Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Zur Übersicht über "Jüdische Friedhöfe in der Region" 
Zur Übersicht über die Friedhöfe im Elsass 
   

Mackenheim (Dep. Bas Rhin /Alsace / Unterelsass) 
Cimetière juif / Jüdischer Friedhof

  
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
  
Siehe Seite zur Synagoge in Mackenheim (interner Link)  
  
  
Zur Geschichte des jüdischen Friedhofes            
   
Der jüdische Friedhof in Mackenheim wurde im 16. Jahrhundert oder bereits zuvor angelegt. Er wurde lange Zeit als zentraler Friedhof von mehreren jüdischen Gemeinden der Umgebung belegt. Auch jüdische Gemeinden aus dem Gebiet östlich des Rheins (vor allem Breisach bis 1755) brachten ihre Verstorbenen nach Mackenheim. Auf dem Friedhof sind in den alten Teilen Grabsteine von 1669 bis 1850 vorhanden. Im neuen Teil wird der Friedhof bis zur Gegenwart belegt. Das Friedhofsgebäude und der Friedhof stehen seit 2001 unter Denkmalschutz.
    
  
Text von Günter Boll: "Der jüdische Friedhof bei Mackenheim im Unterelsass. Wir wissen nicht, ob der von alters her als 'Judengarten' bezeichnete Friedhof im 16. Jahrhundert oder schon früher angelegt wurde. Erwähnt finden wir ihn erstmals am 25. September 1608 anlässlich eines Rechtsstreits zwischen der 'Bürgerschaft des niedern Dorfs Mackenheim' und dem bischöflich-straßburgischen Lehnsträger Christoph Brosinger von Sternenberg. 

Ein Bericht des Amtmanns von Mackenheim, Peter Ernst von Lützelburg, an die bischöfliche Regierung in Zabern von 4. Juni 1629 bezeugt das hohe Alter des auf dem linken Rheinufer gelegenen Begräbnisplatzes: Nachdem der damals noch ungebändigt mäandrierende Rhein einen großen Teil des seit 'vielen und unvordenklichen Jahren' bestehenden Friedhofs weggerissen hatte, erwirkten die in Mackenheim und den umliegenden Rieddörfern ansässigen Juden am 8. Juni 1629 die Zustimmung der Zaberner Regierung zum Kauf eines 'anderen Allmendplatzes'. 
   
Eine weitere Vergrößerung des Friedhofs wurde am 21. April 1685 bewilligt. Aus der Zeit vor dieser zweiten Erweiterung sind nur noch wenige Grabsteine vorhanden; die Inschrift des ältesten Steines datiert vom '3. Tammus 429 nach der kleinen Zählung' (2. Juli 1669).
   
Auch die vorderösterreichische Judenschaft im rechtsrheinischen Altbreisach war bis zur Bewilligung eines eigenen Begräbnisplatzes am 4. Juni 1755 auf die Benutzung des Mackenheimer Friedhofes angewiesen. Der erste von 30 Breisacher Juden beiderlei Geschlechts, deren Grablegung auf dem 18 km nördlich von Altbreisach gelegenen Friedhof sich für die Zeit vom 13. September 1685 bis zum 14. Februar 1752 anhand der erhalten gebliebenen Epitaphien belegen lässt, war der 1685 verstorbene Rabbiner 'Jirmeja, Sohn des R. Jehuda seligen Andenkens' aus Gunzenhausen in der Markgrafschaft Ansbach, der dem Nekrologium des Niederehneimer Memorbuchs zufolge in seinem letzten Lebensjahr als 'Vorsitzender des Gerichts in der heiligen Gemeinde Breisach und im ober[elsässisch]en Bezirk' gewirkt hatte. 
  
Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts schieden, indem sie eigene Friedhöfe gründeten, auch die israelitischen Gemeinden Biesheim, Riedwihr und Grussenheim aus der Verwaltung des Mackenheimer Friedhofs aus." 
  
