Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Niederwerrn (Kreis Schweinfurt)
Jüdische Geschichte / Synagoge / jüdisches Schulhaus 
(erstellt unter Mitarbeit von Elisabeth Böhrer)  

Übersicht:

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte des Rabbinates 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule 
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen    
Sonstiges     
bulletZur Geschichte der Synagoge   
bulletFotos / Darstellungen  
bulletErinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   
bulletLinks und Literatur   

     

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)     
   
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts den Freiherrn von Münster gehörenden Niederwerrn bestand eine jüdische Gemeinde bis 1942. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./17. Jahrhunderts zurück. Erstmals wird eine jüdische Gemeinde in Niederwerrn 1672 im Zusammenhang mit dem jüdischen Friedhof in Euerbach genannt, auf dem auch die in Niederwerrn verstorbenen Juden beigesetzt wurden. 
  
Die Gemeinde gehörte zum "Ritterschaftlichen Oberrabbinatsbezirk" Würzburg (Sitz in Heidingsfeld), war jedoch seit dem 17. Jahrhundert Sitz eines Unterrabbiners der Würzburger Ritterschaft. Unter den Rabbinern sind u.a. zu nennen:
-  Moses Aaron aus Krakau (ließ sich 1696 in der Schweinfurter evangelischen St.-Johannis-Kirche taufen, nachdem er einige Zeit Hebräischlehrer des Schweinfurter Stadtpfarrers war).  
Samuel Wolf (geb. um 1740 in Oettingen, gest. 1790 in Heidingsfeld): war von etwa 1765 bis 1785 Rabbiner, Hoffaktor und Vorgänger der ritterschaftlichen Judenschaft; lebte seit 1785 in Heidingsfeld
Ascher Löw ben Aryeh Löb (geb. 1754 in Minsk, gest. 1837 in Karlsruhe), war 1783 bis 1785 als Schwiegersohn von Samuel Wolf Rabbiner in Niederwerrn, seit 1785 Rabbiner in Wallerstein, seit 1809 badischer Oberrabbiner in Karlsruhe. Siehe Bericht auf der Seite zu den Rabbinern in Karlsruhe
Meyer Zeckendorf, Joseph Gugenheimer, Mendel Jacob, Hirsch Fürther: über diese Rabbiner ist, die zwischen ca. 1785 und ca. 1824 in Niederwerrn einige Zeit tätig gewesen sein sollen, ist nur wenig bekannt.
-  Isaak Werner (geb. in Niederwerrn, gest. 1836 in Würzburg): ab 1808 "Aktuar" des in Heidingsfeld, seit 1814 in Würzburg residierenden Oberrabbiners Abraham Bing genannt, zwischen 1817 und 1831 wird er als Rabbiner bei Trauungen in Niederwerrn genannt, nahm möglicherweise noch weitere Rabbinatsfunktionen wahr.       
 
Niederwerrn wurde 1840 Sitz eines Distriktsrabbinates. Rabbiner Mayer Lebrecht war 1840 zunächst zum unterfränkischer Distriktsrabbiner für 2.767 Juden mit Sitz in Obbach bestimmt worden. Unmittelbar vor seiner Wahl wurde zur Finanzierung des Distriktsrabbinates 1840 ein Distriktsrabbinatsfond gegründet. Die jüdische Gemeinde Niederwerrn erklärte sich hierauf bereit, 30 Jahre lang pro Jahr von jedem Familienhaupt 1/2 Gulden an diesen Fond abzuführen, wenn der Rabbinatssitz anstatt nach Obbach, wie es zuerst von der Königlichen Regierung vorgesehen war, nach Niederwerrn gelegt würde. Hierauf wurde Niederwerrn der Vorzug gegeben, zumal der Ort günstiger gelegen war. Distriktsrabbiner Mayer Lebrecht hatte mit dem Umzug nach Niederwerrn sicher keine Probleme, zumal er 1841 Karoline Dreschfeld heiratete, die Tochter des Jeidel Dreschfeld aus Niederwerrn. 1864 erfolgte nach einer Abstimmung im gesamten Rabbinatsbezirk die Verlegung des Sitzes des Distriktsrabbinates nach Schweinfurt (Verlegung mit Wirkung vom 1. November 1864).   
   
Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich im 19. Jahrhundert wie folgt: 1816 265 jüdische Einwohner (39,3 % von insgesamt 675), 1836 etwa 300 (40 % von 775), 1867 207 (30,5 % von 678), 1880 197 (27,0 % von 729), 1890 178 (25,1 % von 710), 1895 46 jüdische Familien, 1897 160 (35 jüdische Familien), 1900 140 (18,9 % von 740). Seit Ende des 19. Jahrhunderts gehörten auch die im benachbarten Geldersheim lebenden jüdischen Personen zu Niederwerrn. 
  
Bei der Erstellung der Matrikelliste 1817 werden in Niederwerrn die folgenden jüdischen Familienvorstände genannt (es ist nicht klar, wie viele tatsächlich Matrikelinhaber geworden sind; Angaben mit neuen Familiennamen und Erwerbszweig): Aron Haium Heinemann (Schmuser), Baruch Martel Gutmann (Viehhändler, Baruch Jakob Levi Heßlein (Schmuser), Hirsch Haium Fürther (Warenhändler), Haium Samuel Kohnstamm (Viehhändler), Hirsch Nihm Dreschfeld (Viehhändler, Landesvorgänger), Haium Samuel Maiblum (Schmuser), Isaac Schmey Nordschild (Viehhändler), Jakob Aron Theilhaber (Viehhändler), Herz Jakob Mänl Maulmann (Warenhändler), Jakob Haium Heinemann (Schmuser), Joseph Haium Mühlstein (?, Viehhändler), Isaac Maier Maibrunn (Schlächter), Isaac Kusel Weiler (Schmuser), Löw Mayer Grünbaum (Hausierhandel), Lippmann Samuel Elson (?, Uhrmacher), Joachim Leser Werner (Warenhändler), Maier Jakob Kohnstamm (Warenhändler), Jüdlein Männlein Frankfelder (Viehhändler), Mendel Maier Kohnstamm (Warenhändler), Joseph Schmey Nordschild (Warenhändler), Seligmann Anschel Anschild (Warenhändler), Samuel Itzig Nordschild (Viehhändler), Simon Kusel Weiler (Viehhändler), Sußmann Lämlein Ballin (Viehhändler), Lämlein Sußmann Ballin (Viehhändler), Abraham Itzig Nordschild (Viehhändler), Nihm Hirsch Dreschfeld (Viehhändler), Löw Nathan Weiler (Metzger), Abraham Samuel Rosenstrauß (Viehhändler), Hona Jüdlein Wehrmann (o.A.), Daniel Seligmann Ullmann (Kleiderhändler), Isaac Samuel Schatzmann (Warenhändler), Jakob Löb Steinheimer (Viehhändler), Löw Jacob Steinheimer (Viehhändler), Löb Schmul Maiblum (Warenhändler) Israel Schlom Friedenthal (Warenhändler), Hirsch Faust Silberschmidt (Warenhändler); Witwe von Aron Haium Kohnstamm (Viehhandel), Haium Mendel Kohnstamm (o.A.) Isaac Faust Silberschmidt (Schmuser) Isaac Haium Kohnstamm (Schmuser), Itzig Abraham Rosenstrauß (Viehhändler), Itzig Löb Hirschbringer (o.A.), Löb Salomon Kronacher, Löb Haium Kohnstamm (Warenhändler), Mordechai Itzig Nordschild (Warenhändler), Mendel Jakob Bamberger (Familienname nicht: Ballin wie bei Rosenstock, Korrektur von E. Böhrer; eine Berufsbezeichnung wird zu Bamberger in der Matrikelliste nicht genannt), Männlein Lämmlein Ballin (Viehhändler), Märlein, Witwe von Maier David Grünebaum (Warenhandel), Moses Maier Hammelburger (Schmuser), Nathan Kusel Weiler (Schmuser), Jud Wolf Wolfing (Warenhändler), Witwe von Samuel Geldersheim (Warenhandel), Schmul Itzig Kohn (Viehhändler), Samuel Lippmann Lion (Warenhändler), Samuel Haium Kohn (Schmuser), Simon Jakob Simon (Warenhändler), Simon Moses Weglein (o.A.).   
 
Die meisten jüdischen Familien lebten noch im 19. Jahrhundert in Häusern im Bereich des Altortes, das heißt rund um die heute nicht mehr bestehende "Wiesenburg", die Residenz der Freiherren von Münster und ihrer Patronatskirche.  
   
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Elementar- beziehungsweise Religionsschule und ein rituelles Bad. Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden in Euerbach beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war (im 19. Jahrhundert neben dem zeitweise am Ort befindlichen Rabbiner) ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter (und Schochet) tätig war. An jüdischen Lehrern waren u.a. am Ort: Gabriel Hirsch Friedmann (1840 - 1863), Samuel Kahn (1871 - 1891), Samuel Massenbacher (1891 - 1924; unterrichtete 1898 24, 1891 36 Kinder), danach David Banda (bis 1927) und Julius Neuberger (1928 als "Junglehrer" in Niederwerrn genannt in "Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins in Bayern" vom 15.8.1928). Um 1893/96 war ein eigener Schochet mit Herrn Hammelburger in der Gemeinde. Um 1893/96 gab es mit Herrn Silberschmitt einen Synagogendiener.
  
Von den Gemeindevorstehern werden genannt: S. Grünebaum (um 1893), Siegmund Gutmann (um 1908/11).
     
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Hugo Gutmann (geb. 15.2.1888 in Niederwerrn, gef. 27.4.1918), Siegfried Gutmann (geb. 11.1.1887 in Niederwerrn, gef. 31.3.1915), Siegfried Hammelburger (geb. 1.7.1892 in Niederwerrn, gef. 22.5.1917), Unteroffizier Siegfried Massenbacher (geb. 11.6.1886 in Miltenberg, gef. 15.7.1918).  Außerdem sind gefallen: Gustav (Justin) Gutmann (geb. 29.10.1891 in Niederwerrn, vor 1914 in Schweinfurt wohnhaft, gef. 13.3.1915), Gefreiter Ludwig Gutmann (geb. 20.9.1880 in Niederwerrn, zuletzt wohnhaft in München, gefallen 3.9.1916), Gefreiter Sally Nordschild (geb. 4.2.1888 in Niederwerrn, vor 1914 in Schweinfurt wohnhaft, gef. 30.9.1915, Foto des Grabsteines siehe unten). Die Namen stehen - außer dem Namen von Sally Nordschild - auf einem nach 1945 errichteten Kriegerdenkmal für die Gefallenen beider Weltkriege auf dem Friedhof der Gemeinde unterhalb der Leichenhalle. - Ein "Verdienstkreuz für Kriegshilfe" erhielt Metzger Leopold Weiler ("Israelitisches Familienblatt" vom 17.10.1918 S. 3).          
   
