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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Buttenhausen (Stadt Münsingen,
Kreis Reutlingen)
Jüdische Geschichte / Synagoge
| Aktueller Hinweis:
Toralernwoche in Buttenhausen mit jüdischem
Ehepaar aus Israel im Juli 2013 |
In der evangelischen Kirchengemeinde
Buttenhausen findet vom Sonntag, 14. bis zum Mittwoch 17. Juli an vier
Abenden eine Toralernwoche zur Thematik "Soziale Gebote in der
Bibel" statt. Aus Israel sind dabei: das Ehepaar Dr. Jizchak
und Bilha Shashar.
Nähere
Informationen siehe eingestellte pdf-Datei |
Übersicht:
Hinweise:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts den Freiherren
von Liebenstein gehörenden Buttenhausen bestand eine jüdische Gemeinde bis
1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. Erstmals
werden 1755 zwei Juden am Ort genannt. 1789 waren es 27 jüdische
Einwohner.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischer Einwohner
wie folgt: 1800 141 jüdische Einwohner (38 % von insgesamt 370 Einwohnern),
1827 251 (51,2 % von 490), 1847 334 (52 % von 640), Höchstzahl um 1870 mit 442 Personen
(53,0 % von insgesamt 834 Einwohnern), 1890 285 (40,0 % von 710).
Im 19. Jahrhundert wurde durch die Handelstätigkeit der jüdischen
Einwohner Buttenhausen zu einem Mittelpunkt des Handels und Verkehrs.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde insbesondere eine Synagoge
(s.u.), eine jüdische Schule, ein rituelles Bad und ein Friedhof. Ein rituelles
Badhaus wurde 1787 am Lauterkanal erstellt, 1804 wurde es durch einen Neubau
ersetzt (hinter Gebäude Mühlsteige 8). Später befand es sich im Erdgeschoss
des Rabbinats am Anfang der Mühlsteige (Gebäude Im Wiesengrund 2) - es wurde
bis nach 1933 benutzt (erhalten).
Eine jüdische Konfessionsschule bestand von
1823 bis 1933. Sie war zunächst im Erdgeschoss des Synagogengebäudes, später
im Erdgeschoss des Rabbinates, bis 1862 eine neue Ortsschule erbaut wurde, in
der neben der christlichen auch die jüdische Volksschule untergebracht war (das
Gebäude ist erhalten, derzeit als Handwerksbetrieb verwendet: Heimtalstraße
21). Nach 1933 fand der Unterricht der Kinder noch für wenige Jahre im Rabbinat
statt.
Die Bernheimer’sche Realschule (Zwiefalter Straße 30) wurde 1903 aufgrund einer Stiftung des Kommerzienrates Lehmann Bernheimer errichtet. Sie war von 1904 bis 1923 als vierklassige Realschule in Betrieb. Die Stiftung Bernheimers bestand bis 1968 als Kindergartenstiftung fort. Seit 1970 ist die Gemeindeverwaltung im Gebäude untergebracht. 1992 wurde das Gebäude umfassend renoviert; im 1. Stock sind seit 1994 zwei Räume als jüdisches Museum
eingerichtet.
Bei der Neueinteilung der württembergischen
Rabbinate 1832 wurde Buttenhausen Sitz eines Bezirksrabbinates. Rabbiner in Buttenhausen waren: Salomon Levi (bis
1835), Marx Kallmann (1835-1858), Samson Gunzenhauser (1859-1867), Dr. Michael
Silberstein (1868-1874), Dr. Jakob Stern (1874-1880) und Jonas Laupheimer
(1880-1887). Nach 1887 wurde das Rabbinat Buttenhausen mit dem Rabbinat Buchau
in Personalunion vereinigt und am 1. Juli 1913 ganz aufgehoben.
Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der jüdischen
Einwohner durch Aus- und Abwanderung stark zurück: 1900 229 jüdische
Einwohner (33,8 % von insgesamt 677 Einwohnern), 1910 164 (25,0 % von insgesamt
650).
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Gefreiter Moritz Isaak Levi
(geb. 3.4.1884 in Buttenhausen, gef. 26.8.1917), Samuel Levi (gef. 1916) und Sigmund Feigenheimer
(gef. 1917). Auf dem
Ehrenmal für die Gefallenen Buttenhausens im Park hinter der Bernheimer'schen
Realschule finden sich auch ihre Namen. Außerdem ist gefallen: Siegfried
Feldmann (geb. 13.2.1896 in Buttenhausen, vor 1914 in Saarwellingen wohnhaft,
gef. 1.12.1917).
Um 1925 waren die Vorsteher der jüdischen Gemeinde: Lehrer Nathali
Berlinger, Louis Adler, Hermann Tannhauser, Abraham Oettinger und Julius Levi.
Lehrer Berlinger erteilte damals 16 Kindern an der jüdischen Volksschule den
Unterricht. Als Synagogendiener wird Leopold Kirchheimer genannt. An jüdischen Vereinen
bestanden: der Israelitische Armenverein (gegründet 1839, 1924 unter
Leitung von Hermann Tannhauser, 1932 unter Leitung von Jos. Tannhauser mit 40
Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiete: Unterstützung Hilfsbedürftiger,
Gewährung von Brennmaterial), der Wohltätigkeitsverein Chewra Kadischa (Israelitischer
Bruderverein, 1924/32 unter Leitung von Abraham Oettinger, Zweck und
Arbeitsgebiete: Krankenwache, Beihilfen für Beerdigungskosten,
Bestattungswesen), der Israelitische Frauenverein Chewra Noschim (1924/32
unter Leitung von Lotte Löwenthal mit 1932 41 Mitgliedern, Zweck und
Arbeitsgebiete: Unterstützung ortsansässiger Hilfsbedürftiger), der Verein Mattan
beseiser (1924 unter Leitung von Samuel Bernheimer, H. Einstein, 1932 unter
Leitung von Jos. Einstein mit 32 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet:
Unterstützung verschämter Armer). 1932 war 1. Vorsitzender der
Gemeinde weiterhin Oberlehrer Berlinger. Im Schuljahr 1931/32 hatte er an der
jüdischen Volksschule noch acht Kinder zu
unterrichten.
