Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Kappel (Stadt Bad Buchau, Kreis Biberach) 
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Dokumente zu einzelnen Personen  
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version see Bad Buchau)      
  
In dem bis 1803 dem Stift Buchau zugehörigen Ort Kappel bestand eine jüdische Gemeinde von 1793 (erste Aufnahme von 12 jüdischen Familien) bis 1873. Unter den ersten aufgenommenen jüdischen Familienvorständen waren: Jos. J. Hechinger, Abr. Gabr. Bernheim, Max Moses Erlanger, Isak H. S. Schmal, Veit Raf. Neuburger, Isak J. Essinger, Hirsch D. Ullmann, Baruch Borger, Abr. Mos Moos. 
  
Die jüdischen Bewohner Kappels hatten stets eine enge Verbindung zur Buchauer Gemeinde, jedoch teilweise eigene Einrichtungen wie Synagoge (s.u.), jüdische Schule und rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden in Buchau beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war (neben dem Buchauer Rabbiner) ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Seit 1834 war Leopold Hofheimer Lehrer in Kappel (gest. 1865). Nach Hofheimers Tod übernahm 1865 bis 1866 Jakob Levi die Stelle (geb. 1845 in Mühlen, seit 1867 in Hechingen als Fabrikant tätig, Vater des Reichstagsabgeordneten Dr. Paul Levi); nach ihm war bis bis Auflösung der Schule 1867 Nathanael Forchheimer in Kappel tätig (geb. 1842 in Niederstetten, seit 1867 in Pflaumloch usw.). 

Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1845 mit 163 Personen in 33 Familien erreicht. Die jüdischen Familien lebten in fast durchweg sehr ärmlichen Verhältnissen und lebten vom Handel.  

Nach 1850 setzte die Aus- und Abwanderung der Juden aus Kappel ein. Die Auflösung der Gemeinde vollzog sich fast ebenso schnell wie ihr Aufbau ein gutes halbes Jahrhundert zuvor. 1867 wurde die jüdische Schule aufgelöst, danach besuchten die jüdischen Kinder aus Kappel die Schule in Buchau. Das jüdische Schulgebäude in Kappel wurde abgebrochen. 1873 wurde die jüdische Gemeinde Kappel aufgelöst (vgl. unten zum letzten Gottesdienst); die hier noch lebenden jüdischen Personen gehörten nun zur Buchauer Gemeinde. Bereits kurz nach 1900 lebten keine jüdischen Personen mehr am Ort. Nur noch eine in der Heil- und Pflegeanstalt Liebenau lebende jüdische Person hatte ihren Wohnsitz bis zu ihrem Tod 1912 in Kappel. 
   
Von den in Kappel geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen ist in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Pauline Bernheim (1864). Es werden im Gedenkbuch noch drei weitere Namen genannt, doch ist der Bezug auf Kappel nach Meinung des Webmasters unsicher.      
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Über den Vorsänger und Lehrer Leopold Hofheimer  
Leopold Nathan Hofheimer ist am 14. Februar 1810 in Laupheim als Sohn des Hoffaktors David Hirsch Hofheimer und der Helene geb. Hirschfeld geboren. Er studierte 1828 bis 1830 am Esslinger Lehrerseminar und erhielt seine erste Stelle als Vorsänger-Amtsverweser und Religionslehrer in Ludwigsburg. Durch eine Krankheitszeit verlor er 1834 die Stelle in Ludwigsburg. Seit November 1834 war er in Buchau als "Schulrevisor" tätig, seit März 1835 in Kappel als provisorischer Vorsänger- und Religionslehrer, von 1840 bis 1865 Elementarlehrer ebd. Er war verheiratet mit Fanny geb. Landauer, mit der er vier Kinder hatte, von denen zwei 1863 an Typhus erkrankten und starben. Leopold Hofheimer starb am 2. März 1865 in Kappel und wurde in Buchau beigesetzt. 
 
