Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Grünstadt (Landkreis Bad Dürkheim)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht: 

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde 
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer, Vorbeter und der Schule  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge     
Fotos  
Links und Literatur  

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)  
   
In Grünstadt bestand eine jüdische Gemeinde bis 1940. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. Erstmals genannt wird eine jüdische Person aus Grünstadt anlässlich ihrer Aufnahme im fränkischen Leutershausen (Kreis Ansbach) im Jahr 1612:  

Gruenstadt AZJ 01101842.jpg (31920 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Oktober 1842: "In alten Akten findet sich aufgezeichnet: Ein Jud von Grünstadt in der Grafschaft Leiningen hat seine Pflicht zum Bürgerreicht geleistet Donnerstag den 26. August 1612. Ist der erste fremde Jud hier in Leutershausen geweßt...."

Am Ende des 17. Jahrhundert wird in einem Dokument von 1698 erstmals eine jüdische Gemeinde in Grünstadt genannt, die der Mannheimer Gemeinde nach dem Brand von 1689 eine größere Kollekte hatte zukommen lassen: 

Eisenberg Israelit 31081891.jpg (76400 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. August 1891: "Worms. Herr Dr. Mayer in Zweibrücken, welcher kürzlich unter dem Bücherschatze des Herrn Moses Mannheimer dahier ein altes Pentateuch-Exemplar entdeckt, gibt in einer Veröffentlichung in der Wormser Zeitung über den 'Brand der Wormser Synagoge im Jahre 1689' Kunde von einem anderen interessante Buche, welches er unter den Büchern desselben Herrn Mannheimer gefunden hat. Es ist dies ein alten Kollektenbüchlein aus dem Jahre 1698. Es finden sich darin die Spenden verzeichnet, welche die von der hiesigen jüdischen Gemeinden ausgeschickten Sendboten bei den benachbarten und entfernteren jüdischen Gemeinden eingezogen haben. Die Spenden waren bestimmt für den Wiederaufbau der durch den Brand 1689 teilweise zerstörten Synagoge und für die übrigen Gemeindegebäude, sowie auch für die niedergebrannte Judengasse überhaupt. An der Spitze der spendenden Gemeinden befindet sich die auch damals schon durch großartige Wohltätigkeit sich auszeichnende jüdische Gemeinde in Frankfurt a.M. Dieselbe zeichnete nämlich den für damalige Zeiten beträchtlichen Zuschuss von 1600 Gulden. Von anderen Gemeinden seien erwähnt: Grünstadt, Eisenberg, Kerzenheim, Göllheim, Homburg, Metz, Neuwied und eine Reihe anderer Gemeinden an der Mosel und am Rheine. An der Spitze der spendenden bayerischen Gemeinden steht Fürth mit einem Beitrage von 300 Gulden in einem Wechsel auf Frankfurt. 

Im 19. Jahrhundert bestand hier eine der größten jüdischen Kleinstadtgemeinden im Gebiet der Pfalz. 1804 wurden 165 jüdische Einwohner gezählt. 1848 waren es 85 jüdische Familien mit zusammen 473 Personen. Danach ging die Zahl durch Aus- und Abwanderung zurück (1875 348, 1900 182, 1925 144 Personen). Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat Frankenthal

An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Konfessionsschule (bis 1869; danach bis 1910 eine jüdisch-christliche Simultanschule s.u.), ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. 
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Stabsarzt Dr. Julius Fey (geb. 3.3.1882 in Grünstadt, gef. 23.8.1916), Gefreiter Julius Reiß (geb. 5.4.1897 in Albisheim, gef. 6.3.1919) und Berthold Schmidt (geb. 29.10.1891 in Grünstadt, gef. 20.5.1918). Außerdem ist gefallen: Larl Isaak (geb. 23.1.1883 in Grünstadt, gef. 11.6.1917).          
   
Um 1925
waren die Gemeindevorsteher die Herren Seligmann Bach, Isaak Reiß und Heinrich Lion. Letzterer war zugleich als Lehrer, Kantor, Schochet und Rechner tätig. Er erteilte an den öffentlichen Schulen 17 Kindern Religionsunterricht. An jüdischen Vereinen bestanden der Israelitische Armenunterstützungsverein (Ziel: Unterstützung Hilfsbedürftiger, Wanderfürsorge), der Wohltätigkeitsverein (Ziel: Unterstützung Hilfsbedürftiger, Krankenpflege, Bestattung) und der Israelitische Frauenverein (gegründet 1860, Ziel: Unterstützung Hilfsbedürftiger und Kranker, Bestattung). Zwei Stiftungen gab es mit dem Ziel der Unterstützung Hilfsbedürftiger: die David Löbsche Wohltätigkeitsstiftung und die Babette Nahm geb. Neumann - Stiftung. Damals gehörten zur Grünstädter Gemeinde auch die in Neuleiningen, Albsheim und Obersülzen lebenden jüdischen Einwohnern (zusammen ca. 10 Personen). Um 1932 waren die Gemeindevorsteher Berthold Jacobi (1. Vorsitzender), Seligmann Bach und Isidor Löb (2. und 3. Vorsitzender). Lehrer und Kantor war weiterhin Heinrich Lion. Er wohnte im Haus Östlicher Graben 21. 
 
1933 lebten noch 123 jüdische Personen in Grünstadt. Von ihnen verzogen auf Grund der zunehmenden Repressalien, der Entrechtung und der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts die meisten bis 1938 aus Grünstadt (im November 1938 noch 19 jüdische Einwohner). 
     
Von den in Grünstadt geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Adolf Adler (1866), Gina Adler (geb. ?), Hortense Adler geb. Blüm (1876), Jakob Adler (1867), Seligmann Bach (1865), Caroline (LIna) Cohn geb. Simon (1872), Helene Emma Eisenberg geb. Adler (1872), Lina Erlangen geb. Kuhn (1869), Ludwig Freyberger (1880), Wilhelm Franz Josef Goldschmidt (1914), Jenny Haas (1864), Josef Hanf (1863), Juliane (Julia, Julie) Herrscher geb. Hanf (1867), Selma Hermann (1876), Emma Herz geb. Hanf (1861), Henriette Herzog geb. Freyberger (1878), Rosa(lie) Hirschbrand (1867), Salli Hoffmann (1882), Gustav Isaak (1881), Josef Isaac (1883), Theodor Kahnweiler (1873), Rebekka Kalter (1855), Paula Kehr geb. Kohlmann (geb. ?), Alice Klein geb. Nahm (1883), Max(imilian) Kohlmann (1881), Paulina Kohlmann (1899), Sophie Kohlmann (1909), Erich Leppel (1907), Johanna Rosina (Rosa) Levy geb. Löwenstein (1882), Paula Levy geb. Weiß (1880), Berta Lion (1892), Heinrich Lion (1879), Werner Simon Lion (1925), Erich Leppel (1907), Eduard Lippmann (1904), Berthold Löb (1882), Johanna Löb (1870), Pauline Löb (1866), Jakob Marx (1874), Johanna Mayer geb. Fey (1869, Foto des Grabsteines in Gurs siehe unten), Elisabeth (Elise) Merzbacher geb. Maas (1861), Emanuel Michel (1870), Emilie Michel (1869), Ernst Nahm (1872), Hermann Nahm (1905), Luise Nahm (1900), Paul Nahm (1895), Rudolf Naumann (1911), Sophie Naumann geb. Hirschbrand (1873),  Eva Rotschild geb. Löb (1890), Erna Salzer geb. Nahm (1895), Johanna Samuel geb. Isaac (1883), Adolf Schmidt (1884), Bertha Schmidt geb. Hanf (1859), Albert Seelenberger (1882), Martha Seelenberger geb. Lauchheimer (1888), Ludwig Sinsheimer (1873), Salomon Stiefel (1879), Auguste Weiss (1863), Emma Weiss geb. Strauss (1879), Leopold Weiss (1872), Siegmund Weiss (1870), Emilie Wels geb. Gardé (1869), Ida Wolf geb. Gardé (1872), Rosa Wollmann (1846!).    
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
      