Bis nach
1933 gehörten jüdischen Familien noch mehrere Viehhandlungen, ein
Manufakturwarengeschäft, eine Textilhandlung, ein Gasthaus und verschiedene
andere Betriebe. Im Einzelnen handelte es sich insbesondere um die folgenden Handels- und
Gewerbebetriebe (mit den alten Hausnummern - heutige Adressen werden noch
ergänzt): Manufakturwarengeschäft Adler & Neumann (Haus 70), Metzgerei und Viehhandlung Julius Dreifuß (Haus 48), Lumpenhandlung Josef Einstein (Haus 110), Flaschnerei und Blechwarenhandlung Siegfried Henle (Haus 97), Spezerei- und Kolonialwaren Berta Kahn (Haus 28, abgebrochen), Bäckerei und Mehlhandlung Leopold Kirchheimer (Haus 74), Viehhandlung Emanuel Levi (Haus 103), Wäscheartikel und Waschmaschinen Jakob Levi jun. (Haus 135), Seifen- und Viehhandlung Julius Levi (Haus 135),
Hutmacherei, Textilhandlung Sofie Löwenberg (Haus 37), Viehhandlung Gebr. Löwenthal (Zwiefalter Str.16), Viehhandlung Hugo Löwenthal (Haus 105), Viehhandlung Berthold Maier (Haus 94), Viehhandlung Hermann Marx (Haus 119), Viehhandlung Max Marx jun. (Haus 27), Viehhandlung Salomon Rothschild (Haus 8), Seifen- und Fettwaren Hanna Tannhäuser (Haus 102), Gasthaus
"Schweizerhof" (bis heute, Badgäßle 5), letzte jüdische Besitzer Julie und Sophie Schweizer; bis 1928 bestand die Zigarrenfabrik S. Lindauer (heute Textilfabrik
Euchner, Kirchberg 1). Im "Kaleb-Haus" (Zwiefalter Straße 4) war im 19. Jh. zunächst eine jüdische Schildwirtschaft, danach eine Metzgerei, bis zu den Deportationen 1941 lebten hier jüdische Familien.
1933 lebten noch 89 jüdische Personen in Buttenhausen. Auf Grund der
Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien ging die Zahl der jüdischen Einwohner - zunächst nur langsam -
zurück. Nachdem 1940 am
Ort ein jüdisches "Altersheim" für zwangseingewiesene ältere
jüdische Personen aus anderen Orten eingerichtet worden war (Gebäude
Mühlsteige 30), stieg noch einmal die Zahl der jüdischen Einwohner, bis durch
die Deportationen 1941 bis 1943 alle noch in Buttenhausen lebenden jüdischen
Einwohner in die Vernichtungslager oder das Ghetto Theresienstadt verschleppt
wurden.
Von den in Buttenhausen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Julie Aleke geb. Maier
(1889), Adolf Bär (1871), Rosa Bär (1874), Tirza Bär geb. Maier (1881),
Naphtali Berlinger (1876), Leopold Bernheim (1866), Rudolf Bernheimer (1879),
Sofie Block (1862), Caroline Cahn geb. Frank (1869), Selma Dinkelmann geb.
Löwenberg (1884), Isidor Dreifuss (1876), Berta Dreifuss (1878), Selma Dreifuss
geb. Brodmann (1888), Thekla Feinberg geb. Goldschmidt (1870), Amalie Frank geb.
Levite (1871), Julie Frank (1882), Klara Frank (1884), Rosa Glaser geb. Feldmann
(1893), Berta Goldschmidt (1868), Siegbert Hallheimer (1924), Siegfried Henle
(1873), Berta Herz geb. Heiligenbrunn (1879), Max Herz (1886), Fanny Hilb
(1883), Lina Hirsch geb. Hofheimer (1856), Max Hirsch (1912), Robert Hoesel
(1879), Ludwig Baruch Hofmeier (1885), Louis Höchstetter (1866), Emilie Jüdell
geb. Mayer (1872), Emil Kahn (1879), Flora Katz geb. Neckarsulmer (1887), Judith
Kirchheimer geb. Schwab (1873), Alfred Levi (1904), Emanuel Levi (1871), Frieda
Levi geb. Löwenberg (1871), Frieda Levi (1878), Hermann Levi (1899), Ilse Rosa
Levi (1887), Julie Levi geb. Löwenberg (1878), Julius Levi (1877), Linda (Theodolinda)
Levi geb. Löwenthal (1863), Louis Levi (1864), Ludwig Levi (1898), Sofie Levi
geb. Frank (1860), Amalie Levy geb. Feldmaier (1871), Adolf Lewin (1879), Laura
Lewy geb. Löwenthal (1879), Selma Lichtenauer geb. Levi (1893), Moritz Lindauer
(1874), Diana Löb geb. Schweizer (1880), Mathilde Löwenberg (1865), Charlotte
Löwenthal geb. Levi (1858), Gerda Löwenthal geb. Kanter (1909), Hugo
Löwenthal (1905), Inge Löwenthal (1935), Julie Löwenthal geb. Levi (1879),
Karl Löwenthal (1906), Minna Löwenthal geb. Neckarsulmer (1892), Salomon
Löwenthal (1879), Berthold Maier (1878), Dora Maier geb. Goldschmidt (1871),
Clara Marx geb. Straßburger (1879), Ella Marx (1880), Heinrich Marx (1878),
Hugo Marx (1900), Mina Marx geb. Löwenthal (1887), Berta Mayer geb. Berlinger
(1909), Paula (Paulina) Mayer geb. Adler (1871) Fanny Neu geb. Hofheimer (1863),
Berta Neuburger geb. Neckarsulmer (1894), Luz Neumann (1934), Wolfgang Neumann
(1936), Flora Neumeyer geb. Höchstetter (1869), Clara Oettinger (1886), Ida
Oettinger (1891), Jerda Oettinger (1880), Karl Oettinger (1867), Minna Oettinger
(1878), Ilse Oppenheim (1920), Karoline Philipp geb. Block (1860), Klara Pilzer
geb. Hofheimer (1887), Selma Rosenberg geb. Levi (1883), Rosa Rosenberger geb.
