Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Lengnau (Kanton Aargau, Schweiz) 
Jüdische Geschichte / Synagoge

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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
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Zur Geschichte der Synagoge   
Darstellungen /Fotos  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 
Links und Literatur   

        

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde      
     
In den beiden Dörfern Endingen und Lengnau im Surbtal bestanden vom 17. bis 19. Jahrhundert die einzigen jüdischen Gemeinde im heutigen Gebiet der Schweiz, wo in dieser Zeit eine dauerhafte Niederlassung möglich war. Bis um 1800 gehörten diese Dörfer zur Markgrafschaft Baden, danach zum Kanton Aargau. In Lengnau werden Juden zum ersten Mal 1622, in Endingen 1678 genannt. Der Erwerb von Boden und das Handwerk war den Juden auch hier bis zum 19. Jahrhundert verschlossen. So lebten sie vom Hausier-, Vieh- und Liegenschaftshandel. 
     
1844 gab es alleine in Endingen 44 Viehhändler, in Lengnau 15. 1850 lebten noch 1515 Juden in den beiden Dörfern. 
     
In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der jüdischen Einwohner durch Wegzug in die Städte stark zurück. 
     
1920
wurden noch 263 Juden in den beiden Dörfern gezählt, 1980 waren es insgesamt nur noch drei jüdische Familien. 2013 leben in Lengnau und Endingen (ohne das israelitische Altersheim) etwa 20 jüdische Personen. 
    
Bis zur Gegenwart besteht in Lengnau ein jüdisches Altersheim ("Schweizerisches Israelitisches Alters- und Pflegeheim Margoa"; frühere Bezeichnung: "schweizerisch-israelitisches Altersasyl"). Das Heim ist über 100 Jahre alt (gegründet 1903) und geht auf eine Spende der Surbtaler Familie Guggenheim zurück. Das streng rituell geführte Heim steht (Stand 2013) unter Leitung von Esther und David Krammer-Bloch. Im Heim selbst leben etwa 60 Bewohner, davon sind jedoch nur wenige (Ende 2013 acht) jüdischer Konfessionszugehörigkeit. Der Saal des Heimes wird am Schabbat zum Betraum - auch für jüdische Personen, die in der Umgebung wohnen, da in den Synagogen von Lengnau und Endingen nur noch selten Gottesdienste abgehalten werden.  
Berichte zur Gründung des Heimes und aus den ersten Jahren seines Bestehens siehe auf einer Textseite zu jüdischen Geschichte in Lengnau.  
Vgl. auch den Artikel von Marcel Amrein in der "Neuen Zürcher Zeitung" vom 21. Dezember 2013: "Aargauer 'Judendörfer'- Schtetl im Dornröschenschlaf..."          
      
      
      
Zur Geschichte der Synagoge           
   
Zunächst wurden die Gottesdienste der Gemeinde in Betsälen abgehalten, die man in gemieteten Häusern eingerichtet hatte. 
  
1750/51
konnte eine erste Synagoge erbaut und eingeweiht werden. Nach der von Johann Caspar Ulrich erhaltenen Zeichnung (s.u.) war es ein einfacher, rechteckiger, überwiegend hölzerner Bau mit einem leicht konkaven Walmdach. Die Synagoge hatte einen Portalvorbau, durch den man zu den Türen des Männer- und des Frauenbereichs gelangte. 
   
1845 bis 1847 wurde eine neue Synagoge erbaut, die von Ferdinand Stadler entworfen wurde. Dieser hatte in Darmstadt und Karlsruhe studiert und war ein Schüler von Friedrich Eisenlohr. Der Neubau kostete 44.000 Franken. Das Gebäude wurde auf einer leicht erhöhten Plattform erbaut und war von der Straße zurückversetzt. Die dreiteilige Außenfassade entspricht dem Haupt- und den Seitenschiffen im Innern. Das hohe Mittelfeld endet in einem 21 Meter hohen Giebel. Die Details des Baus tragen neoromanische und neoklassizistische Merkmale. Die Einweihung der Synagoge war am 6. August 1847 unter großer Anteilnahme der jüdischen wie nichtjüdischen Bevölkerung sowie Vertreter von Landes-, Bezirks- und Schulbehörden:     
   
