Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Liestal (Kanton Basel-Land, Schweiz) 
Jüdische Geschichte  /  Synagogue / Synagoge 
      

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Allgemeine Gemeindevorstellungen 1916 / 1921   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen       
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde       
    
In Liestal bestand eine jüdische Gemeinde seit 1871.  
 
Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich wie folgt: 1916 18 Gemeindemitglieder (Familien) mit zusammen 75 Personen, 1921 15 Gemeindemitglieder (Familien) mit zusammen 58 Personen.  
 
An Einrichtungen bestanden ein Betsaal (s.u.), eine Religionsschule und eine Armenkasse. Die Toten der Gemeinde wurde auf dem jüdischen Friedhof in Basel beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war: 1908 bis 1912 war als solcher Rabbiner Dr. Chaim Lauer in Liestal tätig (siehe unten), um 1916 war M. Schwarz Lehrer und Kantor der Gemeinde, von 1919 bis 1921 Eugène Adler.      
  
An Vereinen gab es in der Gemeinde eine Männerkrankenkasse sowie eine Frauenkrankenkasse. Dazu gab es zwei Wohltätigkeitsvereine: den Männerkrankenverein (gegründet 1880) und die Frauenchevroh (gegründet 1912); beide Vereine halfen bei schweren Krankheits- und bei Sterbefällen. 
   
Unter den jüdischen Gewerbebetrieben am Ort ist u.a. der Textilladen von Bernard Nordmann (Sohn von Achille Nordmann) zu nennen. Er befand sich unmittelbar neben dem ehemaligen Kaufhaus zum Tor (heute Manor; vgl. Foto unten).   
    
1956 wurde die jüdische Gemeinde aufgelöst. 
    
Von den in Liestal geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Lehrer Eugène Adler mit Frau und Kindern (siehe unten), David Silbermann (geb. 4. Mai 1912 in Liestal, später wohnhaft in Britz, 1942 von Berlin nach Auschwitz deportiert und ermordet).    
     
     
     
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
     
Allgemeine Gemeindebeschreibungen 1916 / 1921    

Liestal JuedJbSchw 1916 200.jpg (46164 Byte)Gemeindevorstellung im "Jüdischen Jahrbuch für die Schweiz" 1916 S. 200: "Liestal
Die jüdische Gemeinde Liestal wurde im Jahre 1871 gegründet und zählt heute mit 18 Gemeindemitgliedern 75 jüdische Seelen. Vorstand: Henry  Nordmann, Präsident: Dr. Max Bollag, Aktuar; Achille Nordmann, Kassier. Beamter: Herr M. Schwarz, Kantor und Religionslehrer. 
Institutionen: Betsaal im Restaurant zur 'Eintracht', Religionsschule, Armenkasse. 
Vereine: Männerkrankenkasse, Frauenkrankenkasse."   
 
Liestal JuedJbSchw 1921 181.jpg (60317 Byte)Gemeindevorstellung im "Jüdischen Jahrbuch für die Schweiz" 1921 S. 181: "Liestal
Die jüdische Gemeinde Liestal wurde im Jahre 1871 gegründet und zählt heute mit 15 Gemeindemitgliedern 58 Seelen. Vorstand: Henry Nordmann, Präsident; Moritz Levy Aktuar; J. Guggenheim-Cahn, Kassier. Beamter: vakant.  
Institutionen: Betsaal im Restaurant 'Eintracht'. Religionsschule. - Armenkasse.  
Vereine: Männerkrankenkasse. - Männerkrankenverein, Unterstützung bei schweren Krankheiten und Sterbefällen etc. , gegründet 1880 (Präsident: Henry Nordmann - Frauenchevroh, selbe Zweckerfüllung, gegründet 1912, Präsidentin Frau Dr. Bollag. - Frauenkrankenkasse."   

   
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1908    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Oktober 1907: "Bei der Israelitischen Kultusgemeinde Liestal (Schweiz) ist auf 1. Januar 1908 die Stelle eines 
Kantors und Vorsingers 
zu besetzen

Bisheriger Jahresgehalt Frcs. 1000.-  Diese Stelle bietet Gelegenheit zu Nebenverdienst. Bewerber dafür wollen sich an den Präsidenten Emanuel Nordmann wenden unter Beifügung von Zeugnissen und Referenzen sub 
L.Z. 11150 am Haasenstein & Vogler, A.-G., 
Frankfurt am Main
".  

