Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Billigheim (Neckar-Odenwald-Kreis) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen      
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)  
   
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhundert zu Kurmainz gehörenden Billigheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhundert zurück. 1722 lebten bereits zehn jüdische Familien am Ort, 1743 11 Familien. 
 
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdische Einwohner wie folgt: 1825 85 jüdische Einwohner (10,7 % von insgesamt 795 Einwohnern), 1832 93, Höchstzahl um 1836/39 mit 140 Personen, 1864 90, 1871 66, 1975 69 (7,6 % von 903), 1880 77, 1885 72, 1890 62, 1895 46, 1900 44 (5,2 % von 850), 1910 35 (4,2 % von 841). Die jüdischen Familien lebten vom Handel mit Vieh und Waren aller Art. 
 
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, eine Religionsschule (jüdische Elementarschule von 1835 bis 1875) und ein rituelles Bad. Zur Unterbringung der Schule wurde 1835 ein jüdisches Schulhaus erbaut (Entengasse, Flurstück 205). Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof in Neudenau beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Ausschreibungen der Stelle unten). Die Gemeinde gehörte seit 1827 zum Bezirksrabbinat Mosbach
 
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Salomon (Sally) Schwarz (geb. 22.3.1889 in Billigheim, gef. 23.9.1917) und Sanitätsgefreiter Leo Lazarus Weil (geb. 30.10.1887 in Graben, gef. 14.7.1918). 
 
Um 1924, als knapp 40 Personen zur jüdischen Gemeinde gehörten, waren die Gemeindevorsteher Abraham Strauß und K. Wertheimer. Einen eigenen Lehrer hatte die Gemeinde seit dem Tod von Abraham Schlössinger (1921, siehe Bericht unten) nicht mehr angestellt. Die jüdischen Kinder erhielten ihren Religionsunterricht durch Lehrer Alfred Kaufmann aus Mosbach. 1932 waren die Gemeindevorsteher Abraham Strauß (1. Vors.), Adolf Siegel (2. Vors.) und Hermann Wertheimer (3. Vors. und Schriftführer). Damals gab es noch vier schulpflichtige jüdische Kinder, die durch Lehrer Baracker aus Mosbach in Religion unterrichtet wurden. 
   
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Handelsbetrieben sind bekannt: Hausierhandel Abraham Bendheim (Schefflenztalstraße 27), Viehhandlung Adolf Siegel (Entengasse 18), Textilhandlung Klara Strauß (Schefflenztalstraße 72), Textilgeschäft Hermann Wertheimer (Schefflenztalstraße 13). 
  
1933 wurden noch 27 jüdische Einwohner gezählt. Bis 1938 kam es offenbar zu keinen schlimmeren Vorkommnissen gegen die nur noch wenigen jüdischen Familien. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge demoliert (s.u.), dazu wurden die Fenster und die Türen im Haus des Kaufmanns Wertheimer zerschlagen. Am 22. Oktober 1940 wurden die letzten 10 jüdischen Einwohner aus Billigheim nach Gurs deportiert. Von dort aus sind die meisten 1942/44 nach Auschwitz weitertransportiert wurden. Abraham Bendheim war bereits 1941 im Lager Rivesaltes gestorben. 
    
Auf Grund der Judenverfolgungen und -ermordungen in der NS-Zeit kamen von den 1933 hier lebenden 27 jüdischen Einwohnern mindestens 12 ums Leben.   
Von den in Billigheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Abraham Bendheim (1877), Johanna Bendheim geb. Siegel (1882), Max Bendheim (1924), Bella Schlössinger geb. Wertheimer (1883), Adolf Siegel (1873), Emilie Siegel geb. Mayer (1871), Hermine Henriette Strauß (1870), Albert Strauß (1895), Amalie Strauss geb. Dornheimer (1878), Bonna Strauß geb. Meier (1882), Hermine Henriette Strauß (1870), Isaak Strauß (1887), Meta Strauß (1913), Nathan Strauß (1868, Foto seines Grabsteines in Gurs siehe unten), Salomon Strauß (1884), Salomon Woll (1884), Thekla Woll geb. Levy (1894).    
Anmerkung: die präzise Recherche zu Billigheim ist schwierig, da es bei Landau einen weiteren Ort Billigheim mit einer früheren jüdischen Gemeinde gibt; daher ist die Heranziehung der speziellen Gedenkbücher (Baden-Württemberg) nötig.     
    
