Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Weener mit Stapelmoor (Kreis Leer, Ostfriesland)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen       
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte    
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)    
   
In Weener (Stadtrechte seit 1929) bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/41. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. Im Generalleitbrief des Grafen Ulrich II. von 1645 wird auch Arend Michaels aus Weener genannt. 
  
1749 gab es fünf jüdische Familien/Haushaltungen in der Stadt. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ging ihre Zahl offenbar zunächst wieder zurück.   
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1804 elf jüdische Einwohner, danach offenbar starke Zuwanderung von Familien, 1861 138 jüdische Einwohner (von 3.347 Einwohnern), 1864 167 (von 3.383), 1871 205 (6,4 % von 3.209), 1885 231 (6,2 % von 3.724), 1895 192 (von 3.626), 1905 175 (von 3.872). Die jüdischen Familien lebten vor allem vom Viehhandel, teilweise auch vom Verkauf von  Fleischprodukten. Außerdem gab es Pferdehändler, Textilhändler, seit Mitte des 19. Jahrhunderts auch Handwerker (Bäcker, Uhrmacher). 
  
Zur jüdischen Gemeinde Weener gehörten auch die in der unmittelbaren Umgebung von Weeners lebenden jüdischen Personen, insbesondere in Stapelmoor, wo erstmals 1671 Gerson Arends genannt und 1895 14 jüdische Einwohner gezählt wurden, 1905 20, 1924 4. 

An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (seit 1853 Israelitische Elementarschule), ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Elementarlehrer für die Schule angestellt sowie ein Schochet, der auch als Synagogendiener und Hilfsvorbeter tätig war (über die Stellenprofile vergleiche die Ausschreibungen unten zwischen 1855 und 1925). Zwischen 1853 und 1925 gab es sieben Lehrer an der israelitischen Elementarschule. Am längsten blieb Lehrer de Vries am Ort (Lehrer von 1858 bis 1899), 1897 hatte er 41 Schüler zu unterrichten. Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Emden.   
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Aron Gerson (geb. 10.11.1897 in Weener, gest. 28.11.1918 in Gefangenschaft) und Samoel Mindus (geb. 31.1.1888 in Ihrhove, gef. 21.3.1916). In der Synagoge wurde eine Gedenktafel für die beiden angebracht; ihre Namen stehen auch auf dem Gefallenendenkmal vor dem jetzigen Heimatmuseum.         
  
Um 1924, als zur Gemeinde noch etwa 162 Personen gehörten (ca. 4 % von insgesamt etwa 4.000 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Josef Arons und Moritz Arons. Der Repräsentanz gehörten an: Sally Meyer, Moses Heß, Jos. Pinto, Bernhard Weinberg und Moses Gerson. Als Lehrer, Kantor und Prediger der Gemeinde war Arnold Seliger tätig, als Kantor, Schochet und Synagogendiener Simon Cossen. An der israelitischen Volksschule wurden nur noch vier Kinder unterrichtet; 1925 wurde die Schule geschlossen. Acht Kinder der Gemeinde, die weiterführende Schulen besuchten, erhielten in der Volksschule ihren Religionsunterricht. An jüdischen Vereinen waren vor allem tätig: die Kranken- und Beerdingungsbrüderschaft (Chewra Kadischa, gegründet 1876; 1924 unter Leitung von A. de Vries und Jos. Pinto, 1932 unter Leitung von A. de Vries und Moritz Gerson, Bahnhofstr. 13 mit 26 Mitgliedern; Zwecke und Arbeitsgebiete: Krankenpflege und Bestattungswesen), der Israelitische Frauenverein (gegründet 1847/48, 1924 unter Leitung der Frau von Josef Arons und der Frau von A. de Jonge, 1932, 1932 unter Leitung der Frau von Josef Arons mit 42 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiete: Unterstützung hilfsbedürftiger Frauen und Mädchen), ein "Frauenverein zur Verschönerung der Synagoge" (seit 1901) sowie der Jüdische Jugendbund (1924 unter Leitung von Moritz de Vries). Dazu war eine Ortsgruppe des "Central-Vereins" am Ort.  
  
Auch in den 1920er-Jahren waren unter den jüdischen Gewerbetreibenden vor allem Viehhändler und Schlachter. Dazu kamen neue Geschäfte wie das Maschinen- und Fahrräder-Geschäft von Jacob de Jonge. Jüdische Einwohner waren auch im Vereinsleben in Weener engagiert: Walter Pinto spielte beim TuS Weener Fußball, Moritz und Hermann de Vries waren in der Feuerwehr aktiv.   
  