    
Über den Rabbiner und Lehrer Dr. Chaim Lauer (1908 bis 1912 Rabbiner, Lehrer, Vorbeter und Schächter in Liestal)    
Anmerkung: nachstehender Bericht erschien anlässlich seines Wechsels von Biel nach Mannheim im Jahr 1925.   
  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Februar 1925: "Biel, 9. Februar (1925). Der Synagogenrat in Mannheim hat Herrn Rabbiner Dr. Ch. Lauer in Biel als Direktor der hebräischen Schule der Lemle Moses-Klaus-Stiftung berufen. Herr Dr. Lauer hat den Ruf angenommen und gedenkt schon am 1. Mai sein neues Amt anzutreten. Herr Dr. Lauer lernte lange Jahre auf der Jeschiwa des weit über die Grenzen seines Landes berühmte Gaon R. Elieser Deutschen seligen Andenkens in Bonyhad (Ungarn), dessen Lieblingsschüler er stets war (siehe R.G.A. Peri-ha-Sode, Bd. 1-3). Später kam er mit reichen talmudischen Kenntnissen nach Deutschland und war mehrere Jahre Rabbinatsassistent bei Herrn Provinzialrabbiner Dr. M. Cahn seligen Andenkens in Fulda. In Basel war er anfangs einige Jahre lang Lehrer des 'Schomre-Thora'-Vereins, und dann mehrere Jahre geistiger Leiter der Gemeinde Liestal bei Basel. Nachdem er in Basel die Maturitätsprüfung bestanden hatte, studierte er an der dortigen Universität Orientalia, Philosophie und Naturwissenschaften. Nach seiner Promotion in Basel besuchte er das Rabbinerseminar in Berlin, das er mit großem Erfolg absolvierte. Im Sommer 1914 hat ihn der Verwaltung der 'Ica' zum Oberrabbiner ihrer Kolonien in Argentinien ernannt. Infolge des Weltkrieges konnte Herr Dr. Lauer sein Amt in Argentinien nicht antreten. Ungern sehen seine zahlreichen Freunde in der Schweiz, seine Schüler - and last not least - seine Gemeinde ihn in das Ausland scheiden; wir hätten ihn gerne zurückgehalten mit den Worten des R. Josua: so viele geistige Schätze besitzest du und du willst uns verlassen. Wir sind überzeugt, dass er durch sein charakterfestes und taktvolles Wesen, durch seine großen Kenntnisse auf religiösem und profanem Gebiete, durch seine aufrichtige, ungeheuchelte Religiosität sich auch in seinem neuen Amte bald die Sympathie und Wertschätzung aller erringen wird. Wir wünschen ihm, dass sein Streben, die ihm anvertraute Jugend zu edlen Menschen und aufrichtigen Juden zu erziehen, von reichem Erfolge gekrönt werde."    
   
Biel Rab Lauer 010.jpg (43163 Byte)Rabbiner Dr. Chaim Lauer (Quelle für das Foto: Volker Keller: Bilder vom jüdischen Leben in Mannheim 1988 Foto Nr. 137) - ergänzende Informationen zum obigen Artikel: Lauer ist als Sohn des Gerson Lauer und der Rahel geb. Seelengut am 25.8.1876 im galizischen Bobowa (heute polnisches Karpatenvorland, Kreis Gorlice) geboren. Über seine Ausbildung siehe oben. 
Rabbiner Chaim Lauer war von 1916 bis 1925 Rabbiner in Biel. Nach einer erfolgreichen Tätigkeit als Rabbiner in Mannheim war er zum Verlassen Deutschlands 1939 gezwungen. Er konnte nochmals bis zu seinem Tod am 11. August 1945 in Biel als Rabbiner tätig. sein. Er ist auf dem jüdischen Friedhof in Biel beigesetzt.   

    
Über den Kantor und Lehrer Eugène Adler (1919 bis 1921 Lehrer und Kantor in Liestal) 
Anmerkung: Foto und Informationen aus der Website des Musikwissenschaftlichen Institutes der Universität Hamburg: Seite zu Eugène Adler      

Liestal E Adler 010.jpg (9781 Byte)Eugène (Eugen) Adler (geb. 1890 in Antwerpen als Sohn des Lehrers und Kantors Simon Adler und seiner Frau Emma geb. Dahl; 1942 ermordet im KZ Auschwitz): war als Kantor und Religionslehrer tätig in Bremgarten, St. Gallen (Jüdische Gemeinde Adass Jisroel), Liestal, Rexingen, Luxemburg und Sarreguemines. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges nach Jarnac (Charente) evakuiert; 1942 inhaftiert und über Drancy in das KZ Auschwitz deportiert. 
Kinder: Simon Siegfried Adler (geb./gest. Oktober 1919 in Liestal), Simone (Judith) Adler (geb. 1920 in Liestal, ermordet im KZ Auschwitz), Arthur Ignatz Adler (geb. 1922 in Rexingen, ermordet im KZ Auschwitz) 
Quelle für das Foto: Aaron Photo Archive mit Seite zu Familie Adler und Musikwissenschaftliches Institut HH s.o.     