      
Eine Gedenktafel für die in der Verfolgungszeit umgekommenen jüdischen Einwohner ist seit 1978 an der Friedhofshalle des Ortsfriedhofes angebracht. Initiator der Tafel war Franz Zimmermann, ein ehemaliger Billigheimer, der auf einer Studienreise in Israel Holocaust-Überlegende aus Billigheim getroffen hatte.  
     
     
Weitere Spuren der jüdischen Geschichte: Zwischen Billigheim und Allfeld befindet sich ein landwirtschaftliches Einzelgehöft, das im Volksmund "Judenmühle" genannt wird (Allfelder Straße 1, Herkunft der Bezeichnung unbekannt, vielleicht Zusammenhang mit der Kunstmühle Wertheimer, siehe Anzeigen unten.    
     
     
     
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1855 / 1875  

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 17. Februar 1855 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): Vakante Schulstellen. 
Durch Beförderung des Hauptlehrers Heinrich in Billigheim auf die israelitische Schulstelle in Ihringen, ist die zur II. gesetzlichen Klasse gehörige Schulstelle bei der israelitischen Gemeinde Billigheim, mit welcher ein fester Gehalt von 200 fl., ein Schulgeld von 48 kr. für jedes Kind, freie Wohnung oder der gesetzliche Wertanschlag für solche, sowie der Vorsängerdienst mit den davon abhängigen Gefällen verbunden ist, in Erledigung gekommen.  
Die berechtigten Bewerber um diese Stelle werden daher aufgefordert, nach Maßgabe der Verordnung vom 7. Juli 1835, unter Anfügung ihrer Aufnahmescheine und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel durch die betreffende Großherzogliche Bezirksschulvisitatur bei der Großherzoglich katholischen Bezirksschulvisitatur Mosbach zu Neudenau binnen 6 Wochen sich zu melden."    
  
Billigheim Israelit 03021875.jpg (66622 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Februar 1875: "Auskündigung einer Religions-Schulstelle
Die Religionslehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle bei der israelitischen Gemeinde Billigheim, Rabbinatsbezirk Mosbach am Neckar, ist sofort zu besetzen. Fester jährlicher Gehalt für Schul- und Vorsängerdienst: 700 Mark, einschließlich des Aversums für sogenannte Segenssprüche; ferner 2 Mark Schulgeld für jedes Kind und freie Wohnung von 3-4 Zimmern. Der Schächterdienst kann jährlich ca. 175 Mark abwerfen, und ist dem Lehrer Gelegenheit geboten, sein Einkommen durch zu erteilenden Privatunterricht bedeutend erhöhen zu können. Berechtigte Bewerber wollen deshalb, unter Vorlage ihrer Befähigungs- und Sittenzeugnisse, bei unterzeichneter Stelle binnen 14 Tagen sich melden. 
Mosbach am Neckar, 24. Januar 1875. Das Großherzogliche Bezirksrabbinat: S. Weil."


Zum Tod des Lehrers und Vorbeters Abraham Schlössinger (1921)   

Billigheim Israelit 13011921.jpg (36477 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Januar 1921: "Billigheim, 4. Januar (1921). Unsere Gemeinde erlitt einen schweren Verlust durch das Ableben unseres Lehrers und Vorbeters Abraham Schlössinger. Der Verstorbene, der am vorigen Pessach seinen achtzigsten Geburtstag feierte, waltete nahezu 50 Jahre in unserer Gemeinde. Alle, die ihn kannten, werden ihm ein dauerndes Andenken bewahren."

