. Jahrhundert vor: 1629 waren es acht Familien, nach
dem Dreißigjährigen Krieg 1650 nur noch drei Familien, 1687 wieder
acht. Im 18. Jahrhundert nahm die Zahl zu von 1705 zwölf Familien auf 30 (1755)
und 37 (1799).
Seitdem 1740 die Reichsherrschaft der Wolfsteiner an Kurbayern fiel, war Sulzbürg
eine der wenigen in Kurbayern bestehenden jüdischen Gemeinden.
Anfang des 19. Jahrhunderts zählte ein Drittel der
Ortsbevölkerung zur jüdischen Gemeinde: 1809/10 190 jüdische
Gemeindeglieder (32.4 % von insgesamt 587 Personen). Seit der Mitte des 19.
Jahrhunderts begann die Aus- und Abwanderung der jüdischen Familien in die
Städte oder nach Übersee: 1867 180 jüdische Einwohner (23,7 % der
Gesamtbevölkerung), 1880 171 (22,7 % von 754), 1890 133 (17,9 % von 743), 1900
114 (16,9 % von 673), 1910 76 (12,0 % von 633).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde insbesondere eine Synagoge
(s.u.), eine jüdische Schule (in den 1840er-Jahren zunächst noch jüdische
Privatschule/Cheder, dann jüdische Elementar- und Religionsschule), ein
rituelles Bad (eine ältere Mikwe war im Erdgeschoss des Hauses Hinterer Berg 3;
im 19. Jahrhundert war sie auf einem Grundstück gegenüber den Häusern
Schwabengasse 8 und 4) und einen Friedhof. Zur
Besorgung der religiösen Aufgaben der Gemeinde waren in der Mitte und in der
zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zeitweise bis zu drei Personen angestellt:
neben dem Rabbiner (s.u.) ein Lehrer und Vorbeter sowie ein Schochet, der
zugleich als Synagogendiener tätig war (siehe Ausschreibungen und einzelne
Berichte auf der Seite mit den Texten zur
jüdischen Geschichte Sulzbürgs).
Die Gemeinde war bereits seit der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts Sitz einer
Rabbinates (seit dem 19. Jahrhundert Distriktrabbinat). 1847 wird als der
"alte Rabbiner" ein Rabbiner Weil genannt. Sein Nachfolger war Rabbiner Dr. Mayer
Löwenmayer, der 57 Jahre lang
in Sulzbürg als Rabbiner wirkte. Er starb im Februar 1895. Unter seinem Nachfolger
Rabbiner Dr. Magnus
Weinberg wurde der Sitz des Rabbinates Sulzbürg 1911 nach Neumarkt
verlegt (weiter unter dem Namen Distriktsrabbinat Sulzbürg) und 1931 mit Regensburg vereinigt (Rabbinatsbezirk
Regensburg-Neumarkt).
Die jüdischen Familien lebten überwiegend vom Handel,
insbesondere Klein- und Viehhandel, aber auch Getreide- und Immobilienhandel.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Benno Freising
(geb. 21.4.1893 in Freystadt, gest. an den Kriegsfolgen 27.6.1916), Siegfried
(Fritz) Freising (geb. 24.11.1891 in Freystadt, gef. 10.10.1914) und Heinrich
Wolf (geb. 14.2.1882 in Sulzbürg, gef. 1.10.1915). Ihre Namen stehen auf dem
Kriegerdenkmal für die Gefallenen beider Weltkriege aus Sulzbürg auf dem
Badberg oberhalb des Dorfes. Außerdem sind gefallen: Simon Beer (geb.
17.10.1897 in Sulzbürg, vor 1914 in Fürth wohnhaft, gef. 31.3.1918). Leopold
Landecker (geb. 20.12.1874 in Sulzbürg, vor 1914 in Neumarkt wohnhaft, gef.
11.12.1916).
