Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Zürich
Jüdischer Friedhof - Unterer Friesenberg 
    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinden in Zürich      
    
Vgl. Seite zur Synagoge der Israelitischen Cultusgemeinde in Zürich (interner Link) 
   
   
Zur Geschichte des Friedhofes      
  
Am Unteren Friesenberg erwarb die - nach der Ausweisung im Mittelalter - in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wieder entstandene jüdische Gemeinde im Sommer 1865 einen Acker zur Anlage eines Friedhofes. In den folgenden Monaten wurde das Gelände hergerichtet und am 31. Mai 1866 mit der ersten Beisetzung einer jüdischen Frau durch den Lengnauer Rabbiner Dr. Meyer Kayserling eingeweiht. 1892 wurde eine Friedhofshalle in maurischem Stil erbaut. Nach mehreren Erweiterungen (ein großes zweites Grundstück wurde seit 1916 belegt), beträgt die Friedhofsfläche heute 17.354 m².
   
Seit der Anlage des Friedhofes am Oberen Friesenberg 1952 wurden immer weniger Beisetzungen im unteren Friedhof vorgenommen. 
 
An bekannten Persönlichkeiten wurden auf dem Friedhof beigesetzt: 

Felix Salten (1860-1945), Schriftsteller, Schöpfer der Bambi-Figur Wikipedia-Artikel zu Felix Salten   
Joseph Schmidt (1904-1942), Sänger (Grab 2231)  Wikipedia-Artikel zu Joseph Schmidt   
Otto Klemperer (1885-1973), Dirigent     Informationen zu Otto Klemperer und die Grabstätte im Friedhof Oberer Friesenweg      
Wikipedia-Artikel zu Otto Klemperer
  . 
  

    
    
    
Artikel zur Geschichte des Friedhofes            
     

Der Kauf des Friedhofgeländes im Sommer 1865  

Zuerich AZJ 01081865.jpg (24621 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. August 1865: "Zürich, den 5. Juli (1865). Die hiesige Kultusgemeinde, welche jetzt gegen 30 Mitglieder zählt und seit vergangenen Herbst ein ihr von dem Stadtrat in sehr freundlicher Weise überlassenes Lokal als Synagoge benutzt, hat nun auch einen Acker zur Anlegung eines Friedhofs angekauft."

  
Die Einweihung des Friedhofes anlässlich der ersten Beisetzung durch Rabbiner Dr. Kaiserling (1866) 

Zuerich Israelit 13061866fn.jpg (126542 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Juni 1866: "Zürich, den 31. Mai (1866). Der hiesige israelitische Kultus-Verein, gegenwärtig 28 Mitglieder zählend, ist schon seit längerer Zeit im Besitze eines eigenen Gottesackers, welcher durch das Ableben einer unserer Glaubensschwestern heute zum ersten Male zweckentsprechend benutzt wurde. Zur Abhaltung einer Leichenrede und Einweihungsfeierlichkeit war der Herr Rabbiner Dr. Kaiserling von Lengnau berufen. Der Redner hob unter Anderem hervor, dass, trotzdem wir uns an einer ernsten traurigen Stätte befänden, dennoch freudige Gefühle in uns aufsteigen müssen, wenn wir erwägen, dass an einer Stelle, wo vor circa 400 Jahren die schrecklichste Verfolgungssucht gegen uns herrscht, jetzt die Vorurteile zu schwinden beginnen und ein Geist der Liebe und der Duldung einziehe! Und wahrlich, wer sollte sich auch nicht zum Danke gegen unsern himmlischen Vater veranlasst fühlen, darob, dass man jetzt im Juden auch den Menschen ehrt! - Ferner beruhigte der Redner die Anwesenden über das Erbeben und den Schrecken vor einem Gottesacker durch die Erklärung der verschiedenen Benennungen für denselben, indem er bemerkte, nur der rohe Mensch nennt diesen Platz Beit Hakewarot ("Gräberhaus"), der denkende höhere hingegen nennt in Beit Alman, Beit Chaijim ein Haus für die Ewigkeit, ein Haus zum neuen Leben! Endlich noch ermahnte der Redner das anwesende jüdische Publikum - es waren nämlich nicht nur Juden, sondern auch eine große Menge aus allen Konfessionen zugegen - dass auch sie dahin streben mögen, jedes Vorurteil und jeden Aberglauben aus ihrer Mitte zu entfernen, um dem wahren  Glauben Eingang zu verschaffen. - Gehoben und befriedigt verließ Alles die Ruhestätte. -"

   
Hinweis auf die 1892 erbaute Abdankungshalle 

Zuerich Frf Isr Fambl 23051913s.jpg (20362 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 23. Mai 1913. "Der Friedhof ist 1865 angelegt worden; Verhandlungen mit der Stadt betreffen Beteiligung am allgemeinen städtischen Friedhof wurden im Jahre 1877 von der Generalversammlung endgültig angelehnt: 1892 wurde die Abdankungshalle errichtet." 

