Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Burgkunstadt (Kreis Lichtenfels)  
Texte zur Geschichte der jüdischen Gemeinde 

Anmerkung: Bei den nachstehenden Texten zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Burgkunstadt handelt es sich um Artikel, die in jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts veröffentlicht wurden. Die vorliegende Zusammenstellung wird bei Gelegenheit durch weitere Artikel ergänzt.
   
   
Übersicht:        

bulletAllgemeine Beiträge aus der Geschichte 
Ausschreitungen im Revolutionsjahr 1848  
Kurze Charakterisierung der Gemeinde 1851 mit Besonderheiten zum christlich-jüdischen Miteinander    
Spendensammlung im Rabbinatsbezirk Burgkunstadt (1886)      
Ritualmordgerücht - Kaufmann Markus klagt gegen Witwe Pütterich / Petrich / Pettrich  (1894 / 1895)     
Rabbiner Dr. Goitein gratuliert dem Bamberger Erzbischof Dr. Joseph von Schork zum 70. Geburtstag (1899) 
Feier zum 100. Geburtstag von Samson Raphael Hirsch (1908)     
Erweiterung des Gebietes der Kultusgemeinde (1927)  
bullet Aus der Geschichte des Rabbinates Burgkunstadt    
Zum Tod von Rabbiner Löw Reckendorfer (1835)
Wahl von Rabbiner Leopold Stein und Rückblick auf die Zeit von Rabbiner Reckendorfer (1835, Bericht von 1838) 
Aus der Zeit des Rabbiners Leopold Stein (1841)    
R
abbiner Leopold Stein ist über Burgkunstadt hinaus an einer anderen Stelle interessiert (1842)   
Ausschreibung der Rabbinerstelle (1844)     
Ernennung von Rabbiner Löw Traub (1845)  
Ausschreibung der Stelle des Rabbiners (1880)     
Zum Tod des ehemaligen Rabbiners Leopold Stein (1882)  
Zum Tod von Rabbiner Dr. Sigmund Flaschner (1914 in Nürnberg, war von 1880/81 bis 1885 Rabbiner in Burgkunstadt)   
Ausschreibung der Rabbiner-Stelle (1886)  
Distriktsrabbiner Dr. Joseph Cohn wechselt nach Eschwege (1895)  
Wahl des Rabbiners Dr. Ezechiel (Eduard) Goitein (1896)   
Antrittspredigt von Rabbiner Dr. Goitein am 9. Januar 1897  
Gedächtnisfeier zum 100. Geburtstag von Rabbiner Leopold Stein (1910)  
Tod von Distriktsrabbiner Dr. Ezechiel Goitein (1914)   
Abstammung Rabbiner Dr. Goteins 
Der Rabbinatsbezirk Burgkunstadt bleibt erhalten und wird künftig vom Distriktrabbiner in Bayreuth versorgt (1915) 
Auflösung des Rabbinatsbezirkes Burgkunstadt (1936)    
bullet Aus der Geschichte der Lehrer / Vorbeter / Schächter      
Ausschreibung der Vorsängerstelle 1847   
Ausschreibungen der Stelle des Schochets und Gemeinde-/Friedhofdieners 1883 und 1887  
Schochet (Schächter) gesucht (1893)   
Ausschreibung der Stelle des Schochets und Gemeinde-/Friedhofdieners (1901)  
Ernennung des Lehrers Jonas Löbenstern zum Hauptlehrer (1907)  
Auszeichnung des Lehrers Jonas Löbenstern mit dem Luitpoldkreuz (1911)  
Zur Verabschiedung von Lehrer Jonas Löbenstern (1913)  
Zum Tod von Lehrer Jonas Löbenstern (1936 in Würzburg)       
Ausschreibung der Stelle des Vorbeters und Schochets (1920)  
25-jähriges Dienstjubiläum des Lehrers Ignaz Steinbock (1930)      
bulletAus der Geschichte der Schule     
Das rituelle Bad wird neu eingerichtet (1897)   
Klärung der Finanzierung der Schulumlage zwischen Stadtgemeinde und israelitischer Gemeinde (1909)   
bullet Aus der Geschichte der Vereine / Stiftungen     
Zum 50jährigen Bestehen des Israelitischen Frauenvereines (1905)   
Anzeige der Koppel Henoch'schen Wohltätigkeitsstiftung 1907 (bestand seit 1783)  
bullet Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde    
Zum Tod der über 100jährigen Fanny Friedmann (1878)   
Zum Tod von Wolf Felheim, langjähriger Gemeindevorsteher (1890)   
Zum Tod von Kaufmann Moritz Oppenheimer, Kassierer und Schriftführer der Freiwilligen Feuerwehr Burgkunstadt, aktiv auch im Turner-Verein (1893)  
Anzeige von Joseph Oppenheimer (1895)  
Zum Tod von Salomon Rothschild, langjähriger Gemeindevorsteher und Vorstand von Wohltätigkeitsanstalten (1911) und zum Tod von Fanny Bamberger, langjährige Vorsitzende des Frauenvereins (1911)    
Zum Tod von Friederika Löbenstern (1911)  
Zum Tod von Jette Lindner (1920)    
Zum Tod von Sophie Lang, gestorben in Tann (1928) 
Kleine Mitteilungen zu einzelnen Personen  
bullet Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Einzelpersonen      
Anzeige der Mazzen- und Makronenbäckerei Joseph Oppenheimer (1895)   
Ritualien / Torarollen zu verkaufen (1895 / 1898 / 1900) 
Anzeige des Kolonialwarengeschäftes Bernhard Friedmann (1901) 
Lehrlingsgesuch des Baumwollwaren-Engros-Geschäftes J. Rossmann (1905) 
Geburtsanzeige von Jette Irene Wolpe (1907)  
bulletWeitere Dokumente  
Karte von Heinrich Silbermann (Burgkunstadt) nach Nürnberg (ca. 1873/74)  
Brief an A. Pretzfelder in Burgkunstadt aus Reutlingen (April 1875)    
Brief an Joseph Oppenheimer in Burgkunstadt (1875)  
Postkarte der Schuhwaren-Fabrik Joseph Weiermann (1888)  
Briefumschlag von A. Thurnauer sen., Korbwaren-Manufaktur in Burgkunstadt (1897)  
Anerkennungsmedaille des Königlichen Staatsministeriums des Innern für die Korbwaren-Manufaktur von A. Thurnauer sen. (1882)
Rechnung von Louis Friedmann in Burgkunstadt (1903)   
Rechnung - Lieferschein über eine Käsesendung von Louis Friedmann (1904)  
Briefumschlag eines Schreibens von Max Possenheimer (1916)   
Briefumschlag von D. Banemann in Burgkunstadt (1923)  
bulletSonstiges  
Erinnerungen an die Auswanderungen im 19. Jahrhundert: Grabstein in New York für  Hermann Bamberger (1838-1920, aus Burgkunstadt)     

     
     
Allgemeine Beiträge aus der Geschichte   
Ausschreitungen im Revolutionsjahr 1848                

Burgkunstadt DtrZionswaechter 28031848.jpg (125472 Byte)Artikel in "Der treue Zionswächter" vom 28. März 1848: "Südwestliches Deutschland. Die Zeitungen der jüngsten Tage berichten zahlreiche schreckliche Angriffe gegen die Juden an der württembergischen, badischen und französischen Grenze, von boshaftem Pöbel und plündernden Rotten versucht und ausgeführt, welche Hab' und Gut zertrümmerten und die Eigentümer aus ihren Besitztümern völlig verjagten. Wer erinnert sich nicht bei solche traurigen Szenen an die Beschlüsse der nunmehr aus dem Zeitlichen verschwundenen Rabbiner-Versammlung, welche die herkömmlichen, zur Abwehr ähnlicher Gefahren und Schrecknisse an den allgewaltigen Beschützer Israels gerichteten Gebete, und sogar auf die Fasttage für überflüssig erklärte, weil jene mittelalterlichen Bedrückungen und Grausamkeiten in dem von Bildung strotzenden 19. Jahrhundert nicht mehr vorkämen, ja undenklich wären.*) Sehen nun diese vom Wahne geblendeten Ratsherren, wie wenig sie über die Gegenwart hinaus zu sehen vermögen, und wie sie sonach als Unweise auch unvermögend seien, die Lehren und Anordnungen unserer Weisen irgendwie anzutasten? 
*) Auch in Altenkunstadt und Burgkunstadt in Oberfranken, wo der jetzt zu Frankfurt am Main Neues predigende Stein vor einigen Jahren noch als Rabbiner fungierte, kamen ähnliche Verheerungen und Vertreibungen vor."   

       
Kurze Charakterisierung der Gemeinde 1851 mit Besonderheiten zum christlich-jüdischen Miteinander
 

Burgkunstadt AZJ 10111851.JPG (141505 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. November 1851: Aus einem Reisebericht durch Oberfranken: "…Zu meinem großen Bedauern konnte ich dessen gütiges Anerbieten, mir die Merkwürdigkeiten der Stadt zu zeigen, wegen des Abgangs des Eisenbahnzugs, nicht annehmen, der mich nach der großen Gemeinde Burgkunstadt, in das so genannte Gebirg brachte, wo seit Langem die Ultras der bayerisch-jüdischen Neologie zu Hause sind. In der Tat ist es hier so weit gekommen, dass das bei den am Sabbat stattfindenden Gemeindeversammlungen abgefasst werdende Protokoll von sämtlichen Gemeindegliedern unterzeichnet wird. Juden und Christen leben hier gesellschaftlich auf gleichem Fuße, und in einer geschlossenen Gesellschaft, die ihr eigentümliches Lokal besitzt, sah ich christliche Frauenzimmer mit jüdischen schwesterlich beisammen sitzen; auf kleinen Plätzen eine seltene Erscheinung, weil sich gemeiniglich christliche Frauenzimmer nur vornehm die Nase rümpfend in geselliger Beziehung de jüdischen nähern. Viele Familien nähren sich ausschließlich von ihrem Handwerk und die anderen betreiben durchweg solide Geschäft. Trotz all’ dem gab es im Jahre 1848 hier eine Pöbelmeute gegen jüdische Fenster und Türen, in Folge deren die jüdischen Gemeindeglieder von der Verfolgung eines Anspruchs an gewisse Gemeinderechte abzustehen für nötig erachteten.
Vor Kurzem wurde hier eine zweite israelitische deutsche Schule gegründet, an welcher Herr Rau rüstig und mit pädagogischem Geschick arbeitet. Beide Schulen befinden sich in einem Interimslokal, da die Gemeinde den Neubau eines Schulhauses beabsichtigt. Die Synagoge, innerlich zweckmäßig und ansprechend eingerichtet, ist, weil an einem Arm des Mains gelegen, feucht und finster. Herrn Rabbiner Traub, der seiner Gemeinde nicht reformfreundlich genug ist, konnte ich, weil ihn ein Familienweh heimgesucht hatte, nicht gehörig genießen, und wegen des schlechten Wetters den nicht ferne lebenden Rabbiner Herrn Gutmann in Redwitz, den Herausgeber der Apokryphen, zu meinem Leidwesen nicht besuchen…"

     
Spendensammlung im Rabbinatsbezirk Burgkunstadt (1886)  

Anmerkung: in jüdischen Gemeinden wurde regelmäßig für bestimmte Zwecke gesammelt; die Ergebnisse der Sammlungen wurden immer wieder in jüdischen Zeitschriften veröffentlicht. Hier handelt es sich um eine Sammlung "zur Unterstützung unserer Glaubensbrüder im Heiligen Land", die von H.S. Gelbart (Burgkunstadt) in den Orten des Rabbinatsbezirkes durchgeführt wurde. 

 Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Mai 1886: "Burgkunstadt. Durch H. S. Gelbart, von: Altenkunstadt, M. Freudenthal 50 Pf., Ungenannt 20 Pf.; Burgkunstadt, Chalogeld seiner Frau 70 Pf., Machazis Hascheckel: Gertraud Kohn und Getty Kohn je 1 M., D. Banemann 50 Pf.; Frensdorf, Emil Baum bei seiner Verlobung 1 M.; Kronach, Strauß sen. 1 M.; Lichtenfels, Gebr. Pauson 2 M., Samuel Zinn, dessen Sohn R. Zinn, Samuel Kohn, Wilhelm Ehrmann, Martin Brüll, A. Gutherz, Traub und Zenner je 1 M.; Oberlangenstadt, Machazis Haschekel: Adolf Böhm 75 Pf., S. Fleischmann. 50 Pf. —
Für Witwen und Waisen im Heiligen Land: Kronach, M. Bamberger, S. Friedmann, Jos. Straus;, M. Ludwig Mosbacher, Ungenannt und Wilhelm Mai je 1 M., S. Roßmann, Salomon Strauß, M. Seligsberg, Wilhelm Männlein, Moses Heimann, L. Mosbacher und Ungenannt je 50 Pf., Frau Oppenheimer 25 Pf., (von dieser Sammlung wurden 3 M. für Frau Moses Lilienthal in Jerusalem bestimmt). — Für ...: Altenkunstadt (mit Autorisation des Vorstand Seligsberg): Moritz Seligsberg 2 M., Heinrich Hellmann, Max Hermann, Friedrich Hofmann, Daniel Kraus, Michael Hermann und B. Lauer je 1 M., Martin Liebermann, Philipp Bachmann, S. Oppenheimer, Leopold Hofmann, H. Levor und Max Löwenthal je 50 Pf., Ricka Müller und Wwe. Angermann je 20 Pf.; Bamberg. Moriz Putzel, beim Besuche des Grabes seiner Vorfahren 2 M.; Bayreuth, W. Wertheimer und Ungenannt je 1 M; Burgkunstadt, W. Felheim, P. Lang und Ungenannt je 2 M., M. Lonnerstädter, S. Weihermann, M. Steinhäuser, Sal. Rothschild, Laz. Oppenheimer, Isaak Kaumheimer, Adolf Steinhäuser, Salomon Kraus, Justin Oppenheimer, Karl Iglauer, Heinrich Iglauer, Eduard Kupfer, Sal. Kohn sen., Emanuel Süssengut, Max Kohn, Alfred Thurnauer, Moriz Oppenheimer, S. K. Iglauer, Heinrich Pretzfelder, Leopold Lindner, Hermann Lindner, Mar Lauer, Sigmund Kupfer, Heinrich Kupfer, Ludwig Kupfer, David Löwel, Heinrich Bayer und Abraham Süssengut je 1 M., Hanne Fuchs, Rosette Kohn, Babette Oppenheimer, Flora Bamberger, David Kraft, Sophie Steinhäuser, Isack Fuchs, Adolf Banemann, Gottl. Bamberger, Simon Kraft, Sigmund Ehrenberger, Leopold Pretzfelder, Lehrer J. Löbenstern, Max Fleischmann und Rosa Thurnauer je 50 Pf.; Frankfurt a. M., A. Sulzbacher 50 Pf.; Hochstadt, A. Reuter 1 M.; Oberlangenstadt, A. Meyer und A. Marx je 1 M., S. Fleischmann jun. und M. Fleischmann je 70 Pf.; Redwitz, E. Gutmann, S. Kuh und H. Picktor je 1 M.; Weidnitz, Carl I. Bettmann, bei der Verlobung seiner Tochter 3 M.; Wüstensachsen, J. Weinberger 50 Pf. Zusammen 95 . M. 20 Pf. = 56 fl. 
Da Herr Gelbart sich bereit finden ließ, das Ehrenamt eines Spendensammlers für das Land Israel für Oberfranken aus unserer Hand entgegenzunehmen, werden die Gemeinden dieses Bezirks freundlichst gebeten, ihre Erez-Jisroeil-Gelder demselben zur Übermittlung an uns zuführen zu wollen."   

