Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Bieringen (Gemeinde Schöntal, Hohenlohekreis) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

Übersicht: 

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletAus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
-  Allgemeine Berichte   
-  Berichte zu einzelnen Personen/Familien aus der jüdischen Gemeinde   
bulletZur Geschichte der Synagoge   
bulletFotos / Pläne / Darstellungen  
bulletLinks und Literatur   

     

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde                    
    
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zum Kloster Schöntal gehörenden Bieringen bestand eine jüdische Gemeinde bis um 1870. Erstmals werden 1579 Juden am Ort genannt; 1654 und 1661 waren es drei jüdische Familien. 
   
1807 wurden 30 jüdische Einwohner in Bieringen gezählt ("Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. August 1926 S. 201), 1848 waren es 48 jüdische Einwohnern..
  
Seit 1832 gehörte die Gemeinde zum Rabbinatsbezirk Berlichingen beziehungsweise war auch als Filialgemeinde der benachbarten Synagogengemeinde Berlichingen zugeteilt. Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1858 mit 53 Personen erreicht. In den folgenden Jahrzehnten ging ihre Zahl rasch zurück. 1883 wurden noch 16 jüdische Einwohner gezählt; wenig später verzogen auch diese Personen vom Ort beziehungsweise sind verstorben. Nach 1888 gab es keine jüdischen Einwohner mehr in Bieringen.  
 
An verschiedenen Orten lebten im 19./20. Jahrhundert jüdische Familien mit dem Herkunftsnamen "Bieringer", u.a. in Adelsheim, Ernsbach, Ichenhausen, Treuchtlingen, dann auch München, Berlin, Frankfurt am Main, Gießen, Stuttgart u.a.m.
  
Von den in Bieringen geborenen jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Julchen David geb. Stern (1859, später Zwingenberg), Ida Gottlieb geb. Stern (1857, s.u.), Isak Gottlieb (1854, später Berlichingen), Lina Obenheimer geb. Würzburger (1870, später Schwäbisch Hall, s.u.), Rahel Ortheiler geb. Würzburger (1879, später Hamburg), Jakob Stern (1868, später Bochum), Jette Stern geb. Würzburger (1869, später Alzey), Salomon Strauß (1860, später Berlichingen), Emanuel Würzburger (1866, später Heilbronn).    
   
Anmerkung: für Ida Gottlieb geb. Stern wurde ein Stolperstein in Künzelsau in der Schnurgasse 3 verlegt; für Lina Obenheimer geb. Würzburger wurde ein "Stolperstein" in Schwäbisch Hall (Gelbinger Gasse 42) verlegt, vgl. https://www.schwaebischhall.de/de/unsere-stadt/geschichte/gedenkstaetten-fuer-ns-opfer sowie https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Schwäbisch_Hall; für Jakob Stern wurde ein Stolperstein in Bochum (Kurt-Schumacher-Platz/Ecke Massenbergstraße) verlegt.
   
   
Hinweis zu zwei in der NS-Zeit ermordeten/umgekommenen Personen: Berta Schwarz geb. Fröhlich (geb. 1863 in Bieringen) und ihr Sohn Hugo Schwarz (1892). Sie gehörten zur jüdischen Gemeinde Rexingen, dann Villingen. Berta ist in
Bieringen bei Horb (heute Stadtteil von Rottenburg am Neckar) geboren. Sie stammte aus der Familie des Jakob Elias Fröhlich aus Rexingen, der in 1. Ehe mit Sophie geb. Weil (gest. 1869) verheiratet war und seit 1871 in 2. Ehe mit Fanny geb. Levi von Buttenhausen. Berta war später verheiratet mit Louis Schwarz und lebte mit ihrem Mann und den Kindern in Villingen-Schwenningen (Gerberstraße 33). Für Berta Schwarz und ihren Sohn Hugo Schwarz wurden Stolpersteine in Villingen-Schwenningen (Gerberstraße 33) verlegt: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Villingen-Schwenningen und https://pro-stolpersteine-vs.de/biographien/index.php?storyNumber=36.      
    