Um 1924, als etwa 40 jüdische Gemeindeglieder gezählt wurden (4,6 % von 870), waren die Vorsteher der Gemeinde Salli Gutmann, Leopold Weiler, Felix Rosenberger, Jacob Hesslein und Simon Hammelburger. Als Kantor und Lehrer wird David Banda genannt (stammt aus Ungarn). 1932 waren die Gemeindevorsteher Salli Gutmann (1. Vors.), Simon Hammelburger (2. Vors.) und Felix Rosenberger (3. Vors.). Lehrer war inzwischen Julius Neuberger. Er hatte damals noch zwei jüdischen Kindern den Religionsunterricht zu erteilen und war ansonsten Vorbeter und Schächter der Gemeinde. An jüdischen Vereinen gab es vor allem den Verein Chewroth* (Arbeitsgebiete: Wohlfahrtspflege, Bestattungswesen; 1932 unter Vorsitz von Felix Rosenberger) und den Israelitischen Frauenverein (Zweck: Wohlfahrtspflege 1932 unter Leitung von Frau B. Weiler).
Der Verein Chevroth war hervorgegangen aus ursprünglich mehreren Wohltätigkeitsvereinen: So gab es 1905 noch die Chewra Kadischa (unter Leitung von J. Nordschild), ein Alten-Verein (unter Leitung von S. Gutmann), ein zweiter Wohltätigkeitsverein (unter Leitung von B. Gutmann), ein Junger Verein (unter Leitung von S. Grünebaum) und eine "Armenkasse (gegen Wanderbettelei" unter Leitung von J. Nordschild). 
  
In der NS-Zeit gab es bereits im November 1934 Übergriffe gegen die jüdische Bevölkerung. Damals wurden in vielen jüdischen Häusern der Gemeinde die Fenster eingeschlagen. Auch am 21. Juli 1935 wurden Holzklötze in ein Wohnhaus geworfen, wobei eine jüdische Frau Verletzungen erlitt. Wiederum wurden Anfang 1938 Fenster jüdischer Häuser zertrümmert. Beim Novemberpogrom 1938 gab es schwere Ausschreitungen, bei denen die meisten jüdischen Häuser zerstört und geplündert, eine jüdische Frau vergewaltigt und eine 70jährige Frau im Beisein einer großen Menge überfallen und in den Werrnbach gestoßen wurde. 
    
Zwischen 1934 und 1940 verließen 39 jüdische Einwohner den Ort. Im Februar 1942 wohnten noch neun Juden in Niederwerrn, die im April 1942 über Würzburg in das Vernichtungslager Izbica (bei Lublin/Polen) beziehungsweise im September 1942 über Würzburg in das Ghetto Theresienstadt deportiert wurden.   
    
Von den in Niederwerrn geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Bella Ackermann geb. Steinheimer (1891), Jakob Ackermann (1875), Karlheinz Ackermann (1932), Jeanette Bildstein geb. Stern (1867), Jeanette Blumenthal geb. Sonnenberger (1873), Flora Gärtner (1870), Hugo Gärtner (1867), Adolf Gottlob (1874), Felix Gottlob (), Hans Gottlob (), Robert Gottlob (), Therese (Theresia)  Gottlob geb. Lippmann (auch Liebman, 1875), Isidor Gutmann (1882), Nathan Gutmann (1882), Max Hammelburger (1898), Rosa Hammelburger (1884), Siegbert Hammelburger (1895), Simon Hammelburger (1859), Pauline Hanauer geb. Steinheimer (1874), Betty Heilbrunn geb. Steinheimer (1883), Luise Hesslein geb. Eckstein (1878), Pauline Katzenstein geb. Gutmann (1883), Jeanetta Lehmann geb. Hammelburger (1887), Heinrich Lion (1879), Rosa May geb. Dreschfeld (1873), Emma Ramsfelder geb. Gottlob (1908), Betta Rothschild geb. Nordschild (1878), Betti Rosendorf geb. Steinheimer (1870), Bella Rothschild geb. Nordschild (1878), Clara Schatzmann (1862), Klara Schloss geb. Grünebaum (1869), Lina Simon geb. Teilhaber (1876), Jakob Steinheimer (1872), Rosa Steinheimer (1870), Bela Theilhaber (1938), Gilda Theilhaber geb. Moritz (1904), Harry Theilhaber (1900), Ingeborg Theilhaber (1933), Hedwig Wohlmuth geb. Steinheimer (1881), Selma Zander geb. Steinheimer (1879).    
   
1950/51 wurden zwölf der an den Ausschreitungen beim Novemberpogrom 1938 Beteiligten vor Gericht gestellt. Vier erhielten Gefängnisstrafen von acht Monaten bis zu einem Jahr, die anderen wurden freigesprochen.  
    
    
    
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
    
Aus der Geschichte des Rabbinates  
Über die Ursprünge des Rabbinates in Niederwerrn (Beitrag von 1912) 

Vgl. die oben im Einleitungstext gemachten Angaben, die präziser sind als die Angaben, die Distriktsrabbiner Meier Lebrecht machen konnte.   

Aus einem Beitrag von Distrikts-Rabbiner Dr. Salomon Stein in Schweinfurt: "Eine wichtige Urkunde" in: "Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft IX 1911-5672 (1912): "Das Rabbinat Schweinfurt ist die Fortsetzung des seit langer Zeit bestehenden Rabbinats in Niederwerrn, von wo es im Jahre 1864 nach Schweinfurt verlegt worden ist*). In den Akten eines Prozesses, den der Distriktsrabbiner Meier Lebrecht (1840—1890) in den Jahren 1841—1843 gegen die von Münster’sche Gutsherrschaft in Euerbach wegen Zahlung von Schutzgeld geführt hat, werden für die Zeit seit 1740 folgende ritterschaftliche Rabbiner namhaft gemacht:
Mendel (ohne Zeitangabe), 
Samuel Wolf 1740—1785 **) 
Asur Löb ums Jahr 1787 
Maier Zeckendorfer seit 1789
Offenbar hatte das Rabbinat in Niederwerrn, ebenso wie die beiden genannten Juden zu Worms im Jahre 1562, sich in die Notwendigkeit versetzt gesehen, diese Urkunde, die ein so wertvolles Instrument der Verteidigung darstellt, zu Nutz und Frommen ihrer Schutzbefohlenen sich zu verschaffen. Die Urkunde hatte auch im 18. Jahrhundert ihren Wert nicht eingebüsst und sie ist nicht nur als historisches Dokument, sondern auch aus apologetischen Erwägungen heute noch beachtenswert.
*) Die bei Bamberger, 'Geschichte der Rabbiner der Stadt und des Bezirks Würzburg' S. 95 gemachte Angabe, dass der Rabbinatssitz von Obbach nach Schweinfurt verlegt worden sei, ist irrig. Obbach war als Rabbinatssitz 1840 wohl in Aussicht genommen, musste aber noch im selben Jahr zu Gunsten Niederwerrns zurücktreten. 
**) Dieser Samuel Wolf war, wie aus Bamberger a. a. O. S. 53 ff. hervorgeht, im Jahre 1782 bei der Neuwahl eines Rabbiners für Heidingsfeld Rivale des als Sieger aus der Wahl hervorgegangenen Rabbi Löb Fahrenbach (Fernbach) aus Berlin. Samuel Wolf war der Großvater des berühmten Rabbiners Wolf Hamburg in Fürth, der in der Einleitung zu seinem ספר שער הזקנים (Sulzbach 5590) seiner Mutter Kreinle, der Tochter Samuel Wolfs, rühmend und dankbar gedenkt und bezüglich seines Großvaters auf Noda bijehudo Eben haezer, Responsum 14 und 15 verweist, wo derselbe mit bemerkenswerten, rühmlichen Epitheta erwähnt wird (Diesen letzteren Hinweis verdanke ich der Güte meines Kollegen und Freundes Herrn Dr. Bamberger - Hanau und des Herrn Lehrers M. Weigersheimer - Schweinfurt, denen ich hierfür an dieser Stelle danke). Auch die in dem genannten Buch S. 65 genannten Substitute des Oberrabbiners Bing in Heidingsfeld, Isak Werner und Gabriel Hirsch Friedmann, wirkten in Niederwerrn."   

    
Über Rabbiner Ascher Löw (1754-1837, Rabbiner in Niederwerrn von 1783 bis 1785; siehe Berichte auf der Seite zu den Rabbinern in Karlsruhe   
   
Über Rabbiner Mayer Lebrecht (1808-1890, Distriktsrabbiner in Niederwerrn von 1841 bis 1864)   
M
eyer Lebrecht (geb. 1808 in Memmelsdorf, gest. 1890 in Schweinfurt): studierte in Würzburg; 1836 Gesuch um Rabbinatsbildung in Unterfranken; am 11. Juni 1840 wurde Lebrecht Distriktsrabbiner (zunächst in Obbach); von Rabbiner Lazarus Adler am 28. Juni 1841 in Schwanfeld getraut mit Karoline Dreschfeld aus Niederwerrn, wohin der Rabbinatssitz nach kurzzeitigem Sitz in Obbach noch 1840 verlegt wurde (Hinweis von Elisabeth Böhrer: bereits im Heiratseintrag ist von Niederwerrn als Wohnsitz die Rede; Niederwerrn war bereit, 30 Jahre lang pro Jahr von jedem Familienhaupt 1/2 Gulden an den 1840 gegründeten Distriktsrabbinatsfond abzuführen, wenn der Rabbinatssitz anstatt nach Obbach, nach Niederwerrn gelegt würde). 1864 Verlegung des Rabbinatsitzes von Niederwerrn nach Schweinfurt. Meyer Lebrecht befürwortete gemäßigte Reformen.
Zur Genealogie Mayer Lebrecht und der weitverzweigten Memmelsdorfer Familie Lebrecht: https://www.geni.com/people/Maier-Lebrecht/6000000009592241159

   
Hinweis auf die Antrittspredigt von Mayer Lebrecht in Niederwerrn (1840) 

Anmerkung: Rabbiner Lebrecht hat mit seinem Dienst in Niederwerrn noch 1840 begonnen, da noch in diesem Jahr die Antrittspredigt in Schweinfurt gedruckt wurde.   

Hinweis in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. Juli 1841: "Magdeburg, 26. Juni (1841). (In der jüdischen Bibliothek in Magdeburg sind) Angekommen: 1) Antrittsrede des Distrikts-Rabbinen Mayer Lebrecht zu Niederwerrn. Schweinfurt, 1840." 

     
Über die "gemäßigten Reformen" von Rabbiner Mayer Lebrecht (1859)
.
inweis: der in der liberal geprägten "Allgemeinen Zeitung des Judentums" erschienene Artikel enthält eine herbe Kritik an den orthodoxen Rabbiner Unterfrankens, insbesondere den als "Oberprior" bezeichneten Würzburger Raw Seligmann Bär Bamberger. 
sowie über die Erfolge seines Zöglings, des Medizinstudenten Hirsch Silberschmidt
(zu diesem auch weiterer Bericht unten von 1885
.  