   
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Anzeige des koscheren Gasthofes "Zum Falken" (1879)   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Mai 1879: "Auf vielseitigen Wunsch habe ich in meinem schönen Gasthof und Solbad 'Zum Falken'  
Koscher
in Liestal (Schweiz) Koscher 
eine besondere Küche für israelitische Hochzeiten eingerichtet und empfehle mich zugleich für Aufnahme von Kurgästen. 
Achtungsvoll Buser-Rosenmund, propriètarie. Der Inspektor Sée, Kantor."          

   
   
   
Zur Geschichte der Synagoge           
    
Eine eigentliche Synagoge im Sinne eines selbständigen Gebäudes war nicht vorhanden. Ein Betsaal war um 1916 / 1921 im Restaurant "Eintracht" eingerichtet. Das Gebäude dieser Gaststätte wurde im 18. Jahrhundert erbaut und war zunächst ein Wohnhaus. Im Zusammengang mit dem 1853/54 erstellten Bahnhof wurde im Erdgeschoss eine Gaststätte eingerichtet.  
  
Nach der Auflösung der jüdischen Gemeinde 1956 wurden im Beisein von Rabbiner Dr. Adler (Basel) durch Bernhard Nordmann-Bloch diverse Kultgegenstände in die Charmille in Riehen BS (jüdisches Altersheim, heute Holbeinhof in Basel) überführt.  
  
  
Adresse/Standort des Betsaales:  Der Betsaal befand sich bis zur Auflösung 1956 im Gasthaus Eintracht in der Rheinstraße. Das Gebäude wurde 1990 abgebrochen. An seiner Stelle einstand der Neubau der UBS. 
  
  
Presseartikel zur Geschichte des Betsaales 

Dezember 2012: Erinnerung an das Gasthaus Eintracht in der Rheinstraße 
(Artikel wurde freundlicherweise übersandt von Monique und Louis Bloch-Nordmann)  
Liestal PA 12122012.jpg (289328 Byte) Artikel in der "bz Basellandschaftlichen Zeitung" vom 12. Dezember 2012:  
"Vom Gasthaus, wo die Juden beteten. Heute öffnet die bz das Türchen Nummer 12 an der Rheinstrasse. 
Die 'Eintracht' wurde im 18. Jahrhundert in Liestals Vorstadt erbaut und war zuerst ein Wohnhaus. Im Zusammenhang mit dem 1853/54 erstellten Bahnhof wurde das Erdgeschoss zum Gasthaus umfunktioniert. Alte Fotos zeigen, dass Fuhrleute dort gerne haltmachten. Die 'Eintracht' war Bestandteil der heute fast umgebauten Kantonalbank-Kreuzung mit dem alten Bankbau, der Schmitte Heinzelmann und der Eisenhandlung Barth sowie dem ehemaligen Café Graber. 
Das Gasthaus Eintracht musste 1990 gegen Bedenken aus Heimschutzkreisen dem Neubau der UBS weichen. Es wurde in den letzten Jahrzehnten vor dem Abriss von der aus dem Südtirol stammenden Familie Pichler geführt und war eine Arbeiterbeiz, in der Fabrikarbeiter und 'Pfründer' - Bewohner des kantonalen Altersheims Pfrund - verkehrten. Speziell war, dass die bis 1956 in Liestal bestehende jüdische Gemeinde einen Betraum in der 'Eintracht' hatte. Deswegen kamen die Wirtsleute im Zeiten Weltkrieg unter Druck blieben aber standhaft." 
Erzählt von Dominik Wunderlin, aufgeschrieben von Andreas Hirsbrunner. 
Foto: Das ehemalige Gasthaus Eintracht an der Rheinstrasse (undatiert).  

   
   
   
Fotos    

Der ehemalige Textilladen 
von Bernhard Nordmann 
in den 1950er-Jahren   
(Quelle: Monique und 
Louis Bloch-Nordmann)
 Liestal 190.jpg (122828 Byte)  Liestal 190a.jpg (60269 Byte)
    Rechts Ausschnittvergrößerung des Fotos links mit dem Textilladen von Bernard Nordmann
 (auf dem Firmenschild steht der Name seines Vaters "Achille Nordmann")  
     

   
    

Links und Literatur

Links:  

Website der politischen Gemeinde Liestal    
Website über die Geschichte des Kantons Basel-Landschaft mit Seite zu Juden im Kanton Basel-Landschaft         

Literatur:  

      

                  

                   
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Stand: 22. Juli 2016