Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Jüdische Geschichte 

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Zur jüdischen Geschichte in Sigmaringen  
Berichte zur jüdischen Geschichte in der Stadt  
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Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   
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Zur jüdischen Geschichte in Sigmaringen   
    
In Sigmaringen bestand zu keiner Zeit eine jüdische Gemeinde. Im 19./20. Jahrhundert ließen sich nur einzelne jüdische Personen / Familien in der Stadt nieder. 
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1875 drei jüdische Einwohner, 1895 acht, 1905 elf, 1925 acht, 1933 neun. Nach 1933 sind noch weitere Personen für einige Zeit nach Sigmaringen zugezogen (siehe Aufstellung unten).   
 
Der erste bekannte Name eines aus Sigmaringen stammenden Juden ist möglicherweise der von Morris Newburger (vermutlich zunächst Neuburger, geb. 1834 in Sigmaringen, gest. 1917 in den USA), der nach seiner Auswanderung Bankier in den USA war und die bekannte Buchgemeinschaft "Jewish Publication Society of America" begründet. 
(Angabe nach Siegmund Kaznelson (Hrsg.): Juden im deutschen Kulturbereich 1962 S. 973; diese Angabe konnte vom Webmaster nicht überprüft werden, möglicherweise bezieht sich 'Sigmaringen' auf das 'Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen' und damit eher auf Haigerloch).    
 
1907 bis 1938 lebte die Familie des Kaufmanns und Fabrikanten Siegfried Frank in der Karlstraße 31 (hier auch 1933 bis 1938 die Familie des Apothekers Gustav Rieser). Siegfried Frank betrieb zunächst die Löwenbrauerei in Laiz und später das Hofbräuhaus in der Karlstraße. Dazu betrieb er ein Immobiliengeschäft, das er 1933 aufgeben musste. Dazu waren der Handelsmann Siegfried Rödelsheimer (Josefstraße 6, Burgstraße 2, Adlerstraße 1) 1926 bis 1936 und der Kaufmann Samuel Laufer (Bittelschiesser Straße 5) bis 1935 in der Stadt.
 