1932 waren die Gemeindevorsteher weiterhin Josef Arons (1. Vors.) und Moritz Arons (2. Vors. und Schatzmeister). Als Lehrer und Kantor war nun Sally Boley genannt, als Schochet und Kantor weiterhin Simon Cossen. Religionsunterricht erhielten im Schuljahr 1931/32 12 Kinder der Gemeinde.        

1933 wurden 131 jüdische Einwohner in Weener gezählt (von 4,290).
In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Hauptziele der Nationalsozialisten waren seit 1933 die jüdischen Schlachter und Schächter. Bereits am 28. März 1933 war eine Hausdurchsuchung bei Kantor und Schächter Simon Cossens vorgenommen wurden; dabei wurde sein Schächtmesser beschlagnahmt. In der Wohnung von Lehrer und Prediger Boley wurde ein Beschneidungsmesser beschlagnahmt. Beide Messer wurden öffentlich unter Leitung des SA-Sturmführers Marcus verbrannt. Noch 1933 kam es zu mehreren Verhaftungen jüdischer Gemeindemitglieder, darunter des Kaufmanns Jakob de Jonge, der in das KZ Börgermoor verbracht wurde und des Bäcker Ludwig Aron. Bis 1935 konnten die meisten jüdischen Gewerbebetriebe noch weiterbetrieben werden. Bis 1938 hatten mindestens 63 der jüdischen Einwohner Weener verlassen, zehn von ihnen sind nach Übersee emigriert. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge niedergebrannt (s.u.), die jüdischen Einwohner verhaftet, ihre Wohnungen verwüstet und die Wertsachen beschlagnahmt. Die Männer wurden in das Schlachthaus nach Leer verbracht, schwer misshandelt und danach in das KZ Sachsenhausen überführt. Mitte 1939 wohnten noch 42 jüdische Personen in der Stadt. Die meisten von ihnen wurden im Februar 1940 evakuiert. Im April 1940 gab es keine jüdischen Personen mehr in Weener. In Stapelmoor lebte bis zu ihrer Emigration nach Holland im April 1942 Rosa Lazarus.    
  