     
Der Präsident der jüdischen Gemeinde in Cavalla (Griechenland) wurde auf dem Friedhof in Zürich beigesetzt (1914)       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. Oktober 1914: "In der Fremde, auf dem Friedhofe in Zürich, wurde letzten Sonntag Herr Mosche Chajim Benvenista, Präsident der jüdischen Gemeinde in Cavalla (Griechenland), bestattet. Im Alter von 78 Jahren war er auf der Reise von München in seine Heimat beim Aufenthalt in Zürich plötzlich verschieden. Der Verstorbene, einer hochangesehenen sephardischen Familie angehörend, war eine um seine Gemeinde hochverdiente Persönlichkeit und hatte auch in der städtischen Verwaltung lange Zeit hervorragende Ehrenstellungen inne."            

 
Kann der Wert eines jüdischen Friedhofes vermehrt werden ? - eine Diskussion aus dem Jahr 1927   

Zuerich BayrGZ 19091927.jpg (210517 Byte)Artikel in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 19. September 1927: "Mehrwert eines jüdischen Friedhofes. Die neuerstellte Wohnkolonie am Friesenberg in Zürich erforderte den Ausbau des Straßennetzes, vor allem der Friesenbergstraße zwischen der Uetlibergbahn und der Schweighofstraße durch Anlage eines Trottoirs. An der Friesenbergstraße liegt der Friedhof der israelitischen Kultusgemeinde. Von ihrem Grundstück musste diese einen 134 Meter langen und 2 Meter breiten Landstreifen für das Trottoir abtreten; außerdem forderte die Stadt von der israelitischen Kultusgemeinde eine Leistung von 8.155 Franken für den durch die Korrektion der Friesenbergstraße entstandenen Mehrwert der Friedhofliegenschaft. Die Gemeinde verweigerte die Zahlung dieses Mehrwertbeitrages unter Hinweis darauf, dass durch die Straßenkorrektion eine Wertvermehrung des Friedhofgebäudes nicht eingetreten sei und sie daher auch nicht zu Beitragsleistung an den Kosten der Straßenherstellung herbeigezogen werden könne. Sowohl die kantonale Schützungskommission des I. Kreises als auch das Bezirksgericht Zürich wiesen jedoch die Einsprache der israelitischen Kultusgemeinde ab und erklärten sie grundsätzlich als beitragspflichtig, indem sie von der Erwägung ausgingen, dass die objektive Wertsteigerung maßgebend sei, und dass weder rechtliche noch tatsächliche Gründe die Gemeinde hindern, den aus der Straßenkorrektion erwachsenen Vorteil früher oder später auszunützen. Unerheblich sei insbesondere das religiöse Dogma, das den Juden das Ausgraben von Leichen und die Verwendung von Friedhofland für profane Zwecke verbiete; denn es handle sich dabei um Beschlüsse einer privatrechtlichen juristischen Person, denen keine stärkere Rechtswirkung beizumessen sei als anderen privaten Willenserklärungen. Dagegen hat nun, wie Dr. Charles Bollag im 'Israelitischen Wochenblatt' ausführt, das Obergericht einstimmig den Standpunkt der Gemeinde geschützt und die Klage der Stadt auf Zahlung eines Mehrwertbeitrages kostenfällig abgewiesen. In der Begründung des Urteils hat die Eigentümlichkeit der jüdischen Lehre hinsichtlich des Friedhofes als einer 'ewigen', unantastbaren Ruhestätte der Toten mittelbar eine Sanktion durch die kantonale Gerichtsinstanz erfahren. Nach einem schriftlichen Gutachten von Rabbiner Dr. Littmann ist es nämlich allen Juden in der Welt verboten, 'Leichen ohne Zwang auszugraben oder einen Friedhof für ein anderes Feld einzutauschen', also auch der jüdischen Kultusgemeinde in Zürich.  Diese jüdische Überlieferung und Glaubenslehre müsse bei der Frage, ob ein Friedhof einen ökonomischen Wert besitze, geachtet werden, dies um so mehr, als die Stadt Zürich selbst es war, die das zweite Grundstück, das im Jahre 1926 erstmals mit Gräbern belegt wurde, an die Gemeinde vorbehaltlos zu Friedhofzwecken verkauft habe. Wenn die Gemeinde, so führt das Gutachten nach den Mitteilungen von Dr. Bollag weiter aus, mit großen Kosten einen eigenen Friedhof unterhalte, obwohl es ihr frei stünde, die städtischen Friedhöfe mitzubenützen, so müsse daraus gefolgert werden, dass es ihr eben im Gegensatz zur christlichen Auffassung, die in wiederholten Fällen ein Aufgeben von Friedhöfen als statthaft erklärt habe, darum zu tun sei, dem jüdischen Religionsgesetz dauernd und strenge nachzuleben. Folgerichtig könne in Würdigung der besonderen Verhältnisse des Falles nicht davon gesprochen werden, dass die Gemeinde jetzt oder in der Zukunft aus der Neuerstellung der Friesenbergstraße irgendwelche Vorteile ökonomischer Art, sei es durch Überbauung oder Veräußerung ihres Friedhofes erlange, und deshalb könne ihr auch nicht ein Kostenbeitrag auferlegt werden. Der Referent der Obergerichtes erinnerte übrigens an die Tatsache, dass die Stadt Zürich den alten Judenfriedhof am Wolfbach, der 1424 infolge der Vertreibung der Juden aus der Stadt eingegangen war, auf eigenem Grund und Boden hatte erstellen lassen und deshalb ohne weiteres über ihre Liegenschaft verfügen konnte, wogegen heute das Eigentum am Friedhofland der jüdischen Gemeinde zustehe."      

