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Niedenstein (Schwalm-Eder-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Niedenstein bestand eine
jüdische Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17.
Jahrhunderts zurück. 1664 gab es zwei, 1676 drei jüdische Familien am Ort.
Im 18. Jahrhundert stieg von Zahl der jüdischen Familien von 5 (1731)
auf 10 (1776) und mehr Familien.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1812 26 jüdische Familien, 1834 120 jüdische Einwohner (19,7 % von
insgesamt 610 Einwohnern), 1855 110, 1861 147 (22,9 % von 643), 1871 86 (15,6 %
von 552), 1880 132 (21,7 % von 608), 1885 124 (22,9 % von 541), 1892 125 (in 29
Familien), 1895 119 (18,5 %
von 642), 1897 115 (von 642 Einwohnern, in 24 Familien), 1899 112 (von 642
Einwohnern, in 21 Haushaltungen), 1905 101 (16,9 % von 597), 1910 98 (16,7 % von 587). Um 1855 waren von
den jüdischen Haushaltsvorstehers 12 als Händler tätig. Mehrere, vor allem
die jungen jüdische Männer hatten ein Handwerk erlernt, genannt werden um 1850
je zwei Schneider, Metzger und Drechsler sowie je ein Färber, Küfer und
Schuhmacher. Eine Familie Nagel hatte bedeutenden Grundbesitz. In der 2. Hälfte
des 19. Jahrhunderts eröffneten mehrere jüdische Familien/Personen Handlungen
und Läden am Ort, die von großer wirtschaftlicher Bedeutung für Niedenstein
und die Umgebung waren.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische
Schule, ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur
Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt,
der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Die jüdische
Elementarschule bestand seit 1826. 1868 wurde sie von 16 Schülern besucht,
1888 von 45; danach ging die Zahl zurück auf 1892 40, 1897 19, 1894 22, 1907 6, 1924/25/26 13, 11
beziehungsweise 10 Schüler. 1928 wurde die Elementarschule aufgelöst (siehe
Bericht unten). Jüdische Lehrer waren insbesondere Simon Lange ("Der
Israelit" vom 13.9.1865 S. 539; weitere Quelle),
Lehrer Appel ("Der Israelit" vom 18.10.1865 S. 42); Markus Müller
(u.a. "Der Israelit" 18.3.1869 S.215), Lehrer M. Rosa ("Der
Israelit" vom 11.8.1869 S.635, 6.10.1869 S.786, 1.6.1870 S.423), Meier Isaak,
Tobias Heiser (um 1878/1901, AZJ 1.1.1898 S.16; Bericht von 1901
unten; Heiser war als Lehrer und Kantor tätig, unterrichtete1899 16 Schüler, neben ihm gab es um 1892 als
Schochetim die Herren J. Kaiser und H. Mansbach; sein Sohn J. Heiser wird
als Schulamtskandidat 1894 nach Nieder-Ohmen
versetzt), Hermann Abraham (1910-11, gefallen im Ersten Weltkrieg), A. Wertheim (um
1924) sowie Lehrer Hermann Stern, der von Gudensberg
aus auch die Schüler in Niedenstein unterrichtete. Als Synagogendiener
wird um 1892 genannt: J. Rosenstein. Als Rechner wird 1897 C. Plaut aufgeführt,
1899 ein Herr Wertheim.
Die Gemeinde gehörte
innerhalb des Kreises Fritzlar zum Rabbinatsbezirk Niederhessen mit Sitz in
Kassel.
Von den Gemeindevorstehern werden u.a. genannt: um 1887 die Herren Adler und
Gumpert, um 1892 die Herren Gumpert und Adler II, um 1896 S. Nagel, um 1897/99 S.
Nagel und S. Silberberg.
Von den jüdischen Vereinen bestanden schon Ende des 19. Jahrhunderts: der
Verein Chewra Kadischa (Beerdigungs- und Wohltätigkeitsverein, um 1894/99
unter Vorsitz von A. Kron), der Verein Chewrat bachurim (1877 gegründet,
um 1877 bis zu seinem Tod 1896 unter Vorsitz von M. Adler II, 1897/99 S. Adler)
und ein Israelitischer Frauenverein (1878 gegründet, um 1892/97 unter
Leitung von Frau Johanna Adler, 1899 Frau S. Adler).
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Unteroffizier
Hermann Abraham (Lehrer, geb. 10.7.1887 in Schenklengsfeld,
gef. 20.10.1914), Moritz Adler (geb. 27.2.1894 in Niedenstein, gef. 2.10.1915)
und Max Nagel (geb. 23.9.1878 in Niedenstein, gef. im Einsatz bei der Marine J.R.
1, 11.10.1916). Außerdem
ist gefallen: Max Plaut (geb. 8.10.1893 in Niedenstein, vor 1914 in
Gudensberg
wohnhaft, gef. 9.9.1914).
Um 1925, als noch 87 jüdische Einwohner in Niedenstein gezählt wurden,
war Vorsteher der Gemeinde Aron Adler. Als Lehrer, Kantor und Schochet war der
schon genannte A. Wertheim tätig. Er unterrichtete an der Volksschule der
Gemeinde noch 13 Kinder. An jüdischen Vereinen bestanden (weiterhin) die Wohltätigkeitsvereine
Chewra Kadischa (bzw. Chevre Kadischo, 1932 unter Leitung von Hermann
Mansbach I), die Chevre Bachurim (1932 unter Leitung von Isaac
Rosenstein) und die Chevre Anoschim (beziehungsweise der Israelitische
Frauenverein (gegründet 1878, siehe Bericht zum 50-jährigen Bestehen 1928
unten, 1932 unter Leitung von Bertha Nagel). 1922 wurde eine Ortsgruppe des "Central-Vereins
deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" gegründet (Vorsitzender,
Schriftführer und Kassier war Lehrer Stern). 1932 waren die Gemeindevorsteher
die Herren Mansbach (1.Vors.) und Kaiser (2. Vors.). Als Schriftführer ist ein
Herr Rapp angegeben. Im Schuljahr 1931/32 erhielten noch sechs jüdische
Kinder den Religionsunterricht, den inzwischen Lehrer Hermann Stern aus Gudensberg
erteilte.
1933 lebten noch etwa 70 jüdische Personen in Niedenstein. In den
folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der
Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Beim Novemberpogrom 1938
wurde die Synagoge geschändet und verwüstet.
Von den in Niedenstein geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen
Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Bertha
Adler geb. Adler (1871), Bertha Adler geb. Oppenheim (1888), Dina Adler (1878),
Ida Adler (1889), Minna Adler geb. Goldschmidt (1856), Sitty (Sitta) Adler
(1911), Thekla Adler (1891), Berta Goldschmidt geb. Rosenstein (1873), Max
Gumpert (1901), Lina Haas geb. Adler (1885), Franziska Heiser (1879), Jenni
(Jenny) Heiser (1885), Abraham Kaiser (1880), Baruch Kaiser (1880), Gertrud Kaiser
(1916), Gietha (Sitha Berta) Kaiser (1887), Goldine Kaiser (1875), Jacob Kaiser
(1882), Noah Kaiser (1885), Siegmund Kaiser (1881), Selma Katz geb. Mansbach
(1905), Auguste Kongrecki geb. Kaiser (1887), Samuel Kron (1868), Malchen Kruck
geb. Mansbach (1878, "Stolperstein" in
Felsberg), Max Lange (1856), Frieda Mansbach (1909), Jettchen
Mansbach geb. Hanstein (1877), Julius Mansbach (1905), Juda Mansbach (1879),
Minna Mansbach (1882), Julie Meyerstein
geb. Adler (1886), Kallmann Müller (1883), Klara Müller geb. Nussbaum (1896),
Siegfried Müller (1907), Ursula Müller (1929), Goldina Nachum geb. Kaiser (1870), Berta Nagel geb. Neuhaus (1879),
Moritz Nagel (1881), Dina Oppenheimer geb. Kron (1864), Emma Rosengarten geb.
Kaiser (1889), Jenny Rosengarten (1896), Bärmann Rosenstein (1875), Dina
Rosenstein geb. Katz (1886), Fanny Rosenstein geb. Goldschmidt (1876), Felix
Rosenstein (1874), Hannelore Rosenstein (1937), Isaak Rosenstein (1887), Johanna
Rosenstein geb. Goldschmidt (1878), Joseph Rosenstein (1878), Julius Rosenstein
(1876), Sara Rosenstein (1876), Sara Rosenstein geb. Adler (1882), Selma
Rosenstein geb. Löwenstein (1908), Berta Rosenthal (1920), Karl Rosenthal
(1880), Minna Rosenthal geb. Wertheim (1892), Lehrer Hermann Stern (1893), Ruth Stern (1923), Anschel Adolf
Wertheim (1865), Max Wertheim (1894).
*
Hinweise: Für Frieda Mansbach liegt ein "Stolperstein" in Berlin:
https://www.stolpersteine-berlin.de/de/steinstr/5/frieda-mansbach
Für Julius Mansbach liegt gleichfalls ein "Stolperstein" in Berlin:
https://www.stolpersteine-berlin.de/de/steinstr/5/julius-mansbach
Anmerkung zu diesen Stolpersteinen (von Friedhelm Reinhard), da es immer
wieder zu Verwechslungen kommt:
In Niedenstein gab es u. a. zwei Familien Mansbach-Zinn:
(1) Hermann Mansbach-Zinn, Schuhmacher (1872 Niedenstein - 1942 Berlin Jüdisches
Krankenhaus) mit Ehefrau Jettchen geb. Hanstein (31.08.1942 dep. Berlin-Riga)
Kinder: Julius (1905 Niedenstein - Berlin - 01.03.1942 dep. Berlin-Auschwitz)
und Frieda (1909 Niedenstein - Berlin - 06.03.1843 dep. Berlin-Auschwitz)
In Berlin-Mitte in der Steinstr. 5 (7 - 1942) liegen Stolpersteine für die
Familie Julius Mansbach + Schwester Frieda
(2) Hermann Mansbach-Zinn, Hausierer (1872 Niedenstein - Haina 1940)
Schwester Paulina Kupfermann (1876 Niedenstein - Wuppertal - dep. Düsseldorf -
Lodz - 1942 Chelmno)
Bruder Juda (1879 Niedenstein - Wuppertal - dep. Düsseldorf - Lodz - 1942
Chelmno
Schwester Minna (1882 - Niedenstein - Wuppertal - dep. Düsseldorf - Lodz - 1942
Chelmno).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer und der Schule
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet
| Ausschreibungen der Stelle wurden in
jüdischen Periodika nicht gefunden. |
Der jüdische Lehrer Tobias Heiser übernimmt während einer Vakatur den Unterricht
an der evangelischen Konfessionsschule (1882)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Mai 1884: "Niedenstein
(Niederhessen). Ein erfreuliches Zeichen ist es, wenn man in unserer Zeit,
in welcher die Wogen des Antisemitismus so hochgehen und manche Giftblume
des Mittelalters wieder von Neuem zur Frucht sich gestaltet, auch einen
Beweis des Gegenteils findet. Hiervon ein Beispiel: Der vormals hier
stationierte evangelische Lehrer H. bekleidet seit dem 1. Februar dieses
Jahres eine andere Stelle. Sobald die hiesige Schulstelle vakant wurde,
ordnete der evangelische Pfarrer, Herr Schwarzell, der Königlicher
Lokalschulinspektor ist, an, dass der derzeitige israelitische Lehrer
Heiser, während der Vakanz, wöchentlich 16 Stunden Unterricht in
Deutsch, Realien und Rechnen an der evangelischen Schule erteilen solle. Die
Mitglieder des Stadtrates und die Ausschussmitglieder der Gemeindevertretung
stimmten dieser Anordnung des Königlichen Lokalschulinspektors sofort bei,
und so hat der israelitische Lehrer Heiser bis zum 15. April dieses Jahres
die evangelische Schulstelle mit verwaltet. Es ist dies meines Erachtens der
erste Fall in Niederhessen, dass ein jüdischer Lehrer eine Vakanz an der
christlichen Schule ausfüllte, da es bisher Usus war, dass christliche
Nachbarkollegen die Vakanz ausfüllen mussten. Was den evangelischen Pfarrer,
Herrn Schwarzell, zu dieser toleranten Einrichtung besondere Veranlassung
gab, ist in erster Reihe die gewiss lobenswerte Absicht, dem Lehrer einen
Nebenverdienst zuzuwenden, ferner seine sich in allen Lebensvorfällen
gleichbleibende Menschenliebe und Toleranz. Möge der ehrwürdige Herr noch
lange seines Amtes walten und Liebe und Einigkeit unter den Menschen
verbreiten. Hr." |
Der Unterricht an der evangelischen Konfessionsschule wird wiederum durch
den jüdischen Lehrer Tobias Heiser übernommen (1901)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Mai 1901: "Niedenstein,
im Mai (1901). Hierorts sind zwei strengkonfessionell geschiedene
öffentliche Volksschulen, eine israelitische und eine evangelische. An
letzterer ist seit Ostern dieses Jahres der Lehrer erkrankt. Damit der
Unterricht in dessen Schule nicht leidet, hat auf Anregung des
Königlichen Kreisschulinspektors, Herrn Metropolitan Braunhof zu
Gudensberg, die Königliche Regierung zu Kassel angeordnet, dass der
königliche Lokalschulinspektor, Ortsgeistlicher Herr Pfarrer Eisenberg,
wöchentlich drei Stunden Religionsunterricht für den erkrankten Lehrer
zu erteilen habe, während die weltlichen Unterrichtsfächer, als Deutsch,
Realien, Rechnen, Turnen etc. dem israelitischen Lehrer, Herrn Heiser zu
übertragen sind, was übrigens bei einer Vakanz vom 1. Februar bis 15.
