Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Villingen (Stadt Villingen-Schwenningen, Schwarzwald-Baar-Kreis) 
Jüdische Geschichte / Synagoge/Betsaal
   
      
(Bitte besuchen Sie zur Erinnerungsarbeit in Villingen auch die Seite http://virtuellestolpersteine.wordpress.com/

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Mittelalter  
19./20. Jahrhundert  
nach 1945  
Zur Geschichte der Synagoge / des Betsaals     
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Fotos / Darstellungen  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
Links und Literatur   

     

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  (english version)     
   
Mittelalter

In der bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts habsburgischen Stadt Villingen bestand eine jüdische Gemeinde zunächst im Mittelalter. Erstmals werden 1324 Juden in der Stadt genannt. Die Judenverfolgung in der Pestzeit 1348/49 vernichtete die Gemeinde. Von Ende des 14. Jahrhunderts bis zur Ausweisung der Juden 1510 werden wieder einige jüdische Einwohner in der Stadt genannt. 
  
  
19./20. Jahrhundert

Erst in der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert (ab 1862) konnten jüdische Personen wieder zuziehen. Nachdem 1895 die Zahl der jüdischen Einwohner in Villingen auf 37 Personen angewachsen war, gründeten sie eine jüdische Gemeinde, die der Gemeinde in Randegg als Filialgemeinde zugewiesen wurde. 1900 zählte Villingen 62 jüdische Einwohner, die vor allem aus Gailingen und Randegg zugezogen waren. 
 
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde einen Betsaal (s.u.). Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof in Randegg beigesetzt. 1902 wurde eine Religionslehrer-, Vorsänger und Schächterstelle für Villingen ausgeschrieben (siehe unten). Ob sie besetzt wurde, ist nicht bekannt. 1926 kam zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde (vom Unterricht bis zum Schächten) regelmäßig der jüdische Lehrer aus Randegg nach Villingen (siehe unten Bericht von 1926).  Die Gemeinde gehörte zusammen mit Randegg zum Rabbinatsbezirk Gailingen. 
 
Um 1924, als zur Villinger Filialgemeinde 45 Personen gehörten (in 12 Haushaltungen), war Gemeindevorsteher Salomon Bloch. 

Bis nach 1933 bestanden mehrere jüdische Handels- und Gewerbebetriebe in der Stadt, darunter Viehhandlungen, ein Immobiliengeschäft, Textilgeschäfte und ein Kaufhaus. Auch ein jüdischer Rechtsanwalt hatte sich in der Stadt niedergelassen. Es handelte sich dabei insbesondere um folgende Betriebe: Viehhandlung
Hermann Bikart (Kanzleigasse 6), Viehhandlung Louis Bikart (Waldstraße 11), Konfektionsgeschäft Salomon Bloch (Rietstraße 15), Textilgeschäft Josef Boß (Obere Straße 1), Immobilien Karl Rothschild (Waldstraße 27), Textilgeschäft Heinrich Schwab und Viehhandlung Jakob Schwab (Rietstraße 40), Viehhandlung Hugo Schwarz (Gerberstraße 33), Reisegeschäft Felix Zaitschek (Friedrichstraße 7), ferner Rechtsanwalt Bernhard Schloß (Luisenstraße 8).
  
1933 lebten 60 jüdische Personen in Villingen. Auf Grund der einsetzenden Entrechtung, der Repressalien und der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts ist in den folgenden Jahren ein Teil der jüdischen Einwohner aus Villingen verzogen. An sind nach Villingen noch zugezogen. Zu ersten Ausschreitungen gegen jüdische Einwohner war es bereits 1933 gekommen. Von insgesamt 75 nach 1933 registrierten jüdischen Einwohnern konnten 42 emigrieren. Am 22. Oktober 1940 wurden 11 jüdische Einwohner nach Gurs deportiert.  
 
Von den in Villingen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Jeanette Bikart geb. Guggenheim (1892), Louis Bikart (1893), Ruth Bikart (1921), Silva Bikart (1926), Hermann Faber (1908), Berthold Haberer (1882), Heorgine Haberer geb. Seckels (1893), Julius Kahn (1867), Simon Kahn (1863), Heinrich Schwab (1885), Martha Schwab (1894), Bertha Schwarz geb. Fröhlich (1863, Foto des Grabsteines in Gurs siehe unten), Irma Schwarz geb. Oberndörfer (1900), Julie Schwarz (1903), Emma Zaitschek (1903), Lina Zaitschek geb. Rosner (1868). 
     
     
Nach 1945 

Die seit den 1990er-Jahren überwiegend aus den GUS-Ländern in Villingen-Schwenningen wieder zugezogenen jüdischen Personen bildeten 2001 die Jüdische Gemeinde für Villingen-Schwenningen und Schwarzwald Baar e.V. 

Dadurch, das die Vorsitzende in Rottweil wohnhaft war, wurde 2003 eine neue Jüdische Gemeinde auch in Rottweil begründet. Die Villinger Jüdische Gemeinde bestand jedoch weiter und war weiter für den gesamten Schwarzwald Baar und Heuberg tätig, auch wenn die Aktivitäten nun vermehrt durch das neue jüdische Leben in Rottweil bestimmt wurden. 2006 jedoch wurde durch Zuwanderung aus Israel jüdisches Leben auch in der Gemeinde Villingen-Schwennigen und dem Baar Heuberg Kreis wieder aktiv. Mit der Neuformierung eines jüdischen Kulturvereins "Kadima'"und der Vorstandsumbildung der Jüdischen Gemeinde Villingen und Schwarzwald Baar Heuberg e.V. trat nun die Urgemeinde wieder zurück ins Rampenlicht der Geschichte. Seitdem feiern Juden in Villingen wieder Schabbat, haben einen eigenen Kantor und sind an vielen Aktivitäten beteiligt
   
Weitere Informationen siehe die Website der "Jüdischen Gemeinde Villingen-Schwenningen und Schwarzwald Baar e.V.".     
  
