Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Eisfeld (Kreis Hildburghausen)
Jüdische Geschichte / Betraum

Übersicht:

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
- Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
bulletZur Geschichte des Betraumes    
bulletFotos / Darstellungen 
bulletLinks und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde        
   
In Eisfeld bestand eine kleine jüdische Gemeinde vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis nach 1933. 
  
Bereits im Mittelalter lebten einzelne Juden in Eisfeld. Erstmals wird 1394 ein jüdischer Einwohner in Eisfeld genannt (Jud Gutkind zu Eisleben). Auch in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts lebten möglicherweise Juden in der Stadt. Nach 1441 waren durch die einsetzenden Vertreibungen aus den wettinischen Territorien wahrscheinlich keine Juden mehr in Eisfeld.      
  
Vermutlich kam es erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts wieder zu Niederlassungen jüdischer Personen in der Stadt. 1910 wurden zwölf jüdische Einwohner gezählt. Verschiedene Gewerbebetriebe waren in den folgenden Jahren im Besitz jüdischer Familien, so das Konfektions-, Manufaktur- und Kurzwarengeschäft Heinrich Böker Nachf. (um 1907/11) und das Kaufhaus (Manufaktur- und Modewaren) Amalie Polak (um 1918/21). Zwei jüdische Betriebe in Gotha hatten Filialen in Eisfeld (vgl. Anzeigen unten): die Fa. Gebr. Alsberg (Textilwaren, um 1907/12) und die Fa. G. Marcks (um 1907).           
   
Im "Handbuch der jüdischen Gemeindeverwaltung und der Wohlfahrtspflege" 1924/25 S. 143 wird Eisfeld als jüdische Gemeinde mit sechs Gemeindemitgliedern aufgeführt. Auch im "Führer durch die jüdische Gemeindeverwaltung und Wohlfahrtspflege" 1932 S. 375 findet sich Eisfeld als jüdische Gemeinde mit nun zehn Gemeindegliedern und dem Vorsitzenden Hermann Gerson. Im Wohn- und Geschäftshaus von Hermann Gerson gab es auch einen Betraum (s.u.).   
 
1933 lebten folgende Personen jüdischen Glaubens bzw. jüdischer Herkunft in Eisfeld (vgl. Heimatgeschichtlicher Wegweiser s.Lit. S. 123): 
   
- Wladimir Slobodkin
, der in der Georgstraße 25 ein Elektrogeschäft betrieb und seit seiner Heirat mit Magda geb. Glaser 1917 evangelisch geworden war. 1933 kehrte er auf Grund starker Anfeindungen in die Sowjetunion zurück. Seine Frau und die 1918 geborene Tochter Edith blieben zunächst in Eisfeld zurück, wurden jedoch später deportiert; ihr Schicksal ist unbekannt; 
Hermann Gerson, der im Gebäude Kirchberg 8 ein Textilgeschäft hatte. Auch er war nichtjüdisch verheiratet. Seine beiden Kinder Ruth und Alexander waren bereits 1930 nach Palästina ausgewandert. 1938 wurde das Geschäft von Hermann Gerson zwangsweise "arisiert". Hermann Gerson und seine Frau Julie wurden obdachlos. Sie fanden Unterkunft bei der nichtjüdischen Familie Heß. 1944 wurde Hermann Gerson denunziert und in das KZ Auschwitz deportiert;  
- Benno Süßkind (geb. 14. August 1900 in Jülich als Sohn von Julius Süßkind und Helene geb. Hertz), der als Verkäufer bei Hermann Gerson arbeitet. Er war gleichfalls (seit 1927 in Eisfeld) nichtjüdisch verheiratet; die Familie (zwei Kinder) wohnte Am Hopfensteg 14. Mit der "Arisierung" des Geschäftes von Hermann Gerson wurde Benno Süßkind arbeitslos. In der NS-Zeit kam er zeitweise in das KZ Bergen-Belsen, das er überlebte. Nach 1945 zog er nach Trier, wo er 1947 den Vorsitz der dortigen jüdischen Gemeinde übernahm (bis 1962). Benno Süßkind, der in zweiter Ehe Wilhelmine geb. David aus Coesfeld heiratete, lebte mit ihr seit 1962 in Coesfeld, wo er am 19. April 1966 starb.
Hinweis: zur Biographie von Benno Süßkind vgl. eine 2020 erschienene Publikation von Claudia Haßkamp im Novalisverlag zu Biographien geretteter jüdischer Personen in Coesfeld: Claudia Hasskamp: Wilhelmine Cohen und Benno Süsskind: Gemeinsamer Neu-Anfang 1947 in Deutschland.  Erschien 2020. Eingestellt als pdf-Datei. Vgl. auch Presseartikel von Ulrike Deusch in der "Allgemeinen Zeitung" vom 13. November 2019: "Coesfeld. Begegnung mit Wilhelmine Süskind..." Link zum Artikel  
sowie biographische Angaben  http://familienbuch-euregio.eu/genius/?person=493165   sowie Buch von Dieter Westendorf und Hans-Jochen Westendorf: "Schicksale der jüdischen Coesfelder zwischen Bedrohung und Ermordung 1919-1945". Erschien 2013; online http://www.konzertring-coesfeld.de/aktuelles/20.9.Buch.pdf
  