April 1884 schon einmal der Fall war." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Oktober 1901: "Niedenstein,
im Oktober (1901). In der ersten Beilage zu Nr. 36 dieses Blattes vom 9.
Mai dieses Jahres wurde von hier berichtet, dass Herr Lehrer Heiser
wöchentlich 21 Stunden Unterricht an der evangelischen Schule zu erteilen
habe, weil der Lehrer an derselben erkrankt sei. Im August war der Lehrer
wieder diensttauglich und Heiser's Vertretung, welche gut bezahlt wurde,
überflüssig. In der Nachbargemeinde Wichdorf aber, in der Jehudim
überhaupt nicht wohnen, starb am 15. September dieses Jahres der
alleinstehende evangelische Lehrer. Dessen Schule wird bis zur
Wiederbesetzung der Stelle - nach einem Vierteljahr - von Nachbarkollegen
verwaltet, wozu auch unser Lehrer mit einem Drittel des Unterrichts
betraut wurde. Ist das in unserer Zeit des Antisemitismus kein Kiddusch
HaSchem (Heiligung des Gottesnamens)?" |
Lehrer Tobias Heiser feiert sein 40-jähriges Dienstjubiläum (1907)
Weitere
Informationen/Korrekturen - auch zum Todesdatum und Grabstätte - erbeten an den
Webmaster von Alemannia Judaica:
mailbox@alemannia-judaica.de
Lehrer Tobias Heiser ist
vermutlich (noch nicht bestätigt!) am 20. Februar 1847 in
Breitenbach als Sohn des Handelsmannes Gumbert
Heuser / Heiser geboren.
Er war
nach geni.com (noch nicht bestätigt!) verheiratet mit Emma geb. Katz
https://www.geni.com/people/Emma-Heiser/6000000188020750824
Nach der Familiendatenbank Juden im Deutschen Reich war er seit 5. Mai 1874
in Gudensberg (nach Eheregister, dort genannt "Tobias Heiser, Handelsmann zu
Breitenbach" verheiratet mit Sarchen geb. Goldschmidt (geb. 8. Januar 1846 in
Gudensberg).
Tobias Heiser und seine Frau hatten nach geni.com sechs Kinder:
Sohn Isaak Heiser ist am 8. Januar 1872 geboren. Er wurde im September
1942 im Vernichtungslager Treblinka ermordet
https://www.geni.com/people/Isaak-Heiser/6000000188020675855
Sohn Moritz Heiser ist am 6. September 1877 in Niedenstein geboren. Er
starb am 14. Juni 1935 in Nürnberg.
https://www.geni.com/people/Moritz-Heiser/6000000188021103834
Tochter Franziska Heiser ist am 22. Juli 1879 in Niedenstein geboren. Sie
wurde von Bielefeld aus am 13. Dezember 1941 nach Riga deportiert und vermutlich
ermordet:
https://spurensuche-bielefeld.de/spur/franziska-und-jenny-heiser/ und
https://www.geni.com/people/Franziska-Heiser/6000000188021266824
Tochter Flora Heiser ist am 5. August 1881 in Niedenstein geboren. Sie
war verheiratet mit Salomon Alfred Zander (geb. 27. Januar 1886). Die beiden
wohnten bis 1935 in Detmold, danach in Bielefeld, von wo sie am 13. Dezember
1941 nach Riga deportiert und vermutlich ermordet wurden.
https://gedenkbuch.saarbruecken.de/gedenkbuch/personen_detailseite/person-32153
und
https://spurensuche-bielefeld.de/spur/das-ehepaar-salomon-und-flora-zander/
und
https://www.gedenkbuch-detmold.de/index.php/gedenkbuch/38-die-opfer-in-alphabetischer-reihenfolge/42-biographien/161-z-biographien/521-zander-flora-geb-heiser
sowie
https://www.gedenkbuch-detmold.de/index.php/gedenkbuch/38-die-opfer-in-alphabetischer-reihenfolge/42-biographien/161-z-biographien/522-zander-salomon-alfred
Sohn Gottlob Heiser ist am 4. Oktober 1883 in
Niedenstein geboren.
Tochter Jenni (Jenny) ist am 2. Mai 1885 in Niedenstein geboren.
Sie wurde von Bielefeld aus am 13. Dezember 1941 nach Riga deportiert und
vermutlich ermordet:
https://spurensuche-bielefeld.de/spur/franziska-und-jenny-heiser/
Mitteilung
im "Israelitischen Familienblatt" vom 30. Mai 1907: "Niedenstein
(Bezirk Kassel). Am 18. Mai beging Herr Lehrer Heiser hier die Feier
seines vierzigjährigen Dienstjubiläums." |
Beförderung zum Unteroffizier und Tod von Lehrer Hermann Abraham
- gefallen 1914 im Kriegseinsatz (1920)
Anmerkung: Hermann Abraham ist am 10. Juli 1887 in Schenklengsfeld geboren
als Sohn des Abraham Abraham (1852-1925) und der Jettchen geb. Weinberg
(1856-1935). Seminarleiter Direktor Dr.Lazarus (Kassel) schreibt in der
"Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. Dezember 1914 S. 519 Anmerkung 1 im
Blick auf die Gefallenen des Krieges: "Auch zwei meiner liebsten Schüler, die
Lehrer Abraham - Niedenstein und Rosenstock -
Wiesbaden, sind bereits gefallen." In
der Publikation "Achawa" des "Vereins zur Unterstützung hilfsbedürftiger
israelitischer Lehrer..." - "Fünfzigster und einundfünfzigster
Rechenschafts-Bericht für die Jahre 1914 und 1915" S. 7 ist zu lesen: "Die
Lehrer Hermann Abraham und B. Rohrheimer (Biblis)
haben den Heldentod für das Vaterland erlitten. Wir werden ihnen und den anderen
Entschlafenen ein ehrenvolles Andenken bewahren" (auch im "Israelitischen
Familienblatt" vom 15.3.1916 Nr. 11 S. 12).
Mitteilung
in "Dr. Bloch's österreichischer Wochenschrift" vom 23. Oktober 1914: "Niedenstein.
Lehrer Hermann Abraham vom Reserve-Infanterie-Regiment 83, Sohn des
Herrn A. Abraham in Schenklengsfeld,
unter Beförderung zum Unteroffizier." |
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Artikel
im "Israelitischen Familienblatt" vom 29. Januar 1920: "Hermann Abraham
aus Niedenstein, geboren in
Schenklengsfeld als Sohn des Abraham Abraham. Der Gefallene besuchte die
Präparandenschule zu Burgpreppach
und das Seminar zu Kassel und wirkte drei Jahre in Salzkotten und 2 1/2
Jahre in Niedenstein. Er zog bei Kriegsausbruch als Musketier
im Reserveregiment 83 ins Feld und wurde September 1914 Unteroffizier
und mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Den Dienstgrad als Gefreiter
übersprang er. Er wurde am 20. Oktober verwundet und erhielt dann, als
er zum Verbandplatze eilen wollte, einen todbringenden Kopfschuss. Im Felde
in der Nähe von Enetiers im Einzelgrab liegt er beerdigt." |
Verlobungsanzeige von Lehrer Hermann Stern
und Irma Katz (1922)
Anmerkung: Hermann Stern ist am 17. Februar 1893 in
Gilserberg geboren. Er war verheiratet mit
Irma geb. Katz, die am 19. Mai 1897 in
Erdmannrode geboren ist. Hermann Stern war zunächst Lehrer in Niedenstein,
seit Juni 1928 in Gudensberg, wo er die
Nachfolge des langjährigen Lehrers B. Perlstein in der jüdischen Schule
übernahm. Die Tochter Ruth ist noch in Niedenstein 1923 geboren. Am 1.
Mai 1934 wurde Hermann in Gudensberg vom Dienst suspendiert. Die Familie zog
nach Bad Wildungen, wo Hermann von
Januar 1935 bis August 1938 als Rabbiner tätig war. Dann verlegte die Familie
ihren Wohnsitz nach Wiesbaden in die Rüdesheimer Str. 18. Hier unterrichtete
Hermann an der jüdischen Schule. Die Familie plante nach Palästina auszuwandern,
hatte 1939 alle Papiere zusammen, aber dennoch kam es nicht zur Auswanderung.
Hermann Stern wurde zusammen mit seiner Ehefrau am 1. September 1942 in das
Ghetto Theresienstadt deportiert, am 4. Oktober 1944 nach Auschwitz und am 19.
Dezember 1944 nach Dachau gebracht, wo er ermordet wurde. Für Hermann, Irma und
Ruth Stern liegen in Gudensberg in der
Hinteren Gasse 21 sowie in Wiesbaden "Stolpersteine" vor dem Haus Rüdesheimer
Straße 18. Vgl. Listen über
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Gudensberg und
https://www.am-spiegelgasse.de/index.php/stolpersteine/
https://www.am-spiegelgasse.de/index.php/stolpersteine/.
