Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Böttigheim (Gemeinde Neubrunn, Kreis Würzburg)
 Jüdische Geschichte 
  

Übersicht:  

bulletZur jüdischen Geschichte in Böttigheim 
bulletBerichte aus der jüdischen Geschichte in Böttigheim   
bulletFotos / Darstellungen   
bulletLinks und Literatur   

   

Zur jüdischen Geschichte in Böttigheim          
     
In Böttigheim lebten nachweislich bis 1908 jüdische Familien/Personen. Spätestens Ende des 18. Jahrhunderts gab es eine kleine jüdische Gemeinde (Kehillah) mit einer 1790 errichteten Synagoge. Damals (1790) lebten - nach Datierung ihrer Schutzbriefe - bereits vier der sieben in der Matrikelliste 1817 genannten jüdischen Familien am Ort: seit 1765 Jacob Itzig, seit 1770 David Isak, seit 1772 Jacob Samson, seit 1773 Faust David. Dazu waren vermutlich weitere Personen / Familien am Ort, die bis 1817 verstorben oder von Böttigheim verzogen waren. 
 
Bei der Erstellung der Matrikellisten am 22. April 1817 wurden für Böttigheim sieben Matrikelstellen vorgesehen. Damals lebten am Ort:
-  Faust David - neuer Familienname Steigerfeld, Schutzbrief vom 26. Februar 1773; lebte vom Schlachten und Schmusen, 73 Jahre alt mit Frau, drei Söhnen und einer Tochter. 
David Isak - neuer Familienname Lichtenfeld, Schutzbrief vom 18. Mai 1770; lebte vom Vieh- und Warenhandel, 82 Jahre alt mit Frau, drei Söhnen und drei Töchtern.
-  Isak David - neuer Familienname Lichtenfeld, Schutzbrief vom 27. Juni 1813; lebte vom Vieh- und Warenhandel,.42 Jahre alt mit Frau, ohne Kinder.
Jacob Itzigs Witwe - neuer Familienname Hirschhorn, Schutzbrief vom 24. Dezember 1765; lebte vom Warenhandel; 80 Jahre alt mit einem Sohn und einer Tochter.
    (gestorben 1819, Matrikelinhaber wurde dann Elias Hirschhorn, 5. November 1824).  
Simon Moses - neuer Familiennahme Oppenheimer, Schutzbrief vom 29. November 1791; lebte vom Vieh- und Warenhandel; 52 Jahre alt, Witwer, drei Töchter.
Jacob Samson - neuer Familienname Gutmann, Schutzbrief vom 17. Juli 1772, lebte vom Warenhandel, 70 Jahre alt mit Frau und einem Sohn.
Löw Raphael - neue Familienname Gutmann (Sohn des vorigen), Schutzbrief vom 19. Juli 1810, lebte vom Vieh- und Warenhandel, 40 Jahre alt, mit Frau, ohne Kinder. 
   
Im Jahr 1833 lebten - gemäß der Materikelliste - weiterhin sieben jüdische Familien mit insgesamt 28 Personen im Ort.
 
Die im Jahr 1790 errichtete Synagoge wurde Jahr 1857 renoviert. 
 
Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden im rund vier Kilometer entfernten jüdischen Friedhof in Wenkheim beigesetzt.     

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der jüdischen Einwohner sehr schnell zurück. Zwischen 1857 und 1859 waren es noch sechs Familien am Ort, 1875 wurden nur noch zwei jüdische Einwohner gezählt (von insgesamt 746 - ausschließlich katholischen - Einwohnern).
 
Die jüdischen Familien wanderten aus oder verzogen in andere Orte wie
- der Viehhändler David Lichtenfeld, geb. 21. Juli 1833 in Böttigheim, gest. 28. September 1902 in Tauberbischofsheim. David Lichtenfeld heiratete Johanna (Hannchen) geb. Heimann (geb. 1834, gest. 19. Dezember 1924). Beide wurden im jüdischen Friedhof Tauberbischofsheim beigesetzt. Die beiden hatten eine Tochter Ida (geb. 5. Juli 1863 in Böttigheim), die sich später mit Salomon Marx aus Tauberbischofsheim (für ihn zweite Eheschließung, geb. 9. Januar 1848 in Seckmauern) verheiratete. 1888 zog die Familie mit ihren Kindern (Salomon Marx hatte aus erster Ehe sieben Kinder, es folgten aus zweiter Ehe fünf Kinder) nach Würzburg, wo Ida und Salomon Marx zusammen ein Landesproduktengeschäft betrieben. 1919 starb Salomon Marx in Würzburg; seine Frau emigrierte Ende 1933 in die USA, wo bereits mehrere Kinder und Stiefkinder lebten. Ida wohnte 1940 bei ihrer jüngsten Tochter Hedwig (Hetty) (geb. 11. Oktober 1895 in Würzburg, verheiratet mit Hermann Stern) im Stadtbezirk Bronx in New York, wo sie im Juni 1945 verstarb.
- Rosa Mayer geb. Hirschhorn, geb. 2. August 1859 in Böttigheim, später wohnhaft in Hochhausen, verheiratet seit dem 3. September 1883 mit Elias Mayer (geb. 3. Juli 1847 in Nieder-Olm) in Aschaffenburg.
(Quelle: Hinweise auf die genannten Personen in der Biographischen Datenbank Jüdisches Unterfranken).    

