Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Bodenheim (VG Bodenheim, Landkreis Mainz-Bingen)
Jüdischer Friedhof  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde     
    
Siehe Seite zur Synagoge in Bodenheim (interner Link)   
    
    
Zur Geschichte des Friedhofes             
    
Die
Toten der jüdischen Gemeinde Bodenheim wurden bis 1883 in Mainz beigesetzt. Nachdem der jüdische Friedhof in Mainz-Mornbach zum 31. Dezember 1880 geschlossen wurde und durch Kündigung der neue Begräbnisplatz in Mainz-Zahlbach durch die Bodenheimer Juden nicht mehr belegt werden konnte, bestand die Notwendigkeit der Anlegung eines eigenen Friedhofes. 1882 bemühte sich die jüdische Gemeinde Bodenheim zunächst um den Erwerb eines Grundstückes in der Nähe des christlichen Friedhofes, doch konnte von der politischen Gemeinde dort kein Grundstück bereitgestellt werden. So erfolgte die Anlage auf einem Grundstück, das zuvor der Familie Siegling gehört hatte. Mit dieser Familie konnte am 23. Dezember 1882 ein Kaufvertrag abgeschlossen werden. Im darauf folgenden Jahr 1883 wurde das Friedhofsgrundstück hergerichtet und mit der ersten Beisetzung am 7. Februar 1883 (von Emanuel Guthmann) eingeweiht. In den folgenden Jahren wurden die Verstorbenen in zeitlicher Reihenfolge des Sterbedatums beigesetzt. 
  
Der Friedhof wurde bis 1937 belegt (letzte Beisetzung vom Rosalie Karoline Weil, gest. am 18. Oktober 1937). In der NS-Zeit wurde der Friedhof vor allem im Sommer 1943 verwüstet. Dabei wurden die Grabsteine von Schulkindern umgeworfen und beschädigt. Einige der Marmorinschriftentafeln sind herausgebrochen. Die Grabsteine wurden in der 2. Hälfte des Jahres 1945 wieder aufgestellt. Die Arbeiten mussten Bodenheimer Bürger - ehemalige Mitglieder der NSDAP - unter Aufsicht des damaligen Beigeordneten und fachlicher Bauleitung einer ortsansässigen Baufirma vornehmen.  
   
Die Friedhofsfläche umfasst 5,94 ar. Der Friedhof befindet sich heute im Eigentum der jüdischen Gemeinde Mainz als Rechtsnachfolgerin der israelitischen Religionsgemeinde Bodenheim. Im Juli 2003 und 2007 wurde der Friedhof restauriert (u.a. neue Gestaltung der Westseite durch Verlegung der Böschung nach Westen). 
  
Am 19. Oktober 2014 wurde mit einer Feierstunde ein Gedenkstein auf dem jüdischen Friedhof für vier jüdische Frauen enthüllt, die 1936/37 auf dem Friedhof beigesetzt wurden, jedoch keinen Grabstein erhalten hatten. Der Gedenkstein erinnert an Susanna Anna Beringer (1884-1936), Franziska Blum geb. Mayer (1844-1937), Karoline Rosalie Weil geb. Guthmann (1872-1937) sowie Emilie Weil (1852-1936). Bei seinen Recherchen zur jüdischen Geschichte Bodenheims war Horst Kasper auf die "fast vergessenen Frauen" gestoßen.   