    
   

Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
    

Allgemeine Berichte 
Abschnitt zu Berlichingen und Bieringen aus
"Die "Israeliten im Bezirk Künzelsau" (Beitrag von 1928) 
Anmerkung: der gesamte Beitrag findet sich in den Seiten zu Dörzbach und Hohebach   

Artikel in "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württemberg" vom 1. Juni 1928: "Die Israeliten im Bezirk Künzelsau.  Von Lehrer Julius Schapiro. ...   
... Am Ende eines starken Bogens, den die Jagst von Schöntal her beschreibt, liegt der vom linken Ufer allmählich sich in die Höhe ziehende Marktflecken Berlichingen, wo sich ebenfalls eine alte Israelitengemeinde bis heute erhalten hat. Die Aufnahme der Israeliten war, da das Dorf um dir Mitte des 12. Jahrhunderts in eine Berlichingische und eine Schöntalische Seite geteilt war, (die Straße schied beide Teile) nach Schöntaler Darstellung gemeinschaftlich, während die Herren von Berlichingen den sogenannten 'Judenschutz' in ihrem Gebiete beanspruchten, woraus unzählige Streitigkeiten flossen. Zuerst ist 1650 davon die Rede. Berlichingen hatte damals 25 'Schutzjuden', Schöntal 1. Allem Anschein nach waren die Israeliten bei den Herren von Berlichingen besser gelitten, als bei denen von Schöntal; denn als erstere 1783 ihnen allgemeines Wohnrecht zubilligten und sie auch in christliche Häuser aufnahmen, wurde von den Herren von Schöntal dagegen protestiert.
Die Synagoge, im unteren Teil des Dorfes nahe der Jagst. in ein einfaches, aber ehrwürdiges Gebäude ohne Stil aus dem Anfange des 18. Jahrhundert. Ein sehr alter Betsaal dagegen hat sich aller Wahrscheinlichkeit nach in dem oberen Stocke des jetzt der Familie Berlinger gehörigen Hauses befunden. Teilweise gut erhaltene hebräische Inschriften, die nur an ähnlich heiligen Orten angebracht werden, lassen mit Bestimmtheit diesen Schluss ziehen. Ein sehr alter Sammelfriedhof, wohin u.a. auch die Israeliten von Künzelsau ihre Toten verbringen, liegt eine halbe Stunde südöstlich vom Ort entfernt auf einer Anhöhe mitten im Feld.
Eine kleine Israelitische Gemeinde befand sich auch im nahe gelegenen Bieringen. Im Jahre 1654 befanden sich dort drei israelitische Familien, von welchen Mainz das Schutzgeld wie auch das Aufnahmerecht ansprach. Die anfangs selbständige Gemeinde wurde wegen des ständigen Rückganges ihrer Mitglieder laut Erlass der Oberkirchenbehörde vom 3. August 1832 trotz heftigsten Widerstands Berlichingen zugeteilt. Im Jahre 1873 waren in Bieringen noch 5 Wahlberechtigte, 1883 zählte es noch 16 Israeliten. 1853 weist die vereinigte Wählerliste beider Gemeinden 40 Mitglieder auf. Die Bevölkerungsstatistik zeigte folgende Kurve: 1875 128, 1895 104, 1910 95; 1925 90 Israeliten..."    

  
Das Ende der jüdischen Gemeinde (1888)  

Bieringen AZJ 09021888.jpg (21398 Byte)In der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. Februar 1888 findet sich die folgende Notiz: "Wieder hat eine israelitische Gemeinde Württembergs zu bestehen aufgehört: die Gemeinde Bieringen; das letzte Gemeindemitglied derselben, H. B. Stern*, wurde am 20. d. M. (sc. Januar 1888) unter großer Teilnahme aus benachbarten Gemeinden zu Grabe getragen".  
   
Bieringen AZJ 19071888.jpg (41807 Byte)Meldung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 19. Juli 1888: "Aus Bieringen bei (statt: in der) Künzelsau schreibt man: In dieser Woche ist aus unserem Orte die letzte jüdische Familie abgezogen. Die meisten sind nach Amerika ausgewandert, die anderen haben sich in Stuttgart, Heilbronn, Öhringen usw. niedergelassen." 
 