      
Ritualmordgerücht - Kaufmann Markus klagt gegen Witwe Pütterich / Petrich / Pettrich (1894 / 95) 
Anmerkung: der Familienname Pettrich oder Petterich ist in Burgkunstadt verbreitet  

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 28. September 1894: "Kronach, 24. September (1894). Der 'Fränkische Wald' zeigt wieder einmal deutlich, wie die Märchen von dem Ritualmord entstehen. Er schreibt: 'Welche Wirkung Verleumdung, Dummheit und Aberglaube erzielen können, hat sich in Burgkunstadt gezeigt. Ein siebenjähriger Knabe, Hans Pütterich, kam im vorigen Jahre eines Abends spät nach Hause und brachte zur Entschuldigung vor, der Kaufmann Bernhard Markus in Burgkunstadt habe ihn in seinen Laden gelockt, ihn eingesperrt, und erst der Kommis des Markus habe ihn auf sein Schreien befreit und ihn ausgelassen. Die Erzählung des Knaben ward weiter verbreitet, und in der ganzen Gegend von Burgkunstadt ist weit und breit jetzt das Gerücht, der Jude Markus in Burgkunstadt habe einen Christenknaben umbringen wollen. Erst hieß es nur, Markus habe den Jungen mit dem Messer bedroht, jetzt schon schon erzählt, er habe ihn an der Decke aufgehängt und ihm den Mund zugestopft, der Bader Ritz in Burgkunstadt sei dazu gekommen, habe den Buben schreien hören und ihm geholfen, als Markus demselben schon das Blut unter den Nägeln ausdrücken wollte. Man bezeichnet den Markus als zweiten Schächter zu Burgkunstadt, und ein Reisender fragte jüngst im Bahnhof daselbst: 'Brauchen die Juden keinen Buben zum Schächten?' Die Gendarmerie sah sich in Folge des allgemeinen Geredes veranlasst, Nachforschungen zu pflegen; der Knabe blieb auch zuerst auf seinen Behauptungen stehen; in das Haus des Markus geführt, konnte er aber den Keller oder ein solches Gelass, wo er eingesperrt gewesen sein sollte, nicht zeigen, gestand dann auch zu, dass er diese Geschichte nur erzählt habe, um sein verspätetes Nachhausekommen zu entschuldigen, behauptet aber nun, dass ein Schneider K.... ihm die Ausrede angelernt habe. Auch das hat sich als Lüge herausgestellt. So hat ein lügenhafter Junge so und so viel Leute düpiert. Die Vernünftigen haben freilich an das Märchen nicht geglaubt, aber die Dummen?"    
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30. November 1894: "Burgkunstadt, 27. November (1894). Wir haben seinerzeit berichtet, auf welche Weise das Märchen vom Ritualmord entstand; jetzt hat jener Fall seine allerdings merkwürdig gelinde gerichtliche Sühne gefunden. In der letzten Sitzung des Schöffengerichts zu Weismain wurde die Privatklagesache des Kaufmanns Markus von Burgkunstadt gegen die Witwe Petrich wegen verleumderischer Beleidigung verhandelt. Dieselbe hatte mehreren Personen gegenüber behauptet, Markus habe ihren Enkel Hans Petrich eingesperrt, woran sich die mitgeteilten ungeheuerlichen Gerüchte anknüpften. Gendarmerie-Kommandant Fikenschwer bekundete, dass der Knabe Hans Petrich seine Erzählung, er sei von Markus eingesperrt, bedroht und nur vom Kommis auf sein Schreien herausgelassen worden, worauf ihm Markus Kaffee und Brot gegeben, damit er nichts sage, - als unwahr und ihm angelernt widerrufen habe. Der jetzt in Ostpreußen wohnende Kommis des Markus hat brieflich erklärt, dass die ganze Geschichte erloben sei, und nach Aussage anderer Zeugen hat die Witwe Petrich anfänglich über die Erzählung ihres Enkels gelacht und ist erst später an antisemitischer Seite aufgehetzt worden. Der Frau Petrich wurde vom Schöffengericht ein Tag Gefängnis zuerkannt."       
 
Burgkunstadt Israelit 01041895.JPG (167209 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. April 1895: "Bayreuth, 25. Februar (1895). Wie Gerüchte über einen ‚Ritualmord’ entstehen können, davon gab die heutige Landgerichts-Verhandlung ein recht drastisches Beispiel. Ende August vorigen Jahres verbreitete sich in Burgkunstadt und Umgebung das Gerücht, der israelitische Kaufmann Bernhard Markus von Burgkunstadt habe den 11jährigen Knaben Hans Pettrich in seinen Laden gelockt, ihn dann in den Keller mitgenommen, an den Beinen aufgehängt und ihm den Mund verstopft. Als Markus dem Jungen den Hals abschneiden wollte, sei der Knabe wie durch ein Wunder von einem Dritten gerettet worden. Bernhard Markus wurde auf diese Sage hin gemieden, ja sein Geschäft litt ganz bedenklich darunter; es gab sich alle erdenkliche Mühe, den Verbreiter dieses infamen Gerüchtes zu entdecken und bat die Gendarmerie, ihm behilflich zu sein. Diese führte den Hans Pettrich in die Wohnung des Markus, damit er zeige, wo die Tat sich abgespielt habe. Der Knabe konnte dies aber nicht; nun gestand er zu, seiner Großmutter, der Witwe Margarethe Pettrich, das Märchen von seiner Gefangennahme und versuchten Tötung erzählt zu haben, um einen Entschuldigungsgrund für sein langes Umherstreunen zu haben. Trotzdem das ganze Lügengewebe des 11jährigen Knaben aufgedeckt war, glaubten die Leute doch, die Frau Pettrich sei mit 200 Mark und einem Anzug abgefunden worden, gegen Markus keine Anzeige zu erstatten. Frau Pettrich wurde deshalb von verschiedenen Personen interpelliert; sie entgegnete stets, sie habe von Markus nichts erhalten, aber Markus habe ihren Hans doch eingesperrt gehabt. Markus sah sich, im Interesse seines gefährdeten Rufes, veranlasst, gegen Frau Pettrich Klage wegen Beleidigung zu stellen. Das Schöffengericht Weismain erachtete die Beklagte auch der Beleidigung für schuldig und verurteilte sie mit Rücksicht auf die Schwere des Falles und den verursachten Schaden zu einer Freiheitsstrafe von 1 Tag Gefängnis. Die von Pettrich gegen dieses Urteil eingelegte Berufung hatte bezüglich des Schuldausspruches keinen Erfolg, dagegen wurde mit Rücksicht auf das straffreie Vorleben der Hochbetagten Frau statt der Freiheitsstrafe eine Geldstrafe von 10 Mark über die verhängt. Nun ist der Tatbestand über das Gerücht von dem 'Ritualmordversuch' in Burgkunstadt gerichtlich festgestellt. Und werden hoffentlich sich die Gemüter dort bald beruhigen."   

   
Rabbiner Dr. Goitein gratuliert dem Bamberger Erzbischof Dr. Joseph von Schork zum 70. Geburtstag (1899)  

Anmerkung: zum Bamberger Erzbischof: https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_von_Schork; er stammte aus Kleinheubach, wo er ein christlich-jüdisches Miteinander schon von Kindheit an erleben konnte. Zur "Affäre von Polna" siehe Artikel https://de.wikipedia.org/wiki/Fall_Hilsner.  

Artikel in "Dr. Bloch's österreichischer Wochenschrift" vom 15. Dezember 1899: "Burgkunstadt. Se. Excellenz, der Erzbischof von Bamberg, Dr. Joseph v. Schork beging kürzlich seinen 70. Geburtstag, zu dessen Feier sich die katholische Bevölkerung des Frankenlandes rüstete. Auch wir Israeliten dürfen an derselben den wärmsten Anteil nehmen; denn dieser edle Kirchenfürst hat die wahrhaft humane Gesinnung, die ihn auszeichnet, auch uns gegenüber allezeit betätigt. Als ich ihm hier vor einigen Jahren meine Aufwartung machte, sagte er unter Anderem, er betone es oft öffentlich bei feierlichen Anlässen, dass die Menschen nicht bloß Toleranz, d. h. Duldsamkeit (vom lat. tolerare) gegen einander üben sollen, dass sie vielmehr zur gegenseitigen Liebe ohne Unterschied des Bekenntnisses verpflichtet seien. Vor Kurzem ergriff ich die Gelegenheit zu einer längeren Unterredung mit Sr. Excellenz. die infolge der Affäre von Polna um sich greifende wahnwitzige Blutbeschuldigung zu berühren. Ich halte mich nicht für befugt, den Inhalt dieses bedeutsamen Gesprächs zu veröffentlichen, soviel aber darf ich wohl sagen, dass alle Äußerungen des hohen kirchlichen Würdenträgers von humanstem Geiste erfüllt waren, und dass er die durch die Blutlügner veranlasste gewissenlose Verhetzung weiter Bevölkerungskreise und Entfesselung niedriger Leidenschaften aufs entschiedenste verurteilte. Möge es dem hohen Jubilar vergönnt sein, noch lange in Kraft und Ge­sundheit seines hehren Amtes zu walten und möge an ihm auch fürder sich bewahren das Wort der heiligen Schrift: 'Der Gerechte blühet wie die Palme, wie die Zeder des Libanon gedeihet er' (Psalm 92, 13). Dr. E. Goitein, Distriktsrabbiner."  

      
Feier zum 100. Geburtstag von Samson Raphael Hirsch (1908)     

Burgkunstadt Israelit 30071908.jpg (50645 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Juli 1908: "Burgkunstadt, 21. Juli (1908). Auch unsere Gemeinde hatte eine Hirschfeier. An einem der letzten Sabbate nahm Herr Dr. Goitein die Gelegenheit wahr, dass Andenken S. R. Hirschs zu feiern. Er gab uns ein treffliches Bild seines Lebens und Wirkens und zeichnete ihn als einen unermüdlichen Kämpfer der Tora, als einen mit den seltensten und schärfsten Geistesgaben ausgerüsteten Verfechter unseres traditionellen Judentums. Herr Dr. Goitein legte es hauptsächlich der Jugend dringendst ans Herz, sich S. R. Hirsch zum Vorbilde zu nehmen und sich mit dessen Werken recht vertraut zu machen."

  
Erweiterung des Gebietes der Kultusgemeinde (1927)  

Burgkunstadt BayrGZ 09021927.jpg (95911 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 9. Februar 1927: "Bekanntmachung über die Erweiterung des Gebietes der Israelitischen Kultusgemeinden Altenkunstadt, Bayreuth, Burgkunstadt, Hof und Schwabach. 
Die nachstehend aufgeführten Kultusgemeinden haben beschlossen, ihr Gebiet wie folgt auszudehnen:
...
die Israelitische Kultusgemeinde Burgkunstadt auf den nördlich des Mains gelegenen Teil des Finanzamtsbezirks Weismain und die Gemeinden Neuses a.M., Zeitlitz, Hochstadt und Redwitz a.d. Rodach des Finanzamtsbezirks Lichtenfels, 
...
Es ergeht hiermit die Aufforderung an alle Religionsgenossen, die in den von der Ausdehnung betroffenen Gebieten wohnen oder unabhängig vom Wohnsitz steuerpflichtig sind, etwaige Einsprüche gegen die Gebietserweiterung bis spätestens 28. Februar 1927 bei dem Vorstand der betreffenden Kultusgemeinde schriftlich oder mündlich einzulegen. München, 4. Februar 1927. Dr. Neumeyer."

   
   
   
Aus der Geschichte des Rabbinates Burgkunstadt 
 
Übersicht:   Distriktsrabbiner in Burgkunstadt waren: 
1798 bis 1835: Löb Kips (Leb ben Schmul Kips / Löb Reckendorfer) (geb. 1756 in Reckendorf; gest. 1835 in Burgkunstadt)
1835 bis 1844: Leopold Stein (geb. 1810 in Burgpreppach; gest. 1882 in Frankfurt am Main)
1845 bis maximal 1878: Löw Traub (geb. um 1810 in Burgpreppach; gest. 1878 in Burgkunstadt)
1880 bis 1885: Dr. Siegmund Flaschner (geb. 13. September 1844 in Böhmisch-Leipa, heute Česká Lípa; gest. 3. September 1914 in Nürnberg  )
1886 bis 1896: Dr. Joseph Cohn (geb. 7. Dezember 1850, wechselte nach Eschwege; gest. 1948 in Jerusalem)
1897 bis 1914: Dr. Eduard Goitein (geb. 26. August 1864, gest. 6. März 1914)
 
Zum Tod von Rabbiner Löw Reckendorfer (1835) 
Anmerkung: Rabbiner Löb Reckendorfer (= Löb Kips bzw. Leb ben Schmul Kips) ist in Reckendorf 1756 geboren. Der alte Nachname "Kips" weist auf die Herkunft seiner Vorfahren aus Küps hin. Nach der "Dokumentation des jüdischen Friedhofs Reckendorf" vom Nicole Grom 2012 S. 20 (zu Grab 11: Bonla Gattin von Samuel Kips: vermutlich Mutter bzw. Eltern des Rabbiners Löb Reckendorfer). Reckendorfer war ab 1783 More zedek in Reckendorf, ab 1798 Rabbiner in Burgkunstadt, einer der beiden Unterrabbiner des Fürststifts Bamberg. Da er sich einer Rabbinerprüfung unterzogen hatte und diese bestand, konnte er nach den neuen Rabbinatsbestimmungen Rabbiner in Burgkunstadt bleiben. Reckendorfer starb nach dem Bericht unten von 1838 im Alter von 80 (und nicht 82) Jahren, was zum sonst angegebenen Geburtsjahr 1756 ungefähr passt.    

Artikel in der Zeitschrift "Das Füllhorn" vom 5. Februar 1835: "Nekrolog.
Am 8. Januar starb der sehr würdige Distrikts-Rabbiner Löw Reckendorfer zu Burgkunstadt, im Obermainkreise des Königreichs Bayern, in einem Alter von 82 Jahren. Derselbe war zu Reckendorf geboren, und begleitete früher die Vize-Rabbinerstelle bei der bambergischen Landjudenschaft bis zur Auflösung dieser Korporation. Er war ein ausgezeichneter gesetzkundiger Talmudist, führte ein äußerst frommes Leben und ward von jedem Biedermanne, der ihn kannte, geachtet und geliebt. Seiner amtlichen Wirksamkeit stand der Geist der Zeit entgegen, und er konnte nur im Stillen über die Gebrechen einer jüngeren Generation seufzen. — Friede Gottes umfahe seine Seele!"    

