Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 


zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zurück zur Übersicht "Synagogen in Rheinland-Pfalz" 
Zur Übersicht "Synagogen im Kreis Mayen-Koblenz"       
    

Niedermendig mit Obermendig (Gemeinde Mendig, Kreis Mayen-Koblenz) 
Jüdische Geschichte / Synagoge 

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Dokumente   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)      
   
In Niedermendig (mit Obermendig) bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. Um 1760 werden erstmals Juden am Ort genannt.   
 
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: in Niedermendig 1808 25 jüdische Einwohner, 1858 42, 1895 54; in Obermendig 1808 18, 1858 34, 1895 5.
 
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule, ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war - vermutlich zeitweise im 19. Jahrhundert - ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Ansonsten kamen auswärtige Lehrer zum Unterricht der Kinder in die Gemeinde.      
 
Um 1924, als in Niedermendig 44 jüdische Einwohner gezählt wurden (in Obermendig keiner mehr), waren die Gemeindevorsteher Simon May und Moses Eggener. Damals erhielten drei jüdische Kinder der Gemeinde ihren Religionsunterricht im Gymnasium in Mayen. 1932 waren die Gemeindevorsteher Moritz May (1. Vors.) und Julius Lukas (2. Vors.). Als Lehrer kam Albert Levy aus Mayen regelmäßig nach Niedermendig. Er hatte im Schuljahr 1931/32 vier Kinder in Niedermendig in Religion zu unterrichten (Günther Lukas, Hella Meyer, Alice Meyer, Edith Falk - von Ihnen hat nur Günther Lukas die NS-Zeit überlebt).       
 
1933 lebten noch 40 jüdische Personen in Niedermendig.
In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge zerstört (siehe unten). Die letzten sieben jüdischen Einwohner wurden von Niedermendig aus deportiert und sind umgekommen.   
  
Von den in Mending geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Hedwig Bier geb. May (1895), Melanie Brünell geb. Mayer (1907), Ernst Daniel (1901), Moses Eggener (1873), Edith Falk (1924), Klara Falk geb. Lukas (), Julius Falk (), Rosa Fischer geb. Schäfer (1876), Gertrud (Gertruda) Freimark geb. May (1902), Josef Jacobsohn (1876), Karoline Jacobsohn geb. Baum (1885), Paula Jalowiece geb. Mayer (1909), Julie Kahn geb. May (1850), Carola Levi geb. Eggener (1903), Julianne Löwenstein geb. May (1869), Alfred Lukas (1891), Bettina Lukas geb. May (1863), Berta May (1887), Klara May geb. Jacobsohn (1871), Siegmund May (1858), Bertha Mayer geb. Geismar (1882),  Ida Mayer (1903), Leo Mayer (1904), Martin Mayer (1877), Simon Mayer (1888), Alice Meyer (), Hella Meyer (1922), Karl Schäfer (1881), Sally Schäfer (1874), Irma J. Winter geb. May (1908).           
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde     

In jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts wurden noch keine Berichte zur jüdischen Geschichte in Mendig gefunden.  

  
Dokumente   

Die aus Niedermendig stammende
 Carola Levi geb. Eggener und
 ihre Familie 
(erhalten von Lin Herz) 
Nuernberg Fam Simon Levi 010.jpg (153058 Byte)
  Simon Levi (Sohn von Mathilde und Leopold Levi, geb. 1888 in Markt Berolzheim; war als
 Kaufmann in Nürnberg tätig) zusammen mit seiner Frau Carola geb. Eggener (geb. 1903 in
 Niedermendig) und den Kindern Mira (geb. 1933 in Nürnberg) und Lothar (geb. 1929 in Nürnberg). 
Alle vier wurden am 29. November 1941 ab Nürnberg nach Riga Jungfernhof, Außenlager Ghetto Riga
 deportiert. Alle vier sind umgekommen. 
   
   
Auf dem Weg in die Deportation (Juli 1942) 
(Quelle: Stadtarchiv Mendig; erhalten über Franz G. Bell) 
 Mendig Kottenheim Deportation 1942.jpg (153318 Byte) 
  Die letzten jüdischen Einwohner aus Niedermendig und Kottenheim (Sophie Kahn) auf dem Bahnhof in Mendig, von links: Moses Eggener, Juliane Löwenstein geb. May, Sophie Kahn und Ehepaar Simon Mayer; alle fünf wurden über Trier - Köln am 27. Juli 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert und sind umgekommen (bzw. in Vernichtungslagern ermordet)     

   
   
   
Zur Geschichte der Synagoge   
     
    
Zunächst war ein Betraum vorhanden. 1864 sollte gemeinsam für die in den Orten Kottenheim, Thür, Niedermendig und Obermendig lebenden jüdischen Familien eine Synagoge gebaut werden. Man konnte sich jedoch auf keinen Standort einigen. Schließlich einigte man sich - allerdings erst 20 Jahre später darauf - zwei Synagogen zu bauen: eine in Thür für die Orte Kottenheim und Thür und eine in Niedermendig für die hier und in Obermendig lebenden jüdischen Personen. Nach Plänen des in Niedermendig ansässigen Architekten Peter Schmitz wurde die Synagoge unterhalb der katholischen Pfarrkirche erbaut und am 20. August 1886 feierlich eingeweiht.  
 
Die Synagoge war regionaltypisch als Bruchsteinbau aus Basalt und Tuffstein erstellt. Der Rundbogenstil (Fenster, Bogenfelder) gab dem Gebäude sein charakteristisches Aussehen.
     
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge völlig zerstört. 
    
Auf dem Grundstück befindet sich heute eine kleine Parkanlage mit einem Gedenkstein für die Synagoge (siehe Fotos unten)
.   
    