*Anmerkung: bei der 1888 verstorbenen Person handelt es sich um Baruch Jakob Bär Stern, Metzger und Handelsmann in Bieringen. Dieser ist am 16. November 1820 geboren und am 18. Januar 1888 verstorben. Er war verheiratet mit Regine geb. Stern. Die beiden hatten 14, teils früh verstorbene Kinder. Nach dem Tod ihres Mannes ist Regine Stern am 19. Juni 1888 nach Berlichingen gezogen, zusammen mit ihrem Sohn Jakob (geb. 1868), so im Familienregister Bieringen: http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-440598-28. Danach gab es keine jüdischen Einwohner mehr in Bieringen.   

  
  
Berichte zu einzelnen Personen/Familien aus der jüdischen Gemeinde
Über die Familie Wolf Wolf aus Bieringen, später in Stuttgart-Untertürkheim: Putzwollfabrik W. Wolf & Söhne   
Anmerkung: die Stammväter der Firmen in Untertürkheim und Heilbronn - Wolf Wolf (geb. 1816 in Bieringen) und Manasses Anschel (geb. 1804 in Bieringen) - waren als Söhne von Anschel Wolf Wolf in Bieringen und der Fratel (Tochter von Weil Wolf von Neckarsulm) Brüder.    

Aus Bieringen stammt die bekannte Untertürkheimer Textilfabrikantenfamilie Wolf (Putzwoll- und Baumwollfabrik; "Lumpen-Wolf"). Gründer der Firma war Wolf Wolf, geb. 21. Mai 1816 in Bieringen als Sohn des Bürgers und Handelsmannes in Bieringen Anschel Wolf Wolf und der Fratel geb. Wolf von Neckarsulm. Er heiratete am 12. November 1844 (Trauung durch den Berlichinger Rabbiner) Hanna geb. Stern, die am 12. Juli 1820 in Nagelsberg geboren ist als Tochter des Ochsenhändlers in Nagelsberg Isaak Stern und seiner Frau Regina geb. Neumann.
Wolf Wolf und seine Frau Hanna hatten neun in Bieringen geborene Kinder, von denen mehrere früh verstorben sind: Hanni (geb. 31. August 1845), Babet (geb. 23. September 1847), Etel (geb. 30. Januar 1850, gest. 20. Juli 1850), Isaak (später Isidor, geb. 1. Juli 1851, gest. 10. September 1910 in Stuttgart), früh verstorbener Junge (geb. 26. Februar 1854, gest. 1. März 1854), Anschel (später Adolf, geb. 21. März 1855, 1872 nach Nordamerika ausgewandert, wieder zurückgekehrt, gest. in Stuttgart 9. Juli 1928), Moses (später Moritz, geb. 5. Oktober 1857, gest. in Stuttgart 12. Juni 1926), Manasses (später Max, geb. 25. Januar 1860, 1935 in die Schweiz emigriert, gest. 27. September 1942), tot geborener Junge (geb./gest. 6. August 1862). 
1875 verzog die ganze Familie nach Stuttgart, wo Wolf Wolf 1870 seine Firma gegründet hatte. Später übernahmen die Söhne Max, Adolf, Moritz und Isidor das Geschäft ihres Vaters (Firma "W. Wolf & Söhne").  
Informationen zur Familie und zur Firma außer den bekannten Darstellungen zur Stuttgarter jüdischen Geschichte (Maria Zelzer usw.)
u.a. - Joachim Hahn: Pragfriedhof Israelitischer Teil. Friedhöfe in Stuttgart Bd. 3 1992 S. 228-229.
- http://www.wirtemberg.de/ut_wolf.htm und http://www.wirtemberg.de/wolf-und-soehne-1929.htm  
- Artikel in der "Cannstatter Zeitung" vom 18. April 2016 über Link. 
- Grab von Max Wolf in Baden (Schweiz): https://de.findagrave.com/memorial/211129348/max-wolf    
 