1933 beziehungsweise danach lebten folgende jüdischen Personen in Sigmaringen: 
Siegfried Frank (geb. 1879 in Buttenhausen als Sohn von Sigmund (Kallmann) Frank und Cäcilie geb. Höchstetter; seit 1907 in Sigmaringen (siehe oben), im November 1938 nach Amsterdam verzogen, von dort aus nach Louisville/Kentucky, USA emigriert, gest. im März 1943 in den USA); weitere Informationen zur Familie  https://www.geni.com/people/Siegfried-Frank/6000000017929168866; zur Geschichte der Familie Frank siehe Beitrag von Edwin Ernst Weber siehe unten Literatur.    
Emma Frank geb. Rieser (geb. 1887 in Ichenhausen, verheiratet seit Mai 1909 mit Siegfried Frank; November 1938 nach Amsterdam, von dort aus nach Louisville/Kentucky, USA emigriert, kam in den 1950er-Jahren einige Zeit nach Sigmaringen zurück; gest. 1980 in den USA)  https://www.geni.com/people/Emma-Frank/6000000024234447844      
Kurt Frank (geb. 1911 in Sigmaringen, studierte 1930 bis 1933 Jura in München; 1935 nach Augsburg verzogen, vermutlich 1936 in die USA emigriert)  https://www.geni.com/people/Kurt-Frank/6000000024234405102     
Lisa Mathilde (Hilda) Frank (geb. 1918 in Sigmaringen, besuchte 1938 bis 1935 das staatliche Gymnasium in Sigmaringen, wurde als einzige jüdische Schülerin aus der Schule 1935 'herausgeekelt'; 1935 bis 1937 Ausbildung in Heilgymnastik und Massage im Institut der Alice Bloch in Stuttgart, im Mai 1937 nach Sigmaringen zurückgekommen und 1938 mit den Eltern emigriert; verheiratet mit Julius Heymann, gest. 2016 in den USA) https://www.geni.com/people/Lisa-Heyman/6000000041308073943     
Anna Frank geb. Rieser (Schwester von Emma Frank, geb. 1889 in Ichenhausen, heiratete 1912 nach Sigmaringen (siehe Verlobungsanzeige unten), im Mai 1938 nach Brooklyn, NY USA emigriert, gest. vermutlich 1968); Anna Frank war verheiratet mit Karl Frank (geb. 1882, Schwerkriegsversehrter, der 1932 an den Folgen der Kriegsverletzung starb).  
Lina Rieser (geb. 1892 in Ichenhausen, war die Schwester des nachstehend genannten Gustav Rieser; Haushälterin bei Familie Frank; im November 1933 von Nürnberg nach Sigmaringen zugezogen, mit der Familie Siegfried Frank in die USA emigriert) 
Gustav Rieser (geb. 1882 in Ichenhausen, Apotheker; Inhaber der Sternapotheke in Nürnberg, die er im Oktober 1933 zwangsverkaufen musste; im November 1933 von Nürnberg nach Sigmaringen zugezogen, mit der Familie Siegfried Frank in die USA emigriert) 
Helmut (oder Wilhelm?) Rieser (geb. 1914 in Nürnberg, Sohn von Gustav Rieser, im August 1933 von Nürnberg nach Sigmaringen zugezogen; im Februar nach Barcelona / Spanien, dann nach Italien usw. emigriert, später in die USA)  
Werner Frank (geb. 1913 in Sigmaringen, Sohn von Karl Frank und Anna geb. Rieser s.o.; 1932 nach Augsburg verzogen zu einer Ausbildung bei Gebr. Landauer, Augsburg, im Januar 1935 zurück nach Sigmaringen, im März 1935 in die USA emigriert, die Mutter folgte im Mai 1938) 
Samuel Laufer (geb. 1900 in Wisoko-Litowsk, polnischer Staatsangehöriger, Kaufmann, 1935 nach Gelsenkirchen, Wannerstraße 31 verzogen)  
Siegfried Rödelsheimer (geb. 1883 in Baisingen, Händler; lebte 1926 bis 1936 in Sigmaringen, im Mai 1936 nach Pforzheim verzogen, am 27. Juni 1938 in das KZ Dachau verschleppt, am 23. September 1938 in das KZ Buchenwald, wo er am 18. Dezember 1938 umgekommen ist)  
Trude Wiehr geb. Segall (geb. 1879 in Gr. Lonk, Hausfrau, von Geburt jüdisch, dann evangelisch; verh. mit dem Bezirks-Zollkommissar Kurt Wiehr in Sigmaringen, Karlstraße 40, 1938 nach Stuttgart-Sillenbuch verzogen).
Benjamin Bezger (geb. 1904 in Polen, poln. Staatsangehörigkeit; war als Reisender und Vertreter für Firma Raab, Versandgeschäft für Leinen und Wäsche in Sigmaringen tätig; im Juni 1933 zurück nach Polen, in September 1934 nach Palästina ausgewandert).     
         
         
Von den in Sigmaringen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Flora Katz geb. Neckarsulmer (geb. 1887 in Buttenhausen, war verheiratet in Haigerloch, seit 1934 in der Nervenabteilung der Landesanstalt Sigmaringen untergebracht, ermordet 1940 in Grafeneck), Siegfried Rödelsheimer (umgekommen im KZ Buchenwald 1938)   
   
  
   
Berichte zur jüdischen Geschichte in der Stadt  

In jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts wurden noch keine Berichte zur jüdischen Geschichte in Sigmaringen gefunden.  

 
Anzeigen    
Verlobungsanzeige von Anna Rieser und Karl Kahn (1912)       

Mitteilung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 2. August 1912: "Verlobte. Anna Rieser, Ichenhausen mit Karl Frank, Sigmaringen. - ..."      

    
Todesanzeige von Karl Frank aus Sigmaringen (1932)    
Anmerkung: es handelt sich vermutlich um Karl (Carl) Frank, der am 11. Dezember 1882 in Buttenhausen geboren ist als Sohn von Sigmund Frank und der Cäcilie geb. Höchstetter.   

Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. August 1932:  Unter standesamtlichen Mitteilungen der jüdischen Gemeinde in Ulm: 
"Sterbefälle: Karl Frank aus Sigmaringen. 50 Jahre alt...."                           

           
Registration Card (1942 USA) und Todesanzeige für Siegfried Frank (gest. 1943 in den USA)   

Registration Card Siegfried Frank.jpg (267525 Byte) Die "Registration Card" wurde von Siegfried Frank in den USA ausgefüllt, als er bereits in Louisville, Kentucky lebte. 
(erhalten von Ron Evans)   
 
Sigmaringen Aufbau 30041943.jpg (64994 Byte)Anzeige in der amerikanisch-jüdischen Exilszeitschrift "Der Aufbau" vom 30. April 1943: 
"Am 9. März starb an den Folgen einer Operation mein geliebter Mann, unser guter Vater und Großvater 
Siegfried Frank (früher Sigmaringen). 
In tiefer Trauer: 
Emma Frank geb. Rieser
Kurt Frank und Familien, 
Julius und Mady Heymann geb. Frank. 
1109 Eastern Parkway, Louisville, Ky."      