   
    
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
   
Eröffnung eines Gantverfahrens gegen Isak Bär Westheimer von Billigheim (1854)    

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 8. November 1854 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Mosbach [Ganterkenntnis]. Nr. 43,496. Nach Ansicht des $ 778 Ziff. 1 der Pr.Ordg. sowie der H.R. S. 206 und folg. wird erkannt: 
Gegen Handelsmann Isak Bär Westheimer von Billigheim, sei der Ausbruch des Zahlungsunvermögens, vorbehaltlich näherer Bestimmung des Tages des Ausbruchs, zu erklären, und demzufolge das Gantverfahren gegen denselben zu eröffnen. 
 V.R.W.  Dies wird gesetzlicher Bestimmung gemäß zur öffentlichen Kenntnis gebracht.  
Mosbach, den 31. Oktober 1854. 
Großherzogliches Bezirksamt. W. Kapferer. Eisenhuth, a.j."      

      
Zum Tod von Elise Reif (1930)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Juli 1930: "Billigheim (Baden), 6. Juli (1930). Am Freitag, 4. Juli wird hier Frau Elise Reif unter großer Beteiligung zu Grabe getragen. Die Entschlafene erreichte ein Alter von 85 Jahren und war die zweitälteste Frau unserer sehr alten Gemeinde. Die Verewigte entstammte einer sehr streng religiösen Familie in Edelfingen in Württemberg, wo echte, alte Jüdischkeit noch heimisch ist. In diesem Sinne und Geiste wirkte und lebte sie hier über 40 Jahre lang.  
Herr Lehrer Baracker, Mosbach, schilderte in einer längeren Ansprache ihren Lebenslauf und würdigte ihren echt jüdischen Lebenswandel, den er als nachahmenswert bezeichnete. Möge Gott die edle Verklärte reichlich belohnen. Ihre Seele sei eingebunden im Bund des Lebens."   

 
Zum Tod von Fanny Wertheimer geb. Krug (1937)  

Billigheim Israelit 21101937.jpg (67495 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Oktober 1937: "Billigheim (Baden), 13. Oktober (1937). Die älteste und religiöseste Frau unserer kleinen Gemeinde und des Bezirkes, Frau Fanny Wertheimer geb. Krug, verschied im hohen Alter von 94 Jahren. Groß war die Teilnehmerschar von nah und fern, die der Verewigten das letzte Geleite gab. Herr Bezirksrabbiner Greilsheimer, Mosbach, schilderte in seiner Gedenkrede das tugendhafte jüdische Leben der Verewigten und hob rühmend ihre Frömmigkeit und ihre Kenntnis im jüdischen Schrifttum hervor. Herr Lehrer Baracker, Mosbach, beklagte den großen Verlust, den der Lehrerstand durch den Heimgang dieser seiner Gönnerin erleidet. – Möge ihr Verdienst uns beistehen. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  

       
Erinnerung an die Deportation in das südfranzösische Internierungslager Gurs im Oktober 1940: Grabstein für Nathan Strauss in Gurs         

Billigheim Gurs BK 020.jpg (190192 Byte) Grabstein im Friedhof des ehemaligen Internierungslagers Gurs für 
Nathan Strauss
geb. am 18. Oktober 1868 in Billigheim, wohnhaft in Billigheim
am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert, wo er 1942 umgekommen ist.        

     
     
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Anzeigen der Kunstmühle Billigheim Westheimer Sohn (1893 / 1894)  

Billigheim Israelit 06111893.jpg (42239 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. November 1893: "Kunstmühle, Billigheim, Baden.  Wertheimer Sohn empfiehlt unter strengster Aufsicht feinst gemahlenes aus Dinkelkern erstelltes Matzen-Mehl. Mit bemusterten Offerten stehe gerne zu Diensten. 
  
Billigheim Israelit 17121894.jpg (45582 Byte) Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Dezember 1894: "Wertheimer Sohn, Kunstmühle, Billigheim (Baden) empfiehlt prima Mazzenmehl, gemahlen unter der Kontrolle der Herren Rabbinen Dr. Löwenstein in Mosbach und Dr. Schiffer in Karlsruhe und der von ihnen bestellten Aufseher."  