   
      
      
Zur Geschichte der Synagoge / des Betsaals         
    
Das mittelalterliche jüdische Wohngebiet lag in der Oberstadt. Eine Synagoge, die 1379 als "Judenschule" genannt wird, befand sich im Winkel zwischen dem Münsterplatz und der heutigen Kronengasse. Nach der Judenverfolgung 1349 ging sie in den Besitz des Spitals über. 
    
   
19./20. Jahrhundert: richtete die neu entstandene Filialgemeinde einen Betsaal ein. Hierfür stellte der Viehhändler Hugo Schwarz das Obergeschoss seines Hauses in der Gerberstraße 33 zur Verfügung. Beim Novemberpogrom 1938 verschafften sich SS- und SA-Leute aus Villingen mit Gewalt den Zutritt zum Haus des Betsaales. Die Meute setzte diesen in Brand und misshandelte den Hausbesitzer Hugo Schwarz.  

Das Haus in der Geberstraße 33 ist als Wohnhaus erhalten. Unweit davon erinnert seit 1978 auf Grund einer Initiative von Rudolf Janke (siehe Bericht unten) an einem Brunnen in der Gerberstraße eine Gedenktafel an den ehemaligen Betsaal. 
   
Die seit den 1990er-Jahren zugezogenen jüdischen Einwohner im Bereich von Villingen-Schwenningen besuchten zunächst den Betsaal in Rottweil. Seit 2006 werden auch in Villingen wieder eigene Gottesdienste abgehalten.   
   
   
   

Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
        
Mittelalter 
Über den aus Villingen stammenden Juden Mathis Eberler und die Geschichte seiner Nachkommen in Basel (zu einem Vortrag von 1905)
  

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 17. März 1905: "Basel. In der hiesigen historischen Gesellschaft hielt Herr Dr. August Burkhardt einen äußerst interessanten Vortrag über 'die Eberler genannt Grünzweig, eine Basler Familie des 14. und 15. Jahrhunderts.'
Es ist dies die Geschichte einer jüdischen Familie im ausgehenden Mittelalter und zugleich ein Stück Rechts- und Kulturgeschichte. Basel hat die Juden früher als andere oberdeutsche Städte aufgenommen und schon am Anfang des 13. Jahrhunderts existierte hier eine starke jüdische Kolonie. Bischof Heinrich von Thun musste den Juden im Jahre 1223 den Domschatz verpfänden. Das Ghetto befand sich am Rindermarkt, im heutigen Grünpfahlgässchen, der Friedhof da, wo jetzt der Werkhof steht. Im 14. Jahrhundert ging es auch den Juden in Basel schlecht, weil man sie, wie überall, falsch beschuldigte, die Brunnen vergiftet zu haben. Im Jahre 1349 wurden alle erwachsenen Juden in einem hölzernen Haus auf einer Rheininsel verbrannt, die Kinder aber getauft und im christlichen Glauben erzogen. Der Rat verbot, dass fernerhin Juden in der Stadt wohnen dürften. Doch bald waren dieselben wieder hier ansässig. Sie wurden Bürger und werden sogar zu Staatsämtern zugelassen, ein gutes Zeugnis für die Toleranz im 14. und 15. Jahrhundert gegenüber späteren Zeiten. Das typische Beispiel einer solchen jüdischen Familie sind die Eberler oder Eberlin, die den Beinamen 'Grünzweige' annahmen. Der Stammvater Mathis Eberler aus Villingen erlangt 1393 auf dem Muttenzer Zug mit 500 anderen das Basler Bürgerrecht. Er ist Schlosser, steigt in politischen und militärischen Ämtern rasch aufwärts und wird 1445 Hauptmann des eroberten 'Steins zu Rheinfelden'. So überraschend entwickeln sich Reichtum und Macht der Familie, dass ein Enkel des eingewanderten Villinger Juden Schlossherr zu Hiltalingen und Gemahl einer Geroldseck wird. Natürlich hört damit auch das Geschlecht auf, ein jüdisches zu sein. Doch andererseits ist es Tatsache, dass, nachdem sich dieses Geschlecht mit den angesehensten Familien der Stadt verschwägert hatte, heute noch unter den alten Baslern keiner ist, in dessen Adern nicht das Blut des Juden Mathis Eberler von Villingen rollt."  

   
   
19./20. Jahrhundert 
Ein Jude wurde zwischen Villingen und Vöhrenbach beraubt (1832)     

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" von 1832 S. 620 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Bekanntmachung
Es ist zu diesseitiger gerichtlicher  Kenntnis gekommen, dass einem Juden dessen Signalement unten beigefügt ist, etwa im Monate Mai laufenden Jahres auf der Straße von hier nach Vöhrenbach etwas Geld gewaltsamer Weise abgenommen worden sei.  -  
Da viel daran gelegen ist, über die Person des Beurlaubten nähern Aufschluss zu erhalten, so wird dies zur öffentlichen Kenntnis gebracht, und sämtliche Polizeibehörden ersucht, etwaige Notizen schleunigst anher mitteilen zu wollen. - 
Signalement
. Er war ein magerer Pursche, 5' 5" groß und mag 30 Jahre alt sein. Er trug einen dunkelgrünen Frack, dunkelgraue Beinkleider von Tuch, eine weiße Weste, vielfarbiges Halstuch, eine braune Kappe, die auf der Seite etwas herunterhing und oben in der Mitte einen Knopf von gleichem Zeuge hatte. An der Kappe war ein Schild, der oben bläulich und unten grün war.  
Villingen
, den 16. Juli 1832. Großherzoglich badisches Bezirksamt. Pezold."     

