Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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St. Ottilien (Gemeinde Eresing, Kreis Landsberg am Lech) 
Jüdischer Friedhof 
(erstellt unter Mitarbeit von Otmar Frühauf, Breitenthal)  
   

Zur Geschichte des Friedhofes    
  
In St. Ottilien gab es von Mai 1945 bis 1948 eine Jüdische Kultusgemeinde. Ihre Mitglieder waren jüdische Displaced Persons (KZ-Überlebende aus unterschiedlichen Lagern / Flüchtlinge), ehemalige KZ-Opfer des Lagers Kaufering und jüdische Kranke aus Dachau und der Umgebung von Landsberg/Lech. Sie wurden in einem Krankenhaus am Ort gepflegt. Die meisten von ihnen sind 1948 nach Israel oder in andere Länder ausgewandert. Es gab einen Betsaal im heutigen Haus St. Paulus im 1. Stock im Zimmer in der Südwestecke im Kloster St. Ottilien. Die während der Jahre des Bestehens der Gemeinde verstorbenen Personen wurden auf einem Friedhof am Ort beigesetzt. 
  
Die in der Zeit des Bestehens des DP-Lagers Verstorbenen wurden auf dem Friedhof beigesetzt, darunter jedoch auch christliche Personen (Grabstein durch Kreuz markiert an Stelle eines Davidsternes, siehe unten).    
  
Zur Geschichte des Klosters in den 1940er-Jahren (Zitat aus der Website des Klosters)

Im 2. Weltkrieg diente das Kloster wiederum als Lazarett. Insgesamt wurden 77 Soldaten auf dem Klosterfriedhof beerdigt. Mehrere deutschstämmige Rücksiedler aus der Bukowina liegen ebenfalls hier. Ein Gedenkstein neben der kleinen Herrgottskapelle im Südwesten des Friedhofs erinnert an 17 Russen aus dem deutschen Heer, die am 27. April 1945 bei Eresing durch Tiefflieger umkamen. Am gleichen Tag wurde ein auf offener Strecke abgestellter Zug mit KZ-Häftlingen bei Schwabhausen bombardiert. Überlebende Verletzte konnten sich zum Lazarett nach St. Ottilien durchschlagen, das unter amerikanischer Aufsicht zu einem Hospital für »Displaced Persons«, d.h. ehemalige KZ-Häftlinge, wurde. Bis 1948 existierte dieses Hospital in St. Ottilien. Die Patienten, die an den durch die Bombardierung erlittenen Verletzungen oder infolge der jahrelangen Haftentbehrungen im Hospital starben, wurden in einem eigenen Teil des Friedhofs beigesetzt. Bis 1948, als das Hospital aufgelöst wurde, verzeichnet das Gräberbuch 76 Beerdigungen für den Judenfriedhof. Angehörige ließen später einige Grabsteine errichten, die heute noch von Nachfahren besucht werden. Aufgelegte Steine bezeugen nach jüdischem Brauch das Gebetsgedenken. Der jüdische Friedhof steht unter der Verwaltung der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung. 
       
Rechts: Das Titelbild des "Mitteilungsblattes des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern" 27. Jahrgang Nr. 118 vom April 2012 zeigt das Titelblatt des ersten Talmuddrucks in Deutschland nach der Schoa, München - Kloster Sankt Ottilien, 1946. Unten: Erdhütten in einem KZ-Außenlager bei Kaufering (Psalm 119,87: 'Um ein Weniges hätten sie mich aufgerieben im Lande, ich aber verließ deine Gebote nicht'); oben: Idealisiertes Jerusalem (Haggada von Pessach: 'Aus der Knechtschaft zur Erlösung, aus der Finsternis zum hellen Licht').   St Ottilien Lit 010.jpg (122849 Byte) St Ottilien Lit 010a.jpg (140151 Byte)

  
Lage des Friedhofes   
 
In der äußersten südöstlichsten Ecke des Klosters / Ortsteils St. Ottilien unmittelbar an den Klosterfriedhof angrenzend - von diesem durch eine Hecke getrennt.
  
 
Link zu den Google-Maps   
(der grüne Pfeil markiert die Lage des Friedhofes) 
  

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Fotos 
(obere Fotozeile: Patrick Huebgen, Quelle: Wikipedia-Artikel zu St. Ottilien, Aufnahmedatum: Mai 2005; 
ab der zweiten Fotozeile: Otmar Frühauf, Breitenthal, Aufnahmedatum: 6.7.2010)   

St Ottilien Kloster 100.jpg (79411 Byte)    
Das Benediktinerkloster St. Ottilien, 1945-1948 Sitz einer jüdischen Gemeinde  
        
Der jüdische Friedhof im Juli 2010     
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Zentraler Wegweiser, auch 
zum jüdischen Friedhof 
Blick auf den Friedhof  Das Eingangstor mit Davidstern und
 Steinen von Besuchern auf den Pfosten 
 
     
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Ansichten des Friedhofes, vom Eingang kommend  Blick zurück zum Eingang
     
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Gemeinsamer Grabstein für 
16 Beigesetzte (gest. Mai 1945): "Durch
 Hass erniedrigt - durch Leid geadelt"  
Gemeinsamer Grabstein für neun Beigesetzte
 (gest. zwischen Mai und November 1945): 
"Euer Opfer bleibt unvergessen!"
Grabstein für neun Beigesetzte 
(gest. Mai 1945): "Der Weg des 
Leidens mündet in Gott". 
         