Niederwerrn AZJ 24011859.jpg (95300 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. Januar 1859: "Unter den auf die vorjährigen Preisfragen der Universität zu Würzburg eingeladenen Arbeiten wurde in der medizinischen Fakultät die des cand. med. Hirsch Silberschmidt von Niederwerrn (Unterfranken) als preiswürdig erkannt. Herr Silberschmidt, der Sohn unbemittelter Eltern, verdankt seine geistige Ausbildung vorzüglich Herrn Distrikts-Rabbiner Lebrecht in Niederwerrn
Bei dieser Gelegenheit kann auch nicht unerwähnt bleiben, wie Herr Rabbiner Lebrecht unablässig bemüht ist, in den Gemeinden seines großen Distrikts einer gemäßigten Reform Bahn zu brechen, die wohl nirgends mehr als in Unterfranken am Platze ist. Obwohl nun dieser Distrikt nicht nur von den treuesten Anhängern des Würzburger Muckertums ganz umzingelt ist, sondern auch in vielen Gemeinden selbst viele Anbeter des Ordenspriors birgt, die das Judentum nur nach der Länge der Zizit, der Größe der Kapseln an den Tefilin und dem Schaukeln und Schreien beim Gebete bemessen, so sind seine Bemühungen doch nirgends vergeblich gewesen."       

     
 
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule    
Ausschreibungen der Stelle des Lehrers / Vorbeters / Schochet 1924 / 1926  

Niederwerrn Israelit 19061924.jpg (55447 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Juni 1924: "Die israelitische Kultusgemeinde Niederwerrn sucht für den durch das Ableben ihres Hauptlehrers Massenbacher frei gewordenen Posten des Kultusbeamten einen geeigneten verheirateten Nachfolger bei entsprechender, zu vereinbarender Besoldung, eventuell in Anlehnung an die Reichsbesoldungsordnung. Geräumige Wohnung mit Garten vorhanden. In Betracht käme auch ein gesunder, noch dienstfähiger Beamter des Ruhestandes. Bewerbungen mit beglaubigten Zeugnisabschriften sind zu richten an den israelitischen Kultusvorstand Salli Gutmann, Niederwerrn bei Schweinfurt."   
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. November 1926: "Die Israelitische Gemeinde Niederwerrn (4 Kilometer von Schweinfurt, 1 Kilometer von Station Oberwerrn) sucht zum 1. Januar 1927 einen Religionslehrer und Vorbeter.
Gehalt nach Übereinkunft. Schöne gesunde Dienstwohnung mit Garten steht zur Verfügung. Gefällige Bewerbungen an den Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Niederwerrn."  

   
Erinnerung an den 1830 verstorbenen jüdischen Lehrer Stern (1835) 

Mitteilung in "Das Füllhorn" vom 9. Juli 1835: "In Niederwerrn, bei Schweinfurt, bezeugten die Schüler des vor 5 Jahren in Armut dort verstorbenen Lehrers Stern ihre Dankbarkeit gegen denselben dadurch, dass sie vor Kurzem ihm und seiner früher verstorbenen Ehegattin Grabsteine auf ihre, der Schüler, Kosten setzen ließen. — Auch das kleine Gute verdient Erwähnung und lobende Anerkennung."   

  
Über Lehrer Gabriel Hirsch Friedmann (1805-1863, Lehrer in Niederwerrn von ca. 1840 bis 1863)     

Gabriel Hirsch Friedmann (geb. 1805 in Memmelsdorf, gest. 9. Januar 1863 in Niederwerrn): lernte an den Jeschiwot in Fürth und in Würzburg; ließ sich in Würzburg (Studium an der Universität) zum Rabbiner ausbilden; 1837 ordiniert von Rabbiner Abraham Bing; 1839 bis 1840 war er Rabbinatsverweser in Würzburg. Da er keine Rabbinerstelle bekam, unterzog er sich dem Examen für das Schullehramt und wurde Oberlehrer in Niederwerrn. Von Rabbiner Lebrecht wurde er am 18. Mai 1842 mit Riffka Steinheimer aus Niederwerrn getraut.   

          
Zum Tod des Lehrers Samuel Kahn 1891 (Lehrer in Niederwerrn von 1871 bis 1891)   

Niederwerrn Israelit 05021891.jpg (169572 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Februar 1891: "Niederwerrn (Bayern), Januar (1891). Unsere Gemeinde ist in tiefe Trauer versetzt worden. Sie hat ihren langjährigen Lehrer und Leiter verloren, sie hat einen treuen Berater, einen guten Freund eingebüßt. Herr Elementarlehrer Samuel Cahn hat am 17. Schebat nach mehrwöchentlichem Leiden im Alter von 82 Jahren uns verlassen. Im Jahre 1808 in Kleinbardorf geboren, wurde er von seinem Vater, der ein sehr gottesfürchtiger Mann und ein bedeutender Toragelehrter gewesen, in der Wissenschaft unserer heiligen Religion unterwiesen und zum Lehrfache bestimmt. Mit einem reichen Fond talmudischen Wissens, den man leider heute immer seltener auf dem Lande antrifft, trat er in die Lehrpraxis ein, nachdem er das Lehrerseminar in Würzburg absolviert hatte, und volle 50 Jahre hat der pflichttreue Mann in seinem Berufe ausgehalten. Zuerst war er zwei Jahre als Lehrer in Rieneck tätig, alsdann 9 Jahre in Kleineibstadt, hierauf 19 Jahre in Altenschönbach, wo er gleichzeitig die Funktion eines Religionslehrers in dem Zuchthause in Klosterbrach ausübte, schließlich wurde er von der Regierung als Elementarlehrer nach unserer Gemeinde versetzt, wo er 20 Jahre tätig gewesen. 
Wahrlich unsere Gemeinde betrachtete es damals als ein Glück, dass gerade Samuel Cahn ihr Lehrer wurde. Denn seit langer Zeit war Niederwerrn die Heimstätte bedeutender Lamdonim gewesen; nachdem nun in dem Rabbinatskandidaten J. Friedrich - das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen -, der die Stelle des Lehrers inne hatte, einer der letzten zu Grabe getragen, und auch der Rabbinatssitz endgültig nach dem benachbarten Schweinfurt von der Königlichen Regierung verlegt worden war, war man froh, in Samuel Cahn einen streng seminaristisch gebildeten Lehrer bekommen zu haben, der auch im Gebiete der Tora und des Talmuds kein Fremdling war. Und er verstand es auch den reichen Schatz seiner Midraschkenntnisse in populärer, anziehender Form in seinen Lehrvorträgen, deren er an jedem Sabbat drei hielt, seiner Gemeinde zugänglich zu machen, die stets mit gespannter Aufmerksamkeit seinen Erklärungen lauscht. Er war ein pflichttreuer Mann, der - und das muss besonders hervorgehoben werden - in seiner Schule über den Elementarunterricht niemals den Religionsunterricht vergessen hat, der oft genug die für den Unterricht vorgeschriebene Stundenzahl 
Niederwerrn Israelit 05021891a.jpg (156961 Byte)überschritten hat. Er war ein freundlicher, sanftmütiger Mann, der vor allem auch bei seinen nichtjüdischen Mitbürgern einen hohen Graf von Beliebtheit sich zu erringen verstand. Er war ein wohltätiger Mann, der nicht nur gerne gab, sondern vor allem ohne Aufsehen spendete.
Und dass man von diesem seinem Werte allgemein durchdrungen, das bewies unumstößlich sein Leichenbegängnis. Seit den hohen Festtagen litt der Verstorbene an einer heftigen Gelbsucht, die zu überwinden seine Kräfte nicht mehr ausreichten. Er reichte bei der Königlichen Regierung sein Ruhegesuch ein; aber bevor diese sie ihm bewilligt hatte, hat ihn Gott zu einer ungestörten Ruhe abberufen. An seinem Leichenbegängnisse beteiligten sich nicht nur die jüdische Gemeinde, sondern auch die christliche Bevölkerung des Ortes, die Freunde aus Nah und Fern, die Amtskollegen der ganzen Umgegend. Beim Abschied vom Hause sprach zuerst Herr Distriktsrabbiner Dr. Stein aus Schweinfurt in wenigen Worten, dass die Gemeinde, wie sie dem Toten bei seinem Einzug vor 20 Jahren ein Baruch Ata beworech (Gesegnet seist du bei deinem Kommen!) zugerufen, ihm heute ein wehmutsvolles Uwaruch ata bezetcha (und gesegnet seist du bei deinem Weggehen!) zugerufen berechtigt sei, nachdem der Verstorbene die Krone des guten namens sich erworben habe. Herr Distriktsschulinspektor Dr. Kranpold schilderte im Anschluss an Hiob 5,26 die Erfolge seiner Lehrtätigkeit, Herr Pfarrer Hellmut auf Grund Sprüche 10,7 seine große Beliebtheit bei den Angehörigen aller Konfessionen. Am Grabe zu Euerbach schilderte Herr Dr. Stein in längerer Rede die Schwierigkeit des Lehrberufes, besonders in unserer Zeit, wo der Zwiespalt zwischen Schule und Haus bereits auch auf dem Lande sich geltend mache, und wies darauf hin, dass die bloße Tatsache einer 50jährigen Tätigkeit in diesem Amte dem Verstorbenen den Danke der Gemeinde sichere.
Hoffen wir, dass die Königliche Regierung, die alle Zeit auf die berechtigten Wünsche der Gemeinde Rücksicht nimmt, uns einen Mann senden wird, der auch nach seiner religiösen Bildung einen vollwertigen Ersatz für Samuel Kahn bietet. Dem Verstorbenen wird die Gemeinde zu allen Zeiten ein dankbares Andenken bewahren! Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  

  
25-jähriges Ortsjubiläum von Lehrer Samuel Massenbacher (1916)

Anmerkung: Samuel Massenbacher ist am 29. August 1855 in Burghaslach geboren. Er war verheiratet mit Selma geb. Blum (geb. 6. Dezember 1862 in Burgpreppach); war seit 1876 Lehrer in Miltenberg, seit 1891 und bis zu seinem Tod Lehrer in Niederwerrn. 1917 wurde er zum Hauptlehrer ernannt.      