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 12. Januar 1922:
"Irma Katz - Herrmann Stern
Verlobte
Vacha - Niedenstein." |
Die Israelitische Volksschule bleibt (noch) erhalten
(1927)
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und
Waldeck" vom 17. Juni 1927: "Niedenstein. Dank den
Bemühungen des Israelitischen Vorsteheramtes bleibt unsere Jüdische
Volksschule erhalten und wird nicht aufgelöst." |
Die Israelitische Volksschule wird aufgelöst
(1928)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Juni 1928: "Niedenstein, 10.
Juni (1928). Die hiesige Israelitische Volksschule, welche nur noch von 6
Kindern besucht wird, wurde von der Regierung aufgelöst und der Lehrer
Stern anstelle des in den Ruhestand versetzten Lehrers B. Perlstein
nach
Gudensberg versetzt." |
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Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und
Waldeck" vom 2. Juni 1928: "Niedenstein. Wie wir erfahren,
ist die hiesige Israelitische Voilksschule, in welcher sich noch 6 Kinder
befanden, von der Regierung aufgelöst worden. Herr Lehrer Stern ist anstelle
des in den Ruhestand getretenen Herr Lehrer Perlstein nach Gudensberg
versetzt worden." |
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Artikel
in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 8. Juni 1928: "Gudensberg.
(Lehrerwechsel.) Die seit dem 1. Februar durch Pensionierung des Lehrers
Perlstein erledigte Lehrer- und Vorsängerstelle in der hiesigen Gemeinde ist
durch Verfügung der Kasseler Regierung dem Lehrer Stern, bisher in
Niedenstein angestellt, übertragen worden. Die Volksschule in Niedenstein
ist wegen geringer Kinderzahl aufgelöst worden."
|
Aus dem jüdischen
Gemeinde- und Vereinsleben
Bericht über eine Reise durch Nordhessen, u.a. durch
Niedenstein (1858)
Anmerkung: Der Reisebericht wurde erstellt von Isaak Rosenmeyer, Oberlehrer
in Homonna
https://de.wikipedia.org/wiki/Humenné.
Artikel
in "Allgemeine Zeitung des Judentums" vom 10. Mai 1858: "Meine Reise über
Galizien nach Deutschland.
Von Isaak Rosemeyer, Oberlehrer in Homonna. (IV. Schluss.)
Wir setzen unsere Streif- und Querzüge fort und erwähnen hier noch einige
insbesondere niederhessische Gemeinden. Unter den Landstädten zeichnet sich
Eschwege aus und leistet in der Tat der
Kreisrabbiner Goldmann Vorzügliches. Im Kreise Fritzlar fungiert der
Kreisrabbiner Wetzlar, welcher seinen Rabbiner Sitz in
Gudensberg hat. Auffallend ist die
heterogene Gesinnung der Gemeindeglieder dieses Rabbinerbezirkes. Während
Fritzlar als neu verschrien ist, gilt
wiederum Felsberg und insbesondere
Gudensberg als orthodox und müssen
sich in Niedenstein, einer kleinen,
meistens von Juden bewohnten Stadt, die Männer, um sich zu rasieren, auf den
Boden (= Dachboden) flüchten, so stark ist das hyperorthodoxe Gefühl
der Frauen und die Herrschaft des schönen Geschlechts..." |
Ergebnisse von Spendensammlungen (1869 / 1872)
In jüdischen Gemeinden wurden
regelmäßig Spendensammlungen für unterschiedliche Zwecke durchgeführt; über die
Ergebnisse wurde in jüdischen Periodika berichtet.
Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Juni 1869 - Sammlung "Zur
Unterstützung der notleidenden Glaubensgenossen in Westrussland": "Durch
Kreisrabbiner Wetzlar in Gudensberg:
Israelitische Gemeinde Niedenstein: Gumpert 5 Sgr., Frau H. Michaelis
7 1/2 Sgr., J. Michaelis 7 1/2 Sgr., A. Stern 20 Sgr., Frau S. Nagel 1 Thlr.,
J. Rosenstein 2 1/2 Sgr., S. Grünstein 2 1/2 Sgr., S. Mannsbach 2 Sgr., H.
Mannsbach 5 Sgr., Frau Witwe Adler 10 Sgr., J. Nagel 10 Sgr., W. Rosenstein
2 1/2 Sgr., J. Kaiser 5 Sgr., K. Adler 7 1/2 Sgr., Witwe Nagel 5 Sgr., J.
Rosenstein 15 Sgr., K. Stern 15 Sgr., A. Kron 5 Sgr., Oppenheim 10 Sgr.,
Chebra Kadischa 4 Thlr., zusammen 9 Thlr. 17 Sgr." |
| |
Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Februar 1872 - Sammlung "Zur
Linderung der Hungersnot in Persien": "Durch Kreisrabbiner Wetzlar in
Gudensberg: Gemeinde Niedenstein (4. Sendung): Jos. Nagel 1 Thlr., dessen
Ehefrau Riekchen Nagel 7 Sgr. 6 Pf., Callmann Adler 15 Sgr., Moses Adler I.
15 Sgr., Samuel J. Mannsbach 7 Sgr. 6 Pf., A. Kron 7 Sgr. 6 Pf., A. Stern 15
Sgr., G. M. Gumbert 15 Sgr., M. H. Michaelis 10 Sgr., J. Kaiser 10 Sgr.,
Witwe Adler 6 Sgr., Michel Mannsbach 7 Sgr. 6 Pf., Samuel H. Mannsbach 5 Sgr.,
Joseph Rosenstein 15 Sgr., Simon M. Nagel 10 Sgr., Salomon Stern 25 Sgr.,
Itzig Rosenstein 4 Sgr., Witwe S. Rosenstein 7 Sgr, 6 Pf., Sarchen Adler 5
Sgr., Chebra Kadischa 2Thlr., H. Heinemann Flörsheim in Gudensberg 2 Thlr.,
zus. 11 Thlr. 7 Sgr. 6 Pf." |
Zwei jüdische Häuser durch Blitzeinschlag abgebrannt
(1899)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Oktober 1899: "Niedenstein.
Der diesjährige zweite Tag des Neujahrsfestes (= 6. September
1899) wird in unserer aus 24 Familien bestehenden Synagogengemeinde nicht
so leicht vergessen werden. Nach Schluss des Mincha-Gottesdienstes
– 4 Uhr – überzog ein heftiges Gewitter, das gewaltige Regenmassen,
untermischt mit starken Schlossen (= Hagel), mit sich führte, unser Städtchen.
Ein Blitzstrahl fuhr in die Wohn- und Geschäftsräume des Kaufmanns
Moritz Gumperts Witwe und entzündete dasselbe. Das Feuer ergriff auch das
angrenzende Wohnhaus des Schuhwarenhändlers Adolf Wertheim. Beide Häuser,
in denen Gottesfurcht und Wahrhaftigkeit eine Heimstätte hatten,
und in denen man vorzugsweise die Mizwoh (religiöse Weisung) zur
Gastfreundschaft in reichem Maße pflegte, wurden ein Raub der
Flammen. Die durchreisenden armen Glaubensgenossen bedauern lebhaft den
Verlust, der die gastlichen und großherzigen Leute betroffen." |
Eine jüdische Patientin des Landeshospitals Merxhausen wird in Niedenstein beigesetzt (1900)
Anmerkung: es handelt sich um Sara
Löwenstein geb. in Mackenzell am 15.
Dezember 1866, gestorben am 30. September 1898 und begraben in Merxhausen (Bad
Emstal), 1900 umgebettet nach Niedenstein.
Zum Landeshospital Merxhausen siehe
https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Merxhausen
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Februar 1900: "Niedenstein.
Es dürfte die Leser des 'Israelit' interessieren, von einer großen Mizwah (hier: Erfüllung eines göttlichen Gebotes), die ein wahres Gemilus
chesed schel Emet (wahrhafte Wohltätigkeit) genannt zu werden
verdient, zu erfahren. Ende September 1898 starb im Landeshospital
Merxhausen eine Insassin israelitischer Konfession und wurde, da dieselbe
an einer ansteckenden Krankheit gelitten, die den Transport der Leiche aus
sanitären Gründen unmöglich gemacht, auf dem Anstalts-Friedhof
beerdigt. Auf eifriges Betreiben des Provinzial-Rabbinern, Herr Dr. Cahn
– Fulda und des Herrn Lehrer Lorge – Hünfeld
wurde seitens der Hospital-Verwaltung gestattet, dass, nachdem die sanitären
bedenken geschwunden, die Ausgrabung der Toten vorgenommen und deren Überführung
und Beisetzung auf dem hiesigen israelitischen Friedhofe stattfinden könne.
Heute wurde nun die große Mizwah zur Ausführung gebracht, um die sich
noch Herr Gustav Spiegel – Naumburg bezüglich der eigentlichen Arbeiten
sehr verdient gemacht hat. Die entstandenen Kosten hat Herr Dr. Cahn, da
die Unglückliche kein Vermögen hinterlassen, durch milde Gaben
gutherziger Menschen aufgebracht." |
Gründung einer Ortsgruppe des "Central-Vereins
deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" (1922)
Artikel
in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 11. Mai 1922: "Niedenstein
b. Kassel. 19. 9. Kurt Sabatzky - Frankfurt am Main (kommissarischer
Syndikus des Landesverbandes Hessen-Nassau und Hessen): 'Antisemitismus und
Central-Verein.' Gründung einer Ortsgruppe. Vors.: Lehrer Stern,
gleichzeitig Schriftführer und Kassierer." |
Beitrag "Aus Niedensteins Vergangenheit"
(Artikel von 1927)
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und
Waldeck" vom 28. Januar 1927: "Aus Niedenstein Vergangenheit.
(Von einem Niedersteiner.)
Jede Stadt hat ihre Berühmtheiten, Weimar seinen Goethe, Königsberg seinen
Kant, Kassel seinen Spohr und Niedenstein - 'sein Kaiserche'. Dieses kleine
Städtchen - das zweitkleinste in Hessen - liegt in beschaulicher Einsamkeit
weit ab vom Weltverkehr in sagenumworbenen Gegend mit ausgesprochener
Romantik. Nur selten meldet eine Landkarte den Ort seines Seins, ein Glück,
dass es sein 'Kaiserche' hat, das den Namen seines Heimatortes weit in die
Ferne getragen und noch immer trägt. Wenn so ein Niedensteiner Kind draußen
in der Welt, in Hamburg, Frankfurt oder gar in Amerika nach seiner Heimat
gefragt wird, dann ist es keine Seltenheit und Übertreibung, dass ihm
erwidert wird: Niedenstein! Ist das nicht der Ort, wo das 'Kaiserche' wohnt?
Dieser noch lebende Landstraßenveteran ist sozusagen 'in der Wolle gefärbt'.
Ja schon seine Eltern waren richtige Landgänger, die einen großen Bezirk
hatten. Schon gleich nach Pessach begann die Wanderung der Eltern und
Kinder, und gewöhnlich erfolgte erst kurz vor den Selichot-Tagen die
Heimkehr. Ja, sie hatten überall gute Beziehungen und fanden in den
jüdischen Familien freundliche Aufnahme, teilweise sogar auch in
christlichen Häusern bei Bauern Pfarrern und Lehrern. Die Bewirtung war zu
einer gewissen Selbstverständlichkeit geworden. Einmal aber kam 'Kaiserche'
senior zu ungelegener Zeit in ein jüdisches Haus in
Meimbressen. Da entschuldigte sich
die Hausfrau: 'Reb Mauscheh, ich kann euch heut' nicht einladen zum
Mittagessen, Ich hab nix Gescheit's gekocht! |
Aber
schlagfertig half Reb Mauscheh die Frau mit einem Witz über die ihr
peinliche Lage hinweg: steckt 'n Advokat in' Pott, da habt ihr was Gscheit's
drin!'