 Auszeichnung der christlichen Schulbehörde für Lehrer Hofheimer (1847)       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 27. September 1847: "Aus Württemberg, Ende August (1847). Dem wackern israelitischen Lehrer Hofheimer in Kappel ist jüngst eine gewiss beispiellose Auszeichnung geworden. Dass Israeliten schon den philosophischen, medizinischen, juridischen Preis an Universitäten gewonnen haben, ist bekannt, allein dass eine von einer christlichen Behörde gestellte Religionsfrage von einem Israeliten, und ganz auf israelitischem Standpunkt bearbeitet, als des ersten Preises unter acht Konkurrenten würdig erachtet worden, möchte noch nicht vorgekommen sein. In katholischen Gegenden stehen hierzulande die israelitischen Lehrer unter der katholischen Oberschulbehörde. Diese hatte folgende Preisaufgabe gestellt: 'worauf gründet sich die Anforderung: aller Unterricht in der Volksschule sei religiös? und in welcher Weise soll der Volksschullehrer dieser Forderung entsprechen?'"        


Beiträge von Lehrer Hofheimer in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" (1849)  
Anmerkung: Die Beiträge werden nicht ausgeschrieben; zum Lesen bitte Textabbildungen anklicken    

 Rechts: Artikel in der
 "Allgemeinen Zeitung des
 Judentums" 
vom 20. August 1849 
Kappel AZJ 20081849b.jpg (83110 Byte)  
    
Rechts: Artikel in der 
"Allgemeinen Zeitung des
 Judentums" 
vom 27. August 1849
Kappel AZJ 27081849a.jpg (374165 Byte) Kappel AZJ 27081849b.jpg (220982 Byte)

    
Leopold Hofheimer als Verfasser des Buches "Das Gebet - ein Atemholen der Seele" (1856)  

Kappel AZJ 03011856.jpg (105831 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. Januar 1856: "Kappel bei Buchau am Federsee. Soeben ist in der J. G. Sprandel'schen Buchdruckerei in Stuttgart, im Verlag des Verfassers erschienen und bei demselben zu haben: Das Gebet - ein Atemholen der Seele, oder: Abhandlung über das Gebet im Allgemeinen und besonders: wie Kinder hierzu anzuleiten sind, nebst einem Anhange von etwa 300 Schul- und Kindergebeten für die verschiedensten Verhältnisse des Lebens etc. zum Schul- und häuslichen Gebrauche bearbeitet von Leopold N. Hofheimer, israelitischer Schullehrer und Vorsänger in Kappel bei Buchau im Königreich Württemberg (Verfasser der Preisschrift über die religiöse Grundlage beim Volksunterricht etc.). 8. brosch. 12 Bogen. Preis des Ganzen 10 Ngr., der Gebetssammlung besonders 6 Ngr., Es könnten über dieses Werkchen, zu dessen Bearbeitung der Verfasser mehrseitig aufgefordert wurde, Zeugnisse bewährter Sachkenner angeführt werden, die es im Manuskripte durchgesehen und für würdig befunden haben; allein er will dasselbe, da es einem Bedürfnisse unserer Zeit abhelfen soll,, sich selbst empfehlen lassen, und findet für Jugendfreunde, Eltern, Lehrer, Schulvorstände und Gönner der Schule nur noch zu bemerken für nötig, dass sie hier manches neue Gebet für Gesunden und Kranken treffen werden, welches sie interessieren dürfte. Da der Preis des Ganzen, wie der Gebetssammlung insbesondere äußerst billigt gestellt ist, so werden Briefe und Gelder franco erbeten."
 