     
Der antisemitische Hofprediger Adolf Stoecker ist in Villingen "von amtlicher Seite" nicht erwünscht (1890)    
Anmerkung: Zu Adolf Stoecker siehe den Wikipedia-Artikel "Adolf Stoecker". Zur "Kreuzzeitung" siehe den Wikipedia-Artikel "Kreuzzeitung".      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30. Oktober 1890: "'In Villingen wurde der bekannte Hofprediger von amtlicher Seite aufgefordert, die Judenfrage unberührt zu lassen'. So berichtet die 'Kreuzzeitung'. Zwei Gründe wurden geltend gemacht. Erstens lebe man in Villingen in sehr gutem Einvernehmen  mit den Juden, zweitens könnte es sonst Krakeel in der Versammlung geben, auch die Sozialdemokraten würden dann nicht ruhig sein. Selbstverständlich ist die 'Kreuzzeitung' mit jener amtlichen Aufforderung nicht einverstanden."          

 
Anzeige: Religionslehrer für die Filialgemeinde Villingen gesucht (1902)    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. November 1902: "Bei der Filialgemeinde Villingen ist die neu errichtete Religionsschulstelle, verbunden mit dem Vorsänger- und Schächterdienst sofort zu besetzen. Gehalt 800 Mark, Mietsentschädigung Mark 100 und Schulaversum Mark 100 jährlich. Ledige Bewerber wollen beglaubigte Zeugnisabschriften an unterzeichnete Stelle baldigst einsenden. 
Bezirkssynagoge Gailingen (Baden)."       


Bericht vom Besuch eines orthodoxen Juden in Villingen in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. August 1926   

Villingen Israelit 19081926a.jpg (237723 Byte)Artikel aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. August 1926: "Die Kreisstadt Villingen an der Schwarzwaldbahn ist ein landwirtschaftlich und wirtschaftlich hervorragender Platz. Seine breiten, sauberen Straßen, seine Mauern und Tortürme, seine Anlagen und Burgen geben eine glückliche Mischung von Altertümlichem und Modernem. Allenthalben bemerkt das Auge des Besuchers Interessantes, und unverkennbar ist ein Ausdruck von Behaglichkeit, der über dem Stadtganzen ruht.
Auf meine Frage nach der jüdischen Bevölkerung antwortet man mir, in Villingen sei keine jüdische Gemeinde. Ich muss wohl recht zweifelnd zurückgeschaut haben, denn in dieser belebten Handels- und Gewerbestadt hatte ich allerdings Glaubensgenossen vermutet. Aber obwohl mir mein Gewährsmann versicherte, dass Villingen keine jüdische Gemeinde besitze und noch nie eine solche in seinen Mauern beschützt habe, erfuhr ich, dass einzelne jüdische Familien dort wohnen. Die Ladenfirmen waren meine Wegweiser. Freundliche Menschen waren sofort bereit, mir die Synagoge zu zeigen, einen einfachen Betsaal, der selten genug benutzt wird. Man zählte mir sieben Familien auf, die zuweilen einen Gottesdienst veranstalten, bei dem ein Gemeindemitglied vorbetet. Die Toravorlesung aber unterbleibt. Eine eigene Gemeinde bildet Villingen in der Tat nicht, es gehört zu dem - nicht nahen - Randegg. Von dort kommt wöchentliche einmal der Religionslehrer zu einer Unterrichtsstunde und zum Geflügelschächten. Koscherfleisch beziehen die paar Familien, de darauf reflektieren, aus Dürrheim. 
Soweit die Tatsachen, die ich gelegentlich meines Synagogenbesuches kennen lernte. Ich erfuhr, dass sämtliche Kaufläden am Schabbos geöffnet sind, während die Viehhändler an diesem Tage keinen Handel treiben. Dass angesichts solcher Verhältnisse ein Gottesdienst am Sabbatmorgen selten zustande kommt, und dass die jungen Leute kaum mehr hebräisch lesen können, konnte mich nicht verwundern, Desto mehr erstaunte ich, als ich später erfuhr, dass es nicht 7, sondern tatsächlich 22 jüdische Steuerzahler und nur ein einziges Schulkind in der Stadt gebe.
Ich besuchte einige Familien und war entzückt von dem freundlichen Entgegenkommen, das ist dort fand. Mit großer Herzlichkeit nahm man den fremden Bruder bei sich auf und sprach sich mit ihm offen über viele der mannigfachen Probleme aus, die die Juden im allgemeinen und jene kleine Schar im besonderen berühren. Offene Herzen! Tief darfst du hineinschauen, und wenn auch noch so viel Schutt und Geröll dort lagert, auf dem Grunde findest du Perlen. 
Welche verschiedenartige Reste jüdischen Lebens, kannst du da ausgraben! Siehst nebeneinander die Matrone, die noch nie den Sabbat entheiligt hat, ja, sogar noch die "neun Tage" hält, und ihren erwachsenen Sohn, dem es schon gleichgültig ist, ob seine Kinder später die Speisegesetze beachten werden, da er selbst dadurch so viele Entbehrungen erleiden muss, die in dem gemeindelosen Zustand ihre Ursache haben, -und schon eine Viertelstunde später gewahrst du, wie neue und bessere Erkenntnis bei ihm Platz greift. Hörst die begeisterten Erzählungen von der in guten jüdischen Gemeinden verlebten Jugendzeit und genießest mit, wenn da die Augen aufleuchten und die Seelen sich laben an Erinnerungen längst vergangener Zeiten. Du fühlst den Hunger mit, den diese Leute empfinden nach einem Ton aus jüdischer Brust, nach einem Worte der Belehrung und Erbauung und erhältst so eine Vorstellung davon, welch gute Bausteine zu einer besseren Zukunft des Judentums hier ungenützt am Wege liegen bleiben.
Muss das so sein. Ist hier gar nichts zu ändern? - O doch! Mit kleinen Mitteln wäre an welchen Orten eine wesentlich Änderung zu treffen. Eine Gemeinde gründen, einen Vorbeter und Schächter anstellen, der in der Lage ist, mindestens elementaren hebräischen Unterricht zu erteilen, das wären die ersten Maßnahmen. Vor allem fehlt aber an solchen Orten - sagen wir die "innere Mission". Wenn ein Bezirksrabbiner es sich zur Aufgabe machen wollte, an solchen aufstrebenden Plätzen wie Villingen und Donaueschingen die einzelnen
Villingen Israelit 19081926b.jpg (76050 Byte)Familien aufzurütteln, den jüdischen Opfersinn in ihnen aus neue anzufachen, ihnen die Vergangenheit in ihrem Glanze und die Gegenwart und Zukunft in ihrer Öde wie in einem Spiegel vorzuweisen, es müsste und würde ihm gelingen, an Stelle der unhemmbar niedergehenden Dorfgemeinden aufblühende Stadtgemeinden zu pflanzen. In jener Zeit, gerade, als ich die Orte Villingen und Donaueschingen besuchte, da feierte die Gemeinde Wangen am Bodensee das hundertjährige Bestehen ihrer Synagoge. Von nah und fern strömten die Teilnehmer an dem Feste dorthin, wo an Stelle der einst mehr als fünfzig Familien umfassenden stattlichen Gemeinde heute nur zwölf Haushaltungen mit - was noch trauriger ist - nur 25 Seelen der Zeit entgegensehen, in der das große schöne Gotteshaus am See gänzlich verwaist sein wird. Wert dort an jedem - Festtage? - gehört hat, was Erinnerung unter Herzkrämpfen erzählte aus Wangen und Mühlheim, aus Gailingen und Randegg, wer die bunten Bilder, hervorgeholt aus der Kammer des Herzens und erfasst mit den Händen der Sehnsucht, geschaut hat, der wird andere darüber aufklären können, dass der Niedergang des Judentums auf dem Lande einen Verlust bedeutet, für den es einen Ersatz schlechtweg nicht gibt."