  
  
Beiträge von Günter Boll - eingestellt 2011
:   

Günter Boll: Der jüdische Friedhof von Mackenheim im Unterelsass (als pdf-Datei einzusehen). 
ausführlicher Beitrag zum Friedhof.      
Mackenheim Gedenkstein 020.jpg (271267 Byte)ders.: Die Einweihung des Gedenksteines für die Mackenheimer und Marckolsheimer Opfer der Shoah 
am 6. September 2009
 
(Inauguration d'une stèle pour les victimes de la shoah): Rede von Bürgermeister Jean-Claude Spielmann  
(französisch; zugesandt von Günter Boll: pdf-Datei mit einem Foto von Axel Kilian)   
Mackenheim Mappe Boesenbiesen.jpg (157500 Byte)ders.: Die Mazzewa des Heymann Bickert von Riedwihr und die Mappa seines Urenkels Mathis Moyses von Bösenbiesen
(eingestellt als pdf-Datei; die Abbildung links zeigt die Mappa von Mathis Moyses von Bösenbiesen)   
ders.: Joseph Hemendinger von Grussenheim (gest. 1810; Hemendinger war der letzte Grussenheimer Jude, der in Mackenheim beigesetzt wurde). 
Online zugänglich - als pdf-Datei eingestellt.  
ders.: Rabbi Jirmeja ben Jehuda (gest. 1685 und im Friedhof Mackenheim beigesetzt).   
Rabbi Jirmeja war zeitweise Landesrabbiner der Markgrafschaft Ansbach und Haupt eines Lehrhauses in Gunzenhausen, wo er am 4. Juli 1680 zum Werk "Makor Chajim" seines Verwandten Jair Chajim Bacharach eine Approbation schrieb; 1681 bis 1683 soll er in Heidingsfeld dem Landesrabbinat Würzburg vorgestanden haben, zuletzt Vorsitzender des Gerichts der jüdischen Gemeinde Breisach und im oberelsässischen Bezirk. 
Online zugänglich - als pdf-Datei eingestellt.  
ders.: Bestattung von Breisacher Juden in Mackenheim, Schmieheim und Emmendingen.     
In der Zeit des Spanischen Erbfolgekrieges 1702-1714 konnten die Breisacher Juden ihre Toten zeitweise nicht in Mackenheim beigesetzt. 
online zugänglich - als pdf-Datei eingestellt.  
ders.: Das Grab des Alphonse Wolff von Oberbronn.   
Hinweis: der vierjährige Knabe Alphonse Wolff ist 1852 in Mackenheim bei seinem Onkel David Weil ums Leben gekommen. Er ist vermutlich keines natürlichen Todes gestorben und wurde in peripherer Lage in nächster Nähe des Tahara-Häuschens auf dem jüdischen Friedhof in Mackenheim beigesetzt.
online zugänglich - als pdf-Datei eingestellt
 
Aus einer Mitteilung von Günter Boll zur jüdischen Familie Geismar in Grussenheim (vom 3.12.2011): "Wie aufschlussreich Grabinschriften sein können, zeigt das folgende Beispiel: Die Inschrift des am 21. Juni 2004 auf dem jüdischen Friedhof von Mackenheim entdeckten und für den Stammvater der Grussenheimer Familie Geismar, Simon Geismar, und dessen Frau Jittel errichteten Doppelgrabsteins und die erhalten gebliebene Beschreibung einer jüdischen Wohnung im Grussenheimer 'Judenhof' von der Hand des oberelsässischen Familienforschers Salomon Picard (1896 – 1983) belegen die sechs Generationen währende Betreibung der vom Volksmund als 's Schlommes' bezeichneten Gastwirtschaft durch die Familie Geismar".
Auf einer internationalen Konferenz der Familie Geismar in Breisach hat Günter Boll im Sommer 2004 gemeinsam mit Werner Frank (Calabasas, California) eine Darstellung der bis dahin unbekannten Zusammenhänge vorgestellt (pdf-Datei, zusammen mit einem Bericht von Salomon Picard: "Description d'un ménage juif dans le Jeddehoff de Grüsse [= Grussenheim] en 1779" )." "  
  
Links: Grabstein des 1696
 verstorbenen Salomon Geismar 
aus Breisach auf dem jüdischen
 Friedhof in Mackenheim     
Mackenheim Grab SalGeismar 010.jpg (239659 Byte) Mackenheim Grab SJ Geismar 010.jpg (213572 Byte) Rechts: Doppelgrabstein des
 Stammvaters der Grussenheimer
 Familie Geismar und seiner Frau:
 Simon Geismar und dessen 
Frau Jittel Bat Jehuda 
(beide gest. 1757) 
       

ders.: Jekutiel ben Aharon von Grussenheim (gest. 1719): als pdf-Datei eingestellt
Hinweis: Jekutiel ben Aharon war identisch mit dm 1699 als Einwohner von Grussenheim bezeugten Juden Kauffmann; er wurde in Mackenheim beigesetzt. 
   