Kappel AZJ 12051856.jpg (101977 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. Mai 1856: "Um vielen Anfragen zu begegnen, zeige ich hiermit an, dass die 1. Auflage meines größeren Gebetbuchs: Das Gebet ein Atemholen der Seele, bereits vergriffen ist und dass ich nur dann eine zweite Auflage erscheinen lasse, wenn bedeutendere Vorausbestellungen eingehen; dagegen habe ich von meinem kleinen Werke: Das bedeutende Kind, das ich pro Exemplare broschiert à 18 Kreuzer verkaufe und von welchem u.a. Herr Rabbiner Stein in Frankfurt am Main in seinem Israelitischen Volkslehrer (Februar 1853 S. 52) sagt, 'dass es eine der besten Sammlungen sei, die wir besitzen, ein herrlicher Strauß von mannigfaltigen Blumen, deren lieblicher Duft zur Höhe emporsteigt' etc., noch einen ziemlichen Vorrat, sowie von meiner gekrönten Preisschrift über die religiöse Grundlage beim Volksunterricht (broschiert à 36 Kreuzer) und sind diese Schriften entweder gegen Nachnahme direkt von mir zu beziehen oder bei Herrn Buchhändler J. Heß in Ellwangen (Württemberg) zu haben. 
Kappel bei Buchau (Württemberg), den 1. Mai 1856. L. Hofheimer, Lehrer."

  
Zum Tod von Lehrer und Vorbeter Leopold Hofheimer 

Kappel Israelit 19041865.jpg (80850 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. April 1865: "Buchau am Federsee. Vor wenigen Wochen starb im benachbarten Kappel der an Geist und Körper seit 1 1/2 Jahren schwer leidende israelitische Schullehrer und Vorsänger Hofheimer. In beredter Weise hat der Rabbiner Weimann über Maleachi 2,3 den Verblichenen als Mensch, als Lehrer, als Gottesdiener, als Hirte, Gatte und Vater geschildert und schließlich seinen Wohltätern die gebührende Anerkennung gezollt. Dem Redner selbst gebührte wohl der allgemeinste Dank, da er für den Verblichenen während der langen Krankheit wöchentlich zweimal unentgeltlich den Unterricht in der Religion und im Hebräischen erteilte und sich durch kein Unwetter hatte abhalten lassen, diese Pflicht der Menschenliebe an Lehrer und Schüler zu erfüllen. Herr Weimann zeichnet sich damit vorteilhaft vor manchem seiner Kollegen im Lande aus..."

       
Die Predigt von Rabbiner Weimann zur Beerdigung von Lehrer Leopold Hofheimer wird veröffentlicht (1865)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. April 1865: "Der treue Lehrer. Rede bei der Beerdigung des Leopold Hofheimer, Schulmeisters und Vorsängers in Kappel am 3. März 1865 von Rabbiner Weimann in Buchau. Vertrauen auf Gott und König. Predigt zum Geburtstagsfeste des jetzigen Königs von Württemberg am 6. März 1865 von Rabbiner Weimann in Buchau. Zwei des Gegenstandes würdige Predigten, die in schönes, schwungreicher Sprache erweisen, dass der Redner aus dem Herzen spricht, und umso eher das Herz zu treffen versteht."          

    
    
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Vorbereitungen zum Pessachfest (Artikel von dem aus Kappel stammenden David Wallersteiner von 1932)  
Anmerkung: David Wallersteiner ist 1854 in Kappel als Sohn von David Wallersteiner geboren; er war später in Ansbach als Kantor und Schochet tätig; 1934 konnte er - bereits 80 Jahre alt - mit seiner Familie nach Erez Jisrael emigrieren. Der Enkel Josef Wallersteiner war bereits 1933 emigriert. David Wallersteiner ist 1938 gestorben.  

