Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Badenweiler (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald)
Jüdische Geschichte / Betsaal

Übersicht:

Zur Geschichte jüdischer Bewohner und Kurgäste    
Aus der Geschichte der jüdischen Familien  
Allgemeine Berichte  
Familie Levy-Mager und das "Hotel Bellevue"         
Familie L. Blum und die Pension "Elsäßer Hof"     
Jüdische Kurgäste in Badenweiler  
Weitere jüdische Persönlichkeiten in Badenweiler      
Fotos / Darstellungen  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   
Links und Literatur   

     

Zur Geschichte jüdischer Bewohner und Kurgäste      
    
In Badenweiler ließen sich seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (seit 1864 Familie Levi-Mager) wenige jüdische Familien / Einzelpersonen nieder, die der Synagogengemeinde Müllheim angehörten. 1863 eröffnete David Levy Mager aus Müllheim ein Hotel in Badenweiler ("Hotel Bellevue"), das für drei Generationen Mittelpunkt des jüdischen Lebens am Ort werden sollte. Es wurde streng rituell geführt, sodass auch orthodoxe Juden aus Deutschland und dem Ausland im badischen Schwarzwald Urlaub machen konnten. Im Hotel gab es einen Betsaal, zeitweise waren ein eigener Vorbeter und ein Schochet (Schächter) angestellt. Viel jüdische Prominenz kam nach Badenweiler, wie der Bericht über den bekannten jüdischen Schriftsteller Scholem Alejchem (s.u.) zeigt.  
 
Nur wenige Jahre hielt sich ein 1900 eröffnetes zweites, gleichfalls streng rituell geführtes jüdisches Hotel, das Hotel "Elsässer Hof" (Inhaber L. Blum). Auch in diesem Hotel war ein Betsaal eingerichtet.    

Seit 1891 (Gewerbeanmeldung bei der Gemeinde im Mai 1891, s.u.) wirkte in Badenweiler der später weltberühmte Arzt Albert Fraenkel (s.u.). Er war in Badenweiler wie auch in Heidelberg tätig und wurde in Anerkennung seiner Verdienste für den Kurort Badenweiler 1920 zum Ehrenbürger der Gemeinde ernannt.
 
Es bestanden bis nach 1933: Arztpraxis Dr. Hermann Haymann (Ernst-Eisenlohr-Straße 1), Kurhotel Bellevue mit ritueller Gastwirtschaft der Familie Levi, Inhaber Julius Levi-Mager (Luisenstraße 12), Textilgeschäft Adolf Monasch (Luisenstraße 2; Adolph Monasch, geb. 1847 war nach dem Ersten Weltkrieg von Mulhouse nach Badenweiler übersiedelt). 
   
An das Schicksal der in der Verfolgungszeit 1933 bis 1945 umgekommenen Schwestern Monasch erinnerte schon vor 1993 eine Gedenktafel auf dem Friedhof Badenweiler. Die Namen der vier aus der Familie Levi ermordeten Personen wurden auf einer neuen Gedenktafel am Friedhof 1993 nachgetragen. Gleichfalls finden sich die Namen der umgekommenen Badenweiler Juden auch auf den Bronzetafeln der Gedenkstätte im jüdischen Friedhof Müllheim.    
    
   
Ortsteil Oberweiler. In Oberweiler (Unterer Kirchweg 12) wohnte von 1935 bis 1938 Prof. Dr. Friedrich Darmstädter (1883-1957; bis 1935 und wieder ab 1946 Rechtsphilosoph und Staatsrechtler an der Universität Heidelberg).

Ortsteil Schweighof. Im Schweighof lebte seit der Zeit des 1. Weltkrieges Fritz Schaller, der mit Frieda Kiefer aus Schweighof verheiratet war. Die vier in Schweighof zwischen 1915 und 1923 geborenen Kinder der Familie waren Heinrich, Regina, Lotte und Irmgard. 1926 siedelte die Fam. nach Müllheim über, wo Frau Schaller eine Nähmaschinenfiliale der Fa. Singer übernahm (Hauptstraße 79). Fritz Schaller und Tochter Irmgard kamen 1938/41 in Lemberg ums Leben.
   

Von den in Badenweiler geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Gertrud(e) Levi-Mager (1918), Julius (Jules) Levi-Mager (1877), Louis Levi-Mager (1928), Celine Mager geb. Levy (1892), Berta Monasch (1886), Charlotte Monasch (1882), Gertrude Monasch (1892), Margarete Stern geb. Lippmann (1874).
   
Von den in Schweighof geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Fritz Schaller (1880), Irmgard Schaller (1923).      
      
      
      
Aus der Geschichte der jüdischen Familien     
 
Allgemeine Berichte   
  
Bericht eines Kurgastes aus Badenweiler (1903)         

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. November 1903:     
Der Bericht konnte noch nicht abgeschrieben werden - zum Lesen bitte Textabbildungen anklicken.   
          
Badenweiler AZJ 13111903a.jpg (480539 Byte)  
Badenweiler AZJ 13111903b.jpg (124187 Byte)  
Auch die Fortsetzung des Berichtes ist noch zu ergänzen.   

  
  
Familie Levy-Mager und das "Hotel Bellevue"   
Anzeigen des Hotels der Familie Levy - Mager / Hotel Bellevue 1864 bis 1927 

Badenweiler Israelit 11051864.jpg (68086 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Mai 1864: "Badenweiler. Empfehlung. 
Der Unterzeichnete empfiehlt hiermit seine in Badenweiler, Großherzogtum Baden, neu eingerichtete israelitische Gastwirtschaft dem geehrten Publikum unter Zusicherung reeller und prompter Bedienung. Geräumige und wohl ausmöblierte Zimmer mit der herrlichsten Aussicht ins Rhein- und Weilertal stehen zur stündlichen Benutzung jederzeit offen.   David Levi Mager."
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Mai 1865: "David Levi. 
Badenweiler
im Breisgau, Großherzogtum Baden den 1. Mai 1865. Hotel Levi. Jüdisches Gasthaus empfiehlt sich hiermit einem geehrten Publikum unter Zusicherung prompter Bedienung. - Das Hotel ist um das Doppelte vergrößert, hat etwa 25 verfügbare, mit allem Komfort eingerichtete Zimmer und gewährt eine romantische Aussicht in das schöne Rhein- und Weilertal, dem Elsass bis zu den Vogesen. Reine Luft, warme Quellen, hohe Lage zeichnet den Badplatz vor allen andern aus, was der alljährlich zunehmende Besuch sichtbar nachweist."  
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Mai 1889
"Badenweiler im Schwarzwald. Hotel Levi nächst der Post. 
Einem verehrten Publikum, welches den hiesigen Kurort besuchen will, die ergebene Anzeige, dass ich auch dieses Jahr wieder einen eigenen Schochet und Officiant, welcher sowohl Groß- als auch Kleinvieh schächtet, engagiert habe. Derselbe besitzt die Autorisation von dem Herrn Rabbiner Dr. Kutna aus Eisenstadt und Herrn Dr. Lewin aus Freiburg. 
Milch und Molken im Hause. Komfortable Zimmer, gute Küche und feinen Keller. Für längeren Aufenthalt Pensionspreis. Es empfiehlt sich die Eigentümerin 
Liebmann Levy Mager Witwe."
   
  
Badenweiler Israelit 14051891.jpg (65497 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Mai 1891: "Badenweiler, badischer Schwarzwald. 
Hotel & Pension Levy. 
Durch Umbau vergrößert und verschönert. Hohe, luftige und elegante Räume. Vorzügliche, streng koschere Küche und reine Weine bei normalen Preisen. Frische Kuhmilch zu jeder Zeit. Eigener, orthodoxer Schochet, von anerkannt berühmten Herren Rabbinern geprüft. Gottesdienst im hause. Eigentümerin. 
Levy Mager Witwe
."
  