  
  
  
Fotos   

Fotos zur jüdischen Geschichte in Sigmaringen liegen noch keine vor.  
     

     
     
     
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   

2010/11: Vorträge von Kreisarchivar Edwin Weber über die Geschichte der jüdischen Familie Frank  
Artikel aus der Website des Landkreises Sigmaringen über den Vortrag von Kreisarchivar Weber (Quelle): 'Vortrag 'Geraubte Heimat' wird wiederholt
Inzigkofen
. Unter dem Titel 'geraubte Heimat' stellt Kreisarchivar Dr. Edwin Ernst Weber am kommenden Dienstag, 1. Februar 2011, 19.30 Uhr, im Kapitelsaal des ehemaligen Klosters Inzigkofen das bittere Schicksal der jüdischen Familie Frank aus Sigmaringen in der NS-Zeit vor. Die bewegende Familiengeschichte in einer Zeit des Unrechts und der Gewalt wurde als Beitrag zum Kulturschwerpunkt 'Migration und Integration im Landkreis Sigmaringen' Ende 2010 mit großem Publikumsinteresse erstmals in Sigmaringen vorgestellt und nun auf Einladung des Inzigkofer Bildungswerks wiederholt. Der Eintritt ist frei, Spenden für die Arbeit des Bildungswerks sind willkommen.
Die ursprünglich aus Buttenhausen bei Münsingen stammende Familie Frank ist vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis 1938 rund ein halbes Jahrhundert zunächst in Laiz und sodann in Sigmaringen ansässig und hier zunächst im Brauereiwesen und sodann in der Möbelherstellung, im Autohandel sowie im Immobiliengeschäft unternehmerisch tätig. Die Brauereiinhaber Sigmund und Gustav Frank und in der Folge die Fabrikanten Siegfried und Karl Frank sind angesehene Angehörige der Sigmaringer Bürgerschaft, ihre Kinder besuchen als einzige Juden das damalige Staatliche Gymnasium. Der Vortrag schildert, wie die Familie in den 1930er Jahren unter dem Einfluss der nationalsozialistischen Rassenpolitik ihr soziales Netz verliert und in der Stadtgesellschaft isoliert wird, ihrer wirtschaftlichen Existenzgrundlagen beraubt und ausgeplündert wird und schließlich mit massiven Repressionen und Gewalt aus ihrer hohenzollerischen Heimat vertrieben und in die Emigration gezwungen wird. Der Kreisarchivar beleuchtet damit anhand auch vieler Bilddokumente ein bedrückendes Kapitel der Sigmaringer Stadt- und hohenzollerischen Landesgeschichte.'"  
 
Februar 2011: An die jüdische Familie Frank sollen 'Stolpersteine' erinnern  
Artikel von Christoph Wartenberg in der 'Schwäbischen Zeitung' vom 1. Februar 2011 (Artikel): 
'Gedenken: Stolperstein soll an Franks erinnern
Kunstaktion von Gunter Demnig würdigt europaweit Verfolgte des Nazi-Regimes. 

