Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Kindenheim (VG Grünstadt-Land, Kreis Bad Dürkheim) 
Jüdische Geschichte / Synagoge 
(erstellt unter Mitarbeit von Björn Keller, Kindenheim)

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde              
    
In Kindenheim bestand eine jüdische Gemeinde bis Anfang des 20. Jahrhunderts. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück.   
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1808 76 jüdische Einwohner (11,5 % der Gesamteinwohnerschaft), 1825 80 (9,6 %), 1848 123 jüdische Einwohner in 23 Familien, 1875 75 jüdische Einwohner, 1900 24. 
   
1841 wird im Urkataster der Gemeinde Kindenheim Lazarus Seeleman als Vorstand der israelitischen Gemeinde genannt wird. Er wohnte in der heutigen Hauptstraße 64 (Plan Nr. 211). 
    
Als jüdische Haushaltsvorsteher werden 1809/10 genannt: Mayer Eisenberger, Isaac Jacobi, Baruch Levy, Michel Levy, Moses Levy, David Salomon, Wolfgang Salomon, Aron Strauß, Lazarus Strauß.
   
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Religionsschule), ein rituelles Bad (möglicherweise im Keller unter dem Synagogengebäude) und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Zwischen ca. 1830 und seinem Tod 1864 war als Lehrer Heinrich (Hirsch) Bärmann (teilweise auch Behrmann geschrieben) in der Gemeinde tätig (siehe Bericht zu ihm und seiner Familie unten). Nach seinem Tod wollte die jüdische Gemeinde zunächst seinen Sohn - David Bärmann - für die Lehrerstelle gewinnen, doch wanderte dieser nach Nordamerika aus. So wurde 1866 die Stelle - wahrscheinlich letztmals allein für Kindenheim - ausgeschrieben (siehe Anzeige unten). Da die Stelle jedoch offenbar nicht zu besetzen war, bemühte sich die Gemeinde im folgenden Jahr um eine gemeinsame Ausschreibung mit den Nachbargemeinden Groß- und Kleinbockenheim (siehe Anzeige von 1867 unten). Auch diese Ausschreibung scheint nicht allzu erfolgreich gewesen sein, da 1876 berichtet wird, dass der Vorbeterdienst in der Synagoge Kindenheim bereits viele Jahre ehrenamtlich durch das Gemeindeglied Moses Strauß versehen wurde. Den Unterricht der inzwischen weniger werdenden Kinder übernahm vermutlich damals schon ein auswärtiger jüdische Lehrer. In Frage kommt der Lehrer aus Groß- und Kleinbockenheim; hier gab es bis nach 1900 einen eigenen jüdischen Lehrer.     
    
Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Frankenthal.       
   
Um 1924, als nur noch 12 jüdische Personen in Kindenheim lebten, waren diese der Synagogengemeinde Groß- und Kleinbockenheim zugeteilt.  
    
1933 lebten noch sechs jüdische Personen in Kindenheim. In den folgenden Jahren sind wohl die meisten von ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert.
  
Von den in Kindenheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "
Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Emma Isaak geb. Eckhaus (1879), Thekla Mayer geb. Eckhaus (1878), Emil Neu (1874), Flora Reilinger geb. Strauss (1878), Heinrich Strauss (1876, siehe Bericht unten), Theodor Strauss (1865), Anna Süs geb. Strauss (1871).    
      
      
      
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1866 / 1867 / 1869 (gemeinsam mit Groß- und Kleinbockenheim) 

Kindenheim Israelit 21111866.jpg (62679 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. November 1866: "Erledigung der israelitischen Religionslehrer-, Schächter- und Vorbeterstelle in Kindenheim, Kantons Grünstadt.  
Die israelitische Religionslehrer-, Schächter- und Vorbeterstelle ist erledigt und soll alsbald durch einen interimistischen Verweser wieder besetzt werden. Der Gehalt beträgt: 
1) bar aus der Kultuskasse 200 Gulden  
2) Schächtergebühren und sonstige Kasualien  100 Gulden, zusammen 300 Gulden.  
Bewerber um die se Stelle wollen innerhalb 14 Tage ihre Gesuche persönlich einreichen.  
Kindenheim, den 25. Oktober 1866. Der Kultusvorstand."   
  