Dazu zwei Artikel in der "Allgemeinen Zeitung":  Der jüdische Friedhof in Bodenheim erhält einen Gedenkstein für vier Frauen (Allgemeine Zeitung, 07.10.2014)   
Auf dem jüdischen Friedhof in Bodenheim wird an das Schicksal von vier Frauen erinnert (Allgemeine Zeitung, 21.10.2014)  
  
  
Aus der Geschichte des Friedhofes 
   
Außergewöhnlich: die Exhumierung einer Leiche auf dem Friedhof
(1888
)  

Bodenheim AZJ 30081888.jpg (56336 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30. August 1888: "Man schreibt aus Mainz, 21. August: Auf dem Friedhof zu Bodenheim wurde gestern Nachmittag behufs gerichtlicher Feststellung der Todesumstände die Leiche des jungen Mannes wieder ausgegraben, welche vor einigen Tagen dort gelandet wurde. Der junge Mann gehörte einer wohlhabenden israelitischen Familie in der Nähe von Würzburg an und hatte sich hier in den Rhein gestürzt. Die Leiche wurde noch gestern Abend zur endgültigen Beerdigung nach Würzburg verbracht. Es gilt für festgestellt, dass der Verlebte geistesgestört gewesen ist. Dafür spricht, dass er vor seinem Tode sämtliche Kleidungsstücke auszog und ins Wasser warf. In seinen aufgefischten Beinkleidern fand man über 300 Mark an barem Gelde."  

     
     
Lage des Friedhofes    
 
    
Am südwestlichen Ortsrand (Nachbarschaft zum Wohngebiet "Im Westrum"): am verlängerten Ebersheimer Weg auf der rechten Seite (Gewann "auf der vorderen Hüttstädt", Flur 38 Nr. 66, früher Flur SV Nr. 139). 
    
  
  
Fotos 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 29.3.2005, untere Fotozeile von Stefan Haas, Aufnahmen vom Februar 2015)  

Bodenheim Friedhof 207.jpg (79924 Byte) Bodenheim Friedhof 200.jpg (65838 Byte) Bodenheim Friedhof 203.jpg (76551 Byte)
Blick auf das Eingangstor Hinweistafel am Eingang Gesamtansicht
     
Bodenheim Friedhof 201.jpg (74462 Byte) Bodenheim Friedhof 204.jpg (65699 Byte)   
Der belegte Teil des Friedhofes   
   
Bodenheim Friedhof 205.jpg (78858 Byte) Bodenheim Friedhof 202.jpg (59024 Byte) Bodenheim Friedhof 206.jpg (81257 Byte)
Grabstein für David Maier 
aus Kitzingen (1876-1922) 
Grabstein links für Amalie Strauß 
geb. Stern (1859-1896) 
Grabstein für den Lehrer 
Meier Reiss (1850-1921) 
     
Bodenheim Friedhof WP_20150220_13_33_45_Pro.jpg (163557 Byte) Bodenheim Friedhof WP_20150220_13_33_30_Pro.jpg (139520 Byte)
Grabstein für Adolf Beringer 
(1873-1934)  
  
 Grab-/Gedenkstein, aufgestellt im Oktober 2014 für Anna Beringer geb. Goldschmidt (1884-1936), 
Emilie Weil (1858-1936), Franziska Blum geb. Mayer (1844-1937) und Rosalie Weil geb. Guthmann (1872-1937). 
Alle vier wurden im Friedhof beigesetzt, doch konnte in der NS-Zeit kein Grabstein mehr für sie aufgestellt werden.    
     

     

Belegungsliste des Friedhofes Bodenheim. Stand: Oktober 2013  
Hinweis: die Liste ist sortiert von vorne nach hinten und von links nach rechts. Die jüngsten Steine sind vorne, die ältesten Steine sind hinten. Der jüngste Stein in einer Reihe ist immer ganz rechts, hier als letzter Stein der Reihe genannt!
 (die Liste wurde erstellt von Stefan Haas)     
1. Reihe

David Maier
aus Kitzingen
geb. 6. Juli 1876
gest. 12. September 1922.
Betrauert von Gattin u. Kinder.