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer, Vorbeter und der Schule         
Über den Kantor und Lehrer Isaak Fränkel (gest. 1878, zuvor über 50 Jahre im Dienst der Israelitischen Gemeinde in Grünstadt)  

Gruenstadt Israelit 02011878.jpg (201131 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Januar 1878 zum Tod von Isaak Fränkel: : "Grünstadt (bayerische Pfalz), 24. Dezember (1878). Erlauben Sie, Ihnen den Heimgang eines seltenen Biedermannes, eines isch anaw wechassid anzuzeigen, dessen langjährige Tätigkeit, sowie dessen Tugenden Ihnen nicht unbekannt gewesen sein dürften. Es ist der Kantor der israelitischen Gemeinde dahier, Herr Isaak Fränkel, der ununterbrochen über ein halbes Jahrhundert seinen heiligen Beruf mit unaussprechlicher Pflichttreue, mit der aufrichtigsten Frömmigkeit hierselbst ausübte und der am 20. dieses Monats im 74. Lebensjahre sanft entschlafen ist. Ich vermag nicht, Ihnen heute ein vollständiges Bild seines biederen Strebens zu entfalten und beschränke mich darauf, einige Skizzen des am darauf folgenden Freitagvormittag 10 Uhr stattgehabten hesped (Trauerfeier) wiederzugeben. Der Bezirksrabbiner Herr Dr. Salvendi  ordnete an, dass dasselbe in der Synagoge abgehalten werde, was die Heiligkeit dieses Aktes wesentlich erhöhte. Der Herr Rabbiner hielt dem teuren Hingeschiedenen eine Gedächtnisrede, wie sie brillanter und ergreifender nicht gedacht werden kann; er erschütterte alle Zuhörer und hat für seine herrlichen und herzlichen Worte die Hinterbliebenen zu aufrichtigem Danke verpflichtet. Herr Dr. Salvendi entwickelte in wahrheitsgetreuer Weise die vielseitige Tätigkeit Fränkels und seine Verdienste, wie Letzterer mit allen Fasern seines Herzens seinem heiligen Berufe ergeben war und deshalb bei seinem Vortrage alle Zuhörer zur Andacht stimmte und gleichsam elektrisierte; wie er ein edler Mensch nach allen Richtungen war; wie er bei Kranken stets der Erste und der Letzte war; wie der danach strebte, Toten, die schweren Liebesdienste zu erweisen; wie er gegen Jedermann liebreich, gefällig, bescheiden und hilfreich war; wie er über seine Kräfte ein baal zedaka (Mann der Wohltätigkeit) war; wie er dieses Alles war und ausübte in Folge seines lew tow (guten Herzens), was Raw Elieser bekanntlich als das Beste am Menschen erkannte, und wie deshalb der Verlust Fränkels ein unersetzlicher sein und bleiben werde. Herr Dr. Salvendi schloss seine Rede damit: dass die Gemeinde Grünstadt in dem Verblichenen den Vater verloren habe, der alle Glieder gleichsam an seiner Hand aufwachsen sah und dass deshalb die Gemeinde demselben zu großem Dank verpflichtet sei. ‚Wie und in welcher Form Sie diesen Dank bestätigen wollen,’ so spricht der Redner, ‚das überlasse ich den Edelsten unter Ihnen; allein geschehen muss noch etwas. Ich würde es als das Schönste erachten, wenn Sie eine ‚Fränkel-Stiftung’ ins Leben rufen, was Sie ehren und zum segnenden Andenken an den Heimgegangenen für ewige Zeiten bleiben würde.’ – Gewiss eine sehr edle achtungswerte Anregung; ob sie aber auf fruchtbaren Boden gefallen, das zu konstatieren müssen wir der Zukunft überlassen; indessen wollen wir das Beste hoffen.  Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens.   P.S."  

   
Der jüdische Lehrer J. Strauß bedankt sich öffentlich beim Bürgermeister für eine Gehaltserhöhung (1860) 

Gruenstadt AZJ 18121860.jpg (112103 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung der Judentums" vom 18. Dezember 1860: "Grünstadt, im November 1860. Danksagung. Auf Antrag des Herrn Bürgermeisters hat der verehrliche Stadtrat bei der Gelegenheit, als er in der Sitzung vom 22. November die Lehrerbesoldungen der hiesigen christlichen deutschen Lehrer erhöhte, auch den Gehalt des israelitischen deutschen Lehrers mit einer jährlichen ständigen Zulage von 50 Gulden aufgebessert, welcher Akt der Toleranz und Humanität umso mehr meinen wärmsten Danke verdient, da die hiesige Stadt keine Revenüen hat, im Gegenteil mit Umlagen jedes Jahr so belastet ist, wie wenige der Pfalz, und da die Kasse der politischen Gemeinde von der der Israeliten konfessionell geschieden ist. Ich glaube es der guten Sache, der Humanität und dem Judentum schuldig zu sein, wenn ich veranlasse, dass Sie in Ihr viel gelesenes Blatt die Nachricht von dieser schönen Handlung, welche die edlen Geber sowohl, als den Empfänger ehrt, aufnehmen, damit auch in weiteren Kreisen bekannt wird, dass der hiesige Stadtrat aus Männern besteht, welche den Geist der Zeit erkennen und ihre toleranten Gesinnungen und allgemeine Bruderliebe in so schöner und erfreulicher Weise entfaltet haben. J. Strauß, israelitischer deutscher Lehrer."  