Kindenheim Israelit 29051867.jpg (104277 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Mai 1867: "Erledigung der israelitischen Religionslehrer-, Schächter- und Vorbeterstelle zu Kindenheim, Groß- und Kleinbockenheim, Kantons Grünstadt.   
Die israelitische Religionslehrer-, Schächter- und Vorbeterstelle zu Kindenheim, Groß- und Kleinbockenheim ist erledigt und soll alsbald besetzt werden.   
Der Gehalt beträgt: 
1) Bar aus der Kultuskasse  300 Gulden. 
2) Schächtergebühren und sonstige Kasualien  100 Gulden, zusammen 400 Gulden.  
Die Bedingungen, unter welchen der Lehrer angestellt werden kann, sind folgende: 
a. der Lehrer hat seinen Wohnsitz in Großbockenheim zu nehmen;  
b. dreimal wöchentlich in Großbockenheim den Kindern von Groß- und Kleinbockenheim, und ebenfalls dreimal in der 5/8 Stunden entfernten Gemeinde Kindenheim den Kindern von da Religionsunterricht zu erteilen und  
c. in der gemeinschaftlichen Synagoge zu Kindenheim den durch eine besondere bezirksamtliche Entschließung geregelten Dienst eines Vorbeters und Vorsängers zu verrichten.   
Bewerber wollen sich an einem Sabbat-Gottesdienste als Vorsänger und Vorbeter dahier produzieren, sowie ihre Gesuche innerhalb 4 Wochen bei dem Unterzeichneten einreichen.  Kindenheim, den 16. Mai 1867. Der Kultusvorstand."
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. November 1869: "Erledigung der israelitischen Religionslehrer-, Schächter- und Vorbeterstelle zu Kindenheim, Groß- und Kleinbockenheim, Kantons Grünstadt.   
Die israelitische Religionslehrer-, Schächter- und Vorbeterstelle zu Kindenheim, Groß- und Kleinbockenheim ist erledigt und soll alsbald besetzt werden.   
Der Gehalt beträgt: 
1) Bar aus der Kultuskasse  300 Gulden. 
2) Schächtergebühren und sonstige Kasualien  100 Gulden, zusammen 400 Gulden.  
Die Bedingungen, unter welchen der Lehrer angestellt werden kann, sind folgende: 
a. der Lehrer hat seinen Wohnsitz in Großbockenheim zu nehmen;  
b. dreimal wöchentlich in Großbockenheim den Kindern von Groß- und Kleinbockenheim, und ebenfalls dreimal den Kindern von Kindenheim Religionsunterricht zu erteilen und  
c. in der gemeinschaftlichen Synagoge zu Kindenheim den Dienst eines Vorsänger und Vorbeters zu verrichten.   
Bewerber wollen sich an einem Sabbat-Gottesdienste als Vorsänger und Vorbeter dahier produzieren, sowie ihre Gesuche innerhalb 4 Wochen bei dem Unterzeichneten einreichen.  
Kindenheim bei Grünstadt, 7. November 1869. 
Der Vorstand: Simon Neu."     

        
Über die Familie des jüdischen Lehrers Heinrich Bärmann (vermutlich zwischen ca. 1830 und seinem Tod 1864 Lehrer in Kindenheim)   