Hier ruht in Frieden
Bernhard Beringer
geb. 15. April 1843
gest. 19. Novbr. 1926

Hier ruht in Frieden
Bernhard Strauß

geb. 12. Okt. 1848
gest. 3. Nov. 1932
Betrauert
von Kinder und Enkel

Hier ruht in Frieden
Adolf Beringer
geb. 16. Jan. 1873
gest. 11. Juni 1934
( = jüngster jüdischer Grabstein in Bodenheim)
 
 
2. Reihe

Hier ruht in Frieden 
Betty Blum
geb. Bendheim

geb. 22. Januar 1853
gest. 18. Dezember 1917.

Hier ruht in Frieden
Franziska Blum
geb. Meyer

geb. 23. April 1860
gest. 25. Januar 1918

Hier ruht in Frieden
Emanuel Blum
geb. 28. Januar 1849
gest. 2. Januar 1924.

Hier ruht in Frieden 
Abraham Beringer
geb. 26. April 1840
gest. 7. Mai 1922

Hier ruht in Gott
Meier Reiss
Lehrer
geb. 29. März 1850
gest. 8. Nov. 1921
Friede seiner Asche.

Grabstein ohne Platte
Schmerzlich vermißt
und innigst betrauert.
 
 
3. Reihe

Hier ruht in Frieden
Heinrich Wolff
geb. 13. Mai 1854
gest. 12. Juli 1911.
Friede seiner Asche.
Tief betrauert von 
Gattin Kindern u. Enkeln.

Hier ruht in Frieden
Rosa Wolff
geb. Weil

geb. 19. April 1883
gest. 29. August 1911.
Friede ihrer Asche.
Tief betrauert vom
Gatten u. Verwandten.

Hier ruht in Frieden
Samuel Blum
geb. 12. Sept. 1824,
gest. 1. Okt. 1912
Friede seiner Asche
Tief betrauert von
Gattin Kinder u. Enkeln.

Grabstein ohne Platte

Hier ruht
Johannette 
Guthmann

geb. 19. Febr. 1842
gest. 30. Mai 1915

Hier ruht in Frieden
Caroline Wolff
geb. Neuheuser

geb. 22. Aug. 1851
zu Monzernheim
gest. 22. Sept. 1916
 4. Reihe

Hier ruht in Frieden
Sara Mayer
geb. Kahn

geb. 18. März 1828
gest. 22. Juli 1905.
Tief betrauert 
Von ihren Kindern u. Enkeln

Hier ruht in Frieden
Babette Blum
geb. Mayer

geb. 20 März 1820, gest. 5. Sept. 1905.
Tief betrauert von ihren
Kindern u. Enkeln.

Hier ruht in Frieden
Jonas Mayer
geb. 18. Juli 1822,
gest. 14. Juni 1906.
Friede seiner Asche.

Hier ruht in Frieden
Moritz Strauß
geb. 15. Nov. 1855,
gest. 5. Juni 1907.
Friede seiner Asche

Hier
Ruht in Frieden
Leopold Blum
geb. 14. April 1847
gest. 26. März 1908


Hier ruht in Frieden
Charlotte Beringer
geb. Neumann

geb. d. 1. März 1844,
gest. d. 10. Dez. 1909.
Tief betrauert vom
Gatten Kinder u. Enkeln.
  
  
5. Reihe

Hier ruht in Frieden
Amalie Strauß
geb. Stern

geb. den 13. Febr. 1859,
gest. den 13. April 1896
Friede ihrer Asche
Tief betrauert von ihrem Gatten
Kindern u. Verwandten.

Grabstein ohne Platte

Hier ruht Eduard Blum
geb. 25. Aug. 1852,
gest. 29. Oct. 1896.
Betrauert von Gattin u. Kindern

Hier ruht 
Bertha Beringer
geb. d. 30. Juli 1820
gest. d. 8. März 1899
Friede ihrer Asche.

Hier ruht 
Bernhard Beringer
geb. 14. Juli 1874
gest. 20. Jan. 1901.
Friede seiner Asche!

Hier ruht
Bertha Strauss
geb. 6. Juni 1890, gest. 27. Juni 1903.
Friede ihrer Asche.
Tief betrauert v. Vater u. Geschwister.
Rückseite:
Ruhe sanft.