Ansbach Israelit 31031932so.jpg (193947 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. März 1932: "Aus meinen Kindertagen. Von David Wallersteiner in Ansbach. (Einer größeren Schilderung entnommen.) 
… Gleich nach Purim wurde ein großer Raum im Gemeindehaus (wohl eine Seltenheit), das jüdische Gemeindewaschhaus, ausgeräumt, frisch ausgeweißt, die Bodensteine gerötelt, dann die Mazzenmaschine, die damals noch mit Handbetrieb eingerichtet war, mit den nur zur Mazzotbereitung nötigen Geräten aufgestellt. Ein langer Tisch, auf den die Maschine den dünnen Teig brachte, war mit Zink belegt. Alles half zusammen, damit der Teig schnellstens in den Ofen kam und nicht zur Gärung kommen konnte. Der Backofen, der ausschließlich nur zum Mazzenbacken diente, ward vorher instand gesetzt. Dass wir Kinder bei diesen Vorbereitungen unsere Neugierde zu befriedigen suchten, werdet Ihr begreifen. Jede Hausfrau nahm von ihrem zu verbackenden Mehl eine kleine Handvoll und gab es in ein an der Wand hängendes neues Leinensäckchen, und wenn das allgemeine Backen vorüber war, ward aus diesem Mehl von den Frauen der Eruw gemacht, sie verzierten ihn mit dem Mogen Dovid (Davidstern) und mit dem Stupfeleisen, mit dem man auch die Mazzot schäl Mizwa für die beiden Sedernächte als Kohen Levi weIsrael bezeichnete (sc. drei Mazzen am Sedertisch repräsentieren Priester, Leviten und Israel), wurden ringsherum Rosen gestochen. Diesen Eruw legte man am Erew Pessach (Vortag zum Pessachfest; am Tag des Sederabends) auf den Almemor und nach Mincha wurde Eruwei Chazerot damit gemacht. Von den großen Freuden, die wir empfanden, wenn wir dem Bäcker, auf rein gewaschenen Händen den ausgestochenen, gestupfelten, dünnen Mazzotteig hinreichen durften, könnte Ihr heutigen Kinder Euch keinen Begriff mehr machen, nachdem das Herstellen der Mazzot jetzt fabrikmäßig geschieht und die Kinder deshalb nicht mehr mithelfen können.
Acht Tage vor Pessach fuhren wir Knaben mit einem Handwägelchen vor jedes jüdische Haus und riefen ‚Chomezholz!’ (d.i. das Holz für das Chomezfeuer) und das gespendete Holz brachten wir einstweilen in einem Schopf unter. Am Vorabend des Erew Pessach halfen wir getreulich und voller Freuden Chomezbateln, hielten die Kerze, eine große Feder aus einem Gänseflügel und einem Löffel, in welchem das kleine Chomez (d.i. der letzte Rest Gesäuertes, das vor Pessach verbrannt wird) mit der Feder eingestrichen wurde; außerdem kam noch der vom vergangenen Jahr aufbewahrte Afikaumen (= Afikomen, Rest einer der Mazzen des Sedertisches), ein Stück Brot oder Berches und die gebrauchte Hafdolo-Kerze hinzu. Alles zusammen wurde in einen Lappen, in Papier oder auch in ein Schächtelchen eingebunden und bis zum Verbrennen an einen sicheren Ort gelegt, dass nicht Mäuse etwas davon verschleppen konnten. Ein besonderer Reiz war es, wenn wir an Erev Pesach schon sehr früh erwachten und die frischen Gardinen sahen, welche die Mutter noch in der Nacht aufgesteckt hatte; die ganze Wohnung atmete schon echte Jom-tow-Stimmung (Feiertagsstimmung). Erev Pesach morgens ging man schon früher als sonst in die Synagoge, nachher versammelten wir uns wieder, fuhren das aufbewahrte Holz in den Schulhof, dort bauten wir einen Holzstoß auf und legten das aus jedem Haus gebrachte Chomez darauf. Um halb 10 Uhr zündeten wir den Holzstoß an, das gab ein hell-loderndes Feuer. Um 10 Uhr kamen die Männer um … zu sagen. Wir bildeten uns auf unsere Geschäftigkeit nicht wenig ein, freuten uns aber auch herzlich, wenn die Männer uns lobten, dass wir ein so schönes Feuer zusammengebracht hätten. Die Asche kehrten wir fein säuberlich zusammen und trugen sie in einem Blechgefäß in den Bach. Auf Pessach bekamen wir neue Kleider, Schule und Mützen, die wir schon Erev Pesach nachmittags anziehen durften und die wir gegenseitig mit Stolz betrachteten. Wenn diese Schau vorüber war, gingen wir spazieren, suchten Veilchen und wenn wir welche fanden, banden wir sie zu Sträußchen für den Sedertisch".