Um 1925, als noch etwa 50 Personen der jüdischen Gemeinde angehörten
(7,1 % von insgesamt etwa 700 Einwohnern), waren die Vorsteher der
Gemeinde Leopold Rosenwald, Seligmann Haas, Max Rosenbaum, Emanuel Regensburger,
Isak Neustädter und Ascher Neustädter. Als Lehrer, Kantor und Schochet war
damals Max Rosenbaum tätig. Er erteilte damals noch drei jüdischen Kindern den
Religionsunterricht. An jüdischen Vereinen bestand der Wohltätigkeitsverein
Chewra Gemillus Chessed, der Israelitische Frauenverein, ein Jugendverein und für
bedürftige Gemeindeglieder der "Holzfond". In Sulzbürg errichtete
die "Esragruppe" in den 1920er-Jahren ein Landheim mit 32 Plätzen
(Gebäude Vorderer Berg 6, vgl. Texte). 1932 war Gemeindevorsteher Wolf Grünebaum,
Schriftführer und Schatzmeister Emanuel Regensburger. Dazu gab es die
Gemeinderepräsentanz unter Vorsitz von Wolf Grünebaum.
1933 lebten 16 jüdische Personen in Sulzbürg. Wenige von ihnen verzogen
in den folgenden Jahren von Sulzbürg, davon fünf nach den Ereignissen in der
Pogromnacht 1938. Nach den Deportationen 1942 nach Piaski (bei
Lublin/Polen) am 2. April 1942 (7 Personen) und der nach Theresienstadt am 23.
September 1942 (drei Personen) gab es keine jüdischen Einwohner mehr in Sulzbürg
(vermutlich außer einer in "Mischehe" lebenden jüdischen Person).
Von den in Sulzbürg geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen
Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem): Fanny Aron geb. Regensburger (1899), Sofie Buckmann geb.
Neustädter (1887), Emilie Dachauer geb. Feuchtwanger (1881), Max Feuchtwanger
(1880), Sigmund Feuchtwanger (1878), Karl Freising (1886), Thekla Freising
(1900), Berta Fröhlich geb. Neuhaus (1873), Martha Grimm geb.
Regensburger (1903), Heinrich Grünebaum (1883), Wolf Grünebaum (1877), Albert Haas
(1893), Semi Haas
(1889), Rosel Holstein geb. Weinberg (1899), Babette Kahn geb. Neustädter
(1889), Lina Lehmann geb. Feuchtwanger (1876), Siegfried Metzger (1893), Edith
Michel geb. Rosenwald (1910), Gustav
(Mordechai) Neustädter (1892), Jakob Neustädter (1883), Josef Neustädter (1885),
Joseph Neustädter (1896), Julius Neustädter (1879), Martha Neustädter geb.
Löwenberger (1888), Siegfried Neustädter (1885), Emanuel Regensburger (1853), Johanna
Rosenberg geb. Grünebaum (1878), Cäcilie (Cesi) Rosenwald (1911), David
Rosenwald (1879), Leopold Rosenwald (1882), Martha Schloss geb. Oppenheimer (1894), Jeanette Schwarzschild
geb. Regensburger (1872), Jakob Sondhelm (1898), Sidonie Sondhelm geb.
Regensburger (1874), Rosa Uhlfelder geb. Haas (1891), Julie Wachenheimer geb. Regensburger
(1878), Leopold Friedrich Weil (1888), Paula Weil (1873), Rebekka Weil geb.
Eismann (1859), Dr. Joseph Weinberg (1909),
Rabbiner Max Weinberg (1867).
Zur Geschichte der Synagoge
Das Vorhandensein einer Synagoge in
Sulzbürg bereits im Jahr 1371 hat sich als Lesefehler eines 1726 verfassten
Textes von David Koeler (s.o.) herausgestellt.
