Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Weitere Textseiten zur jüdischen Geschichte in Worms  
Texte aus dem 19./20. Jahrhundert zur mittelalterlichen und neuzeitlichen jüdischen Geschichte in Worms 
Texte zu den Rabbinern und Lehrern der jüdischen Gemeinde vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert  
Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben im 19,/20. Jahrhundert  
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde im 19./20. Jahrhundert  
-  Zum alten jüdischen Friedhof in Worms ("Heiliger Sand")  (diese Seite)   
Zum neuen jüdischen Friedhof in Worms-Hochheim     
 
                 

Worms (Stadtkreis Worms, Rheinland-Pfalz) 
Der jüdische Friedhof "Heiliger Sand"   

         
Übersicht:  

bulletZur Geschichte des Friedhofes "Heiliger Sand"    
bulletLage des Friedhofes   
bulletFotos 
bulletBeiträge über den Friedhof in jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts   
bulletText von Martin Buber "Aber gekündigt ist mir nicht!" (1933)   
bulletNeuere Presseartikel zum Friedhof   
bulletLinks und Literatur   

    

Zur Geschichte des Friedhofes "Heiliger Sand"       
   
Der jüdische Friedhof in Worms ist der älteste erhaltene jüdische Friedhof in Europa. Er entstand vermutlich in der Zeit, als die erste Synagoge 1034 erbaut worden. Er wurde wahrscheinlich auf dem Gelände einer großen Sandgrube angelegt, die beim Stadtmauerbau im 9. und 10. Jahrhundert ihre Oberflächenform erhalten hat.
       
Der älteste vor Ort erhaltene Grabstein ist der von Jakob ha-bachur und stammt aus dem Jahr 1076/77. Einige weitere Grabsteine aus dem 11. Jahrhundert sind außerdem noch vorhanden. Man kann sie unschwer an ihrer einfachen, rechteckigen Form, den "Schreiblinien" und der Umrahmung des Schriftfeldes erkennen. Sehr ähnlich, doch ohne Linien und Umrahmung, sehen die zahlreichen Grabsteine des 12. Jahrhunderts aus. Nicht nur wegen seines hohen Alters ist der Friedhof so bedeutend. Auch zahlreiche namhafte jüdische Gelehrte sind hier begraben. Die Ruhestätte ist auch deshalb für die Friedhofskultur besonders interessant, weil keine christlichen Friedhöfe mit aufrecht stehenden Grabsteinen aus romanischer Zeit erhalten sind. Nur wenige Grabplatten und Sarkophagdeckel wurden in Kirchen bewahrt. 1260 wurde der Friedhof durch den Vorsteher Jechiel ben Ephraim von einer stabilen Mauer umgeben.
      
Im Vorhof des Friedhofs steht ein Brunnen für die rituelle Reinigung der Hände nach dem Friedhofsbesuch. Neben dem hölzernen Eingangstor ist das Totengebet als Sandsteintafel in die Mauer eingelassen. Eine Wormser Eigenart ist, dass die Grabsteine alle nach Süden ausgerichtet sind. Unweit vom Eingang befindet sich der Grabstein des Rabbi Meir von Rothenburg (1220 - 1293), der als großer Gelehrter und Märtyrer hochverehrt ist. Die Grabsteine ab der Zeit der Gotik zeigen die typischen Stilmerkmale der jeweiligen Epoche. 

1911 wurde der Friedhof "Heiliger Sand" geschlossen und beim Hauptfriedhof Hochheimer Höhe ein neuer jüdischer Friedhof eingeweiht. Seither fanden auf dem alten Friedhof kaum noch Beerdigungen statt. Die Zeit der NS-Diktatur hat der Heilige Sand weitgehend unbeschadet überstanden. Imposant ist der so genannte "Martin-Buber-Blick" - über den Friedhof und die Stadtmauer hinweg zum nahen Dom (siehe Text unten). Sie alle stammen aus der Zeit der Romanik und bilden eine große Einheit, obwohl man sie mit Gewalt kulturell voneinander trennen wollte. Die Friedhofsfläche umfasst 158,98 ar.   
   
   
   
   
Beiträge über den Friedhof in jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts    
     
Bei den Erdarbeiten zur neuen Eisenbahnlinie wird ein alter Grabstein entdeckt - Spendenverzeichnis für die Renovierung der jüdischen Altertümer - 
Vorbereitungen zur Renovierung der Raschikapelle  - hoher Besuch der jüdischen Altertümer (1853)
     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. Oktober 1853: "Worms, im Oktober (Privatmitteilung). Bei den Erdarbeiten, welche der Bau der Ludwig-Hessischen Eisenbahn in der unmittelbaren Nähe unserer Stadt nötig machte, wurde ein 20 Fuß tief verschütteter Leichenstein aufgefunden, dessen Aufschrift lautet (hebräisch): '...zu Häupten des Wohltäters R. Jehuda Bar Jizchak  ... gestorben in gutem Namen am Freitag 25. Siwan (50)77. Seine Seele sei eingebunden im Bündel des Lebens ... im Garten Eden Amen Sela' (sc. der Grabstein datierte auf ca. Juni 1317). - Der obere Teil des Steines fehlt und der Raum zwischen dem ersten und dem zweiten Worte ist eine unlesbar gewordene Lücke; der Stein enthält also eine Aufschrift, die wenigstens 537 Jahre alt ist. 
- Weitere Beiträge für die Renovierung der Altertümer sind eingegangen: von Fraustadt 2 Thlr.; Gleiwitz 20 Thlr.; Freudenthal 14 Fl.; Frankfurt a.d.O. 13 Thlr.; Rakel 11 Thlr.; Ichenhausen 24 Fl.; der mattenbuden'schen Gemeinde zu Danzig 44 Thlr.; Sondershausen 7 Thlr.; Main 50 Fl. 18 Kr.; Meisenheim 5 Thlr. 11 Sgr. 7 Pf.; D. Crone 14 Thlr.; hierzu den Betrag von 283 Fl. 15 Kr. laut Nr. 40 dieses Blattes. Summa 116 Thlr. 11 Sgr. 7 Pf. und 371 Fl. 33 Kr., zusammen 575 Fl. 13 Kr. -  
Wir machen die ferne Mitteilung, dass in diesen Tagen zunächst durch einen Baumeister der Plan der Raschikapelle aufgenommen wurde.  -   
Vor einiger Zeit besuchten die hiesigen israelitischen Altertümer die Söhne Seiner Durchlaucht des Fürsten von Thurn und Taxis, sowie vor einigen Tagen Seine Exzellenz der königlich preußische Platzkommandant zu Mainz nebst zwei Adjutanten; Seine Exzellenz besuchten auch den israelitischen Friedhof. Wir geben uns der Hoffnung hin, dass die Beiträge zahlreicher eingehen werden; aus dem Ausland hoffen wir in Kurzem ein erfreuliches Resultat für unser Unternehmen mitteilen zu können; doch sind unsere Blicke zunächst auf unsere deutschen Brüder gerichtet. Das Komitee zur Renovierung der Denkmäler."            

 
Über eine jüdische Beerdigung am Schabbat (1872)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. August 1872: "Aus Worms erhalten wir die nachstehende Zuschrift: 'Gestern am Schabbat Nachamu war ich Zeuge eines Vorganges, der mich aufs Tiefste empörte - der ähnlich vielleicht in ganz Europa noch niemals vorgekommen. Als ich Nachmittags um 5 Uhr durch die Hauptstraße ging, führte mich mein Weg an ein Haus, wo viele Juden standen und noch immer deren hinzukamen; nach der Ursache dieses Versammelns mich erkundigend, erfuhr ich, dass Freitagmorgen ein Spenglermeister gestorben sei, dessen Leichenbegängnis eben stattfinde. Ich traute kaum meinen Ohren. Heute am Schabbat ein Leichenbegängnis? Ich frug nochmals, ob dies wirklich Tatsache sei und siehe! da kam schon der Herr Rabbiner in seinem Ornate - die Leiche wurde in den Wagen gebracht, der Kondukt setzte sich in Bewegung, - zwei Mitglieder der Chewra senkten die Leiche ins Grab, - worauf der Herr Rabbiner eine kurze Anrede hielt, und das Trauerspiel war zu Ende.' (Wie wir vernehmen fand das obenerwähnte Leichenbegängnis aus sanitätlichen Gründen am Sabbat statt. Ob man nicht noch drei Stunden hätte warten können? In keinem Falle hätte der Rabbiner am Grabe sprechen, hätten zwei Israeliten die Leiche in die Gruft senken dürfen! - Red.)"            

