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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Mosbach (Kreisstadt,
Neckar-Odenwald-Kreis)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In der bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts kurpfälzischen Oberamtsstadt Mosbach
sind jüdische Bewohner vom 13. bis zum 20. Jahrhundert nachweisbar.
Eine jüdische Gemeinde bestand in der an der Verbindungsstraße zwischen
Heidelberg und Würzburg liegenden Stadt schon im Mittelalter. Erstmals
werden Juden in der Stadt 1297 genannt, als Adolf von Nassau Mosbach
ausdrücklich mit Christen und Juden an Gerlach von Breuberg wegen einer
Schuld verpfändete. Die jüdische Gemeinde wurde mehrfach von schweren
Verfolgungen getroffen. Während der sog. "Rintfleischverfolgung"
wurden am 28. Juli 1298 55 Juden ermordet (unter ihnen der Rabbiner und
der Gelehrte Samuel ben Eleasar mit Frau, Tochter und Schwiegertochter). Weitere
Verfolgungen fanden im März/April 1343 und in den Pestjahren 1348/49 statt.
Nach der Verfolgung in der Pestzeit wird erst 1381 wieder ein Jude in
der Stadt genannt (Drostelin), der allerdings 1387 seinen Wohnsitz nach
Heidelberg verlegte. 1391 wurden alle Juden aus der Kurpfalz, damit auch aus
Mosbach vertrieben.
Im 15. und 16. Jahrhundert waren nur vereinzelt Juden in der Stadt. 1421
ist von einem Mosbacher Juden die Rede, der einen Rechtsstreit mit Graf Reinhard
II. von Hanau um ein Haus in Windecken
hatten. 1449 zogen zwei Juden, einer mit dem Zunamen "von Mergentheim"
von Lauda nach Mosbach. 1471 werden in der Stadt zwei Juden genannt (Guntrich
und Isack). Mitte des 16. Jahrhunderts werden in Steuerlisten einzelne Juden im
kurpfälzischen Amt Mosbach genannt, jedoch keine in der Stadt selbst.
Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht in das 17./18. Jahrhundert zurück.
1674 waren in der Stadt die Juden Liebmann, Joseph und Isaac, die zur
selben Familie gehörten. 1689 flohen aus dem durch französische Truppen
zerstörten Mannheim mehrere Familien nach Mosbach, u.a. die in einer Liste von
1697 genannten Samuel Hammelburger, David Levi, Löw Herz, Juda Isaac, Seligmann
Joseph, Joseph Spielmann, Lemle Roßkamp, Salmon Hamell. 1698 wurde ihnen
"jeder ehrliche Handel" in der Stadt gestattet. Die meisten von ihnen
kehrten jedoch alsbald nach Mannheim zurück.
Im 18. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Familien in
der Stadt in kräftiger Weise: 1722 hab es neun jüdische Haushaltungen
in Mosbach (neben dem Vorsteher Kallmann die Juden Josef, Liebmann, Gabriel,
Samuel, Isac, Joseph und David). 1730 wird als Vorsteher der Gemeinde Liebmann
Joseph genannt. 1743 waren es bereits 17 jüdische Familien in der Stadt.
Die jüdischen Familien lebten vom Handel mit Vieh, Wein, Getreide und anderen
Landesprodukten sowie mit Textilien. 1782 übernahm eine jüdische
Handelsgesellschaft die allerdings nicht sehr ertragreiche Salzproduktion der
1756 bei Mosbach entdeckten Saline.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie folgt: 1825 100 jüdische Einwohner (4,3 % von insgesamt 2.343 Einwohnern),
1865 190 (6,1 % von 3.095), 1871 Höchstzahl von 220 jüdischen Einwohnern, 1880
192 (5,5 % von 3.514), 1900 161 (4,3 % von 3.712), 1910 176 (3,9 % von 4.526).
Seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden von jüdischen Familien
zahlreiche offene Läden und Handlungen in der Stadt betrieben. Dazu beteiligten
sich jüdische Unternehmer an der Industrialisierung der Stadt. Die jüdischen
Familien waren im Leben der Stadt weitestgehend integriert. Das schönste und
dekorativste Haus in der Altstadt, das Palm'sche Haus, war im 19. Jahrhundert im
Besitz der jüdischen Familie Eisenmann: Kaufmann Feist Eisenmann hatte es
erworben und herrichten lassen.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
jüdische Schule, ein rituelles Bad (im Gebäude der Synagoge) und einen Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war (neben dem für den Bezirk
zuständigen Rabbiner) ein jüdischer Lehrer angestellt, der zugleich als
Vorbeter und Schochet tätig war. Unter den Lehrern blieben in besonderer
Erinnerung: Max Hanauer, seit von 1870 an in Mosbach tätig war und 1910
sein 40-jähriges Ortsjubiläum feiern konnte, Alfred Kaufmann (um 1925)
sowie der letzte Lehrer der jüdischen Gemeinde David Barracker (von 1926
bis 1939). Seit 1827 war Mosbach Sitz eines Bezirksrabbinates. Zum
Rabbinatsbezirk gehörten die jüdischen Gemeinden in Billigheim,
Binau, Eberbach,
Großeicholzheim,
Heinsheim, Hochhausen,
Kleineicholzheim,
Neckarzimmern,
Neudenau, Stein
am Kocher und Strümpfelbrunn.
Das Rabbinat befand sich zuletzt (1924 bis 1938) in der
Pfalzgraf-Otto-Straße 3.
Die Bezirksrabbiner in Mosbach waren:
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Rabbiner Isak bzw. Eisik Friedberg (geb. als Sohn des Rabbiners Löb Friedberg in Schluchtern,
gest. 1870 in Bruchsal). Seit 1825
war er Stiftungsrabbiner in Karlsruhe, 1830 bis 1855 Bezirksrabbiner in Mosbach, 1855 bis
1870
Bezirksrabbiner in Bruchsal. |
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Rabbiner Sigmund Weil (geb. 1814 Eichstetten, gest.
1886 in Mosbach): zunächst Rabbinatsverweser in Bretten, 1855 bis 1886 Bezirksrabbiner
in Mosbach. |
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Rabbiner Dr. Leopold Löwenstein
(geb. 1843 Gailingen als Sohn des Rabbiners Jakob Löwenstein, gest. 1923 Mosbach): Studium in Würzburg und
Eisenstadt/Burgenland, zunächst
als Lehrer an verschiedenen Orten tätig, 1872-86 Bezirksrabbiner in Gailingen,
typischer Vertreter der orthodoxen Gelehrsamkeit in Baden, 1886-1923 Bezirksrabbiner
in Mosbach mit Merchingen und Wertheim, erster Ehrenbürger der Stadt Mosbach,
seit 1920 Mitglied der Rabbinerkonferenz des Oberrates, Verfasser mehrerer Werke
zur Geschichte der Juden in badischen Landesteilen. |
 | Rabbiner Julius Greilsheimer (geb. 1891
Friesenheim, gest.
1944 KZ Auschwitz): 1910 bis 1921 Ausbildung in Breslau; 1919 Privatlehrer in
Freiburg, 1921 bis 1924 Rabbiner in Freiburg, seit 1924 Bezirksrabbiner in Mosbach
mit Merchingen und Wertheim,
1939 nach Holland ausgewandert, 1944 mit seiner schwangeren Frau und seinen Töchtern
Elfriede, Edith und Lore über das KZ Westerbork in das KZ Auschwitz verschleppt, wo die
ganze Familie ermordet wurde.
Nach http://www.joodsmonument.nl/page/383018
ist in Westerbork noch der Sohn Isbert Isaak geboren. |
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der
jüdischen Gemeinde Adolf Held (geb. 13.3.1873 in Mosbach, gef. 26.7.1919),
Vizefeldwebel Hugo Siegel (geb. 16.6.1886 in Mosbach, gef. 24.5.1915) und Moritz
Stein (geb. 12.6.1879 in Großeicholzheim, gef. 1.10.1916) sowie Max Löwenstein
und Julius Eisemann.