SiGMARINGEN.  Ende vergangenen Jahres hat Kreisarchivar Edwin Weber in einem Vortrag über das Schicksal der jüdischen Familie Frank aus Sigmaringen berichtet, die von den Nazis vertrieben wurde. Nun hat die SPD-Fraktion im Stadtrat beantragt, in Erinnerung an die Franks in Sigmaringen einen so genannten Stolperstein zu verlegen.  
Der Antrag wurde zur Kenntnis genommen und soll nun im Bauausschuss weiter beraten werden. Bürgermeister Thomas Schärer regte in diesem Zusammenhang an, bei den Franks, die in die USA emigriert waren, nachzufragen, ob ein solcher Stein von ihnen überhaupt gewünscht wird.
Die Aktion Stolpersteine wurde Mitte der 90-er-Jahre konzipiert und wird seit dem Jahr 2000 offiziell betrieben. In zahlreichen Städten in ganz Deutschland wurden schon Stolpersteine verlegt. Aber auch im ehemals von deutschen Truppen besetzten Europa finden sich inzwischen Stolpersteine, so zum Beispiel in den Niederlanden, in Budapest oder als jüngstes Beispiel in Rom. Sie sollen an all jene Menschen erinnern, die Opfer der Verfolgung durch die Nationalsozialisten wurden. Auch in der Region gibt es bereits Stolpersteine, so zum Beispiel in Pfullendorf und Ravensburg.
Die Stolpersteine mit einer Kantenlänge von knapp zehn Zentimetern sind messingfarben und erinnern an die Vertreibung und Vernichtung der Juden, der Zigeuner und anderer Verfolgte wie Homosexuelle, politisch Andersdenkende, Zeugen Jehovas und Euthanasieopfer. Die Steine werden vom Künstler selbst verlegt.
Angesehene Bürger. In Sigmaringen gab es vor dem Krieg keine jüdische Gemeinde, wie in anderen baden-württembergischen Städten. Die Familie Frank gehörte zu den angesehenen, wohlhabenden Bürgern der Stadt, die zunächst die Löwenbrauerei in Laiz und später das Hofbräuhaus in der der Karlstraße betrieben. Später verdienten sie mit dem Handel ihr Geld. Sie zählten zu den assimilierten Juden, die sich auch selbst als kerndeutsch definierten. 1933 begannen die Schikanen durch Behörden und Mitbürger. Nach der Pogromnacht 1938 wanderte die Familie zunächst nach Amsterdam und dann später in die USA aus. Ihren Wohlstand hatten sie komplett verloren. Lisa Frank lebt heute noch dort. 
Die SPD schreibt in ihrer Begründung für den Antrag: 'Die Stolperstein-Aktion des Künstlers Gunter Demnig erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem vor deren letztem selbstgewählten Wohnort Gedenktafeln in der Größe eines Pflastersteins in den Bürgersteig eingelassen werden. Die einstmals wohlhabende und angesehene Familie Frank verlor ihre gesamte materielle Existenz. Sämtliche Überlebenden litten und leiden Zeit ihres Lebens unter dem ihnen in ihrer Heimatstadt zugefügten Leid.'
Der Stein soll in der Karlstraße beim heutigen Finanzamt verlegt werden, wo die Familie zuletzt ihr Geschäft betrieb."    
 
September 2011: Exkursion nach Buttenhausen - auf den Spuren der Familie Frank   
Artikel im "Südkurier" (Sigmaringen) vom 21. September 2011: "Auf dunklen Spuren der Geschichte. Auf großes Interesse stieß eine Exkursion nach Grafeneck und Buttenhausen. 
Sigmaringen/Inzigkofen
. - Auf großes Interesse stieß mit 55 Teilnehmern eine von Kreisarchivar Edwin Ernst Weber geleitete Exkursion des Bildungswerks Inzigkofen und der Evangelischen Erwachsenenbildung Sigmaringen nach Grafeneck und Buttenhausen...." 
Link zum Artikel im Südkurier - auch eingestellt als pdf-Datei.   
 
Mai 2012: In Sigmaringen wird ein "Stolperstein" verlegt 
Artikel in der "Schwäbischen Zeitung" vom 10. Mai 2012: "Gunter Demnig verlegt einen Stolperstein. Gedenkstein erinnert an die aus Sitgmaringen vertriebene jüdische Familie Frank 
Link zum Artikel    
Anmerkung: am 16. Mai 2012 wurde ein "Stolperstein" vor dem ehemaligen Wohnhaus der Familie Frank an der Karlstraße 31 verlegt. Heute steht hier das Finanzamt.    
   