    
Wahl von Rabbiner Leopold Stein und Rückblick auf die Zeit von Rabbiner Reckendorfer (1835, Bericht von 1838)  
Anmerkung: Rabbiner Leopold Stein (geb. 5. November 1810 in Burgpreppach, gest. 2. Dez. 1882 in Frankfurt am Main) war Sohn des Rabbiners Abraham Stein und der Gella geb. Sußmann. Der Vater war Lehrer in Burgpreppach und seit 1816 Rabbiner in Adelsdorf. Leopold besuchte die Volksschule in Adelsdorf und erhielt Lateinstunden beim Ortspfarrer; mit 15 Jahren ging er zur Fürther Jeschiwa, mit 17 Jahren an das Gymnasium in Erlangen, dann Bayreuth und Würzburg (1832 Gymnasialabsolutorium). Studium in Würzburg, August 1834 Staatsprüfung in Bayreuth. 17. September 1835 Distriktsrabbiner in Burgkunstadt. Am 2. Mai 1839 in Oberlangenstadt Heirat mit Leonore Wertheimer (geb. 1820 in Mitwitz). 26. Dezember 1843 zum zweiten Rabbiner in Frankfurt am Main ernannt, wo er als Reformrabbiner 1844 die Orgel in der alten Frankfurter Synagoge installieren ließ. 23. März 1860 Einweihung der neuen Frankfurter Hauptsynagoge. Zum Herbst 1862 Niederlegung seines Amts. Stein gründete ein gut besuchtes Mädchenpensionat am Blittersdorfplatz. 1863 war er für ein Rabbinat an der Prager Meiselsynagoge im Gespräch, 1869 Prediger in Frankfurt am Main bei der liberalen 'Westend-Union', 1874 Bewerber in Nürnberg, 1880 Ruhestand.    

Rabbiner Dr. Stein blieb in Burgpreppach in besonderer Erinnerung. Zur Erinnerung an seinen 100. Geburtstag fand am 5. November 1910 in der Synagoge Burgkunstadt eine Gedenkfeier für ihn statt (siehe unten, vgl. Zeitschrift "Liberales Judentum" vom November 1910 S. 264; in dieser Nummer der Zeitschrift findet sich eine ausführliche Biographie "Leopold Stein. Zu seinem 100. Geburtstage: 5. November 1910" von Dr. Seligmann, Frankfurt am Main; hier ist zu lesen: "Mit 24 Jahren erhält er (L.St.) seine erste Anstellung als Rabbiner in der kleinen bayrischen Landgemeinde zu Burgkunstadt. Dort führt er fast das idyllische Leben eines protestantischen Landpfarrers. Intime Freundschaft verbindet in mit dem nachbarlich wohnenden Friedrich Rückert, dessen Einfluss auf sein poetisches Schaffen von großer Bedeutung ist...; der Beitrag von Dr. Seligmann ist als pdf-Datei eingestellt."

Mitteilung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. August 1838: "Das Bezirks-Rabbinat, zu welchem die sämtlichen jüdischen Gemeinden der erwähnten drei Landgerichte gehörten, war zu groß und zu weit ausgedehnt und wurde daher in 2 Rabbinats-Distrikte geteilt. Für den Distrikt Burgkunstadt, wozu auch Altenkunstadt und noch einige kleine Gemeinden im Landgerichte Weismain kamen, wurde der alte Rabbine Hr. L. Reckendorfer, nachdem er sich einem Examen unterworfen, aufs Neue bestätiget. Was demselben an gediegenen Wissenschaften und zeitgemäßer Bildung abging, das ersetzten dessen wahrhaft fromme, humane und tolerante Gesinnungen.
Das Kopulieren in der Synagoge, das Aufheben der Mizwot-Versteigerung; die Einführung eines geregelten Leichenbegängnisses; das dem Awal unter gewissen Modifikationen erlaubte Messen- und Märkte-Beziehen in den ersten 7 Trauertagen und dergleichen mehr. Dinge, deren Erlaubt- oder Nichterlaubtsein in neuester Zeit so viele Wirren und so viel theologisches und philosophisches Schreiben für und wider hervorrief — verdanket diese Gegend schon seit vielen Jahren, dem erwähnten, im Jahre 1835 in einem Alter von beinahe 80 Jahren, zu den Vätern Heimgegangenen frommen Manne (sc. Rabbiner Reckendorfer)! ...
Der Distrikt Burgkunstadt wählte an der Stelle des selig verlebten Herrn Reckendorfer den Herrn Leopold Stein (Anmerkung: Verfasser der metrischen Werke: Stufengesänge. Würzburg, 1834 und Königs Krone. Frankfurt a. M., 1838), welcher seine theologische Bildung auf der Universität Würzburg genoss. — Derselbe, als ausgezeichneter Kanzel-Redner und wahrer Geistliche in Wort und Tat, allenthalben geliebt und geachtet, erwarb sich schon in der kurzen Zeit seines Wirkens von kaum 3 Jahren außerordentliche Verdienste durch die Einführung eines geordneten und sehr erhebenden Gottesdienstes, mittelst Aufhebung unziemlicher nicht zeitgemäßer Gebete und profaner Gesänge und Einführung deutscher Lieder und geregelten Gesanges; ferner durch eine auf die feierlichste Weise alljährlich vorgenommenen Konfirmation mit der Jugend beiderlei Geschlechts; und dergleichen mehr."  

      
Aus der Zeit des Rabbiners Leopold Stein in Burgkunstadt (Artikel von 1841 sowie im Rückblick Artikel von 1910)
   

Burgkunstadt Israelit19Jh 11011841.jpg (26882 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit des 19. Jahrhunderts" vom 11. Januar 1841. Artikel zu einem der Werke von Rabbiner Leopold Stein, die noch in Burgkunstadt erschienen: "Gebete und Gesänge zum Gebrauche bei der öffentlichen Andacht der Israeliten. Oder: Bausteine zur Auferbauung eines veredelten Synagogengottesdienst. Erste Lieferung: Neujahr und Versöhnungstag. Herausgegeben von Leopold Stein (Rabbiner in Burgkunstadt). Erlangen, bei Ferdinand Enke. 1840".  
 
Aus einem Beitrag von Adolph Kohut: "Zur Erinnerung an Dr. Leopold Stein" in: "Allgemeine Zeitung des Judentums" vom 18. November 1910 über seine Zeit als Rabbiner in Burgkunstadt: "Im Jahre 1835 wurde Stein Rabbiner und Prediger zu Burg- und Altenkunstadt, zwei bedeutenden gewerbetätigen Orten in Oberfranken. Dort legte er auch praktisch den Grund zu seinen reformatorischen Bestrebungen auf dem Gebiete des Synagogenkultus, indem er dort sein liturgisches Werk 'Chissuk babbajith', welches Bausteine zur Reform in deutschen Gebeten und Liedern darbot, erscheinen ließ. Stein liebte es, insbesondere aus dem Schatze der vortrefflichen alten Synagogenmelodien die schönsten zu wählen und ihnen deutsche Texte unterzulegen.
Die berühmteste dieser Arbeiten ist die Übertragung der ergreifenden Tonweise, womit der Vorabend des Versöhnungstages (Kol-Nidre) eingeleitet wird. Die bezügliche alte Gebetsform ist nach unserem Empfinden für den Gottesdienst überflüssig, und hat sich Stein dadurch ein großes Verdienst erworben, dass er den alten Text verwarf, der herrlichen Melodie aber einen neuen unterlegte. Das ist die Hymne: 'O Tag des Herrn', welche bereits in zahlreichen deutschen und amerikanischen Synagogen eingeführt ist und die Steins Namen in der jüdischen Liturgie für immer erhalten wird." 
Anmerkung: Zu "O Tag des Herrn' - deutscher und englischer Text in opensiddur.org
 
Gebetbuch Leopold Stein von 1860 online https://mss.huc.edu/phpviewer/index.php?path=printed_material/KL_Stein_Leopold_(Gebetbuch_fur_Israelitische_Gemeinden_v_1,_1860)      

  
Rabbiner Leopold Stein ist über Burgkunstadt hinaus an einer anderen Stelle interessiert (1842) 

Anmerkung: Der im Text genannte Dr. Eduard Kley (1789-1867) war einer der Pioniere des Reformjudentums und leitete ab 1817 die Israelitische Freischule in Hamburg, wo er verschiedene Reformen durchführte. Seit 1818 war er der erste Prediger der Tempelgottesdienste in Hamburg. Er entwarf ein liberales Gebetbuch. Sein Nachfolger am Hamburger Tempel wurde 1840 Rabbiner Naftali Frankfurter. An dieser Stelle war offenbar auch damals schon (1840) Leopold Stein interessiert.1843 erhielt Leopold Stein einen Ruf nach Frankfurt, den er angenommen hat.
Links: https://de.wikipedia.org/wiki/Eduard_Kley  -  https://de.wikipedia.org/wiki/Naphtali_Frankfurter    

Artikel in der Zeitschrift "Der Orient" vom 26. März 1842: "Votum von Leopold Stein. Von dem Distriktsrabbiner zu Burgkunstadt, Herrn Leopold Stein, dem Dichter der 'Stufengesänge' und Verfasser einer Gebetsammlung, demselben, der vor fast zwei Jahren sich um die, durch den Abgang des Herrn Dr. Eduard Kley erledigte Stelle eines Predigers am neuen israelitischen Tempel bewarb, soll vor Kurzem ein Gutachten über das neue Tempelgebetbuch hier eingetroffen sein. Man ist auf die Veröffentlichung dieses Votums um so mehr gespannt, als Herr Stein sich nicht bloß die intelligentesten Mitglieder der hiesigen Gemeinde zu Freunden gemacht hat, sondern auch bei den Orthodoxen für einen Mann von entschiedener Frömmigkeit gilt. Es liegt daher nicht außerhalb aller Berechnung, dass Herr Stein einst zur Bekleidung einer Predigerstelle für den Fall berufen würde, wenn eine solche in einer hiesigen großen Synagoge begründet würde. Selbst die persönlichen Freunde des Herrn Dr. Frankfurter können übrigens nicht leugnen, dass, aller Wahrscheinlichkeit nach, der ganze jetzt herrschende ärgerliche und bedauernswerte Zwiespalt in der hiesigen Gemeinde vermieden worden wäre, wenn Herr Stein damals die Stimmen-Mehrheit erhalten hätte. Dass wir übrigens weit entfernt sind, den jetzigen Zustand der Dinge allein oder auch nur vorzugsweise dem Herrn Dr. Frankfurter zur Last zu legen, glauben wir nicht erst versichern zu dürfen."    
 
Anmerkung: zum neuen Hamburger Tempelgebetbuch hatten zahlreiche Rabbiner und Theologen ihre Gutachten abgegeben. In der Zeitschrift "Der Orient" vom 16. Juli 1842 S. 232 werden unter anderen aufgezählt: "Theologische Gutachten über das Gebetbuch nach dem Gebrauche des israelitischen Tempelvereines in Hamburg. (Enthält die Gutachten v. Dr. Joseph Aub, Rabbiner zu Bayreuth; Dr. Isaak Levin Auerbach in Berlin; Aaron Chorin, Rabbiner in Arad; Joseph Abraham Friedländer, Rabbiner zu Brilon im Herzogtum Westfalen, Dr. A. Geiger in Breslau; M. Gutmann, Rabbiner in Redwitz; Dr. S. Holdheim, Rabbiner zu Schwerin; A. Kohn, Rabbiner in Hohenems; Dr. J. Maier, Kirchenrat und Rabbiner zu Stuttgart; I. N. Mannheimer, Religionslehrer u. Prediger in Wien; Dr. L. Philippson, Prediger zu Magdeburg und Leopold Stein, Rabbiner in Burgkunstadt). Mit einer Einleitung (über das Tempelinstitut). Herausgegeben v. Dr. M. Fränkel. Hamburg 1842. 8. B. S. Berendsohn. S. 124."  
Zu einzelnen der genannten Rabbiner siehe die Wikipedia-Artikel:  https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Aub - https://de.wikipedia.org/wiki/Isaac_Levin_Auerbach  -   https://de.wikipedia.org/wiki/Aaron_Chorin  - https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Abraham_Friedländer  -  https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_von_Maier  -   https://de.wikipedia.org/wiki/Isaak_Mannheimer  

  
Ausschreibung der Rabbinerstelle (1844)  

Burgkunstadt AZJ 17061844.jpg (81353 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. Juni 1844: "Erledigte Rabbinatsstelle. Durch die Berufung des Herrn Rabbiner Stein als zweiten Rabbiner nach Frankfurt am Main ist die hiesige Distrikts-Rabbiner-Stelle in Erledigung gekommen.
Der fixe Gehalt beträgt jährlich 400 Gulden nebst den üblichen Akzidenzien.
Bewerber um diese Stelle haben ihre Fähigkeit durch legale Zeugnisse nachzuweisen, und solche binnen sechs Wochen an die unterzeichnete Kultusverwaltung franco einzuschicken, zugleich haben dieselben zu erklären, ob sie bereit sind, eine Probepredigt in deutscher Sprache hier abzuhalten.
Für Reise und andere Kosten wird nichts vergütet, nur derjenige, welcher diese Stelle seinerzeit erhält, hat Anspruch auf eine desfallsige Remuneration.
Die Zeit, wann diese Probepredigt abgelegt werden soll, wird den einzelnen Bewerbern besonders mitgeteilt werden.
Burgkunstadt in Oberfranken den 11. Juni 1844. Die Israelitische Kultus-Verwaltung." 

  
Ernennung von Rabbiner Löw Traub (1845)  

Anmerkung: Rabbiner Löw Traub ist um 1810 in Burgpreppach geboren; er war von 1845 bis zu seinem Tod 1878 Distriktsrabbiner in Burgkunstadt.  

Burgkunstadt AZJ 17021845.jpg (47891 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. Februar 1845: "Als Steins Nachfolger zu Burgkunstadt ist endlich, nach vielen Gastpredigten eingeladener Kandidaten, und nachdem die treffende Regierung diesem Unwesen durch Anberaumung eines kurzen Termins zur Wahl, ein Ende gemacht hatte, ein Herr Traub gewählt worden, der dem Vernehmen nach mit irdischen und geistigen Gütern begabt sein soll. Der Mann hat jedenfalls Glück in einer Gemeinde angestellt zu werden, in der man von den gewöhnlichen Plackereien des Rabbiners nichts weiß, und nicht in die Mitte zweier, schwer zu befriedigender Parteien gestellt ist!"  

  
Ausschreibung der Stelle des Rabbiners (1880)   

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 27. Januar 1880: "Erledigte Rabbiner-Stelle
Die Rabbinerstelle des Rabbinatsbezirks Burgkunstadt, umfassend die israelitischen Kultusgemeinden der Bezirksämter Lichtenfels und Kronach, mit dem Wohnsitze in Burgkunstadt, wird andurch zur Wiederbesetzung ausgeschrieben.  
Qualifizierte Bewerber um dieselbe wollen ihre Gesuche unter Anlage der erforderlichen Zeugnisse bis längstens 15. März dieses Jahres bei unterfertigter Verwaltung einreichen.  
Der vom Distrikte fixierte Jahresgehalt beträgt Mark 1.000, wozu von Staatswegen ein Teuerungszuschuss von Mark 540 kommt, wie solcher dem seitherigen Rabbiner geleistet wurde.  
Außerdem bezieht der aufzustellende Kandidat die nicht unerheblichen Akzidenzien und steht für denselben von Seite der Gemeinde Burgkunstadt ein Wohnungszuschuss in provisorischer Weise und die Möglichkeit größeren Verdienstes durch Privatunterricht in Aussicht. 
Burgkunstadt
, 18. Januar 1880. Die israelitische Kultusverwaltung. Pankratz Lang".    