Frank (1881), Karl Rothschild (1881), Theodor Rothschild (1876), Babette
Schindler geb. Hofheimer (1862), Leopold Schlachter (1876), Marta Schwenzer geb.
Oppenheimer (1879), Bonna Strauß geb. Meier (1882), Hannchen Tannhauser geb.
Warschauer (1878), Eugen Ullmann (1916), Clara Weil geb. Levi (1867), Eugenie
Weil geb. Levi (1875), Flora Weil (1892), Jeanette Weil geb. Marx (1869), Moritz
Weinheim (1885), Lina Wolf geb. Feldmann (1886).
In der Ortsmitte wurde 1961 ein Mahnmal zum Gedenken an die in der Verfolgungszeit umgekommenen jüdischen Mitbürger eingeweiht (Namen von 45
Personen sind genannt, darunter 42 aus Buttenhausen). Auch im Gebäude der
früheren Bernheimer'schen Realschule findet sich eine Tafel mit den Namen der
aus Buttenhausen umgekommenen jüdischen Personen.
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
Das jüdische Wohngebiet
konzentrierte sich zunächst außerhalb des Ortskernes jenseits der Lauter in
der "Judengasse" (heute Mühlsteige). Noch um 1825 lagen hier die meisten
jüdischen Häuser und alle Einrichtungen.
Zunächst war ein Betsaal
in einem Privathaus vorhanden. Dieser erwies sich jedoch für die schnell
wachsende jüdische Gemeinde in Buttenhausen bald als zu klein. 1795 bat Moses
Bernheimer die Ortsherrschaft um einen Platz am "Kolbenrain" zum Bau
einer Synagoge. Mit der Unterstützung des Freiherren von Liebenstein
konnte im Frühjahr 1796 mit dem Bau begonnen werden. Die Synagoge wurde
oberhalb der damals besiedelten Fläche im jüdischen Teil Buttenhausens erbaut.
Sie überragte damit die anderen Gebäude und stand auf gleicher Höhe mit der
christlichen Kirche auf der anderen Talseite. 1825 erhielt sie einen neuen
silbernen Toraschmuck, der bis zur Zerstörung 1938 vorhanden war.
Im Zusammenhang mit den württembergischen
Gottesdienstreformen wurde durch Rabbiner Dr. Michael Silberstein am Wochenfest
(Schawuoth) 1869 erstmals eine gemeinsame Konfirmationsfeier (Bar- und
Bat-Mizwa-Feier) in der Synagoge durchgeführt.
1871 bis 1872 wurde die Synagoge auf Grund ihrer "dürftigen
Ausstattung" und vor allem wegen des unzureichenden Raumes renoviert und
erweitert. Damals lebten 348 Juden in Buttenhausen von insgesamt 751
Einwohnern. Die Umbaukosten betrugen 4.139 Gulden, die unter anderem durch den
Verkauf der Synagogenstühle für 900 Gulden, einen Staatsbeitrag in Höhe von
300 Gulden und ein Darlehen aufgebracht werden konnten. Die feierliche
Einweihung der Synagoge war am 27. September 1872. Vom Ablauf der Feier ist
nicht viel überliefert. In den Kabinettsakten der württembergischen Regierung
findet sich immerhin ein Telegramm, das von der Feier an König Karl mit dem
Inhalt geschickt wurde: "An seine Majestät den König in Stuttgart. Die
Mitglieder der israelitischen Gemeinde Buttenhausen, versammelt, das Fest der
Einweihung der neu restaurierten Synagoge zu begehen, bringen Sr. Majestät dem
König den Ausdruck ihrer Verehrung aus treuem Herzen dar. Das israelit.
Kirchenvorsteheramt".
Seit 1874 war Nachfolger von Dr. Silberstein Rabbiner Dr.
Jakob Stern. Er machte es sich nach einem Bericht in der "Allgemeinen Zeitung
des Judentums" vom Juni 1876 seit Beginn seiner Tätigkeit in Buttenhausen zur
besonderen Aufgabe, "dem Gottesdienst durch energische Aufrechterhaltung der äußeren
Ordnung, durch Einführung des Geiger’schen Gebetbuches, durch Vorlesen der
Haphtarot (sc. Abschnitte aus den Prophetenbüchern) und Psalmen in deutscher
Sprache, durch deutsche Gebete eine edlere Gestaltung zu geben und Anstand und Würde
in demselben zu erhalten". Sein Bemühen hatte Erfolg: in demselben Bericht der "Allgemeinen"
wird die die Gemeinde Buttenhausen gelobt "wegen der ausgezeichneten Ordnung und
Ruhe, die in ihrem geschmackvoll neurestaurierten Gotteshause herrscht". Noch während
seiner Zeit als Rabbiner in Buttenhausen entwickelte sich Jakob Stern immer mehr
zum freigeistigen Denker. 1879 veröffentlichte er pseudonym sein "Lehrbuch der
Vernunftreligion". Unter anderem dieses Buch führte im folgenden Jahr zu seiner
Entlassung als Rabbiner.
Die Synagoge in Buttenhausen blieb gottesdienstlicher
Mittelpunkt der Gemeinde bis 1938. Im Zusammenhang mit den Ereignissen beim Novemberpogrom
1938 wurde die Synagoge zerstört. Allerdings bedurfte es zweier Anläufe,
da die Feuerwehr und der Bürgermeister einen ersten Brand im Treppenhaus des
Gebäudes schnell gelöscht hatten. Bei der zweiten Inbrandsetzung wurde der
Feuerwehr das Löschen verboten. Die SA-Leute aus Münsingen und Buttenhausen
zerschlugen die Bänke in der Synagoge, schichteten die Bücher auf einen
Haufen, übergossen sie mit Benzin und setzten damit die Synagoge in Brand.
