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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg

Hechingen (Zollernalbkreis)
Jüdische Geschichte / Betsäle/Synagogen
Bitte besuchen Sie auch die Website
von Manuel Werner: http://synagogehechingen.jimdo.com/
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In dem bis 1840 zum Fürstentum Hohenzollern-Hechingen, danach bis 1945 zu
Preußen gehörenden Hechingen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1941. Ihre
Entstehung geht – mit einigen Unterbrechungen und Rückschlägen - in die Zeit
Ende des 15. Jahrhunderts zurück. 1490 wird erstmals ein jüdischer
Bewohner in der Stadt genannt. 1592 wurden die Juden Hechingens
vertrieben.
Seit
der Zeit des Dreißigjährigen Krieg war eine Wiederansiedlung möglich. Das
Wohngebiet der jüdischen Familien konzentrierte sich zunächst
vermutlich in der Goldschmiedstraße (zeitweise auch 'Judengasse' genannt), spätestens seit dem
18. Jahrhundert waren auch Häuser in anderen Straßen in jüdischem Besitz. 1754 wurde ein eigenes Wohnviertel in der Siedlung
'Friedrichstraße' eingerichtet (ehemalige fürstliche Kasernen), wo die bis auf 10 in der Kernstadt verbliebenen jüdische
Familien zu wohnen hatten.
Höhepunkt
der jüdischen Geschichte in der Stadt war die erste Hälfte des 19.
Jahrhunderts, als sich ein Viertel der Stadtbevölkerung zum jüdischen Glauben
bekannte (1842 809 jüdische Bewohner). Durch Abwanderung in andere Städte
(vor allem Stuttgart) ging danach die Zahl stark zurück.
Über die Einrichtungen der jüdischen Gemeinde siehe unten.
Zeitweise war Hechingen Rabbinatssitz.
Von der Mitte des 19. Jahrhunderts an machten jüdische
Unternehmer Hechingen zu einem Zentrum der Textilindustrie.
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Handels- und Gewerbebetrieben sind bekannt: Mehl- und Getreidehandlung Isidor Bernheim
(Turmstraße 2), Kaufmann Max Einstein (Vertretung der Teuta Margarine,
Kaufhausstraße 13), Kolonialwaren Edmund Eppstein (Schadenweiler Straße 56), Flaschenbierhandlung (Glaserei) Rosa Fauser
(Firststraße 11), Kurz- und Wollwarengeschäft Simon Flehinger (Turmstraße 3), Trikotfabrik A. Gutmann & Co., B. Baruch & Söhne
(Friedrichstraße), Manufakturwaren Heinrich Hofheimer Wwe. (Hohenberger Straße
3), Trikotfabrik C.M. Koblenzer (Runkellenstraße 9), Viehhandlung Adolf (David) Levi
(Herrenackerstraße 29), Manufakturwaren Louis Levi (bis 1925, Schloßstraße
13), Eisenhandlung M.A.Levi, Inh. L. Marx (Schloßstraße 21), Mechanische Trikotweberei Hermann Levy (Haigerlocher
Straße), Nähfadenfabrik und Färberei J. Levy & Co. AG (Obere Mühlstraße
1), Mechanische Trikotwarenfabrik Carl Loewengard (Oberer Torplatz 8), Kolonial- und Tabakwaren Alfred Löwenthal (Schloßstraße
8), Reisegeschäft Max Singer (Ermelestraße 1), Viehhandlung Moritz Ullmann (Löwenstraße
11), Konfektionsgeschäft Josef Walther (Marktplatz 6), Zigarren und Spirituosen Isidor Weil
(Bahnhofstraße 11), Württembergisch-Hohenzollerische Privatbank Sigmund Weil (Wohnung Staig
19).
Durch die Verdrängung
der Juden aus dem Wirtschaftsleben in der NS-Zeit und ihre anschließende
Vertreibung verlor Hechingen nach 1933 fast die gesamt selbständige Industrie,
aber auch viele andere Gewerbebetriebe. Der Schaden wirkte noch jahrzehntelang für
die Stadt nach.
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Gefreiter Sigmund
Bernheim (geb. 23.10.1893 in Hechingen, gef. 11.3.1916). Sein Name steht auf dem
Gefallenendenkmal der Stadt hinter der Stadtkirche. Außerdem ist gefallen: Gefreiter Dr. Ernst Moos
(geb. 12.8.1878 in Hechingen, vor 1914 in Stuttgart wohnhaft, gef.
22.4.1918).
Um 1932 waren die Gemeindevorsteher:
Emil Weil (1. Vorsitzender), Hermann Levy (2. Vorsitzender) und Simon Flehinger
(3. Vorsitzender). Als Lehrer und Kantor war Leon Schmalzbach angestellt,
als Synagogendiener Markus Gutmann. Damals gehörten noch 106 Einwohner
Hechingens zur jüdischen Gemeinde. Religionsunterricht durch Leon Schmalzbach
erhielten im Schuljahr 1932/33 noch 7 Kinder. An jüdischen Vereinen
bestanden vor allem die Chewra Kadischa (Wohltätigkeits- und Beerdigungsverein)
unter Leitung vom Simon Flehinger (1932 15 Mitglieder) sowie der Israelitische
Frauenverein unter der Leitung von Liesl Bernheim (1932 34 Mitglieder).
Zur NS-Zeit schreibt Paul Sauer s. Lit. S. 94: "Nach der Machtergreifung
durch den Nationalsozialismus kam es in Hechingen nie zu Übergriffen gegen
jüdische Bürger, wenn man von dem organisierten Pogrom während der
Pogromnacht 1938 absieht, der durch Reutlinger und Hechinger SA-Leute unter
Anleitung von Parteifunktionären durchgeführt wurde. Als im Juni 1935 ein
Kulturabend in der Synagoge durch Angehörige der Hitlerjugend gestört wurde,
hielt die Bevölkerung mit ihrer Empörung nicht zurück. Ein jüdischer
Bürger, der erst 1941 auswanderte, hat der nichtjüdischen Einwohnerschaft
bezeugt, dass sie bis in den Zweiten Weltkrieg hinein den Juden gutgesinnt
gewesen sei. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Synagoge
demoliert und im Geschäftshaus von Otto Hofheimer wurden zwei Schaufenster und
ein Rollladen beschädigt. Von den 1933 hier ansässigen jüdischen Personen
wanderten 53 aus, 14 verstarben während der Verfolgungszeit am Wohnort, 28 aber
wurden in den Jahren 1941 und 1942 zwangsverschleppt und ermordet, eine Frau
beging unmittelbar vor der Deportation Selbstmord, fünf in sogenannten
"Mischehen" lebende jüdische Personen und Kinder aus
"Mischehen" blieben von den Zwangsverschleppung verschont. Von den
zwischen 1933 und 1940 nach Hechingen Zugezogenen kamen vier ebenfalls nach der
Deportation um".