Artikel im "Südkurier" vom 16. Mai 2012: "Zurück in der alten Heimat. 
Zwei gebürtige Sigmaringer unter sich: die 94-jährige Lisa Heyman geb. Frank und Landrat Dirk Gaerte entdeckten bei einem Besuch der alten Dame und ihrer Angehörigen im Landratsamt, dass beide in der Kreisstadt das Licht der Welt erblickt haben - sie 1918 und er 1947. Der Landrat hatte Lisa Heyman, ihre Kinder Patsy und Bobby sowie ihre Nichte Joy und ihren Neffen Steve, jeweils mit Ehepartner, anlässlich ihres Besuches in der alten Heimat ins Landratsamt eingeladen.
Anlass für den Besuch der Gäste aus Amerika ist die Verlegung so genannten 'Stolpersteine' in der Sigmaringer Karlstraße mit denen auf Initiative der Stadt Sigmaringen an die Ausgrenzung, Ausplünderung und Vertreibung der jüdischen Sigmaringer Familie Frank während der NS-Zeit in den 1930er Jahren erinnert werden soll. Lisa Heyman war es ein großes Anliegen, an der Erinnerungsfeier persönlich teilzunehmen und noch einmal in ihre alte, unvergessene Heimat zu kommen ('coming home once more').
Die ursprünglich aus Buttenhausen bei Münsingen stammende Familie Frank war vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis 1938 rund ein halbes Jahrhundert zunächst in Laiz und sodann in Sigmaringen ansässig und hier zunächst im Brauereiwesen und sodann in der Möbelherstellung, im Autohandel sowie im Immobiliengeschäft unternehmerisch tätig. Die Brauereiinhaber Sigmund und Gustav Frank und in der Folge die Fabrikanten Siegfried und Karl Frank waren angesehene Angehörige der Sigmaringer Bürgerschaft, ihre Kinder besuchten als einzige Juden das damalige Staatliche Gymnasium.
Die Familie verlor in den 1930er Jahren unter dem Einfluss der nationalsozialistischen Rassenpolitik ihr soziales Netz und wurde in der Stadtgesellschaft isoliert, ihrer wirtschaftlichen Existenzgrundlagen beraubt und ausgeplündert und schließlich mit massiven Repressionen und Gewalt aus ihrer hohenzollerischen Heimat vertrieben und in die Emigration gezwungen. Verwandte der Franks wurden in den Konzentrationslagern Dachau und Auschwitz ermordet."     
Link zum Artikel (mit Foto) 
 
Weiterer Artikel von Ute Korn-Amann in der "Schwäbischen Zeitung" vom 17. Mai 2012: "Sigmaringer Bürger setzen Zeichen gegen das Vergessen. Stolpersteinverlegung erinnert an vertriebene Sigmaringer Familie Frank..."    
Link zum Artikel      
 
Artikel im "Südkurier" vom 22. Mai 2012: "Sigmaringen - Zeichen gegen das Vergessen gesetzt...."  
Link zum Artikel      
 
Dezember 2016 / Januar 2017: Zum Tod von Lisa Heymann geb. Frank  
Artikel von Michael Hescheler in der "Schwäbischen Zeitung" vom 11. Januar 2017: "Lisa Heyman stirbt im Alter von 98 Jahren in den USA. Tochter der jüdischen Unternehmerfamilie Frank musste Sigmaringen 1937 verlassen
Sigmaringen
. Lisa Heyman ist ist tot: Wie Bürgermeister Thomas Schärer mitteilt, verstarb sie am 13. Dezember im Alter von 98 Jahren. Lisa Heyman geb.Frank, wurde 1937 von den Nazis aus Sigmaringen vertrieben. 2012 kehrte sie in ihre alte Heimatstadt zurück, um der Verlegung von Stolpersteinen vor ihrem ehemaligen Wohnhaus an der Karlstraße beizuwohnen.
Ihre Tochter Patsy schreibt in einer an Bürgermeister Schärer gerichtete Trauerkarte: 'Obwohl sie 79 Jahre in den USA lebte, war Sigmaringen immer ihre Heimat.' Lisa Frank war knapp 20 Jahre alt, als die Familie Sigmaringen verlassen musste. In der Trauerkarte steht weiter, dass Heyman wenige Monate vor ihrem Tod geäußert habe, dass sie noch einmal nach Sigmaringen reisen wolle. Als ihre Tochter sie fragte, ob sie sie begleiten solle, verneinte Heyman dies: 'Sie wolle alleine reisen, ihre Eltern sehen, damit es ihr noch einmal gut geht', schreibt ihre Tochter. Lisa Heymanns Großvater hatte Ende des 19. Jahrhunderts zusammen mit seinem Bruder die Laizer Adler-Brauerei erworben, schreibt Kreisarchivar Edwin Weber in einem Aufsatz über die Familie. 1910 erwarben die Brüder das Hofbräuhaus an der Karlstraße, auf dessen Gelände heute das Finanzamt steht. Die Familie Frank wohnte auch auf diesem Gelände.
Als einzige jüdische Schülerin im damaligen staatlichen Gymnasium wurde Heyman zusehends isoliert. Ihre Freunde mieden sie und kamen nicht mehr zu ihr nach Hause. 1940 heiratete sie in den USA ihren Mann, den sie in Sigmaringen kennengelernt hatte. Ohne Englisch-Kenntnisse versuchten die Franks in der neuen Welt Fuß zu fassen. Lisa Heyman hielt sich mit Jobs über Wasser und musste auch ihre Eltern versorgen. Erst später kam sie laut Kreisarchivar Weber durch denVerkauf von Textilwaren in Louisville, Kentucky, zu einem bescheidenen Wohlstand."  
Link zum Artikel   
    