Artikel im "Israelitischen Familienblatt" vom 6. Juli 1916: "Niederwerrn. Im vorigen Monat waren 25 Jahre ver­flossen, seitdem unser allverehrter und verdienter Lehrer Herr Samuel Massenbacher als Volksschul- und Religionslehrer in unserer Gemeinde angestellt worden ist. Trotz der drangvollen Kriegszeiten hat es sich die Gemeinde nicht nehmen lassen, eine bescheidene, im engsten Kreise sich abspielende Feier zu veranstalten, um dem Jubilar ihre Dankbarkeit, Liebe und Verehrung zu beweisen. Sie wählte dazu den ersten Tag des Wochenfestes.
Herr Lehrer Massenbacher trat in die Gemeinde ein, als sie noch eine stattliche Kehilloh (Gemeinde) repräsentierte; leider ist dieselbe seitdem fast auf weniger als die Hälfte ihres früheren Bestandes gesunken. Dieser rapide Rückgang der einst auch als Rabbinatssitz bekannten Gemeinde zeitigte vor allem auch eine Entvölkerung der Schule, sodass vor einer Reihe von Jahren durch Entzug des Kreiszuschusses der Bestand derselben gefährdet erschien. Doch die Gemeinde wollte ihre Schule nicht lassen und ihren verdienten Lehrer nicht missen, und darum entschloss sie sich, den sehr ansehnlichen Ausfall aus eigenen Mitteln zu decken. Diese Opferbereitschaft der Gemeinde hat vor allem ihren Grund in dem Bewusstsein der anerkennungswerten Leistungen des Lehrers, der die Schule besonders gehoben und vor allem auch im Religionsunterricht stets sehr erfreuliche Erfolge erzielt hat. Der verdiente Jubilar wurde seitens der Gemeinde durch warme Glückwünsche und ein ansehnliches Ehrengeschenk gefeiert. Wir wünschen ihm noch viele Jahre der Gesundheit und Frische zu gleich ersprießlichem Schaffen wie bisher."     
 
Zum Tod von Lehrer Massenbacher im November 1923 ist in den "Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern" am 26. März 1924 S. 23 zu lesen: "Im November vorigen Jahres starb nach längerem Siechtum Hauptlehrer a.D. S. Massenbacher in Niederwerrn. Durch den Tod verloren wir ferner den Religionslehrer j. Kurzmann in Kleinbardorf. Beide gehörten dem Vereine seit Jahrzehnten als treue Mitglieder an." 

  
Kantor und Lehrer David Banda verlobt sich mit Ricka Kannenmacher (1926) und verlässt Niederwerrn (1927)  
Anmerkung (Angaben auf Grund der Recherchen von Elisabeth Böhrer): Lehrer David Michael Banda ist am 21. August 1902 geboren.  Er war bis 1927 (vermutlich seit 1924) jüdischer Lehrer in Niederwerrn, danach bis 1934 Lehrer in Demmelsdorf. David Banda war verheiratet mit Ricka geb. Kannenmacher (geb. 9. Oktober 1906 in Obbach). Die beiden hatten drei Kinder (alle drei in der Entbindungsanstalt in Bamberg geboren): Liddi (1928), Paul (1929), Helmut (1929). Familie Banda lebte bis 1934 in Demmelsdorf. Die ganze Familie ist nach der Deportation ermordet worden.   
Nachweisbar ist die Familie nach 1934 durch Schriftwechsel der Mutter Ricka geb. Kannenmacher, die am 4. August 1937 in Brünn eine Vollmacht erteilte. Aus einem weiteren Schriftstück ist ersichtlich, dass die Kantorsehegattin am 19. Juni 1939 in Prostejow, damaliges Projektorat Böhmen-Mähren, wohnhaft ist
.  

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 23. Dezember 1926: "Statt Karten! 
Ricka Kannenmacher  -  David Banda 
 
Verlobte  
Obbach Unterfranken  -  Niederwerrn Unterfranken / Budapest". 
 
Demmelsdorf BayrGZ 07011927.jpg (25880 Byte)Mitteilungen in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 7. Januar 1927: "Kantor Banda in Niederwerrn übernimmt die Stelle Demmelsdorf - Scheßlitz."  

   
Über die jüdische Volksschule in Niederwerrn - innerhalb eines allgemeinen Artikels zur jüdischen Volksschule (1930)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Oktober 1930: "Die jüdische Volksschule.
Von S. Kissinger, Hauptlehrer a. D., Urspringen.
Zu keiner Zeit vielleicht war das Verlangen der jüdischen Lehrervereine und eines Teiles der jüdischen Bevölkerung nach Gründung jüdischer Volksschulen so berechtigt, wie heute und dennoch erheben sich unbegreiflicherweise so viele Stimmen gegen die Errichtung derselben, ja, man bereitet den bereits bestehenden oft Schwierigkeiten. Finanzielle Erwägungen können nicht die Gründe der ablehnenden Haltung sein, denn der Staat zahlt den größten Teil des persönlichen Aufwandes für die Schulen und die Machthaber der nichtjüdischen Schulen sowie die nicht selten antisemitisch eingestellten Lehrpersonen begünstigen die Ausschulung der jüdischen Kinder.
Als Hauptargumente gegen die jüdische Volksschule hört man die Schlagwörter: 'Wir wollen keine Ghetto- Schule und unsere Kinder sollen mit den nichtjüdischen Kindern auswachsen und sich ihnen nähern. Ich glaube, die beiden Einwände am besten zu widerlegen, wenn ich darlege, wie es war und wie es heute noch ist, wo eine jüdische Volksschule besteht oder bestand. Auf den schulischen Wert jüdischer Volksschulen will ich heute nicht näher eingehen und in einem besonderen Artikel darauf zurückkommen. Nun zur Sache.
An einem günstig gelegenen Platze im Orte erhebt sich das jüdische Schulhaus mit der Anschrift: 'Jüdische Volksschule". Die meisten jüdischen Schulhäuser können auch der äußerlichen Seite und inneren Ausstattung nach wetteifern mit den anderen Schulhäusern am gleichen Platze. Der bekannte, verstorbene Kreis-Schulinspektor Fischer in Würzburg tat einmal den Ausspruch: 'Eines, der schönsten Schulhäuser im Kreise ist das jüdische Schulhaus in Niederwerrn bei Schweinfurt." Die jüdischen Kinder gehen täglich zweimal in ihre Schule und genießen dort den Unterricht in den Elementar- und Religionsfächern. Eine Belästigung der Kinder seitens Andersgläubiger auf dem Hin- oder Herweg zu und von der Schule kam hier noch nie vor. Bei der Schulvisitation fährt der Kreis- oder Bezirksschulinspektor, oft auch der Bezirksamtmann am jüdischen Schulhause vor, der Ortsgeistliche bzw. Lokal-Schulinspektor sowie die Gemeindeverwaltung und der Kultusvorstand werden ersucht, zu erscheinen. Nach dem Examen wird der jüdische Lehrer von den diensttuenden Beamten zu einem Glas Bier eingeladen. Aufnahme und Entlassung der Schüler, die Schulsitzungen und überhaupt alles Amtliche wird genau so gehandhabt wie bei nichtjüdischen Schulen. Im ganzen Orte weiß man, dass die jüdische Schule eine staatlich anerkannte und staatlich geleitete Anstalt ist und auch die jüdische Gemeinde freut sich dessen. Bei allen offiziellen und inoffiziellen Konferenzen und Veranstaltungen wird der jüdische Lehrer als gleichberechtigt behandelt und so mancher Justiz- und sonstiger Rat, sowie mancher in anderer Berufsstellung freut sich, dass in seinem Heimatorte noch eine öffentliche Schule besteht oder bestand. Das Verhältnis der jüdischen Kinder zu den nichtjüdischen ist gerade da, wo jüdische Volksschulen bestehen, das denkbar beste, da der Stachel der Unduldsamkeit, wie er oft heute von intoleranten Lehrpersonen in die christlichen Kinder verpflanzt wird, von den jüdischen Kindern ferngehalten wird. Auch das Verhältnis der Erwachsenen zu den Andersgläubigen ist nach meiner langjährigen Beobachtung gerade da am besten, wo jüdische Volksschulen bestehen oder bestanden. Auch die Pensionierung des Lehrers sowie die Reliktenversorgung erfolgt analog denen der nichtjüdischen Lehrpersonen. In sozialer Hinsicht genießt der jüdische Volksschullehrer die gleiche Wertschätzung wie seine christlichen Kollegen und nicht selten ist er der Führer bei öffentlichen Veranstaltungen. Die jüdische Volksschule ist heute noch der lebendige, öffentliche Beweis für die Gleichberechtigung der Juden, und es ist geradezu rätselhaft, dass man sich vielfach aus nichtssagenden Gründen derselben widersetzt, statt dieselbe auf jede mögliche Weise zu protegieren. Ich glaube, dass wir in den meisten Fällen für unsere Rücksichtsnahme auf die Außenwelt unter Vernachlässigung des eigenen 'Ich' schon gerade genug schnöden Undank geerntet haben. Unsere alten, braven und toratreuen Juden waren weitschauende Menschen und keine Idioten und wussten, was sie taten, wenn sie vor mehr als 100 Jahren mehr als 100 jüdische Volksschulen in Bayern allein gründeten, die heute auf kaum mehr als 25 zusammengeschmolzen sind. Der Psalmist hat recht, wenn er singt: Wie schön und lieblich ist es, wenn Brüder einträchtig beisammen wohnen', nachdem dies aber vielfach zur Utopie geworden ist, so ergeht der Ruf an Alle, die dazu berufen sind, an Gemeinden oder einflussreiche Männer:
'Weg mit jeder Eigenbrödelei und frischauf zur Gründung jüdischer Volksschulen'."   

     
   
  
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben  
Kurzer Bericht zur jüdischen Gemeinde Niederwerrn (1839)  

Aus einem Artikel in der Zeitschrift "Israelitische Annalen" vom 27. Dezember 1839: "Niederwerrn, Landgerichtsbezirk Werneck, 54 Familien, 278 Seelen. Innerhalb zehn Jahren haben sich 15 ansässig gemacht, darunter 9 als Handwerker. Kultus und Schule (Elementar- und Religionsschule vereinigt) kosten jährlich 773 fl. Die Schutzgelder betragen sehr viel, denn keiner ist frei, und wer nicht arm ist, hat 12 oder 10 fl. zu bezahlen, je nachdem er mittelbarer oder unmittelbarer Untertan ist."   