Badenweiler Israelit 18041898.jpg (72576 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. April 1898: "Badenweiler. Bahnstation im Badischen Schwarzwald. Hotel & Pension Bellevue vormals Levy. 
Streng koscheres Hotel mit fein eingerichteten Fremdenzimmern, großen Speisesälen mit großer Terrasse. Beste Gelegenheit zum Abhalten von Hochzeiten, bei billigster Berechnung. Thermalbäder, Milch und Molken im Hause. Gute Küche und reine Weine. Eigene Schul. Schochet und Chassen. 
Levy Mager. Besitzer.
NB. Auf Wunsch erteilen orthodoxe Rabbinen Referenzen."
 
Badenweiler Israelit 28041898.jpg (111840 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. April 1898: "Badenweiler – Einziges israelitisches Hotel am Platze. Bahnstation im Badischen Schwarzwald. Hotel & Pension Bellevue. Vormals Levy. Streng koscheres Hotel mit fein eingerichteten Fremdenzimmern, großen Speisesälen mit großer Terrasse. Beste Gelegenheit zum Abhalten von Hochzeiten, bei billigster Berechnung. Bäder, Milch und Molken im Hause. Gute Küche und reine Weine. Eigene Schul. Schochet und Chassen. Frau Levy Mager, Besitzerin. NB., Auf Wunsch erteilen orthodoxe Rabbinen Referenzen."
 
Badenweiler Israelit 10051900 2x.jpg (102752 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Mai 1900: "Badenweiler im badischen Schwarzwald. Hotel & Pension Bellevue, auch Levy, gegründet 1863. Telefon Nr. 8. Elegante luftige Fremdenzimmer. – Große Speisesäle. – Anerkannt gute Küche. – Reine Weine bei mäßigen Preisen. – Eigener von orthodoxen Rabbinen geprüfter russischer Schochet. – Orthodoxe Rabbiner erteilen Referenzen. – Hotelwagen am Bahnhof."  
 
Badenweiler Israelit 30051901.jpg (92743 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Mai 1901: "Badenweiler im Schwarzwald. Hotel Bellevue Pension. Koscher – vorm. Levy – Koscher. Hohe luftige Zimmer mit Balkone und Terrassen! Von Gärten umgeben am Waldesrand. Milchkuranstalt. Eigener Schochet! Billige Preise. Frau Levy Mager. Referenzen und unter Aufsicht Seiner Ehrwürden Herrn Rabbiner Buttenwieser in Strassburg im Elsass".
 
Badenweiler Israelit 07041921a.jpg (59076 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. April 1921: "Badenweiler
(Südlicher badischer Schwarzwald). Hotel Bellevue ist eröffnet. Streng koscher. Synagoge im Hause. Schöne Zimmer, erstklassige Verpflegung. Großer Garten und Terrassen, Pessach geöffnet. Pension pro Tag von 40 Mark an. Vorherige Anmeldung erwünscht. Telefon Nr. 8. Besitzerin Frau Levy Mager."
 
Badenweiler Israelit 31031927b.jpg (58765 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. März 1927: "Kurort und Thermalbad. 
Badenweiler
(südlicher badischer Schwarzwald). Ein idealer Platz für Erholungsbedürftige. 
Kur-Hotel Bellevue. Koscher – Israelitisches Hotel – Koscher. Unter Aufsicht – Telefon Nr. 8. Synagoge im Hause. Man verlange Prospekt."

     
   
Weitere Anzeigen der Familie Levy Mager  
Koscheres Kirschwasser aus Badenweiler (1885) 

Badenweiler Israelit 19011885.jpg (53665 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Januar 1885: "Koscher schäl Pessach. Kirschwasser, 
aus den besten Schwarzwaldkirschen selbst gebrannt, offeriere unter Garantie für die Echtheit in kleinen und großen Quantitäten per Flasche 3 Mark. Wiederverkäufer erhalten angemessenen Rabatt. 
Liebmann Levi Mager

Besitzer des ‚Hotel Levi’, Badenweiler (Baden)."   


Das Hotel Bellevue gehört dem "Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser" an (1900 / 1901) 

Badenweiler Israelit 22111900.jpg (73907 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. November 1900: "Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser
Sitz in Hamburg". In der Liste genannt: 
Badenweiler badischer Schwarzwald - Hotel Bellevue Frau Levy Mager".  
 
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4. Januar 1901:  ähnlich wie oben    

      
Hotel Bellevue sucht einen Vorbeter (1921)  

Badenweiler Israelit 07041921.jpg (49421 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. April 1921: "Hotel Bellevue, Badenweiler 
sucht zum baldigen Eintritt gegen gute Bezahlung und freie Station einen streng orthodoxen jungen Mann, eventuell Rabbinatsschüler (auch Ausländer) mit guten Empfehlungen. Derselbe muss als Vorbeter fungieren, gut leienen und lernen können. Offerten mit Aufgabe von Referenzen und Gehaltsansprüchen an Frau Levi Mager, Badenweiler".

     
   
Berichte aus der Familie Levy - Mager und über ihr Hotel   
Zum Tod von Liebmann Levy Mager (1886) 
Anmerkung: Liebmann Levy Mager war der Sohn von David Levy Mager und hatte das Hotel seines Vaters übernommen. Nach seinem frühen Tod übernahm seine Witwe die Hotelleitung, bis Mitte der 1920er-Jahre der Sohn Julius als Enkel des Gründers die Hotelleitung übernahm. 

Badenweiler Israelit 08021886.jpg (175083 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Februar 1886: "Nachruf. (Unlieb verspätet). Wir kamen soeben von der Beerdigung eines Mannes zurück, der es verdient, dass ihm in Ihrem geschätzten Blatte ein kleiner Nachruf gewidmet werde. Herr Liebmann Levy Mager in Badenweiler (Breisgau), Besitzer des streng jüdischen Hotels daselbst (Hotel Levy), ist am Freitag den 22. Januar, nachts 11 Uhr, im Alter von 37 Jahren, in ein besseres Jenseits abgerufen worden, nachdem er nur eine kurze Zeit krank war. Von den vielen Kurgästen, die sowohl aus Rücksicht für ihre Gesundheit als zum Vergnügen bei ihm verkehrten, haben wohl alle Gelegenheit gehabt, sich sowohl von seiner strengen Religiosität als von seiner Rechtlichkeit und Liebenswürdigkeit seinen Gästen gegenüber zu überzeugen. Um ihn trauern nächst seiner jungen Witwe mit 4 Kindern seine betagten Eltern und Geschwister. Er führte als Mohel (Beschneider) viele Kinder in den Bund unseres Vaters Abraham ein und war, wenn auch nur für den eigenen Gebrauch, ein Schochet. Der imposante Leichenzug am Sonntag, den 24. Januar gab beredtes Zeugnis, wie sehr beliebt und geachtet der Verblichene bei seinen Mitbürgern war. Möge seine betrübte Familie in der allgemein zu Tage getretenen Teilnahme einen Trost in ihrem herben Verlust erblicken. Seine Seele sei eingebunden im Bund des Lebens."