Die Einrichtung einer jüdisch-christlichen Simultanschule 1870 und Probleme bei der Neubesetzung der israelitischen Lehrerstelle 1875 
   
Besondere Erwähnung verdient die christlich-jüdische Simultanschule in Grünstadt, die seit 1870 bestand. Der Unterricht wurde gemeinsam von einem jüdischen und christlichen Lehrern erteilt. 1875 kam es bei der anstehenden Neubesetzung der jüdischen Lehrerstelle allerdings zu Schwierigkeiten mit den bayerischen Schulbehörden, denen sich der Grünstadter Stadtrat erfolgreich widersetzte. Die Stelle konnte neu ausgeschrieben und schließlich mit Benjamin Freudenthal besetzt werden, der danach 35 Jahre an der Schule unterrichten sollte (s.u. bei Persönlichkeiten). Über die Schwierigkeiten 1875 berichten nachstehende Presseartikel:  

Gruenstadt Israelit 14041875.jpg (123623 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. April 1875: "Aus der Pfalz, 3. April (1875). Den Anforderungen der Neuzeit entsprechend, wurde in Grünstadt durch Entschließung der königlichen Regierung der Pfalz vom Januar 1870 die Umwandlung der konfessionellen Schulen in konfessionell-gemischte genehmigt. Die seinerzeit an den Schulen tätig gewesenen Lehrer, worunter auch der jüdische, teilten sich den Unterricht; dem jüdischen Lehrer wurde die zweite Mädchen-Klasse zugeteilt, und außerdem hatte derselbe den jüdischen Schülern den Religions-Unterricht zu erteilen. Dieser Lehrer starb im Jahr 1874, und an dessen Stelle wurde von Seiten der städtischen Verwaltung ein anderer jüdischer Lehrer in Vorschlag gebracht, dessen Annahme jedoch von der Regierung verweigert wurde, weil nach einer allerhöchsten Verordnung vom Jahr 1873 israelitische Lehrer bei den konfessionell-gemischten Schulen nicht mehr zu Anstellung gelangen können. Vergebens beruft sich der Stadtrat von Grünstadt auf die bei Errichtung der gemischten Schule veranstaltete Abstimmung, bei welcher auch die dortigen Israelitischen ihre Zustimmung gegeben und welche durch die königliche Regierung genehmigt wurde, mithin nach der bayerischen Verfassungs-Urkunde nicht durch ein späteres Reskript vom Jahr 1873 umgestoßen werden könne. Er wurde mit seinem Rekurs bis zum Staatsrat abgewiesen und sieht sich so genötigt, seine Beschwerde vor die Kammer der Abgeordneten zu bringen. Das erfreuliche Beispiel von Loyalität des Grünstadter Stadtrats verdient öffentliche Anerkennung, indes die Verordnung vom Jahre 1873, welche die jüdischen Lehrer von den Kommunal-Schulen ausschließt, in keiner Weise mit den humanitären Bestrebungen der Neuzeit in Einklang zu bringen sein dürfte."   
   
Gruenstadt Israelit 28041875.jpg (65131 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. April 1875: "Aus der Pfalz, 14. April (1875). Aus München kommt die Nachricht, dass eine Entschließung des Kultusministeriums ergangen ist, wonach eine Klasse der Kommunal-Schule in Grünstadt mit einem israelitischen Lehrer besetzt werden darf. Das ist's, was der Grünstädter Stadtrat gewollt hatte, und damit ist - trotz der vorangegangenen Abweisung seiner Beschwerde durch alle Instanzen - eben zugegeben, dass er doch Recht hatte, als er die Ansicht aufstellte, dass die Verordnung vom 29. August 1873 auf eine Schule, welche vor derselben schon bestand, nicht anwendbar sei. Die pfälzischen Abgeordneten G. Müller und Dr. Groß hatten die Sache beim Ministerium betrieben, und wir irren wohl nicht, wenn wir annehmen, dass dasselbe, um der ihm unangenehmen Erörterung in der Kammer auszuweichen, schließlich sich herbeiließ, das Verlangen der Grünstadter zu erfüllen.     
   
Gruenstadt AZJ 18051875a.jpg (128358 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Mai 1875: "Aus der bayerischen Pfalz, im Mai (1875). Für das gewerbereiche und konfessionell sehr gemischte Grünstadt in der Pfalz hat sich das Kultusministerium in München doch endlich herbeilassen müssen, die Anstellung eines israelitischen Lehrers an der dortigen Kommunalschule zu genehmigen, aber freilich mit der Bemerkung: 'Ausnahmsweise und ohne jede Konsequenz für andere Fälle'. Wie wenig jedoch diese Klausel die pfälzische Bevölkerung vor weiteren Konsequenzen abschrecken wird, lässt sich aus der Kritik entnehmen, der man diese ministerielle Verfügung öffentlich unterwirft. Konnte Herr von Lutz durch Landtagsmitglieder zu dieser Konfession genötigt werden, werden sich bei neuen Veranlassungen auch noch andere erwirken lassen. Die halben Maßregeln und unklaren Zustände geben fortwährend zu neuen Agitationen Anlass. 
Das hier besprochene Reskript des bayerischen Kultusministers ist vom 11. April datiert und lautet wie folgt: 'Aus Anlass einer neuerlich an die Kammer der Abgeordneten gerichteten und von dort an das unterfertigte königliche Staatsministerium gelangten Vorstellung des Gemeinderats von Gründstadt im bezeichneten Betreff wird in Anbetracht der dort bestehenden Verhältnisse und namentlich in Berücksichtigung des Umstandes, dass die Errichtung der Kommunalschule in Grünstadt schon vor der allerhöchsten Verordnung vom 29. August 1873 auf Grund des Ministerial-Erlasses vom 27. März 1869 erfolgte und wesentlich nur durch Auflösung der dort bestandenen Judenschule und die Übernahme des israelitischen Lehrers zur neuen Kommunalschule zustande kam, ausnahmsweise und ohne jede Konsequenz für andere Fälle gestattet, dass die durch den Tod dieses israelitischen Lehrers erledigte Lehrerstelle der 1. Klasse der genannten Kommunalschule wieder mit einem Israelitischen, der die vorschriftsmäßigen Vorbedingungen für die Anstellung im Volksschullehrerfach erfüllt hat, besetzt werde.' 
Wir können hieraus nur den Schluss ziehen, dass die jüdischen Gemeinden, bevor sie ihre 'Judenschule', wie es dem bayerischen Kultusministerium zu sagen beliebt, aufgeben und in eine Kommunalschule willigen, sich vorsehen, um die gerechte Bedingung festzustellen, dass auch jüdische Lehrer angestellt werden. "    
   
Gruenstadt AZJ 08061875.jpg (63912 Byte)Ende Mai 1875 konnte die Schulstelle an der Simultanstelle gemeinsam vom Bürgermeisteramt und dem Vorstand der Israelitischen Gemeinde neu ausgeschrieben werden - Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. Juni 1875: "Schuldienst-Erledigung. Die erledigte I. Klasse der hiesigen Kommunalschule soll mit einem Lehrer israelitischer Religion wieder besetzt werden. Der Jahresgehalt beträgt 550 Gulden bar aus der Stadtkasse und bei gehöriger Qualifikation kann demselben auch noch die Erteilung des Religionsunterrichtes an der Latein- und höheren Töchterschule in Aussicht gestellt werden. Lusttragende Bewerber wollen sich unter Vorlage ihrer Zeugnisse innerhalb 3 Wochen melden. 
Grünstadt (Pfalz), den 31. Mai 1875. Das Bürgermeisteramt. Wm. Sellsam." 
Mit Bezugnahme auf vorstehende Bekanntmachung der Bürgermeisteramts Grünstadt werden dem anzustellenden Lehrer aus der israelitischen Gemeindekasse an Kasualien jährlich 80 Gulden zugesichert, und außerdem kann derselbe für Erteilung des Unterrichts in der hebräischen Sprache etc. noch einen sehr bedeutenden Nebenverdienst machen. 
Grünstadt, den 31. Mai 1875. Der Vorstand der israelitischen Gemeinde. Simon Loeb.  Josef Schwab III".  