Von den in Hechingen geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945", verglichen mit den Angaben
im Gedenkbuch Baden-Württemberg 1969):
Isidor Bernheim (1888), Jakob Bernheim (1867), Lydia (Liesel) Bernheim geb.
Hirschfeld (1891), Marianne Bernheim (1926), Clothilde Bernheimer (1882), Rosa
Bernheimer (1881), Pauline Bing geb. Baruch (1860), Tony Chose geb. Kaufmann
(1889), Margarete (Gretel)
Einstein geb. Levi (1903), Josef Einstein (1867), Julie Elias geb.
Bernheim (1877), Blondina Eppstein geb. Felsenthal (1883), Edmund
Eppstein (1877), Martha Felsenthal (1896), Rosalie Felsenthal (1891), Meta
Gerson geb. Jordan (1876), Hermine Gumpertz geb.
Einstein (1872), Martha Hess geb. Weil (1880), Edith Hofheimer (1932), Martha Hofheimer geb.
Grumbacher (1905), Otto Hofheimer (1894), Fanny Igersheimer geb. Singer (1889), Gustav Jordan
(1865),
Lion Jordan (1870), Auguste Kappenmacher geb. Eppstein (1875), Flora Katz geb. Baruch
(1885), Johanna Kirchheim geb. Liebmann (1875), Jettchen Kraus geb.
Weil (1876), Adolf (Aron) Levi (1871), Cilly Levi geb. Gummersheimer (1870), Emma Levi geb. Ullmann
(1873), Ilse Levy (1915), Karl Joseph Levi (1871), Marie Levi geb. Marx (1869), Rudolf Levi
(1863), Alfred Löwenthal (1892), Minna
Löwenthal geb. Neckarsulmer (1892), Rudolf Löwenthal (1858), Hermine Marx geb.
Levy (1873), Flora
Mayer geb. Levi (1883), Dr. Moritz Meyer (1872), Pescha Nowenstein (1899), Ilse
Betty Plotke geb. Levy (1915), Paula Raff geb. Baruch (1880), Alfred Ludwig Rosenthal
(1882),
Leon Schmalzbach (1882), Mina Schmalzbach geb. Weil (1888), Luise
Schnurmann geb. Löwenthal (1874), Isidor Stern (1871), Bertha Sternberg geb. Jordan
(1872), Emma Sternberg geb. Kaufmann (1895), Clara Strauss geb. Lowe (1862),
Karoline (Lina) Waitzfelder geb. Levy (1882), Harry Weil (1882), Moab (Moal)
Weinberger (1939).
Persönlichkeiten und auf sie bezogene Erinnerungsmale.
Familie Kaulla: Hechinger Hoffaktorenfamilie im 18./19.
Jahrhundert. Ihre Mitglieder gründeten in Stuttgart und München Bankgeschäfte und waren Hofbankiers der Könige von Württemberg und Bayern. Dazu wirkten sie an den Höfen von Hechingen, Sigmaringen, Donaueschingen, Darmstadt, Hanau, Zweibrücken, Mannheim, Wien und Ansbach. Die
Familie Kaulla erwarb den hohenzollerisch-hechingischen, den württembergischen und den bayrischen Adel.
Besonders bekannt sind Karoline (Chaile) Kaulla (1739-1809),
bekannt als 'Madame Kaulla', Chefin des Hauses Kaulla; Jakob Kaulla
(gest. 1810), königlicher und kaiserlicher Rat, seit 1800 Hofbankier in
Stuttgart. In Hechingen erinnert an die Familie außer dem Familiengrab auf dem
Friedhof die 'Kaullastraße' und die ehemaligen Wohnhäuser der Familie, Schloßstraße
11 (1996 Neubau) und 16.
Samuel Mayer (1807-1875), letzter Hechinger Rabbiner.
Paul Levi (1883 Hechingen-1930 Berlin), Rechtsanwalt und Politiker,
Verteidiger u.a. von Rosa Luxemburg; seit 1919 erster Vorsitzender der KPD, 1922
Rückkehr zur SPD, Vertreter des opositionellen Flügels der Partei (MdR 1920
bis 1930). An ihn erinnert in Hechingen die 'Levistraße'.
Leon Schmalzbach (1882-1942), Rabbinatsverweser.
Dr. Friedrich Wolf (1888 in Neuwied - 1953 in Lehnitz), Arzt,
Schriftsteller (Dramaturgiker), Politiker; seit 1921 in Hechingen, 1927 nach
Stuttgart, seit 1933 im Exil. 1945 Rückkehr nach Deutschland, wo er in Berlin
(Ost) kulturpolitisch tätig war: von 1950-52 erster Botschafter der DDR in
Polen. Sein Sohn Markus ('Mischa') Wolf (geb. 1923 in Hechingen) war von
1956 bis 1986 Geheimdienstchef der DDR (Leiter der Hauptverwaltung Aufklärung
im Ministerium für Staatssicherheit (Berlin-Lichtenberg). Ein weiterer Sohn von
Dr. Friedrich Wolf war Konrad Wolf (Regisseur, 1925-1982).
Elsa Einstein (1876-1936), in zweiter Ehe mit dem Physiker Albert
Einstein verheiratet; ihr Geburtshaus war in der Schloßstr.16. Im Herbst 1920
hielt sich Albert Einstein mit seiner Gattin drei Monate in Hechingen auf.
Neuer Zuzug
jüdischer Bewohner seit den 1990er-Jahren
In den 1990er-Jahren sind - fast durchweg aus den GUS-Ländern -
wiederum jüdische Personen/Familien in Hechingen zugezogen. Um 2003
zeichnete sich sogar das das Entstehen einer jüdischen Gemeinde in Hechingen ab (zunächst als Filialgemeinde von Stuttgart), nachdem
bis dahin etwa
70 jüdische Personen in der Stadt zugezogen waren. Durch Wegzug ist die Zahl allerdings bis Ende 2006 auf etwa 40 Personen
zurückgegangen. Bis 2010 waren fast alle jüdischen Personen wieder aus
Hechingen weggezogen, sodass es nicht zur Bildung einer neuen Gemeinde gekommen
ist.
Zur Geschichte der Betsäle / Synagoge
Die Synagoge in der
(Alt-)Stadt. 1542 gestattete Graf Niclas II. von Hohenzollern zwei von ihm
aufgenommenen Juden die freie Religionsausübung in der Stadt. 1546 verkaufte
der Graf der Judenschaft, die damals aus 10 jüdischen Familien bestand, die
Judenschule, die in einem Haus "hinten bei der Stadtmauer" eingerichtet war.