Bis zum 18. Jahrhundert gibt es
über Beträume / Synagogen nur wenige Informationen. In der zweiten Hälfte des
17. Jahrhunderts soll
jedoch eine Synagoge (oder zumindest ein Betraum) am Ort vorhanden gewesen sein. Nach einer
Überlieferung wurde sie 1677 erbaut beziehungsweise. Die Zeichnung des Hochzeitssteines
mit dieser Jahreszahl ist noch bekannt. Eine andere Quelle nennt das Jahr 1706
für einen Synagogenbau. Hierbei handelte es sich um einen Anbau an eines der
Judenhäuser, das 1942 abgebrochen wurde oder um ein Bethaus auf demselben
Grundstück wie die spätere Synagoge von 1799.
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Links: Jüdisches Wohnhaus
(1942 abgebrochen) mit rechts angebautem Betsaal (Quelle) |
Die
Synagoge, deren Gebäude bis zur Gegenwart steht, wurde 1799 gebaut. 1849
wurde sie renoviert. Über besondere Ereignisse in der Synagogengeschichte
liegen einzelne Berichte aus jüdischen Periodika vor:
Spende eines Toraschreinvorhanges (Parochet) für
die Synagoge (1903)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Februar 1903:
"Sulzbürg, Oberpfalz. Ein Werk schönster, gemeinnützigster
Denkungsart bekundete Herr Isak Burger, Kultusvorstand dahier und dessen
Gemahlin, indem dieselben anlässlich der am Schabbat Kodesch Paraschat
Schekalim (Heiliger Schabbat mit der Toralesung Schekalim)
stattfindenden Bar Mizwa ihres Sohnes für die hiesige Synagoge ein
prachtvolles Parochet (Toraschreinvorhang) stifteten, dessen
Stickerei als ein Kunstwerk bezeichnet werden muss, und gereicht diese
kostbare Spende sowohl den Spendern wie den Empfängern zu
großer Ehre, so dass beide Teile anlässlich der bevorstehenden
Feier in den Jubelruf einstimmen können: 'Dies ist der Tag, den der
HERR gemacht hat, lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein." |
Prinzregentenfeier in der Synagoge (1908)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. März 1908: "Sulzbürg,
Oberpfalz, 12. März (1908). Die Prinzregentenfeier wurde heute in der
hiesigen Synagog3e unter Beteiligung des hiesigen Krieger- und
Veteranenvereins und eines großen Teiles der christlichen Bevölkerung in
wahrhaft erhebender Weise abgehalten. Herr Rabbiner Dr. Weinberg hielt
eine schöne, der Weihe des Tages entsprechende Rede und der Chor
funktionierte ausgezeichnet. Die ganze patriotische Veranstaltung
hinterließ bei allen Teilnehmern den besten
Eindruck." |
Einführung des Gemeindegesanges beim Gottesdienst (1909)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. August 1909:
"Sulzbürg, 26. Juli (1909). Mit dem verflossenen Pessachfeste haben
wir in hiesiger Gemeinde mit der Einführung des Gemeindegesanges beim
Gottesdienste unter strengster Wahrung der dem Religionsgesetze und der
Überlieferung entsprechenden Form begonnen. Diese Neueinrichtung
verdanken wir unserem Kantor, Herrn Harris Cohen, der sich mit
unermüdlichem Eifer der Mühe unterzog, die Gesänge mit einigen jungen
Leuten einzuüben." |
1924 konnte das 125jährige Bestehen des
Gotteshauses gefeiert werden.
1925/26 wurde die Synagoge erneut unter großem Aufwand renoviert.