  
80. Geburtstag des langjährigen Gemeindevorstehers Salomon Bloch (1936) 

Villingen CV 01101936.jpg (21174 Byte) Meldung in der "CV-Zeitung" (Zeitung des Central-Vereins) vom 1. Oktober 1936: "Salomon Bloch (Villingen), Vorsteher der Kultusgemeinde, vollendet am 10. Oktober sein 80. Lebensjahr."

       
Erinnerung an die Deportation in das südfranzösische Internierungslager Gurs im Oktober 1940: Grabstein für Bertha Schwarz geb. Fröhlich in Gurs      

Rexingen Gurs BK 020.jpg (177287 Byte)Grabstein im Friedhof des ehemaligen Internierungslagers Gurs für 
Bertha Schwarz geb. Fröhlich,  
geb. am 3. Juni 1863 in Bieringen (bei Horb; nach Grabstein: Rexingen), später wohnhaft in Villingen
am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert, wo sie am 19. März 1943 umgekommen ist.  
(Foto: Bernhard Kukatzki)    

   
   
   
Fotos 
Historische Fotos  

Historische Fotos sind nicht bekannt, Hinweise bitte an den 
Webmaster von "Alemannia Judaica", E-Mail-Adresse siehe Eingangsseite

Fotos nach 1945/Gegenwart   
(Fotos: Hahn)  

Fotos um 1985   Villingen Synagoge 100.jpg (76291 Byte) Villingen Synagoge 101.jpg (96370 Byte)
   Brunnen in der Gerberstraße mit
 Gedenktafel für den Betsaal
Gedenktafel für den Betsaal der 
Villinger Gemeinde
          
Neuere Fotos 
(Hahn, Aufnahmen vom 27.7.2011) 
Villingen Betsaal 170.jpg (121724 Byte) Villingen Betsaal 171.jpg (101429 Byte)  
  Haus des ehemaligen jüdischen Betsaales in der Gerberstraße 33. Das Haus hatte der
 Viehhändler Louis Schwarz 1898 gekauft. Im Erdgeschoss befand sich seine
 Viehhandlung. Im 1. Stock war der Betsaal der jüdischen Gemeinde in Villingen.
     
Gedenken an 
die Synagoge  
Villingen Stadt 28010.jpg (105602 Byte) Villingen Stadt 323.jpg (140319 Byte)
  Der Brunnen mit der Gedenktafel in der Gerberstraße; Inschrift: "in dieser Strasse befand sich 
bis zum 09.11.1938 der Betsaal der jüdischen Gemeinde Villingen, der in der 'Kristallnacht'
 zerstört wurde. Diese Tafel soll der jüdischen Mitbürger gedenken, die in der Zeit der
 nationalsozialistischen Gewaltherrschaft verfolgt, vertrieben oder getötet wurden".    
     
    Villingen Stadt 321.jpg (124525 Byte)  Villingen Stadt 322.jpg (135408 Byte)
     
     
Münsterbrunnen mit Gedenken
 an die jüdische Geschichte
Villingen Stadt 28012.jpg (163754 Byte) Villingen Stadt 28013.jpg (173951 Byte)
   Auf dem 1989 auf der Nordseite des Münsterplatzes erstellten Brunnens (Künstler:
 Klaus Ringwald) erinnert eine Tafel an die jüdische Geschichte mit der Inschrift: 
"1933 kommen die Nationalsozialisten an die Macht. Es wird Nacht über Deutschland. 
Die jüdische Gemeinde ist verjagt oder ausgerottet. Das K.Z. bedroht die Freiheit 
der Gedanken, der Worte und der Gewissen."
      