Das 'Kaiserche' ist wohl ein Typ alter Landstraßenromantik, aber keiner der
alten und neuen Niedenstein Khille (= jüdische Gemeinde). Das
Städtchen ist an sich reich durch seinen wertvollen Wald- und Bodenbesitz,
umso ärmer aber waren noch vor 50 Jahren und früher seine Bewohner, Juden
und Nichtjuden. Sie führten alle mehr oder weniger ein dürftiges Dasein. In
der jüdischen Familie befanden sich nur wenige etwas besser gestellte
Familien, darunter auch ein richtiggehender Drechslermeister und
Färbermeister, die meisten waren kleine Händler und Hausierer, die vielfach
mit dem Lumpensack von Haus zu Haus und Dorf zu Dorf zogen. Da der
Lumpensack allein sie aber nicht ernährte, so betrieb man auch Kälberhandel.
Das Betriebskapital reichte aber nur zum Ankauf von ein bis zwei Kälbern,
und die wurden zu Fuß nach Kassel gebracht. Da sind aber 4-5 Wegstunden.
Gewöhnlich machte man sich schon morgens 2 Uhr auf den Weg, und man war
froh, wenn man um 10 oder 11 Uhr beim letzten 'Heller' angelangt war.
Himmelshohes Jauchzen, wenn ein Taler oder etwas mehr bei dieser Quälerei
herauskam. Ein Mittagessen gönnte man sich nicht. Ein Stück trockenes Brot
wurde aus der Tasche gefuttert, höchstens eine Portion sogenannten Kaffee
für acht Heller. Dann wurden schnell noch beim Kaufmann Motz in der
Wildemannsgasse einige Kurzwaren eingekauft, die man als Eintauschwaren für
den Lumpen und Fellhandel gebrauchte, und dann ging's wieder auf den
mühsamen Heimweg. Im Winter florierte der Gänsehandel. Die koscher
geschlachteten Gänse wurden im Zwergsack nach Kassel getragen; was einer nur
schleppen konnte, 4-6 Stück, wurden auf den Buckel genommen. Jeder hatte
seine Kundschaft in Kassel. Die meisten jüdischen Hausfrauen Kassels hielten
etwas auf Noblesse oblige, gaben den verlangten Preis und obendrein noch
meist einen warmen Imbiss. Die Frau des alten Sanitätsrates Dr. Schilling
und eine Frau Wormser in der Kölnischen Straße entließen keinen Händler
ungelabt oder ungespeist. Dorthin drängten sich auch die Händler, und einer
suchte dem anderen zuvor zu kommen. Dieser Handel hatte sich lange erhalten.
Als aber die Zahl der rituellen Haushaltungen in Kassel nach und nach
abnahm, da hörte der Gänsehandel allmählich auf, und da handelte man mit -
Schweinen! Tableau!
Ach ja, es war ein schwerer Beruf, die Leute ließen sich's bitter sauer
werden und führten zum Teil ein wahrhaftes Hungerleben.
Im Leben der jüdischen Gemeinde spielte die Chevra Kadischa (Beerdigungs-
und Wohltätigkeitsverein) eine große Rolle. Sie war von je die Trägerin
des sozialen Gedankens in der Gemeinde. In Not und Armut, in Tagen der
Krankheit und Trauer spendete sie Hilfe und Trost. Dabei waren den
persönlichen Liebesdiensten große Aufgaben zugewiesen. Bei der Totenwache
gab's einmal eine aufregende Szene. Der alte Färber war gestorben. Zwei
Männer saßen zur Totenwache. Sie hatten beide gleichaltrige Söhne von etwa
14 und 15 Jahren. Von denen ließen sie sich morgens gegen 4 Uhr ablösen, um
noch selber ein paar Stunden zu schlafen. Plötzlich bewegte sich der Tote,
der Oberkörper hob sich und fiel wieder zurück. Von Schrecken und Angst
gejagt, stürzten die jugendlichen Wächter die Haustreppe hinunter mit dem
Schreckensrufe: der Färber ist wieder aufgewacht. Das war so: der Tote hatte
vor seinem Verscheiden viel Medikamente zu sich genommen. Dadurch war im
Magen ein starkes Gären entstanden, und die dabei entwickelten Gase hatten
dann die unheimliche Wirkung. |
Zu
den Höhepunkten des jüdischen Gemeindeleben gehörte die Chewerahsude, die
einmal im Jahr stattfand, gewöhnlich zu Schabbos Chanukka. An dieser
beteiligten sich nur Männer. Eine Sitte hatte sich dabei eingeschlichen,
ohne dass die Beteiligten die Unwürdigkeit derselben begriffen. Wenn die
Stimmung gestiegen war, musste der Lehrer jedem Teilnehmer einen
Mischeberach machen, und jeder bekam eine andere Melodie aus dem Bereiche
der Nigunim, Volkslieder und Gassenhauer. Dann wurde dem Lehrer der Hut oder
die Mütze vom Kopf genommen und herumgereicht, damit jeder seinen Obolus
darin versenke. Das war auch zugleich das Entgelt für die Sabbatvorträge im
Jahre. Ein besserer Brauch schon war es, dass an diesem Abend keine Karten
gespielt werden durften, es ging sogar die Sage, dass in einer früheren Zeit
die Mitglieder der Chevra Kadischa überhaupt nicht Karten spielten oder
spielen durften.
Das Kartenspielen! Das war eine Sache für sich! Die Vielgequälten brauchten
wohl Stunden, in denen es Vergessen gab von den Miseren des Alltags. In den
Wochentagen nahm man sich zum Spielen keine Zeit, aber von 'Hawdoloh
(Ende des Sabbat am Samstagabend) bis Zapfenstreich' am Sonntagabend
ging's leidenschaftlich zu. Dazu eine Episode. Zum Spielen gehörten nicht
nur die Spieler, sondern auch die Kibitze. Ein solcher war auch Rebbe Selik,
ein frommer und würdiger, von der Last der Jahre schon gekrümmter Greis,
seines Zeichens Schauchet (Schächter). Er hatte aber eine Schwäche,
richtiger deren zwei: Er trank gern sein 'Kännchen', manchmal noch eins über
den Durst. Dann redete er in jedes Spiel hinein und wollte alles besser
wissen. Zwischendurch übermannte ihn die Müdigkeit, und er schlief dann sein
Stündchen. Dabei spielte der alte Michel, ein arger Sünder, dem sonst
freundlichen und witzigen Alten einmal einen bösen Streich. Man löschte die
Lichter aus, die Gesellschaft spielte weiter, mischte die Karten, schlug auf
den Tisch, zankte sich, alles so, wie es beim Spiel zu zuzugehen pflegte.
Auf einmal erwachte R. Selik. 'Seid ihr meschugge, dass ihr im Dunkeln
spielt?' Fragt er. Die Spieler aber antworten: 'R. Selik, ihr seid wohl
meschugge, dass ihr so fragt, die Lichter brennen doch!' Da fing der gute
Mann laut zu schreien an: 'Sarle, Sarle, mein armes Weib, dein Selik ist
blind'. Ein lautes Gelächter, und das Licht war wieder angezündet, aber der
gute Rebbe Selik hat nie wieder gekibitzt.
Dass eine jüdische Gemeinde eine Synagoge hat, ist
selbstverständlich, und die in Niedenstein hat sogar ihre besondere
Geschichte, vielleicht ist's auch Sage. Vor mehr als 100 Jahren lebte dort
ein altes jüdisches Ehepaar, das sich gewisser Wohlhabenheit zu erfreuen
schien. Die braven Leute waren aber kinderlos. Da traf sie noch ein anderes
hartes Missgeschick. Der alte Kallme wurde geistesgestört, sein Gedächtnis
war verschwunden. Er kannte keinen mehr, auch nicht mal seine liebe Merle.
Wie das so üblich war früher, wandte man sich an den Baalschem. Die alte
Merle machte sich auch auf den beschwerlichen Weg nach
Michelstadt im Odenwald. Über dieses
Erlebnis erzählte man sich noch lange schauerliche Geschichten in der
Khille (jüdische Gemeinde). Obwohl fremd, unbekannt und unangemeldet
habe der Baalschem sie mit den Worten empfangen: Godelkom Merle! Ich weiß
warum ihr kommt! Bleibt heute Nacht hier, und seid außer Sorge. Wenn ihr
heimkommt, wird euer Kallme wieder gesund sein. Anderen Tages habe sich dann
die alte Frau wieder auf den Heimweg begeben. Nach mehrtägiger Wanderung
traf sie in mitternächtlicher Stunde wieder in Niedenstein ein. Die Haustür
war geschlossen. Sie klopfte! Da öffnete sich ein Fenster, und Kallme rief
ihr zu: 'Merle bist du's?' Von Stund sei er wieder gesund gewesen. Aus
Dankbarkeit hätten dann die glücklichen Leute neben ihrem Hause die Synagoge
gebaut, die heute noch steht". |
Kritischer Leserbrief zum
obigen Beitrag "Aus Niedensteins
Vergangenheit" (1927)
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und
Waldeck" vom 4. Februar 1927: "Eingesandt. Aus
Niedenstein Vergangenheit.
Zu dem Artikel mit obigem Titel in Nr. 4 dieser Zeitung nehme ich
Veranlassung, mit Nachstehendem Stellung zu nehmen. Da ich auch ein
Niedensteiner bin, kann man mir das Recht hierzu nicht gut absprechen. Ich
stehe auf dem Standpunkt, dass der gewissenhafte Chronist, wenn er von der
Vergangenheit irgendeines Ortes berichtet, seinen Lesern keine 'Moschelchen'
auftischen soll. Der nicht Eingeweihte erhält hierdurch leicht ein falsches
Bild. Wie nahe liegt in diesem Falle die Annahme, es hätten früher in
Niedenstein nur Schnorrer, Lumpensammler, Gänsehändler beziehungsweise
Kälberhändler und solche Leute gewohnt, die gerne ein Kännchen über den
Durst tranken.
Warum berichtet der Artikelschreiber nicht auch von Familien, wie zum
Beispiel Nagel, die großen Grundbesitz hatte; Adler, wovon ein
Familienoberhaupt einen hohen jüdischen Chower-(Ehrenrabbiner-)Titel
besaß; Gumpert, der in dem Revolutions- und Hungerjahre 1848 unter den
schwierigsten Verkehrsverhältnissen und trotz der unsicheren Landstraßen
ganze Wagenzüge mit Lebensmitteln von Frankfurt her beförderte, und manchen
anderen. Der alte Michel (mit seinem wahren Namen Michaelis) entstammt einer
Familie, die bedeutende Männer hervorgebracht hat, Maler, Professor und so
weiter. Die Stadt Bleicherode
verdankt den Aufschwung ihres Leinenhandels und der Wäschefabrikation nicht
zuletzt den Gliedern dieser Familie. Ein Vorfahre war hessischer Schutzjude.
Die Sage von der Familie der Merle und des Kalme ist recht schön. Ob die
Niedensteiner Synagoge tatsächlich von diesen Leuten und aufgrund der
berichteten Veranlassung erbaut worden ist, wäre interessant zu erfahren.