Synagogenrenovierung und Wiedereinweihung
der Synagoge (1926)
Artikel
in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 7. Oktober 1926: "Sulzbürg,
der idyllisch gelegene Marktflecken in der Oberpfalz, hatte früher eine
ansehnliche jüdische Gemeinde, die aber jetzt auf wenige Mitglieder zurückgegangen
ist. Dieselben betrachten es aber als Ehrenpflicht, ihre altehrwürdige Synagoge
in gutem Zustand zu erhalten. Vor zwei Jahren konnte die Gemeinde das 125jährige
Bestehen des Gotteshauses feiern. Im vergangenen Jahr wurde dasselbe mit
elektrischem Licht ausgestattet und jetzt, Dank der Bemühungen des rührigen
Vorstandes, Herrn Rosenwald, vollständig renoviert. Die Gemeinde ließ es sich
nicht nehmen, den ersten Gottesdienst in den verschönerten Räumen feierlich zu
begehen und hierzu auch Gäste aus der Umgegend sowie den Israelitischen
Gemeindeverband einzuladen, welcher die Sache finanziell gefördert hat. Herr
Distriktsrabbiner Dr. Weinberg übernahm die Festpredigt und würdigte rühmend
den echt jüdischen Geist, welcher in dieser kleinen Gemeinde herrsche. Der
Verband ließ seine Wünsche durch Herrn Dreichlinger (Neumarkt) überbringen. Für
die Gemeinde Sulzbürg war der Tag ein wichtiger Festtag und auch mit Recht. Die
altehrwürdige Stätte wurde zu einem wahren Schmuckkästchen ausgestaltet, und
besonders wurde darauf gesehen, dass bei der Bemalung und Ausschmückung die
ursprüngliche Art wieder beibehalten worden ist. Der Aufenthalt stimmt zur
Andacht, aber auch zum Nachdenken. Welch heilige Begeisterung für unser
Judentum und welche Opferfreude muss unsere Voreltern beherrscht haben, wenn
kleinere Gemeinden solch schöne Gotteshäuser errichten könnten. Möge dies
unserer jetzigen Generation und unserem Nachwuchs ein Vorbild sein.
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1928 verfasste Rabbiner Dr. Magnus
Weinberg einen Artikel über die wichtigsten Einrichtungen der jüdischen
Gemeinde, hieraus der Abschnitt zur Synagoge:
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Betrachtungen von Rabbiner Dr.
Magnus
Weinberg (1867 - 1943 KZ Theresienstadt, Foto links, Quelle), Neumarkt (Oberpfalz) zu:
Synagoge (und Friedhof) der Gemeinde Sulzbürg
(Artikel in: "Bayerische Israelitische Gemeindezeitung" von 1. April 1928.
S. 86-88):
In meiner soeben erschienenen
‚Geschichte der Juden in der Oberpfalz’, Bd. IV, habe ich versucht, die
Geschichte der alten ruhmreichen Gemeinde Sulzbürg zu verfolgen. Dabei war mir
leider aus ökonomischen Rücksichten versagt, einen besonderen Wunsch zur Ausführung
zu bringen, nämlich den, manche Darstellungen aus der Gemeinde durch Beigabe
von Illustrationen anschaulicher zu machen. Einige der vorgesehenen Bilder
erscheinen für weitere Kreise so instruktiv, dass ich sie auf diesem Wege veröffentliche.
Sie wurden mir durch den Senior der Gemeinde, Herrn Moritz Wertheimer, der dreißig
Jahre lang die Stelle des Gemeindedieners versah und mit der Gemeindegeschichte
eng verwachsen ist, vermittelt.