 
1908 wurde die Gemeinde Böttigheim aufgelöst und die damals bereits leerstehende Synagoge verkauft, später abgebrochen und auf dem Grundstück eine Scheune errichtet. Der Standort der Synagoge ist unbekannt, zumal das Gebäude in Karten des 19. Jahrhunderts nicht eingetragen ist. 

  
Von den in Böttigheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): es werden in den Listen keine Personen aus Böttigheim genannt. Da nach 1908 keine jüdischen Personen mehr am Ort lebten, kann es sich bei möglichen Opfern wohl nur im Personen handeln, die in Böttigheim geboren sind.  
    
    
    
Berichte aus der jüdischen Geschichte in Böttigheim     
     
Kleine Mitteilungen aus der Gemeinde und zu einzelnen Personen (um 1862/65)   
 

1862 wird in einer Spendenliste (Sammlung zum "Bau jüdischer Armen- und Pilgerwohnungen in Jerusalem") Jacob Hirschhorn von Böttigheim genannt (in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. August 1862 S. 262)
1863: bei einer Spendensammlung zum "Bau jüdischer Armen- und Pilgerwohnungen in Jerusalem" erhielt Lehrer L. Neumann, Lehrer in Impfingen, von D. Lichtenfeld in Böttigheim 1 fl. und 1 weiteren fl. "für die Armen des Heiligen Landes" (Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Mai 1863 S. 245).    
1865: bei einer "Spendensammlung "zur Unterstützung unserer durch Hungersnot bedrängten Glaubensbrüder im heiligen Lande" sammelte Kultusvorsteher Hirschhorn in der Gemeinde Böttigheim 15 fl. 30 Kr. (in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. September 1865 S. 22). 
 

       
  
     

Fotos  

 Es sind noch keine Abbildungen / Fotos  zur jüdischen Geschichte in Böttigheim vorhanden.    
     
 Grab der in Böttigheim geborenen
Ida Marx geb. Lichtenfeld
Quelle https://de.findagrave.com/memorial/216294955/ida-marx   

 Das Grab ist im Cedar Park Cemetery
in Paramus, Bergen, New Jersey / USA

   
   Grab von "Ida Marx née Lichtenfeld   Wurzburg a/Main
 Born July 5, 1863   Died Max 29, 1945"
 

    
   
    

     
Links und Literatur   

Links:  

bulletWebsite der Gemeinde Neubrunn     
bulletWikipedia-Artikel zu Böttigheim https://de.wikipedia.org/wiki/Böttigheim       
bulletSeiten zur jüdischen Geschichte in Böttigheim in der Website des Hauses der Bayerischen Geschichte: https://hdbg.eu/juedisches_leben/gemeinde/boettigheim/1634 und  https://hdbg.eu/juedisches_leben/synagoge/boettigheim/1635  
bullet"Ehemalige jüdische Gemeinden" in der Website des Landkreises Würzburg: https://www.landkreis-wuerzburg.de/Bildung-Freizeit-Kultur/Kultur/Landjudentum/Ehemalige-jüdische-Gemeinden/    

Literatur:  

bulletIsrael Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A 85). S. 46.
bulletK. statistisches Bureau: Ergebnisse der Volkszählung im Königreiche Bayern am 1. Dezember 1875 [...]. München 1877 (= Hefte zur Statistik des Königreichs Bayern 36), S. 203. 
bulletDirk Rosenstock (Bearbeiter): Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Würzburg 2008. Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13. S. 161.
bulletReiner Strätz: Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945 1. Teil. S. 376.  

    
     

                   
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Stand: 31. Januar 2026