Vielleicht kann uns die Niedensteiner Chronik darüber Aufschluss geben.
Nachkommen eines Zweiges der angeblichen Erbauerfamilie leben heute noch in
Niedenstein und wohnen auch noch in dem selben Haus neben der Synagoge. Hier
kann man auch davon sprechen, dass eben diese Synagoge einstmals kaum
genügend Platz bot, trotz ihrer verhältnismäßigen Geräumigkeit, alle
Gemeindemitglieder aufzunehmen, Und dass dieser Umstand an hohen Feiertagen,
zu denen die in der Fremde weilende jüngere Generation ihre Eltern besuchte,
sich besonders bemerkbar machte.
Der Artikel Schreiber berichtet von der Chewra Kadischa und von der
Zeit vor 50 Jahren. Zu dieser Zeit wurde auch die Chewra Bachurim
gegründet, die in diesen Tagen ihr 50-jähriges Jubiläum begeht. Vielleicht
bringt uns der Artikelschreiber, der, nach seinen Erzählungen zu urteilen,
älter ist als ich und infolgedessen mehr aus der alten Zeit weiß,
gelegentlich noch einige Tatsachen, die folgerichtig aufgebaut dem
Nichteingeweihten eine andere Vorstellung von Niedenstein Vergangenheit
geben. Max Wertheim, Kassel." |
50-jähriges Bestehen der Chewras-Bachurim (1927)
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und
Waldeck" vom 4. Februar 1927: "Niedenstein. Am 13.
Februar begeht die Chewras-Bachurim anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens
eine Feier, verbunden mit Festessen und theatralische Veranstaltungen." |
| |
Artikel
im "Israelitischen Familienblatt" vom 3. Februar 1927: "Niedenstein
(Bezirk Kassel.) (Jubiläum der Chewras Bachurim.). Am 13. Februar
begeht die hiesige Chewras Bachurim die Feier ihres 50jährigen Bestehens,
die im Rahmen einer größeren Festlichkeit würdig begangen werden soll. Auch
ehemalige Niedensteiner, besonders die zu den Gründern des Vereins zählenden
früheren Mitglieder der Gemeinde, denen die Ehrenmitgliedschaft des Vereins
zugedacht ist, werden zu der Feier erwartet." |
50-jähriges Bestehens des Israelitischen Frauenvereins
(1928)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. März 1928: "Niedenstein, 4.
März (1928). Der israelitische Frauenverein beging die Feier seines 50-jährigen
Bestehens und gleichzeitig beging die Vorsitzende, Frau Nagel, ihr 25-jähriges
Dienstjubiläum. Vom Vorstand wurde ihr eine kunstvolle Adresse überreicht.
Die Feier wurde durch Theateraufführungen und Gesang verschönt."
|
|
|
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und
Waldeck" vom 3. Februar 1928: " Niedenstein. Am 5. Adar
beging der hiesige israelitische Frauenverein die Feier seines 50-jährigen
Bestehen. Nach vorangegangenem Festessen begann der offizielle Teil der
Feier, der durch den Prolog eines Schulkindes eröffnet wurde. Danach hielt
Lehrer Stern eine Ansprache, in welcher die Entwicklung des Frauenvereins
geschildert und gezeigt wurde, wie der Verein stets seine Aufgaben -
Unterstützung Bedürftiger durch Geld oder Naturalien, Verpflegung der
Kranken und Wachen bei denselben, Beschaffung von Sterbekleidern und
sonstige Betätigung bei Sterbefällen - getreulich erfüllt hat. Zu einem
besonderen Ereignis gestaltete sich die Feier dadurch, dass die derzeitige
Vorsitzende, Frau Nagel, die Feier ihres 25-jährigen Dienstjubiläums
beging. Aus diesem Anlass ließ ihr der Verein durch Lehrer Stern eine
kunstvolle Adresse überreichen. Es wurden sodann einige Theaterstücke zum
Vortrag gebracht, die allgemeinen Beifall fanden. Tanz und Gesang bildeten
den Abschluss dieser so schönen Feier, die allen Beteiligten noch lange in
Erinnerung bleiben wird. Möge der Verein auch weiterhin blühen und gedeihen
und noch recht vielen Segen entfalten. St." |
Berichte zu
einzelnen Personen aus der Gemeinde
Zum Tod von Moritz Adler II (1896)
Anmerkung: Moritz Adler ist am 31. Januar 1842 geboren. Er starb am 8.
Dezember 1895 und wurde im jüdischen Friedhof Niedenstein beigesetzt.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Januar 1896: "Niedenstein.
(Wegen Raummangel verspätet.) Von einem herben Missgeschick ist eine der
hervorragendsten Familien unserer Stadt betroffen worden. Unser erster
Vorstand — ein im edelsten Sinne des Wortes geradsinniger und reiner Mann
— der im 54. Lebensjahre stehende Gastwirt M. Adler II. ist plötzlich und
unerwartet an einem Lungenschlage am 8. vorigen Monats in der Klinik zu
Marburg a. d. Lahn verschieden. Seine Beisetzung, die sich zu einem
wahren Kiddusch haSchem gestaltete, legte Zeugnis von seiner großen
Beliebtheit ab. Der Verstorbene machte die Feldzüge von 1866 und 1870 mit
und war ein eifriges Mitglied des hiesigen Kriegervereins, in dessen
Vorstand er lange Jahre mit regem Eifer tätig war. Der hiesige
'Kriegerverein' und der von Wichdorf (woselbst gar keine Juden
wohnen) waren zur Leichenparade ihres Kameraden vollzählig und mit
florverhüllten Fahnen erschienen. Ihnen schlossen sich viele Kameraden aus
den Nachbarorten mit Orden und Ehrenzeichen geschmückt an, sowie fast alle
Bürger der Stadt ohne Unterschied der Konfession, des Ranges und Standes.
Unzählige Freunde des Verblichenen — oft aus weiter Ferne — sah man in dem
imposanten Leichenzuge. Auf dem Friedhofe hielt Herr Lehrer Heiser
hier — selbst ein Kriegsteilnehmer des Feldzuges 1870/71 — eine ergreifende
Ansprache an die Trauerversammlung über Psalm 68,6, in welcher er die
vielen Vorzüge des Verklärten rühmend hervorhob und der trauernden Familie
den Trost der Religion spendete. Hierauf sandten die ehemaligen Krieger
ihrem verklärten Kameraden durch die üblichen 3 Ehrensalven den
Abschiedsgruß nach. Das offene ehrliche Wesen des Verstorbenen, sein
tadelloser Ruf und guter Name erwarben ihm großes Zutrauen und viele
Ehrenämter waren seiner kundigen Hand anvertraut. So hat er — wie bereits
Eingangs erwähnt — 13 Jahre hindurch mit der größten Gewissenhaftigkeit das
Amt eines ersten Vorstehers der Gemeinde zur Ehre Gottes geführt und
20 Jahre lang war er erster Präses der Chewrat Bachurim. Bei keiner
öffentlichen und geheimen Sammlung, die der Wohltätigkeit galt, fehlte sein
Name und viele solcher Sammlungen hat er aus eigenem Antrieb angeregt und
ging selbst von Tür zu Tür um Gaben für edle Zwecke zu fordern. Besondere
Fürsorge wandte er dem 'Reichswaisenhause' und dem 'Kinderheim' zu
Diez und
Limburg a. d. Lahn zu.
Adler ist unter den hiesigen 5 jüdischen Kriegsteilnehmern der erste, der ins
Grab sinkt. Seine Seele sei eingebunden in den Bundes des Lebens.
—r." |
Zum Tod von Julius Adler, einige Jahre
Vorsteher der israelitischen Gemeinde (1919)
Artikel
im "Israelitischen Familienblatt" vom 18. Dezember 1919: "Niedenstein
(Bez. Kassel). Am 5. Kislew (= 28. November 1919) starb hier Herr
Julius Adler im Alter von 39 Jahren. Einige Jahre hat er als Vorsteher
in unserer Synagogengemeinde gewirkt und sich auch die Achtung und das
Vertrauen der Gemeinde in seiner Eigenschaft als Gemeindeältester erworben.
" |
Samuel Mansbach wird Ehrenmitglied des Reichsbundes
Jüdischer Frontsoldaten (1925)
Anmerkung: Samuel Mansbach (Schuhmacher), der Veteran des Krieges 1870-71,
ist am 14. November 1840 geboren. Er starb am 8. Oktober 1926 im Alter von 86 Jahren; zuletzt war er Senior der jüdischen
Gemeinde.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Juni 1925:
"Kassel, 14. Juni (1925). Die Veteranen aus früheren Feldzügen:
Hermann Engelbert, Heinrich Bodenheimer, Tobias Häusser, sämtlich aus
Kassel, und Samuel Mansbach aus Niedenstein Kreis Fritzlar, wurden
zu Ehrenmitgliedern der Ortsgruppe Kassel des Reichsbundes Jüdischer
Frontsoldaten ernannt." |
Zum Tod von Samuel Mansbach (1926)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Oktober 1926: "Niedenstein.
11. Okt. Kurz vor Vollendung seines 86. Lebensjahres verschied hier das
älteste Mitglied unserer Gemeinde, der Veteran von 1870/71, Samuel
Mansbach. Ein großes Leichengefolge aus allen Kreisen der Bevölkerung
geleitete den Verstorbenen zur letzten Ruhe." |
87. Geburtstag von Fanny Rosenstein (1927)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Juli 1927: "Niedenstein, 7. Juli
(1927). Ihren 87. Geburtstag begeht heute Frau Fanny Rosenstein in größter
Frische, die älteste Einwohnerin der jüdischen Gemeinde und der ganzen
Stadt." |
|
|
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und
Waldeck" vom 1. Juli 1927: "Niedenstein. Am 7. Juli
begeht die älteste Einwohnerin der jüdischen Gemeinde und zugleich des
ganzen Ortes, Frau Fanny Rosenstein, in seltener körperlicher und geistiger
Frische die Feier ihre 87. Geburtstages. Wer jemals schon Gelegenheit hatte,
die alte Dame bei ihren bei ihrer täglichen Beschäftigung zu sehen,
der staunt über ihren Arbeitsgeist. Wir wünschen ihr auch weiterhin einen
recht heiteren Lebensabend." |
78. Geburtstag von Berta Nagel (1927)
Anmerkung: Berta Nagel geb. Plaut aus
Obervorschütz ist am 24. August 1849 geboren. Sie starb am 2. Januar 1938 und
wurde im jüdischen Friedhof Niedenstein beigesetzt.
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. September 1927: "Niedenstein bei
Fritzlar, 22. August (1927). Ihren 78. Geburtstag beging in größter Rüstigkeit
Frau Berta Nagel dahier." |
Verlobungsanzeige von Kläre Nußbaum und Kallmann
Müller (1928)
Anmerkung: Kallmann Müller und Kläre geb. Nußbaum sind nach der
Deportation in der NS-Zeit umgekommen. Wieso in der Anzeige als Familienname
"Miller" steht, ist nicht bekannt.
Anzeige in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und
Waldeck"
vom 27. Januar 1928:
"Kläre Nußbaum - Kallmann Miller
Verlobte
Burghaun Kreis Hünfeld (zur Zeit Kassel, Mombachstr. 17) -
Niedenstein" |
Zum Tod von Isaak Mansbach (1928)
Anmerkung: Isaak Mansbach ist 1850 geboren. Er
starb am 13. April 1928 und wurde im jüdischen Friedhof Niedenstein beigesetzt.