Über die Familie Wolf Manasse Wolf aus Bieringen, später in der Salzstraße 30 in Heilbronn: Sortieranstalt für Lumpen W. M. Wolf   
Links: Postkarte geschäftlicher Art von W. M. Wolf, versandt am 13. September 1888 (aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim am Ries)
Am 29. Juli 1862 wurde dem 1838 in Bieringen an der Jagst geborenen Wolf Manasse Wolf (Sohn von Manasses Anschel, geb. 1804 in Bieringen) von der Stadt Heilbronn zur Legitimierung seiner dem Stadtvorstand vorgelegten Anzeige in Heilbronn das Gewerbe eines Lumpen- und Landesproduktengeschäfts auf eigene Rechnung betreiben zu wollen, eine diesem Anliegen entsprechende Bescheinigung ausgestellt. Bereits 1864 erwarb Wolf Manasse Wolf ein Grundstück in der Paulinenstraße 21 und baute darauf ein Wohn- und Geschäftshaus. Das Geschäft war sehr erfolgreich, sodass 1871 und 1876 zwei anschließende Gebäude für den Betrieb neu eingerichtet wurden. 1900 wurde in einem vierten Gebäude noch ein Lagerhaus dazu erstellt. Nachdem das Geschäft weiter expandierte, wurde 1906 im Industriegebiet in der Salzstraße 30 ein Neubau errichtet. Nach dem Tod des Firmengründers W. M. Wolf am 7. Juli 1916 in Heilbronn übernahmen die Söhne Julius und Hermann Wolf die Firma und wandelten diese in eine Familienaktiengesellschaft um.
Wolf Manasse (Magnus) Wolf machte sich auch einen Namen durch seine unermüdliche und überaus engagierte Arbeit für das Allgemeinwohl der Stadt. Fast 40 Jahre Tätigkeit als Mitglied im Bürgerausschuss (Obmann und stellvertretender Bürgermeister) zeugen davon. Er gründete den "Verein Untere Stadt" und war über Jahrzehnte dessen Vorsitzender und kämpfte verbissen für die Erstellung des Stadttheaters in diesem Stadtviertel. Auch beim Geldsammeln für eine Glocke der katholischen Kirche gab es für Ihn kein Zögern. In den Jahren 1882 bis 1899 war W. M. Wolf im Israelitischen Kirchengemeinderat. 
Rückseite der obigen Postkarte.
weitere Informationen zur Firmengeschichte in Hans Franke: Geschichte und Schicksal der Juden in Heilbronn. S. 194-196 (eingestellt als pdf-Datei)
 
Zum Tod von Wolf Manasse Wolf (1916):   1916: am 6. Juli starb als Mitglied der Herder-Loge Heilbronn (seit 15. März 1905) der Expräsident der Loge W.M. Wolf, geb. 26. Januar 1838 in Bieringen (in: "Bericht der Großloge für Deutschland" August 1916: "Aus dem Gedächtnisbuch der Großloge" Nr. 85). 
Anmerkung: es handelt sich um Wolf Manasse Wolf, geb. 1838 in Bieringen als Sohn von Manasses Anschel Wolf, Handelsmann und Wirt in Bieringen (1804-1865) und seiner Frau Jette/Jütle geb. Stern aus Hohebach (1810-1861). Wolf M. Wolf hatte am 4. November 1862 in Heilbronn Gretchen geb. Strauß geheiratet und wohnte seitdem in Heilbronn.
Familienregister Bieringen: http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-440598-25, Familienregister Heilbronn  http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-445312-30.
Wolf und Gretchen Wolf hatten zehn zwischen 1863 und 1878 in Heilbronn Kinder, siehe Familienregister Heilbronn und oben.
 

     
Lehrer Ludwig Stern aus Bieringen wird 1. Lehrer (Direktor) an der Lehrerbildungsanstalt in Würzburg an (1864)  

Anmerkung: Ludwig Stern ist am 9. März 1824 in Bieringen als (unehelicher) Sohn der Jentle Hirsch Stern (Tochter des Handelsmannes Hirsch Baruch Stern) geboren (http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-440598-2). Nach Abschluss seiner Ausbildung zum Lehrer dürfte Unterdeufstetten seine erste Stelle gewesen sein (um 1842/1850?). Nach dem Beitrag unten war Stern nach Unterdeufstetten Lehrer in Markelsheim, wo er 1854 Bärbel/Babette geb. Adler aus Markelsheim heiratete (geb. 28. Juli 1831). Von 1853 bis 1860 war er Lehrer in Creglingen (http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-442332-96), danach in Freudental und ab 1864 I. Lehrer / Direktor an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg. Er starb am 15. August 1890 in Würzburg, seine Frau Babette am 31. Januar 1902 ebd. 
Von den zehn Kindern des Ehepaares sind die ersten vier in Creglingen geboren (Abraham Hartwig 1855, Jacob 1856, Gustav Gedalja 1858, Ida 1860), die nächsten zwei in Freudental (Josua 1863, gest. 1863, Mirjam 1864), die übrigen vier in Würzburg (Baruch 1866, Nathan 1868, Julia 1873 und Lina 1875).       