Von den in Weener geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Karl Arends (1896), Luise Arends (1905), Minna Arends (1868), Helene Arons (1891), Josef Arons (1861), Moritz Arons (1867), Julius Baruch (1885), Moses Salomon Lazarus Berliner (1882), Arondine Blättner (1876), Georgine Blättner geb. Goldschmidt (1871), Helene Cohen geb. Israel (1883), Rezia Cohen geb. Israels (1888), Henriette Cohn geb. Gerson (1880), Gertrud Cossen (1910), Max Cossen (1899), Riekchen Cossen (1901), Lehrer Simon Cossen (1861), Aron Goldsmidt (1886), Bendine Goldstein geb. Gerson (1887), Henni de Groot geb. Cossen (1903), Marianne Grünberg (1887), Wolff Joseph Grünberg (1888), Sophie de Haas geb. van der Zyl (1883), Veronika Hartogsohn geb. Berliner (1892), Frieda Hess (), Paula Hess (), Theodor Hess (1899), Arnold S. Israels (1894), Edith Israels geb. Arons (1901), Louis Meenhard Peter Israels (1928), Rosa Israels geb. Salomons (1860), Johanne (Johanna) Jacobs geb. de Jonge (1875), Rosa Jacobs geb. Löwenstein (1904), Albert de Jonge (1903), Alfred de Jonge (1901), Amalie de Jonge (1906), Arno de Jonge (1914), Benjamin de Jonge (1873), Curt de Jonge (1902), Elise de Jonge (1904), Elise de Jonge (1923), Eva de Jonge (1877), Friedrich Wilhelm de Jonge (1876), Gretchen de Jonge geb. Berliner (1893), Henry de Jonge (1910), Pauline de Jonge geb. Meyer (1977), Rebecke de Jonge geb. Pels (1880), Samuel de Jonge (1903), Sara de Jonge geb. Levis  (1881), Simon de Jonge (1874), Simon de Jonge (1897), Teda Katz geb. Arends (1897), Minna Koch geb. Baruch (1887), Auguste Kosses geb. van der Zijl (1903), Bertha Löwenstein geb. van der Walde (1870), Eva Löwenstein (1862), Johanna Löwenstein geb. Rosenberg (1899), Lazarus Hartog Löwenstein (1871), Levy Löwenstein (1868), Max Löwenstein (1899), Rieke Marcus geb. Lazarus (1891), Elsa Meijer (1899), Leopold Meijer (1893), Margot Meijer geb. Israels (1891), Bernhard Meyer (1886), Estella Meyer (1861), Samuel Meyer (1863), Elsa Michelsohn geb. Israels (1885), Eva Mosbach geb. Arends (1870), Edith Lore Luise Nathans geb. Israels (1925), Veronika Norden geb. Berliner (1884), Else Pinto geb. Herzberg (1882), Josef Pinto (1871), Walter Pinto (1910), Benjamin Karl Polak (1872), Carl Polak (1875), Ernst Polak (1876), Lea Popper (1908), Bertha Rosenbaum geb. van der Zyl (1870), Henriette Rosenbaum geb. van der Zyl (1880), Eva Rosenfeld geb. de Jonge (1877), Helene Rybier geb. de Jonge (1911), Augusta Schönthal geb. Windmüler (1904), Therese Schragenheim geb. Markreich (1883), Marianne Senf geb. de Jonge (1881), Eleonore Teichert geb. Salomons (1875), Margarete Trapowski geb. Israels (1863), Abraham de Vries (1866), Alida de Vries (1871), Frieda de Vries (1869), Helene de Vries geb. van der Zyl (1906), Henriette de Vries (1861), Hermann de Vries (1872), Hilde Vries (1876), Jakob de Vries (1876), Jürgen Adolf Vries (1930), Sophie Vries geb. Jakobs (1897), Wilhelm (Willi) Vries (1927), Annemarie Weinberg (1935), Baruch Weinberg (1881), Caroline (Karoline) Weinberg (1907), Flora Weinberg geb. Grünberg (1886), Rahel Weinberg geb. Grünberg (1875), Titia Werner geb. Cossen (1907), Friederike Windmüller (1900), Isidor Windmüller ((1874), Max Windmüller (1901), Martha Wolff geb. Löwenstein (1908), Paula Wolffs geb. Hess (1893), Amalie van der Zijl geb. Herz (1876), Philipp van der Zijl (1873), Lydia van der Zyl geb. Salomon (1909), Philipp van der Zyl (1937).  
  
Aus Stapelmoor sind umgekommen: Gerda Lazarus geb. Jacobs (1900), Simon Lazarus (1886), Rika Marcus Lazarus (1891).                   
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Elementarlehrers (1855 / 1858)   

Weener AZJ 01011855.jpg (46486 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Januar 1855: "An der jüdischen Elementarschule zu Weener ist die Lehrerstelle sofort zu besetzen. Nebst freier Wohnung, Feuerung und Licht beträgt das jährliche Fixum für anjetzt 150 Thaler. Auf Bewerber, welche zur Übernahme des Vorbeteramts sich eignen - wofür seinerzeit ein angemessenes Honorar erfolgt - soll besondere Rücksicht genommen werden. Portofreie Anmeldungen sind an das Landrabbinat zu richten. 
Emden, den 1. Dezember 1854. Der Landrabbiner Hamburger."    
   
Weener AZJ 05041858.jpg (57415 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. April 1858: "Bei der hiesigen israelitischen Gemeinde ist die Stelle eines Elementarlehrers und Vorbeters mit einem jährlichen Gehalte von 200 Thalern nebst freier Wohnung vakant, und ist dieselbe im Mai, längstens bis zum 1. Juni dieses Jahres zu besetzen. Hierauf Reflektierende werden ersucht, sich baldmöglichst unter Einsendung ihrer Qualifikations-Zeugnisse an den Unterzeichneten zu wenden. 
Weener in Ostfriesland, im März 1858. Der israelitische Vorstand."      

   
Ausschreibungen der Stelle des Schochet / Synagogendiener beziehungsweise Vorbeters / Hilfsschochet (1886 / 1925)  

Weener AZJ 22061886.jpg (49658 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. Juni 1886
"Die hiesige Synagogengemeinde sucht auf sofort einen tüchtigen Schochet, welcher auch als Synagogendiener zu fungieren hat und an den hohen Feiertagen einen Teil der Gebete vortragen, sowie im Verhinderungsfalle den Vorbeter vertreten kann. Anmeldung nimmt entgegen   Weener in Ostfriesland, 6. Juni 1886. 
A. C. Salomons, Synagogenvorsteher."     
  