6. Reihe

Hier ruht in Frieden
Jackob (?) Beringer
geb. 20. August 1812
gest. 14. Jan. 1896
Rückseite:
Edle Tugend
Frommes Andenken
Tief betrauert v. s. Kindern u.
Enkeln

Hier ruht in Gott
Sali Blum
geb. 13. März 1886,
gest. 30. Jan. 1893.
Ruhe sanft.
Tief betrauert von seinen 
Eltern u. Verwandten.  
   

Hier ruht in Frieden
Johanette Grünewald
geb. Reiss

v. Gross-Zimmern
geb. 1. April 1813,
gest. 25. März 1893.
Rückseite:
Stiller Tugend
Frommes Denkmal.

Hier ruht in Frieden
Jac. Lippmann
geb. 3. Nov. 1808,
gest. 5. Nov. 1893.
Rückseite:
Leicht sei ihm die Erde
Sanft ruh’ er in der Gruft
Bis der Herr durch sein Werde
Ihn ins neue Leben ruft.

Hier ruht in Gott 
Aron Mayer
geb. 26. Sept. 1812
gest. 18. März 1894
Friede seiner Asche.

Hier ruht in Frieden
Johanna Strauß
geb. Meyerfeld

geb. 30. Mai 1815,
gest. 20. Nov. 1895.
Friede ihrer Asche.
Rückseite:
Stiller Tugend
Frommes Denkmal
tief betrauert
von ihren Kindern u. Enkeln
u. Urenkeln


7. Reihe

Hier ruht in Frieden
Emanuel
Guthmann

geb. d. 5. Januar 1840,
gest. d. 7. Febru. 1883
Tief betrauert von seiner
Gattin Kindern. u. Verwandten
(= ältester jüdischer Grabstein in Bodenheim)

Grabstein ohne Platte
Rückseite:
Wer für Gott und Weisheit
Lebte,
O, der stirbt im Grabe nicht.
Wer nach Recht und Tugend
Strebte,
steigt empor von Licht zu Licht.

Hier ruht
Barbara ?
geb. Wolf

geb. 1832
gest. 1887

Hier ruht in Gott
Lazarus Mayer
geb. 10. Sept. 1817,
gest. 12. Jan. 1890
Friede seiner Asche
Tief betrauert
von seiner
Gattin (...)

Hier ruht in Gott 
Magdalena Strauß
Rückseite:
Stille Tugend
Frommes Denkmal.

Hier ruht in Gott Jakob Strauß
Geb. d. 17. März 1807,
gest. d. 10. April 1891.
Friede seiner Asche.
Tief betrauert von seiner Gattin
Kinder Enkel und Urenkel.
Rückseite:
Wer der Besten seiner
Zeit genug gethan
Der hat gelebt für alle
Zeiten.   
  
   
   
   
   
  
   
  
   

      
         

Links und Literatur   

Links

Website der Gemeinde Bodenheim    
Website der VG Bodenheim  
Zur Seite über die Synagoge in Bodenheim (interner Link) 
Fotos zum jüdischen Friedhof Bodenheim auch in der Website von Stefan Haas  
http://www.blitzlichtkabinett.de/lost-places/friedhofs-fotografie/friedhöfe-in-rlp-ii/    

Literatur

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. 1971 Bd. I,84-85.   
Horst Kasper: Der jüdische Friedhof in Bodenheim - und Schicksale der ehemaligen jüdischen Bürger und Bürgerinnen von Bodenheim und Nackenheim. Bodenheim 2004.  
Presse-Artikel: Nach Schändung wieder hergerichtet (Allgemeine Zeitung, 30.07.2013)  
Vortrag von Horst Kasper: Die Geschichte des jüdischen Friedhofes in Bodenheim (als pdf-Datei zugänglich).  

     
       

                   
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Stand: 27. Januar 2016