Artikel von Edwin Ernst Weber in der "Schwäbischen Zeitung" vom 20. Januar 2017: "'Stolperstein'-Verlegung erlaubte Lisa Heyman eine versöhnliche Heimkehr
Der Kreisarchivar erinnert an die kürzlich verstorbene Sigmaringerin, die während der Nazi-Herrschaft vertrieben wurde und in die USA auswanderte
Sigmaringen
- Zwei Monate vor ihrem 99. Geburtstag ist am 13. Dezember 2016 Lisa Heyman geb. Frank, in Sarasota in Florida in den USA verstorben. Körperlich geschwächt, aber bis zuletzt mit wachem Geist war sie in den letzten Monaten ihres langen, bewegten Lebens in Gedanken immer wieder in ihrer unvergessenen Heimatstadt Sigmaringen, die sie zuletzt im Mai 2012 auf Einladung der Stadtverwaltung besucht hatte, um an der Verlegung von sechs sogenannten 'Stolpersteinen' am Ort des früheren Wohn- und Geschäftshauses der Familie Frank an der Karlstraße teilzunehmen und sich im Rathaus in das Goldene Buch der Stadt einzutragen. Diese öffentliche Geste des Erinnerns durch die Verantwortlichen und die Bürgerschaft von Sigmaringen an das den früheren jüdischen Mitbürgern unter der Naziherrschaft zugefügte bittere Unrecht bedeutete der alten Frau sehr viel und erlaubte ihr eine versöhnte Rückkehr in die frühere, geliebte Heimat, aus der sie mit ihrer Familie in finsterer Zeit des Rassenwahns und der Unmenschlichkeit vertrieben worden war.
Lisa Frank wurde am 24. Februar 1918 als zweites Kind des Unternehmers und Brauerei-Besitzers Siegfried Frank und seiner Ehefrau Emma geb. Rieser, in Sigmaringen geboren. Zusammen mit seinem Bruder Karl als Mitinhaber betrieb Siegfried Frank in zweiter Generation die Löwenbrauerei in Laiz mit mehr als zwei Dutzend Mitarbeitern und rund 50 als Bierabnehmer angeschlossenen Gaststätten. Nach der Aufgabe der Brauerei im Gefolge von Krieg und Wirtschaftskrise betätigte sich Siegfried Frank unternehmerisch in der Möbelfertigung, dem Auto- und dem Immobilienhandel. Die wohlhabende Familie, die im sogenannten Saalbau am Standort des heutigen Finanzamts die Wohnung wie auch die Geschäftsräume hatte, war angesehen in ihrer Heimatstadt: Siegfried Frank war nach seiner Heirat an der Fasnet 1910 als erster Jude überhaupt gebräutelt worden. In den 1920er-Jahre gehörte es zur gesellschaftlichen Normalität, dass Lisa, ihr sieben Jahre älterer Bruder Kurt und auch ihr Vetter Werner als einzige jüdische Schüler zunächst die Volksschule und sodann das damalige Staatliche Gymnasium in der Hedinger Straße besuchten, wo Kurt Frank 1930 sein Abitur ablegte und Lisa Mitte der 1930er-Jahre gleichfalls der Reifeprüfung zustrebte. Die Kindheits- und Jugendjahre in Sigmaringen vor 1933 hatte Lisa Heyman als mit die glücklichste Zeit ihres Lebens in Erinnerung behalten.
Als mit dem Machtantritt der Nazis 1933 ein hasserfüllter Antisemitismus, der die Juden für alle Übel der Welt verantwortlich machte, zur Staatsdoktrin und zur allenthalben verkündeten öffentlichen Wahrheit wurde, verlor auch die Familie Frank mit erschreckender Schnelligkeit ihr soziales Netz, wurde in der Stadtgesellschaft isoliert und ihrer ökonomischen Grundlagen beraubt. Vom erzwungenen sukzessiven Verkauf des beträchtlichen Immobilien- und Grundbesitzes profitierten viele, auch die Stadt Sigmaringen. Aus dem angesehenen 'Herr Frank' wurde der missachtete 'Jud Frank'. Der Jura-Student Kurt Frank wurde bereits 1933 an der Universität Würzburg zum Opfer antisemitischer Ausschreitungen und emigrierte 1936 in die USA. Lisa Frank wurde am Sigmaringer Gymnasium als