Um 1925, als zur jüdischen Gemeinde 159 Personen gehörten (3,4 % von
insgesamt 4.658 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Louis Frank (zugleich
Bezirksältester im Rabbinatsbezirk Mosbach), David Rothschild und Salo Braun.
Als Lehrer, Kantor und Schochet war Alfred Kaufmann tätig. Er erteilte damals 24 Kindern
den Religionsunterricht. An jüdischen Vereinen gab es insbesondere den Israelitischen
Männerverein (1924 unter Leitung von Hermann Würzburger mit 45
Mitgliedern, 1932 unter Leitung von Hermann Würzburger; Zweck und
Arbeitsgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftiger), den Israelitischen
Frauenverein (1924 unter Leitung der Frau von Aron Blum mit 45 Mitgliedern,
1932 unter Leitung von Clara Siegel; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung
Hilfsbedürftiger) sowie den Jüdischen Jugendbund (1932 unter Leitung
von Fritz Dilsheimer). 1932 gab es fünf Mitglieder im Gemeindevorstand;
genannt werden David Rothschild (als stellvertretender Vorsitzender) und Salo
Braun. Vorsitzender der Repräsentanz war Sigmund Kaufmann. Als Lehrer und
Kantor war inzwischen David Barracker tätig. Im Schuljahr 1931/32 erteilte er
15 Kindern den
Religionsunterricht.
Um
1933 gehörten jüdischen Familien eine Zigarrenfabrik, eine
Bauereiartikelfabrik, Weinhandlungen, Getreide- und Mehlhandlungen,
Textilwarengeschäfte, Vieh- und Pferdehandlungen, Metzgereien und andere
Gewerbebetriebe, dazu eine Arzt- und eine Zahnarztpraxis. Insbesondere waren
dies die folgenden Gewerbebetriebe: Mehl- und Weinhandlung Gebr. Altmann
(Hauptstraße 12), Landesprodukte Baer & Sohn (Eisenbahnstraße 18), Koschere Gastwirtschaft
"Zur Traube", Inh. Hermann Bamberger (Hauptstraße 70), Handlung und Bank Aron Blum
(Hauptstraße 57), Zigarrenfabrik Leopold Blum (Neckarelzer Straße 11), Mehlhandlung Salomon und Manfred Braun
(Eisenbahnstraße 20, Lager Güterbahnhofstr.3), Schuhgeschäft Dilsheimer
(Hauptstraße 41), Textilwarengeschäft Max Edheimer (Hauptstraße),
Viehhandlung Jakob Eisemann (Kistnerstr.18), Koschere Metzgerei Josef Eisemann (Schwanengasse 3), Weinhandlung Louis Frank (Badgasse), Schreinerbedarf Berthold Hahn
(Eisenbahnstraße 14), Modegeschäft Held (letzter Inh. Max Bloch, Hauptstraße
23-25), Viehhandlung Gustav Kaufmann (Bleichstraße), Tuchgeschäft Sigmund Kaufmann
(Hauptstraße 45), Schreinereibedarf Sigmund Levita (Hauptstraße 76), Viehhandlung Isak und Wilhelm Marx (Löwenbrunnengasse), Zahnarzt
Dr. Alfred Mayer (Hauptstraße 100, bis 1928), Getreide- und Mehlhandlung Nathan Oppenheimer (?), Pferdehandlung Wilhelm und Siegfried Reuter
(Hauptstraße 102-104), Schnapsbrennerei David Rothschild (Hauptstraße 94), Kolonialwarengeschäft David Schlössinger (Kesslergasse), Lederhandlung Siegfried Siegel (ehem. Falk,
Hauptstraße 6), Viehhandlung Moses und Alfred Vogel (Fabrikgasse 9), Öl-, Fett- und Waschmittelhandlung Adolf Vogel (Entengasse 2, abgebrochen).