Rabbiner Naphtali Berlinger war vor dem brennenden Gebäude zusammengebrochen
und wurde von SA-Leuten bis zu seinem Haus gezerrt. Die Torarollen konnten vor
der Inbrandsetzung gerettet werden. Auch die Bernheimer’sche Realschule sollte
niedergebrannt werden, was durch den Widerstand des Bürgermeisters verhindert
werden konnte. Nach der Zerstörung der Synagoge wurden bis zu den Deportationen
die Gebete und Gottesdienste im Rabbinatsgebäude abgehalten.
Nach 1945: Am Standort der Synagoge an der Mühlsteige
konnte am 4. September 1966 eine kleine Anlage der Öffentlichkeit übergeben
werden, deren Mittelpunkt ein von Boris Grünwald geschaffener Gedenkstein und
eine Gedenktafel ist. Der Bildhauer versah den Stein gegen die östliche
Talseite mit den Gebotstafeln, auf der gegenüberliegenden Seite mit dem
siebenarmigen Leuchter (Menora) unter dem Davidstern. Die Anlage des
Synagogengrundstückes um den Gedenkstein gestaltete der Berliner
Gartenarchitekt Walter Rossow. Die Gedenkstätte wurde auf Grund des großen
Engagement des aus Buttenhausen stammenden Professor Karl Adlers verwirklicht.
Er war auch Hauptredner bei der Feier zur Enthüllung des Gedenksteines, die von
Landesrabbiner Dr. Fritz Bloch vorgenommen wurde.
Standort der Synagoge: Mühlsteige
Fotos
Historische Fotos:
(Quelle: linkes Foto: Jüdische Gotteshäuser und Friedhöfe
in Württemberg 1932. S. 66; rechts: Stadtarchiv Münsingen)
| Die Synagoge |
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Die Synagoge an der Mühlsteige |
Innenaufnahme um 1930 |
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Ansicht von
Buttenhausen
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller,
Kirchheim/Ries
Karte ist in hoher Auflösung eingestellt) |
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Blick auf
Buttenhausen: die Karte wurde am 14. November 1940 als Feldpost
verschickt.
Links unten ist am Rand die Bernheimer'sche Realschule
erkennbar; über dem Ort der
jüdische Friedhof (Ausschnittvergrößerung
rechts). Entlang der Hauptstraße sind mehrere
jüdische Häuser erkennbar
(u.a. das Haus Loewenthal); die Straße über die Brücke zur
Mühlsteige
führt zum Gebäude des Rabbinats / Mikwe / alte jüdische Schule.
Nicht
auf der Karte sind das Synagogengrundstück und das Schulgebäude
(der evangelischen
und jüdischen Schule) erkennbar. |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Fotos vom 4. September 1966:
Veranstaltung zur Aufstellung des
Gedenksteines für die
zerstörte Synagoge
(Fotos: Landeskirchliches Archiv, Stuttgart) |
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Gedenkstein von Boris Grünwald:
Gebotstafeln
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Gegenüberliegende Seite zeigt die
Menora unter dem Davidstern |
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Zahlreiche Prominente und Vertreter
von Gemeinde, Parteien
und Kirche
waren anwesend |
Die Mühlsteige um den
Synagogenplatz war voll besetzt |
Rede von dem aus Buttenhausen
stammenden Prof. Karl Adler
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Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn) |
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Der Davidstern auf dem
Gedenkstein von Boris Grünwald |
Gedenkstein für die
zerstörte Synagoge
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Die Mühlsteige in Buttenhausen,
links der Synagogenplatz |
Blick vom Synagogenplatz in die
entgegengesetzte Richtung
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Fotos 2003:
(Fotos: Hahn,
Aufnahmedatum 13.10.2003) |
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Die Mühlsteige |
Der Synagogenplatz mit
Hinweistafel |
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| Hinweistafel am Synagogenplatz |
Gedenkstein von
1966 |
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Das ehemalige Rabbinat/
Gebäude der Mikwe |
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Gebäude am Anfang der
Mühlsteige:
ehemaliges Rabbinat; im Keller
war die Mikwe |
Hinweistafel
am Gebäude |
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Die ehemalige Mikwe
(rituelles Bad)
(Fotos: Steffen Dirschka, Münsingen;
Fotos: September 2012)) |
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| Das ehemalige rituelle
Bad |
Blick in das Tauchbecken |
Zu- und Abflüsse
für das Wasser der Mikwe |
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Gedenksteine für die Opfer
der NS-Zeit
(Fotos: Hahn, 2003) |
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Gedenksteine in
Ortsmitte mit den Namen der aus Buttenhausen
deportierten und ermordeten
Juden |
Hinweistafel neben
den
Gedenksteinen |
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Die ehemalige Bernheimer'sche
Realschule, nach 1945
örtliche Verwaltungsstelle |
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Historische
Ansichtskarte von Buttenhausen (aus der Sammlung von Peter Karl Müller,
Kirchheim/Ries). Die Karte ("Permat"-Karte) ist aus der Zeit um
1930. |
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Schlossgebäude,
Bernheimer'sche
Realschule und Gefallenendenkmal auf
einer historischen Ansichtskarte
(versandt 1916) |
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Die Ansichtskarte
wurde als Feldpost verschickt nach Stuttgart am 25. September 1916.
Die Absender der Karte (Nachnamen Reuss und Weiss) waren vermutlich auf
dem
Truppenübungsplatz Münsingen in einer Übungsbatterie
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries) |
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Karte
oben in hoher Auflösung |
Karte
oben in hoher Auflösung |
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Das Gebäude
der
Bernheimer'schen Realschule
(Fotos: Hahn, 2003) |
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Das
Gebäude von der Zwiefalter Straße
aus
gesehen, rechts die Eingangstüre |
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Das Denkmal für die Gefallenen: Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Moritz Isaak Levi
(gefallen 1917),
Samuel Levi (1916) und Sigmund Feigenheimer (1917). Auf dem
Ehrenmal für die Gefallenen Buttenhausens im Park hinter der
Bernheimer'schen
Realschule finden sich auch ihre Namen.