      
      
      
Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge          
      
Nachdem bereits in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts die Zehnzahl religionsmündiger jüdischer Männer erreicht war, wird sich die Gemeinde alsbald einen Betsaal eingerichtet haben.1804 wurde an der Schefflenztalstraße eine Synagoge erbaut, in der sich auch die Wohnung des Lehrers befand. Auch ein Zimmer für den Religionsunterricht der Kinder wird vorhanden gewesen sein, bis 1835 ein jüdisches Schulhaus erbaut wurde. Zur Geschichte der Synagoge konnten bislang keine Quellen gefunden werden.    
     
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch SA-Leute demoliert. Die Inneneinrichtung wurde zerschlagen; eine durch den Kamin geworfene Granate beschädigte das Gebäude. Ein damals im Erdgeschoss der Synagoge wohnender christlicher Schneidermeister konnte durch seine Weigerung, die Wohnung zu räumen, die Inbrandsetzung des Gebäudes verhindern.
     
1945
wurde das Gebäude von den Alliierten beschlagnahmt und von der Jüdischen Vermögensverwaltung übernommen (Jewish Restitution Successor Organization in New York, JRSO). Diese verkaufte das Gebäude 1952. Es wurde zu einem Wohnhaus umgebaut und als solches bis Mitte der 1980er-Jahre genutzt. Im Zuge des Ausbaus der Schefflenztalstraße wurde das Gebäude um 1990 abgebrochen (Schefflenztalstraße 35). Äußerlich erinnerte bis dahin vor allem noch der Türsturz mit der hebräische Jahreszahl für 1804 an die Vergangenheit als Gotteshaus. Er blieb auf Grund einer Auflage der Denkmalbehörden beim Abbruch erhalten und wurde 2007 in ein am Synagogenstandort aufgestelltes Denkmal zur Erinnerung an die jüdische Geschichte integriert.  
      
      
      
Fotos 
Historische Fotos 
(Quelle: Hauptstaatsarchiv Stuttgart, veröffentlicht in Hundsnurscher/Taddey - s. Lit. - Abb. 17 und 18)           

Billigheim Synagoge 016.jpg (40874 Byte)

Billigheim Synagoge 015.jpg (42737 Byte)
Außenaufnahme der Synagoge Billigheim von
 Osten. Der Toraschrein (Foto rechts) stand
 zwischen den beiden Fenstern 
Im Betsaal der Synagoge: 
Blick zum Toraschrein 
  

   
Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn)  
Billigheim Synagoge 001.jpg (110520 Byte) Billigheim Synagoge 005.jpg (85707 Byte)
    Die Synagoge (Pfeil) war in ihrer
 Umgebung gemäß talmudischen
 Gebräuchen das höchste Gebäude 
der Siedlung  
Die ehemalige Synagoge Billigheim - umgebaut 
zu einem Wohnhaus, das inzwischen schon
 schwere Schäden zeigte
   
     
Billigheim Synagoge 003.jpg (69091 Byte) Billigheim Synagoge 006.jpg (81935 Byte) Billigheim Synagoge 004.jpg (68036 Byte)
Synagogengebäude 
von Osten 
Das frühere Rundfenster 
(siehe Foto oben) zeichnet sich 
noch im Verputz des Hauses ab 
Der Eingang zur 
ehemaligen Synagoge 
   
     
   Billigheim Synagoge 002.jpg (58838 Byte) Billigheim Gedenktafel 01.jpg (47050 Byte)
    Auf dem Türsturz des Eingangs ist die
 Jahreszahl der Einweihung (564 nach 
der kleinen Zählung, entsprechend 1804)
 eingetragen
  
Im allgemeinen Friedhof Billigheim befindet
 sich seit 1978 die Gedenktafel: 
"Ein Gedenken den zu Todverfolgten, 
den Leidbedrängten Juden des Dorfes
 1933-1945" 
         
