Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Marckolsheim (Markolsheim, Dep. Bas-Rhin /Alsace / Unterelsass) 
Jüdische Geschichte / Histoire juive  /  Synagoge / Synagogue 

   

Übersicht:   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Allgemeine Berichte  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen    
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)    
    
In Marckolsheim bestand eine jüdische Gemeinde bis in die 1930er-Jahre und vorübergehend auch wieder nach 1945. Bereits im Mittelalter gab es unter den Schutz von Bischof Berchtold von Bucheck Juden am Ort. Sie war den Verfolgungen in der Pestzeit 1349 ausgesetzt. Von 1350 bis 1577 gab es vermutlich keine Juden am Ort. 
  
Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht in die Zeit des 16. Jahrhunderts zurück. 1578 werden erstmals Juden am Ort genannt (vgl. Beitrag von G. Boll s. Lit.). Dabei handelte es sich um den Juden Gottlieb, der bis dahin in der Reichsstadt Türckheim lebte, aber dort auf Grund eines Befehls von Kaiser Maximilian II. wie alle Juden aus der Stadt ausgewiesen wurde.  
 
Auch im 17. Jahrhundert lebten Juden am Ort - über die Schwierigkeiten, in die der Viehhändler Mathias von Marckolsheim 1648 geriet, siehe den Bericht unten.  
 
Im 18. Jahrhundert nahm die Zahl der jüdischen Familien nur gering zu: 1784 wurden acht jüdische Familien mit 47 Personen gezählt. Mehr als die Hälfte dieser Personen stammte von Nöhm Schnerb ab, dem 1742 verstorbenen damaligen Vorsteher der jüdischen Gemeinde Marckolsheim, der auf seinem Grabstein in Mackenheim als Versorger und Vorsteher und als Fürsprecher [der Juden] des Landes in der jüdischen Gemeinde und in der Judenschaft des Fürstbistums Straßburg genannt wird. Nöhm hatte mindestens drei Kinder und acht Enkel, die beziehungsweise deren Nachkommen in die Auflistung von 1784 eingegangen sind (vgl. mehr im Beitrag von Günter Boll s.u.).   

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1807 90 jüdische Einwohner, 1846 132, 1861 156, 1870 160, 1900 104, 1910 81.  

An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule und ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof bei Mackenheim beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Die Gemeinde gehörte zum Rabbinat Muttersholtz, das 1866 nach Schlettstadt (Selestat) verlegt wurde.   
 
1936 wurden noch 56 jüdische Personen in Marckolsheim gezählt. Diejenigen, die in den folgenden Jahren den Ort nicht verlassen konnten, wurden in der NS-Zeit unter der deutschen Besatzung 1940 nach Südfrankreich deportiert. 

  
Von den in Marckolsheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Caroline Bloch (), Gaston Bloch (1901), Jacques Bloch (), Camille Gross geb. Woog (1880), Amelie Hemedinger geb. Wertheimer (1873), Jules Hemedinger (1875), Noemie Klein geb. Levy (1902), Joseph Levy (1916), Roger Levy (1916), Hermance Moyse geb. Levy (1891), Flore Raffel geb. Lazarus (1879), Henri Raffel (1870), Ernestine Weil geb. Woog (1870).        
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
    
Allgemeine Berichte
Aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges (aus einem Beitrag von Berthold Rosenthal, 1926)  