Weener Israelit 02071925.jpg (59117 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Juli 1925: "Wir suchen zum baldigen Antritt möglichst einen abgebauten Lehrer, welcher das Amt des Vorbeters sowie Hilfsschächters mit übernimmt und einen deutschen Vortrag halten kann. Ein zweiter Beamter, welcher als Schochet und Hilfsvorbeter fungiert, wird gehalten. Gute Dienstwohnung mit Garten vorhanden. Meldungen mit Gehaltsansprüchen und Zeugnisabschriften sind bis zum 12. Juli einzusenden. 
Der Vorstand der Synagogengemeinde Weener in Ostfriesland."     

 
40-jähriges Dienstjubiläum von Lehrer Simon Cossen (1931, seit 1896 in Weener)        

Weener Israelit 10091931.jpg (37204 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. September 1931: "Ems, 26. August (1931). Am 1. Oktober begeht Kollege S. Cossen, Weener - Ems, das 40-jährige Dienstjubiläum als Chason und Schochet, früher in seiner Heimatgemeinde Norden, seit fast 35 Jahren in Weener-Ems. Wir wünschen dem Kollegen, der sich allgemeine Beliebtheit erfreut, weiter Gesundheit und erfolgreiche Tätigkeit zum Wohle seiner Gemeinde."     

  
Hinweis auf Lehrer Ignatz Popper (1873 - 1941)    
Anmerkung: Lehrer Ignatz Popper (geb. 25.1.1873 in Ahrensburg) war nach 1905 bis längstens 1922 (mindestens um 1908 / 11 nach den Geburtsjahrgängen seiner in Weener geborenen Kinder) Lehrer in Weener, von 1922 bis 1935 Lehrer und Kantor an der jüdischen Volksschule und in der Gemeinde in Leer / Ostfriesland; er war verheiratet mit Nanette geb. Marx (geb. 1881 in Oberdorf); nach seiner Zurruhesetzung übernahm Lehrer Popper noch einige Zeit den Unterricht und die Betreuung der Gemeinde in Maßbach; am 22. November 1941 ist das Ehepaar Popper von Frankfurt aus nach Kowno (Kauen) deportiert und dort wenige Tage später ermordet worden. Die beiden Töchter Käthe (geb. 1905 in Lingen) sowie Lea (geb. 1908 in Weener) wurden gleichfalls von Frankfurt aus deportiert. Der einzige Überlebende der Familie, Sohn Alfred (geb. 1911 in Weener) hat 1938 noch in die USA emigrieren können (gest. 1992 in Falmouth, Maine, USA).    
     
     
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Antisemitismus Anfang des 20. Jahrhunderts (1904)  
Anmerkung: Weener war Anfang des 20. Jahrhunderts ein Zentrum antisemitischer Hetze. Bei dem in nachfolgendem Abschnitt genannten Arzt, der als Antisemit eine besondere Rolle am Ort spielte, handelte es sich um Dr. Feenders. Der Prozess, zu dem es auf Grund der Auseinandersetzung kam, wurde zunächst vor dem Schöffengericht in Weener ausgetragen, das sowohl das jüdischen Gemeindeglied wie Dr. Feenders zu einer Geldstrafe verurteilte. Dr. Feenders ging in Berufung, doch lehnte die Strafkammer in Aurich die Berufung ab, verdoppelte die ihm auferlegte Geldstrafe und sprach den jüdischen Mitangeklagten frei. 
1908 war Reichstagskandidat der Rechten im Wahlkreis Norden-Emden-Leer der antisemitische Rechtsanwalt Groeneveld aus Weener. Er konnte einen beachtlichen Stimmenanteil für sich verbuchen, wenngleich der liberale Kandidat gewählt wurde.        