   
Aus der Gemeinde: 1. Das Rabbinergehalt soll künftig durch eine Stiftung mitfinanziert werden - 2. Die Gemeinde bekommt eine Verfassung (1844)  

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. Dezember 1844: "Aus Unterfranken, 19. November. (Privatmitteilung). Zum Beweise, dass es auch in Bayern nicht an Beamten fehlt, welche sich der Israeliten mit Wohlwollen annehmen, mache ich Ihnen heute von zwei nützlichen und nachahmungswürdigen Einrichtungen Mitteilung, welche auf Veranlassung des Herrn Landrichters Ihl zu Werneck getroffen wurden.
Die erste dieser Einrichtungen besteht in einer Stiftung, aus welcher einst im Rabbinatsdistrikte Niederwerrn der Gehalt des Rabbiners gezahlt werden soll. Wie zweckmäßig eine solche Stiftung ist, fühlt gewiss vorzüglich jeder jüdische Geistliche in Landgemeinden, deren Mitglieder meistens wenig Vermögen besitzen, ja oft nur mit großer Mühe ihre täglichen Bedürfnisse zu bestreiten vermögen. Wie unangenehm ist es, von solchen Leuten einen großen Teil seines Gehaltes beziehen zu müssen! Und wenn auch die Wirksamkeit des Rabbiners dadurch nicht unmittelbar gehindert wird, so muss sie doch jedenfalls mittelbar Schaden leiden. Der genannte Beamte hat das Verdienst, so wie er sich vor vier Jahren bei der Gründung von Rabbinatsdistrikten in Unterfranken, als Wahlkommissär für den fünften Distrikt, der Wahl und der Feststellung der Verhältnisse des Rabbiners mit wohlwollendem Eifer und unermüdeter Tätigkeit angenommen, so auch zur Gründung der oben bezeichneten Stiftung aufzufordern und sie ins Leben zu rufen. Auch fanden seine beredten Worte Eingang bei den damals zur Wahl des Rabbiners versammelten Distrikts-Angehörigen, sodass sogleich die Summe von 475 fl. subskribiert, und zugleich festgesetzt wurde, dass bei jeder Trauung ein Prozent der Heimsteuer in den Distriktsfonds fließen sollte. Sie Stiftung wurde von der allerhöchsten Behörde genehmigt, unter Kuratel gestellt, und dem Kaufmann W. A. Kohn zu Werneck die Verwaltung übertragen. Als nun in diesen Tagen der Distriktsausschuss einberufen wurde, um die Verwaltung der Distriktsgelder zu prüfen, und sich über weitere pekuniäre Distriktsangelegenheiten zu beraten, wobei Herr Landrichter Ihl wieder mit unverdrossener Geduld die Prüfung und Beratung leitete, ergab sich, dass der Distriktsfonds bei einer musterhaften Verwaltung in vier Jahren zu einem Kapitale von 1545 fl. angewachsen war. Es zeigt sich uns hierdurch die Hoffnung, dass unser Rabbiner schon in wenigen Jahren einen Teil, oder auch in zwei bis drei Jahrzehenten seinen ganzen Gehalt aus dieser Stiftung beziehen kann, was sowohl ihm eine angenehmere und wirksamere Stellung, als auch uns eine Erleichterung verschaffen wird. Nicht unbemerkt dürfen wir lassen, dass zu dieser Vermehrung des Distriktsfonds außer der oben bezeichneten Abgabe bei Trauungen und den kapitalisierten Zinsen auch ein Vermächtnis von 100 fl. beitrug, welches von einem jungen Mädchen aus Theilheim herrührt. Bohnle Freudenthal war der Name dieser Frommen, welche, mit besserem Sinne als Viele unserer Reichen begabt, auch in ihrem Geburtsorte die Summe von 750 fl. zu wohltätigen Zwecken vermachte.
Die zweite in mancher Hinsicht noch wohlthätigere Einrichtung, welche wir Herrn Landrichter Ihl verdanken, ist ein Statut für die Kultusgemeinde Niederwerrn, welches derselbe, nach öfterer Beratung mit einem von der Gemeinde eigens zu diesem Zwecke gewählten Ausschüsse, abfasste, und welches von der Gemeinde gern und willig angenommen wurde. Wer da weiß, in welchem ungeordneten Zustande unsere meisten Gemeinden sich befinden, wie die früheren herkömmlichen oder auch ausgezeichneten Anordnungen und Bestimmungen großenteils für die jetzigen Verhältnisse nicht mehr ausreichen, oder gar Veranlassung zu Streit und Hader geben, wird die Zweckmäßigkeit ja Notwendigkeit eines solchen Statuts leicht einsehen. Und Herr Landrichter Ihl hat die Aufgabe, welche er sich gesetzt, trefflich gelöst, indem er das früher Gültige, wo nur immer möglich, nicht aufhob, sondern nur hier und da, wo es notwendig war, änderte, und mit neuen zweckmäßigen Anordnungen verbunden, in eine logische Ordnung brachte. Auch wird dieses Statut seine wohltätige Wirkung nicht auf die Gemeinde Niederwerrn beschränken, da mehrere Nachbargemeinden dasselbe zum Muster nahmen und bei sich ähnliche Einrichtungen treffen werden."  

     
Die jüdische Gemeinde hat eine neue Gemeindeverfassung, die von Nachbargemeinden übernommen wird (1846) 

Mitteilung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. Januar 1846: "Schon im vorigen Jahre haben wir in diesem Blatte gelesen, dass die Kultusgemeinde Niederwerrn durch die Verwendung des dortigen Herrn Landrichters Jhl und des Herrn Rabbiners Lebrechts eine neue zeitgemäße und zweckliche Gemeindeverfassung statuiert hat; nunmehr aber folgt diesem Beispiele die nachbarliche Gemeinde zu Obbach und bald werden noch mehrere aufgeklärte Gemeinden diese Ordnung fördern­den Einrichtungen annehmen. Fr."   

   
Ergebnisse von Spendensammlungen aus der Gemeinde  
Anmerkung: in jüdischen Gemeinden wurden regelmäßig Spendensammlungen durchgeführt und die Ergebnisse teilweise in den jüdischen Periodika publiziert. 

Mitteilung in "Spenden-Verzeichnisse für alle Zweige jüdischer Wohltätigkeit" vom 9. Februar 1893 - "Spenden für das Heilige Land": "Schweinfurt. Durch Distriktsrabbiner Dr. S. Stein, aus der Gemeinde Niederwerrn, gesammelt durch Lehrer S. Massenbacher, A. Spenden: Lehrer Massenbacher 0.50, Isak Nordschild sen. 0.50, Markus Nordschild 0.50, Löb Heimann 1, Arnold Gutmann 0,50, Siegmund Gutmann 0.50, Marcus Hammelburger 0.50, Simon Hammelburger 0.50, Jakob Wetter 0,50, Samnl Heßlein 0,50, Baruch Gutmann 0,50, Emanuel Hammelburger 0.50, Meier Gutmann 0.50, Salomon Gutmann 0.50, Abraham Nordschild 0.50, Leopold Weiler 1, aus der Büchse 6.50 t Matanat Jad Spenden 4.50 M. — B. Chala-Geld von: Frau M. Nordschild 1. Fr. R. Heßlein 3. Fr. K. Nordschild 1.50, Fr. M. Gutmann 1.50, Fr. L. Gutmann 1.50, Fr. A. Nordschild 1, Fr. Heinemann 4, Fr. S. Grünebaum 1, Frl. Esther Steinheimer l, Frl. Hanna Schatzmann 0,40, Fr. S. Kohnstamm 0.50, Fr. M. Grünebaum 1, Fr. S. Gutmann 1, M. Theilhaber 0.50, Fr. J. Theilhaber 2, Fr. J. Nordschild 2, Fr. Weiler 0.50, Fr. Lehrer Kahn 2.50, Fr. Lisette Heßlein 1.50, Fr. B. Gutmann 1, Fr. K. Gutmann 0.50, Fr. Lehrer Massenbacher 2, Ida Gutmann (Kind) 0.10 M., zus. 58 M., wovon 3 M. für die B"Ch 3 und je 2.60 M. für die R. VII und VIII."    
Anmerkung: die Spenden wurden teilweise näher zweckbestimmt: R VIII bedeutete "Höchst würdige und dürftige Talmudgelehrte im Heiligen Land"

   
    
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde    
Über Löb Kent: geb. um 1760 in Niederwerrn, Bankier in London, Stifter der Synagoge in Niederwerrn    

Niederwerrn BayrGZ 01091934.jpg (113802 Byte)Artikel aus der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. September 1934: "Löb Kent. 
Von ihm erzählt eine wahre Geschichte, die ein Märchen sein könnte. Um 1760 wurde er in Niederwerrn geboren. Die ewige Sehnsucht nach dem Unbekannten trieb ihn in die Weite. Vielleicht auch die Verpflichtung, sein erlerntes Handwerk zuerst da draußen zu erproben. So kam er nach Amsterdam, sieht im Hafen die mächtigen Kauffahrtenschiffe und verfällt, auf einem Heringsfass sitzend, in Träume von Reichtum und Geltung. Da hört er die durchdringende Stimme des Taxators, der die seit längerer Zeit überfälligen Schiffe an den Meistbietenden abzusetzen sucht. Die wenigen Gulden sollten der letzte Ertrag des vom Reeder bereits verloren gegebenen Seglers sein. Die reiche Ladung aus der ostindischen Inselwelt hatte der Schiffsherr längst abgeschrieben. 
'Überfällig die 'Johanna Elisabeth', mit Zimt und Pfeffer geladen! Wer bietet?' Löb Kent greift in die Tasche, bietet deren ganzen Inhalt: 3 Gulden. Und steigert und erhält die überfällige 'Johanna Elisabeth'.
Vom Morgengrauen bis zum sinkenden Abend sitzt nun Löb Kent draußen am Hafeneingang und wartet auf 'sein' Schiff. Drei Tage später läuft sie ein, die stolze 'Johanna Elisabeth', vollbeladen mit Zimt und anderen wertvollen Gewürzen von den niederländischen Inseln.
Löb Kent gründet in London ein Bankhaus. Er zweigt von seinem Reichtum eine Summe ab und lässt im Jahre 5546 (1785/86) - so weist es der Erinnerungsstein an der Außenwand aus - in Niederwerrn eine Synagoge errichten, einen monumentalen Bau, der in seinen Ausmaßen und seiner Anlage dem in Heidingsfeld ziemlich genau abgesehen ist.
Insbesondere ist der aus Stein gefertigte Almemor bis zu den Pinienzapfen nachgeahmt. An der südöstlichen Ecke brennt seit jenem Jahre ein Licht für den edlen Spender und an jedem Wanderfest wird seiner Großtat, die im Memorbuch der Gemeinde aufgezeichnet ist, rühmend gedacht." 

    
Über Hirsch Zwi Sommerhausen (später: Hartog Sommerhausen, geb. 1781 in Niederwerrn, seit 1799 in Amsterdam, gest. 1853 in Brüssel)  

Niederwerrn Orient 26011850a.jpg (56013 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Orient" vom 26. Januar 1850 mit der Bibliographie zu "H. Sommerhausen, Dr. phil. PG., geb. 1781 in Niederwehren (Niederwerrn) in Franken - seit 1799 in Amsterdam - seit 1817 in Brüssel; beeidigter Translator etc. Von diesem jüdischen Gelehrten der Gegenwart sind uns folgende Arbeiten bekannt: 
Niederwerrn Orient 26011850b.jpg (146192 Byte)Die Zusammenstellung wird hier nicht wiedergegeben. Die eindrucksvolle Liste zeigt das umfangreiche Werk des Gelehrten aus Niederwerrn.  
  
vgl. Seite des Historischen Jüdischen Museums in Amsterdam - Joos Historisch Museum
hier Suchbegriff "Sommerhausen" eingeben.     