Begräbnisplatz verstorbener 
jüdischer Personen aus Villingen: 
der jüdische Friedhof in Randegg
 
Randegg Friedhof 192.jpg (70265 Byte)  
  Grabstein für den Arzt in Villingen 
Dr. Leopold Hahn (1874-1925) 
 

    
    
 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   

2004: Die Verlegung von "Stolpersteinen" im Stadtgebiet Villingen-Schwenningen wird vom Gemeinderat mehrheitlich abgelehnt  
Artikel von Eberhard Stadler im "Südkurier" vom 22. April 2004 (Artikel): "Villingen-Schwenningen. "Stolpersteine" als Stein des Anstoßes. 
Wie provozierend die unselige Vergangenheit des Dritten Reiches auch knapp 60 Jahre nach seinem Untergang in die Gegenwart wirkt, zeigte sich gestern im Verwaltungsausschuss des Gemeinderates. Die Mehrheit der Stadträte lehnte es ab, künstlerisch gestaltete "Stolpersteine" in der Stadt verlegen zu lassen, die an ehemalige jüdische Mitbürger erinnern sollen..."   
    
Januar 2010: Schülerprojekt über Schülerinnen jüdischer Herkunft an den St.-Ursula-Schulen in Villingen     
Artikel von Wolfgang Trenkle im "Schwarzwälder Boten" vom 1. Februar 2010 (Artikel): "Geschichte auf dem Dachboden. 
VS-Villingen. Gerne hätten auch sie zwanglos auf dem Schulhof gespielt, Kindergeburtstag gefeiert, Freunde gefunden, ein ganz normales Leben gelebt. Doch der Rassenwahn der Nazis hat vieles verhindert oder zerstört. 

In einer Projektarbeit haben sich im Sommer drei Abiturienten der St.-Ursula-Schulen mit früheren Schülerinnen jüdischer Herkunft ihrer Schule beschäftigt (wir berichteten)..."   
    
Von Januar bis März 2010 war in Villingen eine Station der Ausstellung:       
"200 Jahre jüdische Religionsgemeinschaft in Baden -. Gleiche Rechte für alle?" In Villingen vom 24. Januar bis 7. März 2010 im Franziskanermuseum - Stadtarchiv 
 
Das Begleitprogramm (als pdf-Datei downloadbar)
Villingen Ausstellung 2009-10.jpg (101954 Byte) Link zur Seite des Landesarchivs Baden-Württemberg mit Informationen über diese Ausstellung  
Schülerarbeitsblätter zur Ausstellung (pdf-Datei, zum Herunterladen)
   
Februar 2010: Führung auf den Spuren der jüdischen Geschichte durch Villingen mit Heinz Lörcher       
Artikel von Christina Nack im "Südkurier" vom 22. Februar 2010 (Artikel):  eingestellt als pdf-Datei   
   
Juli 2010: Erinnerung an den Initiator der Gedenktafel in der Gerberstraße Rudolf Janke  
Artikel von Eberhard Stadler im "Südkurier" - Ausgabe Villingen-Schwenningen vom 9. Juli 2010 (Artikel): 
"Janke und die Erinnerung. 
Villingen-Schwenningen
– Erinnert sich noch jemand an Rudolf Janke? Er war der Mann, der dafür gesorgt hat, dass in Villingen eine kleine Erinnerungsstätte für die ehemalige jüdische Gemeinde und deren gewalttätige Zerstörung durch die Nazis in der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 errichtet wurde. Viele Jahre musste Rudolf Janke kämpfen, bis diese Gedenktafel in der Villinger Gerberstraße angebracht werden konnte. Sie erinnert an die von den Nazis zerstörte jüdische Gemeinde..."     
   
Mai 2011: Aufstellung des Gurs-Mahnmales am Bahnhof     
Artikel von Eva-Maria Huber im "Schwarzwälder Boten" vom 6. Mai 2011 (Artikel): "Ein Stern, der in die Zukunft weist. 
Villingen-Schwenningen.
Ein starkes Symbol an einem stark belebten Platz: Ein aus dem Villinger Wappen herausgebrochener Judenstern auf dem Mahnmal für die deportierten Juden, das gestern auf dem Villinger Bahnhofsvorplatz enthüllt wurde, mahnt und setzt Zeichen inmitten des Alltags..."  
   
Fotos von der Enthüllung 
des Mahnmales 

(©  Michael Zimmermann, Villingen-Schwenningen)
Villingen Mahnmal 132.jpg (106092 Byte) Villingen Mahnmal 131.jpg (122745 Byte) Villingen Mahnmal 130.jpg (97508 Byte) Villingen Mahnmal 130a.jpg (45021 Byte)
Das Mahnmal für die deportierten Villinger Juden wurde von Oberbürgermeister Rupert Kubon enthüllt. Das zweite Foto von links zeigt ihn mit den verantwortlichen Jugendlichen, Pastoralreferent Tobias Weiler und Künstler Matthias Schmiechen (links). Texttafel vor dem Mahnmal: "Dieses Mahnmal erinnert an die Deportation von 11 jüdischen Bürgern/-innen aus Villingen in das Internierungslager Gurs (Frankreich) am 22. Oktober 1940 durch die Nationalsozialisten. Der Stein zeigt das Villinger Wappen, aus dem ein Stück in Form eines Davidsterns herausgebrochen wurde. Jugendliche der St.-Ursula Schulen und der kirchlichen Jugendarbeit haben in Verbindung mit dem Ökumenischen Jugendprojekt 'Mahnmal' den Memorialstein entworfen und realisiert. Spenden engagierten Bürger/-innen ermöglichten seine Herstellung. Die Stadt Villingen-Schwenningen stellte der Platz zur Verfügung und übernahm die Aufstellung des Steins".   
   
Juli 2011: Bericht über die Ausstellung "Juden am obersten Neckar"  
Artikel im "Südkurier" (Lokalausgabe Villingen-Schwenningen) vom 13. Juli 2011 (Artikel): "Jüdisches Leben bereichert Unterricht [0] 
Das Deutenberg-Gymnasium zieht positive Bilanz zum Ende der Ausstellung 'Juden am obersten Neckar'. Die wechselt zum neuen Schuljahr nach Villingen ans Hoptbühl-Gymnasium.  