  
Zum Tod des ehemaligen Rabbiners Leopold Stein (1882)   

Burgkunstadt Israelit 13121882.jpg (73009 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Dezember 1882: "Frankfurt am Main, 5. Dezember. Vorigen Samstag verstarb hier der bekannte Reform-Rabbiner, Herr Dr. Leopold Stein, im Alter von 72 Jahren. Derselbe, früher Rabbiner in Burgkunstadt in Bayern, wurde 1844 nach Frankfurt berufen, wo er allerlei radikale Reformen einführte, die im Jahre 1855 zur Trennung innerhalb der Gemeinde und zur Gründung der orthodoxen israelitischen Religionsgesellschaft Anlass haben. Zerwürfnisse mit seinem Vorstande ließen Herr Dr. Stein im Jahre 1862 von seinem Amte zurücktreten. Er gründete dann eine Pensionsanstalt für Mädchen, doch auch diese hatte keinen langen Bestand. – Stein war nicht ohne dichterische Begabung; seine Gedichtsammlung 'Stufengesänge' erfreute sich großer Beliebtheit."   

    
Zum Tod von Rabbiner Dr. Sigmund Flaschner (1914 in Nürnberg, war 1880/81 bis 1885 Rabbiner in Burgkunstadt)     
Anmerkung: Rabbiner Dr. Sigmund (Siegmund) Flaschner (geb. 1844 in Böhmisch-Leipa, heute Česká Lípa, gest. 1914 in Nürnberg): studierte am Rabbinerseminar und der Universität Breslau, Promotion in Halle; 1872/73-1881 Rabbiner und Religionslehrer am Gymnasium in Böhmisch-Leipa, heute Česká Lípa; 1880/81 bis 1885 Rabbiner in Burgkunstadt; 1885 bis 1911/12 Rabbiner in Bernburg an der Saale.       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. Oktober 1914: "Nürnberg, 16. Oktober (1914). ... - Am 2. dieses Monats wurde der frühere Rabbiner Dr. Sigmund Flaschner dahier zur letzten Ruhe bestattet. Der Dahingeschiedene war Rabbiner zuerst in seiner Heimat in Leipa in Böhmen, dann in Burgkunstadt und zuletzt lange Jahre in Bernburg. Seit drei Jahren zog er sich vom Amte zurück und lebte in Nürnberg bei seinem Sohne, der hier Rechtsanwalt ist. Rabbiner Dr. Flaschner war in allen Gemeinden, in denen er tätig war, außerordentlich beliebt und verehrt wegen seiner vortrefflichen Eigenschaften. Sein ganzes Leben war eine Kette der selbstlosesten Hingabe an Amt und Pflicht. In trefflichen Worten gedachte Herr Rabbiner Dr. Freudenthal des Heimgegangenen, während Herr Rabbiner Dr. Heilbronn demselben im Namen des Deutschen Rabbinerverbandes einen warm empfundenen Nachruf widmete."            


Ausschreibung des Rabbiner-Stelle (1886)   

Burgkunstadt AZJ 07091886.jpg (76971 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. September 1886: "Erledigte Rabbiner-Stelle. Die Rabbiner-Stelle des Rabbinats-Bezirks Burgkunstadt, welcher die israelitischen Kultusgemeinden der Bezirksämter Lichtenfels und Kronach umfasst mit dem Wohnsitze in Burgkunstadt wird andurch Wiederbesetzung ausgeschrieben. Qualifizierte Bewerber um dieselbe wollen ihre Gesuche unter Anlage der erforderlichen Zeugnisse bis längstens 15. Oktober diesen Jahres bei unterfertigter Verwaltung einreichen. Der vom Distrikte fixierte Jahresgehalt beträgt 1.000 Mark, ferner 300 Mark Teuerungszulage, 540 Mark Staatszuschuss, wie solcher dem seitherigen Rabbiner geleistet wurde. Außerdem bezieht der aufzustellende Kandidat die nicht unerheblichen Akzidenzien, von der Gemeinde Burgkunstadt einen Wohnungs-Zuschuss von 100 Mark in provisorischer Weise und steht ihm die Möglichkeit größeren Verdienstes durch Privat-Unterricht in Aussicht.
Burgkunstadt in Bayern, 20. August 1886.
Israelitische Kultus-Verwaltung. Salomon Rothschild."

  
Distriktsrabbiner Dr. Joseph Cohn wechselt nach Eschwege (1895)  

Burgkunstadt AZJ 13121895.jpg (21947 Byte) Meldung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. Dezember 1895: "Distriktsrabbiner Dr. Cohn in Burgkunstadt wurde neulich zum Rabbiner des Kreises und der Stadt Eschwege ernannt."

   
Wahl des Rabbiners Dr. Eduard (Ezechiel) Goitein (1896)  

Burgkunstadt Israelit 26101896.jpg (14241 Byte)Meldung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Oktober 1896: "Burgkunstadt, 22. Oktober (1896). Bei der heute stattgefundenen Wahl wurde Herr Dr. Goitein, seither in Marienbad, als Distrikts-Rabbiner gewählt." 
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30. Oktober 1896: "Die erledigte Stelle eines Distrikts-Rabbiners in Burgkunstadt wurde Herrn Dr. Goitein, seither in Marienbad, übertragen." 
 
Artikel in "Dr. Blochs österreichischer Wochenschrift" vom 30. Oktober 1896: "Marienbad. Seine Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. E. Goitein aus Marienbad ist, wie wir vernehmen, für die Bezirksämter Lichtenfels und Kronach des Königreiches Bayern zum Distriktsrabbiner mit dem Sitze in Burgkunstadt ernannt worden. Die Wahl erfolgte seitens sämtlicher Distriktsgemeinden, und zwar Altenkunstadt, Burgkunstadt, Kulmbach, Kronach, Lichtenfels, Redwitz, u. a. mit Stimmeneinhelligkeit. Wir gratulieren Herrn Dr. Goitein zu dieser Ernennung aufrichtig, da sich derselbe in der Zeit seines hiesigen Wirkens durch seine hervorragende Bildung, seine glänzende Rednergabe, seine hingebende Pflichttreue und insbesondere durch sein ernstes Streben, sein Amt ganz und voll auszufüllen, die Sympathien nicht nur aller objektiv urteilenden Mitglieder der hiesigen Kultusgemeinde, sondern auch aller Marienbad besuchenden Kurgäste in vollstem Maße erworben hat."  

  
Antrittspredigt von Rabbiner Dr. Goitein am 9. Januar 1897  

Burgkunstadt Israelit 18011897.jpg (64958 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Januar 1897: "Burgkunstadt. Vergangenen Samstag, den 9. Januar (Schabbat mit dem Toraabschnitt Bo) hielt der neu gewählte Distrikts-Rabbiner Herr Dr. E. Goitein, bisher Rabbiner in Marienbad, seine Antrittspredigt. Durch den I. Vorstand der Gemeinde Herrn Siegmund Kupfer und von einer Schülerin herzlichst begrüßt, bestieg Herr Dr. Goitein die Kanzel, dankte gerührt für die freundlichen Begrüßungsworte und erörterte sodann die Aufgabe des Seelsorgers in Israel, in einer äußerst geistreichen, selbständigen Rede, welche auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck machte. Die Gemeinde hat alle Ursache, sich über die gemachte Akquisition zu freuen, denn Herr Dr. Goitein hat sich wiederholt als gewandter und tüchtiger Kanzelredner gezeigt, der es besonders versteht, seine Zuhörer zu ergreifen und für die erhabenen Ideen des Judentums zu erwärmen und zu begeistern. Den Distriktsgemeinden gratulieren wir zu der getroffenen Wahl."  
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. Januar 1897:  
Ein fast identischer Bericht wie im "Israelit" erschien in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"        

   
Gedächtnisfeier zum 100. Geburtstag von Rabbiner Leopold Stein (1910)  

Burgkunstadt AZJ 18111910.jpg (50955 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. November 1910: "Burgkunstadt, 11. November (1910). Anlässlich der 100jährigen Geburtstagsfeier des am 2. Dezember 1882 in Frankfurt am Main verstorbenen Rabbiners Dr. Leopold Stein wurde vergangenen Samstag, den 5. dieses Monats eine Gedächtnisfeier in der hierzu festlich geschmückten Synagoge abgehalten. Herr Distriktsrabbiner Dr. E. Gierstein (falsch für: Goitein) schilderte in erhebender und zu Herzen dringender Weise das Wirken und Walter des Gefeierten während seiner Amtstätigkeit von 1835 bis 1844 in hiesiger Gemeinde. Die zahlreichen Teilnehmer waren von diesem Vortrage sichtlich gerührt, und wird unsere Gemeinde nach wie vor ihrem ehemaligen geistlichen Führer ein ehrendes Andenken bewahren."  

  
Tod von Distriktsrabbiner Dr. Ezechiel Goitein (1914)
    
Anmerkung: zur Familie siehe  https://de.wikipedia.org/wiki/Goitein_(Familie). Hieraus entnommen: Eduard Ezechiel Goitein (1864–1914), war verheiratet mit Frida Braunschweiger. Diese zog nach dem Tod ihres Mannes nach Frankfurt am Main und wohnte ganz in der Nähe ihres Schwagers Jacob Loeb Goitein. Ihren Tod im Alter von 48 Jahren vermeldete das Frankfurter Israelitische Familienblatt am 5. März 1920. Goitein besuchte von 1879 bis 1882 eine Jeschiwa, anschließend von 1884 bis 1891 das Gymnasium in Breslau. Von 1887 bis 1891 studierte er in Berlin und wurde 1891 in Halle promoviert. Seine Dissertation trug den Titel 'Das Vergeltungsprinzip im biblischen und talmudischen Strafrecht'. Parallel zu seinem Studium besuchte er ein Rabbinerseminar und wurde 1892 in Berlin ordiniert. Seine Stationen als Rabbiner waren: 1890–1892 Náchod, 1892–1897 Marienbad und 1897–1914 Burgkunstadt, wo er am 9. Januar 1897 seine Antrittspredigt hielt. Was Goiteins Abschied aus Marienbad aus zionistischer Sicht bedeutete, zeigt ein Artikel im Der Israelit: 'Als vor einigen Jahren Dr. Goitein aus Marienbad nach Burgkunstadt berufen wurde, haben die gesetzestreuen Juden seinen Rücktritt tief bedauert. Schon nach kurzer Zeit zeigte es sich, dass die Befürchtungen der Konservativen nur zu begründet waren. Unter der Wirksamkeit des neuen Rabbiners wurde die Orgel eingeführt und den sog. Reformen Tür und Thor geöffnet.' 
Die Kinder von Eduard Ezechiel und seiner Frau Frida:
Hugo Goitein (1897–1977): Laut einer Notiz im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 25. Juli 1919 befand er sich zu diesem Zeitpunkt noch in englischer Gefangenschaft, aus der er im Spätherbst 1919 nach Frankfurt zurückkehrte. Hugo Goiteins Name steht seit Anfang der 1920er Jahre statt des seiner Mutter unter deren Frankfurter Adresse im Adressbuch der Stadt, sein Beruf wird mit Kaufmann angegeben. Paul Arnsberg erwähnt ihn für das Jahr 1938 als ausgeschiedenes Mitglied der Gemeindevertretung, der er für die Jüdische Volkspartei angehört habe. In der Gemeindevertretersitzung vom 6. September 1938 wird als Grund seines Ausscheidens genannt, er sei ausgewandert.
Max Goitein (um 1897–1940)
Shlomo Dov Goitein (* 3. April 1900 in Burgkunstadt als Fritz Goitein; gest. 6. Februar 1985 in Princeton); im Juli 1929 heiratete er in Jerusalem Theresa Gottlieb (1899–1986), nach den Worten ihrer Tochter Ayala Gordon 'die erste professionelle Lehrerin für Rhythmik, komponiert aus hebräischen Kinderliedern in Palästina'.  Tochter Ayala Gordon war lange Jahre Leiterin und Kuratorin der Jugendabteilung des Israel-Museums in Jerusalem. Über ihr umfangreiches publizistisches Werk informiert der WorldCat.
Weitere Kontaktmöglichkeiten:  Eilon Goitein  und Ofra Rosner.      

Mitteilung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. März 1914: "In Burgkunstadt verstarb plötzlich Herr Distriktsrabbiner Ezechiel Goitein."       
 
Mitteilung in "Das jüdische Echo" vom April 1914  S. 47: "Burgkunstadt. Am 7. März ist Herr Distriktsrabbiner Dr. Ezechiel Goitein nach mehrjährigem Leiden verschieden. Wir verlieren mit ihm einen aufrichtigen Freund der zionistischen Bewegung. Noch zwei Stunden vor seinem Tode schrieb er an seinen ältesten Sohn: 'Ach, wenn ich doch nur die Gründung der Universität in Jerusalem erleben könnte. Soviel habe ich aber auch jetzt schon erlebt, dass die Juden ein jüdisches Volk bilden mit eigener Sprache, unserer alten, teuren hebräischen Sprache.'"    
  
Artikel in "Jüdische Rundschau" vom 3. April 1914: "Burgkunstadt. Am 27. März starb, allgemein betrauert, Herr Distriktsrabbiner Dr. E. Goitein. Als Sohn eines ungarischen Rabbiners, der noch auf seinem Totenbette das innigste Interesse am Gelingen aller zionistischen Angelegenheiten bezeugte, als Bruder eines leider nur allzu früh verstorbenen Rabbiners, der noch vor dein ersten Kongress in flammenden Worten innerhalb und außerhalb seiner Gemeinde die Herzen zum Zionismus führte, als Bruder endlich des Führers der zionistischen Bewegung in Frankfurt a. M. seit beinahe zwei Jahrzehnten, hat auch der Verblichene immer und immer seine heiße Liebe zum Zionismus bekundet. Er zeigte an allen patriotischen Festen, wie es sich wohl vereinbaren lasse, vaterländische und nationaljüdische Gefühle und Ideen zugleich zu hegen, und noch mehr betonte er bei jeder Gelegenheit, dass es vor allem Pflicht der Orthodoxie sei, als die ersten in den zionistischen Reihen zu kämpfen. Und so erzog er auch seine Kinder. Noch zwei Stunden vor seinem Tode schrieb er an seinen ältesten Sohn: 'Ach, wenn ich doch mir die Gründung der Universität in Jerusalem erleben könnte. Soviel habe ich aber auch jetzt schon erlebt, dass die Juden ein jüdisches Volk bilden mit eigener Sprache, unserer alten, teueren hebräischen Sprache.“"    

  
Abstammung Rabbiner Dr. Goteins (Artikel von 1914)  

Burgkunstadt Frf IsrFambl 27031914.jpg (27442 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 27. März 1914: "Burgkunstadt. Unser jüngst verstorbener Rabbiner Dr. Goitein war ein Enkel des berühmten Rabbi Jecheskel Banetz. Er amtierte erst fünf Jahre in Marienbad; als aber dort in der Synagoge Reformen eingeführt werden sollten, nahm er kurz entschlossen, die hiesige, materiell bedeutend ungünstigere Stelle an." 