Fotos 2003:
(Fotos: Hahn,
 Aufnahmedatum 22.10.2003)
Billigheim Gedenktafel 151.jpg (59451 Byte) Billigheim Gedenktafel 150.jpg (69233 Byte)
   An der Friedhofshalle im allgemeinen Friedhof Billigheim ist die 
Gedenktafel weiterhin vorhanden
     
   Billigheim Synagoge 153.jpg (43926 Byte) Billigheim Synagoge 152.jpg (33831 Byte)
   Die Schefflenztalstraße in Billigheim: die ehemals am Hang stehenden 
Häuser sind abgebrochen  
   
    Billigheim Synagoge 150.jpg (73173 Byte) Billigheim Synagoge 151.jpg (65197 Byte)
   Blick von Haus Schefflenztalstraße 36 auf die gegenüberliegende Seite: 
hier war der Standort der Synagoge.

  
  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
Die Errichtung des Denkmals für die ehemalige Synagoge 2007 
(Quelle für Text und Fotos: www.billigheim.de)       

Billigheim Denkmal 010.jpg (57225 Byte) Billigheim Denkmal 014.jpg (38088 Byte) Billigheim Denkmal 013.jpg (33515 Byte) Billigheim Denkmal 011.jpg (45838 Byte) Billigheim Denkmal 012.jpg (29615 Byte)
Das Denkmal Teilnehmer an der
 Veranstaltung
Dr. Fischer, Schefflenz 
bei seiner Ansprache 
Der Schülerchor der
 Grundschule beim
 Liedvortrag
Die Ausstellung in der Aula
 des neuen Rathauses
 (Sulzbacher Str. 9)
           