  
Goldene Hochzeit von David Levy-Mager und seiner Frau (1892)   

Badenweiler Israelit 31101892.JPG (120873 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Oktober 1892: "Freiburg im Breisgau, 23. Oktober (1892). Herr und Frau David Levy-Mager, früher Besitzer des Hotel Levy in Badenweiler, jetzt Privatier in Freiburg im Breisgau, feierten im Kreise ihrer Kinder, Enkel und zahlreicher Freunde das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Schon in aller Früh erschienen die Gratulanten und mitunter mit kostbaren Geschenken. Der Synagogen-Ausschuss in corpore brachte die Glückwünsche der Gemeinde dar. Hierauf ergriff Herr Rabbiner Dr. Levin das Wort und überreichte die von Seiner königlichen Hoheit dem Großherzog Friedrich von Baden allergnädigst verliehene Jubiläums-Medaille, begleitet von den besten Wünschen der Königlichen Hoheit. Herzliche Worte richtete der Herr Rabbiner hierbei an das Jubelpaar, das tief ergriffen von all der Liebe und Güte war. Bei dem nachmittags stattgehabten Festessen überreichte eine Deputation von 9 Herren, namens der Chewra Kadischa (sc. Wohltätigkeits- und Bestattungsverein), deren Mitglied Herr Levy-Mayer seit über 60 Jahren ist und zu deren Mitbegründern er zählt, ein Etuis mit 6 silbernen Löffeln unter warmer Anerkennung der Verdienste des Jubilars. Bei zündenden Reden – zunächst ein Toast auf den allergnädigsten Landesherrn Großherzog Friedrich von Baden – eilten die Stunden des Festes nur allzu schnell dahin, und erst als die letzten Züge die lieben Gäste nach allen Richtungen entführten, ging dasselbe zu Ende. Bemerkenswert ist, dass das Benschen die nette Summe von Mark 118,40 ergab, welche für Freiburger und Mülheimer Ortsarme bestimmt wurden. Möge dem Jubelpaar auch das Glück vergönnte sein, die Demant-Feier in Glück und Gesundheit zu begehen."

  
Über Badenweiler und das Hotel von David Levy (1894)  

Badenweiler Israelit 13091894a.jpg (358425 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. September 1894: "Badeplaudereien. Badenweiler, Ellul 5654 (1894). Die ‚Selichottage’ rücken näher und näher, die Fremden, welche in Bädern und Sommerfrischen sich einige Wochen der Erholung gönnten, kehren zum heimatlichen Herde zurück. Mehr und mehr entvölkern sich die Alleen und Promenaden der Kurorte, die Kapellen stellen ihr Spiel ein – die Saison naht ihrem Ende. Zu den wenigen Orten unseres Vaterlandes, welche vermöge ihrer klimatischen Verhältnisse, vermöge ihrer glücklichen südlichen Lage – vermöge der Auswahl ihrer Heilmittel, von der Regel eine Ausnahme machen können, die selbst dann noch auf eine stattliche Fremdenzahl blicken dürfen, wenn in den meisten anderen Bädern bereits der letzte Gast wieder zu den heimischen Penaten gezogen ist, gehört in erster Linie Badenweiler. Besonders günstig auf die Fremdenfrequenz des Platzes wirkt der Umstand ein, dass mancher Patient, dem eine Traubenkur oder ein Winteraufenthalt in einem südlichen Platze verordnet wurde, es vorzieht, einen Ort aufzusuchen, der ihn nicht zu einer zu weiten Entfernung von der Heimat veranlasst und der zu gleicher Zeit keine so großen Ansprüche an den Geldbeutel macht. Der rituell lebende Jude hatte leider von den Vorteilen, die ein Herbst- und Winteraufenthalt in Badenweiler bietet, kein Gebrauch machen können, die die hier bestehende jüdische Restauration (Hotel Levy= mit Beginn der Herbst-Saison den Wirtsbetrieb einzustellen pflegte. Der steigenden Winterfrequenz und der vermehrten Nachfrage nach ritueller Kost Rechnung tragend, wird von diesem Jahre ab der Betrieb des Restaurants das ganze Jahr hindurch in umgeänderter Weise fortgeführt werden, eine Neuerung, die gewiss von allen denen freudig begrüßt werden wird, welche ihren Herbst- resp. Winteraufenthalt in solch einem südlich gelegenen Orte nehmen möchten, welcher neben den verschiedenen klimatischen und lokalen Vorteilen auch die Möglichkeit einer guten und zuverlässig koscheren und dabei billigen Pension bietet. Heute, wo leider so mancher jüdische Kurgast um sich den Lorbeer der ‚Aufgeklärtheit’ zu erringen, die rituellen Restaurants wie ein Gift meidet, und sich für seine Handlungsweise durch die unhaltbare Ausrede zu entschuldigen sucht, dass die jüdischen Wirtschaften ‚minderwertig’ seien, dürfte es gewiss am Platze sein, mal eine christliche Stimme über ein rituelles Hotel anzuführen. In der Chronik der Vogtei Badenweiler findet sich zum Jahrgang 64 (pag. 192 Abs. 1 bei Wever) folgende Eintragung:  ‚- ist durch David Levy von Müllheim eine Judenwirtschaft in Badenweiler nebst Wohnungen entstanden, die sich in Folge der guten Einrichtung und soliden Bedienung, die man da findet, eines erfreulichen Fortganges rühmen kann.’ Bedarf es eines deutlicheren Belegs für die Tatsache der Ebenbürtigkeit der jüdischen Hotels, als jenes Zeugnis des gewiss unbefangenen Chronisten! Ob es der antisemitischen Hetze der letzten Jahre wohl gelingt, was der gewiss unbefangenen Empfehlung der Badenweiler Gemeinde nicht gelungen ist, nämlich recht viele Glaubensgenossen zu den koscheren Fleischtöpfen zurückzubringen? Was das kulturelle Leben betrifft, so ist diesem durch einen im Levy’schen Hotel eingerichteten Betsaal Rechnung getragen. Allsabbatlich, zu Zeiten auch alltäglich wird hier Gottesdienst abgehalten. Als Vorbeter fungiert gewöhnlich ein in dem benachbarten Müllheim wohnender Hilfschasan (sc. Hilfsvorbeter). Der größte Teil der einfach, aber durchaus würdig gehaltenen Einrichtung des Betsaal, der ‚Oraun-hakaudesch’ (Toraschrank), die prächtigen ‚Proches’ (Toraschrankvorhänge), die ‚Sidurim’ (Gebetbücher) usw. entstammen freiwilligen Gaben opferwilliger Gäste. Überhaupt hat hier die Opferwilligkeit wohlhabender Glaubensgenossen viel Schönes und Gutes geschaffen. So ist z.B. auch das unter dem Protektorate der Erbgroßherzogin vor kurzem hier gegründete Hilda-Krankenheim (Kur- und Siechenanstalt) in ganz hervorragender Weise durch jüdische Mittel unterstützt worden. Ein erneuter Beleg für den besonders heutzutage so sehr gerügten Schachersinn der Juden! Badenweiler ist reich an historischen Erinnerungen aller Art. Zu den hervorragendsten Denkmälern des Ortes gehört in erster Linie die von dem römischen Kaiser Hadrian (Hadrian Hamelech) erbauten und der Diana Abnoba geweihten ‚Römischen Bäder’, die erst im vergangenen Jahrhundert ausgegraben wurden. Sie geben uns einen weiteren beweis für die schon im Talmud erwähnte Sorgfalt, die man zur damaligen Zeit dem Badewesen schenkte und für die Vollendung deren schon vor Jahrzausenden sich diese Institution erfreute. Nebst vier großen Schwimmbädern enthält der Bau eine ganze Anzahl kleinerer der damaligen Sitte ent-
Badenweiler Israelit 13091894b.jpg (38628 Byte)sprechender Räume: wie Vorhof, Wartezimmer, Salbzimmer und Zimmer für Dampf-, Schwitz- und Einzelbäder. Verwundert schauen wir auf diese Merkmale einer ehemaligen blühenden Kultur. Hadrian und seine Werke sind zugrunde gegangen. Wir aber, die von ihnen Geknechteten und Gedrückten sind geblieben. Herr Stöcker und Herr Ahlwardt, wir haben keine Angst, wir werden auch noch sein, nachdem Sie und Ihre Werke längst im Staube modern ‚Er, der seinem Volk Kraft schenkt, segne sein Volk mit Frieden.’"