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. April 1928: "Niedenstein, 22. April
(1928). Im 79. Lebensjahr verschied hier Isaak Mansbach. Er war Mitbegründer
des hiesigen Kriegervereins, der ihm auch vollzählig das Geleit gab und
über das Grab den Ehrensalut abfeuerte." |
|
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Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und
Waldeck" vom 20. April 1928: "Niedenstein. Im vollendeten
78. Lebensjahr starb hier der Handelsmann J. Mansbach. Mansbach war
mit Begründer des hiesigen Kriegervereins, der ihm auch das Geleit gab." |
88. Geburtstag von Fanny Rosenstein geb. Stein (1928)
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und
Waldeck" vom 6. Juli 1928: " Niedenstein. Am 7. Juli
begeht die älteste Einwohnerin der jüdischen Gemeinde Frau Fanny Rosenstein
in seltener körperlicher und geistiger Frische die Feier ihres 88.
Geburtstages. Frau Rosenstein nimmt an allen Vorgängen des Lebens noch
Resten Anteil. Im Haushalt sowohl als auch in sonstiger Weise ist sie noch
sehr arbeitsam." |
Silberne Hochzeit von Josef Rosenstein und Frau (1928)
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und
Waldeck" vom 14. September 1928: "Niedenstein. Am 5.
September feierten Herr Josef Rosenstein und Frau ihre silberne Hochzeit.
Herr Rosenstein, der seit einigen Jahren Gemeindeältester ist, erfreut sich
mit seiner Gattin in allen Kreisen großer Beliebtheit." |
77. Geburtstag von Rickchen Lippmann-Kaiser (1928)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. November 1928:
"Niedenstein, 4. November (1928). Ihren 77. Geburtstag beging am 1.
November Frau Witwe Rickchen Lippmann-Kaiser in größter
Rüstigkeit und geistiger Frische." |
Über das "Kaiserche von Niedenstein" (1860 -
1929)
Arnsberg s. Lit. S. 130-131 berichtet:
"Die Lokalberühmtheit des Ortes aber war das 'Kaiserche von
Niedenstein': Er hieß Nathan Keiser, war 1847 im Sauerland (sc. Essentho) geboren und
lebte seit seinem 13. Lebensjahre in Niedenstein. Man nannte ihn auch 'Reb
Mausche'. Er war ein kleiner armer Jude und zog in einem schäbigen
glänzenden Gehrock und einem großen schwarzen Hut durch die Lande und -
bettelte. Er ließ sich aber nichts schenken, sondern hatte immer eine
kleine Gegengabe bereit, wenn es auch nur ein kleiner Kalender oder ein Stückchen
Seife war. Überall war er bekannt, und er galt als Respekts- und vor
allem aus Auskunftsperson. Wenn jemand seine Tochter in die Fremde
verheiraten wollte, wandte er sich an das 'Kaiserche', der entweder den
Freier kannte oder aber sehr bald Auskünfte über ihn beschaffen konnte,
da er auf seinen Touren bis nach Bremen hinauf und nach Stuttgart hinunter
kam. Er gab jedoch niemals eine schlechte Auskunft, in einem solchen Falle
sagte er höchstens: 'Ich kenn de Leut net!' - Man wusste dann Bescheid,
und aus der Hochzeit wurde nichts.
Nachdem das 'Kaiserche von Niedenstein' seine eigene Tochter verheiratet
hatte, sagte es: 'Ich habe mei'm Schwiegersohn Rheinland-Westfalen
übergebe!' - Das bedeutete, dass er ihm seinen besten Bettel- und
Auskunfteibezirk als Mitgift abgetreten hatte. Nach seinem Tode kam die
Nachricht darüber sogar in die Zeitung (um 1930?); zu seinem 80.
Geburtstag war er schon in der Jüdischen Wochenzeitung Kassel erwähnt
(1927)."
Nathan (oder Jakob?) Keiser starb am 22. Februar 1929 und wurde im
jüdischen Friedhof Niedenstein
beigesetzt. |
| |
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und
Waldeck" vom 7. Januar 1927: "Das Kaiserchen von Niedenstein.
Unsere Zeiten sind der Romantik abholt. Verschwunden ist der einst auch in
Hessen so gern gesehene Typ des Dorfgängers. Ein einzelner der alten
Fahrenden der hessischen Judenheit lebt noch: das Kaiserchen von
Niedenstein. Niemals lästig, immer freundlich zog er von Gemeinde zu
Gemeinde, das wandelnde jüdische Adressbuch. Alle Juden Deutschlands und der
angrenzenden westlichen Länder seit Generationen sind ihm bekannt: traf er
eine jungverheiratete Frau oder einen Lehrling, die in einen fremden Ort
verpflanzt waren, oder einen Geschäftsreisenden fern von der Heimat, so gab
er ihm ein Stückchen Heimat, indem er sie mit dem Namen ihrer Eltern und
Großeltern begrüßt und ihr Heimathaus beschrieb. Immer bescheiden, nie
verlangend, nie über jemand etwas Böses redend, gern Auskunft erteilend, sei
es für geschäftliche Zwecke, sei es zur Anbahnung von Eheschließungen. Schon
seine Eltern waren Fahrende. Seine Mutter brachte ihn auf einer
Geschäftsreise in Essentho im südlichen Sauerland zur Welt, wo er bis zum
13. Lebensjahr erzogen wurde und dann seinen Eltern auf die Wanderungen
folgte, zu deren Mittelpunkt er den Wohnsitz seiner Väter, Niedenstein,
erkor. Weit über 80 Jahre ist er nun alt - er weiß es selbst nicht genau -
und zeigt sich immer noch auch ein Stück hessisch jüdische Geschichte, von
Zeit zur Zeit in den Gemeinden, still und freundlich die Gabe heischend, die
in den Gebern Jugend Erinnerungen, Heimatfreude und die Wahrheit des Gebens
geweckt." |
Zum Tod des "Kaiserchen von
Niedenstein" (1929)
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und
Waldeck" vom 1. März 1929: "Der Tod des Kaiserchen von
Niedenstein.
Der Todesengel und der Engel der Mildtätigkeit fuhren unmutig bei 25 Grad
Kälte nach Niedenstein. Denn bei 25 Grad müsst ihr wissen, ist es
ungemütlich, selbst wenn man sich die großen Engelsflügel über die Nasen
schlägt. Zudem war der Kühler schon einmal heute eingefroren, und der
glattgefrorene Berg von Niedenstein - die Herren kamen von
Gudensberg her -
na, da musste der vierte Gang eingeschaltet werden.
Der Engel der Mildtätigkeit unterbrach das Schweigen. Eigentlich brauchen
Sie in dieser Gegend keine Engel, sieh mal Małach hammowes (Todesengel),
wie viel Seele hier in der Niersteiner Winterlandschaft liegt, deutsche
Seele, jüdische Seele! Aber da müssen die Menschen nach St. Moritz, wo ich
in die Gesellschaft absolut kein Empfinden hineinbringen kann.
Der Todesengel brummte. Es ist Zeit, es ist Zeit, es ist Zeit! Er muss
abgelöst werden, seufzte der Engel der Milztätigkeit. Du hast recht, es ist
eine andere Zeit.
Und sie gingen in das kleine Häuschen des Kaiserchen von Niedenstein und
nahmen von dem alten Mann die Seele, die weißer war, wie die Niedensteiner
Winterlandschaft und noch weißer wie das Gefieder der Gänse, die die
Niedensteiner in den kalten Winter hinaustreiben, damit sie tüchtig werden
zur Aufzucht des Rauschhoschonoh-Bratens (Braten zum Neujahrsfest)
für das kommende Jahr.
Und als die Engel die Seele mit sich nahmen, da wurde es so warm im Wagen,
dass sie die Flügel zurück klappten, solche Wärme strahlte von dieser Seele
aus. Und der Engel der Mildtätigkeit sprach: lass uns lauschen, was die
Leute sagen. Im Städtchen aber standen die still, sagten nur, dass
Kaiserchen ist tot und ihre Blicke sagten: 'ein Gerechter ist von uns
genommen'.
Mallachhamowes (Todesengel) kurbelte an (= startete den Motor), und
mit 120 Dingern darauf ging es in die Metropole des Landes (= Kassel),
in die Stadt der fünf Ströme, Fulda, Ahna (= Ahne), Losse, Drusel, und
Mombach, seit Jahrhunderten eine deutsche und eine jüdische Stadt.
Aber der Fernsprecher war noch schneller als die Engel und die Leute saßen
zusammen im Hotel Meier beim Skat und sprachen: 'Das Kaiserchen ist tot'.
Sensation und doch ein undefinierbares Gefühl, dass das Kaiserchen ihnen
doch allen irgendetwas gewesen, lag auf ihren Augen und huschte um ihren
Mund. Der Kaufmann Balbatterich*, fest fundiert und Kredit bis zu 200.000 DM
regte sich auf; ein Schnurrer ist gestorben, ein Faulenzer, dem wir grundlos
freiwillig Steuern zahlten, obwohl wir und er es nicht nötig hatten.
Die Engel hatten ihre Cuts übergezogen und sich unter die Skatspieler
gemischt. Mallachhamowes krächzte sarkastisch dazwischen: ein
Schnorrer? Gut! Ich fürchte mich nicht vor Worten. Kann hinter einem
Schnorrer nicht ein Mensch, eine Seele stecken?
Der Engel der Mildtätigkeit aber sprach: ich will euch sagen, was euch das
Kaiserchen war. Es war die Seele eurer Wohltätigkeit und darum ein Stück von
Euch, ein Band um Eure Gemeinschaft. Ihr redet immer von der Flucht aus der
Banalität, vom épater le bourgois (= um das Bürgertum zu beeindrucken).
Ihr spielt hier Skat, auch eine Beschäftigung, die den Verstand beschäftigt,
und eine gewisse Gemeinschaft herbeiführt. Aber führt sie Euch aus der
Banalität heraus? Führt sie Euch aus dem Bewusstsein heraus, dass man immer
nur nehmen, und wieder nehmen, ausbeuten und schinden muss, wenn auch auf
die reellste Weise Herr Balbatterich*, um als Mensch leben zu können?
Und da lebte unter euch ein Mann, der ein so schönes und reines Leben
führte, wie es nur Bettler führen können. Der als Bettler und Sohn von
Bettler geboren und als Bettler gestorben ist! Ein Mann, der wenn er nahm,
immer zweifach gab, indem er den Gebern die Glorie des Wohltäters ums Haupt
wand. Ein Mann, der nie mit Worten, sondern nur mit Augen, die von einer
anderen Welt waren, fragte: Willst du dich nicht erheben, aus der krassen,
banalen Welt des Egoismus, in das Wunderland Zedokia (Wohltätigkeit).
Ein Mann, der niemals eine schlechte Tat getan, ja niemals über einen
anderen ein schlechtes Wort gesprochen und nach bösen Leuten gefragt,
höchstens sagte: ich kenne sie nicht! Von seinen Kleidern wehte der Duft des
großen Vaterlandes, dass er durch wanderte, Und von seinem Mund kam der
Gruß, der Brüder und Vettern, der Schwestern und Basen in den Gemeinden nah
und fern, die durchwanderte, und die ihm gereicht Gabeverband die Fern
voneinander weil den Kinder und Eltern.
Er war der letzte aus der Zeit, da das Bettlerleben so viel Seele hatte,
dass er andere mit Seele fühlen konnte über alles Maß und jeden herausheben
konnte aus der Banalität des Tages.