1933 wurden 134 jüdische Einwohner in Mosbach gezählt (2,8 % von
insgesamt 4.848 Einwohnern). In den folgenden Jahren verließ ein Großteil von
ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden
Entrechtung und der Repressalien die Stadt. Eine systematische Judenhetze
betrieb die in der Stadt gelesene NS-Zeitung "Heidelberger
Beobachter". Salomon Braun musste im Juni 1933
seine Mitgliedschaft in der Handelskammer aufgeben. Gustav Kaufmann musste
Anfang 1934 seine Viehhandlung aufgeben. Die anderen Viehhandlungen wurden bis
1937 zur Schließung gezwungen. Rechtsanwalt Michael Hanauer verlor 1935 seine
Stelle im Landgericht, nachdem er dort 24 Jahre dort tätig war. Max Edheimer 1936
musste sein Textilgeschäft schließen, andere Handlungen hielten sich noch bis
1938, teilweise bis Anfang 1939. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge
niedergebrannt (s.u.), die noch betriebenen jüdischen Geschäften wurden
überfallen, teilweise geplündert und demoliert (u.a. das
Schreinerbedarfsgeschäft von Berthold Hahn und die Weinhandlung Frank). Acht
jüdische Männer wurden in das KZ Dachau eingeliefert, darunter Rabbiner Julius
Greilsheimer. 1939 wurden noch 22 jüdische Einwohner gezählt. Die
letzten 16 wurden am 22. Oktober 1940 in das KZ Gurs in Südfrankreich
deportiert.
Von den in Mosbach geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Irma Adler geb. Ehrlich
(1898), Nehemias Hermann Altmann (1860), Lea Birnbaum geb. Spielmann (1884),
Marylla Birnhaum (1912), Rosa Blumenthal geb. Friedmann (1885), Sophie Braun
geb. Bär (1876), Fritz Dilsheimer (1902), Lore Dilsheimer geb. Kohlmann (1915),
Adolf Ehrlich (1877), Gertrud (Gida) Falkenstein (1896), Frieda Frank geb.
Reuter (1881), Julius Frank (1905), Ruth Frank geb. Güthermann (1913), Claire
Goldschmidt geb. Kaufmann (1914), Edith Greilsheimer (1934), Elfriede
Greilsheimer (1931), Julius Greilsheimer (1890), Karoline Greilsheimer geb.
Schlessinger (1905), Lore Greilsheimer (1934), Heinrich Grünhut (1883), Fanny
Günzburger geb. Weil (1863), Frieda Hanft (1883), Selma Hanft (1881), Rosel
Heimann geb. Reuter (1894), Emma Heppenheimer geb. Baer (1861), Betty Hirsch
geb. Eisemann (1858), Therese Istel geb. Kaufmann (1860), Harry Katz (1930),
Helene Katzmann geb. Siegel (1876), Gustav Kaufmann (1878), Henriette Kaufmann
geb. Baer (1881), Klara Kaufmann (1814), Lina Kaufmann (1911), Rosa Kaufmann
geb. Strauß (1878), Albert Ladenburger (1868), Gertrud Levita (1884), Isak Marx
(1866), Zerline Levita (1916), Selma Lippmann geb. Baer (1886), Bertha Löbmann
geb. Gotthilf (1871), Isak Marx (1866), Siegfried Marx (1893), Sofie Marx
(1898), Sara Oppenheim geb. Siegel (1883), Siegfried Reuter (1901) Henriette
Roos geb. Kaufmann (1866), Lina Rosenbusch geb. Haymann (1873), Joseph Rosenfeld
(1893), David Rothschild (1874), Heinrich Rothschild (1869), Marianne (Marie)
Schlössinger (1926), Erna Schneemann (1907), Friedrich Siegel (1875), Simon
Siegel (1866), Walter Josef Siegel (1923), Therese Strauss geb. Eisenmann
(1867), Bronislaw Wolgowolski (1922), Milly Würzburger gen. Strauß
(1906),Wilhelm Würzburger
(1898).