  
Der Rabbinatsbezirk Burgkunstadt bleibt erhalten und wird künftig vom Distriktrabbiner in Bayreuth versorgt (1915) 

Artikel im "Israelitischen Familienblatt" vom 31. März 1915: "Kronach. (Rabbinatsbezirk.) Über das erledigte Rabbinat im Bezirk Burgkunstadt hat das bayerische Ministerium dahin entschieden, dass dieser Rabbinatsbezirk, der die Gemeinden Burgkunstadt, Altenkunstadt, Lichtenfels, Oberlangenstadt, Redwitz und Kronach umfasst, erhalten bleibt unter Übertragung der Mitversorgung an den Distriktsrabbiner Dr. Salomon in Bayreuth."    

       
Auflösung des Rabbinatsbezirkes Burgkunstadt (1936)    

Burgkunstadt BayrIsrGZ 15091936.jpg (170024 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. September 1936: "Aus der Gemeinde Bamberg. Sonntag, 23. August 1936 war ein bedeutungsvoller Tag für den Rabbinatsbezirk Bamberg. An diesem Tage vollzogen die noch übrigen Gemeinden des ehemaligen Rabbinatsbezirkes Burgkunstadt, nämlich Altenkunstadt, Burgkunstadt, Kronach, und Lichtenfels ihren Anschluss an das Rabbinat Bamberg. Dieses Rabbinat Burgkunstadt war seit 1915 durch den Rabbiner von Bayreuth verwest worden. Infolge der nunmehrigen Vereinigung der Rabbinatsbezirke Bayreuth und Regensburg und der Sitzverlegung des Rabbinats Bayreuth nach Regensburg hat es der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden für notwendig erachtet, dass dieselben sich einem näher gelegenen Rabbinate, nämlich dem Rabbinat Bamberg anschließen. Mit der Führung der erforderlichen Verhandlungen war die Israelitische Kultusgemeinde Bamberg betraut worden.
Am 23. August 1936 nun konnte der Vorsitzende der Gemeinde Bamberg, Rechtsanwalt Dr. Morgenroth, im Sitzungszimmer der Bamberger Synagoge die Vertreter der sämtlichen obengenannten Gemeinden, vor allem aber auch den Vertreter des Verbandes, Herrn Justizrat Dr. Oestreich, begrüßen. In über zweistündiger Verhandlung wurden die erforderlichen Beschlüsse gefasst, die mit Herrn Rabbiner Dr. Katten, der die neuen Gemeinden herzlich willkommen hieß, zu schließenden Verträge beraten, und eine Reihe gerade diese Gemeinden bewegender Fragen, wie Erteilung des Religionsunterrichtes in Kronach (1 Kind), Durchführung des Gottesdienstes an den Hohen Herbstfeiertagen, Förderung des Begräbnisvereins des Friedhofes Burgkunstadt usw. besprochen. In den Ausschuss des Rabbinatsbezirkes Bamberg wurde seitens der neu angeschlossenen Gemeinden Kaufmann Carl Kraus, Lichtenfels, entsandt. Am Nachmittag fand dann unter Vorsitz des Herrn Bezirksrabbiners Dr. Katten eine Versammlung der Vertreter sämtlicher Gemeinden des nunmehr vergrößerten Bezirkes statt. Herr Justizrat Dr. Oestreich erstattete ein Referat, in welcher er alle aktuellen Gemeindesorgen auf gottesdienstlichem, schulischem, steuerlichem, finanziellem Gebiete unter dem Gesichtspunkt der Konzentrationspolitik in äußerst wirkungsvoller, Dank und Beifall der Versammlung erntender Weise behandelte. In organisatorischer Hinsicht ergab die Beratung die Gründung einer Bezirkskasse, in welche die dem Rabbinat angeschlossenen Gemeinden des Bezirkes ihren Anteil am Rabbinergehalt einzahlen."    

   
   
   
Aus der Geschichte der Lehrer / Vorbeter / Schächter    
Ausschreibung der Vorsängerstelle (1847)
  

Burgkunstadt AZJ 12071847.jpg (58437 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. Juli 1847: "Bekanntmachung. Die hierorts in Erledigung gekommene Vorsängerstelle, mit welcher ein fixer Gehalt von 175 Gulden und außer freier Wohnung noch mehrere Akzidenzien verbunden sind, soll sofort durch einen musikalisch gebildeten, unverheirateten Schuldienstkandidaten, der durch vielfache Gelegenheit zum Privatunterrichte eine sehr gute und freundliche Existenz sich verschaffen, und dem eventuell seinerzeit eine Lehrerstelle übertragen werden kann, provisorisch wieder besetzt werden. Bewerber um die Stelle haben ihre Gesuche mit beigefügten Befähigungs- und Leumundszeugnissen binnen vier Wochen dato frankiert einzusenden.
Burgkunstadt in Oberfranken, am 27. Juni 1847.
Die israelitische Kultusgemeinde."

    
Ausschreibungen der Stelle des Schochets und Gemeinde-/Friedhofdieners 1883 und 1887  

Burgkunstadt AZJ 22101883.jpg (60025 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. Oktober 1883: "Vakanz. In hiesiger Gemeinde ist die Stelle eines Schochets, Gemeinde- und Begräbnisvereinsdieners per 1. Januar 1884 zu besetzen, die einem tätigen Manne ein lohnendes Einkommen sichert.
Es werden jedoch nur solche Bewerber berücksichtigt, die die Befähigung haben, aushilfsweise den Vorsängerdienst mit versehen zu können.
Hierauf Reflektierende wollen sich gefälligst unter Vorlage der Zeugnisse binnen längstens vier Wochen mit unterfertigter Kultus-Verwaltung ins Benehmen setzen. 
Burgkunstadt (Bayern), 14. Oktober 1883. Israelitische Kultus-Verwaltung. Salomon Rothschild".
   
Burgkunstadt Israelit 23061887.jpg (75061 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Juni 1887: "Vakanz. In hiesiger Gemeinde ist die Stelle eines Schochet, Gemeinde- und Begräbnis-Vereins-Dieners mit einem Gehalt von Mark 800 zu besetzen, die aber noch sehr viele Nebenverdienste abwirft und einem tätigen Manne ein lohnendes Einkommen sichert. Es werden jedoch nur solche Bewerber berücksichtigt, die den Vorsängerdienst aushilfsweise mit versehen können. Der Eintritt kann sofort erfolgen. Spesen werden nur dem vergütet, auf den die Wahl fällt. Reflektierende wollen sich unter Vorlage der Zeugnisse an die unterfertigte Kultus-Verwaltung wenden. Burgkunstadt, am 10. Juni 1887. Israelitische Kultus-Verwaltung. Felheim."  

    
Schochet (Schächter) gesucht (1893)  

Burgkunstadt Israelit 23091897.jpg (27132 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. September 1897: "Schochet auf einige Monate vom 20. Oktober ab zur Aushilfe gesucht. Offerten an H. Herrmann, Burgkunstadt."

    
Ausschreibung der Stelle des Schochets und Gemeinde-/Friedhofdieners (1901)  
Anmerkung: Die Stelle wurde sowohl in der konservativ-orthodoxen Zeitschrift "Der Israelit" als auch in der liberalen "Allgemeinen Zeitung des Judentums" ausgeschrieben.    

Burgkunstadt Israelit 17011901.jpg (109267 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Januar 1901: "Vakanz. In hiesiger Gemeinde ist die Schochet-Stelle, mit welcher der Gemeinde-Distrikt- und Friedhofdiener-Dienst verbunden ist, per 1. April diesen Jahres wieder zu besetzen. Es werden jedoch nur solche Bewerber berücksichtigt, die die Befähigung haben, als Aushilfs-Vorbeter zu fingieren, und sich einem Probe-Vortrag unterziehen. 
Dem Gewählten, dem nur die Reisespesen vergütet werden, garantiert die unterfertigte Kultus-Verwaltung einen fixierten Gehalt von 900 Mark, der durch ein ungarantiertes Nebeneinkommen, besonders durch Beschaffung der Leichensteine sich bedeutend erhöht und einem tätigen Mann ein lohnendes Einkommen sichert.
Geeignete Bewerber wollen ihre mit beglaubigten Zeugnisabschriften versehenen Gesuche, nebst Angabe ihrer Personalverhältnisse bis 15. Februar diesen Jahres an unterfertigte Kultusverwaltung einsehen.
Burgkunstadt in Bayern, 12. Januar. Israelitische Kultus-Verwaltung: Salomon Rothschild". 
 
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Oktober 1901: "Vakanz
In hiesiger Gemeinde ist die Schochet-Stelle
mit welcher der Gemeinde-Distrikt und Friedhofdiener-Dienst verbunden ist, per 1. April dieses Jahres wieder zu besetzen. Es werden jedoch nur solche Bewerber berücksichtigt, die die Befähigung haben, als Aushilfs-Vorbeter zu fungieren und sich einem Probe-Vortrag unterziehen. 
Dem Gewählten, dem nur die Reisespesen vergütet werden, garantiert die unterfertigte Kultus-Verwaltung einen fixierten Gehalt von 900 Mark, der durch 3ein ungarantiertes Nebeneinkommen, besonders durch Beschaffung der Leichensteine, sich bedeutend erhöht und einem tätigen Manne ein lohnendes Einkommen sichert. 
Geeignete Bewerber, wollen ihre mit beglaubigten Zeugnisabschriften versehenen Gesuche, nebst Angabe ihrer Personal-Verhältnisse bis 15. Februar dieses Jahres an unterfertigte Kultus-Verwaltung einsehen.  
Burgkunstadt in Bayern, 12. Januar 1901. Israelitische Kultus-Verwaltung. Sal. Rothschild."    

 
Ernennung des Lehrers Jonas Löbenstern zum Hauptlehrer (1907, Lehrer in Burgkunstadt von 1864 bis 1913)  

Anmerkung: Jonas Löbenstern ist am 23. Januar 1844 in Wüstensachsen geboren und am 19. Juli 1936 in Würzburg gestorben (s.u.).  

Burgkunstadt Israelit 03011907.jpg (34431 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Januar 1907: "Burgkunstadt, 1. Januar (1907). Unserem langjährigen Lehrer und Kantor, Herrn J. Löbenstern, wurde anlässlich der Neujahresauszeichnungen von Seiner königlichen Hoheit dem Prinzregenten Luitpold der Ehrentitel ‚Hauptlehrer’ verliehen und ist diese Auszeichnung auch für die israelitische Gemeinde umso erfreulicher, als er bei seinem 25jährigen Dienstjubiläum schon von dem hiesigen Stadtmagistrate zum Ehrenbürger der Stadt ernannt worden ist."


Auszeichnung des Lehrers Jonas Löbenstern mit dem Luitpoldkreuz (1911)  

Burgkunstadt Israelit 05101911.jpg (24801 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Oktober 1911: "Burgkunstadt, 10. September (1911). In feierlicher Weise fand heute die Übergabe des Luitpoldkreuzes an den Hauptlehrer Herrn Jonas Löbenstern durch den Königlichen Bezirksamtmann Herrn Dr. Roth von Lichtenfels in der Rathauskanzlei dahier statt."
  
Burgkunstadt FrfIsrFambl 29091911.jpg (26277 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 29. September 1911: "Burgkunstadt. Hauptlehrer Jonas Löbenstern, der seit 47 Jahren die hiesige siebenklassige jüdische Elementarschule in mustergültiger Weise als einziger Lehrer leitet, erhielt das Luitpoldkreuz."
 
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 29. September 1911: "Burgkunstadt, 22. September (1911). In feierlicher Weise erfolgte am vorletzten Sonntag die Übergabe des Luitpoldordens an den Hauptlehrer Herrn Jonas Löbenstern durch den königlichen Bezirksamtmann Herrn Dr. Roth in der Magistratskanzlei dahier. Herr Bezirksamtmann Dr. Roth feierte in kernigen Worten den Jubilar als vorzüglichen Schulmann, der es verstanden hat, sowohl mit der Kultus- als auch mit der Stadtgemeinde im besten Einvernehmen zu leben, der nahezu 47 Jahre an einer und derselben Schule seine Tätigkeit entfaltete, dessen aus sieben Klassen bestehende Schule, deren Unterricht diesem Lehrer allein obliegt, bei der Königlichen Regierung als eine der besten bekannt ist. - Herr Hauptlehrer Löbenstern dankte sichtlich gerührt für diese hohe Ehrung, verband damit den Wunsch, seinen Dank auch an die höchste Stelle gelangen zu lassen und erflehte zum Schlusse Gottes Segen auf den allgeliebten Prinzregenten und das Königliche Haus. - Der Vertreter der königlichen Lokalschulinspektion, Herr Stadtkaplan Männlein, feierte Herrn Hauptlehrer Löbenstern als hervorragenden Jugendbildner, der es verstand, sich die Liebe und Achtung aller seiner Mitbürger ohne Unterschied zu erwerben. - Herr Distriktsrabbiner Dr. E. Gotein schilderte den Geehrten als Lehrer und Kantor, der seine Pflichten nach beiden Richtungen stets auf das gewissenhafteste erfüllte. - Herr Kultusvorstand Moritz Lonnerstädter stattete im Namen der Kultusgemeinde dem Dekorierten die innigsten Glückwünsche ab, schilderte das gute Einvernehmen zwischen Lehrer und Gemeinde, sowie die allseitige Achtung Löbensterns seitens seiner Mitbürger, betonend, dass mit dessen Ehrung nicht nur dieser, sondern auch die Kultusgemeinde sich geehrt fühle und stolz darauf sei, einen so würdigen und verdienten Beamten so viele Jahre in ihrer Mitte wirken zu sehen. Der Redner schloss mit einem dreifachen Hochruf auf Seine Königliche Hoheit den Prinzregenten Luitpold und das Königliche Haus, in den die Festteilnehmer begeistert einstimmten. Zum Schlusse gratulierte Herr Bürgermeister Kerling in kurzen und herzlichen Worten namens der Stadtgemeinde".    