  
Schändung des jüdischen Friedhofes durch Jugendliche (1885)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. März 1885: "Worms, 2. März (1885). Ein Bubenstück sondergleichen ist in der Nacht vom Samstag zum Sonntag auf dem hiesigen israelitischen Friedhof verübt worden. 17 Grabsteine älteren und neueren Ursprungs sind mit Aufwand aller den Tätern zu Gebote gestandenen Kraft teils einfach umgestürzt, teils zertrümmert und vom Platze an irgendwelchen entfernten Winkel des Friedhofs geschleift worden. Unter den also devastierten Gräbern befinden sich unter anderem die Ruhestätten von Leopold Cahn, Salomon Reichleser, Jakob Cahn, Ludwig Laengsdorff, Sabine Brenner, Rosine Jakobi, Salomon Stiefel, Rebecka Mayer, Lea Straß, Pauline Mayer und Sophie Mayer, Karoline Weiß, Bertha Krempner und einige andere, deren Eigentümer wir im Augenblick nicht konstatieren konnten. Fast die sämtlichen Gräber, welche von dem unerhörten Frevel betroffen wurden, liegen auf der westlichen, dem Bahngeleise zugekehrten Seite und in dem südlichsten spitz auslaufenden Teile des Friedhofes, der von der Wärterwohnung am meisten abgelegen ist. Die Schädigung mancher Gräber ist eine sehr beträchtliche und überaus bedauerliche. Verübt wurde das Verbrechen vermutlich in den Mitternachtsstunden vor Eintritt des starken Regens beziehungsweise während desselben und zwar gelangten die Friedhofschänder mittelst Übersteigens am großen Torweg zur Stätte ihres ruchlosen Vorhabens. An dem eisernen Tor lassen sich noch die Schmutzspuren der auf die Klinke aufgesetzten Tritte, desgleichen auf dem Friedhof die Fußstapfen im aufgeweichten Boden wahrnehmen. Die niederträchtige Demolierung der Gräber muss den Tätern im Anfang noch nicht ausreichend erschienen sein, da sie offenbar auch den Versuch gemacht, einen der abgewälzten schweren Steine über die Friedhofmauer auf das Bahngeleise hinunterzuschaffen. Zum Glücke langten dazu die Kräfte nicht. Dass eine Person allein die Schandtat vollbracht, halten wir für nicht gut möglich. Welche Beweggründe zu dem bodenlosen Frevel geführt haben könnten, ist jedermann ein Rätsel: ob Betrunkenheit, lediglich der Übermut, ob Judenhass oder was sonst zu dem abscheulichen Beginnen anreizten, das lässt sich für jetzt nicht entscheiden."          
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. März 1885: "In Worms sind in der Nacht vom Sonntag auf Montag auf dem jüdischen Friedhofe viele Gräber geschändet und Grabsteine zertrümmert worden".    

   
Josef Mannheimer gelingt die Übersetzung von vier Grabinschriften (1889)        

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Mai 1889: "Worms, 9. Mai (1889). Dem greisen Gelehrten und verdienten Pfleger der Geschichte dieser altehrwürdigen Gemeinde, Herrn Josef Mannheimer, ist es gelungen, vier Grabschriften unseres Friedhofes von ihrer fast undurchdringlichen Mooshülle zu befreiten und Inschriften bloßzulegen, die gleich sehr der Geschichte wie dem pietätvollen Interesse einer über die Welt verbreiteten Familie angehören. Als Prof. Kaufmann zum Behufe seiner Monographie über Samson Wertheimer hier nach Epitaphien dieser Familie forschen ließ, musste ihm die Antwort werden, dass hier keine Spur von solchen zu finden sei. Das Moos, das jene von Herrn Mannheimer bloßgelegten vier mächtigen Grabsteine überwucherte, hat das Andenken von vier Mitgliedern der Familie Wertheimer bedeckt. Wir haben jetzt die Grabschriften von R. Samson Wertheimer's Vater, dem im Alter von 87 Jahren heimgegangenen R. Josef Josel, von R. Samsons Bruder, R. Meir, von dessen Frau und dessen Tochter. Das Entzifferungswerk ist nahezu vollendet. Um die kostbaren Denkmäler vor neuem Erlöschen zu schützen, werden dieselben auf Kosten eines Abkömmlings und Namensträgers R. Samson Wertheimer's, des Herrn S. Gomperz in Budapest, unter der Leitung des Herrn Moses Mannheimer mit Ölfarbe überzogen. Möge die Pietät des Gelehrten wie des Verwandten Nachahmung finden und das letzte Archiv unserer Geschichte, das Inschriftenmaterial der jüdischen Friedhöfe, vor der Zerstörung und vor dem Verfall gerettet werden."       

 
Ein Grabstein von 1142 wurde gefunden (1890)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. August 1890: "Worms, 4. August (1890). Bei einer kleinen Erdarbeit hinter dem Hause am israelitischen Friedhof wurde in einer Tiefe von 1 1/2 Meter ein Grabstein mit hebräischer Inschrift aus dem Jahre 1142 aufgefunden."             

  
Artikel über den jüdischen Friedhof von Lehrer Samson Rothschild (1891)      

Worms Israelit 13081891.jpg (62152 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. August 1891: "Der israelitische Friedhof zu Worms
Von S. Rothschild in Worms. (Mit Illustration). Worms gehört zu den nicht zahlreichen Städten des Abendlandes, an welche die meisten und bedeutsamsten Erinnerungen für die Geschichte und Literatur des Judentums sich knüpfen; selbst unter den Städten der Rheinlande ist Worms nicht nur der älteste, sondern auch der fruchtbarste Boden für das geistige und religiöse Leben des abendländischen Israels gewesen und der hiesige israelitische Friedhof ist daher auch derjenige, auf welchem nicht allein die bisher älteste Grabschrift gefunden wurde, sondern auch verhältnismäßig die meisten Heroen der jüdischen Wissenschaft und Märtyrer des jüdischen Glaubens ruhen. Dieser alte Friedhof zeigt keine sauberen Wege, nicht das Walten irgendeiner ordnenden Hand. Ein Gewirr von Grabsteinen, uralten, grauen, moosbewachsenen, starrt uns in jedem Grade des Verfalls und des Umsinkens aus Gras und Gestrüpp entgegen. Um eine Anzahl derselben vor gänzlichem Versinken zu retten und um in die Lage versetzt zu werden, die interessanten Inschriften so mancher Steine zu entziffern, hat sich im     
Worms Israelit 13081891b.jpg (321820 Byte)Jahre 1853 ein Komitee gebildet, das sich zur Aufgabe machte, die nötigen Mittel zu beschaffen, um eine ganze Anzahl sehr alter Grabsteine vor gänzlichem Untergange zu retten. Die treibende Kraft des Komitees, dem auch der selige Rabbiner Bamberger von hier angehörte, war jedoch der damals hier angestellte, jetzt in Stockholm lebende Prediger Dr. Levysohn. Er ließ viele Steine, die über die Hälfte versunken waren, heben, und suchte mit großer Mühe die schon vielfach verwitterten Buchstaben an der Hand von alten Manuskripten aus Büchern zu entziffern. Dieselben beginnen aus dem Jahre 905 und gehen abwärts bis auf die neuere Zeit. Von den vielen wertvollen Schriften wollen wir nur auf eine näher hier eingehen. Links vom Wege zum neueren Teil des Friedhofs erhebt sich ein großer Stein, es ist der des Rabbi Meier von Rothenburg, kurz genannt 'Maharam'. Er war einer der hervorragendsten Gelehrten des 14. Jahrhunderts. Er unternahm mit Frau und Kindern eine Reise über das Meer und gelangte nach einer Stadt, die zwischen hohen Bergen, welche man das lombardische Gebirg nannte, lag, und wollte daselbst so lange verweilen, bis alle Mitreisenden bei ihm sich eingefunden haben würden. Da reiste durch jene Stadt der böswillige Vogt von Basel, den ein Proselyt namens Knippe begleitete. Der letztere erkannte den Rabbi, teilte dies dem Vogte mit und bewirkte, dass ihn der Graf Meinhard von Görtz 1286 gefangen nahm und ihn dem Kaiser Rudolf von Habsburg auslieferte, welcher ihn in einem Turme zu Ensisheim (Elsass) gefangen hielt. Der Kaiser Rudolf forderte eine große Summe als Lösegeld, welche zu entrichten auch mehrere Gemeinden sich bereit erklärten. Es verhinderte dies jedoch der Rabbi selbst, indem er in frommer Bescheidenheit den Preis um seine Freiheit für allzu hoch erachtete. Während seiner Haft wurde jedoch Rabbi Meir in seinem Studium nicht gestört und er verfasste vielmehr um diese Zeit mehrere Werke, namentlich mehrere Rabbinatsgutachten. Er starb im Gefängnisse 1293, wo seine sterblichen Überreste bis zum Jahre 1307 lagen. Süßkind Wimpfen aus Frankfurt am Main, ein hochherziger Mann, löste dieselben mit Aufopferung vielen Geldes aus und ließ sie hier beerdigen. Der einzige Lohn, den Wimpfen für diese edle Tat beanspruchte, bestand in der Gewährung seiner Bitte, einst an der Seite des frommen Rabbi ruhen zu dürfen. Es dauerte nicht lange, und die Gemeinde zu Worms erhielt die schmerzliche Gelegenheit, jene Bitte erfüllen zu müssen. (Näheres über den israelitischen Friedhof gibt die Schrift von Dr. Levysohn: Sechzig Epitaphien des israelitischen Friedhofes zu Worms.). 
* Anmerkung der Redaktion: Herr Dr. Lehmann - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - hat vor etwa acht Jahren in Mainz einen Grabstein aufgefunden, auf welchem eine noch ältere Grabschrift steht als die in Worms sich befindliche."              