 Die Einweihung der Synagoge in Lengnau am 6. August 1847  

Lengnau AZJ 10011848.jpg (233890 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. Januar 1848: "Lengnau, im Dezember (1847)... 
Der sechste August war es, der einen großen teil der Bevölkerung hiesiger Umgegend in Bewegung brachte, um einem noch nie gesehenen Feste anzuwohnen, nämlich der Einweihung der hiesigen neuerbauten Synagoge. Wenn es wahr ist, dass die Israeliten aller Orten gewähnt sind, zur Erhaltung und Befestigung ihrer religiösen Institutionen ungewöhnliche Opfer zu bringen, so lässt sich diese Wahrheit auch auf die Israeliten in der Schweiz anwenden. Die hiesige Gemeinde besoldet einen Rabbinen, zwei Lehrer, eine Lehrerin für weibliche Arbeiten, einen Vorsänger, sie unterstützt mit enormen Summen ihre Armen, und doch hat sie sich, wenn auch keineswegs zu den reichen Gemeinden gehörig, entschlossen, ihre im Jahre 5511 (1750/51) erbaute hölzerne Synagoge in Anbetracht ihrer wachsenden Baufälligkeit durch ein neues massives Gebäude zu ersetzen. Am 6. August wurde dieses feierlich eingeweiht. Die Teilnahme der höchsten Landes-, der Bezirks- und Schulbehörde an diesem Feste war in der Tat bemerkenswert. Dr. Schaufenbuhl und Dr. Berner erschienen als Repräsentanten des Kantons Aargau, aus den benachbarten Kantonen, selbst aus Zürich, aus dem Kurorte Baden waren Notabilitäten zugegen. Bei der Einweihung wurden außer Mah towu und dem 111. Psalm deutsche Choräle vorgetragen. Bei dem Festmahle brachten die Abgeordneten, sowie der Seminardirektor Keller, der gefeierte Redner, Toaste aus und sprachen von den schönen Hoffnungen, die für die Zukunft Israels aufgegangen. Bernheim, Oberlehrer."           

Vgl. Wikipedia-Artikel Synagoge (Lengnau)     
    
Die Synagoge wurde mehrfach restauriert (1948, 1983/84 Außenrestaurierung, 1995/97 Innenrestaurierung) und ist bis zur Gegenwart erhalten. Sie wird vor allem für kulturelle Veranstaltungen und Trauungen genutzt. Das Gebäude ist als Kulturgut von nationaler Bedeutung eingestift.    
    
    

Darstellungen / Fotos 
Historische Darstellungen:  

Die 1750 erbaute alte Synagoge    
Lengnau Synagoge 021.jpg (58866 Byte) Lengnau Synagoge 022.jpg (49485 Byte)
   Quelle oben: Zeitschrift 
"Der Israelit" vom 9. Juni 1932  
Außen- und Innenansicht der Lengnauer Synagoge - 
Zeichnungen von Johann Caspar Ulrich  

    
Fotos:

Die 1845 bis1847 erbaute 
neue Synagoge 
Lengnau Synagoge 010.jpg (48631 Byte) Lengnau Synagoge 011.jpg (102807 Byte)
   Fotos der Synagoge Lengnau vor ihrer Restaurierung um 1980  
 
Historische Ansichtskarte von Lengnau 
(Sammlung Hahn)   
Lengnau Synagoge PK 1601.jpg (545319 Byte) Lengnau Synagoge PK 1601a.jpg (210798 Byte)
  Die Ansichtskarte zeigt je eine Innen- und eine Außenansicht der Lengnauer Synagoge   
     
Nach der Außen-Restaurierung  
(durchgeführt 1983/84)  
(Fotos: Hahn, 
aufgenommen um 1992) 
Lengnau Synagoge 100.jpg (38321 Byte) Lengnau Synagoge 102.jpg (50301 Byte)
  Außenansichten von Südwesten  
   
Lengnau Synagoge 104.jpg (30159 Byte) Lengnau Synagoge 101.jpg (45119 Byte) Lengnau Synagoge 103.jpg (46581 Byte)
Gebotstafeln über dem 
westlichen Giebel 
Die Uhr am Fenster - eine Besonderheit
 der Lengnauer Synagoge 
"Mein Haus wird ein Bethaus genannt für
 alle Völker" (Portalinschrift aus Jesaja 56,7) 
     