Aber Dampf, acht Zylinder 100 PS, Telefon und Organisation töteten auch die
Seele des Bettlerlebens. Chuzpe, Schwindel und Raffgier, die
Schmarotzerpflanzen am Wege der fahrenden Leute, Namen überhand. Und ihr
seht euch zuletzt gegenüber einer organisierten Phalanx frecher
betrügerischer Berufsschnorrer.
Der letzte der alten, die euch hinausführten von Nehmen zum Geben ist dahin,
er ist abgelöst.
Die Engel hatten mit der Seele des Kaiserchen das Auto verlassen, hatten
links und rechts die Flügel. Darauf saß das Kaiserchen in seiner bekannten
Stellung, in der Rechten den Urväterschirm, die Linke auf den Schoß gelegt.
So fuhren die drei gegen den Himmel. Das Kaiserchen aber betrachtete alles
aus der Vogelperspektive und sagte ein über das andere Mal: hessische Juden,
gute Leit, westfälische Juden, gute Leit, rheinische Juden, gute Leit,
schwäbisch-bayerische-badische mit samt ihrer Bohnensuppe und gefüllter
Milz! Wird es im Himmel auch so schön sein, wie bei denen?
Der Mallachhammowes neckte, du hast unten nichts getan, du
kriegst jetzt schwere Arbeit, du musst donnern.
Der Engel der Mildtätigkeit aber streichelte begütigend den Erschreckten,
der seinen Schirm hinab zur Erde fallen ließ: du wirst Portier bei der
Maaserverteilungsstelle*. So fuhren die drei in das Ewig Unsichtbare…"
Dahlberg."
* Balbatterich, abzuleiten von Baal HaBait = Hausmann,
Familienvorsteher, gemeint irgendein Mann; der Balbatterich steht allgemein
für alle möglichen Männer.
** Maaser = hebräisch "der Zehnte" vor allem der Ma'aser Ani: Der Zehnt für
die Armen, der alle drei Jahre fällig wurde, um Waisen, Witwen und Fremde zu
unterstützen. |
85. Geburtstag von M. Mansbach geb. Holstein
(1929)
Aus den "Familiennachrichten"
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. September 1929: "Ihren 85.
Geburtstag feiert in körperlicher und geistiger Frische am 8. Oktober
1929 Frau M. Mansbach geb. Holstein, Niedenstein, Bezirk Kassel."
|
Siegmund Kaiser ist Nachfolger von Josef Rosenstein im
Amt des Gemeindeältesten (1930)
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und
Waldeck" vom 28. März 1930: "An Stelle des zurückgetretenen
Herrn Josef Rosenstein wurde Herr Siegmund Kaiser zum Gemeindeältesten
ernannt." |
90. Geburtstag von Fanni Rosenstein geb. Stein
(1930)
Anmerkung: Fanny Rosenstein geb. Stern ist am 7. Juni 1840 geboren. Sie starb
am 14. März 1931 und wurde im jüdischen
Friedhof Niedenstein beigesetzt.
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und
Waldeck" vom 4. Juli 1930: "Niedenstein. Am 7. Juli vollendet
Frau Fanni Rosenstein geb. Stern, als älteste Einwohnerin unseres
Städtchens ihr neunzigstens Lebensjahr. Trotz ihres hohen Alters ist Frau
Rosenstein körperlich sehr rüstig und geistig frisch." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige von Metzgermeister Julius Adler - Suche
nach einem Lehrling (1906)
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 1. März 1906: "Metzger-Lehrling
gesucht.
Ein Sohn achtbarer Eltern kann bei mir per sofort oder Ostern dieses Jahres
unter günstigen Bedingungen als Lehrling eintreten. Schabbos u. Jomtof
streng geschlossen.
Julius Adler, Niedenstein, Bezirk Kassel." |
Anzeige von Jakob Kaiser III - Stellensuche (1906)
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 19. April 1906: "Junger Mann, 23 Jahre
alt, militärfrei,
sucht Stellung
bei einem Viehhändler, der etwas Metzgerei betreibt, bei mäßigen Ansprüchen,
Jakob Kaiser III,
Niedenstein bei Kassel." |
Anzeige von Abraham Kaiser - Stellensuche (1906)
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 18. Oktober 1906: "Tüchtiger
Schneidergeselle
sucht Stelle, wo Schabbos und Jontoff (Feiertag) geschlossen.
Abraham Kaiser, Niedenstein. Bezirk Kassel." |
Anzeige des Manufaktur- und
gemischten Warengeschäftes Gumpert (1907)
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 14. Februar 1907:
"Für mein Samstags und Feiertage geschlossenes Manufaktur- und gemischtes
Warengeschäft suche zu Ostern einen
Lehrling.
Kost und Logis im Hause.
M. Gumpert's Ww., Inhaber: Adolf Gumpert, Niedenstein, Bez.
Kassel." |
Die Frau von Adolf Gumpert sucht ein Mädchen für den Haushalt (1907)
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 26. September 1907: "Suche per 1. Oktober ein
junges Mädchen
ohne gegenseitige Vergütung, zur gründlichen Erlernung des Haushaltes.
Familienanschluss zugesichert.
Dienstmädchen vorhanden
Frau Adolf Gumpert, Niedenstein (Bez. Kassel)." |
Anzeige der Metzgerei Moses Nagel
(1909)
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 30. September 1909:
"Suche zum 15.
Oktober für meine am Samstag und Feiertage streng geschlossene Metzgerei
einen
jüngeren Gesellen,
der im Schlachten und besonders im Wurstmachen gut bewandert ist.
Moses Nagel, Niedenstein, Bez. Kassel." |
Anzeige von J. Kaiser -
Stellensuche für Nichte (1916)
Anmerkung: die Anzeige dürfte von Jakob Kaiser sein, vgl. Anzeige oben von 1906.
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 6. April 1916: "Für meine Nichte, 23
Jahre alt, äußerst tüchtig, suche eine
Stelle
in einem rituellen Haushalt, selbige war 6 Jahre in meinem Hause,
sowie Geschäft tätig. Familienanschluss erwünscht.
Offerten an J. Kaiser, Niedenstein, Bez. Kassel." |
Gesellensuche der Metzgerei Moses
Nagel (1922)
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 20. März 1924: "Suche zum 15. Oktober
für meine am Samstag und Feiertage streng geschlossene Metzgerei einen
jüngeren Gesellen,
der im Schlachten und besonders im Wurstmachen gut bewandert ist.
Moses Nagel,
Niedenstein, Bezirk Kassel." |
Anzeige von J. Rapp (1924)
Anmerkung: es handelt sich um Josef Rapp (1875-1947 USA) aus
Eiterfeld, der 1901 in Niedenstein Minna
Mansbach-Zinn (1880-1973 USA) heiratete und in Niedenstein in der
Mittelgasse 59, im Haus neben dem Ratskaller, einen Gemischtwarenhandel
einrichtete und als Hausierer mit seinem Warenbündel die umliegenden Dörfer
besuchte. Das Ehepaar hatte drei Kinder: Herta (1903-1987 USA), die 1930
den Fotografen Paul Berghausen (1902-1997 USA) aus Hamm heiratete; Rosa
(Rose; 1907-1984 USA), die 1932 den Bankbeamten Fritz Häusler (Fred Hausler,
1906-1989 USA) aus Themar heiratete; und
Karin (Carry, 1910-1999 USA), die 1936 in Tel Aviv war, ab 1945 in New York,
wo sie 1946 Alfred Bareinscheck (Barancik, 1904-1976 USA) aus Berlin heiratete.
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 29. Mai 1924: "Suche für meine
17-jährige Tochter, im Haushalt und Nähen schon etwas erfahren, Stelle in
besserem rituellem Haushalt, wo dieselbe sich gesellschaftlich sowie
häuslich ausbilden kann, ohne gegenseitige Vergütung. Familien-Anschluss,
Bedienung, Dienstmädchen muss vorhanden sein. J. Rapp,
Niedenstein, Bezirk Kasse!. |
Anzeige von Is. Mansbach -
Stellensuche für seine Tochter (1925)
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 27. August 1925: "Suche für
meine 18-jährige Tochter, weibliche Handelsschule besucht hat,
Stelle
im Haushalt, woselbst sie sich im häuslichen ausbilden, eventuell auch im
Geschäft betätigt. Kein Familienanschluss erwünscht. Dienstmädchen muss
vorhanden sein.
Is. Mansbach, Viehhandlung, Niedenstein, Kreis Fritzlar." |
Anzeige von Josef Rosenstein - Stellensuche für seine Tochter (1926)
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 1. Juli 1926: "Suche für meine
17jährige Tochter, welche die Handelsschule besucht hat.
Stellung,
wo sie den Haushalt gründlich erlernen kann, am liebsten Haushalt mit
Geschäft. Familienanschluss erwünscht. Offerten an
Josef Rosenstein, Niedenstein, Kreis Fritzlar." |
Verlobungsanzeige von Herta Rapp und Berthold
Rothschild (1928)
Anmerkung: Herta Rapp (1903-1987 USA),
heiratete 1930 den Fotografen Paul Berghausen (1902-1997 USA) aus Hamm (nach
"Israelitischem Familienblatt" vom 4.9.1930 am 9.9.1930 in Hamm in Westfalen im
Hotel Meyer;
vermutlich hat sie sich nach der Verlobung mit Berthold Rothschild wieder von
diesem getrennt.
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und
Waldeck" vom 24. August 1928: "Statt Karten
Herta Rapp - Berthold Rothschild
Verlobte
Niedenstein (Bezirk Kassel) Kassel
(Friedrichstraße 14).
August 1928." |
Todesanzeige für Dina Meyer geb. Holstein (1930)
Anzeige in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und
Waldeck" vom 4. Juli 1930:
"Heute früh verschied nach schwerer Krankheit unsere liebe, gute Mutter,
Schwester, Schwiegermutter, Großmutter und Tante
Frau Dina Meyer geb. Holstein
Julius Meyer
Leo Meyer
Helene Samuelsohn, geb. Meyer
Friedel Meyer, geb. Eisenmann
Sophie Meyer geb. Stern
und sechs Enkelkinder
Kassel, Niedenstein, Elberfeld, Barmen, Köln und Sterkrade
(Rheinland), den 1. Juli 1930." |
Verlobungsanzeige von Paula
Rosenstein und Sally Gunsenhäuser (1936)
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 25. Juni 1936:
"Paula Rosenstein - Sally Gunsenhäuser
Verlobte
Niedenstein Kreis Fritzlar - Laasphe, Westfalen
Juni 1936" |
Verlobungsanzeige von Ruth Adler und Max Gumpert (1938)
Anmerkung: Max Gumpert ist am 30. Dezember 1901 in Niedenstein geboren. Er war
seit dem 24. März 1939 verheiratet mit Ruth geb. Adler. Er emigrierte nach dem
Novemberpogrom 1938 in die Niederlande. Er wurde 1942 ab Westerbork in das KZ
Auschwitz deportiert und am 15. September 1942 ermordet (f.t.e.).
https://www.joodsmonument.nl/en/page/648517/max-gumpert Ruth
Gumpert geb. Adler konnte in die USA emigrieren.
