Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Texte aus dem 19./20. Jahrhundert zur mittelalterlichen und neuzeitlichen jüdischen Geschichte in Worms 
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Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde im 19./20. Jahrhundert  
Zum alten jüdischen Friedhof in Worms ("Heiliger Sand")  
-  Zum neuen jüdischen Friedhof in Worms-Hochheim   (diese Seite)    
 
               

Hochheim (Stadt Worms) 
Jüdischer Friedhof 
  

Zur Geschichte des Friedhofes          
    
Nachdem im Bereich des alten jüdischen Friedhofes in Worms keine Erweiterung mehr möglich war, hatte sich der Wormser Gemeindevorstand seit 1888 darum bemüht, einen neuen Begräbnisplatz anzulegen. Mit der Stadt schloss man einen Vertrag ab zur Anlage eines neue israelitischen Friedhofes auf der Hochheimer Höhe unmittelbar beim städtischen Zentralfriedhof. Der Vertrag wurde 1910 vom Kreisamt genehmigt. Von Baurat Georg Metzler wurden die Trauerhalle sowie ein Friedhofswärterhaus geplant. Die Einweihung des Friedhofes erfolgte durch Rabbiner Dr. Isaak Holzer im November 1911 anlässlich der Beisetzung eines Kindes (vgl. Bericht unten). Im Gegensatz zum alten Friedhof wurde auf dem neuen Friedhof in Ostrichtung beigesetzt. Die Friedhofsfläche umfasst 53,92 ar.   
     
Die im Jugendstil erbaute Trauerhalle auf dem Friedhof wurde von 1987 bis 2005 in Teilabschnitten umfassend saniert und renoviert. Am "Europäischen Tag der Jüdischen Kultur" 2005 (4. September) konnte sie wieder eingeweiht werden.  
    
Der Friedhof wird bis zur Gegenwart belegt.   
    
    
    
Berichte über den Friedhof in jüdischen Periodika des 20. Jahrhunderts   
   
Die Stadt stellt ein Grundstück zur Anlage des Friedhofes zur Verfügung (1910)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 29. April 1910: "Für einen neuen israelitischen Friedhof in Worms, der auf der Hochheimer Höhe errichtet werden soll, hat die Stadt ein Gelände von 3.900 Quadratmetern zur Verfügung gestellt."            

   
Übergabe des neuen jüdischen Friedhofes an die israelitische Gemeinde (1911)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. November 1911: "Worms, 20. November (1911). Der berühmte israelitische Friedhof von Worms, der seit dem 11. Jahrhundert der Begräbnisplatz der Wormser jüdischen Gemeinde war, ist mit dem heutigen Tag geschlossen worden. Gleichzeitig fand in Anwesenheit der Behörden die Einweihung des neuen, von der Stadt Worms gekauften Friedhofes auf der Hochheimer Höhe statt. Einen ausführlichen Bericht über den neuen Friedhof behalten wir uns für eine der nächsten Nummern vor."   
   