Die 16 Namen des obigen gemeinsamen Grabsteines (Foto links): Emerich Rosenbaum, Dr. Max Friedemann, Margaretha Haniak, Josef Pollack, Josef Lichtmann, Feifel Schüßler, Ebemir Czoswick, Simel Freiberg, Ludwig Schweid, Ode Leobowitsch, Worgo Loyosch, Saly Mowsowith, Moritz Moyceschowski, Paul Rasko, Johann Karosso, Samuel Weinstein.    

Die acht Namen des obigen gemeinsamen Grabsteines (Foto Mitte): Martel Lewin, Sondermann, Ceshiel Talakosska, Hasken Weinling, Luigi Difilipow, Dr. Kurt Otto Eisner, Bernhard Freilich, Sawel Ferstenberg, Alex Zerchorovsky.   

Die acht Namen des obigen gemeinsamen Grabsteines (Foto rechts) für nichtjüdische Personen (mit Kreuz auf Grabstein statt Davidstern markiert): Maria Lilli Glück, Loriani Ed. Mathofel, Ivan Bovitsch, Heinrich Lichtenstein, Konstantin Sierow, Antonio Alimanosch, Johann Lotisz, Karlmann Barua, Manlow Fruck, Lidonius Krais, George Bare.     

 
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Grabstein für 
Lea Feldblum
(gest. 25. Juni 1947) 
Grabstein für 
Chaja Verstendig
 (gest. 2. Februar 1948) 
Grabstein für 
Josef Goldberg
 (gest. 1. Februar 1948)  
Grabstein für
Necha Jutta
 (gest. 19. März 1948)  
Gemeinsamer Grabstein für acht 
Beigesetzte (gest. zwischen Mai 1945 
und August 1946)  
  
Die acht Namen des obigen gemeinsamen Grabsteines (Foto rechts): Jakob Lachmann, Leiba Kaplan, Ernst Klein, Nerzit Weiß, Ertera Kaumann, Ignatz Rosenberg. Ice Schimen Kirschenblatt, Debora Kiris.   
      
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Grabstein für
Ing. Bert Minzer 
(gest. 3. Februar 1946) 
Gemeinsamer Grabstein für
David Benesch (gest. 18. Juni 1945) 
und Josef Miller   
Grabstein für 
Moritz Klausner 
 (gest. 23. April 1946)  
Grabstein für Dozent
 Rostislaw Ahmnurow 
  (gest. 1947) 
Grabstein für Mirjam
 Gutmann-Leneman 
  (gest. 2. August 1947)  
Grabstein für
Hendel Seidel 
 (gest. 25. August 1947) 
     
St Ottilien Friedhof 195.jpg (151520 Byte) St Ottilien Friedhof 197.jpg (159986 Byte)  
Teilansichten im hinteren Teil des Friedhofes   
      
StOtt0002.jpg (88209 Byte) StOtt0001.jpg (57632 Byte)   
Zwei Aufnahmen vom August 2003 (Fotos: Hans-Peter Laqueur, Bremerhaven)    
          
Fotos in höherer Auflösung 
(erhalten von Rolf Hofmann, Stuttgart) 
    
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Das Eingangstor  
  
Der gemeinsame Grabstein für acht christliche 
Beigesetzte (siehe oben)  
Gemeinsamer Grabstein für 
Martel Lewin usw. (siehe oben)  
        
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Gemeinsamer Grabstein für 
Emerich Rosenbaum
usw. (siehe oben) 
Grabstein für Hendel Seidel 
(gest. 25. August 1947)  
Grabstein für Josef Goldberg 
(gest. 1. Februar 1948)  
Grabstein für Necha Jutta
 (gest. 19. März 1948)   
Grabstein für David Benesch 
(gest. 18. Juni 1945) 
       Grabstein zugleich für Josef Miller  

    
   