   
Über Badenweiler und das Hotel Bellevue (1907)       

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 7. Juni 1907: "Badenweiler. Obwohl 422 Meter über dem Meer gelegen, erfreut sich Badenweiler infolge seiner geschützten Lage eines sehr milden Klimas. Rings vom Walde umgeben, genießt der Kurgast besonders in den Morgenstunden eine herrliche Waldluft, die ja so wohltätig auf die Atmungsorgane einwirkt. Und wie gut ist es zu wandern in diesen Wäldern mit ihrer feierlich ernsten Ruhe, ihrem bezaubernden Rauschen, ihrem erfrischenden Schatten! Welch' entzückende Aussichten gewähren die Lichtungen! Über stille Dörfer, einsame Weiler, zerstreut liegende Gehöfte, verfallene Ritterburgen, bunte Wiesen, sanft ansteigende Höhen des benachbarten Gebirges schweift der Blick.  
Durch die Vereinigung von Wald- und Gebirgsklima gehört Badenweiler in die Reihe der subalpinen Badeorte. Alle Bedingungen, wie sie ein klimatischer Kurort fordert, sind hier gegeben. Die gleichmäßige Luft gestattet in Badenweiler vom Frühjahr bis in den Frühwinter hinein einen Aufenthalt von 8 bis 14 Stunden täglich im Freien. Außer dem erwähnten wichtigen Kurmittel ist Badenweiler auch als Thermalbad sehr besucht. Die zu Bade- und Trinkkuren angewandte Quelle gehört nach Bunsen zu de indifferenten, salzarmen, lithiumhaltigen. In der Tat verdanken zahlreiche Kranke, welche an Rheumatismus, Gicht, Ernährungsstörungen, Neurasthenie, Hautkrankheiten litten, diesem Wasser Heilung und Linderung. S
elbstverständlich hat Badenweiler auch ein jüdisches Hotel. Es ist das Hotel und Pension Bellevue. Ein elegant ausgestatteter Speisesaal, ein Konversations-, Spiel- und Lesezimmer, behagliche Wohnzimmer befriedigen die Ansprüche selbst verwöhnter Gäste in reichem Maße. Referenzen über Kaschruß erteilt Seine Ehrwürden Herr Rabbiner Buttenwieser in Straßburg im Elsass. Man beachte gefälligst das Inserat in der vorliegenden Nummer dieses Blattes."     


Über Badenweiler und das Hotel Bellevue (1908)  

Badenweiler Israelit 30041908.jpg (100768 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. April 1908: "Badenweiler, 15. April 1908. In dem schon vor 2000 Jahren den Römern wegen seinen warmen Quellen bekannten Kurort Badenweiler, im südlich badischen Schwarzwald gelegen, hat die offizielle Saison-Eröffnung am 1. April begonnen und täglich bringen die Züge neu ankommende Kurgäste. Das Wetter ist sehr schön, und es ist ein Vergnügen zur Zeit in der milden ozonreichen Tannenluft spazieren zu können. Als neues Heilmittel ist der Neubau des unter Großherzog Friedrich I. erbauten 'Markgrafenbades' zu erwähnen, welches im Laufe dieses Frühjahres schon dem öffentlichen Verkehr übergeben werden wird. darinnen befinden sich unter anderem Dampf-Heiß-Luft Elektrische- Moor- und Sandbäder, sodass es allen Bedürfnissen wird genügen können. Da sich auch ein unter Aufsicht des Vereins zur Förderung ritueller Speisehäuser in Hamburg stehendes israelisches Hotel, das Hotel und Pension Bellevue, Besitzerin Frau Levi Mager, dortselbst befindet, so kann Badenweiler für die Israeliten als Frühjahrskurort empfohlen werden. Der Kurort eignet sich insbesondere bei Rekonvaleszenz nach Influenza für Nervöse- Herz- und Magenleidende. Man befrage hierwegen seinen Hausarzt."  

  
Über Badenweiler und das jüdische Leben am Kurort (1921) 

Badenweiler Israelit 14071921.jpg (67056 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Juli 1921: "Badenweiler, 11. Juli (1921). Auch in der gegenwärtigen Kursaison macht sich hier ein reges jüdisches Leben bemerkbar. Eine ganz beträchtliche Anzahl von jüdischen Kurgästen ist hier festzustellen. Insbesondere sieht man hier zahlreiche schweizerische Glaubensgenossen, die infolge ihrer günstigen Valutaverhältnisse, deutsche Kurorte an der Peripherie der Schweiz aufsuchen. Allsabbatliche finden in der hiesigen Synagoge Gottesdienste statt. Im Anschluss an den Sabbatmorgen-Gottesdienst wird jeweils ein Vortrag über den Wochenabschnitt von Herrn Salomon Horowitz gehalten, der es versteht, das Publikum zu fesseln und zu erheben."  

  
Bericht über das Hotel Bellevue (März 1927) 

Badenweiler Israelit 31031927.jpg (75384 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. März 1927: "Wer die Pessach-Tage in dem herrlichen, im Schwarzwald gelegenen Badenweiler verbringt, den laden schöne Wälder und großartige angelegter Kurpark zu kleinen und größeren Ausflüge ein. Den Bequemeren bietet die Terrasse des Kurhotels Bellevue, das diesen Namen mit Recht trägt, Gelegenheit, die Schönheit der Gegend von da aus zu genießen. – Das Hotel hat viele schöne gemütliche Zimmer, einen großen, freundlichen Speisesaal. Die Leitung ist vorzüglich, das Personal gut geschult; das Essen vortrefflich. – Eine kleine, sehr hübsche Synagoge zeugt von dem frommen Sinn der Inhaber. Die Pforten des Hotels sind geöffnet. Man erwartet die Frühlingsgäste und heißt jeden freundlich willkommen."

  
Über Badenweiler und das Hotel Bellevue (Dezember 1927)   

Badenweiler Israelit 15121927.jpg (110759 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Dezember 1927: "Badenweiler wird mit guten Erfolgen empfohlen bei Erkrankungen des Herzens, der Gefäße, der Nerven, Stoffwechselkrankheiten, leichten Erkrankungen der Atmungswege, Rekonvaleszenz nach schweren Krankheiten und Operationen. Berühmte Spezialärzte üben ihre Praxis aus. Auch ein neuzeitlich eingerichtetes, rituell geführtes jüdisches Hotel gibt es: Hotel Bellevue, auch Hotel Levy genannt. Es wurde im Jahre 1864 vom Großvater des jetzigen Besitzes gegründet, und zurzeit werden wieder Verbesserungen in dem Hotelgebäude vorgenommen. Für die kommende Saison wird in allen Fremdenzimmern fließendes kaltes und warmes Wasser eingerichtet. Wiedereröffnung im März 1928. In der Chronik von Badenweiler, herausgegeben von Dr. Wever im Mai 1869 ist zu lesen: ‚1864 ist durch David Levi von Müllheim eine Judenwirtschaft in Badenweiler nebst Wohnungen entstanden, die sich in Folge der guten Einrichtung und soliden Bedienung, die man da findet, eines erfreulichen Fortganges rühmen kann.’ Die Erfolge bis heute haben die Richtigkeit der Feststellungen vom Jahre 1864 bestätigt."

    
Die Frühlings-Saison hat begonnen (1930) 
 

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. April 1930: "Badenweiler, Thermal- und Luftkurort im südlichen Schwarzwald (450 Meter über dem Meeresspiegel), hat seine Frühlings-Saison begonnen. Im Bezirke der warmen Quelle entfaltet die Natur eine verschwenderische Pracht und seltenen Liebreiz. Dies Fleckchen Erde ist dazu geschaffen, Gesundheit und Erholung allen zu bringen, die sie in beschaulicher Ruhe suchen. Um sicher zu sein, an Pessach ein schönes Zimmer zu finden, empfiehlt es sich, dem dortigen Jüdischen Hotel 'Kurhotel Bellevue' die Ankunft vorher mitzuteilen. (Näheres siehe Inserat dieser Zeitung.)."   