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Hinweistafel zur
Dauerausstellung
in der ehemaligen Realschule |
Hinweistafeln zum
"Geschichtlichen Rundgang" durch Buttenhausen mit Tafel
zur
Station an der "Bernheimer'schen Realschule" |
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Historische
Litho-Ansichtskarten
(aus der Sammlung von
Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries) |
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| Die Karte oben
wurde 1896 von Buttenhausen nach München
verschickt wurde mit Abbildung des Wohn- und Geschäftshauses der
Zigarrenfabrik Salomon Lindauer (Ausschnitt Mitte); in der Ecke links
unten (Ausschnitt rechts, um 90 Grad gedreht) nach dem Verlagshinweis der
Name von Bertha Dreyfuss (geb. 1878, umgekommen nach Deportation in Riga
1941); auch eine Darstellung des Schlosses Grafeneck findet sich auf der
Karte - in der NS-Zeit Ort grausamer "Euthanasie"-Morde. |
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Weitere Karte von Buttenhausen von 1892 mit der
Abbildung der
Zigarrenfabrik Salomon Lindauer (Ausschnitt rechts). |
Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| Dezember 2008:
Eine Chanukkia (Chanukka-Leuchter) in Buttenhausen zum
Chanukka-Fest 2008 |
Artikel
im "Alb-Boten"
(Südwest Presse - Regionalausgabe Münsingen) von Maria Bloching am 29.
Dezember 2008: mit Foto: Bringt dieses Jahr das Wunder von Chanukka auf die Alb: Martin Stoldt zündet an der jüdischen Gedenkstätte in Buttenhausen acht Lichter
an. Das Wunder von Chanukka in Buttenhausen - Martin Stoldt lässt alte jüdische Tradition wieder aufleben - Pfarrerin Marlies Haist: "Wunderbare Idee".
Das Aufstellen einer Chanukka ist eine alte jüdische Tradition und weckte in der vergangenen Woche auch das Interesse der Öffentlichkeit in Buttenhausen. Martin Stoldt zündete acht Tage lang Lichter an.
Buttenhausen Die Chanukka-Lichter erfreuen sich besonderer Beliebtheit, weil sie Erinnerung und Symbol für die Menora bedeuten, die im Heiligtum stand. Sie stellen ein Zeugnis für Israel dar, das eine göttliche Ausstrahlung in diesem Licht sieht. Das Licht der Kerzen erleuchtet die Häuser in ganz Israel während acht Tagen im Jahr.
Dieses Jahr leuchten sie auf Initiative von Martin Stoldt auch an der jüdischen Gedenkstätte in Buttenhausen, wo eine öffentliche Chanukka aufgestellt wurde, um an diese alte jüdische Tradition zu erinnern. Stoldt gehört der jüdischen Gemeinde in Ulm an und wohnt in Apfelstetten. Ihm war es ein Anliegen, nach 70 Jahren wieder öffentlich dem Chanukka-Wunder in Buttenhausen zu gedenken.
Rund 2100 Jahre ist es her, dass gemäß den Überlieferungen in Jerusalem ein Wunder geschah: Nachdem die griechischen Besatzer durch die Israeliten wieder aus dem Land gejagt worden waren, wollte die Jugend ihren Tempel erneut aufbauen. Für den großen Ölleuchter im Tempel, der nie ausgehen durfte, fand man aber nur einen einzigen verschlossenen Krug geheiligtes Öl. Alle anderen Krüge waren durch die Besatzer entweiht oder geraubt worden. Um neues Öl herzustellen, brauchte man aber acht Tage. Der eine Krug hätte dagegen nur einen Tag gereicht. Das Wunder war nun, dass dieser eine Krug die ganze Woche ausreichte, bis das neue Öl verfügbar war. Zur Erinnerung feiern die Juden in der ganzen Welt am 25. Tag des Monats Kislew das achttägige Lichterfest, das dieses Jahr zeitlich mit dem christlichen Weihnachten zusammenfiel. So entzündete Stoldt am vierten Adventssonntag nach Sonnenuntergang auf dem achtarmigen Leuchter Chanukka die erste Kerze. Jeden Abend kommt ein weiteres Licht hinzu, bis am achten Tag alle Kerzen entzündet sind.
Für die Juden ist diese Zeremonie ein lustiges, großes jüdisches Familienfest, an dem alle zusammenkommen, fröhlich feiern und tanzen. Die Kinder erhalten Geschenke und Geld, zum Essen gibt es als Erinnerung an das Ölwunder Fettgebackenes.
"Es ist doch eine schöne Geste, nach 70 Jahren wieder öffentlich in Buttenhausen auf das Wunder von Chanukka hinzuweisen", meinte Stoldt. Er freute sich, dass bisher an jedem Abend einige Buttenhausener Bürger an der Kerzenentzündung teilnahmen, ihn im Gebet begleiteten und sich interessiert an der jüdischen Tradition zeigten.
Pfarrerin Marlies Haist bezeichnete es als eine "wunderbare Idee" und begleitet diese Lichterzündung ebenfalls. Der Platz an der jüdischen Gedenkstätte erweist sich für die rund 1,80 Meter hohe Holz-Chanukka als perfekt, neben den acht Kerzen an den Armen leuchtet die mittig angebrachte "Dienerkerze" Chamasch den Platz feierlich aus." |
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| August 2009:
Anregung für eine Neugestaltung des
Synagogengrundstückes |
Artikel im "Reutlinger Generalanzeiger" vom 31. August 2009 (Artikel):
"Mit Günter Randecker auf den Spuren der Buttenhäuser Juden. Künstler möchte Platz neu gestalten. Den Umriss der Synagoge sichtbar machen
MÜNSINGEN-BUTTENHAUSEN. Auch 88 Jahre nach der Ermordung von Matthias Erzberger und 67 Jahre nach der letzten Deportation der Buttenhäuser Juden in die Vernichtungslager ist es wichtig, die Erinnerung an diese dunklen Kapitel der Heimatgeschichte aufrechtzuerhalten. Günter Randecker vom Wilhelm und Louise Zimmermann- Geschichtsverein führte kürzlich Interessierte aus nah und fern auf einem Rundgang durch Alt-Buttenhausen. Randecker berichtete über die Schicksale der 1909 geborenen Berta Berlinger und Gerda Löwenthal, die von der SS in Riga und Sobibor ermordet wurden.