  
Instandsetzungsarbeiten auf dem jüdischen Friedhof (1892)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. November 1892: "Worms. Ich habe Ihnen schon früher berichtet, wie sehr das Vorstandsmitglied, Herr Julius Goldschmidt, sich um das Archiv der hiesigen jüdischen Gemeinde verdient gemacht hat. Nun hat er den Vorstand veranlasst, alljährlich eine Summe zu bewilligen, welche zum Aufrechtstellen der liegenden oder schiefstehenden Grabsteine auf dem ältesten Teile des hiesigen Friedhofes verwendet werden solle. Der Anfang wurde vor mehreren Wochen gemacht und es tut dem Auge des den Friedhof Besuchenden wohl, zu sehen, wie an die Stelle früheren wirren Durcheinanders eine wohltuende Ordnung getreten ist. Herr Goldschmidt hat aber seine Arbeit darauf nicht beschränkt, sondern er hat auch eine große Anzahl Steine, von denen nur ein Rand noch sichtbar war, und welche man als letzte Reste eines abgehauenen Steines vermutete, heben lassen und da ergab sich nun das Interessante, dass die ganzen Steine bis an den Rand eingesunken waren und als sie gehoben waren, fand man die Schrift vollständig erhalten. Ebenso wurden eine Anzahl Steine mit vollständig erhaltener Schrift gehoben, von denen äußerlich gar nichts mehr sichtbar war, als nur das Vorhandensein von vielen Moospflanzen. Bei günstiger Witterung wird man sich mit der Entzifferung derselben befassen, und es ist sicher anzunehmen, dass manches Interessante dadurch an das Tageslicht gefördert werden wird. Selbstverständlich werde ich nicht ermangeln, Ihnen alsdann solches baldigst mitzuteilen."            

 
Der alte Friedhof befindet sich in gutem Zustand (1894)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Februar 1894: "Worms. Wer heute unseren berühmten israelitischen Friedhof besucht, besonders den alten Teil, wird erstaunt sein, in welch geordnetem Zustande sich derselbe befindet. Viele Grabsteine, welche auf dem Boden lagen, oder schief gestanden, sind senkrecht gestellt worden, dabei wurden eine große Zahl, die in der Erde lagen, gehoben und zwar sind die Inschriften, die ins 15. Jahrhundert zurückreichen, vortrefflich erhalten. Mit Beginn des Frühjahrs sollen die Arbeiten fortgesetzt werden."        

  
Der alte Friedhof wurde umfassend instandgesetzt (1895)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Mai 1895: "Worms. Ich habe Ihnen früher einmal berichtet, dass der Vorstand der hiesigen Israelitischen Gemeinde beschlossen hat, den alten Friedhof, welcher sich in einem sehr vernachlässigten Zustande befand, in Ordnung zu bringen. Um gründlich zu arbeiten, wurde das ausgedehnte Gräberfeld Parzellenweise vorgenommen und die ganze Arbeit innerhalb eines Zeitraumes von 6 Jahren durchgeführt. Eine große Anzahl umgefallener Grabsteine sind aufgerichtet, ganz oder teilweise versunkene sind gehoben worden, außerdem sind außerdeutlich viele ca. 30 cm horizontal unter dem Boden liegende Grabsteine entdeckt und gleichfalls aufgestellt worden. - Der Boden, welche diese letzteren nach und nach den Blicken der Menschen entzogen hatte, gewählte zugleich den Inschriften der besten Schutz, denn diese sind, obgleich teilweise aus dem 12. und 13. Jahrhundert herrührend, vortrefflich erhalten geblieben."             

  
Über den jüdischen Friedhof in Worms (Artikel von 1909)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. März 1909: "Der jüdische Friedhof in Worms. Eine der ältesten und kulturhistorisch interessantesten Begräbnisstätten Deutschlands wird demnächst eingehen. Der hiesige jüdische Friedhof, jener berühmte und malerische Fleck Erde soll geschlossen werden, nachdem die jüdische Gemeinde auf der Höhe von Hochheim einen neuen Friedhof erworben hat. Bekanntlich ist die Wormser Gemeinde mit ihrem Friedhof die älteste jüdische Ansiedlung in Deutschland. Nach einer alten Chronik sollen schon nach der ersten Tempelzerstörung viele Juden nach Worms gezogen sein. Historisch nachgewiesen ist jedenfalls, dass ein jüdischer Friedhof bereits im zweiten Jahrhundert nach üblicher Zeitrechnung bestand. Es existiert nämlich ein altes Manuskript, das sogenannte Minhagbuch, das im Jahre 1625 geschrieben ist und das von einem Leichenstein spricht, der damals schon über 1500 Jahre alt war. Jedenfalls gibt es wohl keinen zweiten jüdischen Friedhof, auf dem so viele Heroen der jüdischen Wissenschaft und so viele Märtyrer ihres Glaubens ruhen. Daher sind die interessantesten Epitaphien wiederholt in Monographien gehandelt worden, so besonders von Lewysohn ('Sechzig Epitaphien auf dem israelitischen Friedhofe in Worms'). Eine Reihe von Steinen stehen seit dem 10. und 11. Jahrhundert."            

 
Schließung des alten und Eröffnung des neuen jüdischen Friedhofes (1911)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. November 1911: "Worms, 20. November (1911). Der berühmte israelitische Friedhof von Worms, der seit dem 11. Jahrhundert der Begräbnisplatz der Wormser jüdischen Gemeinde war, ist mit dem heutigen Tag geschlossen worden. Gleichzeitig fand in Anwesenheit der Behörden die Einweihung des neuen, von der Stadt Worms gekauften Friedhofes auf der Hochheimer Höhe statt. Einen ausführlichen Bericht über den neuen Friedhof behalten wir uns für eine der nächsten Nummern vor."             


Über den jüdischen Friedhof in Worms (1911)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Juli 1911: (Der älteste jüdische Friedhof in Deutschland.) Im Herbst dieses Jahres wird die Wormser israelitische Gemeinde einen neuen Friedhof auf der Hochheimer Höhe in Gebrauch nehmen, und der alte ehrwürdige Friedhof an der Südanlage, der ihr fast durch ein Jahrtausend als Begräbnisstätte gedient hat, wird nur noch in ganz vereinzelten Fällen benutzt werden. Damit schließt die nahezu tausendjährige Geschichte eines der interessantesten und jedenfalls ältesten deutschen Judenfriedhofs. Der älteste Grabstein, der gefunden worden ist, stammt aus dem Jahre 1030, sodass wir die Anlage des Friedhofes um das Jahr 1000 als sicher annehmen dürfen. Deutlich sind zu unterschieden, der älteste tiefer gelegene Teil, dessen Grabsteine bis zum Jahre 1700 reichen, und der höher gelegene neuere Teil, der in den beiden letzten Jahrhunderten benutzt wurde. Noch vor wenigen Jahrzehnten glich der ältere Teil einem Trümmerfeld. Die Grabsteine waren verwittert und zum Teil versunken. Da bildete sich im Jahre 1853 ein Ausschuss mit dem damaligen Rabbiner, Rabbi Secel Bamberger an der Spitze, der sich die Aufgabe stellte, die gesunkenen Steine zu heben und die Inschriften entziffern zu lassen. Nach vieler Mühe ist das Werk nun vollendet und ein besonderes Verdienst hat sich hierbei der Wormser städtische Volksschullehrer, Herr Samson Rothschild erworben, der ja auch auf dem übrigen Gebiete der Geschichte der Wormser Juden schon vielfach literarisch hervorgetreten ist. Die Grabsteine dieses alten Friedhofes werfen interessante Schlaglichter auf die Geschichte der Wormser Judengemeinde, sie sind stumme und doch beredte Zeugen von Verfolgungen und Leiden, die die Juden im Mittelalter durchzumachen hatten. Der nächstälteste jüdische Friedhof im Großherzogtum Hessen dürfte derjenige von Mainz sein. Wie der frühmittelalterliche Mainzer Rabbiner Maharil in einem seiner Werke bemerkt, habe er hier noch den Grabstein einer israelitischen Sklavin Schifcha Charofe aus Jerusalem gefunden. Nach Mainz sollen die Juden schon mit den Römern gekommen sein. Von alten jüdischen Gemeinden Hessens seien noch erwähnt: Trebur mit Astheim, wo Juden zurzeit der Kaiserlager der Hohenstaufen bereits ansässig waren, Bingen, dessen jüdische Gemeinde im Jahre 1200 begründet wurde, Friedberg, das das berühmte Judenbad aus dem Jahre 1260 besitzt und Oppenheim, wo noch viele hebräische Inschriften an den Häusern bezeugen, dass dort während des ganzen Mittelalters eine große israelitische Gemeinde blühte. Endlich sei noch der Synagoge in Weisenau bei Mainz gedacht, die 1497 erbaut wurde. Die israelitische Gemeinde Darmstadt datiert ihre Gründung vom Jahre 1600."              