Von den in Eisfeld geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Hermann Gerson (1885). Amalie Polak (1874), Emma Polak (1882). Nach den Angaben des Heimatgeschichtlichen Wegweisers sind außerdem umgekommen: Magda Slobodkin geb. Glaser (), Edith Slobodkin (1918).    
Hinweis: der im Heimatgeschichtlichen Wegweiser als Opfer der NS-Zeit genannte Benno Süßkind (siehe oben) überlebte die NS-Zeit (gest. 1966 in Coesfeld, siehe oben, Hinweis Stadtarchiv Coesfeld vom 1.9.2020).
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
 
 
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen          
Anzeigen des Konfektions-, Manufaktur- und Kurzwarengeschäftes Heinrich Böker Nachfolger (1907 / 1911)     

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 21. Februar 1907: "Für Geschäft und Haushalt suche ich ein jüdisches
Lehrmädchen
mit guter Schulbildung, unter günstiger Bedingung.
Heinrich Böker Nachfolger
Eisfeld in Thüringen.
"  
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. April 1911: "Für mein Konfektions-, Manufaktur- und Kurzwarengeschäft suche zum 15. Mai oder 1. Juni eine jüngere
Verkäuferin,
israelitisch, die etwas schneidern kann, Kost und Logis im Hause. Familienanschluss. Offerte mit Bild Gehaltsansprüchen und Referenzen.
Heinrich Böker Nachfolger
Eisfeld in Thüringen. "   

   
Anzeigen der Firma Gebr. Alsberg (Gotha) für ihre Filiale in Eisfeld (1907 / 1912)   

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 24. Januar 1907: "Zum 1. März suchen wir für unsere Filiale in Eisfeld in Thüringen eine
jüngere Verkäuferin,

die auch etwas Schneiderei versteht. Offerten mit Bild und Angabe der Gehaltsansprüche und Referenzen an
Gebrüder Alsberg, Gotha. "   
 
Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 21. März 1912:
"Wir suchen zum baldigen Eintritt für unsere Filialen in Eisfeld in Thüringen und Zella St. Blasii in Thüringen je ein
junges Mädchen

in die Lehre. Kost und Logis im Hause.
Gebrüder Alsberg.
Manufaktur und Konfektion Gotha. "     

       
Anzeige der Firma G. Marcks (Gotha) für ihre Filiale in Eisfeld (1907)      

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 12. Dezember 1907:
"Für meine Filiale in Eisfeld in Thüringen suche ich per 1. Februar eine jüngere tüchtige
Verkäuferin
(Israelitin), die auch etwas schneidern kann. Kost und Lobbys im Hause. Familienanschluss. Offerten mit Bild und Gehaltsansprüchen erbeten.
Ferner ein
Lehrmädchen

für Geschäft und Haushalt.
G. Marcks, Gotha. "      

         
Anzeigen des Kaufhauses (Manufaktur- und Modewaren) A. Polak (1918)   
Anmerkung: Putzarbeiten sind keine Reinigungsarbeiten, sondern die Herstellung von "Putz" =  Kopfbedeckungen aller Art, vgl. Artikel https://de.wikipedia.org/wiki/Modist 
Die Firma Amalie Polak in Eisfeld war von 1915 bis 1937 in das dortige Handelsregister eingetragen, vgl. Eintrag in
den Akten: Thür. Amtsgericht Eisfeld - Archivportal Thüringen (archive-in-thueringen.de) 
Dazu Hinweis auf der Seite http://www.schildburghausen.de/geschichte-der-juden/:  "März 2015: Die Schüler Kevin Kieser, Jonas Klimmt und Julian Amthor (Eisfeld) sowie Robin Adler (Themar) verfassen eine Seminarfacharbeit am Beruflichen Gymnasium Hildburghausen zur Geschichte der Juden in Eisfeld. Ideengeber ist der Geschichtslehrer Rolf Schildknecht und Betreuer der Eisfelder Stadtchronist Klaus Pfrenger. Die Schüler finden heraus, dass es neben den bekannten Schicksalen noch weitere Opfer gegeben hat. Sie finden noch zwei jüdische Mitbürgerinnen, die Schwestern Amalie und Emma Polak, die in Papenburg an der Ems geboren worden sind. Die zwei Frauen haben zeitweise zwei Geschäfte in der Eisfelder Marktstraße nahe der heutigen 'Auen-Apotheke' geführt. Die Schwestern seien auf einer Transportliste von Eisfeld nach Düsseldorf erfasst worden. Von dort ist es im Auftrag der Gestapo weiter nach Minsk gegangen. Dort verliert sich jede Spur." 
Amalie (Malchen) Polak ist am 10. Juni 1874 in Papenburg geboren als Tochter von Wilhelm (Wolf) Polak und der Friederike geb. Ballin. Sie wurde nach der Deportation (Ghetto Minsk) ermordet. 
Emma (Eva) Polak ist am 27. Dezember 1882 in Papenburg geboren als Tochter von Wilhelm (Wolf) Polak und seiner zweiten Frau Dora geb. Bernstein. Sie wurde nach der Deportation (Ghetto Minsk) ermordet.    