Freudental Israelit 16111864.jpg (233255 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. November 1864: "Aus Württemberg. Dem inneren Berufe folgend, hat am Anfang dieses Monats ein Mann das Schwabenland verlassen, dessen Verlust nicht nur die Gemeinden, in deren Mitte er als Lehrer und Vorsänger gewirkt hat, sondern nahezu das ganze Württemberg empfinden dürfte, für das er besonders in jüngster Zeit in edelster Weise, ersprießlich und wacker gewirkt und gekämpft hat. Ludwig Stern, bisher in Freudental angestellt, hat die Lehrer- und Hausmeister-Stelle an der Lehrerbildungsanstalt in Würzburg angenommen, welche von den dortigen hochherzigen Rabbinen unter Protektion der bayerischen Regierung ins Leben gerufen worden ist. Wie unser Stammvater folgte auch er der inneren Himmelsstimme und zog weg aus seinem Land und aus seiner Heimat wie aus dem Haus seines Vaters, verließ Vaterland, Heimat, Verwandte und Freunde, um zu wirken für das Ideal, das er auch bei uns zu erstreben bemüht gewesen, um vereint zu sein mit den Verwandten des Geistes, die seinem Edelmute mehr gelten als irdische Beziehungen. Rastlos wie seine pflichttreue Tätigkeit stieg auch er in seiner äußeren Stellung von Stufe zu Stufe und bewährte sich an ihm jeder göttliche Segen, der solchen Männern verheißen ist 'und ich will groß machen deinen Namen und er wird ein Segen sein’. Von der kleinen Filialgemeinde Unterdeufstetten aus, für die er ein Faktotum war, wie von Markelsheim und Creglingen, wo die Gemeinden zu jedem Opfer bereit waren, um ihn länger besitzen zu dürfen, wie durch die größere Kehilla (Gemeinde) Freudental, wo sein hervorragendes Wissen und Wirken, obschon neben einem Rabbinen, doch in der ehrenvollsten Weise Anerkennung gefunden hat, verbreitete sich sein Name immer weiter in den Gauen Württembergs. Sein rednerisches Talent und seine theologischen und pädagogischen Kenntnissee fanden ihren besten Lobredner in seinen Predigten, seinen Vorträgen und seinen schriftstellerischen und publizistischen Werken und Aufsätzen, welche auf der Kanzel vernommen worden, oder durch die Presse in Büchern, Zeitschriften und Broschüren an das Licht der Öffentlichkeit getreten sind. An der Spitze steht hierin das von ihm erschienene 'Deutsche Lesbuch für israelitische Schulen in 5 Abteilungen’ (Stuttgart 1862), das im Auslande fleißig gebraucht wird, obgleich unsere israelitische Oberkirchenbehörde, deren meisten Mitglieder nicht wohl die wahren Freunde eines solchen Strebens sein können, es nicht offiziell in den württembergischen Schule eingeführt hat. Mit einem wahren Eliasmute aber ist er als wackerer Kämpe in die Schranken getreten, um eine Revision des israelitischen Kirchenwesens in Württemberg zu erstreben, um die jetzt das ganze Land in allen seinen Parteien einstimmig und sehnlich petitioniert. So hat sich sein Verdienst über das Weichbild der Gemeinden hinaus durchs ganze Land nicht nur ausgebreitet und unvergesslich gemacht, sondern auch – gestützt auf 1. Samuel 12,23 – die Hoffnung erzeigt, dass die politische Grenze, die ihn nun von uns trennt, keine Scheidewand zwischen uns sein werde in den religiösen Bestrebungen, die wir bis jetzt gemeinschaftlich unternommen haben, und bald zum segensreichen Ziele führen werden. 
Möge er in Würzburg die Liebe und Achtung finden, die er unter uns besitzt, seine Aufnahme dort so herzlich sein, wie sein Abschied von hier und sein Wirken immer allgemeiner und segensreicher sich enthalten! Im Namen der Freunde im Neckartale, im Taubergrunde und am Donaustrome. S. Levy in Stuttgart."