Anzeige
in "Der Israelit" vom 28. April 1938: "Gepriesen sei Gott
Ruth Adler - Max Gumpert
Verlobte
Niedenstein bei Kassel im Nissan 5698." |
Zur Geschichte der Synagoge
Zunächst
war ein Betsaal oder
eine erste Synagoge eingerichtet. Für 1807 lässt sich eine
Privatsynagoge in Niedenstein nachweisen.
1816 wurde durch Calmann Heinemann Michaels eine neue Synagoge erbaut.
Sie soll aus Dankbarkeit für die Heilung von einer Krankheit durch den "Baalschem
von Michelstadt" erbaut worden sein. Der Erbauer schenkte die Synagoge der
jüdischen Gemeinde als fromme Stiftung. Für die Innenausstattung (im Wert von
200 Gulden) hatte die Gemeinde jedoch selbst aufzukommen, was ihr vorwiegend
durch Verkauf und Verlosung der Sitzplätze (damals noch Stände) möglich war.
1828 wurde der Antrag auf den Einbau einer Empore für die Frauen gestellt. Doch
erst 1845 konnte die Empore - in Verbindung mit der Renovierung der Synagoge -
eingebaut werden.
Beim Synagogengebäude handelte es sich (siehe Foto unten) um einen
eingeschossigen, verputzten Massivbau mit Satteldach im Straßenzug/Krüppelwalmdach
im Ostgiebel. Die Eingangstür und die Fenster hatten einen Segmentbogen.
Einweihung einer Gedenktafel für die Gefallenen des
Weltkrieges (1919)
Anmerkung: zu Familie Nagel in Elberfeld:
https://wuppertaler-gedenkbuch.de/gedenkbuch/maximilian-nagel/ Demnach ist
Moritz Nagel 1846 geboren, seine Frau Theresia Babette
geb. Marx ist 1855 geboren. Moritz Nagel war Teilhaber der Firma
Aronstein & Nagel (Kurzwarenhandlung en gros, Fabrik von Jupons und Schürzen".
In der angegebenen Seite des Wuppertaler Gedenkbuches wid über die Geschichte
und das Schicksal des Sohnes Maximilian Nagel (geb. 1883, ermordet 1942)
berichtet. Die Gräber von Moritz und Babette Nagel sind im jüdischen Friedhof in
Elberfeld (Feld C VI).
Zur Familiengeschichte auch:https://www.stolpersteine-hamburg.de/?MAIN_ID=7&BIO_ID=2176
Artikel
im "Israelitischen Familienblatt" vom 6. November 1919: "Niedenstein
bei Kassel. Der von hier gebürtige Herr Moritz Nagel aus Elberfeld
stiftete für unsere Synagoge eine Marmortafel zum Gedächtnis der im
Weltkriege gefallenen hiesigen israelitischen Soldaten. In einem
Sondergottesdienste fand die Einweihungsfeier statt, bei welcher Herr
Lehrer Stern eine Gedenkrede hielt." |
Beim Novemberpogrom 1938 wurde der
Innenraum der Synagoge geschändet und verwüstet. Nach 1945 wurde das Gebäude
zu einem Wohnhaus umgebaut. Eine Gedenktafel wurde 1988 am Gebäude
angebracht (siehe Foto unten).
Adresse/Standort der Synagoge: Oberstraße
16
Fotos
(Fotos: sw-Fotos aus Altaras Bd. I S. 56; neuere Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 15.6.2008)
Die ehemalige Synagoge
in
Niedenstein |
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Die Synagoge in Niedenstein um
1928 |
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Das zu einem Wohnhaus
umgebaute Synagogengebäude |
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Foto vom Juli 1985 |
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| Verschiedene
Ansichten des zu einem Wohnhaus umgebauten ehemaligen Synagogengebäude |
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Gedenktafel mit
dem Text: "Ehemalige Synagoge der Jüdischen Gemeinde Niedenstein.
Erbaut im Jahre 1816 von Calmann Heinemann Michaelis. Gestiftet aus Anlass
des 50.
Jahrestages des unheilvollen Geschehens in der Nacht des 9./10.
November 1938.
Zur Erinnerung und Mahnung. Stadt
Niedenstein." |
|
Erinnerungsarbeit vor
Ort - einzelne Berichte
| Juni 2020:
Per App auf den Spuren der
jüdischen Geschichte
|
Artikel
von Theresa Lippe in "hna.de" vom 7. Juni 2020:
" Rätsel-Tour. Stadtrundgang in Niedenstein: Per App auf jüdischen
Spuren
Eine Tour durch Niedenstein, vollgepackt mit 300 Jahren jüdischer Geschichte
– das gibt es nun in einem kostenlosen Rätsel-Rundgang. Die Idee dazu hatte
Pfarrer Johannes Böttner.
Niedensteiner und Besucher der Stadt können den Rundgang nun ganz bequem –
und coronakonform – mit ihrem Smartphone absolvieren.
Pfarrer Johannes Böttner hat die Infos in einer App aufgearbeitet. Grundlage
ist das Leben von David Silberberg, der 1921 in Niedenstein geboren wurde.
Die interaktive Tour ist in zwei Teile gegliedert. Wir haben Teil eins
getestet.
Der Rundgang mit dem Smartphone durch Niedenstein. Los geht’s an der
Evangelischen Kirche an der Oberstraße. Parken geht vor Ort kostenlos. Die
App leitet Besucher von der Kirche zur alten jüdischen Schule, der
ehemaligen Synagoge bis hin zum jüdischen Friedhof außerhalb der Stadt und
zurück zum Heimatmuseum. Für den knapp 90-minütigen Spaziergang am besten
bequeme Schuhe anziehen und etwas zu trinken mitnehmen: Auf dem Weg zum
Friedhof gerät man bei Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen schon
etwas ins Schwitzen, da es ein Stück bergauf geht.
Informieren mit der App: Pfarrer Böttner hat alle Texte eingesprochen.
Einen Stadtführer braucht es nicht: Pfarrer Böttner hat alle Texte
eingesprochen, sodass man sie sich von der App vorlesen lassen kann. Das
gibt dem Rundgang eine persönliche Note und ist praktisch, wenn die Sonne
scheint und der Handybildschirm kaum zu erkennen ist. Außerdem sieht man so
wesentlich mehr von Natur und Umgebung. Eine tolle Idee, die an einen
professionellen Museumsrundgang erinnert. Wer mag, kann dafür Kopfhörer
benutzen.
Rundgang durch Niedenstein: Das Rätsel. Zu den einzelnen Stationen
gibt es Rätsel. Es müssen Fragen beantwortet werden, wie: 'Nach welchem
Krieg zog die erste jüdische Familie Heinemann nach Niedenstein?' Oder
'Welche Symbole sind auf den Grabsteinen zu sehen?' Zu den Fragen gibt es
mehrere Antwortmöglichkeiten, teilweise ist die Antwort ein Foto, das
Besucher schießen und in die App hochladen. Wer aufmerksam zuhört, dürfte
keine Probleme haben, die Rätsel zu lösen. Auch das Hochladen der Fotos
klappt einwandfrei und zeigt, mit wie viel Liebe zum Detail der Rundgang
geplant wurde.
Pfarrer hat Stadtrundgang durch Niedenstein entwickelt: Die App. Die
App 'Actionbound' ist für Android- und Apple-Nutzer kostenlos. Das
Herunterladen der App und der Daten für den Rundgang klappt ohne Probleme im
mobilen Netz. Am Obertorplatz gibt es aber auch öffentliches W-Lan. Über den
Auswahlpunkt 'In der Nähe' wird die Tour in der Stadtkarte von Niedenstein
angezeigt. Nach wenigen Klicks kann es losgehen. Am Ende des Rundgangs waren
etwa 30 Prozent der Akkuladung verbraucht: Vorher also Handy aufladen oder
ein mobiles Ladegerät (Powerbank) einstecken.
Die Vorbereitung auf den Rundgang: Kopfbedeckung für Männer. Im
Verlauf des Rundgangs ist eine Kopfbedeckung für Männer wichtig. Der
Friedhof an der vorletzten Station darf von Männern ohne Kippa oder andere
Kopfbedeckung nämlich nicht betreten werden. Die extra für den Rundgang
angeschafften Kippas können wegen der Hygienebestimmung während Corona nicht
ausgeliehen werden. Eine Mütze oder Kappe sind für den Besuch auf dem
Friedhof aber auch ausreichend. Den Schlüssel für den Friedhof verwaltet die
Stadt Niedenstein. Unbedingt vorher anrufen, Tel. 05624/99930. Der Rundgang
ist auch ohne Schlüssel möglich: Von der kleinen Gasse aus ist der Friedhof
aus der Entfernung zu sehen.
Hintergrund des Rundgangs durch Niedenstein: Auf den Spuren jüdischer
Familien. Niedenstein hat eine rund 300-jährige jüdische Geschichte. Der
App-Rundgang basiert auf dem Leben von David Silberberg, der 1921 in
Niedenstein geboren wurde und ein Nachfahre der ältesten Niedensteiner
Familien Seligmann und Heinemann, war. Die Tour basiert auf zwei Vorträgen:
Zum einen auf dem Vortrag von Horst Eubel über die jüdische Geschichte
Niedensteins. Zum anderen auf dem Vortrag, den Gesine Schmidt über David
Silberberg geschrieben hat für eine Veranstaltung, bei der die Kinder und
Enkel von David Silberberg in Niedenstein zu Besuch waren."
Link zum Artikel |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 129-131. |
 | Karl Ernst Demandt: Bevölkerungs- und Sozialgeschichte
der jüdischen Gemeinde Niedenstein 1653-1866. Ein Beitrag zur Geschichte
des Judentums in Kurhessen. Wiesbaden 1980. |
 | Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit
1945? 1988 S. 56-57. |
 | dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in
Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 52-53. |
 | Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.):
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 180-181. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 519-520. |
 | Friedhelm Reinhard: "Batschen-Hermann" und die
jüdischen Familien Mansbach-Zinn in Niedenstein. Auf den Spuren eines
jüdischen Schuhmachers. In: Zeitschrift für hessische Geschichte und
Landeskunde. Bd. 126 2021 S. 249-268. Online
zugänglich (pdf-Datei) |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Niedenstein
Hesse-Nassau. The founder of the community, Selig Heinemann, settled in
Niedenstein at the end of the Thirty Years War (1618-48). His descendants
constituted the wealthiest family in the community, holding the most important
public offices. Numbering six protected Jews (Schutzjuden) in 1744, the
Jewish population grew to 120 in 1834, reached a peak of 147 (total 643) in
1861, and declined to 87 in 1925. Most of the Jews earned their living as
tradesmen or artisans. The community maintained a synagogue, endowed by Kalman
Heinemann-Michaelis in 1816, and buried its dead in the regional Jewish cemetery
in Obervorschuetz. A Jewish elementary school, opened in 1826, existed until
1928. In 1894, it was attended by 22 children, about half of all the Jewish
schoolchildren in Niedenstein. The longest-serving teacher was Heiser
(1875-1914), who also served as a substitute teacher in the local public school.
Niedensteins strictly Orthodeox Jews kept aloof from local associations and
shunned non Jewish restaurants. They practiced ritual slaughter and maintained a
mikve. Under the Nazis, many of the community's members left, emigrationg to the
United States, South America, France, and Holland. Fifteen departed to other
cities in Germany. The synagogue's interior was vandalized in 1938 and the
building was subsequently sold and renovated. The last remaining Jews were
evacuated to Kassel on 6 September 1942 and from there deported to the death
camps in the east. At least 15 perished in the Holocaust.

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