Heinrich Bärmann ist im unterfränkischen Altenstein als Sohn des Viehhändlers Baer Hirsch geboren, der den Familiennamen Baermann (bzw. Bärmann) angenommen hat. Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 waren Baer Hirsch Baermann und seine Frau bereits gestorben. Die beiden Kinder - Heinrich und seine Schwester - lebten noch in Altenstein unter Vormundschaft. Immerhin hatte ihnen der Vater das in seinem Besitz stehende Haus hinterlassen. Heinrich konnte sich zum Lehrer ausbilden lassen und kam als solcher - vermutlich spätestens 1830 - nach Kindenheim, wo er sich 1831 mit Carolina Strauß verheiratete, die aus einer alten jüdischen Familie Kindenheims stammte. Die beiden hatten in den folgenden Jahren zusammen 13 Kinder. Heinrich Bärmann war vermutlich bis zu seinem Tod 1864 Lehrer in Kindenheim.   
Der 1833 geborene Sohn Simon Bärmann war der spätere Gründer und Inhaber der "Bärmannschen Realschule" in Bad Dürkheim. Er leitete die Schule von 1875 bis 1902. Seine Söhne Heinrich und Leopold übernahmen danach die Weiterführung der Schule, bis sie 1922 in die "Realschule Bad Dürkheim" umgewandelt wurde (in Bad Dürkheim erinnern bis heute die Heinrich-Bärmann-Straße und der von der Carl-Orff-Realschule verliehene Heinrich-Bärmann-Preis).  
Einen anderen Sohn, David Bärmann (geboren 1842), wollte die Kindenheimer Gemeinde nach dem Tod des Vaters (1864) als neuen Religionslehrer gewinnen. Doch dieser wanderte nach Nord-Amerika aus."

    
    
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Der ehrenamtliche Vorbeter Moses Strauß hat ein Problem mit einem Gemeindeglied (1876)   

Kindenheim Israelit 09021876.jpg (199542 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Februar 1876: "Grünstadt (Rheinbayern). Was ich Ihnen heute zu berichten habe, ist vielleicht noch nicht da gewesen: einen Prozess über einen, nein, über keinen Mischeberach! 
In der benachbarten israelitischen Gemeinde Kindenheim versieht in Ermangelung eines Kantors Herr Moses Strauß seit vielen Jahren die Stelle eines Vorbeters und Tora-Verlesers unentgeltlich, ohne irgendwelches Honorar, ohne irgendwelche Gratifikation. Doch der Dank sollte nicht ausbleiben.   
Samstag, 11. September, vorigen Jahres, wurde ein Herr Abraham Jacoby von dort, zur Tora gerufen und erhielt keinen Mischeberach. In Folge dessen verklagte er den Unterlasser des Mischeberach-Sprechens beim hiesigen Gericht, angebend, dass der Mischeberach nur dann verweigert werden könne, wenn der zur tora Gerufene ein Verbrechen begangen oder durch sonstige schlechte Handlungen sich des Segens unwürdig gemacht habe. Der Verklagte dagegen behauptete, dass er den Mischeberach gar nicht verweigert, sondern das Sprechen desselben lediglich vergessen habe; als ihn der Kläger nach Beginn der Haftorah erinnert, sei es zu spät gewesen und er habe, ohne den Gottesdienst zu stören und die heilige Handlung lächerlich zu machen, nicht noch nachträglich den Mischeberach sprechen können.  
Die Angelegenheit führte zu mehreren Verhandlungen, bei welchen viele Zeugen, und die Herren Bezirksrabbiner Dr. Salvendi aus Dürkheim, Rabbiner Dr. Lehmann aus Mainz und Lehrer Freudenthaler von hier als Sachverständige vernommen wurden. Die Sachverständigen sagten übereinstimmend aus, dass die Angabe des Klägers, der 'Mischeberach' werde in Folge eines Verbrechens oder schlechter Handlungen verweigert, den tatsächlichen Verhältnissen nicht entspreche. Das Gericht ging jedoch auf die Frage, ob die Verweigerung eines Mischeberach eine Beleidigung involviere, gar nicht ein, sondern sprach, da der Beweis, ob eine Absichtlichkeit zu Grunde liege, nicht erbracht sei, den Angeklagten frei und verurteilte den Kläger in die nicht unbeträchtlichen Kosten.
Ein merkwürdiges Schlaflicht wirft auf den ganzen Prozess die Tatsache, dass vor Gericht ohne Widerspruch behauptet wurde, der durch das Nichtsprechen des 'Mischeberach' sich verletzt fühlende Kläger entweihe öffentlich den Sabbat durch Tabakrauchen!!!"   