Weener Israelit 10111904.jpg (120570 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. November 1904: "Vom Antisemitismus in Ostfriesland. 
Weener
(Ostfriesland), im November (1904). Wir können zu unserer Freude Ihnen mitteilen, dass der Antisemitismus, der Sozialismus der Dummen, hier in Ostfriesland nur ganz vereinzelt noch anzutreffen ist. Jene Personen, welche einst in dieser Bewegung besonders stark machten, hat man von sich abgeschüttelt; sie waren auch danach. Dem Schreiber dieser Zeilen sind einige Herren bekannt, die mit Bedauern heute erklären, dass sie sich von Führern, wie Ehren-Leuß, haben betören lassen. Wenn nun hie und da noch Personen von mehr oder minder horizontaler Vergangenheit ihren Judenhass in die Erscheinung treten lassen, so ist das nicht sehr sonderbar; aber als bedauerlich muss es erscheinen, wenn Herren mit akademischer Bildung sich an jener Hetze beteiligen, die von Kaiser Friedrich als eine Schmacht des Jahrhunderts bezeichnet worden ist. Ein hier ansässiger Arzt, Dr. V., sucht sich fortgesetzt darin zu gefallen, seinem Hass gegen das Judentum Ausdruck zu geben. Darüber kam es vor Kurzem in einem hiesigen Hotel zwischen Dr. V. und einem hochangesehenen israelitischen Herrn zum Streit, in dessen Verlauf sich letzterer durch eine kräftige Ohrfeige schallende Genugtuung verschaffte. Das Ende vom Liede ist ein Strafprozess, über dessen Ausgang wir berichten werden. Da Dr. V. Sanitätsoffizier ist, so wird sich auch das zuständige Bezirkskommando mit der Angelegenheit zu befassen haben. K."    

     
     
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde     
Der plattdeutsche Dichter Louis Israels wurde zum Bürgervorsteher wiedergewählt (1902)
     
Anmerkung: Louis Israel war im "normalen Beruf" Viehhändler. Er war erstmals um 1890 zum Bürgervorsteher gewählt worden.  

Weener AZJ 12121902.jpg (62442 Byte)Mitteilung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. Dezember 1902: "In Weener (Ostfriesland) wurde der bekannte plattdeutsche Dichter Louis Israels mit großer Majorität zum Bürgervorsteher wiedergewählt. Die Antisemiten hatten gegen die Wiederwahl Israels, der seine Verehrung für den Fürsten Bismarck in zahlreichen plattdeutschen Gedichten zum Ausdruck gebracht hat, eine heftige Agitation entfaltet, sind aber von der überwiegenden Mehrheit der Bürgerschaft abgewiesen worden."        

           
Goldene Hochzeit von Moses Heß und Amalie geb. Kahn sowie von Jos. Arons und Sophie geb. Israels (1936)     

Weener Israelit 30041936.jpg (56163 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. April 1936: "Weener (Ostfriesland), 28. April (1936). Am Sonntag, den 10. Mai begeht unser ältestes Gemeindemitglied und langjähriger Repräsentant, Herr Moses Heß und Frau Amalie geb. Kahn, das seltene Fest der goldenen Hochzeit. - An eben diesem Tage feiern auch unser früherer erster Vorsteher und jetziger Ehrenvorsteher Herr Jos. Arons und Frau Sophie geb. Israels, welche in seltener Rüstigkeit das Amt der ersten Vorsitzenden des Israelitischen Frauenvereins wahrnimmt, ihr goldenes Ehejubiläum. Die Gemeinde Weener wird es sich nicht nehmen lassen, diesen seltenen Festtag würdig zu gestalten."      

      
      
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen    
Anzeigen von Frau Joseph Israels Witwe (1873 / 1891)   

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. Februar 1873: "Gesucht zu Ostern dieses Jahres eine in den reiferen Jahren stehende Gouvernante (mosaischer Religion), die in allen Gegenständen, sowie im Englischen und Französischen, wo tunlich auch in Musik Unterricht erteilt. 
Frau Joseph Israels Witwe.
Weener in Ostfriesland, im Januar 1873."    
  
Weener Israelit 04061891.jpg (31748 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Juni 1891: 
"Gesucht wird auf sofort ein tüchtiges, erfahrenes 
Fräulein
zur Pflege einer älteren Dame und Stütze des Haushaltes. 
Frau Jos. Israels Witwe, Weener (Ostfriesland)."     

  
Verlobungsanzeige von Edith Arons und Arnold Jsraëls (1924) 
Hinweis: Arnold Jsraels und Edith geb. Arons sind in der NS-Zeit beide nach der Deportation umgekommen.    

Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des Central-Vereins) vom 1. Mai 1924: "Statt Karten
Die Verlobung ihrer Kinder Edith und Arnold beehren sich anzuzeigen 
Moritz Arons und Frau - Frau Louis Jsraëls. 
Edith Arons  - Arnold Jsraëls. 
Verlobte. Weener (Ostfriesland), Ostern 1924."     