     
Fotos von 
Jürgen Hanke, Kronach
Lengnau Synagoge 273.jpg (59453 Byte) Lengnau Synagoge 270.jpg (105574 Byte)
   Blick auf die Synagoge von Osten   Innenansicht
        
Lengnau Synagoge 271.jpg (77227 Byte) Lengnau Synagoge 272.jpg (82512 Byte) Lengnau Synagoge 274.jpg (74012 Byte)
Innenansicht  Blick zum Toraschrein (rechts)  
     
     
Die Synagoge im Sommer 2014  
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 3.8.2014) 
   
Surbtal 03082014 015.jpg (149555 Byte) Surbtal 03082014 016.jpg (130603 Byte) Surbtal 03082014 019.jpg (105398 Byte)
Die Synagoge von Westen  Das Eingangsportal mit Inschrift 
Das Foto in höherer Auflösung    Das Foto in höherer Auflösung  Das Foto in höherer Auflösung 
     
Surbtal 03082014 021.jpg (158038 Byte) Surbtal 03082014 023.jpg (117475 Byte) Surbtal 03082014 025.jpg (138529 Byte)
 Innenansicht vom Eingang gesehen   Blick über die Buma zum Toraschrein   Der Toraschrein 
Das Foto in höherer Auflösung  Das Foto in höherer Auflösung  Das Foto in höherer Auflösung 
     
Surbtal 03082014 027.jpg (145739 Byte) Surbtal 03082014 032.jpg (126136 Byte) Surbtal 03082014 033.jpg (105923 Byte)
 Die Apsis über dem Toraschrein   Blick auf die Bima (Tora-Vorlesepult)   Bankreihen der Männer 
Das Foto in höherer Auflösung  Das Foto in höherer Auflösung  Das Foto in höherer Auflösung 
     
Surbtal 03082014 034.jpg (119890 Byte) Surbtal 03082014 031.jpg (154711 Byte) Surbtal 03082014 051.jpg (72647 Byte)
 Inschrift zum Bau und zur 
Erneuerung der Synagoge 
 Blick zur Empore 
der Frauen
Einer der beiden Aufgänge
 zur Frauenempore 
  Das Foto in höherer Auflösung   
     
Surbtal 03082014 038.jpg (175009 Byte) Surbtal 03082014 045.jpg (156616 Byte) Surbtal 03082014 037.jpg (133845 Byte)
 Das bemalte Deckengewölbe 
über dem Betsaal 
 Blick in die Synagoge
 von der Frauenempore 
 Blick über den südlichen Teil der
 Frauenempore (Ausstellungsbereich)
Das Foto in höherer Auflösung  Das Foto in höherer Auflösung  Das Foto in höherer Auflösung 

Weitere Fotos der Synagoge (externer Link): hier anklicken 
   
   
Die Synagoge Lengnau im Film:    

Lengnau Synagoge 360.jpg (147543 Byte)Die Synagoge in Lengnau ist online auch in 3D zu sehen: Link zu synagogues360.org zu Lengnau   

     
     