     
     
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde     
85. Geburtstag der aus Kindenheim stammenden Emma Samson geb. Levy (Stuttgart 1933)  
Anmerkung: Emma Samson geb. Levy ist am 21. Dezember 1847 in Kindenheim geboren als Tochter von Aaron Loeb Levy und Jette geb. Mainzer. Sie war verheiratet mit Moses Samson  (geb. 13. Februar 1846 in Edesheim, gest. 4. Januar 1923 in Stuttgart). Moses Samson war als Weinhändler tätig und verzog 1905 aus Neustadt an der Haardt mit seiner Weingroßhandlung nach Stuttgart. Er war in erster Ehe verheirat mit Fanny geb. Levy, geb. 1849, gest. 1888, in zweiter Ehe mit deren Schwester Emma geb. Levy. Emma Samson starb am 31. Juli 1940. Sie wurde neben ihrem Mann im Israelitischen Teil des Pragfriedhofes in Stuttgart beigesetzt. Vgl. Hahn Pragfriedhof S. 187.  
Siehe auch (mit Foto) http://www.geni.com/people/Emma-Samson/6000000015562629352   

Kindenheim GemZeitung Wue 01011933.jpg (38485 Byte)Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Januar 1933: "Stuttgart. Frau Emma Samson Wwe. geb. Levy durfte am 21. Dezember vorigen Jahres im Kreise Ihrer Familie ihren 85. Geburtstag feiern. Die würdige Jubilarin ist in Kindenheim geboren und wohnt seit 1905 in Stuttgart, wo sie von weiten Kreisen hoch verehrt wird. Frau Samson entstammt einer sehr alten jüdischen Familie der Rheinpfalz. In außerordentlicher Rüstigkeit steht sie heute noch in Ihrem Haushalt bevor, bringt allen jüdischen Dingen und den Tagesgeschehnissen größtes Interesse entgegen und gehört zu den eifrigsten Besucherinnen des Gottesdienstes. Besonders beglückt wurde die Jubilarin durch die Geburt eines Urenkels. – Mögen Frau Emma Samson noch viele gesegnete Lebensjahre beschieden sein!"               

     
Über den aus Kindenheim stammenden Rechtsanwalt Dr. Heinrich Strauß (1876-1941)     

Dr. Heinrich Strauß ist am 21. Januar 1876 in Kindenheim geboren. Seine Studien in Jura schloss er mit einer Dissertation ab, mit der er im Oktober 1901 an der Universität Erlangen zum Dr.jur. promoviert wurde. Anschließend war er als Rechtspraktikant am königlichen Bezirksamt Kaiserslautern tätig. Später ließ er sich als Rechtsanwalt (Justizrat) in Ludwigshafen am Rhein nieder (1917 Lisztstraße 158, zuletzt Ludwigstraße 81). Im Oktober 1940 wurde er in das Konzentrationslager Gurs in Südfrankreich deportiert. Er ist am 9. Februar 1941 in Noe umgekommen. 
Nach der Deportation räumte sich die Stadtverwaltung Ludwigshafen das "Vorkaufsrecht" für die folgenden beschlagnahmten Gegenstände aus seinem Privatbesitz ein: einen Schreibtisch, zwei Sessel, einen Sonneckenschrank, einen Papierkorb, einen Eichentisch, eine Kleiderablage, eine Schreibmaschine.
Quelle: Ulrike Minor / Peter Ruf: Juden in Ludwigshafen. 1992 S. 65.166.180.    
 
 Kindesheim Gurs BK 020.jpg (215870 Byte) Kindesheim Gurs BK 021.jpg (146182 Byte)

Links: Grabstein für Dr. Heinrich Strauß aus Kindenheim in Gurs (Foto: Bernhard Kukatzki).  
Auf dem Grabstein steht (falsch) Kindesheim und das Todesjahr 1942.  

    
    
    
Zur Geschichte der Synagoge                 
   
Zwischen den Juden von Kindenheim, Bubenheim, Groß- und Kleinbockenheim wurde 1762 ein Vergleich geschlossen, den Graf Reinhard Carl von Leiningen am 22. März 1763 bestätigte, wonach für die jüdischen Familien dieser Gemeinden der Gottesdienst nur in der Synagoge von Kindenheim stattfinden dürfe. Den Bockenheimer Juden wurde zumindest zugestanden, im Winter und bei schlechtem Wetter ihren Gottesdienst in der Wohnung des Jacob abzuhalten. Bei dieser Regelung blieb es offiziell bis weit ins 19. Jahrhundert hinein: sie steht noch im Hintergrund der Ausschreibung der gemeinsamen Lehrerstelle von 1867 (siehe oben), wonach der Lehrer trotz Wohnsitz in Großbockenheim verpflichtet war, in der "gemeinschaftlichen Synagoge zu Kindenheim" den Dienst als Vorbeter und Vorsänger zu versehen. 
  