   
Zum Tod des aus Niederwerrn stammenden Würzburger Arztes Dr. Hirsch Silberschmidt (1831-1884)
(vgl. Reiner Strätz: Biographisches Handbuch Würzburger Juden Bd. 2 S. 561: Hirsch Silberschmidt, geb. 1831 in Niederwerrn, gest. 1884 Würzburg. 1860 Annahme als Insasse in Würzburg, 1876 [?] Bürgerrecht in Würzburg; Über Silberschmidt als Preisträger während seines Studiums siehe oben den Bericht von 1859). 

Niederwerrn Israelit 15011885.jpg (124961 Byte)(wiedergegeben wird nur der erste Teil des in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Januar 1885 wiedergegebenen Nekrologes): "Würzburg. 'Dem Verdienste seiner Kronen.' Unter diesen leuchtet bekanntlich die des guten Namens am herrlichsten und unter den Verdiensten ist wohl kein schöneres als das, welches man sich um die leidenden, auch oft mit Not kämpfenden Menschen erwirbt. Ein solches Beispiel gab uns der so frühzeitig dahingeschiedene, allgemein beliebte, hochgeachtete, auch in entfernteren Kreisen bekannte Arzt dahier, Herr Dr. H. Silberschmidt, geb. zu Niederwerrn in Unterfranken, welcher am 30. Dezember (1884) im Alter von 53 Jahren nach längerem Leiden das Zeitliche segnete. Es lohnt sich, dieses Leben etwas näher zu betrachten und es verdient der Mann, dass ihm auch in diesen geschätzten Blättern ein Denkmal gesetzt werde. 
Schon in seinen Studienjahren zeichnete sich Silberschmidt durch rastlosen Fleiß und durch reiche Begabung aus und erhielt auf dem Gymnasium stets den ersten Preis; sein Staatsexamen bestand er mit der ersten Note und dokumentierte noch weiter seine medizinischen Kenntnisse durch Lösung der Preisfrage an hiesiger Universität. Im Jahre 1858 eröffnete er seine Praxis dahier, welche bald einen solchen Umfang annahm, dass er zu den gesuchtesten Ärzten gehörte. Es wird kaum eine jüdische Familie hier sein, der Herr Dr. Silberschmidt nicht seinen ärztlichen Beistand leistete, der er nicht zum Wohltäter und Freunde wurde, er war nicht nur der gesuchte, vielbegehrte Arzt der Reichen, sondern auch der Armen, bereitwillig, teilnehmend, aufmerksam und gewissenhaft wie immer. Auch in nichtjüdischen Kreisen fanden seine Fachkenntnisse die wohlverdiente Anerkennung und er galt als medizinische Autorität. Er war auch ganz und gar Arzt und sein ganzes Sein ging in diesem Berufe auf; das gesellschaftliche und teilweise auch Familienleben mussten vor demselben zurückweichen....

   
Goldene Hochzeit von Manasse Hammelburger und Frau geb. Gutmann (1907)

Niederwerrn Israelit 03011907.jpg (42858 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Januar 1907: "Niederwerrn bei Schweinfurt, 31. Dezember (1907). Das seltene Fest der goldenen Hochzeit begingen dieser Tage die Eheleute Manasse Hammelburger und Frau geb. Gutmann. Das Hammelburger'sche Ehepaar hat in fünf Dezennien es verstanden, sich die Achtung und Beliebtheit seiner Mitbürger in hohem Maße zu erwerben. Die Jubilarin insbesondere darf als Eschet Chajal (tüchtige Frau) im wahren Sinne des Wortes gelten, überall bereit jüdische Nächstenliebe zu betätigen und mit Eifer bemüht, alle religiösen Obliegenheiten zu erfüllen. Möge den Jubilaren ein langer und glücklicher Lebensabend beschieden sein." 

   
Über den Arzt Adolf Theilhaber (geb. 1854 in Niederwerrn) und seinen Sohn, den Arzt und Schriftsteller Felix Aaron Theilhaber (Lexikon-Artikel von 1930)
Anmerkung: Das "Jüdische Lexikon" - Ein enzyklopädisches Handbuch des jüdischen Wissens in vier Bänden" (Begründet von Georg Herlitz und Bruno Kirscchner) erschien 1930 im Jüdischen Verlag Berlin. 
Weitere Informationen mit Fotos, weiterführenden Links und Literaturhinweisen: zu Adolf Theilhaber (1854-1936): https://hdbg.eu/biografien/detail/adolf-theilhaber/5395 und zum Sohn Felix Aron Theilhaber https://hdbg.eu/biografien/detail/felix-aron-theilhaber/10169 

Artikel im "Jüdischen Lexikon" Bd. IV/2 Sp. 932: "THEILHABER. 1. Adolf, Mediziner, geb. 1854 in Niederwerrn bei Schweinfurt, lebt in München. Th. machte sich durch eine Reihe ausgezeichneter Arbeiten auf verschiedenen Gebieten, bes. auf gynäkologischem, einen Namen. Außer fachlichen Arbeiten bearbeitete er in origineller Weise die Lehre von den Entzündungen, den Geschwülsten und allgemein biologische Themata. Eine Übersicht über seine Arbeiten findet sich in der Festschrift zu seinem 70. Geburtstage 'Beiträge zu Problemen der Gynäkologie und des Karzinoms', 1924. Auf Grund seiner theoretischen Anschauungen trat er für eine grundsätzliche Änderung der üblichen Lebensweise ein, welche er in dem von ihm gegründeten 'Danielbund' durchzuführen suchte.  H.M.
2. THEILHABER, Felix Aaron, Sohn des Vorigen, Arzt und Schriftsteller in Berlin, geb. 1884 in Bamberg, nahm 1911 auf türkischer Seite als Arzt am Tripoliskriege, 1913 am Balkankriege teil. 1907—1910 gab T. die Zeitschrift 'Palästina' heraus. Von seinen Werken seien genannt: Der Untergang der deutschen Juden, Berlin 1921²; Beim roten Halbmond vor Tripolis, 1911; Das sterile Berlin, Eine volkswirtschaftliche Studie, Berlin 1913; die gekrönte Preisarbeit 'Die Schädigung der Rasse durch soziales und wirtschaftliches Aufsteigen, bewiesen an den Berliner Juden', Berlin 1914; Die Juden und der Weltkrieg, 1916; Schlichte Kriegserlebnisse, 1918; Jüdische Flieger im Weltkriege, Berlin 1924² ; Dein Reich komme! Ein chiliastischer Roman aus der Zeit Spinozas und Rembrandts. Berlin 1924; Stärkung vun Kerper (jiddisch), Berlin 1925; Die Beschneidung, Berlin 1927; Goethe, Sexus und Eros, Berlin 1929. Theilhaber, der sowohl an der nationaljüdischen Sportbewegung wie an der Bewegung für Sexualreform lebhaften Anteil nimmt, gibt auch die 'Beiträge zum Sexualproblem' heraus und arbeitet wissenschaftlich vornehmlich auf statistischem Gebiete."   

  
Goldene Hochzeit von Hirsch Lion und Babette geb. Weglein (1925)  

Niederwerrn Israelit 30041925.jpg (23955 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. April 1925: "Grünstadt, 21. April (1925). Am 3. Mai 1925 begeht das Ehepaar Hirsch Lion und Frau Babette geb. Weglein, zu Niederwerrn (Unterfranken) das Fest der Goldenen Hochzeit. Herr Lion war Kriegsteilnehmer im Jahre 1870."    

        
Zum Tod von Hirsch Lion (1926, Kriegsteilnehmer 1870/71)

Niederwerrn Israelit 29041926.jpg (56642 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. April 1926: "Niederwerrn, 16. April (1926). Am 30. Nissan wurde eines unserer ältesten Mitglieder, Hirsch Lion, zu Grabe getragen. Der Verblichene war ein echter Jehudi, der gleicherweise die Pflichten gegen seine Mitmenschen und sein Vaterland wie auch gegen Gott erfüllte. Heldenhaft, wie er am Kriege 1870/71 teilgenommen hatte, trug er auch ein herbes Geschick, das ihm ein Jahrzehnt lang Körperkraft und Augenlicht versagte. Bei der Beerdigung, an der auch der Kriegerverein teilnahm, brachte sein Sohn, Herr Lehrer Lion von Grünstadt in tiefempfundenen Worten zum Ausdruck, wie alle seine guten Eigenschaften aus der einen, eines Isch jehudi (jüdischen Mannes) entsprungen seien. Möge der Heilige - ER sei gepriesen - seinen Angehörigen Trost senden. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

  
Hinweis auf den aus Niederwerrn stammenden Arzt Julius Dreschfeld    
Anmerkung: Julius Dreschfeld ist am 13. Oktober 1845 in Niederwerrn geboren und am 13. Juni 1907 in Withington, Manchester gestorben (vgl. https://de.findagrave.com/memorial/280008519/julius-dreschfeld). Er besuchte die Schule in Bamberg und studierte später Medizin in Würzburg. Seit 1870 war er als Arzt, seit 1881 als Professor für Pathologie und Medizin an der Victoria Universität von Manchester tätig. Weitere Informationen siehe den Wikipedia-Artikel https://de.wikipedia.org/wiki/Julius_Dreschfeld  
 
Zum Tod von Julius Dreschfeld (1907)    

Artikel in der "Frankfurter Zeitung" vom 19. Juni 1907: "Manchester, 17. Juni. Am 13. dieses Monats starb hier Professor Dr. Julius Dreschfeld, einer der bekanntesten Ärzte Englands. Dr. Dreschfeld wurde 1845 in Niederwerrn in Bayern geboren, studierte in Würzburg und Manchester, machte den Krieg von 1866 als bayerischer Militärarzt mit und ging dann nach Manchester, um sich dort niederzulassen. Er bekam eine große Praxis und wurde in den 80er-Jahren Professor am medizinischen Owens College in Manchester. Auch aus den internationalen Ärztekongressen trat er häufig hervor."    

  
Goldenes Doktorjubiläum des Arztes Dr. Richard Sielmann (1938; als Arzt in Niederwerrn von 1889 bis 1896 tätig)  
Anmerkung: nach dem Gedenkbuch München (https://gedenkbuch.muenchen.de/index.php?id=gedenkbuch_link&gid=8058, mit Foto) ist Richard Sielmann am 14.4.1867 in Schöneck Kreis Danzig geboren als Sohn des Kaufmanns Hermann Sielmann und der Rebekka geb. Rubinsohn/Robinson. Er heiratete am 16.4.1893 in Heidingsfeld Henriette geb. Adler (geb. 5.12.1873 in Würzburg). Während seiner Zeit als Arzt in Niederwerrn ist der Sohn Hans geboren (15.3.1894 in Niederwerrn). Weiteres siehe im Presseartikel von 1938. Richard Sielmann hat im November 1933 seine Praxis in München aufgegeben. Er starb am 21. Juli 1939 in München. Seine Frau emigrierte im Februar 1940 nach Lugano. Der in Niederwerrn geborene Sohn Hans emigrierte im Juni 1938 nach New York, wo er im September 1971 starb.    