 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte       

Juni 2018: Das Kloster St. Ottilien beschäftigt sich mit seiner jüdischen Vergangenheit      
Artikel von Ulrike Osman im "Kreisboten.de" (regional) vom 12. Juni 2018: "Nie wieder auf deutschem Boden. Jüdische Vergangenheit des Klosters St. Ottilien soll aufgearbeitet werden
St. Ottilien –
In diesen Wochen beschäftigt sich das Kloster St. Ottilien mit seiner jüdischen Vergangenheit. Von 1945 bis 1948 existierte auf dem Gelände der Erzabtei ein Krankenhaus für sogenannte Displaced Persons (DP) – für Überlebende aus den Konzentrationslagern und Menschen, die durch Krieg und Verfolgung heimatlos geworden waren. 70 Jahre nach der Schließung des DP-Krankenhauses trafen in St. Ottilien die Nachkommen von Holocaust-Überlebenden sowie zahlreiche weitere Interessierte aus dem In- und Ausland zu einer mehrtägigen Veranstaltung zusammen. Den Auftakt bildete die Eröffnung einer Ausstellung in der Klostergalerie, die sich mit dem jüdischen Leben im St. Ottilien der Nachkriegsjahre befasst und gemeinsam von Pater Cyrill Schäfer sowie Vertreterinnen des Jüdischen Museums München und des Historischen Seminars der Ludwig-Maximilians-Universität konzipiert wurde. Wie das jüdische Leben im Bayern der Nachkriegszeit aussah, darüber sprach im Anschluss Bayern-3-Moderator Thorsten Otto mit Professor Michael Brenner, Historiker und Sohn zweier Holocaust-Überlebender aus der Oberpfalz. Otto und Brenner sind dort zusammen zur Schule gegangen und teilen viele gemeinsame Erinnerungen. Dass Brenners Eltern nach Kriegsende in Deutschland blieben, war die große Ausnahme. Die meisten Juden, die die Nazi-Herrschaft überlebt hatten, verließen das Land. So auch zwei Schwestern seines Vaters, wie Brenner berichtete. 'Die eine kam immer mal wieder zu Besuch, die andere wollte nie wieder deutschen Boden betreten.' Bei Aufenthalten in Israel habe sein Vater sich noch bis in die 1970er Jahre hinein unwohl gefühlt, Deutschland als seinen Wohnort zu erwähnen.
Antisemitismus heute. Normalität im deutsch-jüdischen Verhältnis mag sich vielleicht in den 1990er Jahren angedeutet haben, inzwischen jedoch verschlechtert sich die Situation wieder, wurde aus dem Gespräch deutlich. Thorsten Otto zitierte die erschreckenden Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage unter der jüdischen Bevölkerung in Deutschland: Fast zwei Drittel haben bereits versteckte antisemitische Beleidigungen erfahren, ein Drittel sogar offene Anfeindungen. Wer hier sofort an Islamisten denkt, liegt falsch. Die meisten antisemitischen Straftaten kommen Brenner zufolge aus der rechtsradikalen Ecke und sind im übrigen nicht auf Deutschland beschränkt. 'Jede jüdische Einrichtung in Europa ist ja nicht am Davidstern zu erkennen, sondern an den Polizeiautos vor der Tür, mit denen die Einrichtung geschützt wird.' Was jeder Einzelne zur Verbesserung der Situation tun kann - 'dafür gibt es kein allgemeingültiges Rezept'. Eine große Rolle spielt naturgemäß die Schule. Außerdem könne jeder Einzelne im täglichen Leben Offenheit praktizieren. Veranstaltungen wie die in St. Ottilien seien ebenfalls ein Schritt in die richtige Richtung – nicht jedoch das Aufhängen von Kreuzen in öffentlichen Einrichtungen. 'Kleine Schritte können auch in die falsche Richtung führen', sagte Brenner unter dem Applaus der zahlreichen Zuhörer.
Die Ausstellung 'St. Ottilien und seine jüdische Geschichte' ist noch bis zum 23. September in der Klostergalerie zu sehen. Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag 10 bis 12 Uhr und 13.30 bis 17 Uhr; Samstag 10 bis 12 Uhr und 13.30 bis 18 Uhr. Und an Sonn- und Feiertagen von 10.30 bis 16 Uhr."  
Link zum Artikel  

    
     

Links und Literatur

Links:

bulletWebsite des Klosters St. Ottilien   
bulletWebsite der Gemeinde Eresing  
bulletWikipedia-Artikel über St. Ottilien  
bulletLinks zu einem Beitrag von Yehuda Shenef (Jüdisch-Historischer Verein Augsburg): Der jüdische Friedhof des Klosters St. Ottilien (Eresing) bei Landsberg  (dazu eine Dokumentation auf pdf-Datei)      

Literatur:  

bulletIsrael Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. 1988 S. 317-318. 1995² S. 330. 
bullet Bundeszentrale für politische Bildung (Hg. von Ulrike Puvogel/Martin Stankowski): Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. 1995 S. 130.  

    
     

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 15. Oktober 2013