Dabei handelt es sich vermutlich bereits um den Platz der späteren Synagoge in
der Goldschmiedstraße 20. 1592 vertrieb allerdings Graf Eitelfriedrich
I. die Juden aus Hechingen für einige Jahre, sodass auch das gottesdienstliche
Leben in der Synagoge erlosch.
In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges konnte sich eine neue jüdische Gemeinde bilden, die wiederum einen Betsaal einrichtete. In den Schutzbriefen von der Mitte des 17. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts wird jeweils bestätigt, dass die jüdischen Familien ihre Synagoge weiterhin unterhalten dürfen. Zunächst war das Haus, in dem sich der Betsaal befand, gemietet.
Um 1750 ist das Gebäude von der Gemeinde gekauft worden. Es ist nicht bekannt, wann diese Synagoge durch einen Neubau abgelöst wurde; möglicherweise wurde sie immer wieder nur umgebaut (weitgehender Umbau bzw. Neubau 1765 bis 1767; dieses Gebäude stand in der Goldschmiedstraße 20).
Für die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts rasch wachsende Zahl von Gemeindegliedern war die Synagoge des 18. Jahrhunderts viel zu klein geworden, obwohl damals drei Synagogen in Hechingen zur Verfügung standen (siehe unten). Bereits in den
1820er-Jahren wollte man die bisherige Synagoge abbrechen und neu aufbauen, nachdem Kiefe Auerbacher, der Ehemann von Madame Kaulla, der Gemeinde 5.000 Gulden vermacht hatte, um eine Synagoge aus Quadersteinen zu erbauen. Zunächst sah sich die Hechinger Judenschaft zu einem solchen Bau nicht in der Lage.
1830 bis 1832 wurde die Synagoge dann zusammen mit dem benachbarten Schul- und Gemeindehaus neu gebaut oder zumindest umfassend erneuert. Die von Bauinspektor Wiest ausgeführten Baumaßnahmen kosteten nach der gemeinsamen Abrechnung für beide Gebäude 6.153 Gulden.
Durch einen Beschluss vom 21. März 1839 wurde im Fürstentum Hohenzollern
die im Königreich Württemberg geltende Gottesdienstordnung eingeführt. Am Schabbat Nasso (24./25. Mai 1839) wurden die Gottesdienste erstmals nach ihr in Hechingen gefeiert.
Die württembergische israelitische Gottesdienstordnung
gilt auch für das Fürstentum Hohenzollern (1839)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 6. Juli 1839: |
1850 bis 1852 kam es zu einem Umbau und einer beträchtlichen Vergrößerung der bisherigen Synagoge. Auch dieser Umbau wurde – wie 20 Jahre zuvor - noch von Bauinspektor Wiest ausgeführt. Er war dringend nötig, da ab dieser Zeit das Lehrhaus mit der
'Stiftssynagoge' (siehe unten) nicht mehr zur Verfügung stand. Für die Erweiterung der Synagoge wurde die vor dem Gebäude stehende Wohnung des Vorsängers abgebrochen und das Grundstück für den Erweiterungsbau verwendet. Neue Emporen sorgten auch für ausreichenden Platz der beim Gottesdienst anwesenden Frauen. Der Umbau kostete etwa 1.650 Gulden. Am 23. Dezember 1852 konnte das umgebaute Gotteshaus durch Rabbiner Dr. Samuel Mayer feierlich eröffnet werden).
In den 1860er-Jahren bemühte sich Rabbiner Dr. Mayer darum, dem Gottesdienst in der Hechinger Synagoge
'durch Herstellung einer Orgel und Errichtung eines Synagogenchors eine würdigere und den Anforderungen der gebildeten Besucher des Gottesdienstes mehr entsprechende Gestalt zu
geben', hatte damit allerdings zunächst keinen Erfolg. Nach einer an die 'Allgemeine Zeitung des
Judentums' geschriebenen privaten Mitteilung (möglicherweise von Rabbiner Dr. Mayer selbst) war der bis dahin in Hechingen gehaltene Gottesdienst
'weit eher geeignet, zur Missachtung unserer heiligen Religion zu veranlassen als zur Erbauung der Teilnehmer, da es jedem denkenden Menschen einleuchtet, dass ein so sinnloses, für jeden unverständliches Geplauder und Geschrei unmöglich ein Gebet genannt werden
kann'. Wenig später wurde ein Synagogen-Chorverein in Hechingen unter Leitung des damaligen Kantors Lichtenstein gegründet, der seitdem mit
'ausgezeichneten Leistungen' den Gottesdienst bereicherte. Zu einem auch öffentlich (über Artikel in der
'Allgemeinen Zeitung des Judentums') ausgetragenen Streit in der Hechinger Gemeinde kam es dann allerdings 1865 anlässlich der von einem Teil der Gemeinde gewünschten Anschaffung eines Harmoniums. Die Mehrheit des Vorstandes hatte plötzlich Sorge, dass die Gottesdienstreformen zu weit gehen würden und viele der schönsten Gebete, die Lesung der Tora und viele andere Gebräuche mit der Zeit verschwinden würden. Daher lehnte man zunächst das Harmonium ab, was allerdings den Synagogenchor verstimmte. Erst 1870 wurde von der inzwischen neu gewählten Gemeinderepräsentanz das Instrument angeschafft. Ein Hechinger Berichterstatter meldete damals der
'Allgemeinen Zeitung des Judentums': 'Dank der fortgeschrittenen Einsicht unserer Gemeinde erfreuen wir uns jetzt eines so erhebenden Gottesdienstes, dass darüber nur eine Stimme der Anerkennung herrscht, ohne dass mit der Einführung des Neuen dem
Pietätgefühl der Altgläubigen zu nahe getreten worden wäre'. Die Erneuerung des Gottesdienstes hat sich bewährt. In der
'Allgemeinen Zeitung des Judentums' wird auch 1890 davon berichtet, dass die Hechinger Gemeinde
'eine ganz schöne Synagoge (habe), in der ein recht erbauender und zeitgemäßer Gottesdienst abgehalten
wird'.