   
   
Dokumente zu einzelnen Personen  
Druck der Trauerrede für den Mohel Lazarus Wallersteiner (1808-1871)  

Kappel Wallersteiner 080.jpg (26742 Byte)

Kappel Wallersteiner 080a.jpg (38244 Byte)

 

Rechts: Grabstein für Lazarus Wallersteiner im Friedhof Buchau mit Symbolen: Buch, Messer, Schofar

Buchau Friedhof 162.jpg (78745 Byte)

 Links: Titel der "Rede am Sarge des Lazarus Wallersteiner von Kappel, gehalten am 13. November 1871 von Rabbiner Weimann. Ellwangen. Druck von L. Weil" (erhalten von Menahem Shahem, Israel). Abgedruckt war im Druck der Trauerrede auch das Porträt des Verstorbenen. Lazarus Wallersteiner ist am 9. Dezember 1808 geboren und am 11. November 1871 in Kappel gestorben. Seine Grabinschrift auf dem Friedhof in Buchau lautet: "Ein Vater, Gatte ruht allhier, Des Hauses, der Gemeinde Zier,  Führt Viele ein in Abrahams Bund,  That Waisen Vaterliebe kund;  Betend oft für seine Brüder,  Mitleidsvoll, rechtschaffen, bieder,  Ruht nun von Kindern tief beweint,  Bis Wiedersehen sie vereint". 

  
  
  
Zur Geschichte der Synagoge     
   
Das jüdische Wohngebiet lag im Viertel zwischen den heutigen Straßen Kirchstraße, Riedlinger Straße und auf dem Burren. In einem im Zusammenhang mit der Aufnahme der jüdischen Familien in Kappel 1793 mit der israelitischen Gemeinde in Buchau unterzeichneten Vertrag wurden Vereinbarungen getroffen über eine gemeinschaftliche Benützung von Synagoge, Rabbiner, Vorsänger, Friedhof u.a.m. Wenige Jahre nach ihrer Niederlassung beschlossen die Juden in Kappel jedoch den Bau einer eigenen Synagoge am Ort. Eine hierfür geplante Kollekte wurde von der stiftischen Regierung 1796 wärmstens empfohlen. Israel Borger organisierte diese Kollekte, die in 28 jüdischen Gemeinden Süddeutschlands durchgeführt wurde. Den Bauauftrag erhielten 1801 Maurermeister Baader und Zimmermeister Kleinheinz aus Kappel. In wenigen Monaten erbauten sie die Synagoge, bei der es sich um ein schlichtes, aber durch seine hohen Rundbogenfenster durchaus würdig aussehendes Gebäude gehandelt hat. Nach der uns überlieferten Darstellung hat es auch die umliegenden zweistockigen jüdischen Wohnhäuser überragt. Bei der Einweihung der Synagoge durch Rabbiner Maier Wolf 1802 war auch die Fürstäbtissin anwesend. Der Buchauer Rabbiner wurde verpflichtet, einmal monatlich in der Synagoge Kappel zu predigen und die Samstag-Nachmittags-Gottesdienste abzuhalten. Nachdem die 1839 eingeweihte Buchauer Synagoge ein Glockenspiel erhalten hatte, wünschten sich einige Juden der Kappeler Gemeinde nach einem Bericht vom April 1843 auch ein solches für ihre Synagoge. Die Kosten von 100 Gulden sollten aus dem Überschuss des Synagogenfonds bestritten werden. Zur Ausführung kam dieser Plan jedoch nicht.