Der Pädagoge Theodor Rothschild war im Sommer 1944 Opfer der NS-Vernichtungsmaschinerie geworden. Randecker trug Lesebuch-Geschichten Rothschilds vor und las aus noch unveröffentlichten Briefen, in denen deutlich wurde, wie verwurzelt der Lehrer mit seiner Heimat auf der Rauen Alb war.
Am Geburtshaus des katholischen Zentrumspolitikers Matthias Erzberger wurden Werk und Wirken des Reichstagsabgeordneten in den Jahren 1903 bis 1921 vorgestellt. Bis 1933 war über der Eingangstür am Gebäude in der Mühlsteige 21 eine Erinnerungstafel des Reichsbanners
'Schwarz-Rot-Gold' angebracht, gewidmet dem 'Reichsminister in Deutschlands schwerster
Zeit'. Der für den Erzberger-Mord verantwortliche Chef der 'Organisation
Consul', Hermann Ehrhardt, ist zeitlebens nie für diese Tat gerichtlich verurteilt worden.
Mit beim Rundgang dabei war Boris Grünwald (Jahrgang 1933), der wegen seiner jüdische Herkunft und dem Schicksal seiner gesamten Familie persönlich und geschichtlich mit allen Juden verbunden ist, auch mit den Buttenhäuser Juden. Verständnis und Mitgefühl gaben ihm die Kraft und Entschlossenheit, 1966 einen Gedenkstein für die 1938 von den Nazis niedergebrannte Synagoge in Buttenhausen zu gestalten. Ein jüdischer sakraler Gedenkstein, so Grünwald, müsse für eine Synagoge unabdingbar einen Davidstern tragen, wurden doch die Juden mit diesem Symbol stigmatisiert und verfolgt. Die Menora, der siebenarmige Leuchter, auf der Vorderseite, und die zehn Gebote auf der dem Lautertal zugewandten Rückseite verdeutlichen zudem seine Intention.
Um den Erinnerungsort würdig zu gestalten, machte Grünwald den Vorschlag, am Boden um das Mahnmal mit Pflastersteinen den Grundriss der ehemaligen Synagoge wieder sichtbar zu machen. Er erklärte sich bereit, den Entwurf den er ins Gästebuch skizzierte mit auszuarbeiten.
Außerdem regte er an, die Erinnerungs-Steinplatte direkt an der Straße gegenüber dem Denkmal aufzustellen, dann allerdings mit einer korrigierten Inschrift:
'Hier stand die Synagoge. Nationalsozialisten zerstörten sie am 10. November
1938.' Denn die Buttenhäuser Synagoge in der Mühlsteige 25 wurde nicht, wie bisher zu lesen ist, am 9. November, sondern am helllichten Tag des 10. Novembers 1938 niedergebrannt. (fm) |
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| Januar 2010:
Walter Ott wird für seine Arbeit mit dem
"German Jewish History Award" ausgezeichnet |
Foto
links von Christine Dewald: Walter Ott hinter einem Modell Buttenhausens im Museum in der Bernheimerschen
Realschule.
Artikel von Christine Dewald im "Reutlinger Generalanzeiger" vom
23. Januar 2010:
"Walter Ott aus Buttenhausen erhält für sein Lebenswerk einen hohen deutsch-jüdischen Geschichtspreis
Erinnern für die Menschen
MÜNSINGEN-BUTTENHAUSEN. Fast wäre buchstäblich Gras drüber gewachsen. Die Grabsteine des jüdischen Friedhofs in Buttenhausen waren umgestürzt, überwachsen, zum Teil so tief in der Erde versunken, dass immer noch nicht alle wiederentdeckt worden sind. Walter Ott war entsetzt,
'sprachlos' darüber, wie hier die Spuren eines entscheidenden Kapitels der deutschen Geschichte dem Vergessen preisgegeben waren.
Das gibt's doch nicht!' Aus dem spontanen Unverständnis des früheren Landwirts im Landheim Buttenhausen wurde jahrzehntelanges Engagement. Die Steine des Friedhofs, Dokumente, Bilder und vielfältige andere Spuren der jüdischen Geschichte in Buttenhausen hat Walter Ott hartnäckig und gewissenhaft für die Zukunft gesichert. Erinnerung statt Verdrängung ist die Botschaft, der sich der heute 81-Jährige zeit seines Lebens verpflichtet fühlte.
Stimme gegen die Verdrängung. Denn Versuche, zu verdrängen, gab es viele. Als Walter Ott 1946 als Landwirt und Betreuer im Landheim Buttenhausen anfing, wurde über die jüngste Vergangenheit nicht gesprochen. Dass in der Gemeinde im Lautertal jahrhundertelang jüdische Familien gelebt hatten, in enger, meist guter Nachbarschaft mit den christlichen Einwohnern, bis im Dritten Reich das Miteinander in Dorf, Schule und Vereinen schlagartig ein trauriges Ende fand - das erfuhr er erst so nach und nach.
'Ich habe immer mal wieder ein paar Brocken erwischt', schildert er seine mühsame Suche nach der Wahrheit.