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Dezember 1911:  "Vorige Woche übergab die politische Gemeinde der Stadt der israelitischen Gemeinde denjenigen Teil des allgemeinen Friedhofes auf der Hochheimer Höhe, den sie zur ausschließlichen Benutzung angelegt hat. Der alte Judenfriedhof, der, wie einst der Prager, weltbekannt ist, schließt damit, nachdem er tausend Jahre seiner Bestimmung gedient hat, für immer seine Pforten. Doch wird er nicht wie der Prager dem Verkehr der Neuzeit zum Opfer fallen, sondern als unantastbares Eigentum der Kultusgemeinde und zudem unter Denkmalschutz späteren Geschlechtern in seiner jetzigen Beschaffenheit erhalten bleiben. Von Osten her grüßt ihn sein Altersgenosse, der unter Bischof Burkhard erbaute Dom mit ragenden Türmen, dem benachbart der jetzt verschwundene Bischofshof lag, in dessen Schutz diejenigen, deren Staub er birgt, im finsteren Mittelalter vor der entfesselten, vom Glaubensfanatismus angefachten wilden Mordlust der Menge so oft, meist erfolglos, sich flüchteten. Es ist ein Ort, der mit seinen unzähligen, in Form und Material sich gleichenden und mit krausen althebräischen Inschriften bedeckten grauen, verwitterten Steinen und durch die Erinnerungen, die er wachruft, ergreifend auf den Besucher wirkt. Wenn urkundlich das Jahr 1034 als Jahr der Grundsteinlegung der berühmten, im romanischen Stil erbauten Synagoge genannt wird, so darf angenommen werden, dass die Gemeinde, für die sie bestimmt war, schon damals der Größe dieses Gotteshauses entsprechend zahlreich war, und dass sie sowie die Mainzer schon um die Mitte des neunten Jahrhunderts sich ansässig gemacht hatte. Ungefähr dasselbe Alter dürfte auch der Friedhof haben, dessen ältester bisher gefundener Grabstein die Jahreszahl 1077 trägt. An der östlichen Mauer steht ein Grabstein, der dem Andenken der im ersten Kreuzzug der Wut des Volkes an der Spitze der Gemeinde zum Opfer gefallenen zwölf Vorsteher gewidmet ist. Dicht beim Eingang links von Wege fallen zwei Grabsteine in die Augen, deren Oberkante eine Menge kleiner vom Boden aufgeraffter Kiesel trägt; es sind die des berühmtesten Gesetzeskundigen seiner Zeit, des Rabbi Meir von Rothenburg, der in der Gefangenschaft des Kaisers Rudolf zu Ensisheim starb, und desjenigen, der seine Asche gegen hohes Lösegeld befreite und in Worms bestattete, eines Frankfurter Juden, Süßkind Wimpfen. Gar manche Größe im Geistesleben des Judentums hat hier seine letzte Ruhestätte gefunden."            

   
Der neue Friedhof wurde mit der Bestattung eines Kindes eingeweiht (1911)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Dezember 1911: "Worms, 13. Dezember (1911). Bei Gelegenheit der Bestattung eines Kindes wurde gestern Nachmittag der neue jüdische Friedhof auf der Hochheimer Höhe eingeweiht. Herr Rabbiner Dr. Holzer hielt die Weiherede und bezeichnete darin die Einweihung als ein hochbedeutsames Ereignis in der Geschichte der israelitischen Gemeinde. Tausend Jahre habe der bisherige Friedhof zur Bestattung der verstorbenen Gemeindemitglieder gedient, zum Teil in ernsten, trüben und schweren Tagen für die Gemeinde. Eine große Anzahl von Märtyrern für ihren Glauben, aber auch Helden des Geistes und des Menschentums seien dort bestattet, die im Gedächtnis der Nachwelt fortleben."            

  
Publikation zur Geschichte der jüdischen Friedhöfe - Gedenkschrift zur Eröffnung des neuen Friedhofes (1911)    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. Dezember 1911: "Zur Geschichte der Wormser jüdischen Gemeinde, ihrer Friedhöfe und ihres Begräbniswesens. Gedenkschrift zur Eröffnung des neuen Friedhofes. Worms, im November 1911. In Kommission bei der H. Kreuterschen Buchhandlung (Julius Stern). Die sehr hübsch ausgestattet, mit manchen Kunstbeilagen geschmückte Schrift enthält drei Abhandlungen: Zur Geschichte der Wormser jüdischen Gemeinde von ihren Anfängen bis zum neunzehnten Jahrhundert von Max Levy; Der alte jüdische Friedhof und das Begräbniswesen im 19. Jahrhundert. Der neue Friedhof von S. Rothschild; Die neue Friedhofsanlage von Gg. Metzler, Großherzoglicher Beigeordneter. Mich haben naturgemäß die beiden ersten mehr als die letzte interessiert. Besonders wichtig ist die über die Grabsteine und deren Wegnahme im Jahre 1519 (Dass unrugig = anrüchig ist, glaube ich nicht.). Ob die hier mitgeteilten Urkunden bereits einmal gedruckt waren oder hier zuerst veröffentlicht werden, wird nicht gesagt. Den Anfang der ersten Abhandlung hätte ich anders gewünscht; da der älteste erhaltene Grabstein aus dem Jahre 1055 stammt, so kann man das Bestehen der Gemeinde schwerlich über das Jahr 1000 hinaussetzen. Es scheint mir nicht ganz historisch, das Gerücht von einer vorchristlichen Ansiedlung der Juden in Worms anzunehmen. L.G."          
 