 
Die Einweihung des Denkmals zur Erinnerung an die jüdische Geschichte in Billigheim am 22. Oktober 2007 
"Am Sonntag, 22. Oktober 2007 wurde in der Schefflenztalstraße in Billigheim ein Denkmal zur Erinnerung an die über 300jährige Geschichte jüdischen Lebens in Billigheim und die Verschleppung der letzten jüdischen Mitbürger am 22. Oktober 1940 am Ort der ehemaligen Synagoge feierlich eingeweiht. Es besteht aus deren ehemaligen Türportal und aus zwei gegeneinander gestellten, dreieckigen Steinplatten, die sich gegenseitig stützen und so das Zusammenleben der einheimischen und der jüdischen Bevölkerung symbolisieren sollen. Nach dem Liedvortrag des Schülerchors der Grundschule Billigheim begrüßte Bürgermeister Reinhold Berberich alle Gäste. Er erläuterte, dass die Synagoge 1989 zur Verbreiterung der Schefflenztalstraße zusammen mit weiteren Häusern abgetragen werden musste. Mit der Einweihung des Denkmals werde umgesetzt, was im Planfeststellungsbeschluss des Regierungspräsidiums Karlsruhe vom 23. Februar 1982 dem Land Baden-Württemberg und der Gemeinde Billigheim auferlegt wurde. Wie beim Ausbau der Schefflenztalstraße hat auch hier das Land den überwiegenden Teil der Kosten von ca. 6.500 Euro zu tragen. In den letzten 1 ½ Jahren hat eine Projektgruppe unter Leitung von Dr. Georg Fischer Recherchen im Archiv vorgenommen und einen Plan mit den Wohnorten der ehemaligen jüdischen Mitbürger gefertigt. Zudem fanden zwei Diskussionsrunden zwischen Schulklassen und Zeitzeugen statt. Im Billigheimer Boten konnte sich die Bevölkerung über den Fortgang der Arbeiten informieren bzw. Termine zur Teilnahme erfahren. Diese Projektarbeit wurde in einer Dokumentation zusammengefasst und in einer Broschüre, die im Rathaus erhältlich ist, dargestellt. Bilder und Dokumente dieser Zeitgeschichte sind ab sofort in einer kleinen Ausstellung in der Aula des neuen Rathauses in der Sulzbacher Straße 9 zu sehen. Vor einem Jahr wurde im Rahmen des Mahnmalprojektes bei der jüdischen Gedenkstätte in Neckarzimmern bereits ein gleich gestaltetes Denkmal aufgestellt. An dieser Projektgruppe waren – in alphabetischer Reihenfolge - beteiligt: Als Zeitzeugen: Frau Karolina Grimm, Billigheim; Elisabeth Linder, Billigheim; Dr. Franz Zimmermann, Adelsheim. Die Jugendlichen Marius De Bortoli und Lisa Drost sowie Beate Köpfle aus Schefflenz, Reinhard Lochmann aus Adelsheim und Dieter Neumahr aus Billigheim. Dr. Georg Fischer aus Schefflenz hatte die Leitung übernommen. Felicia Sparacio aus Allfeld hat das Thema für Ihre Diplomarbeit verwendet. Nach dem musikalischen Beitrag des kath. Kirchenchors Billigheim hielt Dr. Georg Fischer die Ansprache und erläuterte dabei die Geschichte der ehemaligen jüdischen Mitbürger. Die Enthüllung des Denkmals wurde von Liedern des Männergesangvereines Billigheim begleitet. Danach sprachen Landrat Dr. Achim Brötel und der stv. Vorsitzende des Oberrates der Israeliten, Herr David Seldner, ihre Grußworte. Nach dem Vortrag der Musikkapelle Billigheim dankte Bürgermeister Berberich neben den Grußwortrednern den Mitgliedern der Projektgruppe, dem Schulchor der Grundschule Billigheim, dem kath. Kirchenchor, dem Männergesangverein und der Musikkapelle Billigheim und der Freiwilligen Feuerwehr für die Absperrung der Straße. Sein Dank galt auch Herrn Günter Scherer vom Steinmetzbetrieb Rieth aus Billigheim, der das Türgewand aufbewahrt und dem Bauhof unter der Leitung von Herrn Söhner-Wesch bei den Aufbauarbeiten unterstützt hatte sowie der Firma Kotatko & Malatek, die die Steine kostenlos zur Verfügung stellte. Ebenso bedankte er sich bei den Pressevertretern und Herrn Seitz, der einen Film über die Einweihung anfertigt. Allen Anwesenden sagte er herzlichen Dank, dass sie trotz des kalten Wetters die Einweihung begleitet haben."

   
    

Links und Literatur 

Links: 

Website der Gemeinde Billigheim 

Literatur:

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 44-45. 
Gabi Metzger: "...und gedenken der Vergangenheit...": die Billigheimer Synagoge. In: Unser Land. 1987. S. 159-160.  
Martin Runow: "Die Stiftung eines Capitals von Anschel Goldenberger von Billigheim zur Errichtung eines Rabbinats zu Mosbach betr.". In: Der Odenwald. 44. 1997. S. 60-68.  
Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern - Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem 1986. S. 269-271.    
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.  
Rudolf Landauer, Reinhart Lochmann: Spuren jüdischen Lebens im Neckar-Odenwald-Kreis. Herausgegeben vom Landratsamt NOK, 2008, ISBN: 978-3-00-025363-8. 200 S., 284 Fotos, 19,90 Euro.        
Felicia Sparacio: Erinnerung an jüdisches Leben in Billigheim - drei Konjunkturen. Oktober 2012. Online zugänglich über alltagskultur.info   

       
        


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Billigheim Baden.  The first Jews settled after the Thirty Years War and maintained a stable population until the mid-18th century, trading in cattle and farm-produce. A Jewish elementary school was opened in the 1830s and the Jewish population reached a peak of 140 in 1842, declining afterwards. In 1933, 30 Jews remained. Ten left by 1938 and another eight in 1939-40 after the disturbances of Kristallnacht (9-10 November 1938). The last ten Jews were expelled to the Gurs concentration camp on 22 October 1940, joined by four Jewish women who had previously left Billigheim. In all, just two survived. 
    
      

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 01. April 2014