  
80. Geburtstag von Fanny Mager geb. Bloch (1935) 

Badenweiler Israelit 10101935.jpg (19126 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Oktober 1935: "Badenweiler, 8. Oktober (1935). Frau Fanny Mager geb. Bloch aus Badenweiler, Hotel Bellevue, begeht am 31. Oktober – so Gott will – ihren achtzigsten Geburtstag.  (Alles Gute) bis 120 Jahre."


    
Familie L. Blum und die Pension "Elsässer Hof"      
Anzeigen des 1900 eröffneten Hotels mit Pension Elsässer Hof, Besitzer L. Blum    

Badenweiler Israelit 11061900.jpg (82566 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Juni 1900: "Neu eröffnet. Badenweiler, badischer Schwarzwald. Koscher Hôtel & Pension Elsässer Hof. Koscher
Besitzer: L. Blum, Hotel zum Erbprinzen Freiburg im Breishau. On parle francais. English spoken. Thermalbäder im Hause. 
Prachtvoll und ruhig gelegen, unmittelbar am Park und Wald, - Komfortabel eingerichtete Zimmer. - Große, luftige Speisesäle. - Streng rituelle, gute Küche. - Vorzügliche, teils selbstgekelterte Weine. - Portier am Bahnhof. - Telefon-Anschluss Nr. 9. 
Betlokal im Hause. Eigener durch orthodoxen Rabbiner empfohlener und geprüfter Schochet."    
  
Badenweiler Israelit 18061900.jpg (97723 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Juni 1900: Text wie oben, jedoch mit Darstellung des Hotels.  
 
Badenweiler Israelit 10041902a.jpg (108701 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. April 1902: "Streng Koscher – Neu eröffnet – Saison 1902. Badenweiler, badischer Schwarzwald. Hotel & Pension Elsässer Hof. 
Besitzer: L. Blum, Hotel zum Erbprinzen, Freiburg im Breisgau. On parle francais. Thermalbäder im Hause. English spoken.  
Prachtvoll und ruhig gelegen, unmittelbar am Park und Wald. – Komfortabel eingerichtete Zimmer. – Große, luftige Speisesäle. – Streng rituelle, gute Küche. – Vorzügliche, teils selbstgekelterte Weine. – Portier am Bahnhof. – Telefon-Anschluss Nr. 9. – 
Betlokal im Hause. – Eigener durch orthodoxen Rabbiner empfohlener und geprüfter Schochet."
 
Badenweiler Israelit 12051902.jpg (135018 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Mai 1902: ähnlicher Text wie oben. 
 
Badenweiler Israelit 10071902.jpg (136758 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Juli 1902: ähnlicher Text wie oben.
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. April 1903:  "Badenweiler (badischer Schwarzwald). 
Hôtel Elsässer Hof
. Besitzer L. Blum, Freiburg. Streng Koscher. Eröffnung Anfang Mai."   
    
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. April 1903: "Von orthodoxen Rabbinern geprüfter Chasan und Schochet gesucht für mein Kurhotel in Badenweiler. Offerten zu richten 
Hotel Erbprinzen, Freiburg im Breisgau."      
   
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. April 1904: "Badenweiler (badischer Schwarzwald). Hôtel 'Elsässer Hof', Streng Koscher. Eröffnung Anfang Mai. 
Besitzer: L. Blum, Freiburg im Breisgau".      
 
Badenweiler Israelit 30051904.jpg (31598 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Mai 1904: "Von orthodoxen Rabbinern geprüfter Chasan (Vorbeter) und Schochet gesucht für mein Kurhotel in Badenweiler. Offerten zu richten 
Hotel Elsässer Hof, Badenweiler."

  
Hoher Besuch in Badenweiler - Hinweis auf Badenweiler als Möglichkeit für einen koscheren Kuraufenthalt (1902)  

Badenweiler Israelit 10041902.jpg (90578 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. April 1902: "Badenweiler, 1. April (1902). Ihre Majestät die deutsche Kaiserin wird mit den zwei jüngsten kaiserlichen Kindern, dem Prinzen Joachim und der Prinzessin Augusta Viktoria, sowie der Schwester der Kaiserin, Prinzessin Feodora, auf dem 15 Minuten von hier in reizender Lage gelegenen Schloss Hausbaden Aufenthalt nehmen. Das genannte Hotel wurde samt Park für die Monate Mai und Juni gemietet. Der von den hohen Herrschaften geführte Haushalt wird insgesamt 51 Personen umfassen. Schloss Hausbaden wurde seinerzeit auch von Königin Wilhelmine von Holland bewohnt.    
Da Badenweiler unter den orthodoxen Juden Badens und Elsass-Lothringens ziemlich bekannt ist, so dürfte die Nachricht nicht ohne Interesse für sie sein; insbesondere als dies der einzige Luftkurort des badischen Schwarzwalds ist, wo Gelegenheit geboten ist, koscher zu leben. Siehe Inserat Hotel und Pension Elsässer Hof in Badenweiler."  

 
Anzeigen des Hotels Römerbad (1924)  
Anmerkung: Beim Hotel Römerbad handelte es sich nicht um ein jüdisches Hotel, dennoch hat es regelmäßig in einer jüdischen Zeitschrift Werbeanzeigen aufgesetzt. Da ein Aufenthalt auch ohne Pension gebucht werden konnte, war es jüdischen Kurgästen möglich, dort zu übernachten gegebenenfalls in den jüdischen Hotels zu speisen; das "Hotel Römerbad" besteht noch heute: www.hotel-roemerbad.de/.  

Badenweiler CV-Ztg 10011924.jpg (55691 Byte)Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 10. Januar 1924: "Badenweiler im südlichen Schwarzwald. Mit Station Mühlheim der Hauptlinie Frankfurt - Basel durch elektrische Nebenbahn verbunden. 
Hotel Römerbad. Haus I. Ranges, bietet auch im Winter angenehmsten Aufenthalt. 
Besitzer: Gebrüder Joner".   
 
Anzeigen in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 3. Juli 1924: "Badenweiler (Südlicher badischer Schwarzwald). 400 m.ü.M. - Keine Fremdensteuer. 
Thermalbad und klimatischer Kurort. Thermal-Schwimmbäder, Licht- und Sonnenbäder. 
Aquarell-Ausstellung - Oper- und Freilicht-Spiele.
 
Auto-Gesellschaftsfahrten. Auskunft und Drucksachen durch die Kurverwaltung e.Gen.m.b.H.    

Badenweiler (Südlicher badischer Schwarzwald) - Hotel Römerbad
Zimmer mit und ohne Pension. Pensionspreis mit Zimmer von Mark 11.- an pro Person. 
Besitzer: Gebr. Joner."     

  
100-jähriges Bestehen des Hotels Römerbad (1924)       

Artikel in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 17. Juli 1924:  "In Badenweiler wurde am 1. Juli das 100-jährige Bestehen des Hotels Römerbad festlich begangen. Unter Mitwirkung der städtischen Behörden und einer zahlreichen Versammlung von Kurgästen und Vertretern der Bevölkerung fand vor dem Hotel der festliche Akt statt. Prächtige Geschenke und viele Blumen waren ein ausdrucksvolles Zeugnis für die allgemeine Beliebtheit des Hotels Römerbad."       

  
Anzeige der Thermalkurortes Badenweiler (1933)   

Badenweiler CV-Ztg 04041933.jpg (154647 Byte) Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des Central-Vereins) vom 4. April 1933: 
"'In diesem Jahre nach dem deutschen Süden'. Badenweiler. Thermalkurort im Schwarzwald 450 m ü.d.M...."  
mit einer Übersicht über die (allesamt nichtjüdischen) Hotels, Pensionen und Gasthöfe      

 
 
Jüdische Kurgäste in Badenweiler  
Der russische Komponist Anton Grigorjewitsch Rubinstein (Антон Григорьевич Рубинштейн) ist Kurgast in Badenweiler (1890)     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. August 1890: "Der städtische Kapellmeister in Freiburg (Baden), Herr Wilhelm Bruch, veranstaltete kürzlich zu Ehren Rubinsteins, welcher sich in Badenweiler zur Kur aufhält, ein Konzert, in welchem nur Kompositionen Rubinsteins zur Aufführung gelangten, u.a. die 'Ozean-Symphonie' und die Ballettmusik aus 'Nero'. Das Publikum empfing den anwesenden Komponisten enthusiastisch, das Orchester mit dreifachem Tusch."  