Unter den jüdischen Persönlichkeiten der Stadt ist vor
allem Rabbiner Dr. Leopold Löwenstein (1843-1923) zu nennen, der u.a.
mehrere Werke zur Geschichte der Juden in Baden verfasste und von der Stadt
Mosbach zu ihrem ersten Ehrenbürger ernannt wurde. Für den im KZ ermordeten Bezirksrabbiner
Julius Greilsheimer und die anderen ermordeten Mosbacher Juden wurde 1947 in Gan
Joskar/Israel ein Hain von 100 Bäumen gepflanzt.
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
Bereits im 13. Jahrhundert war
vermutlich – auf Grund der Größe der Gemeinde (55 Ermordete während der
Rindfleischverfolgung 1298) – ein Betsaal oder eine Synagoge vorhanden. Ihr
Standort ist nicht mehr bekannt.
Im 18. Jahrhundert waren Betsäle in jüdischen
Privathäusern vorhanden, deren Standort nicht mehr bekannt ist.
Ende des 18. Jahrhunderts oder Anfang des 19. Jahrhunderts
wurde in der Frohndbrunnengasse (hinter Durchgang zwischen Hauptstraße 42 und
44) eine Synagoge erbaut. Zur Baugeschichte konnten aus dieser Zeit
bislang keine Quellen gefunden werden. Am 22. Februar 1846 wurde in einer
Gemeindeversammlung mehrheitlich beschlossen, die Inneneinrichtung der Synagoge
zu erneuern. Bis dahin waren sogenannte "Ständer" (Betpulte)
vorhanden, die von den Gemeindegliedern käuflich erworben waren. In einem dafür
bestimmten Kaufbuch wurden die Inhaber dieser "Ständer" festgehalten.
Da der Platz im Betsaal auf Grund der zunehmenden Zahl von Gemeindegliedern
nicht mehr für neue Ständer ausreichte, wollte man feste Bänke (Subsellien)
anschaffen. Pläne und Kostenüberschlag wurden angefertigt. Das Bezirksamt
Mosbach genehmigte die Veränderung der Inneneinrichtung. Auf einer weiteren
Gemeindeversammlung im Juni 1847 protestierten allerdings Siesel Eisenmann,
Joseph Löb Eisenmann, Löb Lyon und Lippmann Rothschild entschieden gegen die
Subsellien. Sie warfen der Gemeindeversammlung vor, dass durch deren "Neuerungssucht"
ihr Eigentum beschädigt werde. Der Synagogenrat wandte sich gegen diese Vorwürfe.
Allein der fehlende Platz fordere die Neueinrichtung. Das Ergebnis der
Auseinandersetzung war, dass sich zunächst gar nichts veränderte. Erst im Mai
1850 beschäftigte sich wieder eine Gemeindeversammlung mit der Anschaffung der
Subsellien und beschloss mehrheitlich unter dem vergeblichen Protest Siesel
Eisenmanns die Neuanschaffung der festen Bänke für die Synagoge.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge zerstört.
Angehörige des Mosbacher SS-Zuges drangen in die Synagoge und die beiden noch
in jüdischem Besitz befindlichen Geschäfte ein. Sie demolierten die
Einrichtungen. Das zerschlagene Mobiliar und die Kultgegenstände (einschließlich
der Torarollen) aus der Synagoge wurden auf dem Marktplatz verbrannt. Auf der
Spitze des Brandhaufens war nach einem vorliegenden Bericht eine Torarolle, bekleidet mit dem Talar und dem
Zylinder des Rabbiners (so bei Herbert Schultheis: Die Reichskristallnacht in
Deutschland nach Augenzeugenberichten. 1985 S. 117-118); in einem anderen
Bericht aus dem Jahr 1963 heißt es: "Auf dem Platze vor dem Rathaus erhob sich ein Scheiterhaufen, zerschlagene Möbelstücke, Bücher mit hebräischen Schriftzeichen und
obenauf, an einer Stange, ein Zylinder" (Anmerkung: es könnte sich
bei der Stange auch um eine Stange handeln, an der eine Torarolle aufgewickelt
war, sodass sich die Bericht nun widersprechen müssen). Die Hitler-Jugend, die Schulkinder und eine große
Menschenmenge sahen zu. Die Synagoge wurde kurz danach angezündet, die Ruine in
den Tagen darauf abgebrochen. Der Platz wurde danach als Holzlagerplatz benutzt;
in den 1950er Jahren wurden hier Garagen erbaut.