 
Publikation zur Geschichte der Wormser jüdischen Friedhöfe (1911)    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. Dezember 1911: "Zur Geschichte der Wormser jüdischen Gemeinde, ihrer Friedhöfe und ihres Begräbniswesens. Gedenkschrift zur Eröffnung des neuen Friedhofes. Worms, im November 1911. In Kommission bei der H. Kreuterschen Buchhandlung (Julius Stern). Die sehr hübsch ausgestattet, mit manchen Kunstbeilagen geschmückte Schrift enthält drei Abhandlungen: Zur Geschichte der Wormser jüdischen Gemeinde von ihren Anfängen bis zum neunzehnten Jahrhundert von Max Levy; Der alte jüdische Friedhof und das Begräbniswesen im 19. Jahrhundert. Der neue Friedhof von S. Rothschild; Die neue Friedhofsanlage von Gg. Metzler, Großherzoglicher Beigeordneter. Mich haben naturgemäß die beiden ersten mehr als die letzte interessiert. Besonders wichtig ist die über die Grabsteine und deren Wegnahme im Jahre 1519 (Dass unrugig = anrüchig ist, glaube ich nicht.). Ob die hier mitgeteilten Urkunden bereits einmal gedruckt waren oder hier zuerst veröffentlicht werden, wird nicht gesagt. Den Anfang der ersten Abhandlung hätte ich anders gewünscht; da der älteste erhaltene Grabstein aus dem Jahre 1055 stammt, so kann man das Bestehen der Gemeinde schwerlich über das Jahr 1000 hinaussetzen. Es scheint mir nicht ganz historisch, das Gerücht von einer vorchristlichen Ansiedlung der Juden in Worms anzunehmen. L.G."          
 
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 22. Dezember 1911: "Zur Geschichte der Wormser jüdischen Gemeinde, ihrer Friedhöfe und ihres Begräbniswesens. Gedenkschrift zur Eröffnung des neuen Friedhofs. 4 Abbildungen in Lichtdruck. 52 Seiten. Worms, H. Kräuter'sche Buchhandlung (Julius Stern). 
Der älteste Grabstein auf dem bisherigen Friedhofe trägt die Jahreszahl 1044. Die Geschichte dieses Friedhofes, der jetzt geschlossen wird, ist also eng mit der Geschichte der uralten und einst an jüdischer Gelehrsamkeit und Ansehen so reichen jüdischen Gemeinde verknüpft. 
Das vorliegende Buch zeichnet in kurzen Strichen die interessante Geschichte der Wormser Judenheit (Max Levy) und ihres Friedhofwesens (S. Rothschild) und gibt aus der Feder des Beigeordneten Gg. Metzler einen Überblick über die neue Friedhofsanlage."   

         
Publikation zum alten jüdischen Friedhof (Kunstblätter, 1914)        

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. Oktober 1914: "Der alte israelitische Friedhof zu Worms am Rhein. Zwölf Kunstblätter mit Vorwort von Max Levy. Verlag von Christian Herbst, Hofphotograph, Worms. Preis: geb. 4,50 Mark. 
Ein Kunstwerk vornehmsten Stils; für das, was es bietet, keineswegs teuer. Den Inhalt gebe ich nach einem Artikel der 'Wormser Zeitung' wieder. 'Die markantesten Grabdenkmäler sind die Erinnerungssteine an die zwölf Märtyrer aus dem Jahre 1096, ferner werden in chronologischer Folge die Grabmale eines Rabbi Baruch (gest. 1275), Vater des Rabbi Meir, ferner des Rabbi Meir (Mahram) selbst und seines Freundes Wimpfen (gest. 1308), eines Mahril (gest. 1427), Elia Loanz (gest. 1636), Juspa Schames (gest. 1678), Verfassers des Mose-Nisim-Buches und vieler anderer Gelehrten: Moses Brod (gest. 1747), Naphtali Hirsch Spitz (gest. 1712(, Mendel Menachem Rothschild aus dem  Geschlechte der berühmten Familie dieses Namens (gest. 1732), Hirsch Auerbach (gest. 1778) und Isaak Adler (gest. 1823) vor Augen geführt. Auch der Rabbiner aus der Zeit des Stadtbrandes von 1689, Rabbi Ch. Jair Bacherach, ist nicht vergessen. Aus dem Geschlechte der berühmten Familie Oppenheim ist eine Reihe von Steinen abgebildet, von denen der des Rabbi Moses (gest. 1675) durch wundervolle Gestalt und Schönheit der Inschrift hervorragt. Auch einige interessante Steine von Frauen, besonders derjenige der Sagira aus 1100 - er galt lange als der älteste des Friedhofes, da man ihn fälschlich auf 900 datierte, sind wiedergegeben.  
Nicht zum mindesten sind die Aufnahmen durch die Verschiedenheit der sich in ihnen widerspiegelnden landschaftlichen Reize in den einzelnen Jahreszeiten wirksam. Wie der Friedhof im Sommer bei üppiger Vegetation sich ausnimmt, und wie er sich zeigt, wenn die Bäume kahl sind, tritt deutlich zutage. Auch der alte Dom als eindrucksvoller Hintergrund erscheint prächtig im Bilde, ebenso eine ungemein reichhaltige Gruppe von alten Steinen, deren jeder durch schöne Form bemerkenswert ist.' 
Damit ist gesagt, was man zum Lobe dieses Buches aussprechen muss. Nur den einen Wunsch möchte ich noch hinzufügen, dass in einem eventuellen Neudruck die photographischen Inschriften in einem hebräisch punktierten Text und in deutscher Übersetzung wiedergegeben werden möchten, denn bei dem manchmal stark verwitterten Zustand der Inschriften lässt sich der Sinn der einzelnen Worte nicht immer feststellen. Es wäre sehr schön, wenn auch in anderen Gemeinden sich Forscher entschließen würden, ähnliche Werke herauszugeben. Unsere Grabschriftliteratur ist zwar nicht arm, wer aber den großen Wert solcher Inschriften kennt, muss durchaus die Vermehrung dieser Literatur fordern. L.G."       

  
Freilegung eines alten Ganges unter dem Friedhof und Auffindung alter Grabsteine (1930)   
Anmerkung: siehe unten die Presse-Artikel von der Wieder-Freilegung des unterirdischen Ganges im Jahr 2010     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. September 1930: "Worms. In Worms wurde soeben ein unter dem alten israelitischen Gemeindefriedhof liegender unterirdischer Gang, 36 Meter lang, 11,50 Meter hoch und 0,80 Meter breit, freigelegt. In dem Gang selbst wurden wertvolle Funde gemacht. Bisher wurden acht Grabsteine gefunden, die teilweise aus dem 13. Jahrhundert stammen und einen Einblick in die Geschichte des mittelalterlichen Judentums geben."             
 