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 22. Dezember 1911: "Zur Geschichte der Wormser jüdischen Gemeinde, ihrer Friedhöfe und ihres Begräbniswesens. Gedenkschrift zur Eröffnung des neuen Friedhofs. 4 Abbildungen in Lichtdruck. 52 Seiten. Worms, H. Kräuter'sche Buchhandlung (Julius Stern). 
Der älteste Grabstein auf dem bisherigen Friedhofe trägt die Jahreszahl 1044. Die Geschichte dieses Friedhofes, der jetzt geschlossen wird, ist also eng mit der Geschichte der uralten und einst an jüdischer Gelehrsamkeit und Ansehen so reichen jüdischen Gemeinde verknüpft. 
Das vorliegende Buch zeichnet in kurzen Strichen die interessante Geschichte der Wormser Judenheit (Max Levy) und ihres Friedhofwesens (S. Rothschild) und gibt aus der Feder des Beigeordneten Gg. Metzler einen Überblick über die neue Friedhofsanlage."   

     
     
     
Lage des Friedhofes  
  
Der Friedhof liegt beim städtischen Hauptfriedhofes Hochheimer Höhe (Eckenbertstraße) mit einem separaten Eingang.   
   
   
Fotos 

Worms Friedhof 505.jpg (59381 Byte) Worms Friedhof 507.jpg (69480 Byte) Worms Friedhof 506.jpg (39940 Byte)
Trauerhalle und Friedhofswärterhaus vor der Restaurierung (um 1990); Quelle: Verein Warmaisa   

   
(Nachfolgende Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 2.8.2005)   

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Eingangstor Hinweistafel Friedhofswärterhaus
     
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Die Trauerhalle Deutsche und hebräische Portalinschrift
 der Friedhofshalle: "Gedenke der Vorzeit -
 Betrachtet die Jahre der vorigen 
Geschlechter" aus 5. Mose 32,7
Im Inneren der Trauerhalle
   
   
     
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Kapitell Die Restaurierungsarbeiten sind 
kurz vor dem Abschluss  
  
Denkmal für die Gefallenen des 
Ersten Weltkrieges: 
"Unseren Helden"
 
     
Wo Hochheim Friedhof 103.jpg (83935 Byte) Wo Hochheim Friedhof 106.jpg (89991 Byte) Wo Hochheim Friedhof 104.jpg (86689 Byte)
Teilansichten des Friedhofes  
 
Wo Hochheim Friedhof 105.jpg (93193 Byte) Wo Hochheim Friedhof 101.jpg (94434 Byte) Wo Hochheim Friedhof 107.jpg (84273 Byte)
Teilansichten des Friedhofes  
 
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Grabstein für eine 
jung verstorbene Frau  
Auffallendes Grabmal für 
Hedwig und Gustav Bayerthal  
Grabstein für Oberkantor 
Leo Agulnik
(1869-1933)  
     
Wo Hochheim Friedhof 109.jpg (80206 Byte) Wo Hochheim Friedhof 112.jpg (99927 Byte) Wo Hochheim Friedhof 108.jpg (94750 Byte)
Gräber von Verstorbenen in der Zeit
 des Zweiten Weltkrieges  
Grabplatte für Ludwig Gutmann, 
ermordet im KZ Buchenwald  
Neuere Grabreihe 
(2005)  
     
   Wo Hochheim Friedhof 102.jpg (93129 Byte)   
  Neueste Gräber     

   
   

Links und Literatur  

Links:

Website der Stadt Worms  

Website von "Warmaisa": Verein zur Pflege der jüdischen Kultur in Worms  

Fotos zum jüdischen Friedhof Worms-Hochheim auch in der Website von Stefan Haas:  https://www.blitzlichtkabinett.de/friedhöfe/friedhöfe-in-rlp-ii/ 

Literatur:  

100 Jahre Hauptfriedhof Hochheimer Höhe Worms 1902-2002. Festschrift zum 100jährigen Jubiläum des Wormser Hauptfriedhofs Hochheimer Höhe. Hg. von der Stadt Worms 2003. Hierin die Beiträge von Joachim Glatz: "Die Trauerhalle auf dem neuen Jüdischen Friedhof" S. 50-52 und von Fritz Reuter: Haus der Ewigkeit- Haus des Lebens. Der Neue jüdische Friedhof und die Gesellschaft Warmaisa S. 54-56.
Bericht über die Sanierung der Trauerhalle 2003.  

  
    

                   
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Stand: 03. Dezember 2016