An einer dieser Garagen aus den 1950er-Jahren befand
sich seit 1969 eine Gedenktafel für die Synagoge. 1985/86 wurde der Platz als
Gedenkstätte neu gestaltet
(Abbruch der Garagen; neuer Gedenkstein).
Fotos
Historische Fotos / Darstellungen:
Fotos der Synagoge vor 1938
sind nicht
bekannt |
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Blick in die Frohndbrunnengasse
(Richtung Hauptstraße). Links die Synagoge
(Skizze von Ludwig Scharf 30.
August 1926) |
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Die Ereignisse im Zusammenhang mit
der
Pogromnacht 1938 in Mosbach
(Quelle: u.a. veröffentlicht bei
Hundsnurscher/Taddey s. Lit. und
J. Held Vortrag s. Lit.) |
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Die Feuerwehr verhindert ein
Übergreifen
der Flammen auf die Nachbarhäuser |
Die Synagoge brennt |
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Das Synagogeninventar
auf dem
Marktplatz |
Öffentliche Verbrennung des
Synagogeninventars |
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Fotos nach 1945/Gegenwart:
Foto vor 1967:
(Quelle: J. Held, Vortrag s. Lit.) |
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Die auf dem
Synagogengrundstück erbauten Garagen - noch ohne Gedenktafel |
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Fotos 1983:
(Fotos: Hahn) |
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1967 wurde an den Garagen eine
Gedenktafel angebracht |
Das Synagogengrundstück |
Text der Gedenktafel |
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Fotos 1987
(Fotos: links oben aus Held Vortrag
s. Lit.; die anderen
Fotos Hahn) |
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Die Einweihung der neuen
Gedenkstätte am Synagogenplatz |
Die neue Gedenkstätte
am
Synagogenplatz |
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Der Gedenkstein für die
Synagoge |
Die neue Gedenktafel |
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Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 5.9.2003
bzw. Fotos
mit *) vom 5.12.2003) |
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Innerhalb des historischen
Rundganges
durch Mosbach ist der Synagogenplatz
eine der 12 Stationen |
Hinweis zum Synagogenplatz
am
Eingang der Frohndbrunnengasse |
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Straßenschild
"Synagogenplatz" |
Der Synagogenplatz - links
unter dem
Baum der Gedenkstein für die Synagoge* |
Erläuterungen am
Synagogenplatz zur
jüdischen Geschichte in Mosbach |
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| Der
Synagogenplatz mit dem Gedenkstein |
Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| Juni 2009:
Neue Publikation (2008) zur Geschichte der
jüdischen Gemeinde in Mosbach |
Artikel von Peter Lahr in der "Rhein-Neckar-Zeitung" vom 13.
Juni 2009 (Artikel):
"Eine Verpfändung markiert den Anfang
Über 20 Jahre unermüdlicher Forscherfleiß stecken in diesen 130 Seiten. Balduin Herter dokumentiert "Die Judengemeinde von Mosbach 1297 bis 1940" und verfasste damit den vierten Band der von der Stadt herausgegebenen Reihe "Mosbach im 3.
Reich...". |
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| November 2010:
Erinnerung an den Novemberpogrom 1938 |
Artikel von Peter Lahr in der "Rhein-Neckar-Zeitung" vom
November 2010 (Artikel):
""Heute noch so aktuell wie früher".