     
Erinnerungsarbeit vor Ort  - einzelne Berichte  

Mai 2009: Jüdischer Kulturweg eröffnet 
Kulturweg PA 200905.jpg (277229 Byte) Artikel von Silvan Merki in der "Aargauer Zeitung" vom 23.5.2009 (Artikel als pdf-Datei): "Synagoge, Mikwe, Matzenbäckerei. Mit dem jüdischen Kulturweg wird die Geschichte der Endinger und Lengnauer Juden sichtbar. 
'Es ist ein Weg in die Zukunft, nicht in die Vergangenheit', ruft Ruth Dreifuss den Gästen am Donnerstagnachmittag vor der Lengnauer Synagoge zu. Zusammen mit den Gemeindeammännern Lengnaus und Endingens - Kurt Schmid und Lukas Keller - enthüllt sie nach ihrer Rede die Tafeln im lauschigen kleinen Park in der Mitte des Platzes. Nicht ohne vorher der Musikgesellschaft für das Spielen des Ruth-Dreifuss-Marschs zu danken. 
Die Alt-Bundesrätin ließ aber auch den Onkel Melnitz zu Wort kommen, den Mahner aus Charles Lewinskys Roman, der sie daran erinnere, dass die Juden eher geduldet waren als integriert: 'Sie waren dankbar, dass sie in Lengnau und Endingen leben durften. Richtig Wurzeln geschlagen haben viele jedoch nicht.' Dreifuss wies darauf hin, dass die meisten jüdischen Familien abwanderten, als sie 1866 von der Schweiz Niederlassungsfreiheit zugesprochen erhielten. 
Tolerantes Nebeneinander. Die Synagoge und die Mikwe, das rituelle jüdische Tauchbad, beides ist noch in Endingen und Lengnau zu sehen. Die ehemals jüdischen Schulhäuser ebenfalls. Eine Matzenbäckerei, etliche Wohnhäuser mit den religionsgetrennten Eingängen und ein altes Schlachthaus zeigen, dass jüdisches Leben nicht im Verborgenen stattgefunden hat, sondern als tolerantes Nebeneinander auch in der Öffentlichkeit des dörflichen Lebens. Viele bauliche Zeitzeugen erinnern heute daran, dass die jüdische Gemeinde in Endingen um 1850 mit 990 Menschen sogar eine Mehrheit der Wohnbevölkerung stellte, die 525 Lengnauer Juden machten immerhin 30 Prozent aus. Der neu geschaffene jüdische Kulturweg macht dieses kulturelle Erbe jetzt zugänglich. Er führt, ausgehend von den Synagogen Lengnaus und Endingens, zu den wichtigsten Bauwerken der beiden Dörfer und führt vorbei am dazwischenliegenden jüdischen Friedhof. 
Basis für künftigen Dialog. 'Es ist bei dieser Einweihung eine Premiere, dass der Lengnauer und Endinger Gemeindeammann zusammen auftreten.' Mit diesen launigen Worten und gleichfarbiger Krawatte demonstrierten Schmid und Keller, dass für sie die Verbindung ihrer Dörfer über den Kulturweg nicht nur eine historische ist, sondern in die Zukunft weist: 'Wir wollen die schweiz-, ja weltweite Bedeutung des jüdischen Kulturguts in unseren Gemeinden als Basis für den künftigen, lokalen Dialog nehmen', schlugen sie den Bogen zur Kommunalpolitik. 
Zwei Jahre lang hat eine Arbeitsgruppe unter Franz Bertschi die 21 Stelen gestaltet und produziert. Die Historiker Andreas Steigmeier und Franz Laube recherchierten die Fakten und schrieben die kurzen, prägnanten Texte. Fotograf Frank Reiser machte die Bilder. Der kantonale und nationale Heimatschutz ist Herausgeber des Prospekts. Bertschi vergaß aber nicht, die Ideengeberin zu erwähnen: Den entscheidenden Impuls habe nämlich die Lengnauerin Erika Müller vor zweieinhalb Jahren gegeben. 
JÜDISCHER KULTURWEG. Ausgangspunkt sind die Synagogen von Endingen und Lengnau. Dort liegen die Prospekte auf. Führungen durch fachkundige Personen sind auf Voranmeldung möglich. Informationen sind zu finden unter www.juedischerkulturweg.ch .

'Hier liegen die Wurzeln meiner Familie'. Ruth Dreifuss freuts, dass die jüdische Kulturgeschichte noch mehr präsent ist
Was bedeutet der neue Kulturweg für Sie persönlich? 
Ruth Dreifuss: Es ist ein Weg, mit dem die Geschichte nicht vergessen geht. Wo es neben Toleranz auch Feindseligkeiten gab, ziehen wir aus allem, was passiert ist, die richtigen Schlüsse für eine friedlichere Zukunft. Die öffentlich sichtbaren Bauten betonen für mich die Verständigung › meine Anliegen und meine Geschichte treffen sich. 
Sie haben eine starke emotionale Bindung zum Surbtal? Ja, ich bin Endingerin und als kleines Mädchen war ich immer wieder zu Besuch bei den Großeltern im jüdischen Altersheim von Lengnau. Hier liegen die Wurzeln meiner Familie. 
Die meisten Juden sind abgewandert, was bleibt? 
Mich freut es, dass die gemeinsame jüdisch-christliche Vergangenheit hier noch mehr ins Bewusstsein der Menschen gerückt ist. Bei meinem ersten Besuch in Endingen war da eine Tafel mit den Ortsgeschlechtern. Jüdische Nachnamen standen nicht darauf. Heute, auf den Tafeln des Kulturwegs, sind die Wylers, Guggenheims und Dreifuss’ nicht mehr weggelassen. (sme)
   