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 24. Januar 1918: "Suche zum 1. März eine
jüngere Putzarbeiterin,

welche auch im Verkauf von Manufaktur- und Modewaren sowie im Abändern von Konfektion tätig sein muss. Kost und logisches im Hause. Gefällige Angebote mit Bild und Gehaltsansprüchen sowie Zeugnis Abschriften an
Kaufhaus A. Polak, Eisfeld in Thüringen. "      
  
Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 16. Mai 1918:
"Zum 1. August suche eine jüngere jüdische
Putzarbeiterin,
welche auch den Verkauf von Manufakturwaren versteht.
Gehaltsansprüche mit Bild und Zeugnisabschriften erbeten an
Kaufhaus A. Polak, Eisfeld in Thüringen. "    
 
Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 5. September 1918:
"Suche zum 1. Oktober eine jüngere
Verkäuferin oder Volontärin.

Gefällige Angebote mit Bild, Gehaltsansprüchen erbeten an
Kaufhaus A. Polak, Eisfeld in Thüringen. "   
 
Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 23. Juni 1921: "Zum 1. Juli
suche ich eine jüngere
Verkäuferin,
welche auch das Putzfach versteht. Gefällige Angebote mit Zeugnis Abschriften, Gehaltsangabe bei freier Station erbeten an
Kaufhaus A. Polak
Eisfeld in Thüringen
. "    

   
Rosa Cohn sucht neue Stelle als Haustochter (1927)    

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 18. August 1927:
"Suche nach 17-jähriger Tätigkeit in einem Hause
Stelle als Haustochter

in besserem Hause, in Berlin, zum 1. September.
Offerten erbeten an Rosa Cohn
Eisfeld
(Thüringen)."        

   
   
   
Zur Geschichte des Betraumes           
    
Hermann Gerson, der zeitweise Vorsteher der kleinen jüdischen Gemeinde war, richtete in seinem Wohn- und Geschäftshaus einen Betraum ein. Wie lange der Betraum als solcher genutzt wurde, ist nicht bekannt. Das Gebäude steht noch heute.   
   
   
Adresse/Standort des Betraumesim Gebäude  Kirchberg 8         
   
   
Fotos  

Fotos zur jüdischen Geschichte in Eisfeld sind noch nicht vorhanden.  
     

  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 

März 2015: Recherche von Schülern - Verlegung von "Stolpersteinen" geplant    
Artikel von Christel Kühner in "inSüdthüringen.de" vom 18. März 2015: "Wenn eine Seminararbeit zu Stolpersteinen führt
'Besser Heimatgeschichte als ein ganz allgemeines Thema', sagten sich vier junge Männer vom Beruflichen Gymnasium Hildburghausen. In ihrer Seminarfacharbeit beschäftigten sie sich mit der jüdischen Geschichte Eisfelds. Im Ergebnis sollen in der Stadt vier Stolpersteine verlegt werden..."   
Link zum Artikel      

   

  
Links und Literatur

Links:  

bulletWebsite der Stadt Eisfeld  

Literatur:  

bulletGermania Judaica III,1 S. 294. 
bulletIsrael Schwierz: Zeugnisse jüdischer Vergangenheit in Thüringen. Eine Dokumentation - erstellt unter Mitarbeit von Johannes Mötsch. Hg. von der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen ( www.lzt.thueringen.de) 2007. Zum Download der Dokumentation (interner Link). Zu Eisfeld S. 99.  
bulletHeimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Band 8 Thüringen. Frankfurt 2003. S. 123.  

      
n.e.  

  

                   
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Stand: 30. Juni 2020