Neben der Synagoge wurde für den seit 1802 zum Vorsänger und Lehrer angestellten Elias Landauer aus Hohenems eine einstöckige Wohnung erbaut. Vermutlich dieses Gebäude hat man 1840 zur Schule vergrößert. Möglicherweise stand das Schulhaus auch an der Riedlinger Straße. Bis 1835 hatten die jüdischen Kinder von Kappel die christliche Schule in Buchau besucht, seitdem bestand die neu eingerichtete israelitische Konfessionsschule in Kappel. Trotz dieser eigenen Einrichtungen blieb die enge Beziehung mit Buchau bestehen. Die Gemeinden hatten weiterhin einen gemeinsamen "Kirchenvorstand" und denselben Rabbiner. 
   
   
   
Foto / Plan 
Historische Darstellungen:   

Kappel Plan 01.jpg (118739 Byte) Kappel Synagoge 001.jpg (47524 Byte) Kappel Synagoge 210.jpg (61752 Byte)
Plan von Kappel von 1822 mit
 eingezeichnetem jüdischem Wohnviertel 
und Synagoge (Quelle: J. Mohn, 
Kappel S. 167)
Die Synagoge in Kappel (Zeichnung); 
Quelle: Jüdische Gotteshäuser 
und Friedhöfe in Württemberg. 
1932 S. 90.
Chanukka-Leuchter des 18. Jahrhunderts 
aus der Synagoge in Kappel, bis zur Zerstörung
 im November 1938 in der Synagoge Buchau
 (Quelle: Mayenberger)
     
Verschiedene Zeichnungen und
 Dokumente von David Wallersteiner
 
(Zeichnungen entstanden um 1875/1880;
 aus dem Besitz des Urenkels Menahem
 Shaham, Israel).
Kappel Ort 090.jpg (75189 Byte) Kappel Synagoge 190.jpg (91002 Byte)
  "Meine Heimat in Kappel - von mir
 gezeichnet. D. Wallersteiner"
Die Synagoge 
in Kappel
     
Kappel Synagoge 192.jpg (62128 Byte) Kappel Synagoge 193.jpg (65095 Byte) Kappel Synagoge 191.jpg (59684 Byte)
Die Synagoge in Kappel  Toraschrein der Synagoge in Kappel -
 gezeichnet 1879  
  
        
Kappel Synagoge 194.jpg (72952 Byte)  
Hebräisches Gebet, früher in der Synagoge in Kappel "El Melech joschew al kise..."    
   
Kappel Israelit 20091928.jpg (34371 Byte)  
Notiz im "Briefkasten" der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. September 1928: "D.W. 
(= David Wallersteiner) in Ansbach. Wir nehmen und geben gern zur Kenntnis, dass in
 Ihrer - leider nicht mehr existierenden - Heimatgemeinde Kappel in Württemberg,
 feststehender Gebrauch (Minhag) war, am Rosch Haschana (Neujahr), der auf Schabbat
 fiel, nicht auf die Knie zu fallen, am Jom Kippur dagegen ja."  
  

   
   
Links und Literatur

Links:  

Website der Stadt Bad Buchau   

Quellen:  

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Kappel 
In der Website des Landesarchivs Baden-Württemberg (Hauptstaatsarchiv Stuttgart) sind die Personenstandsregister jüdischer Gemeinden in Württemberg, Baden und Hohenzollern einsehbar: https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/struktur.php?bestand=5632     
Zu Kappel ist vorhanden:    
J 386 Bü. 308 Kappel    Geburten 1829 - 1868   http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-445916               

Literatur:  

Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. 1966. S. 31ff. 
Joseph Mohn: Kappel – das Dorf über dem Federsee, 1971. S. 166-171. 
Hans Garbelmann: Die jüdische Gemeinde in Kappel, in: Rosch Haschana 5728 (1968) S. 26-27.  
Charlotte Mayenberger: Moritz Vierfelder. Leben und Schicksal eines Buchauer Juden. (= Landkreis Biberach. Geschichte und Kultur. Band 4). Bad Buchau 2000 (Foto des Chanukka-Leuchters S. 60). 
weitere Literatur siehe Bad Buchau. 
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.  

          
           

                   
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Stand: 07. März 2016