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Oktober 1930: "(Die Ausgrabungen auf dem Wormser Jüdischen Friedhof.) Wie bereits mitgeteilt, wurde unter dem israelitischen Friedhof zu Worms ein unterirdischer, einst zur Wormser Stadtbefestigung gehörender Gang aufgefunden. Dank der Initiative des Vorstandes der israelitischen Religionsgemeinde in Worms ist der Zugang zu diesem unterirdischen Wehrbau, der einst das Innere mit dem äußeren Andreastor verband, freigelegt worden. Das Interessanteste dieses etwa aus dem 15. bis 16. Jahrhundert stammenden Ganges ist ein Bodenbelag. Es sind jüdische Grabsteine, teilweise sehr hohen Alters. Da sie mit der Schrift nach unten lagen, ist diese verhältnismäßig gut erhalten. Einer der ältesten Steine datiert von 1305 und ist deshalb von kulturhistorischer Bedeutung, weil es der Grabstein des Rabbi Elieser ist. Er war, wie die Inschrift erzählt, ein bedeutender Gelehrter. Ein Stein aus dem Jahre 1645 bringt in der innigen, bilderreichen Sprache seiner Inschrift bemerkenswerte Einzelheiten aus dem Leben eines Zipore Gütlein, Frau des Rabbiners Abraham Walch. Grabsteine von 1541, 1556 und 1562 kamen ans Licht mit teilweise sehr schönen, reichverzierten Buchstaben und Ornamenten. Dann wieder solche, deren Schriftcharakter in das 12. und 13. Jahrhundert weist. Alle Steine werden sorgfältig in Stand gesetzt, und auf dem alten Friedhof an gesonderter Stelle aufgestellt werden. Der unterirdische Gang unter dem alten Friedhof wird wieder zugänglich gemacht und mit einer Treppenanlage versehen."     
 
Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. November 1930:  ähnlicher Bericht wie im "Israelit", siehe oben.        

   
   
   
Lage des Friedhofes  
   
Unmittelbar südwestlich der Altstadt  (Andreasstraße / Willy-Brandt-Ring)  
  
Lage auf den Google-Maps:    

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Hinweis der Stadtverwaltung Worms zu den Öffnungszeiten des Friedhofes   
Jüdische Friedhöfe sind an Feiertagen und am Sabbat geschlossen. Der Sabbat und die jüdischen Feiertage sind im Judentum Ruhetage, an denen nicht gearbeitet wird. Sie beginnen am Vorabend bei Sonnenuntergang und enden mit Einbruch der Dunkelheit am folgenden Tag. Die Jüdische Gemeinde Mainz/Worms und die Stadt Worms haben daher vereinbart, dass der Jüdische Friedhof ´Heiliger Sand´ ab 1.12.2015 an Feiertagen und am Sabbat geschlossen bleibt. Der Vorplatz zum Friedhof ist auch samstags geöffnet.
Das Gehölz, das bisher den Einblick von dort auf das Friedhofsgelände versperrt hatte, wurde entfernt, so dass die Besucherinnen und Besucher auch an Feiertagen und samstags einen Überblick über das Gelände gewinnen können. Mittelfristig ist geplant, das Informationsangebot im Bereich des Vorplatzes behindertengerecht auszubauen.

Die Schließzeiten an den Vorabenden zu den Feiertagen und zum Sabbat (= Freitagnachmittag/-abend) sind:
Von November bis März um 16 Uhr; im April um 18 Uhr; von Mai bis August um 20 Uhr, im September um 19 Uhr, im Oktober um 18 Uhr.
 

  
  
Fotos  
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 2.8.2005)  

Historische Ansichtskarte  Worms Friedhof 1601.jpg (535625 Byte)
  Blick auf den Eingang und die alte Leichenhalle von 1640; die Karte ist in höherer Auflösung eingestellt     
      
Der Friedhof im Sommer 2005      
Worms Friedhof 125.jpg (62095 Byte) Worms Friedhof 124.jpg (76208 Byte) Worms Friedhof 127.jpg (83474 Byte)
Friedhofswärterhaus 
am Eingang
Eingang und Taharahaus 
(Leichenwaschhaus)
Eingangstor  
  
     
Worms Friedhof 129.jpg (62694 Byte) Worms Friedhof 126.jpg (69820 Byte) Worms Friedhof 128.jpg (67872 Byte)
Hinweistafel  Brunnen im Eingangsbereich  Steintafel mit dem Totengebet 
     
Worms Friedhof 123.jpg (85951 Byte) Worms Friedhof 122.jpg (75312 Byte) Worms Friedhof 121.jpg (41825 Byte)
  Grabsteine des Rabbi Meir von Rothenburg und des Alexander ben Salomo 
genannt Süßkind Wimpfen,
1293 und 1307
   
Worms Friedhof 113.jpg (82996 Byte) Worms Friedhof 119.jpg (83680 Byte) Worms Friedhof 118.jpg (81782 Byte)
Teilansichten
 
Worms Friedhof 117.jpg (80742 Byte) Worms Friedhof 107.jpg (78068 Byte) Worms Friedhof 114.jpg (84283 Byte)
  Im Rabbinental    
     
Worms Friedhof 106.jpg (79953 Byte) Worms Friedhof 110.jpg (81449 Byte) Worms Friedhof 112.jpg (88734 Byte)
Teilansichten  Barocker Grabstein 
   
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   Eingemauerte Grabsteine (Grabsteinfunde in der Altstadt) 
   
Worms Friedhof 108.jpg (87177 Byte) Worms Friedhof 111.jpg (75934 Byte) Worms Friedhof 120.jpg (66108 Byte)
Grabstein des großen Gelehrten MaHaRIL = Jakob ben Moses halevi: seit 1390 Rabbiner in Mainz, gest. 1427 in Worms. Sein Grab sollte auf seinen Wunsch im Umkreis von 4 Ellen frei bleiben.    
     
Worms Friedhof 105.jpg (84704 Byte) Worms Friedhof 104.jpg (79524 Byte) Worms Friedhof 103.jpg (60323 Byte)
Im neueren Friedhofsteil   Auffallende Grabdenkmäler: 
Abgesägter Baum und Steinhaufen.  
Grabstein von Marie Schlösser 
(1862-1884) 
  
     
Worms Friedhof 102.jpg (77928 Byte) Worms Friedhof 101.jpg (71306 Byte) Worms Friedhof 100.jpg (82366 Byte)
Blick zum Dom
(vgl. Text von Martin Buber)  
Grabsteinensemble: Gräber von
 Angehörigen der Familie Mannheimer  
Grabstein links mit 
"segnenden Händen" der Kohanim  
     
     
Fotos von Anfang Dezember 2011
(Fotos: Klara Strompf)
   
     
     

         
         
        
Text von Martin Buber: "Aber gekündigt ist mir nicht" (1933)              
   
"Ich lebe nicht fern von der Stadt Worms, an die mich auch eine Tradition meiner Ahnen bindet; und ich fahre von Zeit zu Zeit hinüber. Wenn ich hinüberfahre, gehe ich immer zuerst zum Dom. Das ist eine sichtbar gewordene Harmonie der Glieder, eine Ganzheit, in der kein Teil aus der Vollkommenheit wankt. Ich umwandle schauend den Dom mit einer vollkommenen Freude. Dann gehe ich zum jüdischen Friedhof hinüber. Der besteht aus schiefen, zerspellten, formlosen, richtungslosen Steinen. Ich stelle mich darein, blicke von diesem Friedhofgewirr zu der herrlichen Harmonie empor, und mir ist, als sähe ich von Israel zur Kirche auf. Da unten hat man nicht ein Quentchen Gestalt; man hat nur die Steine und die Asche unter den Steinen. Man hat die Asche, wenn sie sich auch noch so verflüchtigt hat. .. Ich habe da gestanden, war verbunden mit der Asche und quer durch sie mit den Urvätern. Das ist Erinnerung an das Geschehen mit Gott, die allen Juden gegeben ist. Davon kann mich die Vollkommenheit des christlichen Gottesraums nicht abbringen, nichts kann mich abbringen von der Gotteszeit Israels. Ich habe da gestanden und habe alles selber erfahren, mir ist all der Tod widerfahren: all die Asche, all die Zerspelltheit, all der lautlose Jammer ist mein; aber der Bund ist mir nicht aufgekündigt worden. Ich liege am Boden, hingestürzt wie diese Steine. Aber gekündigt ist mir nicht. Der Dom ist, wie er ist. Der Friedhof ist, wie er ist. Aber gekündigt ist uns nicht worden."
  
Nähere Informationen zu diesem Text von Martin Buber und Quellenangaben: hier anklicken   

Der "Blick Martin Bubers" vom jüdischen Friedhof zum Dom - auf zwei Ansichtskarten des 20. Jahrhunderts    
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries)    
Linke Karte aus der Zeit um 1960 
(Verlag Gebr. Metz, Tübingen) 
Rechte Karte um 1960-1970 
(Photo-Betrieb Curt Güller, Worms)
Worms Friedhof 0226.jpg (220350 Byte)  Worms Friedhof 0222.jpg (307525 Byte)
Martin Buber: "Ich stelle mich darein, blicke von diesem Friedhofgewirr zu der herrlichen Harmonie empor, 
und mir ist, als sähe ich von Israel zur Kirche auf..."   