Sulzbürg gehört leider zu den dahinschwindenden Gemeinden (wie es deren so
viele in Bayern gibt), in denen die Führer und Einzelmitglieder stets eine
heilige Aufgabe darin erblickten, die öffentlichen Gemeindeeinrichtungen in
einer Vollendung herzustellen, die heute noch für manche Großgemeinde
vorbildlich sein könnte. Für unsere alten Glaubensgenossen in den kleinen Städtchen
und Dörfern gab es bei all ihrer geistigen Regsamkeit keine andere Möglichkeit,
sich öffentlich zu betätigen, als in ihrem engen Gemeindeleben. Im Kommune und
Staat waren sie nur passive, geduldete Mitglieder; um so mehr und umfassender
kam ihr Tatendrang im Kehilloleben zur Geltung. Man muss heute beim tieferen
Eindringen in die alten Gemeindeeinrichtungen und Gemeindebräuche oft staunen
über das tief jüdische Verständnis, über den geradezu überraschenden natürlichen
Kunstgeschmack, der noch nicht, wie heute oft, zur Schablone geworden und über
den praktischen Sinn, der sich da oft offenbart. Und war da alles in den Bereich
der öffentlichen Gemeindepflichten einbezogen wurde! In Sulzbürg zum Beispiel
stehen zwei Gemeindesessel bereit, die bestimmt sind, bei vorkommenden
Beschneidungen in das Haus gebracht zu werden, wo die Beschneidung vollzogen
wird, ebenso der Gebärstuhl, der in vorkommenden Fällen in das Haus der
Wehmutter überführt wurde und noch bis vor nicht allzu langer Zeit in Gebrauch
war, - der silberne Gemeindekamm, mit welchem die Braut von den Frauen gekämmt
wurde, bevor sie kurz vor der Hochzeit ‚unter die Haube’ kam usw., alles
Dinge, die heute längst aus dem Aufgabenkreis der Gemeinden geschwunden sind.
In alten, jetzt leer stehenden Synagogen einst berühmter Gemeinden finden wir
eine bis in das kleinste gehende Durcharbeitung für die religiöse Praxis, die
wir in unseren heutigen, vielfach nur für pompösen Eindruck hergerichteten,
vergeblich suchen. In diesen Einzelheiten gerade merkt man die Liebe, mit der
man an allem hing, was das religiöse Gemeinschaftsleben betraf. Ich möchte
hier auch an die leider noch so wenig bekannten, kulturhistorisch so überaus
bedeutsamen Memorbüchern erinnern, die als besonders heiliges Besitztum, immer
wieder durch neue Einträge bereichert, von einer Generation zur anderen überging
und die bedeutenden Persönlichkeiten der Gemeinde in der Erinnerung weiterleben
ließ. In dem individuellen Geschmack, mit dem man sie ausstattete, zeigt sich
die oft ergreifende Hingabe für höhere, über den Augenblick hinausgehende
Interessen und Ideen.
Die Synagoge von Sulzbürg verkörpert diese Schönheit und Zweckmäßigkeit
in sich in besonderem Maße, zumal jetzt, wo sie im vorigen Jahre mit tatkräftiger
Unterstützung des Gemeindeverbandes renoviert ist und sich in ursprünglicher
Schönheit uns präsentiert, wie sie sich im Bild 1 zeigt. Der Bau selbst ist
von ganz besonderer Eigenart. Er ist direkt in den Berg hineingetrieben. So
ergibt es sich, dass an der oberen und Hauptfront, wo der Eingang in die
Frauensynagoge sich zur ebenen Erde befindet, das Dach nur zwei bis drei Meter
über den Boden ragt, während der Weg zur Männersynagoge dort auf einer
massiven Außentreppe neben dem Haus bergab führt. Die Rückfront, die den
Haupteindruck vermittelt, hat dadurch die Höhe von etwa zehn bis zwölf Metern.
Wohlausgestattete Räume für die Wohnung des Kultusbeamten, die Schule und
Gemeindesitzungen sind eingebaut (Bild 2).
Die Betrachtung zum Friedhof von Sulzbürg siehe bei der Friedhofsseite.
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Beim Novemberpogrom
1938 wurden das gesamte Inventar der Synagoge und die Ritualien vernichtet.
Etwa 12 Torarollen wurden mit Beilen zerschlagen, das Synagogengebäude wurde
beschädigt. Die festgenommenen Männer, nur alte Männe, wurden von der Polizei
nach kurzer Zeit wieder nach Hause geschickt. Ein Gemeindemitglied, dem man
damit drohte, ihn mit einem Torawimpel um den Hals in der Synagoge aufzuhängen,
wurde brutal verprügelt, verhaftet und in das KZ Dachau
verschleppt.