In der Synagoge wird die Gasbeleuchtung eingeführt - die
bisherigen Leuchter stehen zum Verkauf
(1875)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Januar
1875: |
1881 wurde das Synagogengebäude noch einmal renoviert. Dabei erhielt dieses eine neoklassizistische Fassade. Seitdem präsentierte sich das Gebäude so, wie es noch Jahrzehnte später im
'Notizblatt der Gesellschaft für Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler' (Jg. 1929) beschrieben wurde:
'ein Fachwerkbau, freistehend mit einer dreistufigen Treppe zum Betraum. Abmessungen: 15 m lang, 12 m breit, 14 m bzw. im Innern 7 m hoch. Nebengebäude sind nicht vorhanden. Die Decken sind bemalt, die Glasfenster bunt. Die Synagoge hat 160 Männerplätze, 96 Frauenplätze. Der Almemor steht nicht in der
Mitte...'. 1929 waren in der Synagoge nach derselben Beschreibung an Ritualien vorhanden:
'etwa 25 Toravorhänge... Der für Neujahr- und Versöhnungstag ist 130 Jahre alt, der für Laubhütten- und Überschreitungsfest 123 Jahre, der für das Wochenfest 125 Jahre, der für die Beschneidung 126 Jahre. Weitere Vorhänge sind 173, 146, 120, 117 und 115 Jahre alt. Von dem silbernen Toraschmuck ist einer etwa 300 Jahre, einer etwa 249 Jahre, einer 150, einer 133 Jahre alt und einer aus neuerer Zeit. Außerdem sind ca. 50 Wimpel vorhanden. Außer dem derzeitigen Ner tamid war noch ein silbernes vorhanden, das vor etwa 30 Jahren entwendet wurde. Der Chanukka-Leuchter aus der Biedermeierzeit ist aus Messing, zwei achtarmige Leuchter sind aus Silber, ebenso der Kiddusch-Becher. Ferner sind noch zwei Zinnteller aus der Rokokozeit für Purim erwähnt'.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge von Reutlinger und Hechinger SA-Leuten unter Anleitung von Parteifunktionären völlig zerstört. In einem Bericht der Stadt Hechingen an das Finanzamt Sigmaringen wurden die Schäden so beschrieben:
'An der Synagoge sind sämtliche Fenster (Rahmen und Glasscheiben) und die Eingangstüre zerstört. Im Innern des Gebäudes sind die Emporebrüstungen, zwei eiserne Öfen, die Gebetstühle zum großen Teil, und verschiedene Gebrauchsgegenstände für religiöse Handlungen
vernichtet...' Am 12. November 1940 erwarb die Stadt das Gebäude für 3.000 RM und nutzte es danach für Abstellzwecke, als Turnhalle und als Rekrutierungshalle für Soldaten.
Nach Kriegsende 1945 wurde das Gebäude beschlagnahmt und im Zuge des Restitutionsverfahren 1949 an die Israelitische Kultusvereinigung in Stuttgart zurückgegeben. Diese verkaufte es 1952 an einen örtlichen Glasermeister, der es bis 1982 für Lagerzwecke nutzte. Die nachfolgende Restaurierung der alten Hechinger Synagoge war im wesentlichen das Verdienst der
'Initiative Hechinger Synagoge'. Bereits in den 1960er- und 1970er-Jahren war der unwürdige Zustand des Synagogengebäudes bedauert worden, doch wurde kein Weg gefunden, daran etwas zu ändern. 1979 wurde es als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung eingetragen. 1982 konnte das Gebäude durch den inzwischen gegründeten Trägerverein mit Hilfe von Spenden und eines Zuschusses durch die Stadt aufgekauft werden.
1983 bis 1986 ist es grundlegend restauriert und für kulturelle Veranstaltungen hergerichtet worden. Ziel der Renovierung war die weitgehende Wiederherstellung der Synagoge in ihrer ursprünglichen Form vor 1938. Dazu gehörten beispielsweise die mühevolle Restaurierung der Deckenbemalung mit den zwölf Sternfeldern für die Stämme Israels und die Wiederherstellung der Frauenempore. Im Zusammenhang mit der Instandsetzung, die Architekt Wolf Schwab ausführte, fand man im Dachstuhl eine Genisa. Die Funde wurden in der Restaurationswerkstatt der Tübinger Universitätsbibliothek soweit möglich wiederhergestellt. Am 19. November 1986 konnte die
'Alte Synagoge' wiedereröffnet werden. Ein im März 1987 gegründeter Verein Alte Synagoge leitet die Arbeit und organisiert das Kulturprogramm. Auf der Empore wurde 1991 eine ständige Ausstellung zur Geschichte der Juden in Hechingen aufgestellt.
Seit Frühjahr 2003 wurde die "Alte Synagoge" Hechingen wieder
gelegentlich als jüdisches Gotteshaus genutzt für jüdische Personen, die in
den Bereich von Hechingen und des Zollernalbkreises zugezogen waren. Durch
Wegzug der meisten dieser Personen konnte jedoch kein beständiges jüdisch-religiöses
Leben in der Alten Synagoge aufgebaut werden.
"Synagogenstraße": Um 1880 wurde die ehem. Pfarrhofstraße in 'Synagogenstraße'
umbenannt, 1934 bis 1986 hieß sie Hohenberger Straße, seither wieder Synagogenstraße.
Die Synagoge in der Friedrichstraße. Im Wohngebiet der Friedrichstraße, ein seit 1754 ausschließlich von Juden bewohntes Stadtgebiet , wurde - umgeben von teilweise neu erbauten jüdischen Wohnhäusern - 1761 eine Synagoge erbaut (Standort auf dem Flurstück
3450). Es handelte sich um ein zweistöckiges Fachwerkgebäude, nach der Beschreibung von Rabbiner Dr. Samuel Mayer war es ein
'geräumiges' Gebäude. Für den Bau hatte die jüdische Gemeinde ein größeres Darlehen aufnehmen müssen, das sie noch 1775 zurückzuzahlen hatte. Damals konnte sie sich aus diesem Grund nicht am Ausbau eines in herrschaftlichem Besitz befindlichen Hauses beteiligen. Über die Inneneinrichtung dieser Synagoge ist nur bekannt, dass unter einem dort angebrachten Wappen ein Gebet für das Fürstenpaar sowie dessen Anverwandte, Räte und Beamte stand, worin es hieß:
'Du wollest ihr Leben verlängern in Frieden, sie vor Unglück und Traurigkeit behüten, und ihnen die Gewalt geben über ihre Feinde, auch ihnen alle Gnade und Barmherzigkeit erzeigen und ihre Herzen und Gedanken neigen, damit sie auch uns armen Kinder Israel gnädig und barmherzig sein mögen'. Die Synagoge in der Friedrichstraße wurde
bis 1870 benutzt. 1877 wurde das Gebäude zum Abbruch ausgeschrieben und ein Jahr später von der israelitischen Gemeinde verkauft.
Stiftssynagoge: Neben den Gemeindesynagogen in der Goldschmiedstraße und in der Friedrichstraße stand
von 1803 bis 1850 der jüdischen Bevölkerung Hechingens auch noch die 'Stiftssynagoge' der Familie Kaulla im Lehrhaus in der
'Münz' (am Ende der heutigen Münzgasse) zur Verfügung. Sie war für die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zahlenmäßig immer größer gewordenen Gemeinde von großem Nutzen, da die beiden anderen Synagogen an den Schabbat- und Feiertagen nicht alle Gemeindeglieder, die am Gottesdienste teilnehmen wollten, fassen konnten. Seit 1850 wurde das Gebäude als Fabrikgebäude verwendet, 1937 abgebrochen. Der Schlussstein (Portalstein) blieb erhalten (1986 wiederentdeckt, ausgestellt in der
'Alten Synagoge').