ders.: Noach Jehuda Leib mi-Grötzingen und Gitla bat Avraham Gad mi-Medinat Necker: als pdf-Datei eingestellt  
Der Grabstein der 1697 verstorbenen 
Gitla bat Avraham Gad s"l mi-Medinat Necker 
(Fotos rechts) wurde von 
Günter Boll am 21.4.1985 ausgegraben; 
der Grabstein wurde später wieder aufgerichtet. 
Mackenheim Gitla bat Avraham 010.jpg (273443 Byte) Mackenheim Gitla bat Avraham 010a.jpg (141277 Byte)
     

 ders.: Grabstein der Hinle bat Jizchak mi-Turlach (= Durlach): als pdf-Datei eingestellt  
Rechts: Grabstein der am 11. September 1707
 gestorbenen Hinle, Tochter des Jizchak - seligen
 Andenkens - von Turlach, [erste] Ehefrau des parnass
 u-manhig
(Gemeindevorstehers) Marx Günzburger 
von Breisach; auffallend ist die Schlichtheit des
 (zerbrochenen) Grabsteines  
Mackenheim G Hinle bat Jizchak.jpg (253663 Byte)  
     

 
Zwei Fotos der Erinnerung an den 
am 31. Dezember 2012 verstorbenen 
Günter Boll s.A.

(Fotos erhalten von
 Christiane Walesch-Schneller, Breisach) 
Mackenheim Friedhof GB 011.jpg (235848 Byte) Mackenheim Friedhof GB 010.jpg (252138 Byte)

Nachruf auf Günter Boll: Kompromisslos in gesellschaftlichen Fragen (veröffentlicht am Di, 15. Januar 2013 auf badische-zeitung.de)  

   
   
   
Lage des Friedhofes  
   
Der Friedhof liegt etwa 2 km östlich des Ortes inmitten eines Waldgebietes. Von Ortsmitte aus ist der Weg zum Friedhof durch Schilder markiert (en forêt - fléché à partir du centre ville).  
  
  
Link zu den Google-Maps 
(der grüne Pfeil markiert die Lage des Friedhofes)   

Agrandir le plan   
  
  
Fotos
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 13.4.2004) 
Mackenheim Cimetiere 100.jpg (66340 Byte) Mackenheim Cimetiere 104.jpg (78589 Byte) Mackenheim Cimetiere 102.jpg (74331 Byte)
Eines der Hinweisschilder 
zum Friedhof 
Friedhofsgebäude, das derzeit (2004)
 restauriert wird 
Blick über den Friedhof 
vom alten Teil 
     
Mackenheim Cimetiere 113.jpg (104892 Byte) Mackenheim Cimetiere 109.jpg (84375 Byte) Mackenheim Cimetiere 106.jpg (86046 Byte)
Einzelne alte Grabsteine 
 
Mackenheim Cimetiere 107.jpg (85845 Byte) Mackenheim Cimetiere 111.jpg (87589 Byte) Mackenheim Cimetiere 112.jpg (75885 Byte)
Blick über den 
neueren Teil 
  Verbundene Hände als Zeichen
 inniger Verbundenheit 
     
Mackenheim Cimetiere 105.jpg (79414 Byte) Mackenheim Cimetiere 110.jpg (75945 Byte)  
Teilansichten im neueren Teil    
   
Mackenheim Cimetiere 101.jpg (80640 Byte) Mackenheim Cimetiere 103.jpg (72935 Byte) Mackenheim Cimetiere 108.jpg (72797 Byte)
Neue Grabstätten
  
Grabsteine des Gemeindevorstehers 
Nöhm Schnerb und seiner Frau 
aus Marckolsheim  
(Fotos von Günter Boll)  
Mackenheim Grabstein Noehm Schnerb.jpg (455991 Byte) Mackenheim Grabstein Rechle Schnerb.jpg (400309 Byte)
   Nöhm Schnerb (gest. 1742) war Vorsteher der jüdischen Gemeinde Marckolsheim
seine Frau Rechle (Grabstein rechts) ist 1747 gestorben. Beide wurden 
im Friedhof Mackenheim beigesetzt. 
 