Nach
1945 wurden in der ehemaligen Synagoge Wohnungen eingebaut. Das Gebäude ist bis
heute als Wohnhaus erhalten.
Adresse/Standort der Synagoge: Engelgasse 14 (Alte
Anschrift: Hauptstraße Haus Nr. 63).
Fotos
(Quelle: obere Reihe Fotos von Theodor Harburger; Quelle: Central Archives for the
History of the Jewish People, Jerusalem; veröffentlicht in Th.
Harburger: "Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern.
1998 S. 719-720; Zweite Fotozeile: aus der Bayerischen Israelitischen
Gemeindezeitung vom 1. April 1928; Farbfotos: Hahn, Aufnahmedatum 23.6.2006).
| Ritualien (Kultgegenstände) aus der
Synagoge in Sulzbürg (1929) |
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Memorbuch der
Gemeinde
Sulzbürg |
Tora-Schild (Tass) zum
Schmuck
der Torarolle |
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| Die Synagoge 1928 |
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Außenaufnahme der Synagoge |
Innenaufnahme der Synagoge |
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Die ehemalige Synagoge 2006 |
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Blick auf die ehemalige
Synagoge
von der Engelgasse |
Blick auf das Gebäude
von
Osten |
Blick auf das Gebäude
von
Westen |
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| Jüdische Wohnhäuser |
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| In Sulzbürg -
früherer jüdischer Ortsteil: ehemalige jüdische Wohnhäuser |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Magnus Weinberg: Geschichte der Juden in der
Oberpfalz. 4. Sulzbürg. 5. Herzogtum Sulzbach [Sulzbach u. Floss]. München
1922. |
 | Germania Judaica II,2 S. 813; III,2 S. 1445. |
 | Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die
jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979
S. 95-96. |
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 286-288. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany -
Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 163-166. |
 | Kurt Wappler: Geschichte der Sulzbürger Juden. Pdf-Datei. |
 | "Mehr als
Steine...." Synagogen-Gedenkband Bayern. Band I:
Oberfranken - Oberpfalz - Niederbayern - Oberbayern - Schwaben.
Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager. Hg.
von Wolfgang Kraus, Berndt Hamm und Meier Schwarz.
Reihe: Gedenkbuch der Synagogen in Deutschen. Begründet und
herausgegeben von Meier Schwarz. Synagogue Memorial Jerusalem. Bd. 3:
Bayern. Kunstverlag Josef Fink Lindenberg im
Allgäu.
ISBN 978-3-98870-411-3.
Abschnitt zu Sulzbürg S. 300-308 (die Forschungsergebnisse
konnten auf dieser Seite von "Alemannia Judaica" noch
nicht eingearbeitet werden).
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Sulzbuerg Upper Palatinate. The
first settlers were refugees from the Rindfleisch massacres of 1298 (from
Neumarkt, Berching and Freystadt). They engaged in moneylending and the cattle
trade under the tolerant rule of the ducal house of Wolfstein (until annexation
to Bavaria in 1740). The community was virtually destroyed in the Thirty Years
War (1618-1648) and numbered 12 families in 1705. In 1756 legal residence was
limited to 30 families. In the second half of the 18th century, the Jews
suffered from numerous economic restrictions, forcing them to engage mainly in
petty trade and the cattle businesses. A new synagogue was dedicated in 1799 and
a Jewish public school was opened in 1835. In 1867 the Jewish population was 180
(total 759) and thereafter declined steadily to 16 in 1933. Five emigrated by Kristallnacht
(9-10 November 1938), when the synagogue was vandalized. Seven were expelled to
Piaski in the Lublin district (Poland) on 2 April 1942 and three to the
Theresienstadt ghetto on 23 September 1942.

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