   
Über den Lehrer Benjamin Freudenthal (1875-1910 – 35 Jahre - Lehrer und Kantor in Grünstadt)    

Gruenstadt Israelit 27091900.jpg (209297 Byte)Artikel aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. September 1900: "Grünstadt, 14. September (1900): Gestern feierte Herr Lehrer Benjamin Freudenthal dahier das 25jährige Jubiläum seines Wirkens in hiesiger Stadt. Aus diesem Anlasse brachte dem Jubilar Herr Bürgermeister Krieger persönlich die herzlichsten Glückwünsche seitens der Stadtverwaltung dar, wie auch die jetzigen Schüler und Schülerinnen ihrem hochgeschätzten Lehrer durch Überreichung zweiter prächtiger Leuchter ihrer dankbaren Gesinnung Ausdruck verliehen. Gestern Abend folgte alsdann eine mehr allgemeine Feier in Form eines Souvers mit darauf folgendem Banquet, an welchem etwa 60 Personen, unter denen sich auch Herr Bezirks-Rabbiner Dr. Salvendi sowie verschiedene der hiesigen Herren Lehrer befanden, teilnahmen. Bald nach Beginn des Mahles, bei welchem eine sechs Mann starke Kapelle konzertierte, hielt der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde, Herr Gustav Seelenberger, eine Ansprache, in der er den Jubilar und dessen Familie herzlich begrüßte, und alsdann zunächst die Glückwünsche der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde darbrachte. In seinen weiteren Ausführungen gedachte Redner dann namentlich des ersprießlichen Wirkens und der hohen Verdienste des Jubilars als Lehrer in hiesiger Stadt, deren Würdigung in dem zahlreichen besuche der heutigen Veranstaltung ihren Ausdruck finde, und überreichte als Zeichen des Dankes und der Wertschätzung seitens der hiesigen israelitischen Gemeinde dem Jubilar einen prächtigen silbernen Tafelaufsatz, worauf Redner seine Worte in ein begeistert aufgenommenes Hoch auf den Gefeierten ausklingen ließ. Sodann sprachen noch Herr Bezirksrabbiner Dr. Salvendi aus Dürkheim, der in gehaltvoller Rede die Verdienste des Jubilars hervorhob, ferner Herr Lehrer Laux, Herr Kaufmann Berg und darauf der Jubilar, welcher in tiefbewegten Worten seinem Danke Ausdruck gab, hierbei des 13. September 1875 gedenkend, als des Tages, an dem er Redwitz (in Oberfranken), den Ort seiner früheren Wirksamkeit verließ, und die hiesige Stelle antrat; der Gefeierte besprach die seitdem dahingeflossene Zeit, schilderte das innige Verhältnis, welches ihn stets mit den Gliedern der hiesigen Kultusgemeinde verband, und gedachte hierbei insbesondere auch des verstorbenen Vorstandes der Gemeinde, des Herrn Simon Nahm; hieran knüpfend hob Redner zugleich lobend die Verdienste des neuen Vorstandes, Herrn Seelenberger, dahier, sowie die tolerante Gesinnung unserer Stadt hervor, die, wie der heutige Abend beweise, auch Andersgläubige zu ehren wisse, in einer Zeit, wo die Unduldsamkeit so sehr hervortrete. Zum Schlusse dankte der Jubilar für die ihm gewordenen Ehrungen, sowie allen Denen, die dazu beitrugen, die Feier zu einer schönen und erhebenden zu gestalten. Reicher Beifall folgte diesen Worten. Hierauf sprach auch der zweitälteste Sohn des Jubilars, Herr Kaufmann Eugen Freudental, im Namen seiner Eltern und Geschwister seinen Dank aus. An die Tafel reihte sich um halb zwölf noch das Banquet, worauf später der jüngere Teil der Gesellschaft in animiertester Stimmung noch bis gegen Morgen dem heiteren Tanze huldigte."    

    
Ausschreibung der Stelle des Vorbeters und Schochet 1884 
  
Anmerkung: da die Gemeinde einen Elementarlehrer eingestellt hatte, wurde separat die Stelle des Vorbeters und Schochet ausgeschrieben:

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. November 1884: "Ausschreiben
Die Kantor- und Schächterstelle in hiesiger Gemeinde soll anderweitig besetzt werden. Das Einkommen derselben besteht 
a. aus einem Bargehalt von 500.- Mark. b. aus einer Kasual-Entschädigung von 50.- Mark. c. aus den Erträgnissen der Schechitah von mindestens 1.200 Mark. 
Der Anzustellende muss musikalische gebildet und Reichsangehöriger sein. 
Mit Zeugnissen belegte Bewerbungsgesuche wollen alsbald anher eingereicht werden. 
Grünstadt (Rheinpfalz), 2. November 1884. Der Synagogen-Vorstand. 
Simon Nahm."      

  
Dank an Hauptlehrer Freudenthal von Seiten der Stadtverwaltung (1910)   

Gruenstadt FrfIsrFambl 10061910.jpg (29644 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 10. Juni 1910: "Grünstadt. Eine Abordnung der Stadtverwaltung sprach bei Hauptlehrer Freudenthal vor, um ihm anlässlich seines Rücktrittes vom Amte namens der Stadt den Dank für seine langjährige segensreiche Tätigkeit an der Volksschule zum Ausdruck zu bringen."   


Zum Tod des Hauptlehrers Benjamin Freudenthal (gest. 1910 - 35 Jahre Lehrer an der Schule in Grünstadt) 
Anmerkung: Lehrer Benjamin Freudenthal war Vater des Nürnberger Rabbiners Max Freudenthal (geb. 1868 in Neuhaus  