Mosbach. "Wir gedenken der Zerstörung der Mosbacher Synagoge und der Verbrennung der Kultgegenstände vor 72 Jahren", begrüßte Markus Wieland, Vorsitzender des Geschichts- und Museumsvereins, am Mittwochabend zahlreiche Menschen auf dem Mosbacher Synagogenplatz. Die Gedenkfeier an die Pogromnacht gestalteten in diesem Jahr auch der Verein KZ-Gedenkstätte Neckarelz sowie die Volkshochschule mit..."
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| Juli 2012:
Die unglücklich verlaufene Diskussion um die
Verlegung von "Stolpersteinen" in Mosbach |
Artikel von Ursula Brinkmann in der
"Rhein-Neckar-Zeitung" vom 4. Juli 2012: "Ein
Stolperstein, der einiges ins Rollen gebracht hat..."
Link
zum Artikel |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden.
1968. S. 203ff. |
 | Germania Judaica II,2 S. 548f; III,2 S. 884-885. |
 | zu Leopold Löwenstein: Mitteilungen der städtischen Sammlungen Mosbach 6
(1974) S. 5f. |
 | "Als die Synagogen brannten...", in: Landkreis Mosbach.
Informationsdienst für Kommunalpolitik, Wirtschaft und Kultur 20 (1963) S.
5. |
 | Martin Runow: Die Stiftung eines Capitals … zur Errichtung eines
Rabbinats zu Mosbach, in: Der Odenwald 44 1997 S. 60-68. |
 | Vortrag von 1994: Julius Held: The Holocaust – from a Distance
(Schwerpunkt Mosbach) - Unterseite
(htm-Datei). |
 | zu Julius Held: Art. von Ulrike Wendland: in: Biographisches Handbuch
deutschsprachiger Kunsthistoriker im Exil. 1999 Bd. 1 S. 284-289.
Siehe englische
Seite.
Julius Held starb am 22. Dezember 2002. |
 | Rudolf Landauer, Reinhart Lochmann: Spuren jüdischen Lebens im Neckar-Odenwald-Kreis. Herausgegeben vom Landratsamt NOK, 2008, ISBN: 978-3-00-025363-8. 200 S., 284 Fotos, 19,90 Euro.
Informationen zu dieser Publikation auf Seite
zum Friedhof Mosbach. |
 | Balduin Herter: Mosbach im 3. Reich, 4. Heft, Die Judengemeinde von Mosbach 1297 bis 1940. Hg.: Große Kreisstadt Mosbach, 2008. 130 S., zahlr. Schwarz-Weiß-Abb.,
5 €. |
 | Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern -
Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from
their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem
1986. S.399-402. |
 | Joachim
Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als
Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte
und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt,
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial,
Jerusalem. Stuttgart 2007.
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Mosbach
Baden. A Jewish community existed by the 13th century. Fifty-five Jews
were murdered in the Rindfleisch massacres of 1298. The community was again
attacked in 1343 and wiped out in the Black Death persecutions of 1348-49. Few
Jews lived there until the early 18th century, when the community began to grow
despite residence restrictions. They numbered 16 families in 1775. In 1782, Jews
obtained the salt monopoly for the entire Palatinate. After annexation to Baden
in 1806, restrictions were gradually removed. In 1827, Mosbach became the seat
of the district rabbinate, with jurisdiction over 14 communities. A synagogue
was built in 1860 and a Jewish elementary school was in operation in 1830-76.
The outstanding rabbi in the period was the Conservative Leopold Loewenstein
(1843-1924), who also published important historical works on the Jews of Baden.
The Jewish population reached a peak of 229 in 1871 and then declined steadily
to 134 (total 4,848) in 1933. At the outset of the Nazi era, Jews operated three
factories and 14 business establishments. In all, 107 left in 1933-40, most
emigrating from Germany. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the
synagogue was burned down, Jewish homes were vandalized, and eight Jewish men
were sent to the Dachau concentration camp. Sixteen Jews were deported to the
Gurs concentration camp on 22 October 1940. Another 26 were sent to the camps
from their places of refuge after leaving Mosbach. Of those deported, 39
perished.

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