 Fotos 
(erhalten von 
Martina Bucher-Nevirovic, Waldshut-Tiengen) 
Kulturweg 2009011.jpg (82628 Byte) Kulturweg 2009010.jpg (85365 Byte) Kulturweg 2009012.jpg (112974 Byte)
  Die Lengnauer 
Synagoge 
Alt-Bundesrätin Ruth Dreifuss bei der Eröffnung der Veranstaltung: 
auf dem linken Foto zusammen mit dem Mitinitiator des 
"Jüdischen Kulturweges" Roy Oppenheim 
  
     

Artikel von Uthe Martin im "Südkurier" vom 28. Mai 2009: "Weg zur jüdischen Kultur 
Ein neuer jüdischer Kulturweg, der die Geschichte der Juden im Schweizer Surbtal sichtbar macht, wurde dieser Tage eröffnet. Der Freundeskreis Jüdisches Leben in Tiengen hofft, ihn eines Tages bis in die Doppelstadt weiterführen zu können. 
Waldshut-Tiengen/Endingen - 'Es ist ein Weg in die Zukunft, nicht in die Vergangenheit', so die ehemalige Schweizer Bundesrätin Ruth Dreifuss bei der Eröffnung des jüdischen Kulturweges im Schweizer Surbtal, zwischen Endingen und Lengnau. Aus Waldshut-Tiengen waren Vertreter des Jüdischen Freundeskreises und der Stadt angereist, um das Ereignis mit den Nachbarn zu feiern. 
Der Freundeskreis, der im Tiengener Schloss einen Raum eingerichtet hat, der an das Leben der Juden in der Stadt erinnert, wünscht sich eine Weiterführung des Schweizer Weges bis in die Doppelstadt. 
Allen Schweizern sind die Namen der beiden Dörfer ein Begriff. Nur dort war es Juden bis Mitte des 19. Jahrhunderts erlaubt, sich niederzulassen. Um 1850 war die jüdische Gemeinde im Surbtal stark angewachsen, machte etwa die Hälfte der Bevölkerung aus. Erst 1866 wurde den Schweizer Juden Niederlassungsfreiheit zugesprochen. Die meisten wanderten daraufhin in andere Schweizer Städte ab oder zogen weiter ins Ausland. Ihre Toten beerdigten sie bis 1750 auf einer Rheininsel zwischen Waldshut und Koblenz, da sie bis dahin in ihren Dörfern kein Land erwerben durften.
Erste jüdische Siedlungen im Surbtal gab es schon vor 400 Jahren. Stationen am jüdischen Kulturweg machen ihre wechselvolle Geschichte jetzt erlebbar. Ausgangspunkt am Eröffnungstag war der Platz vor der Synagoge in Lengnau. Ruth Dreifuss, die in Lengnau lebt, durchtrennte die Bänder zur Eröffnung des Weges, die beiden Gemeindeammänner waren gekommen. Der Kulturweg führt an 21 Stelen vorbei, unter anderem wird an zwei Synagogen, das jüdische Schul- und Gemeindehaus, das Schlachthaus und das Frauenbad erinnert. Zwei Jahre lang hat eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Franz Bertschi daran gearbeitet. Den Impuls gab vor zweieinhalb Jahren die Lengnauerin Erika Müller. 
Roy Oppenheim, in Lengnau zu Hause, begrüßte die Gäste aus Waldshut-Tiengen, darunter Hans Studinger als Vertreter des Oberbürgermeisters, und stellte den Jüdischen Freundeskreis vor. Mitglieder des Freundeskreises nahmen sich vor der Rückfahrt die Zeit, den alten jüdischen Friedhof zu besuchen. 'Eine wunderbare Stimmung', berichtet Maryann Kalt, 'uralte Grabsteine, zum Teil in die alten Bäume eingewachsen.' Nach jüdischem Glauben ruhen dort die Toten bis zur Auferstehung." 