Im Heimatmuseum Hechingen erinnern mehrere Stücke an die jüdische Geschichte,
unter anderem drei Schabbat-Lampen, zwei Chanukka-Leuchter und eine Mesusa. Zahlreiche Erinnerungsstücke wurden beim Umbau der Synagoge in einer Genisa entdeckt (Literatur unterschiedlicher Art, kleine Ritualien). In der Stuttgarter Synagoge werden unter anderem noch drei Hechinger Tora-Schilde aufbewahrt, die im Verzeichnis von 1929 (s.o.) erwähnt wurden. Es handelt sich um Tora-Schilde von 1680, 1779 und 1806.
Zu den weiteren Einrichtungen der jüdischen Gemeinde:
Schulen: Durch die Kaulla’sche Rabbinatsstiftung konnte 1803 neben der Synagoge in der Münz ein Bet Hamidrasch (jüdisches Lehrhaus) eingerichtet werden. Dazu bestand eine Talmud-Tora-Schule, die 1825 in der israelitischen Volksschule aufging. Das Bet Hamidrasch bestand bis 1850. Neben der Synagoge wurde am Platz der bisherigen Hagenscheuer 1830 bis 1832 ein Gemeinde- und Schulhaus erbaut. Hier waren auch die Wohnungen des Rabbiners, Lehrers und Vorsängers. 1926 wurde die israelitische Volksschule aufgehoben. Seit 1942 war das Gebäude im Besitz der Stadt und wurde später als Wohnhaus genutzt. 1983 bis 1988 wurde in die Restaurierungsmaßnahmen der ehemaligen Synagoge auch das ehemalige Schul- und Gemeindehaus miteinbezogen.
Rituelle Bäder: Rituelle Bäder bestanden in der Kernstadt (Standort unbekannt), in der Friedrichstraße (1767 genannt, 1871 verkauft und später abgebrochen; bei der Synagoge auf Flurstück 3450), im Gebäude des Bet Hamidrasch und vermutlich im Privatbesitz der Familie Kaulla. Von allen Bädern sind keine Spuren mehr vorhanden.
Friedhof: siehe weitere
Seite.
Sonstige Einrichtungen: Im 19. Jahrhundert bestanden im Stadtteil Friedrichstraße ein Schlacht- und Waschhaus (bei der Synagoge), eine rituelle Bäckerei (1829 bis 1851) und eine Herberge für durchreisende Juden (später bei der Ankerbrücke).
Fotos
Historische Fotos:
Die Synagoge
in der
Goldschmiedstraße |
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Ansicht der Synagoge
(undatiert, zwischen
1852 und 1881); Lithographie von
S. Obach, Städt.
Museum HCH) |
Die Fassade der Synagoge
(Aufnahme um 1900;
Quelle: Foto Keidel, Hechingen) |
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Innenansicht der Synagoge mit
Blick
zum Eingang und zur Frauenempore
(Foto Keidel, Hechingen) |
Innenansicht der Synagoge mit
Blick zum Toraschrein
(Foto Keidel, Hechingen) |
Der Toraschrein
(Ausschnitt aus dem Foto links) |
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Die Zerstörung der
Synagoge
in der Pogromnacht 1938 |
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Die demolierte Synagoge mit
Blick zur Empore
(Foto Keidel, Hechingen) |
Die demolierte Synagoge mit
Blick zur Tora-Nische
(Foto Keidel, Hechingen) |
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Die Synagoge im Stadtteil
Friedrichstraße 1761-1870
(Quelle: aquarellierter Kupferstich von J.H.
Bleuler im Städtischen Museum Hechingen) |
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Flurkarte von 1861 des
Stadtteiles
Friedrichstraße mit der ehemaligen
Synagoge, dem Badhaus,
Schlacht- und
Waschhaus sowie der Judenherberge
(Quelle: Werner, Synagogen
s. Lit. S. 43) |
Ansicht des Stadtteils
Friedrichstraße -
Darstellung von J. H. Bleuler (1758-1823) |
Ausschnitt aus Darstellung
links mit Synagoge |
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Die Stiftssynagoge der
Familie Kaulla in der "Münz" |
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Das Gebäude der
"Münz", in dem 1803-1850
neben dem Beth Hamidrasch die
Stiftssynagoge eingerichtet war |
Das Gebäude des Beth
Hamidrasch
und der Stiftssynagoge kurz
vor dem Abbruch (1937) |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Kontaktmöglichkeit zur "Alten Synagoge":
Verein Alte Synagoge Hechingen e.V. Goldschmiedstraße 22 72379
Hechingen E-Mail.
Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| Februar 2010:
Auf den Spuren von Paul Levi in
Hechingen |
Foto
links: Jakob Levi und sein Sohn Paul.
Artikel im "Schwarzwälder Boten" vom 23. Februar 2010 (Artikel):
"Der 'Rote Postjakob' und sein berühmter Sohn.
Hechingen. Der Vater schrieb als der 'Rote Postjakob' Stadtgeschichte, der Sohn war erster Vorsitzender der Kommunistischen Partei Deutschlands: Eine Stadtführung auf den Spuren von Jakob und Paul Levi bietet die Stadt Hechingen am Sonntag, 28. Februar, an.
Paul Levi galt als 'der einzige Hechinger, von dem die ganze Welt bis in die fernsten Winkel der Vereinigten Staaten und Sibiriens sprach'. Er war Rechtsanwalt, Reichstagsabgeordneter und enger Vertrauter Rosa Luxemburgs. Über ihn und seinen Vater Jakob Levi erzählt die Stadtführerin Johanna Werner. Stationen der Führung sind die Synagoge und die Wohn- und Wirkungsstätten der Familie.
Jakob Levi, 1844 in Mühlen am Neckar geboren, war Lehrer, bevor er sich entschloss, Handelsmann zu werden. Er tat sich mit dem Hechinger Leopold Liebmann zusammen. Sie gründeten die Trikotweberei Liebmann und Levi. Nach dem Ausscheiden des Partners im Jahr 1887 war er alleiniger Inhaber der Firma. Die Firma operierte zwischen Konstantinopel und Südwestafrika, die von ihr produzierte Unterwäsche unter dem Markenzeichen
'Togolano' war legendär. Levi verkaufte die Fabrik 1913 an den Bisinger Heinrich Maute, noch heute stehen Gebäudeteile der alten Fabrik an der scharfen Kehre der Neustraße.
Jakob Levi, der 'Rote Postjakob', lebte fortan als freisinniger Privatier und spielte im öffentlichen Leben weiterhin eine Rolle als Stadtverordneter und Vorsteher der jüdischen Gemeinde. Vehement verfolgte er seinen Standpunkt:
'Das Wohl der Stadt über alles.'