   
Anzeige der Schlachterei und Wurstwarenfabrik A. M. de Vries (1924) 
   

Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des Central-Vereins) vom 27. März 1924: 
"Versende koschere 
Fleisch- und Wurstwaren. 
Spezialität: Ostfriesische grobe Kochwurst mit Fettwürfeln
A. M. de Vries, Weener (Ems).
 
Schlachterei und Wurstwarenfabrik mit elektrischem Betrieb."     

    
    
  
 
Zur Geschichte der Synagoge         
    
Zunächst war ein Betraum vorhanden. Er befand sich - wie die spätere Synagoge - in einem Gebäude in der Westerstraße.  
    
1828 war die Zahl der jüdischen Familien am Ort groß genug, um ein Grundstück an der Westerstraße zum Bau einer Synagoge zu erwerben. Sie konnte im folgenden Jahr eingeweiht werden. 1837 wurde das Gebäude mit dem früheren Betraum von den Gemeindevorstehern verkauft, um vor der Synagoge ein Haus für die Einrichtung einer Lehrerwohnung und eines Schulzimmers zu erwerben. 1853 wurde zwischen diesem Gebäude und der Synagoge ein neues Schulhaus zur Einrichtung der jüdischen Elementarschule erstellt.     
   
1928 wurde die Synagoge umfassend renoviert. Das 100-jährige Bestehen der Synagoge wurde am 22. September 1929 im Hotel zum Weinberg gefeiert.  
    
Beim Novemberpogrom 1938 wurde in den frühen Morgenstunden des 10. November die Synagoge unter Leitung des Leeraner SA-Standartenführers Meyer geschändet und niedergebrannt. Der SA-Sturmbannführer Lahmeyer aus Weener hatte seine Leute mit Benzin ausgestattet. Die Feuerwehr war zum Schutz der Nachbargebäude anwesend. Am Nachmittag des 10. November standen nur noch die verkohlten Außenwände der Synagoge. 
  
Auf dem Synagogengrundstück wurde 1990 eine Menora aufgestellt; am ehemaligen Lehrerhaus wurde eine Gedenktafel angebracht.   
  
  
Adresse/Standort der Synagoge     hinter dem Gebäude    Westerstraße 32 (heute Parkplatz)  
    
   
Fotos
(Innenansicht und Plan aus dem Beitrag von F. Wessels s. Lit. S. 280-281; neuere Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 4.8.2010)     

Innenansicht der Synagoge
und historischer Plan
Weener Synagoge 110.jpg (134852 Byte) Weener Synagoge 112.jpg (58335 Byte)
  Innenansicht der Synagoge um 1930 mit Blick
 zum Toraschrein. Erkennbar sind u.a. das
 Rundfenster über dem Toraschrein mit
 Davidstern, die Frauenempore, Leuchter und 
der Toralesetisch am unteren Bildrand.
Auf dem Plan von 1873 sind in der mittleren
 Spalte die Häuser der jüdischen Gemeinde
 eingetragen: oben an der Westerstraße (Nr. 140)
 das Lehrerwohnhaus, darunter (Nr. 139) die
 Schule) und schließlich die Synagoge (139)
       
         
Gedenken an die ehemalige Synagoge 
in der Westerstraße   
Weener Synagoge 191.jpg (105269 Byte) Weener Synagoge 190.jpg (109745 Byte)
  Die Gedenktafel erinnert mit der Inschrift: "In dieser Straße stand in Höhe des Hauses Nr. 32 
über 100 Jahre die Synagoge der früheren jüdischen Gemeinde Weener, bis sie am 9. Nov. 1938
 gewaltsam zerstört wurde".   
      
     
Gedenken im Bereich der ehemaligen Synagoge
 und der jüdischen Schule
   
Weener Synagoge 177.jpg (83749 Byte) Weener Synagoge 175.jpg (129408 Byte) Weener Synagoge 173.jpg (133417 Byte)
In der Mitte: Standort des ehemaligen 
Lehrer- und Rabbinerhauses 
(erbaut 1887) 
Hinweis- und Gedenktafel für Synagoge,
Schule, Lehrer- und Rabbinerhaus 
mit Plan
Das Haus links war das Gebäude der
 ehemaligen jüdischen Schule. Links davon
 stand die ehemalige Synagoge.
      