Gefragt war solches Nachbohren damals nicht. Im Gegenteil. Noch in den Sechzigerjahren sollte eine Vereinschronik in Buttenhausen ganz ohne Hinweis auf die jüdische Geschichte geschrieben werden. Bis 1963 widersetzte sich der Gemeinderat des Dorfes auch dem Ansinnen, den jüdischen Friedhof herrichten zu lassen. Und die schließlich in Auftrag gegebenen Sanierungsarbeiten waren so oberflächlich, dass die Grabsteine
'alle wieder umgefallen' sind, wie Ott berichtet. Jetzt halten sie. Dafür sorgt Walter Ott seit Jahrzehnten. Ehrenamtlich. In seiner Freizeit. Er hat die Grabsteine gesäubert, die verblassten Inschriften nachgezogen und übersetzt. Er ist mit vielen tief bewegten Menschen an diesen Gräbern gestanden - mit den Nachfahren von Überlebenden aus Amerika oder der Schweiz, mit Jugendlichen, die Buttenhausens Geschichte berührt. Und auch selbst ist Walter Ott emotional stark beteiligt.
'Das waren doch Menschen von Buttenhausen', beschreibt er die Triebfeder seines Handels. Für die Menschen wollte er tätig sein, für die Toten und für die noch Lebenden.
Arbeit im Archiv. Das augenfällige Engagement auf dem Friedhof ist nur ein Teil von Otts Erinnerungsarbeit. Einen anderen, mindestens ebenso großen Teil hat er zu Hause erledigt, über Stapeln von Akten und anderen Dokumenten aus der Geschichte Buttenhausens, die unbeachtet in Kisten und Kartons lagerten.
'Ich habe jeden Abend einen Korb voll Akten in die Stube mitgenommen. Trotz fünf kleiner Kinder habe ich alles sortiert.'
Über die Geschichten Buttenhausens seit 1500 hat Walter Ott viel herausgefunden und dokumentiert. Und eben auch über die Geschichte der jüdischen Einwohner, die sich seit 1788 im Dorf ansiedelten, ermuntert durch den
'Judenschutzbrief' der Ortsherrschaft, der Freifrau von Liebenstein. Über den Friedhof und durch die Ausstellung über die Juden Buttenhausens, die Mitte der Neunziger in der Bernheimerschen Realschule eingerichtet worden ist, führt Walter Ott mit Leidenschaft, und besonders gerne Schulklassen. Im Dachgeschoss über dem kleinen Museum, das seit 1994 hier zu besuchen ist, hat der geschichtsbegeisterte Landwirt Dokumente seiner eigenen Forschung und Arbeit zu einer zusätzlichen Schau zusammengestellt.
'So war es wirklich', lautet eine Überschrift, unter der Ott Belege für Mitläufertum und Verdrängung zusammengetragen hat.
'Ich muss meinen Weg gehen.' So hat sich der aufrechte Mann aus Buttenhausen immer gegen diejenigen verteidigt, die ihm übel nahmen, dass er die Vergangenheit nicht ruhen ließ. (GEA)
Walter Ott erhält am Montag in Berlin eine hohe Auszeichnung. Mit den
'Obermayer German Jewish History Awards' werden deutsche Bürger geehrt, die auf freiwilliger Basis in ihren Heimatorten einen herausragenden Beitrag zur Bewahrung des Gedenkens an die jüdische Vergangenheit geleistet haben. Vorgeschlagen werden die Preisträger von Juden aus der ganzen Welt. Walter Ott bekommt den Preis zusammen mit vier weiteren Personen am Montag im Berliner Abgeordnetenhaus überreicht.
'Die Preisträger des Obermayer Awards sorgen dafür, dass die Welt sich erinnert, und tragen damit gleichzeitig dazu bei, dass eine Katastrophe wie der Holocaust nicht noch einmal passieren kann', sagt der Initiator des Preises, der amerikanische Unternehmer Arthur Obermayer. Unter den vielen Auszeichnungen, die er für sein Lebenswerk bereits bekommen hat (darunter das Bundesverdienstkreuz und die Otto-Hirsch-Medaille), ist dieser Preis für Walter Ott deshalb ein ganz besonderer. (GEA)" |
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Artikel zur Preisverleihung von Derbie
Shapiro in der "Jerusalem Post" vom 16.2.2010 (Artikel):
"Remembering their past mistakes"
(Artikel als
pdf-Datei). |
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| September 2011:
Europäischer Tag der
Jüdischen Kultur |
Bericht von Maria Bloching in der
"Südwestpresse" (Lokalausgabe) vom 6. September 2011:
"Ein Ort mit vielen Spuren der jüdischen Gemeinde": Link
zum Artikel; auch
eingestellt als pdf-Datei. |
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| Oktober 2012:
Das jüdische Museum wird neu gestaltet und
vergrößert |
Artikel von Ulrike Bührer-Zöfel in der
"Südwestpresse" vom 25. Oktober 2012: "Münsingen.
Gemeinderat gibt das "Okay" zum Umbau des jüdischen Museums. Laubhütte, Litfaßsäule, Grabplatten und Friedenslinde - spannende Installationen setzen Themen zum jüdischen Leben in Szene. Verbindendes Element im Museum: der Dokumentationsfries.
Aus zwei Räumen werden fünf, das Geschichtsmaterial wird aufgearbeitet - das ganze jüdische Museum in Buttenhausen bekommt eine zeitgemäße Gestaltung. 100 000 Euro sind dafür veranschlagt, 55 000 Euro davon sollten über Spenden beschafft werden, so der Gemeinderatsbeschluss in der Haushaltssitzung im April. Die sind jetzt zusammengekommen. Der Gemeinderat hat am Dienstag sein Okay für die Umsetzung der Neukonzeption gegeben..."
Link
zum Artikel |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und
Hohenzollern. 1966. S. 54-58. |
 | G. Jahn u.a.: Alltag im Nationalsozialismus, dargestellt am
Schicksal der Juden von Buttenhausen. Schülerwettbewerb Deutsche Geschichte
(Klasse 10b der Freibühlschule Engstingen) 1980/81. |
 | Juden und ihre Heimat Buttenhausen. Hg. von der Stadt Münsingen. Bearbeitet
von Günter Randecker. 1987. |
 | Paul Sauer: Zweihundert Jahre Judenschutzbrief Buttenhausen, in:
Zeitschrift für württembergische Landesgeschichte 47 (1988) S. 309ff. |
 | Juden in Buttenhausen. Ständige Ausstellung in der Bernheimer'schen
Realschule Buttenhausen (Hg. Stadt Münsingen), Schriftenreihe des
Stadtarchivs Münsingen Band 3. 1994. 2004². |
 | E. Zacher/M. Kreye, Die Juden von Buttenhausen. Materialien
zur Landeskunde und Landesgeschichte (hg. vom Oberschulamt Tübingen) Heft
13, ohne Jahr (ca. 1997).