Levis Sohn Paul wurde am 1883 in Hechingen geboren. Er studierte in Heidelberg, Berlin und Grenoble Jura, war Gerichtsreferendar in Hechingen und schon früh Anhänger der Sozialdemokratie. Nach seiner Lösung von den Mehrheitssozialdemokraten 1919 wurde er der erste Vorsitzende der Kommunistischen Partei Deutschlands, kehrte jedoch drei Jahre später wieder zur SPD zurück. Paul Levi war ein enger Freund Rosa Luxemburgs und verteidigte sie mehrfach vor Gericht. Im Berliner Reichstag hielt er brillante Reden. Er deckte als wichtigster Anwalt der Weimarer Republik erstmals die politischen Hintergründe des Mordfalls Liebknecht/Luxemburg auf.
Schwer erkrankt, stürzte Paul Levi am 9. Februar 1930 im Fieberwahn aus dem Fenster seiner Berliner Wohnung im vierten Stock. Er war sofort tot. Infolge eines Hirntumors beendete sein greiser Vater im selben Jahr durch einen Sturz aus seiner Wohnung im jüdischen Schul- und Gemeindehaus sein Leben.
Treffpunkt zur Stadtführung am Sonntag, 28. Februar, ist um 15 Uhr die Alte Synagoge in der Goldschmiedstraße." |
| Bericht über die Stadtführung und Paul
Levi: Artikel von Uwe Oster in der "Südwestpresse" vom 2.
März 2010 (als
pdf-Datei eingestellt) |
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| September 2010:
Tagung "Juden in der Textilindustrie" |
Foto
links: Die Herstellung und der Vertrieb von Textilien wurde in den vergangenen zwei Jahrhunderten maßgeblich von jüdischen Unternehmen und Familien getragen. Diesen Teil der Heimatgeschichte beleuchtet eine Tagung in Hechingen. Unser Bild zeigt die Kleiderfabrik Stern in Horb um das Jahr 1930. Foto: Privat.
Artikel im "Schwarzwälder Boten" vom 19. August 2010 (Artikel):
"Hechingen - Kleiderbügel erinnern an die Betriebe.
Hechingen. Mit der jüdischen Textilindustrie in all ihren Facetten beschäftigt sich eine überregionale Tagung am Sonntag, 10. Oktober, im Bildungshaus St. Luzen. Organisator ist der Verein Alten Synagoge
Hechingen. Die Tagung "Juden in der Textilindustrie" widmet sich einem gewichtigen Bereich der Heimatgeschichte des Zollernalbkreises und angrenzender Kreise. Allein in Hechingen arbeiteten 1925 mehr als 2000 Personen in Textilbetrieben, die von jüdischen Unternehmern begründet und geführt wurden. Letztlich wurde im ganzen südwestdeutschen Raum die Herstellung und der Vertrieb von Textilien in den vergangenen zwei Jahrhunderten maßgeblich von jüdischen Unternehmern getragen.
Bei der Tagung soll diese regionale und überregionale Geschichte der jüdischen Textilindustrie mit ihren historischen, religiösen und kulturellen Hintergründen beleuchtet werden. Die Veranstaltung wird vom Gedenkstättenverbund Gäu-Neckar-Alb ausgerichtet. Der Verbund, der sich vor einem Monat als gemeinnütziger Verein konstituierte und seit Oktober 2008 die Zeitschrift "Gedenkstätten- Rundschau" herausgibt, vereinigt unter seinem Dach die Gedenkstätten Synagoge Rottenburg-Baisingen, Ehemalige Synagoge Haigerloch, Alte Synagoge Hechingen, Ehemalige Synagoge Rexingen, Ehemalige Synagoge Rottweil, Gedenkstätten KZ Bisingen, KZ-Gedenkstätten Eckerwald/Schörzingen und Dautmergen-Schömberg, Stauffenberg-Gedenkstätte Albstadt-Lautlingen und die Geschichtswerkstatt Tübingen.
Der Verbund ist schon seit längerem bemüht, Einzelaktivitäten zu bündeln, um sie weiträumiger und konzentrierter nach außen darstellen zu können. Vor vier Jahren fand in Rexingen die viel beachtete Tagung
'Jüdische Viehhändler zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb' statt, zu der ein Tagungsband erschien, dessen zweite Auflage bereits vorbereitet wird.
Die Tagung am 10. Oktober, die auch von der Landeszentrale für politische Bildung Baden Württemberg unterstützt wird, beginnt um 13.30 Uhr und endet – aufgelockert durch Diskussionen, Kaffeepause und Abendimbiss – gegen 19 Uhr.
Es werden Referate zur hören sein vom Vorsitzenden des Hechinger Synagogenvereins, Karl-Hermann Blickle, vom Landesrabbiner a.D. Joel Berger, von dem Sozialhistoriker Uri Kaufmann, von Doris Muth vom Maschenmuseum Lautlingen, von Irene Scherer und Welf Schröter vom Löwenstein-Forschungsverein Mössingen, der die Geschichte der Pausa in Mössingen erforscht, und von Winfried Hecht vom Stadtarchiv Rottweil.
Im Zentrum der Tagung steht die "Jüdischkeit" der Textilindustrie, ihre Geschichte in Hechingen, im Zollernalbkreis bis hin nach Rottweil und Mössingen. Während der Tagung wird eine Installation mit Kleiderbügeln aufgebaut, die auf ehemalige jüdische Textilbetriebe und die Menschen, die in ihnen gearbeitet haben, aufmerksam machen wird. Dafür bitten die Veranstalter der Tagung um Mithilfe: Wer einen Kleiderbügel einer jüdischen Textilfirma besitzt, wird gebeten, ihn für die Dauer der Tagung auszuleihen.
Weitere Informationen: Verein Alte Synagoge Hechingen, Heiligkreuzstraße 55, 72379 Hechingen;
Email; Telefon 07471/933222." |
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| Dezember 2010:
Vortrag über den Landgerichtspräsidenten Moritz
Meyer |
Artikel im "Schwarzwälder Boten"
vom 12. Dezember 2010 (Artikel): "Moritz Meyer: Naturheilkunde im Waldbad
Hechingen. Er war ein weithin bekannter Hechinger und bewunderter Naturheiler: Mo- ritz Meyer. Sein Leben ist Thema eines Vortrags am Donnerstag, 16. Dezember, ab 19 Uhr in der Synagoge.