einzige jüdische Schülerin von Lehrern und Mitschülern derart gemobbt, dass sie im Oktober 1935 schließlich die Schule ein Jahr vor dem Abitur ohne Abschluss verließ. Nachdem sie sich vergeblich um ein Visum für die Schweiz bemüht und zwischenzeitlich am jüdischen Bloch-Institut in Stuttgart eine Ausbildung als Physiotherapeutin absolviert hatte, gelang auch ihr 1937 die Auswanderung nach Amerika. Die Eltern Siegfried und Emma Frank konnten sich erst zur Emigration entschließen, nachdem Siegfried Frank nach der Pogromnacht vom 9. November 1938 drei Tage im Sigmaringer Amtsgerichtsgefängnis inhaftiert und nur gegen die Zusage, Deutschland unverzüglich zu verlassen, wieder freigelassen worden war.
Narrenzunft jubiliert: Sigmaringen ist frei von Juden. Es war der Sigmaringer Narrenzunft vorbehalten, in ihrer Narrenzeitung 1939 zu jubilieren, dass Sigmaringen 'nun wieder ganz frei von Juden' sei. Die Eltern von Lisas späterem Ehemann Julius Heyman, denen die rechtzeitige Flucht aus Deutschland nicht mehr gelang, wurden im März 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.
Weitgehend mittellos und anfänglich ohne englische Sprachkenntnisse war der Neuanfang für die Emigranten aus Nazi-Deutschland nicht leicht. Lisa Frank und ihr Bruder Kurt verdienten sich ihren Lebensunterhalt anfänglich als Haushaltshilfe, Kindermädchen und Masseurin sowie als Geschirrspüler, Fabrikarbeiter und Hausierer, ehe sie schließlich mit einem Textilgeschäft und einem Möbel- und Textilvertrieb in Louisville in Kentucky durch harte Arbeit einen bescheidenen Wohlstand aufbauen konnten. Lisa heiratete 1940 den aus Augsburg stammenden Juden Julius Heyman, den sie bereits in den 1930er-Jahren kennengelernt hatte, als dieser auf seinen Reisen als Vertreter von Schneiderwaren aufgrund der nationalsozialistischen Rassegesetze nicht mehr in Hotels logieren konnte und in Sigmaringen bei der einzigen jüdischen Familie Unterkunft fand. Dem Ehepaar wurden die drei Kinder Bonnie (*1946), Patricia (*1950) und Robert (*1951) geschenkt. Ein schwerer Verlust war für Lisa und ihre Familie der Tod ihres Vaters Siegfried Frank, der kaum vier Jahre nach seiner Ankunft in den USA im März 1943 mit 63 Jahren an den Folgen einer Kropfoperation starb.
Heyman besucht die alte Heimat dreimal. Trotz der erlittenen Demütigungen und Verfolgungen nahm die Familie Frank schon bald nach Kriegsende wieder Kontakt in die alte Heimat zu den wenigen ihnen treu gebliebenen Freunden auf. Auch zur Betreibung des Wiedergutmachungsverfahrens waren Emma Frank und auch Kurt Frank 1954 zu Besuch in Sigmaringen, und im selben Jahr war die Sigmaringer Junglehrerin Hannelore Schlöder während eines Lehreraustauschs in den USA einige Tage zu Gast bei Lisa und Julius Heyman wie auch von Kurt Frank und seiner Familie in Louisville.
Nach der Ermordung seiner Eltern in Auschwitz tat sich Julius Heyman schwer mit einer Rückkehr nach Deutschland, die erst 35 Jahre nach der Emigration zu Beginn der 1970er-Jahre gemeinsam mit Lisa mit Besuchen in den Heimatstädten Augsburg und Sigmaringen zustande kam. Ein zweites Mal war Lisa nach dem Tod ihres Mannes zusammen mit ihrer Tochter Patsy 1995 zu Besuch in Sigmaringen, wo es zu ihren Ehren sogar ein improvisiertes Klassentreffen ihres ehemaligen Grundschuljahrgangs mit Erinnerungsfoto auf dem Marktplatz gab.