Artikel im "Jüdischen Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern" vom 15. Mai 1938: "Goldenes Doktor-Jubiläum von Sanitätsrat Dr. Richard Sielmann
Sanitätsrat Dr. Richard Sielmann in München konnte am 16. Mai 1938 (Promotion am 16. Mai 1888 in Würzburg) sein goldenes Doktor-Jubiläum feiern, Der hoch angesehene Röntgenologe praktizierte von seiner Approbation bis zum Jahr 1896 als praktischer Arzt in dein unterfränkischen Dorf Niederwerrn, Bez.-A. Schweinfurt. 1896 siedelte er nach München über und ließ sich als praktischer Arzt und Geburtshelfer hier nieder. Schon im Jahre 1904 beschäftigte er sich mit der damals noch ganz jungen röntgenologischen Wissenschaft. 1905 hat er mit einem kleinen Induktor-Apparat die ersten Röntgenaufnahmen in seiner Praxis selbst gemacht. Im Jahre 1910 gab er die Allgemein-Praxis auf und widmete sich nur noch der Röntgenologie. Aus seiner Feder sind zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten erschienen, besonders hat er sich mit dem Problem der Myom-Bestrahlungen und der Heilung des Basedow durch Röntgen-Therapie befasst. In den Kriegsjahren ist eine Reihe von Arbeiten über Erfolge der Röntgendiagnostik bei Kriegsverletzten von ihm herausgegeben worden. Während des Krieges war er Vorstand der Röntgenabteilung des Kriegslazarettes B und zeitweise beratender Röntgenologe des Generalkommandos des 1. Armeekorps. Eine Reihe von Auszeichnungen wurden ihm für seine Verdienste im Kriege verliehen. Aus dem aktiven Heeresdienst wurde er als Generaloberarzt der Reserve entlassen. Nach dem Kriege war er in zahlreichen ärztlichen Organisationen in leitender Stellung tätig, so vor allem im ärztlichen Bezirksverein München. Im November 1933 hat er seine ärztliche Tätigkeit aufgegeben, um sich, zurückgezogen von aller Öffentlichkeit, nach einem arbeitsreichen Leben der wohlverdienten Ruhe Mitzugeben.
Der Persönlichkeit Richard Sielmanns wendet sich bei seinem goldenen Doktor-Jubiläum die allgemeine Achtung und Verehrung seiner Freunde, Berufsgenossen und Patienten zu."    

  
  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 
Stellensuche von Clara Schatzmann (1904)   
Anmerkung: Clara (Klara) Schatzmann ist am 24. Januar 1862 in Niederwerrn geboren als Tochter des Faust Schatzmann und der Rosaline geb. Nussbaum. Sie wurde am 23. September 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie am 10. Februar 1943 umgekommen ist (Gedenkbuch Bundesarchiv).   

Anzeige in "Neue Jüdische Presse" vom 1904: "Suche für ein junges Mädchen, welches die Buchführung, Stenographie, Maschinenschreiben und Korrespondenz gründlich erlernte, per 15. August, eventuell früher oder später, passende Stellung.
Clara Schatzmann, Niederwerrn
b. Schweinfurt."    
 
Links: "Todesfallanzeige" im Ghetto Theresienstadt für Clara Schatzmann.
Quelle: https://www.holocaust.cz/de/datenbank-der-digitalisierten-dokumenten/dokument/94475-schatzmann-klara-todesfallanzeige-ghetto-theresienstadt/ 

  
Arzt für Niederwerrn gesucht - Anzeige des jüdischen Gemeindevorstehers (1908)     
 

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Juli 1908: "Arzt
Durch Wegzug des bisherigen Arztes ist tüchtigem israelitischem Arzte bei sofortigem Eintritte Gelegenheit zu guter,
sicherer Existenz

geboten.
Niederwerrn b. Schweinfurt, 28. Juni 1908.
Israelitische Kultusverwaltung. Siegmund Gutmann"   

      
Anzeige des Öl-, Fettwaren- und Deckengeschäftes Felix Rosenberger (1912)
     

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 29. August 1912: "Für mein Samstags u. israelitische Feiertage streng geschlossenes Öl-, Fettwaren- und Deckengeschäft suche ich per 1. Oktober einen
jüngeren Kommis  
oder Volontär
mit guter Handschrift für Kontor u. Lager. Angeboten bitte Bild, Zeugnisabschriften und Saläransprüche bei freier Station beizufügen.
Felix Rosenberger, Niederwerrn
bei Schweinfurt a. M."    

    
Verlobungsanzeige von Sera Gutmann und Josef Nathan (1914)   

Anzeige in der "Frankfurter Zeitung und Handelsblatt" vom 9. Juni 1914:
"Statt Karten.
Sera Gutmann  -  Josef Nathan
  
Verlobte  
Niederwerrn bei Schweinfurt   -  Frankfurt am Main, Herderstraße 38 - Gau-Algesheim." 

    
Ausschreibungen der Löb Kent'schen Stipendienstiftung (1915 / 1922)  

Niederwerrn Israelit 29031915.jpg (49947 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. März 1915: "Löb Kent'sche Stiftung in Niederwerrn zur Förderung des Tora-Studiums. 
Die Stiftung kommt demnächst zur Vergebung. Bezugsberechtigt ist in erster Linie ein Waisenkind, in zweiter Linie ein anderes Kind oder Jüngling. 1. aus der Familie des Stifters, 2. weiterhin aus Niederwerrn, 3. von auswärts. - Nach Abschluss der Studien oder des 24. Lebensjahres erlischt der Bezug der Stiftung. Bewerber wollen sich unter Vorlage der Nachweise und Zeugnisse wenden an 
Die israelitische Kultusvorstandschaft Niederwerrn. bez. Sigmund Gutmann."
  
Niederwerrn Israelit 02021922.jpg (64970 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Februar 1922: "Löb Kent'sche Stipendienstiftung in Niederwerrn. 
Die Stiftung ist zur Zeit frei. Die Präbende (Mk. 183.- pro Jahr!) kann einem Knaben oder Jüngling zugesprochen werden, der sich dem 'Lernen' widmet und zwar in erster Linie aus der Familie der Stifters, dann aus Niederwerrn, endlich irgend ein anderer. Waisen sind vorzugsberechtigt. Bewerbungen sind bis 15. Februar 1922 einzureichen. 
Niederwerrn, den 27. Januar 1922. Die israelitische Kultusverwaltung: i.A. Felix Rosenberger."  

   
Todesanzeige für Markus Heßlein (1932) 

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 30. Juni 1932: "Mein lieber Mann, unser lieber Vater, Großvater, Bruder und Onkel,
Markus Heßlein
ist nach kurzem Leiden im Alter von fast 76 Jahren sanft entschlafen.
Die trauernden Hinterbliebenen
Niederwerrn, Hamburg, Montgamery, New York, Fürth."    

    
    
 Sonstiges   

Ansichtskarte von Bad Kissingen an 
Gitta Nordschild in Niederwerrn (1902)
 
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, 
Kirchheim / Ries)   
Bad Kissingen Dok 1303010.jpg (206557 Byte) Bad Kissingen Dok 1303010a.jpg (175744 Byte)
  Die Karte an Gitta Nordschild in Niederwerrn wurde am 9. Juli 1902 von einem 
Herrn Arthur Appel (Bad Kissingen) verschickt. Nachkommen von Gitta Nordschild leben heute noch in der Schweiz (2014).  

     
  
   
     
Zur Geschichte der Synagoge        
   
Zunächst war ein Betsaal, dann eine erste Synagoge vorhanden (kleine "Schul", die der Familie des Löb Kaz gehörte). 1786 erbaute die jüdische Gemeinde auf dem heutigen Grundstück Schweinfurter Straße 23 eine neue Synagoge. Dank der großherzigen Unterstützung des Bankiers Löb Kent, der aus Niederwerrn stammte, konnte ein monumentaler Bau errichtet werden, der in seinen Ausmaßen und seiner Anlage mit der Synagoge in Heidingsfeld (bei Würzburg) vergleichbar ist. Die Synagoge wurde 1885 umgebaut und 1913 renoviert. Das Gebäude fällt durch seinen charakteristischen Mansarddachbau auf; ein Eckstein trägt die hebräische Jahreszahl für 5546 = 1785/86. 
   
Beim Novemberpogrom 1938 kamen am Mittag des 10. November etwa 50 SA-Leuten aus Schweinfurt, die mit Beilen und Hämmern ausgerüstet waren. Nach der Verwüstung der jüdischen Häuser drangen sie in die Synagoge ein, zerstörten das Mobiliar und die Ritualien, darunter Torarollen und Toraschrein-Vorhänge aus dem 18. Jahrhundert. Die Trümmer der Inneneinrichtung wurden in der Synagoge auf einen Haufen geworfen und in Brand gesetzt. Da bei einem Brand des Gebäudes Gefahr für die (u.a. landwirtschaftlich genutzten) Nachbarhäuser bestanden hätte, löschte die Feuerwehr den Brand. Die politische Gemeinde kaufte wenig später die Synagoge für 3.000 RM sowie das jüdische Schul- und Gemeindehaus für 7.000 RM (der Wert wurde auf 15.000 RM geschätzt). 
    
1958
wurde die ehemalige Synagoge zu einem Kino umgebaut. Bis 1987 diente sie als Abstellhalle einer Fabrik und als Schulungsraum der Handwerkskammer. 1999/2000 wurde das Gebäude zur Gemeindebücherei umgebaut und am 19. Januar 2001 eröffnet. Mit Hilfe der Städtebauförderung, Denkmalpflege und Bibliotheksförderung wurde aus der ehemaligen Synagoge wieder ein Schmuckstück für die ganze Gemeinde. Zur Gestaltung des sieben Meter hohen Raumes ließ Architekt Dag Schröder eine Empore einbauen, die dem ehemals sakralen Charakter des Raumes Rechnung trägt. Bei der Möblierung wurde an der Ostseite der Platz ausgespart, an dem in der ehemaligen Synagoge der Toraschrein stand.
       