 
Zum Tod von Julius Schohl I aus Pirmasens (gest. in Badenweiler (1902)
  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. September 1902:  "Pirmasens, 10. Elul (= 12. September 1902). Herr Julius Schohl I. hier ist im 48. Lebensjahre von seinem schweren und langen Leiden, in Badenweiler, wo er Heilung seines Leidens suchte, zum besseren Jenseits von Gott abgerufen worden. Das heutige große Leichenbegängnis unter Voranschreiten eines Musikkorps- und Kriegervereins (der Verstorbene war Reserveleutnant), konnte einem Juden sagen, wer der Verblichene war und was er während seines Lebens geleistet hat. Gemilus Chesed (Wohltätigkeit) übte er stets im Geheimen aus, sodass kein Zweiter davon wusste. In Stadt und Umgegend sehr beliebt, war er auch hauptsächlich ein treuer Gatte und Vater seiner Familie, was Herr Bezirksrabbiner Dr. Mayer - Zweibrücken am Grabe hervorhob. Kantor Slodki."    

   
Der jüdische Dichter Scholem-Aleichem (S. Rabinowitz) ist zur Kur in Badenweiler (1911)  

Badenweiler Israelit 16061911.jpg (42092 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Juni 1911: "Russland. Der in Badenweiler (Schwarzwald) zur Kur weilende bekannte jüdische Dichter Scholem-Aleichem (S. Rabbinowitz) erhielt ein Schreiben von dem russischen Schriftsteller Alexander Amphitheatrow, worin dieser ihm mitteilte, dass die angesehensten russischen Schriftsteller beabsichtigen, eine gemeinschaftliche energische Protestkundgebung gegen die Ritualmordhetze in der russischen Presse zu veröffentlichen."
Scholem Alejchem.jpg (52665 Byte)Anmerkung: Scholem Alejchem (Pseudonym von Schalom Yakov Rabinowitsch; geb. 1859 in Perejaslaw bei Kiew, gest. 1916 in New York) war ein bekannter jiddischsprachiger Schriftsteller, u.a. "Die Geschichten Tewjes, des Milchhändlers" von 1894 (Vorlage für das Musical Anatevka, 1964). 
Abbildung links: Titelblatt von (jiddisch:) "Schalom Alejchems Werke - Tewje der Milchiger un andere Erzählungen". 
Quelle: Wikipedia-Artikel zu Scholem Alejchem.

    
Der Bruchsaler Rabbiner Dr. M. Doctor beschäftigt sich mit dem Werk E. M. Liliens (1905)           

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. Februar 1905:  
Artikel wird ergänzend zu dem nachfolgenden Bericht über den Tod von Ephraim Moses Lilien eingestellt.         
Bruchsal AZJ 10021905a.jpg (343761 Byte)   

 
Zum Tod des Malers und Radierers Ephraim Moses Lilien (1925)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Juli 1925: "Badenweiler, 20. Juli (1925). Der hier zur Kur weilende bekannte Maler und Radierer E.M. Lilien ist am 18. Juli gestorben. Er hat ein Alter von nur 51 Jahren erreicht. Lilien, der aus Galizien stammt, war ganz Autodidakt und hat sich hauptsächlich als Illustrator betätigt. Bekannt sind seine Zeichnungen zu Rosenfelds Liedern und zum Balladenbuch 'Juda' des Freiherrn von Münchhausen. Zuletzt widmete sich Lilien der Illustration eines Bibelwerkes und verbrachte als Vorbereitung hierfür längere Zeit in Palästina".  
Anmerkung: der Künstler Ephraim Moses Lilien ist 1874 in Drohobycz in Galizien geboren und am 1925 in Badenweiler verstorben. Bekannt sind seine grafischen Arbeiten im Jugendstil.  vgl. Wikipedia-Artikel zu E.M. Lilien   

        
Stammgast Salomon Heimann aus Frankfurt feiert seinen 80. Geburtstag in Badenweiler (1927)  

Badenweiler Israelit 23061927.jpg (53230 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Juni 1927: "Badenweiler (südlicher badischer Schwarzwald), 20. Juni (1927). Herr Salomon Heimann von Frankfurt am Main, zurzeit im Hotel Bellevue in Badenweiler, feierte am 21. Juni seinen 80. Geburtstag in körperlicher und geistiger Frische. Schon in seinen Kinderjahren kam er in seinen Ferien nach Badenweiler und daher ließ es sich die Kurverwaltung nicht entgehen, den Jubilar als alten Stammgast des hiesigen Kurortes besonders zu ehren. 
Mögen ihm noch viele gesunde und glückliche Jahre beschieden sein."

      
Zum Tod von Albert Ellern aus Nürnberg  (1930 in Badenweiler)   
Anmerkung: zur Person siehe auf der Seite zur Israelitischen Religionsgemeinde Adas Jisroel Nürnberg - Bericht zum Tod von Albert Ellern     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Juni 1930: "Heute verschied nach schwerer Krankheit in Badenweiler, wo er Heilung suchte, unser lieber treubesorgter Hatte und Vater, unser treuer Schwager und Onkel 
 Herr Albert Ellern 
im 70. Lebensjahr.  Nürnberg, den 7. Juni 1930. 
 Für die tieftrauernd Hinterbliebenen:  Johanna Eltern geb. Falk   Recha Ellern   Heinrich Ellern   Eugen Ellern.  
Die Beerdigung hat Monat nachmittags 5 Uhr in Nürnberg stattgefunden".   

   

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. August 1933: "Ulm. In Badenweiler, wo er Erholung suchte, starb plötzlich Isidor Kochmann, der als Inhaber des hiesigen gleichnamigen Herrenkonfektionshauses in weiten Kreisen der Bevölkerung bestens bekannt war. Kochmann, der an allen jüdischen Fragen stets regstes Interesse nahm und für die Armen immer eine offene Hand hatte, stand im 55. Lebensjahre. Ein ehrendes Andenken wird ihm überall bewahrt bleiben."         

    
    
Weitere jüdische Persönlichkeiten in Badenweiler  
Über den Arzt Prof. Dr. Albert Fränkel (1864-1938, der "König von Badenweiler")     

Fraenkel Fam 01.jpg (43512 Byte)(Fotografie von 1898 der Familie Fraenkel aus dem Beitrag von Jörg Schadt s.Lit. S. 19):  Albert Fraenkel ist 1864 als Sohn des Weinhändlers Jakob Fraenkel (1836-1905) und seiner Ehefrau Emilie geb. Deutsch in Mussbach geboren. Er besuchte die Schule in Neustadt und absolvierte danach das Gymnasium in Landau (Abitur 1883); Studium der Medizin in München und Straßburg. An Tuberkulose erkrankt, ließ er sich 1890 in Badenweiler als Arzt nieder, weil er sich dort eine Besserung erhoffte. Fraenkel wurde in Badenweiler leitender Arzt der "Villa Hedwig" und seit 1903 der "Villa Paul". Seit 1893 Aufnahme von Forschungen am Pharmakologischen Institut in Heidelberg. 1896 Übertritt in die evangelische Kirche und Heirat mit Erna geb. Thorade aus Oldenburg (zwei Töchter). 1906 berichtet Fraenkel auf dem 23. Internistenkongress in München über seine mit C.H. Boehringer in Mannheim entwickelte Strophanthintherapie, die sich als bahnbrechend erweist. 1909 betreut er Hermann Hesse in Badenweiler (Beginn einer lebenslangen Freundschaft). Im Ersten Weltkrieg leitender Arzt eines Beobachtungslazaretts und beratender Internist des XIV. Armeekorps. 1920 wird Fraenkel Ehrenbürger von Badenweiler; 1928 ordentlicher Honorarprofessor der medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg. 1933 auf Grund seiner jüdischen Herkunft "beurlaubt"; die Lehrbefugnis wurde entzogen. Am 22. Dezember 1938 stirbt Fraenkel in Heidelberg.  
  