Gruenstadt AZJ 30121910.jpg (159384 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30. Dezember 1910: "Grünstadt, 22. Dezember (1910). Wie von Ihnen bereits mitgeteilt, verstarb zu Frankfurt am Main, wohin er erst vor wenigen Tagen übergesiedelt war, Herr Hauptlehrer Benjamin Freudenthal, der 35 Jahre an der hiesigen Simultanschule als Lehrer gewirkt hatte. Er hat sich seines wohlverdienten Ruhestandes, in den er erst im Mai nach 46-jähriger Amtstätigkeit eingetreten war, nicht lange erfreuen dürften; erst 67 Jahre alt hat ihn ein schweres, langwieriges Leiden hinweggerafft. Dank seines vornehmen Charakters, seiner bewundernswerten Gewissenhaftigkeit und seiner Tüchtigkeit auf allen Gebieten genoss er die ungeteilte Hochachtung seiner Kollegen wie aller, die ihn kannten. Um die hiesigen Kultusgemeinde, deren langjähriger Sekretär und eigentlicher Führer er war, hat er sich die größten Verdienste erworben. Auch sein öffentliches Wirken verschaffte ihm die weitgehendste Anerkennung; noch kurz vor seinem Tode ließ ihm die Stadtverwaltung die Mitteilung zugehen, dass sie ihm zum Dank für seine langjährige segensreiche Tätigkeit für Lebenszeit einen Ehrensold bewilligt habe. Alle Verehrung, die der Verstorbene genossen, kam an seinem Grabe noch einmal in ergreifender Weise zum Ausdruck. Zahlreiche Kollegen und Freunde gaben ihm das letzte Geleite. Abordnungen der hiesigen Lehrerschaft und des Bezirkslehrervereins Dürkheim-Grünstadt, der Stadtverwaltung und der Kultusgemeinde nahmen an der Beisetzung teil; auch die Kultusgemeinde Nürnberg, woselbst der älteste Sohn als Distrikts- und Stadtrabbiner amtiert [sc. Max Freudenthal, Rabbiner in Nürnberg von 1907-1934], hatte eine Deputation entsandt. Herr Rabbiner Dr. Seligmann aus Frankfurt hielt die erhebende Trauerrede. Nach ihm widmete Herr Hauptlehrer Thomas von hier im Namen der Stadt, der Schulen und der Lehrerschaft dem Verblichenen einen tiefempfundenen Nachruf. Hierauf sprach in ergreifenden Worten im Namen des Bezirkslehrervereins und des Lehrerkränzchens Herr Lehrer Keller aus Kirchheim, und gab dem allgemeinen Schmerz über das allzu frühe Ableben des allseits verehrten Kollegen einen erschütternden Ausdruck; Herr Hauptlehrer Freudenthal war einer der letzten israelitischen Lehrer, die in Bayern an Simultanschulen wirkten. Eine Zierde seines Standes, wird sein Andenken in allen Kreisen stets in Ehren bleiben."      

      
      
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde        
Abraham Hirsch von Grünstadt soll sich beim Gericht melden (1825)     

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 1. Oktober 1825 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Ediktalladung
Abraham Hirsch von Grünstadt, im niederrheinischen Departement, welcher im November vorigen Jahres eine bedeutende Summe von den Ausständen seines damaligen Dienstherrn des Mayer Levy, von Kirchen, eingezogen und sich flüchtig gemacht hat, wird andurch aufgefordert, binnen 6 Wochen vor dem unterzeichneten Gerichte sich zu stellen, und über den ihm zur Last liegenden unbefugten Geldeinzug und die nachherige Entweichung zu verantworten, da er sonst des ihm angeschuldigten Verbrechens der Geldunterschlagung für überwiesen angesehen, und die Strafe auf Betreten gegen ihn vorbehalten würde.  Zugleich werden alle resp. obrigkeitlichen Behörden ersucht, auf diesen Menschen, dessen Signalement unter steht, fahnden, im Betretungsfalle ihn arretieren, und wohlverwahrt anher einliefern zu lassen. 
Signalement
. Abraham Hirsch misst ungefähr 5' 7", hat ein längliches, hageres, braunes Gesicht, schwarzen Bart und Backenbart, graue Augen, breite Nase, großen Mund, und hängt den Kopf etwas vorwärts. Seine Kleidung bestand in einem grün manchesternen, schon abgetragenen, halblangen Rocke mit metallenen Knöpfen, dergleichen lange Hosen, einem Gilet von gestreiftem Wollenzeug, einer Kosaken-Kappe mit Schild, und lange Stiefel. 
Lörrach, den 7. November 1825. Großherzoglich badisches Bezirksamt. Deurer."         
 
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom Januar 1826 S. 20  (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Straferkenntnis
In Untersuchungssachen gegen Abraham Hirsch, von Grünstadt, im königlich französischen niederrheinischen Departement, wegen Geldunterschlagung - hat das Großherzogliche Hochpreisliche Hofgericht des Oberrheins auf ungehorsames Ausbleiben nach geschehener öffentlicher Vorladung durch Urteil vom 9. dieses Monats. Crim. H.R. No. 3270. II. Sen. zu Recht erkannt: 
'Inculpat seye des Verbrechens, der an seinem Dienstherrn Mayer Levy zu Kirchen, verübten Geldunterschlagung für überwiesen zu erklären, und die gesetzliche Strafe auf dessen Betreten vorzubehalten.' 
Dieses wird hiermit öffentlich bekannt gemacht. 
Lörrach, den 16. Dezember 1825. Großherzoglich badisches Bezirksamt."      

   
100. Geburtstag von Witwe Zerline Brandt (1890) 
  

Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Dezember 1890: "Grünstadt (Pfalz), 13. Dezember (1890). Im vorigen Monat feierte hier Frau Witwe Zerline Brandt ihren hundertsten Geburtstag."    
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. Dezember 1890: "In Grünstadt (Pfalz) feierte dieser Tage Frau Witwe Zerline Brandt ihren hundertsten Geburtstag."     

      
Über Stadtrat Simon Nahm - 25jähriges Jubiläum als Mitglied / Vorsitzender des Synagogenausschusses 1893 sowie sein Tod 1899   

Gruenstadt AZJ 24111893.jpg (64548 Byte)Artikel zu der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. November 1893: "Grünstadt, 9. November (1893). Eine Feier besonderer Art, eben so selten wie ehrend, hatte die israelitische Gemeinde dahier Gelegenheit, heute zu begehen. Mit dem heutigen Tage sind es nämlich volle 25 Jahre, dass Herr Stadtrat Simon Nahm dem Synagogenausschusse dahier teils als Mitglied, teils als dessen Vorsitzender angehört. Von einer öffentlichen festlichen Begehung des heutigen Tages hatte man Abstand genommen, dagegen überreichten die Synagogen-Ausschussmitglieder dem Herrn Jubilar, der während eines Vierteljahrhunderts sich das Vertrauen, die Liebe und Achtung aller seiner Mitbürger ohne Unterschied der Konfession zu erwerben und zu erhalten verstanden hat, in der Wohnung des Gefeierten Namens der Kultusgemeinde, um deren Gefühlen der Dankbarkeit und Hochachtung auch einen äußeren Ausdruck zu geben eine Adresse in einer sehr hübsch gearbeiteten Mappe aus blauem Samt mit silbernen Beschlägen und einem Mittelstück, das die Initialen des Gefeierten trägt mit den beiden Jahreszahlen 1868 - 1893."   
     
Gruenstadt Israelit 07121893.jpg (39840 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Dezember 1893: "Grünstadt, 14. November (1893). Herr Simon Nahm feierte vor einigen Tagen sein 25jähriges Jubiläum als Vorstand der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde. Aus diesem Anlasse wurde ihn von den Synagogen-Ausschussmitgliedern ein Gedenkblatt gewidmet, welches in künstlerischer typographischer Ausführung in Gold und Farbendruck hergestellt ist und von den Ausschussmitgliedern in der Wohnung des Jubilars mit einer Ansprache überreicht wurde."  
   