     
     
     
Neuere Presseartikel zum Friedhof  

Juni 2010: Ein Tunnel unter dem Friedhof wurde wiederentdeckt  
Artikel von Susanne Müller in der "Wormser Zeitung" vom 20. Juni 2010 (Artikel): 
"THW legt überraschend einen Teil der früheren Stadtbefestigung frei. 
Auf dem "Heiligen Sand' in Worms wurde eine aufregende Wieder-Entdeckung gemacht: Unter dem jüdischen Friedhof verläuft an der Nordseite ein unterirdischer Gang. Das gemauerte Bauwerk mit Gewölbedecke stammt aus dem Jahr 1617, war über Jahrhunderte in Vergessenheit geraten, im Zweiten Weltkrieg als Luftschutz-Einrichtung genutzt worden - aus dieser Zeit stammt auch ein betonierter Eingang auf dem Gottesacker, der nun aufgebrochen wurde...."   
    
Artikel von Johannes Götzen in der "Wormser Zeitung" vom 25. Juni 2010 (Artikel): 
"Kulturgut und Bombenschutz - Erinnerung an Tunnel unter dem jüdischen Friedhof
WORMS. Er war über Jahrzehnte einfach in Vergessenheit geraten: Der Tunnel unter dem jüdischen Friedhof, der vor wenigen Tagen bei wissenschaftlichen Untersuchungen wieder entdeckt worden war (die WZ berichtete). Was dabei vermutet wurde, bestätigt sich jetzt: Der vermutlich bereits im Mittelalter angelegte Tunnel diente im Zweiten Weltkrieg als Schutzkeller. Herbert Neidlinger verbrachte hier als gerade einmal fünfjähriger Knabe mit der Mutter bange Stunden. Eigentlich wohnte die Familie in der Eisbachstraße, doch die Tante lebte in einem Mehrfamilienhaus in der Bahnhofstraße, dort, wo heute der EWR-Parkplatz ist. Bei Fliegeralarm ging es meistens in den großen Luftschutzkeller unterm Haus 'Mainzer Rad' schräg gegenüber in der Andreasstraße, erinnert sich der heute 70-Jährige. Schon dessen Eingang sei vom jüdischen Friedhof aus zugänglich gewesen...."  
 
Artikel von Kurt F. de Swaaf im "SPIEGEL ONLINE" vom 30. Juni 2010: "Gemeißelte Geheimnisse - Forscher entziffern jüdische Grabinschriften" 
(Link zum Artikel)    
Dazu auch die epd-Pressemitteilung Anfang August 2010 (Mitteilung): "Forscher entziffern Grabinschriften auf jüdischem Friedhof in Worms 
Duisburg/Worms (epd). Forscher der Universität Duisburg-Essen entziffern in einem Pilotprojekt die Grabinschriften auf dem jüdischen Friedhof in Worms. Der Friedhof "Heiliger Sand" sei der älteste erhaltene mittelalterliche jüdische Friedhof in Europa, teilte die Universität am Montag in Duisburg mit. Der älteste der insgesamt etwa 1.300 Grabsteine stamme aus dem Jahr 1076, hieß es....".   
  
Januar 2011: Für die weitere Dokumentation des Friedhofes werden finanzielle Mittel benötigt   
Artikel von Ulrike Schäfer in der "Wormser Zeitung" vom 11. Januar 2011 (Artikel): 
"WORMS - JÜDISCHER FRIEDHOF Wissenschaftler Prof. Dr. Michael Brocke bittet um Unterstützung
Prof. Dr. Michael Brocke vom Steinheim-Institut, der schon seit Jahren eine unschätzbare Arbeit bei der wissenschaftlichen Erforschung der Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof in Worms leistet, schreibt in der neuesten Ausgabe der Zeitschrift 'Kalonymos' (13. Jahrgang, Heft 4, Seite 10 ff.) über die Bedeutung des jüdischen Friedhofs in Worms: 'So ist der älteste erhaltene jüdische Friedhof Europas eine heilige Stätte, wenn man sie nicht gar als die heiligste des aschkenasischen Judentums bezeichnen muss (…). Es grenzt an Wunder, dass die Stätte (…) insgesamt noch erhalten ist.'..."  
        
März 2011: Dokumentation der Grabinschriften mit 3D-Technik    
Artikel von Ulrike Schäfer in der "Wormser Zeitung" vom 7. März 2011 (Artikel): 
"Grabinschriften auf jüdischem Friedhof in Worms mit 3D-Technik erhalten
WORMS
. Vor einigen Jahren noch hätte man keine Chance gehabt, verwitterte Grabinschriften jemals wieder entziffern zu können. Das ist anders geworden, seit man das 3D-Scanverfahren kennt, das bessere Ergebnisse erbringt, als die übliche Schräglichtfotografie.
Das Interdisziplinäre Zentrum für Wissenschaftliches Rechnen (IWR) der Universität Heidelberg, das die Methode seit anderthalb Jahren anwendet, scannt nun im Auftrag der Landesdenkmalpflege Rheinland-Pfalz auf dem jüdischen Friedhof 'Heiliger Sand' besonders erhaltenswerte Grabsteinoberflächen ein, um möglichst viele Inschriften dem endgültigen Vergessen zu entreißen..."   
     
November 2011: Zur einer neuen Dokumentation des Friedhofes   
Fast 1 000 Jahre in Stein gehauen (Wormser Zeitung, 02.11.2011)     
   