Badenweiler Dok 1891.jpg (134325 Byte)Links: Dokument von 1891: Eintragungen in die Gewerbeliste der Gemeinde Badenweiler im Jahr 1891, mit Anzeige vom  11. Mai 1891: 
"Dr. Albrecht Fraenkel, Staatsangehörigkeit: Bayern,  prakt. Arzt"
Kopie des Dokumentes erhalten von Rolf Langendörfer, Badenweiler."  

    
    
    
Fotos    

  Fotos und Abbildungen werden bei Gelegenheit ergänzt.
Über Zusendungen freut sich der Webmaster, Adresse siehe Eingangsseite.
 
       
      

   
   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   

Mai/Juli 2008: In Badenweiler werden "Stolpersteine" verlegt  
Artikel in der "Badischen Zeitung" vom 29. Mai 2008: "Stolpersteine erinnern. Ausstellung im Rathaus Badenweiler wird heute eröffnet
BADENWEILER (BZ). In Badenweiler werden durch den Kölner Künstler Gunter Demnig am 22. Juli im öffentlichen Straßenraum an drei verschiedenen Standorten acht Stolpersteine verlegt. Mit diesen soll die Erinnerung an Angehörige der Familie Levi Mager und die drei Schwestern der Familie Monasch wach gehalten werden, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden und vor ihrer Vertreibung und Deportation in Badenweiler wohnten. Jeder Stein wird einen Paten haben. Die Verlegung der Stolpersteine in Badenweiler wird vorbereitet und betreut von Schülerinnen und Schülern der Projektgruppe "Stolpersteine in Badenweiler" aus der 9. Klasse der René-Schickele Schule unter Leitung der Lehrerin Inge Rosenkranz. 
Die Schülergruppe wird das Projekt in einer öffentlichen Veranstaltung heute, Donnerstag, um 19 Uhr im Rathaus Badenweiler vorstellen. Die Ausstellung wird dann im Eingangsbereich des Rathauses bis zur Verlegung der Stolpersteine öffentlich zugänglich sein." 
Link zum Artikel: Stolpersteine erinnern (veröffentlicht am Do, 29. Mai 2008 auf badische-zeitung.de)    
Artikel von Bernd Michaelis in der "Badischen Zeitung" vom 23. Juli 2008: "'Sie haben wieder einen Namen'. Gunter Demnig verlegt in Badenweiler acht Stolpersteine.  .Gunter Demnig verlegt in Badenweiler acht Stolpersteine
BADENWEILER. 'Die Menschen, denen die Nazis Nummern in den Arm brannten und sie damit dem Vergessen preisgeben wollten, haben nun wieder einen Namen.' Michel Bauer, ein französischer Nachfahre der früheren Badenweiler Hoteliersfamilie Jules und Celine Levi Mager, sagte dies gestern bei der Verlegung von acht 'Stolpersteinen' durch den Kölner Bildhauer Gunter Demnig in Badenweiler. Diese Mahnmale erinnern an das Schicksal von Menschen, die von den Nazis deportiert und ermordet wurden. 'Über diese Steine soll man mit dem Kopf und mit dem Herzen stolpern', sagte der Künstler am Ende der Aktion, die ihren Ausgang in der Luisenstraße 7 nahm, wo nun der 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen verstorbenen Emma Kübler gedacht wird. 'Ich will die Namen zurückbringen. Denn nach über 60 Jahren ist vieles vergessen', so der Künstler.
'Du schlägst ein Buch auf und liest, dass die Nazis über sechs Millionen Juden umgebracht haben', sagte Gunter Demnig. 'Obwohl ich nun seit 1996 schon über 15 500 Stolpersteine gesetzt habe, ist das für mich immer noch nur eine abstrakte Größe', bekannte er. Erst wenn man, wie es die Hauptschüler der René-Schickele-Schule Badenweiler getan haben, der Lebensgeschichte einzelner Opfer nachgeht, werde die Brutalität der Nazi-Herrschaft fassbar.
Lehrerin Inge Rosenkranz begleitete die Schülerinnen und Schüler der neunten Klasse bei dieser wichtigen Aufgabe, die sie außerhalb des Schulunterrichts erfüllten. Sie dankte Gunter Demnig für seine wirkungsvolle Idee. Die Stolpersteine seien keine Schlusssteine, sagte sie, sondern Anstoß, die Familienschicksale der Opfer weiter zu erforschen. Während der Beschäftigung damit seien immer wieder neue Aspekte und Zusammenhänge deutlich geworden. 'Es geht nicht darum, Schuld zuzuweisen, sondern der Opfer zu gedenken, damit sei nicht vergessen werden', betonte Inge Rosenkranz. Dank sprach sie auch Rolf Schuhbauer aus, der mit seinem Buch 'Nehmt dieses kleine Heimatstück' die Quellen für die Schülerarbeit lieferte. 'Ich freue mich, dass aus der Quelle nun ein Fluss geworden ist', sagt dieser am Rande des Ereignisses.
'Mit den Stolpersteinen möchten wir an die Menschen erinnern, die hier lebten und denen wegen ihres Glaubens und ihrer Überzeugung das Recht zum Leben abgesprochen wurde', erklärte Schülerin Miriam Goerendt. Neben ihr sorgten die Neuntklässler Bianca Barthelmes, Lisa Kessler, Luigi Basile, Tino Kaiser, Jonas Kraus, Gerrit Danksin und Benedikt Wiesler für eine würdige Gestaltung der Stolperstein-Verlegung. Das Gedenken stand dabei im Mittelpunkt.
Die Schülerinnen und Schüler erinnerten daran, dass Auflehnung gegen das Nazisystem tödliche Folgen hatte und dass Andersdenkenden, Andersgläubigen und Menschen anderer Herkunft die Existenzberechtigung abgesprochen wurde.
Beim Verlesen der Namen, Schicksale und Sterbeorte rührte die Erinnerung an die Opfer der Willkür und ihr Ausgeliefertsein manchen zu Tränen. Doch das war nur die eine Seite dessen, was sich gestern in Badenweiler zutrug. Dass Nachfahren jener Menschen, die die Nazischergen in den Tod trieben, dabei waren und eine stille Ahnung davon bekamen, wie ernst solche Erinnerungsarbeit hierzulande gerade auch von Schülern genommen wird, wurde als Moment der Beglückung empfunden.
Bei aller Trauer empfinde er immer wieder Freude, wenn Angehörige der Opfer bei der Stolperstein-Verlegung dabei sind, sagte Gunter Demnig, der seit Mai den Ehrentitel 'Botschafter der Toleranz und der Demokratie' tragen darf. Für die Schülerinnen und Schüler brachte Lisa Kessler diese Freude zum Ausdruck. Sie begrüßte eigens Beate Müller, geborene Kübler, Michel Bauer mit seinem Sohn Raphael und seiner Tochter Rebecca sowie Nathan und Estella, Sohn und Tochter von Jean Louis Bauer.
Weitere Stolpersteine wurden in der Luisenstraße 12a für Julius Levi Mager, Celine Levi Mager, Getrud Levi Mager und Louis Liebmann Levi Mager verlegt. Im Glasbachweg 15 erinnern seit gestern drei Stolpersteine an den gewaltsamen Tod von Charlotte, Bertha und Getrud Monasch.
Bürgermeister Engler dankte all jenen, die mit Spenden und Patenschaften diese Erinnerungsarbeit ermöglichten. Hans Hermann Bechinger, der mit Rektorin Ulrike Rauenbusch die Schüler organisatorisch unterstützt hat, zitierte Verse von Urs M. Fiechtner: Drei Kugeln trafen ihn/ Die eine vom Schlächter/Die zweite vom Vergessen/Die dritte vom Schweigen." 
Link zum Artikel: "Sie haben wieder einen Namen" (veröffentlicht am Mi, 23. Juli 2008 auf badische-zeitung.de)    
 