Gruenstadt AZJ 17031899.jpg (111141 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. März 1899: "Grünstadt, 10. März (1899). Einer der angesehensten Bürger unserer Stadt, Herr Simon Nahm, ist am 2.dieses Monats im Alter von 69 Jahren infolge eines schweren Unterleibsleidens aus dem Leben geschieden. Was der Verblichene für die hiesige israelitische Kultusgemeinde, der er als Synagogenvorstand schon seit dem Jahre 1877 vorstand, gewesen, bringen die vielfachen Nachrufe der Vorstandschaft der israelitischen Gemeinde zum Ausdruck. Aber auch im weiteren bürgerlichen Gemeinwesen unserer Stadt war er ein eifrig tätiges Glied, indem ihn das Vertrauen seiner Mitbürger schon im Jahre 1875 in den Stadtrat berief, in welchem er seitdem an allen äußeren und inneren Angelegenheiten unserer Stadtgemeinden den ersprießlichsten Anteil nahm, und in welchem ihm, wie auch in den weiteren kreisen der Bürgerschaften, sicher noch auf lange Zeit ein treues Andenken bewahrt werden wird. Das Leichenbegängnis, das vorigen Sonntag stattfand, und dem sich sämtliche Mitglieder des Stadtrats - an deren Spitze der Bürgermeister - anschlossen, gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkundgebung. In beredten Worten gab Bezirksrabbiner Dr. Salvendi - Dürkheim der Trauer der Familie und der jüdischen Gemeinde tief empfunden Ausdruck, während Lehrer Freudenthal hier dem langjährigen Präsidenten der israelitischen Wohltätigkeitsanstalten und treuen Freunde warme Worte der Anerkennung und des Dankes weihte. Sein Andenken wird ein gesegnetes bleiben!"     

   
Zum Tod von Sara Nahm geb. Goldschmidt (1903)  

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 16. Oktober 1903: "Grünstadt. Hier starb Frau Sara Nahm geb. Goldschmidt, eine in weitesten Kreisen angesehene Frau. Die Beerdigung fand Freitag vor 8 Tagen statt und gab Herr Distriktsrabbiner Dr. Salvendi, Dürkheim, in warmen Worten den schmerzlichen Gefühlen unserer Gemeinde über den Heimgang dieser Frau Ausdruck."     

      
Zum Tod von Fabrikant Gustav Seelenberger (1908) 

Gruenstadt FrfIsrFambl 11091908.jpg (21239 Byte)Mitteilung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 11. September 1908: "Grünstadt in der Pfalz. Im Alter von 63 Jahren verschied Fabrikant Gustav Seelenberger, der als Stadtrat und Synagogenvorstand fungierte."   

        
Erinnerung an die Deportation in das südfranzösische Internierungslager Gurs im Oktober 1940: Grabstein für Johanna Mayer geb. Fey in Gurs        

Gruenstadt Gurs BK 020.jpg (198065 Byte)Grabstein im Friedhof des ehemaligen Internierungslagers Gurs für  
Johanna Mayer geb. Fey, 
geb. am 2. Januar 1869 in Grünstadt, später wohnhaft in Landau und Mannheim, 
am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert, wo sie am 10. Januar 1941 umgekommen ist.      

    
    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
Anzeige von Weinhändler Hermann Levi (1863)     

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. Oktober 1863: "Für sofortigen Eintritt suche ich einen jungen intelligenten Mann, der meinen Kindern in ihren Aufgaben nachhelfen und nebenbei meine Bücher führen könnte. Der Gehalt ist bei freier Wohnung und Beköstigung fl. 150 - 200 und würde er sich, wenn der junge Mann sich gehörig qualifiziert, bald steigern. 
Hermann Levi,
Weinhändler in Grünstadt in der Pfalz."      

  
Anzeige von Julius Löb (1898) 
   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. September 1898: "Gesucht für 1. Oktober nächsthin ein israelitisches Mädchen für eine kleine Familie; dasselbe muss dem Haushalt vorstehen können und schon in Stellung gewesen sein. Offerten beliebe man zu richten an 
Julius Löb
, Grünstadt, Pfalz."   

    
Anzeige von Frau Is. Jacobi Witwe (1901)    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. November 1901: 
"Suche für meinen kleinen Haushalt ein tüchtiges 
Mädchen

welches kochen kann und alle Hausarbeit verrichtet, gegen hohen Lohn per 1. Januar 1902. 
Frau Is. Jacobi Witwe, 
Grünstadt, Pfalz."       

  
Anzeigen von Frau G. Seelenberger (1904 / 1908 / 1922)   
Anmerkung: vermutlich die Frau von Fabrikant Gustav Seelenberger s.o.   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. März 1904
"Suche per sofort ein tüchtiges 
Fräulein
aus guter Familie, das sich allen häuslichen Arbeiten unterzieht. 
Gefällige Offerten an 
Frau G. Seelenberger, Grünstadt (Pfalz)."      
 
Gruenstadt Israelit 14051908.jpg (36868 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Mai 1908
"Tüchtiges Fräulein 
zur Führung meines Haushalts per sofort gesucht. 
Gefällige ausführliche Offerten mit Gehaltsansprüchen erbeten an 
Frau G. Seelenberger Grünstadt
(Rheinpfalz)."   
   
Gruenstadt FrfIsrFambl 26011922.jpg (42264 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 26. Januar 1922
"Stütze
die auch leichte Krankenpflege versteht, zu älterer Dame in gutem Hause gesucht. Gefällige ausführliche Offerten erbeten an 
Frau G. Seelenberger, Grünstadt (Rheinpfalz)."    

      
Das Schuhwarenhaus S. Lauchheimer sucht einen Schuhmacher (1911 / 1913) sowie Anzeige der Witwe Ida Lauchheimer (1918)    

Gruenstadt FrfIsrFambl 25081911.jpg (35975 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 25. August 1911: "!! Schuhmacher !!. 
Tüchtiger junger Schuhmacher, der selbständig arbeiten kann, für meine Reparaturwerkstatt sofort gesucht. 
S. Lauchheimer, Schuhwarenhaus, G
rünstadt, Rheinpfalz."  
  
Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 3. Januar 1913:  
"Tüchtiger junger Schuhmacher
der selbständig arbeiten kann, für meine Reparaturwerkstatt per sofort gesucht. Stellung dauernd und angenehm. 
S. Lauchheimer, Schuhwarenhaus. 
Grünstadt
(Rheinpfalz)."          
  
Gruenstadt FrfIsrFambl 26051918.jpg (62929 Byte) Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 26. Mai 1918: "Zu meiner Entlastung suche per sofort durchaus tüchtiges zuverlässiges Mädchen gesetzten Alters, die perfekt kochen und Haushalt zu führen versteht. Eventuell kann sich dieselbe auch etwas im Geschäft betätigen. Offerten mit Bild, Ia Zeugnissen und Gehaltsansprüchen an Frau Ida Lauchheimer, Witwe, Schuhwarenhaus, Grünstadt, Pfalz."   

   
   
   
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge      
   
Zunächst war ein Betsaal vorhanden. 