  
Zur Verabschiedung von Lehrer Jonas Löbenstern (1913)  

Burgkunstadt AZJ 14111913.jpg (206130 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. November 1913: "Burgkunstadt, 7. November (1913). Das war eine herzliche Abschiedsfeier, welche die hiesige israelitische Kultusgemeinde zu Ehren ihres in den wohl verdienten Ruhestand getretenen Hauptlehrers Herrn J. Löbenstern am verflossenen Samstag im Saale des Hotels Stern veranstaltete. Die Räume konnten die so zahlreich erschienenen Festgäste kaum fassen. Nachdem die wichtigen Akkorde der 'Opernphantasie' über den 'Freischütz' verklungen waren, ergriff der Kultusvorstand, Herr M. Lonnerstädter, das Wort, um die Festgäste aufs herzlichste zu begrüßen und die Verdienste zu feiern, die sich Herr Hauptlehrer Löbenstern während seiner 49jährigen Dienstzeit in Schule und Gemeinde erworben hat. Er betonte, dass Herr Löbenstern seine gesamte Dienstzeit in Burgkunstadt verbrachte; eine Tatsache, die für sich selbst spricht und dem Lehrer sowohl als auch der Gemeinde das schönste Zeugnis ausstellt. Eine von der Kultusgemeinde gestiftete Ehrengabe in Form eines kostbaren Klubsessels wurde dem Gefeierten am vorhergehenden Tage bereits überbracht. Erhebend und ergreifend waren die schlichten Worte des Prologs, gesprochen von der Schuljugend, die ihrem treuen Lehrer auch für die Zukunft den Segen Gottes wünscht und als äußeres Zeichen ihres Dankes einen prächtigen Blumenstrauß überreichte. Herr Stadtpfarrer und Königlicher Distriktsschulinspektor Frohnhöfer rühmte den Mustererzieher und den vorzüglichen Stand der israelitischen Schule, die unter Herr Löbensterns Leitung stets zu den besten des Bezirks gehörte, insbesondere das gute Einvernehmen unter den verschiedenen Konfessionen der hiesigen Stadt hervorhebend, wozu in erster Linie auch der Gefeierte beigetragen hat. Herr Bürgermeister Agath schilderte in kernigen Worten die liebenswürdige Art und den versöhnlichen, friedfertigen Sinn des ergrauten Schulmannes, der sich solch großer Beliebtheit erfreut und dem mit vollem Recht vor nahezu 25 Jahren die höchste Würde, die die Bürgerschaft zu vergeben hat - das Ehrenbürgerreicht - verliehen wurde. Herr Distriktsrabbiner Dr. Goitein sprach von dem - nach talmudischer Auffassung - kostbarsten Kleinode, auf dessen Besitz sein 'Freund Löbenstern' stolz sein kann: 'Er hat sich einen guten Namen erworben!' Im Auftrage der früheren Schüler des Gefeierten widmete Herr M. Krauß dem treuen und hoch geschätzten Jugendbildner warme Worte des Dankes und der Anerkennung. Herr Kultusvorstand Lonnerstädter überreichte nun unter einer kurzen Ansprache die kostbare, künstlerisch ausgeführte Urkunde über die vor kurzem erfolgte Ernennung zum Ehrenmitglied der israelitischen Gemeinde und brachte ein Hoch auf den Landesfürsten aus, in das alle Festteilnehmer einstimmten und die Nationalhymne stehend absangen. Bewegt dankte Herr Hauptlehrer Löbenstern für die ihm in so reichem Maße erwiesenen Ehrungen und gab die Versicherung, dass er auch künftig seinem einstigen Wirkungskreise treu bleiben werde."

  
Zum Tod von Lehrer Jonas Löbenstern (1936 in Würzburg)  

Wuestensachsen BayrIsrGZ 15091936.jpg (111381 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. September 1936: "Jonas Löbenstern seligen Andenkens. In der vorletzten Juliwoche, gerade in den neun Trauertagen, wurden uns drei liebe und geschätzte Kollegen durch den Tod entrissen. Am 19. Juli, am Tage unserer diesjährigen Mitgliederversammlung, verschied in Würzburg im 93. Lebensjahre der Senior unseres Vereins, Hauptlehrer a.D. Jonas Löbenstern. Der Heimgegangene war am 23. Januar 1844 in dem ehemals bayerischen Rhöndorfe Wüstensachsen geboren. Nachdem er die erste Vorbereitung für seinen künftigen Beruf bei sogenannten Vorbereitungslehrern in Hersfeld und Unsleben erhalten hatte, besuchte er das Königliche Schullehrerseminar in Bamberg, das er als Zwanzigjähriger im Juli 1864 absolvierte. Schon wenige Monate hernach erhielt er seine erste Anstellung als Lehrer der jüdischen Volksschule in Burgkunstadt, zunächst als Verweser, dann nach sechsjähriger Dienstzeit als definitiver Lehrer. Er wirkte in dieser einst sehr stattlichen Gemeinde über 48 Jahre als Erzieher und Lehrer, wie als Berater und Betreuer seiner Gemeindeglieder, wie über diesen Kreis hinaus als Freund und Helfer aller. Die hohe Anerkennung, die ihm in der Gesamtbürgerschaft der Stadt gezollt ward, fand ihren sichtbaren Ausdruck, als er anlässlich seines 25-jährigen Dienstjubiläums zum Ehrenbürger der Stadt ernannt wurde. Bei der Beerdigung, die unter überaus zahlreicher Beteiligung stattfand, schilderte Bezirksrabbiner Dr. Hanover in beredten Worten das eine ganze historische Entwicklung umspannende Leben des Dahingeschiedenen, sein reiches Wirken wie seine kraftvolle und zugleich von hoher Liebenswürdigkeit getragene Persönlichkeit. Namens des Vereins sprach der aus Anlass unseres Fortbildungskurses in Würzburg weilende 1. Vorsitzende Worte des Dankes und herzliches Verbundenheit."    

   
Ausschreibung der Stelle des Vorbeters und Schochets (1920)  

Burgkunstadt Israelit 25031920.jpg (71117 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. März 1920: "Die Stelle eines Vorbeters, Bal Tokia (Vorbeters) und Schochets ist in hiesiger Gemeinde sofort zu besetzen. Mit diesem Amt ist noch der Posten eines Friedhofaufsehers verbunden. Es wird ein Fixum von 5.000 Mark und freie Wohnung gewährt. Aufnahme in den bayrischen Versorgungsverband wird in Aussicht gestellt Nebeneinnahmen sind vorhanden. Stimmbegabte, streng religiöse Reichsangehörige und Kaboloh von orthodoxen Rabbinern, und nur solche, die eigenen Haushalt führen, belieben Bewerbungen einzusenden an die Israelitische Kultusverwaltung Burgkunstadt (Oberfranken)."

  
25-jähriges Dienstjubiläum des Lehrers Ignaz Steinbock (1930)  

Anmerkung: Ignaz (Ignatz) Steinbock ist am 29. September 1868 in Lubranek im ehemaligen Kreis Leslau (heute polnisch Lubraniec, siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Gmina_Lubraniec geboren. Er war zuerst Lehrer, Kantor und Schochet in Malchow ("Statistisches Jahrbuch deutscher Juden" 1905 S. 113), seit 1905 Lehrer der jüdischen Gemeinden Burgkunstadt (wohnhaft im jüdischen Schulgebäude in der Kulmbacher Straße 100) und Altenkunstadt. Er war verheiratet mit Samuela geb. Bauer, mit der er die Töchter Elisabeth (Betty, geb. 13. Juni 1902 in Malchow) und Agnes (geb. 11. August 1907 in Burgkunstadt) hatte. Zu seiner weiteren Lebensgeschichte siehe Flyer "Von Burgkunstadt deportiert - Ignaz Steinbock" (eingestellt als pdf-Datei), Quelle: https://stolpersteine.lichtenfels.de/ausstellung-da49-da512-zuege-in-den-tod Rollup 12). Er ist nach der Deportation 1942 in das Ghetto Theresienstadt am 19. Februar 1943 umgekommen. 

Burgkunstadt Israelit 19091930.jpg (20638 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. September 1930: "Am 1. November (1930) begeht Kollege I. Steinbock in Burgkunstadt (Oberfranken) das 25-jährige Ortsdienstjubiläum. Wir wünschen dem Kollegen, der sich großer Beliebtheit erfreut und sich in bester Gesundheit befindet, auch ferner alles Gute."  
 
"Todesfallanzeige" im Ghetto Theresienstadt (Quelle) von Ignaz Steinbock, umgekommen am 19. Februar 1943.  

   
   
   
Aus der Geschichte des rituellen Bades und der Schule  
Das rituelle Bad wird neu eingerichtet (1897)  

Burgkunstadt Israelit 27121897.jpg (41437 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Dezember 1897: "Burgkunstadt, im Dezember (1897). Dank der vielen persönlichen und materiellen Opfer ist es unserm verehrten Herrn Rabbiner Dr. Goitein gelungen, ein rituelles Frauenbad wieder ins Leben zu rufen, Wer da weiß, wie viele Hindernisse und Schwierigkeiten hierbei zu bekämpfen, welche Vorurteile aus dem Wege zu räumen waren, der wird Herrn Dr. Goitein die Anerkennung für Erreichung des vorgestreckten Zieles nicht versagen."

  
Klärung der Finanzierung der Schulumlage zwischen Stadtgemeinde und israelitischer Gemeinde 1909  

Burgkunstadt Israelit 21101909.JPG (155445 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" von 21. Oktober 1909: "Burgkunstadt, 15. Oktober (1909). Der zwischen der hiesigen Stadtgemeinde und den Mitgliedern der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde seit langem bestehende Streit, ob letztere verpflichtet sei, an den Schulumlagen für die dortigen öffentlichen Volksschulen teilzunehmen, ist nun zu Gunsten der letzteren entschieden worden. Die städtischen Kollegien hatten, wie schon früher des Öfteren, auch in den Jahren 1903 und 1904 wieder beschlossen, zur Deckung der Bedürfnisse der Volksschulen Schulumlagen mit 90 und 60 Prozent zu erheben, die Aufsichtsbehörde genehmigte auch die Voranschläge für 1903 und 1904 und eine Ausscheidung der Umlagen für die christlichen und für die israelitische Schule wurde von keiner Seite beantragt, obgleich in Burgkunstadt eine israelitische Schule besteht, die aus den eigenen Mitteln der dortigen israelitischen Kultusgemeinden unterhalten wird. Nachtäglich verlangten nun diese von der Stadt die Rückerstattung der von ihnen in den Jahren 1903 und 1904 erhobenen Schulumlagen, indem sie sich auf Art. 3 Abs. 2 des Schulbedarfsgesetzes von 1902 stützten. Dieser Artikel bestimmt, dass Angehörige eines Bekenntnisses, die aus eigenen Mitteln eine Schule ihrer Religion oder Konfession unterhalten, zu den im Sprengel dieser Schule angelegten Steuer-Umlagen für Zwecke öffentlicher Volksschulen nichts zu entrichten haben. Der Stadtmagistrat Burgkunstadt verweigerte die Rückzahlung dieser Umlagen, das Bezirksamt Lichtenfels erklärte aber mit Beschluss vom 29. Februar 1908 die Stadtgemeinde Burgkunstadts zur Rückerstattung für verpflichtet, die oberfränkische Regierung verwarf die hiergegen vom Stadtmagistrat Burgkunstadt erhobene Beschwerde, und auch die letztinstanzliche Beschwerde wurde vom Verwaltungsgerichtshof verworfen. Derselbe erachtete die Voraussetzungen des Art. 3 Abs. 2 im vorliegenden Fall für gegeben." 
   
Burgkunstadt FrfIsrFambl 27081909.jpg (91197 Byte)Artikel im Frankfurter Israelitischen Familienblatt vom 27. August 1909: "Burgkunstadt. Rückzahlung von Schulunterhaltungskosten. Trotzdem die hiesige Kultusgemeinde seit 1852 eine Elementarschule aus eigenen Mitteln unterhält, wurden die Israeliten auch zur Unterhaltung der christlichen Volksschulen mitherangezogen. 
Auf Grund Art 3 Abs. 2 des Schulbedarfsgesetzes vom 28. Juli 1902 erhob der Kultusvorstand, Moritz Lonnerstädter, gegen diese unbillige, unberechtigte und ungesetzliche Besteuerung Beschwerde und verlangte vom Stadtmagistrate, den Bedarf für die christlichen Schulen durch Sonderumlagen unter Ausschluss der Israeliten zu erheben, was jedoch abgelehnt wurde. 
Infolgedessen wurde das verwaltungsrechtliche Verfahren eingeleitet. Das Königliche Bezirksamt in Lichtenfels und infolge eingelegter Berufung die Königliche Regierung von Oberfranken in Bayreuth und auch der Königliche Verwaltungsgerichtshof in München, als höchste Instanz, entschieden zu Gunsten der hiesigen Israeliten und die Stadtgemeinde wurde zur Rückzahlung der für Schulzwecke seit 1903 zuviel erhobenen Gemeindeumlagen verurteilt."
 

     
     
     
Aus der Geschichte der Vereine / Stiftungen  
Zum 50jährigen Bestehen des Israelitischen Frauenvereines (1905)
  

Burgkunstadt AZJ 22121905.jpg (145887 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. Dezember 1905: "Burgkunstadt, 24 November (1905). Am 20. dieses Monats fand die Feier des 50jährigen Bestehens des Israelitischen Frauenvereins in den Räumen des Hotel Stern statt. Nach Vortrag eines Jubiläumsmarsches betrat der Gatte der Vorsteherin Frau Ida Rothschild das Podium zu einer Begrüßungsansprache, die wir leider wegen großen Raummangels nicht bringen können, von der wir aber sagen dürfen, dass sie in Inhalt und Form gleich vortrefflich war. Nach dieser Ansprache folgte eine Musikpiece, dann trug Alice Thurnauer schön und wirkungsvoll einen poetischen Prolog vor. Sodann hielt Rabbiner Dr. Goitein die Festrede, worin er, an die Samstag-Sidra anschließend, ausführte, dass schon immer im Judentum die Gastfreundschaft und Wohltätigkeit gepflegt und dass auch hier die bereits durch den Vorredner dargelegten Ziele ihre Förderung fänden. Nachdem er noch einen Rückblick auf die Geschichte des Vereins geworfen, führte er den Vorstandsbeschluss aus, die noch lebenden drei Gründungsmitglieder Klara Thurnauer, Nürnberg, Sarah Pretzfelder, Nürnberg, Amalie Pretzfelder, hier durch Überreichung von Diplomen als Ehrenmitglieder auszuzeichnen. Durch eine Deputation wurde das Diplom an Frau Amalie Pretzfelder überreicht, während die beiden anderen Diplome den Betreffenden zugesandt wurden. In Würdigung der Verdienste, die sich Frau Ida Rothschild als erste Vorsteherin und Frau Lina Thurnauer als Kassiererin für ihre 28jährige Dienstleistungen erworben, überreichte Rabbiner Dr. Goitein, deren eifriges Walten besonders hervorhebend, jeder der beiden Damen das Diplom als Ehrenmitglied, worauf Frau Rothschild für die Ehrung dankend erwiderte. Hierauf wurde von Schulkindern ein kleiner Schwank ‚Riekchen Blaustrumpf’ meisterhaft aufgeführt. Ebenso fand das von Herrn Silbermann vorgetragene Kuplet Anklang, dem sich ein Singspiel, ‚Die musikalische Kochschule’, anschloss, das ebenfalls allseitigen Beifall fand. Lehrer Löbenstern unterzog sich der Aufgabe, dem Protektor alles Edlen und Guten, unserem Prinzregenten, ein Hoch auszubringen, dem die Prinzregenten-Hymne folgte. In heiterer Geselligkeit, mit Aufführungen und Tanz, schloss das schöne Fest, dessen würdiger Verlauf allen zur Ehre gereicht, die sich darum bemüht haben."

 
Anzeige der Koppel Henoch'schen Wohltätigkeitsstiftung 1907 (bestand seit 1783)  

Burgkunstadt Israelit 18071907.jpg (38247 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Juli 1907: 
"Koppel Henoch’sche Wohltätigkeitsstiftung Burgkunstadt. 
Aus genannter Stiftung, seit 1783 bestehend, werden Präbenden an bedürftige Arme, Bräute und Studierende, welche mit dem Erblasser verwandt, gewährt. Gesuche sind mit den amtlichen nachweisen versehen, anher zu richten.
Burgkunstadt, 23. Juni 1907. 
Israelitische Kultus-Verwaltung. Moritz Lonnerstädter, Kultusvorstand."