August 2017: Pflege des Friedhofes durch ehrenamtliche Jugendliche 
Artikel im "Nibelungen-Kurier" vom 17. August 2017: "Pflege des 'Heiligen Sand' durch internationalen Bauorden. ADD-Präsident Linnertz und Oberbürgermeister Kissel besuchen ehrenamtliche Jugendliche
'Die Arbeiten sind noch nicht beendet, aber über das Engagement und das sich abzeichnende Ergebnis freuen wir uns schon jetzt', so die Teilnehmer der offiziellen Begehung auf dem Jüdischen Friedhof Heiliger Sand in Worms. ADD-Präsident Thomas Linnertz und Oberbürgermeister Michael Kissel sowie Stella Schindler-Siegreich von der Jüdischen Kultusgemeinde Mainz verschafften sich einen Überblick über die Arbeiten auf den jüdischen Gräberfeldern. Sechs Jugendliche aus Kolumbien, Brasilien, Italien, Ukraine, Russland und Deutschland des Internationalen Bauordens unter der Führung von Peter Runck sowie vier Mitarbeiter des Integrations- und Friedhofsbetriebes der Stadt Worms sind in der Zeit vom 13. bis 18. August im Einsatz. Auf Initiative der Stadt Worms wurde in Absprache mit der Jüdischen Kultusgemeinde Mainz und der landesweit für jüdische Friedhöfe in Rheinland-Pfalz zuständigen Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) ein detailliertes Konzept aufgestellt, das nun mit Unterstützung von ehrenamtlichen Helfern des Internationalen Bauordens den Zustand des Friedhofs weiter verbessern soll. Im Wesentlichen sind Efeuvegetation Brombeerhecken, Sträucher und Kleingehölze zu entfernen. Partiell sind Gräberflächen mit Gras einzusäen.
Besonderes Augenmerk auf jüdisches Erbe. Die Stadt Worms kümmert sich als Friedhofsträger um fünf jüdische Friedhöfe. Neben dem jüdischen Friedhof auf dem städtischen Friedhof liegt das besondere Augenmerk der Stadt auf dem 'Heiligen Sand', wohl dem ältesten jüdischen Friedhof Europas. In Rheinland – Pfalz gibt es über 300 sogenannte verwaiste jüdische Friedhöfe deren Gräber ein ewiges Ruherecht haben und die dauerhaft gepflegt werden. 'Die Betreuung der Friedhöfe nach jüdisch-religiöser Auffassung umfasst unter ande-rem die Bewahrung der Totenruhe und die Erhaltung des Friedhofs. Dazu gehört neben einer sicheren Einfriedung mit abschließbarem Tor auch die ordnungsgemäße Unterhaltung der Zugangswege sowie das regelmäßige Grasmähen und Beseitigen von Unkraut. Dies geht aus der entsprechenden, zuletzt im Jahr 2000 modifizierten Verwaltungsvorschrift hervor und ist Ausfluss aus der Vereinbarung zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Jüdischen Kultusgemeinde Deutschland vom Juni 1957 mit der Zielsetzung, dass der Staat sich um die verwaisten Friedhöfe kümmert. Hiermit soll das religiös festgelegte ewige Ruherecht gewahrt werden', erklären ADD-Präsident Linnertz und OB Kissel.
Pflegestandards normiert. Für die gesetzlich normierten relativ einfachen Pflegestandards erhält die Stadt jährlich für 27.472 qm Friedhofsfläche 30.200 Euro hälftig von Bund und Land durch die ADD zur Verfügung gestellt. In 2016 hat die Stadt Worms für notwendige Grabmalsicherungsarbeiten auf dem 'Heiligen Sand' aus dem Sonderfonds der ADD weitere 12.700 Euro erhalten. Die ADD hat sich auf Anfrage der Stadt Worms bereiterklärt, das Arbeitscamp finanziell aus dem Hilfsfonds für Instandsetzungsmaßnahmen zu unterstützen. Beim Besuchstermin hoben ADD-Chef Thomas Linnertz und OB Michael Kissel das ehrenamtliche Engagement der Freiwilligen besonders hervor und dankten ihnen, sich auf diesem Wege für das gemeinschaftliche Miteinander und eine friedliche Zukunft einzusetzen. Bauorden-Geschäftsführer Peter Runk unterstrich den Aspekt der Völkerverständigung als weiteren wichtigen Teil dieses Baucamps."
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Januar 2018: Der Wormser Altertumsverein setzt sich für den Erhalt der Grabdenkmäler im jüdischen Friedhof ein   
Artikel von Ulrike Schäfer in der "Wormser Zeitung" vom 13. Januar 2018: "Wormser Altertumsverein kämpft um Erhalt der Grabdenkmäler auf dem Friedhof Heiliger Sand
Die Grabdenkmäler auf dem Friedhof Heiliger Sand verwittern. Doch mit der Landesdenkmalpflege hat der Altertumsverein Probleme: Für den Umgang mit einigen Grabsteinen fehlt bislang ein denkmalpflegerisches Konzept, das in enger Abstimmung mit der Jüdischen Gemeinde Mainz festlegt, welches Verfahren bei der Erhaltung und Restaurierung der Grabsteine angewendet werden soll.
WORMS
- Ohne das grüne Laub der Bäume sieht der Heilige Sand derzeit melancholisch aus. Stumm ragen die Grabsteine aus der Erde, die meisten schief, gebeugt, halb versunken, oft über und über mit Moos überzogen. Bei einigen splittert der Sandstein in großen Stücken ab. Die ältesten Steine des Friedhofs stammen noch aus der Gründungsphase der Gemeinde vor fast 1000 Jahren. In früheren Zeiten hat man immer wieder versucht, einzelne Steine aufzurichten, abgebrochene Teile mit eisernen Dübeln zu verklammern oder mit Zement auszubessern. Danach passierte über Jahrzehnte nichts, sieht man einmal von den gärtnerischen Pflegearbeiten ab. Erst nachdem die Idee, die Schum-Gemeinden als Welterbe vorzuschlagen, Gestalt annahm, geriet der Friedhof verstärkt in den Blick, schließlich ist er eines der überzeugendsten Argumente für die Anerkennung.
Mit der Schrift nach unten aufs Gras gefallen. Dr. Josef Mattes, Vorsitzender des Altertumsvereins, der sich gemeinsam mit dem Verein Warmaisa schon lange um den Erhalt des Friedhofs kümmert, weiß, dass der Verfall nicht gänzlich aufzuhalten ist. Glücklicherweise sind die meisten Inschriften des älteren Friedhofsteils dank der unermüdlichen Arbeit Professor Dr. Michael Brockes und seines Teams mittlerweile erfasst, übersetzt und in der Datenbank des Salomon-Ludwig-Steinheim-Instituts verfügbar. Auch wurden einige Grabsteine bedeutender Gelehrter schon fachmännisch durch die Bamberger Firma Bauer-Bornemann restauriert. Doch für den Umgang mit den übrigen Grabsteinen fehlt bislang ein denkmalpflegerisches Konzept, das in enger Abstimmung mit der Jüdischen Gemeinde Mainz festlegt, welches Verfahren bei der Erhaltung und Restaurierung der Grabsteine angewendet werden soll. Was geschieht mit halb oder fast ganz versunkenen Steinen, was mit Steinen, die so weit nach hinten geneigt sind, dass Inschriften und Ornamente vom Regen gänzlich ausgewaschen werden? Soll und darf man sie anheben und aufrichten? Und was geschieht mit umgefallenen Steinen, deren Verwitterungsprozess durch den feuchten Grasboden beschleunigt wird? Im Mai letzten Jahres hat Josef Mattes fünf solcher umgefallenen Steine, mit der Schriftseite nach unten, auf dem Heiligen Sand entdeckt, vier auf dem mittelalterlichen Gelände, der fünfte befindet sich auf dem neueren Teil des Friedhofs. Früher seien solche Steine auf Betreiben der Unteren Denkmalbehörde von einem der ansässigen Steinmetzbetriebe mit einem Fundament versehen und wieder an Ort und Stelle eingegraben worden, erzählt Josef Mattes. Warum ist das nun nicht auch mit diesen fünf Steinen passiert?
Josef Mattes seufzt. Laut Anweisung der Generaldirektion kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz dürfen Veränderungen auf dem Friedhof nur noch mit Zustimmung der Landesdenkmalpflege, der Unteren Denkmalpflege und der Jüdischen Gemeinde Mainz vorgenommen werden. Das habe natürlich seinen guten Sinn, sieht Mattes ein. Er habe also Hanna Hubertus, der zuständigen Denkmalpflegerin bei der Stadt, den Schaden mitgeteilt, und die habe ihn auch weitergemeldet, doch geschehen sei nichts. Die Landesdenkmalpflege habe sich nicht geäußert. In einem persönlichen Gespräch am Rande einer Tagung im September sei er sogar sehr unwillig beschieden worden, sich in Geduld zu fassen. 'Ich hatte den Eindruck, dass das Thema überhaupt nicht interessiert und dass unser Engagement nicht erwünscht ist', sagt Mattes.
Einzigartiges jüdisches Erbe. Immerhin sei ein Treffen vor Ort mit allen Beteiligten für Ende November vereinbart worden. Dabei habe er einen Kostenvoranschlag des Wormser Steinmetz- und Bildhauerbetriebs Frank über 6900 Euro für die Aufrichtung der fünf Steine samt neuem Sockel vorgelegt und zugesichert, dass die Kosten vom Altertumsverein und dem Verein Warmaisa übernommen würden. Leider sei dieser Vorschlag von der Landesdenkmalpflege abgelehnt worden mit der Begründung, das Angebot entspreche nicht den qualitativ hohen Anforderungen, die dem einzigartigen jüdischen Erbe angemessen seien. Josef Mattes ist frustriert, weil sich in mehr als sechs Monaten absolut nichts getan hat. 'Wir wissen nicht einmal, welche Vorstellungen die Denkmalpflege eigentlich hat, weil das schon lange angekündigte Konzept bisher nicht vorliegt', klagt er. Die Landesdenkmalpflege war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Jetzt hat Mattes, einem Vorschlag Prof. Brockes folgend, dem Landesamt eine Variante genannt. So könnte man den Standort mit Friedhofserde unterfüttern und darauf die Steine ohne neuen Sockel einsetzen, auch wenn die Inschrift dann nicht mehr ganz zu sehen ist. Das ist zwar nicht die stabilste Lösung, aber sie hält den Verfallsprozess noch eine Zeitlang auf. Mattes hofft, dass diese Idee akzeptiert wird. Der Altertumsverein hat bisher 63.000 Euro für die Erstellung der Datenbank aufgebracht. Weitere 30.000 Euro hat die Stadt dazu gegeben. 25.000 Euro hat der Verein für die Aufrichtung umgefallener Grabsteine aufgewendet, zirka 2000 Euro hat Warmaisa zugeschossen. Für die Restaurierung besonders wertvoller Steine haben Altertumsverein und Warmaisa je 15.000 Euro eingestellt. Für die Dokumentation, die Professor Dr. Michael Brocke derzeit über den Heiligen Sand anfertigt, hat der Altertumsverein bereits 27.000 Euro gesammelt. Dieses Buch wird ein wesentlicher Bestandteil des Welterbeantrags sein."
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Februar 2019: Der Friedhof "Judensand" soll Weltkulturerbe werden 
Artikel von Carina Schmidt in der "Allgemeinen Zeitung" vom 11. Februar 2019: "Jüdischer Friedhof 'Judensand' soll Weltkulturerbe werden.
Ein Rahmenplan soll die Grundlage für die Anerkennung sein. 2021 könnte es dann so weit sein. Das Besucherzentrum könnte in der Paul-Denis-Straße gebaut werden.
MAINZ -
2021 könnte es soweit sein: die Anerkennung des jüdischen Erbes der drei Städte Speyer, Worms und Mainz als Unesco-Weltkulturerbe. In der Gutenbergstadt geht es dabei um den 'Friedhof Judensand' zwischen der Mombacher Straße und der Fritz-Kohl-Straße. Als Voraussetzung und Grundlage für die angestrebte Anerkennung hat nun der Bau- und Sanierungsausschuss dem Rahmenplan 'Friedhof Judensand' zugestimmt. Im Stadtrat wird darüber am 13. Februar entschieden.
Seit dem hohen Mittelalter sind die drei jüdischen Zentren am Rhein unter dem Namen 'SchUM' bekannt. Das Kurzwort wird aus den Anfangsbuchstaben der mittelalterlichen, auf Latein zurückgehenden hebräischen Städtenamen zusammengesetzt. In der Beschlussvorlage heißt es, die Anerkennung als Weltkulturerbe würde der jüdischen Bestattungskultur 'einen nachhaltigen und dauerhaften Platz im Gedächtnis der Menschen sichern'. Der hohe religiöse Wert und die im Judentum zentrale historische Bedeutung des Judensandes werde auch dadurch deutlich, dass dort Memorsteine aufgestellt wurden, sich Juden aus dem Umland begraben ließen und nach der Wiederansiedlung von Juden in Mainz der Friedhof umgehend wieder genutzt wurde. Der älteste datierte Stein ist heute im Landesmuseum Mainz ausgestellt. Er wurde für Jehuda ben Senior errichtet, der 1049 starb. Zu den planerischen Rahmenbedingungen zählt etwa die Frage, wo das Besucherzentrum platziert werden könnte – voraussichtlich läuft es auf die Paul-Denis-Straße hinaus. Auch die Anforderungen seitens der jüdischen Gemeinde an die Gestaltung und Nutzung der eigentlichen Friedhofsfläche wurden gesammelt. Aufbauend auf den Rahmenplan soll auch ein Wettbewerb für die Freiraumgestaltung durchgeführt werden." 
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März 2019: Vortrag über den jüdischen Friedhof in Worms  
Artikel von Ulrike Schäfer  in der "Wormser Zeitung" vom 25. März 2019: "Die Strahlkraft eines Wormser 'Totenhofs'.
Der jüdische Friedhof 'Heiliger Sand' ist in Worms ein Ort von großer religiöser und historischer Bedeutung – auch wenn er schon als Tierweide und Wäschebleiche genutzt wurde.