     
Friedhofschändung (1929)       

Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 4. Januar 1929: "Friedhofschändungen auch im Ausland. In den letzten Tagen wurde die Umfassungsmauer des Züricher jüdischen Friedhofs 'Friesenberg' in zwei Nächten hintereinander von unbekannten Tätern beschädigt, sodass kein Zweifel besteht, dass es sich um beabsichtigte Devastierungen handelt. Die Züricher Israelitische Kultusgemeinde hat eine Belohung von 500 Schweizer Francs für die Eruierung der Täten ausgesetzt und die Bewachung des Friedhofs angeordnet."      

     
    

Lage des Friedhofes 

  
Am Fuß des Uetliberges - Friesenbergstraße 147           Link zu den Google-Maps   
   
   
Öffnungszeiten: Sonntag - Donnerstag 8.00 Uhr - 17.00 Uhr; Freitag 8.00 Uhr - 16.00 Uhr; an Schabbat und jüdischen Feiertagen ist der Friedhof geschlossen.  
   
   
Fotos 
(Fotos Anfang 2007 -  Quelle: UAP - Urs Albisser Pictures, CH-8500 Frauenfeld, www.ressibla.com)     

Eingangsbereich und Friedhofshalle    
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Blick vom Eingang zur Friedhofshalle  Hinweistafel am Eingang  Orientierungsplan 
     
Zuerich UntFries 103.jpg (73140 Byte) Zuerich UntFries 102.jpg (49293 Byte) Zuerich UntFries 105.jpg (104186 Byte)
Eingangstor "Der Geist kehrt zu Gott zurück, 
der ihn gegeben hat"
Vordach 
mit dem Wasserbecken
 
     
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Wasserbecken zur 
vorgeschriebenen Händewaschung
    
     
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Glasfenster im inneren der Friedhofshalle
 
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Eingangstor von innen Wasserbecken Lampen
      
Im Friedhof    
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  Teilansichten 
   
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Pflanzenornamentik Ungewöhnlich auf jüdischen Friedhöfen:
 Porträt des Verstorbenen
Die Weinende  
    
     
  Zuerich UntFries 112.jpg (133676 Byte)  
     
     

   
    

Links und Literatur

Links:  

Website der Israelitischen Cultusgemeinde in Zürich  mit Seite zum Friedhof Unterer Friesenweg  
Informationsseite des Friedhofsamtes der Stadt Zürich zum Friedhof Oberer Friesenweg 

Literatur:  

     

      

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 06. Juli 2014