Villingen-Schwenningen (miz).  Anderthalb Jahre war dank der Initiative der Schwenninger Museumsgesellschaft die Ausstellung über die 'Juden am obersten Neckar' im Gymnasium am Deutenberg zu sehen. Im neuen Schuljahr zieht die pädagogisch aufbereitete Geschichtsschau nach Villingen. Am Deutenberg-Gymnasium war die Ausstellung ein Erfolg..."  
  
August 2011: In Villingen werden auf Grund der 2004 im Gemeinderat geführten Diskussion keine "Stolpersteine" verlegt    
Artikel im "Schwarzwälder Boten" (`Lokalausgabe") vom 19. August 2011 (Artikel): "Nein zu Stolperstein
Villingen-Schwenningen
(st). Vor sieben Jahren führten die Stadträte eine intensive Diskussion über Gedenksteine zur Erinnerung an ehemalige jüdische und andere Mitbürger in der Doppelstadt, die so genannten Stolpersteine. Der Gemeinderat entschied sich schließlich dagegen..."  
  
Oktober 2013: Neue Initiative zur Verlegung von "Stolpersteinen" in Villingen-Schwenningen    
Pressemitteilung in der "Schwäbischen Zeitung" vom 22. Oktober 2013 (Link zum Artikel): "'Stolpersteine' sollen an jüdische Opfer erinnern
Villingen-Schwenningen
/ sz (sz) - Mit einer ökumenischen Aktion versuchen die katholischen und evangelischen Kirchengemeinden in der Stadt Villingen-Schwenningen jetzt erneut, die Verlegung von 'Stolpersteinen' für die jüdischen Opfer der Nazi-Diktatur anzustoßen.
Der Gemeinderat von Villingen-Schwenningen hatte die 'Stolpersteine' 2004 verhindert. Nur ein namenloser 'Memorialstein' am Bahnhof und eine ebenfalls namenlose Gedenktafel erinnern an die jüdischen Opfer der Nazi-Diktatur in Villingen-Schwenningen.
75 Jahre nach der Reichpogromnacht nehmen der katholische und der evangelische Dekan sowie drei weitere geschäftsführende Pfarrer in Villingen-Schwenningen nun einen neuen Anlauf zur Verlegung von 'Stolpersteinen'. Zu ersten Ausschreitungen gegen jüdische Einwohner war es bereits 1933 gekommen. Von insgesamt 75 nach 1933 registrierten jüdischen Einwohnern konnten 42 emigrieren. Am 22. Oktober 1940 wurden elf jüdische Einwohner nach Gurs deportiert."   
  
Artikel im "Südkurier" vom 25. Oktober 2013 (Link zum Artikel): "Geistliche für ein würdiges Erinnern an ermordete Juden
Villingen-Schwenningen - Fünf evangelische und katholische Pfarrer aus Villingen-Schwenningen appellieren an den Gemeinderat, die Aktion 'Stolpersteine' in der Stadt umzusetzen. Es geht dabei um das Gedenken der Juden, die im Dritten Reich von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Der Gemeinderat hatte 2004 die Stolpersteinaktion abgelehnt.

Anlass für die Initiative der fünf Geistlichen: Am 9. November jährt sich das Gedenken an die Reichspogromnacht von 1938 zum 75. Mal. Damals veranstalteten die Nazis deutschlandweit eine öffentliche Hetzjagd auf die jüdischen Bürger. Das war der Einstieg in die systematsiche Verfolgung, die europaweit Millionen von Juden das Leben kostete.
'Die letzten Zeitzeugen sind allmählich in einem Alter, in dem sie nach und nach sterben. Wir finden es für die Menschen in unserer Stadt und ihr Bewusstsein wichtig, dieses dunkle Kapitel unserer Vergangenheit in unserer Stadt nicht zu verdrängen, sondern wirklich gut zu integrieren. Dazu müssen wir die Dinge anschaulich machen', heißt es in dem Schreiben der Pfarrer an die Mitglieder des Gemeinderates. Nach ihrer Überzeugung ist die europaweite Aktion 'Stolpersteine', bei der Pflastersteine mit den ein Messing eingravierten Namen der ermordeten Juden vor den damaligen Wohnhäusern verlegt werden, eine würdige und sehr geeignete Form des Erinnerns im Alltag.
Dies sei besser als eine Gedenktafel irgendwo 'im Abseits' aufzustellen. An der Initiative beteiligten der katholische Villinger Dekan Josef Fischer, sein evangelischer Kollege Wolfgang Rüter-Ebel, Hans-Ulrich Hofmann von der evangelisch-methodistischen Gemeinde Villingen-Schwenningen, der evangelische Stadtpfarrer von Frank Banse aus Schwenningen sowie der katholische Pfarrer Thomas Bucher, ebenfalls Schwenningen."   
 
November 2013: Der Verwaltungsausschuss lehnt auf Grund einer unveränderten Haltung der Fraktionen der CDU und der Freien Wähler die Verlegung von "Stolpersteinen" in der Stadt weiterhin ab   
Artikel von Eberhard Stadler im "Südkurier" vom 7. November 2013 (Link zum Artikel): 
"Villingen-Schwenningen Ausschuss lehnt Aktion Stolpersteine knapp ab. 
Villingen-Schwenningen - Abstimmung mit sieben gegen sechs Stimmen. Am Mittwoch entscheidet der Gemeinderat.