Oktober 2010: Gedenkstein auf dem Badenweiler Friedhof enthüllt  
Artikel von Sigrid Umiger in der "Badischen Zeitung" vom Oktober 2010 (Artikel): "Erinnern, hinschauen, nicht schweigen
Schüler setzen einen Mahnstein auf dem Friedhof Badenweiler im Gedenken an jüdische Bürger. 
BADENWEILER.
Ein Mahnmal ist mehr als ein Gedenkstein. Das Mahnmal fordert, sich der Vergangenheit zu stellen und daraus zu lernen: Hinschauen statt wegschauen. Dieser Appell begleitete am Sonntag auf dem Friedhof Badenweiler die Enthüllung eines Mahn-Steins, der an die Deportation jüdischer Bürger im Oktober 1940 erinnern soll..."    
   
Erinnerung an Albert Fraenkel beim regelmäßig angebotenen "Literarischen Spaziergang Badenweiler"  
Badenweiler LitSpaziergang 010.jpg (201940 Byte)Hinweis: Beim "Literarischen Spaziergang Badenweiler mit Pfarrer Rolf Langendörfer" wird regelmäßig an den Arzt Dr. Albert Fraenkel erinnert (Links: Prospekt des Literarischen Spaziergangs 2011): 
"...Hermann Hesse schrieb sich am 3. Juli 1909 in das Gästebuch der Villa Hedwig ein. Diesem Haus und seinem Arzt Dr. Albert Fraenkel setzte er in der Studie 'Haus zum Frieden' ein literarisches Denkmal. 
Karl Jaspers
erhielt von dem außergewöhnlichen Arzt entscheidende Impulse für das Leben mit seiner chronischen Erkrankung. Fraenkel habe ihn gelehrt, 'gesund zu sein, wenn man krank ist.' Fraenkel behandelte auch den im Sommer 1900 sterbenskrank nach Badenweiler gekommenen jungen Stephen Crane, dem er nicht mehr helfen konnte. Crane gilt als Begründer des amerikanischen Realismus...".  
 
Oktober 2016: Auszeichnung für Inge Rosenkranz 
Artikel von Silke Hartenstein in der "Badischen Zeitung" vom 7. Oktober 2016: "Dank an Heimatforscherin. Badenweilers Bürgermeister ehrt die mit der Heimatmedaille ausgezeichnete Inge Rosenkranz.
BADENWEILER. Inge Rosenkranz wurde am 9. September in Bad Mergentheim mit der Heimatmedaille des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet. Aus diesem Anlass ehrte Bürgermeister Karl-Eugen Engler im Vorfeld der jüngsten Gemeinderatssitzung die engagierte Heimatforscherin: 'Dankeschön für das, was sie für unsere Schüler und unsere Heimat getan haben.' Die 72-jährige Müllheimerin unterrichtete bis zum Jahr 2008 an der René-Schickele-Schule in Badenweiler. Seit nunmehr 18 Jahren gehört sie ehrenamtlich der Jury zur Verleihung des Landespreises für Heimatforschung an. Ihr umfangreiches Wissen über die Region und über das Oberrheingebiet ist in das trinationale Oberrheinschulbuch 'Vivre dans le Rhin Superieur/Leben am Oberrhein' eingeflossen. 30 Jahre lang, auch noch im Ruhestand, organisierte sie den Schüleraustausch zwischen Badenweiler und dessen französischer Partnerstadt Vittel. In Badenweiler nahm sie mit ihren Schülern zahlreiche Projekte zur regionalen Geschichte vor und war an vielen Ausstellungen beteiligt. Ihre Projekte befassten sich mit dem Leben der Römer im Ort, den Ausgrabungen bei der evangelischen Kirche mit den römischen Tempelfundamenten, der Geschichte der Burg Badenweiler, mit Künstlern, die im Heilbad wohnten und mit der Situation Badenweilers am Ende des Zweiten Weltkriegs.
Im Jahr 2008 engagierte sich Inge Rosenkranz mit einer Schülergruppe bei der Aktion 'Stolpersteine'. Acht bronzene Stolpersteine hatte der Künstler Gunter Demnig zur Erinnerung an das Schicksal früherer jüdischer Mitbürger in Badenweilers Straßen verlegt. 2010 schuf Rosenkranz’ Schülergruppe zwei große Mahnsteine zum Gedenken an die Schicksale der in das Konzentrationslager Gurs deportierten jüdischen Bevölkerung Badens. Sichtbares Ergebnis dieses Projekts der evangelischen Kirche ist heute der Mahnstein auf Badenweilers Friedhof, der zweite steht am zentralen Gedenkort der Landeskirche in Neckarzimmern
In Bezug auf die Badenweiler Stolpersteine folgte 2015 die Ausstellung '70 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz' im Rathaus Badenweiler; Rosenkranz und Rolf Schuhbauer schufen einen Flyer als Wegweiser zu den Stolpersteinen. 'Ganz wichtig für die Schüler war es, zu erfahren, dass dies Menschen hier vor Ort waren', sagte die Pädagogin im Ruhestand zu ihren Schülerprojekten über die Schicksale jüdischer Mitbürger unter der Nazi-Herrschaft." 
Link zum Artikel:  Dank an Heimatforscherin (veröffentlicht am Fr, 07. Oktober 2016 auf badische-zeitung.de)    

    
     

Links und Literatur    

Links:

Website der Gemeinde Badenweiler  
"Hörstolpersteine" aus Badenweiler in der Website von SWR 2  

Literatur:  

Siegmund Kaznelson: Juden im Deutschen Kulturbereich. Berlin 1962.  S. 800-806 (zu Familie Monasch: Adolph Monasch und Töchter werden S. 806 nach den anderen wichtigen Vertretern dieser Familie genannt). 
Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 207.  
Muellheim Buch 01.jpg (60476 Byte)Rolf Schuhbauer: Nehmt dieses kleine Heimatstück – Spuren und Leidenswege von Müllheimer und Badenweiler Juden zwischen 1933 und 1945. 1988 und 2001 (erweiterte Auflage). 
Spuren. Katalog zur Ausstellung J. Brodwolf 1990 in Sulzburg. Mit Beiträgen über die Deportation der Sulzburger und Müllheimer Juden am 22.10.1940 von Rolf Schuhbauer, Jost Grosspietsch und W. Heidenreich.
Badenweiler Fraenkel 010.jpg (39601 Byte)Jörg Schadt: Der "König von Badenweiler". Albert Fraenkel wirkte als weltberühmter Arzt und Forscher. In: Momente. Beiträge zur Landeskunde von Baden-Württemberg 4/2002 S. 18-24.
Fraenkel Lit 025.jpg (71487 Byte)Peter Drings / Jörg Thierfelder / Bernd Weidmann: Albert Fraenkel - Ein Arztleben in Licht und Schatten. 1864-1938. Reihe ecomed Biographien. 2004. 412 S. Abb.    ISBN: 978-3-609-16260-7.    
Wikipedia-Artikel zu Albert Fraenkel: hier anklicken    
Zu Oberweiler / Prof. Dr. Friedrich Darmstädter): Arno Weckbecker: Die Judenverfolgung in Heidelberg 1933-1945. S.150-151.
Rolf Schuhbauer: Die sieben Generationen der Familie Levi Mager in Müllheim und Badenweiler. In: Zeitschrift des Breisgau-Geschichtsvereins "Schau-ins-Land". 133. Jahrgang 2014 S. 37-56.   

          
             

                   
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Stand: 30. Dezember 2016