   
   
Fotos von der Jahrestagung der "Alemannia Judaica" am 7. Oktober 2007 in Mackenheim:   

Mackenheim JT 2007 137.jpg (98989 Byte) Mackenheim JT 2007 138.jpg (104685 Byte) Mackenheim JT 2007 139.jpg (96399 Byte) Mackenheim JT 2007 140.jpg (80748 Byte)
Die Gruppe trifft sich auf dem "Judengarten'" in Mackenheim Erläuterungen durch Günter Boll  Prof. Freddy Raphael (Straßburg)
     
Mackenheim JT 2007 141.jpg (113181 Byte) Mackenheim JT 2007 142.jpg (100405 Byte) Mackenheim JT 2007 143.jpg (110995 Byte) Mackenheim JT 2007 144.jpg (97620 Byte)
Blick über den alten 
Friedhofsteil
Rechts im Vordergrund: 
Dr. Frowald Gil Hüttenmeister
   Blick über den Friedhof 
zum Taharahaus
       
Mackenheim JT 2007 145.jpg (100462 Byte) Mackenheim JT 2007 146.jpg (108337 Byte) Mackenheim JT 2007 147.jpg (102510 Byte) Mackenheim JT 2007 148.jpg (110571 Byte)
Grabstein, der aus einem 
älteren Epitaph mit lateinischer
 Inschrift hergestellt wurde
     Im neuen Friedhofsteil
  
     
Mackenheim JT 2007 149.jpg (119286 Byte) Mackenheim JT 2007 150.jpg (114281 Byte) Mackenheim JT 2007 151.jpg (114649 Byte) Mackenheim JT 2007 152.jpg (100778 Byte)
Neuere Grabsteine  Schofar auf Grabstein

  
    

    


Bericht zum Sommerlager 2003 auf dem Friedhof Mackenheim
(Quelle: http://www.lepays.net/jdj/03/08/30/SE/article_1.html

Mackenheim Cimetiere 181.jpg (67584 Byte)Venus souvent de très loin, les jeunes se retrouvent sur l'échafaudage qui servira à remonter le toit de la maisonnette à côté du cimetière juif.  Virginie Vendamme 

  

Un chantier pour construire l'avenir

À Mackenheim, le cimetière israélite est devenu, pour deux jours, un lieu international : des jeunes d'Europe de l'Est sont venus aider à refaire le toit de la petite « Tahara Hiessel ». Un moment fort d'échange et de partage.         
    
. Les jeunes attendent que la pluie cesse, enfilent leurs gants et retroussent leurs manches. Parlant polonais, russe, allemand et anglais, ils parviennent à s'organiser pour monter les planches et commencer le travail. Souvent, ils n'en sont pas à leur premier chantier, et connaissent cette ambiance conviviale qui règne dans un tel groupe. Mais ici, ils semblent animés d'un esprit encore différent. « Moi, je suis contente d'apprendre beaucoup sur la vie des juifs. Je trouve que je n'en ai pas assez appris à l'école sur ce sujet. Ici, je peux approfondir », explique Ania, Polonaise de 20 ans. Au début de l'existence de l'association, n'adhéraient que de jeunes Allemands, qui parcouraient les pays autrefois occupés par les nazis, et accomplissaient autant d'actes de réconciliation. Après la chute du rideau de fer, des jeunes d'Europe de l'est ont rejoint le mouvement. « Il est important de parler de l'holocauste, et d'échanger entre nations. Mais aussi d'apprendre sur la vie des juifs », ajoute la jeune Polonaise catholique. Et Gunther Boll fait cela très bien : « A l'école, ils apprennent souvent des chiffres, le nombre de personnes déportées, et leur pays d'origine. Mais on leur parle peu des raisons pour lesquelles elles ont été déportées »  
Une associaton. Pour fortifier ces échanges qui se réalisaient déjà de manière assez informelle depuis deux ans, le maire du village Jean-Claude Spielmann a eu l'idée de créer une association transrhénane, qui unifiera les actions en faveur du fait juif en Haute-Alsace et en pays de Bade. « Les amis du Judengarten de Mackenheim » seront fondés le 7 septembre prochain. « Y adhéreront d'autres associations, comme ASF ou la société d'histoire israélite d'Alsace et de Lorraine, explique le maire, qui en sera président. L'idée est aussi de créer un réseau pour intégrer d'autres sites, comme Grussenheim, Biesheim? Cela permet aussi d'asseoir ces actions dans un cadre spécifique ». « Moi je trouve que c'est intéressant de faire des choses avec d'autres hommes », dit Valery, Biélorusse de 19 ans, dans un français un peu hésitant. Étudiant en robotique, il est venu avec un ami, Andréi, qui, lui, fait du droit. « On fait connaissance, on voit d'autres cultures. Cela? ouvre? » dit-il, appuyant ses idées de grands gestes et d'un grand sourire. Mais, quel impact leur action peut-elle avoir sur les habitants de la région ? C'est Johanna, 20 ans, qui répond : « Si ces villageois vient que moi, je suis venue de la lointaine Pologne jusqu'ici, pour aider à l'entretien de ce petit cimetière, cela montre bien que ce lieu a beaucoup de valeur, non ? »  
 