Das war knapp: Mit sieben gegen sechs Stimmen lehnte der Verwaltungsausschuss des Gemeinderates gestern Abend die Beteiligung der Stadt an der Aktion 'Stolpersteine' des Kölner Künstlers Gunter Demnig ab. Vertreter von CDU und Freien Wähler sagten, an ihrer Haltung habe sich seit 2004 nichts geändert. Schon damals hatte es Ratsmehrheit abgelehnt, mit dem Kunstprojekt 'Stolpersteine' an die von Nazis ermordeten Juden der Stadt zu erinnern. Eine Initiative von fünf Kirchenvertretern hat, wie bereits berichtet, anlässlich des bevorstehenden 75. Gedenktages an die Reichspogromnacht an den Gemeinderat appelliert, die Ablehnung von 2004 zu überdenken und sich dieser europaweiten Aktion doch noch anzuschließen. Allerdings scheinen die Fronten im Gemeinderat nach wie vor verhärtet. 'Wir wollen auch ein würdiges Gedenken an die NS-Opfer', betonte Renate Breuning für die CDU-Fraktion. Allerdings sieht sie in einer Erinnerungsstele für die ermordeten Juden ein würdigeres Gedenken als durch Gedenksteine, die vor den Häusern verlegt werden, wo einst später ermordeten Juden lebten. Zuvor hatte Oberbürgermeister Rupert Kubon (SPD) in kurzen Worten für die Aktion das Wort ergriffen. Es entstünden der Stadt keine Kosten, weil die Stolpersteine von Paten finanziert werden. Außerdem sei dies eine 'dynamische Angelegenheit', die es erlaube, verschiedenen Opfergruppen des NS-Regimes zu gedenken.
'Es gibt keine neuen Argumente.Wir halten am Beschluss von 2004 fest', bekräftigte dagegen Ulrike Heggen die Ablehnung der Freien Wähler. 'Ich kann Ihren Argumenten in keiner Weise folgen', entgegnete dagegen Cornelia Kunkis-Becker. Die Grünen begrüßten die Aktion. Alle Oberzentren im Umland hätten sich bereits daran beteiligt. Wenn Villingen-Schwenningen hier ausschere, werfe dies ein schlechtes Licht auf die Stadt, mahnte sie.
Heinz Lörcher (SPD) erklärte, es sei kein Widerspruch, eine Erinnerungsstele zu setzen und auch die Stolperstein-Aktion umzusetzen. Die Stadt Konstanz habe beides gemacht. Die Verlegung von Stolpersteinen habe den Vorteil, dass damit Geschichte 'konkret erlebbar gemacht' werde. Außerdem sei die Aktion keine abgeschlossene Sache. Auch andere Opfergruppen wie Sinti und Roma, Zeugen Jehovas, Homosexuelle, Euthanasie-Opfer und andere verfolgte Gruppen könnten zu einem späteren Zeitpunkt, wenn ihr Schicksal erforscht sei, ebenfalls in den Gedenkaktion einbezogen werden. Dass Hausbesitzer noch heutzutage unter Verdacht geraten könnten, sie hätten sich unrechtmäßig an jüdischem Besitz bereichert, hält Lörcher für abwegig. Dass die Steine 'eine Zumutung' für Hausbesitzer seien, wie Stadträtin Renate Breuning in einem Fernsehbeitrag geäußert hatte, wurde von Lörcher differenziert. Die Steine seien eine 'Zumutung' für alle Passanten, die man sich aber in historischer Verantwortung zumuten lassen müsse. FDP-Mann Hans-Dieter Kauffmann schloss sich Lörchers Meinung voll inhaltlich an. Am Schluss stimmten sieben Stadträte gegen die Aktion, sechs waren dafür, zwei enthielten sich. "    
 
November 2013: Nach der Ablehnung der "Stolpersteine" im Gemeinderat der Stadt durch die Mehrheit von CDU und Freien Wählern: Stiller Protest vor dem Rathaus der Stadt    
Artikel im "Schwarzwälder Boten" vom 19. November 2013: "Villingen-Schwenningen Stolpersteine: Jeden Sonntag stiller Protest
Villingen-Schwenningen - Die Ablehnung der Stolpersteine durch Christdemokraten und Freie Wähler beschäftigt die Bürger nach wie vor in hohem Maße. Zur festen Einrichtung soll nun immer sonntags, 19 Uhr, der stille Protest vor dem Villinger Rathaus werden..."  
Link zum Artikel     
Weitere Artikel:  
"Rund 120 Menschen gedenken jüdischer Mitbürger..." Artikel in der "Trossinger Zeitung" (schwaebische.de) vom 25. November 2013   
"Runder Tisch" zu Stolpersteinen
Artikel im "Schwarzwälder Boten" vom 27. November 2013.    
 
Dezember 2013: CDU und Freie Wähler befürworten ein oder zwei zentrale Mahnmale 
Artikel im "Südkurier" (Lokalausgabe) vom 5. Dezember 2013: "Mahnmal statt Stolpersteine beantragt..."   
Link zum Artikel     
 
Januar 2014: Schüler sorgen für "virtuelle Stolpersteine" 
Weiteres über den Link http://virtuellestolpersteine.wordpress.com/
  
Artikel in SWR Landesschau aktuell vom 13. Januar 2014: "Erinnerung an Holocaust-Opfer. Schüler schaffen 'virtuelle Stolpersteine'
Nach der wiederholten Ablehnung von Stolpersteinen durch den Gemeinderat in Villingen-Schwenningen sind jetzt zwei Schüler aktiv geworden: Sie haben zur Erinnerung an die Opfer des Holocaust eine Internetseite angelegt, in der sie die Opferfamilien vorstellen und ihren früheren Wohnhäusern zuordnen. Felix Flaig und Johannes Hebsacker besuchen die St. Ursula-Schulen in Villingen. Sie seien durch die mehrheitliche Ablehnung der Stolpersteine im Gemeinderat inspiriert worden, teilten die beiden mit. Die Website hätte sie dann mit Unterstützung ihre Kunst- und Geschichtslehrer konstruiert. Darauf ist ein Stadtplan von Villingen zu sehen, in dem die früheren Wohnhäuser von sechs jüdischen Familien eingezeichnet sind. Dazu gibt es historische Fotos und die jeweiligen Familiengeschichten. Die Schüler wollen in der Umgebung der Häuser auch noch Aufkleber mit so genannten QR-Codes (englisch: Quick Response, also: 'schnelle Antwort') anbringen, die mit einem Smartphone eingescannt werden können und dann zu weiteren Film- und Tonbeiträgen führen sollen..."  
Link zum Artikel     
Artikel im "Südkurier" (Ausgabe Schwarzwald-Baar-Heuberg" vom 14. Januar 2014: "Villinger Abiturienten schaffen 'virtuelle Stolpersteine'..."  
Link zum Artikel    
Artikel von Gerhard Hauser im "Südkurier" (Ausgabe Schwarzwald-Baar-Heuberg) vom 16. Januar 2014: 
"Enorme Resonanz auf die virtuellen Stolpersteine
Villingen-Schwenningen - Außergewöhnliches Kunstprojekt zweier Villinger Schüler macht im Netz Furore. Internetseite schildert repräsentativ das Schicksal von sechs jüdischen Familien in der Zähringerstadt... "
Link zum Artikel       
 