Der 1872 geborene Moritz Meyer wurde 1913 Landgerichtspräsident in Hechingen. Kriegserlebnisse in der Landwehr erschüttert ihn jedoch so tief, dass er krankheitshalber beurlaubt und pensioniert werden musste. Danach beschäftigte er sich mit Landwirtschaft und Kleintierzucht und wurde als "Bockmeyer" stadtbekannt. Die Prominenz steigerte sich, als er sich der Naturheilkunde zuwandte und ihm bald der Ruf eines Wunderheilers vorauseilte. Auf einem Grundstück im Fasanenwald eröffnete er 1929 das "Waldbad Zollern". Meyer veranlasste zudem seinen Neffen, den Arzt und Schriftsteller Friedrich Wolf, dazu, sich 1921 in Hechingen als Arzt niederzulassen.
Da er Jude war, wurde er nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten zunächst drangsaliert und verfolgt. 1942 wurde er im KZ Mauthausen/Linz ermordet.
Der Hechinger Historiker Otto Werner hat über Moritz Meyer vor Jahren einen Aufsatz verfasst. Rudolf Guckelsberger, der in der Alten Synagoge schon mehrfach auftrat, wird diesen Aufsatz vortragen.
Interesse könnte der Vortrag auch bei den Mitgliedern des Heimatvereins Wessingen finden, die in Zusammenarbeit mit dem Schwäbischen Heimatbund damit begonnen haben, die Mauern des früheren Waldbads am Südhang des Fasanenwaldes freizulegen und seine Geschichte weiter aufzuarbeiten." |
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| Februar 2011:
Über das Jahresprogramm 2011 I |
Artikel von Norbert Kirchmann in der "Südwestpresse" vom 5.
Februar 2011 (Artikel):
"Hechingen. Das aktuelle Halbjahresprogramm des Vereins Alte Synagoge steht unter besonderen Vorzeichen: Seit 25 Jahren werden im wieder eröffneten jüdischen Gotteshaus systematisch Programme veranstaltet.
Nach dem bereits eindrucksvoll begangenen Holocaust-Gedenktag wird am Donnerstag,
15. Februar, ab 19 Uhr der Wessinger Historiker Paul Münch zu einem Thema sprechen, das immer wieder neue Aktualität beansprucht: Die physiognomische Ausgrenzung von Angehörigen einer anderen Religion. Münch wird zeigen, dass diese Praxis, die gegenüber den Juden zu entsetzlichen Folgen führte, auch schon innerhalb des Christentums selber eine große Rolle spielte. Hinter dem launigen Titel "Judennasen, Christusgesichter, Mönchsvisagen" verbirgt sich spannende Geschichte, die unbedingt in Erinnerung gerufen werden sollte. Dr. Paul Münch ist emeritierter Professor für Geschichte an der Universität Duisburg-Essen und in Hechingen durch zahlreiche Vorträge bekannt.
Am Dienstag, 1. März, 19 Uhr, wird die bei Reutlingen lebende israelische Künstlerin Revital Herzog humorvolle Weisheitsmärchen und aus dem Alltag entnommene Mutmachgeschichten aus Judentum und Orient vortragen und auf dem Akkordeon dazu Klezmer und andere traditionelle Klänge spielen.
Das Gymnasium Haigerloch wird am Dienstag, 12. April, ab 20 Uhr die Schönheit und Geschichtsträchtigkeit der Synagoge für eine Thema nutzen, das dringend immer wieder einer Bearbeitung bedarf - die Bücherverbrennungen 1933. Die Lehrerin Donata Miehe wird mit ihren Schülerinnen und Schülern eine Gedenkveranstaltung gestalten, bei der eine Auswahl aus Biographien und Werken betroffener Dichter und Schriftsteller vorgelesen wird, unterlegt mit Musik aus dem Bereich "Entartete Musik"; von Komponisten also, die unter der Nazi-Herrschaft systematisch zum Schweigen gebracht wurden.
Unter dem Thema "Jiddisch" wird am Dienstag, 17. Mai, ab 18.30 Uhr das Gymnasium Hechingen ein Erinnerungsprogramm gestalten, an dem neben den Musiklehrern Karin Kuhner und Wolfgang Nägele mehr als 50 Schüler mitwirken. Es kommen jiddische Lieder und Klezmer-Stücke zum Vortrag. Dazu werden Texte von bekannten jiddisch schreibenden Autoren vorgelesen.
Der Vorstand der Alten Synagoge ist sehr beeindruckt, dass die Schulen selbst diese Themen aufgreifen und damit auch die heutigen jungen Generationen mit Hilfe aufgeschlossener Pädagogen sie neu für sich entdecken.
Am Dienstag, 7. Juni, spricht um 20 Uhr der bekannte Tübinger Psychoanalytiker Dr. Rainer Funk zum Thema "Erich Fromms Menschenbild und seine jüdischen Wurzeln". Funks Vorträge sind immer gut besucht, weil er es als letzter Mitarbeiter Fromms und Herausgeber dessen Schriften versteht, sehr authentisch über den bedeutenden Psychologen und Soziologen zu sprechen.
Am Samstag, 25. Juni, wird ab 20 Uhr die Gruppe und achtköpfige Band Gentil Cuer (Schöne Seele), die Mitglieder in Hechingen hat, dem aus Wien stammenden jüdischen Dichter Theodor Kramer (1897-1957) ein Konzert widmen.
Die Schauspielerin und Sängerin Martina Roth aus Trier wird am Dienstag, 28.
Juni, ab 20 Uhr Gedichte von Nelly Sachs (1891-1970) und Selma Meerbaum-Eisinger (1924-1942) rezitieren und Vertonungen von Johannes Conen, der mit der Gitarre begleitet, singen.
Johanna Werner gestaltet zwei Führungen. Die eine ist am Sonntag, 5.
Juni, für Kinder und Jugendliche (Treffpunkt 15 Uhr an der Alten Synagoge). Die andere folgt am Tag der Europäischen Kultur, am Sonntag,
5. September, und ist dem "Leben und Wirken des letzten Hechinger Rabbiners Samuel Mayer" gewidmet (15 Uhr an der Synagoge)." |
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November 2011:
25. Jahrestag der Wiedereröffnung der "Alten
Synagoge"
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| Veranstaltungsprogramm "25 Jahre Alte
Synagoge" in Hechingen - siehe Pressebericht in der
"Hohenzollerischen Zeitung" (Südwestpresse) vom 9. September
2011: eingestellt
als pdf-Datei |
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Zum Jubiläum Artikel von Andrea Maute im "Schwarzwälder
Boten" vom 30. Oktober 2011: "Ein Ort der Erinnerung
und der Kultur.
Hechingen. Sie ist eine Stätte des Gebets, der Begegnung und der
Erinnerung: Vor 25 Jahren, am 19. November 1986, wurde die Alte Synagoge
in Hechingen feierlich wiedereröffnet..."
Link zum Artikel - auch eingestellt als
pdf-Datei. |
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Artikel von Uwe Oster in der "Hohenzollerischen
Zeitung" (Südwestpresse, Lokalausgabe) vom 21. November 2011: "Erinnern
gegen das Vergessen.