  
Über die Nachkommen der Familie Baruch Stern aus Bieringen (1929)     

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Juni 1929: "Bieringen. Viele der jetzt lebenden Generation haben die Familie Baruch Stern in Bieringen an der Jagst gekannt, deren noch lebenden 7 Kinder Hermann Stern, Rochester (N.J.); Bertha Falk Witwe, Braunsbach an der Kocher; Karolina Frank, Neckarbischofsheim (Baden); Ida Gottlieb, Künzelsau an der Kocher; Julchen David, Zwingenberg am Neckar (Baden); Jakob Stern, Bochum (Westfalen); Emma H. Sänger, Heilbronn am Neckar; heute zusammen ein Alter von 518 Jahren haben. Noch manchem wird in Erinnerung sein, dass der verstorbene Baruch Stern seinerzeit sein Haus zur Verfügung stellte, um darin eine Synagoge einzurichten, die die Familie Stern 40 Jahre lang der Gemeinde unentgeltlich überlies. Der damalige Ortspfarrer, Dekan Zierlen, unterhielt ein sehr freundschaftliches Verhältnis mit Baruch Stern, der in Bieringen in großer Achtung stand. Wenn Gemeinderatswahl oder Kirchengemeinderatswahl war, dann ging Dekan Zierlen nur zu Baruch Stern, um den Kandidaten durchzubringen, den er gern haben wollte. Dann war er seiner Sache sicher".          

    
Kleine Mitteilungen zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde 

-  1864: Spendensammlung durch L. Berlinger in Berlichingen bei der Hochzeit des S. L. Würzburger von Bieringen, Spendenzweck: Bau jüdischer Armen- und Pilgerwohnungen in Jerusalem (in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. April 1864 S. 185).  
Anmerkung: es heirateten am 15. Dezember 1863 in Braunsbach durch Rabbiner Berlinger: Salomon Löw Würzburger - ein am 11. April 1833 in Bieringen geborener Sohn von Mändle Jakof Würzburger in Bieringen und seiner Frau Jäntle geb. Falk - und Sara geb. Strauß - eine am 8. April 1837 in Michelbach geborene Tochter von Löw Strauß und der Jette geb. Rosenthaler in Michelbach.   
-  1869: Spendensammlung bei der Hochzeit von Hayum Würzburger von Bieringen bei seiner Hochzeit mit Hanna Morgenroth aus Ernsbach (in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. März 1869 S. 247). 
Anmerkung: es handelt sich um Hayum Würzburger, geb. 9. Juni 1842 in Bieringen als Sohn von Mäntle Jakof Würzburger und seiner Frau Dina geb. Heymann. Hayum heiratete am 26. Januar 1869 in Ernsbach Hanna geb. Morgenroth, die am 21. Januar 1845 in Ernsbach geboren ist als Tochter von Löw Morgenroth und seiner Frau Elise (Esther) geb. Falk. Hayum und Hanna Würzburger hatten sechs Kinder: Lina (1870, verh. Obenheimer, wohnt u.a. in Heilbronn, Sontheim, ermordet 1944 in Auschwitz), Dina (1873), Emanuel (1877), Jakob Löb (1882), Rachel (1879, verh. Ortheiler, in Marktbreit, dann Bochum und Hamburg, ermordet 1941 in Kulmhof/Chelmno), Jette (1884 geb. in Öhringen). Die Familie verzog 1883 nach Öhringen. Familienregister Bieringen: http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-440598-31, Familienregister Öhringen: http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-446682-36  

   
    