1786 wurde in Kindenheim eine neue Synagoge ("Juddeschul") im Hinterhaus in der Hauptstraße 72 erbaut. Dabei ist die Vereinbarung von 1762 erneuert worden. Der Betsaal befand sich im oberen Stockwerk des Gebäudes, dessen Erdgeschoss eine Durchfahrt und eine Küche enthielt. Der Betsaal hatte eine Länge von 6,30 m, eine Breite von 7,00 m und eine Höhe von 5,04 m und hatte 86 Sitz- und einige Stehplätze. 
   
Die Synagoge in Kindenheim war bis Anfang des 20. Jahrhunderts Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens in Kindenheim. Am 14. September 1907 beschloss die jüdische Gemeinde auf Grund der nur noch kleinen Zahl der Gemeindemitglieder, die Synagoge und das Schulhaus zu verkaufen, da beide Gebäude nicht mehr benötigt wurden. Sie hätten auch dringend renoviert werden müssen. In der Folgezeit besuchten die noch in Kindenheim lebenden jüdischen Gemeindeglieder die Synagoge in Großbockenheim. 
   
Das Synagogengebäude in Kindenheim wurde nach 1907 verkauft. In den 1980er-Jahren war im Erdgeschoss noch ein Getränkelager; inzwischen ist das ganze Gebäude zu einem Wohnhaus umgebaut
.   
   
   
Adresse/Standort der Synagoge     Hauptstraße 72 (Hinterhaus)   
   
   
Fotos   

 Fotos zur ehemaligen Synagoge liegen noch nicht vor.       
        
        

Die ehemalige jüdische Schule und das Lehrerwohnhaus (Galoppgasse 8 / 10)   
(Fotos von Björn Keller, Kindenheim; Aufnahmen vom Januar 2010)  

  
Kindenheim Schule 152.jpg (67888 Byte) Kindenheim Schule 150.jpg (69047 Byte) Kindenheim Schule 153.jpg (56977 Byte)
Beim Gebäude mit den grünen Fenstern (Galoppgasse 10) handelt es sich um das Haus des jüdischen Lehrers. Nach dem Urkataster von 1841 gehörte es damals Heinrich Behrmann (= Hirsch Bärmann), dem Religionslehrer der jüdischen Gemeinde. Das Gebäude wurde in den 1950er-Jahren aufgestockt. Das Gebäude rechts des Lehrerhauses (Galoppgasse 8) war das Schulhaus der jüdischen Gemeinde. Im Türsturz findet sich die Inschrift "18Schulhaus32". Auch dieses Gebäude wurde in den 1950er-Jahren aufgestockt.  
      
     Kindenheim Schule 151.jpg (62185 Byte)        
     Inschrift über dem Eingang "18SChulhaus32"      

   
   
Links und Literatur

Links:  

Website der Gemeinde Kindenheim bzw. der Verbandsgemeinde Grünstadt-Land   

Literatur / Quellen:  

Urkataster der Gemeinde Kindenheim von 1841 (Landesarchiv Speyer) - abgedruckt in folgendem Werk:  
Günter Flohn: Kindenheim - Chronik einer Pfalzgemeinde. 2005 (vgl. S. 233ff).
Fritz Mayer: Ortsfamilienbuch Kindenheim - 1438 bis 1953. Band 2. 2005.  
ders.: Kindenheim - Daten zur Dorfgeschichte und seiner Bevölkerung. 2003.   
Alfred Hans Kuby (Hrsg.): Pfälzisches Judentum gestern und heute. Beiträge zur Regionalgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. 1992. 
Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005. S. 94-95.
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 205 (mit weiteren Literaturangaben). 

   
     

                   
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Stand: 01. November 2015