  
  
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  
Zum Tod der über 100jährigen Fanny Friedmann (1878)      

Burgkunstadt Israelit 05061878.JPG (84598 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Juni 1878: "Burgkunstadt, 19. Mai (1878). Das ‚Lichtenfelser Tagblatt’ berichtet: In vergangener Nacht verschied dahier die israelitische Witwe Fanny Friedmann in einem so hohen Alter, dass dasselbe nicht mit Bestimmtheit angegeben werden kann. Die maßgebenden Ansichten darüber schwanken zwischen 106 und 110 Jahren; jedenfalls ist die letztere Zahl die wahrscheinlichere und dürfte vielleicht noch höher anzugeben sein: Demnach war die Frau früher geboren als Napoleon I., der doch schon 57 Jahre tot ist. Als derselbe Kaiser von Frankreich wurde, war sie schon 36 Jahre, und als dieser durch unsere Gegend zur Schlacht von Jena zog, war sie schon 38 Jahre alt und Mutter erwachsener Kinder. Arm wurde sie geboren und arm ist sie durch ihr ganzes langes Leben geblieben. Seit vielen Jahren total erblindet, kauerte sie verdorrt und zusammengehutzelt im Bette und quälte sich mit dem Gedanken, dass unser Herrgott sie vergessen habe. Doch erfreute sie sich bis an ihr Ende eines vorzüglichen Gedächtnisses und eines ziemlich guten Appetits, der ihr auch durch die Wohltätigkeit ihrer Glaubensgenossen und besonders ihres Hausherrn reichlich gestillt wurde."

 
Zum Tod von Wolf Felheim, langjähriger Gemeindevorsteher (1890)   

Burgkunstadt Israelit 13011890.jpg (190384 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Januar 1890: "Burgkunstadt, 8. Januar (1890). Ein schwerer Gang war es, den wir soeben zurückgelegt. Noch tief erschüttert von den Gefühlen des Schmerzes und der Trauer, gehe ich daran, Ihnen Kinde von dem Heimgange eines braven Jehudi zu eben. Herr Wolf Felheim, erster Vorstand und eine Zierde unserer Gemeinde, ist nicht mehr. Um ihn trauert nicht nur seine Familie, seine Verwandten und Freunde, sondern die Trauer ist eine so allgemeine, dass die ganze Gemeinde und über diese hinaus davon ergriffen wird. Denn der Heimgegangene zeichnete sich durch wahre Religiosität, durch eine unermüdliche Arbeitskraft und durch seltene Lauterkeit des Charakters aus. Überall und zu jeder Zeit war er bereit, Werke der Wohltätigkeit zu üben und den Frieden in der Gemeinde zu erhalten. Die Gemeinde verliert einen musterhaften Führer, einen treuen Berater, die Armen ohne Unterschied des Glaubens einen Wohltäter in des Wortes weitgehendster Bedeutung. Welch’ großer Liebe, Achtung und Hochschätzung sich der Verstorbene erfreute, das zeigte auch die überaus zahlreiche Beteiligung beim Leichenbegängnisse. Von nah und fern waren Freunde und Bekannte und von ihm im Leben Erfreut herbeigeeilt, um dem edlen Menschenfreunde noch die letzte Ehre zu erweisen, ihm den letzten Tribut der Dankbarkeit zu zollen. Herr Distriktsrabbiner Dr. Cohn hier hielt die Trauerrede. Anknüpfend an die am letzten Wochenabschnitt geschilderte imposante Trauerkundgebung zu Ehren unseres Stammvaters Jakob, gab der Redner in warmquellenden, herzergreifenden Worten trefflichen Ausdruck dem allgemeinen Schmerze über das allzu früh erfolgte Hinscheiden des edlen Mannes, der gleich dem Patriarchen die Liebe, Hochachtung und Verehrung durch sein frommes Leben und Wirken, durch seine Herzensgüte und Menschenfreundlichkeit, durch seine strenge Rechtlichkeit und Charakterreinheit erworben hatte. Die nach Form und Inhalt ausgezeichnete Rede machte auf die zahlreiche Trauerversammlung einen gewaltigen Eindruck, kein Auge blieb tränenleer.
Möge Gott den trauernden Hinterbliebenen Trost und Kraft verleihen, den schweren Verlust zu ertragen! ‚Der Gerechte bleibt zum ewigen Andenken’ (dass. hebräisch). L."

 
Zum Tod von Kaufmann Moritz Oppenheimer, Kassierer und Schriftführer der Freiwilligen Feuerwehr Burgkunstadt, aktiv auch im Turner-Verein (1893)  

Burgkunstadt AZJ 10021893.jpg (110396 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. Februar 1893: "Burgkunstadt, 31. Januar (1893). Ein imposanter Trauerzug war es, der sich am 23. vorigen Monats nach dem israelitischen Friedhof begab, um dem im 47. Lebensjahre verstorbenen Kaufmann Moritz Oppenheimer das letzte Geleit zu geben. Den Trauerzug eröffnete ein Teil der hiesigen freiwilligen Feuerwehr, deren Kassierer und Schriftführer der allzu früh Dahingeschiedene seit der Gründung gewesen. Daran schloss sich eine Deputation des Turner-Vereins mit umflorter Fahne, welchem Vereine er in früheren Jahren als Vorstand angehörte. Die Zipfel des Bahrtuches trugen die Mitglieder der israelitischen Kultusverwaltung, der er seit einer Reihe von Jahren durch Rat und Tat seine Dienste weihte. Den Leidtragenden folgte eine unabsehbare Schar von Freunden und Bekannten aus Nah und Fern, die Zeugnis ablegten von der allgemeinen Beliebtheit des Verstorbenen, deren auch unser verehrter Rabbiner Herr Dr. Cohn in dem vor dem Trauerhause gesprochenen Gebete erwähnte. Im Sinne des Heimgegangenen, dessen Bescheidenheit es nicht zuließ, wurde von Leichenreden Abstand genommen, doch Jeder, der ihn gekannt, war ohnehin des Lobes voll ob seines unermüdlichen, nur dem Wohle der Seinen und dem Dienste der Menschlichkeit gewidmeten Strebens, gepaart mit strengem Rechtlichkeitssinn. Wir werden Alle dem allzu bald Verblichenen ein ehrendes Gedenken weihen. Der Dank für seine Mühewaltung in der Gemeinde folgt ihm übers Grab nach. Möge ihm die Erde leicht sein!"

  
Zum Tod von Salomon Rothschild, langjähriger Gemeindevorsteher und Vorstand von Wohltätigkeitsanstalten (1911)
und zum Tod von Fanny Bamberger, langjährige Vorsitzende des Frauenvereins (1911) 
   

Burgkunstadt Israelit 10081911.jpg (144294 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. August 1911: "Burgkunstadt, 7. August (1911). In tiefe Trauer wurde unsere Kultusgemeinde durch zwei schwere Verluste versetzt. Am 23. Juli verschied nach längerem mit größter Geduld ertragenen leiden im 65. Lebensjahre Herr Salomon Rothschild, langjähriger Vorstand der Gemeinde und vieler Wohltätigkeitsanstalten, der wegen Krankheit vor einigen Jahren von seinen Ämtern zurücktreten musste. Der Verblichene hat allezeit mit treuester Hingebung die Interessen des gesetzestreuen Judentums zu fördern gesucht. Die außerordentliche Gewissenhaftigkeit, die musterartige Pflichttreue und Arbeitsfreudigkeit, sowie die umfassende Sachkenntnis, die ihn auszeichneten, befähigten ihn in hervorragendem Maße zu seinen Ehrenämtern. Sein edles Wirken wurde auch von der Gemeinde und deren Verwaltung dadurch anerkannt, dass ihm vor einigen Jahren die Ehrenmitgliedschaft verliehen wurde. Am Grabe schilderte in formvollendeter Rede Herr Distriktsrabbiner Dr. E. Goitein den Lebensgang und die hervorragenden Charaktereigenschaften des Verblichenen. Der Kultusvorstand, Herr Moritz Lonnerstädter, nahm Veranlassung, in kernigen Worten das segensreiche Wirken des Dahingeschiedenen innerhalb und außerhalb der Gemeinde hervorzuheben und brachte in deren Namen die herzlichsten Dankesgefühle zum Ausdruck. Die zahlreiche Beteiligung an der Beerdigung gab Zeugnis von der allgemeinen Achtung und Beliebtheit, die sich der Verlebte bei allen Konfessionen zu erfreuen hatte.
Am 27. Juli starb im 61. Lebensjahre Frau Fanny Bamberger. Dieselbe hat sich als Vorsteherin des Israelitischen Frauenvereins große Verdienste erworben und sich besonders durch ihre werktätige Menschenliebe den Kranken und Verstorbenen gegenüber ausgezeichnet."
  
Burgkunstadt FrfIsrFambl 11081911.jpg (54721 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 11. August 1911: "Burgkunstadt (Bayern). Im 65. Lebensjahre verschied dahier Salomon Rothschild, bis vor wenigen Jahren langjähriger Vorsteher der Gemeinde und deren Wohltätigkeitsanstalten und seitdem ihr Ehrenmitglied. Am Grabe sprachen Rabbiner Dr. E. Goitein und Vorsteher Mor. Lonnerstädter. -   
Noch einen zweiten schweren Verlust hat unsere Gemeinde zu beklagen. Frau Fanni Bamberger, Vorsteherin des Israelitischen Frauenvereins, verschied plötzlich im 61. Lebensjahre."

 
Zum Tod von Friederika Löbenstern (1911)  

Burgkunstadt Israelit 24081911.jpg (51396 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. August 1911: "Burgkunstadt, 17. August (1911). Nach vieljährigen mit größter Geduld ertragenen Leiden verschied heute im Alter von 71 Jahren Frau Friederike Löbenstern. Die Verstorbene war eine Eschet Chajal (tüchtige Frau) im wahrsten Sinne des Wortes. Eine einfache, bescheidene, ehrenhafte, streng religiöse Frau, die nur für ihre Familie wirkte und sich besonders der Armen und Bedrängten warm annahm.
Herr Distriktsrabbiner Dr. E. Goitein schilderte an deren Bahre den schweren Verlust, den mit ihrem Tode ihre Familie und die Armen erlitten haben. Die große Beteiligung an der Beerdigung gab Zeugnis von ihrer Beliebtheit. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens".

      
 Zum Tod von Jette Lindner (1920)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. August 1920: "In Burgkunstadt (Bayern) starb am 4. Juli dieses Jahres die Älteste der Gemeinde, Frau Jette Lindner, im Alter von 86 Jahren."         

   
Zum Tod von Sophie Lang aus Burgkunstadt, gestorben in Tann (1928)   

Burgkunstadt Israelit 28061928.jpg (137612 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Juni 1928: "Burgkunstadt (Oberfranken), 15. Juni (1928). Vor kurzem starb in Amberg (Oberpfalz) im Hause ihrer Tochter, wo sie Heilung von einem schweren Leiden suchte, im Alter von 73 Jahren, Frau Sophie Lang aus Burgkunstadt. Von frommen Eltern aus der Familie Freudenthal aus Tann v.d. Rhön abstammend, verpflanzte sie diese Tradition in ihre neue Heimat, wo sie an der Seite des ihr in die Ewigkeit vorausgegangenen gleichgesinnten Mannes ein echt jüdisches Haus gründete und durch alle Tugenden einer wackeren Frau dieses zu hoher Blüte brachte. Ihr gastliches Haus war nicht nur weit geöffnet, war nicht nur offen für die Bedürftigen, es stand nicht nur den Armen offen, es war auch ein Haus für die Weisen, denn Rabbiner und Lehrer waren ihre Verehrer und ein ideales Verhältnis verband sie mit ihnen . Sie war nicht nur lange Jahre Vorstandsmitglied der Frauenchewrah (Frauenverein), noch bis in ihre letzten Monate beteiligte sie sich aktiv an der gebotenen Sorge um die Toten. Vier Kinder fand sie bei ihrer Ehe vor und vier Kinder konnte sie noch ihre eigenen nennen. Doch mit Liebe umhegte sie sie allesamt und mit Selbstverleugnung löste sie ihre schwere Aufgabe. Ein halbes Jahr vor ihrem Tode sah sie zu ihrem Leidwesen ihren ältesten Sohn, den bewährten und frommen Kultusvorstand, Karl Lang - seligen Andenkens - einen Chawer in die Gruft sinken. Dieser Schicksalsschlag zehrte an ihrem Lebensmarke. Vor ihrer Überführung nach Nürnberg nahm ihr Schwiegersohn, Herr Lehrer Godlewsky in Amberg, in bewegten Worten Abschied von der teuren Verblichenen, und am Grabe in Nürnberg entwarf Herr Rabbiner Dr. Heilbronn - ein Freund ihres Vaterhauses - ein rührendes Bild von den Tugenden der Entschlafenen, worauf nochmals ihr Schwiegersohn ihr Vorzüge treffend hervorhob. Eine seltene Frau aus der Vergangenheit ist mit ihr dahingegangen. Das Andenken an die Fromme ist zum Segen."    

   
Kleine Mitteilungen zu einzelnen Personen   

-  1913: Verlobung von Alice Thurnauer in Burgkunstadt mit Louis Grünebaum in Aschaffenburg (in: "Frankfurter Israelitisches Familienblatt - Neue Jüdische Presse" vom 18. April 1913 S. 6
-  1920: Tod von Jette Lindner in Burgkunstadt, mit 86 Jahren damals Älteste der Gemeinde, am 4. Juli 1920 (in: Israelitisches Familienblatt" vom 5. August 1920 S. 4)    
-  1926: Geburt einer Tochter von Jakob Possenheimer in Burgkunstadt und seiner Frau Susi geb. Würzburg (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 14. Oktober 1926 S. 6)
 
 
 

      
     
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Einzelpersonen  
Anzeige der Mazzen- und Makronenbäckerei Joseph Oppenheimer (1895)  

Burgkunstadt Israelit 17011895.jpg (43226 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Januar 1895: "Joseph Oppenheimer, Burgkunstadt in Bayern, Matzen- und Makronenbäckerei (gegründet 1830), offeriert zu Pessach feinste Makronen, Mark 1.50 per Pfund ab hier gegen Nachnahme. Aufträge auf feinste, dünne Maschinen-Matzen werden ebenfalls noch angenommen."
vgl. zu Joseph Oppenheimer auch das Briefdokument unten.  

  
Ritualien / Torarollen zu verkaufen (1890 / 1898 / 1900)   

Burgkunstadt Israelit 17111890.jpg (32835 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. November 1890: "Eine sehr schöne 
Sefer Tora
(Torarolle), 
fast noch neu, ist von einer aufgelösten Gemeinde unter Garantie billigst zu verkaufen durch H. 
Herrmann, Burgkunstadt (Bayern)." 
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. August 1898
"Zwei gebrauchte, aber sehr gut erhaltene 
Torarolle(n)
 
(mit oder ohne Silberzeug) sind unter Garantie durch den Unterzeichneten für eine aufgelöste Gemeinde billigst abzugeben (kleine Gemeinde wird besonders berücksichtigt. 
H. Herrmann, Burgkunstadt (Bayern).  
 