Artikel in der "CV-Monatszeitschrift" (des "Central-Vereins") vom Februar 1926: "Noch ein Bild aus der Zeit des zu Ende gehenden Krieges: Im letzten Kriegsjahre (1648) beauftragte der Kommandant der Festung Breisach den Juden Mathias in Marckolsheim (Elsass), zur  Verpflegung französischer Truppen Vieh einzukaufen. In der Absicht, in der Gegend der Waldstätte (Waldshut) das Vieh zu beschaffen, machte sich Mathias auf den Weg. 'Bei dem Feuermörhell der Stadt Breisach' angekommen, traf er einen Baseler in seine Heimat reisenden Kaufmann, mit dem Mathias eine Strecke fuhr und ihm vorsichtshalber bei der Trennung sein Geld anvertraute. Auf seinem weiteren Weg begegnete ihm das Edelfräulein Masquin aus der Gegend von Weißenburg, das ihm, als es den Zweck seiner Reise erfuhr, mitteilte, es habe bei Bauern in Hertingen (bei Mülheim) Vieh eingestellt, welches aber schlecht gepflegt würde und deshalb verkäuflich wäre. Mathias fuhr nun über den Rhein und meldete sich sofort beim markgräflich badischen Obervogt in Rheinweiler, den er aber nicht zu Hause traf. Alsdann kaufte er das Vieh in Hertingen, unter der Bedingung, dass ihm die Tiere ins nächste elsässische Dorf gebracht werden müssen. Der Pfarrer, der Vogt und andere Bürger waren beim Handel zugegen. (Im Hinblick auf die späteren Angaben des Vogts ist dies zu erwähnen nötig). Der Pfarrer gab sich sogar als Verwalter des Viehs und Handels aus. Am anderen Tage reiste Mathias mit dem Pfarrer nach Basel, um ihm den Kaufpreis auszuzahlen. Bei Empfang des Geldes versicherte er, 'bei priesterlichen Ehren' Wort zu halten. Als Mathias aber an den verabredeten Ort kam, war das Vieh nicht eingetroffen. Die Verkäuferin benachrichtige ihn, sie habe das Vieh nach Rheinweiler treiben lassen; dort hätte es aber der markgräfliche Vogt beschlagnahmt, weil der Käufer ohne Geleit ins Badische eingedrungen und da sogar über Nacht geblieben sei. Der Vogt meldete den Vorfall der markgräflichen Regierung, die damals aus Sicherheitsgründen in Basel ihren Sitz hatte. Diese ordnete an, das Vieh müsse nach Oetlingen (bei Lörrach) gebracht werden, und der Vogt hätte den Juden nicht laufen lassen, sondern 'ihn am Kopf nehmen sollen, wonach sich in Zukunft zu richten sei'. Mathias meldete den Vorfall seinem Auftraggeber (sc. der Kommandant der Festung Breisach) und führte aus, er (Mathias) habe nichts Ungebührliches begangen, viel weniger sich einer Majestätsbeleidigung, deren er geziehen werde, schuldig gemacht, noch auch das Geleit gebrochen, 'als welches niemalen bei diesen Kriegszeiten gehalten und genommen worden, da man auch die Juden bei solchen nicht, wie in Friedenszeiten, schützen könne'. Er habe sich 'uff den erhaltenen königlichen (französischen) Schutz verlassen, durch welchen er bis anherr in der Markgrafschaft in allen Orten viel Jahr her sicherlich gehandelt und niemalen dergleichen einigen Juden zugemutet oder von seligem begehrt worden'. Mathias bat schließlich den Kommandanten, ihm behilflich zu sein, dass er 'entweder zu dem Vieh oder zu dem Geld, so ihm sonsten zu erstatten unmöglich wieder gelangen oder außer Schaden möge gesetzt werden.' Der Kommandant verlangte nun vom Vogt in Rheinweiler die Herausgabe des Viehs. Dieser erwiderte, nicht er habe die Beschlagnahme ausgesprochen, sondern der Markgraf, an den sich der Kommandant wenden möge; was auch geschah. Die markgräfliche Kanzlei antwortete dem Kommandanten von Breisach: Man wolle nicht annehmen, dass er willens sei, das Recht der Regierung zur Wegnahme des Viehs zu bestreiten. Indes sei man nicht gemeint, ihm das Vieh vorzuenthalten, vorausgesetzt. dass er den Juden zu der Regierungskanzlei schicke, damit man sich mit ihm vergleiche. Hiermit endigt die aktenmäßige Darstellung."       

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Zum Tod von Rabbiner Marcus Meier Ulmo (1895)   
Anmerkung: Rabbiner Marcus Meier Ulmo (geb. 1803 in Sierentz, gest. 1895 in Marckolsheim): studierte bei Rabbinern in Metz und Karlsruhe, 1825/26 in Mannheim, 1932 aus Uffheim zu Rabbiner Nach Muttersholz berufen; 1866 Verlegung des Rabbinates nach Sélestat (Schlettstadt); legte 1885 nach 53-jähriger Tätigkeit als Rabbiner das Amt nieder und zog zu seiner Tochter nach Hüningen, später nach Marckolsheim. Die Beerdigung war am 13. Juni 1895 in Sélestat.   

Mitteilung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 28. Juni 1895: "In Markolsheim (Elsass) ist der Nestor der elsässischen Rabbiner, M. Ulmo, im 93. Lebensjahr segensreicher Wirksamkeit gestorben."  

       
Erinnerung an die die Heimat Marckolsheim in den USA - Grabstein für Bertha Weill geb. Levy aus Marckolsheim in New Orleans (1889-1972)     
Anmerkung: das Foto wurde von Rolf Hofmann (Stuttgart) im April 1994 im 1860 eröffneten Hebrew Rest Cemetery in New Orleans, 2100 Pelopidas at Frenchman Street, near Elysian Fields and Gentilly Blvd., aufgenommen.       