 
Frühjahr 2013: In Lengnau könnte ein Jüdisches Museum eingerichtet werden   
Artikel von Pirmin Kramer in der "Aargauer Zeitung" vom 19. April 2013: "Wer soll bezahlen: Streit um die Finanzierung des jüdischen Museums.  In Endingen und Lengnau wird intensiv darüber diskutiert, ob die christlich-jüdische Geschichte besser dokumentiert und ein Museum errichtet werden solle. Solche Bestrebungen gab es bereits in den 1990er-Jahren..."  
Artikel eingestellt als pdf-Datei    
Artikel von Pirmin Kramer in der "Aargauer Zeitung" vom 14. Mai 2013:  "Ruth Dreifuss wünscht sich Museum über jüdische Vergangenheit. Im Surbtal wird diskutiert, ob ein Museum errichtet werden soll, das die jüdische Vergangenheit Endingens und Lengnaus besser abbildet. Jetzt hat sich auch alt Bundesrätin Ruth Dreifuss zur Debatte geäußert..."  
Artikel eingestellt als pdf-Datei     

   

2014/15: Ein Konzept zum Erhalt des jüdisch-christlichen Kulturerbes wird ausgearbeitet   
Artikel in suedostschweiz.ch vom 4. Juli 2014: "
Aargau will Erbe der 'Judendörfer' erhalten.
Das jüdisch-christliche Kulturerbe in den 'Judendörfern' Endingen und Lengnau im Kanton Aargau soll der Öffentlichkeit näher gebracht werden. Der Kanton, die Einwohnergemeinden und jüdische Organisationen wollen bis 2015 ein entsprechendes Konzept ausarbeiten." 
Link zum Artikel  
Artikel in der "Neuen Zürcher Zeitung" vom 29. Juli 2014: "Judendörfer im Aargau. Jüdisch-christliches Erbe wird wiederentdeckt..."  
Link zum Artikel   
 
September 2016: Auf den Spuren der jüdischen Geschichte am Europäischen Tag der Jüdischen Kultur    
Artikel von Hubert Keller in der "Aargauer Zeitung" vom 4. September 2016:  "Lengnau. Ein Ausflug in die jüdische Geschichte
Roy Oppenheim erzählte am Tag der jüdischen Kultur vom Leben der Surbtaler Juden.

Dass Menschen verschiedener Religionen und Kulturen friedlich miteinander leben können, bewiesen die beiden Judendörfer im Surbtal, Endingen und Lengnau. Eine halbe Hundertschaft aufmerksamer Zuhörerinnen und Zuhörer liess sich am gestrigen Tag jüdischer Kultur davon überzeugen..."  
Link zum Artikel 

   
    

Links und Literatur

Links:  

Website der Gemeinde Endingen  
Website der Gemeinde Lengnau 
Zur Seite über die Synagoge Lengnau (externer Link): hier anklicken  
Zur Seite über die Synagoge Endingen (interner Link): hier anklicken  
Zur Seite über den jüdischen Friedhof Endingen/Lengnau (interner Link) 
Informationen zum Schweizerischen Israelitischen Alters- und Pflegeheim Lengnau: hier anklicken 
Jüdischer Kulturweg im Surbtal (Aargau)  
Jüdische Kulturwochen: Baden, Endingen, Lengnau (Berichte, Programm, Planungen)    

Literatur:

Ernst Guggenheim: Restauration der Synagogen Endingen und Lengnau. Zürich 1976.

Thomas Armbruster: Die jüdischen Dörfer von Lengnau und Endingen. In: Landjudentum im süddeutschen- und Bodenseeraum (= Forschungen zur Geschichte Vorarlbergs. Hg. vom Vorarlberger Landesarchiv Bd. 11). 1992 S. 38-86.

Carol Herselle Krinsky: Europas Synagogen. Architektur, Geschichte und Bedeutung. Stuttgart 1988. Zu Endingen und Lengnau: S. 272-278.  