Burgkunstadt Israelit 16081900.jpg (43404 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. August 1900: "Bekanntmachung
Eine aufgelöste Gemeinde lässt durch den Unterzeichneten drei sehr schöne tadellose Sifrei Tora (Torarollen), Proches (Toraschrein-Vorhänge) und Mäntelchen (für Torarollen), 2 Schofar, mehrere ... im Ganzen oder geteilt verkaufen. (Kleine Gemeinden sollen besonders berücksichtigt werden.). 
Burgkunstadt, Bayern, August, 1900. H. Herrmann."    

     
Anzeige von Joseph Oppenheimer (1895)   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Mai 1895: "Ich offeriere 9 Pfd. meiner hochfeinen Schweizerkäse zu M. 8.50, 9 Pfd. meiner hochfeinen Limburgerkäse zu M. 4, 9 Pfd. meiner hochfeinen Allgäuer Rahm, gen. Bayr. Bierkäse zu 5.50 franco gegen Nachnahme
Joseph Oppenheimer,

Burgkundstadt i. Bayern."   

      
Anzeige des Kolonialwarengeschäftes Bernhard Friedmann (1901)  

Burgkunstadt Israelit 17061901.jpg (39323 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Juni 1901: 
"Für mein Kolonialwarengeschäft, Engros und Detail suche per 1. August, eventuell früher, einen 
Lehrling
  
aus achtbarer Familie. Bedingungen günstig. 
Bernhard Friedmann
, Burgkunstadt in Bayern."     

 
Lehrlingsgesuch des Baumwollwaren-Engros-Geschäftes J. Rossmann (1905)

Burgkunstadt FrfIsrFambl 27101905.jpg (37147 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 27. Oktober 1905: ""Suche für mein am Samstag und Feiertagen geschlossenes Baumwollwaren-Engros-Geschäft per sofort einen Lehrling mit guter Schulbildung. Selbstgeschriebene Offerten an J. Rossmann, Burgkunstadt."   

   
Geburtsanzeige von Jette Irene Wolpe (1907)    
Anmerkung: Helene geb. Seligmann ist am 5. Mai 1879 in Mönchengladbach geboren. Sie wohnte in Frankfurt am Main, von wo aus sie 1942 deportiert wurde. Sie wurde ermordet.
Die Tochter Irene heiratete 1930 den Frankfurter Lehrer Siegfried Kösterich (1903 Eckardroth - 1990 New York). 1927 haben beide - "Lehrer Kösterich und Frl. Wolpe" - eine jüdische Kinder-Ferienerholungsgruppe aus Frankfurt geleitet, worüber in der Seite zu Sterbfritz berichtet wird. Siegfried Kösterich war auch als Librettist und Komponist tätig: https://www.lexm.uni-hamburg.de/object/lexm_lexmperson_00004545  

Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt - Neue Jüdische Presse" vom 4. Januar 1907:
"Jette Irene.
Statt besonderer Anzeige.

Die glückliche Geburt eines prächtigen Töchterchens beehren sich hocherfreut anzuzeigen
Bernhard Wolpe und Frau Helene geb. Seligmann.     Burgkunstadt."    
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. März 1929: "Statt Karten - G'tt sei gepriesen.
Irene Wolpe  -  Siegfried Kösterich   Verlobte  

Frankfurt am Main 
Jahnstraße 54   Börnestraße 39.
Empfang: Schabbat Paraschat Pekudai - Sonntag Paraschat wejikra 5689 -
16. und 17. März 1929, Jahnstraße 54."  
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. März 1930: "G'tt sei gepriesen.
Siegfried Kösterich  -  Irene Wolpe
beehren sich ihre am 23. März (23. Adar) - so Gott will - stattfindende Vermählung anzuzeigen.
Börnestraße 39  Frankfurt am Main  Jahnstraße 54  
Trauung 12 1/2 Uhr, Löb Reis'sche Synagoge Hermesweg 7  
Telegrammadresse: Jahnstraße 54."

   
     
     
Weitere Dokumente   
(wenn nicht anders angegeben: aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries; ergänzende Informationen gleichfalls von Peter Karl Müller)   

Karte von Heinrich Silbermann
 (Burgkunstadt) nach Nürnberg
 (ca. 1873/74)
Burgkunstadt Dok 130.jpg (147120 Byte) Burgkunstadt Dok 130a.jpg (137364 Byte)
    Die Karte wurde am 1. Oktober .. in Burgkunstadt abgestempelt und ist am 2. Oktober .. in Nürnberg angekommen. Diese Karte war postalisch in den Jahren 1873-74 im Verkehr. Es geht in dem Text um die Lieferung von Hopfen-Anlagen und der Bitte: "Die Hopfen wollen Sie sogleich wegen des Warmwerdens nachsehen. Mit Achtung. Hch. Silbermann".
      
Brief an A. Pretzfelder in Burgkunstadt 
aus Reutlingen (April 1875) 
Burgkunstadt Dok 260.jpg (197437 Byte)

Über den Empfänger A. Pretzfelder liegen noch keine weiteren Informationen vor; der jüdische Familienname Pretzfelder in Burgkunstadt ist allerdings gut bekannt: u.a. gründete Max Pretzfelder zusammen zusammen mit Hans Püls eine Schuhfabrik 1903; 1911 trennen sich die beiden wieder; 1912 Gründung der Schuhfabrik " Pretzfelder & Riexinger " in Altenkunstadt, später umbenannt in " Gotthard-Schuhfabrik"; in der NS-Zeit wurde der jüdische Besitzer enteignet und die Schuhfabrik zwangsverkauft (Quelle: Wikipedia-Artikel " Geschichte der Stadt Burgkunstadt"). Max Pretzfelder war 1916 nach Bamberg gezogen; er und seine Frau wurden am 27. Nov. 1941 von Bamberg nach Riga deportiert ( Gedenkbuch der jüdischen Bürger Bambergs). Auch weitere Angehörige der Familie(n) Pretzfelder aus Burgkunstadt wurden ermordet. 

     
Brief an Joseph Oppenheimer 
in Burgkunstadt (1875) 
Burgkunstadt Dok 341.jpg (87713 Byte) Burgkunstadt Dok 341a.jpg (145715 Byte)
  Der Brief an Joseph Oppenheimer (Inhalt: eine Rechnung über eine Lieferung Heringe) wurde am 28. August 1875 von Plauen nach Burgkunstadt versandt.
     
Postkarte der Schuhwaren-Fabrik 
Joseph Weiermann (1888)
  
Burgkunstadt Dok 140201.jpg (184584 Byte) Burgkunstadt Dok 140201a.jpg (12083 Byte) Burgkunstadt Dok 140201b.jpg (194736 Byte)

Die Postkarte der Schuhwaren-Fabrik Joseph Weiermann wurde nach Schweinfurt am 18. Dezember 1888 versandt. Der Inhalt ist geschäftlich und beinhaltet eine Bestellung von Nägeln und Stiften mit gewünschtem Liefertermin.
Zur Firmengeschichte - Mit dem 1. Januar 1888 hielt die industrielle Schuhfertigung Einzug in Burgkunstadt. Der damals 25 jährige Joseph Weiermann begann im Nebenzimmer der "Zapf´schen Gastwirtschaft" und im Nachbarhaus mit der maschinellen Herstellung von Schuhen. Bereits 10 Jahre später machten die steigende Nachfrage den Bau einer neuen Fabrik in der Nähe des Bahnhofs notwendig. Nach der Umwandlung der Firma Joseph Weiermann 1906 in eine GmbH erfolgt 1911 die Joseph Weiermann Schuhfabrik Aktiengesellschaft. Zu diesem Zeitpunkt verabschiedete sich Joseph Weiermann in den Ruhestand und verzog nach Bamberg - München. Im Zuge der "Arisierung" der jüdischen Geschäfte, Betriebe und Unternehmen wurden die jüdischen Aktionäre der Joseph Weiermann Schuhfabrik A.G. zum Verkauf ihrer Anteile an deutsche Unternehmen gezwungen und die Firma in "Obermain - Schuhfabrik" umbenannt.
Zur Geschichte einzelner Familienmitglieder: Maria Weiermann geb. Steinhäuser, die Frau von Joseph Weiermann (geb.20. Oktober 1868 in Burgkunstadt) wurde von München am 22. Juli 1942 deportiert und ist im Ghetto Theresienstadt am 16. Oktober 1942 umgekommen. .
Julius Weiermann (geb. am 28. November 1892 in Burgkunstadt, Sohn von Joseph und Maria Weiermann) wurde von München am 20. November 1941 deportiert und ist am 25. November 1941 in Kaunus umgekommen. 
Selma Kupfer geb. Weiermann (geb. am 3. Juni 1890 in Burgkunstadt, Tochter von Joseph und Weiermann) wurde nach Auschwitz deportiert und wurde vermutlich ermordet (für tot erklärt). Ihr Mann Karl Kupfer (geb. am 13. Juni 1878 in Frankenreuth) teilte das Schicksal seiner Frau. Dem Sohn Erich Kupfer (geb. 1919 in München, Sohn von Karl und Selma Kupfer) gelang es noch, 1938 über Amsterdam nach New York auszuwandern.
Quellen: http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Stadt_Burgkunstadt    http://de.academic.ru/dic.nsf/dewiki/2378919 
http://www.wienerlibrary.co.uk/Search-document-collection?item=2713   http://www.rijo.homepage.t-online.de/pdf/de_mu_ju_muelist4.pdf  

     
Briefumschlag von A. Thurnauer sen.,
 Korbwaren-Manufaktur in 
Burgkunstadt (1897)
 
Burgkunstadt Dok 13020.jpg (232078 Byte)
  Der Brief von A. Thurnauer sen., Inhaber einer Korbwaren-Manufaktur in Burgkunstadt, wurde am 1. Dezember 1897 nach Urach (Württemberg) verschickt. Aus der Familie Thurnauer war Max Thurnauer um 1924 Mitglied des Gemeindevorstandes; Albert Thurnauer ist nach der Deportation in der NS-Zeit ermordet worden.
Geni.com zu Alfred Thurnauer https://www.geni.com/people/Alfred-Thurnauer/6000000034733233160
Geni.com zu Albert Thurnauer (1892  - deportiert 1942:  https://www.geni.com/people/Albert-Thurnauer/6000000134695787861
Geni.com zu Max Thurnauer (1858 - umgekommen 1943): https://www.geni.com/people/Max-Thurnauer/6000000034733740821 
     
  Anerkennungsmedaille des Königlichen Staatsministeriums
des Innern für die Korbwaren-Manufaktur von
A. Thurnauer sen. (1882)
 
(Dokument erhalten von Christian Porzelt, Kronach)
 
   Anerkennungsmedaille Nürnberg 1882 - Bayerische Landes-Industrie-Gewerbe- und Kunst-Ausstellung - für die Korbwaren-Manufaktur von A. Thurnauer sen. in Burgkunstadt "wegen bedeutender Exportfähigkeit in Korbwaaren einfacherer Art"
     
 Rechnung von Louis Friedmann
in Burgkunstadt (1903)

(Dokument erhalten von J. Hanke, Kronach)
 
   Die Rechnung von Louis Friedmann über "1 Kiste Ia Limburger" (Käse) wurde am 30. Juli 1903 an Oskar Stiegler in Lichtenstein (gemeint: Lichtenstein/Sachsen) geschickt. Der Käse wurde per Bahn versandt.  
     
Rechnung / Lieferschein über eine
Käsesendung von Louis Friedmann (1904) 
Burgkunstadt Dok 185.jpg (179956 Byte) Burgkunstadt Dok 186.jpg (104510 Byte)
  Die Rechnung und der Lieferschein über die Käsesendung datieren auf Dezember 1904 
     
Briefumschlag eines Schreibens
von Max Possenheimer (1916)

Burgkunstadt Dok 340.jpg (85665 Byte) Burgkunstadt Dok 340a.jpg (44783 Byte)
 Max Possenheimer war Inhaber eines Kurzwaren-en-gros-Geschäftes in Burgkunstadt. Das Schreiben wurde am 8. Mai 1916 an Herrn F. J. Stamm, Kaufmann in Michelau in Oberfranken verschickt.  
Rechts: Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 22. Mai 1913 des Kurzwaren-en gros-Geschäftes L. Possenheimer (Inhaber J. Possenheimer) in Burgkunstadt. L. Possenheimer meint wohl den Gründer des Geschäftes Louis Possenheimer (1859-1905), J. Possenheimer des Bruder von Max: Jakob Possenheimer (1887-ermordet in Auschwitz).
Hinweis: Ein Sohn von Max Possenheimer (1878-1940) und seiner Frau Bella geb. Löwenstein (1885 - ermordet 1942)war der Lehrer Paul Possenheimer (1913-1965), siehe https://www.bllv.de/projekte/geschichte-bewahren/erinnerungsarbeit/lehrerbiografien/paul-possenheimer, ein weiterer Sohn war Leo Possenheimer (1917-2003), siehe  https://spurenimvest.de/2025/05/15/possenheimer-leo/ (hier weitere Geschwister genannt).
Genealogische Zusammenhänge auch in https://www.geni.com/people/Jakob-Possenheimer/6000000017244266390      
     
Briefumschlag von D. Banemann 
in Burgkunstadt (1923) 
Burgkunstadt Dok 261.jpg (213762 Byte)
Der Briefumschlag von D. Banemann wurde am 30. Sept. 1923 nach Berlin versandt, Porto in der Inflationszeit 250 Tausend Mark. Im Wikipedia-Link zur Geschichte der Stadt Burgkunstadt findet sich im Abschnitt "1933-1945..." ein Hinweis auf die "Arisierung" der Darmgroßhandlung Banemann sowie im Anschluss an den Abschnitt zur "Reichskristallnacht" auch die Nennung von Leo Banemann, der Anfang 1935 das Frontkämpfer-Ehrenabzeichen erhalten hat und der dafür zwei Wochen früher aus der im Anschluss an die "Reichskristallnacht" folgenden "Schutzhaft" wieder nach Hause durfte. Die anderen jüdischen Männer wurden noch zwei Wochen länger festgehalten.
Mehrere Angehörige der Familie Banemann wurden nach den Deportationen der NS-Zeit ermordet. 
Vgl. auch die aus Burgkunstadt stammende Familie Banemann in Göppingen, an die in dieser Stadt vier "Stolpersteine" erinnern. Quelle: Stolperstein-Initiative Göppingen.  
     

      
      
Sonstiges        
Erinnerungen an die Auswanderungen im 19. Jahrhundert: 
Grabstein in New York für Mary Bamberger (1846-1885) und Hermann Bamberger (1838-1920, aus Burgkunstadt)  
   
Anmerkung: das Grab befindet sich in einem jüdischen Friedhof in NY-Brooklyn; der Geburtsname von Mary wird nicht mitgeteilt.   .      

Burgkunstadt New York Salem 1799.jpg (90541 Byte)   Burgkunstadt New York Salem 1799a.jpg (49515 Byte)   Grabstein für "Mary Bamberger 
beloved wife of Hermann Bamberger 
born March 18, 1846  died December 24, 1885" sowie für 
"Herman Bamberger  
born in Burgkunstadt - Bavaria  July 8, 1838, 
died June 1, 1920".   

      
      
       

       

       

 

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Stand: 31. Januar 2026