Grabstein im "Hebrew Rest Cemetery" in New Orleans für das Ehepaar Weill: 
"Hier ruht WEILL  
Julius Weill  Feb. 4 1875 - Feb. 20 1937  
Born in Schirhofen Alsace  
Bertha Levy Weill  Feb 14 1889 - Aug. 29 1972  
Born in Marckolsheim Alsace  
Ihre Seelen seien eingebunden in den Bund des Lebens.
"       

   
   
   
Zur Geschichte der Synagoge 
   
Eine Synagoge in Marckolsheim ist erstmals 1752 bezeugt. Sie stand in der heutigen rue de la Prison.
  
Eine neue Synagoge wurde 1838 durch den Architekten Antoine Ringeisen erbaut, nachdem die alte Synagoge sich in einem baufälligen Zustand befand.  1869 wurde die Synagoge erweitert. Bis in die 1930er-Jahre war das Gebäude Mittelpunkt des religiösen Lebens der jüdischen Gemeinde am Ort.  
 
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Synagoge bei einem Bombardement 1940 zerstört. 1961 wurde die Synagoge wieder aufgebaut. Bis 1976 wurden Gottesdienste in der Synagoge abgehalten. Danach wurde das Gebäude zu einem bis heute erhaltenen Wohnhaus umgebaut. 
  
  
Adresse/Standort der Synagoge   10 rue de l'Hotel-de-Ville    
  
  
Fotos    

Das Gebäude der 1961 wieder
 aufgebauten Synagoge - 
seit 1976 Wohnhaus
Marckolsheim Synagogue 120.jpg (55662 Byte)  
     
     
Innenaufnahme des 
Betsaales zwischen 1961 und 1976  
Marckolsheim Synagogue 121.jpg (51352 Byte)  
     
      
Grabsteine des Gemeindevorstehers 
Nöhm Schnerb und seiner Frau 
in Mackenheim  
Mackenheim Grabstein Noehm Schnerb.jpg (455991 Byte) Mackenheim Grabstein Rechle Schnerb.jpg (400309 Byte)
  Nöhm Schnerb (gest. 1742) war Vorsteher der jüdischen Gemeinde Marckolsheim
 (weiteres im Beitrag von Günter Boll); seine Frau Rechle (Grabstein rechts) ist 1747
 gestorben. Beide wurden im jüdischen Friedhof Mackenheim beigesetzt. 
      
 Mi scheberach mit Besitzvermerk 
des Vorstehers Nohm Schnerb 
Marckolsheim Dok 170.jpg (168383 Byte) Marckolsheim Dok 170a.jpg (285013 Byte)
  Beim Mi Scheberach handelt es sich um den Segen, den ein Rabbiner oder Vorbeter 
jedem zur Toralesung aufgerufenen Teilnehmer am Gottesdienst erteilt  Der 
Mi scheberach des Nöhm Schnerb wurde 1739 geschrieben; oben sind Vorder- 
und Rückseite abgebildet (weiteres im Beitrag von Günter Boll).  
     

   
   

Links und Literatur  

Links:  

Website der politischen Gemeinde Marckolsheim    
Informationsblatt (französisch) zur jüdischen Geschichte und den Synagogen in Mackenheim und Marckolsheim (pdf-Datei)
"(Le patrimoine israélite de Marckolsheim & Mackenheim")      
Französische Informationsseite zur Synagoge in Marckolsheim (Kurznotiz)    

Literatur:  

Alsace Lit 010.jpg (67412 Byte)Michel Rothé / Max Warschawski: Les Synagogues d'Alsace et leur Histoire. Ed. 'Chalom Bisamme' Jerusalem 1992.  S. 35.93.

    

Günter Boll: Dokumente zur Geschichte der Juden im bischöflich-straßburgischen Amtsbezirk Marckolsheim (1578-1652). Dieser Beitrag ist online zugänglich (pdf-Datei). 
ders.: Kinder und Enkel des Nöhm Schnerb von Marckolsheim. Diese Beitrag ist online zugänglich (pdf-Datei). 
Der Beitrag erschien erstmals in Maajan - Die Quelle Heft 51. Zürich 1999. Er wurde für die online-Publikation überarbeitet. Ausgehend von der Beschreibung eines Mi scheberach aus der Mackenheimer Genisas ist es Günter Boll gelungen, etwas Licht ins genealogische Dunkel der aus drei Wurzeln (Hattstatt / Hochfelden / Epfig) stammenden Marckolsheimer Leviten zu bringen.  

    
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Marckolsheim Bas-Rhin dist. The Jewish community numbered 47 members in 1784. Its synagogue was inaugurated in 1835. By 1865, there were 156 Jews in Marckolsheim, dropping to 56 in 1936. During Worldwar II, the Germans expelled all to the south of France. The local synagogue was damaged during the bombardments, and the cemetery was destroyed. Six local Jews were deported. In 1965, there were 39 Jews living in Marckolsheim.      
          

   

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 17. Mai 2013