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 | Publikation zu Gustav Landauer und seine zeitweise
Beziehung zu der aus Buttenhausen stammenden Clara Tannhauser
(Abbildungen unten von der Buchvorstellung im Landratsamt Reutlingen am
15.4.2013):
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Irmtraut Betz-Wischnath (Hg.): Gustav Landauers Briefe an Clara Tannhauser 1892.
Bearbeitet von Christoph Knüppel. Documenta suevica Bd. 22. Edition
Isele. Konstanz - Eggingen 2013.
276 Seiten mit 14 Abb. ISBN 978-3-86142-569-4.
Informationen
auf Verlagsseite.
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Beschreibung:
1892, im Königreich Württemberg: Gustav und Clara, er 22-jähriger Sohn eines jüdischen Schuhhändlers und sie 21-jährige Tochter eines jüdischen Viehhändlers, entdecken ihre Liebe zueinander und versprechen sich ohne Wissen ihrer Eltern die baldige Ehe. Was die Beziehung schwierig macht: Clara hatte zwar ihre Jugendjahre in einem Heidelberger Töchterpensionat verbracht, wohnt aber seitdem wieder bei ihren konservativen Eltern im schwäbischen Judendorf Buttenhausen, während Gustav zuletzt in der Reichshauptstadt Berlin Philosophie und neuere Philologie studierte, sich dort dem radikalen und betont religionsfeindlichen Flügel der Arbeiterbewegung angeschlossen hat und gerade an seinem ersten, von Nietzsche und Stirner inspirierten Roman schreibt. Später wird er ein bekannter Vortragsredner, Theater- und Literaturkritiker, zeitweise auch Dramaturg, bleibt jedoch vor allem eins: ein Anarchist, der leidenschaftlich für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit kämpft, der die Verhältnisse zum Tanzen bringen will und das Himmelreich auf Erden herbeisehnt, Brot, Schönheit und Lust. Weil Gustav bewusst ist, dass diese unterschiedlichen Welten nur schwer zu überbrücken sind, ruft er seiner Geliebten immer wieder die Notwendigkeit ihrer meist heimlich geführten Korrespondenz ins Gedächtnis und fordert sie auf, all ihre Eindrücke, Gedanken und Urteile mit ihm zu teilen. Zum Glück für den heutigen Leser beherzigt er diese Aufforderung auch selbst – und so tauschen die Verlobten bald sogar ihre Tagebuchaufzeichnungen aus. „Freiheit ist heute schon da“ erklärt der eifrige Schreiber Clara und bestärkt sie in ihrem Versuch, die dörfliche Enge hinter sich zu lassen. Allen Bemühungen und Beteuerungen der Liebenden zum Trotz findet die Geschichte kein Happy End. Gustav verbindet sich in Berlin Hals über Kopf mit einer klassenbewussten und bildungshungrigen Proletarierin, Clara heiratet daraufhin rasch einen gemeinsamen Vetter aus Buttenhausen, der im Ländle geblieben war und sich redlich als Kaufmann und Teilhaber der Textilgeschäfte
'Brüder Landauer' nährt.
Der vorliegende Band dokumentiert die bislang unveröffentlichten Briefe und Tagebuchaufzeichnungen Gustav Landauers aus dieser bewegten Zeit (die Mitteilungen seiner Briefpartnerin, die leider verloren sind, spiegeln sich in ihnen wider) und versieht sie mit ausführlichen Kommentaren. Ergänzt werden diese Kommentare durch eine kenntnisreiche Einleitung, die auch Landauers literarische Verarbeitung der Erlebnisse behandelt, sowie durch 32 Stammtafeln zu den weitverzweigten Familien Landauer und Tannhauser aus dem schwäbischen Landjudentum. Die Stammtafeln erleichtern dem Leser die Orientierung bezüglich der in den Briefen und im Kommentar genannten Personen, verdeutlichen aber auch exemplarisch die Kohäsion der jüdischen Familien, die sich nach der Ausstellung eines Schutzbriefes (1787) in Buttenhausen niedergelassen hatten, ihre Abwanderung in die größeren Städte nach der rechtlichen Gleichstellung und den damit verbundenen Rückgang der Kinderzahl, den Wandel der Vornamen als Ausdruck wachsender Assimilation, sowie die erzwungene Emigration aus einem feindlich gewordenen Heimatland. Und sie setzen all jenen Familienmitgliedern ein Denkmal, die im Holocaust ermordet wurden. |
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Buttenhausen Wuerttemberg.
Jewish settlement began in 1787 when 25 families received residence rights from
the local ruler. By the mid-19th century the Jews formed the majority of the
total and constitued its wealthy class, reaching a peak population of 442 in
1870. Buttenhausen became one of the region's centers of commerce and culture,
with the Jews remaining prominent even as their number began to dwindle,
primarily due to emigration to the United States and the larger German cities
and a sharply declining birthrate (from 10.3 per family in 1850 to 2.1 in 1925).
Most Jews were engaged in the cattle trade; the wealthiest owned a cigarette
factory. Throughout the period relations with the local population were
excellent and little cooperation was extended to the Nazi authorities, with
local residents removing the contents of the synagogue for safekeeping when SA
troops set it on fire on Kristallnacht (9-10 November 1938). Few of the
town's 89 Jews had left at that point; 39 emigrated by 1941; 109, including
refugees from Stuttgart and Heilbronn-Sontheim,
were expelled to the Riga ghetto on 16 December 1941 and to the Theresienstadt
ghetto on 22 August 1942. After the war, local townsman erected monuments to
commemorate the fallen and mark the site of the razed synagogue.

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