1741
kaufte die jüdische Gemeinde ein Haus auf dem Grundstück Östlicher Graben 19. Auf ihm wurde 1749-57 eine Synagoge erbaut. Das Gebäude wurde bis zum 20. Jahrhundert mehrfach renoviert. Der Charakter als spätbarocker Synagogenbau blieb erhalten. Bis heute ist eine mit Stuckrosetten verzierte hölzerne Flachtonne des Betsaales zu sehen. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde die Synagoge mehrfach renoviert und den Bedürfnissen der Zeit angepasst. Unter anderem wurde 1879 das Gas zur Einrichtung einer neuen Beleuchtung eingeführt, weswegen die früheren Leuchter günstig abgegeben werden konnten: 

Gruenstadt Israelit 09071879s.jpg (30127 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Juli 1879: "In Folge Gaseinrichtung in der hiesigen Synagoge sollen verschiedene außer Gebrauch gesetzte Beleuchtungsgegenstände, als: ein doppelbesteckbarer Kronleuchter aus Glas - noch sehr gut erhalten -, ein und mehrarmige Leuchter, Kampen etc. etc. dem Verkaufe unterstellt werden. 
Reflektierende wollen sich wenden an den Synagogen-Vorstand zu Grünstadt Simon Kahn". 

In den 1890er-Jahren plante die Gemeinde den Bau einer neuen Synagoge. Auf Grund der begrenzten finanziellen Möglichkeiten konnte der Plan jedoch nicht umgesetzt werden. So beschloss man eine umfassende Innenrenovierung, die im Sommer 1899 durchgeführt wurde. Im Februar 1900 konnte mit einer Einweihung der letzten Ritualien die Renovierung abgeschlossen werden. Darüber berichtete die Zeitschrift "Der Israelit" in ihrer Ausgabe vom 8. März 1900:

Gruenstadt Israelit 08031900.jpg (208759 Byte)"Grünstadt, 1. März (1900). Der verflossene Sabbat Paraschat Schekalim (gemeint: 23./24. Februar 1900) war für die hiesige Gemeinde in Wirklichkeit ein ‚guter Schabbos;’ denn an ihm wurde der letzte Schmuck eingeweiht, womit die Renovierung unseres Gotteshauses zum würdigen Abschluss gebracht wurde. Schon vor Jahren trug man sich mit dem Gedanken, dem Dienste Gottes auch hier eine neue Stätte zu widmen. Nur die Rücksicht auf die unerschwinglichen Opfer, die hieraus für unsere nicht besonders wohlhabende Gemeinde erwachsen wären, ließen diese löbliche Absicht nicht zustande kommen. Unsere Gemeinde musste sich damit begnügen, eine innere Verschönerung unseres alten Gotteshauses im vorigen Sommer ausführen zu lassen, die übrigens mit verhältnismäßig geringen Kosten doch zweckentsprechend und anmutend für jeden Besucher ausgefallen ist. Zu Ehren der Anwesenheit unseres Herrn Bezirksrabbiners Dr. Salvendi-Dürkheim wurden nun am letzten Sabbat die aus dem Goldstickereigeschäfte J. Bloch in Straßburg hervorgegangenen Synagogengewänder, Paroches (Vorhand am Toraschrein) und Schulchandecke (Decke auf dem Vorlesepult), zum ersten male dem Beschauer entfaltet. Anknüpfend an dieses freudige Ereignis für unsere Gemeinde, führte unser allverehrter Bezirksrabbiner ungefähr Folgendes aus: Es war mir, als ich gestern Abend diese heilige Stätte betrat, eine besonders freudige Wahrnehmung, dieselbe zeitgemäß erneuert und in einem schönen und ansprechenden Äußern hergerichtet zu finden. Meine Freunde erhöhte sich noch, als ich vor dem hochheiligen Toraschrein den strahlenden Vorhang erblickte, der zum ersten male Ihr Gotteshaus schmückt und durch die Pracht seiner Ausführung einen herrlichen Zierrat dieser geweihten Stätte bildet. So schon, Herz und Auge erfreuend aber auch dieser kostbare Vorhand ist, das hinter ihm Verborgene, die gottgeoffenbarte Urkunde der Tora nämlich, überrage ihn an innerem Werte so ungemein hoch, wie der Himmel hoch über der Erde. Unsere Kinder mit ihrem Wissen reich zu schmücken, bildet eine unserer ersten und heiligsten jüdischen Pflichten. Und was die so schön renovierte Andachtsstätte anbetrifft – den schönsten Schmuck des Gotteshauses bildet der regelmäßige und zahlreiche Besuch desselben seitens der Gemeindemitglieder. Diesen Schmuck verleihen Sie auch Ihrem Gotteshause, für dessen würdige Erneuerung Sie bedeutende materielle Opfer gebracht, wenn diese keine vergeblich gebrachten sein sollen! Möge es Ihnen Allen vergönnt sein, noch Jahrzehnte lang von dieser heiligen Stätte aus Ihre Gebete nach Oben senden zu können und an den gottgeheiligten Festtagen des Jahres des Anblickes dieses herrlichen Vorhanges sich erfreuen zu dürfen.
Diese herrlichen Worte fanden einen mächtigen Widerhall in den Herzen unserer zahlreich erschienenen Gemeindemitglieder und reihen wir denselben hier noch unsern innigen Dank all’ jenen Wohltätern und Spendern an, die zu dem Zusta
ndekommen des so herrlich schönen Werkes ihre mildtätige Hand geöffnet haben. Wir können aber auch nicht umhin, der oben genannten Firma hier öffentlich unser wärmstes Lob auszusprechen für die mit so vieler Sorgfalt und seltenem Kunstverständnisse ausgeführten Arbeiten". 

Zur Gestaltung des Gottesdienstes liegt aus dem Jahr 1838 ein Bericht vor, wonach nach dem Vorbild der Synagogengottesdienste in Kirchheimbolanden Reformen durchgeführt wurden, die insbesondere die Einführung des Chorgesanges in der Synagoge mit sich brachte: 

Neuleiningen AZJ 04101838b.jpg (101217 Byte)Aus einem längeren Artikel über die gottesdienstlichen Verhältnisse in der Pfalz in der "Allgemeinen Zeitung der Judentums" vom 4. Oktober 1838: "Diesem Manne, Herrn Leo Levy, dem die Pfälzer Israeliten schon so viel verdanken, ist es, unterstützt von dem ebenso tätigen als kenntnisreichen Lehrer J. Sulzbacher, gelungen, den Gottesdienst in der neu und würdig erbauten Synagoge zu Kirchheimbolanden auf eine Weise zu ordnen, welche dieselbe zum Muster für den ganzen Kreis gemacht. Choral-Gesang ist Grundzug des Gottesdienstes, über welchen im Ganzen ich Ihnen nächstens als Augenzeuge berichten zu können hoffe.
Nachdem die Gemeinden Neuleiningen und Grünstadt (Bezirk Frankenthal, Rabbiner A. Merz) durch eigene Abgeordnete von der Trefflichkeit des zu Kirchheimbolanden organisierten Gottesdienstes sich überzeugt, wurde derselbe in Neuleiningen durch die Bemühungen des Herrn Kaufmann, unterstützt von dem Privaten Herrn Schwarz /einem vielseitig gebildeten, früheren Rabbinatskandidaten, jetzt Associé einer Weinhandlung) - und in Grünstadt, wo sogar ein Rabbine alten Schlags seinen Sitz hat, freilich nicht ohne Widerstreben, durch Herrn Levy und Lehrer Heß eingeführt...."