Weener Synagoge 176.jpg (69369 Byte) Weener Synagoge 171.jpg (121951 Byte) Weener Synagoge 172.jpg (126552 Byte)
Straßenschild 
"An der Synagoge"
Die Menora (siebenarmiger Leuchter) zur Erinnerung an die zerstörte Synagoge 
mit der Inschrift: "Das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung"
Das Ehrenmal vor 
dem Heimatmuseum
Weener Gedenken 181.jpg (97460 Byte) Weener Gedenken 180.jpg (113882 Byte)
  Blick auf das Ehrenmal vor dem Heimatmuseum mit Hinweistafel zu seiner Geschichte: "Ehrenmal. 1927 errichtet zum Gedenken der Opfer des 1. Weltkrieges 1914-18. 1959 erweitert zum Gedenken der Opfer der Kriege 1870-71 und 1939-45. 1980 erweitert um den Gedenkstein für die Opfer und Verfolgten der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 1933-45, der insbesondere an die über 120 aus Weener vertriebenen jüdischen Mitbürger erinnert. Mehr als 60 von ihnen wurden ermordet."    
     
   Weener Gedenken 182.jpg (91918 Byte) Weener Gedenken 185.jpg (88444 Byte)
   Name des jüdischen Gefallenen des 
Ersten Weltkrieges: Samuel Mindus.
Im Mittelpunkt die Inschrift: "Den Opfern und Verfolgten
 der Gewaltherrschaft 1933/45"
     
     
Andernorts entdeckt: "Stolpersteine" 
für Angehörige der Familie de Jonge 
in Minden 

(Quelle: Website Friedenswoche-Minden.de)
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  Von Februar 1940 bis zu ihrer Deportation im Juli 1942 lebte in Minden das Ehepaar de Jonge mit ihrem Sohn. Benjamin de Jonge (geb. 1867 in Weener) betrieb in Weener einen Viehhandlung, vermutlich mit Landwirtschaft und Schlachterei. Er war verheiratet mit Sara geb. de Levie (geb. 1881 in Ihrhove Kreis Leer). 1938 wurde Benjamin de Jonge zur Aufgabe seiner Viehhandlung in Weener, die  er inzwischen gemeinsam mit seinem ältesten Sohn Samuel (geb. 1903) betrieb, gezwungen; im Februar 1940 wurde das Ehepaar aus Weener ausgewiesen; sie fanden Unterkunft bei der Verwandten Eva Rosenfeld geb. de Jonge (geb. 1877 in Weener). Auch Sohn Samuel ist mitgezogen; er war einige Zeit zur Zwangsarbeit in Wilhelmshaven eingesetzt. Im Juli 1942 wurden alle drei in das KZ Theresienstadt deportiert; Eva Rosenfeld geb. de Jonge wählte angesichts der Deportation den Freitod. Von den vier oder fünf Kindern des Ehepaares wurden auch Amalie de Jonge (1906) und Henry de Jonge (1910) 1942 in Auschwitz ermordet. 
      

   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

Oktober 2016: Erste "Stolpersteine" werden in Weener verlegt 
Im Oktober 2016 wurden in Weener sieben "Stolpersteine" vor dem Gebäude der heutigen Buchhandlung Klinkenborg verlegt. Sie erinnern an die jüdische Familie van der Zyl. Anlässlich der Aktion wurde auch eine Broschüre mit Informationen zu der Familie herausgebracht.   
 
Januar 2017: Weitere Stolpersteine sollen verlebt werden  
Der Arbeitskreis "Stolpersteine" plant eine zweite Verlegeaktion von "Stolpersteinen" in Weener. Acht solcher Gedenksteine sollen künftig vor dem Gebäude Westerstraße 41A an das Schicksal der jüdischen Familie de Vries erinnern.  