    
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge                     
    
Ein Betsaal war bereits im 18. Jahrhundert vorhanden. 1807 berichtete der Kreisamtmann aus Öhringen, dass ein Betsaal in einem jüdischen Privathaus in Bieringen eingerichtet sei. Auch 1818 ist in der Pfarrbeschreibung der Gemeinde von einer "Synagoge" und einer jüdischen Schule in Bieringen die Rede. Beides sollte 1832 bei der Neueinteilung der jüdischen Gemeinden durch staatliches Gesetz aufgelöst und die Bieringer Juden der Gemeinde in Berlichingen zugewiesen werden. Damit waren jedoch die Betroffenen nicht einverstanden. Eineinviertel Stunden Weg sei es nach Berlichingen, was am Schabbat aus religiösen Gründen sowieso nicht möglich wäre und über Schabbat wolle man die Häuser in Bieringen nicht unbeaufsichtigt lassen. Leicht würden sie in dieser Zeit von Einbrechern heimgesucht. Sicher habe man keine Synagoge wie in Berlichingen, "allein wir sind bereit, einen unserem örtlichen Bedürfnis entsprechenden Ort zur gemeinsamen Gottesverehrung zu schaffen, sobald dies bei den beschränkten Mitteln unserer aus 12 Familien bestehenden Gemeinde möglich ist". Darauf wiesen die Bieringer Gemeindevorsteher Samuel Neumann und Jacob Oppenheimer im Oktober 1832 in ihrer Beschwerde gegen die Zuteilung nach Berlichingen hin. Freilich hatten sie zunächst mit ihrer Argumentation keinen Erfolg, wobei offen bleibt, ob die Bieringer Juden in den folgenden Jahren tatsächlich die Gottesdienste in Berlichingen besuchten oder es vorzogen, in ihrem Betsaal eine "private Andacht" abzuhalten.  
    
Erst 1843 wurde von der israelitischen Oberkirchenbehörde gestattet, dass der Berlichinger Lehrer die Bieringer Kinder in Bieringen selbst unterrichtet. Die Synagoge sollte weiterhin in Berlichingen besucht werden. Dennoch war vermutlich im ganzen 19. Jahrhundert in Bieringen ein Betsaal ("Synagoge") vorhanden. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte Baruch Stern in seinem Haus einen solchen zur Verfügung gestellt. 40 Jahre lang konnten die Bieringer Juden diesen privaten Betsaal unentgeltlich nützen. Baruch Stern war zu dieser Zeit hoch angesehen in Bieringen. Auch der damalige Ortspfarrer, Dekan Zierlen, unterhielt ein ausgesprochen freundschaftliches Verhältnis zu Stern (siehe Artikel oben).   
   
   
   
 
Fotos / Pläne / Darstellungen 

Fotos / Pläne /Darstellungen sind nicht bekannt, eventuelle Hinweise bitte an den 
Webmaster von "Alemannia Judaica". Adresse siehe Eingangsseite

    
     

Links und Literatur  

Links:  

bulletWebsite der Gemeinde Schöntal  

Quellen:  

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Bieringen 
In der Website des Landesarchivs Baden-Württemberg (Hauptstaatsarchiv Stuttgart) sind die Personenstandsregister jüdischer Gemeinden in Württemberg, Baden und Hohenzollern einsehbar: https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/struktur.php?bestand=5632     
Zu Bieringen sind vorhanden:    
J 386 Bü. 80 Bieringen Geburtsbuch von 1812 bis 1876   http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-440595    
J 386 Bü. 81 Bieringen Ehebuch von 1812 bis 1869     http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-440596   
J 386 Bü. 82 Bieringen Sterberegister 1812 bis 1873   http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-440597   
J 386 Bü. 83 Bieringen Familienbuch 1762 bis 1875    http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-440598        

Literatur:   

bulletArtikel zu Familie Baruch Stern in: Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs Jg. VI Nr. 6 vom 16.6.1929 S. 88-89.  
bulletArtikel zu Ludwig Lämmlein Stern in: Jüdisches Lexikon Bd. IV/2 Sp. 719.  
bulletPaul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. 1966. S. 49.  
bulletHauptstaatsarchiv Stuttgart Bestand E 201c Bü. 8, Fasz. 57-60.  
bulletJürgen Hermann Rauser: Ortsgeschichte Bieringen, in: Schöntaler Heimatbuch. 1982. S. 257 u.ö.  
bulletSimon Berlinger: Synagoge und Herrschaft: 400 Jahre jüdische Landgemeinde Berlichingen. Sigmaringendorf 1991.  
bulletNaftali Bar-Giora Bamberger: Die jüdischen Friedhöfe im Hohenlohekreis. 2002.    
bulletsynagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.  

      
       

                   
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Stand: 09. August 2026