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Böttigheim (Gemeinde
Neubrunn, Kreis Würzburg)
Jüdische Geschichte
Übersicht:
Zur jüdischen Geschichte
in Böttigheim
In Böttigheim lebten nachweislich bis 1908
jüdische Familien/Personen. Spätestens Ende des 18. Jahrhunderts gab es
eine kleine jüdische Gemeinde (Kehillah) mit einer 1790 errichteten
Synagoge. Damals (1790) lebten - nach Datierung ihrer Schutzbriefe - bereits
vier der sieben in der Matrikelliste 1817 genannten jüdischen Familien am Ort:
seit 1765 Jacob Itzig, seit 1770 David Isak, seit 1772 Jacob Samson, seit 1773
Faust David. Dazu waren vermutlich weitere Personen / Familien am Ort, die bis
1817 verstorben oder von Böttigheim verzogen waren.
Bei der Erstellung der Matrikellisten am 22. April 1817 wurden für
Böttigheim sieben Matrikelstellen vorgesehen. Damals lebten am Ort:
- Faust David - neuer Familienname Steigerfeld, Schutzbrief
vom 26. Februar 1773; lebte vom Schlachten und Schmusen, 73 Jahre alt mit Frau,
drei Söhnen und einer Tochter.
- David Isak - neuer Familienname Lichtenfeld, Schutzbrief
vom 18. Mai 1770; lebte vom Vieh- und Warenhandel, 82 Jahre alt mit Frau, drei
Söhnen und drei Töchtern.
- Isak David - neuer Familienname Lichtenfeld, Schutzbrief
vom 27. Juni 1813; lebte vom Vieh- und Warenhandel,.42 Jahre alt mit Frau, ohne
Kinder.
- Jacob Itzigs Witwe - neuer Familienname Hirschhorn,
Schutzbrief vom 24. Dezember 1765; lebte vom Warenhandel; 80 Jahre alt mit einem
Sohn und einer Tochter.
(gestorben 1819, Matrikelinhaber wurde dann Elias
Hirschhorn, 5. November 1824).
- Simon Moses - neuer Familiennahme Oppenheimer, Schutzbrief
vom 29. November 1791; lebte vom Vieh- und Warenhandel; 52 Jahre alt, Witwer,
drei Töchter.
- Jacob Samson - neuer Familienname Gutmann, Schutzbrief vom
17. Juli 1772, lebte vom Warenhandel, 70 Jahre alt mit Frau und einem Sohn.
- Löw Raphael - neue Familienname Gutmann (Sohn des
vorigen), Schutzbrief vom 19. Juli 1810, lebte vom Vieh- und Warenhandel, 40
Jahre alt, mit Frau, ohne Kinder.
Im Jahr 1833 lebten - gemäß der Materikelliste - weiterhin sieben jüdische
Familien mit insgesamt 28 Personen im Ort.
Die im Jahr 1790 errichtete Synagoge wurde Jahr 1857 renoviert.
Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden im rund vier Kilometer entfernten
jüdischen Friedhof in Wenkheim beigesetzt.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der jüdischen Einwohner
sehr schnell zurück. Zwischen 1857 und 1859 waren es noch sechs Familien
am Ort, 1875 wurden nur noch zwei jüdische Einwohner gezählt (von
insgesamt 746 - ausschließlich katholischen - Einwohnern).
Die jüdischen Familien wanderten aus oder verzogen in andere Orte wie
- der Viehhändler David Lichtenfeld, geb. 21. Juli 1833 in Böttigheim,
gest. 28. September 1902 in
Tauberbischofsheim. David Lichtenfeld heiratete Johanna (Hannchen) geb.