    
Adresse/Standort der Synagoge        Wollstraße 4    
    
    
Fotos
(Quelle: obere Zeile und zweite Fotozeile aus Landesamt s.Lit. S. 269 bzw. Sammlung Hahn [linke Version der Postkartenaufnahme]; neuere Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 26.08.2009)   

Niedermendig Synagoge 109.jpg (54564 Byte) Niedermendig Synagoge 110.jpg (74813 Byte) Niedermendig Synagoge 111.jpg (99764 Byte)
Historische Ansichtskarte von Niedermendig (zwei Versionen derselben Aufnahme) 
aus der Zeit nach 1918 mit der katholischen Kirche und der Synagoge
Eingangsfassade der Synagoge
 (Rekonstruktionszeichnung von 
Kerstin Kranz, Mendig)
   
     
Bogenfeld mit Portalinschrift Niedermendig Synagoge 112.jpg (82908 Byte) 
  Die Portalinschrift wurde von Nachbarn nach der Zerstörung der Synagoge aufbewahrt. 
Die hebräische Inschrift besteht aus den Bibelzitaten: "...denn mein Haus soll ein Bethaus
 genannt werden für alle Völker" (Jesaja 56,7) und: "Ich aber, durch die Größe deiner Huld
 komme in dein Haus..." (Psalm 5,8) 
     
     
Synagogenstandort und Denkmal im August 2009  
Niedermendig Synagoge 274.jpg (122865 Byte) Niedermendig Synagoge 272.jpg (93510 Byte) Niedermendig Synagoge 270.jpg (114869 Byte)
Blick auf den Synagogenstandort 
(rechts an der Wollstraße)
Dieselbe Perspektive wie auf 
dem historischen Foto oben
Der Gedenkstein
   
     

 
 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 

November 2008: 70 Jahre Zerstörung der Synagoge - Gedenken vor Ort
Niedermendig Synagoge 113.jpg (61685 Byte)Zu Gedenkstunde und Ökumenischem Gottesdienst hatten eingeladen: 
Die Kirchen in Mendig, die Verbandsgemeinde Mendig, die Stadt Mendig und die OG Thür. 
 
Mai 2014: In Mendig werden "Stolpersteine" verlegt    
Aus einem Artikel von Patrick Grosse in der "Rhein-Zeitung" vom 27. Januar 2014: "'Stolpersteine' sollen in Mendig an Opfer erinnern.
Mendig - Auf Beschluss des Stadtrats im April vergangenen Jahres sollen in ganz Mendig 'Stolpersteine' des Kölner Künstlers Gunter Demnig verlegt werden... 
Am 12. Mai wird der Künstler Gunter Demnig nach Mendig kommen, um an sieben Standorten insgesamt 15 Steine zu verlegen...  Um diese Standorte herauszufinden, bildete sich im Stadtrat ein Arbeitskreis, der sich der Sache annahm... Betroffen ist zum Beispiel die Hospitalstraße. Dort lebte die Familie Mayer. Martin Mayer kam im Jahr 1877 in Niedermendig zur Welt. Er war Jude und musste die Konfrontation mit den Nationalsozialisten befürchten. 1939 flüchtete Mayer daher nach Holland zu seiner Tochter Bella. 1943 starb der dann 66-Jährige im Vernichtungslager Sobibor. Er gehört zur engeren Auswahl der ersten Steinverlegung. Der Familienname May hat eine ebenso große Häufung in der zusammengestellten Liste. Familie May ist in der Kirchstraße zu lokalisieren. Bertha May war jüdischen Ursprungs und wurde 1887 in Mendig geboren. Am Ende ihres Lebens musste die Frau mit einer Behinderung leben, weshalb sie im Pflegeheim Bendorf-Sayn untergebracht war. Auch sie wurde Opfer des NS-Regimes. Sie starb im März 1942 in Izbica in Polen. Auch Bertha May könnte im Mai ein Stolperstein gewidmet werden. Weitere betroffene Straßen sind der Kirchberg, die Bachstraße mit der Familie Löwenstein und die Thürer Straße, wo die Familie Lukas lebte. Insgesamt 14 Gebäude konnte der Arbeitskreis bisher ausfindig machen. Darüber hinaus will man mit einem Stein vor dem Pfarrheim an das Schicksal von Pfarrer Bechtel und Kaplan Schlicker erinnern. Beide widersetzten sich bis zuletzt den NS-Ideologien..."
Link zum Artikel 
Artikel in der Rhein-Zeitung vom 14. Mai 2014: "Stolpersteine in Mendig erinnern an die Opfer der Nazis
Mendig - Auf dem Gehweg der Heidenstockstraße erinnert nun eine beschriftete Messingplatte an das Schicksal von Martin Mayer. Der Mendiger floh 1939 vor den Nationalsozialisten nach Holland. Vier Jahre später wurde er nach Polen deportiert..." 
Link zum Artikel     
 

   
    
Links und Literatur  

Links:  

Website der Stadt Mendig    

Literatur:  

Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 268-269 (mit weiteren Literaturangaben). 

  
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Niedermendig, Rhineland. Jews are first mentioned in 1760. In the early 19th century, they numbered 25 and in the late 19th century, 54. A synagogue was consecrated in 1886 and a cemetery was opened in 1889-90, also serving the Jews of Obermendig. The Jewish population grew to 60-70 in the first decade of the 20th century and then dropped to 44 (total 3.352) in 1925 and 38 in 1933. Three Jews left for other places in Germany before the Kristallnacht disturbances (9-10 November 1938) and 19 emigrated from Germany in their wake, five to Holland and the rest to North and South Amerikca. The seven remaining Jews were deported to the camps and at least ten perished in the Holocaust. The synagogue was destroyed on Kristallnacht (9-10 November 1938). 
         
           

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge   

               

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 10. August 2017