    
Schule. Im 19. Jahrhundert bestand eine jüdische Konfessionsschule. Um 1850 gehörten 54 Schulkinder der jüdischen Gemeinde an. Ein jüdisches Schul- und Gemeindehaus wurde 1829 eingerichtet, 1878 neu erstellt. Es galt als das schönste Haus in Niederwerrn. In dem Gebäude war auch die Wohnung des Lehrers/Vorsängers und das rituelle Bad eingerichtet. Dank einer Geldspende eines in die USA ausgewanderten Gemeindegliedes konnte die Gemeinde noch bis nach 1933 einen Lehrer bezahlen, der im Schuljahr 1932/33 noch zwei Kindern Religionsunterricht erteilte. 1939 wurde das Gebäude von der politischen Gemeinde Niederwerrn zu einem Rathaus mit Dienstwohnung umgebaut. Seit 1970 war es ausschließlich Rathaus. 1996 wurde das Gebäude modernisiert und ein Trauzimmer eingebaut (inzwischen: Rathaus Altbau). Eine Hinweistafel ist vorhanden. Sie lautete ursprünglich: "Dieses Gebäude diente der jüdischen Kultusgemeinde als Schule". Inzwischen lautet der Text der Hinweistafel: "Rathaus Altbau. 1878 erbaut als Jüdische Schule. 1939 Rathaus mit Dienstwohnung. 1970 ausschließlich Rathaus. 1996 Modernisierung und Einbau des Trauzimmers".   
       
       
   
    
Fotos
Historische Fotos der Synagoge
(Fotos um 1930: Abraham Berlinger, Schweinfurt; Quelle: Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem; veröffentlicht in: Die Inventarisierung jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern. Jüdisches Museum Franken. 1998 S. 619-621) 

Niederwerrn Synagoge 003.jpg (49117 Byte) Niederwerrn Synagoge 001.jpg (68174 Byte) Niederwerrn Synagoge 002.jpg (57096 Byte)
Inneres der Synagoge mit Blick über 
das Vorlesepult zum Toraschrein
Der Almemor in 
der Synagoge
Die Menora in der Synagoge vor 
dem Aron Hakodesch

   
   
Neuere Fotos:
(Fotografien mit *) wurden von Klaus Kurre, Mainberg angefertigt und dürfen nicht ohne Genehmigung weiter verwendet werden. Hochauflösende Aufnahmen und weitere, hier nicht hinterlegte Bilder können per Mail bei Klaus Kurre angefordert werden; Quelle für die Innenaufnahmen: www.niederwerrn.de; übernommen mit freundlicher Genehmigung der Gemeinde Niederwerrn)
.   

Die ehemalige Synagoge, 
heute Gemeindebücherei
Niederwerrn Synagoge 100.jpg (56451 Byte)  
  Das ehemalige Synagogengebäude 2004*  
     
Niederwerrn Synagoge 151.jpg (14573 Byte) Niederwerrn Synagoge 152.jpg (18596 Byte) Niederwerrn Synagoge 153.jpg (20045 Byte)
Blick nach Osten auf Höhe der 
ehemaligen Frauenempore
Aufgang vom ehemaligen Betsaal 
der Männer zur Höhe der 
ehemaligen Frauenempore
Auf Höhe der ehemaligen 
Frauenempore
   
     
 
Die ehemalige jüdische Schule, 
heute Altbau des Rathauses
Niederwerrn Schule 100.jpg (47124 Byte) Niederwerrn Schule 102.jpg (44012 Byte)
   Die ehemalige jüdische Schule 2004* 
         
Fotos der ehemaligen Schule 
Frühjahr 2007

(Hahn, Aufnahmedatum 9.4.2007)
Niederwerrn Schule 100.jpg (69461 Byte) Niederwerrn Schule 104.jpg (68103 Byte)
   Das Schulgebäude von Nordosten   Ansicht von Norden  
      
Niederwerrn Schule 103.jpg (61402 Byte) Niederwerrn Schule 101.jpg (68257 Byte) Niederwerrn Schule 102.jpg (80778 Byte)
Eingang zur ehemaligen Schule   Hinweistafel  
      
Fotos der ehemaligen Synagoge 
Frühjahr 2007
(Hahn, Aufnahmedatum 9.4.2007) 
Niederwerrn Synagoge 100.jpg (80767 Byte) Niederwerrn Synagoge 106.jpg (77379 Byte)
  Blick auf die ehemalige Synagoge, jetzt Gemeindebücherei der Gemeinde Niederwerrn
   
Niederwerrn Synagoge 104.jpg (72571 Byte) Niederwerrn Synagoge 105.jpg (75262 Byte) Niederwerrn Synagoge 101.jpg (78576 Byte)
Ansichten des ehemaligen Synagogengebäudes Rechts der Synagoge: 
ehemalige jüdische Häuser  
   
    
    Niederwerrn Synagoge 102.jpg (72003 Byte) Niederwerrn Synagoge 103.jpg (62772 Byte)
    Hinweistafel am "Löb-Kent-Platz": "Löb Kent wurde
um 1760 in Niederwerrn geboren und lässt als Stifter
1785/86 die Synagoge in seinem Geburtsort errichten".
(Fotos: E. Böhrer 9/2018) 
Grundstein mit hebräischer Jahreszahl 
(nur teilweise erkennbar)
 
   
Hinweistafel (längere Zeit fehlerhaft links:
"Kulturgemeinde"),  inzwischen korrigiert
(neues Foto rechts: E. Böhrer 9/2018)  
  

  
Weitere Fotos   

Grab des aus Niederwerrn stammenden Sally Nordschild im Soldatenfriedhof Bertrimoutier  
(Fotos: Elisabeth Böhrer, Fotos von 2012)        

 
Bertrimoutier Hinweistafel.jpg (299128 Byte)  Bertrimoutier Grab Nordschild.jpg (274806 Byte) Bertrimoutier Grab Nordschild 02.jpg (267361 Byte)  Bertrimoutier Grab Nordschild 06.jpg (301336 Byte) Bertrimoutier Grab Nordschild 05.jpg (333319 Byte) 
 Hinweistafel am Soldatenfriedhof Bertrimoutier
(Département Vosges); der Friedhof liegt direkt am
Ortseingang; Informationen zum Friedhof siehe   http://www.volksbund.de/kriegsgraeberstaette/bertrimoutier.html
Grabsteine für Sally Nordschild (1888-1915), links der ältere Stein, der zunächst für ihn verlegt wurde 
(die älteren provisorischen Grabsteine wurden nach Neuanlage des Friedhofes an einer Stelle zusammengeführt).
Rechts der Grabstein nach Neuanlage des Friedhofes; an den jüdischen Gefallenen
Sally Nordschild erinnert eine Stele und kein Kreuz.  

   
   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

September 2011: Lisa Goodman aus New York - Urenkelin des Viehhändlers Max Gutmann in Niederwerrn - besucht die Heimat der Vorfahren   
Artikel von Uwe Elchler in der Main-Post vom 4. Oktober 2011 (Lokalausgabe Schweinfurt): "Von einem, der überlebte".  
Link zum Artikel - auch eingestellt als pdf-Datei.   
 
November 2013: Die Bereitstellung von Geldern zur Verlegung von "Stolpersteinen" wird im Finanzausschuss der Gemeinde abgelehnt    
Artikel von Uwe Eichler in der Main-Post vom 25. November 2013 (Lokalausgabe Schweinfurt): "Stolpersteine fallen unter den Tisch
SPD-Antrag zum Gedenken an NS-Opfer im Finanzausschuss von Niederwerrn abgelehnt
...In der ehemaligen jüdischen Schule Niederwerrns, dem alten Rathaus, befasste sich der Finanzausschuss im Rahmen der Haushaltsberatungen nun mit einem SPD-Antrag, 1000 Euro zur Verlegung von 'Stolpersteinen' bereitzustellen:...
Heute sind neun jüdische Niederwerrner bekannt, die im Krieg von hier aus über Würzburg in Vernichtungslager deportiert worden sind, insgesamt gab es etwa 40 Holocaustopfer mit Bezug zur Gemeinde. Der Antrag wurde ohne besondere Debatte mit vier zu drei Stimmen abgelehnt...
Antragsteller Wolf-Dietrich Lang überreichte zugleich einen offenen Brief an den Bürgermeister, in dem auf eine Gedenkveranstaltung der SPD an der Gemeindebibliothek, der ehemaligen Synagoge, am Jahrestag der Pogromnacht 1938 hingewiesen wurde. Die aktuelle Situation in Deutschland, die auch von einem 'latenten Antisemitismus_ gekennzeichnet sei, sowie die Erinnerung an die jüdische Gemeinde Niederwerrns fordere alle dazu auf, sich gegen das Vergessen zu stellen, heißt es in dem Brief...
Bürgermeister Peter Seifert, der für den Antrag der SPD gestimmt hatte, erinnerte gegenüber dieser Zeitung an gelegentliche Besuche von Nachfahren jüdischer Niederwerrner – was zumindest im Einzelfall zu Unruhe unter heutigen Haus- und Grundstücksbesitzern geführt haben soll." 
Link zum Artikel     

   
    

Links und Literatur

Links:

bulletWebsite der Gemeinde Niederwerrn mit Seite zu Bibliothek (ehemalige Synagoge)   
bulletÜbersicht über die in den "Central Archives for the History of the Jewish People" (CAHJP) in Jerusalem vorhandenen Archivalien der jüdischen Gemeinde Niederwerrn: pdf-Datei hier anklicken
bulletEnglische Informationsseite zur Geschichte der Juden in Niederwerrn

Literatur:  

bulletIsrael Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit A 85. München 1988 S. 95-96.
bulletBaruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 370-371. 
bulletUlrich Debler: Die jüdische Gemeinde von Niederwerrn. Sennfeld 1988.
bulletNiederwerrn Buch01.jpg (12072 Byte)Karl-Heinz Grossmann: Die Niederwerrner Juden. 1871-1945. Würzburg 1990.
bulletMichael Schneeberger: Die Juden von Niederwerrn. Reihe: Jüdische Landgemeinden in Bayern (6). In:  Jüdisches Leben in Bayern. Mitteilungsblatt des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern. 18. Jg. Nr. 93 vom Dezember 2003 S. 23-30.  
bulletDirk Rosenstock: Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13. Würzburg 2008. S. 246-249. 

      
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Niederwerrn  Lower Franconia.  The community was established no later than the second half of the 17th century and was one of the oldest attached to the chief rabbinate at Wuerzburg. In 1796, French forces looted the Jewish ghetto. The Jewish population numbered around 300 in 1836 (40 % of the total). Most of the Jews were craftsmen, particularly watchmakers. In 1850, there were 54 Jewish schoolchildren in Niederwerrn. In 1880, the Jewish population was 197 and in 1933 it was 39. On Kristallnacht (9-10 November 1938), a gang of 50 SA troops, bolstered by local residents and armed with hammers and axes, destroyed 11 Jewish homes. One woman was raped and another, 70 years old, was thrown into a freezing lake. Afterwards the synagogue was vandalized and religious articles were burned. All the Jews were forced to sell their homes and land holdings. In 1934-40, 39 Jews left Niederwerrn, 21 emigrating (including 12 to the United States). The last nine were deported to Izbica in the Lublin district (Poland) and to the Theresienstadt ghetto in 1942. 
    
       

                   
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Stand: 17. Dezember 2025