   
    

Artikel: Ein Ort des Lebens - Ein Besuch in einem jahrhundertealten "Judengarten" im Elsass
(von Frank Zimmermann - In: "Der Sonntag" Wochenzeitung in Freiburg und im Dreiland vom 13.2.2005)

Die Wildschweine haben ganze Arbeit geleistet. Der jüdische Friedhof, rund zwei Kilometer außerhalb der elsässischen Gemeinden Mackenheim versteckt im Auenwald gelegen, sieht aus wie ein gut gepflügter Acker. Die verwitterten, zum Teil umgefallenen, zum Teil schräg stehenden Grabsteine - die Inschrift des ältesten erhaltenen Steins datiert vom 2. Juli 1669 - tun ihr Übriges, um der abgelegenen Begräbnisstätte ein verwunschen-verwildertes Aussehen zu verleihen. "Die Grabsteine sind von einer großen Schönheit", schwärmt der Neuenburger Günter Boll, der sich seit vielen Jahren mit der jüdischen Kultur und Geschichte in der Region befasst. Vor drei Jahren wurde er für sein Engagement mit dem German Jewish History Award geehrt. Boll sagt: "Man muss in der Frühe hierher kommen, um seine Schönheit zu sehen. Der Friedhof hat eine unglaubliche Ausstrahlung."
Seit 1982 kommt der Nicht-Jude Boll in den Wald nahe der 600-Einwohner-Gemeinde, um im "Judengarten", wie der Friedhof von alters her heißt, am Boden liegende Grabsteine wieder aufzustellen. Rund 60 Steine, schätzt er, hat er bislang aufgerichtet, und doch gebe es noch immer welche zu bergen. So kommt es, dass sich der Friedhof jedes Jahr verändert, obwohl nur noch selten jemand dort beerdigt wird. Das Wiederaufstellen der Grabsteine verlangt ein behutsames Vorgehen, die Totenruhe darf nicht gestört werden. Denn der Friedhof sei keine Gedenkstätte, sondern ein "authentischer Ort", an dem die Pietät gewahrt werden müsse, sagt Günter Boll, der sich beim Betreten des Friedhofs eine Kippa aufsetzt.
Längst haben Günter Boll und seine Frau tatkräftige Helfer in der Region gefunden - ehrenamtlich arbeitende Menschen wie Christiane Walesch-Schneller, die Vorsitzende des "Fördervereins Ehemaliges Jüdisches Gemeindehaus Breisach" (in Mackenheim wurden bis 1755 auf die Juden aus dem 18 Kilometer entfernten Breisach beerdigt). Der 1999 begründete Verein bewahrte das ehemalige jüdische Gemeindehaus vor dem Abriss, indem er es kurzerhand kaufte, nun will er im "Blauen Haus" an die Geschichte der 250 Breisacher Juden, die hier 1933 lebten, erinnern und eine Stätte der Begegnung schaffen.
Seit einigen Jahren kommen im Sommer junge Menschen aus aller Herren Länder - aus Russland, Weißrussland und Polen, der Ukraine und den USA, England und Deutschland - nach Breisach und arbeiten im Rahmen der Aktion "Sühnezeichen/Friedensdienste" auch auf dem Mackenheimer Friedhof: Sie rupfen Unkraut und stellen umgefallene Grabsteine wieder auf. "Das Wiederaufstellen ist fast zur Lieblingsbeschäftigung der Jugendlichen geworden", weiß Christiane Walesch-Schneller. Für die Psychotherapeutin ist der Friedhof zu einem "Ort der Lebens" geworden: "Durch diesen Platz habe ich Freunde in aller Welt gewonnen". 
      