Heimann (geb. 1834, gest. 19. Dezember 1924). Beide wurden im
jüdischen Friedhof Tauberbischofsheim
beigesetzt. Die beiden hatten eine Tochter Ida (geb. 5. Juli 1863 in
Böttigheim), die sich später mit Salomon Marx aus
Tauberbischofsheim (für ihn zweite
Eheschließung, geb. 9. Januar 1848 in Seckmauern)
verheiratete. 1888 zog die Familie mit ihren Kindern (Salomon Marx hatte aus
erster Ehe sieben Kinder, es folgten aus zweiter Ehe fünf Kinder) nach
Würzburg, wo Ida und Salomon Marx
zusammen ein Landesproduktengeschäft betrieben. 1919 starb Salomon Marx in
Würzburg; seine Frau emigrierte Ende 1933 in die USA, wo bereits mehrere Kinder
und Stiefkinder lebten. Ida wohnte 1940 bei ihrer jüngsten Tochter Hedwig (Hetty)
(geb. 11. Oktober 1895 in Würzburg, verheiratet mit Hermann Stern) im
Stadtbezirk Bronx in New York, wo sie im Juni 1945 verstarb.
- Rosa Mayer geb. Hirschhorn, geb. 2. August 1859 in Böttigheim,
später wohnhaft in Hochhausen,
verheiratet seit dem 3. September 1883 mit Elias Mayer (geb. 3. Juli 1847
in Nieder-Olm) in
Aschaffenburg.
(Quelle: Hinweise auf die genannten Personen in der Biographischen Datenbank
Jüdisches Unterfranken).
1908 wurde die Gemeinde Böttigheim aufgelöst und die damals bereits leerstehende
Synagoge verkauft, später abgebrochen und auf dem Grundstück eine Scheune
errichtet. Der Standort der Synagoge ist unbekannt, zumal das Gebäude in Karten
des 19. Jahrhunderts nicht eingetragen ist.
Von den in Böttigheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): es werden in den
Listen keine Personen aus Böttigheim genannt. Da nach 1908 keine jüdischen
Personen mehr am Ort lebten, kann es sich bei möglichen Opfern wohl nur im
Personen handeln, die in Böttigheim geboren sind.
Berichte aus der
jüdischen Geschichte in Böttigheim
Kleine Mitteilungen aus der Gemeinde
und zu einzelnen Personen (um 1862/65)
- 1862 wird in einer Spendenliste
(Sammlung zum "Bau jüdischer Armen- und Pilgerwohnungen in Jerusalem")
Jacob Hirschhorn von Böttigheim genannt (in der Zeitschrift "Der
Israelit" vom 13. August 1862 S. 262).
- 1863: bei einer Spendensammlung zum "Bau jüdischer Armen- und
Pilgerwohnungen in Jerusalem" erhielt Lehrer L. Neumann, Lehrer in
Impfingen, von D. Lichtenfeld in
Böttigheim 1 fl. und 1 weiteren fl. "für die Armen des Heiligen Landes"
(Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Mai 1863 S. 245). |
- 1865: bei einer "Spendensammlung "zur Unterstützung unserer durch
Hungersnot bedrängten Glaubensbrüder im heiligen Lande" sammelte
Kultusvorsteher Hirschhorn in der Gemeinde Böttigheim 15 fl. 30 Kr. (in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. September 1865 S. 22).
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Fotos
| Es sind noch
keine Abbildungen / Fotos zur jüdischen Geschichte in Böttigheim
vorhanden. |
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Grab der in
Böttigheim geborenen
Ida Marx geb. Lichtenfeld
Quelle:
https://de.findagrave.com/memorial/216294955/ida-marx
Das Grab ist im Cedar
Park Cemetery
in Paramus, Bergen, New Jersey / USA |
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Grab von
"Ida Marx née Lichtenfeld Wurzburg a/Main
Born July 5, 1863 Died Max 29, 1945" |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen
Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische
Landeszentrale für politische Bildung A 85). S. 46. |
 | K. statistisches Bureau: Ergebnisse der Volkszählung im
Königreiche Bayern am 1. Dezember 1875 [...]. München 1877 (= Hefte zur
Statistik des Königreichs Bayern 36), S. 203. |
 | Dirk Rosenstock (Bearbeiter): Die unterfränkischen
Judenmatrikeln von 1817. Würzburg 2008. Veröffentlichungen des Stadtarchivs
Würzburg Band 13. S. 161. |
 | Reiner Strätz: Biographisches Handbuch Würzburger
Juden 1900-1945 1. Teil. S. 376. |

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