Februar 2014: Vorbereitungen zur Vereinsgründung der Stolperstein-Initiative  
Artikel im "Schwarzwälder Boten" vom 25. Februar 2014: "Villingen-Schwenningen. Stolperstein-Initiative bereitet Vereinsgründung vor..."  
Link zum Artikel   
 
März 2014: Kein Entgegenkommen von Seiten der Gegner von "Stolpersteinen"    
Artikel im "Schwarzwälder Boten" vom 18. März 2014: "Empört und enttäuscht
Villingen-Schwenningen
(bn). Von Empörung bis Enttäuschung über die derzeitige Entwicklung reichten die Emotionen beim jüngsten "runden Tisch" der Initiative pro Stolpersteine. Nach der erneuten Ablehnung der Stolpersteine durch den Gemeinderat, wochenlangen Mahnwachen und einem Gespräch mit den Gegnern aus den Fraktionen von CDU und Freien Wählern sind die Befürworter des Erinnerns aufgewühlt..." 
Link zum Artikel     
 
Mai 2014: Die ersten Stolpersteine sind bereits vor Ort - der Verein Pro Stolpersteine Villingen-Schwenningen ist gegründet   
Artikel in der "Schwäbischen Zeitung" vom Mai 2014: "Die ersten Stolpersteine gibt es schon
Initiative, die sich für das Gedenken an Nazi-Opfer einsetzt, ist jetzt ein Verein

Villingen-Schwenningen sbo Der Paukenschlag ist nach zweistündiger Diskussion über Formulierungen in der Satzung gekommen: Der neu gegründete Verein Pro Stolpersteine Villingen-Schwenningen ist bereits im Besitz von 19 beschrifteten Stolpersteinen und sicher, dass diese über kurz oder lang dort in den Boden gelassen werden, wo sie hingehören. Diese Stolpersteine sollen an Opfer des Nationalsozialismus erinnern..."
Link zum Artikel     
 
Juni 2014: Weitere Aktionen zu den "Stolpersteinen"  
Artikel von Eberhard Stadler im "Südkurier" vom 24. Juni 2014: "Weitere Aktionen für die Stolpersteine
Villingen-Schwenningen
- Die Initiative Stolperstein plant weitere Aktionen. Die nächste Podiumsdiskussion mit Befürwortern und Gegnern der Stolperstein-Aktion soll im Oktober stattfinden..."   
Link zum Artikel
   

    
      

Links und Literatur 

Links:  

Website der Stadt Villingen-Schwenningen  
Website http://virtuellestolpersteine.wordpress.com/     

Literatur:  

Christian Roder: Die Familie 'Maler' von Villingen. In: Schriften des Vereins für Geschichte und Naturgeschichte der Baar und der angrenzenden Landesteile in Donaueschingen". Heft 5 1885: darin S. 96-107: "Die Juden in Villingen".  
Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 242-243.  
Germania Judaica II,2 S. 854-855, III,2 S. 1536-1540.  
Andreas Faustein/Stefanie Fuchs/Sebastian Holzmann/Simone Simmerer/Bernd Schenkel:  
Juden in Villingen im 14. und 15 Jahrhundert, Reihe: Blätter zur Geschichte der Stadt Villingen-Schwenningen. Heft 2/97. 8 Seiten.  
Inventar über die Bestände des Stadtarchivs Villingen. 1-2. Bearb. H.J. Wollasch. 1971-1972.  
Kathrin Engel/Katja Hauser/Tatjana Kzimann: Judenschicksale in Villingen. Zum Gedenken an die ehemaligen jüdischen Mitbürger der Stadt Villingen. Reihe: Blätter zur Geschichte der Stadt Villingen-Schwenningen. Heft 1/1994. 8 Seiten.   
Weitere Arbeiten entstanden 2003 im Zusammenhang mit dem Geschichtspreis des Oberbürgermeisters.     
Projektdokumentation des ökumenischen Mahnmalprojekts "Mahnmal für die deportieren Jüdinnen und Juden Badens" - Projektgruppe Villingen. Eine Projektarbeit von Alexandra Eberhard, Julia Ganter, Tim Hauser, Jonas Mauch, Johannes Staudt, Lea Sturm, Michaela Schwert und Fabian Weil. 2010. Eingestellt als pdf-Datei.    
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007. 
Heinz Lörcher: Zusammenleben von Juden und Nicht-Juden in Villingen nach 1862. In: Villingen im Wandel der Zeit - Geschichts- und Heimatverein Villingen Jahrgang XXXVI / 2013.  Eingestellt als pdf-Datei.    

    
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Villingen Baden. The medieval community was wiped out in the Black Death persecutions of 1348-49 and a new community was expelled in 1510. The community was reestablished after emancipation in 1862 and numbered 75 in the Nazi era, affiliated with the Randegg congregation. Forty-two emigrated, ten left for other German cities, and 11 were deported. At least 18 perished in camps.  
   
    

                   
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Stand: 28. Oktober 2014