WORMS - Unter dem Titel 'Und der Totenhof dieser Juden heißt der Heilige Sand' berichtete die Judaistin Dr. Ursula Reuter am Freitag im Rahmen der Wintervortragsreihe des Altertumsvereins über Geschichte und Nutzung des bedeutenden alten jüdischen Friedhofs bis zu seiner Schließung 1911. Für ihren kenntnisreichen und spannenden Vortrag interessierten sich viele Zuhörer, darunter auch Dr. Stefanie Hahn, Stabsstelle 'Unesco-Welterbeantrag Schum-Stätten', und der ehemalige Landeskonservator Dr. Joachim Glatz.
Grabsteine befinden sich an ursprünglichem Ort. Angelegt wurde der 'Andersort' (Michael Brocke) wohl kurz nach 1000, er ist etwas jünger als der Mainzer Judensand, aber die Grabsteine befinden sich hier noch an ihrem ursprünglichen Ort (in situ). Vermutlich habe Bischof Burchard den Juden den Platz zur Nutzung überlassen. Die ältesten Steine sind im Rabbinental. Hier waren die zwölf Parnassim (Gemeindevorsteher) begraben, die während des Kreuzzugspogroms von 1096 Selbstmord (Kiddúsch ha-schém) begingen, um nicht zur Taufe gezwungen zu werden. Der Chronist Liwa Kirchheim berichtet, dass sie vom Turm Lug auf das Land in den Friedhof sprangen und dort von der Erde verschluckt wurden. Ihre Gräber, so Reuter, waren der Nukleus, von dem aus sich der Friedhof weiter ausdehnte. Schon lange gibt es die Märtyrergrabsteine nicht mehr, aber eine Inschriftenplatte erinnert an die Tragödie. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde der Friedhof nach Norden erweitert. Er habe schon damals eine große Strahlkraft gehabt, erzählte Reuter. Es war der Ruheort der Gerechten, ein heiliger Ort. Die Quellen berichten von Pilgerfahrten, besonders am Fast- und Trauertag Tischa beAv (Tempelzerstörung, Kreuzzugspogrom). Man betete an den Gräbern der 'Heiligen' und wollte auch gerne in ihrer Nähe (ad santos) beerdigt werden. Ein berühmtes Beispiel dafür sind die Ruhestätten Rabbi Meirs von Rothenburg und Alexanders ben Salomon Wimpfen. In der frühen Neuzeit wurde eine zweite Befestigungsmauer im Westen der Stadt errichtet. Dabei wurde durch den Heiligen Sand der noch erhaltene Tunnel von der inneren zur äußeren Mauer gezogen. Die Grabsteine, die damals frevelhaft verbaut wurden, sind heute in der Friedhofswand eingemauert. Der Synagogendiener Juspa Schammes (1604 bis 1687), der uns neben seinen Wundergeschichten auch ein Minhagbuch über die Bräuche der Gemeinde hinterlassen hat, beklagt, dass 1620 eine Verteidigungsschanze aufgeworfen worden sei, unter der die Gräber großer Männer, wie auch das des Rokeach, verschwunden seien. Zwischen 1613 und 1616 kam es zu Bürgerunruhen; die Juden wurden mit Hass verfolgt und auf die andere Rheinseite vertrieben. Erst dank des Eingreifens kurpfälzischer Truppen konnten sie wieder nach Worms zurückkehren. Der Mob hatte derweil die Synagoge zerstört und 1000 Grabsteine aus dem Boden gerissen. Erst 1620 war das Gotteshaus wiederaufgebaut. Reuter berichtete unter vielem anderen auch über die teilweise recht profane Nutzung des Friedhofs als Tierweide und Wäschebleiche, über Begräbnisse, Leichenzüge, das Taharahaus (Leichenhaus), welches das älteste noch existierende in Deutschland ist, und die Gründung der Beerdigungsbruderschaften (Chewra Kadischa), die ab 1609 nachzuweisen sind. Es gibt im Museum noch einen silbernen Beerdigungspokal aus diesem Jahr, eines der ältesten Judaika-Objekte Deutschlands überhaupt.
Das Grüne Buch wurde von 1561 bis 1811 geführt. Ein Becher, der heute in New York aufbewahrt wird, ist beschriftet mit den Namen von 137 Verstorbenen, beginnend mit Samson Wertheimer, dem kaiserlichen Hoffaktor und Oberrabbiner aus Worms. Eine besonders ergiebige Quelle, sagte Reuter, sei das Grüne Buch, das von 1561 bis 1811 geführt wurde und unter anderem vollständige Totenlisten ab 1581 aufführt. Mit der Emanzipation im 19. Jahrhundert ging die Auflösung der alten Gemeinde einher, auch die Sepulkralkultur war davon betroffen. Um 1900 wurde der Heilige Sand zum 'lieu de memoire', aber er wurde auch schon damals als Informationsquelle zur Geschichte der Gemeinde genutzt."  
Link zum Artikel 

   
    

Links und Literatur

Links:   

bulletWebsite der Stadt Worms mit englischer Informationsseite zum jüdischen Friedhof  
bulletFotos zum jüdischen Friedhof Worms auch in der Website von Stefan Haas:  https://www.blitzlichtkabinett.de/friedhöfe/friedhöfe-in-rlp-ii/ 
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Website von Warmaisa: Verein zur Pflege der jüdischen Kultur in Worms 

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Fotoseite zu wichtigen Orten der jüdischen Geschichte in Worms  

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Zur Fotoseite über die hier anklicken  Synagoge in Worms (interner Link) 

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Informationsseite zum jüdischen Friedhof in Worms:  http://wo-sie-ruhen.de/friedhoefe/?c=30      

Literatur (kleine Auswahl, ausführliche Literaturübersicht siehe die online zugängliche Publikation von Klaus Cuno S. 423-455):  

bulletOtto Böcher: Der alte Judenfriedhof zu Worms. (Rheinische Kunststätten 148), 5. Aufl. Worms 1984.
bulletFritz Reuter: Warmaisa. 1000 Jahre Juden in Worms. 1987².
bullet Fritz Reuter/Christa Wiesner: Der Judenfriedhof zu Worms. In: Ein edler Stein sei sein Baldachin. Jüdische Friedhöfe in Rheinland-Pfalz. Hg. v. Landesamt für Denkmalpflege  Rheinland-Pfalz 1996.   
Klaus Cuno: Die ältesten jüdischen Grabsteine in den Rheinlanden (bis ca. 1100): onomastische Aspekte und die Traditionen der Epitaphgestaltung seit der Antike. Dissertation Trier 2010. Online zugänglich über http://ubt.opus.hbz-nrw.de/volltexte/2012/745/   
Zu den Grabinschriften in Mainz und Worms: S. 105-414.   

        
        

                   
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Stand: 18. Mai 2020