Hechingen. Hechingen ist ohne seine Alte Synagoge kaum mehr
vorstellbar. Doch deren Rettung war alles andere denn selbstverständlich.
Daran erinnerte Dr. Norbert Kirchmann im Rahmen einer
Gedenkveranstaltung..."
Link
zum Artikel - auch eingestellt
als pdf-Datei. |
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| November 2011:
Neue Publikation von Otto Werner zur Deportation
der Hechinger Juden |
Artikel im "Schwarzwälder Boten" vom
27. November 2011: "Werner arbeitet das Kapitel Deportationen
auf.
Hechingen. Otto Werner hat seine zahlreichen Beiträge zur Geschichte
der Juden in Hechingen und deren Deportation in einem neuen Buch
verdichtet, das am Mittwoch, 30. November, dem Gedenktag zur Deportation
der Juden in Hohenzollern, in der Alten Synagoge vorgestellt
wird..."
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zum Artikel - auch eingestellt
als pdf-Datei |
Artikel von Karl Schwager im Schwarzwälder
Boten vom 4. Dezember 2011: "Tiefe Einblicke in Beginn der
Judenverfolgung.
Hechingen. 2500 jüdische Männer, Frauen und Kinder wurden zwischen
1941 und 1945 aus Hohenzollern und Württemberg in Konzentrationslager
verschleppt. Daran wurde am Mittwoch in der Alten Synagoge in Hechingen
erinnert..."
Link
zum Artikel |
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| Dezember 2011:
Bericht über die Gedenkveranstaltung zum Beginn
der Deportationen aus Württemberg |
Artikel von Antonia Lezerkoss in der
"Hohenzollerischen Zeitung" (Südwestpresse, Lokalausgabe) vom
2. Dezember 2011:
"Dunkle Tage in Hohenzollern.
Hechingen. Mit einer würdigen Gedenkfeier erinnerte der Verein Alte
Synagoge an eines der dunkelsten Kapitel der Stadtgeschichte vor 70
Jahren, den Beginn der Deportation und Vernichtung der jüdischen
Bevölkerung..."
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Artikel von Susanne Mutschler im
"Schwäbischen Tagblatt" vom 3. Dezember 2011:
"Tod aus den Amtsstuben - Gedenken an Deportation der Hechinger
Juden. Vor einem gebannt lauschenden Publikum las Rezitator Rudolf
Guckelsberger am Mittwoch in der Hechinger Synagoge aus Otto Werners neuem
Buch 'Deportation und Vernichtung hohenzollerischer
Juden'..."
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
Zu den Synagogen in Hechingen informiert mit vielen Abbildungen:
 | Otto Werner: Synagogen und jüdischer Friedhof in Hechingen
(Schriftenreihe des Vereins Alte Synagoge Hechingen e.V. Band 1). Hechingen 1996. |
Weitere Literatur (Anmerkung: Hechingen gehört zu den am besten erforschtesten ehemaligen
jüdischen Gemeinden in Baden-Württemberg. Eine große Zahl von
Veröffentlichungen ist erschienen. Hier kann nur ein kleiner Teil aufgeführt
werden):
 | Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und
Hohenzollern. 1966. S. 90-94. |
 |
Germania Judaica III,1 S. 522 (Angabe zu 1465 ist unrichtig und
Druckfehler für 1565!). |
 | Helmut Breimesser: Ursprung, Entwicklung und
Schicksal der jüdischen Gemeinde Hechingen. Zulassungsarbeit PH Schwäbisch Gmünd.
1968. |
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Joachim Hahn: Synagogen in Baden-Württemberg.
1987. S. 75ff. |
 |
Juden in Hechingen – Geschichte einer jüdischen
Gemeinde in neun Lebensbildern aus fünf Jahrhunderten. Katalog zur
Dokumentation in der Alten Synagoge Hechingen. 1991 |
 |
Adolf Vees: Das Hechinger Heimweh. Begegnungen
mit Juden. Tübingen 1997; |
 |
Manuel Werner: Die Juden in Hechingen als religiöse
Gemeinde, Teil 1 in: ZHG 107 (1984) S. 103-213; Teil 2 in: ZHG 108 (1985) S.
49-169. |
 |
Otto Werner: Wie alt ist der Hechinger
Judenfriedhof? 1984. |
 |
ders.: Leon Schmalzbach (1882-1942). Lehrer und
Rabbinatsverweser in Hechingen, in: ZHG 103 (1980) S. 115-195. |
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ders.: Jüdisches Hechingen. Einladung zu einem
Rundgang. Haigerloch 2000. |
 |
Zahlreiche kleine Artikel unterschiedlicher Autoren in
verschiedenen Jahrgängen der Zeitschrift für Hohenzollerische
Geschichte, Hohenzollerische Heimat, Hohenzollerische Zeitung. |
 | Joachim
Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als
Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte
und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt,
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial,
Jerusalem. Stuttgart 2007. |
 |
Waldemar
Luckscheiter / Manfred Stützle: Die Rettung der Alten
Synagoge in Hechingen. 1. Auflage 2009. Hrsg. durch den Verein Alte Synagoge
Hechingen e.V.
Waldemar Luckscheiter: Die Rettung der Erinnerung - Chronik der alten
Synagoge in Hechingen von 1945 bis 1991. In. Zeitschrift für Hohenzollerische
Geschichte. Bd. 47 2010. S. 33-54.
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 | Otto
Werner: Deportation und Vernichtung hohenzollerischer Juden.
Schriftenreihe des Vereins Alte Synagoge Hechingen e.V. Band 4. Hechingen
2011. ISBN 978-3-00-036707-6.
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Hechingen
Hohenzollern. Jews lived in Hechingen already in the 15th century*. All
apparently left by the late 16th century in the face of persecution. A new
community war formed in 1701, limited to ten families under various letters of
protection. The Kaulla banking family became court agents to the Duke of
Wuerttemberg in 1770. There were disturbances in 1848 with antisemitic overtones.
After annexation to Prussia in 1850, the status of the Jews improved, though
full civil rights were granted only in 1901. Jews became pioneers in local
industry, introducing the first steam engine in Hohenzollern. The Jewish
population reached a peak of 809 (total 3,389) in 1843. A magnificent synagogue
in the arched classical style was consecrated in 1775 and a Jewish public school
was opened in 1825. From the mid-19th century, the Jewish population dropped, to
340 in 1880 and 191 in 1933. On Kristallnacht (9-10 November 1938) the
synagogue was damaged and most Jewish men sent to the Dachau concentration camp
for a month. Subsequently a number of Jews were evicted from their homes.
Fifty-three managed to emigrate, mostly to the United States; 32 were deported
to the east in 1941-42, all but one perishing.
* Encyclopedia reads: "Jews probably
lived in Hechingen in the 13th century".

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