   

 
   
Links und Literatur  

Links: 

Website der Stadt Weener    

Wikipedia-Artikel über "Jüdische Gemeinde in Weener"     

Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Weener (interner Link) 

Hinweis auf die "Familiendatenbank Juden in Nordwestdeutschland"       

Literatur:  

Fritz Wessels: Die Reichspogromnacht und das Ende der jüdischen Gemeinde in Weener.  In: Frisia Judaica. Beiträge zur Geschichte der Juden in Ostfriesland (Hg. von Herbert Reyer und Martin Tielke). Aurich 1988 (= Abhandlungen und Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands. Bd. 67). S. 279-307
Hans-Peter Klausch / Jakob de Jonge: Aus deutschen Konzentrationslagern in den niederländischen Untergrund. Bremen 2002 
(Hinweis: der Verfasser Jakob de Jonge stammte aus Weener)     
Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen (Hrsg. von Herbert Obenaus in Zusammenarbeit mit David Bankier und Daniel Fraenkel). Bd. II Göttingen 2005 S. 1534-1544 (Abschnitt zu Wehner von Daniel Fraenkel).   
Hier finden sich S. 1543-1544 weitere Literaturangaben.  
Ostfriesland Lit 13004.jpg (73854 Byte)Reise ins jüdische Ostfriesland. Hrsg. von der Ostfriesischen Landschaft - Kulturagentur  Georgswall 1-5  26603 Aurich. Tel. 04941-179957  E-Mail: kultur[et]ostfriesischelandschaft.de. Erschienen im Juli 2013. 67 S. Kostenlos beziehbar. 
Internet: www.ostfriesischelandschaft.de 
"Reise ins jüdische Ostfriesland" ist ein gemeinsames Projekt im Rahmen des dritten kulturtouristischen Themenjahres "Land der Entdeckungen 2013". Am 9. November 2013 jährte sich zum 75. Mal die Pogromnacht von 1938 in Deutschland. Dies haben 17 Einrichtungen, davon neun Museen und fast alle ehemaligen Synagogengemeinden zum Anlass genommen, sich unter dem Titel "Reise ins jüdische Ostfriesland" zusammenzuschließen. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten verschwand die jüdische Kultur im Vergleich zum übrigen Deutschland hier bemerkenswert schnell aus dem bis dahin gemeinsamen Alltagsleben von Juden und Nichtjuden. "Reise ins jüdische Ostfriesland" will an das einst lebendige jüdische Leben in der Region erinnern.
Die Projekte zeigen in beeindruckender Weise, wie ein Thema aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet werden kann. Allen jedoch geht es insbesondere darum, dem vielfältigen jüdischen Leben in Ostfriesland bis zur Shoah und darüber hinaus wieder ein Gesicht zu geben. Denn Erinnerung ist ein Weg zur Heilung und damit zur Versöhnung. 
Heide Braukmüller: Hermann Gerson ...geflüchtet aus Deutschland nach Argentinien. Von Weener an der Ems nach Moises Ville in Santa Fe. Verlag Gerhard Rautenberg. Leer 1996 ISBN 3-7921-0582-9.    
dies.: Eine Kommode mit berührender Geschichte. Rosalie Israels Hab und Gut unterm Hammer. Leer 2014 (Divo Verlag) 11 S.
Anmerkung: Rosalie Israels stammte aus Weener. Sie ist im Ghetto Theresienstadt umgekommen. Ihr Meublement wurde in Oldenburg zwangsversteigert.   

     
       


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Weener (Mes) Hanover. The furst Jews in Weener arrived under a letter of protection from Count Ulrich in 1645. In 1749, the community was conducting public prayer and by early 19th century it was receiving a full range of religious services. Its old cemetery had tombstones dating from the 16th century. New cemeteries were opened in 1849 and 1850 and a synagogue was consecrated in 1829. A Jewish school was opened in 1853. By 1861, the Jewish population was 139, reaching a peak of 231 (total 3.724) in 1885. Most Jews engaged in trade, dealing mainly in cattle and meat products. Though efforts were made to impede the process of Jewish naturalization after the town was annexed to Prussia in 1866, relations with the local population were for the most part satisfactory and in 1894 a Jew was named chairman of the municipal council. The community was officially recognized in 1874 with a number of other communities coming under its jurisdiction. In 1921, in the Weimar republic, it was given the status of a corporate body. Antisemitism began to develop in the early 20th century. By 1933, the Jewish population was down to 131 after declining steadily from its 19th century peak. Boycotts and anti-Jewish pressure under the Nazis destroyed the Jewish economy in the town and by the end of 1937 almost all Jewish property had been 'Aryanized.' On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was set on fire, Jewish stores and homes were vandalized, and 12 Jewish men were arrested and sent to the Oranienburg concentration camp, where they were held until the following spring. During the Nazi era, 68 Jews moved to other German cities and at least 48 emigrated, 27 of them to Holland. At least 43 Jews perished in the Holocaust, including 14 in Auschwitz.  
    
      

                   
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Stand: 13. Januar 2017