 Buri Lit 05.jpg (72357 Byte)Anna Rapp Buri:  Jüdisches Kulturgut in und aus Endingen und Lengnau.  
Der hier angezeigte erste Band des Vereins für die Erhaltung der Synagogen und des Friedhofes Endingen – Lengnau stellt einen ausführlichen Katalog des noch erhaltenen Kulturgutes der beiden jüdischen Landgemeinden dar. Besprochen werden Objekte aus Museumsbesitz sowie Gegenstände, die noch in den Synagogen, im Altersheim und bei Privatpersonen beider Judendörfer aufbewahrt werden. Darunter befinden sich farbenfrohe Textilien und traditionelles Kultgerät als auch Dinge häuslichen Gebrauchs, die die jüdischen Sitten und das einfache Leben auf dem Land veranschaulichen. Endingen und Lengnau nahmen eine Sonderstellung in der alten Eidgenossenschaft ein – so gehörten sie doch zu den wenigen Gemeinden, in denen Juden sich niederlassen konnten und die sich weitgehend autonom durch einen eigenen Gemeindevorstand verwalteten. Als Ergänzung des Kataloges folgt in Kürze der zweite Band über Lebendiges und untergegangenes Brauchtum.
Hrsg. vom Verein für die Erhaltung der Synagogen und des Friedhofes Endingen - Lengnau, Bd. 1.  Kontakt  
324 S. mit 334 farb. Abb., quadrat. Format, fester Einband. 2008. ISBN: 978-3-89735-493-7. € 30,00
Erschienen im Verlag Regionalkultur    Direkt zum Titel  

PStein Lit 05.jpg (50487 Byte) Peter Stein: Lebendiges und untergegangenes jüdisches Brauchtum. Brauch gestern und heute, Brauch hier und dort mit besonderer Berücksichtigung der schweizerischen Judendörfer Endingen und Lengnau. 
Die in Zentraleuropa lebenden Juden haben neben den durch das Religionsgesetz vorgegebenen Ritualen eine Vielzahl von Bräuchen hervorgebracht. Ziel dieser Publikation ist es, die Verschiedenartigkeit der Ausgestaltung dieses Brauchtums zu beleuchten. Inwiefern sind früher geübte Bräuche noch lebendig oder in Vergessenheit geraten? Welche regionalen Unterschiede sind auszumachen ? Eine beachtliche Zahl alter Stiche illustriert den Text. Die in vielen Einzelpublikationen zerstreuten Beschreibungen von Ortsbräuchen werden zu einer Synthese zusammengefasst und miteinander in Beziehung gesetzt. Das seinerzeit durch Umfragen ermittelte Brauchtum wurde mit einer neu veranlassten Enquête verglichen und so die Entwicklung im Lauf der Zeit beleuchtet. Als Anhang wird der Öffentlichkeit die Sammlung des Schweizerischen Instituts für Volkskunde von Schnurren, Liedern, Gedichten und schweizerisch-jüdischen Redensarten vorgestellt.
Hrsg. vom Verein für die Erhaltung der Synagogen und Friedhofes Endingen-Lengnau.   Kontakt   
132 Seiten mit 68 z.Z. farbigen Abb.; quadrat. Format, fester Einband, mit beigelegter CD. 2008. ISBN 978-3-89735-551-4. € 20,00
Erschienen im Verlag Regionalkultur    Direkt zum Titel  

Bodensee Lit 140.jpg (89625 Byte)Helmut Fidler: Jüdisches Leben am Bodensee. Verlag Huber Frauenfeld - Stuttgart - Wien 2011. 320 S. zahlreiche Abbildungen. Verlag: www.verlaghuber.ch mit Infoseite zum Buch. ISBN 978-3-7193-1392-0.  29,90 €   39,90 CHF  
Wenn aus Fremden Nachbarn werden. Zwei Generationen nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Ende des Holocaust geht Helmut Fidler einen ungewöhnlichen Weg, um achthundert Jahre jüdische Geschichte in der Bodenseeregion zu beschreiben. Er sucht die Orte auf, an denen jüdisches Leben heute noch sichtbar, nach-erlebbar und begreifbar ist, erzählt von Personen, die hier gelebt haben, und von Ereignissen, die in Erinnerung geblieben sind. 

   
    

                   
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Stand: 30. Dezember 2016