Zu einem dritten Besuch kam Lisa Heyman im Mai 2012 auf Einladung ihrer Heimatstadt nach Sigmaringen. Nachdem der Verfasser dieser Zeilen seine Forschungen zum Schicksal der Sigmaringer Familie Frank in einem Vortrag und einer anschließenden Publikation öffentlich gemacht hatte, beschloss auf Antrag der SPD-Fraktion der Kulturausschuss des Gemeinderats einstimmig, als Erinnerung an die sechs Mitglieder der Familien Frank und das ihnen zugefügte Unrecht sogenannte Stolpersteine durch den Kölner Künstler Gunter Demnig verlegen zu lassen. Die Teilnahme an der Stolperstein-Verlegung war Lisa so wichtig, dass sie sich mit ihren damals 94 Jahren über die Warnungen ihres Arztes vor der anstrengenden Reise hinwegsetzte. Sie wohnte im Josefinenstift, wo sie nach einem von der betreuenden Schwester geführten Kalender den Besuch zahlreicher Freunde und Bekannter aus Jugendtagen erhielt. Neben der Stolperstein-Verlegung und dem Besuch im Sigmaringer Rathaus standen auf dem offiziellen Programm auch die Einladung in das Hohenzollern-Gymnasium, deren Vorgängeranstalt Lisa Frank bis zu ihrer Vertreibung 1935 besucht hatte. In einem spannenden Zeitzeugengespräch mit den Abiturienten des HZG berichtete sie von ihren bitteren Erfahrungen, von den Lehrern und Mitschülern geschnitten und ausgegrenzt zu werden, und ihrem von einem enormen psychischen Druck erzwungenen Abgang von der Schule. Ihr Traum, Medizin zu studieren und Ärztin zu werden, sei damit geplatzt gewesen. Eindrücklich schilderte sie den Schülern, wie ihre Eltern sich lange Zeit geweigert hätten, Hitler und die Nazis als Bedrohung für ihr Leben zu sehen, und von der für ihre Familie traumatischen Ermordung des Onkels in Dachau und der Schwiegereltern in Auschwitz.
Fähigkeit zur Begegnung ohne Groll und Bitterkeit. 
Für den Autor dieses Beitrags war es eine der bewegendsten und unvergesslichsten Erfahrungen in seinem Berufsleben als Historiker und Archivar, erleben zu dürfen, wie Lisa Heyman den Freunden und Bekannten aus Kinder- und Jugendtagen ebenso wie der jungen Generation ohne Groll und Bitterkeit begegnete und in einer unnachahmlichen Mischung aus Englisch, Deutsch und Schwäbisch neugierig und interessiert das Gespräch und den Kontakt suchte. Es war für die alte Frau ein Stück weit eine Heimkehr und das Heilwerden einer schmerzhaften Verwundung. Die Einladung ihrer Heimatstadt und das von Bürgermeister Thomas Schärer mit der Stolperstein-Verlegung verbundene 'Zeichen gegen das Vergessen' bedeuteten ihr viel.
Ihre letzten Jahre verbrachte Lisa Heyman in Florida bei ihrer Tochter Patsy, die sie zusammen mit ihrem Mann Alan Roer liebevoll betreute und umsorgte. Obgleich sie 79 Jahre in den USA lebte und nur 19 in Deutschland, sei Sigmaringen stets ihre Heimat geblieben, in die sie in den letzten Monaten vor ihrem Tod zurückkehren wollte, wie ihre Tochter berichtet. Dass die Tochter der jüdischen Familie Frank aus Sigmaringen aber zugleich auch die Überlebende eines Menschheitsverbrechens ist, wird daran erkennbar, dass auf ihren ausdrücklichen Wunsch in ihrer in Florida veröffentlichten Todesanzeige um Spenden für das United States Holocaust Memorial Museum in Washington gebeten wird."  
Link zum Artikel   

  
    

Links und Literatur  

Links: 

Website der Stadt Sigmaringen    

Literatur:  

Edwin Ernst Weber: Geraubte Heimat - Zum bitteren Schicksal der jüdischen Familie Frank aus Sigmaringen in der NS-Zeit. In: Zeitschrift des Hohenzollerischen Geschichtsvereins 46 2010 S. 1-32.  Online eingestellt (pdf-Datei).  

   
     

                   
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Stand: 06. Oktober 2017