Diskrete Zustimmung. Gemeinsam haben im September 2003 Deutsche und Franzosen den Verein "Les Amis du Judengarten" ("Freunde des Judengarten") gegründet. Der hat sich dem Erhalt und der Pflege des Friedhofs, der erstmals 1608 erwähnt wurde und somit einer der ältesten im Elsass ist, verschrieben. Denn die Begräbnisstätte ist wie viele jüdische Stätten im Elsas vom Verfall bedroht. Dei Franzosen, so Katia Guth-Dreyfus, die Leiterin des Jüdischen Museums der Schweiz in Basen, rührten, anders als die durch die Geschichte verpflichteten Deutschen, kaum einen Finger. zwar hilft die Gemeinde Mackenheim bei der Instandhaltung, und der Mackenheimer Friedhof ist inzwischen auf die Liste der schützenswerten historischen Denkmäler gesetzt worden, aber ein Großteil der Friedhofssanierung basiert weiterhin auf ehrenamtlichem Engagement. Im vergangenen Jahr wurde das Tahara-Häuschen, in dem die Toten gewaschen werden, restauriert, als Nächstes will man den Friedhof vermessen und inventarisieren und die hebräischen Inschriften übersetzen.
"Wir wollen in der Bevölkerung das Bewusstein für den 'Judengarten' stärken", sagt Mackenheims Bürgermeister Jean-Claude Spielman. Die Leute sollen die jüdische Geschichte "als ihre Geschichte annehmen". Walesch-Schneller wünscht sich, "dass die Zuneigung zu diesem Ort wächst". Und wie denken die Mackenheimer über den "Judengarten" am Rande ihres Dorfes? Jean-Claude Spielmann will eine diskrete Zustimmung bei den Bewohnern ausgemacht haben, wobei man - das räumt der Bürgermeister ein - nicht von einer Begeisterung in der Bevölkerung sprechen könne.
Es sind Menschen wie Günter Boll, die das Projekt am Leben halten. Es war im Februar 1981, als Boll auf dem Dachboden der baufälligen und verwahrlosten Mackenheimer Synagoge Gebetbücher und Kalender, Thorarollen, Gebetsriemen und andere rituelle Gegenstände entdeckte. Als er ein paar Wochen später noch einmal das Durcheinander auf dem Speicher inspizieren wollte, war alles abtransportiert. Auf einer Müllhalde spürte Boll die "sehr wertvollen Dokumente" auf und nahm die, die noch nicht verbrannt waren, kurzerhand mit. Heute ist ein Teil der geretteten Gegenstände in Museen, einen Teil bewahrt Boll für die Societé des Israelites d'Alsace et de Lorraine auf.  
       
Angst vor Neonazis. Ihr Bemühen, den Friedhof mehr ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, lässt bei den Beteiligten allerdings gemischte Gefühle aufkommen. Groß ist die Angst vor Schmierfinken und Neonazis. Allein im vergangenen Jahr (2004) wurden im Elsass innerhalb sechs Monaten die jüdischen Friedhöfe in Herrlisheim, Saverne und Brumath geschändet; 2003 wurde zum wiederholten Male auch der jüdische Friedhof in Efringen-Kirchen mit antisemitischen Zeichen und Parolen beschmiert, das Eingangstor ist seitdem mit einem Schloss gesichert. "Wir wollen den Teufel nicht an die Wand malen", sagt Christiane Walesch-Schneller, "aber die Unsicherheit Mensch" sei ihnen immer bewusst. Wie Walesch-Schneller findet auch Boll, dass man trotz der Friedhofschändungen "kein Klima der Hysterie" schaffen sollte.
Das Elsass gehört in Europa zu den Regionen mit dem stärksten jüdischen Erbe - was auf die Französische Revolution zurückgeht, die den Juden in Frankreich nach Jahrhunderten der Verfolgung und Ausgrenzung zur Gleichstellung verhalf und dafür sorgte, dass Juden und Nicht-Juden im 19. Jahrhundert im Elsass relativ friedlich miteinander lebten. Heute gibt es im Elsass kaum noch Landjuden, nach dem Holocaust kamen nur wenige Überlebende zurück, viele zogen in die Städte. In Mackenheim leben heute keine Juden mehr, der letzte Mackenheimer Jude starb 1983. In der Synagoge sind heute das "Maison des Jeunes" und die Gemeindebibliothek untergebracht.
   
     
   

Links und Literatur

Links:

Mackenheim Cimetiere 180.jpg (73263 Byte)Sommerlager 2003 auf dem Friedhof Mackenheim (Initiative aus Breisach): hier anklicken   
Zur Seite über die Synagoge Mackenheim (interner Link) 
Französische Informationsseite zum Friedhof mit Fotos    

Literatur:  

Günter Boll: Der jüdische Friedhof von Mackenheim im Unterelsass (als pdf-Datei einzusehen) 
weitere Beiträge von Günter Boll siehe oben. 

    

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 27. Oktober 2013