Zu besonderen Gottesdiensten in der Synagoge in Grünstadt erschienen immer wieder Berichte in überregionalen jüdischen Zeitschriften, u.a.:

Gruenstadt BayrGZ 15081929.jpg (20224 Byte)Artikel zum Gottesdienst in der Synagoge Grünstadt zum 200jährigen Bestehen des Gymnasiums (Progymnasiums) in Grünstadt aus der Bayrischen Gemeindezeitung vom 15. August 1929: "Grünstadt. Am Sonntag, dem 14. Juli 1929, fand anlässlich der 200jährigen Jubelfeier des hiesigen Progymnasiums auch in unserer Synagoge ein Festgottesdienst statt, zu dem viele ehemalige Schüler aus nah und fern erschienen waren. Oberrabbiner Dr. Freudenthal (Nürnberg), gleichfalls ein Schüler der Anstalt, hielt die Festansprache."
  
Gruenstadt BayrGZ 20101927.jpg (58948 Byte)Artikel zur Einweihung der Gedenktafel für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges in der Synagoge Grünstadt aus der Bayerischen Gemeindezeitung vom 20. Oktober 1927: "Grünstadt. Am Vorabend des Neujahrsfestes wurde um 6 Uhr in der Synagoge vor der vollzählig versammelten Gemeinde die Weihe einer Gedenktafel für die Gefallenen der hiesigen Gemeinde vorgenommen. Die Feier wurde eingeleitet durch das ergreifende Lied ‚Sei still’, gesungen von Fräulein Fürsorgeschwester Idelberger. Herr Berthold Jacobi als 1. Vorstand, in der er die Einigkeit unseres Volkes gedachte. Begeistert zogen die tapferen Helden hinaus, um das bedrohte Vaterland zu schützen, ohne Unterschied des Bekenntnisses hielten sie dem feindlichen Geschosshagel stand. Drei Frontkämpfer kehrten nicht mehr zurück, ihre Namen sind Berthold Schmitt, Julius Reiß und Dr. Julius Frey. Mit dem Gelöbnis, die Gedenktafel allezeit in Ehren zu halten, enthüllte sie der 1. Vorstand und übernahm sie für die Gemeinde. Nach einem Harmoniumvortrag ‚Ich hatt' einen Kameraden’ des Herrn Oberlehrers Tremel hielt Herr Lehrer Lion die Weihepredigt. Ein Lieb ‚Gebet’ von Fräulein Idelberger beschloss die würdige und erhebende Feier."

 Bis 1938 diente die Synagoge als religiöses Zentrum der jüdischen Gemeinde.

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung völlig zerstört, das Harmonium von der Galerie geworfen; die Akten und Torarollen wurden auf dem Luitpoldplatz verbrannt. Im Mai 1939 verkaufte der Kreiswirtschaftsberater das Grundstück für 2.000 RM. Danach wurde das bisherige jüdische Gotteshaus als Lagerraum zweckentfremdet. Die Fenster wurden teilweise zugemauert. In den 1970er-Jahren sollte das Gebäude abgebrochen werden, doch wurde der Beschluss nicht umgesetzt. Das Gebäude wurde 1979-81 zu einem Geschäftshaus umgebaut. Im Erdgeschoss wurde durch den Einbau von Arkaden in die Bausubstanz eingegriffen. 1986 wurden Fassade und Gewölbe unter Denkmalschutz gestellt. Am 10. November 1988 erfolgte die Anbringung einer Gedenktafel.    
    
    
Adresse/Standort der SynagogeÖstlicher Graben 19            
   
   
Fotos / Darstellungen

Historische Aufnahmen Gruenstadt Synagoge 101.jpg (48426 Byte) Gruenstadt Synagoge 100.jpg (44614 Byte)
   Fassade der geschändeten Synagoge
 (November 1938)
Das Gebäude nach dem Umbau zum
 Lagergebäude (1950er-Jahre?)
        
Das Gebäude im Herbst 2005   
Gruenstadt Synagoge 203.jpg (57726 Byte) Gruenstadt Synagoge 200.jpg (45771 Byte) Gruenstadt Synagoge 201.jpg (42970 Byte)
Die Gedenktafel von 1988  Blick auf die ehemalige Synagoge 
     
Das Gebäude Anfang 2014 
Fotos von Michael Ohmsen 
(vgl. Fotoseiten von M. Ohmsen mit 
Fotos zu Grünstadt)  
Gruenstadt Synagoge 14010.jpg (53357 Byte) Gruenstadt Synagoge 14011.jpg (67331 Byte)
     

     
     

Links und Literatur  

Links:

Website der Stadt Grünstadt    
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Grünstadt (interner Link)   

Literatur:  

Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005. S. 60. 
Maria Schwarze-Kaufmann: Spurensuche - Jüdisches Leben im Leiningerland. Ausstellung eines Kurses für Bildende Kunst der 13. Jahrgangsstufe des Leininger-Gymnasiums in Grünstadt. In: SACHOR. Beiträge zur jüdischen Geschichte und zur Gedenkstättenarbeit in Rheinland-Pfalz. Hrsg. von Matthias Molitor und Hans-Eberhard Berkemann in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz. Erschienen im Verlag Matthias Ess in Bad Kreuznach. 6. Jahrgang, Ausgabe 2/96, Heft Nr. 12 S. 55-58.  
Dieser Beitrag ist auch online zugänglich (pdf-Datei)       
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 133ff (mit weiteren Literaturangaben). 

 
   


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Gruenstadt Palatinate. Jews are mentioned in the mid- and late 16th century. In the 19th century, the community became one of the largest in the Palatinate, reaching a peak population of 473 (85 families) in 1848, two-thirds of them engaged in trade. A synagogue was consecrated in 1764. Liberal tendencies began making inroads in the 19th century. A new synagogue was completed in 1921. A Jewish school was opened in the mid-18th century and attended by 64 children in 1834. Among the communities attached to Gruenstadt were Sausenheim, Neuleiningen, Obrigheim, Albsheim and Obersuelzen. The Jewish population was fairly prosperous and active in locale life, with a Jew heading the volunteer fire department in 1910-15 and others serving continously on the municipal council in the 1910-33 period. Jews ran a number of large businesses (grain and flour, shoes). In January 1933, 123 Jews remained (about 2 % of the total). persecutions commenced immediately under the Nazis, who received 42 % of the local vote in the March 1933 Reichstag elections. Extensive "Aryanization" of Jewish businesses and property commenced in 1936. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was vandalized and Jews were sent to the Dachau concentration camp. Eighty Jews emigrated in the Nazi period, including 43 to the U.S.; 21 moved to other German cities; and 16 perished in the camps.
   
   

                   
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Stand: 17. Dezember 2016